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Deutschland: 100.000 Regeln – und niemand fühlt sich frei
26. Mai 2026 Timo Rieg
Immer neue Regeln sollen Konflikte lösen – und machen Demokratie zugleich komplizierter. Warum Freiheit und Gesetzgebung neu verhandelt werden müssen.
Wer in die Freiheit eines anderen eingreifen will, muss dies mit ihm aushandeln. Es verhandeln also nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander, so wie das im Zivilrecht üblich ist.
Da viele Wünsche nach Eingriffen in die Freiheit anderer allgegenwärtig sind, immer wieder auftreten und deshalb wohl irgendwie zum menschlichen Zusammenleben gehören, gibt es ein schier unüberschaubares Dickicht an normativen Regeln, also Gesetzen, Verordnungen, Satzungen und dergleichen.
Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Ersten: Bei der grundsätzlichen Regelung waren "die Betroffenen" eingebunden und konnten ihre (abstrakte) Zustimmung unter den vereinbarten Bedingungen geben. Und zweitens: Individuell darf jeder von einer Grundsatzregel abweichen, soweit sich die Beteiligten eben auf etwas anderes verständigen können.
Betroffene Bürger an Gesetzgebung kaum beteiligt
Der erste Punkt wird in deutschen Gesetzgebungsverfahren zumeist durch Anhörungen in den jeweiligen Parlamentsausschüssen berücksichtigt. Potentiell Betroffene kommen dabei jedoch nicht persönlich, sondern durch Lobbyverbände zu Wort. Ob dabei alle relevanten Positionen berücksichtigt werden, ist im Einzelfall zu prüfen. Angehört werden aber auch regelmäßig Experten, die gerade nicht betroffen sind, sondern von außen auf die Regelung schauen.In der Schweiz ist die Beteiligung wesentlich breiter angelegt, allerdings nur bei Regelungen, die für besonders wichtig erachtet werden. Im sogenannten "Vernehmlassungsverfahren" kann sich nach Artikel 4 VlG jeder einbringen. Einen Anspruch auf Berücksichtigung gibt es freilich nicht.
Mehrheit ist Macht – nicht unbedingt Demokratie
Abweichung von der Norm unzulässig
Der zweite Punkt ist meist nicht vorgesehen. Wenn individuelle Abweichungen möglich sein sollen, wird dies wiederum explizit geregelt, wie beispielsweise eine mögliche "Grunddienstbarkeit" (§ 1018 BGB). Ansonsten aber gelten staatlich oder kommunal aufgestellte Regeln abstrakt – ohne Vertragsfreiheit.Denkt man einmal kurz außerhalb der Dichotomie Staat auf der einen Seite, Bürger auf der anderen Seite, dann sind alle Verkehrsregeln Vereinbarungen der Betroffenen untereinander. Um nicht bei jedem Aufeinandertreffen von zwei Verkehrsteilnehmern ein individuelles Aushandeln zu verlangen (mit der oft schwierigen Frage, wer gerade eigentlich von wem etwas will), einigt man sich auf Grundlagen wie Rechts vor Links, Halt bei roter Ampel etc.
Abstrakte Regeln gelten ausnahmslos
Solche Regeln gelten auch, wenn niemand anwesend ist, der diese Regel für sich beanspruchen möchte. Beispiel Fußgängerampel: Zeigt sie dem Straßenverkehr Rot, muss ein Fahrzeug stehenbleiben, auch wenn weit und breit sonst niemand zugegen ist, wie das Bayerische Oberste Landesgericht (1 ObOWi 58/03) entschieden hat.Über solch abstrakte Regelungen hat zwar schon Kurt Tucholsky 1929 gespottet, doch die Anzahl von immer gültigen Ge- und Verboten hat sich seit seiner Zeit vervielfacht. Allein auf Bundesebene gelten derzeit etwa 100.000 Einzelnormen.
Die trotz aller Proklamationen zum Bürokratieabbau zunehmenden Regelungen führen nicht nur zu einer praktischen Unüberschaubarkeit mit der Folge, dass sich kaum jemand sicher sein kann, stets rechtskonform zu leben, sie sind letztlich auch ein Offenbarungseid der Politik.
Vom Speziellen zum Allgemeinen
Denn wo immer eine neue Spezialregel gesetzt wird, zeigt sich in Wahrheit, dass eine Grundfrage nicht geklärt ist. Der richtige, nämlich an individueller Freiheit orientierte und Willkür vermeidende Weg ist stets, von Detailregelungen zu Grundregeln zu kommen. Wo dies nicht gelingt, drücken sich Gesellschaft oder wenigstens Politiker davor, den Kern zu verhandeln.Die zehn Gebote kamen noch mit dem einen Satz aus: Du sollst (bzw. nach dem Original eher "wirst") nicht töten. Vielleicht müsste man dem noch eine Ausnahme hinzufügen der Art: außer in Notwehr. Aber das deutsche Strafrecht unterscheidet hier zig Fallkonstellationen, und im Kriegsfalle ist ohnehin alles anders.
Die Weigerung, sich auf nachvollziehbare Grundregeln zu verständigen, zeigt aktuell die Diskussion um weitere Detailvorgaben im Sexualstrafrecht. Von Deepfake bis "nur Ja heißt Ja" werden immer neu "Strafbarkeitslücken" ausgemacht, die weitere Einzelnormen verlangen sollen.
Kein Ende neuer Regelungen in Sicht
Bei diesem Weg ist klar: Gut geregelt sein wird das Land nie. Es wird immer weitere Ge- und Verbote brauchen, niemals wird der Punkt kommen, an dem Politiker (und Bürger) sagen: nun ist alles klar, Danke, mehr ist nicht zu tun.Was eben umgekehrt bedeuten muss: bisher sind unsere Regeln ungenügend, trotz bald 80 Jahren bundesrepublikanischem Geschraube an ihnen.
In einer "Demokratie der Freiheit" wären also dringend große Konsultationen angesagt. Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern die logische Folge eindeutiger und konsensfähiger Regelungen.
Groß müssten diese Konsultationen sein, weil von Strafgesetzen alle betroffen sind. Nicht, dass sich jeder als potentiellen Straftäter sehen müsste, aber Urteile ergehen "im Namen des Volkes", mithin muss dieses Volk die entsprechenden Strafnormen grundsätzlich gefordert haben.
Im Zivilrecht sind hingegen längst nicht alle von jeder Regelung potentiell betroffen, doch die Kreise, die miteinander zu verhandeln hätten, wären immer noch sehr groß.
Grundeigentum und Demokratie:
Warum wir über Boden verhandeln müsstenVolksentscheid nicht in Sicht
Doch solche Konsultationen sind bisher nicht vorgesehen. Die Versuche dazu mit Bürgerräten (Pro und Contra diskutiert in drei Teilen) stoßen vor allem bei Konservativen auf Ablehnung. Das Instrument des Volksentscheids gibt es auf Bundesebene in Deutschland nicht - und wird wohl auch nicht kommen (denn es stand schon in verschiedensten Wahlprogrammen).Und eine große zivilgesellschaftliche Debatte ist auch nicht in Sicht, zumal jede Verständigung auf einfache Grundregeln immer auch den Verzicht auf Ausnahmen zu eigenen Gunsten einschließt. Ein übermächtiger Staat wird zwar gerne kritisiert; doch sobald es um die eigenen Pfründen geht, wollen sich viele doch lieber auf eine Detailregelung der Politik berufen, als eigenständig mit dem Nachbarn zu verhandeln.
Vorrang für lokale Regelungen
Einen Ausweg böte eine andere Normenhierarchie, die auf den ersten Blick als Widerspruch zum Vorrang von Grundregeln vor Detailregeln gesehen werden könnte, nämlich nicht von möglichst weit oben, sondern stets von so weit wie möglich unten her etwas zu regeln.Aber vom Ansatz her, dass nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander zu verhandeln haben, ist es einfacher und gerechter, lokale Unterschiede zu akzeptieren, als alles mindestens bundesweit, inzwischen ja oft EU-weit gleichermaßen vorzuschreiben.
Das bedeutet noch nicht, dass jedes Dorf, jeder Kiez, jeder Wohnblock machen kann, was er mag, solange er sich darauf geeinigt hat. Denn wo immer Externe Betroffen sind, sind sie eben in die Aushandlung einzubeziehen. Die Rauchgase aus dem heimischen Kamin verbleiben eben nicht vor Ort - der Lärm eines Straßenfestes aber schon.
Vielfalt ist keine Kleinstaaterei
Den Kommunen, vor allem aber auch den Einwohnern selbst hier deutlich mehr Selbstbestimmung zuzugestehen, wäre ein fundamentaler Schritt zu mehr Freiheit. Und auf diesen überschaubaren Ebenen lassen sich Aushandlungen der Betroffenen miteinander auch relativ einfach organisieren."Kleinstaaterei" wird es hier schallen. Dabei möchte doch fast jeder wenigstens hinter seiner Wohnungstür von Vorschriften, die irgendwelche Nicht-Betroffenen kraft ihres Amtes ersonnen haben oder gerade ersinnen, verschont bleiben.
Und eine "Opt-Out"-Erlaubnis wäre ja längst keine Pflicht, überall das Rad neu zu erfinden. Aber es wäre die Chance, Demokratie als Selbstbestimmung deutlich mehr Raum zu geben.
#telepolis #freiheit #regulierung #überregulierung #demokratie #nannystate #nannystatementality
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Deutschland: 100.000 Regeln – und niemand fühlt sich frei
26. Mai 2026 Timo Rieg
Immer neue Regeln sollen Konflikte lösen – und machen Demokratie zugleich komplizierter. Warum Freiheit und Gesetzgebung neu verhandelt werden müssen.
Wer in die Freiheit eines anderen eingreifen will, muss dies mit ihm aushandeln. Es verhandeln also nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander, so wie das im Zivilrecht üblich ist.
Da viele Wünsche nach Eingriffen in die Freiheit anderer allgegenwärtig sind, immer wieder auftreten und deshalb wohl irgendwie zum menschlichen Zusammenleben gehören, gibt es ein schier unüberschaubares Dickicht an normativen Regeln, also Gesetzen, Verordnungen, Satzungen und dergleichen.
Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Ersten: Bei der grundsätzlichen Regelung waren "die Betroffenen" eingebunden und konnten ihre (abstrakte) Zustimmung unter den vereinbarten Bedingungen geben. Und zweitens: Individuell darf jeder von einer Grundsatzregel abweichen, soweit sich die Beteiligten eben auf etwas anderes verständigen können.
Betroffene Bürger an Gesetzgebung kaum beteiligt
Der erste Punkt wird in deutschen Gesetzgebungsverfahren zumeist durch Anhörungen in den jeweiligen Parlamentsausschüssen berücksichtigt. Potentiell Betroffene kommen dabei jedoch nicht persönlich, sondern durch Lobbyverbände zu Wort. Ob dabei alle relevanten Positionen berücksichtigt werden, ist im Einzelfall zu prüfen. Angehört werden aber auch regelmäßig Experten, die gerade nicht betroffen sind, sondern von außen auf die Regelung schauen.In der Schweiz ist die Beteiligung wesentlich breiter angelegt, allerdings nur bei Regelungen, die für besonders wichtig erachtet werden. Im sogenannten "Vernehmlassungsverfahren" kann sich nach Artikel 4 VlG jeder einbringen. Einen Anspruch auf Berücksichtigung gibt es freilich nicht.
Mehrheit ist Macht – nicht unbedingt Demokratie
Abweichung von der Norm unzulässig
Der zweite Punkt ist meist nicht vorgesehen. Wenn individuelle Abweichungen möglich sein sollen, wird dies wiederum explizit geregelt, wie beispielsweise eine mögliche "Grunddienstbarkeit" (§ 1018 BGB). Ansonsten aber gelten staatlich oder kommunal aufgestellte Regeln abstrakt – ohne Vertragsfreiheit.Denkt man einmal kurz außerhalb der Dichotomie Staat auf der einen Seite, Bürger auf der anderen Seite, dann sind alle Verkehrsregeln Vereinbarungen der Betroffenen untereinander. Um nicht bei jedem Aufeinandertreffen von zwei Verkehrsteilnehmern ein individuelles Aushandeln zu verlangen (mit der oft schwierigen Frage, wer gerade eigentlich von wem etwas will), einigt man sich auf Grundlagen wie Rechts vor Links, Halt bei roter Ampel etc.
Abstrakte Regeln gelten ausnahmslos
Solche Regeln gelten auch, wenn niemand anwesend ist, der diese Regel für sich beanspruchen möchte. Beispiel Fußgängerampel: Zeigt sie dem Straßenverkehr Rot, muss ein Fahrzeug stehenbleiben, auch wenn weit und breit sonst niemand zugegen ist, wie das Bayerische Oberste Landesgericht (1 ObOWi 58/03) entschieden hat.Über solch abstrakte Regelungen hat zwar schon Kurt Tucholsky 1929 gespottet, doch die Anzahl von immer gültigen Ge- und Verboten hat sich seit seiner Zeit vervielfacht. Allein auf Bundesebene gelten derzeit etwa 100.000 Einzelnormen.
Die trotz aller Proklamationen zum Bürokratieabbau zunehmenden Regelungen führen nicht nur zu einer praktischen Unüberschaubarkeit mit der Folge, dass sich kaum jemand sicher sein kann, stets rechtskonform zu leben, sie sind letztlich auch ein Offenbarungseid der Politik.
Vom Speziellen zum Allgemeinen
Denn wo immer eine neue Spezialregel gesetzt wird, zeigt sich in Wahrheit, dass eine Grundfrage nicht geklärt ist. Der richtige, nämlich an individueller Freiheit orientierte und Willkür vermeidende Weg ist stets, von Detailregelungen zu Grundregeln zu kommen. Wo dies nicht gelingt, drücken sich Gesellschaft oder wenigstens Politiker davor, den Kern zu verhandeln.Die zehn Gebote kamen noch mit dem einen Satz aus: Du sollst (bzw. nach dem Original eher "wirst") nicht töten. Vielleicht müsste man dem noch eine Ausnahme hinzufügen der Art: außer in Notwehr. Aber das deutsche Strafrecht unterscheidet hier zig Fallkonstellationen, und im Kriegsfalle ist ohnehin alles anders.
Die Weigerung, sich auf nachvollziehbare Grundregeln zu verständigen, zeigt aktuell die Diskussion um weitere Detailvorgaben im Sexualstrafrecht. Von Deepfake bis "nur Ja heißt Ja" werden immer neu "Strafbarkeitslücken" ausgemacht, die weitere Einzelnormen verlangen sollen.
Kein Ende neuer Regelungen in Sicht
Bei diesem Weg ist klar: Gut geregelt sein wird das Land nie. Es wird immer weitere Ge- und Verbote brauchen, niemals wird der Punkt kommen, an dem Politiker (und Bürger) sagen: nun ist alles klar, Danke, mehr ist nicht zu tun.Was eben umgekehrt bedeuten muss: bisher sind unsere Regeln ungenügend, trotz bald 80 Jahren bundesrepublikanischem Geschraube an ihnen.
In einer "Demokratie der Freiheit" wären also dringend große Konsultationen angesagt. Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern die logische Folge eindeutiger und konsensfähiger Regelungen.
Groß müssten diese Konsultationen sein, weil von Strafgesetzen alle betroffen sind. Nicht, dass sich jeder als potentiellen Straftäter sehen müsste, aber Urteile ergehen "im Namen des Volkes", mithin muss dieses Volk die entsprechenden Strafnormen grundsätzlich gefordert haben.
Im Zivilrecht sind hingegen längst nicht alle von jeder Regelung potentiell betroffen, doch die Kreise, die miteinander zu verhandeln hätten, wären immer noch sehr groß.
Grundeigentum und Demokratie:
Warum wir über Boden verhandeln müsstenVolksentscheid nicht in Sicht
Doch solche Konsultationen sind bisher nicht vorgesehen. Die Versuche dazu mit Bürgerräten (Pro und Contra diskutiert in drei Teilen) stoßen vor allem bei Konservativen auf Ablehnung. Das Instrument des Volksentscheids gibt es auf Bundesebene in Deutschland nicht - und wird wohl auch nicht kommen (denn es stand schon in verschiedensten Wahlprogrammen).Und eine große zivilgesellschaftliche Debatte ist auch nicht in Sicht, zumal jede Verständigung auf einfache Grundregeln immer auch den Verzicht auf Ausnahmen zu eigenen Gunsten einschließt. Ein übermächtiger Staat wird zwar gerne kritisiert; doch sobald es um die eigenen Pfründen geht, wollen sich viele doch lieber auf eine Detailregelung der Politik berufen, als eigenständig mit dem Nachbarn zu verhandeln.
Vorrang für lokale Regelungen
Einen Ausweg böte eine andere Normenhierarchie, die auf den ersten Blick als Widerspruch zum Vorrang von Grundregeln vor Detailregeln gesehen werden könnte, nämlich nicht von möglichst weit oben, sondern stets von so weit wie möglich unten her etwas zu regeln.Aber vom Ansatz her, dass nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander zu verhandeln haben, ist es einfacher und gerechter, lokale Unterschiede zu akzeptieren, als alles mindestens bundesweit, inzwischen ja oft EU-weit gleichermaßen vorzuschreiben.
Das bedeutet noch nicht, dass jedes Dorf, jeder Kiez, jeder Wohnblock machen kann, was er mag, solange er sich darauf geeinigt hat. Denn wo immer Externe Betroffen sind, sind sie eben in die Aushandlung einzubeziehen. Die Rauchgase aus dem heimischen Kamin verbleiben eben nicht vor Ort - der Lärm eines Straßenfestes aber schon.
Vielfalt ist keine Kleinstaaterei
Den Kommunen, vor allem aber auch den Einwohnern selbst hier deutlich mehr Selbstbestimmung zuzugestehen, wäre ein fundamentaler Schritt zu mehr Freiheit. Und auf diesen überschaubaren Ebenen lassen sich Aushandlungen der Betroffenen miteinander auch relativ einfach organisieren."Kleinstaaterei" wird es hier schallen. Dabei möchte doch fast jeder wenigstens hinter seiner Wohnungstür von Vorschriften, die irgendwelche Nicht-Betroffenen kraft ihres Amtes ersonnen haben oder gerade ersinnen, verschont bleiben.
Und eine "Opt-Out"-Erlaubnis wäre ja längst keine Pflicht, überall das Rad neu zu erfinden. Aber es wäre die Chance, Demokratie als Selbstbestimmung deutlich mehr Raum zu geben.
#telepolis #freiheit #regulierung #überregulierung #demokratie #nannystate #nannystatementality
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Deutschland: 100.000 Regeln – und niemand fühlt sich frei
26. Mai 2026 Timo Rieg
Immer neue Regeln sollen Konflikte lösen – und machen Demokratie zugleich komplizierter. Warum Freiheit und Gesetzgebung neu verhandelt werden müssen.
Wer in die Freiheit eines anderen eingreifen will, muss dies mit ihm aushandeln. Es verhandeln also nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander, so wie das im Zivilrecht üblich ist.
Da viele Wünsche nach Eingriffen in die Freiheit anderer allgegenwärtig sind, immer wieder auftreten und deshalb wohl irgendwie zum menschlichen Zusammenleben gehören, gibt es ein schier unüberschaubares Dickicht an normativen Regeln, also Gesetzen, Verordnungen, Satzungen und dergleichen.
Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Ersten: Bei der grundsätzlichen Regelung waren "die Betroffenen" eingebunden und konnten ihre (abstrakte) Zustimmung unter den vereinbarten Bedingungen geben. Und zweitens: Individuell darf jeder von einer Grundsatzregel abweichen, soweit sich die Beteiligten eben auf etwas anderes verständigen können.
Betroffene Bürger an Gesetzgebung kaum beteiligt
Der erste Punkt wird in deutschen Gesetzgebungsverfahren zumeist durch Anhörungen in den jeweiligen Parlamentsausschüssen berücksichtigt. Potentiell Betroffene kommen dabei jedoch nicht persönlich, sondern durch Lobbyverbände zu Wort. Ob dabei alle relevanten Positionen berücksichtigt werden, ist im Einzelfall zu prüfen. Angehört werden aber auch regelmäßig Experten, die gerade nicht betroffen sind, sondern von außen auf die Regelung schauen.In der Schweiz ist die Beteiligung wesentlich breiter angelegt, allerdings nur bei Regelungen, die für besonders wichtig erachtet werden. Im sogenannten "Vernehmlassungsverfahren" kann sich nach Artikel 4 VlG jeder einbringen. Einen Anspruch auf Berücksichtigung gibt es freilich nicht.
Mehrheit ist Macht – nicht unbedingt Demokratie
Abweichung von der Norm unzulässig
Der zweite Punkt ist meist nicht vorgesehen. Wenn individuelle Abweichungen möglich sein sollen, wird dies wiederum explizit geregelt, wie beispielsweise eine mögliche "Grunddienstbarkeit" (§ 1018 BGB). Ansonsten aber gelten staatlich oder kommunal aufgestellte Regeln abstrakt – ohne Vertragsfreiheit.Denkt man einmal kurz außerhalb der Dichotomie Staat auf der einen Seite, Bürger auf der anderen Seite, dann sind alle Verkehrsregeln Vereinbarungen der Betroffenen untereinander. Um nicht bei jedem Aufeinandertreffen von zwei Verkehrsteilnehmern ein individuelles Aushandeln zu verlangen (mit der oft schwierigen Frage, wer gerade eigentlich von wem etwas will), einigt man sich auf Grundlagen wie Rechts vor Links, Halt bei roter Ampel etc.
Abstrakte Regeln gelten ausnahmslos
Solche Regeln gelten auch, wenn niemand anwesend ist, der diese Regel für sich beanspruchen möchte. Beispiel Fußgängerampel: Zeigt sie dem Straßenverkehr Rot, muss ein Fahrzeug stehenbleiben, auch wenn weit und breit sonst niemand zugegen ist, wie das Bayerische Oberste Landesgericht (1 ObOWi 58/03) entschieden hat.Über solch abstrakte Regelungen hat zwar schon Kurt Tucholsky 1929 gespottet, doch die Anzahl von immer gültigen Ge- und Verboten hat sich seit seiner Zeit vervielfacht. Allein auf Bundesebene gelten derzeit etwa 100.000 Einzelnormen.
Die trotz aller Proklamationen zum Bürokratieabbau zunehmenden Regelungen führen nicht nur zu einer praktischen Unüberschaubarkeit mit der Folge, dass sich kaum jemand sicher sein kann, stets rechtskonform zu leben, sie sind letztlich auch ein Offenbarungseid der Politik.
Vom Speziellen zum Allgemeinen
Denn wo immer eine neue Spezialregel gesetzt wird, zeigt sich in Wahrheit, dass eine Grundfrage nicht geklärt ist. Der richtige, nämlich an individueller Freiheit orientierte und Willkür vermeidende Weg ist stets, von Detailregelungen zu Grundregeln zu kommen. Wo dies nicht gelingt, drücken sich Gesellschaft oder wenigstens Politiker davor, den Kern zu verhandeln.Die zehn Gebote kamen noch mit dem einen Satz aus: Du sollst (bzw. nach dem Original eher "wirst") nicht töten. Vielleicht müsste man dem noch eine Ausnahme hinzufügen der Art: außer in Notwehr. Aber das deutsche Strafrecht unterscheidet hier zig Fallkonstellationen, und im Kriegsfalle ist ohnehin alles anders.
Die Weigerung, sich auf nachvollziehbare Grundregeln zu verständigen, zeigt aktuell die Diskussion um weitere Detailvorgaben im Sexualstrafrecht. Von Deepfake bis "nur Ja heißt Ja" werden immer neu "Strafbarkeitslücken" ausgemacht, die weitere Einzelnormen verlangen sollen.
Kein Ende neuer Regelungen in Sicht
Bei diesem Weg ist klar: Gut geregelt sein wird das Land nie. Es wird immer weitere Ge- und Verbote brauchen, niemals wird der Punkt kommen, an dem Politiker (und Bürger) sagen: nun ist alles klar, Danke, mehr ist nicht zu tun.Was eben umgekehrt bedeuten muss: bisher sind unsere Regeln ungenügend, trotz bald 80 Jahren bundesrepublikanischem Geschraube an ihnen.
In einer "Demokratie der Freiheit" wären also dringend große Konsultationen angesagt. Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern die logische Folge eindeutiger und konsensfähiger Regelungen.
Groß müssten diese Konsultationen sein, weil von Strafgesetzen alle betroffen sind. Nicht, dass sich jeder als potentiellen Straftäter sehen müsste, aber Urteile ergehen "im Namen des Volkes", mithin muss dieses Volk die entsprechenden Strafnormen grundsätzlich gefordert haben.
Im Zivilrecht sind hingegen längst nicht alle von jeder Regelung potentiell betroffen, doch die Kreise, die miteinander zu verhandeln hätten, wären immer noch sehr groß.
Grundeigentum und Demokratie:
Warum wir über Boden verhandeln müsstenVolksentscheid nicht in Sicht
Doch solche Konsultationen sind bisher nicht vorgesehen. Die Versuche dazu mit Bürgerräten (Pro und Contra diskutiert in drei Teilen) stoßen vor allem bei Konservativen auf Ablehnung. Das Instrument des Volksentscheids gibt es auf Bundesebene in Deutschland nicht - und wird wohl auch nicht kommen (denn es stand schon in verschiedensten Wahlprogrammen).Und eine große zivilgesellschaftliche Debatte ist auch nicht in Sicht, zumal jede Verständigung auf einfache Grundregeln immer auch den Verzicht auf Ausnahmen zu eigenen Gunsten einschließt. Ein übermächtiger Staat wird zwar gerne kritisiert; doch sobald es um die eigenen Pfründen geht, wollen sich viele doch lieber auf eine Detailregelung der Politik berufen, als eigenständig mit dem Nachbarn zu verhandeln.
Vorrang für lokale Regelungen
Einen Ausweg böte eine andere Normenhierarchie, die auf den ersten Blick als Widerspruch zum Vorrang von Grundregeln vor Detailregeln gesehen werden könnte, nämlich nicht von möglichst weit oben, sondern stets von so weit wie möglich unten her etwas zu regeln.Aber vom Ansatz her, dass nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander zu verhandeln haben, ist es einfacher und gerechter, lokale Unterschiede zu akzeptieren, als alles mindestens bundesweit, inzwischen ja oft EU-weit gleichermaßen vorzuschreiben.
Das bedeutet noch nicht, dass jedes Dorf, jeder Kiez, jeder Wohnblock machen kann, was er mag, solange er sich darauf geeinigt hat. Denn wo immer Externe Betroffen sind, sind sie eben in die Aushandlung einzubeziehen. Die Rauchgase aus dem heimischen Kamin verbleiben eben nicht vor Ort - der Lärm eines Straßenfestes aber schon.
Vielfalt ist keine Kleinstaaterei
Den Kommunen, vor allem aber auch den Einwohnern selbst hier deutlich mehr Selbstbestimmung zuzugestehen, wäre ein fundamentaler Schritt zu mehr Freiheit. Und auf diesen überschaubaren Ebenen lassen sich Aushandlungen der Betroffenen miteinander auch relativ einfach organisieren."Kleinstaaterei" wird es hier schallen. Dabei möchte doch fast jeder wenigstens hinter seiner Wohnungstür von Vorschriften, die irgendwelche Nicht-Betroffenen kraft ihres Amtes ersonnen haben oder gerade ersinnen, verschont bleiben.
Und eine "Opt-Out"-Erlaubnis wäre ja längst keine Pflicht, überall das Rad neu zu erfinden. Aber es wäre die Chance, Demokratie als Selbstbestimmung deutlich mehr Raum zu geben.
#telepolis #freiheit #regulierung #überregulierung #demokratie #nannystate #nannystatementality
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Deutschland: 100.000 Regeln – und niemand fühlt sich frei
26. Mai 2026 Timo Rieg
Immer neue Regeln sollen Konflikte lösen – und machen Demokratie zugleich komplizierter. Warum Freiheit und Gesetzgebung neu verhandelt werden müssen.
Wer in die Freiheit eines anderen eingreifen will, muss dies mit ihm aushandeln. Es verhandeln also nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander, so wie das im Zivilrecht üblich ist.
Da viele Wünsche nach Eingriffen in die Freiheit anderer allgegenwärtig sind, immer wieder auftreten und deshalb wohl irgendwie zum menschlichen Zusammenleben gehören, gibt es ein schier unüberschaubares Dickicht an normativen Regeln, also Gesetzen, Verordnungen, Satzungen und dergleichen.
Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Ersten: Bei der grundsätzlichen Regelung waren "die Betroffenen" eingebunden und konnten ihre (abstrakte) Zustimmung unter den vereinbarten Bedingungen geben. Und zweitens: Individuell darf jeder von einer Grundsatzregel abweichen, soweit sich die Beteiligten eben auf etwas anderes verständigen können.
Betroffene Bürger an Gesetzgebung kaum beteiligt
Der erste Punkt wird in deutschen Gesetzgebungsverfahren zumeist durch Anhörungen in den jeweiligen Parlamentsausschüssen berücksichtigt. Potentiell Betroffene kommen dabei jedoch nicht persönlich, sondern durch Lobbyverbände zu Wort. Ob dabei alle relevanten Positionen berücksichtigt werden, ist im Einzelfall zu prüfen. Angehört werden aber auch regelmäßig Experten, die gerade nicht betroffen sind, sondern von außen auf die Regelung schauen.In der Schweiz ist die Beteiligung wesentlich breiter angelegt, allerdings nur bei Regelungen, die für besonders wichtig erachtet werden. Im sogenannten "Vernehmlassungsverfahren" kann sich nach Artikel 4 VlG jeder einbringen. Einen Anspruch auf Berücksichtigung gibt es freilich nicht.
Mehrheit ist Macht – nicht unbedingt Demokratie
Abweichung von der Norm unzulässig
Der zweite Punkt ist meist nicht vorgesehen. Wenn individuelle Abweichungen möglich sein sollen, wird dies wiederum explizit geregelt, wie beispielsweise eine mögliche "Grunddienstbarkeit" (§ 1018 BGB). Ansonsten aber gelten staatlich oder kommunal aufgestellte Regeln abstrakt – ohne Vertragsfreiheit.Denkt man einmal kurz außerhalb der Dichotomie Staat auf der einen Seite, Bürger auf der anderen Seite, dann sind alle Verkehrsregeln Vereinbarungen der Betroffenen untereinander. Um nicht bei jedem Aufeinandertreffen von zwei Verkehrsteilnehmern ein individuelles Aushandeln zu verlangen (mit der oft schwierigen Frage, wer gerade eigentlich von wem etwas will), einigt man sich auf Grundlagen wie Rechts vor Links, Halt bei roter Ampel etc.
Abstrakte Regeln gelten ausnahmslos
Solche Regeln gelten auch, wenn niemand anwesend ist, der diese Regel für sich beanspruchen möchte. Beispiel Fußgängerampel: Zeigt sie dem Straßenverkehr Rot, muss ein Fahrzeug stehenbleiben, auch wenn weit und breit sonst niemand zugegen ist, wie das Bayerische Oberste Landesgericht (1 ObOWi 58/03) entschieden hat.Über solch abstrakte Regelungen hat zwar schon Kurt Tucholsky 1929 gespottet, doch die Anzahl von immer gültigen Ge- und Verboten hat sich seit seiner Zeit vervielfacht. Allein auf Bundesebene gelten derzeit etwa 100.000 Einzelnormen.
Die trotz aller Proklamationen zum Bürokratieabbau zunehmenden Regelungen führen nicht nur zu einer praktischen Unüberschaubarkeit mit der Folge, dass sich kaum jemand sicher sein kann, stets rechtskonform zu leben, sie sind letztlich auch ein Offenbarungseid der Politik.
Vom Speziellen zum Allgemeinen
Denn wo immer eine neue Spezialregel gesetzt wird, zeigt sich in Wahrheit, dass eine Grundfrage nicht geklärt ist. Der richtige, nämlich an individueller Freiheit orientierte und Willkür vermeidende Weg ist stets, von Detailregelungen zu Grundregeln zu kommen. Wo dies nicht gelingt, drücken sich Gesellschaft oder wenigstens Politiker davor, den Kern zu verhandeln.Die zehn Gebote kamen noch mit dem einen Satz aus: Du sollst (bzw. nach dem Original eher "wirst") nicht töten. Vielleicht müsste man dem noch eine Ausnahme hinzufügen der Art: außer in Notwehr. Aber das deutsche Strafrecht unterscheidet hier zig Fallkonstellationen, und im Kriegsfalle ist ohnehin alles anders.
Die Weigerung, sich auf nachvollziehbare Grundregeln zu verständigen, zeigt aktuell die Diskussion um weitere Detailvorgaben im Sexualstrafrecht. Von Deepfake bis "nur Ja heißt Ja" werden immer neu "Strafbarkeitslücken" ausgemacht, die weitere Einzelnormen verlangen sollen.
Kein Ende neuer Regelungen in Sicht
Bei diesem Weg ist klar: Gut geregelt sein wird das Land nie. Es wird immer weitere Ge- und Verbote brauchen, niemals wird der Punkt kommen, an dem Politiker (und Bürger) sagen: nun ist alles klar, Danke, mehr ist nicht zu tun.Was eben umgekehrt bedeuten muss: bisher sind unsere Regeln ungenügend, trotz bald 80 Jahren bundesrepublikanischem Geschraube an ihnen.
In einer "Demokratie der Freiheit" wären also dringend große Konsultationen angesagt. Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern die logische Folge eindeutiger und konsensfähiger Regelungen.
Groß müssten diese Konsultationen sein, weil von Strafgesetzen alle betroffen sind. Nicht, dass sich jeder als potentiellen Straftäter sehen müsste, aber Urteile ergehen "im Namen des Volkes", mithin muss dieses Volk die entsprechenden Strafnormen grundsätzlich gefordert haben.
Im Zivilrecht sind hingegen längst nicht alle von jeder Regelung potentiell betroffen, doch die Kreise, die miteinander zu verhandeln hätten, wären immer noch sehr groß.
Grundeigentum und Demokratie:
Warum wir über Boden verhandeln müsstenVolksentscheid nicht in Sicht
Doch solche Konsultationen sind bisher nicht vorgesehen. Die Versuche dazu mit Bürgerräten (Pro und Contra diskutiert in drei Teilen) stoßen vor allem bei Konservativen auf Ablehnung. Das Instrument des Volksentscheids gibt es auf Bundesebene in Deutschland nicht - und wird wohl auch nicht kommen (denn es stand schon in verschiedensten Wahlprogrammen).Und eine große zivilgesellschaftliche Debatte ist auch nicht in Sicht, zumal jede Verständigung auf einfache Grundregeln immer auch den Verzicht auf Ausnahmen zu eigenen Gunsten einschließt. Ein übermächtiger Staat wird zwar gerne kritisiert; doch sobald es um die eigenen Pfründen geht, wollen sich viele doch lieber auf eine Detailregelung der Politik berufen, als eigenständig mit dem Nachbarn zu verhandeln.
Vorrang für lokale Regelungen
Einen Ausweg böte eine andere Normenhierarchie, die auf den ersten Blick als Widerspruch zum Vorrang von Grundregeln vor Detailregeln gesehen werden könnte, nämlich nicht von möglichst weit oben, sondern stets von so weit wie möglich unten her etwas zu regeln.Aber vom Ansatz her, dass nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander zu verhandeln haben, ist es einfacher und gerechter, lokale Unterschiede zu akzeptieren, als alles mindestens bundesweit, inzwischen ja oft EU-weit gleichermaßen vorzuschreiben.
Das bedeutet noch nicht, dass jedes Dorf, jeder Kiez, jeder Wohnblock machen kann, was er mag, solange er sich darauf geeinigt hat. Denn wo immer Externe Betroffen sind, sind sie eben in die Aushandlung einzubeziehen. Die Rauchgase aus dem heimischen Kamin verbleiben eben nicht vor Ort - der Lärm eines Straßenfestes aber schon.
Vielfalt ist keine Kleinstaaterei
Den Kommunen, vor allem aber auch den Einwohnern selbst hier deutlich mehr Selbstbestimmung zuzugestehen, wäre ein fundamentaler Schritt zu mehr Freiheit. Und auf diesen überschaubaren Ebenen lassen sich Aushandlungen der Betroffenen miteinander auch relativ einfach organisieren."Kleinstaaterei" wird es hier schallen. Dabei möchte doch fast jeder wenigstens hinter seiner Wohnungstür von Vorschriften, die irgendwelche Nicht-Betroffenen kraft ihres Amtes ersonnen haben oder gerade ersinnen, verschont bleiben.
Und eine "Opt-Out"-Erlaubnis wäre ja längst keine Pflicht, überall das Rad neu zu erfinden. Aber es wäre die Chance, Demokratie als Selbstbestimmung deutlich mehr Raum zu geben.
#telepolis #freiheit #regulierung #überregulierung #demokratie #nannystate #nannystatementality
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“Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.”
“Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.” Diese Klage von ihm hier ist jetzt mindestens 2425 Jahre alt. Das muss dem Folgenden vorausgeschickt werden.
Lassen Sie uns ferner festhalten, dass “die Jugend” nur mehr oder weniger, eher mehr intelligent das an Gesellschaft und ihrer Wirklichkeit adaptiert und für sich anwendet, was die vor ihr Geborenen ihr zubereitet haben. Das sind Fakten, an denen vernunftorientierte Zweifel nicht wirklich möglich sind.
Was mag es bedeuten, wenn nun z.B. Bernardo Cantz/telepolis, der – und dessen Medium – seinen persönlichen Hintergrund nicht bekannt macht, feststellt: “Studium, Smartphones, Sinkflug: Warum die Gen Z schlechter abschneidet – Forscher schlagen Alarm: Eine ganze Generation könnte kognitiv zurückfallen – und die Ursache liegt näher, als viele denken.”
Der Autor macht immerhin transparent, berücksichtigt das in seiner Kommentierung aber nicht, dass er über “Meta-Studien” berichtet. Was das ist, erklärt Wikipedia so:
“Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung von Primär-Untersuchungen zu Metadaten, die mit quantitativen und statistischen Mitteln arbeitet. Sie versucht frühere Forschungsarbeiten quantitativ bzw. statistisch zusammenzufassen und zu präsentieren. Der Unterschied zur systematischen Übersichtsarbeit (auch ‘Review’ genannt) liegt darin, dass ein Review die früheren Forschungsdaten und Publikationen kritisch würdigt, während die Metaanalyse nur die quantitative und statistische Aufarbeitung der früheren Ergebnisse umfasst.”
Mann nennt es Politik
Sie untersuchen also nicht selbst, sondern fassen zusammen, was untersucht wurde. Untersucht wird halt das, was jemand zum Untersuchen beauftragt hat. Was nicht untersucht wird, wird auch nicht rausgefunden. Untersucht wird, was die*der Auftraggebende herausfinden will. Mann nennt es Politik. Oder, wenn Sie so wollen, auch: Kapitalismus.
Erfreulich differenzierter geht es in diesem Interview von Yann Barte/Jungle World zu: “François Kraus, Meinungsforscher, im Gespräch über religiöse Jugendliche in Frankreich: »Religion ist zu einer Identität geworden« – Die französische Jugend bewegt sich nicht allgemein nach rechts, wird aber in Teilen religiöser und reaktionärer: Die »Jungle World« sprach mit dem Meinungsforscher François Kraus über das Schwinden gewohnter politischer Koordinaten, die Polarisierung zwischen den Geschlechtern und die politischen Folgen zunehmender Religiosität.”
Als Ungläubiger muss ich die überbordende Gläubigkeit zur Kenntnis nehmen. Das missionarische Atheistendasein habe ich vor etlichen Jahrzehnten aufgegeben. Ich will ja anders sein, als all die irren Missionar*inn*e*n. Als Agnostiker ist das Maximalziel die friedliche Koexistenz mit der Übermacht der Verrückten. Gewiss dürfte das Muslimische in Frankreich ein höheres gesellschaftlich relevantes Gewicht haben, als hierzulande. Prinzipiell gegensätzliche Verhältnisse kann ich dagegen nicht erkennen. Sie? Generell sind die Ergebnisse eher nicht weltabgewandt von der die befragten Menschen umgebenden gesellschaftlichen Wirklichkeit. Mann könnte halt schlicht zu vernünftigeren Schlüssen kommen, als es viele mindergebildete Geschlechtsgenossen tun. In Frankreich wie hier.
Und die Mächtigen? Alle unter einer Decke?
Spektakulär finde ich die Erkenntnisse, die Philipp Fess/telepolis hier referiert:
“China, Russland und der Traum vom ‘eurasischen Jahrhundert'” – Putin und Xi präsentieren ein Manifest gegen US-Dominanz. Kritiker sehen darin Hoffnung auf Multipolarität – andere nur eine neue Form globaler Kontrolle. – Vereint gegen die eine Nation? Wladimir Putin und Xi Jinping haben beim russischen Staatsbesuch am 20. Mai in Peking eine gemeinsame ‘Erklärung zur Errichtung einer multipolaren Weltordnung und einer neuen Art internationaler Beziehungen’ unterzeichnet.”
Gegen Ende zitiert der Autor einen “US-Ökonomen” namens Patrick Wood, den er so zusammenfasst: “Woods These ist so einfach wie provokant: Die Eliten aus Washington und Peking arbeiteten seit Jahrzehnten am selben Projekt: dem einer technokratischen Weltordnung.” Das wäre, wenn es stimmte, eine spektakuläre Erkenntnis. Wirklich?
Nunja, es wäre nicht das erste Mal, dass die Herrschenden auf Kosten der Beherrschten herrschen. Und es ist leider noch nicht einmal ausgeschlossen, dass sie mit- bzw. gegeneinander Krieg führen, auf Kosten der Beherrschten beider Seiten. Oder was machen Netanyahu und die Hamas? Oder Trump und der Iran? Auch Putin und Selenskyi? Hitler und Stalin? Die Imperialisten, die gegeneinander den 1. Weltkrieg 1914 entfesselten? Was all die können, können Trump (oder sein baldiger Nachfolger) und Xi Jinping schon lange. Xi Jinping hat kein Interesse an Kriegführung, weil er ihren ökonomischen Unsinn und ihre Risiken kennt, ein Imperialist mit Stärke. Bei Trump hingegen regiert der Imperialismus der Schwäche. Der ist und bleibt gefährlich.
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“Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.”
“Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.” Diese Klage von ihm hier ist jetzt mindestens 2425 Jahre alt. Das muss dem Folgenden vorausgeschickt werden.
Lassen Sie uns ferner festhalten, dass “die Jugend” nur mehr oder weniger, eher mehr intelligent das an Gesellschaft und ihrer Wirklichkeit adaptiert und für sich anwendet, was die vor ihr Geborenen ihr zubereitet haben. Das sind Fakten, an denen vernunftorientierte Zweifel nicht wirklich möglich sind.
Was mag es bedeuten, wenn nun z.B. Bernardo Cantz/telepolis, der – und dessen Medium – seinen persönlichen Hintergrund nicht bekannt macht, feststellt: “Studium, Smartphones, Sinkflug: Warum die Gen Z schlechter abschneidet – Forscher schlagen Alarm: Eine ganze Generation könnte kognitiv zurückfallen – und die Ursache liegt näher, als viele denken.”
Der Autor macht immerhin transparent, berücksichtigt das in seiner Kommentierung aber nicht, dass er über “Meta-Studien” berichtet. Was das ist, erklärt Wikipedia so:
“Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung von Primär-Untersuchungen zu Metadaten, die mit quantitativen und statistischen Mitteln arbeitet. Sie versucht frühere Forschungsarbeiten quantitativ bzw. statistisch zusammenzufassen und zu präsentieren. Der Unterschied zur systematischen Übersichtsarbeit (auch ‘Review’ genannt) liegt darin, dass ein Review die früheren Forschungsdaten und Publikationen kritisch würdigt, während die Metaanalyse nur die quantitative und statistische Aufarbeitung der früheren Ergebnisse umfasst.”
Mann nennt es Politik
Sie untersuchen also nicht selbst, sondern fassen zusammen, was untersucht wurde. Untersucht wird halt das, was jemand zum Untersuchen beauftragt hat. Was nicht untersucht wird, wird auch nicht rausgefunden. Untersucht wird, was die*der Auftraggebende herausfinden will. Mann nennt es Politik. Oder, wenn Sie so wollen, auch: Kapitalismus.
Erfreulich differenzierter geht es in diesem Interview von Yann Barte/Jungle World zu: “François Kraus, Meinungsforscher, im Gespräch über religiöse Jugendliche in Frankreich: »Religion ist zu einer Identität geworden« – Die französische Jugend bewegt sich nicht allgemein nach rechts, wird aber in Teilen religiöser und reaktionärer: Die »Jungle World« sprach mit dem Meinungsforscher François Kraus über das Schwinden gewohnter politischer Koordinaten, die Polarisierung zwischen den Geschlechtern und die politischen Folgen zunehmender Religiosität.”
Als Ungläubiger muss ich die überbordende Gläubigkeit zur Kenntnis nehmen. Das missionarische Atheistendasein habe ich vor etlichen Jahrzehnten aufgegeben. Ich will ja anders sein, als all die irren Missionar*inn*e*n. Als Agnostiker ist das Maximalziel die friedliche Koexistenz mit der Übermacht der Verrückten. Gewiss dürfte das Muslimische in Frankreich ein höheres gesellschaftlich relevantes Gewicht haben, als hierzulande. Prinzipiell gegensätzliche Verhältnisse kann ich dagegen nicht erkennen. Sie? Generell sind die Ergebnisse eher nicht weltabgewandt von der die befragten Menschen umgebenden gesellschaftlichen Wirklichkeit. Mann könnte halt schlicht zu vernünftigeren Schlüssen kommen, als es viele mindergebildete Geschlechtsgenossen tun. In Frankreich wie hier.
Und die Mächtigen? Alle unter einer Decke?
Spektakulär finde ich die Erkenntnisse, die Philipp Fess/telepolis hier referiert:
“China, Russland und der Traum vom ‘eurasischen Jahrhundert'” – Putin und Xi präsentieren ein Manifest gegen US-Dominanz. Kritiker sehen darin Hoffnung auf Multipolarität – andere nur eine neue Form globaler Kontrolle. – Vereint gegen die eine Nation? Wladimir Putin und Xi Jinping haben beim russischen Staatsbesuch am 20. Mai in Peking eine gemeinsame ‘Erklärung zur Errichtung einer multipolaren Weltordnung und einer neuen Art internationaler Beziehungen’ unterzeichnet.”
Gegen Ende zitiert der Autor einen “US-Ökonomen” namens Patrick Wood, den er so zusammenfasst: “Woods These ist so einfach wie provokant: Die Eliten aus Washington und Peking arbeiteten seit Jahrzehnten am selben Projekt: dem einer technokratischen Weltordnung.” Das wäre, wenn es stimmte, eine spektakuläre Erkenntnis. Wirklich?
Nunja, es wäre nicht das erste Mal, dass die Herrschenden auf Kosten der Beherrschten herrschen. Und es ist leider noch nicht einmal ausgeschlossen, dass sie mit- bzw. gegeneinander Krieg führen, auf Kosten der Beherrschten beider Seiten. Oder was machen Netanyahu und die Hamas? Oder Trump und der Iran? Auch Putin und Selenskyi? Hitler und Stalin? Die Imperialisten, die gegeneinander den 1. Weltkrieg 1914 entfesselten? Was all die können, können Trump (oder sein baldiger Nachfolger) und Xi Jinping schon lange. Xi Jinping hat kein Interesse an Kriegführung, weil er ihren ökonomischen Unsinn und ihre Risiken kennt, ein Imperialist mit Stärke. Bei Trump hingegen regiert der Imperialismus der Schwäche. Der ist und bleibt gefährlich.
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“Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz
Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.” Update 24.5. nachmittags: hier der 2. und letzte Teil des Interviews.
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
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“Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz
Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.”
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
“Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz
Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.”
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
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Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.” Update 24.5. nachmittags: hier der 2. und letzte Teil des Interviews.
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
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“Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz
Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.”
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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Beides wird das Merz-Doitschland nicht kriegen können
Dass Aufrüstung irgendein ökonomisches Problem löst (“Kriegskeynsianismus”), ist eine Sau, die die profitierende Kapitallobby mit Vorliebe durch jedes Dorf treibt (für das tierfeindliche Femininum bitte ich um Entschuldigung). Immerhin sind sich die herrschenden Klassen darüber bisweilen uneinig. Intelligente Gegenkräfte, zu einer entsprechenden Analyse fähig, können das u.U. taktisch ausnutzen. Wenn Sie die irgendwo sehen, sagen Sie mir bitte Bescheid.
Selbst Donald Trump weiss, wie doof diese Sau ist. Deswegen will er den Europäer*inne*n die unübersichtlichen Kosten dafür ja aufdrücken. Der ist nicht nur doof. Denn Aufrüstungskeynsianismus löst null Folgeinvestitionen aus. Die verbrennen bei Rheinmetall und Co. und kommen nie wieder.
Darum ist ja auch die deutsch-französische Achse so kaputt. Zahlen/Investieren soll immer der Andere, hauptsache Profit fliesst in die eigenen Konten.
Jörg Kronauer und Satyajeet Malik/Junge Welt: “Rüstungsrivalität: »Deutschland braucht Drohnen« – Das deutsch-französische Rüstungsprojekt FCAS steht vor dem Aus. Nun heißt es vereinzelt, die BRD benötige gar keinen neuen Kampfjet”
Schlauer als alle zusammen mal wieder “der Chinese”, wiederum Jörg Kronauer/Junge Welt: “Ungleiche Verbündete – Putin trifft Xi in Beijing”.
In die gleiche Richtung der anonyme German-Foreign-Policy-Autor: “Streit um den Panzerbauer – Die Bundesregierung droht aufgrund interner Differenzen den geplanten Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS zu verschleppen. Frankreich stellt bei anhaltender Blockade einen Alleingang in Aussicht. Der Streit schwillt an.”
Und damit das gequälte deutsche Rüstungskapital nicht allzu viel Angst vor Öffentlichkeit kriegen muss, verschwinden alle genannten Texte in wenigen Tagen in Paywall-Archiven.
Wenn Sie danach immer noch auf der Suche nach unabhängigen Fachinformationen sind, empfehle ich Ihnen die Tübinger Informationsstelle Militarisierung. Die arbeitet öffentlich und freut sich über freiwillige Spenden.
Robert Schwierkus/telepolis wird, wenn nicht bei heise einem Boss eine Laus über die Leber läuft, vorläufig nicht digital verschwinden:
“Die Deutsche Frage ist zurück – und Europa zittert – Deutschlands Militärmacht wächst rasant – und alte Ängste vor deutscher Hegemonie in Europa kehren mit voller Wucht zurück.”
Woher nur dieses Misstrauen? Nur wegen zwei Weltkriegen und 12 Jahren Faschismus und Völkermord?
Was in einem eindeutig “kriegstüchtigen” Land mit Meinungs- und Pressefreiheit passiert, das berichtete gestern
Antonia Groß/MDR-Altpapier: “Ist das noch SLAPP oder schon Propaganda? – Ein Journalist veröffentlicht Berichte sexualisierter Gewalt gegen palästinensische Gefangene durch israelische Sicherheitskräfte. Der verantwortliche Machthaber geht daraufhin auf das Medium los. Was sagt das über die Vorwürfe aus? Und über die PR-Strategie des Landes?” Gute Frage.
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Beides wird das Merz-Doitschland nicht kriegen können
Dass Aufrüstung irgendein ökonomisches Problem löst (“Kriegskeynsianismus”), ist eine Sau, die die profitierende Kapitallobby mit Vorliebe durch jedes Dorf treibt (für das tierfeindliche Femininum bitte ich um Entschuldigung). Immerhin sind sich die herrschenden Klassen darüber bisweilen uneinig. Intelligente Gegenkräfte, zu einer entsprechenden Analyse fähig, können das u.U. taktisch ausnutzen. Wenn Sie die irgendwo sehen, sagen Sie mir bitte Bescheid.
Selbst Donald Trump weiss, wie doof diese Sau ist. Deswegen will er den Europäer*inne*n die unübersichtlichen Kosten dafür ja aufdrücken. Der ist nicht nur doof. Denn Aufrüstungskeynsianismus löst null Folgeinvestitionen aus. Die verbrennen bei Rheinmetall und Co. und kommen nie wieder.
Darum ist ja auch die deutsch-französische Achse so kaputt. Zahlen/Investieren soll immer der Andere, hauptsache Profit fliesst in die eigenen Konten.
Jörg Kronauer und Satyajeet Malik/Junge Welt: “Rüstungsrivalität: »Deutschland braucht Drohnen« – Das deutsch-französische Rüstungsprojekt FCAS steht vor dem Aus. Nun heißt es vereinzelt, die BRD benötige gar keinen neuen Kampfjet”
Schlauer als alle zusammen mal wieder “der Chinese”, wiederum Jörg Kronauer/Junge Welt: “Ungleiche Verbündete – Putin trifft Xi in Beijing”.
In die gleiche Richtung der anonyme German-Foreign-Policy-Autor: “Streit um den Panzerbauer – Die Bundesregierung droht aufgrund interner Differenzen den geplanten Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS zu verschleppen. Frankreich stellt bei anhaltender Blockade einen Alleingang in Aussicht. Der Streit schwillt an.”
Und damit das gequälte deutsche Rüstungskapital nicht allzu viel Angst vor Öffentlichkeit kriegen muss, verschwinden alle genannten Texte in wenigen Tagen in Paywall-Archiven.
Wenn Sie danach immer noch auf der Suche nach unabhängigen Fachinformationen sind, empfehle ich Ihnen die Tübinger Informationsstelle Militarisierung. Die arbeitet öffentlich und freut sich über freiwillige Spenden.
Robert Schwierkus/telepolis wird, wenn nicht bei heise einem Boss eine Laus über die Leber läuft, vorläufig nicht digital verschwinden:
“Die Deutsche Frage ist zurück – und Europa zittert – Deutschlands Militärmacht wächst rasant – und alte Ängste vor deutscher Hegemonie in Europa kehren mit voller Wucht zurück.”
Woher nur dieses Misstrauen? Nur wegen zwei Weltkriegen und 12 Jahren Faschismus und Völkermord?
Was in einem eindeutig “kriegstüchtigen” Land mit Meinungs- und Pressefreiheit passiert, das berichtete gestern
Antonia Groß/MDR-Altpapier: “Ist das noch SLAPP oder schon Propaganda? – Ein Journalist veröffentlicht Berichte sexualisierter Gewalt gegen palästinensische Gefangene durch israelische Sicherheitskräfte. Der verantwortliche Machthaber geht daraufhin auf das Medium los. Was sagt das über die Vorwürfe aus? Und über die PR-Strategie des Landes?” Gute Frage.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Beides wird das Merz-Doitschland nicht kriegen können
Dass Aufrüstung irgendein ökonomisches Problem löst (“Kriegskeynsianismus”), ist eine Sau, die die profitierende Kapitallobby mit Vorliebe durch jedes Dorf treibt (für das tierfeindliche Femininum bitte ich um Entschuldigung). Immerhin sind sich die herrschenden Klassen darüber bisweilen uneinig. Intelligente Gegenkräfte, zu einer entsprechenden Analyse fähig, können das u.U. taktisch ausnutzen. Wenn Sie die irgendwo sehen, sagen Sie mir bitte Bescheid.
Selbst Donald Trump weiss, wie doof diese Sau ist. Deswegen will er den Europäer*inne*n die unübersichtlichen Kosten dafür ja aufdrücken. Der ist nicht nur doof. Denn Aufrüstungskeynsianismus löst null Folgeinvestitionen aus. Die verbrennen bei Rheinmetall und Co. und kommen nie wieder.
Darum ist ja auch die deutsch-französische Achse so kaputt. Zahlen/Investieren soll immer der Andere, hauptsache Profit fliesst in die eigenen Konten.
Jörg Kronauer und Satyajeet Malik/Junge Welt: “Rüstungsrivalität: »Deutschland braucht Drohnen« – Das deutsch-französische Rüstungsprojekt FCAS steht vor dem Aus. Nun heißt es vereinzelt, die BRD benötige gar keinen neuen Kampfjet”
Schlauer als alle zusammen mal wieder “der Chinese”, wiederum Jörg Kronauer/Junge Welt: “Ungleiche Verbündete – Putin trifft Xi in Beijing”.
In die gleiche Richtung der anonyme German-Foreign-Policy-Autor: “Streit um den Panzerbauer – Die Bundesregierung droht aufgrund interner Differenzen den geplanten Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS zu verschleppen. Frankreich stellt bei anhaltender Blockade einen Alleingang in Aussicht. Der Streit schwillt an.”
Und damit das gequälte deutsche Rüstungskapital nicht allzu viel Angst vor Öffentlichkeit kriegen muss, verschwinden alle genannten Texte in wenigen Tagen in Paywall-Archiven.
Wenn Sie danach immer noch auf der Suche nach unabhängigen Fachinformationen sind, empfehle ich Ihnen die Tübinger Informationsstelle Militarisierung. Die arbeitet öffentlich und freut sich über freiwillige Spenden.
Robert Schwierkus/telepolis wird, wenn nicht bei heise einem Boss eine Laus über die Leber läuft, vorläufig nicht digital verschwinden:
“Die Deutsche Frage ist zurück – und Europa zittert – Deutschlands Militärmacht wächst rasant – und alte Ängste vor deutscher Hegemonie in Europa kehren mit voller Wucht zurück.”
Woher nur dieses Misstrauen? Nur wegen zwei Weltkriegen und 12 Jahren Faschismus und Völkermord?
Was in einem eindeutig “kriegstüchtigen” Land mit Meinungs- und Pressefreiheit passiert, das berichtete gestern
Antonia Groß/MDR-Altpapier: “Ist das noch SLAPP oder schon Propaganda? – Ein Journalist veröffentlicht Berichte sexualisierter Gewalt gegen palästinensische Gefangene durch israelische Sicherheitskräfte. Der verantwortliche Machthaber geht daraufhin auf das Medium los. Was sagt das über die Vorwürfe aus? Und über die PR-Strategie des Landes?” Gute Frage.
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Qualitätsjournalismus, deutscher
“Lieber zwei als eine KI”
mit Update 19.5.
Einer der bestbezahlten deutschen Medienmanager in öffentlichen Anstalten, der langjährige Tagesschau-Chef (2003-19), Kai Gniffke, heute Intendant des SWR und Mörder der “Eisenbahnromantik”, wollte mal wieder öffentlich bemerkt werden. Die Katholiken von der gleichnamigen Nachrichtenagentur versuchen damit Abos zu werben. Wandern wir also kurz digital in der Deutschen liebstes Auswanderungsland Schweiz rüber, wo der gleiche Inhalt frei zugänglich ist:
“Kai Gniffke fordert ein Ende des Empörungsjournalismus – Die digitale Welt verändert auch die Kriterien für Qualitätsjournalismus. Ein Gespräch mit dem SWR-Intendanten und ehemaligen ARD-aktuell-Chef über Journalismus, Haltung und Technikfröhlichkeit.”
Da ist eigentlich alles drin, was Christiane Voges/telepolis auf die Palme bringt, und mich auch:
“Der neue Mediengehorsam: SWR-Intendant erklärt, wer keine Stimme verdient – ARD-Topfunktionär Kai Gniffke fordert Qualität statt Empörung und mehr KI. Über technokratische Kontrolle, Diskursverengung und Leitmedien.”
Ich hätte das Zeug garnicht bemerkt, wenn sich Frau Voges nicht so aufgeregt hätte. Viel mehr verärgert mich, was dieser Gniffke in seinem langen Chefsein in der Tagesschau angerichtet hat. Nur die Älteren, so alt oder älter als ich, werden sich noch an Dieter Gütt erinnern, der die Freiheit der Tagesschau-Redaktion noch kämpferisch verteidigt hatte. Er beging 1990 Selbstmord. Der kürzlich hier schon erwähnte Horst Königstein liess über ihn einen eigenen Film produzieren, den Sie in der ARD-Mediathek vergeblich suchen werden. Der CSU-Gesandte Edmund Gruber (1981-88) folgte ihm nach, stiess aber (noch) auf kämpferischen Widerstand der Redaktion. Er konnte weder die Tagesschau noch in den folgenden vier Jahren bis 1992 den Deutschlandfunk zerstören. Zu dieser Zeit bewies der Journalismus noch Selbstheilungskräfte. Die, soweit sie in der ARD existierten, hat erst Gniffke wirkungsvoll zerstört.
2018 profilierte sich Gniffke damit, dass er mit der AfD redete. Wem hat es mehr genützt? Ihm oder denen? Bei ihm führte es zu einem Jahresgehalt von knapp 400.000, bei der AfD zu verdoppelten Umfragewerten.
Über die AfD wird immer und überall gesprochen. Wer kennt Gniffke? Das gefällt ihm sicher nicht. Darum das bescheuerte Interview mit den Katholiken.
Datenersatz für intellektuelle Leere
Was Gniffke und seine Gesinnungsfreund*inn*e*n in den öffentlichen Anstalten an Politik und der real existierenden Gesellschaft nicht verstehen, das erklärt der Österreicher Gabriel Kuhn/Junge Welt am Beispiel des Fussballs und eines missglückten Buches über ihn (Einschub: der Bundestrainer zählt eher zu denen, die an die dort niedergelegte Datenwahrheit ganz fest glauben):
“Sportliteratur: Die Rache der Nerds – Wie die Zahlen helfen, den Fußball zu analysieren oder auch nicht: Tobias Escher schreibt »Die Zukunft des Fußballs«”.
Diesen klugen Text wird die Junge Welt in Kürze in ihrem Paywallarchiv versenken (= linksradikaler Qualitätsjournalismus).
Wo soll das alles enden?
Es endet nie.
Die derzeitigen Steuerleute in Parteien, Länderregierungen und Anstalten wollen ganz offenbar, der AfD vorauseilend, dahin, wo die USA schon sind – ein altes BRD-deutsches “bewährtes” Bewegungsgesetz der Nachkriegszeit.
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Wie geht es weiter mit Stephen Colbert? – In den USA geht der Late-Night-Host in dieser Woche zum letzten Mal auf Sendung. Sein Sender ist vor dem Präsidenten eingeknickt. Es würde in die mediale Gegenwart passen, wenn er allein weitermachte.”
Hierzulande wird ja ein Kerl, dessen Name mir einfach nicht einfallen will, der mit einem fetten ARD-Vertrag (RBB) ausgestattet ist, und das Publikum mit Jammerei, was er angeblich alles nicht mehr sagen darf, belästigt, für einen Kabarettisten gehalten.
Update 19.5.
Zum gleichen Thema mit absolut angemessener Verbitterung auch René Martens/MDR-Altpapier: “Ganz normale Medien auf ganz normalen Abwegen – In einem Interview präsentiert SWR-Intendant Kai Gniffke die sehr überraschende Sichtweise, Perspektiven der Wirtschaft seien in den Qualitätsmedien unterrepräsentiert. In der 20-Uhr-‘Tagesschau’ darf man Lynchfantasien äußern.”
Zu dem diese täglich lesenswerte Kolumne (noch) beherbergenden MDR ist eine Ergänzung erforderlich. Der AfD vorauseilend hat der Sender bekannt gegeben, in den nächsten Jahren keine “Tatorte” und “Polizeiruf 110” mehr zu produzieren. Im quotenstärksten Teil des ARD-Programms käme also noch weniger “Osten” vor. Nicht alle Wessies wären darüber unglücklich. Sehr wohl aber die, die bisher die Arbeit gemacht haben: “Ein fiktionales Großprojekt lasse sich nicht mal eben für drei Jahre einfrieren, ohne irreparablen Schaden anzurichten. Ein Film benötige langen Vorlauf für Drehbücher, Motivsuche und Team-Verpflichtungen. Das Kernproblem sehen Gröschel und Brambach in der Zerstörung gewachsener Strukturen und der existenziellen Bedrohung der Filmschaffenden”, womit die zwei sich selbst gewiss weniger meinen, als die unbeachteten Freelancer-Produktionsteams, die ihnen die Bühne bauen.
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Qualitätsjournalismus, deutscher
“Lieber zwei als eine KI”
Einer der bestbezahlten deutschen Medienmanager in öffentlichen Anstalten, der langjährige Tagesschau-Chef (2003-19), Kai Gniffke, heute Intendant des SWR und Mörder der “Eisenbahnromantik”, wollte mal wieder öffentlich bemerkt werden. Die Katholiken von der gleichnamigen Nachrichtenagentur versuchen damit Abos zu werben. Wandern wir also kurz digital in der Deutschen liebstes Auswanderungsland Schweiz rüber, wo der gleiche Inhalt frei zugänglich ist:
“Kai Gniffke fordert ein Ende des Empörungsjournalismus – Die digitale Welt verändert auch die Kriterien für Qualitätsjournalismus. Ein Gespräch mit dem SWR-Intendanten und ehemaligen ARD-aktuell-Chef über Journalismus, Haltung und Technikfröhlichkeit.”
Da ist eigentlich alles drin, was Christiane Voges/telepolis auf die Palme bringt, und mich auch:
“Der neue Mediengehorsam: SWR-Intendant erklärt, wer keine Stimme verdient – ARD-Topfunktionär Kai Gniffke fordert Qualität statt Empörung und mehr KI. Über technokratische Kontrolle, Diskursverengung und Leitmedien.”
Ich hätte das Zeug garnicht bemerkt, wenn sich Frau Voges nicht so aufgeregt hätte. Viel mehr verärgert mich, was dieser Gniffke in seinem langen Chefsein in der Tagesschau angerichtet hat. Nur die Älteren, so alt oder älter als ich, werden sich noch an Dieter Gütt erinnern, der die Freiheit der Tagesschau-Redaktion noch kämpferisch verteidigt hatte. Er beging 1990 Selbstmord. Der kürzlich hier schon erwähnte Horst Königstein liess über ihn einen eigenen Film produzieren, den Sie in der ARD-Mediathek vergeblich suchen werden. Der CSU-Gesandte Edmund Gruber (1981-88) folgte ihm nach, stiess aber (noch) auf kämpferischen Widerstand der Redaktion. Er konnte weder die Tagesschau noch in den folgenden vier Jahren bis 1992 den Deutschlandfunk zerstören. Zu dieser Zeit bewies der Journalismus noch Selbstheilungskräfte. Die, soweit sie in der ARD existierten, hat erst Gniffke wirkungsvoll zerstört.
2018 profilierte sich Gniffke damit, dass er mit der AfD redete. Wem hat es mehr genützt? Ihm oder denen? Bei ihm führte es zu einem Jahresgehalt von knapp 400.000, bei der AfD zu verdoppelten Umfragewerten.
Über die AfD wird immer und überall gesprochen. Wer kennt Gniffke? Das gefällt ihm sicher nicht. Darum das bescheuerte Interview mit den Katholiken.
Datenersatz für intellektuelle Leere
Was Gniffke und seine Gesinnungsfreund*inn*e*n in den öffentlichen Anstalten an Politik und der real existierenden Gesellschaft nicht verstehen, das erklärt der Österreicher Gabriel Kuhn/Junge Welt am Beispiel des Fussballs und eines missglückten Buches über ihn (Einschub: der Bundestrainer zählt eher zu denen, die an die dort niedergelegte Datenwahrheit ganz fest glauben):
“Sportliteratur: Die Rache der Nerds – Wie die Zahlen helfen, den Fußball zu analysieren oder auch nicht: Tobias Escher schreibt »Die Zukunft des Fußballs«”.
Diesen klugen Text wird die Junge Welt in Kürze in ihrem Paywallarchiv versenken (= linksradikaler Qualitätsjournalismus).
Wo soll das alles enden?
Es endet nie.
Die derzeitigen Steuerleute in Parteien, Länderregierungen und Anstalten wollen ganz offenbar, der AfD vorauseilend, dahin, wo die USA schon sind – ein altes BRD-deutsches “bewährtes” Bewegungsgesetz der Nachkriegszeit.
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Wie geht es weiter mit Stephen Colbert? – In den USA geht der Late-Night-Host in dieser Woche zum letzten Mal auf Sendung. Sein Sender ist vor dem Präsidenten eingeknickt. Es würde in die mediale Gegenwart passen, wenn er allein weitermachte.”
Hierzulande wird ja ein Kerl, dessen Name mir einfach nicht einfallen will, der mit einem fetten ARD-Vertrag (RBB) ausgestattet ist, und das Publikum mit Jammerei, was er angeblich alles nicht mehr sagen darf, belästigt, für einen Kabarettisten gehalten.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Qualitätsjournalismus, deutscher
“Lieber zwei als eine KI”
mit Update 19.5.
Einer der bestbezahlten deutschen Medienmanager in öffentlichen Anstalten, der langjährige Tagesschau-Chef (2003-19), Kai Gniffke, heute Intendant des SWR und Mörder der “Eisenbahnromantik”, wollte mal wieder öffentlich bemerkt werden. Die Katholiken von der gleichnamigen Nachrichtenagentur versuchen damit Abos zu werben. Wandern wir also kurz digital in der Deutschen liebstes Auswanderungsland Schweiz rüber, wo der gleiche Inhalt frei zugänglich ist:
“Kai Gniffke fordert ein Ende des Empörungsjournalismus – Die digitale Welt verändert auch die Kriterien für Qualitätsjournalismus. Ein Gespräch mit dem SWR-Intendanten und ehemaligen ARD-aktuell-Chef über Journalismus, Haltung und Technikfröhlichkeit.”
Da ist eigentlich alles drin, was Christiane Voges/telepolis auf die Palme bringt, und mich auch:
“Der neue Mediengehorsam: SWR-Intendant erklärt, wer keine Stimme verdient – ARD-Topfunktionär Kai Gniffke fordert Qualität statt Empörung und mehr KI. Über technokratische Kontrolle, Diskursverengung und Leitmedien.”
Ich hätte das Zeug garnicht bemerkt, wenn sich Frau Voges nicht so aufgeregt hätte. Viel mehr verärgert mich, was dieser Gniffke in seinem langen Chefsein in der Tagesschau angerichtet hat. Nur die Älteren, so alt oder älter als ich, werden sich noch an Dieter Gütt erinnern, der die Freiheit der Tagesschau-Redaktion noch kämpferisch verteidigt hatte. Er beging 1990 Selbstmord. Der kürzlich hier schon erwähnte Horst Königstein liess über ihn einen eigenen Film produzieren, den Sie in der ARD-Mediathek vergeblich suchen werden. Der CSU-Gesandte Edmund Gruber (1981-88) folgte ihm nach, stiess aber (noch) auf kämpferischen Widerstand der Redaktion. Er konnte weder die Tagesschau noch in den folgenden vier Jahren bis 1992 den Deutschlandfunk zerstören. Zu dieser Zeit bewies der Journalismus noch Selbstheilungskräfte. Die, soweit sie in der ARD existierten, hat erst Gniffke wirkungsvoll zerstört.
2018 profilierte sich Gniffke damit, dass er mit der AfD redete. Wem hat es mehr genützt? Ihm oder denen? Bei ihm führte es zu einem Jahresgehalt von knapp 400.000, bei der AfD zu verdoppelten Umfragewerten.
Über die AfD wird immer und überall gesprochen. Wer kennt Gniffke? Das gefällt ihm sicher nicht. Darum das bescheuerte Interview mit den Katholiken.
Datenersatz für intellektuelle Leere
Was Gniffke und seine Gesinnungsfreund*inn*e*n in den öffentlichen Anstalten an Politik und der real existierenden Gesellschaft nicht verstehen, das erklärt der Österreicher Gabriel Kuhn/Junge Welt am Beispiel des Fussballs und eines missglückten Buches über ihn (Einschub: der Bundestrainer zählt eher zu denen, die an die dort niedergelegte Datenwahrheit ganz fest glauben):
“Sportliteratur: Die Rache der Nerds – Wie die Zahlen helfen, den Fußball zu analysieren oder auch nicht: Tobias Escher schreibt »Die Zukunft des Fußballs«”.
Diesen klugen Text wird die Junge Welt in Kürze in ihrem Paywallarchiv versenken (= linksradikaler Qualitätsjournalismus).
Wo soll das alles enden?
Es endet nie.
Die derzeitigen Steuerleute in Parteien, Länderregierungen und Anstalten wollen ganz offenbar, der AfD vorauseilend, dahin, wo die USA schon sind – ein altes BRD-deutsches “bewährtes” Bewegungsgesetz der Nachkriegszeit.
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Wie geht es weiter mit Stephen Colbert? – In den USA geht der Late-Night-Host in dieser Woche zum letzten Mal auf Sendung. Sein Sender ist vor dem Präsidenten eingeknickt. Es würde in die mediale Gegenwart passen, wenn er allein weitermachte.”
Hierzulande wird ja ein Kerl, dessen Name mir einfach nicht einfallen will, der mit einem fetten ARD-Vertrag (RBB) ausgestattet ist, und das Publikum mit Jammerei, was er angeblich alles nicht mehr sagen darf, belästigt, für einen Kabarettisten gehalten.
Update 19.5.
Zum gleichen Thema mit absolut angemessener Verbitterung auch René Martens/MDR-Altpapier: “Ganz normale Medien auf ganz normalen Abwegen – In einem Interview präsentiert SWR-Intendant Kai Gniffke die sehr überraschende Sichtweise, Perspektiven der Wirtschaft seien in den Qualitätsmedien unterrepräsentiert. In der 20-Uhr-‘Tagesschau’ darf man Lynchfantasien äußern.”
Zu dem diese täglich lesenswerte Kolumne (noch) beherbergenden MDR ist eine Ergänzung erforderlich. Der AfD vorauseilend hat der Sender bekannt gegeben, in den nächsten Jahren keine “Tatorte” und “Polizeiruf 110” mehr zu produzieren. Im quotenstärksten Teil des ARD-Programms käme also noch weniger “Osten” vor. Nicht alle Wessies wären darüber unglücklich. Sehr wohl aber die, die bisher die Arbeit gemacht haben: “Ein fiktionales Großprojekt lasse sich nicht mal eben für drei Jahre einfrieren, ohne irreparablen Schaden anzurichten. Ein Film benötige langen Vorlauf für Drehbücher, Motivsuche und Team-Verpflichtungen. Das Kernproblem sehen Gröschel und Brambach in der Zerstörung gewachsener Strukturen und der existenziellen Bedrohung der Filmschaffenden”, womit die zwei sich selbst gewiss weniger meinen, als die unbeachteten Freelancer-Produktionsteams, die ihnen die Bühne bauen.
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Qualitätsjournalismus, deutscher
“Lieber zwei als eine KI”
Einer der bestbezahlten deutschen Medienmanager in öffentlichen Anstalten, der langjährige Tagesschau-Chef (2003-19), Kai Gniffke, heute Intendant des SWR und Mörder der “Eisenbahnromantik”, wollte mal wieder öffentlich bemerkt werden. Die Katholiken von der gleichnamigen Nachrichtenagentur versuchen damit Abos zu werben. Wandern wir also kurz digital in der Deutschen liebstes Auswanderungsland Schweiz rüber, wo der gleiche Inhalt frei zugänglich ist:
“Kai Gniffke fordert ein Ende des Empörungsjournalismus – Die digitale Welt verändert auch die Kriterien für Qualitätsjournalismus. Ein Gespräch mit dem SWR-Intendanten und ehemaligen ARD-aktuell-Chef über Journalismus, Haltung und Technikfröhlichkeit.”
Da ist eigentlich alles drin, was Christiane Voges/telepolis auf die Palme bringt, und mich auch:
“Der neue Mediengehorsam: SWR-Intendant erklärt, wer keine Stimme verdient – ARD-Topfunktionär Kai Gniffke fordert Qualität statt Empörung und mehr KI. Über technokratische Kontrolle, Diskursverengung und Leitmedien.”
Ich hätte das Zeug garnicht bemerkt, wenn sich Frau Voges nicht so aufgeregt hätte. Viel mehr verärgert mich, was dieser Gniffke in seinem langen Chefsein in der Tagesschau angerichtet hat. Nur die Älteren, so alt oder älter als ich, werden sich noch an Dieter Gütt erinnern, der die Freiheit der Tagesschau-Redaktion noch kämpferisch verteidigt hatte. Er beging 1990 Selbstmord. Der kürzlich hier schon erwähnte Horst Königstein liess über ihn einen eigenen Film produzieren, den Sie in der ARD-Mediathek vergeblich suchen werden. Der CSU-Gesandte Edmund Gruber (1981-88) folgte ihm nach, stiess aber (noch) auf kämpferischen Widerstand der Redaktion. Er konnte weder die Tagesschau noch in den folgenden vier Jahren bis 1992 den Deutschlandfunk zerstören. Zu dieser Zeit bewies der Journalismus noch Selbstheilungskräfte. Die, soweit sie in der ARD existierten, hat erst Gniffke wirkungsvoll zerstört.
2018 profilierte sich Gniffke damit, dass er mit der AfD redete. Wem hat es mehr genützt? Ihm oder denen? Bei ihm führte es zu einem Jahresgehalt von knapp 400.000, bei der AfD zu verdoppelten Umfragewerten.
Über die AfD wird immer und überall gesprochen. Wer kennt Gniffke? Das gefällt ihm sicher nicht. Darum das bescheuerte Interview mit den Katholiken.
Datenersatz für intellektuelle Leere
Was Gniffke und seine Gesinnungsfreund*inn*e*n in den öffentlichen Anstalten an Politik und der real existierenden Gesellschaft nicht verstehen, das erklärt der Österreicher Gabriel Kuhn/Junge Welt am Beispiel des Fussballs und eines missglückten Buches über ihn (Einschub: der Bundestrainer zählt eher zu denen, die an die dort niedergelegte Datenwahrheit ganz fest glauben):
“Sportliteratur: Die Rache der Nerds – Wie die Zahlen helfen, den Fußball zu analysieren oder auch nicht: Tobias Escher schreibt »Die Zukunft des Fußballs«”.
Diesen klugen Text wird die Junge Welt in Kürze in ihrem Paywallarchiv versenken (= linksradikaler Qualitätsjournalismus).
Wo soll das alles enden?
Es endet nie.
Die derzeitigen Steuerleute in Parteien, Länderregierungen und Anstalten wollen ganz offenbar, der AfD vorauseilend, dahin, wo die USA schon sind – ein altes BRD-deutsches “bewährtes” Bewegungsgesetz der Nachkriegszeit.
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Wie geht es weiter mit Stephen Colbert? – In den USA geht der Late-Night-Host in dieser Woche zum letzten Mal auf Sendung. Sein Sender ist vor dem Präsidenten eingeknickt. Es würde in die mediale Gegenwart passen, wenn er allein weitermachte.”
Hierzulande wird ja ein Kerl, dessen Name mir einfach nicht einfallen will, der mit einem fetten ARD-Vertrag (RBB) ausgestattet ist, und das Publikum mit Jammerei, was er angeblich alles nicht mehr sagen darf, belästigt, für einen Kabarettisten gehalten.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien. Und ausnahmsweise, fast schon sensationellerweise wurde diese Agenda von den drei Parteien SPD, Grüne und Linke gemeinsam und gleichzeitig gesetzt. Wo wären wir jetzt, wenn sie das schon getan hätten, als sie noch eine Mehrheit im Parlament hatten? Vergossene Milch. Gegen das Netzwerk des faschistoiden Oligarchen Musk konnten sie sich einigen. Und kassieren nicht wenig Gegenwind von den Rechten. Und den Dummen. Nicht alle sind beides. Leider.
Antonia Groß/MDR-Altpapier ist beides nicht: “X oder: Das Geschäft mit der Empörung – Drei Parteien verkünden, dass sie die Plattform X nicht weiter nutzen. Nachrichtenmedien berichten mehr über die Empörung, als über die Motivation für diesen Schritt. Genau das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens.”
Ebenfalls weder dumm noch rechts, aber empört, ist der alte Knut Mellenthin/Junge Welt, der eine sehr informative Ziwchenbilanz des angeblich längst beendeten Krieges der USA und Israels gegen den Iran – und der wiederum gegen die anderen Anrainer des Persischen Golfs – zieht. Lesen Sie schnell, die Junge Welt wird das in ihrem Paywallarchiv beerdigen: “Eine gewaltige Übermacht – Die USA und Israel haben dem Iran empfindliche Schläge versetzt. Dennoch gibt es Probleme mit dem Nachschub von Raketen und mit Teherans Drohnenangriffen. Eine vorläufige Bilanz des Krieges im Nahen Osten”.
Kommen beim Bundeskanzler etwa dumm und rechts zusammen? Das ist umstritten. Nicht umstritten, jedenfalls unter Demoskop*inn*en ist das: Bernd Müller/telepolis macht es jetzt so eitel wie sein Amtsvorgänger: “Friedrich Merz – der unbeliebteste Kanzler der Welt – Selbst Olaf Scholz war beliebter. Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz laut Umfragen der unpopulärste Regierungschef weltweit. Ein Leitartikel.” Die Junge Welt findet es witzig, eine Spiegel-Schlagzeile von Merz so abzuwandeln: »Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«. Wer darüber lachen kann, hat es gut.
Alternative?
Jacobin veröffentlicht eine Rede seines US-Gründers Bhaskar Sunkara: “Etwas Sozialismus im Kapitalismus ist nicht genug – Sozialismus darf nicht lediglich bedeuten, den Kapitalismus gerechter zu gestalten. Er muss auf eine Gesellschaft abzielen, in der das Überleben nicht mehr vom Markt abhängt – und in der sich die Demokratie endlich auch auf die Wirtschaft erstreckt.”
Meine Lieblings-Zwischenüberschrift ist diese: “Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.” Da finde ich mich wieder 😉
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien. Und ausnahmsweise, fast schon sensationellerweise wurde diese Agenda von den drei Parteien SPD, Grüne und Linke gemeinsam und gleichzeitig gesetzt. Wo wären wir jetzt, wenn sie das schon getan hätten, als sie noch eine Mehrheit im Parlament hatten? Vergossene Milch. Gegen das Netzwerk des faschistoiden Oligarchen Musk konnten sie sich einigen. Und kassieren nicht wenig Gegenwind von den Rechten. Und den Dummen. Nicht alle sind beides. Leider.
Antonia Groß/MDR-Altpapier ist beides nicht: “X oder: Das Geschäft mit der Empörung – Drei Parteien verkünden, dass sie die Plattform X nicht weiter nutzen. Nachrichtenmedien berichten mehr über die Empörung, als über die Motivation für diesen Schritt. Genau das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens.”
Ebenfalls weder dumm noch rechts, aber empört, ist der alte Knut Mellenthin/Junge Welt, der eine sehr informative Ziwchenbilanz des angeblich längst beendeten Krieges der USA und Israels gegen den Iran – und der wiederum gegen die anderen Anrainer des Persischen Golfs – zieht. Lesen Sie schnell, die Junge Welt wird das in ihrem Paywallarchiv beerdigen: “Eine gewaltige Übermacht – Die USA und Israel haben dem Iran empfindliche Schläge versetzt. Dennoch gibt es Probleme mit dem Nachschub von Raketen und mit Teherans Drohnenangriffen. Eine vorläufige Bilanz des Krieges im Nahen Osten”.
Kommen beim Bundeskanzler etwa dumm und rechts zusammen? Das ist umstritten. Nicht umstritten, jedenfalls unter Demoskop*inn*en ist das: Bernd Müller/telepolis macht es jetzt so eitel wie sein Amtsvorgänger: “Friedrich Merz – der unbeliebteste Kanzler der Welt – Selbst Olaf Scholz war beliebter. Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz laut Umfragen der unpopulärste Regierungschef weltweit. Ein Leitartikel.” Die Junge Welt findet es witzig, eine Spiegel-Schlagzeile von Merz so abzuwandeln: »Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«. Wer darüber lachen kann, hat es gut.
Alternative?
Jacobin veröffentlicht eine Rede seines US-Gründers Bhaskar Sunkara: “Etwas Sozialismus im Kapitalismus ist nicht genug – Sozialismus darf nicht lediglich bedeuten, den Kapitalismus gerechter zu gestalten. Er muss auf eine Gesellschaft abzielen, in der das Überleben nicht mehr vom Markt abhängt – und in der sich die Demokratie endlich auch auf die Wirtschaft erstreckt.”
Meine Lieblings-Zwischenüberschrift ist diese: “Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.” Da finde ich mich wieder 😉
-
Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien. Und ausnahmsweise, fast schon sensationellerweise wurde diese Agenda von den drei Parteien SPD, Grüne und Linke gemeinsam und gleichzeitig gesetzt. Wo wären wir jetzt, wenn sie das schon getan hätten, als sie noch eine Mehrheit im Parlament hatten? Vergossene Milch. Gegen das Netzwerk des faschistoiden Oligarchen Musk konnten sie sich einigen. Und kassieren nicht wenig Gegenwind von den Rechten. Und den Dummen. Nicht alle sind beides. Leider.
Antonia Groß/MDR-Altpapier ist beides nicht: “X oder: Das Geschäft mit der Empörung – Drei Parteien verkünden, dass sie die Plattform X nicht weiter nutzen. Nachrichtenmedien berichten mehr über die Empörung, als über die Motivation für diesen Schritt. Genau das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens.”
Ebenfalls weder dumm noch rechts, aber empört, ist der alte Knut Mellenthin/Junge Welt, der eine sehr informative Ziwchenbilanz des angeblich längst beendeten Krieges der USA und Israels gegen den Iran – und der wiederum gegen die anderen Anrainer des Persischen Golfs – zieht. Lesen Sie schnell, die Junge Welt wird das in ihrem Paywallarchiv beerdigen: “Eine gewaltige Übermacht – Die USA und Israel haben dem Iran empfindliche Schläge versetzt. Dennoch gibt es Probleme mit dem Nachschub von Raketen und mit Teherans Drohnenangriffen. Eine vorläufige Bilanz des Krieges im Nahen Osten”.
Kommen beim Bundeskanzler etwa dumm und rechts zusammen? Das ist umstritten. Nicht umstritten, jedenfalls unter Demoskop*inn*en ist das: Bernd Müller/telepolis macht es jetzt so eitel wie sein Amtsvorgänger: “Friedrich Merz – der unbeliebteste Kanzler der Welt – Selbst Olaf Scholz war beliebter. Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz laut Umfragen der unpopulärste Regierungschef weltweit. Ein Leitartikel.” Die Junge Welt findet es witzig, eine Spiegel-Schlagzeile von Merz so abzuwandeln: »Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«. Wer darüber lachen kann, hat es gut.
Alternative?
Jacobin veröffentlicht eine Rede seines US-Gründers Bhaskar Sunkara: “Etwas Sozialismus im Kapitalismus ist nicht genug – Sozialismus darf nicht lediglich bedeuten, den Kapitalismus gerechter zu gestalten. Er muss auf eine Gesellschaft abzielen, in der das Überleben nicht mehr vom Markt abhängt – und in der sich die Demokratie endlich auch auf die Wirtschaft erstreckt.”
Meine Lieblings-Zwischenüberschrift ist diese: “Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.” Da finde ich mich wieder 😉
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Die grösste Stadt in der grössten Staatsmacht ist zum Labor der Linken geworden
Doch zunächst das Negative. Wie Sie wissen, bin ich ein Freund der Kritik an dem Medium, das den Namen Spiegel trägt. Eine zunehmende Zahl von Dummköpfen ist dabei der Ansicht, es sei egal, ob diese Kritik rechts oder links sei. Sie machen das Medium zum Popanz, statt die Politik, die von diesem Medium nur repräsentiert und bedient wird. So wie der Kollege Roberto De Lapuente beim Westend-Verlag.
Gemäss der Zielgruppenstrategie seines Verlages versucht er sowohl BSW- als auch AfD-Wähler*innen zu bedienen, die ausweislich eigener Online-Umfragen die Mehrheit unter seinen Leser’inne’n stellen. Und sein Text fungiert als Werbeumfeld der Verlagsreklame “Ulf Poschardt legt nach”. Das ist der Porschefahrer und leitende Angestellte des Springerkonzerns, der unersättlich mit den Publikationsmöglichkeiten bei seinem Konzernarbeitgeber nicht ausgelastet ist.
Lapuente bringt es fertig, die Nazi-Kontinuitäten, die Spiegel-Gründer Augstein persönlich organisiert hat, in seiner Analyse wegzulassen. Das allein ist schon hohe Propagandakunst. Kunstvoll unterschiebt er sein eigenes Politikbild von der Gleichsetzung “kritischer Masse” mit den “Querdenkern”, “Schwurblern” und “rechtsoffen”. Ohne Belegstelle sind es schlicht seine eigenen Bilder, die er da malt.
“Die damaligen Reformjahre (gemeint: Schröders Agenda 2010 und die Unterstützung des Spiegel) haben maßgeblich zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen, sie haben das alte Vertrauensverhältnis vieler Bundesbürger in ihren Staat erodieren lassen – es entstand ein politisches Vakuum, in das letztendlich die AfD vorstieß.” Zackzack, so klar und einfach, dass Julia Ruhs vor Neid erblassen wird: die gute alte BRD wurde von Schröder und dem Spiegel “gespalten”. “Dann entschloss man sich, einen aggressiveren Grippevirus mit einer Pandemie zu küren.” Arrividerci Wissenschaft! So einfach ist die Welt beim Verzicht auf materialistische Analyse unter Verwendung der guten alten Gut-und-Böse-Bilder. In den 60ern und 70ern habe ich sowas noch von katholischen Kanzeln gehört.
Der Feind für Herrn Lapuente und Westend ist also weder das Kapital noch Springer, sondern die genossenschaftliche Spiegel-Mitarbeiter-KG. Warum mächtige Gegner, wenn es auch Leichte gibt? Ich bin ja auch dafür, dass Borussia Mönchengladbach freiwillig in die spannendere 2. Liga geht.
Labor New York City
Welch ein Kontrast zu dieser selbstkritischen Abhandlung:
Peter Frase/Jacobin: “Regieren im Kapitalismus ist widersprüchlich – auch bei Mamdani – Was passiert, wenn ein Sozialist plötzlich die größte Stadt der USA regiert? Zohran Mamdani konnte seit Beginn seiner Amtszeit einige Erfolge verbuchen. Aber es wurde auch klar, wie viele Kompromisse sozialistische Politik im bürgerlichen Staat verlangt.”
Die bedauernswerte Mehrheit der dummen Linken würde diese Diskussionen am liebsten überhaupt nicht führen. Sie sind schmerzhaft und anstrengend. Ich habe sie sowohl bei den Jungdemokraten als auch bei den Grünen geführt (und nicht nur da). Für linke Politik im real existierenden Kapitalismus sind sie keine Kür, sondern Pflicht. Wer sie vermeidet, scheidet aus, selbstgewählt.
Es wird nicht ausreichen, von Mitteleuropa gebannt nach New York City zu starren und bis zum Schlusspfiff zu warten, wie es ausgeht. Das gleicht dem im-Stich-lassen, wie es früher zu Vietnam oder Nicaragua gespielt wurde. Besser lief es im Kampf gegen das Rassistenregime in Südafrika, der im besten Sinne internationalisiert war – staatlich und gesellschaftlich.
Wer nur nach New York starrt, übersieht den heraufziehenden europäischen Faschismus. Wollen die Linken so doof bleiben, wie es konservative und andere bürgerliche Demokrat*inn*en in Deutschland schon immer waren? Wenn er dann bemerkt wird, ist es zu spät.
Bonus: Wal-Betrachtung
Der in die Ostsee verirrte Wal wurde zum Indiz für den Zustand der real existierenden Aufmerksamkeitsökonomie. Matthias Becker/telepolis ist dazu eine im besten Sinne materialistisch-ökologische Betrachtung gelungen:
“Bye bye Timmy: Praktizierte Tierliebe im Anthropozän – Tierschutz zwischen Klimakrise und Ideologie: Ein Buckelwal, viele Deutungen – wie rechte Narrative, Aktivismus und ökologische Realität aufeinandertreffen.”
-
Die grösste Stadt in der grössten Staatsmacht ist zum Labor der Linken geworden
Doch zunächst das Negative. Wie Sie wissen, bin ich ein Freund der Kritik an dem Medium, das den Namen Spiegel trägt. Eine zunehmende Zahl von Dummköpfen ist dabei der Ansicht, es sei egal, ob diese Kritik rechts oder links sei. Sie machen das Medium zum Popanz, statt die Politik, die von diesem Medium nur repräsentiert und bedient wird. So wie der Kollege Roberto De Lapuente beim Westend-Verlag.
Gemäss der Zielgruppenstrategie seines Verlages versucht er sowohl BSW- als auch AfD-Wähler*innen zu bedienen, die ausweislich eigener Online-Umfragen die Mehrheit unter seinen Leser’inne’n stellen. Und sein Text fungiert als Werbeumfeld der Verlagsreklame “Ulf Poschardt legt nach”. Das ist der Porschefahrer und leitende Angestellte des Springerkonzerns, der unersättlich mit den Publikationsmöglichkeiten bei seinem Konzernarbeitgeber nicht ausgelastet ist.
Lapuente bringt es fertig, die Nazi-Kontinuitäten, die Spiegel-Gründer Augstein persönlich organisiert hat, in seiner Analyse wegzulassen. Das allein ist schon hohe Propagandakunst. Kunstvoll unterschiebt er sein eigenes Politikbild von der Gleichsetzung “kritischer Masse” mit den “Querdenkern”, “Schwurblern” und “rechtsoffen”. Ohne Belegstelle sind es schlicht seine eigenen Bilder, die er da malt.
“Die damaligen Reformjahre (gemeint: Schröders Agenda 2010 und die Unterstützung des Spiegel) haben maßgeblich zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen, sie haben das alte Vertrauensverhältnis vieler Bundesbürger in ihren Staat erodieren lassen – es entstand ein politisches Vakuum, in das letztendlich die AfD vorstieß.” Zackzack, so klar und einfach, dass Julia Ruhs vor Neid erblassen wird: die gute alte BRD wurde von Schröder und dem Spiegel “gespalten”. “Dann entschloss man sich, einen aggressiveren Grippevirus mit einer Pandemie zu küren.” Arrividerci Wissenschaft! So einfach ist die Welt beim Verzicht auf materialistische Analyse unter Verwendung der guten alten Gut-und-Böse-Bilder. In den 60ern und 70ern habe ich sowas noch von katholischen Kanzeln gehört.
Der Feind für Herrn Lapuente und Westend ist also weder das Kapital noch Springer, sondern die genossenschaftliche Spiegel-Mitarbeiter-KG. Warum mächtige Gegner, wenn es auch Leichte gibt? Ich bin ja auch dafür, dass Borussia Mönchengladbach freiwillig in die spannendere 2. Liga geht.
Labor New York City
Welch ein Kontrast zu dieser selbstkritischen Abhandlung:
Peter Frase/Jacobin: “Regieren im Kapitalismus ist widersprüchlich – auch bei Mamdani – Was passiert, wenn ein Sozialist plötzlich die größte Stadt der USA regiert? Zohran Mamdani konnte seit Beginn seiner Amtszeit einige Erfolge verbuchen. Aber es wurde auch klar, wie viele Kompromisse sozialistische Politik im bürgerlichen Staat verlangt.”
Die bedauernswerte Mehrheit der dummen Linken würde diese Diskussionen am liebsten überhaupt nicht führen. Sie sind schmerzhaft und anstrengend. Ich habe sie sowohl bei den Jungdemokraten als auch bei den Grünen geführt (und nicht nur da). Für linke Politik im real existierenden Kapitalismus sind sie keine Kür, sondern Pflicht. Wer sie vermeidet, scheidet aus, selbstgewählt.
Es wird nicht ausreichen, von Mitteleuropa gebannt nach New York City zu starren und bis zum Schlusspfiff zu warten, wie es ausgeht. Das gleicht dem im-Stich-lassen, wie es früher zu Vietnam oder Nicaragua gespielt wurde. Besser lief es im Kampf gegen das Rassistenregime in Südafrika, der im besten Sinne internationalisiert war – staatlich und gesellschaftlich.
Wer nur nach New York starrt, übersieht den heraufziehenden europäischen Faschismus. Wollen die Linken so doof bleiben, wie es konservative und andere bürgerliche Demokrat*inn*en in Deutschland schon immer waren? Wenn er dann bemerkt wird, ist es zu spät.
Bonus: Wal-Betrachtung
Der in die Ostsee verirrte Wal wurde zum Indiz für den Zustand der real existierenden Aufmerksamkeitsökonomie. Matthias Becker/telepolis ist dazu eine im besten Sinne materialistisch-ökologische Betrachtung gelungen:
“Bye bye Timmy: Praktizierte Tierliebe im Anthropozän – Tierschutz zwischen Klimakrise und Ideologie: Ein Buckelwal, viele Deutungen – wie rechte Narrative, Aktivismus und ökologische Realität aufeinandertreffen.”
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Eitelkeit führt hinter die Fichte
Ein Chomsky-Verteidiger kann seinen Furor so wenig zügeln, wie die Verurteiler*innen
So ähnlich hatte ich mir die Konstellation schon gedacht, ohne mich vertieft damit beschäftigt zu haben. Die Epstein-Chomsky-Verbindung habe ich hier nur einmal behandelt. Weil ich Respekt vor dem politischen Intellektuellen Chomsky hatte und habe, aber mich nie zu seinen Jüngern und Verehrer*inne*n gezählt habe. Hier also die etwas fanatisch geratene Verteidigungsschrift:
David Goeßmann/telepolis: “Warum Linke bereit sind, Noam Chomsky in die Epstein-Hölle zu verbannen – Engste Weggefährten lassen den 97-jährigen Chomsky fallen – dabei hält die Empörung über seine Epstein-Kontakte einer Faktenprüfung kaum stand.”
Wie immer wird auch hier ein Popanz namens “die Linke” konstruiert, auf eine faktenstarke Definition, wo und wie die im wahren politischen Leben als Kollektiv existiert, aber bewusst verzichtet, weil sonst die Statik des Textes schnell zusammenfällt. Übrig bleibt dann eine Busspredigt an ein paar Individuen, die vom Autor nicht minder an die Wand genagelt werden, wie es diese mit Chomsky getan haben.
Diese Art des Disputierens ist eben selbst ein Produkt des hegemonialen Neoliberalismus – jede*r kämpft für sich selbst (als “Marke”!) gegen alle andern. Denn sonst wäre ja Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft nötig. Differenzierung clickt nicht.
Als Tatsachen bleiben übrig: Chomsky war, wie seine Gattin schon ausgeführt hat, der Figur Epstein gegenüber zu naiv und leichtgläubig, hat sich von ihm reinlegen lassen. Dazu gehören immer mindestens zwei. Und Chomsky hat sich von der gesellschaftlich relevanten #metoo-Bewegung abhängen lassen; er hat ihre gesellschaftliche Basis und Kraft so unterschätzt, wie er es gegenüber Epstein getan hat. In meinen Augen in seinem reifen Alter verzeihlich. Ich erinnere hieran.
It’s the system, stupid!
-
Eitelkeit führt hinter die Fichte
Ein Chomsky-Verteidiger kann seinen Furor so wenig zügeln, wie die Verurteiler*innen
So ähnlich hatte ich mir die Konstellation schon gedacht, ohne mich vertieft damit beschäftigt zu haben. Die Epstein-Chomsky-Verbindung habe ich hier nur einmal behandelt. Weil ich Respekt vor dem politischen Intellektuellen Chomsky hatte und habe, aber mich nie zu seinen Jüngern und Verehrer*inne*n gezählt habe. Hier also die etwas fanatisch geratene Verteidigungsschrift:
David Goeßmann/telepolis: “Warum Linke bereit sind, Noam Chomsky in die Epstein-Hölle zu verbannen – Engste Weggefährten lassen den 97-jährigen Chomsky fallen – dabei hält die Empörung über seine Epstein-Kontakte einer Faktenprüfung kaum stand.”
Wie immer wird auch hier ein Popanz namens “die Linke” konstruiert, auf eine faktenstarke Definition, wo und wie die im wahren politischen Leben als Kollektiv existiert, aber bewusst verzichtet, weil sonst die Statik des Textes schnell zusammenfällt. Übrig bleibt dann eine Busspredigt an ein paar Individuen, die vom Autor nicht minder an die Wand genagelt werden, wie es diese mit Chomsky getan haben.
Diese Art des Disputierens ist eben selbst ein Produkt des hegemonialen Neoliberalismus – jede*r kämpft für sich selbst (als “Marke”!) gegen alle andern. Denn sonst wäre ja Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft nötig. Differenzierung clickt nicht.
Als Tatsachen bleiben übrig: Chomsky war, wie seine Gattin schon ausgeführt hat, der Figur Epstein gegenüber zu naiv und leichtgläubig, hat sich von ihm reinlegen lassen. Dazu gehören immer mindestens zwei. Und Chomsky hat sich von der gesellschaftlich relevanten #metoo-Bewegung abhängen lassen; er hat ihre gesellschaftliche Basis und Kraft so unterschätzt, wie er es gegenüber Epstein getan hat. In meinen Augen in seinem reifen Alter verzeihlich. Ich erinnere hieran.
It’s the system, stupid!
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Eitelkeit führt hinter die Fichte
Ein Chomsky-Verteidiger kann seinen Furor so wenig zügeln, wie die Verurteiler*innen
So ähnlich hatte ich mir die Konstellation schon gedacht, ohne mich vertieft damit beschäftigt zu haben. Die Epstein-Chomsky-Verbindung habe ich hier nur einmal behandelt. Weil ich Respekt vor dem politischen Intellektuellen Chomsky hatte und habe, aber mich nie zu seinen Jüngern und Verehrer*inne*n gezählt habe. Hier also die etwas fanatisch geratene Verteidigungsschrift:
David Goeßmann/telepolis: “Warum Linke bereit sind, Noam Chomsky in die Epstein-Hölle zu verbannen – Engste Weggefährten lassen den 97-jährigen Chomsky fallen – dabei hält die Empörung über seine Epstein-Kontakte einer Faktenprüfung kaum stand.”
Wie immer wird auch hier ein Popanz namens “die Linke” konstruiert, auf eine faktenstarke Definition, wo und wie die im wahren politischen Leben als Kollektiv existiert, aber bewusst verzichtet, weil sonst die Statik des Textes schnell zusammenfällt. Übrig bleibt dann eine Busspredigt an ein paar Individuen, die vom Autor nicht minder an die Wand genagelt werden, wie es diese mit Chomsky getan haben.
Diese Art des Disputierens ist eben selbst ein Produkt des hegemonialen Neoliberalismus – jede*r kämpft für sich selbst (als “Marke”!) gegen alle andern. Denn sonst wäre ja Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft nötig. Differenzierung clickt nicht.
Als Tatsachen bleiben übrig: Chomsky war, wie seine Gattin schon ausgeführt hat, der Figur Epstein gegenüber zu naiv und leichtgläubig, hat sich von ihm reinlegen lassen. Dazu gehören immer mindestens zwei. Und Chomsky hat sich von der gesellschaftlich relevanten #metoo-Bewegung abhängen lassen; er hat ihre gesellschaftliche Basis und Kraft so unterschätzt, wie er es gegenüber Epstein getan hat. In meinen Augen in seinem reifen Alter verzeihlich. Ich erinnere hieran.
It’s the system, stupid!
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Eitelkeit führt hinter die Fichte
Ein Chomsky-Verteidiger kann seinen Furor so wenig zügeln, wie die Verurteiler*innen
So ähnlich hatte ich mir die Konstellation schon gedacht, ohne mich vertieft damit beschäftigt zu haben. Die Epstein-Chomsky-Verbindung habe ich hier nur einmal behandelt. Weil ich Respekt vor dem politischen Intellektuellen Chomsky hatte und habe, aber mich nie zu seinen Jüngern und Verehrer*inne*n gezählt habe. Hier also die etwas fanatisch geratene Verteidigungsschrift:
David Goeßmann/telepolis: “Warum Linke bereit sind, Noam Chomsky in die Epstein-Hölle zu verbannen – Engste Weggefährten lassen den 97-jährigen Chomsky fallen – dabei hält die Empörung über seine Epstein-Kontakte einer Faktenprüfung kaum stand.”
Wie immer wird auch hier ein Popanz namens “die Linke” konstruiert, auf eine faktenstarke Definition, wo und wie die im wahren politischen Leben als Kollektiv existiert, aber bewusst verzichtet, weil sonst die Statik des Textes schnell zusammenfällt. Übrig bleibt dann eine Busspredigt an ein paar Individuen, die vom Autor nicht minder an die Wand genagelt werden, wie es diese mit Chomsky getan haben.
Diese Art des Disputierens ist eben selbst ein Produkt des hegemonialen Neoliberalismus – jede*r kämpft für sich selbst (als “Marke”!) gegen alle andern. Denn sonst wäre ja Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft nötig. Differenzierung clickt nicht.
Als Tatsachen bleiben übrig: Chomsky war, wie seine Gattin schon ausgeführt hat, der Figur Epstein gegenüber zu naiv und leichtgläubig, hat sich von ihm reinlegen lassen. Dazu gehören immer mindestens zwei. Und Chomsky hat sich von der gesellschaftlich relevanten #metoo-Bewegung abhängen lassen; er hat ihre gesellschaftliche Basis und Kraft so unterschätzt, wie er es gegenüber Epstein getan hat. In meinen Augen in seinem reifen Alter verzeihlich. Ich erinnere hieran.
It’s the system, stupid!
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Iran, Sachsen-Anhalt, SPD, Autoindustrie – alle bedroht
Benjamin Roth/telepolis interviewt den hier schon erwähnten Saman Mahdevar: “‘Kriegskritische Stimmen aus dem Iran sind häufig komplexer’ – Über die Auswirkungen des Kriegs gegen den Iran, die Verzerrungen der deutschen Berichterstattung und die Lage vor Ort.” Das mit der “Komplexität” ist bekanntlich auch hierzulande ein komplexes Problem, bis in die Regierungsspitze.
Der Kern von Mahdevars kluger Botschaft lautet: “Autoritäre Herrschaft entzieht den Menschen die Möglichkeit, über ihr eigenes Leben und ihre politische Ordnung zu bestimmen. Krieg tut etwas sehr Ähnliches von außen: Er zerstört die materiellen und sozialen Grundlagen, die notwendig sind, um kollektiv handeln zu können.”
Ein Zwergstaat von der Grösse Hamburgs (oder zwei Saarlands)
Diese Erkenntnis ist noch nicht bis ins deutsche Sachsen-Anhalt vorgedrungen. Das liegt gewiss auch, aber nicht nur an den Lehrern. Ein Lehrer, Wolfram Janzen, bemüht sich an gleicher Stelle vor der AfD zu warnen: “Was die AfD für Sachsen-Anhalt plant – und warum kaum jemand darüber spricht – Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt erstmals allein regieren. Ihr 138-seitiges Programm enthüllt, was das konkret bedeuten würde.”
Ich persönlich finde es bedenklich, wenn es ein Lehrer nicht kürzer und prägnanter schafft. Das macht den Widerstand gegen Rechts nicht stärker, leider. Unter den geschilderten Umständen fände ich “ein ‘politisch souveränes’ Sachsen-Anhalt” gar keine so schlechte Idee. Spätestens, wenn es den MDR-Staatsvertrag kündigt, könnten wir daraus ein deutsches Lesotho machen; an Polen übergeben wird scheitern, an Russland dürfte nicht durchsetzbar sein. Die durchrasenden ICEs müssten u.U. umgeleitet werden, Hamburg-Berlin wird doch gerade schon saniert.
Verschwindende Sozialdemokratie
Bei der SPD sieht es noch schlimmer aus, als in Sachsen-Anhalt. Sie droht zu verschwinden. Und das, obwohl es in ihren Reihen kluge, sogar bezahlte, Leute gibt, wie z.B. Henrik Meyer/ipg-Journal: “Sind sie noch zu retten? – In Mitteleuropa verschwindet eine sozialdemokratische Partei nach der anderen von der Landkarte. In Westeuropa könnte ein ähnliches Schicksal drohen.”
Die amtierende Partei- und Fraktionsführung hat sicher gar keine Zeit mehr, das zu lesen. Geschweige denn das.
Fahrende Bunker und Weihnachtsbäume auf Rädern
Paolo Tumminelli kannte ich bisher nicht. Dabei sitzt er hier um die Ecke im nahegelegenen Dorf Köln (nahegelegen mit dem Fahrrad, mit der Bahn eher schon eine Fernreise). Der Mann hat bei der FAZ-Paywall eine anregende Geschichte der deutschen Autokultur von nachm Krieg bis heute abgeliefert.
“Design von Autos: Wo die deutsche Automobilindustrie falsch abgebogen ist – Arroganz und Ignoranz statt Leidenschaft: Wer braucht noch die Designs der deutschen Automobilindustrie? Die Fehleranalyse eines Design-Professors.”
Die FAZ gibt online eine “Lesezeit 13 min.” an. Die könnten kurzweiliger nicht sein. Ein Professor, der sehr gut schreiben kann. Ein Kollege von ihm war sehr amüsiert, dass er nun als Rentner kritisch geworden sei. Es ist nie zu spät 😉
Ich habe mir den Text gesichert, und stelle ihn gerne auf individuelle Anfrage und nur zum persönlichen Gebrauch – ich will ja keine Gesetze brechen, die FAZ hat teure Anwälte – zum Mitlesen zur Verfügung.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Iran, Sachsen-Anhalt, SPD, Autoindustrie – alle bedroht
Benjamin Roth/telepolis interviewt den hier schon erwähnten Saman Mahdevar: “‘Kriegskritische Stimmen aus dem Iran sind häufig komplexer’ – Über die Auswirkungen des Kriegs gegen den Iran, die Verzerrungen der deutschen Berichterstattung und die Lage vor Ort.” Das mit der “Komplexität” ist bekanntlich auch hierzulande ein komplexes Problem, bis in die Regierungsspitze.
Der Kern von Mahdevars kluger Botschaft lautet: “Autoritäre Herrschaft entzieht den Menschen die Möglichkeit, über ihr eigenes Leben und ihre politische Ordnung zu bestimmen. Krieg tut etwas sehr Ähnliches von außen: Er zerstört die materiellen und sozialen Grundlagen, die notwendig sind, um kollektiv handeln zu können.”
Ein Zwergstaat von der Grösse Hamburgs (oder zwei Saarlands)
Diese Erkenntnis ist noch nicht bis ins deutsche Sachsen-Anhalt vorgedrungen. Das liegt gewiss auch, aber nicht nur an den Lehrern. Ein Lehrer, Wolfram Janzen, bemüht sich an gleicher Stelle vor der AfD zu warnen: “Was die AfD für Sachsen-Anhalt plant – und warum kaum jemand darüber spricht – Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt erstmals allein regieren. Ihr 138-seitiges Programm enthüllt, was das konkret bedeuten würde.”
Ich persönlich finde es bedenklich, wenn es ein Lehrer nicht kürzer und prägnanter schafft. Das macht den Widerstand gegen Rechts nicht stärker, leider. Unter den geschilderten Umständen fände ich “ein ‘politisch souveränes’ Sachsen-Anhalt” gar keine so schlechte Idee. Spätestens, wenn es den MDR-Staatsvertrag kündigt, könnten wir daraus ein deutsches Lesotho machen; an Polen übergeben wird scheitern, an Russland dürfte nicht durchsetzbar sein. Die durchrasenden ICEs müssten u.U. umgeleitet werden, Hamburg-Berlin wird doch gerade schon saniert.
Verschwindende Sozialdemokratie
Bei der SPD sieht es noch schlimmer aus, als in Sachsen-Anhalt. Sie droht zu verschwinden. Und das, obwohl es in ihren Reihen kluge, sogar bezahlte, Leute gibt, wie z.B. Henrik Meyer/ipg-Journal: “Sind sie noch zu retten? – In Mitteleuropa verschwindet eine sozialdemokratische Partei nach der anderen von der Landkarte. In Westeuropa könnte ein ähnliches Schicksal drohen.”
Die amtierende Partei- und Fraktionsführung hat sicher gar keine Zeit mehr, das zu lesen. Geschweige denn das.
Fahrende Bunker und Weihnachtsbäume auf Rädern
Paolo Tumminelli kannte ich bisher nicht. Dabei sitzt er hier um die Ecke im nahegelegenen Dorf Köln (nahegelegen mit dem Fahrrad, mit der Bahn eher schon eine Fernreise). Der Mann hat bei der FAZ-Paywall eine anregende Geschichte der deutschen Autokultur von nachm Krieg bis heute abgeliefert.
“Design von Autos: Wo die deutsche Automobilindustrie falsch abgebogen ist – Arroganz und Ignoranz statt Leidenschaft: Wer braucht noch die Designs der deutschen Automobilindustrie? Die Fehleranalyse eines Design-Professors.”
Die FAZ gibt online eine “Lesezeit 13 min.” an. Die könnten kurzweiliger nicht sein. Ein Professor, der sehr gut schreiben kann. Ein Kollege von ihm war sehr amüsiert, dass er nun als Rentner kritisch geworden sei. Es ist nie zu spät 😉
Ich habe mir den Text gesichert, und stelle ihn gerne auf individuelle Anfrage und nur zum persönlichen Gebrauch – ich will ja keine Gesetze brechen, die FAZ hat teure Anwälte – zum Mitlesen zur Verfügung.
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Iran, Sachsen-Anhalt, SPD, Autoindustrie – alle bedroht
Benjamin Roth/telepolis interviewt den hier schon erwähnten Saman Mahdevar: “‘Kriegskritische Stimmen aus dem Iran sind häufig komplexer’ – Über die Auswirkungen des Kriegs gegen den Iran, die Verzerrungen der deutschen Berichterstattung und die Lage vor Ort.” Das mit der “Komplexität” ist bekanntlich auch hierzulande ein komplexes Problem, bis in die Regierungsspitze.
Der Kern von Mahdevars kluger Botschaft lautet: “Autoritäre Herrschaft entzieht den Menschen die Möglichkeit, über ihr eigenes Leben und ihre politische Ordnung zu bestimmen. Krieg tut etwas sehr Ähnliches von außen: Er zerstört die materiellen und sozialen Grundlagen, die notwendig sind, um kollektiv handeln zu können.”
Ein Zwergstaat von der Grösse Hamburgs (oder zwei Saarlands)
Diese Erkenntnis ist noch nicht bis ins deutsche Sachsen-Anhalt vorgedrungen. Das liegt gewiss auch, aber nicht nur an den Lehrern. Ein Lehrer, Wolfram Janzen, bemüht sich an gleicher Stelle vor der AfD zu warnen: “Was die AfD für Sachsen-Anhalt plant – und warum kaum jemand darüber spricht – Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt erstmals allein regieren. Ihr 138-seitiges Programm enthüllt, was das konkret bedeuten würde.”
Ich persönlich finde es bedenklich, wenn es ein Lehrer nicht kürzer und prägnanter schafft. Das macht den Widerstand gegen Rechts nicht stärker, leider. Unter den geschilderten Umständen fände ich “ein ‘politisch souveränes’ Sachsen-Anhalt” gar keine so schlechte Idee. Spätestens, wenn es den MDR-Staatsvertrag kündigt, könnten wir daraus ein deutsches Lesotho machen; an Polen übergeben wird scheitern, an Russland dürfte nicht durchsetzbar sein. Die durchrasenden ICEs müssten u.U. umgeleitet werden, Hamburg-Berlin wird doch gerade schon saniert.
Verschwindende Sozialdemokratie
Bei der SPD sieht es noch schlimmer aus, als in Sachsen-Anhalt. Sie droht zu verschwinden. Und das, obwohl es in ihren Reihen kluge, sogar bezahlte, Leute gibt, wie z.B. Henrik Meyer/ipg-Journal: “Sind sie noch zu retten? – In Mitteleuropa verschwindet eine sozialdemokratische Partei nach der anderen von der Landkarte. In Westeuropa könnte ein ähnliches Schicksal drohen.”
Die amtierende Partei- und Fraktionsführung hat sicher gar keine Zeit mehr, das zu lesen. Geschweige denn das.
Fahrende Bunker und Weihnachtsbäume auf Rädern
Paolo Tumminelli kannte ich bisher nicht. Dabei sitzt er hier um die Ecke im nahegelegenen Dorf Köln (nahegelegen mit dem Fahrrad, mit der Bahn eher schon eine Fernreise). Der Mann hat bei der FAZ-Paywall eine anregende Geschichte der deutschen Autokultur von nachm Krieg bis heute abgeliefert.
“Design von Autos: Wo die deutsche Automobilindustrie falsch abgebogen ist – Arroganz und Ignoranz statt Leidenschaft: Wer braucht noch die Designs der deutschen Automobilindustrie? Die Fehleranalyse eines Design-Professors.”
Die FAZ gibt online eine “Lesezeit 13 min.” an. Die könnten kurzweiliger nicht sein. Ein Professor, der sehr gut schreiben kann. Ein Kollege von ihm war sehr amüsiert, dass er nun als Rentner kritisch geworden sei. Es ist nie zu spät 😉
Ich habe mir den Text gesichert, und stelle ihn gerne auf individuelle Anfrage und nur zum persönlichen Gebrauch – ich will ja keine Gesetze brechen, die FAZ hat teure Anwälte – zum Mitlesen zur Verfügung.
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Von China, Mali, USA bis ganz unten, nach Mönchengladbach
Den Kerl habe ich noch nie beim Talkshow-Trash gesehen. Das spricht für ihn. Peter Korig (Interview)/Jungle World sprach mit “Daniel Fuchs, Sinologe, im Gespräch über soziale Konflikte in China: »Es gibt eine lebhafte Streikkultur« – Immobilienkrise, schwacher Konsum und hohe Jugendarbeitslosigkeit setzen Chinas Wirtschaft unter Druck. Die Führung will mit einem neuen Fünfjahresplan technologische Eigenständigkeit und »hochwertige Entwicklung« fördern. Ein Gespräch mit dem Sinologen Daniel Fuchs über strukturelle Probleme von Gesellschaft und Wirtschaft sowie Konflikte wegen schlechter Arbeitsbedingungen in China.”
Unverständlich bleibt für mich – der Interviewer hat auch nicht danach gefragt – warum die demografische Entwicklung Chinas keinen Eingang in das ansonsten informative Gespräch fand. Ich gehe sicher davon aus, dass die Staatsführung das Thema im Blick hat. Jedoch keineswegs seine Kontrolle und Steuerung. Wäre eine gute Frage an Klügere.
Mali
Bernard Schmid/Junge Welt setzt seine Mali-Berichterstattung fort: “Sahelallianz: Angespannte Ruhe in Mali – Mali: Tuareg-Separatisten kontrollieren erneut nördliche Stadt Kidal. Tod von Verteidigungsminister bestätigt. Russische Truppen kampflos abgezogen”. Dieser Text wird in einigen Tagen in einem Paywallarchiv beerdigt.
USA
Bei telepolis schreibt der Chef selbst, sein Vorgänger Harald Neuber (jetzt: Berliner Zeitung des Milliardärs Holger Friedrich) hätte es als “Leitartikel” tituliert, Bernd Müller: “Greater North America: Washingtons neue Landkarte der Macht – Vom Polarkreis bis zum Äquator: Wie ein Konzept aus Washington die internationale Ordnung aushebelt – und warum das niemand zufällig erfunden hat.” Ein sachdienlicher Hinweis auf die Frage, was kommt, wenn Trump mal nicht mehr ist.
Allerdings macht der Herr Chefredakteur einen schwerwiegenden Denk- und Schreibfehler. Sein Fazit lautet: “Wer die kommenden Jahre der Weltpolitik lesen will, sollte diese Karte zur Hand haben. Sie zeigt nicht nur, wo Macht künftig verläuft. Sie zeigt auch, wie viel von der alten Ordnung übrig bleibt – und wie wenig.” Wie kann ein politisch denkender Mensch hier auf den Konjunktiv verzichten? Politik war noch nie ein statisch-linearer Prozess. Propheterie ist in höchstem Masse unseriös, und soll der Entwaffnung jener dienen, die in Alternativen denken und handeln. Die KI ist nicht an der Macht, und wird sie auch nicht ausüben. Sie ist von Menschen gemacht. Und darum ist alles beeinflussbar. Aufgeben ist keine Option.
Ganz unten: Mönchengladbach
Das ist das passende Stichwort für Borussia Mönchengladbach. Ich habe gleich geahnt, dass ich mir Kommentieren sparen kann, weil die seitenwahl-Kollegen die richtigen Worte finden. Der weinende Herr Bonhof muss eingestehen, dass sein grösster strategischer Fehler einen Namen hat: Roland Virkus.
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Von China, Mali, USA bis ganz unten, nach Mönchengladbach
Den Kerl habe ich noch nie beim Talkshow-Trash gesehen. Das spricht für ihn. Peter Korig (Interview)/Jungle World sprach mit “Daniel Fuchs, Sinologe, im Gespräch über soziale Konflikte in China: »Es gibt eine lebhafte Streikkultur« – Immobilienkrise, schwacher Konsum und hohe Jugendarbeitslosigkeit setzen Chinas Wirtschaft unter Druck. Die Führung will mit einem neuen Fünfjahresplan technologische Eigenständigkeit und »hochwertige Entwicklung« fördern. Ein Gespräch mit dem Sinologen Daniel Fuchs über strukturelle Probleme von Gesellschaft und Wirtschaft sowie Konflikte wegen schlechter Arbeitsbedingungen in China.”
Unverständlich bleibt für mich – der Interviewer hat auch nicht danach gefragt – warum die demografische Entwicklung Chinas keinen Eingang in das ansonsten informative Gespräch fand. Ich gehe sicher davon aus, dass die Staatsführung das Thema im Blick hat. Jedoch keineswegs seine Kontrolle und Steuerung. Wäre eine gute Frage an Klügere.
Mali
Bernard Schmid/Junge Welt setzt seine Mali-Berichterstattung fort: “Sahelallianz: Angespannte Ruhe in Mali – Mali: Tuareg-Separatisten kontrollieren erneut nördliche Stadt Kidal. Tod von Verteidigungsminister bestätigt. Russische Truppen kampflos abgezogen”. Dieser Text wird in einigen Tagen in einem Paywallarchiv beerdigt.
USA
Bei telepolis schreibt der Chef selbst, sein Vorgänger Harald Neuber (jetzt: Berliner Zeitung des Milliardärs Holger Friedrich) hätte es als “Leitartikel” tituliert, Bernd Müller: “Greater North America: Washingtons neue Landkarte der Macht – Vom Polarkreis bis zum Äquator: Wie ein Konzept aus Washington die internationale Ordnung aushebelt – und warum das niemand zufällig erfunden hat.” Ein sachdienlicher Hinweis auf die Frage, was kommt, wenn Trump mal nicht mehr ist.
Allerdings macht der Herr Chefredakteur einen schwerwiegenden Denk- und Schreibfehler. Sein Fazit lautet: “Wer die kommenden Jahre der Weltpolitik lesen will, sollte diese Karte zur Hand haben. Sie zeigt nicht nur, wo Macht künftig verläuft. Sie zeigt auch, wie viel von der alten Ordnung übrig bleibt – und wie wenig.” Wie kann ein politisch denkender Mensch hier auf den Konjunktiv verzichten? Politik war noch nie ein statisch-linearer Prozess. Propheterie ist in höchstem Masse unseriös, und soll der Entwaffnung jener dienen, die in Alternativen denken und handeln. Die KI ist nicht an der Macht, und wird sie auch nicht ausüben. Sie ist von Menschen gemacht. Und darum ist alles beeinflussbar. Aufgeben ist keine Option.
Ganz unten: Mönchengladbach
Das ist das passende Stichwort für Borussia Mönchengladbach. Ich habe gleich geahnt, dass ich mir Kommentieren sparen kann, weil die seitenwahl-Kollegen die richtigen Worte finden. Der weinende Herr Bonhof muss eingestehen, dass sein grösster strategischer Fehler einen Namen hat: Roland Virkus.
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Wie konnte das passieren? Myrte Palatini/Jungle World: “Der französische Manager Bruno Lafont hat Jihadisten in Syrien finanziert: Hauptsache Profit – Das französische Baustoffunternehmen Lafarge bezahlte dem »Islamischen Staat« und anderen Jihadisten in Syrien lieber Geld, statt auf Gewinn zu verzichten. Nun verurteilte ein Gericht den ehemaligen Konzernchef zu sechs Jahren Gefängnis.” Mehr zu Lafarge bei Wikipedia.
Der böse Straftäter hat sich offenbar nicht ausreichend mit seiner gutherzigen Regierung abgestimmt. Denn völlig abgeneigt ist die seinem Vorgehen nicht, wie sich aktuell in Mali zeigt. Aus Paris berichtet Bernard Schmid/Junge Welt, der häufig auch in der Jungle World und langjährig bei telepolis schrieb: “Bamako unter Feuer – Mali: Tuareg-Separatisten und Dschihadisten starten koordinierte Offensive gegen die Zentralregierung”. Dieser Bericht verschwindet in einigen Tagen im Paywallarchiv der Jungen Welt.
Das Beispiel Sahel zeigt, dass Frankreichs Neokolonialist*inn*en, und nicht nur die, schon lange studiert haben und bedenkenlos zur Anwendung bringen, was Lars Lange/telepolis hier anschaulich beschreibt: “Anarchie als Strategie: Die neue Logik des Krieges – Krieg ohne Zentrum: Drohnen, Mosaike, Code. Asymmetrische Kriegsführung formt neue Logik. Doch wer kämpft, wenn niemand mehr Befehle gibt? Eine Einschätzung.” Der Autor zeigt, dass in der asymmetrischen Kriegsführung die Grenzen zwischen Staaten, Regierungen und Terrororganisationen verschwimmen. Sie gehen mitunter fliessend ineinander über. Wer ist Terrorregime? Und wer nicht? Da hatte der böse Monsieur Lafont (s.o.) wohl etwas die Übersicht verloren … Mutmasslich halten sich Zementkonzerne angesichts der demagogisch grassierenden Parole “Bauen, bauen, bauen …” und der in jeder kapitalistisch strukturierten Kommune grassierenden “Abreissen-und-neu-bauen”-Epidemie – Bonner*innen wissen, was ich meine – für die Herrscher der Welt und unverwundbar. Sie sind es nicht.
Das sind ein paar Einführungsleseminuten für Anfänger*innen. Militärs, die noch ihre Sinne beisammen haben, auch professionell damit beschäftigten Politiker*inne*n ist das schon lange nicht mehr neu. Aber wieviele von denen haben ihre Sinne noch beisammen? Das fragt mit einigem Recht Hans-Peter Waldrich/overton: “Trump und der Zerfall rationaler Politik – Trumps mentale Erkrankung und die Logik des Populismus.”
Alles richtig beobachtet. Es wird von mir persönlich und vielen meiner Freund*inn*e*n geteilt. Ist aber leider vollständig befreit von strategischen Konsequenzen und politischen Handlungsideen. Also – “was unten rauskommt” – am Ende politikfrei. Damit ist das Defizit demokratischer Oppositionen in Parlamenten und Parteien, ob in den USA oder EU-Europa, leider schon fast vollständig beschrieben.
Der Druck gegen das von Waldrich charakterisierte zunehmend militarisierte und kriegerische System muss von aussen und unten organisiert werden. Parteien dürfen dabei mithelfen. Wenn sie es noch können …
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Wie konnte das passieren? Myrte Palatini/Jungle World: “Der französische Manager Bruno Lafont hat Jihadisten in Syrien finanziert: Hauptsache Profit – Das französische Baustoffunternehmen Lafarge bezahlte dem »Islamischen Staat« und anderen Jihadisten in Syrien lieber Geld, statt auf Gewinn zu verzichten. Nun verurteilte ein Gericht den ehemaligen Konzernchef zu sechs Jahren Gefängnis.” Mehr zu Lafarge bei Wikipedia.
Der böse Straftäter hat sich offenbar nicht ausreichend mit seiner gutherzigen Regierung abgestimmt. Denn völlig abgeneigt ist die seinem Vorgehen nicht, wie sich aktuell in Mali zeigt. Aus Paris berichtet Bernard Schmid/Junge Welt, der häufig auch in der Jungle World und langjährig bei telepolis schrieb: “Bamako unter Feuer – Mali: Tuareg-Separatisten und Dschihadisten starten koordinierte Offensive gegen die Zentralregierung”. Dieser Bericht verschwindet in einigen Tagen im Paywallarchiv der Jungen Welt.
Das Beispiel Sahel zeigt, dass Frankreichs Neokolonialist*inn*en, und nicht nur die, schon lange studiert haben und bedenkenlos zur Anwendung bringen, was Lars Lange/telepolis hier anschaulich beschreibt: “Anarchie als Strategie: Die neue Logik des Krieges – Krieg ohne Zentrum: Drohnen, Mosaike, Code. Asymmetrische Kriegsführung formt neue Logik. Doch wer kämpft, wenn niemand mehr Befehle gibt? Eine Einschätzung.” Der Autor zeigt, dass in der asymmetrischen Kriegsführung die Grenzen zwischen Staaten, Regierungen und Terrororganisationen verschwimmen. Sie gehen mitunter fliessend ineinander über. Wer ist Terrorregime? Und wer nicht? Da hatte der böse Monsieur Lafont (s.o.) wohl etwas die Übersicht verloren … Mutmasslich halten sich Zementkonzerne angesichts der demagogisch grassierenden Parole “Bauen, bauen, bauen …” und der in jeder kapitalistisch strukturierten Kommune grassierenden “Abreissen-und-neu-bauen”-Epidemie – Bonner*innen wissen, was ich meine – für die Herrscher der Welt und unverwundbar. Sie sind es nicht.
Das sind ein paar Einführungsleseminuten für Anfänger*innen. Militärs, die noch ihre Sinne beisammen haben, auch professionell damit beschäftigten Politiker*inne*n ist das schon lange nicht mehr neu. Aber wieviele von denen haben ihre Sinne noch beisammen? Das fragt mit einigem Recht Hans-Peter Waldrich/overton: “Trump und der Zerfall rationaler Politik – Trumps mentale Erkrankung und die Logik des Populismus.”
Alles richtig beobachtet. Es wird von mir persönlich und vielen meiner Freund*inn*e*n geteilt. Ist aber leider vollständig befreit von strategischen Konsequenzen und politischen Handlungsideen. Also – “was unten rauskommt” – am Ende politikfrei. Damit ist das Defizit demokratischer Oppositionen in Parlamenten und Parteien, ob in den USA oder EU-Europa, leider schon fast vollständig beschrieben.
Der Druck gegen das von Waldrich charakterisierte zunehmend militarisierte und kriegerische System muss von aussen und unten organisiert werden. Parteien dürfen dabei mithelfen. Wenn sie es noch können …
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Warum deutsches Fernsehen und deutscher Fussball so schlecht sind
Zum ersten Punkt, dem Fernsehen, kann ich mich kurz fassen. Lesen Sie Christian Bartels/telepolis: “Deutschlands einziges echtes Filmstudio bekommt einen neuen Chef – Christoph Pellander übernimmt ARD-Tochter Degeto – eine 400-Millionen-Maschine für Serien, Krimis und Eskapismus. Ein System zwischen Effizienz und Monotonie.” Dort entstehen die grössten Teile des ARD-Programms. Und wird das meiste Programmgeld ausgegeben. Zu Bartels’ Ausführungen ist eine wichtige politische Ergänzung nötig.
Durch die Auslagerung an die Degeto sind Geld und Programmsteuerung den sog. Rundfunkräten der ARD-Anstalten, die sowieso für ambitionierte Kontrolle weder bekannt noch berüchtigt sind, weitgehend entzogen. Das hier sind die “Gesellschafter” der Degeto. Fällt Ihnen was auf? Aber mir. Der WDR, die grösste ARD-Anstalt, ist gar kein Mitglied. Sondern die WDR mediagrpup GmbH. So kommt gar nicht erst die Gefahr auf, dass der WDR-Rundfunkrat da irgendwas zu kamelle hat.
Und das hier ist der Degeto-Aufsichtsrat. Da fällt auch Ihnen nun sicherlich etwas auf. Richtig: fast alles Intendant*inn*en der ARD-Anstalten kontrollieren hier selbst, statt kontrolliert zu werden. Bayrischer und Westdeutscher Rundfunk entsenden lieber Männer statt der Intendantin. Und der WDR s.o. …
Wenn die deutsche Filmindustrie also seit Jahrhunderten rätselt, warum sie global nicht konkurrenzfähig ist, dann wird sie hier fündig, bei ihrer grössten Auftraggeberin. Das sind die Produktionsverhältnisse.
Fussball – so laaangweilig
Der noch von den Nazis bestimmte Bundestrainer Sepp Herberger war nicht nur doof, immerhin trainierte er die Weltmeister von 1954. Ihm wird die Weisheit zugeschrieben „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Das stimmt nicht mehr. In Deutschland weiss die Öffentlichkeit im März schon, wer im Juni Meister wird und den Pokal gewinnt. Und dann wundert die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sich, und greint, dass sie zu geringe Einnahmen in der Auslandsvermarktung erzielt. Niemand da draussen in der Welt will Langeweile teuer bezahlen.
Spätestens seit Kalle Del Haye 1980 weiss in BRD-Deutschland jedes Kind, dass der Konzern aus dem süddeutschen Raum der Konkurrenz jedes Talent, das den Ball halbwegs versiert annehmen kann, wegkauft, wenn es nicht bei 3 ins Ausland geflohen ist. Und zwar mittlerweile auch bei den Frauen. Das Monopol ruiniert die Liga. Und wird hier weiter ausgedehnt und gespreizt. Die “Überraschungen”, die bleiben, sind zufällige Abweichungen der sportlichen von der Geldtabelle. Sie verringern sich, je weiter das Investorenkapital vordringt.
Hier ein europäischer Vergleich der gegenwärtigen Punktedifferenz zwischen Platz 1 und Patz 2 in den Ligen der genannten Länder:
Niederlande: 19
BRD: 15
Schweiz: 14
Italien: 12
Spanien: 9
Portugal: 7
Griechenland: 5
Tschechien: 5
Frankreich: 4
Türkei: 4
Polen: 3
Dänemark: 2
Belgien: 2
Österreich: 1
Schottland: 1
England: 0Ausgerechnet das mit den meisten Milliarden geflutete England ist noch spannend, weil die Oligarchen von ManCity (Vereinigte Arabische Emirate) und dem FC Arsenal (Trump-Spender Stan Kroenke) noch testen wollen, wer den Längsten hat.
Wenn der Konzern aus dem süddeutschen Raum der von ihm beherrschten DFL was Gutes tun will, tritt er im am wenigsten wichtigen Wettbewerb, dem DFB-Pokal, im Finale mit einer Reservistenelf an und verliert freiwillig, um ein bisschen Überraschung zu simulieren. Dem tief mit der kriminellen Wettmafia verbundenen Gewerbe dürfte das nicht schwerfallen. Sie nennen es Professionalität.
Ich gehe derweil zur 4. Liga. Dienstag, 19 h Sportpark Nord, Bonner SC – Rot-Weiss Oberhausen. Ex-Erstligist RWO kann noch aufsteigen. Das ist Sport und Spannung.
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Warum deutsches Fernsehen und deutscher Fussball so schlecht sind
Zum ersten Punkt, dem Fernsehen, kann ich mich kurz fassen. Lesen Sie Christian Bartels/telepolis: “Deutschlands einziges echtes Filmstudio bekommt einen neuen Chef – Christoph Pellander übernimmt ARD-Tochter Degeto – eine 400-Millionen-Maschine für Serien, Krimis und Eskapismus. Ein System zwischen Effizienz und Monotonie.” Dort entstehen die grössten Teile des ARD-Programms. Und wird das meiste Programmgeld ausgegeben. Zu Bartels’ Ausführungen ist eine wichtige politische Ergänzung nötig.
Durch die Auslagerung an die Degeto sind Geld und Programmsteuerung den sog. Rundfunkräten der ARD-Anstalten, die sowieso für ambitionierte Kontrolle weder bekannt noch berüchtigt sind, weitgehend entzogen. Das hier sind die “Gesellschafter” der Degeto. Fällt Ihnen was auf? Aber mir. Der WDR, die grösste ARD-Anstalt, ist gar kein Mitglied. Sondern die WDR mediagrpup GmbH. So kommt gar nicht erst die Gefahr auf, dass der WDR-Rundfunkrat da irgendwas zu kamelle hat.
Und das hier ist der Degeto-Aufsichtsrat. Da fällt auch Ihnen nun sicherlich etwas auf. Richtig: fast alles Intendant*inn*en der ARD-Anstalten kontrollieren hier selbst, statt kontrolliert zu werden. Bayrischer und Westdeutscher Rundfunk entsenden lieber Männer statt der Intendantin. Und der WDR s.o. …
Wenn die deutsche Filmindustrie also seit Jahrhunderten rätselt, warum sie global nicht konkurrenzfähig ist, dann wird sie hier fündig, bei ihrer grössten Auftraggeberin. Das sind die Produktionsverhältnisse.
Fussball – so laaangweilig
Der noch von den Nazis bestimmte Bundestrainer Sepp Herberger war nicht nur doof, immerhin trainierte er die Weltmeister von 1954. Ihm wird die Weisheit zugeschrieben „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Das stimmt nicht mehr. In Deutschland weiss die Öffentlichkeit im März schon, wer im Juni Meister wird und den Pokal gewinnt. Und dann wundert die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sich, und greint, dass sie zu geringe Einnahmen in der Auslandsvermarktung erzielt. Niemand da draussen in der Welt will Langeweile teuer bezahlen.
Spätestens seit Kalle Del Haye 1980 weiss in BRD-Deutschland jedes Kind, dass der Konzern aus dem süddeutschen Raum der Konkurrenz jedes Talent, das den Ball halbwegs versiert annehmen kann, wegkauft, wenn es nicht bei 3 ins Ausland geflohen ist. Und zwar mittlerweile auch bei den Frauen. Das Monopol ruiniert die Liga. Und wird hier weiter ausgedehnt und gespreizt. Die “Überraschungen”, die bleiben, sind zufällige Abweichungen der sportlichen von der Geldtabelle. Sie verringern sich, je weiter das Investorenkapital vordringt.
Hier ein europäischer Vergleich der gegenwärtigen Punktedifferenz zwischen Platz 1 und Patz 2 in den Ligen der genannten Länder:
Niederlande: 19
BRD: 15
Schweiz: 14
Italien: 12
Spanien: 9
Portugal: 7
Griechenland: 5
Tschechien: 5
Frankreich: 4
Türkei: 4
Polen: 3
Dänemark: 2
Belgien: 2
Österreich: 1
Schottland: 1
England: 0Ausgerechnet das mit den meisten Milliarden geflutete England ist noch spannend, weil die Oligarchen von ManCity (Vereinigte Arabische Emirate) und dem FC Arsenal (Trump-Spender Stan Kroenke) noch testen wollen, wer den Längsten hat.
Wenn der Konzern aus dem süddeutschen Raum der von ihm beherrschten DFL was Gutes tun will, tritt er im am wenigsten wichtigen Wettbewerb, dem DFB-Pokal, im Finale mit einer Reservistenelf an und verliert freiwillig, um ein bisschen Überraschung zu simulieren. Dem tief mit der kriminellen Wettmafia verbundenen Gewerbe dürfte das nicht schwerfallen. Sie nennen es Professionalität.
Ich gehe derweil zur 4. Liga. Dienstag, 19 h Sportpark Nord, Bonner SC – Rot-Weiss Oberhausen. Ex-Erstligist RWO kann noch aufsteigen. Das ist Sport und Spannung.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Warum deutsches Fernsehen und deutscher Fussball so schlecht sind
Zum ersten Punkt, dem Fernsehen, kann ich mich kurz fassen. Lesen Sie Christian Bartels/telepolis: “Deutschlands einziges echtes Filmstudio bekommt einen neuen Chef – Christoph Pellander übernimmt ARD-Tochter Degeto – eine 400-Millionen-Maschine für Serien, Krimis und Eskapismus. Ein System zwischen Effizienz und Monotonie.” Dort entstehen die grössten Teile des ARD-Programms. Und wird das meiste Programmgeld ausgegeben. Zu Bartels’ Ausführungen ist eine wichtige politische Ergänzung nötig.
Durch die Auslagerung an die Degeto sind Geld und Programmsteuerung den sog. Rundfunkräten der ARD-Anstalten, die sowieso für ambitionierte Kontrolle weder bekannt noch berüchtigt sind, weitgehend entzogen. Das hier sind die “Gesellschafter” der Degeto. Fällt Ihnen was auf? Aber mir. Der WDR, die grösste ARD-Anstalt, ist gar kein Mitglied. Sondern die WDR mediagrpup GmbH. So kommt gar nicht erst die Gefahr auf, dass der WDR-Rundfunkrat da irgendwas zu kamelle hat.
Und das hier ist der Degeto-Aufsichtsrat. Da fällt auch Ihnen nun sicherlich etwas auf. Richtig: fast alles Intendant*inn*en der ARD-Anstalten kontrollieren hier selbst, statt kontrolliert zu werden. Bayrischer und Westdeutscher Rundfunk entsenden lieber Männer statt der Intendantin. Und der WDR s.o. …
Wenn die deutsche Filmindustrie also seit Jahrhunderten rätselt, warum sie global nicht konkurrenzfähig ist, dann wird sie hier fündig, bei ihrer grössten Auftraggeberin. Das sind die Produktionsverhältnisse.
Fussball – so laaangweilig
Der noch von den Nazis bestimmte Bundestrainer Sepp Herberger war nicht nur doof, immerhin trainierte er die Weltmeister von 1954. Ihm wird die Weisheit zugeschrieben „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Das stimmt nicht mehr. In Deutschland weiss die Öffentlichkeit im März schon, wer im Juni Meister wird und den Pokal gewinnt. Und dann wundert die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sich, und greint, dass sie zu geringe Einnahmen in der Auslandsvermarktung erzielt. Niemand da draussen in der Welt will Langeweile teuer bezahlen.
Spätestens seit Kalle Del Haye 1980 weiss in BRD-Deutschland jedes Kind, dass der Konzern aus dem süddeutschen Raum der Konkurrenz jedes Talent, das den Ball halbwegs versiert annehmen kann, wegkauft, wenn es nicht bei 3 ins Ausland geflohen ist. Und zwar mittlerweile auch bei den Frauen. Das Monopol ruiniert die Liga. Und wird hier weiter ausgedehnt und gespreizt. Die “Überraschungen”, die bleiben, sind zufällige Abweichungen der sportlichen von der Geldtabelle. Sie verringern sich, je weiter das Investorenkapital vordringt.
Hier ein europäischer Vergleich der gegenwärtigen Punktedifferenz zwischen Platz 1 und Patz 2 in den Ligen der genannten Länder:
Niederlande: 19
BRD: 15
Schweiz: 14
Italien: 12
Spanien: 9
Portugal: 7
Griechenland: 5
Tschechien: 5
Frankreich: 4
Türkei: 4
Polen: 3
Dänemark: 2
Belgien: 2
Österreich: 1
Schottland: 1
England: 0Ausgerechnet das mit den meisten Milliarden geflutete England ist noch spannend, weil die Oligarchen von ManCity (Vereinigte Arabische Emirate) und dem FC Arsenal (Trump-Spender Stan Kroenke) noch testen wollen, wer den Längsten hat.
Wenn der Konzern aus dem süddeutschen Raum der von ihm beherrschten DFL was Gutes tun will, tritt er im am wenigsten wichtigen Wettbewerb, dem DFB-Pokal, im Finale mit einer Reservistenelf an und verliert freiwillig, um ein bisschen Überraschung zu simulieren. Dem tief mit der kriminellen Wettmafia verbundenen Gewerbe dürfte das nicht schwerfallen. Sie nennen es Professionalität.
Ich gehe derweil zur 4. Liga. Dienstag, 19 h Sportpark Nord, Bonner SC – Rot-Weiss Oberhausen. Ex-Erstligist RWO kann noch aufsteigen. Das ist Sport und Spannung.
-
Warum deutsches Fernsehen und deutscher Fussball so schlecht sind
Zum ersten Punkt, dem Fernsehen, kann ich mich kurz fassen. Lesen Sie Christian Bartels/telepolis: “Deutschlands einziges echtes Filmstudio bekommt einen neuen Chef – Christoph Pellander übernimmt ARD-Tochter Degeto – eine 400-Millionen-Maschine für Serien, Krimis und Eskapismus. Ein System zwischen Effizienz und Monotonie.” Dort entstehen die grössten Teile des ARD-Programms. Und wird das meiste Programmgeld ausgegeben. Zu Bartels’ Ausführungen ist eine wichtige politische Ergänzung nötig.
Durch die Auslagerung an die Degeto sind Geld und Programmsteuerung den sog. Rundfunkräten der ARD-Anstalten, die sowieso für ambitionierte Kontrolle weder bekannt noch berüchtigt sind, weitgehend entzogen. Das hier sind die “Gesellschafter” der Degeto. Fällt Ihnen was auf? Aber mir. Der WDR, die grösste ARD-Anstalt, ist gar kein Mitglied. Sondern die WDR mediagrpup GmbH. So kommt gar nicht erst die Gefahr auf, dass der WDR-Rundfunkrat da irgendwas zu kamelle hat.
Und das hier ist der Degeto-Aufsichtsrat. Da fällt auch Ihnen nun sicherlich etwas auf. Richtig: fast alles Intendant*inn*en der ARD-Anstalten kontrollieren hier selbst, statt kontrolliert zu werden. Bayrischer und Westdeutscher Rundfunk entsenden lieber Männer statt der Intendantin. Und der WDR s.o. …
Wenn die deutsche Filmindustrie also seit Jahrhunderten rätselt, warum sie global nicht konkurrenzfähig ist, dann wird sie hier fündig, bei ihrer grössten Auftraggeberin. Das sind die Produktionsverhältnisse.
Fussball – so laaangweilig
Der noch von den Nazis bestimmte Bundestrainer Sepp Herberger war nicht nur doof, immerhin trainierte er die Weltmeister von 1954. Ihm wird die Weisheit zugeschrieben „Fußball ist deshalb spannend, weil niemand weiß, wie das Spiel ausgeht.“ Das stimmt nicht mehr. In Deutschland weiss die Öffentlichkeit im März schon, wer im Juni Meister wird und den Pokal gewinnt. Und dann wundert die Deutsche Fussball-Liga (DFL) sich, und greint, dass sie zu geringe Einnahmen in der Auslandsvermarktung erzielt. Niemand da draussen in der Welt will Langeweile teuer bezahlen.
Spätestens seit Kalle Del Haye 1980 weiss in BRD-Deutschland jedes Kind, dass der Konzern aus dem süddeutschen Raum der Konkurrenz jedes Talent, das den Ball halbwegs versiert annehmen kann, wegkauft, wenn es nicht bei 3 ins Ausland geflohen ist. Und zwar mittlerweile auch bei den Frauen. Das Monopol ruiniert die Liga. Und wird hier weiter ausgedehnt und gespreizt. Die “Überraschungen”, die bleiben, sind zufällige Abweichungen der sportlichen von der Geldtabelle. Sie verringern sich, je weiter das Investorenkapital vordringt.
Hier ein europäischer Vergleich der gegenwärtigen Punktedifferenz zwischen Platz 1 und Patz 2 in den Ligen der genannten Länder:
Niederlande: 19
BRD: 15
Schweiz: 14
Italien: 12
Spanien: 9
Portugal: 7
Griechenland: 5
Tschechien: 5
Frankreich: 4
Türkei: 4
Polen: 3
Dänemark: 2
Belgien: 2
Österreich: 1
Schottland: 1
England: 0Ausgerechnet das mit den meisten Milliarden geflutete England ist noch spannend, weil die Oligarchen von ManCity (Vereinigte Arabische Emirate) und dem FC Arsenal (Trump-Spender Stan Kroenke) noch testen wollen, wer den Längsten hat.
Wenn der Konzern aus dem süddeutschen Raum der von ihm beherrschten DFL was Gutes tun will, tritt er im am wenigsten wichtigen Wettbewerb, dem DFB-Pokal, im Finale mit einer Reservistenelf an und verliert freiwillig, um ein bisschen Überraschung zu simulieren. Dem tief mit der kriminellen Wettmafia verbundenen Gewerbe dürfte das nicht schwerfallen. Sie nennen es Professionalität.
Ich gehe derweil zur 4. Liga. Dienstag, 19 h Sportpark Nord, Bonner SC – Rot-Weiss Oberhausen. Ex-Erstligist RWO kann noch aufsteigen. Das ist Sport und Spannung.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Aber Journalismus ist möglich
Küppi meinte eben, “wenn einem dazu nichts mehr einfällt, ist man noch nicht zynisch geworden”. So gesehen sieht das hier bei mir nicht gut aus. Aber zunächst das Positive.
Journalismus ist möglich. Sogar bei der taz. Das beweisen:
1. Unser langjähriger Mitautor Andreas Zumach.
2. Eric Bonse, dem ich schon Ende der 70er in der NRW-Jugendpresse begegnet bin, und der schon damals ein seriöser Bündnispartner war: “EU im Irankrieg: Europas moralisches Versagen – Europäische Spitzenpolitiker verfolgen den Krieg gegen Iran kommentarlos. Sie sind zu feige, sich deutlich gegen Trump und Netanjahu zu positionieren.”
3. Karim El-Gawhary, mit dessen Vater ich zur gleichen Zeit (s. Bonse) in der Anti-Apartheid-Bewegung zusammengearbeitet habe: “Waffenstillstand im Irankrieg: Fragile Feuerpause – Iran soll die Straße von Hormus wieder öffnen, die USA sollen Iran nicht mehr angreifen. Was hinter dem Deal steckt und wie es jetzt weitergeht.”
Diesen Kollegen vertraue ich.
Und nun die Anderen.
Was ist das beim ZDF? Nur da?
Mein Vertrauen in die Arbeit der telepolis-Redaktion ist in der jüngeren Vergangenheit gesunken, da geht es mir ähnlich wie unserem Mitautor Gilbert Kolonko. Zwar besuche ich die Seite weiter regelmässig, lese aber spürbar weniger. Und hierbei wurde ich zynisch (s.o.):
Luca Schäfer: “ZDF übernimmt Trumps Sanktionslisten – und nennt es Compliance – US-Sanktionslisten werden im deutschen Fernsehen willig umgesetzt: Was das ZDF eine Compliance-Reform nennt, ist in Wahrheit ein Zensur-Türöffner.”
Normalerweise ein Fall für Böhmermann. Aber der bekommt dummerweise genau von dort sein Geld …
Ein Einzelfall? Keineswegs. Die Sache ist grösser.
EU – Blödheit oder Strategie?
Tomas Rudl meldet bei unseren netzpolitik-Freund*inn*en das: “Neues Gremium geplant: EU will Trump bei Digitalgesetzen entgegenkommen – Donald Trump poltert bei jeder Gelegenheit gegen die EU und ihre Digitalregeln. Künftig soll ein neues Gremium der US-Regierung offenbar Mitsprache einräumen, berichtet das Handelsblatt. Im Gegenzug soll es Zollerleichterungen geben.”
Das führt mich zu den Führungsfiguren der – noch demokratischen – Konservatven Deutschlands und Europas, personifiziert in den Gestalten Flinten-Uschi und Merzfriedrich. Ist das, was Zumach am Beispiel ihres Gesandten Mark Rutte skizziert, ernsthaft ihre Strategie? Mutieren sie also, wie ihre politischen Vorfahren in der Weimarer Republik, zu den bewussten Abbruchunternehmer*inne*n der bürgerlichen Demokratie?
Das wäre die “Verschwörungstheorie”. Manche Verschwörungen gibt es wirklich. Oder ist es bewusstlose Blödheit? Ich fürchte ja ernsthaft Letzteres …
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Aber Journalismus ist möglich
Küppi meinte eben, “wenn einem dazu nichts mehr einfällt, ist man noch nicht zynisch geworden”. So gesehen sieht das hier bei mir nicht gut aus. Aber zunächst das Positive.
Journalismus ist möglich. Sogar bei der taz. Das beweisen:
1. Unser langjähriger Mitautor Andreas Zumach.
2. Eric Bonse, dem ich schon Ende der 70er in der NRW-Jugendpresse begegnet bin, und der schon damals ein seriöser Bündnispartner war: “EU im Irankrieg: Europas moralisches Versagen – Europäische Spitzenpolitiker verfolgen den Krieg gegen Iran kommentarlos. Sie sind zu feige, sich deutlich gegen Trump und Netanjahu zu positionieren.”
3. Karim El-Gawhary, mit dessen Vater ich zur gleichen Zeit (s. Bonse) in der Anti-Apartheid-Bewegung zusammengearbeitet habe: “Waffenstillstand im Irankrieg: Fragile Feuerpause – Iran soll die Straße von Hormus wieder öffnen, die USA sollen Iran nicht mehr angreifen. Was hinter dem Deal steckt und wie es jetzt weitergeht.”
Diesen Kollegen vertraue ich.
Und nun die Anderen.
Was ist das beim ZDF? Nur da?
Mein Vertrauen in die Arbeit der telepolis-Redaktion ist in der jüngeren Vergangenheit gesunken, da geht es mir ähnlich wie unserem Mitautor Gilbert Kolonko. Zwar besuche ich die Seite weiter regelmässig, lese aber spürbar weniger. Und hierbei wurde ich zynisch (s.o.):
Luca Schäfer: “ZDF übernimmt Trumps Sanktionslisten – und nennt es Compliance – US-Sanktionslisten werden im deutschen Fernsehen willig umgesetzt: Was das ZDF eine Compliance-Reform nennt, ist in Wahrheit ein Zensur-Türöffner.”
Normalerweise ein Fall für Böhmermann. Aber der bekommt dummerweise genau von dort sein Geld …
Ein Einzelfall? Keineswegs. Die Sache ist grösser.
EU – Blödheit oder Strategie?
Tomas Rudl meldet bei unseren netzpolitik-Freund*inn*en das: “Neues Gremium geplant: EU will Trump bei Digitalgesetzen entgegenkommen – Donald Trump poltert bei jeder Gelegenheit gegen die EU und ihre Digitalregeln. Künftig soll ein neues Gremium der US-Regierung offenbar Mitsprache einräumen, berichtet das Handelsblatt. Im Gegenzug soll es Zollerleichterungen geben.”
Das führt mich zu den Führungsfiguren der – noch demokratischen – Konservatven Deutschlands und Europas, personifiziert in den Gestalten Flinten-Uschi und Merzfriedrich, zwei, die Angela Merkel nicht gerne in ihrer Nähe hatte. Ist das, was Zumach am Beispiel ihres Gesandten Mark Rutte skizziert, ernsthaft ihre Strategie? Mutieren sie also, wie ihre politischen Vorfahren in der Weimarer Republik, zu den bewussten Abbruchunternehmer*inne*n der bürgerlichen Demokratie? (Dieser Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywallarchiv).
Das wäre die “Verschwörungstheorie”. Manche Verschwörungen gibt es wirklich. Oder ist es bewusstlose Blödheit? Ich fürchte ja ernsthaft Letzteres …
Und wenn Sie jetzt was brauchen damit es Ihnen wieder besser geht, dann hören Sie doch nur kurz 2 Minuten den guten, alten Fritz Eckenga (71), direkt aus Dortmund.
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Aber Journalismus ist möglich
Küppi meinte eben, “wenn einem dazu nichts mehr einfällt, ist man noch nicht zynisch geworden”. So gesehen sieht das hier bei mir nicht gut aus. Aber zunächst das Positive.
Journalismus ist möglich. Sogar bei der taz. Das beweisen:
1. Unser langjähriger Mitautor Andreas Zumach.
2. Eric Bonse, dem ich schon Ende der 70er in der NRW-Jugendpresse begegnet bin, und der schon damals ein seriöser Bündnispartner war: “EU im Irankrieg: Europas moralisches Versagen – Europäische Spitzenpolitiker verfolgen den Krieg gegen Iran kommentarlos. Sie sind zu feige, sich deutlich gegen Trump und Netanjahu zu positionieren.”
3. Karim El-Gawhary, mit dessen Vater ich zur gleichen Zeit (s. Bonse) in der Anti-Apartheid-Bewegung zusammengearbeitet habe: “Waffenstillstand im Irankrieg: Fragile Feuerpause – Iran soll die Straße von Hormus wieder öffnen, die USA sollen Iran nicht mehr angreifen. Was hinter dem Deal steckt und wie es jetzt weitergeht.”
Diesen Kollegen vertraue ich.
Und nun die Anderen.
Was ist das beim ZDF? Nur da?
Mein Vertrauen in die Arbeit der telepolis-Redaktion ist in der jüngeren Vergangenheit gesunken, da geht es mir ähnlich wie unserem Mitautor Gilbert Kolonko. Zwar besuche ich die Seite weiter regelmässig, lese aber spürbar weniger. Und hierbei wurde ich zynisch (s.o.):
Luca Schäfer: “ZDF übernimmt Trumps Sanktionslisten – und nennt es Compliance – US-Sanktionslisten werden im deutschen Fernsehen willig umgesetzt: Was das ZDF eine Compliance-Reform nennt, ist in Wahrheit ein Zensur-Türöffner.”
Normalerweise ein Fall für Böhmermann. Aber der bekommt dummerweise genau von dort sein Geld …
Ein Einzelfall? Keineswegs. Die Sache ist grösser.
EU – Blödheit oder Strategie?
Tomas Rudl meldet bei unseren netzpolitik-Freund*inn*en das: “Neues Gremium geplant: EU will Trump bei Digitalgesetzen entgegenkommen – Donald Trump poltert bei jeder Gelegenheit gegen die EU und ihre Digitalregeln. Künftig soll ein neues Gremium der US-Regierung offenbar Mitsprache einräumen, berichtet das Handelsblatt. Im Gegenzug soll es Zollerleichterungen geben.”
Das führt mich zu den Führungsfiguren der – noch demokratischen – Konservatven Deutschlands und Europas, personifiziert in den Gestalten Flinten-Uschi und Merzfriedrich, zwei, die Angela Merkel nicht gerne in ihrer Nähe hatte. Ist das, was Zumach am Beispiel ihres Gesandten Mark Rutte skizziert, ernsthaft ihre Strategie? Mutieren sie also, wie ihre politischen Vorfahren in der Weimarer Republik, zu den bewussten Abbruchunternehmer*inne*n der bürgerlichen Demokratie? (Dieser Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywallarchiv).
Das wäre die “Verschwörungstheorie”. Manche Verschwörungen gibt es wirklich. Oder ist es bewusstlose Blödheit? Ich fürchte ja ernsthaft Letzteres …
Und wenn Sie jetzt was brauchen damit es Ihnen wieder besser geht, dann hören Sie doch nur kurz 2 Minuten den guten, alten Fritz Eckenga (71), direkt aus Dortmund.
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Medienkritik wird dadurch nicht überflüssig – eher im Gegenteil
Einerseits ist es ermüdend. Nicht zum ersten Mal schreibt Christiane Voges/telepolis: “Ukraine-Krieg und Iran-Krieg: Wie Medien mit zweierlei Maß berichten – Ein Essay über Framing, Wortwahl und Doppelstandards: Warum der Ukraine-Krieg klar benannt wird – und der Angriff auf Iran sprachlich verschwimmt.” Ermüdend für mich als Bescheidwisser, vielleicht auch für sie als Autorin (bei dem bescheidenen Honorar). Überflüssig ist es nicht.
Von der gegenwärtigen Bundesregierung und der bei ihr eingebetteten Medien hat die Mehrheit der Bevölkerung mutmasslich nichts Anderes erwartet. Ihre Parteien, die “Grosse Koalition” zu nennen sich die meisten Menschen und Medien abgewöhnt haben dürften, haben gerade mal 22,3 von 60,4 Mio. Wahlberechtigten gewählt. Das ist knapp mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten, und ca. ein Viertel der Bevölkerung.
Die Mehrheit, so meine steile These, weiss längst Bescheid über die moralischen Doppelstandards von Regierung, Parteien und Medien. Die Gefahr daran ist: sie haben u.U. schon oder sehr bald die Schnauze voll von den hart erkämpften und unbedingt verteidigenswerten Restbeständen an bürgerlicher Demokratie. Denn was “bringt” die, wenn das dabei rauskommt?
Um diese Restbestände an Demokratie zu verteidigen, ist solche Medien(selbst-)kritik lebensnotwenig. Der öffentliche Diskurs braucht mehr davon, quantitativ und erst recht qualitativ. Denn nur, wenn die beschriebene Mehrheit sich verstanden, “gesehen” (furchtbarer Begriff), und repräsentiert fühlt, ist sie u.U. in der Zukunft noch zur Mitwirkung bereit. Denn gegenwärtig wenden sich Mehrheiten ab.
Meine Empfehlung: MDR-Altpapier
Ehrlich gesagt zähle ich die Tage, weil ich befürchte, dass die erratische Intendanz des MDR diese Kolumnenreihe aus Kostengründen dichtmacht. Sie wurde während der Amtsführung der strategisch klugen Karola Wille gerettet, weil die Medienorganisation der Evangelischen Kirche sie mit dem Aufsitzrasenmäher den vielen toten Igeln hinzufügen wollte.
Diese Kolumne ist werktäglich (in der Regel mittags) in gut 5 Minuten fertiggelesen, qualitativ oftmals höherwertig, als alle Texte, die dort (inkl. weiterführendem Link) kritisch rezensiert werden, zusammen. Und die*der Leser*in ist auf Ballhöhe des Tages. Ein Werk dieser Art gehört grundsätzlich in jedes kritische demokratische Medium unserer Zeit. Plus von echten Menschen moderierter Kommentarfunktion. Statt Angst vor Shitstorms, wie sie in den meisten öffentlichen Medien vorherrschend ist, und dort jeden Mut zur Kreativität lähmt und tötet, Mut zur öffentlichen Debatte. “Tear down the paywalls!”
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Medienkritik wird dadurch nicht überflüssig – eher im Gegenteil
Einerseits ist es ermüdend. Nicht zum ersten Mal schreibt Christiane Voges/telepolis: “Ukraine-Krieg und Iran-Krieg: Wie Medien mit zweierlei Maß berichten – Ein Essay über Framing, Wortwahl und Doppelstandards: Warum der Ukraine-Krieg klar benannt wird – und der Angriff auf Iran sprachlich verschwimmt.” Ermüdend für mich als Bescheidwisser, vielleicht auch für sie als Autorin (bei dem bescheidenen Honorar). Überflüssig ist es nicht.
Von der gegenwärtigen Bundesregierung und der bei ihr eingebetteten Medien hat die Mehrheit der Bevölkerung mutmasslich nichts Anderes erwartet. Ihre Parteien, die “Grosse Koalition” zu nennen sich die meisten Menschen und Medien abgewöhnt haben dürften, haben gerade mal 22,3 von 60,4 Mio. Wahlberechtigten gewählt. Das ist knapp mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten, und ca. ein Viertel der Bevölkerung.
Die Mehrheit, so meine steile These, weiss längst Bescheid über die moralischen Doppelstandards von Regierung, Parteien und Medien. Die Gefahr daran ist: sie haben u.U. schon oder sehr bald die Schnauze voll von den hart erkämpften und unbedingt verteidigenswerten Restbeständen an bürgerlicher Demokratie. Denn was “bringt” die, wenn das dabei rauskommt?
Um diese Restbestände an Demokratie zu verteidigen, ist solche Medien(selbst-)kritik lebensnotwenig. Der öffentliche Diskurs braucht mehr davon, quantitativ und erst recht qualitativ. Denn nur, wenn die beschriebene Mehrheit sich verstanden, “gesehen” (furchtbarer Begriff), und repräsentiert fühlt, ist sie u.U. in der Zukunft noch zur Mitwirkung bereit. Denn gegenwärtig wenden sich Mehrheiten ab.
Meine Empfehlung: MDR-Altpapier
Ehrlich gesagt zähle ich die Tage, weil ich befürchte, dass die erratische Intendanz des MDR diese Kolumnenreihe aus Kostengründen dichtmacht. Sie wurde während der Amtsführung der strategisch klugen Karola Wille gerettet, weil die Medienorganisation der Evangelischen Kirche sie mit dem Aufsitzrasenmäher den vielen toten Igeln hinzufügen wollte.
Diese Kolumne ist werktäglich (in der Regel mittags) in gut 5 Minuten fertiggelesen, qualitativ oftmals höherwertig, als alle Texte, die dort (inkl. weiterführendem Link) kritisch rezensiert werden, zusammen. Und die*der Leser*in ist auf Ballhöhe des Tages. Ein Werk dieser Art gehört grundsätzlich in jedes kritische demokratische Medium unserer Zeit. Plus von echten Menschen moderierter Kommentarfunktion. Statt Angst vor Shitstorms, wie sie in den meisten öffentlichen Medien vorherrschend ist, und dort jeden Mut zur Kreativität lähmt und tötet, Mut zur öffentlichen Debatte. “Tear down the paywalls!”
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Medienkritik wird dadurch nicht überflüssig – eher im Gegenteil
Einerseits ist es ermüdend. Nicht zum ersten Mal schreibt Christiane Voges/telepolis: “Ukraine-Krieg und Iran-Krieg: Wie Medien mit zweierlei Maß berichten – Ein Essay über Framing, Wortwahl und Doppelstandards: Warum der Ukraine-Krieg klar benannt wird – und der Angriff auf Iran sprachlich verschwimmt.” Ermüdend für mich als Bescheidwisser, vielleicht auch für sie als Autorin (bei dem bescheidenen Honorar). Überflüssig ist es nicht.
Von der gegenwärtigen Bundesregierung und der bei ihr eingebetteten Medien hat die Mehrheit der Bevölkerung mutmasslich nichts Anderes erwartet. Ihre Parteien, die “Grosse Koalition” zu nennen sich die meisten Menschen und Medien abgewöhnt haben dürften, haben gerade mal 22,3 von 60,4 Mio. Wahlberechtigten gewählt. Das ist knapp mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten, und ca. ein Viertel der Bevölkerung.
Die Mehrheit, so meine steile These, weiss längst Bescheid über die moralischen Doppelstandards von Regierung, Parteien und Medien. Die Gefahr daran ist: sie haben u.U. schon oder sehr bald die Schnauze voll von den hart erkämpften und unbedingt verteidigenswerten Restbeständen an bürgerlicher Demokratie. Denn was “bringt” die, wenn das dabei rauskommt?
Um diese Restbestände an Demokratie zu verteidigen, ist solche Medien(selbst-)kritik lebensnotwenig. Der öffentliche Diskurs braucht mehr davon, quantitativ und erst recht qualitativ. Denn nur, wenn die beschriebene Mehrheit sich verstanden, “gesehen” (furchtbarer Begriff), und repräsentiert fühlt, ist sie u.U. in der Zukunft noch zur Mitwirkung bereit. Denn gegenwärtig wenden sich Mehrheiten ab.
Meine Empfehlung: MDR-Altpapier
Ehrlich gesagt zähle ich die Tage, weil ich befürchte, dass die erratische Intendanz des MDR diese Kolumnenreihe aus Kostengründen dichtmacht. Sie wurde während der Amtsführung der strategisch klugen Karola Wille gerettet, weil die Medienorganisation der Evangelischen Kirche sie mit dem Aufsitzrasenmäher den vielen toten Igeln hinzufügen wollte.
Diese Kolumne ist werktäglich (in der Regel mittags) in gut 5 Minuten fertiggelesen, qualitativ oftmals höherwertig, als alle Texte, die dort (inkl. weiterführendem Link) kritisch rezensiert werden, zusammen. Und die*der Leser*in ist auf Ballhöhe des Tages. Ein Werk dieser Art gehört grundsätzlich in jedes kritische demokratische Medium unserer Zeit. Plus von echten Menschen moderierter Kommentarfunktion. Statt Angst vor Shitstorms, wie sie in den meisten öffentlichen Medien vorherrschend ist, und dort jeden Mut zur Kreativität lähmt und tötet, Mut zur öffentlichen Debatte. “Tear down the paywalls!”
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Medienkritik wird dadurch nicht überflüssig – eher im Gegenteil
Einerseits ist es ermüdend. Nicht zum ersten Mal schreibt Christiane Voges/telepolis: “Ukraine-Krieg und Iran-Krieg: Wie Medien mit zweierlei Maß berichten – Ein Essay über Framing, Wortwahl und Doppelstandards: Warum der Ukraine-Krieg klar benannt wird – und der Angriff auf Iran sprachlich verschwimmt.” Ermüdend für mich als Bescheidwisser, vielleicht auch für sie als Autorin (bei dem bescheidenen Honorar). Überflüssig ist es nicht.
Von der gegenwärtigen Bundesregierung und der bei ihr eingebetteten Medien hat die Mehrheit der Bevölkerung mutmasslich nichts Anderes erwartet. Ihre Parteien, die “Grosse Koalition” zu nennen sich die meisten Menschen und Medien abgewöhnt haben dürften, haben gerade mal 22,3 von 60,4 Mio. Wahlberechtigten gewählt. Das ist knapp mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten, und ca. ein Viertel der Bevölkerung.
Die Mehrheit, so meine steile These, weiss längst Bescheid über die moralischen Doppelstandards von Regierung, Parteien und Medien. Die Gefahr daran ist: sie haben u.U. schon oder sehr bald die Schnauze voll von den hart erkämpften und unbedingt verteidigenswerten Restbeständen an bürgerlicher Demokratie. Denn was “bringt” die, wenn das dabei rauskommt?
Um diese Restbestände an Demokratie zu verteidigen, ist solche Medien(selbst-)kritik lebensnotwenig. Der öffentliche Diskurs braucht mehr davon, quantitativ und erst recht qualitativ. Denn nur, wenn die beschriebene Mehrheit sich verstanden, “gesehen” (furchtbarer Begriff), und repräsentiert fühlt, ist sie u.U. in der Zukunft noch zur Mitwirkung bereit. Denn gegenwärtig wenden sich Mehrheiten ab.
Meine Empfehlung: MDR-Altpapier
Ehrlich gesagt zähle ich die Tage, weil ich befürchte, dass die erratische Intendanz des MDR diese Kolumnenreihe aus Kostengründen dichtmacht. Sie wurde während der Amtsführung der strategisch klugen Karola Wille gerettet, weil die Medienorganisation der Evangelischen Kirche sie mit dem Aufsitzrasenmäher den vielen toten Igeln hinzufügen wollte.
Diese Kolumne ist werktäglich (in der Regel mittags) in gut 5 Minuten fertiggelesen, qualitativ oftmals höherwertig, als alle Texte, die dort (inkl. weiterführendem Link) kritisch rezensiert werden, zusammen. Und die*der Leser*in ist auf Ballhöhe des Tages. Ein Werk dieser Art gehört grundsätzlich in jedes kritische demokratische Medium unserer Zeit. Plus von echten Menschen moderierter Kommentarfunktion. Statt Angst vor Shitstorms, wie sie in den meisten öffentlichen Medien vorherrschend ist, und dort jeden Mut zur Kreativität lähmt und tötet, Mut zur öffentlichen Debatte. “Tear down the paywalls!”
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Auch #Telepolis schreibt nun sehr deutlich, dass #GasKathi und ihr Ministerium in Bezug auf die Energieversorgung vollkommen inkompetent und lobbyistisch agiert.
Außerdem ist ihr und dem Ministerium die Umwelt und die langfristige Zukunft absolut egal.
Ich fordere den Rücktritt oder die Entlassung von Frau Reiche und sie darf auch keine Ansprüche auf Beüge irgendwelcher Art nach Abgang erhalten, da sie keinerlei Leistung für die Gegenleistung ihrer Bezüge erbracht hat 🤬
https://www.telepolis.de/article/Gaskraftwerke-Reiches-riskante-Wette-auf-die-Fossilen-11227057.html
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Linksgrünversiffter verein des tages…
…ist die internazjonale energieagentur (IEA):
Die Internationale Energieagentur rät zu Homeoffice und Tempolimits, um die Folgen der Ölkrise abzufedern
Mit großer freude erinnere ich mich an die autofreien sonntage des jahres 1973. Damals war der autowahn zwar bei weitem noch nicht so schlimm wie heute, aber es war trotzdem sehr entspannend, sich frei vom normalirren verkehrslärm (sogar die stimmen der vögel sind verzerrt und kreischend geworden, nur die krähe bleibt sich treu) und der gefahr schwerer unfälle durch die stadt bewegen zu können. Natürlich bin ich kein autofahrer. Ich kenne das auto nur als bringer des todes, als vernichter der begegnungsstätte straße und als vernichtung des lokalen, kleinen einzelhandels, bis nur noch weniger als eine handvoll deutschlandweite ketten übrig blieben, die vom kartellamt ziemlich unbeobachtet die preise nach gutdünken festsetzen können. Es sind ja nicht die benzinpreise, es sind lebensmittelpreise, das regelt der markt, da braucht man nicht einzugreifen und auch keine sondersendungen im fernsehen wie bei den benzinpreisen. Wir hatten beinahe jeden tag einen toten oder schwerverletzten in den frühen siebziger jahren der zukunftsausgerichteten „autofreundlichen stadt“ nach den gemütskranken visjonen der sozjaldämonkraken. Nein, nicht in deutschland, und auch nicht in hannover, sondern nur in einem (großen) stadtteil hannovers. Über die limmerstraße zu gehen, war richtig gefährlich (die 50 km/h wurden auch eher als eine unverbindliche empfehlung betrachtet), und weil die zebrastreifen keinen motorhenker mit mechanopferden unter der haube so richtig gejuckt haben, gabs irgendwann bettelampeln, bis „die limma“ in den achtzigern endlich zur fußgängerzone gemacht wurde. Gut, dass die leute damals noch nicht solche übermotorisierten pimmelkarren wie heute gefahren sind, sonst wäre es noch viel übler geworden. Bis ins jahr 1973 hinein — das jahr mit der ölkrise — gab es auch keine gesetzliche promillgrenze in der BRD. Denn die vielen schweren unfälle lagen ja an den schlechten straßen, nicht am suff. Stand ja in der bildzeitung. Und da ist immer ein bisschen was wahres dran. Die irgendwann vom BGH durch richterrecht gesetzte grenze für eine ordnungswidrigkeit lag bei 1,5 ‰. Gut, dass man heute im umkreis von hundert metern um einen spochtverein nicht kiffen darf, nicht einmal als fußgänger oder neudeutsch „zu fuß gehender“, wisstschon, wegen der kinder, denk doch mal einer an die kinder. Ein prost auf die hl. freiheit! Einer geht noch rein. Freiheit, versteht ihr: freiheit. Der irrazjonale autofimmel der BRD-bewohner lässt sich wohl am besten mit dem genau so irrazjonalen waffenfimmel der USA-bewohner vergleichen. Die sind beidesamt von keiner tatsache und keinem argument mehr zu erweichen.
„Schön“, dass ich das erste mal wieder das wort „ölkrise“ lese. Ist ja an sich keine neue sache. Der nahe osten ist nicht erst seit gestern die schwerbewaffnete klappsmühle des planeten, und ärgerlicherweise kommt ein verdammt großer teil des brennstoffs für die verbrennungskultur ausgerechnet daher und muss da durch. Es ist in dieser ecke der welt immer nur eine frage der zeit, bis es mörderisch eskaliert, und auch ohne richtige eskalazjon bringen sich die leute mit größter freude gegenseitig um. Für irgendwas, irgendeinen bullschitt, bei dem sich hoffentlich jedy schämt, wenn es seinen kindern später davon erzählt. So schade, dass der allmächtige und allweise das mit dem ermorden nicht selbst hinbekommt, weil er vermutlich immer noch ein bisschen erschöpft vom vielen schöpfen ist. Das wäre auch ohne Donald Trump irgendwann wieder losgegangen. Wenn man einen völkerrechtswidrigen massenmord-angriffskrieg wie Donald Trump und Benjamin Netanjahu führt, darf man sich nicht wundern, wenn einem dieses pulverfass um die ohren fliegt. Der Benjamin — so ein hübscher name, „sohn der freude“ — hätte das eigentlich wissen müssen, der kennt die zustände ja. Und selbst Donald aus den USA mit dem provinzjellen weltbild eines mittelgroßen kuhdorfes hätte das mindestens deutlich ahnen sollen. Ich empfehle, diese beiden großverbrecher in ein gefängnis zu stecken, um den rest der welt vor ihrer schier grenzenlosen kriminellen energie zu schützen und die reparazjonszahlungen an den iran zuvörderst aus ihrem privatvermögen zu begleichen, um die ölkrise zu beenden.
Aber auf mich hört ja keiner…
Und die näxste „ölkrise“ kommt bestimmt. Gut, dass wenigstens die bummsregierung etwas gegen diese linksgrünversifften windmühlen und solarstromanlagen tut!
Und jetzt erstmal viel spaß in den hasenfestferjen, die heute in niedersaxen angefangen haben. Gleich morgen los in den urlaub, gleich auf in den stau! Freiheit, versteht ihr: freiheit.
Ach, für die fahrt noch etwas musik aus den neunziger jahren [link geht zu juhtjuhbb, hier der text zum mitmachen]!
#Öl #Ölkrise #Blah #IEA #Link #Telepolis -
30 Jahre #Telepolis: Vom Aufbruch ins Netz zur Zukunft im #Journalismus | Telepolis https://www.telepolis.de/article/30-Jahre-Telepolis-Vom-Aufbruch-ins-Netz-zur-Zukunft-im-Journalismus-11212556.html #journalism
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Künstliche intellidingsda des tages
Der anfänglich so beliebte „Rabbiner“ entpuppte sich als Werk der Künstlichen Intelligenz
Na, wenns den meisten leuten nicht so richtig aufgefallen ist, dann scheint das ja gut genug für die massen zu sein. 😇️
Mittlerweile ist das Profil auf TikTok als KI-Produkt gekennzeichnet. Dort fallen die Followerzahlen und auch die Klick-Zahlen der neuen Videos sind überschaubar
Ach, das mit der sanften stimme und der toraauslegung funkzjoniert nur, so lange man die tiktokfolglinge über die wirklichkeit belügen kann? Von einem angelernten neuronalen netzwerk wollen sich die meisten leute noch nicht erzählen lassen, was der ewige so alles von ihnen will und erwartet? Man muss das teater schon noch irgendwie glauben können? Danke, keine weiteren fragen.
#Israel #Judentum #KünstlicheIntelligenz #Link #Realsatire #Religion #Telepolis #TikTok #WassilisAswestopoulos -
Ja nee, ist klar!
Au mann, wenn der scheißjornalist der reklame glaubt:
Diese verbesserung — wegen der leute öfter mal auf dem fordistischen scheiterhaufen ihres lichterloh brennenden autos verbrennen, weil man es ohne strom nicht mehr leicht öffnen kann — bringt voll die effizjenz für so eine mindestens zwei tonnen schwere und völlig übermotorisierte pimmelkarre!
Schon toll, was der kwatschjornalist den leuten immer für tolle geschichten erzählt. Der erzählt sogar in der übelschrift, dass das ein „problem für tesla“ sei. Nein, kwatschjornalist, diese scheißidee haben diverse autobauer umgesetzt. In der EU hat sie auch niemand daran gehindert, und es drohen auch keine schadenersatzklagen über ein paar fantastilljonen wie in den USA. In der EU hat die lüge mit der „effizjenzsteigerung“ wohl in der lobby geklappt. Denn was in den „demokratischen“ parteienoligarchien, den türstehern der parlamente, hochgespült wird, ist in aller regel so herrg’ttserbärmlich dumm und ungebildet, dass es noch niemals wörter wie „masseträgheit“ gehört hat und von daher auch nicht wissen kann, was die masse eines autos für den energieverbrauch bedeutet. Zum ausgleich ist das geschmeiß korrupt. Und gern auch doktor.
In der „VR“ china scheint es zumindest nicht nur idjoten ins p’litbüro zu spülen.
#Auto #Bullshit #MarcelKunzmann #Telepolis