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#annikaschneider — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #annikaschneider, aggregated by home.social.

  1. Der Fiebertraum des WDR

    Aber warum die Aufregung?

    mit Update nachmittags

    Die Satireprogramme des konkurrierenden ZDF (“heute-Show”, “ZDF-Magazin Royale”) schlugen sich darauf Eier auf. Mit dieser Stofflieferung des notleidenden Konkurrenten ARD hatten sie nicht gerechnet. Und in der Tat waren die Bilder, die sie von “Die 100” übernommen hatten, schockierend. WDR-Gesichter, die ich bis dahin für zurechnungsfähig gehalten hatte, wie Anna Planken, Till Nassif oder Ralf Caspers wurden quasi öffentlich “verbrannt”. Wie konnte das passieren?

    Die Unterhaltungsabteilung des WDR leidet unter einem Trauma: ihre alten Erfolge, die nicht wiederkehren wollen. Viele im Sender verbinden das mit der Figur Axel Beyer. Ich nicht, aber viele tun es. Wer so schmerzfrei die Arbeitgeber wechselt wie er, ist bei mir persönlich nicht übermässig kreditwürdig. Und die WDR-“Unterhaltung” hatte mich in meiner Jugend weit weniger interessiert, als die – damals noch – anspruchsvollen Politangebote des Senders. “Monitor” hatte Super-Einschaltquoten, im Dritten liefen immer wieder erregende Recherche-Dokus (“Es begann mit einer Lüge”), und die Radiowelle WDR2, die heute das Ruhrgebiet mit “Weihnachtswundern” belästigt, war mal meinungs- und marktführend (Morgenmagazin, Zeitzeichen, Hallo Ü-Wagen, Mittagsmagazin, Quintessenz, Radiothek). War ‘ne schöne Zeit. Ich mochte meinen Heimatsender. Umso mehr, je mehr er bei der CDU verhasst war und er sie auf alle damals noch gesunden Bäume des Sauerlandes brachte.

    Heute ist er für die WDR-Unterhaltung verantwortlich. Er ist kein “Axel Beyer”, immerhin. Und nicht jede*r muss alles können. Aber wer um Gottes Willen berät ihn?

    Die Medien-Medien überschlagen sich mit Verrissen. Die geschätzte Kollegin Christiane Voges/telepolis macht sogar einen Mehrteiler. Aber warum nur? 1,5 von 84 Mio. waren bereit, das auf dem Sofa zu erleiden. Das wurde von Peter Heinrich Brix (ZDF) und Neil Dudgeon/“John Barnaby” (ZDFneo) in Grund und Boden gesendet. So unterirdisch, wie “Die 100” auf die Fachkritik wirkte, ist es quotenstrategisch auch ausgegangen. Das ist doch eine gute Nachricht! Ich war dabei, als Zuschauer – von Brix und “Barnaby”, wie jeden Montag …

    Wo ist also das Problem? Ja richtig, wir haben das bezahlt.

    Dazu mein Tipp: gemeinnützig spenden, an freigewählte Adressat*inn*en (bei mir sind das z.B. Proasyl und netzpolitik). Ich weiss genau, wie viel ich spenden muss, um keine Steuern an Rheinmetall u.a. zu zahlen. Für das Wohlbefinden am Jahresende ist das wirksam. Versprochen.

    Update nachmittags

    Während der Kollege Harald Neuber/Berliner Zeitung sich immer noch nicht einkriegt wegen dieses mediokren Sackes Reis, vermutlich, weil seine Clickzahlen noch niedriger sind als die betreffende Einschaltquote, profiliert sich eine andere Kollegin spektakulär, aber gleichzeitig (vorläufig, eine Woche) unsichtbar, weil Paywall. Annika Schneider/uebermedien, schade, dass ich sie nicht mehr in meinem Edeka darauf ansprechen kann, weil sie jetzt in der Nähe Polens sitzt: “Diese ARD-Show ist anstrengend – und trotzdem finde ich sie wichtig – Nach den neuen Ausgaben der ARD-Debattenshow ‘Die 100’ hagelte es Kritik – mal wieder. Und natürlich kann man sich über einige Szenen aufregen, für den Einsatz einer ‘Hautfarben-Skala’ gar fremdschämen. Andererseits kann uns genau so eine Sendung beibringen, besser zu streiten.” Und dann kommt die Wand. Mein Paywallbohrer hat versagt.

    Ob es mich in einer Woche noch interessiert? Ich bin selbst gespannt …

    Was vermutlich auch Frau Schneider nicht abstreiten wird, weil sie es längst persönlich kennengelernt hat, ist, was Johanna Adorján in ihrem “Mozart”-Verriss in der SZ-Paywall schreibt, und was ich aus sechs Jahren Rundfunkratssitzungen nur bestätigen kann: “Die Tragik deutscher Fernsehproduktionen liegt darin, dass die Macher die Zuschauer für dümmer halten als sich selbst. ‘Das versteht der Zuschauer/die Zuschauerin nicht’ ist ein beliebter Satz in Drehbuch-Konferenzen. Bevorzugt macht man fürs hiesige Fernsehpublikum, was anderswo schon einmal Erfolg hatte – nur in schlecht.” Wie schlecht das “Die 100” und die ARD machen, das erklärt Matthias Dell/DLF (nur Audio 4 min).

    Es ist einfacher die Ausnahmen von dieser Regel aufzulisten.

  2. Der Fiebertraum des WDR

    Aber warum die Aufregung?

    mit Update nachmittags

    Die Satireprogramme des konkurrierenden ZDF (“heute-Show”, “ZDF-Magazin Royale”) schlugen sich darauf Eier auf. Mit dieser Stofflieferung des notleidenden Konkurrenten ARD hatten sie nicht gerechnet. Und in der Tat waren die Bilder, die sie von “Die 100” übernommen hatten, schockierend. WDR-Gesichter, die ich bis dahin für zurechnungsfähig gehalten hatte, wie Anna Planken, Till Nassif oder Ralf Caspers wurden quasi öffentlich “verbrannt”. Wie konnte das passieren?

    Die Unterhaltungsabteilung des WDR leidet unter einem Trauma: ihre alten Erfolge, die nicht wiederkehren wollen. Viele im Sender verbinden das mit der Figur Axel Beyer. Ich nicht, aber viele tun es. Wer so schmerzfrei die Arbeitgeber wechselt wie er, ist bei mir persönlich nicht übermässig kreditwürdig. Und die WDR-“Unterhaltung” hatte mich in meiner Jugend weit weniger interessiert, als die – damals noch – anspruchsvollen Politangebote des Senders. “Monitor” hatte Super-Einschaltquoten, im Dritten liefen immer wieder erregende Recherche-Dokus (“Es begann mit einer Lüge”), und die Radiowelle WDR2, die heute das Ruhrgebiet mit “Weihnachtswundern” belästigt, war mal meinungs- und marktführend (Morgenmagazin, Zeitzeichen, Hallo Ü-Wagen, Mittagsmagazin, Quintessenz, Radiothek). War ‘ne schöne Zeit. Ich mochte meinen Heimatsender. Umso mehr, je mehr er bei der CDU verhasst war und er sie auf alle damals noch gesunden Bäume des Sauerlandes brachte.

    Heute ist er für die WDR-Unterhaltung verantwortlich. Er ist kein “Axel Beyer”, immerhin. Und nicht jede*r muss alles können. Aber wer um Gottes Willen berät ihn?

    Die Medien-Medien überschlagen sich mit Verrissen. Die geschätzte Kollegin Christiane Voges/telepolis macht sogar einen Mehrteiler. Aber warum nur? 1,5 von 84 Mio. waren bereit, das auf dem Sofa zu erleiden. Das wurde von Peter Heinrich Brix (ZDF) und Neil Dudgeon/“John Barnaby” (ZDFneo) in Grund und Boden gesendet. So unterirdisch, wie “Die 100” auf die Fachkritik wirkte, ist es quotenstrategisch auch ausgegangen. Das ist doch eine gute Nachricht! Ich war dabei, als Zuschauer – von Brix und “Barnaby”, wie jeden Montag …

    Wo ist also das Problem? Ja richtig, wir haben das bezahlt.

    Dazu mein Tipp: gemeinnützig spenden, an freigewählte Adressat*inn*en (bei mir sind das z.B. Proasyl und netzpolitik). Ich weiss genau, wie viel ich spenden muss, um keine Steuern an Rheinmetall u.a. zu zahlen. Für das Wohlbefinden am Jahresende ist das wirksam. Versprochen.

    Update nachmittags

    Während der Kollege Harald Neuber/Berliner Zeitung sich immer noch nicht einkriegt wegen dieses mediokren Sackes Reis, vermutlich, weil seine Clickzahlen noch niedriger sind als die betreffende Einschaltquote, profiliert sich eine andere Kollegin spektakulär, aber gleichzeitig (vorläufig, eine Woche) unsichtbar, weil Paywall. Annika Schneider/uebermedien, schade, dass ich sie nicht mehr in meinem Edeka darauf ansprechen kann, weil sie jetzt in der Nähe Polens sitzt: “Diese ARD-Show ist anstrengend – und trotzdem finde ich sie wichtig – Nach den neuen Ausgaben der ARD-Debattenshow ‘Die 100’ hagelte es Kritik – mal wieder. Und natürlich kann man sich über einige Szenen aufregen, für den Einsatz einer ‘Hautfarben-Skala’ gar fremdschämen. Andererseits kann uns genau so eine Sendung beibringen, besser zu streiten.” Und dann kommt die Wand. Mein Paywallbohrer hat versagt.

    Ob es mich in einer Woche noch interessiert? Ich bin selbst gespannt …

    Was vermutlich auch Frau Schneider nicht abstreiten wird, weil sie es längst persönlich kennengelernt hat, ist, was Johanna Adorján in ihrem “Mozart”-Verriss in der SZ-Paywall schreibt, und was ich aus sechs Jahren Rundfunkratssitzungen nur bestätigen kann: “Die Tragik deutscher Fernsehproduktionen liegt darin, dass die Macher die Zuschauer für dümmer halten als sich selbst. ‘Das versteht der Zuschauer/die Zuschauerin nicht’ ist ein beliebter Satz in Drehbuch-Konferenzen. Bevorzugt macht man fürs hiesige Fernsehpublikum, was anderswo schon einmal Erfolg hatte – nur in schlecht.” Wie schlecht das “Die 100” und die ARD machen, das erklärt Matthias Dell/DLF (nur Audio 4 min).

    Es ist einfacher die Ausnahmen von dieser Regel aufzulisten.

  3. Ex-Beuelerin ist sauer, sehr

    mit Update 6.9., 8.9. und 11.9. = der Schaden ist angerichtet

    Regelmässig hätte ich Annika Schneider im Edeka treffen können, weil sie mal hier um die Ecke gewohnt hat. Gelegentlich hörte ich sie im Medienmagazin des DLF @mediasres, dessen Stammhörer ich bin. Ob die dort ihre Hörer*innen alle persönlich kennen? Möglich. Die medienpolitische, und erst recht die medienjournalistische Szene ist so übersichtlich, dass sich eines Tages alle untereinander kennen. Wie in einem übersichtlichen Dorf. Auch die Rollen für Deppen, Rechtsradikale und Nichtsversteher*innen sind irgendwann verteilt und zugeordnet. Aber wer war Bert Donnepp? Und erst recht “sein” Preis?

    Das ist dann diese Woche auch mal ein wenig bekannt geworden. Ich hatte immerhin in der Schule in Sozialkunde eine 1 auf dem Abiturzeugnis. Und also von einem Bert Donnepp schon mal gehört. Bzw. seiner Frau. Aber Marler Sozis musste mann in Gladbeck nicht kennen. Mir reichte der Sohn des semikriminellen Oberbürgermeisters in der Reihe hinter mir. Er blieb dann auch direkt hängen.

    Annika Schneider hatte also den “Bert-Donnepp-Preis” bekommen, und will ihn nicht mehr. Das hat ihr heutiger Arbeitgeber uebermedien.de immerhin nicht digital eingemauert, sondern nur die berichtende Recherche ihrer Kollegin Lisa Kräher (jetzt – 11.9. – frei zugänglich). Schneider schreibt:

    Preis für Medienpublizistik: Warum ich meinen Donnepp Media Award zurückgebe – Im Januar wurde Übermedien-Redakteurin Annika Schneider vom Verein ‘Freunde des Adolf-Grimme-Preises’ mit dem Donnepp Media Award ausgezeichnet. Nun gibt sie den Preis zurück. Hier erklärt sie, warum.”

    Früher war das hier zutage getretene Niveau eins, das mann aus der Kommunalpolitik kennt, wo, die wenigsten Bürger*innen wissen das, durchweg Amateur*inn*e*n agieren. Seit etlichen Jahren ist dieses Niveau nach “oben” durchgesickert, und längst auch in Berlin-Mitte angekommen. Warum also nicht in Marl? Traurig aber wahr.

    Update 6.9.

    Frau Schneider hat auch zum Bonner Kommunalwahlkampf und seiner journalistischen Begleitung eine klare Meinung. Ein Bezieher ihres kostenpflichtigen Newsletters übersandte mir das, und ich zitiere gerne ausführlich:

    “In NRW und damit auch hier in Bonn sind nächstes Wochenende Kommunalwahlen. Die Bonner AfD soll laut Prognosen auf sieben Prozent kommen, spielt in der Stadtpolitik aber keine nennenswerte Rolle.

    Das zeigte gerade erst wieder eine Podiumsdiskussion mit den Oberbürgermeisterkandidaten. Die substanzlosen Beiträge des AfD-Vertreters waren dabei ziemlich egal und kein größerer Störfaktor. (Auf seiner Webseite fordert er unter anderem Markt- statt Planwirtschaft – wer sagt es ihm?)

    Der Redakteur des ‘General-Anzeigers’, der die Debatte moderierte, tappte trotzdem in eine Falle: Er versuchte, den AfDler journalistisch zu stellen und ihn so zu entzaubern – und wurde dafür prompt vom Publikum abgestraft.

    Sie können sich die Szene auf YouTube anschauen, spannend wird es ab Timecode 1:24:35. Die Befragung der Kandidaten ist zu dem Zeitpunkt schon durch, jeder der sieben Parteienvertreter hat zu verschiedenen Oberthemen rund eine Minute reden dürfen, so weit, so fair.

    Ich kann nur spekulieren, warum der Moderator es danach für eine gute Idee hält, einige Extra-Minuten noch einmal einem einzigen Kandidaten zu widmen – und zwar nicht der amtierenden Bürgermeisterin von den Grünen, auch nicht dem aussichtsreichsten Konkurrenten von der CDU.

    Stattdessen wendet er sich an den AfD-Kandidaten, weil es ihn „brennend“ interessiert, wie der eigentlich zum Begriff Remigration steht (dabei hätte er die Antwort in seiner eigenen Zeitung in einem von ihm geschriebenen Artikel nachlesen können). Des Weiteren will er von dem AfD-Politiker wissen, welche Gruppe genau er denn abschieben wolle, und fordert ihn auf, endlich „Farbe zu bekennen“.
    Hat der Journalist damit gerechnet, dass der Politiker auf einmal eine verfassungsfeindliche Gesinnung offenbart? Oder zugibt, eigentlich Rassist zu sein, danke der Nachfrage?

    Stattdessen passiert, was in solchen Situationen immer passiert. Der AfD-Politiker kann die Bühne nutzen, um

    1. Remigration zu verharmlosen – es handele sich schlicht um „das Gegenteil von Migration“,

    2. die AfD in der politischen Mitte zu platzieren – CDU-Kanzler Merz und Ex-Kanzler Scholz seien schließlich noch radikaler im Umgang mit Migranten,

    3. mit einer einleuchtend klingenden, aber falschen Behauptung die Abschiebungen von Millionen Menschen argumentativ vorzubereiten: „Asyl ist eben nicht dazu da zum Bleiben“.

    Gerne hätte der Moderator noch weiter gefragt. Stattdessen buht das Publikum so laut, dass er das Interview unterbrechen muss (vor Ort war das noch imposanter als es nun im Video klingt). Gleichzeitig greift sich die Oberbürgermeisterin ein Mikro, um klarzustellen, dass in Bonn ‘Menschen aus 170 Ländern friedlich und gut zusammenarbeiten’.

    Das Beispiel zeigt, wie man mit der AfD als Journalist nicht umgehen sollte; anscheinend wussten die Zuschauer das besser als der Moderator. Die meisten Bonnerinnen und Bonner waren gekommen, um herauszufinden, wie die Kandidaten von Grünen, CDU, SPD, FDP, Linke und Bürgerbund zum defizitären Bonner Haushalt, den Problemen im Bürgeramt und der umstrittenen Radspur auf der Adenauerallee stehen – alles Themen, zu denen der AfD-Kandidat wenig Konstruktives zu sagen hatte.

    Es machte journalistisch schlicht keinen Sinn, dem AfD-Kandidaten eine Frage zur Remigration zu stellen: Die Antwort ist bekannt, kommunalpolitisch irrelevant und reproduziert rechtsextreme Gedankenspiele.

    Es ist journalistisch auch kaum zu begründen, warum ausgerechnet eine der kleinen Parteien, die keine Chance auf das Oberbürgermeisteramt hat, am Schluss noch einmal einen eigenen Frageblock bekam. Womöglich ging es dem Moderator darum, das Verhältnis des Kandidaten zur Demokratie abzuklopfen – dafür reicht es aber nicht, unbedarfte Fragen zu stellen.

    Besser wäre es gewesen, einfach die Regeln der Veranstaltung einzuhalten: pro Frage eine Minute pro Partei. Der Protest zeigte, dass das auch im Sinne des Publikums gewesen wäre – Stichwort Zielgruppenorientierung.”

    Update 8.9.

    Annika Schneider nannte den Moderator des GA nicht namentlich. René Martens/MDR-Altpapier tut es: Die Hauptquartiere der Provinzialisierung sind Redaktionen – Seit wann ist ‘Sagen, was ist’ out bzw. ‘Aktivismus’? Wie kann es sein, dass es immer noch Journalisten gibt, die glauben, die AfD ‘entzaubern’ zu können? Warum sind Google, Meta und Co. Atomkraft-Fans?”

    Das ist imgrunde wie mit den Fischen. Vielleicht gibt Frau Peikert mal eine Schnupper-Beratungsstunde? Oder, wenn es mit einer Frau nicht funktioniert, der Kollege Martens hätte sicher auch Zeit. Jedenfalls dafür.

  4. Ex-Beuelerin ist sauer, sehr

    mit Update 6.9., 8.9. und 11.9. = der Schaden ist angerichtet

    Regelmässig hätte ich Annika Schneider im Edeka treffen können, weil sie mal hier um die Ecke gewohnt hat. Gelegentlich hörte ich sie im Medienmagazin des DLF @mediasres, dessen Stammhörer ich bin. Ob die dort ihre Hörer*innen alle persönlich kennen? Möglich. Die medienpolitische, und erst recht die medienjournalistische Szene ist so übersichtlich, dass sich eines Tages alle untereinander kennen. Wie in einem übersichtlichen Dorf. Auch die Rollen für Deppen, Rechtsradikale und Nichtsversteher*innen sind irgendwann verteilt und zugeordnet. Aber wer war Bert Donnepp? Und erst recht “sein” Preis?

    Das ist dann diese Woche auch mal ein wenig bekannt geworden. Ich hatte immerhin in der Schule in Sozialkunde eine 1 auf dem Abiturzeugnis. Und also von einem Bert Donnepp schon mal gehört. Bzw. seiner Frau. Aber Marler Sozis musste mann in Gladbeck nicht kennen. Mir reichte der Sohn des semikriminellen Oberbürgermeisters in der Reihe hinter mir. Er blieb dann auch direkt hängen.

    Annika Schneider hatte also den “Bert-Donnepp-Preis” bekommen, und will ihn nicht mehr. Das hat ihr heutiger Arbeitgeber uebermedien.de immerhin nicht digital eingemauert, sondern nur die berichtende Recherche ihrer Kollegin Lisa Kräher (jetzt – 11.9. – frei zugänglich). Schneider schreibt:

    Preis für Medienpublizistik: Warum ich meinen Donnepp Media Award zurückgebe – Im Januar wurde Übermedien-Redakteurin Annika Schneider vom Verein ‘Freunde des Adolf-Grimme-Preises’ mit dem Donnepp Media Award ausgezeichnet. Nun gibt sie den Preis zurück. Hier erklärt sie, warum.”

    Früher war das hier zutage getretene Niveau eins, das mann aus der Kommunalpolitik kennt, wo, die wenigsten Bürger*innen wissen das, durchweg Amateur*inn*e*n agieren. Seit etlichen Jahren ist dieses Niveau nach “oben” durchgesickert, und längst auch in Berlin-Mitte angekommen. Warum also nicht in Marl? Traurig aber wahr.

    Update 6.9.

    Frau Schneider hat auch zum Bonner Kommunalwahlkampf und seiner journalistischen Begleitung eine klare Meinung. Ein Bezieher ihres kostenpflichtigen Newsletters übersandte mir das, und ich zitiere gerne ausführlich:

    “In NRW und damit auch hier in Bonn sind nächstes Wochenende Kommunalwahlen. Die Bonner AfD soll laut Prognosen auf sieben Prozent kommen, spielt in der Stadtpolitik aber keine nennenswerte Rolle.

    Das zeigte gerade erst wieder eine Podiumsdiskussion mit den Oberbürgermeisterkandidaten. Die substanzlosen Beiträge des AfD-Vertreters waren dabei ziemlich egal und kein größerer Störfaktor. (Auf seiner Webseite fordert er unter anderem Markt- statt Planwirtschaft – wer sagt es ihm?)

    Der Redakteur des ‘General-Anzeigers’, der die Debatte moderierte, tappte trotzdem in eine Falle: Er versuchte, den AfDler journalistisch zu stellen und ihn so zu entzaubern – und wurde dafür prompt vom Publikum abgestraft.

    Sie können sich die Szene auf YouTube anschauen, spannend wird es ab Timecode 1:24:35. Die Befragung der Kandidaten ist zu dem Zeitpunkt schon durch, jeder der sieben Parteienvertreter hat zu verschiedenen Oberthemen rund eine Minute reden dürfen, so weit, so fair.

    Ich kann nur spekulieren, warum der Moderator es danach für eine gute Idee hält, einige Extra-Minuten noch einmal einem einzigen Kandidaten zu widmen – und zwar nicht der amtierenden Bürgermeisterin von den Grünen, auch nicht dem aussichtsreichsten Konkurrenten von der CDU.

    Stattdessen wendet er sich an den AfD-Kandidaten, weil es ihn „brennend“ interessiert, wie der eigentlich zum Begriff Remigration steht (dabei hätte er die Antwort in seiner eigenen Zeitung in einem von ihm geschriebenen Artikel nachlesen können). Des Weiteren will er von dem AfD-Politiker wissen, welche Gruppe genau er denn abschieben wolle, und fordert ihn auf, endlich „Farbe zu bekennen“.
    Hat der Journalist damit gerechnet, dass der Politiker auf einmal eine verfassungsfeindliche Gesinnung offenbart? Oder zugibt, eigentlich Rassist zu sein, danke der Nachfrage?

    Stattdessen passiert, was in solchen Situationen immer passiert. Der AfD-Politiker kann die Bühne nutzen, um

    1. Remigration zu verharmlosen – es handele sich schlicht um „das Gegenteil von Migration“,

    2. die AfD in der politischen Mitte zu platzieren – CDU-Kanzler Merz und Ex-Kanzler Scholz seien schließlich noch radikaler im Umgang mit Migranten,

    3. mit einer einleuchtend klingenden, aber falschen Behauptung die Abschiebungen von Millionen Menschen argumentativ vorzubereiten: „Asyl ist eben nicht dazu da zum Bleiben“.

    Gerne hätte der Moderator noch weiter gefragt. Stattdessen buht das Publikum so laut, dass er das Interview unterbrechen muss (vor Ort war das noch imposanter als es nun im Video klingt). Gleichzeitig greift sich die Oberbürgermeisterin ein Mikro, um klarzustellen, dass in Bonn ‘Menschen aus 170 Ländern friedlich und gut zusammenarbeiten’.

    Das Beispiel zeigt, wie man mit der AfD als Journalist nicht umgehen sollte; anscheinend wussten die Zuschauer das besser als der Moderator. Die meisten Bonnerinnen und Bonner waren gekommen, um herauszufinden, wie die Kandidaten von Grünen, CDU, SPD, FDP, Linke und Bürgerbund zum defizitären Bonner Haushalt, den Problemen im Bürgeramt und der umstrittenen Radspur auf der Adenauerallee stehen – alles Themen, zu denen der AfD-Kandidat wenig Konstruktives zu sagen hatte.

    Es machte journalistisch schlicht keinen Sinn, dem AfD-Kandidaten eine Frage zur Remigration zu stellen: Die Antwort ist bekannt, kommunalpolitisch irrelevant und reproduziert rechtsextreme Gedankenspiele.

    Es ist journalistisch auch kaum zu begründen, warum ausgerechnet eine der kleinen Parteien, die keine Chance auf das Oberbürgermeisteramt hat, am Schluss noch einmal einen eigenen Frageblock bekam. Womöglich ging es dem Moderator darum, das Verhältnis des Kandidaten zur Demokratie abzuklopfen – dafür reicht es aber nicht, unbedarfte Fragen zu stellen.

    Besser wäre es gewesen, einfach die Regeln der Veranstaltung einzuhalten: pro Frage eine Minute pro Partei. Der Protest zeigte, dass das auch im Sinne des Publikums gewesen wäre – Stichwort Zielgruppenorientierung.”

    Update 8.9.

    Annika Schneider nannte den Moderator des GA nicht namentlich. René Martens/MDR-Altpapier tut es: Die Hauptquartiere der Provinzialisierung sind Redaktionen – Seit wann ist ‘Sagen, was ist’ out bzw. ‘Aktivismus’? Wie kann es sein, dass es immer noch Journalisten gibt, die glauben, die AfD ‘entzaubern’ zu können? Warum sind Google, Meta und Co. Atomkraft-Fans?”

    Das ist imgrunde wie mit den Fischen. Vielleicht gibt Frau Peikert mal eine Schnupper-Beratungsstunde? Oder, wenn es mit einer Frau nicht funktioniert, der Kollege Martens hätte sicher auch Zeit. Jedenfalls dafür.

  5. Perlen in der Wand

    Was passiert, wenn Zensor*innen durchziehen

    mit Update nachmittags

    Der immer kompetente Sebastian Meineck/netzpolitik berichtet wie immer streng sachlich aus dem Hamsterrad deutscher Porno-Zensor*inn*en: Medienwächter wollen noch mehr Netzsperren für Pornoseiten – Nach jahrelangem Ringen gegen Pornoseiten bekommt die Medienaufsicht neue Instrumente. Ab 1. Dezember darf und will die Behörde mehr Netzsperren anordnen und Zahlungen unterbinden. Porno-Produzentin Paulita Pappel vergleicht das Vorgehen mit autoritären Regimen.” Bei diesem Anblick denke ich immer: schade um das schöne Geld. Die Wenigsten wissen, dass das emsige vergebliche Treiben deutscher Landesmedienanstalten von unser aller TV-Haushaltsgebühr bezahlt wird. In bessere TV-Programme, mit ihrer weiträumigen Luft nach oben, wäre es wahrlich besser angelegt.

    Was wird nun passieren, wenn sich die Behütungs- und Zensor*inn*entruppen kraftvoll zusammenschliessen und durchsetzen? Der grassierende Mangel an Medienkompetenz spricht dafür, dass es so kommen wird.

    Eine Antwort findet sich beim Wühlen in der Bezahlmauer von Jakob Augstein. Der Multimillionärssohn verrammelt seine Wochenzeitung Freitag gegen öffentliches Lesen. Ausser einen Beitrag aus dem Guardian, und der ist extrem lesenswert, praxisnah und gesättigt mit Lebenserfahrung:

    Gabriel V Rindborg/Guardian/Freitag: Streaming-Dienste treiben Zuschauer zurück zur Piraterie – Filmfans wenden sich zunehmend VPNs und illegalen Streaming-Diensten zu. Schweden, Heimat von Spotify und The Pirate Bay, nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein”.

    Was der Gute zu den Auswirkungen der Mauerstrategie der Streamingdienste schreibt, das gilt in gleicher und noch weitreichender Weise für Zensur und Verbotsversuche. Es sind die Kinder und Jugendlichen, auch Ihre persönlichen Kinder und Enkel*innen, die in der Technikkompetenz ihren Eltern, Lehrer*innen und den verbotssüchtigen, greisen Politiker*innen immer 3-5 Schritte voraus sind. Leinenzwang oder “ohneesseninnettbett” wird es eher noch befeuern.

    Hauptsache die Reflexe der Mehrheit der ahnungslosen alten Mehrheit sind bedient. Eine medieninkompetente politische Klasse simuliert Handeln. Die AfD sammelt und freut es. Die junge Minderheit wundert sich und wendet sich ab.

    Merke: die Jungen verstehen schneller, sie sehen und hören alles, und mehr als wir Alten. Das hat nicht mit der Digitalisierung begonnen, sondern mit der menschlichen Evolution. Nicht die Medien sind das Problem, sondern die gesellschaftliche Wirklichkeit, die durch sie sichtbar wird.

    Update nachmittags

    Es sind noch Perlen dazugekommen. Die Medienwelt ist also nicht nur schlecht.

    Vor gut einem Jahr kritisierte der Kollege Gilbert Kolonko hier in einem Leserkommentar “Heise wie Telepolis haben sich zu News-Fabriken entwickelt- Billig-News-Fabriken”. Damals fand ich das etwas hart, weil es Ausnahmen gab und gibt. Mein Gesamteindruck freilich, insbesondere was das unauffälligere weitgehend konformistische Agendasetting betrifft, hat sich Kolonkos Kritik immer mehr angenähert. Das peinliche Topping ist die immer penetranter sich wiederholende narzisstische Selbstbeweihräucherung durch Chefredakteur Neuber. Der Arme muss sehr unter Druck stehen …

    Wie kommichdrauf? Zwei lobenswerte Ausnahmen:

    Zachary Paikin/Quincy-Institute, Responsible Statecraft/telepolis: Kurswechsel in der Ukraine-Politik: Europäische Spitzenpolitiker bereiten Kompromisse vor – Vor Alaska-Gipfel: Es gilt vorsichtiger Optimismus – solange die Hauptbeteiligten sich nicht selbst im Weg stehen.”

    Bernard Schmid/telepolis: Muslimbrüder-Panik in Frankreich: Politik zwischen Feindbild und Doppelmoral – Während Paris Katar hofiert, wird die Angst vor islamistischen Netzwerken politisch aufgeladen – oft losgelöst von der Realität.”

    Beide Autoren befleissigen sich des Pozessdenkens und der materialistischen Analyse. Das ist das, was ich von qualifizierten Journalist*inn*en und Autor*inn*en erwarte. Und das auch hier im Extradienst nicht immer geliefert wird. Aber wir werden auch nicht dafür bezahlt …

    Und schliesslich noch aus der uebermedien-Paywall entschlüpft:

    Die Ex-Beuelerin Annika Schneider schreibt: Dubiose Telegram-Werbung: Der Kryptobot der ‘Tagesschau’ – Die ARD-Nachrichtensendung verdient in ihrem Telegram-Kanal an Werbung für dubiose Fußballwetten mit – und merkt es nicht. Nach dem Hinweis einer Nutzerin und einer Anfrage von Übermedien will die Redaktion den Kanal nun abschalten.”

    Aus Schneiders Darstellung geht hervor, dass die Sache der “Tagesschau” immerhin angemessen peinlich ist, und sie sich mitsamt der ARD als ertappte Sünderin gibt. Dieses sittliche Gebaren ist der ARD im Falle ihrer Sportschau völlig fremd. Bei Berichten von Spielen der Deutschen Fussball-Liga (DFL), dem Kartell des Profifussballs der Herren, wird Sponsorenwerbung semikrimineller Wettanbieter gesendet, als gäbe es kein Morgen mehr. Weil es so in den nichtöffentlichen – noch nicht mal den Rundfunkrät*inn*en zugänglichen – Verträgen steht. Und in denen steht, dass die ARD für diese Werbung kein Geld bekommt, sondern im Gegenteil einen sehr grossen Haufen Geld, dessen Umfang geheimgehalten wird, bezahlt. Unser Geld!

  6. Perlen in der Wand

    Was passiert, wenn Zensor*innen durchziehen

    mit Update nachmittags

    Der immer kompetente Sebastian Meineck/netzpolitik berichtet wie immer streng sachlich aus dem Hamsterrad deutscher Porno-Zensor*inn*en: Medienwächter wollen noch mehr Netzsperren für Pornoseiten – Nach jahrelangem Ringen gegen Pornoseiten bekommt die Medienaufsicht neue Instrumente. Ab 1. Dezember darf und will die Behörde mehr Netzsperren anordnen und Zahlungen unterbinden. Porno-Produzentin Paulita Pappel vergleicht das Vorgehen mit autoritären Regimen.” Bei diesem Anblick denke ich immer: schade um das schöne Geld. Die Wenigsten wissen, dass das emsige vergebliche Treiben deutscher Landesmedienanstalten von unser aller TV-Haushaltsgebühr bezahlt wird. In bessere TV-Programme, mit ihrer weiträumigen Luft nach oben, wäre es wahrlich besser angelegt.

    Was wird nun passieren, wenn sich die Behütungs- und Zensor*inn*entruppen kraftvoll zusammenschliessen und durchsetzen? Der grassierende Mangel an Medienkompetenz spricht dafür, dass es so kommen wird.

    Eine Antwort findet sich beim Wühlen in der Bezahlmauer von Jakob Augstein. Der Multimillionärssohn verrammelt seine Wochenzeitung Freitag gegen öffentliches Lesen. Ausser einen Beitrag aus dem Guardian, und der ist extrem lesenswert, praxisnah und gesättigt mit Lebenserfahrung:

    Gabriel V Rindborg/Guardian/Freitag: Streaming-Dienste treiben Zuschauer zurück zur Piraterie – Filmfans wenden sich zunehmend VPNs und illegalen Streaming-Diensten zu. Schweden, Heimat von Spotify und The Pirate Bay, nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein”.

    Was der Gute zu den Auswirkungen der Mauerstrategie der Streamingdienste schreibt, das gilt in gleicher und noch weitreichender Weise für Zensur und Verbotsversuche. Es sind die Kinder und Jugendlichen, auch Ihre persönlichen Kinder und Enkel*innen, die in der Technikkompetenz ihren Eltern, Lehrer*innen und den verbotssüchtigen, greisen Politiker*innen immer 3-5 Schritte voraus sind. Leinenzwang oder “ohneesseninnettbett” wird es eher noch befeuern.

    Hauptsache die Reflexe der Mehrheit der ahnungslosen alten Mehrheit sind bedient. Eine medieninkompetente politische Klasse simuliert Handeln. Die AfD sammelt und freut es. Die junge Minderheit wundert sich und wendet sich ab.

    Merke: die Jungen verstehen schneller, sie sehen und hören alles, und mehr als wir Alten. Das hat nicht mit der Digitalisierung begonnen, sondern mit der menschlichen Evolution. Nicht die Medien sind das Problem, sondern die gesellschaftliche Wirklichkeit, die durch sie sichtbar wird.

    Update nachmittags

    Es sind noch Perlen dazugekommen. Die Medienwelt ist also nicht nur schlecht.

    Vor gut einem Jahr kritisierte der Kollege Gilbert Kolonko hier in einem Leserkommentar “Heise wie Telepolis haben sich zu News-Fabriken entwickelt- Billig-News-Fabriken”. Damals fand ich das etwas hart, weil es Ausnahmen gab und gibt. Mein Gesamteindruck freilich, insbesondere was das unauffälligere weitgehend konformistische Agendasetting betrifft, hat sich Kolonkos Kritik immer mehr angenähert. Das peinliche Topping ist die immer penetranter sich wiederholende narzisstische Selbstbeweihräucherung durch Chefredakteur Neuber. Der Arme muss sehr unter Druck stehen …

    Wie kommichdrauf? Zwei lobenswerte Ausnahmen:

    Zachary Paikin/Quincy-Institute, Responsible Statecraft/telepolis: Kurswechsel in der Ukraine-Politik: Europäische Spitzenpolitiker bereiten Kompromisse vor – Vor Alaska-Gipfel: Es gilt vorsichtiger Optimismus – solange die Hauptbeteiligten sich nicht selbst im Weg stehen.”

    Bernard Schmid/telepolis: Muslimbrüder-Panik in Frankreich: Politik zwischen Feindbild und Doppelmoral – Während Paris Katar hofiert, wird die Angst vor islamistischen Netzwerken politisch aufgeladen – oft losgelöst von der Realität.”

    Beide Autoren befleissigen sich des Pozessdenkens und der materialistischen Analyse. Das ist das, was ich von qualifizierten Journalist*inn*en und Autor*inn*en erwarte. Und das auch hier im Extradienst nicht immer geliefert wird. Aber wir werden auch nicht dafür bezahlt …

    Und schliesslich noch aus der uebermedien-Paywall entschlüpft:

    Die Ex-Beuelerin Annika Schneider schreibt: Dubiose Telegram-Werbung: Der Kryptobot der ‘Tagesschau’ – Die ARD-Nachrichtensendung verdient in ihrem Telegram-Kanal an Werbung für dubiose Fußballwetten mit – und merkt es nicht. Nach dem Hinweis einer Nutzerin und einer Anfrage von Übermedien will die Redaktion den Kanal nun abschalten.”

    Aus Schneiders Darstellung geht hervor, dass die Sache der “Tagesschau” immerhin angemessen peinlich ist, und sie sich mitsamt der ARD als ertappte Sünderin gibt. Dieses sittliche Gebaren ist der ARD im Falle ihrer Sportschau völlig fremd. Bei Berichten von Spielen der Deutschen Fussball-Liga (DFL), dem Kartell des Profifussballs der Herren, wird Sponsorenwerbung semikrimineller Wettanbieter gesendet, als gäbe es kein Morgen mehr. Weil es so in den nichtöffentlichen – noch nicht mal den Rundfunkrät*inn*en zugänglichen – Verträgen steht. Und in denen steht, dass die ARD für diese Werbung kein Geld bekommt, sondern im Gegenteil einen sehr grossen Haufen Geld, dessen Umfang geheimgehalten wird, bezahlt. Unser Geld!

  7. Wie eine Sekte – ARD

    Eine 30-Minuten-Recherche in den Tiefen der ARD-“Kultur”

    Matthias Dell/DLF hat es Monate später immer noch keine Ruhe gelassen. “Was wurde eigentlich aus der Causa Thilo Mischke?” (4 min, nur Audio, danke Frau Teichmann!) Warum? Weil seine Schlussfrage mit einem klaren Nein beantwortet werden muss: “Die Frage ist nur, ob die Affäre damit vorbei ist.” Nein, viele weitere werden folgen. Denn in den Anstalten merken die nichts …

    Gestern erst schrieb ich an meinen WDR: “Sehr geehrte Damen und Herren, beim Versuch, den Wetterbericht in Ihrer Sendung zu erwischen, der, wenn die ARD sich schon mit Händen und Füssen gegen ein ‘Klima vor 8’ wehrt, immerhin gelegentlich klimapolitische Fakten enthält, musste ich Ihrer Studiobesatzung dabei zusehen, wie die dabei zusah, wie der neue Vereinsvorsitzende der Katholischen Kirche in Rom präsentiert wurde. Die gleichen Bilder gabs ja nur – ich habe nur 13 öffentlich-rechtliche Programme (DVB-T2) – bei ARD, ZDF, 3sat, Phönix und Tagesschau24. Das reichte natürlich nicht aus. Für Katholik*inn*en. Ich weiss ja nicht, ob Sies schon wussten – wahrscheinlich hat es Ihnen wieder keine*r gesagt – aber: ‘Die Zahl der Kirchenmitglieder hat sich in den letzten fünfzig Jahren von über 90 auf 45% halbiert, während sich die Zahl der Konfessionsfreien von unter fünf auf fast 50% verzehnfacht hat. Laut Fowid lag der Anteil der größten Einzelgruppe, der Konfessionslosen, zum Jahresende 2023 bei 46,2% und Jahresende 2024 bei 47%.’ zit. Wikipedia (Zahlen für Deutschland). Haben Sie auch ein Programmangebot für die Mehrheit? Freundliche Grüße”

    Es geht nicht um Mischke, auch nicht um den Papst – es geht um die Weltwahrnehmung. Die ist in “unseren” Anstalten schwerbeschädigt. Die, die noch drin sind, sind mit ihrem Hamsterrad ausgelastet.

    Wie kam Dell darauf, den längst verfaulten Apfel “Fall Mischke” nochmal aufzuheben? Weil die Kollegin Annika Schneider/uebermedien anlässlich einer österlichen ARD-Pressemitteilung – ein merkwürdiges Phänomen im aufmerksamkeitsökonomischen Betrieb – hinterherrechiert hatte, und ihre Ergebnisse wiederum erst eine weitere Woche später paywallfrei wurden: ARD-Castings laufen in Zukunft besser. Sagt die ARD. – Warum ausgerechnet Thilo Mischke Kulturmoderator bei ‘ttt’ werden sollte, brachte die ARD in Erklärungsnot. Jetzt stellt der Sender seine Moderatoren-Castings neu auf – angeblich. Denn was sich konkret ändert, behält die ARD lieber für sich.”

    Ich weiss, es ist sinnlos. Es ist vergeblich. Aber das motivierte mich dazu, nach den Mitgliedern des Geheimbundes “ARD-Kulturchefs” zu suchen. Hier meine Ergebnisse. Ich lasse Sie live teilhaben.

    Ich fange oben, im Norden, an, beim einst mächtigen, einst ernstgenommenen NDR. Ist das nicht der, der die alljährlichen deutschen ESC-Niederlagen verantwortet? Ich glaub’ ja. Denn ich stosse dort auf den NRW-Export Frank Beckmann. Der hat auch sonst schon einiges auf dem Kerbholz – aber ich vermute, der weiss zuviel.

    Vom NDR umringt sind die Zwergenanstalten Radio Bremen und RBB. Gehen Sie davon aus, dass sich dort alle untereinander kennen. Das Gegenstück zu Beckmann ist in Bremen Jan Weyrauch. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Herren Direktoren gar keine Zeit hatten, noch selbst zu arbeiten. Sie werden also ihre Verantwortung abschieben auf irgendjemand in ihrem spannenden Organigramm.

    So war das ja auch beim RBB in der Gelbhaar-Affäre. Im “Fall Mischke” ist Frau Martina Zöllner verdächtig. Aber natürlich auch nur, wenn sie Zeit hatte.

    Da ist es beim nach wie vor mächtigen WDR einfacher zu verorten. Sie ist auch geständig, insofern, dass sie sich keiner Schuld bewusst ist: Andrea Schafarczyk. Aus den erregten WDR-Gremien weiss ich: Frau Schafarczyk hat alles richtig gemacht.

    Beim Hessischen Rundfunk will Intendant Florian Hager neue “moderne” Saiten aufziehen. Transparenz gehört nicht dazu. Oder doch? Im HR-Organigramm ist eine “Kultur-Unit” auffindbar, ganz jung, chic und neu – aber ohne Namen derer, die die Arbeit machen. Vorgesetzt ist ihnen Programmdirektorin Krittian.

    Wir nähern uns dem Kern des Problems. “ttt” war früher die Hessen-Ausgabe des “ARD-Kulturreports”. Weil mit letzterer Begrifflichkeit viele nichts anfangen konnten, wählten sie für wirkungsvolleres Branding “ttt”. Nun soll die Koordination für den Scherbenhaufen der MDR übernommen haben, dessen Intendant Ralf Ludwig unüberhörbare Probleme hat, in seinen Kontrollgremien den Personalvorschlag Jana Brandt noch irgendwo und irgendwie durchzubringen. Die soll nämlich in der ARD jetzt koordinieren, was im “Fall Mischke” alles schiefgegangen ist. Sollen wir wetten, wie es ausgeht?

    SWR-Kulturchefin ist seit 2020 Bayern-Import Anke Mai. Nach meinem Eindruck ist die bisher clever in Deckung geblieben. Oder haben Sie was bemerkt?

    Das gilt auch für Bayerns NDR-Import Björn Wilhelm. Aus seiner Wikipedia-Biografie geht hervor, dass das Chefsein ihm beim Studium im deutschen Machtzentrum Hannover in die Wiege seines Studiums gelegt wurde. Zu gutem Chefsein gehört auch Diskretion über das Ich. Bravo, das ist gelungen. Oder haben Sie einen anderen Eindruck?

    Das letzte Machtzentrum deutscher Staatsgewalt ist das Saarland, kleiner als Köln, aber mehr als doppelt so einflussreich. Hier firmiert Ricarda Wackers als Kulturchefin. Ihr Vertrag wurde mitten in den “Mischke”-Wirren mit Begeisterung verlängert. Sie kann also ebenfalls nichts falsch gemacht haben. Oder was meinen Sie?

    Also, wenn wir das so überblicken: ist diese ARD nicht töfte? Was machten wir nur ohne sie? Der Hessen-Hager ist übrigens derzeit auch “ARD-Vorsitzender”. Was wird er im Schilde führen? Und was davon wird ihm gelingen? Ich wüsste es tatsächlich gerne.

    Für unsere Information. Für unsere Demokratie. Eine Übertreibung ist das nicht. Aber die merken ja nichts …

  8. Wie eine Sekte – ARD

    Eine 30-Minuten-Recherche in den Tiefen der ARD-“Kultur”

    Matthias Dell/DLF hat es Monate später immer noch keine Ruhe gelassen. “Was wurde eigentlich aus der Causa Thilo Mischke?” (4 min, nur Audio, danke Frau Teichmann!) Warum? Weil seine Schlussfrage mit einem klaren Nein beantwortet werden muss: “Die Frage ist nur, ob die Affäre damit vorbei ist.” Nein, viele weitere werden folgen. Denn in den Anstalten merken die nichts …

    Gestern erst schrieb ich an meinen WDR: “Sehr geehrte Damen und Herren, beim Versuch, den Wetterbericht in Ihrer Sendung zu erwischen, der, wenn die ARD sich schon mit Händen und Füssen gegen ein ‘Klima vor 8’ wehrt, immerhin gelegentlich klimapolitische Fakten enthält, musste ich Ihrer Studiobesatzung dabei zusehen, wie die dabei zusah, wie der neue Vereinsvorsitzende der Katholischen Kirche in Rom präsentiert wurde. Die gleichen Bilder gabs ja nur – ich habe nur 13 öffentlich-rechtliche Programme (DVB-T2) – bei ARD, ZDF, 3sat, Phönix und Tagesschau24. Das reichte natürlich nicht aus. Für Katholik*inn*en. Ich weiss ja nicht, ob Sies schon wussten – wahrscheinlich hat es Ihnen wieder keine*r gesagt – aber: ‘Die Zahl der Kirchenmitglieder hat sich in den letzten fünfzig Jahren von über 90 auf 45% halbiert, während sich die Zahl der Konfessionsfreien von unter fünf auf fast 50% verzehnfacht hat. Laut Fowid lag der Anteil der größten Einzelgruppe, der Konfessionslosen, zum Jahresende 2023 bei 46,2% und Jahresende 2024 bei 47%.’ zit. Wikipedia (Zahlen für Deutschland). Haben Sie auch ein Programmangebot für die Mehrheit? Freundliche Grüße”

    Es geht nicht um Mischke, auch nicht um den Papst – es geht um die Weltwahrnehmung. Die ist in “unseren” Anstalten schwerbeschädigt. Die, die noch drin sind, sind mit ihrem Hamsterrad ausgelastet.

    Wie kam Dell darauf, den längst verfaulten Apfel “Fall Mischke” nochmal aufzuheben? Weil die Kollegin Annika Schneider/uebermedien anlässlich einer österlichen ARD-Pressemitteilung – ein merkwürdiges Phänomen im aufmerksamkeitsökonomischen Betrieb – hinterherrechiert hatte, und ihre Ergebnisse wiederum erst eine weitere Woche später paywallfrei wurden: ARD-Castings laufen in Zukunft besser. Sagt die ARD. – Warum ausgerechnet Thilo Mischke Kulturmoderator bei ‘ttt’ werden sollte, brachte die ARD in Erklärungsnot. Jetzt stellt der Sender seine Moderatoren-Castings neu auf – angeblich. Denn was sich konkret ändert, behält die ARD lieber für sich.”

    Ich weiss, es ist sinnlos. Es ist vergeblich. Aber das motivierte mich dazu, nach den Mitgliedern des Geheimbundes “ARD-Kulturchefs” zu suchen. Hier meine Ergebnisse. Ich lasse Sie live teilhaben.

    Ich fange oben, im Norden, an, beim einst mächtigen, einst ernstgenommenen NDR. Ist das nicht der, der die alljährlichen deutschen ESC-Niederlagen verantwortet? Ich glaub’ ja. Denn ich stosse dort auf den NRW-Export Frank Beckmann. Der hat auch sonst schon einiges auf dem Kerbholz – aber ich vermute, der weiss zuviel.

    Vom NDR umringt sind die Zwergenanstalten Radio Bremen und RBB. Gehen Sie davon aus, dass sich dort alle untereinander kennen. Das Gegenstück zu Beckmann ist in Bremen Jan Weyrauch. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Herren Direktoren gar keine Zeit hatten, noch selbst zu arbeiten. Sie werden also ihre Verantwortung abschieben auf irgendjemand in ihrem spannenden Organigramm.

    So war das ja auch beim RBB in der Gelbhaar-Affäre. Im “Fall Mischke” ist Frau Martina Zöllner verdächtig. Aber natürlich auch nur, wenn sie Zeit hatte.

    Da ist es beim nach wie vor mächtigen WDR einfacher zu verorten. Sie ist auch geständig, insofern, dass sie sich keiner Schuld bewusst ist: Andrea Schafarczyk. Aus den erregten WDR-Gremien weiss ich: Frau Schafarczyk hat alles richtig gemacht.

    Beim Hessischen Rundfunk will Intendant Florian Hager neue “moderne” Saiten aufziehen. Transparenz gehört nicht dazu. Oder doch? Im HR-Organigramm ist eine “Kultur-Unit” auffindbar, ganz jung, chic und neu – aber ohne Namen derer, die die Arbeit machen. Vorgesetzt ist ihnen Programmdirektorin Krittian.

    Wir nähern uns dem Kern des Problems. “ttt” war früher die Hessen-Ausgabe des “ARD-Kulturreports”. Weil mit letzterer Begrifflichkeit viele nichts anfangen konnten, wählten sie für wirkungsvolleres Branding “ttt”. Nun soll die Koordination für den Scherbenhaufen der MDR übernommen haben, dessen Intendant Ralf Ludwig unüberhörbare Probleme hat, in seinen Kontrollgremien den Personalvorschlag Jana Brandt noch irgendwo und irgendwie durchzubringen. Die soll nämlich in der ARD jetzt koordinieren, was im “Fall Mischke” alles schiefgegangen ist. Sollen wir wetten, wie es ausgeht?

    SWR-Kulturchefin ist seit 2020 Bayern-Import Anke Mai. Nach meinem Eindruck ist die bisher clever in Deckung geblieben. Oder haben Sie was bemerkt?

    Das gilt auch für Bayerns NDR-Import Björn Wilhelm. Aus seiner Wikipedia-Biografie geht hervor, dass das Chefsein ihm beim Studium im deutschen Machtzentrum Hannover in die Wiege seines Studiums gelegt wurde. Zu gutem Chefsein gehört auch Diskretion über das Ich. Bravo, das ist gelungen. Oder haben Sie einen anderen Eindruck?

    Das letzte Machtzentrum deutscher Staatsgewalt ist das Saarland, kleiner als Köln, aber mehr als doppelt so einflussreich. Hier firmiert Ricarda Wackers als Kulturchefin. Ihr Vertrag wurde mitten in den “Mischke”-Wirren mit Begeisterung verlängert. Sie kann also ebenfalls nichts falsch gemacht haben. Oder was meinen Sie?

    Also, wenn wir das so überblicken: ist diese ARD nicht töfte? Was machten wir nur ohne sie? Der Hessen-Hager ist übrigens derzeit auch “ARD-Vorsitzender”. Was wird er im Schilde führen? Und was davon wird ihm gelingen? Ich wüsste es tatsächlich gerne.

    Für unsere Information. Für unsere Demokratie. Eine Übertreibung ist das nicht. Aber die merken ja nichts …

  9. Das Altpapier: Ironie der Lokalgeschichte

    Woran ist das Online-Magazin "Karla" gescheitert? An den Stiftungen, am schwierigen Markt, an zu hohen Ansprüchen? Oder vielleicht auch an eigenen Fehlern?
    Kolumne: Das Altpapier am 30. November 2023 – Ironie der Lokalgeschichte

  10. Das Altpapier: Ironie der Lokalgeschichte

    Woran ist das Online-Magazin "Karla" gescheitert? An den Stiftungen, am schwierigen Markt, an zu hohen Ansprüchen? Oder vielleicht auch an eigenen Fehlern?
    Kolumne: Das Altpapier am 30. November 2023 – Ironie der Lokalgeschichte

  11. Performance

    Die Aufmerksamkeitsökonomie überdreht, diese Feder wird brechen – und bricht jetzt schon zahllose Menschen

    Warnhinweis: dieser Text schlägt einen grossen Bogen und endet zwar bei zwei starken Frauen, aber ohne Happyend. Johannes Kopp/taz meditiert über Martina Voss-Tecklenburg: Immer weiter performen – Ex-Bundestrainerin Voss-Tecklenburg hat erstmals über ihre psychische Erkrankung gesprochen. Ihr Fall zeigt die Gnadenlosigkeit des Leistungssports.” Bundestrainer*innen im Fussball übertreffen gelegentlich in ihrer Medienwahrnehmung gewählte Bundeskanzler*innen. Weswegen Letztere sich so gerne zusammen mit ihnen sehen lassen.

    Ob das nach gestern Abend noch eine gute Idee ist? In der Spiegel-Paywall heisst es dazu: “DFB-Pleite in Wien: Wie das Land, so die Nationalelf – Die deutsche Nationalmannschaft hat eines ihrer schlechtesten Jahre hinter sich, es gibt wenig Hoffnung, dass sich das im EM-Sommer ändert. Das Team passt sich damit perfekt der allgemeinen Gemütslage im Land an.” Ich neige gewöhnlich nicht zu den Ansichten dieses dubiosen Mediums. Hier mache ich mal eine Ausnahme.

    Warum bringen die jungen Multimillionäre nun schon seit Jahren nicht die Leistung, für die sie grosszügig bezahlt werden? So ein 20-jähriger steht schon von Kleinkindsbeinen an unter dem Druck seiner ehrgeizigen Eltern. Nicht nur soll er es “einmal besser haben”, sondern insbesondere sie selbst. Eine schöne Kindheit ist das nicht. Die Kinder sind ja nicht doof – sie wissen, womit sie beladen sind. Darum scheitern die meisten im Leistungssport. Die Öffentlichkeit sieht nur einen mikroskopischen Ausschnitt der sozialen Wirklichkeit des kommerzialisierten Sports.

    Die Übeltäter sind die zahlenden Medien und die korrupten Sportorganisationen. Wenn deren System aber so wurmstichig ist, wie im Bezug auf den DFB jedes Kind und auf die DFL jede*r Fan weiss, geht das an den 20-jährigen Jungunternehmern nicht vorbei. Sie wissen genau: selbst ohne Verletzung ist ihre Karriere in 15 Jahren vorbei. Bis dahin muss für alle gesorgt sein: Eltern, Kinder, geschiedene und verehelichte Spielerfrauen, Berater*innen, Mediziner*innen, Psycho-Klempner*innen u.v.m. Das macht Stress und erzeugt Gier. Die wenigsten Charaktere sind dem gewachsen.

    Und nun soll die Nation von diesen reichen Deppen im nächsten Jahr bei Laune gehalten werden? Mit einem EM-Sommermärchen? Verzweifelt betet die Entertainmentbranche das herbei. Und je mehr sie beten, umso ferner wird das Ziel. Die versagenden Jungmillionäre sind intelligent genug, das präziser und früher als alle Andern zu begreifen.

    Das Land hat eine von Panne zu Panne taumelnde Regierung, die sich selbst ihr gefährlichster Gegner ist. Der Deutsche Fussballbund (DFB) und die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sind getreue Repräsentanten ebendieses Landes. Statt vor dem heranwachsenden Faschismus fürchtet es sich vor ein paar tausend dunkelhäutigen Migranten*inn*en. Die sich selbst lobenden “Demokratien” bauen Mauern um sich selbst, und merken nicht, dass sie sich weltweit mit ihrer angeblichen Werteleitung immer mehr isolieren.

    Die Despot*inn*en dieser Welt lachen sich – kaum noch heimlich – ins Fäustchen.

    Aufmerksamkeitsökonomie treibt Demokratien an den Abgrund

    Warum ist die Qualität von Politik und Management in unserem reichen Land so schlecht geworden? In den letzten Jahren habe ich mich über kaum eine Frage so ausgelassen wie diese. Ich war viele Jahre dabei und habe mehr gesehen, als ich wissen wollte.

    Ich fasse es heute so zusammen. Stresssituationen, wie sie z.B. in der heutigen Ampelkoalition für alle sichtbar sind, hat es immer gegeben. So wie Kriege oder Massenmorde, über die in früheren Mediensystemen nur weniger zu erfahren war. Der Umgang mit Krisen war früher nicht nur anders, sondern auch besser.

    Ich erinnere mich an eine tiefe Krise und Kontroverse in den Jungdemokraten 1977. Der Kern des Bundesvorstandes trat zurück. Tage- und nächtelang wurden Sitzungen abgehalten und die Gegenseite beschimpft und persönlich verletzt. Nichts davon war besser als heute. Aber es geriet nicht in Massenmedien. Es war eine interne – und alle Beteiligten aussgerwöhnlich belastende – Angelegenheit. Warum spaltete sich die Organisation nicht (wie z.B. heute “Die Linke” oder demnächst die Ampel)? Weil mehr Zeit zum Nachdenken und Diskutieren war. Es war die Zeit von Festnetztelefonen und elektrischer Schreibmaschine. Das bedeutete praktisch: vor dem nächsten Angriff gegen die Andern war – konservativ geschätzt – 20mal mehr Zeit zum Nachdenken.

    Koalitionen gingen damals ungefähr so. Wer die Mehrheit bilden will, setzt sich zusammen, redet miteinander – lieber einmal mehr als weniger. Dabei legen alle auf den Tisch, was sie wollen, Dann wird gedealt, und zwar so, dass jede*r einen Erfolg mitnimmt. Dieser Erfolg wird in der anschliessenden Amtszeit so gut wie möglich vermarktet. Angriffe und Beschwerden gegen Koalitionspartner*innen werden zuerst intern vorgetragen, und nur bei feindlicher Nichtbefassung an nahestehende Medien durchgestochen.

    Dass das alles heute nicht so ist, so meine steile These, dürfte den einen oder anderen Krieg, und damit nicht wenige Todesopfer, beschleunigt herbeigeführt haben. Weil alles “ganz oben” in der Weltpolitik angekommen ist. Wo nichts mehr zählt, als eine gute Medienperformance. Die bei Bedarf auch diktatorisch herbeigeführt wird.

    Wo endet das?

    So lange es menschliche Gesellschaften gibt, endet nichts. Es geht immer weiter. Und nie immer in eine Richtung. Es ist beeinflussbar. Wenn die Mehrheit der Menschen so zurückhaltend und desinteressiert, so deprimiert und deklassiert verharrt, dann ungefähr da, wo sie in Indien, dem grlössten Land der Welt, schon sind. Arundhati Roy/Blätter: »Wir sind zu Nazis geworden« – Indiens Weg in den Faschismus”. Die wertegeleitete deutsche Aussenpolitik nimmt das ganz schmerzfrei zur Kenntnis. Jedenfalls tritt sie öffentlich so auf. Wo soll das enden?

    Die deutsche Gegenwart überbringt Ihnen die starke Annika Schneider/DLF: “Nahezu faktenfrei: Mediendiskurse zur Migration seit 2015” (Audio 7 min). Aus gesundheitlichen Mediendiätsgründen höre ich mir die morgendliche Radioprimetime (6-9 h) nicht mehr an, und weiss darum nicht, ob der DLF diesen Beitrag auch an vielgehörten Sendeplätzen eingesetzt hat. Seine Homepage hat er jedenfalls nicht damit aufgemacht, eine Schriftfassung auch nicht online gestellt. Gehört habe ich es nachmittags in der Nische @mediares. Ausser mir und ein paar Dutzend was-mit-Medien-Nasen hört das niemand.

    Der Intendant Raue und die Programmdirektorin Teichmann könnten bei Gelegenheit mal erklären, wie sie sich die Existenzrettung ihres Senders vorstellen, wenn die ersten AfD/CDU-Landesregierungen ihn killen wollen.

  12. Altpapier: Kolumne: Die Quadratur des Ein-Zeitungs-Kreises

    Braucht es einfach mehr Geld, um den Lokaljournalismus zu retten? Und warum haben wir dann nicht längst eine Förderung? Immerhin auf die zweite Frage gibt es jetzt eine Antwort.
    Kolumne: Das Altpapier am 17. November 2023 – Die Quadratur des Ein-Zeitungs-Kreises

  13. Altpapier: Kolumne: Die Quadratur des Ein-Zeitungs-Kreises

    Braucht es einfach mehr Geld, um den Lokaljournalismus zu retten? Und warum haben wir dann nicht längst eine Förderung? Immerhin auf die zweite Frage gibt es jetzt eine Antwort.
    Kolumne: Das Altpapier am 17. November 2023 – Die Quadratur des Ein-Zeitungs-Kreises

  14. Das Altpapier: Medienkritik muss Machmechanismen hinterfragen

    Im Journalismus fehlt es in der Breite weiterhin an Faktenwissen zur Klimakrise. Noch größer sind die Schwächen allerdings in der Berichterstattung über Inklusion.
    Kolumne: Das Altpapier am 6. September 2023

  15. Das Altpapier: Medienkritik muss Machmechanismen hinterfragen

    Im Journalismus fehlt es in der Breite weiterhin an Faktenwissen zur Klimakrise. Noch größer sind die Schwächen allerdings in der Berichterstattung über Inklusion.
    Kolumne: Das Altpapier am 6. September 2023

  16. Freibad

    An einem Tag, den ein Wetterfrosch gestern als “nasse Angelegenheit” beschrieben hat, will ich mal über das Freibad schreiben, eine Einrichtung, die ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr betreten habe. Schon als Schüler wurde ich ärztlich vom Schwimmunterricht befreit, weil ich immer Mittelohrentzündung bekam. So lernte ich in der freien Doppelstunde […]

    https://extradienst.net/2023/07/27/freibad/

  17. Freibad

    An einem Tag, den ein Wetterfrosch gestern als “nasse Angelegenheit” beschrieben hat, will ich mal über das Freibad schreiben, eine Einrichtung, die ich schon seit Jahrzehnten nicht mehr betreten habe. Schon als Schüler wurde ich ärztlich vom Schwimmunterricht befreit, weil ich immer Mittelohrentzündung bekam. So lernte ich in der freien Doppelstunde […]

    https://extradienst.net/2023/07/27/freibad/

  18. Selbstdemontagen

    Revolutionär*inn*e*n müssen deutsche Medien nicht bekämpfen – das können die selbst viel besser
    Ohne Paywall erinnert FAZ-Redakteur Hanno Mußler an eine fette alte Konkurs-Geschichte, die im Rückblick das Ende der Ära Kohl beendete: “Bankenaufsicht: René Benko – Einzelfall mit einigen Parallelen – Charismatische Gründer, […]

    https://extradienst.net/2023/07/12/selbstdemontagen/

  19. Selbstdemontagen

    Revolutionär*inn*e*n müssen deutsche Medien nicht bekämpfen – das können die selbst viel besser
    Ohne Paywall erinnert FAZ-Redakteur Hanno Mußler an eine fette alte Konkurs-Geschichte, die im Rückblick das Ende der Ära Kohl beendete: “Bankenaufsicht: René Benko – Einzelfall mit einigen Parallelen – Charismatische Gründer, […]

    https://extradienst.net/2023/07/12/selbstdemontagen/

  20. Nachhilfeminuten Realpolitik

    Most important of 23. Juni 2023
    Roland Bathon/telepolis: “‘Präventiver Vergeltungsschlag’: Russlands gefährliche Atombomben-Diskussion – Namhafte russische Experten schocken nicht nur die Fachwelt mit der Forderung nach einem Erstschlag. Dagegen gibt es auch in Russland Widerspruch. Wurde die Debatte von oben lanciert?” […]

    https://extradienst.net/2023/06/24/nachhilfeminuten-realpolitik/