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#overtonmagazin — Public Fediverse posts

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  1. Der “Hoax Buster”

    Leuchttürme von gestern – weil Doofbleiben keine Alternative ist

    1. Zum KI-Weltuntergang

    Florian Rötzer/overton: “Anthropic-Wissenschaftler: ‘Wir glauben tatsächlich ernsthaft, dass KI alle Menschen töten könnte!’ – Vier Chefs von großen KI-Konzernen (OpenAI, Anthropic, Google, SpaceXAI), die scharfe Konkurrenten sind, haben nun gemeinsam entdeckt, dass die von ihnen geschaffene Technik außer Kontrolle geraten könne. Das geschah, nachdem Anthropic und OpenAI, beide Unternehmen stehen gerade vor dem Börsengang, berichtet hatten, dass KI-Modelle aus ihrer Testumgebung ausgebrochen seien. Anthropics Modell hatte Zugang zum Internet gefunden, die Modelle von OpenAI waren in die Entwicklerplattform Huggingface eingebrochen.”

    und

    Ferdinand Muggenthaler/Blätter: “KI-Agenten außer Kontrolle – Warum eine globale Regulierung Künstlicher Intelligenz nötig ist”.

    Brutal auf den Boden der deutschen Tatsachen führt Sie und mich dann

    Christian Bartels/MDR-Altpapier: “Viele Stimmen, nicht so viel Reichweite – Was die rasante Entwicklung der KI mit den sogenannten sozialen Medien gemeinsam hat: Europäische und deutsche Plattformen und Politiker können nur noch zuschauen (und alarmierend hinterher appellieren).”

    2. Rätsel Russland

    Die Mehrheit hiesiger Medienöffentlichkeit hat ihr Meinungsbild zu Russland abgeschlossen. Ich nicht – Unkenntnis und Neugier überwiegt. Darum ist das Folgende informativ und aufschlussreich (und weniger vernagelt, als was uns täglich serviert wird):

    Katja Woronina (Interview)/Jungle World: “Die russischen Sozialisten Ilya Matveev und Ilya Budraitskis im Gespräch über die ideologischen Triebfedern des russischen Krieges: »Fressen oder gefressen werden« – Warum führt Russland Krieg, auch wenn das russischen Kapitalinteressen schadet? Warum opfert der Staat Billionen Rubel und Hunderttausende Menschenleben, im Versuch, die Ukraine zu unterwerfen? Die russischen Sozialisten Ilya Matveev und Ilya Budraitskis identifizieren die Ideologisierung der russischen herrschenden Klasse als zentrale Triebkraft des Militarismus. Die »Jungle World« sprach mit ihnen über die Wurzeln von Wladimir Putins Weltsicht in der Paranoia des KGB und im Raubtierkapitalismus der neunziger Jahre und darüber, was nötig wäre, damit Russland keine Bedrohung für seine Nachbarländer mehr darstellt.”

    Ein blinder Fleck dieses Interviews bleibt in Bezug auf die Krim die gewaltige strategische Bedeutung der russischen Atombewaffnung und ihres Meereszugangs. Ohne diese Atomwaffen wäre Russland als Grossmacht am Ende, jederzeit ignorierbar, weil seine ökonomische Macht vernachlässigbar ist. Die russische Elite hat keine ökonomisch konkurrenzfähige Idee – nur die Option militärische Gewalt. Fragen Sie Xi Jinping. Das ist arm und gefährlich. Muggentahler (s.o.) bezieht die Atomwaffen immerhin in seine Überlegungen ein.

    3. Der deutsche Infrastruktur-Abgang

    Wie konnte es so weit kommen. Und warum haben die, die es hätten stoppen können, es laufen lassen?

    Marcel Kunzmann/telepolis: “Stuttgart 21: Das späte Geständnis eines Gutachters – Ein Gutachter, der den Stresstest für Stuttgart 21 absegnete, glaubte selbst nicht an seine Zahlen. Was das für die spätere Betriebspraxis bedeuten könnte.”

    Mann nennt es staatsmonopolistischer Kapitalismus. Olaf Scholz wusste mal, was das ist. Als er später Bankiers beim Steuervermeiden unterstützte, so geht die Legende, habe er immer noch gewusst: “Gegen die Elbchaussee kann man nicht regieren.”

    4. NRW liegt still – Wundersame Bahn CCLIX

    Sensation in Bonn: geht die (ÖPNV-)Welt doch nicht unter? “Vier von 60 defekten Bonner Stadtbahnen fahren wieder”. Dann steht einer Wiederwahl des OB und seiner Aufsichtsrät*inn*e*n ja sicher nichts mehr im Wege – obwohl doch “ihre Geduld” seit Wochen “am Ende” ist.

    Dafür liegt NRW jetzt still. Von Bonn über Köln, Düsseldorf, Duisburg bis Oberhausen und Essen geht bis Ende Oktober nichts mehr. Dank der maroden Autobahnen in Duisburg-Kaiserberg.

    Meine Idee; bauen Sie doch ähnliche Brückenbauwerke über Beuel hinweg: Auffahrt am Endenicher Ei, Abfahrt irgendwo hinter Pützchens Markt – mit architektonisch ähnlich spektakulären Autobahnkreuz-Bauwerken, wie sie unser geliebter Ministerpräsident schon zwischen Köln und Bonn (“Rheinspange”) platzieren will. Mann gönnt sich ja sonst nichts. Und die Profitraten der Baumafia müssen gesichert werden – sonst bespenden die noch die AfD.

    Besagter Ministerpräsident ist schon auf der Flucht.

  2. Xi & Donald – können die das?

    Mit Update am Morgen

    Die kapitalistischen KI-Vorantreiber (gendern überflüssig) hauen selbst geschäftstüchtig auf die Weltuntergangstrommel. Ihr Kapitalbedarf ist astronomisch hoch, ihre Verschuldung auch, die Profitrate dagegen panikfördernd unsichtbar. Retten kann sie nur Militär und Aufrüstung. Die dafür politisch Verantwortlichen sind doof genug, dass sie ihnen jeden Mondpreis aufschwatzen können. Die wollen nur den Längsten haben (gendern unmöglich). Beide Seiten dieser gefährlichen Geschäftsbeziehung handeln nicht mit eigenem Geld – sondern komplett mit dem, was Andere produzieren und “verdient” haben.

    Nicht alle “da oben” sind doof. Ist das eher gut so? Oder eher schlecht? Das müssen Sie selbst entscheiden. Quan Zhao/IPG-Journal scheint mir recht gescheit zu sein:

    “Der falsche Wettlauf – USA und China kämpfen um die Vorherrschaft bei KI. Doch die nächste Entwicklungsstufe könnte so gefährlich werden, dass nur Zusammenarbeit hilft.”

    Nur nebenbei bemerkenswert ist, wer hier alles keine Rolle spielt. Spannender ist die Frage, ob die, die eine ergattert haben, diese vom Autor formulierte Aufgabe erstens verstehen und zweitens überhaupt bereit sind, mit ihrer Bewältigung zu beginnen. Es könnte nämlich dauern …

    Ich sach’ mal so. Xi würde ich das zutrauen. Aber Donald? Hat der Leute dafür? Auf beiden Seiten ist klar: demokratische Kontrolle durch Reste von kompetenter (Medien-)Öffentlichkeit – das ist ein Totalausfall. Auf beiden Seiten. Und hier bei uns sowieso.

    Schauen Sie nur, welche jämmerlich unbedeutenden Gegenbeispiele ich ins Feld führen kann. Ich bin zweifellos fachlich inkompetent, und nur neugierig. Wieviele sind das?

    Schauen Sie nur mal wie ich durch dieses Guckloch von Florian Rötzer/overton, der sich immerhin ein Berufsleben lang journalistisch mit solchen Fragen beschäftigt, und damit im Feld deutscher Publikumsmedien schon Teil einer Spitzengruppe ist:

    “Angriffe auf Rechenzentren: ‘Wir werfen für eine gewisse Zeit die ukrainische Armee ins 20. Jahrhundert zurück’ – Die russischen Truppen haben ein großes Rechenzentrum in Kiew bombardiert. Auch der Iran hat bereits einige in der Golfregion angegriffen. Rechenzentren, die oft nicht gegen Luftangriffe geschützt sind, erweisen sich als eine Achillesferse für die moderne Kriegsführung. Mit deren Ausschaltung fällt auch Künstliche Intelligenz aus.”

    Solche Rechenzentren sollen auch hierzulande flächendeckend ausgelegt werden, wie es einst AKWs getan haben. Und sie sind auch genauso gefährlich. Nicht nur, weil sie privatem Kapital gehören und von diesem beherrscht und gesteuert werden. Absehbar ist die Propagandawelle dafür, dass es nationales/europäisches (statt “fremdes”=böses) Kapital sein soll. Was an der Sache nichts besser macht, eher …

    Dazu hat Bianca Kastl/netzpolitik gestern ein Guckloch geliefert. Wenn es netzpolitik und heise nicht gäbe, würden wir hier vollständig von Analphabet*inn*en beherrscht. Hören Sie nicht auch das Gelächter in Afrika?

    Update am Morgen

    Völlig richtig zum gleichen Thema

    Christian Stöcker/Spiegel: “Verzweifelte Warnungen: Vor KI-Katastrophen schützt nur Kooperation – Ein Social-Media-Post eines Ex-KI-Entwicklers hat eine Welle existenzieller Angst losgetreten – diesmal wohl zu Recht. Nötig ist jetzt das, was Donald Trump und seine Anhänger besonders verachten.”

    Sollte eine US-KI in die Nähe des roten Atombombenknopfs kommen, wäre “es” so weit. Dass eine Figur wie Donald durch KI ersetzt wird, muss mann ohne jeden Humor für möglich halten. “Es” ist also nicht weit weg. Und das Problem ist nicht nur die KI. Es ist und war schon die Atomtechnologie, von Anfang an liiert mit und hergestellt vom “militärisch-industriellen Komplex”, mit dem schon der US-Präsident 1953-61 bestens bekannt war – er war schliesslich selbst in ihm aufgewachsen.

  3. Gebärentfremdung weltweit

    Im zeitlichen Umfeld meines letztjährigen Herzinfarktes beschäftige ich mich intensiv mit der Abfassung eines Testamentes. Als gewollt kinderloser alleinlebender Mann ist mein grösster Besitz meine Wohnung. Drei Frauen, mit denen ich langjährig befreundet bin, und die alle (mehr oder weniger) je ein Kind alleinerzogen haben, sollen sich um ihre Verwertung kümmern, wenn ich nicht mehr bin. Der grössere Teil geht in die Flüchtlingssolidarität (mit ihren zahllosen Kindern, Lebenden und Toten), der kleinere Teil an die drei lebenslang hart arbeitenden Damen. Wie kommichdrauf? Wir sind repräsentativ. Und werden es immer mehr.

    Aus unserem schönen Nachbarland ist diese sehenswerte Reportage:

    “Re: Generation No Kids in Frankreich – In Frankreich entscheiden sich immer mehr junge Erwachsene gegen Kinder, darunter auch Yasmine, Lou und Chloé: Sie stehen trotz aller gesellschaftlichen Zwänge und Normen zu dieser Entscheidung, denn sie wollen ungebunden allein oder zu zweit leben, manche fürchten einfach die Welt von morgen.” Video 30 min. Ein Jahr verfügbar.

    Ist das nun allein ein Phänomen der reichen sich selbst isolierenden und einmauernden EU-Länder? Nein. Es breitet sich aus. Darauf wies vorgestern Florian Rötzer/overton hin:

    “Erstmals gibt es weltweit mehr Alte als Kinder – In vielen Ländern ist die Geburtenrate so zurückgegangen, dass die Bevölkerung schrumpft und immer mehr Alte auf immer weniger Kinder und junge Menschen kommen. Die gewohnte Alterspyramide kommt ins Kippen. Das hat zunächst die reichen Länder betroffen, der Trend aber erfasst immer weitere Länder. Nur in manchen afrikanischen Ländern werden noch mehr als 5 Kinder pro Frau geboren, was noch in den 1950er Jahren Weltdurchschnitt war. Auch in Indien, dem bevölkerungsreichsten Land, ist die Fertilität unter die Reproduktionsrate auf 2 Kinder pro Frau gefallen, in China liegt sie bei 1,0, in Deutschland bei 1,32.”

    Im Ausnahmefall Afrika dient der Kinderreichtum der Alterssicherung. Wo es zu ihr Alternativen gibt, plus das nötige Wissen darüber (und das breitet sich weltweit aus), sinkt die Geburtenrate, egal was “zuständige” Regierungen dazu an ungeeigneten Kopfständen inszenieren. Auch das Wissen, wer diese Welt des real existierenden Kapitalismus real beherrscht, egal, wen Menschen in bürgerlichen Demokratien dazu bestimmen, hat sich rasant weltweit ausgebreitet. Hoffnung verbreitet es nicht, und wirkt sich folgerichtig negativ auf die menschliche Fortpflanzungslust aus. Nehmen Sie das:

    Stefan Krempl/heise: “Außer Kontrolle? Die KI-Debatte zwischen Apokalypse und Aufbruch – Ausbrechende Agenten, drohender Stellenabbau und geopolitische Ränke: Pioniere und Vordenker wie Bill Gates ringen um die Zukunft der Künstlichen Intelligenz.”

    Krempl, einer der qualifizierteren Heise-Mitarbeiter, hat in diesem Szenario eine materialistische Analyse der ökonomischen Triebkräfte der Einfachheit halber unterlassen. Doch auch die drohende und näherrückende KI-Blase ist weit über Aktienbörsen hinaus in der Weltöffentlichkeit als Gefahr bekannt und (un-)”populär”. Eine unermessliche Kapitalvernichtung steht bevor (auch als Weltkrieg vorstellbar). Wen und was wird sie alles mitreissen? Und wer will das seinen Kindern zum Geburtstag und zu Weihnachten schenken? Die Menschen sind nicht so blöd wie ihre KI.

  4. Ankündigung zukünftigen Scheiterns

    Wundersame Bahn CCLI – in Beuel und Stuttgart

    mit Update 3.7. abends

    Das Projekt des NRW-Regionalverkehrs strauchelt, bevor es in Betrieb gegangen ist. Woher kennen wir das? Siehe unten. Der RRX geht schon kaputt, bevor seine Gleise gebaut sind. Susi Makarewicz/WDR: “Fehlersuche beim RRX geht weiter – Am Wochenende musste National Express zeitweise den Zugbetrieb einstellen, weil etwa jeder dritte Zug ausgefallen war. Die Fehlersuche läuft.” Der Lieferant der fehlerhaften Fahrzeuge ist der Siemens-Konzern. Hier seine Aktionärsstruktur. Seit knapp 200 Jahren, durch alle Phasen, Systeme, Auf und Abs deutscher Geschichte war dieser Konzern der fetteste Empfänger staatlicher Aufträge und Subventionen.

    Ab heute nacht sperrt die Bahn die linke Rheinstrecke zwischen Bonn und Köln für Sanierungsarbeiten. Die sollen punktgenau fertig sein, wenn sie ab 10.7. die rechte Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden für ein halbes Jahr (“Generalsanierung”) stilllegt. Ob das gut geht? Wer glaubt das (s.u.)?

    Und weil die Herren Ingenieure das miteinander-kommunizieren nicht studiert haben, wird das gleichzeitig über die pendelnden Fahrgäste ausgekippt: WDR: “Arbeiten an Straßenbahnstrecke Bonner ÖPNV für zwei Wochen eingeschränkt – Seit Mittwoch gibt es Ersatzverkehr auf Teilabschnitten mehrerer Straßenbahnlinien, in Ramersdorf und in der Nähe des ehemaligen Regierungsviertels Bonn. Die Einschränkungen sollen voraussichtlich zwei Wochen gelten.”

    Bitte mit Sahne? Bitteschön, nochmal der WDR: “Trotz gesperrter Nordbrücke: Kostenloser ÖPNV in Bonn endet – Mit dem Angebot im Juni wollte die Stadt Bonn nach der Nordbrückensperrung den Verkehr in der Stadt entlasten. Nun haben die Stadtwerke eine erste Bilanz gezogen. Ab 1. Juli brauchen die Fahrgäste für Busse und Bahnen wieder ein Ticket.” Hauptsache ist doch, dass der Auto- und LKW-Verkehr auf den ehemaligen Rad- und Busspuren jetzt wieder fliesst.

    Woanders is’ auch scheisse

    In Stuttgart sind sie neidisch auf unsere Bonner Probleme. Und das kostet auch noch – nach gegenwärtigen sehr, sehr flexiblen Schätzungen – 14.500.000.000 €. Oliver Stenzel/Kontext-Wochenzeitung: “Lenkungskreis Stuttgart 21: Palla wird nicht hingerichtet – Endlosprojekt Stuttgart 21: Mehrere Monate lang hat eine interne Konzernrevision der Bahn nach Problemen gesucht – und sehr viele gefunden. Bahnchefin Evelyn Palla gibt sich ‘erschüttert’, sie will daraus Konsequenzen ziehen, verspricht ‘maximale Transparenz’. Doch für den Revisionsbericht gilt das nicht.”

    Das ist ja heute die Regel, fragen Sie Herrn Merz oder Herrn Nagelsmann, dass die “Krisenkommunikation” danach das Schadensbild erst wirklich perfekt “abrundet”. Erst durch die PR-Crashs wird Schweigen und Lautlosigkeit wirkungsvoll überwunden, und die Sache endlich von breiteren Kreisen der Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen.

    Update 3.7. abends

    Eine sehr treffende Bahn-Analyse gefällig? Diese überzeugt mich:

    Karl-Heinz Peil/overton: “‘Stuttgart 21 ist überall!’ – Die Bundesmittel an die Deutsche Bahn zur Verbesserung der Schienen-Infrastruktur sind in der jüngsten Zeit deutlich erhöht worden. Diese fließen jedoch größtenteils in unsinnige Großprojekte, die Teil der Probleme statt Lösungsansatz in der Bahnpolitik sind.”

    Gegenmacht im Anfangsstadium? Schön wärs-

  5. Das könnte Sie verunsichern

    Zwei sehr gegensätzliche Typen Politiker*in. Ladies first. Tulsi Gabbard halte ich politisch für eine frei flottierende Kanonenkugel. Das machte sie zunächst für Trump attraktiv. Nun ist er wahrscheinlich froh, dass er sie loswird. Hat sie ihn geschmerzt? Subjektiv-persönlich auf jeden Fall, politisch glaube ich eher nein. Es blieb die Rolle der Hofnärrin. Die Geheimdienste – in den USA sind es 16 – machen sowieso, was sie wollen, und lassen sich von so Einer nicht in die Suppe spucken. Vielleicht hat sie das nun endlich auch selbst gemerkt. Zum schlechten Schluss versucht sie selbst noch eine Marke zu setzen, hier nachzulesen:

    Florian Rötzer/overton: “Oberste US-Geheimdienstchefin: Die Existenz von US-finanzierten Biolaboren in der Ukraine wurde verschleiert – Kurz vor ihrem Ausscheiden aus dem Amt als oberste Geheimdienstchefin (Director of National Intelligence – DNI) hat Tulsi Gabbard noch Dokumente über 120 von amerikanischen Steuergeldern seit langem unterstützte Biolabs auf der ganzen Welt veröffentlicht.”

    Eine zweifellos explosive Thematik, zu der Autor Rötzer selbst die mangelhafte Substanz des Dargebotenen bemängelt. Verhältnismässig sauber rezitiert er die diversen beteiligten Seiten. Es ist keine dabei, der ich mich vorbehaltlos zu glauben in der Lage sehe. Sie etwa? So bleibt es beim Glauben und Raunen. Das zu bewirken war Mrs. Gabbards fortwährende Beschäftigung. Ein bisschen arm. Finde ich.

    Mützenich

    Welch ein Kontrast. Ihn habe ich zuerst als Arbeitskollegen im NRW-Landtag kennen gelernt. Ein Typ der gründlich durchdenkt, bevor er den Mund aufmacht. Keiner, der an Lärm interessiert ist. PR ist für ihn nie Zweck, sondern immer nur Mittel. Umso spektakulärer finde ich dieses Interview, das er dem recht frei flottierenden “freien” und aus der einen oder anderen TV-Talkshow bekannten Journalisten Jörg Wimalasena gibt, und das dieser bei Jacobin veröffentlicht, das weniger der SPD und mehr der so sich nennenden Partei “Die Linke” nahesteht:

    “‘Kriegstüchtigkeit sehe ich im Widerspruch zum Grundgesetz’ – Rolf Mützenich ist der profilierteste Diplomatie-Verfechter innerhalb der SPD. Im Jacobin-Interview spricht er darüber, was Deutschlands UN-Blamage bedeutet und wie an der Basis seiner Partei über Aufrüstung diskutiert wird.”

    Nicht nur der Publikationsort, mehr noch der Inhalt lässt mir nichts zu wünschen übrig. Einer der ganz wenigen Politiker*innen, denen ich vertraue.

    Einer der wenigen Journalist*inn*en, für die das gilt, tritt in wenigen Tagen in Köln auf. Leider auch schon Rentner. Er versicherte mir vor einigen Jahren nach einer TV-Talkshow, dass der Södermarkus als Mensch genau so ist, wie er wirkt. Er ist kein Anderer, wenn die Kamera aus ist. Dramatisch tragisch für diesen armen rechten Wicht. All die Bayern, die den wählen, müssen also selbst ein schweres Problem mit sich haben.

    “GEAS” – Reinstallation der Sklaverei

    Vor einigen Monaten enthielten sich einige wenige Regierungen dieser Welt einer Verurteilung der Sklaverei in der UNO-Vollversammlung. Nicht zufällig waren es mächtige Regierungen, darunter die deutsche. Die ist heute besonders stolz auf das, was sie in der EU “Gemeinsame europäische Asylpolitik” nennen, real und materiell die Abschaffung desselben. Wie sieht das in der Praxis aus?

    Das zeigte am Samstag ausnahmsweise mal nicht “Monitor”, sondern die Arte-Reportage von Charles Emptaz und Samuel Gratacap:

    “Libyen: Die Falle für Migranten – Die Länder der Europäischen Union zahlen weiterhin sehr viel Geld an Libyen, damit deren Sicherheitskräfte möglichst viele Migranten in Richtung EU aufhalten – und das, obwohl die Methoden der Libyer umstritten sind. Berichte über Folter und grausame Haftbedingungen zirkulieren in den sozialen Medien. Laut offiziellen Angaben kommen inzwischen nur noch halb so viele Migranten in die EU. Aber zu welchem Preis?” Video 25 min. Verfügbar 3 Jahre.

    Sehen Sie sich das mit der nötigen psychologischen Vorsicht an. Wenn Sie noch jung sind, oder reich, oder gar beides, Sie könnten nach Anblick einiger verantwortlicher Visagen u.U. Anwandlungen von Terrorismusmotivation bekommen. Am besten nicht allein gucken, sondern immer in sozialer Begleitung.

    Was sagt es uns, dass es sich um eine französische Produktion handelt? Hierzulande erregen sich die Medien selbstreferentiell darüber, ob sie selbst KI einsetzen dürfen sollen oder nicht. Herrjeh, das ist ganz sicher nicht das Kernproblem des Herrn Döpfner. Sein Kernproblem ist seine reaktionäre gesellschaftspolitische Einstellung. Der findet das da in Libyen richtig. Eher noch nicht ausreichend. Und overton präsentiert seinen leitenden Angestellten Poschardt. Solche Medien braucht kein Mensch. Sie führen zu nichts, sie helfen bei nichts – sie sind weltabgewandt, selbstbezogen, komplett nutzlos und überflüssig.

    Wie viele werden diese Arte-Reportage sehen?

  6. Bauerndrama mit Happyend

    Es ist nie zuende, aber ein schöner Ist-Zustand ist erreicht

    Am Feiertag mal was zum Besserfühlen. Stammleser*innen unter Ihnen wissen, dass ich die Ernährungs- und Landwirtschafts-Reportagen von Florian Schwinn sehr schätze. Heute hat mir wieder eine den Start in diesen Tag verschönert. Haben Sie keine Angst vor dem Titel.

    “Der Bauer und der Tod – Das Thema dieses Blogs und des zugehörigen Podcasts ist kein leichtes. Das verrät schon der Titel. Aber es ist ein notwendiges, denn die Bauern sterben. Nicht nur, weil ihre Höfe dem sogenannten Strukturwandel zum Opfer fallen, nicht nur, weil sie Opfer ihres Umgangs mit Pestiziden werden, Krebs bekommen oder Parkinson; auch weil sie ganz persönlich nicht mehr weiterwissen und können. Die Landwirtschaft ist eine Branche mit extrem hoher Suizidrate. Das ist in der Schweiz oder in Frankreich schon länger bekannt, jetzt wird das auch in Deutschland wahrgenommen. Und es beschäftigt sogar die Europäische Union.”

    Diese Geschichte ereignet sich irgendwo im grossflächigen Niedersachsen, da wo es flach ist, und die “nächstgelegene” Grossstadt Osnabrück ist. Ein guter Anlass für mich, eine alte, sehr gute Freundschaft in diese merkwürdige Stadt wieder aufzufrischen. Eine rege Slowfood-Gruppe haben die auch.

  7. Die Maschine ist doof

    “Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz

    Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.

    “In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”

    Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.”

    Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.

    Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!

    Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.

    Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  8. Mächtig humorlos

    محمد بن زايد بن سلطان آل نهيان, der Boss der Vereinigten Arabischen Emirate

    Als Extradienst-Leser*in wissen Sie, dass der Grossmacht gewordene Zwergstaat Vereinigte Arabische Emirate hier mehr Aufmerksamkeit bekommt, als in der Mehrheit deutschsprachiger Massenmedien. Anders als die haben wir Zeit und Platz. Der Mr. Zayid Al Nahyan muss sich um fast alles kümmern – so ist das in einem Feudalstaat – und das hat ihn mächtig, mächtig reich und mächtig humorlos gemacht. Der Arme.

    Wenig zum Lachen ist ihm zumute, wenn die Rede auf seinen grossen Rivalen محمد بن سلمان بن عبد العزيز آل سعود, den Boss von Saudi-Arabien kommt. Beim gemeinsam betriebenen Völkermord im Jemen haben sich die beiden überworfen. MBZ betreibt im Jemen, im Sudan und in Libyen eigene Lieblingsmilizen, weil er von MBS die Nase voll hat.

    Ebenso wenig amüsiert ist er über seinen Vizepräsidenten, den Chef von Dubai, محمد بن راشد آل مكتوم (Muhammad bin Rāschid Āl Maktūm), den er 2008 aus einer Staatspleite rauspauken musste, und der auch sonst mit seinen Frauen und Töchtern geschäftsschädigende Schlagzeilen produzierte.

    Nicht nur an den Orten seiner Völkermorde hinterlässt MBZ tiefe Spuren. Auch – warum wundert mich das nicht? – im Agrarhaushalt der EU. Es versteht sich von selbst, dass das Lobbyorgan deutscher Agrarindustrie, zu dessen grossen Anteilseignern der Bayerische Bauernverband, das “Landvolk” sowie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und der Waldbesitzerverband Niedersachsen zählen, betonen muss, wie “legal” das Treiben der EU mit MBZ ist.

    Ein bisschen mehr erfahren Sie hier in einem “Leitmedium für institutionelle Geldanlage” (also nichts, was Sie oder mich was angeht 😉 ) Oder bei Stephan Roll/SWP: “Staatsfonds und Außenpolitik – Wie Saudi-Arabien, die VAE und Katar in ihre Macht investieren”. Das haben wir mit unseren Steuern sogar mitbezahlt.

    Demütigend der aktuelle Verlauf des Fussballinvestments: dieser englische VAR-Vorgang kann von seiner Exzellenz nur als klar adressierte Aggression verstanden werden. Dieser Oligarch wird seiner Exzellenz vorgezogen. Ist das tolerabel?

    Was ich dennoch bis heute nicht wusste, ist ein heisses Detail aus der Benko-Pleite. Wurde sie nicht auf dem Medienboulevard rauf und runter ausgelutscht. Warum werden so viele Gläubiger*innen in die Röhre gucken? Von den “freigesetzten” tausenden Lohnabhängigen ganz zu schweigen. Weil sich der dickste Fisch schon gütlich getan hat. Er hat halt die teuersten Anwaltsarmeen (ob er dafür auch Frauen nimmt? Keine Ahnung).

    Emran Feroz/overton: “Austrian Corruption: Wie der Benko-Sumpf immer tiefer wird – Weite Teile der politischen Landschaft Österreich waren eng mit René Benko verbandelt. Nun fanden auch Hausdurchsuchungen bei Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer statt. Über einen Imageschaden für die Republik, der kaum noch zu retten ist.”

    Das fehlte ja gerade noch: sich als Emir der VAE von so einem korrupten europäischen Zwergstaat langmachen zu lassen! Nicht auszudenken: wer sich von diesen Provinzdeppen – oder von diesen (“Neue Grenzüberschreitungen”) – verarschen liesse, würde sich unter den Superreichen der Welt unmöglich machen.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  9. Was ist

    Die grösste Stadt in der grössten Staatsmacht ist zum Labor der Linken geworden

    Doch zunächst das Negative. Wie Sie wissen, bin ich ein Freund der Kritik an dem Medium, das den Namen Spiegel trägt. Eine zunehmende Zahl von Dummköpfen ist dabei der Ansicht, es sei egal, ob diese Kritik rechts oder links sei. Sie machen das Medium zum Popanz, statt die Politik, die von diesem Medium nur repräsentiert und bedient wird. So wie der Kollege Roberto De Lapuente beim Westend-Verlag.

    Gemäss der Zielgruppenstrategie seines Verlages versucht er sowohl BSW- als auch AfD-Wähler*innen zu bedienen, die ausweislich eigener Online-Umfragen die Mehrheit unter seinen Leser’inne’n stellen. Und sein Text fungiert als Werbeumfeld der Verlagsreklame “Ulf Poschardt legt nach”. Das ist der Porschefahrer und leitende Angestellte des Springerkonzerns, der unersättlich mit den Publikationsmöglichkeiten bei seinem Konzernarbeitgeber nicht ausgelastet ist.

    Lapuente bringt es fertig, die Nazi-Kontinuitäten, die Spiegel-Gründer Augstein persönlich organisiert hat, in seiner Analyse wegzulassen. Das allein ist schon hohe Propagandakunst. Kunstvoll unterschiebt er sein eigenes Politikbild von der Gleichsetzung “kritischer Masse” mit den “Querdenkern”, “Schwurblern” und “rechtsoffen”. Ohne Belegstelle sind es schlicht seine eigenen Bilder, die er da malt.

    “Die damaligen Reformjahre (gemeint: Schröders Agenda 2010 und die Unterstützung des Spiegel) haben maßgeblich zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen, sie haben das alte Vertrauensverhältnis vieler Bundesbürger in ihren Staat erodieren lassen – es entstand ein politisches Vakuum, in das letztendlich die AfD vorstieß.” Zackzack, so klar und einfach, dass Julia Ruhs vor Neid erblassen wird: die gute alte BRD wurde von Schröder und dem Spiegel “gespalten”. “Dann entschloss man sich, einen aggressiveren Grippevirus mit einer Pandemie zu küren.” Arrividerci Wissenschaft! So einfach ist die Welt beim Verzicht auf materialistische Analyse unter Verwendung der guten alten Gut-und-Böse-Bilder. In den 60ern und 70ern habe ich sowas noch von katholischen Kanzeln gehört.

    Der Feind für Herrn Lapuente und Westend ist also weder das Kapital noch Springer, sondern die genossenschaftliche Spiegel-Mitarbeiter-KG. Warum mächtige Gegner, wenn es auch Leichte gibt? Ich bin ja auch dafür, dass Borussia Mönchengladbach freiwillig in die spannendere 2. Liga geht.

    Labor New York City

    Welch ein Kontrast zu dieser selbstkritischen Abhandlung:

    Peter Frase/Jacobin: “Regieren im Kapitalismus ist widersprüchlich – auch bei Mamdani – Was passiert, wenn ein Sozialist plötzlich die größte Stadt der USA regiert? Zohran Mamdani konnte seit Beginn seiner Amtszeit einige Erfolge verbuchen. Aber es wurde auch klar, wie viele Kompromisse sozialistische Politik im bürgerlichen Staat verlangt.”

    Die bedauernswerte Mehrheit der dummen Linken würde diese Diskussionen am liebsten überhaupt nicht führen. Sie sind schmerzhaft und anstrengend. Ich habe sie sowohl bei den Jungdemokraten als auch bei den Grünen geführt (und nicht nur da). Für linke Politik im real existierenden Kapitalismus sind sie keine Kür, sondern Pflicht. Wer sie vermeidet, scheidet aus, selbstgewählt.

    Es wird nicht ausreichen, von Mitteleuropa gebannt nach New York City zu starren und bis zum Schlusspfiff zu warten, wie es ausgeht. Das gleicht dem im-Stich-lassen, wie es früher zu Vietnam oder Nicaragua gespielt wurde. Besser lief es im Kampf gegen das Rassistenregime in Südafrika, der im besten Sinne internationalisiert war – staatlich und gesellschaftlich.

    Wer nur nach New York starrt, übersieht den heraufziehenden europäischen Faschismus. Wollen die Linken so doof bleiben, wie es konservative und andere bürgerliche Demokrat*inn*en in Deutschland schon immer waren? Wenn er dann bemerkt wird, ist es zu spät.

    Bonus: Wal-Betrachtung

    Der in die Ostsee verirrte Wal wurde zum Indiz für den Zustand der real existierenden Aufmerksamkeitsökonomie. Matthias Becker/telepolis ist dazu eine im besten Sinne materialistisch-ökologische Betrachtung gelungen:

    “Bye bye Timmy: Praktizierte Tierliebe im Anthropozän – Tierschutz zwischen Klimakrise und Ideologie: Ein Buckelwal, viele Deutungen – wie rechte Narrative, Aktivismus und ökologische Realität aufeinandertreffen.”

  10. Krimineller Zement

    Wie konnte das passieren? Myrte Palatini/Jungle World: “Der französische Manager Bruno Lafont hat Jihadisten in Syrien finanziert: Hauptsache Profit – Das französische Baustoffunternehmen Lafarge bezahlte dem »Islamischen Staat« und anderen Jihadisten in Syrien lieber Geld, statt auf Gewinn zu verzichten. Nun verurteilte ein Gericht den ehemaligen Konzernchef zu sechs Jahren Gefängnis.” Mehr zu Lafarge bei Wikipedia.

    Der böse Straftäter hat sich offenbar nicht ausreichend mit seiner gutherzigen Regierung abgestimmt. Denn völlig abgeneigt ist die seinem Vorgehen nicht, wie sich aktuell in Mali zeigt. Aus Paris berichtet Bernard Schmid/Junge Welt, der häufig auch in der Jungle World und langjährig bei telepolis schrieb: “Bamako unter Feuer – Mali: Tuareg-Separatisten und Dschihadisten starten koordinierte Offensive gegen die Zentralregierung”. Dieser Bericht verschwindet in einigen Tagen im Paywallarchiv der Jungen Welt.

    Das Beispiel Sahel zeigt, dass Frankreichs Neokolonialist*inn*en, und nicht nur die, schon lange studiert haben und bedenkenlos zur Anwendung bringen, was Lars Lange/telepolis hier anschaulich beschreibt: “Anarchie als Strategie: Die neue Logik des Krieges – Krieg ohne Zentrum: Drohnen, Mosaike, Code. Asymmetrische Kriegsführung formt neue Logik. Doch wer kämpft, wenn niemand mehr Befehle gibt? Eine Einschätzung.” Der Autor zeigt, dass in der asymmetrischen Kriegsführung die Grenzen zwischen Staaten, Regierungen und Terrororganisationen verschwimmen. Sie gehen mitunter fliessend ineinander über. Wer ist Terrorregime? Und wer nicht? Da hatte der böse Monsieur Lafont (s.o.) wohl etwas die Übersicht verloren … Mutmasslich halten sich Zementkonzerne angesichts der demagogisch grassierenden Parole “Bauen, bauen, bauen …” und der in jeder kapitalistisch strukturierten Kommune grassierenden “Abreissen-und-neu-bauen”-Epidemie – Bonner*innen wissen, was ich meine – für die Herrscher der Welt und unverwundbar. Sie sind es nicht.

    Das sind ein paar Einführungsleseminuten für Anfänger*innen. Militärs, die noch ihre Sinne beisammen haben, auch professionell damit beschäftigten Politiker*inne*n ist das schon lange nicht mehr neu. Aber wieviele von denen haben ihre Sinne noch beisammen? Das fragt mit einigem Recht Hans-Peter Waldrich/overton: “Trump und der Zerfall rationaler Politik – Trumps mentale Erkrankung und die Logik des Populismus.”

    Alles richtig beobachtet. Es wird von mir persönlich und vielen meiner Freund*inn*e*n geteilt. Ist aber leider vollständig befreit von strategischen Konsequenzen und politischen Handlungsideen. Also – “was unten rauskommt” – am Ende politikfrei. Damit ist das Defizit demokratischer Oppositionen in Parlamenten und Parteien, ob in den USA oder EU-Europa, leider schon fast vollständig beschrieben.

    Der Druck gegen das von Waldrich charakterisierte zunehmend militarisierte und kriegerische System muss von aussen und unten organisiert werden. Parteien dürfen dabei mithelfen. Wenn sie es noch können …

  11. Dumme sehen dumm aus

    Clowns machen das deutsche Feuilleton kenntlich: brav Knochen abnagen und weiterschlafen

    Martin Sonneborn und Adolf Winkelmann werden vom FAZ-Feuilleton gefeiert, selbstverständlich nur hinter digitalen Mauern. Sollte sie das beunruhigen? Das müssen sie selbst entscheiden. Winkelmann wird immerhin von Harald Staun porträtiert, einem der wenigen intellektuell geschäftsfähigen Autor*inn*en dort. Vor 15 Jahren habe ich Winkelmann selbst interviewt, weil ich sein Lebenswerk sehr verehre. Schön, dass er noch lebt. Aber es geht weit dümmer, als diesen Systemclowns Beachtung zu schenken.

    Sie haben wieder einen vor Eitelkeiten berstenden “Literaturstreit” entfacht, im verzweifelten Bemühen, noch gedruckte Bücher unter die Leute zu bringen. Die abtretende Generation jener, die so alt sind wie ich, oder älter, die sich mit dem Digitalen nicht mehr anfreunden mag, ist aber zahlreich und kaufkräftig, solange sie noch am Leben ist. Nachfrage-Macht! It’s the economy, stupid! Also immer feste am folgenlosen um sich selbst drehenden Karussell arbeiten.

    So besoffen, dass sie ihre Abschaffung fast gar nicht bemerken. Jetzt mal im Ernst: Journalismus? Schriftstellerei? Wer braucht sowas? Sollten die nicht lieber mal Arbeiten gehen?

    Florian Rötzer/overton, noch etwas älter als ich, den ich mehr schätze, als sein sich AfD-/BSW- und Holger-Friedrich-artig am “Wokismus” abarbeitendes Alters-Exil, hat sich sein ganzes Berufsleben intellektuell mit “Digitalisierung” beschäftigt, mutmasslich schon, bevor es das Wort gab. Seine aktuelle Bestandsaufnahme ist so brutal wie realistisch: “Googles AI Overviews sind zu 90 Prozent richtig. Ist das gut? – Wir sind es mittlerweile gewohnt, dass bei vielen Anfragen und Suchen, wenn man Google benutzt, sogenannte AI Overviews, die verschiedene Quellen auswerten und zusammenfassen, ganz oben an erster Stelle ausgegeben werden und damit alle anderen Antworten schon einmal degradieren. Sie haben sich bereits zu einer dominanten Informationsquelle entwickelt (KI bedroht Online-Newsmedien).”

    In den Produktionshallen dessen, was wir früher als “Journalismus” kannten, wird damit längst kostensenkend gearbeitet. Schreiber*innen, die dabei – und vor allem davor – auch denken? Wer braucht sowas?

    Wir nannten es Demokratie.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  12. Die Männerkrise

    Männer machen ihre Fakten selbst

    Nach heutiger Durchsicht diverser Onlinemedien war nur ein menschenrechtlich adäquater Schluss möglich: der der exzellent gealterten Oberhausener Kabarettistin Gerburg Jahnke: “Ich bevorzuge für Männer die Gartenhaltung.” Hier alles nachzuhören beim alten Fritz (71, genauso gut gealtert), Sie werden es nicht bereuen. Und ein bemerkenswerter menschenrechtlicher Fortschritt gegenüber diesen bedauernswerten Ex-Artgenossen. Frau Jahnkes Haltungsobjekt soll nach Angaben aus besser informierten Kreisen dieser Fussballbekloppte sein.

    Drei mittelalte bis alte CDU-Männer wollen die Frage “Wer hat den Längsten?” anhand einer – von uns teuer zu bezahlenden – Olympiabewerbungs-Simulation ausspielen (Spiegel-Paywall), die mit der wahren Welt da draussen absolut nichts mehr zu tun hat. Aber mann gönnt sich ja sonst nichts in unserem Land mit dem Recht auf Weltmeistersein. Materielle ökonomische Fakten stören nur – sind die nicht linksradikal?

    In Dresden, Stuttgart und Essen rasten Männer auf Fussballtribünen aus – als hätten die Landesinnenminister sie bestellt.

    Aber das ist alles billige Medieninszenierung gegen das quälende Schauspiel, das im Zentrum der Macht abgezogen wird. Und für dieses Abziehen gibt es leider noch keine KI-orientierte Klospülung, das müssen Sie ganz alleine mit Ihrem Verstand bewerkstelligen.

    Die meisten Onlinemedien delektieren sich an dieser mörderischen Inszenierung, denn dass sie irrelevant ist, kann leider niemand behaupten. Es wird rauf und runter diskutiert, gerne hinter Paywalls, denn entscheidend ist immer der Cashflow. Hier eine kostenfreie Variante, von der Ihnen zwei Drittel genügen werden, weil der Autor sich dann auch nur noch selbst wiederholt, aber leider konnte ich nichts Falsches entdecken. Die Schlagzeile verheisst nur scheinbar Gutes, denn diese Apokalyptiker unter meinen Geschlechtsgenossen wollen uns alle mitnehmen, ohne uns zu fragen, drunter tun sie es nicht (können sie nicht, zu doof, zu Testosteron):

    Uwe Froschauer/overton: “Geht Donald Trump der Arsch auf Grundeis? – Es gibt politische Situationen, die kippen nicht plötzlich – sie kippen langsam, fast unmerklich. Bis zu dem Punkt, an dem selbst die lautesten Drohungen nicht mehr wie Stärke wirken, sondern wie ein Echo der eigenen Unsicherheit. Genau an diesem Punkt steht Donald Trump.”

    So irre wie wichtig. Ich höre dazu diese Antwort von 1974 … Ich war 17.

  13. Vernunft

    Wo ist sie hin?

    Collien Fernandes kennt sich aus mit den Gesetzen der Aufmerksamkeitsökonomie. Sie hat ein strategisches Bündnis mit dem hierzulande marktführenden Yellowpress-Blatt geschlossen, der Grossteil der Branche dackelt hinterher. Und ihr Ex-Gatte und “Tatort”-Kommissar Christian Ulmen steht zwischenzeitlich auf einer Popularitätsstufe mit Donald Trump und Wladimir Putin. Advantage Fernandes. Ihr Vorgehen will ich hier nicht kritisieren – das ist 100% legitim und betrifft eine wichtige gesellschaftliche Angelegenheit. Was mich nervöser macht, ist die Reaktion dessen, was einst professionelle demokratische Politik war.

    Wie Sie hier bei den Kolleg*inn*en von netzpolitik lesen können, ist das Thema “digitale Gewalt” viele Jahre alt, und bringt es dort, wo es immer und jederzeit kostenfrei öffentlich nachgelesen werden kann (bei uns übrigens auch), auf über 50 Trefferseiten. Dä.

    Und wenn der Spiegel kommandiert, steht die Bundesregierung stramm?

    Oje, oje, was sagt uns das über die Medienkompetenz derer, die wir in einer weitgehend demokratischen Wahl zu Gesetzgeber*inne*n bestimmt haben?

    Es sind die Gleichen, die über Krieg und Frieden entscheiden. Läuft diese Entscheidung nach dem gleichen Muster ab? Es erscheint mir so. Denn Medien leben in der Medienökonomie vom Spektakel. Gibt es ein Spektakel, das mehr Aufmerksamkeit erzeugt, als Krieg? Ich fürchte: nein.

    Meine persönliche Stimmung wurde heute nach dem Aufwachen von Moshe Zuckermann/overton leider voll getroffen:

    “Krise der Emanzipation – Wir leben in einer Zeit, in der unzurechnungsfähige Bullshiter ungestört unser Leben bestimmen dürfen.”

    Schöne Scheisse. Johannes Varwick rettete mich aus dem Depressionsloch:

    Michael Hesse (Interview)/FR: “Politikwissenschaftler Varwick über Militarisierung und Diplomatie – ‘Die Lage ist gefährlicher als in den 1970er Jahren’ – Politikwissenschaftler Johannes Varwick über eine gefährliche Militarisierung der internationalen Politik, weshalb Europa im Ukrainekrieg umdenken sollte und warum langfristige Stabilität nur durch Diplomatie und Rüstungskontrolle entstehen kann.”

    Die Popup-Werbung der Ippen-Gruppe erzeugt in mir Gewaltfantasien. Lassen Sie sich nicht abschrecken. Varwick bekämpft sie.

  14. Von Hühnern lernen

    Journalismus ist möglich III

    Ich war 3. Hier beginnen meine bewussten Lebenserinnerungen. Ich war ein Vierteljahr bei meinen Grosseltern untergebracht. Sie lebten in einem Behelfsheim in Glinde bei Hamburg, mit einem idyllischen Garten und eine “Strasse”, die jeden Stossdämpfer der bereits frei herumfahrenden Autos bei über 20 km/h sofort ermordet hätte. Ein Kinderparadies also. Ich war mit 3 oben auf dem Hamburger Michel, der Hafen sah damals schon unfassbar grossartig aus, aber: untenrum am Michel, 15 Jahre nach dem Krieg, nur Trümmer und Zerstörung.

    In dem erwähnten Garten hielten mein Grosseltern in einem gut gesicherten Käfig einen Hahn und 4 oder 5 Hühner. Alle weiss. Nur eins war schwarz. Das war Pizzi und wurde meine Freundin. Denn es wurde von den Weissen immer erst als Letztes ans Futter gelassen. Und der böse Hahn war auch immer ganz gemein. Nach einigen Jahren erhielten meine Grosseltern eine Sozialwohnung in Glinde-Wiesenfeld, da, wo Jan van Aken aufgewachsen ist. Da war Schluss mit Hühnern, irgendjemand wird Pizzi gegessen haben. Kinderparadies war auch vorbei. Das wurde ersetzt durch einen sonnigen Westbalkon und einen funktionierenden Fernseher.

    Wie kommichdrauf?

    Mein heutiger Lieblingstext des Tages ist, ebenfalls nicht zum ersten Mal, von dem fabelhaften Landwirtschaftsreporter Florian Schwinn/overton:

    “Die Henne und das Osterei – Alle Jahre wieder feiern wir ein Fest der Eier oder wenigstens eines mit Eiern. Schon Wochen vorher bieten die Supermärkte bunt gefärbte gekochte Eier an. Schön in Plastikblister verpackt, damit man die Farben auch sehen kann. Je näher Ostern rückt, desto mehr Eier werden angeboten, auch frische in hoch gestapelten Kartons, daneben die Eierfarben zum Selberfärben.”

    Noch einer hat Misik gelesen

    Der hochgeschätzte Kolumnisten-Kollege René Martens/MDR-Altpapier hat, wie ich gestern, Robert Misik gelesen. Ähnlich kritisch, nur wesentlich kürzer angebunden formuliert.

    “Die Freiheit, andere zum Schweigen zu bringen – Viele vermeintliche Kämpfer für die Meinungsfreiheit sind ihre größten Gegner. Die Debatte um sogenannte Blasen ist auch schon lange kontraproduktiv. Und Wolfram Weimer macht wieder Wolfram-Weimer-Sachen.”

    Abgesehen davon, dass ich Autor Martens immer lesenswert finde, gibt es ein von ihm verwendetes Zitat, das mir heute eine besondere Erwähnung wert ist:

    Es ist ein Zitat des Tagesspiegel-Autors Sebastian Leber:

    “Weil Opfer dieser Angriffe meist allein gelassen werden, macht sich Vermeidungsverhalten breit. Politiker, Journalisten und Vertreter der Zivilgesellschaft achten darauf, bloß nichts von sich zu geben, das die Empörer für eine Kampagne nutzen könnten. Es zeigt sich ein klares Muster: Nicht nur Positionen werden von Protagonisten des Rechtsrucks bekämpft, sondern zunehmend auch das Recht, diese zu äußern.”

    Exakt dieses “Vermeidungsverhalten” berichtete mir ein freier Autor am letzten Samstag beim gemeinsamen Fussballgucken aus den Redaktionen der öffentlichen Medienanstalten als herrschende Stimmung und Leere. Wie ich gestern schon schrieb: ein Bild des Jammers.

    Meine individuelle Konsequenz ist Mediendiät. Politisch keine Lösung, ich weiss. Aber ich muss auf meine Gesundheit achten.

  15. Alljährliche “Silvesternacht”

    Und das mehrtägig – es war “schon immer so”

    Mit der Kölner Silvesternacht 2015/16 gelang es den Rassist*inn*en dieser Republik, die Herrschaft über den medienbasierten Diskurs unseres Zwergstaates (zurück) zu erobern. “Den Frauen” ist das in keiner auch nur ähnlichen Weise gelungen. Die gute Nachricht ist: sie haben in der Zwischenzeit eigene Schutzstrategien entwickelt, nicht alle aber viele.

    Das ist dieser gelungenen Reportage von Verena Köplin/WDR zu entnehmen: “Unter Umständen sicher: Wie sich der Kölner Karneval als Frau anfühlt – Karnevalssamstag, der Pegel steigt, die Kölner Straßen füllen sich. Wie sicher ist das eigentlich, wenn man als Frau feiern geht?”

    Männer gibt es eben nicht nur in Nordafrika. Doch wohin mit ihnen in diesen Tagen? Beruhigen Sie sich – nicht “alle”. Aber auch nicht wenige.

    Was bei o.g. Diskurswende “unten raus gekommen” (zit. Helmut Kohl) ist, und zwar für Frauen und Männer, das weiss Bernhard Torsch/Jungle World:

    “Die Bundesregierung fordert mehr Arbeit und weniger Kranksein: Lieber leidvoll leben – Die Bundesregierung, Unternehmerlobby und Boulevardmedien mahnen das deutsche Arbeitsethos an. Da kann der eine oder die andere eben auch mal auf der Strecke bleiben. Eine Kolumne über Leistungsideologie und deutschen Wahn.”

    Ist daran was besonders deutsch? Das untersucht Catherine Liu/overton aus New York:

    “Ketch’up, Germany! – Deutschlands Versuch, mit dem US-Kapitalismus ‘aufzuholen’, hat eine neue Elite hervorgebracht – und eine wachsende Entfremdung von der Arbeiterklasse.”

    Ihre Folgerung “Parteien wie die AfD könnten nicht gedeihen, wenn es keine abgehobene deutsche PMC gäbe …” ist zwar rhetorisch verführerisch, aber analytisch allzu lässig. Diese gedankliche Nachlässigkeit – und ihre optische Hervorhebung durch die BSW-nahe overton-Redaktion – droht ihre erwägenswerten Gesichtspunkte zu entwerten.

    Wäre schade eigentlich, denn abwegig ist Mrs. Lius Blick nicht. Die Spaltung der Lohnabhängigen ist eine jahrhundertelang erprobte Herrschaftstechnik. In nur wenigen Ländern dieser Welt funktioniert sie so “perfekt”, wie in Deutschland. Eine Perfektion, die sich in zwei von hier aus angefangenen Weltkriegen dokumentierte. Geschichte wiederholt sich als Farce.

  16. Macht

    Ein Appell an den Genossen Klingbeil? – Und wo die MedienMacht herkommt und heute sitzt

    Der von mir sehr, sehr geschätzte Genosse Mützenich setzte sich soeben mit dem Begriff der Macht auseinander, wie ihn möglichweise der Bundeskanzler versteht, und wie ihn sinnvollerweise Demokrat*inn*en in Deutschland und der EU verstehen sollten. In meinen Augen tut er das – mal wieder – sehr instruktiv:

    Rolf Mützenich/IPG-Journal: “Rückkehr der Machtpolitik – Sozialdemokratische Außenpolitik darf sich nicht auf militärische Stärke verengen – Macht entsteht auch durch Regeln, Institutionen und Kooperation.”

    Um es für verbohrte “Marktwirtschaftler*innen” verständlich zu machen: der Autor beschreibt eine speerangelweite Lücke auf dem Weltmarkt, die die Despoten und Autokraten dieser Welt der*dem zu Füssen legen, die*der weiss damit umzugehen und sie mit politischem Inhalt (und Diplomatie!) zu füllen. Wer beherrscht dieses Handwerk heute noch? Lars Klingbeil? Bärbel Bas? Ich weisses nicht. Und wünsche Rolf Mützenich viel Erfolg bei der Suche.

    Kompakte Geschichte der MedienMacht

    Ich rätsele schon länger, wer sich hinter der Autorenbezeichnung “Danny Patrick Rose” verbirgt. Schreiben kann er (wenn er ein Mann ist). Wenn er eine Frau ist, ist es mir auch recht. Eva C. Schweitzer wird es ja wohl nicht sein, oder? Seiner Fantasie-Biografie glaube ich jedenfalls nur in Teilen.

    Danny Patrick Rose/overton: “Die Ellisons und die amerikanischen Medien – Von einem 16-jährigen jüdischen Einwanderer auf Ellis Island bis zum milliardenschweren Medienmogul David Ellison – einem Mann mit direktem Draht ins Weiße Haus.”

    Ein kleines aber relevantes Detail fehlt bei ihm, wahrscheinlich weil er sich wie so viele “nicht für Fussball interessiert”. Der Paramount-Konzern des trumpfreundlichen Ellison-Clans hat sich für die nächsten vier Jahre die wertvollsten TV-Rechte des Profifussballs (der Herren) bei der Uefa-Mafia gesichert: die Champions League. Damit sind sie ein Elefant auf dem europäischen Medienmarkt. Niemand wird sich trauen, den zu jagen.

    Oder doch? Bitte melden, bitte aus der Deckung kommen und sich zeigen. Gegen diese Gangster hilft nur harter Widerstand. “WM-Boykott” ist dagegen wie Kinderzimmer.

  17. Perlen des Tages

    Gestern: Schwarze Boxer und Käse

    Ursula Trüper hat eine schöne kleine Geschichte geschrieben: “Black History Month: Der wirkliche Mister Amerika – Schwarze Boxer waren in den USA stets eine Provokation für die rassistische Mehrheitsgesellschaft – und Vorbilder für den Kampf um Gleichberechtigung”. Schade eigentlich, dass die in ein paar Tagen in einem Paywall-Archiv verschwindet. Und einen schweren Fehler habe ich entdeckt, in Fussnote 18.

    Für jede Ehrung von John Carlos bin ich zu haben. Vor über 8 Jahren machte Sport inside (WDR) dieses Interview mit dem alten Mann. Dieses Foto von der Siegerehrung 200m der Männer wurde zu einer Ikone der Olympischen Spiele 1968 in Mexiko, sowie der Bürgerrechtsbewegung in den USA. Nur ist der Silbermedaillengewinner der weisse Mann links im Bild, der Australier Peter Norman. Carlos gewann “nur” Bronze in glatten 20 Sekunden. Ich war 11, und seitdem bin ich Fan dieser alten Männer – beispielgebend.

    Käse – Veganer*innen bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!

    Florian Schwinn ist einer der Autor*inn*en, die Florian Rötzer von telepolis zu overton mitgebracht hat. Ein Erfolgstransfer. Florian Schwinn hat Ahnung von Nahrungsmittelerzeugung und Landwirtschaft, ist neugierig und kann gut schreiben. Nehmen Sie das:

    “Alles Käse – Die Geschichte, die zu dieser Kolumne geführt hat, beginnt – wie sich das beim Obertitel »Führerschein für Einkaufswagen« gehört, mit einem Einkaufswagen. In den konnte ich an jenem Tag nicht das legen, was dort hineinsollte. Ich schaute die reichhaltige Käsetheke im Bioladen durch und fragte dann: Gibt’s keine »Blaue Stunde«? Antwort: Die machen die nicht mehr. Wie bitte? Mein Lieblingskäse wird nicht mehr produziert. Warum nicht? Antwort: Keine Ahnung.”

    “Blaue Stunde” – nicht nur eine Galerie in der Bonner Nordstadt (Dorotheenstr. 37, da gibt es auch Käse!), sondern ein Käse – den würde ich sofort probieren, Preis egal.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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  18. Beitrag zur Schadenfreude

    Mann gönnt sich ja sonst nichts … Schon seit Jahren ist mein Eindruck beim Konsum von Bild und Ton des US-Präsidenten in elektrischen Medien (bei aller Diät), dass er jeden Moment tot umfallen könnte. Vielleicht nagt es auch schon in ihm selbst? Ich weiss, wovon ich schreibe, nachdem ich vor gut einem halben Jahr einen Herzinfarkt überlebt habe. Zu gönnen ist es ihm. Doch was dann?

    Wer intellektuell nur mit den einfachsten Basiselementen materialistischer politischer Analyse vertraut ist, eine Fähigkeit die in der hiesigen Medienöffentlichkeit weitgehend ausstirbt, weiss: es kann immer noch schlimmer kommen.

    Das illustriert dieser Beitrag von Clarence Lusane/TomDispatch/overton: “Genauso gefährlich: Vance und die Wahl 2028 – Donald Trump könnte natürlich trotz der US-Verfassung der republikanische Präsidentschaftskandidat für 2028 sein. Obwohl in der 22. Verfassungsänderung klar festgelegt ist, dass ‘niemand mehr als zweimal zum Präsidenten gewählt werden darf’, könnte es durchaus eine Mehrheitsentscheidung des Obersten Gerichtshofs sein, die darüber entscheidet, ob dies für Trump gilt.”

    Wer sich schon mal mit der Figur J.D. Vance beschäftigt hat, weiss, was den USA und der Welt blüht.

    Meine Schadenfreude wird daraus gespeist, dass diese gemeingefährlichen Säcke sich gegenseitig hassen, wie die (tödliche!) Pest. Es macht keinen Spass, unter diesen Umständen Macht auszuüben, so sehr mann auch versucht das zu kompensieren. Es macht krank und bringt einen irgendwann um. Das ist in Washington so wie in Berlin, von wo der Spiegel in seiner Paywall die aktuellen Intrigen innerhalb der CDU zusammenfasst (der “Andenpakt”, den Merkel so virtuos in Schach gehalten und kaltgestellt hat, lebt).

    Subjektiv ist es so, dass das, was da beschrieben wird, den Betroffenen zu gönnen ist. Sie haben es nicht anders verdient. Es trifft die Richtigen.

    Desillusionierend ist, das es nicht durch politisches Handeln irgendeiner Opposition bewirkt wird, sondern ein logischer Prozess innerer Zersetzung der politisch organisierten Menschenfeindlichkeit ist.

    “Unser” Problem ist: es führt bei den Betroffenen nicht zu irgendeiner Einsicht, sondern zu weiterer Radikalisierung. Sie glauben, sie müssten nur umso doller weitermachen, um Erfolg und Befriedigung zu finden. Das heisst: die Gefahr wächst.

    Zuspitzung zur WM

    Sofern er bis dahin überlebt, wird Trump versuchen, die Fussball-WM (der Herren) im Sommer als Krönungsmesse seiner selbst zu inszenieren, um das Blatt zu den Midterm-Elections Anfang November zu seinen eigenen Gunsten zu wenden. Das wird weit spannender als die sportlichen Leistungen in den überhitzten bzw. teuer klimatisierten Stadien. Wer davon was sehen will, muss tagsüber schlafen und nachts gucken.

    Denkbar ist, dass die zahlenden und steuernden Hintersassen des orangehaarigen Avatars zu der Einschätzung kommen, dass das aussichtslos, und deswegen ein Personalwechsel an der Spitze erforderlich ist. Das ist die eigentliche Lebensgefahr für den alten menschenhassenden weissen Mann.

    Wie wird sich Gianni Infantino in seiner Wohnung in Trumps Enddarm verhalten? Wird er ihn vor einem Sturz von der Ehrentribüne eigenhändig schützen? Oder wird er von Peter Thiel und J.D. Vance dazu bestochen, das Gegenteil zu tun? Alles eine Frage des Preises.

    Die Spannung steigt.

  19. Nur Theorien?

    Zwei aktuelle Verschwörungen

    Wenn ich einen Begriff heute besonders hasse, dann ist es “totschweigen/totgeschwiegen”. Ich war selbst in den 70er Jahren mitten im Auge so eines “Totschweige”-Sturms. Er funktionierte aber nur in der West-BRD. Weltweit scheiterte er für die Bundesregierung geradezu katastrophal, dokumentiert durch Beschlüsse der UN-Generalversammlung. Heute wäre das so nicht mehr möglich, und das ist gut so. Fragen Sie das iranische Mullahregime, die Chinesische Kommunistische Partei, Donald Trump oder Benjamin Netanyahu, wie kompliziert das heute ist.

    Eine Verschwörung hat uns eben Küppi vorgesetzt. Und er hats ja auch nur gelesen. Ebenso wie gestern Jörg Kronauer/Junge Welt: “Grönland: Investoren schon da – Neue Berichte über Einfluss von US-Milliardären auf Donald Trumps Annexionspläne. Es geht um Ressourcen und eine Menge Geld”. Seine Erkenntnisse wird die vorgeblich “linksradikale” Junge Welt in einigen Tagen in ihrem Paywallarchiv beerdigen. Küppi bleibt uns dagegen hoffentlich erhalten.

    Gelesen haben die beiden neben US-Medien, die sich das noch trauen, auch in der dänischen Politiken, von der es auch eine englischsprachige Version gibt. Doch Achtung, auch dort wird mit Bezahlmauern gearbeitet.

    Totschweigen ist jedenfalls was Anderes und vorzugsweise eine Ausrede von Leuten, die zu ideenlos und denkfaul sind. Ausgenommen allenfalls solche, die unter real existierendem Faschismus Widerstand organisieren müssen. Aber auch ihnen kann längst und seit vielen Jahrzehnten wirkungsvoll aus dem Ausland geholfen werden. Es bedarf dafür freilich grosser Resilienz und mindestens mittelmässiger Intelligenz. Nicht alle schaffen das.

    Die deutschen faschistischen Mörderbanden

    Das ist die spezifisch deutsche Blamage. Die Mörderbanden und das menschenfeindliche Weltbild gab es schon lange vor der AfD. Es war nie weg, bekommt aber jetzt eine wirkungsvolle parlamentarische und medienmächtige Artikulation.

    Die darf sich ermuntert und gestärkt fühlen durch die staatlichen Behörden, die hierzulande für Sicherheit und Rechtsstaat zuständig sind. Sie machen ihren Job nicht. Und das wiederum ist so gewöhnlich und unspektakulär, dass sich kaum noch ein relevantes Medium dafür interessieren mag.

    Ausser Thomas Moser/overton. Der setzt sich immer noch in einen Prozess, in dem die Bundesanwaltschaft ihre Personalressourcen schon um ein Drittel verringert hat: “Der NSU-Eminger-Prozess: Kommt der V-Mann Marschner ins Spiel? – Die Anklage der Bundesanwaltschaft erodiert in der Hauptverhandlung vor dem OLG Dresden zusehends. Jetzt kam überraschend die Figur Ralf Marschner zur Sprache.”

    Ich habe selbst ein distanziertes Verhältnis zu diesem Medium, in dem seinen selbstgemachten Leser*innen-Umfragen zufolge BSW- als auch AfD-Sympathisant*inn*en recht zahlreich zusammenkommen. Und wie sozialkompatibel der Kollege Thomas Moser zu kollektivem redaktionellem Arbeiten in der Lage ist, weiss ich nicht, weil ich ihn nicht persönlich kenne. Aber kein grosses oder kleines Medium ist daran gehindert, seine Arbeit besser zu machen, als er es tut. Sie tuns aber nicht. Das ist zum Schämen.

  20. Die kranke Republik

    Die Herrschenden machen die Beherrschten krank – und danach jammern und wehklagen sie selbst

    Die deutsche herrschende Klasse ist zweifellos auch die herrschende Klasse unter den herrschenden Klassen der EU. Doch diese ist zweifellos schlecht damit beraten, sich das bieten zu lasen. Der potenzielle EU-interne Rivale Frankreich hat keine Kraft mehr zu rivalisieren, nur noch seine Atomwaffen. Die Deutschen haben die EU im Wettbewerb der Grossmächte zielsicher ins Stadium der Lächerlichkeit bugsiert. Wenn es irgendwo auf der Welt um was Wichtiges geht, vorzugsweise Krieg und Frieden, müssen sie an den Kindertisch.

    Niemand hat dafür Mitleid verdient. Ich zähle mich nicht zu den Herrschenden, sondern zu denen, die ihnen “in unserem Land die Macht abnehmen wollen” (Jungdemokraten-Bundeshauptausschuss 1980 im “Haus Steineck” in Bad Godesberg, direkt neben dem “Weinhäuschen” mit der guten österreichischen Küche, und in Anwesenheit des damaligen FDP-Generalsekretärs Günter Verheugen).

    Die herrschenden deutschen Milliardär*inn*e*n und ihre leitenden Angestellten summen nun schon seit Jahren das klassisch-deutsche Untergangslied. Sie glauben, mit dem Auspressen der Beherrschten, der Arbeitenden, der Alten und der Kranken noch nicht fertig zu sein. Für den Vortrag dieser Lieder unterhalten sie eine grosse Zahl von Pausenclowns in den Medien, die sie entweder besitzen oder politisch beherrschen. Insbesondere an Sonn- und Feiertagen bestimmen die Medien des über die angebliche “Brandmauer” Brücken bauenden Springerkonzerns die Agenda. Die Nachrichtensender der nominell “uns” gehörenden Medien lesen dann brav aus ihnen vor. Als sei das Information. Die Mehrheit hat sich längst daran sattgehhört, und lenkt sich davon ab.

    Die Mehrheit wird krank

    Während diese Medien uns weismachen wollen, wir seien faul, werden wir krank. Wie bei allen anderen Entwicklungstendenzen hat die Corona-Pandemie das verstärkt und beschleunigt. Das schafft auch niemand mehr wegzudiskutieren.

    Hier dazu die AOK-Untersuchungen.. Hier Untersuchungen der Barmer, bei der auch ich versichert bin. Hier die bundesweite 2024er Statistik der häufigsten Erkrankungen. Und hier eine Untersuchung im Auftrag der DAK zum internationalen Vergleich, die klar aussagt, dass Vergleiche aufgrund zu unterschiedlicher Datenbasis objektiv nicht möglich sind. Aber kennen Sie ein deutsches Medium, dass sich daran stört?

    Die öffentlichen Deutungskämpfe um Gesundheit und Krankheit sind schlichte Symptome der aktuellen Klassenkämpfe. Wem es schlecht geht und wer scheisse aussieht, die/der hat was falsch gemacht. Und soll nicht auf dumme Gedanken kommen.

    Um doch auf solche Gedanken zu kommen, empfehle ich den Blog-Kollegen Stephan Schleim. Der beschäftigt sich mit diesen Dingen wissenschaftlich. Als Buddy von Florian Rötzer ist er mit ihm zu overton gewandert, und bleibt dort so lesenswert, wie er immer war. Der Grund ist seine abwägende Tonalität, die bei overton, nunja, nicht die Regel ist. Hier schreibt er über den heissen Scheiss aller Krankheiten ADHS:

    “In nur wenigen Jahren verdoppelte bis versechsfachte sich die Häufigkeit der ADHS-Diagnosen – Seit der COVID-Pandemie explodieren die psychiatrischen Diagnosen förmlich.”

    und der zweite Teil:

    “Warum wird ADHS immer häufiger und auch bei Frauen diagnostiziert? – Man liest es regelmäßig in den Medien: Psychologisch-psychiatrische Störungen werden immer häufiger diagnostiziert. Die Mengen der verschriebenen Medikamente steigen rasant. Die Wartelisten für eine Therapie sind lang. Man brauche mehr Therapeutinnen und Therapeuten.”

    Danke. Möge es unsere Gesellschaft zum Denken anregen.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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  21. Die nächste Pandemie?

    Mangel an schlechten Nachrichten gibt es nicht und für niemanden. Oder? Wenn mann “auch mal das Positive sehen” (Adenauer) will, dann liesse sich das Folgende so betrachten: wie schön, dass wir keine Tiere sind. Die Texte des Autors Florian Schwinn/overton haben erfreulicherweise fast nie einen jammernden Grundton, sondern enthalten formulierte Alternativen. Weil er recherchiert, sich umhört, Fachleute befragt, die nicht schon eine Talkshow-Tournee hinter sich haben. So auch hier:

    “Das Virus aus der Hühnerfarm – Das Virus aus der Hühnerfarm ist das Influenza-A-Virus H5N1, das derzeit die Krankheit auslöst, die wir als Vogelgrippe oder Geflügelpest bezeichnen. Aber wieso »das Virus aus der Hühnerfarm«?”

    Die Leichtfertigkeit, mit der Zoonosen riskiert werden, um das Geschäftsmodell der grossindustriellen deutschen Landwirtschaft zu erhalten, ähnelt dem verzweifelten Todeskampf um die deutschen Verbrennermotoren. Beides kann für viele von uns tödlich enden. Und ist mit tödlicher Sicherheit Symptom einer absteigenden Macht.

    Oder wie würde Herr Adenauer “das Positive” sehen?

    Kontrolle über die Realität

    Die herrschenden Oligarchen sind im Begriff, sich ihre Wirklichkeit selbst zu schaffen. Politiker*innen, die sie daran hindern, sie gar kontrollieren und in ihrem Treiben einzuschränken, sind weit und breit nicht zu entdecken. Im Gegenteil: ihr Mächtigster geht voran.

    Ralf Heimann/MDR-Altpapier: “Wann tötet das Weiße Haus Journalisten? – Die US-Regierung stellt kritische Medien an einen Online-Pranger. Der Präsident droht Politikern mit dem Tod. Die Armee tötet mutmaßliche Drogenhändler, die wehrlos im Wasser schwimmen. Wie geht es weiter?”

    Mitmachen oder widerstehen? Eine lebensgefährliche Frage. In Kürze auch bei uns.

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  22. Rente – störende Fakten

    Umdichtung: “Generationenkrieg” statt Klassenkonflikt – gibts das schon als “KI”?

    Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. In diesem Fall ist es der alte, weisse, deutsche Mann. Er hat seit dem Krieg schon immer rechts gewählt, mehrheitlich. Der CDU-Politiker Norbert Blüm war vielleicht der Letzte, der wusste, was dieser Mann wollte: “Die Rente ist sicher!” Der deutsche Mann, die Mehrheit dieses Typus, glaubt sich bei den Rechten sicherer. Das deutsche Bildungssystem war halt nicht besser …

    Meine Rente ist zwar sicher. Wenn ich mir aber 1999 nicht eine Eigentumswohnung hätte kaufen können – heute wäre das utopisch – wäre ich heute von Altersarmut betroffen, mit drei Renten (Deutsche Rentenversicherung, Riester-Rente und Zusatzversorgungskasse des öffentlichen Dienstes/Betriebsrente). Die Wohnung macht den Unterschied.

    Mein persönlicher und absolut bester politischer Rentenberater war mein Mitautor Matthias W. Birkwald, 2009-2021 MdB. Sehr gut und effizient war auch die Rentenberatung bei der Deutschen Rentenversicherung hier in Bonn (von Anderen hörte ich, dass das nicht immer und überall der Fall ist). So gelangte ich sicher an Land. Ich klage nicht.

    Hanebüchen und skandalös-hetzerisch ist dagegen der öffentliche Mediendiskurs. Er baut rücksichtslos und brutal auf der Tatsache auf, dass niemand von uns Alten “zur Last fallen” will. Und darauf, dass die Mehrheit der Alten ja sowieso immer rechts wählt. Und, anders als die Jungen, zuverlässig das Wählen als staatsbürgerliche Pflicht betrachtet.

    Die sozialen und ökonomischen Tatsachen sprechen dagegen. Aber seit wann sollen die politisch relevant sein? Wenn Sie dennoch zu der kleinen radikalen Minderheit gehören, die daran interessiert ist, lesen Sie entweder den oben verlinkten Kollegen und Freund Birkwald (mit ähnlichen Gesundheitsproblemen wie ich, solidarische gute Besserung!) und ergänzend bitte hier entlang:

    Reiner Heyse/overton: “Die Rentner sind immer zu teuer! – egal wie billig sie sind … Wer würde eine solche Umfrage bezahlen: ‘Sind Sie dafür, dass die Renten bis 2040 um 6% statt 4% gesenkt werden?’ Denn darum geht der Streit zwischen Junger Union & Co und der schwarz-roten Regierung. Die Einigkeit der Streitenden hinter dem medialen Getöse besteht darin: Die Renten müssen unbedingt weiter gekürzt werden. Die Ergebnisse derartiger Umfragen sind bis jetzt eindeutig. Deshalb werden sie tunlichst vermieden.”

    Und hier:

    Gerd Bosbach/Chambre des Salaries, Luxembourg 2024: “Rentenmythen aufgedeckt: Demografie im Fokus”

    Millionär/inn*e*n und noch mehr Milliardär*inn*e*n führen ein angsterfülltes Leben, Verlustangst. Sie haben ja auch mehr zu verlieren als Sie und ich. Was, wenn die Mehrheit von uns auf dumme Gedanken kommt? Nicht auszudenken, was für Irre frei rumlaufen dürfen. Was, wenn das ein Virus ist? Wenn arme Junge merken, dass sie auch als Alte arm sein werden? Die Reichen wissen es schon …

    Wenn Sie die heutige Bundestagsdebatte erlitten haben sollten, nehmen Sie das bitte als Gegengift. Lesen hilft. It’s politics, stupid!

  23. Hat Trump Adorno gelesen?

    Haha, natürlich nicht. Die Person Trump hat mutmasslich eine Aufmerksamkeitsspanne, die unter drei aufeinanderfolgenden ganzen Sätzen liegt. Sofern sie nicht von ihm selbst gesprochen sind. Aber das System Trump ist gewiss mit den Erkenntnissen der antifaschistischen deutschen Emigrant*inn*en in den USA vertraut. Adornos und Horkheimers “Dialektik der Aufklärung” gehört gewiss – und bedauerlicherweise – zu den wenigen Büchern, die mit zunehmendem Alter aktueller werden.

    Warum bin ich so sicher, dass Trumps Stäbe das Werk offenbar besser studiert haben, als die denk- und lesefaule Mehrheit zeitgenössischer bürgerlicher Liberaler und “revolutionärer” Linker? Das erklärt ein alter weisser Mann, der sich dieser Mühe unterzogen hat.

    Moshe Zuckermann/overton: “Katastrophe und Kulturindustrie – Auf einem KI-Video ist Donald Trump mit Königskrone in einem Jet sitzend zu sehen. Er wirft auf Demonstranten der ‘No Kings’-Bewegung eine braune Flüssigkeit ab. Was hat es mit diesem Klamauk auf sich?”

    Leider fällt ein weiterer Text im gleichen Medium demgegenüber stark ab, weil er sich unsachgemässe Schlenker gegen einzelne Parteien und in gänzlich andere Themen (Corona) nicht verkneifen kann, obwohl ein wichtiges ergänzendes Thema behandelt:

    Hans-Peter Waldrich/overton: “Russland – Feind oder Spiegelbild? – Solange wir uns selbst nicht in Russland erkennen, bleibt nur die finale Konfrontation.”

    Manche Autoren (absichtlich ohne Gendern) reissen mit der Absicht, die Welt erklären zu wollen, mit dem eigenen Arsch ein, was sie mühselig aufzubauen versucht haben. Mein Rat: immer eng beim Thema bleiben, sonst steigen immer mehr Leser*innen an bestimmten Triggerpunkten aus. In professionellen Medien gab es dafür früher Redakteur*inn*e*n. War ‘ne schöne Zeit.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  24. Perlen von gestern

    “Die Ganzheit. Die Ethnologie, Studenten im Niger und wir – Aminatou Echard ist die Tochter der französischen Ethnologin Nicole Echard, die ab den 60er Jahren im Niger forschte. Ihre Mutter hinterließ ihr 16mm-Filme und einen Briefwechsel. Heute sucht Aminatou mit Kunststudierenden in Niamey nach einer neuen Lesart für diese Zeitzeugnisse aus den Anfängen der Unabhängigkeit des Niger. Dabei werden sie mit der aktuellen Lage konfrontiert.” 118 min. Verfügbar ein Jahr. Hätte auch nur ein*e französische*r (oder EU-) Politiker*in, wahlweise auch ein General, diesen Film gesehen, wären diese Postimperialist*inn*en von den Entwicklungen in der Sahel-Zone nicht so überrascht worden. Wladimir Putin und seine Söldner amüsiert das. Xi Jinping und seine Handelsvertreter*innen sicher ebenfalls.

    NSU-Debakel des SWR?

    Den Kollegen Thomas Moser/overton halte ich mittlerweile – wie sein Online-Magazin – für ein politisches Irrlicht. Meinen Respekt vor seinen NSU-Recherchen habe ich allerdings behalten. Die meisten seiner Berufskolleg*inn*en sehen ihm gegenüber für mich blamabel aus. Es ist eben immer eine Frage der Alternativen. “Der Kiesewetter-Mord und der SWR: An vorderster Desinformationsfront – Was der Sender in einer aktuellen Dokumentation zum Polizistenmord von Heilbronn abliefert, ist bewusste Manipulation. Man schützt die Täter im Apparat. Hat das mit dem zweiten NSU-Prozess zu tun, der im November 2025 vor dem Oberlandesgericht Dresden beginnt?”

    Russland und China – das Gegenteil erträglicher Alternativen

    Was China betrifft, ist das ebenfalls overton zu entnehmen, und zwar von Florian Rötzer: “China will das Internet von zu negativen und pessimistischen Äußerungen reinigen – In Europa bemühen sich Regierungen oft mit der Hilfe von NGOs und Autoren die Angst vor Desinformation auszunutzen, um Menschen, öffentliche Diskurse und unerwünschte Kritik zu diffamieren oder auszuschalten.” Mal wieder frappierend, wie sich die Sprache der Herrschenden ähnelt – und sie verrät.

    Oder wie gefällt Ihnen dieses Moskau? Matthias Lindner (Interview)/telepolis: “‘Moskau ist ein Teil Europas und gleichzeitig ein eigener Kosmos’ – Ein Berliner Fotograf zeigt das neue Gesicht Moskaus – rasant, höflich, hochmodern. Und erklärt, warum die Stadt Europas schnellste und sauberste Metropole ist.” Ich hassse ja schon die asozialen Subtropen Berlins oder Frankfurts, kann also mit dieser Sorte kapitalistischer Modernität nichts anfangen. Dann lieber Ruhrpott – die provinziellen Bonner*innen wissen nicht im geringsten, was “schmutzig” ist 😉

    Fakenews waren das Fundament der West-BRD

    Aber warum fällt es Medien bis heute so schwer, das zuzugeben? Dietrich Duppel/Arte schafft es doch auch: “Geraubtes Wirtschaftswunder – Die übertünchte Vergangenheit der Deutschen – Deutschlands Wirtschaftswunder: Die Deutschen haben sich nach der Stunde Null wieder hochgearbeitet. Wirtschaftsminister Ludwig Erhard hat die D-Mark und die soziale Marktwirtschaft eingeführt, während die Amerikaner Westdeutschland unterstützten. Doch was davon hält einer Überprüfung stand? Der Dokumentarfilm zeigt: Das Wirtschaftswunder basiert auch auf Unrecht aus der NS-Zeit.” 90 min. Verfügbar bis 11.1.26.

    Wie weit geht der Polizeistaat?

    Diese Frage stellte sich schon oben bei Thomas Moser. Und was ist das? Markus Reuter/netzpolitik: “Adenauer-Protestbus: Ermittlungen mit Schlagseite – Nachdem die sächsische Polizei den Protestbus beschlagnahmt hatte, hagelte es Kritik an der Maßnahme. Jetzt ermittelt die Polizei wegen Hassrede gegen Unterstützer:innen der Aktionskünstler. Gleichzeitig wurden offenbar interne Details der TÜV-Prüfung des Busses an einen rechten Youtuber weitergegeben.”

  25. Relevant

    Das A und O politischer Diskurskämpfe ist das Agendasetting. Das ist das Ressort, in dem die demokratischen Kräfte im Kampf gegen die AfD am schlimmsten versagen. Ob es nun mehr “die Politik” ist, oder mehr “die Medien”, ist einerseits die Frage nach der Henne und dem Ei. Da ich in meinem Berufsleben mehr “der Politik” angehört habe, über ihr Handwerk also mehr weiss, bin ich darüber am meisten entsetzt. Nach den Regeln repräsentativer – also faktisch: bürgerlicher – Demokratie, müsste sie die Öffentlichkeit führen. Faktisch aber lässt sie sich treiben von den gegenwärtigen konzerneigenen Triebkräften der Aufmerksamkeitsökonomie. Die müssen von Politiker*inne*n selbstverständlich aufmerksam zur Kenntnis genommen – und im optimalen Falle: bespielt – werden. Was aber heute – nicht nur hier, sondern weitgehend global – zu sehen ist, ist vor allem ideen- und wehrlos, arm und billig. Finde ich.

    Gerade weil das so ist, will ich nicht aufhören mit Hinweisen auf Alternativen. Heute mit einem sichtlichen Übergewicht des insgesamt politisch furchtbar irrlichternden overton-magazins.

    Darum fange ich lieber mit dem besten Text des Wochenendes an. Der war nämlich in der FAZ, und ist dort digital eingemauert. Der ist vom Medienredakteur der Sonntagsausgabe, der sich seit Jahren intellektuell positiv vom missionarischen Kreuzzügler der Milliardärsverlegerinteressen Hanfeld abhebt, Harald Staun: “Was den Fortschrittsvisionen von Musk, Thiel und Altman fehlt – Marskolonien, fliegende Autos, ewiges Leben: Die futuristisch klingenden Projekte von Musk, Thiel oder Altman sind nur aufgewärmte Fortschrittsentwürfe von gestern. Was ihnen fehlt: die Fähigkeit, die Gegenwart als veränderbar zu begreifen.” Meine Freund*inn*e*n wissen, dass ich über diverse Paywallbohrer verfüge. Ich konnte den Text lesen, und stelle ihn gerne ganz individuell, unkommerziell und nur “zum privaten Gebrauch” zur Verfügung. Es lohnt sich.

    Und nun schalte ich um zu den bösen “Alternativmedien”. In diesem Fall steckt meines Wissens kein Russe dahinter, sondern ein paar Frankfurter Irrlichter aus dem Westend-Verlag. Die waren so schlau, dem verrenteten Ex-Telepolis-Chef Florian Rötzer ein publizistisches Exil anzubieten. Und Rötzer brachte ein paar Autor*inn*en mit, die das Lesen verdienen. Stephan Schleim z.B.: “Ist der Cannabis-Konsum nach der Entkriminalisierung angestiegen? – Nach einer Zwischenevaluation änderte sich der Konsum kaum, aber die Kriminalität ist stark gesunken. Drogenpolitische Schlussfolgerungen.”

    Ich persönlich bin 100% Nichtraucher. Diese Debatte ist für mich relevant, weil es um Genuss- versus Verbotskultur und Kriminalisierung versus Entkriminalisierung geht. Schauen Sie mal auf Schleims Schaubild und beachten Sie die Kurve der 12-17-jährigen. Insbesondere, wenn Sie am Verbieten von Smartphones und asozialen Medien irgendwas richtig finden. Beachten Sie die Legalisierung 2012. Was ändert sich bei dieser Altersgruppe? Nichts. Weil es sie nicht interessiert. Ist für ihre Lebenspraxis komplett egal. Platter Symbolismus für die, die es für ihr eigenes Wohlbefinden nötig haben.

    Die damit einhergehenden Gefahren sind selbstverständlich dennoch nicht zu leugnen, aber nicht kinder- oder jugendspezifisch. Florian Rötzer: “Studie: Kognitive Beeinträchtigungen nehmen zu, vor allem bei den jüngeren Menschen – In den USA breitet sich vor allem bei den Unter-40-Jährigen eine kognitive Beeinträchtigung oder Störung (cognitive disability) aus. Darunter werden ernsthafte Konzentrations-, Gedächtnis- und Entscheidungsprobleme verstanden.” “Jüngere” sind in diesem Zusammenhang unter 40, also eindeutig Erwachsene, und sehr, sehr häufig Eltern.

    Zum Trump-Netanjahu -Deal schreibt Moshe Zuckermann, für Netanyahu und seine Freunde wahrscheinlich ein lupenreiner “Antisemit”: “Der Trump-Netanjahu-Deal – Donald Trump und Benjamin Netanjahu haben einen Plan zur Beendigung des Gazakrieges erstellt. Obwohl er von vielen in der Welt bejubelt wird, birgt er große Schwierigkeiten in sich.” Auch diesen Autor hatte Rötzer zu overton mitgebracht.

    Wie auch den Ex-Bundeswehroffizier Jürgen Hübschen: “Vorsicht vor den Heißspornen ohne sicherheitspolitischen Sachverstand! – Ein paar kurze persönliche Anmerkungen zur Kriegsrhetorik – und ein dringender Rat.”

    Nicht vollständig zu folgen bereit bin ich Kurt Hackbarth/Jacobin mit seiner nahezu widerspruchsfreien Eloge auf Claudia Sheinbaum. Da über sie als politisch erfolgreiche Linke aber hierzulande absichtsvoll null berichtet wird, bleibt die Lektüre ihrer starken Seiten umso aufschlussreicher. Immerhin blamierte sich diese Dame gegenüber dem “mächtigsten Mann der Welt” weit weniger, als die speichelleckenden und auf Schleimspuren rodelnden sieben EU-Zwerge. Kurt Hackbarth: “Sheinbaums erstes Amtsjahr war ein Triumph – Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum zeigt: Der Ausbau von Infrastruktur und Sozialstaat ist ein Erfolgsmodell. 3.000 Kilometer neue Eisenbahnschienen, 1,8 Millionen neue Wohnungen und Zustimmungswerte um 80 Prozent sprechen für sich.”

  26. Die Wehrlosmacher

    Indizien für die gegenwärtige Irrelevanz der Linken

    An analytischer Schärfe und Intelligenz fehlt es schon länger. Aber noch mehr fehlt es an der daraus zu folgernden strategischen, bündnis- und organisationspolitischen Intelligenz. Die ist der anstrengendste Teil und wird auch von den kritischsten Geistern gemieden, als wenn sie Angst haben, sich damit zu infizieren. Drei tagesaktuelle Beispiele.

    Das Onlineportal Jacobin gibt es nun schon seit einiger Zeit deutschsprachig. Es ist eine Gründung der US-amerikanischen Linken, derer, die sich dort als Democratic Socialists verstehen, und an die sich die deutsche Partei Die Linke anzudocken versucht. Nicht abwegig, finde ich. Dort erschien dieser Tage ein wichtiger Text von Vivek Chibber unter dem Aufmacher “Die Parteifrage – Die Wirkungslosigkeit der heutigen Linken ist kein Zufall, sondern Ergebnis ihrer Organisationsstruktur. Will sie neue Stärke aufbauen, muss sie diese von Grund auf ändern.” Eine der wichtigen Strategiefragen unserer Zeit, dachte ich, und begann zu lesen. Um dann nach der Frage “Was ist also passiert?” vor dieser Wand zu landen: “Dieser Artikel ist nur mit Abo zugänglich. Logge Dich ein oder bestelle ein Abo.” Verarschter kann mann sich nicht fühlen. Die wollen nicht gewinnen, war das Resultat meiner Lektüre.

    Bei overton, bei allem persönlichen Respekt für Florian Rötzer nach meinem Gefühl immer wieder inhaltlich grenzwertig und mit einem merkwürdigen Überhang an BSW-Sympathien, die gelegentlich schmerzfrei ins AfD-Spektrum übergehen (so deren eigene Online-Leser*innen-Umfragen), lese ich von dem Journalisten Patrik Baab, dem zweifellos in seiner Laufbahn mehrfach übel mitgespielt wurde: “Deutschland – Quo Vadis? – Ein Nachruf in 12 Thesen – oder der Absturz eines Auslauf-Modells.” Oje, ja schlimmschlimm. Und jetzt? Was tun?

    Mehrere Minuten mitgehen konnte ich den Gedanken von Andreas Buderus/Junge Welt: “Kapitalismus: Reale Barbarei – Warum es keine Reorganisation des Kapitalismus gibt – und was droht, wenn wir das nicht zur Kenntnis nehmen. Eine Positionsbestimmung”. Endlich mal der Versuch einer materialistischen Analyse, dachte ich über längere Passagen. Doch gegen Ende entpuppt sich das Opus als folgenlose Bescheidwisserei. Reformist*inn*en sind doof und auf dem falschen Danpfer. Richtig liegen nur die durchblickenden Revolutionär*inn*e*n. Und weil die in den mächtigen kapitalistischen Kernländern nur eine irrelevante Minderheit sind – und unbedingt bleiben wollen – gilt es geduldig zu warten, bis die ausgebeuteten Massen irgendwoanders auf der Welt den Entschluss fassen, die wahre Revolution zu beginnen. Das ist, mit Verlaub, hier weit besser erklärt. Und selbstverständlich wird die Junge Welt das in einigen Tagen in einem paywallbewehrten Archiv verschwinden lassen. Damit die Massen so doof bleiben, wie sie sind. Alles Andere wäre ja mit (politischer) Arbeit verbunden.

    (Materialistische) Dialektik, wo bist du?

    Es gibt Ansätze in einzelnen Gewerkschaftsteilen, das Gegenwarts-Proletariat zu identifizieren und zu organisieren. In den Sätzen des Bescheidwissers Buderus: “Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO) sind weltweit über 1,8 Milliarden Menschen in abhängiger Lohnarbeit; hinzu kommen rund zwei Milliarden im informellen Sektor – insgesamt also weit über drei Milliarden Menschen, deren Existenz direkt auf abhängiger Beschäftigung basiert. Hinzu kommen die jeweils abhängigen Familienangehörigen. Nie zuvor in der Geschichte gab es eine derart große Klasse von Menschen, die für ihr Überleben Lohnarbeit leisten müssen. Diese Klasse ist jedoch zunehmend in prekären und rechtlosen Verhältnissen gefangen: von der massenhaften Ausweitung unsicherer Dienstleistungs- und Logistikjobs über die extrem prekäre digitale Tagelöhnerarbeit in der »Clickwork«-Ökonomie bis hin zur Identifizierung ganzer Bevölkerungen als »überschüssig«.” Das ist richtig erkannt. Und wer das ignoriert, kann politisch buchstäblich nichts gewinnen. Die Rechten wissen davon. Die sind ja nicht blöd.

  27. Was machen wir nur mit ihnen …?

    Es gibt unzählige Gründe für Mediendiät – hier nur wenige aktuelle Beispiele

    Immerhin sei vorbemerkt, dass die Beispiele dafür stehen, dass es (noch) medienkritischen Journalismus gibt. Den Kollegen Suchsland z.B., im Hauptberuf Filmkritiker, fasse ich gedanklich nur mit spitzen Fingern an, wenn er sein Fachgebiet verlässt, und politische Strategien zu verstehen versucht. Und in der Regel immer missversteht. Aber als Filmkritiker ist er Experte für die Herstellung von Bildern. Und das ist mittlerweile die Hauptbeschäftigung der meisten Profipolitiker*innen. Da gerät oft vieles durcheinander. Aber hier ist Suchsland auf der richtigen Spur:

    “Ukraine-Krieg: Der begrenzte Blick der deutschen Medien und Trumps Erfolg – Baerbockmentalität statt Grautöne: Das Treffen von Alaska – Warum die Medien Diplomatie nicht mehr sehen.”

    Roland Czada/overton war mir bisher nicht bekannt. “Trump, Putin und die Geopolitik – Europas Marginalisierung resultiert nicht aus Uneinigkeit, wie viele annehmen. Der Kontinent steht abseits, weil europäische Staaten immer noch geschlossen an ihrer von Doppelmoral triefenden Mission als Vorkämpfer einer liberalen Welteinheit und Bollwerk gegen das autoritäre Russland festhalten.” Sein Befund ähnelt dem von Dani Rodrik/IPG-Journal: “Wo bleibt der Widerstand? – Trumps Handelskrieg entlarvt nicht nur den US-Imperialismus, sondern auch die eklatante Führungsschwäche anderer Mächte.”

    Über Widerstand in den USA sandte mir Nora Guthrie gestern eine lesenswerte E-Mail, die ich Ihnen auf Anfrage gerne weiterleite. Was in der hiesigen Öffentlichkeit, und auch bei Nora jedoch wenig bekannt ist, dass der Fortschritt in Spanien den in Deutschland mittlerweile überholt hat, und das nicht nur im Fussball: Omar G. Encarnación/IPG-Journal: “Pragmatismus statt Parolen – Spaniens Migrationspolitik stellt sich gegen den europäischen Trend – und widerlegt rechte Untergangserzählungen.” Dä. Wussten Sie das? Haben Sie sich in Ihrem letzten Spanienurlaub dafür interessiert?

    Uebermedien hat zwei medienkritische Texte aus seiner Paywall entlassen. Ich warne Sie. Sie sind geeignet, Ihr Medienvertrauen zu unterminieren.

    Nils Altland/uebermedien: “‘Grüner Ikarus’: Gerüchte oder Tatsachen? Warum eine MeToo-Recherche des ‘Stern’ Fragen aufwirft – Ein Bericht des ‘Stern’ führt zum Rücktritt des grünen EU-Abgeordneten Malte Gallée. Doch die Recherche wirft die Frage auf: Wie transparent muss MeToo-Berichterstattung trotz des nötigen Quellenschutzes sein?”

    Boris Rosenkranz/uebermedien: “Niederlagen vor Gericht: Was bleibt vom Verdacht? Wie der ‘Tagesspiegel’ seinen Artikel zum Fall Judy S. leise umbaute – Im Frühjahr ging die Zeitung der brisanten Frage nach, wie die Unwahrheiten über eine Berliner Polizistin in ‘Bild’ und ‘B.Z.’ gekommen sein könnten. Mehrere Personen gingen juristisch gegen den Text vor. Auch die ‘Bild’-Autorin klagte – mit Erfolg. Aber der Rechtsstreit ist noch nicht vorbei.”

    Beide Kritiken werfen die Frage auf:

    Was lernen Journalist*inn*en eigentlich in ihrer Ausbildung?

    Bleibt zum Abschluss noch die bewährte MDR-Altpapier-Kolumne, gestern von Antonia Groß: “Klöckners Beziehung(en) zu Medienmännern – Bundestagspräsidentin Julia Klöckner schadet ihrem Amt und der Demokratie, finden manche aus der Medienwelt. Und das liegt nicht einmal an ihrer öffentlich gewordenen Hetero-Beziehung.” Sehr gut enthüllt Frau Groß, wie aus belanglosem Tratsch gehaltvolle Politik wird, und welch eine Künstlerin in dieser Disziplin die zweite Frau im Staate ist.

    Was macht eigentlich Claudia Roth?

  28. Neuber vs. Rötzer

    Ein Vergleich

    mit Update nachmittags

    Wir dürfen davon ausgehen, dass die sich nicht (mehr) leiden können. Harald Neuber ist der Nachfolger von Florian Rötzer als Chefredakteur des bei der Heise-Gruppe angesiedelten Onlinemagazins telepolis. Rötzer wurde nicht gefeuert, sondern ging in Rente. Ob sie bei Heise drei Kreuze geschlagen haben? Das sieht heute so aus. Wie kommich auf das abseitige Thema?

    Ich bin Leser von beiden, seit langem, seit Ende der 90er Jahre. Und glaube intellektuell davon profitiert zu haben. Heute mache ich mir Sorgen, ob das (für mich) noch möglich ist.

    Sehr genervt bin ich, und schalte als Leser clickverweigernd davon ab, wie sich Neuber redaktionell aufbläst. Das ist so anstrengend, wie die Presenter-Dokus in der Glotze. Der Inhalt verschwindet immer mehr hinter einer aufgeblasenen Person. Und wenn die sich auch noch selbst aufbläst, weil es niemand anders macht – dann braucht die Person doch wohl eher professionelle Hilfe, als was mit Medien. Aber gut, das ist meine private Meinung.

    Heute nun ist vom Kollegen Neuber ein vielsagender Text erschienen. Er als Chef tut sowas natürlich nicht unterhalb der Selbstbezeichnung Leitartikel. Aber geschenkt, darüber lässt sich hinwegsehen.

    Harald Neuber/telepolis: “Europa außen vor: Wie die USA und Russland über unsere Zukunft verhandeln – Die EU setzt auf Moral, doch am Verhandlungstisch zählt Macht. Warum Europa zunehmend nur noch Zuschauer ist. Ein Telepolis-Leitartikel.”

    Das ist nach meinem Empfinden einer der besseren Neuber-Texte. Ich stimme überein, weitgehend. Lobend ist zu erwähnen, dass er sich an Genscher erinnern kann, und sogar an dessen Politik. Ich teile auch seine Kritik an der nur sog. “wertebasierten Aussenpolitik”, wie sie einige Grüne propagieren, die doch nur eine heuchlerische Verpackung für blankes “Atlantiker”-tum ist (und war). Was ich bei Neuber nicht nur in diesem Text vermisse – und das hält er wohl für “unabhängigen Journalismus”, den er gegen Rötzer wendet – den eigenen Standpunkt, von dem aus er analysiert und – wertet! Was er dagegen als Telepolis-Strategie praktiziert, ist Seitensteherei. Die eigene Position enttarnt sich ausschliesslich im Agendasetting. Und das ist bei Herrn Neuber dünn geworden (Ex-Telepolis-Autor Kolonko nannte es vor einem Jahr treffend: “News-Fabrik”). Es wird verzichtbar, weil es sich immer weniger vom herrschenden Brei unterscheidet.

    Neuber bejubelt nicht überprüfbare Clickzahlen. Exakt das könnte das Problem sein.

    Nun zu Rötzer

    Er ist als Rentner beim Westend-Verlag ins publizistische Exil geflüchtet. Dort werden auch rechte Spinner, wie der leitende Angestellte des Springer-Verlages Poschardt, verlegerisch gepampert. Warum wohl? Ein Grund könnte darin liegen, dass Online-Umfragen des overton-magazins nicht nur dominierende BSW-Sympathien dokumentieren, sondern – direkt darauf folgend – solche für die faschistische AfD. Ich wäre längst weg, wg. Allergieschock. Aber bitte, hier schreibt

    Florian Rötzer/overton: “Die nächste Droge: Der Umgang mit den KI-Chatbots soll KI-Psychosen auslösen können – Ein Gespenst geht um: die KI-Psychose. Das soll eine neue psychische Erkrankung sein, die mit der zu intensiven Nutzung der intelligenten Chatbots oder generativen LLMs verbunden ist. Wenn Menschen KI-Agenten oder extra für persönliche Gespräche zugeschnittene KI-Companions als Freunde oder gar als Therapeuten sehen oder sich mit ihnen in wahnhafte Welten einspinnen, soll dies psychotische Tendenzen verstärken oder auslösen können.”

    Das ist in diesem Fall sicher nicht – im Gegensatz zu Neuber oben – einer der besten Rötzer-Texte, sondern eine seiner Routine-Arbeiten, darin ebenso vielsagend. Die starke Seite ist sein Agendasetting. Er dackelt nicht dem Tagesstrom hinterher, sondern sucht nach Trüffeln, die Hinweise auf die Zukunft geben. Das schätze ich an ihm.

    Und eine Fehleinschätzung vermeidet er stringent. Nicht das Medium/die Technik ist das Böse. Sondern die Gesellschaft, die es sozioökonomisch hervorbringt. Mit dieser Erkenntnis eilt er aber dem öffentlichen Diskurs nicht meilenweit voraus, um am Ende von niemandem mehr verstanden zu werden. Sondern Rötzer bleibt anschlussfähig, schreibt verständlich und nachvollziehbar. Jedenfalls für mich.

    Und er hört nicht auf. Danke.

    Update nachmittags

    Lesen Sie zum Wirken von KI/AI ergänzend auch den wie immer anregenden

    Georg Seeßlen/Jungle World: “Künstliche Intelligenz ersetzt zukünftig vielleicht nicht nur den Künstler, sondern auch den Kritiker: Kunstkrieg mit der KI – Ob etwas Kunst ist oder nicht, wird bisher gesellschaftlich ausgehandelt. Schreitet die Künstliche Intelligenz nicht nur darin voran, Kunstwerke zu verarbeiten, sondern auch darin, in ihrer totalitären Tendenz den gesellschaftlichen Aushandlungsprozess zu untergraben, wird sie zukünftig vielleicht nicht nur Kunst produzieren, sondern darüber entscheiden, was als Kunst gilt.”

    Und noch eine Preisfrage hinterher. Über Gesetzgebung lamentieren, die Jahrzehnte hinterherdackelt? Das mache ich jetzt auch schon über zehn Jahre. und lasse es dieses Mal – ausnahmsweise. Stattdessen meine Preisfrage als Hausaufgabe: nennen Sie mir eine*n oder mehrere Politiker*innen mit einem Amt oder Mandat, die die hier aufgezählten Texte überhaupt lesen (können)! Als Preis winkt Ihnen eine innere Beruhigung.

  29. Gegen rechten Zionismus …

    … und für konsequenteren Datenschutz: zwei kompetente Autoren gaben gestern konstruktive Hinweise

    Die Positionierung zu Zionismus und Antisemitismus wird hierzulande gerne genutzt, um ahnungslose Linke und Liberale faktenfrei aufeinanderzuhetzen. Es funktioniert einfach zu gut. Das ist verführerisch für Medienökonomie und Herrschende. Darum beginne ich lieber mit dem – was die gesellschaftliche Praxis betrifft – wichtigeren Thema: dem Datenschutz.

    Hierzu hat wie immer Falk Steiner/heise faktenreich beizutragen: “Missing Link: Die Wegschaubehörden - Während Datenschutz und Datensicherheit immer wichtiger werden, entfremden sich die zuständigen Behörden zunehmend von ihrer Aufsichtsrolle”.

    Ich bin nicht ganz sicher, wie richtig er mit seiner Bewertung liegt. Aus meiner Kenntnis und Erfahrung unterliegen die zahlreichen Jurist*inn*en in diesen Behörden einem Mangel an Medien- und PR-Kompetenz. Sie haben sich zu tief in ihr eigenes Fach eingegraben, und dabei zu wenig nach links und rechts in die Gesellschaft und ihre politische Wirklichkeit geblickt. So sicherten sie sich gegen fachinterne Kritik und Angreifbarkeit ab, vernachlässigen aber ihre Aussenwirkung. Schade eigentlich. Finde ich (zit. Meike Droste in “Mord mit Aussicht”, nur Staffel 1-3).

    Nicht zu heisslaufen – lieber eine Kurve länger denken

    Das meine ich zum Thema Zionismus und Antisemitismus. Peter Nowak/overton tut es. Aus längjähriger Lektüre weiss ich, dass dieser Autor ein Faible für kleine, meist wirkungslose, besserwissende Sekten hat. Aber seiner inhaltlichen Positionsbestimmung kann ich in diesem Falle folgen:

    “Gegen Hamas und Netanyahu – Warum moralische Empörung gegen Israel oft nur heuchlerisch ist und wie eine emanzipative Kritik aussehen könnte.”

    Merke: binäres Denken ist immer eine Sackgasse. Am schädlichsten für die, die es selbst ausüben.

  30. Nicht erkannt

    Der Ernst der Lage

    René Martens/MDR-Altpapier sieht es ähnlich wie Constanze Kurz/Markus Reuter. Es ist nicht nur das “Sommerinterview”, eine nur scheinbare Journalismus-Gattung, die seit Jahrzehnten mit Schleimerei zu verwechseln ist, und deswegen von über 82 der 84 Mio. Einwohner*innen gemieden wird. Da bin ich ganz bei der Mehrheit. Das Problem, das Martens richtig erkennt: es ist die Mehrheit der Profimedien, die nicht bei der Mehrheit ist, und auch sonst zu dumm, den Ernst der Lage zu verstehen: “Auch Journalisten müssen essen, sonst können sie nicht arbeiten – Der Protest gegen das ‘Sommerinterview’ mit Alice Weidel richtet sich nicht zuletzt gegen mediale Berichterstattungsroutinen. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP haben Angst, dass ihre Kollegen in Gaza den Hungertod sterben.”

    Rob Kenius/overton meditiert über “Die Finanzmacht – mächtiger als der Präsident der USA – geht in die letzte Schlacht”. Er entwertet seine richtigen Beobachtungen mit unsachgemässen und wenig fachlichen Schlenkern über das Coronavirus und die öffentlichen Medien in Deutschland. Warum nur fällt es schreibenden alten weissen Männern so oft schwer, sich thematisch zu fokussieren? Sie müssen nicht die ganze Welt erklären – das geht fast immer schief. Weit differenzierter wird das geopolitische Thema von Herbert Wulf/IPG-journal behandelt, der dazu ein Leben lang, u.a. im Bonner BICC, wissenschaftlich gearbeitet hat: “Zu viele Köche – Nach dem BRICS-Gipfel überwiegen die Unterschiede zwischen den Mitgliedsstaaten. Bis zu einer neuen Weltordnung ist der Weg noch weit.”

    Dort beim IPG-Journal beschreibt Sandra Weiss, wie Donald Trump seine Lateinamerikapolitik gegen die Wand fährt, wobei er da bekanntlich ganz schmerzfrei rassistisch ist: “Nicht nur amigos – Trumps Lateinamerika-Politik setzt auf Druck, Drohungen und Deals. Dennoch nimmt der Einfluss der USA in der Region weiter ab.”

    Die Überschrift dieses Textes prägte die ehemalige IPG-Chefin Claudia Detsch, die zusammen mit Niels Hegewisch schreibt, wie die EU und China ihre Beziehungen und die globale Klimapolitik gemeinschaftlich vergeigen: “Katerstimmung – Konflikte, Klimaziele, Rohstoffe: Die EU-China-Beziehung steht vor einem Stresstest. Dabei braucht es dringend gemeinsame Lösungen.”

  31. Hier gibts zum aktuellen Stand globale #Reichensteuer noch paar Zusatzinfos.

    Allerdings weiß ich nicht, ob das #OvertonMagazin nicht sogar noch rechterer Schwurbel als "Die Welt" ist.

    Hab das grade zu ersten Mal gesehen, geht also kritisch mit der Quelle um.

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    overton-magazin.de/top-story/b

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  32. Kadenzierend

    Nach allem, was Leute, die es wissen müssen, meinen, ist Helge Schneider in erster Linie begnadeter Musiker. Von Musik verstehe ich selbst nur wenig, Kindheitstrauma in der 2. Klasse mit 7 Jahren. Für mich ist er mindestens zusätzlich ein grosser Weltfilosof, wie er hier im Interview mit dem Musikjournalisten Max Dax/FR unter Beweis stellt: “‘Wo haben Sie denn diesen Quatsch her?’ – Helge Schneider über die Freiheit, die Musik schenkt, und das Weglassen als die eigentliche Kunst.” IQ 140, und schlecht in der Schule gewesen. Da wundert mich nichts mehr …

    Vorsicht Dialektik!

    Das Gegenteil von kadenzierend ereignet sich im Profifussball der Männer, national und international. Und wer das hinreichend intensiv verfolgt, kann von dem mässigen Verlauf der Weltklimakonferenz zwar entsetzt, aber nicht überrascht sein. Dazu folgende Quellen.

    DFL, Uefa und Fifa

    Was da am Montag bei der DFL vor sich ging, ähnelte dem Geschehen im TV-Thriller “Die Saat”, nur mit weniger Toten. Jan Christian Müller/FR: “Wirbel um Martin Kind: Kippt der DFL-Deal? – Es herrscht Ungewissheit, ob die womöglich entscheidende Stimme von Hannover-Boss Kind rechtens ist.”

    Der Uefa-Oligarch Ceferin. bei dem Qatar in der Exekutive vertreten ist, will seine Satzung ändern lassen, wie es Militärdiktatoren mit Landesverfassungen machen, um dranzubleiben. Denn in der Zukunft sollen die Feudalbillionen in wachsendem Masse in seine Branche fliessen. Die Uefa-Champions League wird in der nächsten Saison nach einem Reglement ausgetragen, das kein Mensch mehr sportlich versteht. Aber ökonomisch verstehen es alle.

    Aus den gleichen Motiven ist die Fifa-WM 2034 faktisch schon nach Saudi-Arabien vergeben, wo der Saud-Clan grosse Weltherrschaftspläne schmiedet, mit denen dann nur noch China wird konkurrieren können.

    UNO, COP 28, u.a.

    153 Regierungen dieser Welt sehen den Gazakrieg anders als Deutschland, und erst recht die mächtigste Macht der Welt, die USA. Das sind ziemlich viele. In deutschen Medien finde ich zwar dieses Ereignis, aber nicht den Wortlaut der Resolution. Mann nennt es Journalismus.

    Diese weltpolitische Isolation reproduzierte sich bei der COP 28 in Dubai. Keine der alten Mächte, sondern das Feudalemirat entwarf die Schlussresolution. Und so wurde sie dann auch. Die nächste COP soll dann in Aserbaidschan stattfinden. Nur dass Sie sich dann über nichts mehr wundern …

    Ist die böse Welt also einfach zu schlecht für uns liebe Demokrat*inn*en? Wenn Sie wollen, können Sie das so sehen. Für Lai*inn*en, “normale” Bürger*innen ist das nicht abwegig. Mich dagegen beunruhigt die – längst nicht mehr schleichende, sondern disruptive – Abwesenheit der Handwerkskunst aus der deutschen Politik. Sie wird bei der EU-Wahl im Juni 24 und der US-Präsidentenwahl im November 24 zu katastrophalen Resultaten führen. Mit seiner Analyse der Gegenwart liegt Florian Rötzer/overton beängstigend richtig: “Hat der Ukraine-Krieg militärisch nicht Russland, sondern Europa geschwächt? – ‘Geschwächte Armeen und leere Arsenale’ (WSJ) sollen in Europa Angst vor Russland schüren, verstärkte Rüstungsausgaben und Militärhilfe für die Ukraine befördern. Bundesregierung will für die Ukraine-Unterstützung wieder die Schuldenbremse aushebeln.”

    Was wird die Lehre der Misere?

    Ein zukünftig rechtsreaktionär geführtes EU-Europa wird sich weiter einmauern und aufrüsten. Und dabei sein politisches Inneres in seine Bestandteile zerlegen. Alle wollen militärisch aufrüsten. Aber auch ökonomisch davon profitieren (bzw. im Auftrag ihrer Klienten aus dem Grosskapital). Deutschland will was von Frankreichs Atomwaffen abhaben, Frankreich aber nichts abgeben (die sind ja nicht blöd). Denn welche Machtmittel hätte Macron sonst noch? Und nach ihm Le Pen? Was würden Friedrich Merz und Alice Weidel dann tun? Sich weinend beim US-Präsidenten beschweren? Bei Donald? Oder Nikki Haley? Letztere ist angeblich deswegen chancenlos, weil sich die alten, weissen Männer nicht für eine Frau mobilisieren lassen. Also doch Donald, der in Argentinien schon einen der Seinen platziert hat.

    Oder wird Deutschland sich selbst zur Atommacht machen, um endlich, wie Nordkorea, von allen ernstgenommen zu werden? Die FAZ will es schon. Sie sind nicht viele, aber reich und mächtig.

    Mit weiteren Parteigründungen und Spaltungen von sozialen Bewegungen anhand instrumentalisierter Fragen, von denen diese keine Ahnung und diverse Meinungen haben, lässt sich diese Entwicklung jedenfalls nicht bremsen.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @[email protected]

  33. Geleitwort zum Mittagessen

    Und zwei Interviews, die Sie nicht übersehen sollten

    Viele deutsche Ex-Maoist*inn*en, die es besser hätten wissen können, verarbeiten ihr Trauma heute durch China-Bashing. Wer auf die hört, selber schuld. Anders Lorenza Colzato und Bernhard Hommel/overton, die dort länger gelebt haben, und nun Vergleiche zwischen chinesischer – keineswegs die, die hierzulande als solche bezeichnet wird! – und deutscher Küche erleben: “Weniger ist mehr! – Nudelberge gibt es auf den Tellern in China eher nicht. Denn Essen ist im Reich der Mitte mehr als Nahrungsaufnahme. Es ist Medizin.”

    Ich wiederhole: Medizin! Während jede*r Deutsche mit eingeschaltetem schlechtem Gewissen isst: “jetzt nehme ich zu”. Das Gegenteil ist richtig: wenn ich esse, “arbeite” ich an meiner Gesundheit. In diesem Kontext (Vorsicht: Kontextualisierung!) wäre ich glatt mal – ausnahmsweise – für den chinesischen Imperialismus.

    Kontextualisierung

    Dieses Wort gibt es gerade mal ein paar Wochen. Es scheint erfunden worden zu sein, um das Böse abschreckend zu kennzeichnen. Ich bin dafür, dass Sie sich über das Böse ein eigenes Urteil bilden, statt es vorgekaut und vorverdaut zu übernehmen. Dafür sind folgende beiden Interviews ein geeignetes Menü.

    Anja Reich (Interview)/Berliner Zeitung: “Holocaustforscher Yehuda Bauer zur Lage in Israel: ‘Netanjahu ist eine Katastrophe’ – Der Historiker aus Jerusalem beschuldigt die israelische Regierung, die Hamas mitfinanziert zu haben. Und sagt im Interview, was Deutschland jetzt tun sollte.”

    Michael Hesse (Interview)/FR: “Philosophin Judith Butler über Israel und Hamas: ‘Die Gräueltaten waren entsetzlich’ – Philosophin Judith Butler spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über moralische Argumente in Bezug auf den Nahost-Konflikt und warum die Hamas bestraft und Israels Krieg verurteilt werden muss.”

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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  34. Beschämend … Beim #OvertonMagazin bricht man eine Lanze für die #AfD, weil sich da offenbar jemand über einen Verbotsantrag ärgert und verkauft es als Kritik an eben jenen Initiator. Damit fliegt es umgehend aus dem RSS-Feed!

  35. Kein Vertrauen zu niemand

    Vergiftet und gefährlich – die Beziehungen der Grossmächte
    Bei Reinhard Lauterbach/Junge Welt, der selbst keiner, gar keiner Kriegsseite zuneigt, erfahre ich oft, was ich woanders überhaupt nicht erfahre: “Defätismus oder Realismus? Jenseits der Propaganda – Waffenstillstand mit Gebietsverlusten steht zur Debatte: In der […]

    https://extradienst.net/2023/08/15/kein-vertrauen-zu-niemand/

  36. Die spinnen, die Amis

    Männer – ist Käfighaltung eine Lösung?
    Menschen mit einer Mindestausstattung an Intelligenz wissen, dass die Fortexistenz menschlichen Lebens auf diesem Planeten auf Messers Schneide steht. Vor allem das Klima. Aber nicht nur. Jeder Atomstaat kann alles in die Luft jagen. Die wenigsten davon sind demokratisch regiert. Und auch das scheint nicht die Lösung zu […]

    https://extradienst.net/2023/07/21/die-spinnen-die-amis/

  37. Den Kapitalismus in seinem Lauf …

    … hält weder Ochs noch Esel auf. Und schon gar nicht ein paar revolutionäre Zwerge. Best of 26. April 2023
    1969 wollte eine Gruppe revolutionärer Spiegel-Mitarbeiter*innen den Besitzer der Produktionsmittel Rudolf Augstein in die Wüste schicken. Der wollte aber nicht in die Wüste. Einerseits Dickschädel, andererseits aber auch schlau, vereinbarte er […]

    https://extradienst.net/2023/04/27/den-kapitalismus-in-seinem-lauf/

  38. Lügende Männer

    Nur ein Business
    Rupert Murdoch hat sich die Lüge-Erlaubnis für 787,5 Mio. $ gekauft. So viel ist dem Mann das wert. Und der muss es ja wissen, ist er immerhin doch der mächtigste Medientycoon der “freien” Welt. Schauen Sie nur, wie in der unfreien chinesischen Welt “diskutiert” wird – das sollen freie Meinungen sein? […]

    https://extradienst.net/2023/04/19/luegende-maenner/

  39. Generation Africa gibt konstruktive Hinweise

    Für deutsche “feministische Aussenpolitik” – Best of 12. April 2023: Niger, Südafrika, Frankreich, EU, USA, China
    Roland Appel diskutiert heute feministische deutsche Aussenpolitk am Beispiel Afghanistan. Ich hätte da noch ein nicht weniger beeindruckendes: Niger/Sahel/Afrika. Nach dem Rausschmiss aus Mali konzentrieren sich dort jetzt die […]

    https://extradienst.net/2023/04/12/generation-africa-gibt-konstruktive-hinweise/

  40. Sie kennen Freddy nicht?

    Best of 14. März 2023
    Er killt ja nur Schwarze. Und gar nicht so “viele”. Was interessiert es also europäische Öffentlichkeiten? “Mit seiner Lebensdauer von über einem Monat schlägt Freddy den bisherigen Rekordhalter ‘John’, der sich im Jahr 1994 31 Tage lang hielt. Doch auch in Bezug auf die akkumulierten Energie […]

    https://extradienst.net/2023/03/15/sie-kennen-freddy-nicht/

  41. Nicht wirklich schulreif

    Best of 13. März 2023: Paschas, Querfront, Italien, China, USA, Frankfurt, Marozsán, Schirrmacher
    Meine Empfehlungen des Tages:
    Meine Lieblingspassage aus Küppis taz-Kolumne lautet heute so: “Friedrich ‘der große Pascha’ Merz. Seit ungefähr 50 Jahren. In den Achtzigern prophezeite der CDU-Generalsekretär Heiner Geißler, […]

    https://extradienst.net/2023/03/14/nicht-wirklich-schulreif/

  42. Jahrhundert-Unterschied

    Staus und Parkplatznot
    Ein – noch – relevantes Medium in Bonn hat entdeckt, dass es auch in unserer Stadt Kräfte und Interessen gibt, die sich mit Händen und Füssen gegen eine Verkehrswende wehren. Beliebter Popanz seit Jahrhunderten sind die Radfahrer*innen. Viele Einzelhändler*innen und noch mehr ihre Lobbyverbände, ahnen bis heute nicht, welche […]

    https://extradienst.net/2023/03/09/jahrhundert-unterschied/

  43. “Rechercheverbund”?

    Geheimdienste werden umgangssprachlich auch “Nachrichtendienste” genannt. Oder ist es umgekehrt? Die Deutsche Pesse-Agentur (dpa) z.B. ist ein Nachrichtendienst. Oder etwa nicht? Der “Bundesnachrichtendienst” dagegen ist gar keiner, sondern der deutsche Auslandsgeheimdienst. So wie das “Bundesamt für Verfassungsschutz” gar nicht die […]

    https://extradienst.net/2023/03/08/rechercheverbund/

  44. Postwestliche Welt

    Best of 7. März 2023: andere Blicke auf den Ukrainekrieg / US-Infrastruktur / Wasserpolitik / DFB-Neuendorf

    In meinen Freundeskreisen kursiert z.Z. eine Veröffentlichung von Thomas Meaney/New York Times, Fellow der Max Planck Gesellschaft. Es gibt eine deutsche Übersetzung, die ich auf Wunsch gerne individuell übermittle. Hier der Originaltext vom 2. März: […]

    https://extradienst.net/2023/03/08/postwestliche-welt/

  45. Best of 6. März 2023

    Deutsche Friedensdebatte / China / Iran / Pakistan
    Peter Nowak/telepolis: “Wagenknecht-Rückzug: Die Linke und das ominöse Neue – Wer würde mit der sozialkonservativen Initiatorin des ‘Aufstands für Frieden’ ein neues Projekt starten? Gibt es überhaupt eines – und was bleibt dann von der ‘alten’ […]

    https://extradienst.net/2023/03/07/best-of-6-maerz-2023/

  46. Best of 3. März 2023

    GVAZ – Grösstes Vakuum aller Zeiten – die “Medienpolitik” der Bundesländer
    Was dabei herauskommt, wenn öffentliche Medienanstalten öffentlich über sich nachdenken lassen, das hat Ralf Heimann/MDR-Altpapier hier so erschöpfend berichtet, dass ich es mir auf keinen Fall mehr ansehen werde. Was dabei herauskommt, wenn die […]

    https://extradienst.net/2023/03/03/best-of-3-maerz-2023/

  47. Kampf der Narrative

    Best of 1. März: Krieg und Eskalation, Flüchtlinge, Klima, USA, Polumkehr, 11 min. Bewegung
    In meiner politischen Jugend kannte ich den Begriff “Ideologie”. “Narrativ” kam erst in den angeblich “postideologischen” 90ern auf. Wikipedia bezeichnet es als “eine sinnstiftende Erzählung bezeichnet, die Einfluss […]

    https://extradienst.net/2023/03/02/kampf-der-narrative/

  48. Eurasisches “Afghanistan”?

    Best’n Worst of 27. Februar 2023: Ukrainekrieg, Scholz in Indien, Irans Atombewaffnung, Fussball in Münster
    Zbigniew Brzeziński war der “Sicherheitsberater” des US-Präsidenten Carter, dem es gelang, die damalige politische Führung der Sowjetunion militärisch in ihr eigenes Afghanistan-Desaster zu locken. Wenn ich nun den Kollegen […]

    https://extradienst.net/2023/02/28/eurasisches-afghanistan/

  49. Best of Aschermittwoch

    Fussball-Investoren, Interviews mit Schwarzer & Hersh, Boulevardpresse, ChatGPT & “Fachkräftemangel”
    Haben Sie Lanz geguckt? (1,8 Mio. haben es getan) Ich nicht. Es war Champions League, und Jürgen Klopps FC Liverpool hat sehr alt ausgesehen. Investorengeduld ist in der Regel kurz. Nur schade für ihn, dass der BVB aus seiner Krise raus und dort […]

    https://extradienst.net/2023/02/22/best-of-aschermittwoch/

  50. The Godfather (chin.)

    Best of Nubbeldienstag: Chinas “Der Pate”, rassistische Täterfaszination, Biden in Ukraine, Fahrrad-Suvs
    Wenn es ein “Markt” und nicht Macht wäre, dann hätten europäische TV-Anstalten die Sache längst angekauft und mit Übersetzung gesendet. Meine Neugier ist jedenfalls geweckt, weil sie es mir wohl nie zeigen werden, von Guan Xin, der bei […]

    https://extradienst.net/2023/02/21/the-godfather-chin/

  51. Zwei “NRWs” in einem “Saarland”

    Best of 19. Februar 2023: Pakistan, Somalia, USA, deutsche Datenautobahn, Karneval

    Thomas Rudhof-Seibert/oxiblog, Referent bei Medico International, war im vorigen Jahr im Süden Pakistans. “Die Ordnung einer anderen Welt – Was erzählen uns die Ertrinkenden Pakistans und die Dürstenden Somalias über das Morgen? Kommentar zur COP27″. Wie viele […]

    https://extradienst.net/2023/02/20/zwei-nrws-in-einem-saarland/

  52. Larmoyanz

    Vorweg das Positive: politisch stimme ich den Kollegen Goeßmann/telepolis und Schillo/overton zu. Es sind die Untertöne, die mich stören, und gleichzeitig Hinweise geben, warum die deutsche Linke so in der Sackgasse vegetiert. Hier zunächst die Vorstellung ihrer Texte.
    David Goeßmann/telepolis: “Das Hersh-Bennett-Syndrom der Medien: ‘Kill The […]

    https://extradienst.net/2023/02/19/larmoyanz/

  53. Best of 17. Februar 2023

    Strategielose Aussenpolitik, Krieg, Klima, Polizei & Verfassung, EU-Korruption
    Der Kollege Jörg Kronauer ist bisweilen etwas doktrinär eingestellt, aber immer aufmerksam, und in diesem Fall – zumindest in der Überschrift – in Jacobin überraschend barmherzig: “Die deutsche Außenpolitik ist strategielos – Der Ukraine-Krieg stellt die […]

    https://extradienst.net/2023/02/17/best-of-17-februar-2023/

  54. Krieg, SMS-Uschi, Frankreich, China

    Best of 15. Februar 2023
    Seymour Hersh gab Fabian Scheidler/Berliner Zeitung ein Interview: “Joe Biden sprengte Nord Stream, weil er Deutschland nicht traute – Der Investigativjournalist Seymour Hersh hat eine umstrittene Recherche zum Nord-Stream-Anschlag veröffentlicht. Wir haben mit ihm gesprochen.” Der alte Mann hat vor nichts […]

    https://extradienst.net/2023/02/16/krieg-sms-uschi-frankreich-china/

  55. Kollegenschelte

    Best of 14. Februar 2023: Recherchefreie Medien, Krieg, Alarm zum 49-€-Ticket
    Kürzlich genierte sich Küppi in einem seiner Videos, und versah seine Kollegenschelte mit einem Warnhinweis. Ich dagegen darf das. Ich war nämlich nie hauptberuflich Journalist, und habe als nebenberuflicher mehrere tausend Mark verbrannt, weil ich Honorare gestundet […]

    https://extradienst.net/2023/02/15/kollegenschelte/

  56. Weltuntergang? Oder nicht?

    Best of 13. Februar 2023
    Zunächst das Positive. In Beuel war ein Tag, den Adsche Tönnsen als “Topptach” bezeichnen würde. Wolkenloser Himmel, wie ich bisher nur in Sardinien erlebt habe, das blaueste Blau aller Zeiten. Sogar der Rhein wird eingefärbt. Erstes Blattgrün spriesst am Wegesrand. Die den Artenschwund überlebenden Vögel tirillieren um die […]

    https://extradienst.net/2023/02/14/weltuntergang-oder-nicht/

  57. Dauerhaft erdbebengefährdet

    mit Update nachmittags
    Der real existierende Kapitalismus: vom Mieter zum Oligarchen-Stürzer
    Vor wenigen Tagen hat sich der deutsche Profijournalismus mit Seymour Hersh abgemüht. Seine These von der Zerstörung der Northstream-Pipeline durch die USA könne gar nicht stimmen, weil er nur einem Zeugen geglaubt habe. Kann mann so sehen, muss frau aber […]

    https://extradienst.net/2023/02/13/dauerhaft-erdbebengefaehrdet/

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