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#telepolis — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #telepolis, aggregated by home.social.

  1. Geschäft mit Empörung

    Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien. Und ausnahmsweise, fast schon sensationellerweise wurde diese Agenda von den drei Parteien SPD, Grüne und Linke gemeinsam und gleichzeitig gesetzt. Wo wären wir jetzt, wenn sie das schon getan hätten, als sie noch eine Mehrheit im Parlament hatten? Vergossene Milch. Gegen das Netzwerk des faschistoiden Oligarchen Musk konnten sie sich einigen. Und kassieren nicht wenig Gegenwind von den Rechten. Und den Dummen. Nicht alle sind beides. Leider.

    Antonia Groß/MDR-Altpapier ist beides nicht: X oder: Das Geschäft mit der Empörung – Drei Parteien verkünden, dass sie die Plattform X nicht weiter nutzen. Nachrichtenmedien berichten mehr über die Empörung, als über die Motivation für diesen Schritt. Genau das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens.”

    Ebenfalls weder dumm noch rechts, aber empört, ist der alte Knut Mellenthin/Junge Welt, der eine sehr informative Ziwchenbilanz des angeblich längst beendeten Krieges der USA und Israels gegen den Iran – und der wiederum gegen die anderen Anrainer des Persischen Golfs – zieht. Lesen Sie schnell, die Junge Welt wird das in ihrem Paywallarchiv beerdigen: Eine gewaltige Übermacht – Die USA und Israel haben dem Iran empfindliche Schläge versetzt. Dennoch gibt es Probleme mit dem Nachschub von Raketen und mit Teherans Drohnenangriffen. Eine vorläufige Bilanz des Krieges im Nahen Osten”.

    Kommen beim Bundeskanzler etwa dumm und rechts zusammen? Das ist umstritten. Nicht umstritten, jedenfalls unter Demoskop*inn*en ist das: Bernd Müller/telepolis macht es jetzt so eitel wie sein Amtsvorgänger: Friedrich Merz – der unbeliebteste Kanzler der Welt – Selbst Olaf Scholz war beliebter. Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz laut Umfragen der unpopulärste Regierungschef weltweit. Ein Leitartikel.” Die Junge Welt findet es witzig, eine Spiegel-Schlagzeile von Merz so abzuwandeln: »Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«. Wer darüber lachen kann, hat es gut.

    Alternative?

    Jacobin veröffentlicht eine Rede seines US-Gründers Bhaskar Sunkara: Etwas Sozialismus im Kapitalismus ist nicht genug – Sozialismus darf nicht lediglich bedeuten, den Kapitalismus gerechter zu gestalten. Er muss auf eine Gesellschaft abzielen, in der das Überleben nicht mehr vom Markt abhängt – und in der sich die Demokratie endlich auch auf die Wirtschaft erstreckt.”

    Meine Lieblings-Zwischenüberschrift ist diese: “Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.” Da finde ich mich wieder 😉

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  2. Realismus

    Iran, Sachsen-Anhalt, SPD, Autoindustrie – alle bedroht

    Benjamin Roth/telepolis interviewt den hier schon erwähnten Saman Mahdevar: ‘Kriegskritische Stimmen aus dem Iran sind häufig komplexer’ – Über die Auswirkungen des Kriegs gegen den Iran, die Verzerrungen der deutschen Berichterstattung und die Lage vor Ort.” Das mit der “Komplexität” ist bekanntlich auch hierzulande ein komplexes Problem, bis in die Regierungsspitze.

    Der Kern von Mahdevars kluger Botschaft lautet: “Autoritäre Herrschaft entzieht den Menschen die Möglichkeit, über ihr eigenes Leben und ihre politische Ordnung zu bestimmen. Krieg tut etwas sehr Ähnliches von außen: Er zerstört die materiellen und sozialen Grundlagen, die notwendig sind, um kollektiv handeln zu können.”

    Ein Zwergstaat von der Grösse Hamburgs (oder zwei Saarlands)

    Diese Erkenntnis ist noch nicht bis ins deutsche Sachsen-Anhalt vorgedrungen. Das liegt gewiss auch, aber nicht nur an den Lehrern. Ein Lehrer, Wolfram Janzen, bemüht sich an gleicher Stelle vor der AfD zu warnen: Was die AfD für Sachsen-Anhalt plant – und warum kaum jemand darüber spricht – Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt erstmals allein regieren. Ihr 138-seitiges Programm enthüllt, was das konkret bedeuten würde.”

    Ich persönlich finde es bedenklich, wenn es ein Lehrer nicht kürzer und prägnanter schafft. Das macht den Widerstand gegen Rechts nicht stärker, leider. Unter den geschilderten Umständen fände ich “ein ‘politisch souveränes’ Sachsen-Anhalt” gar keine so schlechte Idee. Spätestens, wenn es den MDR-Staatsvertrag kündigt, könnten wir daraus ein deutsches Lesotho machen; an Polen übergeben wird scheitern, an Russland dürfte nicht durchsetzbar sein. Die durchrasenden ICEs müssten u.U. umgeleitet werden, Hamburg-Berlin wird doch gerade schon saniert.

    Verschwindende Sozialdemokratie

    Bei der SPD sieht es noch schlimmer aus, als in Sachsen-Anhalt. Sie droht zu verschwinden. Und das, obwohl es in ihren Reihen kluge, sogar bezahlte, Leute gibt, wie z.B. Henrik Meyer/ipg-Journal: Sind sie noch zu retten? – In Mitteleuropa verschwindet eine sozialdemokratische Partei nach der anderen von der Landkarte. In Westeuropa könnte ein ähnliches Schicksal drohen.”

    Die amtierende Partei- und Fraktionsführung hat sicher gar keine Zeit mehr, das zu lesen. Geschweige denn das.

    Fahrende Bunker und Weihnachtsbäume auf Rädern

    Paolo Tumminelli kannte ich bisher nicht. Dabei sitzt er hier um die Ecke im nahegelegenen Dorf Köln (nahegelegen mit dem Fahrrad, mit der Bahn eher schon eine Fernreise). Der Mann hat bei der FAZ-Paywall eine anregende Geschichte der deutschen Autokultur von nachm Krieg bis heute abgeliefert.

    “Design von Autos: Wo die deutsche Automobilindustrie falsch abgebogen ist – Arroganz und Ignoranz statt Leidenschaft: Wer braucht noch die Designs der deutschen Automobilindustrie? Die Fehleranalyse eines Design-Professors.”

    Die FAZ gibt online eine “Lesezeit 13 min.” an. Die könnten kurzweiliger nicht sein. Ein Professor, der sehr gut schreiben kann. Ein Kollege von ihm war sehr amüsiert, dass er nun als Rentner kritisch geworden sei. Es ist nie zu spät 😉

    Ich habe mir den Text gesichert, und stelle ihn gerne auf individuelle Anfrage und nur zum persönlichen Gebrauch – ich will ja keine Gesetze brechen, die FAZ hat teure Anwälte – zum Mitlesen zur Verfügung.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  3. Berechenbarkeit ist der Tod

    Warum deutsches Fernsehen und deutscher Fussball so schlecht sind

    Zum ersten Punkt, dem Fernsehen, kann ich mich kurz fassen. Lesen Sie Christian Bartels/telepolis: Deutschlands einziges echtes Filmstudio bekommt einen neuen Chef – Christoph Pellander übernimmt ARD-Tochter Degeto – eine 400-Millionen-Maschine für Serien, Krimis und Eskapismus. Ein System zwischen Effizienz und Monotonie.” Dort entstehen die grössten Teile des ARD-Programms. Und wird das meiste Programmgeld ausgegeben. Zu Bartels’ Ausführungen ist eine wichtige politische Ergänzung nötig.

    Durch die Auslagerung an die Degeto sind Geld und Programmsteuerung den sog. Rundfunkräten der ARD-Anstalten, die sowieso für ambitionierte Kontrolle weder bekannt noch berüchtigt sind, weitgehend entzogen. Das hier sind die “Gesellschafter” der Degeto. Fällt Ihnen was auf? Aber mir. Der WDR, die grösste ARD-Anstalt, ist gar kein Mitglied. Sondern die WDR mediagrpup GmbH. So kommt gar nicht erst die Gefahr auf, dass der WDR-Rundfunkrat da irgendwas zu kamelle hat.

    Und das hier ist der Degeto-Aufsichtsrat. Da fällt auch Ihnen nun sicherlich etwas auf. Richtig: fast alles Intendant*inn*en der ARD-Anstalten kontrollieren hier selbst, statt kontrolliert zu werden. Bayrischer und Westdeutscher Rundfunk entsenden lieber Männer statt der Intendantin. Und der WDR s.o. …

    Wenn die deutsche Filmindustrie also seit Jahrhunderten rätselt, warum sie global nicht konkurrenzfähig ist, dann wird sie hier fündig, bei ihrer grössten Auftraggeberin. Das sind die Produktionsverhältnisse.

    Fussball – so laaangweilig

    Der noch von den Nazis bestimmte Bundestrainer Sepp Herberger war nicht nur doof, immerhin trainierte er die Weltmeister von 1954. Ihm wird die Weisheit zugeschrieben „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Das stimmt nicht mehr. In Deutschland weiss die Öffentlichkeit im März schon, wer im Juni Meister wird und den Pokal gewinnt. Und dann wundert die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sich, und greint, dass sie zu geringe Einnahmen in der Auslandsvermarktung erzielt. Niemand da draussen in der Welt will Langeweile teuer bezahlen.

    Spätestens seit Kalle Del Haye 1980 weiss in BRD-Deutschland jedes Kind, dass der Konzern aus dem süddeutschen Raum der Konkurrenz jedes Talent, das den Ball halbwegs versiert annehmen kann, wegkauft, wenn es nicht bei 3 ins Ausland geflohen ist. Und zwar mittlerweile auch bei den Frauen. Das Monopol ruiniert die Liga. Und wird hier weiter ausgedehnt und gespreizt. Die “Überraschungen”, die bleiben, sind zufällige Abweichungen der sportlichen von der Geldtabelle. Sie verringern sich, je weiter das Investorenkapital vordringt.

    Hier ein europäischer Vergleich der gegenwärtigen Punktedifferenz zwischen Platz 1 und Patz 2 in den Ligen der genannten Länder:
    Niederlande: 19
    BRD: 15
    Schweiz: 14
    Italien: 12
    Spanien: 9
    Portugal: 7
    Griechenland: 5
    Tschechien: 5
    Frankreich: 4
    Türkei: 4
    Polen: 3
    Dänemark: 2
    Belgien: 2
    Österreich: 1
    Schottland: 1
    England: 0

    Ausgerechnet das mit den meisten Milliarden geflutete England ist noch spannend, weil die Oligarchen von ManCity (Vereinigte Arabische Emirate) und dem FC Arsenal (Trump-Spender Stan Kroenke) noch testen wollen, wer den Längsten hat.

    Wenn der Konzern aus dem süddeutschen Raum der von ihm beherrschten DFL was Gutes tun will, tritt er im am wenigsten wichtigen Wettbewerb, dem DFB-Pokal, im Finale mit einer Reservistenelf an und verliert freiwillig, um ein bisschen Überraschung zu simulieren. Dem tief mit der kriminellen Wettmafia verbundenen Gewerbe dürfte das nicht schwerfallen. Sie nennen es Professionalität.

    Ich gehe derweil zur 4. Liga. Dienstag, 19 h Sportpark Nord, Bonner SC – Rot-Weiss Oberhausen. Ex-Erstligist RWO kann noch aufsteigen. Das ist Sport und Spannung.

  4. Berechenbarkeit ist der Tod

    Warum deutsches Fernsehen und deutscher Fussball so schlecht sind

    Zum ersten Punkt, dem Fernsehen, kann ich mich kurz fassen. Lesen Sie Christian Bartels/telepolis: Deutschlands einziges echtes Filmstudio bekommt einen neuen Chef – Christoph Pellander übernimmt ARD-Tochter Degeto – eine 400-Millionen-Maschine für Serien, Krimis und Eskapismus. Ein System zwischen Effizienz und Monotonie.” Dort entstehen die grössten Teile des ARD-Programms. Und wird das meiste Programmgeld ausgegeben. Zu Bartels’ Ausführungen ist eine wichtige politische Ergänzung nötig.

    Durch die Auslagerung an die Degeto sind Geld und Programmsteuerung den sog. Rundfunkräten der ARD-Anstalten, die sowieso für ambitionierte Kontrolle weder bekannt noch berüchtigt sind, weitgehend entzogen. Das hier sind die “Gesellschafter” der Degeto. Fällt Ihnen was auf? Aber mir. Der WDR, die grösste ARD-Anstalt, ist gar kein Mitglied. Sondern die WDR mediagrpup GmbH. So kommt gar nicht erst die Gefahr auf, dass der WDR-Rundfunkrat da irgendwas zu kamelle hat.

    Und das hier ist der Degeto-Aufsichtsrat. Da fällt auch Ihnen nun sicherlich etwas auf. Richtig: fast alles Intendant*inn*en der ARD-Anstalten kontrollieren hier selbst, statt kontrolliert zu werden. Bayrischer und Westdeutscher Rundfunk entsenden lieber Männer statt der Intendantin. Und der WDR s.o. …

    Wenn die deutsche Filmindustrie also seit Jahrhunderten rätselt, warum sie global nicht konkurrenzfähig ist, dann wird sie hier fündig, bei ihrer grössten Auftraggeberin. Das sind die Produktionsverhältnisse.

    Fussball – so laaangweilig

    Der noch von den Nazis bestimmte Bundestrainer Sepp Herberger war nicht nur doof, immerhin trainierte er die Weltmeister von 1954. Ihm wird die Weisheit zugeschrieben „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Das stimmt nicht mehr. In Deutschland weiss die Öffentlichkeit im März schon, wer im Juni Meister wird und den Pokal gewinnt. Und dann wundert die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sich, und greint, dass sie zu geringe Einnahmen in der Auslandsvermarktung erzielt. Niemand da draussen in der Welt will Langeweile teuer bezahlen.

    Spätestens seit Kalle Del Haye 1980 weiss in BRD-Deutschland jedes Kind, dass der Konzern aus dem süddeutschen Raum der Konkurrenz jedes Talent, das den Ball halbwegs versiert annehmen kann, wegkauft, wenn es nicht bei 3 ins Ausland geflohen ist. Und zwar mittlerweile auch bei den Frauen. Das Monopol ruiniert die Liga. Und wird hier weiter ausgedehnt und gespreizt. Die “Überraschungen”, die bleiben, sind zufällige Abweichungen der sportlichen von der Geldtabelle. Sie verringern sich, je weiter das Investorenkapital vordringt.

    Hier ein europäischer Vergleich der gegenwärtigen Punktedifferenz zwischen Platz 1 und Patz 2 in den Ligen der genannten Länder:
    Niederlande: 19
    BRD: 15
    Schweiz: 14
    Italien: 12
    Spanien: 9
    Portugal: 7
    Griechenland: 5
    Tschechien: 5
    Frankreich: 4
    Türkei: 4
    Polen: 3
    Dänemark: 2
    Belgien: 2
    Österreich: 1
    Schottland: 1
    England: 0

    Ausgerechnet das mit den meisten Milliarden geflutete England ist noch spannend, weil die Oligarchen von ManCity (Vereinigte Arabische Emirate) und dem FC Arsenal (Trump-Spender Stan Kroenke) noch testen wollen, wer den Längsten hat.

    Wenn der Konzern aus dem süddeutschen Raum der von ihm beherrschten DFL was Gutes tun will, tritt er im am wenigsten wichtigen Wettbewerb, dem DFB-Pokal, im Finale mit einer Reservistenelf an und verliert freiwillig, um ein bisschen Überraschung zu simulieren. Dem tief mit der kriminellen Wettmafia verbundenen Gewerbe dürfte das nicht schwerfallen. Sie nennen es Professionalität.

    Ich gehe derweil zur 4. Liga. Dienstag, 19 h Sportpark Nord, Bonner SC – Rot-Weiss Oberhausen. Ex-Erstligist RWO kann noch aufsteigen. Das ist Sport und Spannung.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  5. Berechenbarkeit ist der Tod

    Warum deutsches Fernsehen und deutscher Fussball so schlecht sind

    Zum ersten Punkt, dem Fernsehen, kann ich mich kurz fassen. Lesen Sie Christian Bartels/telepolis: Deutschlands einziges echtes Filmstudio bekommt einen neuen Chef – Christoph Pellander übernimmt ARD-Tochter Degeto – eine 400-Millionen-Maschine für Serien, Krimis und Eskapismus. Ein System zwischen Effizienz und Monotonie.” Dort entstehen die grössten Teile des ARD-Programms. Und wird das meiste Programmgeld ausgegeben. Zu Bartels’ Ausführungen ist eine wichtige politische Ergänzung nötig.

    Durch die Auslagerung an die Degeto sind Geld und Programmsteuerung den sog. Rundfunkräten der ARD-Anstalten, die sowieso für ambitionierte Kontrolle weder bekannt noch berüchtigt sind, weitgehend entzogen. Das hier sind die “Gesellschafter” der Degeto. Fällt Ihnen was auf? Aber mir. Der WDR, die grösste ARD-Anstalt, ist gar kein Mitglied. Sondern die WDR mediagrpup GmbH. So kommt gar nicht erst die Gefahr auf, dass der WDR-Rundfunkrat da irgendwas zu kamelle hat.

    Und das hier ist der Degeto-Aufsichtsrat. Da fällt auch Ihnen nun sicherlich etwas auf. Richtig: fast alles Intendant*inn*en der ARD-Anstalten kontrollieren hier selbst, statt kontrolliert zu werden. Bayrischer und Westdeutscher Rundfunk entsenden lieber Männer statt der Intendantin. Und der WDR s.o. …

    Wenn die deutsche Filmindustrie also seit Jahrhunderten rätselt, warum sie global nicht konkurrenzfähig ist, dann wird sie hier fündig, bei ihrer grössten Auftraggeberin. Das sind die Produktionsverhältnisse.

    Fussball – so laaangweilig

    Der noch von den Nazis bestimmte Bundestrainer Sepp Herberger war nicht nur doof, immerhin trainierte er die Weltmeister von 1954. Ihm wird die Weisheit zugeschrieben „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Das stimmt nicht mehr. In Deutschland weiss die Öffentlichkeit im März schon, wer im Juni Meister wird und den Pokal gewinnt. Und dann wundert die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sich, und greint, dass sie zu geringe Einnahmen in der Auslandsvermarktung erzielt. Niemand da draussen in der Welt will Langeweile teuer bezahlen.

    Spätestens seit Kalle Del Haye 1980 weiss in BRD-Deutschland jedes Kind, dass der Konzern aus dem süddeutschen Raum der Konkurrenz jedes Talent, das den Ball halbwegs versiert annehmen kann, wegkauft, wenn es nicht bei 3 ins Ausland geflohen ist. Und zwar mittlerweile auch bei den Frauen. Das Monopol ruiniert die Liga. Und wird hier weiter ausgedehnt und gespreizt. Die “Überraschungen”, die bleiben, sind zufällige Abweichungen der sportlichen von der Geldtabelle. Sie verringern sich, je weiter das Investorenkapital vordringt.

    Hier ein europäischer Vergleich der gegenwärtigen Punktedifferenz zwischen Platz 1 und Patz 2 in den Ligen der genannten Länder:
    Niederlande: 19
    BRD: 15
    Schweiz: 14
    Italien: 12
    Spanien: 9
    Portugal: 7
    Griechenland: 5
    Tschechien: 5
    Frankreich: 4
    Türkei: 4
    Polen: 3
    Dänemark: 2
    Belgien: 2
    Österreich: 1
    Schottland: 1
    England: 0

    Ausgerechnet das mit den meisten Milliarden geflutete England ist noch spannend, weil die Oligarchen von ManCity (Vereinigte Arabische Emirate) und dem FC Arsenal (Trump-Spender Stan Kroenke) noch testen wollen, wer den Längsten hat.

    Wenn der Konzern aus dem süddeutschen Raum der von ihm beherrschten DFL was Gutes tun will, tritt er im am wenigsten wichtigen Wettbewerb, dem DFB-Pokal, im Finale mit einer Reservistenelf an und verliert freiwillig, um ein bisschen Überraschung zu simulieren. Dem tief mit der kriminellen Wettmafia verbundenen Gewerbe dürfte das nicht schwerfallen. Sie nennen es Professionalität.

    Ich gehe derweil zur 4. Liga. Dienstag, 19 h Sportpark Nord, Bonner SC – Rot-Weiss Oberhausen. Ex-Erstligist RWO kann noch aufsteigen. Das ist Sport und Spannung.

  6. Berechenbarkeit ist der Tod

    Warum deutsches Fernsehen und deutscher Fussball so schlecht sind

    Zum ersten Punkt, dem Fernsehen, kann ich mich kurz fassen. Lesen Sie Christian Bartels/telepolis: Deutschlands einziges echtes Filmstudio bekommt einen neuen Chef – Christoph Pellander übernimmt ARD-Tochter Degeto – eine 400-Millionen-Maschine für Serien, Krimis und Eskapismus. Ein System zwischen Effizienz und Monotonie.” Dort entstehen die grössten Teile des ARD-Programms. Und wird das meiste Programmgeld ausgegeben. Zu Bartels’ Ausführungen ist eine wichtige politische Ergänzung nötig.

    Durch die Auslagerung an die Degeto sind Geld und Programmsteuerung den sog. Rundfunkräten der ARD-Anstalten, die sowieso für ambitionierte Kontrolle weder bekannt noch berüchtigt sind, weitgehend entzogen. Das hier sind die “Gesellschafter” der Degeto. Fällt Ihnen was auf? Aber mir. Der WDR, die grösste ARD-Anstalt, ist gar kein Mitglied. Sondern die WDR mediagrpup GmbH. So kommt gar nicht erst die Gefahr auf, dass der WDR-Rundfunkrat da irgendwas zu kamelle hat.

    Und das hier ist der Degeto-Aufsichtsrat. Da fällt auch Ihnen nun sicherlich etwas auf. Richtig: fast alles Intendant*inn*en der ARD-Anstalten kontrollieren hier selbst, statt kontrolliert zu werden. Bayrischer und Westdeutscher Rundfunk entsenden lieber Männer statt der Intendantin. Und der WDR s.o. …

    Wenn die deutsche Filmindustrie also seit Jahrhunderten rätselt, warum sie global nicht konkurrenzfähig ist, dann wird sie hier fündig, bei ihrer grössten Auftraggeberin. Das sind die Produktionsverhältnisse.

    Fussball – so laaangweilig

    Der noch von den Nazis bestimmte Bundestrainer Sepp Herberger war nicht nur doof, immerhin trainierte er die Weltmeister von 1954. Ihm wird die Weisheit zugeschrieben „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Das stimmt nicht mehr. In Deutschland weiss die Öffentlichkeit im März schon, wer im Juni Meister wird und den Pokal gewinnt. Und dann wundert die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sich, und greint, dass sie zu geringe Einnahmen in der Auslandsvermarktung erzielt. Niemand da draussen in der Welt will Langeweile teuer bezahlen.

    Spätestens seit Kalle Del Haye 1980 weiss in BRD-Deutschland jedes Kind, dass der Konzern aus dem süddeutschen Raum der Konkurrenz jedes Talent, das den Ball halbwegs versiert annehmen kann, wegkauft, wenn es nicht bei 3 ins Ausland geflohen ist. Und zwar mittlerweile auch bei den Frauen. Das Monopol ruiniert die Liga. Und wird hier weiter ausgedehnt und gespreizt. Die “Überraschungen”, die bleiben, sind zufällige Abweichungen der sportlichen von der Geldtabelle. Sie verringern sich, je weiter das Investorenkapital vordringt.

    Hier ein europäischer Vergleich der gegenwärtigen Punktedifferenz zwischen Platz 1 und Patz 2 in den Ligen der genannten Länder:
    Niederlande: 19
    BRD: 15
    Schweiz: 14
    Italien: 12
    Spanien: 9
    Portugal: 7
    Griechenland: 5
    Tschechien: 5
    Frankreich: 4
    Türkei: 4
    Polen: 3
    Dänemark: 2
    Belgien: 2
    Österreich: 1
    Schottland: 1
    England: 0

    Ausgerechnet das mit den meisten Milliarden geflutete England ist noch spannend, weil die Oligarchen von ManCity (Vereinigte Arabische Emirate) und dem FC Arsenal (Trump-Spender Stan Kroenke) noch testen wollen, wer den Längsten hat.

    Wenn der Konzern aus dem süddeutschen Raum der von ihm beherrschten DFL was Gutes tun will, tritt er im am wenigsten wichtigen Wettbewerb, dem DFB-Pokal, im Finale mit einer Reservistenelf an und verliert freiwillig, um ein bisschen Überraschung zu simulieren. Dem tief mit der kriminellen Wettmafia verbundenen Gewerbe dürfte das nicht schwerfallen. Sie nennen es Professionalität.

    Ich gehe derweil zur 4. Liga. Dienstag, 19 h Sportpark Nord, Bonner SC – Rot-Weiss Oberhausen. Ex-Erstligist RWO kann noch aufsteigen. Das ist Sport und Spannung.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  7. Linksgrünversiffter verein des tages…

    …ist die internazjonale energieagentur (IEA):

    Die Internationale Energieagentur rät zu Homeoffice und Tempolimits, um die Folgen der Ölkrise abzufedern

    Mit großer freude erinnere ich mich an die autofreien sonntage des jahres 1973. Damals war der autowahn zwar bei weitem noch nicht so schlimm wie heute, aber es war trotzdem sehr entspannend, sich frei vom normalirren verkehrslärm (sogar die stimmen der vögel sind verzerrt und kreischend geworden, nur die krähe bleibt sich treu) und der gefahr schwerer unfälle durch die stadt bewegen zu können. Natürlich bin ich kein autofahrer. Ich kenne das auto nur als bringer des todes, als vernichter der begegnungsstätte straße und als vernichtung des lokalen, kleinen einzelhandels, bis nur noch weniger als eine handvoll deutschlandweite ketten übrig blieben, die vom kartellamt ziemlich unbeobachtet die preise nach gutdünken festsetzen können. Es sind ja nicht die benzinpreise, es sind lebensmittelpreise, das regelt der markt, da braucht man nicht einzugreifen und auch keine sondersendungen im fernsehen wie bei den benzinpreisen. Wir hatten beinahe jeden tag einen toten oder schwerverletzten in den frühen siebziger jahren der zukunftsausgerichteten „autofreundlichen stadt“ nach den gemütskranken visjonen der sozjaldämonkraken. Nein, nicht in deutschland, und auch nicht in hannover, sondern nur in einem (großen) stadtteil hannovers. Über die limmerstraße zu gehen, war richtig gefährlich (die 50 km/h wurden auch eher als eine unverbindliche empfehlung betrachtet), und weil die zebrastreifen keinen motorhenker mit mechanopferden unter der haube so richtig gejuckt haben, gabs irgendwann bettelampeln, bis „die limma“ in den achtzigern endlich zur fußgängerzone gemacht wurde. Gut, dass die leute damals noch nicht solche übermotorisierten pimmelkarren wie heute gefahren sind, sonst wäre es noch viel übler geworden. Bis ins jahr 1973 hinein — das jahr mit der ölkrise — gab es auch keine gesetzliche promillgrenze in der BRD. Denn die vielen schweren unfälle lagen ja an den schlechten straßen, nicht am suff. Stand ja in der bildzeitung. Und da ist immer ein bisschen was wahres dran. Die irgendwann vom BGH durch richterrecht gesetzte grenze für eine ordnungswidrigkeit lag bei 1,5 ‰. Gut, dass man heute im umkreis von hundert metern um einen spochtverein nicht kiffen darf, nicht einmal als fußgänger oder neudeutsch „zu fuß gehender“, wisstschon, wegen der kinder, denk doch mal einer an die kinder. Ein prost auf die hl. freiheit! Einer geht noch rein. Freiheit, versteht ihr: freiheit. Der irrazjonale autofimmel der BRD-bewohner lässt sich wohl am besten mit dem genau so irrazjonalen waffenfimmel der USA-bewohner vergleichen. Die sind beidesamt von keiner tatsache und keinem argument mehr zu erweichen.

    „Schön“, dass ich das erste mal wieder das wort „ölkrise“ lese. Ist ja an sich keine neue sache. Der nahe osten ist nicht erst seit gestern die schwerbewaffnete klappsmühle des planeten, und ärgerlicherweise kommt ein verdammt großer teil des brennstoffs für die verbrennungskultur ausgerechnet daher und muss da durch. Es ist in dieser ecke der welt immer nur eine frage der zeit, bis es mörderisch eskaliert, und auch ohne richtige eskalazjon bringen sich die leute mit größter freude gegenseitig um. Für irgendwas, irgendeinen bullschitt, bei dem sich hoffentlich jedy schämt, wenn es seinen kindern später davon erzählt. So schade, dass der allmächtige und allweise das mit dem ermorden nicht selbst hinbekommt, weil er vermutlich immer noch ein bisschen erschöpft vom vielen schöpfen ist. Das wäre auch ohne Donald Trump irgendwann wieder losgegangen. Wenn man einen völkerrechtswidrigen massenmord-angriffskrieg wie Donald Trump und Benjamin Netanjahu führt, darf man sich nicht wundern, wenn einem dieses pulverfass um die ohren fliegt. Der Benjamin — so ein hübscher name, „sohn der freude“ — hätte das eigentlich wissen müssen, der kennt die zustände ja. Und selbst Donald aus den USA mit dem provinzjellen weltbild eines mittelgroßen kuhdorfes hätte das mindestens deutlich ahnen sollen. Ich empfehle, diese beiden großverbrecher in ein gefängnis zu stecken, um den rest der welt vor ihrer schier grenzenlosen kriminellen energie zu schützen und die reparazjonszahlungen an den iran zuvörderst aus ihrem privatvermögen zu begleichen, um die ölkrise zu beenden.

    Aber auf mich hört ja keiner…

    Und die näxste „ölkrise“ kommt bestimmt. Gut, dass wenigstens die bummsregierung etwas gegen diese linksgrünversifften windmühlen und solarstromanlagen tut!

    Und jetzt erstmal viel spaß in den hasenfestferjen, die heute in niedersaxen angefangen haben. Gleich morgen los in den urlaub, gleich auf in den stau! Freiheit, versteht ihr: freiheit.

    Ach, für die fahrt noch etwas musik aus den neunziger jahren [link geht zu juhtjuhbb, hier der text zum mitmachen]!

    #Öl #Ölkrise #Blah #IEA #Link #Telepolis
  8. Jean Reno – „22 Bullets“ (2010)

    „L’Immortel“ – „Der Unsterbliche“ – so lautet der französische Originaltitel dieser großen Mafia-Oper mit Jean Reno. Und es gab wirklich keinen Grund, diesen wunderbaren Titel so schlecht zu übersetzen. Ich habe den Film erst 2024 zum ersten Mal gesehen. Und danach musste ich mich doch erst einmal sammeln. Denn er überwältigt. Er ist so traditionell, wie modern. Schnelles, brutales und doch sehr moralisches Action-Kino aus Frankreich. (3Sat, Wh.)

    Zum Blog: nexxtpress.de/mediathekperlen/

  9. Jean Reno – „22 Bullets“ (2010)

    „L’Immortel“ – „Der Unsterbliche“ – so lautet der französische Originaltitel dieser großen Mafia-Oper mit Jean Reno. Und es gab wirklich keinen Grund, diesen wunderbaren Titel so schlecht zu übersetzen. Ich habe den Film erst 2024 zum ersten Mal gesehen. Und danach musste ich mich doch erst einmal sammeln. Denn er überwältigt. Er ist so traditionell, wie modern. Schnelles, brutales und doch sehr moralisches Action-Kino aus Frankreich. (3Sat, Wh.)

    Zum Blog: nexxtpress.de/mediathekperlen/

  10. Transferkrawall

    Harald Neuber hat als telepolis-Chhefredakteur für recht viel öffentlichen Ärger gesorgt. Auch bei mir als Leser. Nun meldet der Berliner Verlag des Milliardärsehepaars Holger und Silke Friedrich: “Verstärkt wird das Führungsteam (der Berliner Zeitung) durch Harald Neuber, der als Nachrichtenchef die Ressorts ‘News’ und ‘International News’ verantwortet und Mitglied der Chefredaktion wird. Harald Neuber kommt vom Heise-Verlag und war Chefredakteur von Telepolis, einem Portal über gesellschaftliche, politische, wissenschaftliche und kulturelle Aspekte des digitalen Zeitalters. Es gehört zu den ältesten Angeboten der Netzkultur in Deutschland.” Dä.

    So wächst zusammen, was zusammengehört? Denn noch mehr als Neuber sorgt Verleger Holger Friedrich für Ärger, also Aufmerksamkeit, in der was-mit-Medien-Welt. Ein politischer Kompass gehört dabei nicht zu seiner Ausrüstung. Den vermissten viele ebenso bei Neubers telepolis-Führung, insbesondere seinem konformistischen Agendasetting.

    Gibt es nun wieder Hoffnung für telepolis? Das wäre wohl eine Illusion. Denn mutmasslich hat Neuber dort als leitender Angestellter nur ausgeführt, was die Heise-Gruppe wünschte. Die will ihr Kapital nicht verbrennen. Und was dabei rauskommt, wenn Medien Verluste verringern und Rendite erwirtschaften sollen, das ist aus den meisten Medien des real existierenden Kapitalismus hinreichend bekannt.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  11. Jean Reno – „22 Bullets“ (2010)

    „L’Immortel“ – so lautet der französische Originaltitel dieser großen Mafia-Oper mit Jean Reno. Ich habe den Film erst 2024 zum ersten Mal gesehen. Und danach musste ich mich erst einmal sammeln. Denn er überwältigt. Er ist so traditionell, wie schnell. Modernes, moralisches und äußerst brutales Action-Kino aus Frankreich.

  12. Krieg, SMS-Uschi, Frankreich, China

    Best of 15. Februar 2023
    Seymour Hersh gab Fabian Scheidler/Berliner Zeitung ein Interview: “Joe Biden sprengte Nord Stream, weil er Deutschland nicht traute – Der Investigativjournalist Seymour Hersh hat eine umstrittene Recherche zum Nord-Stream-Anschlag veröffentlicht. Wir haben mit ihm gesprochen.” Der alte Mann hat vor nichts […]

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