#telepolis — Public Fediverse posts
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Neues aus der korrupten EU-kommissjon
So so, „kampf gegen die straflosigkeit“. Kann man sich mal wieder gar nicht selbst ausdenken, sowas.
#DimitrisAvramopoulos #EU #EUKommission #Geldwäsche #Korruption #Link #OrganisierteKriminalität #Telepolis -
Menschenhass/Selbsthass ist das Leitmotiv des “modernen” Faschismus
Des bekannteste Beispiel für diesen Mechanismus sind die Legionen schwuler Kardinäle und Erzbischöfe, die sich lebenslang im Schwulenhass von niemandem übertreffen lassen wollen. Der allgemeinere und noch gefährlichere Menschenhass funktioniert ganz ähnlich. Der Mensch ist ein fehlerhaftes Wesen. Gerade das macht das Leben interessant und spannend. Aber viele Artgenossen halten diese Art Spannung nicht aus. Wenn sie dabei sehr mächtig sind oder werden, wird es gemeingefährlich.
Muss man so weit gehen wie Norwegens Regierung? Stefan Krempl/heise berichtet:
“Zurück zu Buch und Stift: Norwegen verbannt KI aus Grundschulen – Sinkende Leistungen und Sorge vor Lernverlusten: Die Regierung in Oslo zieht die Reißleine und schränkt generative KI wie ChatGPT oder Claude an Schulen ein.”
Es gibt ein Kinderschutz-Argument, das ich nicht bestreite, sondern bestätige: die Gehirnentwicklung ist bei Kindern weit intensiver als bei Erwachsenen, wobei immer gilt: jede’ Jeck’ is’ anders.
Politische Prozesse orientieren sich aber nicht an Fakten, sondern an Stimmungen, die medienindustriell erzeugt und befeuert werden. Und die gehen dahin, Kinder nicht als Subjekte ernstzunehmen, sondern zu Objekten/Opfern zu reduzieren, um der Erwachsnenwelt, die dazu da ist, Verantwortung zu tragen, von ebendieser Verantwortung zu befreien. Kurz: nicht die Kinder sind das Problem, sondern die Erwachsenen. Nicht die Beherrschten sind das Problem, sondern die Herrscher*innen.
Vielen Erwachsenen erscheint die Anhörung der Kinderkompetenz irrelevant. Zu Unrecht. Wir Alten sind ihnen nciht überlegen, im Gegenteil. Ihre intensivere Gehirnverdrahtung führt zu schnellerer und intelligenterer Aufnahme der Wirklichkeit, wie wir Erwachsene sie ihnen vorgesetzt haben. Mit anderen Worten: von den Kindern können wir noch was lernen. Aber wer will das? Ist das Leben nicht stressig genug? Ja, ist es. Aber das haben nicht die Kinder zu verantworten, sondern “wir”!
Die dafür verantwortlichen Herrscher*innen sind immer weniger die mehr oder weniger gewählten Politiker*innen, sondern die ein oder zwei Hände voll Oligarchen der globalen Mediennetzwerke. Sie nennen sich bisweilen in einem autosuggestiven Slang “Transhumanisten”. Sie sind die Beherrscher der real existierenden “Artificial Intelligence” (AI/KI) im nicht minder real existierenden Kapitalismus.
Mit Letzterem beschäftigt sich ein*e unbekannt bleibende*r Autor*in bei telepolis (dort wurde auf der Startseite aie Autor*inn*enangabe abgeschafft, was sich bei der gegenwärtigen klickfehlerbegübstigenden Hitze beim Text selbst fortgesetzt hat … Strafe für Benutzerfeindlichkeit muss sein 😉 , – im Tagesverlauf hat telepolis den Autorennamen nachgereicht: Robert Schwierkus – aber ich will nicht abschweifen:
“Nils Schniederjann: Muss sich die Linke vom Liberalismus befreien? – Nils Schniederjann hinterfragt im Deutschlandfunk die Linke. Doch diese Analyse zeigt, warum die Abkehr vom Liberalismus ein gefährlicher Irrweg ist.”
Das Thema hatten wir hier und hier schon vor einer Woche. Die Argumentationsführung der*des unbekannten Autor*in/später: Schwierkus ergänzt das gut.
Ich war und bin nie ein Freund von Maschinenstürmerei. Dem technischen Fortschritt der Medizin verdanke ich, dass ich noch am Leben bin. Darum reagierte ich bei dem hier eher unverwandt:
Malte Engeler/taz: “Künstliche Intelligenz: Denken wie das verbreitete Mittelmaß – KI ist unvereinbar mit emanzipierten und freiheitlichen Gesellschaften. Dabei handelt sich nicht um einen Designfehler, sondern sie ist so gedacht.”
Einerseits ja. Andererseits ist der Gute zwei bis fünf Jahrzehnte zu spät dran, oder?
Am ehesten folgen kann ich dem im Wissenschaftsressort vergrabenen aber weiterhin paywallfreien Christian Stöcker/Spiegel:
“Auf Knopfdruck generierte Texte: Warum ich seit KI anders über digitale Technik denke – Politiker prompten Gastbeiträge, Medienunternehmer lassen ihre Meinungsartikel von KI schreiben, Schüler ihre Hausaufgaben. So neu die Technik sein mag: Die kognitive Psychologie weiß längst, was das bewirken wird.”
Ich fasse es am Beispiel meines Überlebens eines Herzinfarktes mal so zusammen: der technische Fortschritt hat den Ärzt*inn*en und dem Pflegepersonal ihre erfolgreiche Arbeit erleichtert. Und das ist es ja, was er soll. Hätte ich jedoch meine Klogänge, inkl. Befreiung meiner nächtlichen Verkabelung, mit einer KI aushandeln müssen, statt mit dem Kardiologen aus Rumänien, der Stationsärztin aus Ghana und der Pflegerin aus Vietnam – dann wäre ich an Ohnmacht längst gestorben.
Und das ist es, was die Menschenhasser unter den mächtigen Oligarchen wollen: die Überflüssigen sollen sich verpissen – wie ist egal.
Beim Einsatz von AI/KI ist nicht ihr “Missbrauch” durch Kinder und Jugendliche (Hausaufgabenerledigung, Prüfungsbetrug nach dem Vorbild des Oligarchen Döpfner etc.) das Problem. Sondern ihr Einsatz für Krieg und Profitrate, Massenmord und Massenverdummung. Ja, diese Technik hat längst (gemäss Engeler s.o.) Eigendynamik und faktische Machtausübung entfaltet. Sie ist nicht mehr aus der Wirklichkeit entfernbar. Der politische Kampf um ihre demokratische Kontrolle und ggfls. auszuhandelnde Eindämmung – er sollte endlich beginnen. Ob wir es noch erleben?
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Menschenhass/Selbsthass ist das Leitmotiv des “modernen” Faschismus
Des bekannteste Beispiel für diesen Mechanismus sind die Legionen schwuler Kardinäle und Erzbischöfe, die sich lebenslang im Schwulenhass von niemandem übertreffen lassen wollen. Der allgemeinere und noch gefährlichere Menschenhass funktioniert ganz ähnlich. Der Mensch ist ein fehlerhaftes Wesen. Gerade das macht das Leben interessant und spannend. Aber viele Artgenossen halten diese Art Spannung nicht aus. Wenn sie dabei sehr mächtig sind oder werden, wird es gemeingefährlich.
Muss man so weit gehen wie Norwegens Regierung? Stefan Krempl/heise berichtet:
“Zurück zu Buch und Stift: Norwegen verbannt KI aus Grundschulen – Sinkende Leistungen und Sorge vor Lernverlusten: Die Regierung in Oslo zieht die Reißleine und schränkt generative KI wie ChatGPT oder Claude an Schulen ein.”
Es gibt ein Kinderschutz-Argument, das ich nicht bestreite, sondern bestätige: die Gehirnentwicklung ist bei Kindern weit intensiver als bei Erwachsenen, wobei immer gilt: jede’ Jeck’ is’ anders.
Politische Prozesse orientieren sich aber nicht an Fakten, sondern an Stimmungen, die medienindustriell erzeugt und befeuert werden. Und die gehen dahin, Kinder nicht als Subjekte ernstzunehmen, sondern zu Objekten/Opfern zu reduzieren, um der Erwachsnenwelt, die dazu da ist, Verantwortung zu tragen, von ebendieser Verantwortung zu befreien. Kurz: nicht die Kinder sind das Problem, sondern die Erwachsenen. Nicht die Beherrschten sind das Problem, sondern die Herrscher*innen.
Vielen Erwachsenen erscheint die Anhörung der Kinderkompetenz irrelevant. Zu Unrecht. Wir Alten sind ihnen nciht überlegen, im Gegenteil. Ihre intensivere Gehirnverdrahtung führt zu schnellerer und intelligenterer Aufnahme der Wirklichkeit, wie wir Erwachsene sie ihnen vorgesetzt haben. Mit anderen Worten: von den Kindern können wir noch was lernen. Aber wer will das? Ist das Leben nicht stressig genug? Ja, ist es. Aber das haben nicht die Kinder zu verantworten, sondern “wir”!
Die dafür verantwortlichen Herrscher*innen sind immer weniger die mehr oder weniger gewählten Politiker*innen, sondern die ein oder zwei Hände voll Oligarchen der globalen Mediennetzwerke. Sie nennen sich bisweilen in einem autosuggestiven Slang “Transhumanisten”. Sie sind die Beherrscher der real existierenden “Artificial Intelligence” (AI/KI) im nicht minder real existierenden Kapitalismus.
Mit Letzterem beschäftigt sich ein*e unbekannt bleibende*r Autor*in bei telepolis (dort wurde auf der Startseite aie Autor*inn*enangabe abgeschafft, was sich bei der gegenwärtigen klickfehlerbegübstigenden Hitze beim Text selbst fortgesetzt hat … Strafe für Benutzerfeindlichkeit muss sein 😉 , – im Tagesverlauf hat telepolis den Autorennamen nachgereicht: Robert Schwierkus – aber ich will nicht abschweifen:
“Nils Schniederjann: Muss sich die Linke vom Liberalismus befreien? – Nils Schniederjann hinterfragt im Deutschlandfunk die Linke. Doch diese Analyse zeigt, warum die Abkehr vom Liberalismus ein gefährlicher Irrweg ist.”
Das Thema hatten wir hier und hier schon vor einer Woche. Die Argumentationsführung der*des unbekannten Autor*in/später: Schwierkus ergänzt das gut.
Ich war und bin nie ein Freund von Maschinenstürmerei. Dem technischen Fortschritt der Medizin verdanke ich, dass ich noch am Leben bin. Darum reagierte ich bei dem hier eher unverwandt:
Malte Engeler/taz: “Künstliche Intelligenz: Denken wie das verbreitete Mittelmaß – KI ist unvereinbar mit emanzipierten und freiheitlichen Gesellschaften. Dabei handelt sich nicht um einen Designfehler, sondern sie ist so gedacht.”
Einerseits ja. Andererseits ist der Gute zwei bis fünf Jahrzehnte zu spät dran, oder?
Am ehesten folgen kann ich dem im Wissenschaftsressort vergrabenen aber weiterhin paywallfreien Christian Stöcker/Spiegel:
“Auf Knopfdruck generierte Texte: Warum ich seit KI anders über digitale Technik denke – Politiker prompten Gastbeiträge, Medienunternehmer lassen ihre Meinungsartikel von KI schreiben, Schüler ihre Hausaufgaben. So neu die Technik sein mag: Die kognitive Psychologie weiß längst, was das bewirken wird.”
Ich fasse es am Beispiel meines Überlebens eines Herzinfarktes mal so zusammen: der technische Fortschritt hat den Ärzt*inn*en und dem Pflegepersonal ihre erfolgreiche Arbeit erleichtert. Und das ist es ja, was er soll. Hätte ich jedoch meine Klogänge, inkl. Befreiung meiner nächtlichen Verkabelung, mit einer KI aushandeln müssen, statt mit dem Kardiologen aus Rumänien, der Stationsärztin aus Ghana und der Pflegerin aus Vietnam – dann wäre ich an Ohnmacht längst gestorben.
Und das ist es, was die Menschenhasser unter den mächtigen Oligarchen wollen: die Überflüssigen sollen sich verpissen – wie ist egal.
Beim Einsatz von AI/KI ist nicht ihr “Missbrauch” durch Kinder und Jugendliche (Hausaufgabenerledigung, Prüfungsbetrug nach dem Vorbild des Oligarchen Döpfner etc.) das Problem. Sondern ihr Einsatz für Krieg und Profitrate, Massenmord und Massenverdummung. Ja, diese Technik hat längst (gemäss Engeler s.o.) Eigendynamik und faktische Machtausübung entfaltet. Sie ist nicht mehr aus der Wirklichkeit entfernbar. Der politische Kampf um ihre demokratische Kontrolle und ggfls. auszuhandelnde Eindämmung – er sollte endlich beginnen. Ob wir es noch erleben?
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“Immer öfter begegnen inzwischen auch wir unserem Endgegner: uns selbst”
mit Update vormittags
So sprach Friedrich Küppersbusch richtiger, als uns und ihm lieb sein kann, in der heute-show (ab Minute 10) kurz vor der WM. Zum gleichen Befund kommen
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Schadet KI dem Journalismus, Krake Paul? – Welcher Umgang mit KI-Tools ist für Journalisten richtig? Die Diskussion ist von großen Thesen und vielen Unsicherheiten geprägt – und läuft auf eine unangenehme Frage zu: Schadet sich der Journalismus mehr, wenn er keine KI benutzt? Oder wenn er es doch tut?”
und
Matthias Dell (kluger Mann!)/DLF: “Bari Weiss und der Niedergang von CBS” (Audio 4 min.) mit allzu passenden Bezügen zur deutschen Medienlandschaft
sowie:
Christian Bartels/telepolis: “152 Millionen für WM: Warum ARD und ZDF ihre Nachrichten kürzen – Für die WM-Rechte zahlen ARD und ZDF Millionen. Doch in den Spielpausen schrumpfen die Hauptnachrichten auf ein Minimum”. Derselbe Autor hatte hier schon die Selbstabschaffung der deutschen Medienpolitik beschrieben.
Einige Nummern kleiner: die Bonner Brücken und ihre Medien
Dass die derzeit gesperrte Bonner Nordbrücke baufällig ist, das weiss Wikipedia schon seit 5-10 Jahren. Seit dem Streit um den sog. “Tausendfüssler”, der sich auf der falschen Rheinseite unmittelbar an die Brücke anschliesst, und noch maroder ist als die, ist das Thema allen bekannt, die sich geringfügig damit beschäftigt haben. Und jetzt, nachdem das “Kind im Brunnen” ist, surfen GA und WDR als Lokalmedien genussvoll und wochenlang auf der Welle. Nach dem Motto: zu dem Thema ist alles gesagt, aber noch nicht von Allen.
Medien, die das Thema, sagen wir nur mal so als Beispiel, vor 2 Jahren aufgegriffen und selbst gesetzt hätten, die wären ernstgenommen worden. Aber das wollen die ja vielleicht garnicht. Die sog. Zeitung “Bild” wird ja auch von ihren Leser*inne*n nicht zum Informieren genommen, sondern zum Unterhalten – und zum Fisch einpacken.
Ist die Partei “Die Linke” auch selbst ihr Endgegner?
Dieser Verdacht wird mir von dieser bemühten Verteidigungsschrift für ihren Parteivorstand nahegelegt:
Lauren Balhorn/Jacobin: “Die Hoffnung organisieren – und dann? – Vor dem Bundesparteitag der Linken regt sich Widerstand gegen die Parteiführung. Dabei hat diese die Partei vor zwei Jahren vor dem Aus gerettet. Haben die Unzufriedenen neue Konzepte, oder wollen sie einfach nicht zu viel Veränderung?”Die Hoffnung organisieren – und dann?”
Besonders gern zerlegen sich Organisationen der Linken an Fragen, die ihnen aus der Gesellschaft niemand stellt.
Regierungsbeteiligung Ja oder Nein?
Nichts könnte weiter weg sein. Näher läge die Frage nach den Beziehungen zur niedergehenden SPD. Soll sie durch eine zu verabredende stategische Arbeitsteilung gerettet werden? Oder aufgesogen? Oder soll ein realistischer Kooperationsprozess mit offenem Ausgang gestartet werden? Eine Option am Ende eines solchen Prozesses könnte sein, aus zwei mittel- bis sehr schwachen Parteien eine mittelstarke zu machen. Das muss nicht so kommen. Kann aber.
Klar bietet die gegenwärtige SPD-Führung dafür keine Andockpunkte. Dann müssen die eben an anderen Stellen identifiziert werden. Wichtig wäre, überhaupt mit gegenseitiger Kommunikation zu beginnen, die sich eines Tages zu regelrechtem Diskurs weiterentwickeln könnte und sollte. Und wer weiss, wer dann SPD-Führung ist? Dialektik ist der Trick.
Abgeordnetenspenden symbolistisch aufgeladen und im Machtkampf instrumentalisiert
Ein klassischer Fall von alle haben Recht. Selbstverständlich wäre es ein Optimum von Glaubwürdigkeit, wenn Abgeordnete für ein Facharbeitergehalt ihre Arbeit machen. Ebenso klar ist, dass eine Partei das gegenüber gewählten Parlamentsmitgliedern nicht durchsetzen kann – das wäre in der Tat verfassungswidrig.
Der Landtagsabgeordnete und zeitweilige Fraktionsvorsitzende, für den ich 10 Jahre (gerne bis sehr gerne) gearbeitet habe, hat sein Spendenverhalten verfassungsgemäss selbst bestimmt. Daraufhin misslang ihm eine zweite Wiederwahl auf die Reserveliste seiner Partei. Alles daran war rechtmässig. Was daran politisch klug und weniger klug war – darüber gingen und gehen die Meinungen weit auseinander, ganz wie es Art. 5 GG (Meinungsfreiheit) vorsieht.
An dieser Frage eine ganze Oppositionspartei zu zerlegen, wäre die grösste anzunehmende Dummheit.
Politische Bildung der Neumitgliedermassen
Das wäre in der Tat eine der zentralen Aufgaben, eine klassische Führungsaufgabe, das zu organisieren. Exakt dafür wurden von den Verfassungsmüttern und -vätern einst die parteinahen Stiftungen und ihre massive finanzielle Privilegierung ausgedacht. In diesem Fall geht es also um die Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Hier wäre auch der richtige Ort, an einem autonomen linken Medien-Ökosystem zu arbeiten. Und zu bauen. Die Linke hat hier einen Kompetenzvorsprung vor den Andern, weil ihre Mitgliederstruktur sich stark verjüngt hat. Als Ingredienz hinzugefügt werden müsste eine konsistente Strategie. Die kann ich bisher nicht erkennen. Aber das kann auch an mir liegen.
Ein erster Schritt wäre, wenn der Autor Balhorn in seinem digitalen Medium Links zu den Texten gesetzt hätte, die er kritisiert, damit wir Leser*innen eine Chance bekämen, seine Gedankengänge nachzuvollziehen – oder fundiert zu kritisieren. Kleines digitales Einmaleins.
Wenn wir uns nun zum Abschluss mal dieses Wohnungsbauprojekt in Köln anschauen, in direkter Nachbarschaft des Deutschlandfunks, der für seine Mitarbeiter*innen wohl die Honorare verdoppeln müsste, dass sie sich diese Wohnungen leisten können, dann identifizieren wir hier die Klassenfrage unserer Zeit. Die seit vielen Jahren darauf wartet, dass die Linke – gemeint als gesellschaftlicher Sektor, und nicht nur eine einzelne Partei – sie erkennt und gesellschaftlich wirksame Bündnisse gegen diesen real existierenden Skandal des Kapitalismus organisiert.
Diese Kölner Preise hochgerechnet – mal abgesehen davon, wie scheisse das aussieht – von der Lage weit weg von funktionierenden Veedels-Strukturen, könnte ich für meine Wohnung in Beuel mehr Miete kassieren, als ich an drei zusammengerechneten Renten erhalte. That may be the economy, stupid! Aber es funktioniert nicht mehr – es ist pervers, und wird wenn nicht ex-, dann implodieren. In Kürze!
Update vormittags
Mann kann das hier Ausgeführte natürlich auch so ausdrücken:
Ambros Waibel/taz: “KI und Journalismus: Selbst schuld – Künstliche Intelligenz trifft den Journalismus wie das E-Auto den Verbrenner. Nur: Ein Tankrabatt wird nicht ausreichen, um die Branche zu retten.”
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“Immer öfter begegnen inzwischen auch wir unserem Endgegner: uns selbst”
mit Update vormittags
So sprach Friedrich Küppersbusch richtiger, als uns und ihm lieb sein kann, in der heute-show (ab Minute 10) kurz vor der WM. Zum gleichen Befund kommen
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Schadet KI dem Journalismus, Krake Paul? – Welcher Umgang mit KI-Tools ist für Journalisten richtig? Die Diskussion ist von großen Thesen und vielen Unsicherheiten geprägt – und läuft auf eine unangenehme Frage zu: Schadet sich der Journalismus mehr, wenn er keine KI benutzt? Oder wenn er es doch tut?”
und
Matthias Dell (kluger Mann!)/DLF: “Bari Weiss und der Niedergang von CBS” (Audio 4 min.) mit allzu passenden Bezügen zur deutschen Medienlandschaft
sowie:
Christian Bartels/telepolis: “152 Millionen für WM: Warum ARD und ZDF ihre Nachrichten kürzen – Für die WM-Rechte zahlen ARD und ZDF Millionen. Doch in den Spielpausen schrumpfen die Hauptnachrichten auf ein Minimum”. Derselbe Autor hatte hier schon die Selbstabschaffung der deutschen Medienpolitik beschrieben.
Einige Nummern kleiner: die Bonner Brücken und ihre Medien
Dass die derzeit gesperrte Bonner Nordbrücke baufällig ist, das weiss Wikipedia schon seit 5-10 Jahren. Seit dem Streit um den sog. “Tausendfüssler”, der sich auf der falschen Rheinseite unmittelbar an die Brücke anschliesst, und noch maroder ist als die, ist das Thema allen bekannt, die sich geringfügig damit beschäftigt haben. Und jetzt, nachdem das “Kind im Brunnen” ist, surfen GA und WDR als Lokalmedien genussvoll und wochenlang auf der Welle. Nach dem Motto: zu dem Thema ist alles gesagt, aber noch nicht von Allen.
Medien, die das Thema, sagen wir nur mal so als Beispiel, vor 2 Jahren aufgegriffen und selbst gesetzt hätten, die wären ernstgenommen worden. Aber das wollen die ja vielleicht garnicht. Die sog. Zeitung “Bild” wird ja auch von ihren Leser*inne*n nicht zum Informieren genommen, sondern zum Unterhalten – und zum Fisch einpacken.
Ist die Partei “Die Linke” auch selbst ihr Endgegner?
Dieser Verdacht wird mir von dieser bemühten Verteidigungsschrift für ihren Parteivorstand nahegelegt:
Lauren Balhorn/Jacobin: “Die Hoffnung organisieren – und dann? – Vor dem Bundesparteitag der Linken regt sich Widerstand gegen die Parteiführung. Dabei hat diese die Partei vor zwei Jahren vor dem Aus gerettet. Haben die Unzufriedenen neue Konzepte, oder wollen sie einfach nicht zu viel Veränderung?”Die Hoffnung organisieren – und dann?”
Besonders gern zerlegen sich Organisationen der Linken an Fragen, die ihnen aus der Gesellschaft niemand stellt.
Regierungsbeteiligung Ja oder Nein?
Nichts könnte weiter weg sein. Näher läge die Frage nach den Beziehungen zur niedergehenden SPD. Soll sie durch eine zu verabredende stategische Arbeitsteilung gerettet werden? Oder aufgesogen? Oder soll ein realistischer Kooperationsprozess mit offenem Ausgang gestartet werden? Eine Option am Ende eines solchen Prozesses könnte sein, aus zwei mittel- bis sehr schwachen Parteien eine mittelstarke zu machen. Das muss nicht so kommen. Kann aber.
Klar bietet die gegenwärtige SPD-Führung dafür keine Andockpunkte. Dann müssen die eben an anderen Stellen identifiziert werden. Wichtig wäre, überhaupt mit gegenseitiger Kommunikation zu beginnen, die sich eines Tages zu regelrechtem Diskurs weiterentwickeln könnte und sollte. Und wer weiss, wer dann SPD-Führung ist? Dialektik ist der Trick.
Abgeordnetenspenden symbolistisch aufgeladen und im Machtkampf instrumentalisiert
Ein klassischer Fall von alle haben Recht. Selbstverständlich wäre es ein Optimum von Glaubwürdigkeit, wenn Abgeordnete für ein Facharbeitergehalt ihre Arbeit machen. Ebenso klar ist, dass eine Partei das gegenüber gewählten Parlamentsmitgliedern nicht durchsetzen kann – das wäre in der Tat verfassungswidrig.
Der Landtagsabgeordnete und zeitweilige Fraktionsvorsitzende, für den ich 10 Jahre (gerne bis sehr gerne) gearbeitet habe, hat sein Spendenverhalten verfassungsgemäss selbst bestimmt. Daraufhin misslang ihm eine zweite Wiederwahl auf die Reserveliste seiner Partei. Alles daran war rechtmässig. Was daran politisch klug und weniger klug war – darüber gingen und gehen die Meinungen weit auseinander, ganz wie es Art. 5 GG (Meinungsfreiheit) vorsieht.
An dieser Frage eine ganze Oppositionspartei zu zerlegen, wäre die grösste anzunehmende Dummheit.
Politische Bildung der Neumitgliedermassen
Das wäre in der Tat eine der zentralen Aufgaben, eine klassische Führungsaufgabe, das zu organisieren. Exakt dafür wurden von den Verfassungsmüttern und -vätern einst die parteinahen Stiftungen und ihre massive finanzielle Privilegierung ausgedacht. In diesem Fall geht es also um die Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Hier wäre auch der richtige Ort, an einem autonomen linken Medien-Ökosystem zu arbeiten. Und zu bauen. Die Linke hat hier einen Kompetenzvorsprung vor den Andern, weil ihre Mitgliederstruktur sich stark verjüngt hat. Als Ingredienz hinzugefügt werden müsste eine konsistente Strategie. Die kann ich bisher nicht erkennen. Aber das kann auch an mir liegen.
Ein erster Schritt wäre, wenn der Autor Balhorn in seinem digitalen Medium Links zu den Texten gesetzt hätte, die er kritisiert, damit wir Leser*innen eine Chance bekämen, seine Gedankengänge nachzuvollziehen – oder fundiert zu kritisieren. Kleines digitales Einmaleins.
Wenn wir uns nun zum Abschluss mal dieses Wohnungsbauprojekt in Köln anschauen, in direkter Nachbarschaft des Deutschlandfunks, der für seine Mitarbeiter*innen wohl die Honorare verdoppeln müsste, dass sie sich diese Wohnungen leisten können, dann identifizieren wir hier die Klassenfrage unserer Zeit. Die seit vielen Jahren darauf wartet, dass die Linke – gemeint als gesellschaftlicher Sektor, und nicht nur eine einzelne Partei – sie erkennt und gesellschaftlich wirksame Bündnisse gegen diesen real existierenden Skandal des Kapitalismus organisiert.
Diese Kölner Preise hochgerechnet – mal abgesehen davon, wie scheisse das aussieht – von der Lage weit weg von funktionierenden Veedels-Strukturen, könnte ich für meine Wohnung in Beuel mehr Miete kassieren, als ich an drei zusammengerechneten Renten erhalte. That may be the economy, stupid! Aber es funktioniert nicht mehr – es ist pervers, und wird wenn nicht ex-, dann implodieren. In Kürze!
Update vormittags
Mann kann das hier Ausgeführte natürlich auch so ausdrücken:
Ambros Waibel/taz: “KI und Journalismus: Selbst schuld – Künstliche Intelligenz trifft den Journalismus wie das E-Auto den Verbrenner. Nur: Ein Tankrabatt wird nicht ausreichen, um die Branche zu retten.”
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Die Welt dreht sich weiter. Schauen Sie mal hier:
Wissen Sie noch, wo Uganda liegt? Lange nichts mehr gehört oder gelesen. Despotendiktaturen sind ja noch lange kein Grund für deutsche Medien, irgendwas zu berichten, obwohl, ooohps: Tonny Katende/Jungle World: “Für Kritik an Ugandas Staatsführung bleibt immer weniger Raum: Der Herbst des Autokraten – Ugandas Präsident Yoweri Kaguta Museveni treibt in seiner siebten Amtszeit den autoritären Umbau des Landes voran. Für Oppositionspolitik bleibt immer weniger Spielraum.”
Wenig überraschend: Trump und die Mullahs
Luca Schäfer/telepolis: “Ist der Iran-Deal nur politisches Timing für Washington? – Trump feiert den Frieden, Tel Aviv bombardiert, Teherans Hardliner rufen nach Widerstand. Warum der Deal von Genf ein leeres Versprechen ist.” Etwas viele für diesen Autor typische Konjunktive, aber nicht abwegig.
Die gute Nachricht: die Rente ist sicher
Es sei denn, Sie/sie wählen idiotisch, was leider in Deutschland noch nie auszuschliessen war.
Hans-Böckler-Stiftung: “Neue Analyse des WSI: Faktencheck Rente: Zentrale Finanzierungsdaten haben sich positiver entwickelt als oft behauptet wird”.
Hier die komplette Untersuchung: “Florian Blank: Rentenpolitik und Rentenreformen – Fakten und Argumente. WSI Policy Brief Nr. 98, Juni 2026.”
Die gute Nachricht: Schlappe für Palantir in der Schweiz
Constanze Kurz/netzpolitik: “‘Die Republik’ setzt sich gegen Palantir durch – Palantir kassiert vor einem Handelsgericht in der Schweiz eine Niederlage. Der US-Konzern wollte nach kritischer Berichterstattung der ‘Republik’ eine Gegendarstellung erreichen. Das Gericht urteilte jedoch, dass die Darstellung der Tatsachen weitestgehend korrekt sei.”
Wie hingegen die deutsche Medienpolitik objektiv und im Ergebnis gegenüber den globalen Plattformkonzernen zukreuze kriecht, nach meiner Überzeugung nicht aus Bosheit sondern aus Dummheit, das ergibt sich aus den von Christian Bartels/MDR-Altpapier dargebotenen Fakten: “Das Umsetzungsproblem – Es gibt allerhand gar nicht schlecht formulierte europäische Gesetze gegen schädliche Auswirkungen sogenannter sozialer Medien. Unklar bloß, wer sie wann und wie anwenden sollte – und ob sich überhaupt wer mit den Plattformkonzernen anlegen möchte …”. Dä.
Mein schönster Sieg
Hiernach begann ich meinen Zivildienst in Beuel: Andreas Bohne/Jacobin: “Der Soweto-Aufstand war der Anfang vom Ende der Apartheid – Heute vor 50 Jahren gingen 10.000 Schülerinnen und Schüler in Soweto auf die Straße. Die Polizei erschoss zwei von ihnen innerhalb von Minuten. Doch der Aufstand ließ sich nicht niederknüppeln – er wurde zum Wendepunkt im Kampf gegen die Apartheid.” Ein klitzekleines Bisschen habe ich dazu beigetragen – mein schönster Sieg.
Die schlechte Nachricht: Überwachung in China
Christoph Jehle/telepolis: “Überwachung in China: Wie neue KI-Brillen das Sozialkreditsystem füttern – In Tianjin tragen Polizisten 40 Gramm leichte KI-Brillen, die Gesichter in Millisekunden scannen und direkt mit Datenbanken abgleichen.” In der VR China werden klare Meinungsmehrheiten für dieserart Kontrolle vermutet, weil die Leute sich damit eine gerechte Eindämmung der grassierenden Korruption und Willkür in Staat und Partei erhoffen. Nicht ausgeschlossen, dass “wir” es auch bald so weit bringen …
Wuppertal: verarscht wie bei Stuttgart21/31
Überraschung? Nö. Julian Piepkorn/WDR: “Keine Chance für Schwimmoper Wuppertal – Trickserei bei Olympia-Bewerbung? – Die Bedenken gegen die Wettkampfstätte waren schon lange bekannt, zeigt eine WDR-Recherche. Sie wurden vor dem Bürgerentscheid allerdings nicht öffentlich gemacht. Die Staatskanzlei hält das für ‘üblich’.”
Jürgen Roth/Junge Welt quält sich genauso mit WM-Gucken, wie Roland Appel, schreibt aber noch brutaler und amsüsanter: “WM-Kolumne: Halbfinale – Gras” (nur einige Tage paywallfrei)
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Die Welt dreht sich weiter. Schauen Sie mal hier:
Wissen Sie noch, wo Uganda liegt? Lange nichts mehr gehört oder gelesen. Despotendiktaturen sind ja noch lange kein Grund für deutsche Medien, irgendwas zu berichten, obwohl, ooohps: Tonny Katende/Jungle World: “Für Kritik an Ugandas Staatsführung bleibt immer weniger Raum: Der Herbst des Autokraten – Ugandas Präsident Yoweri Kaguta Museveni treibt in seiner siebten Amtszeit den autoritären Umbau des Landes voran. Für Oppositionspolitik bleibt immer weniger Spielraum.”
Wenig überraschend: Trump und die Mullahs
Luca Schäfer/telepolis: “Ist der Iran-Deal nur politisches Timing für Washington? – Trump feiert den Frieden, Tel Aviv bombardiert, Teherans Hardliner rufen nach Widerstand. Warum der Deal von Genf ein leeres Versprechen ist.” Etwas viele für diesen Autor typische Konjunktive, aber nicht abwegig.
Die gute Nachricht: die Rente ist sicher
Es sei denn, Sie/sie wählen idiotisch, was leider in Deutschland noch nie auszuschliessen war.
Hans-Böckler-Stiftung: “Neue Analyse des WSI: Faktencheck Rente: Zentrale Finanzierungsdaten haben sich positiver entwickelt als oft behauptet wird”.
Hier die komplette Untersuchung: “Florian Blank: Rentenpolitik und Rentenreformen – Fakten und Argumente. WSI Policy Brief Nr. 98, Juni 2026.”
Die gute Nachricht: Schlappe für Palantir in der Schweiz
Constanze Kurz/netzpolitik: “‘Die Republik’ setzt sich gegen Palantir durch – Palantir kassiert vor einem Handelsgericht in der Schweiz eine Niederlage. Der US-Konzern wollte nach kritischer Berichterstattung der ‘Republik’ eine Gegendarstellung erreichen. Das Gericht urteilte jedoch, dass die Darstellung der Tatsachen weitestgehend korrekt sei.”
Wie hingegen die deutsche Medienpolitik objektiv und im Ergebnis gegenüber den globalen Plattformkonzernen zukreuze kriecht, nach meiner Überzeugung nicht aus Bosheit sondern aus Dummheit, das ergibt sich aus den von Christian Bartels/MDR-Altpapier dargebotenen Fakten: “Das Umsetzungsproblem – Es gibt allerhand gar nicht schlecht formulierte europäische Gesetze gegen schädliche Auswirkungen sogenannter sozialer Medien. Unklar bloß, wer sie wann und wie anwenden sollte – und ob sich überhaupt wer mit den Plattformkonzernen anlegen möchte …”. Dä.
Mein schönster Sieg
Hiernach begann ich meinen Zivildienst in Beuel: Andreas Bohne/Jacobin: “Der Soweto-Aufstand war der Anfang vom Ende der Apartheid – Heute vor 50 Jahren gingen 10.000 Schülerinnen und Schüler in Soweto auf die Straße. Die Polizei erschoss zwei von ihnen innerhalb von Minuten. Doch der Aufstand ließ sich nicht niederknüppeln – er wurde zum Wendepunkt im Kampf gegen die Apartheid.” Ein klitzekleines Bisschen habe ich dazu beigetragen – mein schönster Sieg.
Die schlechte Nachricht: Überwachung in China
Christoph Jehle/telepolis: “Überwachung in China: Wie neue KI-Brillen das Sozialkreditsystem füttern – In Tianjin tragen Polizisten 40 Gramm leichte KI-Brillen, die Gesichter in Millisekunden scannen und direkt mit Datenbanken abgleichen.” In der VR China werden klare Meinungsmehrheiten für dieserart Kontrolle vermutet, weil die Leute sich damit eine gerechte Eindämmung der grassierenden Korruption und Willkür in Staat und Partei erhoffen. Nicht ausgeschlossen, dass “wir” es auch bald so weit bringen …
Wuppertal: verarscht wie bei Stuttgart21/31
Überraschung? Nö. Julian Piepkorn/WDR: “Keine Chance für Schwimmoper Wuppertal – Trickserei bei Olympia-Bewerbung? – Die Bedenken gegen die Wettkampfstätte waren schon lange bekannt, zeigt eine WDR-Recherche. Sie wurden vor dem Bürgerentscheid allerdings nicht öffentlich gemacht. Die Staatskanzlei hält das für ‘üblich’.”
Jürgen Roth/Junge Welt quält sich genauso mit WM-Gucken, wie Roland Appel, schreibt aber noch brutaler und amüsanter: “WM-Kolumne: Halbfinale – Gras” (nur einige Tage paywallfrei)
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Die Welt dreht sich weiter. Schauen Sie mal hier:
Wissen Sie noch, wo Uganda liegt? Lange nichts mehr gehört oder gelesen. Despotendiktaturen sind ja noch lange kein Grund für deutsche Medien, irgendwas zu berichten, obwohl, ooohps: Tonny Katende/Jungle World: “Für Kritik an Ugandas Staatsführung bleibt immer weniger Raum: Der Herbst des Autokraten – Ugandas Präsident Yoweri Kaguta Museveni treibt in seiner siebten Amtszeit den autoritären Umbau des Landes voran. Für Oppositionspolitik bleibt immer weniger Spielraum.”
Wenig überraschend: Trump und die Mullahs
Luca Schäfer/telepolis: “Ist der Iran-Deal nur politisches Timing für Washington? – Trump feiert den Frieden, Tel Aviv bombardiert, Teherans Hardliner rufen nach Widerstand. Warum der Deal von Genf ein leeres Versprechen ist.” Etwas viele für diesen Autor typische Konjunktive, aber nicht abwegig.
Die gute Nachricht: die Rente ist sicher
Es sei denn, Sie/sie wählen idiotisch, was leider in Deutschland noch nie auszuschliessen war.
Hans-Böckler-Stiftung: “Neue Analyse des WSI: Faktencheck Rente: Zentrale Finanzierungsdaten haben sich positiver entwickelt als oft behauptet wird”.
Hier die komplette Untersuchung: “Florian Blank: Rentenpolitik und Rentenreformen – Fakten und Argumente. WSI Policy Brief Nr. 98, Juni 2026.”
Die gute Nachricht: Schlappe für Palantir in der Schweiz
Constanze Kurz/netzpolitik: “‘Die Republik’ setzt sich gegen Palantir durch – Palantir kassiert vor einem Handelsgericht in der Schweiz eine Niederlage. Der US-Konzern wollte nach kritischer Berichterstattung der ‘Republik’ eine Gegendarstellung erreichen. Das Gericht urteilte jedoch, dass die Darstellung der Tatsachen weitestgehend korrekt sei.”
Wie hingegen die deutsche Medienpolitik objektiv und im Ergebnis gegenüber den globalen Plattformkonzernen zukreuze kriecht, nach meiner Überzeugung nicht aus Bosheit sondern aus Dummheit, das ergibt sich aus den von Christian Bartels/MDR-Altpapier dargebotenen Fakten: “Das Umsetzungsproblem – Es gibt allerhand gar nicht schlecht formulierte europäische Gesetze gegen schädliche Auswirkungen sogenannter sozialer Medien. Unklar bloß, wer sie wann und wie anwenden sollte – und ob sich überhaupt wer mit den Plattformkonzernen anlegen möchte …”. Dä.
Mein schönster Sieg
Hiernach begann ich meinen Zivildienst in Beuel: Andreas Bohne/Jacobin: “Der Soweto-Aufstand war der Anfang vom Ende der Apartheid – Heute vor 50 Jahren gingen 10.000 Schülerinnen und Schüler in Soweto auf die Straße. Die Polizei erschoss zwei von ihnen innerhalb von Minuten. Doch der Aufstand ließ sich nicht niederknüppeln – er wurde zum Wendepunkt im Kampf gegen die Apartheid.” Ein klitzekleines Bisschen habe ich dazu beigetragen – mein schönster Sieg.
Die schlechte Nachricht: Überwachung in China
Christoph Jehle/telepolis: “Überwachung in China: Wie neue KI-Brillen das Sozialkreditsystem füttern – In Tianjin tragen Polizisten 40 Gramm leichte KI-Brillen, die Gesichter in Millisekunden scannen und direkt mit Datenbanken abgleichen.” In der VR China werden klare Meinungsmehrheiten für dieserart Kontrolle vermutet, weil die Leute sich damit eine gerechte Eindämmung der grassierenden Korruption und Willkür in Staat und Partei erhoffen. Nicht ausgeschlossen, dass “wir” es auch bald so weit bringen …
Wuppertal: verarscht wie bei Stuttgart21/31
Überraschung? Nö. Julian Piepkorn/WDR: “Keine Chance für Schwimmoper Wuppertal – Trickserei bei Olympia-Bewerbung? – Die Bedenken gegen die Wettkampfstätte waren schon lange bekannt, zeigt eine WDR-Recherche. Sie wurden vor dem Bürgerentscheid allerdings nicht öffentlich gemacht. Die Staatskanzlei hält das für ‘üblich’.”
Jürgen Roth/Junge Welt quält sich genauso mit WM-Gucken, wie Roland Appel, schreibt aber noch brutaler und amüsanter: “WM-Kolumne: Halbfinale – Gras” (nur einige Tage paywallfrei)
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Das sollte jedeR lesen! #Telepolis ist nicht meine bevorzugte Quelle, aber hier werden Bewertungen aus FachMedien zusammengefasst. Heraus kommt : #SpaceX Börsengang ist der größte #Betrug aZ gelungen, in der Dimension einmalig!
via @brighty.bsky.social
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Das sollte jedeR lesen! #Telepolis ist nicht meine bevorzugte Quelle, aber hier werden Bewertungen aus FachMedien zusammengefasst. Heraus kommt : #SpaceX Börsengang ist der größte #Betrug aZ gelungen, in der Dimension einmalig!
via @brighty.bsky.social
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Wo sind eigentlich die daten von „pokémon go“ gelandet?
Alles rund um diese als überwachungswanze konzipierten wischofone ist völlig vergiftet. Es ist einfach nur eine beschissene scheißkultur. Überwachung, enteignung, technikverhinderung, gängelei und halbseidene bis kriminelle machenschaften sind ihre wichtigsten merkmale — neben geräten, die als fabrikneuer müll konzipert sind und nach spätestens zwei jahren im müll landen sollen. Oder noch besser schon nach einem jahr.
Aber das sage ich schon seit rd. zwanzig jahren, und ich werde deshalb für einen „rückständigen technikfeind“ gehalten. Weil ich der meinung bin, dass einem ein gekaufter kompjuter gar nicht gehört, wenn man mit technikverhindernden technischen mitteln daran gehindert wird, selbst darüber zu entscheiden, welche softwäjhr darauf ausgeführt wird. Jetzt haben wir den digitalen feudalismus, der mit solchen bizarren übergriffen vorbereitet wurde. Und immer mehr erstubste bis erzwungene händinutzung im alltag. Und ich vermisse den trost darin, recht gehabt zu haben.
Den pokémon-go-spielern wünsche ich auch weiterhin viel spaß mit ihren taubsis und rattatas. Immer und überall schön datennackt machen, für die wirtschaft und für den totalen drohnenkrieg!
#Datensammlung #Feudalismus20 #Gaming #Handy #Link #MatthiasLindner #Niantic #PokémonGo #Telepolis -
Wo sind eigentlich die daten von „pokémon go“ gelandet?
Alles rund um diese als überwachungswanze konzipierten wischofone ist völlig vergiftet. Es ist einfach nur eine beschissene scheißkultur. Überwachung, enteignung, technikverhinderung, gängelei und halbseidene bis kriminelle machenschaften sind ihre wichtigsten merkmale — neben geräten, die als fabrikneuer müll konzipert sind und nach spätestens zwei jahren im müll landen sollen. Oder noch besser schon nach einem jahr.
Aber das sage ich schon seit rd. zwanzig jahren, und ich werde deshalb für einen „rückständigen technikfeind“ gehalten. Weil ich der meinung bin, dass einem ein gekaufter kompjuter gar nicht gehört, wenn man mit technikverhindernden technischen mitteln daran gehindert wird, selbst darüber zu entscheiden, welche softwäjhr darauf ausgeführt wird. Jetzt haben wir den digitalen feudalismus, der mit solchen bizarren übergriffen vorbereitet wurde. Und immer mehr erstubste bis erzwungene händinutzung im alltag. Und ich vermisse den trost darin, recht gehabt zu haben.
Den pokémon-go-spielern wünsche ich auch weiterhin viel spaß mit ihren taubsis und rattatas. Immer und überall schön datennackt machen, für die wirtschaft und für den totalen drohnenkrieg!
#Datensammlung #Feudalismus20 #Gaming #Handy #Link #MatthiasLindner #Niantic #PokémonGo #Telepolis -
Wo sind eigentlich die daten von „pokémon go“ gelandet?
Alles rund um diese als überwachungswanze konzipierten wischofone ist völlig vergiftet. Es ist einfach nur eine beschissene scheißkultur. Überwachung, enteignung, technikverhinderung, gängelei und halbseidene bis kriminelle machenschaften sind ihre wichtigsten merkmale — neben geräten, die als fabrikneuer müll konzipert sind und nach spätestens zwei jahren im müll landen sollen. Oder noch besser schon nach einem jahr.
Aber das sage ich schon seit rd. zwanzig jahren, und ich werde deshalb für einen „rückständigen technikfeind“ gehalten. Weil ich der meinung bin, dass einem ein gekaufter kompjuter gar nicht gehört, wenn man mit technikverhindernden technischen mitteln daran gehindert wird, selbst darüber zu entscheiden, welche softwäjhr darauf ausgeführt wird. Jetzt haben wir den digitalen feudalismus, der mit solchen bizarren übergriffen vorbereitet wurde. Und immer mehr erstubste bis erzwungene händinutzung im alltag. Und ich vermisse den trost darin, recht gehabt zu haben.
Den pokémon-go-spielern wünsche ich auch weiterhin viel spaß mit ihren taubsis und rattatas. Immer und überall schön datennackt machen, für die wirtschaft und für den totalen drohnenkrieg!
#Datensammlung #Feudalismus20 #Gaming #Handy #Link #MatthiasLindner #Niantic #PokémonGo #Telepolis -
Wo sind eigentlich die daten von „pokémon go“ gelandet?
Alles rund um diese als überwachungswanze konzipierten wischofone ist völlig vergiftet. Es ist einfach nur eine beschissene scheißkultur. Überwachung, enteignung, technikverhinderung, gängelei und halbseidene bis kriminelle machenschaften sind ihre wichtigsten merkmale — neben geräten, die als fabrikneuer müll konzipert sind und nach spätestens zwei jahren im müll landen sollen. Oder noch besser schon nach einem jahr.
Aber das sage ich schon seit rd. zwanzig jahren, und ich werde deshalb für einen „rückständigen technikfeind“ gehalten. Weil ich der meinung bin, dass einem ein gekaufter kompjuter gar nicht gehört, wenn man mit technikverhindernden technischen mitteln daran gehindert wird, selbst darüber zu entscheiden, welche softwäjhr darauf ausgeführt wird. Jetzt haben wir den digitalen feudalismus, der mit solchen bizarren übergriffen vorbereitet wurde. Und immer mehr erstubste bis erzwungene händinutzung im alltag. Und ich vermisse den trost darin, recht gehabt zu haben.
Den pokémon-go-spielern wünsche ich auch weiterhin viel spaß mit ihren taubsis und rattatas. Immer und überall schön datennackt machen, für die wirtschaft und für den totalen drohnenkrieg!
#Datensammlung #Feudalismus20 #Gaming #Handy #Link #MatthiasLindner #Niantic #PokémonGo #Telepolis -
Wo sind eigentlich die daten von „pokémon go“ gelandet?
Alles rund um diese als überwachungswanze konzipierten wischofone ist völlig vergiftet. Es ist einfach nur eine beschissene scheißkultur. Überwachung, enteignung, technikverhinderung, gängelei und halbseidene bis kriminelle machenschaften sind ihre wichtigsten merkmale — neben geräten, die als fabrikneuer müll konzipert sind und nach spätestens zwei jahren im müll landen sollen. Oder noch besser schon nach einem jahr.
Aber das sage ich schon seit rd. zwanzig jahren, und ich werde deshalb für einen „rückständigen technikfeind“ gehalten. Weil ich der meinung bin, dass einem ein gekaufter kompjuter gar nicht gehört, wenn man mit technikverhindernden technischen mitteln daran gehindert wird, selbst darüber zu entscheiden, welche softwäjhr darauf ausgeführt wird. Jetzt haben wir den digitalen feudalismus, der mit solchen bizarren übergriffen vorbereitet wurde. Und immer mehr erstubste bis erzwungene händinutzung im alltag. Und ich vermisse den trost darin, recht gehabt zu haben.
Den pokémon-go-spielern wünsche ich auch weiterhin viel spaß mit ihren taubsis und rattatas. Immer und überall schön datennackt machen, für die wirtschaft und für den totalen drohnenkrieg!
#Datensammlung #Feudalismus20 #Gaming #Handy #Link #MatthiasLindner #Niantic #PokémonGo #Telepolis -
Die EU so: Ab an die front! Morde viel und stirb wie ein mann!
#BerndMüller #EU #Krieg #Link #Männerhass #Russland #Telepolis #Ukraine
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Digitale suhveränität des tages
Hej, scheiß-EU, beschissene! Wenn das „hochsensible daten“ sind, warum liegen die dann überhaupt irgendwo auf rechnern herum, die ein bestandteil des internetzes sind? Das wäre schon an sich eine dumme und strafbarkeitswürdige scheißidee, wenn man so etwas nicht auch noch ausgerechnet in einem überwachungsstaat mit seit jahrzehnten zunehmend totalitären und gewalttätigen zügen täte, der zurzeit von einem narzisstisch gestörten idjoten mit realitätsverlusten und der von ihm ausgewählten rückgratlosen speichelleckerbande regiert wird. Nein, nicht zum ersten mal.
Daten aus den Bereichen Verteidigung, Gesundheit und Justiz sollen künftig nur noch auf „souveränen“ Clouds gespeichert werden – auf Infrastrukturen, die auch bei Handelskonflikten oder Sanktionen nicht einfach abgeschaltet werden können
Wie wäre es mal mit infrastrukturen, die vollständig vom internetz getrennt sind? Oder hat euch der lobbyist ein paar besuche im edelpuff spendiert, und seitdem haltet ihr die „klaut“, also die intransparente und gefährliche speicherung auf den kompjutern anderer leute, für eine richtig gute idee?
Nein, scheiß-EU, so eine verantwortungslosigkeit und fahrlässigkeit wird durch eine „künstliche intelligenz“, die ihr auch noch „entwickeln“ wollt, nicht besser. Was gesundheitsdaten betrifft, gab es gerade den GAU, über den die BRD-presse so schweigt wie Donald Trump möchte, dass über die Epstein-akten geschwiegen wird. Mit tief in die privat- und intimsfäre von menschen hineinragenden datensammlungen, die solchen machenschaften von ärzten und krankenhäuser völlig wehrlos ausgeliefert sind, weil ihr bei der scheiß-EU das so wollt. Reicht euch korrupten EU-arschlöchern ein derartiger vorfall noch nicht? Feinde und gilljotinenfutter seid ihr! Ja, das gilt auch für dich, du kleiner mieser scheißbürokrat und schreibtischtäter, der das für eine handvoll sold alles mitmacht.
Digital first, hochdruck second, bedauern third, fatalismus fourth.
#BerndMüller #Bullshit #Cloud #Datenschutz #EU #Korruption #Link #Telepolis #Verantwortungslosigkeit -
Deutschland: 100.000 Regeln – und niemand fühlt sich frei
26. Mai 2026 Timo Rieg
Immer neue Regeln sollen Konflikte lösen – und machen Demokratie zugleich komplizierter. Warum Freiheit und Gesetzgebung neu verhandelt werden müssen.
Wer in die Freiheit eines anderen eingreifen will, muss dies mit ihm aushandeln. Es verhandeln also nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander, so wie das im Zivilrecht üblich ist.
Da viele Wünsche nach Eingriffen in die Freiheit anderer allgegenwärtig sind, immer wieder auftreten und deshalb wohl irgendwie zum menschlichen Zusammenleben gehören, gibt es ein schier unüberschaubares Dickicht an normativen Regeln, also Gesetzen, Verordnungen, Satzungen und dergleichen.
Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Ersten: Bei der grundsätzlichen Regelung waren "die Betroffenen" eingebunden und konnten ihre (abstrakte) Zustimmung unter den vereinbarten Bedingungen geben. Und zweitens: Individuell darf jeder von einer Grundsatzregel abweichen, soweit sich die Beteiligten eben auf etwas anderes verständigen können.
Betroffene Bürger an Gesetzgebung kaum beteiligt
Der erste Punkt wird in deutschen Gesetzgebungsverfahren zumeist durch Anhörungen in den jeweiligen Parlamentsausschüssen berücksichtigt. Potentiell Betroffene kommen dabei jedoch nicht persönlich, sondern durch Lobbyverbände zu Wort. Ob dabei alle relevanten Positionen berücksichtigt werden, ist im Einzelfall zu prüfen. Angehört werden aber auch regelmäßig Experten, die gerade nicht betroffen sind, sondern von außen auf die Regelung schauen.In der Schweiz ist die Beteiligung wesentlich breiter angelegt, allerdings nur bei Regelungen, die für besonders wichtig erachtet werden. Im sogenannten "Vernehmlassungsverfahren" kann sich nach Artikel 4 VlG jeder einbringen. Einen Anspruch auf Berücksichtigung gibt es freilich nicht.
Mehrheit ist Macht – nicht unbedingt Demokratie
Abweichung von der Norm unzulässig
Der zweite Punkt ist meist nicht vorgesehen. Wenn individuelle Abweichungen möglich sein sollen, wird dies wiederum explizit geregelt, wie beispielsweise eine mögliche "Grunddienstbarkeit" (§ 1018 BGB). Ansonsten aber gelten staatlich oder kommunal aufgestellte Regeln abstrakt – ohne Vertragsfreiheit.Denkt man einmal kurz außerhalb der Dichotomie Staat auf der einen Seite, Bürger auf der anderen Seite, dann sind alle Verkehrsregeln Vereinbarungen der Betroffenen untereinander. Um nicht bei jedem Aufeinandertreffen von zwei Verkehrsteilnehmern ein individuelles Aushandeln zu verlangen (mit der oft schwierigen Frage, wer gerade eigentlich von wem etwas will), einigt man sich auf Grundlagen wie Rechts vor Links, Halt bei roter Ampel etc.
Abstrakte Regeln gelten ausnahmslos
Solche Regeln gelten auch, wenn niemand anwesend ist, der diese Regel für sich beanspruchen möchte. Beispiel Fußgängerampel: Zeigt sie dem Straßenverkehr Rot, muss ein Fahrzeug stehenbleiben, auch wenn weit und breit sonst niemand zugegen ist, wie das Bayerische Oberste Landesgericht (1 ObOWi 58/03) entschieden hat.Über solch abstrakte Regelungen hat zwar schon Kurt Tucholsky 1929 gespottet, doch die Anzahl von immer gültigen Ge- und Verboten hat sich seit seiner Zeit vervielfacht. Allein auf Bundesebene gelten derzeit etwa 100.000 Einzelnormen.
Die trotz aller Proklamationen zum Bürokratieabbau zunehmenden Regelungen führen nicht nur zu einer praktischen Unüberschaubarkeit mit der Folge, dass sich kaum jemand sicher sein kann, stets rechtskonform zu leben, sie sind letztlich auch ein Offenbarungseid der Politik.
Vom Speziellen zum Allgemeinen
Denn wo immer eine neue Spezialregel gesetzt wird, zeigt sich in Wahrheit, dass eine Grundfrage nicht geklärt ist. Der richtige, nämlich an individueller Freiheit orientierte und Willkür vermeidende Weg ist stets, von Detailregelungen zu Grundregeln zu kommen. Wo dies nicht gelingt, drücken sich Gesellschaft oder wenigstens Politiker davor, den Kern zu verhandeln.Die zehn Gebote kamen noch mit dem einen Satz aus: Du sollst (bzw. nach dem Original eher "wirst") nicht töten. Vielleicht müsste man dem noch eine Ausnahme hinzufügen der Art: außer in Notwehr. Aber das deutsche Strafrecht unterscheidet hier zig Fallkonstellationen, und im Kriegsfalle ist ohnehin alles anders.
Die Weigerung, sich auf nachvollziehbare Grundregeln zu verständigen, zeigt aktuell die Diskussion um weitere Detailvorgaben im Sexualstrafrecht. Von Deepfake bis "nur Ja heißt Ja" werden immer neu "Strafbarkeitslücken" ausgemacht, die weitere Einzelnormen verlangen sollen.
Kein Ende neuer Regelungen in Sicht
Bei diesem Weg ist klar: Gut geregelt sein wird das Land nie. Es wird immer weitere Ge- und Verbote brauchen, niemals wird der Punkt kommen, an dem Politiker (und Bürger) sagen: nun ist alles klar, Danke, mehr ist nicht zu tun.Was eben umgekehrt bedeuten muss: bisher sind unsere Regeln ungenügend, trotz bald 80 Jahren bundesrepublikanischem Geschraube an ihnen.
In einer "Demokratie der Freiheit" wären also dringend große Konsultationen angesagt. Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern die logische Folge eindeutiger und konsensfähiger Regelungen.
Groß müssten diese Konsultationen sein, weil von Strafgesetzen alle betroffen sind. Nicht, dass sich jeder als potentiellen Straftäter sehen müsste, aber Urteile ergehen "im Namen des Volkes", mithin muss dieses Volk die entsprechenden Strafnormen grundsätzlich gefordert haben.
Im Zivilrecht sind hingegen längst nicht alle von jeder Regelung potentiell betroffen, doch die Kreise, die miteinander zu verhandeln hätten, wären immer noch sehr groß.
Grundeigentum und Demokratie:
Warum wir über Boden verhandeln müsstenVolksentscheid nicht in Sicht
Doch solche Konsultationen sind bisher nicht vorgesehen. Die Versuche dazu mit Bürgerräten (Pro und Contra diskutiert in drei Teilen) stoßen vor allem bei Konservativen auf Ablehnung. Das Instrument des Volksentscheids gibt es auf Bundesebene in Deutschland nicht - und wird wohl auch nicht kommen (denn es stand schon in verschiedensten Wahlprogrammen).Und eine große zivilgesellschaftliche Debatte ist auch nicht in Sicht, zumal jede Verständigung auf einfache Grundregeln immer auch den Verzicht auf Ausnahmen zu eigenen Gunsten einschließt. Ein übermächtiger Staat wird zwar gerne kritisiert; doch sobald es um die eigenen Pfründen geht, wollen sich viele doch lieber auf eine Detailregelung der Politik berufen, als eigenständig mit dem Nachbarn zu verhandeln.
Vorrang für lokale Regelungen
Einen Ausweg böte eine andere Normenhierarchie, die auf den ersten Blick als Widerspruch zum Vorrang von Grundregeln vor Detailregeln gesehen werden könnte, nämlich nicht von möglichst weit oben, sondern stets von so weit wie möglich unten her etwas zu regeln.Aber vom Ansatz her, dass nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander zu verhandeln haben, ist es einfacher und gerechter, lokale Unterschiede zu akzeptieren, als alles mindestens bundesweit, inzwischen ja oft EU-weit gleichermaßen vorzuschreiben.
Das bedeutet noch nicht, dass jedes Dorf, jeder Kiez, jeder Wohnblock machen kann, was er mag, solange er sich darauf geeinigt hat. Denn wo immer Externe Betroffen sind, sind sie eben in die Aushandlung einzubeziehen. Die Rauchgase aus dem heimischen Kamin verbleiben eben nicht vor Ort - der Lärm eines Straßenfestes aber schon.
Vielfalt ist keine Kleinstaaterei
Den Kommunen, vor allem aber auch den Einwohnern selbst hier deutlich mehr Selbstbestimmung zuzugestehen, wäre ein fundamentaler Schritt zu mehr Freiheit. Und auf diesen überschaubaren Ebenen lassen sich Aushandlungen der Betroffenen miteinander auch relativ einfach organisieren."Kleinstaaterei" wird es hier schallen. Dabei möchte doch fast jeder wenigstens hinter seiner Wohnungstür von Vorschriften, die irgendwelche Nicht-Betroffenen kraft ihres Amtes ersonnen haben oder gerade ersinnen, verschont bleiben.
Und eine "Opt-Out"-Erlaubnis wäre ja längst keine Pflicht, überall das Rad neu zu erfinden. Aber es wäre die Chance, Demokratie als Selbstbestimmung deutlich mehr Raum zu geben.
#telepolis #freiheit #regulierung #überregulierung #demokratie #nannystate #nannystatementality
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Deutschland: 100.000 Regeln – und niemand fühlt sich frei
26. Mai 2026 Timo Rieg
Immer neue Regeln sollen Konflikte lösen – und machen Demokratie zugleich komplizierter. Warum Freiheit und Gesetzgebung neu verhandelt werden müssen.
Wer in die Freiheit eines anderen eingreifen will, muss dies mit ihm aushandeln. Es verhandeln also nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander, so wie das im Zivilrecht üblich ist.
Da viele Wünsche nach Eingriffen in die Freiheit anderer allgegenwärtig sind, immer wieder auftreten und deshalb wohl irgendwie zum menschlichen Zusammenleben gehören, gibt es ein schier unüberschaubares Dickicht an normativen Regeln, also Gesetzen, Verordnungen, Satzungen und dergleichen.
Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Ersten: Bei der grundsätzlichen Regelung waren "die Betroffenen" eingebunden und konnten ihre (abstrakte) Zustimmung unter den vereinbarten Bedingungen geben. Und zweitens: Individuell darf jeder von einer Grundsatzregel abweichen, soweit sich die Beteiligten eben auf etwas anderes verständigen können.
Betroffene Bürger an Gesetzgebung kaum beteiligt
Der erste Punkt wird in deutschen Gesetzgebungsverfahren zumeist durch Anhörungen in den jeweiligen Parlamentsausschüssen berücksichtigt. Potentiell Betroffene kommen dabei jedoch nicht persönlich, sondern durch Lobbyverbände zu Wort. Ob dabei alle relevanten Positionen berücksichtigt werden, ist im Einzelfall zu prüfen. Angehört werden aber auch regelmäßig Experten, die gerade nicht betroffen sind, sondern von außen auf die Regelung schauen.In der Schweiz ist die Beteiligung wesentlich breiter angelegt, allerdings nur bei Regelungen, die für besonders wichtig erachtet werden. Im sogenannten "Vernehmlassungsverfahren" kann sich nach Artikel 4 VlG jeder einbringen. Einen Anspruch auf Berücksichtigung gibt es freilich nicht.
Mehrheit ist Macht – nicht unbedingt Demokratie
Abweichung von der Norm unzulässig
Der zweite Punkt ist meist nicht vorgesehen. Wenn individuelle Abweichungen möglich sein sollen, wird dies wiederum explizit geregelt, wie beispielsweise eine mögliche "Grunddienstbarkeit" (§ 1018 BGB). Ansonsten aber gelten staatlich oder kommunal aufgestellte Regeln abstrakt – ohne Vertragsfreiheit.Denkt man einmal kurz außerhalb der Dichotomie Staat auf der einen Seite, Bürger auf der anderen Seite, dann sind alle Verkehrsregeln Vereinbarungen der Betroffenen untereinander. Um nicht bei jedem Aufeinandertreffen von zwei Verkehrsteilnehmern ein individuelles Aushandeln zu verlangen (mit der oft schwierigen Frage, wer gerade eigentlich von wem etwas will), einigt man sich auf Grundlagen wie Rechts vor Links, Halt bei roter Ampel etc.
Abstrakte Regeln gelten ausnahmslos
Solche Regeln gelten auch, wenn niemand anwesend ist, der diese Regel für sich beanspruchen möchte. Beispiel Fußgängerampel: Zeigt sie dem Straßenverkehr Rot, muss ein Fahrzeug stehenbleiben, auch wenn weit und breit sonst niemand zugegen ist, wie das Bayerische Oberste Landesgericht (1 ObOWi 58/03) entschieden hat.Über solch abstrakte Regelungen hat zwar schon Kurt Tucholsky 1929 gespottet, doch die Anzahl von immer gültigen Ge- und Verboten hat sich seit seiner Zeit vervielfacht. Allein auf Bundesebene gelten derzeit etwa 100.000 Einzelnormen.
Die trotz aller Proklamationen zum Bürokratieabbau zunehmenden Regelungen führen nicht nur zu einer praktischen Unüberschaubarkeit mit der Folge, dass sich kaum jemand sicher sein kann, stets rechtskonform zu leben, sie sind letztlich auch ein Offenbarungseid der Politik.
Vom Speziellen zum Allgemeinen
Denn wo immer eine neue Spezialregel gesetzt wird, zeigt sich in Wahrheit, dass eine Grundfrage nicht geklärt ist. Der richtige, nämlich an individueller Freiheit orientierte und Willkür vermeidende Weg ist stets, von Detailregelungen zu Grundregeln zu kommen. Wo dies nicht gelingt, drücken sich Gesellschaft oder wenigstens Politiker davor, den Kern zu verhandeln.Die zehn Gebote kamen noch mit dem einen Satz aus: Du sollst (bzw. nach dem Original eher "wirst") nicht töten. Vielleicht müsste man dem noch eine Ausnahme hinzufügen der Art: außer in Notwehr. Aber das deutsche Strafrecht unterscheidet hier zig Fallkonstellationen, und im Kriegsfalle ist ohnehin alles anders.
Die Weigerung, sich auf nachvollziehbare Grundregeln zu verständigen, zeigt aktuell die Diskussion um weitere Detailvorgaben im Sexualstrafrecht. Von Deepfake bis "nur Ja heißt Ja" werden immer neu "Strafbarkeitslücken" ausgemacht, die weitere Einzelnormen verlangen sollen.
Kein Ende neuer Regelungen in Sicht
Bei diesem Weg ist klar: Gut geregelt sein wird das Land nie. Es wird immer weitere Ge- und Verbote brauchen, niemals wird der Punkt kommen, an dem Politiker (und Bürger) sagen: nun ist alles klar, Danke, mehr ist nicht zu tun.Was eben umgekehrt bedeuten muss: bisher sind unsere Regeln ungenügend, trotz bald 80 Jahren bundesrepublikanischem Geschraube an ihnen.
In einer "Demokratie der Freiheit" wären also dringend große Konsultationen angesagt. Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern die logische Folge eindeutiger und konsensfähiger Regelungen.
Groß müssten diese Konsultationen sein, weil von Strafgesetzen alle betroffen sind. Nicht, dass sich jeder als potentiellen Straftäter sehen müsste, aber Urteile ergehen "im Namen des Volkes", mithin muss dieses Volk die entsprechenden Strafnormen grundsätzlich gefordert haben.
Im Zivilrecht sind hingegen längst nicht alle von jeder Regelung potentiell betroffen, doch die Kreise, die miteinander zu verhandeln hätten, wären immer noch sehr groß.
Grundeigentum und Demokratie:
Warum wir über Boden verhandeln müsstenVolksentscheid nicht in Sicht
Doch solche Konsultationen sind bisher nicht vorgesehen. Die Versuche dazu mit Bürgerräten (Pro und Contra diskutiert in drei Teilen) stoßen vor allem bei Konservativen auf Ablehnung. Das Instrument des Volksentscheids gibt es auf Bundesebene in Deutschland nicht - und wird wohl auch nicht kommen (denn es stand schon in verschiedensten Wahlprogrammen).Und eine große zivilgesellschaftliche Debatte ist auch nicht in Sicht, zumal jede Verständigung auf einfache Grundregeln immer auch den Verzicht auf Ausnahmen zu eigenen Gunsten einschließt. Ein übermächtiger Staat wird zwar gerne kritisiert; doch sobald es um die eigenen Pfründen geht, wollen sich viele doch lieber auf eine Detailregelung der Politik berufen, als eigenständig mit dem Nachbarn zu verhandeln.
Vorrang für lokale Regelungen
Einen Ausweg böte eine andere Normenhierarchie, die auf den ersten Blick als Widerspruch zum Vorrang von Grundregeln vor Detailregeln gesehen werden könnte, nämlich nicht von möglichst weit oben, sondern stets von so weit wie möglich unten her etwas zu regeln.Aber vom Ansatz her, dass nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander zu verhandeln haben, ist es einfacher und gerechter, lokale Unterschiede zu akzeptieren, als alles mindestens bundesweit, inzwischen ja oft EU-weit gleichermaßen vorzuschreiben.
Das bedeutet noch nicht, dass jedes Dorf, jeder Kiez, jeder Wohnblock machen kann, was er mag, solange er sich darauf geeinigt hat. Denn wo immer Externe Betroffen sind, sind sie eben in die Aushandlung einzubeziehen. Die Rauchgase aus dem heimischen Kamin verbleiben eben nicht vor Ort - der Lärm eines Straßenfestes aber schon.
Vielfalt ist keine Kleinstaaterei
Den Kommunen, vor allem aber auch den Einwohnern selbst hier deutlich mehr Selbstbestimmung zuzugestehen, wäre ein fundamentaler Schritt zu mehr Freiheit. Und auf diesen überschaubaren Ebenen lassen sich Aushandlungen der Betroffenen miteinander auch relativ einfach organisieren."Kleinstaaterei" wird es hier schallen. Dabei möchte doch fast jeder wenigstens hinter seiner Wohnungstür von Vorschriften, die irgendwelche Nicht-Betroffenen kraft ihres Amtes ersonnen haben oder gerade ersinnen, verschont bleiben.
Und eine "Opt-Out"-Erlaubnis wäre ja längst keine Pflicht, überall das Rad neu zu erfinden. Aber es wäre die Chance, Demokratie als Selbstbestimmung deutlich mehr Raum zu geben.
#telepolis #freiheit #regulierung #überregulierung #demokratie #nannystate #nannystatementality
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Deutschland: 100.000 Regeln – und niemand fühlt sich frei
26. Mai 2026 Timo Rieg
Immer neue Regeln sollen Konflikte lösen – und machen Demokratie zugleich komplizierter. Warum Freiheit und Gesetzgebung neu verhandelt werden müssen.
Wer in die Freiheit eines anderen eingreifen will, muss dies mit ihm aushandeln. Es verhandeln also nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander, so wie das im Zivilrecht üblich ist.
Da viele Wünsche nach Eingriffen in die Freiheit anderer allgegenwärtig sind, immer wieder auftreten und deshalb wohl irgendwie zum menschlichen Zusammenleben gehören, gibt es ein schier unüberschaubares Dickicht an normativen Regeln, also Gesetzen, Verordnungen, Satzungen und dergleichen.
Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Ersten: Bei der grundsätzlichen Regelung waren "die Betroffenen" eingebunden und konnten ihre (abstrakte) Zustimmung unter den vereinbarten Bedingungen geben. Und zweitens: Individuell darf jeder von einer Grundsatzregel abweichen, soweit sich die Beteiligten eben auf etwas anderes verständigen können.
Betroffene Bürger an Gesetzgebung kaum beteiligt
Der erste Punkt wird in deutschen Gesetzgebungsverfahren zumeist durch Anhörungen in den jeweiligen Parlamentsausschüssen berücksichtigt. Potentiell Betroffene kommen dabei jedoch nicht persönlich, sondern durch Lobbyverbände zu Wort. Ob dabei alle relevanten Positionen berücksichtigt werden, ist im Einzelfall zu prüfen. Angehört werden aber auch regelmäßig Experten, die gerade nicht betroffen sind, sondern von außen auf die Regelung schauen.In der Schweiz ist die Beteiligung wesentlich breiter angelegt, allerdings nur bei Regelungen, die für besonders wichtig erachtet werden. Im sogenannten "Vernehmlassungsverfahren" kann sich nach Artikel 4 VlG jeder einbringen. Einen Anspruch auf Berücksichtigung gibt es freilich nicht.
Mehrheit ist Macht – nicht unbedingt Demokratie
Abweichung von der Norm unzulässig
Der zweite Punkt ist meist nicht vorgesehen. Wenn individuelle Abweichungen möglich sein sollen, wird dies wiederum explizit geregelt, wie beispielsweise eine mögliche "Grunddienstbarkeit" (§ 1018 BGB). Ansonsten aber gelten staatlich oder kommunal aufgestellte Regeln abstrakt – ohne Vertragsfreiheit.Denkt man einmal kurz außerhalb der Dichotomie Staat auf der einen Seite, Bürger auf der anderen Seite, dann sind alle Verkehrsregeln Vereinbarungen der Betroffenen untereinander. Um nicht bei jedem Aufeinandertreffen von zwei Verkehrsteilnehmern ein individuelles Aushandeln zu verlangen (mit der oft schwierigen Frage, wer gerade eigentlich von wem etwas will), einigt man sich auf Grundlagen wie Rechts vor Links, Halt bei roter Ampel etc.
Abstrakte Regeln gelten ausnahmslos
Solche Regeln gelten auch, wenn niemand anwesend ist, der diese Regel für sich beanspruchen möchte. Beispiel Fußgängerampel: Zeigt sie dem Straßenverkehr Rot, muss ein Fahrzeug stehenbleiben, auch wenn weit und breit sonst niemand zugegen ist, wie das Bayerische Oberste Landesgericht (1 ObOWi 58/03) entschieden hat.Über solch abstrakte Regelungen hat zwar schon Kurt Tucholsky 1929 gespottet, doch die Anzahl von immer gültigen Ge- und Verboten hat sich seit seiner Zeit vervielfacht. Allein auf Bundesebene gelten derzeit etwa 100.000 Einzelnormen.
Die trotz aller Proklamationen zum Bürokratieabbau zunehmenden Regelungen führen nicht nur zu einer praktischen Unüberschaubarkeit mit der Folge, dass sich kaum jemand sicher sein kann, stets rechtskonform zu leben, sie sind letztlich auch ein Offenbarungseid der Politik.
Vom Speziellen zum Allgemeinen
Denn wo immer eine neue Spezialregel gesetzt wird, zeigt sich in Wahrheit, dass eine Grundfrage nicht geklärt ist. Der richtige, nämlich an individueller Freiheit orientierte und Willkür vermeidende Weg ist stets, von Detailregelungen zu Grundregeln zu kommen. Wo dies nicht gelingt, drücken sich Gesellschaft oder wenigstens Politiker davor, den Kern zu verhandeln.Die zehn Gebote kamen noch mit dem einen Satz aus: Du sollst (bzw. nach dem Original eher "wirst") nicht töten. Vielleicht müsste man dem noch eine Ausnahme hinzufügen der Art: außer in Notwehr. Aber das deutsche Strafrecht unterscheidet hier zig Fallkonstellationen, und im Kriegsfalle ist ohnehin alles anders.
Die Weigerung, sich auf nachvollziehbare Grundregeln zu verständigen, zeigt aktuell die Diskussion um weitere Detailvorgaben im Sexualstrafrecht. Von Deepfake bis "nur Ja heißt Ja" werden immer neu "Strafbarkeitslücken" ausgemacht, die weitere Einzelnormen verlangen sollen.
Kein Ende neuer Regelungen in Sicht
Bei diesem Weg ist klar: Gut geregelt sein wird das Land nie. Es wird immer weitere Ge- und Verbote brauchen, niemals wird der Punkt kommen, an dem Politiker (und Bürger) sagen: nun ist alles klar, Danke, mehr ist nicht zu tun.Was eben umgekehrt bedeuten muss: bisher sind unsere Regeln ungenügend, trotz bald 80 Jahren bundesrepublikanischem Geschraube an ihnen.
In einer "Demokratie der Freiheit" wären also dringend große Konsultationen angesagt. Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern die logische Folge eindeutiger und konsensfähiger Regelungen.
Groß müssten diese Konsultationen sein, weil von Strafgesetzen alle betroffen sind. Nicht, dass sich jeder als potentiellen Straftäter sehen müsste, aber Urteile ergehen "im Namen des Volkes", mithin muss dieses Volk die entsprechenden Strafnormen grundsätzlich gefordert haben.
Im Zivilrecht sind hingegen längst nicht alle von jeder Regelung potentiell betroffen, doch die Kreise, die miteinander zu verhandeln hätten, wären immer noch sehr groß.
Grundeigentum und Demokratie:
Warum wir über Boden verhandeln müsstenVolksentscheid nicht in Sicht
Doch solche Konsultationen sind bisher nicht vorgesehen. Die Versuche dazu mit Bürgerräten (Pro und Contra diskutiert in drei Teilen) stoßen vor allem bei Konservativen auf Ablehnung. Das Instrument des Volksentscheids gibt es auf Bundesebene in Deutschland nicht - und wird wohl auch nicht kommen (denn es stand schon in verschiedensten Wahlprogrammen).Und eine große zivilgesellschaftliche Debatte ist auch nicht in Sicht, zumal jede Verständigung auf einfache Grundregeln immer auch den Verzicht auf Ausnahmen zu eigenen Gunsten einschließt. Ein übermächtiger Staat wird zwar gerne kritisiert; doch sobald es um die eigenen Pfründen geht, wollen sich viele doch lieber auf eine Detailregelung der Politik berufen, als eigenständig mit dem Nachbarn zu verhandeln.
Vorrang für lokale Regelungen
Einen Ausweg böte eine andere Normenhierarchie, die auf den ersten Blick als Widerspruch zum Vorrang von Grundregeln vor Detailregeln gesehen werden könnte, nämlich nicht von möglichst weit oben, sondern stets von so weit wie möglich unten her etwas zu regeln.Aber vom Ansatz her, dass nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander zu verhandeln haben, ist es einfacher und gerechter, lokale Unterschiede zu akzeptieren, als alles mindestens bundesweit, inzwischen ja oft EU-weit gleichermaßen vorzuschreiben.
Das bedeutet noch nicht, dass jedes Dorf, jeder Kiez, jeder Wohnblock machen kann, was er mag, solange er sich darauf geeinigt hat. Denn wo immer Externe Betroffen sind, sind sie eben in die Aushandlung einzubeziehen. Die Rauchgase aus dem heimischen Kamin verbleiben eben nicht vor Ort - der Lärm eines Straßenfestes aber schon.
Vielfalt ist keine Kleinstaaterei
Den Kommunen, vor allem aber auch den Einwohnern selbst hier deutlich mehr Selbstbestimmung zuzugestehen, wäre ein fundamentaler Schritt zu mehr Freiheit. Und auf diesen überschaubaren Ebenen lassen sich Aushandlungen der Betroffenen miteinander auch relativ einfach organisieren."Kleinstaaterei" wird es hier schallen. Dabei möchte doch fast jeder wenigstens hinter seiner Wohnungstür von Vorschriften, die irgendwelche Nicht-Betroffenen kraft ihres Amtes ersonnen haben oder gerade ersinnen, verschont bleiben.
Und eine "Opt-Out"-Erlaubnis wäre ja längst keine Pflicht, überall das Rad neu zu erfinden. Aber es wäre die Chance, Demokratie als Selbstbestimmung deutlich mehr Raum zu geben.
#telepolis #freiheit #regulierung #überregulierung #demokratie #nannystate #nannystatementality
-
Deutschland: 100.000 Regeln – und niemand fühlt sich frei
26. Mai 2026 Timo Rieg
Immer neue Regeln sollen Konflikte lösen – und machen Demokratie zugleich komplizierter. Warum Freiheit und Gesetzgebung neu verhandelt werden müssen.
Wer in die Freiheit eines anderen eingreifen will, muss dies mit ihm aushandeln. Es verhandeln also nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander, so wie das im Zivilrecht üblich ist.
Da viele Wünsche nach Eingriffen in die Freiheit anderer allgegenwärtig sind, immer wieder auftreten und deshalb wohl irgendwie zum menschlichen Zusammenleben gehören, gibt es ein schier unüberschaubares Dickicht an normativen Regeln, also Gesetzen, Verordnungen, Satzungen und dergleichen.
Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Ersten: Bei der grundsätzlichen Regelung waren "die Betroffenen" eingebunden und konnten ihre (abstrakte) Zustimmung unter den vereinbarten Bedingungen geben. Und zweitens: Individuell darf jeder von einer Grundsatzregel abweichen, soweit sich die Beteiligten eben auf etwas anderes verständigen können.
Betroffene Bürger an Gesetzgebung kaum beteiligt
Der erste Punkt wird in deutschen Gesetzgebungsverfahren zumeist durch Anhörungen in den jeweiligen Parlamentsausschüssen berücksichtigt. Potentiell Betroffene kommen dabei jedoch nicht persönlich, sondern durch Lobbyverbände zu Wort. Ob dabei alle relevanten Positionen berücksichtigt werden, ist im Einzelfall zu prüfen. Angehört werden aber auch regelmäßig Experten, die gerade nicht betroffen sind, sondern von außen auf die Regelung schauen.In der Schweiz ist die Beteiligung wesentlich breiter angelegt, allerdings nur bei Regelungen, die für besonders wichtig erachtet werden. Im sogenannten "Vernehmlassungsverfahren" kann sich nach Artikel 4 VlG jeder einbringen. Einen Anspruch auf Berücksichtigung gibt es freilich nicht.
Mehrheit ist Macht – nicht unbedingt Demokratie
Abweichung von der Norm unzulässig
Der zweite Punkt ist meist nicht vorgesehen. Wenn individuelle Abweichungen möglich sein sollen, wird dies wiederum explizit geregelt, wie beispielsweise eine mögliche "Grunddienstbarkeit" (§ 1018 BGB). Ansonsten aber gelten staatlich oder kommunal aufgestellte Regeln abstrakt – ohne Vertragsfreiheit.Denkt man einmal kurz außerhalb der Dichotomie Staat auf der einen Seite, Bürger auf der anderen Seite, dann sind alle Verkehrsregeln Vereinbarungen der Betroffenen untereinander. Um nicht bei jedem Aufeinandertreffen von zwei Verkehrsteilnehmern ein individuelles Aushandeln zu verlangen (mit der oft schwierigen Frage, wer gerade eigentlich von wem etwas will), einigt man sich auf Grundlagen wie Rechts vor Links, Halt bei roter Ampel etc.
Abstrakte Regeln gelten ausnahmslos
Solche Regeln gelten auch, wenn niemand anwesend ist, der diese Regel für sich beanspruchen möchte. Beispiel Fußgängerampel: Zeigt sie dem Straßenverkehr Rot, muss ein Fahrzeug stehenbleiben, auch wenn weit und breit sonst niemand zugegen ist, wie das Bayerische Oberste Landesgericht (1 ObOWi 58/03) entschieden hat.Über solch abstrakte Regelungen hat zwar schon Kurt Tucholsky 1929 gespottet, doch die Anzahl von immer gültigen Ge- und Verboten hat sich seit seiner Zeit vervielfacht. Allein auf Bundesebene gelten derzeit etwa 100.000 Einzelnormen.
Die trotz aller Proklamationen zum Bürokratieabbau zunehmenden Regelungen führen nicht nur zu einer praktischen Unüberschaubarkeit mit der Folge, dass sich kaum jemand sicher sein kann, stets rechtskonform zu leben, sie sind letztlich auch ein Offenbarungseid der Politik.
Vom Speziellen zum Allgemeinen
Denn wo immer eine neue Spezialregel gesetzt wird, zeigt sich in Wahrheit, dass eine Grundfrage nicht geklärt ist. Der richtige, nämlich an individueller Freiheit orientierte und Willkür vermeidende Weg ist stets, von Detailregelungen zu Grundregeln zu kommen. Wo dies nicht gelingt, drücken sich Gesellschaft oder wenigstens Politiker davor, den Kern zu verhandeln.Die zehn Gebote kamen noch mit dem einen Satz aus: Du sollst (bzw. nach dem Original eher "wirst") nicht töten. Vielleicht müsste man dem noch eine Ausnahme hinzufügen der Art: außer in Notwehr. Aber das deutsche Strafrecht unterscheidet hier zig Fallkonstellationen, und im Kriegsfalle ist ohnehin alles anders.
Die Weigerung, sich auf nachvollziehbare Grundregeln zu verständigen, zeigt aktuell die Diskussion um weitere Detailvorgaben im Sexualstrafrecht. Von Deepfake bis "nur Ja heißt Ja" werden immer neu "Strafbarkeitslücken" ausgemacht, die weitere Einzelnormen verlangen sollen.
Kein Ende neuer Regelungen in Sicht
Bei diesem Weg ist klar: Gut geregelt sein wird das Land nie. Es wird immer weitere Ge- und Verbote brauchen, niemals wird der Punkt kommen, an dem Politiker (und Bürger) sagen: nun ist alles klar, Danke, mehr ist nicht zu tun.Was eben umgekehrt bedeuten muss: bisher sind unsere Regeln ungenügend, trotz bald 80 Jahren bundesrepublikanischem Geschraube an ihnen.
In einer "Demokratie der Freiheit" wären also dringend große Konsultationen angesagt. Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern die logische Folge eindeutiger und konsensfähiger Regelungen.
Groß müssten diese Konsultationen sein, weil von Strafgesetzen alle betroffen sind. Nicht, dass sich jeder als potentiellen Straftäter sehen müsste, aber Urteile ergehen "im Namen des Volkes", mithin muss dieses Volk die entsprechenden Strafnormen grundsätzlich gefordert haben.
Im Zivilrecht sind hingegen längst nicht alle von jeder Regelung potentiell betroffen, doch die Kreise, die miteinander zu verhandeln hätten, wären immer noch sehr groß.
Grundeigentum und Demokratie:
Warum wir über Boden verhandeln müsstenVolksentscheid nicht in Sicht
Doch solche Konsultationen sind bisher nicht vorgesehen. Die Versuche dazu mit Bürgerräten (Pro und Contra diskutiert in drei Teilen) stoßen vor allem bei Konservativen auf Ablehnung. Das Instrument des Volksentscheids gibt es auf Bundesebene in Deutschland nicht - und wird wohl auch nicht kommen (denn es stand schon in verschiedensten Wahlprogrammen).Und eine große zivilgesellschaftliche Debatte ist auch nicht in Sicht, zumal jede Verständigung auf einfache Grundregeln immer auch den Verzicht auf Ausnahmen zu eigenen Gunsten einschließt. Ein übermächtiger Staat wird zwar gerne kritisiert; doch sobald es um die eigenen Pfründen geht, wollen sich viele doch lieber auf eine Detailregelung der Politik berufen, als eigenständig mit dem Nachbarn zu verhandeln.
Vorrang für lokale Regelungen
Einen Ausweg böte eine andere Normenhierarchie, die auf den ersten Blick als Widerspruch zum Vorrang von Grundregeln vor Detailregeln gesehen werden könnte, nämlich nicht von möglichst weit oben, sondern stets von so weit wie möglich unten her etwas zu regeln.Aber vom Ansatz her, dass nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander zu verhandeln haben, ist es einfacher und gerechter, lokale Unterschiede zu akzeptieren, als alles mindestens bundesweit, inzwischen ja oft EU-weit gleichermaßen vorzuschreiben.
Das bedeutet noch nicht, dass jedes Dorf, jeder Kiez, jeder Wohnblock machen kann, was er mag, solange er sich darauf geeinigt hat. Denn wo immer Externe Betroffen sind, sind sie eben in die Aushandlung einzubeziehen. Die Rauchgase aus dem heimischen Kamin verbleiben eben nicht vor Ort - der Lärm eines Straßenfestes aber schon.
Vielfalt ist keine Kleinstaaterei
Den Kommunen, vor allem aber auch den Einwohnern selbst hier deutlich mehr Selbstbestimmung zuzugestehen, wäre ein fundamentaler Schritt zu mehr Freiheit. Und auf diesen überschaubaren Ebenen lassen sich Aushandlungen der Betroffenen miteinander auch relativ einfach organisieren."Kleinstaaterei" wird es hier schallen. Dabei möchte doch fast jeder wenigstens hinter seiner Wohnungstür von Vorschriften, die irgendwelche Nicht-Betroffenen kraft ihres Amtes ersonnen haben oder gerade ersinnen, verschont bleiben.
Und eine "Opt-Out"-Erlaubnis wäre ja längst keine Pflicht, überall das Rad neu zu erfinden. Aber es wäre die Chance, Demokratie als Selbstbestimmung deutlich mehr Raum zu geben.
#telepolis #freiheit #regulierung #überregulierung #demokratie #nannystate #nannystatementality
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Deutschland: 100.000 Regeln – und niemand fühlt sich frei
26. Mai 2026 Timo Rieg
Immer neue Regeln sollen Konflikte lösen – und machen Demokratie zugleich komplizierter. Warum Freiheit und Gesetzgebung neu verhandelt werden müssen.
Wer in die Freiheit eines anderen eingreifen will, muss dies mit ihm aushandeln. Es verhandeln also nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander, so wie das im Zivilrecht üblich ist.
Da viele Wünsche nach Eingriffen in die Freiheit anderer allgegenwärtig sind, immer wieder auftreten und deshalb wohl irgendwie zum menschlichen Zusammenleben gehören, gibt es ein schier unüberschaubares Dickicht an normativen Regeln, also Gesetzen, Verordnungen, Satzungen und dergleichen.
Dagegen ist nichts einzuwenden - wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind. Ersten: Bei der grundsätzlichen Regelung waren "die Betroffenen" eingebunden und konnten ihre (abstrakte) Zustimmung unter den vereinbarten Bedingungen geben. Und zweitens: Individuell darf jeder von einer Grundsatzregel abweichen, soweit sich die Beteiligten eben auf etwas anderes verständigen können.
Betroffene Bürger an Gesetzgebung kaum beteiligt
Der erste Punkt wird in deutschen Gesetzgebungsverfahren zumeist durch Anhörungen in den jeweiligen Parlamentsausschüssen berücksichtigt. Potentiell Betroffene kommen dabei jedoch nicht persönlich, sondern durch Lobbyverbände zu Wort. Ob dabei alle relevanten Positionen berücksichtigt werden, ist im Einzelfall zu prüfen. Angehört werden aber auch regelmäßig Experten, die gerade nicht betroffen sind, sondern von außen auf die Regelung schauen.In der Schweiz ist die Beteiligung wesentlich breiter angelegt, allerdings nur bei Regelungen, die für besonders wichtig erachtet werden. Im sogenannten "Vernehmlassungsverfahren" kann sich nach Artikel 4 VlG jeder einbringen. Einen Anspruch auf Berücksichtigung gibt es freilich nicht.
Mehrheit ist Macht – nicht unbedingt Demokratie
Abweichung von der Norm unzulässig
Der zweite Punkt ist meist nicht vorgesehen. Wenn individuelle Abweichungen möglich sein sollen, wird dies wiederum explizit geregelt, wie beispielsweise eine mögliche "Grunddienstbarkeit" (§ 1018 BGB). Ansonsten aber gelten staatlich oder kommunal aufgestellte Regeln abstrakt – ohne Vertragsfreiheit.Denkt man einmal kurz außerhalb der Dichotomie Staat auf der einen Seite, Bürger auf der anderen Seite, dann sind alle Verkehrsregeln Vereinbarungen der Betroffenen untereinander. Um nicht bei jedem Aufeinandertreffen von zwei Verkehrsteilnehmern ein individuelles Aushandeln zu verlangen (mit der oft schwierigen Frage, wer gerade eigentlich von wem etwas will), einigt man sich auf Grundlagen wie Rechts vor Links, Halt bei roter Ampel etc.
Abstrakte Regeln gelten ausnahmslos
Solche Regeln gelten auch, wenn niemand anwesend ist, der diese Regel für sich beanspruchen möchte. Beispiel Fußgängerampel: Zeigt sie dem Straßenverkehr Rot, muss ein Fahrzeug stehenbleiben, auch wenn weit und breit sonst niemand zugegen ist, wie das Bayerische Oberste Landesgericht (1 ObOWi 58/03) entschieden hat.Über solch abstrakte Regelungen hat zwar schon Kurt Tucholsky 1929 gespottet, doch die Anzahl von immer gültigen Ge- und Verboten hat sich seit seiner Zeit vervielfacht. Allein auf Bundesebene gelten derzeit etwa 100.000 Einzelnormen.
Die trotz aller Proklamationen zum Bürokratieabbau zunehmenden Regelungen führen nicht nur zu einer praktischen Unüberschaubarkeit mit der Folge, dass sich kaum jemand sicher sein kann, stets rechtskonform zu leben, sie sind letztlich auch ein Offenbarungseid der Politik.
Vom Speziellen zum Allgemeinen
Denn wo immer eine neue Spezialregel gesetzt wird, zeigt sich in Wahrheit, dass eine Grundfrage nicht geklärt ist. Der richtige, nämlich an individueller Freiheit orientierte und Willkür vermeidende Weg ist stets, von Detailregelungen zu Grundregeln zu kommen. Wo dies nicht gelingt, drücken sich Gesellschaft oder wenigstens Politiker davor, den Kern zu verhandeln.Die zehn Gebote kamen noch mit dem einen Satz aus: Du sollst (bzw. nach dem Original eher "wirst") nicht töten. Vielleicht müsste man dem noch eine Ausnahme hinzufügen der Art: außer in Notwehr. Aber das deutsche Strafrecht unterscheidet hier zig Fallkonstellationen, und im Kriegsfalle ist ohnehin alles anders.
Die Weigerung, sich auf nachvollziehbare Grundregeln zu verständigen, zeigt aktuell die Diskussion um weitere Detailvorgaben im Sexualstrafrecht. Von Deepfake bis "nur Ja heißt Ja" werden immer neu "Strafbarkeitslücken" ausgemacht, die weitere Einzelnormen verlangen sollen.
Kein Ende neuer Regelungen in Sicht
Bei diesem Weg ist klar: Gut geregelt sein wird das Land nie. Es wird immer weitere Ge- und Verbote brauchen, niemals wird der Punkt kommen, an dem Politiker (und Bürger) sagen: nun ist alles klar, Danke, mehr ist nicht zu tun.Was eben umgekehrt bedeuten muss: bisher sind unsere Regeln ungenügend, trotz bald 80 Jahren bundesrepublikanischem Geschraube an ihnen.
In einer "Demokratie der Freiheit" wären also dringend große Konsultationen angesagt. Bürokratieabbau ist kein Selbstzweck, sondern die logische Folge eindeutiger und konsensfähiger Regelungen.
Groß müssten diese Konsultationen sein, weil von Strafgesetzen alle betroffen sind. Nicht, dass sich jeder als potentiellen Straftäter sehen müsste, aber Urteile ergehen "im Namen des Volkes", mithin muss dieses Volk die entsprechenden Strafnormen grundsätzlich gefordert haben.
Im Zivilrecht sind hingegen längst nicht alle von jeder Regelung potentiell betroffen, doch die Kreise, die miteinander zu verhandeln hätten, wären immer noch sehr groß.
Grundeigentum und Demokratie:
Warum wir über Boden verhandeln müsstenVolksentscheid nicht in Sicht
Doch solche Konsultationen sind bisher nicht vorgesehen. Die Versuche dazu mit Bürgerräten (Pro und Contra diskutiert in drei Teilen) stoßen vor allem bei Konservativen auf Ablehnung. Das Instrument des Volksentscheids gibt es auf Bundesebene in Deutschland nicht - und wird wohl auch nicht kommen (denn es stand schon in verschiedensten Wahlprogrammen).Und eine große zivilgesellschaftliche Debatte ist auch nicht in Sicht, zumal jede Verständigung auf einfache Grundregeln immer auch den Verzicht auf Ausnahmen zu eigenen Gunsten einschließt. Ein übermächtiger Staat wird zwar gerne kritisiert; doch sobald es um die eigenen Pfründen geht, wollen sich viele doch lieber auf eine Detailregelung der Politik berufen, als eigenständig mit dem Nachbarn zu verhandeln.
Vorrang für lokale Regelungen
Einen Ausweg böte eine andere Normenhierarchie, die auf den ersten Blick als Widerspruch zum Vorrang von Grundregeln vor Detailregeln gesehen werden könnte, nämlich nicht von möglichst weit oben, sondern stets von so weit wie möglich unten her etwas zu regeln.Aber vom Ansatz her, dass nur Anspruchsteller und Betroffene miteinander zu verhandeln haben, ist es einfacher und gerechter, lokale Unterschiede zu akzeptieren, als alles mindestens bundesweit, inzwischen ja oft EU-weit gleichermaßen vorzuschreiben.
Das bedeutet noch nicht, dass jedes Dorf, jeder Kiez, jeder Wohnblock machen kann, was er mag, solange er sich darauf geeinigt hat. Denn wo immer Externe Betroffen sind, sind sie eben in die Aushandlung einzubeziehen. Die Rauchgase aus dem heimischen Kamin verbleiben eben nicht vor Ort - der Lärm eines Straßenfestes aber schon.
Vielfalt ist keine Kleinstaaterei
Den Kommunen, vor allem aber auch den Einwohnern selbst hier deutlich mehr Selbstbestimmung zuzugestehen, wäre ein fundamentaler Schritt zu mehr Freiheit. Und auf diesen überschaubaren Ebenen lassen sich Aushandlungen der Betroffenen miteinander auch relativ einfach organisieren."Kleinstaaterei" wird es hier schallen. Dabei möchte doch fast jeder wenigstens hinter seiner Wohnungstür von Vorschriften, die irgendwelche Nicht-Betroffenen kraft ihres Amtes ersonnen haben oder gerade ersinnen, verschont bleiben.
Und eine "Opt-Out"-Erlaubnis wäre ja längst keine Pflicht, überall das Rad neu zu erfinden. Aber es wäre die Chance, Demokratie als Selbstbestimmung deutlich mehr Raum zu geben.
#telepolis #freiheit #regulierung #überregulierung #demokratie #nannystate #nannystatementality
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“Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.”
“Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.” Diese Klage von ihm hier ist jetzt mindestens 2425 Jahre alt. Das muss dem Folgenden vorausgeschickt werden.
Lassen Sie uns ferner festhalten, dass “die Jugend” nur mehr oder weniger, eher mehr intelligent das an Gesellschaft und ihrer Wirklichkeit adaptiert und für sich anwendet, was die vor ihr Geborenen ihr zubereitet haben. Das sind Fakten, an denen vernunftorientierte Zweifel nicht wirklich möglich sind.
Was mag es bedeuten, wenn nun z.B. Bernardo Cantz/telepolis, der – und dessen Medium – seinen persönlichen Hintergrund nicht bekannt macht, feststellt: “Studium, Smartphones, Sinkflug: Warum die Gen Z schlechter abschneidet – Forscher schlagen Alarm: Eine ganze Generation könnte kognitiv zurückfallen – und die Ursache liegt näher, als viele denken.”
Der Autor macht immerhin transparent, berücksichtigt das in seiner Kommentierung aber nicht, dass er über “Meta-Studien” berichtet. Was das ist, erklärt Wikipedia so:
“Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung von Primär-Untersuchungen zu Metadaten, die mit quantitativen und statistischen Mitteln arbeitet. Sie versucht frühere Forschungsarbeiten quantitativ bzw. statistisch zusammenzufassen und zu präsentieren. Der Unterschied zur systematischen Übersichtsarbeit (auch ‘Review’ genannt) liegt darin, dass ein Review die früheren Forschungsdaten und Publikationen kritisch würdigt, während die Metaanalyse nur die quantitative und statistische Aufarbeitung der früheren Ergebnisse umfasst.”
Mann nennt es Politik
Sie untersuchen also nicht selbst, sondern fassen zusammen, was untersucht wurde. Untersucht wird halt das, was jemand zum Untersuchen beauftragt hat. Was nicht untersucht wird, wird auch nicht rausgefunden. Untersucht wird, was die*der Auftraggebende herausfinden will. Mann nennt es Politik. Oder, wenn Sie so wollen, auch: Kapitalismus.
Erfreulich differenzierter geht es in diesem Interview von Yann Barte/Jungle World zu: “François Kraus, Meinungsforscher, im Gespräch über religiöse Jugendliche in Frankreich: »Religion ist zu einer Identität geworden« – Die französische Jugend bewegt sich nicht allgemein nach rechts, wird aber in Teilen religiöser und reaktionärer: Die »Jungle World« sprach mit dem Meinungsforscher François Kraus über das Schwinden gewohnter politischer Koordinaten, die Polarisierung zwischen den Geschlechtern und die politischen Folgen zunehmender Religiosität.”
Als Ungläubiger muss ich die überbordende Gläubigkeit zur Kenntnis nehmen. Das missionarische Atheistendasein habe ich vor etlichen Jahrzehnten aufgegeben. Ich will ja anders sein, als all die irren Missionar*inn*e*n. Als Agnostiker ist das Maximalziel die friedliche Koexistenz mit der Übermacht der Verrückten. Gewiss dürfte das Muslimische in Frankreich ein höheres gesellschaftlich relevantes Gewicht haben, als hierzulande. Prinzipiell gegensätzliche Verhältnisse kann ich dagegen nicht erkennen. Sie? Generell sind die Ergebnisse eher nicht weltabgewandt von der die befragten Menschen umgebenden gesellschaftlichen Wirklichkeit. Mann könnte halt schlicht zu vernünftigeren Schlüssen kommen, als es viele mindergebildete Geschlechtsgenossen tun. In Frankreich wie hier.
Und die Mächtigen? Alle unter einer Decke?
Spektakulär finde ich die Erkenntnisse, die Philipp Fess/telepolis hier referiert:
“China, Russland und der Traum vom ‘eurasischen Jahrhundert'” – Putin und Xi präsentieren ein Manifest gegen US-Dominanz. Kritiker sehen darin Hoffnung auf Multipolarität – andere nur eine neue Form globaler Kontrolle. – Vereint gegen die eine Nation? Wladimir Putin und Xi Jinping haben beim russischen Staatsbesuch am 20. Mai in Peking eine gemeinsame ‘Erklärung zur Errichtung einer multipolaren Weltordnung und einer neuen Art internationaler Beziehungen’ unterzeichnet.”
Gegen Ende zitiert der Autor einen “US-Ökonomen” namens Patrick Wood, den er so zusammenfasst: “Woods These ist so einfach wie provokant: Die Eliten aus Washington und Peking arbeiteten seit Jahrzehnten am selben Projekt: dem einer technokratischen Weltordnung.” Das wäre, wenn es stimmte, eine spektakuläre Erkenntnis. Wirklich?
Nunja, es wäre nicht das erste Mal, dass die Herrschenden auf Kosten der Beherrschten herrschen. Und es ist leider noch nicht einmal ausgeschlossen, dass sie mit- bzw. gegeneinander Krieg führen, auf Kosten der Beherrschten beider Seiten. Oder was machen Netanyahu und die Hamas? Oder Trump und der Iran? Auch Putin und Selenskyi? Hitler und Stalin? Die Imperialisten, die gegeneinander den 1. Weltkrieg 1914 entfesselten? Was all die können, können Trump (oder sein baldiger Nachfolger) und Xi Jinping schon lange. Xi Jinping hat kein Interesse an Kriegführung, weil er ihren ökonomischen Unsinn und ihre Risiken kennt, ein Imperialist mit Stärke. Bei Trump hingegen regiert der Imperialismus der Schwäche. Der ist und bleibt gefährlich.
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“Die Jugend liebt heutzutage den Luxus.”
“Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.” Diese Klage von ihm hier ist jetzt mindestens 2425 Jahre alt. Das muss dem Folgenden vorausgeschickt werden.
Lassen Sie uns ferner festhalten, dass “die Jugend” nur mehr oder weniger, eher mehr intelligent das an Gesellschaft und ihrer Wirklichkeit adaptiert und für sich anwendet, was die vor ihr Geborenen ihr zubereitet haben. Das sind Fakten, an denen vernunftorientierte Zweifel nicht wirklich möglich sind.
Was mag es bedeuten, wenn nun z.B. Bernardo Cantz/telepolis, der – und dessen Medium – seinen persönlichen Hintergrund nicht bekannt macht, feststellt: “Studium, Smartphones, Sinkflug: Warum die Gen Z schlechter abschneidet – Forscher schlagen Alarm: Eine ganze Generation könnte kognitiv zurückfallen – und die Ursache liegt näher, als viele denken.”
Der Autor macht immerhin transparent, berücksichtigt das in seiner Kommentierung aber nicht, dass er über “Meta-Studien” berichtet. Was das ist, erklärt Wikipedia so:
“Eine Metaanalyse ist eine Zusammenfassung von Primär-Untersuchungen zu Metadaten, die mit quantitativen und statistischen Mitteln arbeitet. Sie versucht frühere Forschungsarbeiten quantitativ bzw. statistisch zusammenzufassen und zu präsentieren. Der Unterschied zur systematischen Übersichtsarbeit (auch ‘Review’ genannt) liegt darin, dass ein Review die früheren Forschungsdaten und Publikationen kritisch würdigt, während die Metaanalyse nur die quantitative und statistische Aufarbeitung der früheren Ergebnisse umfasst.”
Mann nennt es Politik
Sie untersuchen also nicht selbst, sondern fassen zusammen, was untersucht wurde. Untersucht wird halt das, was jemand zum Untersuchen beauftragt hat. Was nicht untersucht wird, wird auch nicht rausgefunden. Untersucht wird, was die*der Auftraggebende herausfinden will. Mann nennt es Politik. Oder, wenn Sie so wollen, auch: Kapitalismus.
Erfreulich differenzierter geht es in diesem Interview von Yann Barte/Jungle World zu: “François Kraus, Meinungsforscher, im Gespräch über religiöse Jugendliche in Frankreich: »Religion ist zu einer Identität geworden« – Die französische Jugend bewegt sich nicht allgemein nach rechts, wird aber in Teilen religiöser und reaktionärer: Die »Jungle World« sprach mit dem Meinungsforscher François Kraus über das Schwinden gewohnter politischer Koordinaten, die Polarisierung zwischen den Geschlechtern und die politischen Folgen zunehmender Religiosität.”
Als Ungläubiger muss ich die überbordende Gläubigkeit zur Kenntnis nehmen. Das missionarische Atheistendasein habe ich vor etlichen Jahrzehnten aufgegeben. Ich will ja anders sein, als all die irren Missionar*inn*e*n. Als Agnostiker ist das Maximalziel die friedliche Koexistenz mit der Übermacht der Verrückten. Gewiss dürfte das Muslimische in Frankreich ein höheres gesellschaftlich relevantes Gewicht haben, als hierzulande. Prinzipiell gegensätzliche Verhältnisse kann ich dagegen nicht erkennen. Sie? Generell sind die Ergebnisse eher nicht weltabgewandt von der die befragten Menschen umgebenden gesellschaftlichen Wirklichkeit. Mann könnte halt schlicht zu vernünftigeren Schlüssen kommen, als es viele mindergebildete Geschlechtsgenossen tun. In Frankreich wie hier.
Und die Mächtigen? Alle unter einer Decke?
Spektakulär finde ich die Erkenntnisse, die Philipp Fess/telepolis hier referiert:
“China, Russland und der Traum vom ‘eurasischen Jahrhundert'” – Putin und Xi präsentieren ein Manifest gegen US-Dominanz. Kritiker sehen darin Hoffnung auf Multipolarität – andere nur eine neue Form globaler Kontrolle. – Vereint gegen die eine Nation? Wladimir Putin und Xi Jinping haben beim russischen Staatsbesuch am 20. Mai in Peking eine gemeinsame ‘Erklärung zur Errichtung einer multipolaren Weltordnung und einer neuen Art internationaler Beziehungen’ unterzeichnet.”
Gegen Ende zitiert der Autor einen “US-Ökonomen” namens Patrick Wood, den er so zusammenfasst: “Woods These ist so einfach wie provokant: Die Eliten aus Washington und Peking arbeiteten seit Jahrzehnten am selben Projekt: dem einer technokratischen Weltordnung.” Das wäre, wenn es stimmte, eine spektakuläre Erkenntnis. Wirklich?
Nunja, es wäre nicht das erste Mal, dass die Herrschenden auf Kosten der Beherrschten herrschen. Und es ist leider noch nicht einmal ausgeschlossen, dass sie mit- bzw. gegeneinander Krieg führen, auf Kosten der Beherrschten beider Seiten. Oder was machen Netanyahu und die Hamas? Oder Trump und der Iran? Auch Putin und Selenskyi? Hitler und Stalin? Die Imperialisten, die gegeneinander den 1. Weltkrieg 1914 entfesselten? Was all die können, können Trump (oder sein baldiger Nachfolger) und Xi Jinping schon lange. Xi Jinping hat kein Interesse an Kriegführung, weil er ihren ökonomischen Unsinn und ihre Risiken kennt, ein Imperialist mit Stärke. Bei Trump hingegen regiert der Imperialismus der Schwäche. Der ist und bleibt gefährlich.
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“Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz
Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.”
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
“Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz
Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.”
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
“Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz
Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.” Update 24.5. nachmittags: hier der 2. und letzte Teil des Interviews.
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
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“Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz
Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.”
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
“Intelligence” meint Geheimdienste – nicht Intelligenz
Mein guter Journalistenfreund Andreas v. Westphalen/telepolis hat wieder einen intelligenten Menschen gefunden. Der heisst Joachim Bauer, kannte ich bisher nicht, und ist Neurowissenschaftler. Der stellt eine Behauptung auf, die ich kaum glauben mag.
“In Silicon Valley herrscht eine profunde Unkenntnis über die wirklichen Verhältnisse in der menschlichen Biologie. Das Silicon Valley glaubt, dass der menschliche Körper eine Maschine sei und dass alles, was sich im menschlichen Körper abspielt, im Grunde auf Informationstechnologie basiert.”
Das gesamte Interview ist so überschrieben: “Der große Irrtum der KI-Eliten – Neurowissenschaftler Joachim Bauer erklärt im Interview, warum KI kein Bewusstsein entwickeln kann — und soziale Medien menschliche Bedürfnisse ausbeuten.” Update 24.5. nachmittags: hier der 2. und letzte Teil des Interviews.
Nach Ansicht des Professors, da stimme ich überein, ist ein entscheidendes Feld der Überlegenheit des Menschen gegenüber der KI die Kunst! Darum ist die Übersetzung von “Artificial Intelligence” (zum zweiten Wort s.o.) in “Künstliche” irreführend. Die Übersetzungsoption “erkünstelt, gekünstelt, erheuchelt, unwirklich, unecht, unwahr, gemacht, vorgetäuscht, erdichtet, falsch” gefällt mir weit besser.
Aber ja nee, is klar … sind die im Silicon Valley wirklich so blöd wie sie reich sind? Diese Vorstellung fällt mir schwer. Obwohl … lesen Sie mal hier, welchen Müll mann Leuten verkaufen kann, in hochentwickelten, reichen Ländern!
Eva C. Schweitzer aus New York/overton: “Der fake Woody Allen und seine Bewunderer – Derzeit läuft überall auf Facebook, und wohl auch anderswo, ein Text herum, der angeblich von Woody Allen stammen soll, dem berühmten, sehr zurückgezogen lebenden, 90-jährigen jüdisch-amerikanischen Filmemacher”.
Ob sie in New York das verfolgen? Ist nicht nur weit weg, sondern auch zu klein – dort haben sie andere Sorgen.
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Beides wird das Merz-Doitschland nicht kriegen können
Dass Aufrüstung irgendein ökonomisches Problem löst (“Kriegskeynsianismus”), ist eine Sau, die die profitierende Kapitallobby mit Vorliebe durch jedes Dorf treibt (für das tierfeindliche Femininum bitte ich um Entschuldigung). Immerhin sind sich die herrschenden Klassen darüber bisweilen uneinig. Intelligente Gegenkräfte, zu einer entsprechenden Analyse fähig, können das u.U. taktisch ausnutzen. Wenn Sie die irgendwo sehen, sagen Sie mir bitte Bescheid.
Selbst Donald Trump weiss, wie doof diese Sau ist. Deswegen will er den Europäer*inne*n die unübersichtlichen Kosten dafür ja aufdrücken. Der ist nicht nur doof. Denn Aufrüstungskeynsianismus löst null Folgeinvestitionen aus. Die verbrennen bei Rheinmetall und Co. und kommen nie wieder.
Darum ist ja auch die deutsch-französische Achse so kaputt. Zahlen/Investieren soll immer der Andere, hauptsache Profit fliesst in die eigenen Konten.
Jörg Kronauer und Satyajeet Malik/Junge Welt: “Rüstungsrivalität: »Deutschland braucht Drohnen« – Das deutsch-französische Rüstungsprojekt FCAS steht vor dem Aus. Nun heißt es vereinzelt, die BRD benötige gar keinen neuen Kampfjet”
Schlauer als alle zusammen mal wieder “der Chinese”, wiederum Jörg Kronauer/Junge Welt: “Ungleiche Verbündete – Putin trifft Xi in Beijing”.
In die gleiche Richtung der anonyme German-Foreign-Policy-Autor: “Streit um den Panzerbauer – Die Bundesregierung droht aufgrund interner Differenzen den geplanten Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS zu verschleppen. Frankreich stellt bei anhaltender Blockade einen Alleingang in Aussicht. Der Streit schwillt an.”
Und damit das gequälte deutsche Rüstungskapital nicht allzu viel Angst vor Öffentlichkeit kriegen muss, verschwinden alle genannten Texte in wenigen Tagen in Paywall-Archiven.
Wenn Sie danach immer noch auf der Suche nach unabhängigen Fachinformationen sind, empfehle ich Ihnen die Tübinger Informationsstelle Militarisierung. Die arbeitet öffentlich und freut sich über freiwillige Spenden.
Robert Schwierkus/telepolis wird, wenn nicht bei heise einem Boss eine Laus über die Leber läuft, vorläufig nicht digital verschwinden:
“Die Deutsche Frage ist zurück – und Europa zittert – Deutschlands Militärmacht wächst rasant – und alte Ängste vor deutscher Hegemonie in Europa kehren mit voller Wucht zurück.”
Woher nur dieses Misstrauen? Nur wegen zwei Weltkriegen und 12 Jahren Faschismus und Völkermord?
Was in einem eindeutig “kriegstüchtigen” Land mit Meinungs- und Pressefreiheit passiert, das berichtete gestern
Antonia Groß/MDR-Altpapier: “Ist das noch SLAPP oder schon Propaganda? – Ein Journalist veröffentlicht Berichte sexualisierter Gewalt gegen palästinensische Gefangene durch israelische Sicherheitskräfte. Der verantwortliche Machthaber geht daraufhin auf das Medium los. Was sagt das über die Vorwürfe aus? Und über die PR-Strategie des Landes?” Gute Frage.
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Beides wird das Merz-Doitschland nicht kriegen können
Dass Aufrüstung irgendein ökonomisches Problem löst (“Kriegskeynsianismus”), ist eine Sau, die die profitierende Kapitallobby mit Vorliebe durch jedes Dorf treibt (für das tierfeindliche Femininum bitte ich um Entschuldigung). Immerhin sind sich die herrschenden Klassen darüber bisweilen uneinig. Intelligente Gegenkräfte, zu einer entsprechenden Analyse fähig, können das u.U. taktisch ausnutzen. Wenn Sie die irgendwo sehen, sagen Sie mir bitte Bescheid.
Selbst Donald Trump weiss, wie doof diese Sau ist. Deswegen will er den Europäer*inne*n die unübersichtlichen Kosten dafür ja aufdrücken. Der ist nicht nur doof. Denn Aufrüstungskeynsianismus löst null Folgeinvestitionen aus. Die verbrennen bei Rheinmetall und Co. und kommen nie wieder.
Darum ist ja auch die deutsch-französische Achse so kaputt. Zahlen/Investieren soll immer der Andere, hauptsache Profit fliesst in die eigenen Konten.
Jörg Kronauer und Satyajeet Malik/Junge Welt: “Rüstungsrivalität: »Deutschland braucht Drohnen« – Das deutsch-französische Rüstungsprojekt FCAS steht vor dem Aus. Nun heißt es vereinzelt, die BRD benötige gar keinen neuen Kampfjet”
Schlauer als alle zusammen mal wieder “der Chinese”, wiederum Jörg Kronauer/Junge Welt: “Ungleiche Verbündete – Putin trifft Xi in Beijing”.
In die gleiche Richtung der anonyme German-Foreign-Policy-Autor: “Streit um den Panzerbauer – Die Bundesregierung droht aufgrund interner Differenzen den geplanten Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS zu verschleppen. Frankreich stellt bei anhaltender Blockade einen Alleingang in Aussicht. Der Streit schwillt an.”
Und damit das gequälte deutsche Rüstungskapital nicht allzu viel Angst vor Öffentlichkeit kriegen muss, verschwinden alle genannten Texte in wenigen Tagen in Paywall-Archiven.
Wenn Sie danach immer noch auf der Suche nach unabhängigen Fachinformationen sind, empfehle ich Ihnen die Tübinger Informationsstelle Militarisierung. Die arbeitet öffentlich und freut sich über freiwillige Spenden.
Robert Schwierkus/telepolis wird, wenn nicht bei heise einem Boss eine Laus über die Leber läuft, vorläufig nicht digital verschwinden:
“Die Deutsche Frage ist zurück – und Europa zittert – Deutschlands Militärmacht wächst rasant – und alte Ängste vor deutscher Hegemonie in Europa kehren mit voller Wucht zurück.”
Woher nur dieses Misstrauen? Nur wegen zwei Weltkriegen und 12 Jahren Faschismus und Völkermord?
Was in einem eindeutig “kriegstüchtigen” Land mit Meinungs- und Pressefreiheit passiert, das berichtete gestern
Antonia Groß/MDR-Altpapier: “Ist das noch SLAPP oder schon Propaganda? – Ein Journalist veröffentlicht Berichte sexualisierter Gewalt gegen palästinensische Gefangene durch israelische Sicherheitskräfte. Der verantwortliche Machthaber geht daraufhin auf das Medium los. Was sagt das über die Vorwürfe aus? Und über die PR-Strategie des Landes?” Gute Frage.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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Dass Aufrüstung irgendein ökonomisches Problem löst (“Kriegskeynsianismus”), ist eine Sau, die die profitierende Kapitallobby mit Vorliebe durch jedes Dorf treibt (für das tierfeindliche Femininum bitte ich um Entschuldigung). Immerhin sind sich die herrschenden Klassen darüber bisweilen uneinig. Intelligente Gegenkräfte, zu einer entsprechenden Analyse fähig, können das u.U. taktisch ausnutzen. Wenn Sie die irgendwo sehen, sagen Sie mir bitte Bescheid.
Selbst Donald Trump weiss, wie doof diese Sau ist. Deswegen will er den Europäer*inne*n die unübersichtlichen Kosten dafür ja aufdrücken. Der ist nicht nur doof. Denn Aufrüstungskeynsianismus löst null Folgeinvestitionen aus. Die verbrennen bei Rheinmetall und Co. und kommen nie wieder.
Darum ist ja auch die deutsch-französische Achse so kaputt. Zahlen/Investieren soll immer der Andere, hauptsache Profit fliesst in die eigenen Konten.
Jörg Kronauer und Satyajeet Malik/Junge Welt: “Rüstungsrivalität: »Deutschland braucht Drohnen« – Das deutsch-französische Rüstungsprojekt FCAS steht vor dem Aus. Nun heißt es vereinzelt, die BRD benötige gar keinen neuen Kampfjet”
Schlauer als alle zusammen mal wieder “der Chinese”, wiederum Jörg Kronauer/Junge Welt: “Ungleiche Verbündete – Putin trifft Xi in Beijing”.
In die gleiche Richtung der anonyme German-Foreign-Policy-Autor: “Streit um den Panzerbauer – Die Bundesregierung droht aufgrund interner Differenzen den geplanten Börsengang des deutsch-französischen Panzerbauers KNDS zu verschleppen. Frankreich stellt bei anhaltender Blockade einen Alleingang in Aussicht. Der Streit schwillt an.”
Und damit das gequälte deutsche Rüstungskapital nicht allzu viel Angst vor Öffentlichkeit kriegen muss, verschwinden alle genannten Texte in wenigen Tagen in Paywall-Archiven.
Wenn Sie danach immer noch auf der Suche nach unabhängigen Fachinformationen sind, empfehle ich Ihnen die Tübinger Informationsstelle Militarisierung. Die arbeitet öffentlich und freut sich über freiwillige Spenden.
Robert Schwierkus/telepolis wird, wenn nicht bei heise einem Boss eine Laus über die Leber läuft, vorläufig nicht digital verschwinden:
“Die Deutsche Frage ist zurück – und Europa zittert – Deutschlands Militärmacht wächst rasant – und alte Ängste vor deutscher Hegemonie in Europa kehren mit voller Wucht zurück.”
Woher nur dieses Misstrauen? Nur wegen zwei Weltkriegen und 12 Jahren Faschismus und Völkermord?
Was in einem eindeutig “kriegstüchtigen” Land mit Meinungs- und Pressefreiheit passiert, das berichtete gestern
Antonia Groß/MDR-Altpapier: “Ist das noch SLAPP oder schon Propaganda? – Ein Journalist veröffentlicht Berichte sexualisierter Gewalt gegen palästinensische Gefangene durch israelische Sicherheitskräfte. Der verantwortliche Machthaber geht daraufhin auf das Medium los. Was sagt das über die Vorwürfe aus? Und über die PR-Strategie des Landes?” Gute Frage.
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Zahlenspiel des tages
Christoph Jehle will uns in der telepolis erzählen, dass die syfilis gar machtvoll zurückkommt (sie war niemals weg, es gibt nur wirksame antibiotika), erklärt in der übelschrift (na, KI-gnobbelmatsch?) einen davon, dass sex eine epidemie sei, also eine sich ausbreitende krankheit, und er hat eine menge lustiger zahlen, um sein tintengeklexe zu untermauern. Leider kann er zahlen nur aufschreiben und nicht verstehen, und dann entsteht so etwas:
Die höchsten Inzidenzen wurden im vergangenen Jahr demzufolge in Berlin (knapp 36 Fälle pro 100.000 Einwohner) und Hamburg (knapp 30 Fälle pro 100.000 Einwohner) registriert […] Daneben wurden hohe Inzidenzen auch in Köln (42,9), München (38,9), Nürnberg (29,2), Frankfurt am Main (27,8) und Düsseldorf (25,5) registriert
[Anders, als die gekennzeichnete auslassung vermuten lässt, liegen diese textfragmente nicht weit auseinander, sondern stehen so gut wie nacheinander.]
Merken wir uns: der höchste wert für die inzidenz in einer stadt der BRD liegt so um die 36, aber 42,9 und 38,9 sind auch recht hohe zahlen. Aber nicht die höchsten!!1! Die höchsten hat das reichshauptslum. Um hier den fehler zu sehen, muss man nicht einmal so abstrakte begriffe wie „geordneter körper“ gehört haben, es reicht völlig, wenn man kein grundschulabbrecher ist. 🤭️
Ich habe bei dem ganzen artikel in seiner gnadenlosen weitschwafeligkeit übrigens einen nicht mehr abzuschüttelnden gnobbelmatsch-verdacht. Müsst ihr wissen: angelernte neuronale netzwerke sind der „neue jornalismus“, jetzt noch billiger, schneller, wortreicher und falscher. Und dieser „neue jornalismus“ kann genau so wenig rechnen oder völlig offensichtliche fehler in zahlen aus unterschiedlichen abgeschriebenen kwellen erkennen wie der alte jornalismus. Hier hätte man nicht einmal rechnen müssen, es hätte ein größenvergleich gereicht. Ich sags ja: grundschule. Anforderungen für zehnjährige. Wer daran scheitert, wird nicht mehr wirt — es kann sich ja auch kaum noch jemand das saufen in der kneipe leisten — sondern contentindustrieller jornalist.
Man kann natürlich auch einfach einen text aus den gnobbelmatschgenerator in das redakzjonssyste kopieren und veröffentlichen. Hauptsache, die werbeplätze können vermarktet werden, der rest ist scheißegal.
Aber gut, die telepolis ist ja schon lange im niedergang… 😐️
#contentindustrie #Fail #Gnobbelmatsch #Link #MathematischerAnalphabetismus #Syphilis #Telepolis #Zahlenspiel -
Qualitätsjournalismus, deutscher
“Lieber zwei als eine KI”
Einer der bestbezahlten deutschen Medienmanager in öffentlichen Anstalten, der langjährige Tagesschau-Chef (2003-19), Kai Gniffke, heute Intendant des SWR und Mörder der “Eisenbahnromantik”, wollte mal wieder öffentlich bemerkt werden. Die Katholiken von der gleichnamigen Nachrichtenagentur versuchen damit Abos zu werben. Wandern wir also kurz digital in der Deutschen liebstes Auswanderungsland Schweiz rüber, wo der gleiche Inhalt frei zugänglich ist:
“Kai Gniffke fordert ein Ende des Empörungsjournalismus – Die digitale Welt verändert auch die Kriterien für Qualitätsjournalismus. Ein Gespräch mit dem SWR-Intendanten und ehemaligen ARD-aktuell-Chef über Journalismus, Haltung und Technikfröhlichkeit.”
Da ist eigentlich alles drin, was Christiane Voges/telepolis auf die Palme bringt, und mich auch:
“Der neue Mediengehorsam: SWR-Intendant erklärt, wer keine Stimme verdient – ARD-Topfunktionär Kai Gniffke fordert Qualität statt Empörung und mehr KI. Über technokratische Kontrolle, Diskursverengung und Leitmedien.”
Ich hätte das Zeug garnicht bemerkt, wenn sich Frau Voges nicht so aufgeregt hätte. Viel mehr verärgert mich, was dieser Gniffke in seinem langen Chefsein in der Tagesschau angerichtet hat. Nur die Älteren, so alt oder älter als ich, werden sich noch an Dieter Gütt erinnern, der die Freiheit der Tagesschau-Redaktion noch kämpferisch verteidigt hatte. Er beging 1990 Selbstmord. Der kürzlich hier schon erwähnte Horst Königstein liess über ihn einen eigenen Film produzieren, den Sie in der ARD-Mediathek vergeblich suchen werden. Der CSU-Gesandte Edmund Gruber (1981-88) folgte ihm nach, stiess aber (noch) auf kämpferischen Widerstand der Redaktion. Er konnte weder die Tagesschau noch in den folgenden vier Jahren bis 1992 den Deutschlandfunk zerstören. Zu dieser Zeit bewies der Journalismus noch Selbstheilungskräfte. Die, soweit sie in der ARD existierten, hat erst Gniffke wirkungsvoll zerstört.
2018 profilierte sich Gniffke damit, dass er mit der AfD redete. Wem hat es mehr genützt? Ihm oder denen? Bei ihm führte es zu einem Jahresgehalt von knapp 400.000, bei der AfD zu verdoppelten Umfragewerten.
Über die AfD wird immer und überall gesprochen. Wer kennt Gniffke? Das gefällt ihm sicher nicht. Darum das bescheuerte Interview mit den Katholiken.
Datenersatz für intellektuelle Leere
Was Gniffke und seine Gesinnungsfreund*inn*e*n in den öffentlichen Anstalten an Politik und der real existierenden Gesellschaft nicht verstehen, das erklärt der Österreicher Gabriel Kuhn/Junge Welt am Beispiel des Fussballs und eines missglückten Buches über ihn (Einschub: der Bundestrainer zählt eher zu denen, die an die dort niedergelegte Datenwahrheit ganz fest glauben):
“Sportliteratur: Die Rache der Nerds – Wie die Zahlen helfen, den Fußball zu analysieren oder auch nicht: Tobias Escher schreibt »Die Zukunft des Fußballs«”.
Diesen klugen Text wird die Junge Welt in Kürze in ihrem Paywallarchiv versenken (= linksradikaler Qualitätsjournalismus).
Wo soll das alles enden?
Es endet nie.
Die derzeitigen Steuerleute in Parteien, Länderregierungen und Anstalten wollen ganz offenbar, der AfD vorauseilend, dahin, wo die USA schon sind – ein altes BRD-deutsches “bewährtes” Bewegungsgesetz der Nachkriegszeit.
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Wie geht es weiter mit Stephen Colbert? – In den USA geht der Late-Night-Host in dieser Woche zum letzten Mal auf Sendung. Sein Sender ist vor dem Präsidenten eingeknickt. Es würde in die mediale Gegenwart passen, wenn er allein weitermachte.”
Hierzulande wird ja ein Kerl, dessen Name mir einfach nicht einfallen will, der mit einem fetten ARD-Vertrag (RBB) ausgestattet ist, und das Publikum mit Jammerei, was er angeblich alles nicht mehr sagen darf, belästigt, für einen Kabarettisten gehalten.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Qualitätsjournalismus, deutscher
“Lieber zwei als eine KI”
mit Update 19.5.
Einer der bestbezahlten deutschen Medienmanager in öffentlichen Anstalten, der langjährige Tagesschau-Chef (2003-19), Kai Gniffke, heute Intendant des SWR und Mörder der “Eisenbahnromantik”, wollte mal wieder öffentlich bemerkt werden. Die Katholiken von der gleichnamigen Nachrichtenagentur versuchen damit Abos zu werben. Wandern wir also kurz digital in der Deutschen liebstes Auswanderungsland Schweiz rüber, wo der gleiche Inhalt frei zugänglich ist:
“Kai Gniffke fordert ein Ende des Empörungsjournalismus – Die digitale Welt verändert auch die Kriterien für Qualitätsjournalismus. Ein Gespräch mit dem SWR-Intendanten und ehemaligen ARD-aktuell-Chef über Journalismus, Haltung und Technikfröhlichkeit.”
Da ist eigentlich alles drin, was Christiane Voges/telepolis auf die Palme bringt, und mich auch:
“Der neue Mediengehorsam: SWR-Intendant erklärt, wer keine Stimme verdient – ARD-Topfunktionär Kai Gniffke fordert Qualität statt Empörung und mehr KI. Über technokratische Kontrolle, Diskursverengung und Leitmedien.”
Ich hätte das Zeug garnicht bemerkt, wenn sich Frau Voges nicht so aufgeregt hätte. Viel mehr verärgert mich, was dieser Gniffke in seinem langen Chefsein in der Tagesschau angerichtet hat. Nur die Älteren, so alt oder älter als ich, werden sich noch an Dieter Gütt erinnern, der die Freiheit der Tagesschau-Redaktion noch kämpferisch verteidigt hatte. Er beging 1990 Selbstmord. Der kürzlich hier schon erwähnte Horst Königstein liess über ihn einen eigenen Film produzieren, den Sie in der ARD-Mediathek vergeblich suchen werden. Der CSU-Gesandte Edmund Gruber (1981-88) folgte ihm nach, stiess aber (noch) auf kämpferischen Widerstand der Redaktion. Er konnte weder die Tagesschau noch in den folgenden vier Jahren bis 1992 den Deutschlandfunk zerstören. Zu dieser Zeit bewies der Journalismus noch Selbstheilungskräfte. Die, soweit sie in der ARD existierten, hat erst Gniffke wirkungsvoll zerstört.
2018 profilierte sich Gniffke damit, dass er mit der AfD redete. Wem hat es mehr genützt? Ihm oder denen? Bei ihm führte es zu einem Jahresgehalt von knapp 400.000, bei der AfD zu verdoppelten Umfragewerten.
Über die AfD wird immer und überall gesprochen. Wer kennt Gniffke? Das gefällt ihm sicher nicht. Darum das bescheuerte Interview mit den Katholiken.
Datenersatz für intellektuelle Leere
Was Gniffke und seine Gesinnungsfreund*inn*e*n in den öffentlichen Anstalten an Politik und der real existierenden Gesellschaft nicht verstehen, das erklärt der Österreicher Gabriel Kuhn/Junge Welt am Beispiel des Fussballs und eines missglückten Buches über ihn (Einschub: der Bundestrainer zählt eher zu denen, die an die dort niedergelegte Datenwahrheit ganz fest glauben):
“Sportliteratur: Die Rache der Nerds – Wie die Zahlen helfen, den Fußball zu analysieren oder auch nicht: Tobias Escher schreibt »Die Zukunft des Fußballs«”.
Diesen klugen Text wird die Junge Welt in Kürze in ihrem Paywallarchiv versenken (= linksradikaler Qualitätsjournalismus).
Wo soll das alles enden?
Es endet nie.
Die derzeitigen Steuerleute in Parteien, Länderregierungen und Anstalten wollen ganz offenbar, der AfD vorauseilend, dahin, wo die USA schon sind – ein altes BRD-deutsches “bewährtes” Bewegungsgesetz der Nachkriegszeit.
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Wie geht es weiter mit Stephen Colbert? – In den USA geht der Late-Night-Host in dieser Woche zum letzten Mal auf Sendung. Sein Sender ist vor dem Präsidenten eingeknickt. Es würde in die mediale Gegenwart passen, wenn er allein weitermachte.”
Hierzulande wird ja ein Kerl, dessen Name mir einfach nicht einfallen will, der mit einem fetten ARD-Vertrag (RBB) ausgestattet ist, und das Publikum mit Jammerei, was er angeblich alles nicht mehr sagen darf, belästigt, für einen Kabarettisten gehalten.
Update 19.5.
Zum gleichen Thema mit absolut angemessener Verbitterung auch René Martens/MDR-Altpapier: “Ganz normale Medien auf ganz normalen Abwegen – In einem Interview präsentiert SWR-Intendant Kai Gniffke die sehr überraschende Sichtweise, Perspektiven der Wirtschaft seien in den Qualitätsmedien unterrepräsentiert. In der 20-Uhr-‘Tagesschau’ darf man Lynchfantasien äußern.”
Zu dem diese täglich lesenswerte Kolumne (noch) beherbergenden MDR ist eine Ergänzung erforderlich. Der AfD vorauseilend hat der Sender bekannt gegeben, in den nächsten Jahren keine “Tatorte” und “Polizeiruf 110” mehr zu produzieren. Im quotenstärksten Teil des ARD-Programms käme also noch weniger “Osten” vor. Nicht alle Wessies wären darüber unglücklich. Sehr wohl aber die, die bisher die Arbeit gemacht haben: “Ein fiktionales Großprojekt lasse sich nicht mal eben für drei Jahre einfrieren, ohne irreparablen Schaden anzurichten. Ein Film benötige langen Vorlauf für Drehbücher, Motivsuche und Team-Verpflichtungen. Das Kernproblem sehen Gröschel und Brambach in der Zerstörung gewachsener Strukturen und der existenziellen Bedrohung der Filmschaffenden”, womit die zwei sich selbst gewiss weniger meinen, als die unbeachteten Freelancer-Produktionsteams, die ihnen die Bühne bauen.
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Qualitätsjournalismus, deutscher
“Lieber zwei als eine KI”
Einer der bestbezahlten deutschen Medienmanager in öffentlichen Anstalten, der langjährige Tagesschau-Chef (2003-19), Kai Gniffke, heute Intendant des SWR und Mörder der “Eisenbahnromantik”, wollte mal wieder öffentlich bemerkt werden. Die Katholiken von der gleichnamigen Nachrichtenagentur versuchen damit Abos zu werben. Wandern wir also kurz digital in der Deutschen liebstes Auswanderungsland Schweiz rüber, wo der gleiche Inhalt frei zugänglich ist:
“Kai Gniffke fordert ein Ende des Empörungsjournalismus – Die digitale Welt verändert auch die Kriterien für Qualitätsjournalismus. Ein Gespräch mit dem SWR-Intendanten und ehemaligen ARD-aktuell-Chef über Journalismus, Haltung und Technikfröhlichkeit.”
Da ist eigentlich alles drin, was Christiane Voges/telepolis auf die Palme bringt, und mich auch:
“Der neue Mediengehorsam: SWR-Intendant erklärt, wer keine Stimme verdient – ARD-Topfunktionär Kai Gniffke fordert Qualität statt Empörung und mehr KI. Über technokratische Kontrolle, Diskursverengung und Leitmedien.”
Ich hätte das Zeug garnicht bemerkt, wenn sich Frau Voges nicht so aufgeregt hätte. Viel mehr verärgert mich, was dieser Gniffke in seinem langen Chefsein in der Tagesschau angerichtet hat. Nur die Älteren, so alt oder älter als ich, werden sich noch an Dieter Gütt erinnern, der die Freiheit der Tagesschau-Redaktion noch kämpferisch verteidigt hatte. Er beging 1990 Selbstmord. Der kürzlich hier schon erwähnte Horst Königstein liess über ihn einen eigenen Film produzieren, den Sie in der ARD-Mediathek vergeblich suchen werden. Der CSU-Gesandte Edmund Gruber (1981-88) folgte ihm nach, stiess aber (noch) auf kämpferischen Widerstand der Redaktion. Er konnte weder die Tagesschau noch in den folgenden vier Jahren bis 1992 den Deutschlandfunk zerstören. Zu dieser Zeit bewies der Journalismus noch Selbstheilungskräfte. Die, soweit sie in der ARD existierten, hat erst Gniffke wirkungsvoll zerstört.
2018 profilierte sich Gniffke damit, dass er mit der AfD redete. Wem hat es mehr genützt? Ihm oder denen? Bei ihm führte es zu einem Jahresgehalt von knapp 400.000, bei der AfD zu verdoppelten Umfragewerten.
Über die AfD wird immer und überall gesprochen. Wer kennt Gniffke? Das gefällt ihm sicher nicht. Darum das bescheuerte Interview mit den Katholiken.
Datenersatz für intellektuelle Leere
Was Gniffke und seine Gesinnungsfreund*inn*e*n in den öffentlichen Anstalten an Politik und der real existierenden Gesellschaft nicht verstehen, das erklärt der Österreicher Gabriel Kuhn/Junge Welt am Beispiel des Fussballs und eines missglückten Buches über ihn (Einschub: der Bundestrainer zählt eher zu denen, die an die dort niedergelegte Datenwahrheit ganz fest glauben):
“Sportliteratur: Die Rache der Nerds – Wie die Zahlen helfen, den Fußball zu analysieren oder auch nicht: Tobias Escher schreibt »Die Zukunft des Fußballs«”.
Diesen klugen Text wird die Junge Welt in Kürze in ihrem Paywallarchiv versenken (= linksradikaler Qualitätsjournalismus).
Wo soll das alles enden?
Es endet nie.
Die derzeitigen Steuerleute in Parteien, Länderregierungen und Anstalten wollen ganz offenbar, der AfD vorauseilend, dahin, wo die USA schon sind – ein altes BRD-deutsches “bewährtes” Bewegungsgesetz der Nachkriegszeit.
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Wie geht es weiter mit Stephen Colbert? – In den USA geht der Late-Night-Host in dieser Woche zum letzten Mal auf Sendung. Sein Sender ist vor dem Präsidenten eingeknickt. Es würde in die mediale Gegenwart passen, wenn er allein weitermachte.”
Hierzulande wird ja ein Kerl, dessen Name mir einfach nicht einfallen will, der mit einem fetten ARD-Vertrag (RBB) ausgestattet ist, und das Publikum mit Jammerei, was er angeblich alles nicht mehr sagen darf, belästigt, für einen Kabarettisten gehalten.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Qualitätsjournalismus, deutscher
“Lieber zwei als eine KI”
mit Update 19.5.
Einer der bestbezahlten deutschen Medienmanager in öffentlichen Anstalten, der langjährige Tagesschau-Chef (2003-19), Kai Gniffke, heute Intendant des SWR und Mörder der “Eisenbahnromantik”, wollte mal wieder öffentlich bemerkt werden. Die Katholiken von der gleichnamigen Nachrichtenagentur versuchen damit Abos zu werben. Wandern wir also kurz digital in der Deutschen liebstes Auswanderungsland Schweiz rüber, wo der gleiche Inhalt frei zugänglich ist:
“Kai Gniffke fordert ein Ende des Empörungsjournalismus – Die digitale Welt verändert auch die Kriterien für Qualitätsjournalismus. Ein Gespräch mit dem SWR-Intendanten und ehemaligen ARD-aktuell-Chef über Journalismus, Haltung und Technikfröhlichkeit.”
Da ist eigentlich alles drin, was Christiane Voges/telepolis auf die Palme bringt, und mich auch:
“Der neue Mediengehorsam: SWR-Intendant erklärt, wer keine Stimme verdient – ARD-Topfunktionär Kai Gniffke fordert Qualität statt Empörung und mehr KI. Über technokratische Kontrolle, Diskursverengung und Leitmedien.”
Ich hätte das Zeug garnicht bemerkt, wenn sich Frau Voges nicht so aufgeregt hätte. Viel mehr verärgert mich, was dieser Gniffke in seinem langen Chefsein in der Tagesschau angerichtet hat. Nur die Älteren, so alt oder älter als ich, werden sich noch an Dieter Gütt erinnern, der die Freiheit der Tagesschau-Redaktion noch kämpferisch verteidigt hatte. Er beging 1990 Selbstmord. Der kürzlich hier schon erwähnte Horst Königstein liess über ihn einen eigenen Film produzieren, den Sie in der ARD-Mediathek vergeblich suchen werden. Der CSU-Gesandte Edmund Gruber (1981-88) folgte ihm nach, stiess aber (noch) auf kämpferischen Widerstand der Redaktion. Er konnte weder die Tagesschau noch in den folgenden vier Jahren bis 1992 den Deutschlandfunk zerstören. Zu dieser Zeit bewies der Journalismus noch Selbstheilungskräfte. Die, soweit sie in der ARD existierten, hat erst Gniffke wirkungsvoll zerstört.
2018 profilierte sich Gniffke damit, dass er mit der AfD redete. Wem hat es mehr genützt? Ihm oder denen? Bei ihm führte es zu einem Jahresgehalt von knapp 400.000, bei der AfD zu verdoppelten Umfragewerten.
Über die AfD wird immer und überall gesprochen. Wer kennt Gniffke? Das gefällt ihm sicher nicht. Darum das bescheuerte Interview mit den Katholiken.
Datenersatz für intellektuelle Leere
Was Gniffke und seine Gesinnungsfreund*inn*e*n in den öffentlichen Anstalten an Politik und der real existierenden Gesellschaft nicht verstehen, das erklärt der Österreicher Gabriel Kuhn/Junge Welt am Beispiel des Fussballs und eines missglückten Buches über ihn (Einschub: der Bundestrainer zählt eher zu denen, die an die dort niedergelegte Datenwahrheit ganz fest glauben):
“Sportliteratur: Die Rache der Nerds – Wie die Zahlen helfen, den Fußball zu analysieren oder auch nicht: Tobias Escher schreibt »Die Zukunft des Fußballs«”.
Diesen klugen Text wird die Junge Welt in Kürze in ihrem Paywallarchiv versenken (= linksradikaler Qualitätsjournalismus).
Wo soll das alles enden?
Es endet nie.
Die derzeitigen Steuerleute in Parteien, Länderregierungen und Anstalten wollen ganz offenbar, der AfD vorauseilend, dahin, wo die USA schon sind – ein altes BRD-deutsches “bewährtes” Bewegungsgesetz der Nachkriegszeit.
Klaus Raab/MDR-Altpapier: “Wie geht es weiter mit Stephen Colbert? – In den USA geht der Late-Night-Host in dieser Woche zum letzten Mal auf Sendung. Sein Sender ist vor dem Präsidenten eingeknickt. Es würde in die mediale Gegenwart passen, wenn er allein weitermachte.”
Hierzulande wird ja ein Kerl, dessen Name mir einfach nicht einfallen will, der mit einem fetten ARD-Vertrag (RBB) ausgestattet ist, und das Publikum mit Jammerei, was er angeblich alles nicht mehr sagen darf, belästigt, für einen Kabarettisten gehalten.
Update 19.5.
Zum gleichen Thema mit absolut angemessener Verbitterung auch René Martens/MDR-Altpapier: “Ganz normale Medien auf ganz normalen Abwegen – In einem Interview präsentiert SWR-Intendant Kai Gniffke die sehr überraschende Sichtweise, Perspektiven der Wirtschaft seien in den Qualitätsmedien unterrepräsentiert. In der 20-Uhr-‘Tagesschau’ darf man Lynchfantasien äußern.”
Zu dem diese täglich lesenswerte Kolumne (noch) beherbergenden MDR ist eine Ergänzung erforderlich. Der AfD vorauseilend hat der Sender bekannt gegeben, in den nächsten Jahren keine “Tatorte” und “Polizeiruf 110” mehr zu produzieren. Im quotenstärksten Teil des ARD-Programms käme also noch weniger “Osten” vor. Nicht alle Wessies wären darüber unglücklich. Sehr wohl aber die, die bisher die Arbeit gemacht haben: “Ein fiktionales Großprojekt lasse sich nicht mal eben für drei Jahre einfrieren, ohne irreparablen Schaden anzurichten. Ein Film benötige langen Vorlauf für Drehbücher, Motivsuche und Team-Verpflichtungen. Das Kernproblem sehen Gröschel und Brambach in der Zerstörung gewachsener Strukturen und der existenziellen Bedrohung der Filmschaffenden”, womit die zwei sich selbst gewiss weniger meinen, als die unbeachteten Freelancer-Produktionsteams, die ihnen die Bühne bauen.
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Nicht meiner. Der hat sich unter zahlreichen Medikamenten optimiert. Aber Johannes Varwick und Thomas Knüwer leiden darunter. Für Varwick geht es um seinen Beruf als Politikwissenschaftler. Knüwer als ehemaliger Lokaljournalist hat nur was Falsches gelesen. In der Reihenfolge der Wichtigkeit:
Mein Fussballfreund Andreas v. Westphalen hat Johannes Varwick für telepolis interviewt: “Diplomatie statt Aufrüstung: Was Deutschland falsch macht – Politikwissenschaftler Johannes Varwick im Interview über Sicherheitsinteressen, Alarmismus, Aufrüstungslogik und den Verlust diplomatischer Grautöne im Westen.” Gut gemacht. Finde ich.
Während der von mir sehr geschätzte Richard Gutjahr seinen Blog vom Netz genommen hat, schreibt Thomas Knüwer als re:publica-Mitarbeiter weiter. Und kann sich noch erregen. “Die ‘Schwäbische Zeitung’ könnte die gedruckte Zeitung retten und merkt es nicht”. Knüwers Blutdruck wurde vom zuständigen Verlagsgeschäftsführer hochgetrieben. Knüwer: “Sie muss kreativ denken, bunt, wild, sie muss ein ein Medienprodukt erschaffen, das mitreißt. Doch dafür bräuchte es an der Spitze Menschen, die für ihre Leser arbeiten wollen und nicht für ihre Excel-Tabelle.” Danke.
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Nicht meiner. Der hat sich unter zahlreichen Medikamenten optimiert. Aber Johannes Varwick und Thomas Knüwer leiden darunter. Für Varwick geht es um seinen Beruf als Politikwissenschaftler. Knüwer als ehemaliger Lokaljournalist hat nur was Falsches gelesen. In der Reihenfolge der Wichtigkeit:
Mein Fussballfreund Andreas v. Westphalen hat Johannes Varwick für telepolis interviewt: “Diplomatie statt Aufrüstung: Was Deutschland falsch macht – Politikwissenschaftler Johannes Varwick im Interview über Sicherheitsinteressen, Alarmismus, Aufrüstungslogik und den Verlust diplomatischer Grautöne im Westen.” Gut gemacht. Finde ich.
Während der von mir sehr geschätzte Richard Gutjahr seinen Blog vom Netz genommen hat, schreibt Thomas Knüwer als re:publica-Mitarbeiter weiter. Und kann sich noch erregen. “Die ‘Schwäbische Zeitung’ könnte die gedruckte Zeitung retten und merkt es nicht”. Knüwers Blutdruck wurde vom zuständigen Verlagsgeschäftsführer hochgetrieben. Knüwer: “Sie muss kreativ denken, bunt, wild, sie muss ein ein Medienprodukt erschaffen, das mitreißt. Doch dafür bräuchte es an der Spitze Menschen, die für ihre Leser arbeiten wollen und nicht für ihre Excel-Tabelle.” Danke.
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Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien. Und ausnahmsweise, fast schon sensationellerweise wurde diese Agenda von den drei Parteien SPD, Grüne und Linke gemeinsam und gleichzeitig gesetzt. Wo wären wir jetzt, wenn sie das schon getan hätten, als sie noch eine Mehrheit im Parlament hatten? Vergossene Milch. Gegen das Netzwerk des faschistoiden Oligarchen Musk konnten sie sich einigen. Und kassieren nicht wenig Gegenwind von den Rechten. Und den Dummen. Nicht alle sind beides. Leider.
Antonia Groß/MDR-Altpapier ist beides nicht: “X oder: Das Geschäft mit der Empörung – Drei Parteien verkünden, dass sie die Plattform X nicht weiter nutzen. Nachrichtenmedien berichten mehr über die Empörung, als über die Motivation für diesen Schritt. Genau das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens.”
Ebenfalls weder dumm noch rechts, aber empört, ist der alte Knut Mellenthin/Junge Welt, der eine sehr informative Ziwchenbilanz des angeblich längst beendeten Krieges der USA und Israels gegen den Iran – und der wiederum gegen die anderen Anrainer des Persischen Golfs – zieht. Lesen Sie schnell, die Junge Welt wird das in ihrem Paywallarchiv beerdigen: “Eine gewaltige Übermacht – Die USA und Israel haben dem Iran empfindliche Schläge versetzt. Dennoch gibt es Probleme mit dem Nachschub von Raketen und mit Teherans Drohnenangriffen. Eine vorläufige Bilanz des Krieges im Nahen Osten”.
Kommen beim Bundeskanzler etwa dumm und rechts zusammen? Das ist umstritten. Nicht umstritten, jedenfalls unter Demoskop*inn*en ist das: Bernd Müller/telepolis macht es jetzt so eitel wie sein Amtsvorgänger: “Friedrich Merz – der unbeliebteste Kanzler der Welt – Selbst Olaf Scholz war beliebter. Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz laut Umfragen der unpopulärste Regierungschef weltweit. Ein Leitartikel.” Die Junge Welt findet es witzig, eine Spiegel-Schlagzeile von Merz so abzuwandeln: »Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«. Wer darüber lachen kann, hat es gut.
Alternative?
Jacobin veröffentlicht eine Rede seines US-Gründers Bhaskar Sunkara: “Etwas Sozialismus im Kapitalismus ist nicht genug – Sozialismus darf nicht lediglich bedeuten, den Kapitalismus gerechter zu gestalten. Er muss auf eine Gesellschaft abzielen, in der das Überleben nicht mehr vom Markt abhängt – und in der sich die Demokratie endlich auch auf die Wirtschaft erstreckt.”
Meine Lieblings-Zwischenüberschrift ist diese: “Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.” Da finde ich mich wieder 😉
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien. Und ausnahmsweise, fast schon sensationellerweise wurde diese Agenda von den drei Parteien SPD, Grüne und Linke gemeinsam und gleichzeitig gesetzt. Wo wären wir jetzt, wenn sie das schon getan hätten, als sie noch eine Mehrheit im Parlament hatten? Vergossene Milch. Gegen das Netzwerk des faschistoiden Oligarchen Musk konnten sie sich einigen. Und kassieren nicht wenig Gegenwind von den Rechten. Und den Dummen. Nicht alle sind beides. Leider.
Antonia Groß/MDR-Altpapier ist beides nicht: “X oder: Das Geschäft mit der Empörung – Drei Parteien verkünden, dass sie die Plattform X nicht weiter nutzen. Nachrichtenmedien berichten mehr über die Empörung, als über die Motivation für diesen Schritt. Genau das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens.”
Ebenfalls weder dumm noch rechts, aber empört, ist der alte Knut Mellenthin/Junge Welt, der eine sehr informative Ziwchenbilanz des angeblich längst beendeten Krieges der USA und Israels gegen den Iran – und der wiederum gegen die anderen Anrainer des Persischen Golfs – zieht. Lesen Sie schnell, die Junge Welt wird das in ihrem Paywallarchiv beerdigen: “Eine gewaltige Übermacht – Die USA und Israel haben dem Iran empfindliche Schläge versetzt. Dennoch gibt es Probleme mit dem Nachschub von Raketen und mit Teherans Drohnenangriffen. Eine vorläufige Bilanz des Krieges im Nahen Osten”.
Kommen beim Bundeskanzler etwa dumm und rechts zusammen? Das ist umstritten. Nicht umstritten, jedenfalls unter Demoskop*inn*en ist das: Bernd Müller/telepolis macht es jetzt so eitel wie sein Amtsvorgänger: “Friedrich Merz – der unbeliebteste Kanzler der Welt – Selbst Olaf Scholz war beliebter. Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz laut Umfragen der unpopulärste Regierungschef weltweit. Ein Leitartikel.” Die Junge Welt findet es witzig, eine Spiegel-Schlagzeile von Merz so abzuwandeln: »Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«. Wer darüber lachen kann, hat es gut.
Alternative?
Jacobin veröffentlicht eine Rede seines US-Gründers Bhaskar Sunkara: “Etwas Sozialismus im Kapitalismus ist nicht genug – Sozialismus darf nicht lediglich bedeuten, den Kapitalismus gerechter zu gestalten. Er muss auf eine Gesellschaft abzielen, in der das Überleben nicht mehr vom Markt abhängt – und in der sich die Demokratie endlich auch auf die Wirtschaft erstreckt.”
Meine Lieblings-Zwischenüberschrift ist diese: “Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.” Da finde ich mich wieder 😉
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Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien. Und ausnahmsweise, fast schon sensationellerweise wurde diese Agenda von den drei Parteien SPD, Grüne und Linke gemeinsam und gleichzeitig gesetzt. Wo wären wir jetzt, wenn sie das schon getan hätten, als sie noch eine Mehrheit im Parlament hatten? Vergossene Milch. Gegen das Netzwerk des faschistoiden Oligarchen Musk konnten sie sich einigen. Und kassieren nicht wenig Gegenwind von den Rechten. Und den Dummen. Nicht alle sind beides. Leider.
Antonia Groß/MDR-Altpapier ist beides nicht: “X oder: Das Geschäft mit der Empörung – Drei Parteien verkünden, dass sie die Plattform X nicht weiter nutzen. Nachrichtenmedien berichten mehr über die Empörung, als über die Motivation für diesen Schritt. Genau das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens.”
Ebenfalls weder dumm noch rechts, aber empört, ist der alte Knut Mellenthin/Junge Welt, der eine sehr informative Ziwchenbilanz des angeblich längst beendeten Krieges der USA und Israels gegen den Iran – und der wiederum gegen die anderen Anrainer des Persischen Golfs – zieht. Lesen Sie schnell, die Junge Welt wird das in ihrem Paywallarchiv beerdigen: “Eine gewaltige Übermacht – Die USA und Israel haben dem Iran empfindliche Schläge versetzt. Dennoch gibt es Probleme mit dem Nachschub von Raketen und mit Teherans Drohnenangriffen. Eine vorläufige Bilanz des Krieges im Nahen Osten”.
Kommen beim Bundeskanzler etwa dumm und rechts zusammen? Das ist umstritten. Nicht umstritten, jedenfalls unter Demoskop*inn*en ist das: Bernd Müller/telepolis macht es jetzt so eitel wie sein Amtsvorgänger: “Friedrich Merz – der unbeliebteste Kanzler der Welt – Selbst Olaf Scholz war beliebter. Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz laut Umfragen der unpopulärste Regierungschef weltweit. Ein Leitartikel.” Die Junge Welt findet es witzig, eine Spiegel-Schlagzeile von Merz so abzuwandeln: »Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«. Wer darüber lachen kann, hat es gut.
Alternative?
Jacobin veröffentlicht eine Rede seines US-Gründers Bhaskar Sunkara: “Etwas Sozialismus im Kapitalismus ist nicht genug – Sozialismus darf nicht lediglich bedeuten, den Kapitalismus gerechter zu gestalten. Er muss auf eine Gesellschaft abzielen, in der das Überleben nicht mehr vom Markt abhängt – und in der sich die Demokratie endlich auch auf die Wirtschaft erstreckt.”
Meine Lieblings-Zwischenüberschrift ist diese: “Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.” Da finde ich mich wieder 😉
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Die grösste Stadt in der grössten Staatsmacht ist zum Labor der Linken geworden
Doch zunächst das Negative. Wie Sie wissen, bin ich ein Freund der Kritik an dem Medium, das den Namen Spiegel trägt. Eine zunehmende Zahl von Dummköpfen ist dabei der Ansicht, es sei egal, ob diese Kritik rechts oder links sei. Sie machen das Medium zum Popanz, statt die Politik, die von diesem Medium nur repräsentiert und bedient wird. So wie der Kollege Roberto De Lapuente beim Westend-Verlag.
Gemäss der Zielgruppenstrategie seines Verlages versucht er sowohl BSW- als auch AfD-Wähler*innen zu bedienen, die ausweislich eigener Online-Umfragen die Mehrheit unter seinen Leser’inne’n stellen. Und sein Text fungiert als Werbeumfeld der Verlagsreklame “Ulf Poschardt legt nach”. Das ist der Porschefahrer und leitende Angestellte des Springerkonzerns, der unersättlich mit den Publikationsmöglichkeiten bei seinem Konzernarbeitgeber nicht ausgelastet ist.
Lapuente bringt es fertig, die Nazi-Kontinuitäten, die Spiegel-Gründer Augstein persönlich organisiert hat, in seiner Analyse wegzulassen. Das allein ist schon hohe Propagandakunst. Kunstvoll unterschiebt er sein eigenes Politikbild von der Gleichsetzung “kritischer Masse” mit den “Querdenkern”, “Schwurblern” und “rechtsoffen”. Ohne Belegstelle sind es schlicht seine eigenen Bilder, die er da malt.
“Die damaligen Reformjahre (gemeint: Schröders Agenda 2010 und die Unterstützung des Spiegel) haben maßgeblich zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen, sie haben das alte Vertrauensverhältnis vieler Bundesbürger in ihren Staat erodieren lassen – es entstand ein politisches Vakuum, in das letztendlich die AfD vorstieß.” Zackzack, so klar und einfach, dass Julia Ruhs vor Neid erblassen wird: die gute alte BRD wurde von Schröder und dem Spiegel “gespalten”. “Dann entschloss man sich, einen aggressiveren Grippevirus mit einer Pandemie zu küren.” Arrividerci Wissenschaft! So einfach ist die Welt beim Verzicht auf materialistische Analyse unter Verwendung der guten alten Gut-und-Böse-Bilder. In den 60ern und 70ern habe ich sowas noch von katholischen Kanzeln gehört.
Der Feind für Herrn Lapuente und Westend ist also weder das Kapital noch Springer, sondern die genossenschaftliche Spiegel-Mitarbeiter-KG. Warum mächtige Gegner, wenn es auch Leichte gibt? Ich bin ja auch dafür, dass Borussia Mönchengladbach freiwillig in die spannendere 2. Liga geht.
Labor New York City
Welch ein Kontrast zu dieser selbstkritischen Abhandlung:
Peter Frase/Jacobin: “Regieren im Kapitalismus ist widersprüchlich – auch bei Mamdani – Was passiert, wenn ein Sozialist plötzlich die größte Stadt der USA regiert? Zohran Mamdani konnte seit Beginn seiner Amtszeit einige Erfolge verbuchen. Aber es wurde auch klar, wie viele Kompromisse sozialistische Politik im bürgerlichen Staat verlangt.”
Die bedauernswerte Mehrheit der dummen Linken würde diese Diskussionen am liebsten überhaupt nicht führen. Sie sind schmerzhaft und anstrengend. Ich habe sie sowohl bei den Jungdemokraten als auch bei den Grünen geführt (und nicht nur da). Für linke Politik im real existierenden Kapitalismus sind sie keine Kür, sondern Pflicht. Wer sie vermeidet, scheidet aus, selbstgewählt.
Es wird nicht ausreichen, von Mitteleuropa gebannt nach New York City zu starren und bis zum Schlusspfiff zu warten, wie es ausgeht. Das gleicht dem im-Stich-lassen, wie es früher zu Vietnam oder Nicaragua gespielt wurde. Besser lief es im Kampf gegen das Rassistenregime in Südafrika, der im besten Sinne internationalisiert war – staatlich und gesellschaftlich.
Wer nur nach New York starrt, übersieht den heraufziehenden europäischen Faschismus. Wollen die Linken so doof bleiben, wie es konservative und andere bürgerliche Demokrat*inn*en in Deutschland schon immer waren? Wenn er dann bemerkt wird, ist es zu spät.
Bonus: Wal-Betrachtung
Der in die Ostsee verirrte Wal wurde zum Indiz für den Zustand der real existierenden Aufmerksamkeitsökonomie. Matthias Becker/telepolis ist dazu eine im besten Sinne materialistisch-ökologische Betrachtung gelungen:
“Bye bye Timmy: Praktizierte Tierliebe im Anthropozän – Tierschutz zwischen Klimakrise und Ideologie: Ein Buckelwal, viele Deutungen – wie rechte Narrative, Aktivismus und ökologische Realität aufeinandertreffen.”
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Die grösste Stadt in der grössten Staatsmacht ist zum Labor der Linken geworden
Doch zunächst das Negative. Wie Sie wissen, bin ich ein Freund der Kritik an dem Medium, das den Namen Spiegel trägt. Eine zunehmende Zahl von Dummköpfen ist dabei der Ansicht, es sei egal, ob diese Kritik rechts oder links sei. Sie machen das Medium zum Popanz, statt die Politik, die von diesem Medium nur repräsentiert und bedient wird. So wie der Kollege Roberto De Lapuente beim Westend-Verlag.
Gemäss der Zielgruppenstrategie seines Verlages versucht er sowohl BSW- als auch AfD-Wähler*innen zu bedienen, die ausweislich eigener Online-Umfragen die Mehrheit unter seinen Leser’inne’n stellen. Und sein Text fungiert als Werbeumfeld der Verlagsreklame “Ulf Poschardt legt nach”. Das ist der Porschefahrer und leitende Angestellte des Springerkonzerns, der unersättlich mit den Publikationsmöglichkeiten bei seinem Konzernarbeitgeber nicht ausgelastet ist.
Lapuente bringt es fertig, die Nazi-Kontinuitäten, die Spiegel-Gründer Augstein persönlich organisiert hat, in seiner Analyse wegzulassen. Das allein ist schon hohe Propagandakunst. Kunstvoll unterschiebt er sein eigenes Politikbild von der Gleichsetzung “kritischer Masse” mit den “Querdenkern”, “Schwurblern” und “rechtsoffen”. Ohne Belegstelle sind es schlicht seine eigenen Bilder, die er da malt.
“Die damaligen Reformjahre (gemeint: Schröders Agenda 2010 und die Unterstützung des Spiegel) haben maßgeblich zur gesellschaftlichen Spaltung beigetragen, sie haben das alte Vertrauensverhältnis vieler Bundesbürger in ihren Staat erodieren lassen – es entstand ein politisches Vakuum, in das letztendlich die AfD vorstieß.” Zackzack, so klar und einfach, dass Julia Ruhs vor Neid erblassen wird: die gute alte BRD wurde von Schröder und dem Spiegel “gespalten”. “Dann entschloss man sich, einen aggressiveren Grippevirus mit einer Pandemie zu küren.” Arrividerci Wissenschaft! So einfach ist die Welt beim Verzicht auf materialistische Analyse unter Verwendung der guten alten Gut-und-Böse-Bilder. In den 60ern und 70ern habe ich sowas noch von katholischen Kanzeln gehört.
Der Feind für Herrn Lapuente und Westend ist also weder das Kapital noch Springer, sondern die genossenschaftliche Spiegel-Mitarbeiter-KG. Warum mächtige Gegner, wenn es auch Leichte gibt? Ich bin ja auch dafür, dass Borussia Mönchengladbach freiwillig in die spannendere 2. Liga geht.
Labor New York City
Welch ein Kontrast zu dieser selbstkritischen Abhandlung:
Peter Frase/Jacobin: “Regieren im Kapitalismus ist widersprüchlich – auch bei Mamdani – Was passiert, wenn ein Sozialist plötzlich die größte Stadt der USA regiert? Zohran Mamdani konnte seit Beginn seiner Amtszeit einige Erfolge verbuchen. Aber es wurde auch klar, wie viele Kompromisse sozialistische Politik im bürgerlichen Staat verlangt.”
Die bedauernswerte Mehrheit der dummen Linken würde diese Diskussionen am liebsten überhaupt nicht führen. Sie sind schmerzhaft und anstrengend. Ich habe sie sowohl bei den Jungdemokraten als auch bei den Grünen geführt (und nicht nur da). Für linke Politik im real existierenden Kapitalismus sind sie keine Kür, sondern Pflicht. Wer sie vermeidet, scheidet aus, selbstgewählt.
Es wird nicht ausreichen, von Mitteleuropa gebannt nach New York City zu starren und bis zum Schlusspfiff zu warten, wie es ausgeht. Das gleicht dem im-Stich-lassen, wie es früher zu Vietnam oder Nicaragua gespielt wurde. Besser lief es im Kampf gegen das Rassistenregime in Südafrika, der im besten Sinne internationalisiert war – staatlich und gesellschaftlich.
Wer nur nach New York starrt, übersieht den heraufziehenden europäischen Faschismus. Wollen die Linken so doof bleiben, wie es konservative und andere bürgerliche Demokrat*inn*en in Deutschland schon immer waren? Wenn er dann bemerkt wird, ist es zu spät.
Bonus: Wal-Betrachtung
Der in die Ostsee verirrte Wal wurde zum Indiz für den Zustand der real existierenden Aufmerksamkeitsökonomie. Matthias Becker/telepolis ist dazu eine im besten Sinne materialistisch-ökologische Betrachtung gelungen:
“Bye bye Timmy: Praktizierte Tierliebe im Anthropozän – Tierschutz zwischen Klimakrise und Ideologie: Ein Buckelwal, viele Deutungen – wie rechte Narrative, Aktivismus und ökologische Realität aufeinandertreffen.”
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Eitelkeit führt hinter die Fichte
Ein Chomsky-Verteidiger kann seinen Furor so wenig zügeln, wie die Verurteiler*innen
So ähnlich hatte ich mir die Konstellation schon gedacht, ohne mich vertieft damit beschäftigt zu haben. Die Epstein-Chomsky-Verbindung habe ich hier nur einmal behandelt. Weil ich Respekt vor dem politischen Intellektuellen Chomsky hatte und habe, aber mich nie zu seinen Jüngern und Verehrer*inne*n gezählt habe. Hier also die etwas fanatisch geratene Verteidigungsschrift:
David Goeßmann/telepolis: “Warum Linke bereit sind, Noam Chomsky in die Epstein-Hölle zu verbannen – Engste Weggefährten lassen den 97-jährigen Chomsky fallen – dabei hält die Empörung über seine Epstein-Kontakte einer Faktenprüfung kaum stand.”
Wie immer wird auch hier ein Popanz namens “die Linke” konstruiert, auf eine faktenstarke Definition, wo und wie die im wahren politischen Leben als Kollektiv existiert, aber bewusst verzichtet, weil sonst die Statik des Textes schnell zusammenfällt. Übrig bleibt dann eine Busspredigt an ein paar Individuen, die vom Autor nicht minder an die Wand genagelt werden, wie es diese mit Chomsky getan haben.
Diese Art des Disputierens ist eben selbst ein Produkt des hegemonialen Neoliberalismus – jede*r kämpft für sich selbst (als “Marke”!) gegen alle andern. Denn sonst wäre ja Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft nötig. Differenzierung clickt nicht.
Als Tatsachen bleiben übrig: Chomsky war, wie seine Gattin schon ausgeführt hat, der Figur Epstein gegenüber zu naiv und leichtgläubig, hat sich von ihm reinlegen lassen. Dazu gehören immer mindestens zwei. Und Chomsky hat sich von der gesellschaftlich relevanten #metoo-Bewegung abhängen lassen; er hat ihre gesellschaftliche Basis und Kraft so unterschätzt, wie er es gegenüber Epstein getan hat. In meinen Augen in seinem reifen Alter verzeihlich. Ich erinnere hieran.
It’s the system, stupid!
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Eitelkeit führt hinter die Fichte
Ein Chomsky-Verteidiger kann seinen Furor so wenig zügeln, wie die Verurteiler*innen
So ähnlich hatte ich mir die Konstellation schon gedacht, ohne mich vertieft damit beschäftigt zu haben. Die Epstein-Chomsky-Verbindung habe ich hier nur einmal behandelt. Weil ich Respekt vor dem politischen Intellektuellen Chomsky hatte und habe, aber mich nie zu seinen Jüngern und Verehrer*inne*n gezählt habe. Hier also die etwas fanatisch geratene Verteidigungsschrift:
David Goeßmann/telepolis: “Warum Linke bereit sind, Noam Chomsky in die Epstein-Hölle zu verbannen – Engste Weggefährten lassen den 97-jährigen Chomsky fallen – dabei hält die Empörung über seine Epstein-Kontakte einer Faktenprüfung kaum stand.”
Wie immer wird auch hier ein Popanz namens “die Linke” konstruiert, auf eine faktenstarke Definition, wo und wie die im wahren politischen Leben als Kollektiv existiert, aber bewusst verzichtet, weil sonst die Statik des Textes schnell zusammenfällt. Übrig bleibt dann eine Busspredigt an ein paar Individuen, die vom Autor nicht minder an die Wand genagelt werden, wie es diese mit Chomsky getan haben.
Diese Art des Disputierens ist eben selbst ein Produkt des hegemonialen Neoliberalismus – jede*r kämpft für sich selbst (als “Marke”!) gegen alle andern. Denn sonst wäre ja Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft nötig. Differenzierung clickt nicht.
Als Tatsachen bleiben übrig: Chomsky war, wie seine Gattin schon ausgeführt hat, der Figur Epstein gegenüber zu naiv und leichtgläubig, hat sich von ihm reinlegen lassen. Dazu gehören immer mindestens zwei. Und Chomsky hat sich von der gesellschaftlich relevanten #metoo-Bewegung abhängen lassen; er hat ihre gesellschaftliche Basis und Kraft so unterschätzt, wie er es gegenüber Epstein getan hat. In meinen Augen in seinem reifen Alter verzeihlich. Ich erinnere hieran.
It’s the system, stupid!
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Eitelkeit führt hinter die Fichte
Ein Chomsky-Verteidiger kann seinen Furor so wenig zügeln, wie die Verurteiler*innen
So ähnlich hatte ich mir die Konstellation schon gedacht, ohne mich vertieft damit beschäftigt zu haben. Die Epstein-Chomsky-Verbindung habe ich hier nur einmal behandelt. Weil ich Respekt vor dem politischen Intellektuellen Chomsky hatte und habe, aber mich nie zu seinen Jüngern und Verehrer*inne*n gezählt habe. Hier also die etwas fanatisch geratene Verteidigungsschrift:
David Goeßmann/telepolis: “Warum Linke bereit sind, Noam Chomsky in die Epstein-Hölle zu verbannen – Engste Weggefährten lassen den 97-jährigen Chomsky fallen – dabei hält die Empörung über seine Epstein-Kontakte einer Faktenprüfung kaum stand.”
Wie immer wird auch hier ein Popanz namens “die Linke” konstruiert, auf eine faktenstarke Definition, wo und wie die im wahren politischen Leben als Kollektiv existiert, aber bewusst verzichtet, weil sonst die Statik des Textes schnell zusammenfällt. Übrig bleibt dann eine Busspredigt an ein paar Individuen, die vom Autor nicht minder an die Wand genagelt werden, wie es diese mit Chomsky getan haben.
Diese Art des Disputierens ist eben selbst ein Produkt des hegemonialen Neoliberalismus – jede*r kämpft für sich selbst (als “Marke”!) gegen alle andern. Denn sonst wäre ja Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft nötig. Differenzierung clickt nicht.
Als Tatsachen bleiben übrig: Chomsky war, wie seine Gattin schon ausgeführt hat, der Figur Epstein gegenüber zu naiv und leichtgläubig, hat sich von ihm reinlegen lassen. Dazu gehören immer mindestens zwei. Und Chomsky hat sich von der gesellschaftlich relevanten #metoo-Bewegung abhängen lassen; er hat ihre gesellschaftliche Basis und Kraft so unterschätzt, wie er es gegenüber Epstein getan hat. In meinen Augen in seinem reifen Alter verzeihlich. Ich erinnere hieran.
It’s the system, stupid!
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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Eitelkeit führt hinter die Fichte
Ein Chomsky-Verteidiger kann seinen Furor so wenig zügeln, wie die Verurteiler*innen
So ähnlich hatte ich mir die Konstellation schon gedacht, ohne mich vertieft damit beschäftigt zu haben. Die Epstein-Chomsky-Verbindung habe ich hier nur einmal behandelt. Weil ich Respekt vor dem politischen Intellektuellen Chomsky hatte und habe, aber mich nie zu seinen Jüngern und Verehrer*inne*n gezählt habe. Hier also die etwas fanatisch geratene Verteidigungsschrift:
David Goeßmann/telepolis: “Warum Linke bereit sind, Noam Chomsky in die Epstein-Hölle zu verbannen – Engste Weggefährten lassen den 97-jährigen Chomsky fallen – dabei hält die Empörung über seine Epstein-Kontakte einer Faktenprüfung kaum stand.”
Wie immer wird auch hier ein Popanz namens “die Linke” konstruiert, auf eine faktenstarke Definition, wo und wie die im wahren politischen Leben als Kollektiv existiert, aber bewusst verzichtet, weil sonst die Statik des Textes schnell zusammenfällt. Übrig bleibt dann eine Busspredigt an ein paar Individuen, die vom Autor nicht minder an die Wand genagelt werden, wie es diese mit Chomsky getan haben.
Diese Art des Disputierens ist eben selbst ein Produkt des hegemonialen Neoliberalismus – jede*r kämpft für sich selbst (als “Marke”!) gegen alle andern. Denn sonst wäre ja Verhandlungs- und Kompromissbereitschaft nötig. Differenzierung clickt nicht.
Als Tatsachen bleiben übrig: Chomsky war, wie seine Gattin schon ausgeführt hat, der Figur Epstein gegenüber zu naiv und leichtgläubig, hat sich von ihm reinlegen lassen. Dazu gehören immer mindestens zwei. Und Chomsky hat sich von der gesellschaftlich relevanten #metoo-Bewegung abhängen lassen; er hat ihre gesellschaftliche Basis und Kraft so unterschätzt, wie er es gegenüber Epstein getan hat. In meinen Augen in seinem reifen Alter verzeihlich. Ich erinnere hieran.
It’s the system, stupid!
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Iran, Sachsen-Anhalt, SPD, Autoindustrie – alle bedroht
Benjamin Roth/telepolis interviewt den hier schon erwähnten Saman Mahdevar: “‘Kriegskritische Stimmen aus dem Iran sind häufig komplexer’ – Über die Auswirkungen des Kriegs gegen den Iran, die Verzerrungen der deutschen Berichterstattung und die Lage vor Ort.” Das mit der “Komplexität” ist bekanntlich auch hierzulande ein komplexes Problem, bis in die Regierungsspitze.
Der Kern von Mahdevars kluger Botschaft lautet: “Autoritäre Herrschaft entzieht den Menschen die Möglichkeit, über ihr eigenes Leben und ihre politische Ordnung zu bestimmen. Krieg tut etwas sehr Ähnliches von außen: Er zerstört die materiellen und sozialen Grundlagen, die notwendig sind, um kollektiv handeln zu können.”
Ein Zwergstaat von der Grösse Hamburgs (oder zwei Saarlands)
Diese Erkenntnis ist noch nicht bis ins deutsche Sachsen-Anhalt vorgedrungen. Das liegt gewiss auch, aber nicht nur an den Lehrern. Ein Lehrer, Wolfram Janzen, bemüht sich an gleicher Stelle vor der AfD zu warnen: “Was die AfD für Sachsen-Anhalt plant – und warum kaum jemand darüber spricht – Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt erstmals allein regieren. Ihr 138-seitiges Programm enthüllt, was das konkret bedeuten würde.”
Ich persönlich finde es bedenklich, wenn es ein Lehrer nicht kürzer und prägnanter schafft. Das macht den Widerstand gegen Rechts nicht stärker, leider. Unter den geschilderten Umständen fände ich “ein ‘politisch souveränes’ Sachsen-Anhalt” gar keine so schlechte Idee. Spätestens, wenn es den MDR-Staatsvertrag kündigt, könnten wir daraus ein deutsches Lesotho machen; an Polen übergeben wird scheitern, an Russland dürfte nicht durchsetzbar sein. Die durchrasenden ICEs müssten u.U. umgeleitet werden, Hamburg-Berlin wird doch gerade schon saniert.
Verschwindende Sozialdemokratie
Bei der SPD sieht es noch schlimmer aus, als in Sachsen-Anhalt. Sie droht zu verschwinden. Und das, obwohl es in ihren Reihen kluge, sogar bezahlte, Leute gibt, wie z.B. Henrik Meyer/ipg-Journal: “Sind sie noch zu retten? – In Mitteleuropa verschwindet eine sozialdemokratische Partei nach der anderen von der Landkarte. In Westeuropa könnte ein ähnliches Schicksal drohen.”
Die amtierende Partei- und Fraktionsführung hat sicher gar keine Zeit mehr, das zu lesen. Geschweige denn das.
Fahrende Bunker und Weihnachtsbäume auf Rädern
Paolo Tumminelli kannte ich bisher nicht. Dabei sitzt er hier um die Ecke im nahegelegenen Dorf Köln (nahegelegen mit dem Fahrrad, mit der Bahn eher schon eine Fernreise). Der Mann hat bei der FAZ-Paywall eine anregende Geschichte der deutschen Autokultur von nachm Krieg bis heute abgeliefert.
“Design von Autos: Wo die deutsche Automobilindustrie falsch abgebogen ist – Arroganz und Ignoranz statt Leidenschaft: Wer braucht noch die Designs der deutschen Automobilindustrie? Die Fehleranalyse eines Design-Professors.”
Die FAZ gibt online eine “Lesezeit 13 min.” an. Die könnten kurzweiliger nicht sein. Ein Professor, der sehr gut schreiben kann. Ein Kollege von ihm war sehr amüsiert, dass er nun als Rentner kritisch geworden sei. Es ist nie zu spät 😉
Ich habe mir den Text gesichert, und stelle ihn gerne auf individuelle Anfrage und nur zum persönlichen Gebrauch – ich will ja keine Gesetze brechen, die FAZ hat teure Anwälte – zum Mitlesen zur Verfügung.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Iran, Sachsen-Anhalt, SPD, Autoindustrie – alle bedroht
Benjamin Roth/telepolis interviewt den hier schon erwähnten Saman Mahdevar: “‘Kriegskritische Stimmen aus dem Iran sind häufig komplexer’ – Über die Auswirkungen des Kriegs gegen den Iran, die Verzerrungen der deutschen Berichterstattung und die Lage vor Ort.” Das mit der “Komplexität” ist bekanntlich auch hierzulande ein komplexes Problem, bis in die Regierungsspitze.
Der Kern von Mahdevars kluger Botschaft lautet: “Autoritäre Herrschaft entzieht den Menschen die Möglichkeit, über ihr eigenes Leben und ihre politische Ordnung zu bestimmen. Krieg tut etwas sehr Ähnliches von außen: Er zerstört die materiellen und sozialen Grundlagen, die notwendig sind, um kollektiv handeln zu können.”
Ein Zwergstaat von der Grösse Hamburgs (oder zwei Saarlands)
Diese Erkenntnis ist noch nicht bis ins deutsche Sachsen-Anhalt vorgedrungen. Das liegt gewiss auch, aber nicht nur an den Lehrern. Ein Lehrer, Wolfram Janzen, bemüht sich an gleicher Stelle vor der AfD zu warnen: “Was die AfD für Sachsen-Anhalt plant – und warum kaum jemand darüber spricht – Die AfD könnte in Sachsen-Anhalt erstmals allein regieren. Ihr 138-seitiges Programm enthüllt, was das konkret bedeuten würde.”
Ich persönlich finde es bedenklich, wenn es ein Lehrer nicht kürzer und prägnanter schafft. Das macht den Widerstand gegen Rechts nicht stärker, leider. Unter den geschilderten Umständen fände ich “ein ‘politisch souveränes’ Sachsen-Anhalt” gar keine so schlechte Idee. Spätestens, wenn es den MDR-Staatsvertrag kündigt, könnten wir daraus ein deutsches Lesotho machen; an Polen übergeben wird scheitern, an Russland dürfte nicht durchsetzbar sein. Die durchrasenden ICEs müssten u.U. umgeleitet werden, Hamburg-Berlin wird doch gerade schon saniert.
Verschwindende Sozialdemokratie
Bei der SPD sieht es noch schlimmer aus, als in Sachsen-Anhalt. Sie droht zu verschwinden. Und das, obwohl es in ihren Reihen kluge, sogar bezahlte, Leute gibt, wie z.B. Henrik Meyer/ipg-Journal: “Sind sie noch zu retten? – In Mitteleuropa verschwindet eine sozialdemokratische Partei nach der anderen von der Landkarte. In Westeuropa könnte ein ähnliches Schicksal drohen.”
Die amtierende Partei- und Fraktionsführung hat sicher gar keine Zeit mehr, das zu lesen. Geschweige denn das.
Fahrende Bunker und Weihnachtsbäume auf Rädern
Paolo Tumminelli kannte ich bisher nicht. Dabei sitzt er hier um die Ecke im nahegelegenen Dorf Köln (nahegelegen mit dem Fahrrad, mit der Bahn eher schon eine Fernreise). Der Mann hat bei der FAZ-Paywall eine anregende Geschichte der deutschen Autokultur von nachm Krieg bis heute abgeliefert.
“Design von Autos: Wo die deutsche Automobilindustrie falsch abgebogen ist – Arroganz und Ignoranz statt Leidenschaft: Wer braucht noch die Designs der deutschen Automobilindustrie? Die Fehleranalyse eines Design-Professors.”
Die FAZ gibt online eine “Lesezeit 13 min.” an. Die könnten kurzweiliger nicht sein. Ein Professor, der sehr gut schreiben kann. Ein Kollege von ihm war sehr amüsiert, dass er nun als Rentner kritisch geworden sei. Es ist nie zu spät 😉
Ich habe mir den Text gesichert, und stelle ihn gerne auf individuelle Anfrage und nur zum persönlichen Gebrauch – ich will ja keine Gesetze brechen, die FAZ hat teure Anwälte – zum Mitlesen zur Verfügung.