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#asozialemedien — Public Fediverse posts

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  1. S-A vor der Machtergreifung?

    Wer über den Ausgang der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Bestandsaufnahme versucht, sollte sich mit Menschen unterhalten, die dort leben und die mehr denn je auf unsere Solidarität als Demokraten angewiesen sind. Im Rahmen einer Veranstaltung des “Radikaldemokratischen Bildungsqwerk e.V.“, dem Netzwerk ehemaliger Jungdemokrat:innen, fand kürzlich eine  Analyse mit der Expertise von profilierten aktiven Bürgerrechtlern und Personen statt, die in Sachsen-Anhalt und Thüringen leben. Fazit: Weder die derzeitige bundesweite Medienberichterstattung, noch die politischen Reaktionen der demokratischen Parteien auf Bundesebene vermitteln ein realistisches Bild von der realen Gefahr für die Demokratie in Deutschland, die aktuell und dauerhaft von der gesichert rechtsextremen AfD in Sachsen-Anhalt ausgeht.

    Scheinbar unpolitische Basisarbeit

    Nach außen hat die AfD in Sachsen-Anhalt einen unpolitischen Kümmerer- und Wohlfühlwahlkampf geführt. Der Spitzenkandidat hat mit seinen Simson-Ausfahrten, Bürgerfesten, Grillabenden und Schlagerpartys Farbe und gute Laune in den Alltag gebracht – vor allem in der Fläche, den Dörfern und auf dem Land, wo die Parteien CDU, SPD, Grüne und selbst die Linke, die einstmals dort stark war, praktisch über keine Strukturen mehr verfügen. Auch die Gemeinden verfügen oft über keine Infrastruktur mehr, Treffpunkte, Kneipen, soziale Begegnungsorte wie Jugendclubs sind ausgeblutet oder mangels Mittel geschlossen. Seit 1990 haben über 40% der jungen Frauen Sachsen-Anhalt – zumeist richtung Westen – verlassen. Der typische AfD-Wähler 2026 ist 44 Jahre alt, männlich, mit mittleren Bildungsabschlüssen, verfügt über eine Berufsausbildung und etwa gleichermaßen abhängig beschäftigt oder selbständig. Viele, mindestens 20%, verfügen über ein patriachal-autoritäres geschlossen rechtsextremistisches Weltbild.

    Permanenter Kümmererwahlkampf

    Der Erfolg der AfD erklärt ich vor allem daraus, dass sie schon viele Monate vor den anderen Parteien mit ihrem Wahlkampf begonnen hat. Sie folgten dabei einfachen Regeln und Prinzipien, wie sie etwa der Faschist Bernd Höcke in Thüringen ausgegeben hat. Für jede Stunde, die Landtagsabgeordnete im Parlament zubringen, sind sie angehalten zwei Stunden im Wahlkreis und vor Ort zu verbringen, um “Bürgernähe” zu simulieren und vor Ort präsent zu sein. Darüber hinaus sollen sie die 80:20-Prozent-Regel befolgen: Im Bürgerkontakt 80% der Zeit zuhören, nur 20% selber reden und dabei den Kümmerer simulieren. Etwa so: Ja, für Sie ganz persönlich werde ich der Sache nachgehen, ich werde mich persönlich in Magdeburg dafür einsetzen, dass die Apotheke in Ihrem Ort erhalten bleibt und ähnlich.  Sie bieten damit scheinbar einen Service, der zu den originären Aufgaben der Abgeordneten gehört, den aber die Mandatsträger der anderen Parteien entweder aufgrund geringer Zahl gar nicht leisten können, oder einfach nicht wahrnehmen. Das hat viele unpolitische Wähler:innen überzeugt, die AfD zu wählen.

    Fortführung des Wahlkampfs über den Wahltag hinaus

    Weil die AfD weiß, dass sie möglicherweise keine tragbare Regierung bilden kann, führt sie vom Tag der Landtagswahl an ihren Wahlkampf weiter, während die anderen Parteien den ihren beendet haben. Strukturell und personell ist sie als einzige Partei bereit, motiviert und in der Lage, eine entsprechende Präsenz aufrecht zu erhalten. Das Argument für den nächsten Wahlkampf ist bereits gefunden. Wird der Rechtsextremist Siegmund nicht zum Ministerpräsidenten gewählt, weil das BSW davor zurückschreckt, eine gesichert rechtsextreme Regierung an die Macht zu bringen, sind eben alle anderen Parteien außer der AfD schuld, dass es keine Regierung gibt und sie werden Neuwahlen fordern. Das BSW hat zwei Wochen nach der Wahl bereits erklärt, auf jeden Fall einen Landtagspräsidenten der Rechtsextremisten wählen zu wollen. Trotzdem kalkulieren diese ein,  für den Fall, dass es nicht zu einer Wahl und Regierungsbildung einer AfD kommt, Neuwahlen – unter welchen Umständen auch immer – zu erreichen und dann wäre die AfD permanent in der Öffentlichkeit und bereits am Start.

    AfD und die Medien

    Viele demokratische Beobachter:innen haben schon im Wahlkampf mit Befremden manche Formate der öffentlich-rechtlichen Medien beobachtet. So war etwa die zentrale Wahlsendung kurz vor der Landtagswahl aus vom Sender nicht näher erklärten Gründen zeitlich in zwei Abschnitte geteilt. Zunächst hatten der Ministerpräsident und der AfD-Spitzenkandidat über eine Stunde lang die Möglichkeit, ihre Politik auszubreiten und zu erläutern, wobei eine Moderatorin durch ihr besonders aggresives Auftreten gegenüber dem CDU-Ministerpräsidenten auffiel. Erst danach wurde die Veranstaltung für die anderen Parteienvertreter:innen geöffnet, die dann kurz zusammengefasst ihre Programme und Thesen vorstellen konnten. Außerdem war als einzige nicht im Landtag von Sachsen-Anhalt vertretene Partei das BSW eingeladen, nicht aber andere Splitterparteien. Ein Schelm, wer darin eine Bevorzugung von AfD und BSW erkennt. Wenn schon der bisherige Status Quo unter demokratischen Verhältnissen den MDR und die verantwortlichen Redakteur:innen so einschüchtern kann – wie soll dann erst die Realität unter einer AfD-Regierung aussehen?

    Totalitäre Methoden zeigen Wirkung

    Wie kann es sein, dass ein öffentlich-rechtlicher Rundfunk in dieser Weise vor der gesichert rechtsextremistischen AfD einknickt? Schließlich hat die AfD in ihr Wahlprogramm geschrieben, den ÖR-Rundfunk abschaffen und den Medienstaatsvertrag kündigen zu wollen. In Frankreich laden die öffentlich-rechtlichen Medien nach einer ebensolchen Ankündigung Marine Le Pens und des “Rassemblement National” keine Vertreter dieser Partei mehr zu Interviews und Live-Auftritten ein. Die Begründung ist konsequent. Zwar müssen sie im Zuge ausgewogener Berichterstattung weiterhin in Nachrichtensendungen und Reportagen aus dem Parlament oder der Öffentlichkeit über das RN berichten und tun das auch. Aber sie sind eben nicht verpflichtet, Politikern, die sie abschaffen wollen, eine persönliche Bühne zu bieten. In Sachsen-Anhalt jedoch, berichten Bürgerrechtler und Journalisten, bekommt der MDR etwa nach einem AfD-kritischen Bericht sofort einen Anruf des parlamentarischen Geschäftsführers oder der Fraktionsspitze der AfD mit dem Begehren, den “Chef vom Dienst” bzw. den verantwortlichen Journalisten sprechen zu wollen, um entsprechenden Druck auszuüben. Die totalitäre Praxis, nach jedem AfD-kritischen Beitrag einen Anruf zu bekommen, führt zwar (noch) nicht zu einer direkten Selbstzensur, aber wenn die nächste Entscheidung ansteht, ob man einen kritischen Bericht über die Rechtsextremisten oder einen über das Feuerwehrfest in der Provinz senden soll, wird der letztere bevorzugt, weil danach kein Anruf der AfD erfolgt.

    Die Rolle der (a)sozialen Medien

    Dabei werden nach Einschätzung von David Begrich, Geschäftsführer von “Miteinander e.V.“  “die Anhänger und Wähler der AfD … nicht mehr von den öffentlich-rechtlichen Medien oder durch Tageszeitungen erreicht. Wähler:innen und Anhänger der AfD unterrichten sich nahezu ausschließlich über die politischen Thesen und Aktivitäten der AfD aus TikTok, Facebook oder Instagram und co.”

    Wie schon in anderen Bundesländern bespielt die AfD die (a)sozialen Medien mit umfassender und außerordentlicher ideologischer Indoktrination und unwidersprochen mit falschen oder verfälschten Informationen. Sie wird dabei entweder offen und direkt durch US-Rechte wie Elon Musk oder J.D. Vance bevorzugt oder durch die Algorithmen dieser Plattformen, die Krawall, Gewalt und Konfrontation nach vorn stellen und vor allem Jugendlichen und Kindern anbieten. Demgegenüber werden Kabarettisten, Karikaturisten und Künstler:innen, wenn sie sich kritisch zur AfD, zu völkischen Ritualen und anderen rechtsextremen Aktivitäten äußern oder sie anprangern. nicht mehr eingeladen oder gar mit straf- und zivilrechtlichen Klagen überzogen.

    Etwas ist sozial gekippt

    Anders als in den Metropolen, zu denen auch Magdeburg noch gehört, muss auf dem Land nicht wer in der Öffentlichkeit den Hitlergruß zeigt,  sich für diese Straftat verantworten, sondern wer den Täter zur Rede stellt oder anzeigt, muss mit Konsequenzen rechnen. Soziale Isolation, beim  Bäcker oder Dorfladen nicht mehr bedient werden, vom Hausverbot im von der AfD zum Altentreff umgemodelten DDR-Jugendclub  bis zum tätlichen Angriff. Viele Demokraten, die das nicht erlebt haben, unterschätzen und täuschen sich über die Bedeutung einer Machtübernahme der AfD, vor allem auf dem Land.  Wenn viele “Wessies” auch in der CDU, die die These vertreten, “lasst sie doch mal in einem Bundesland regieren, dann wird sich schon ihre Unfähigkeit erweisen” malen sich nicht aus, was eine hemonielle AfD-Regierung bedeutet. Sie glauben naiv, eine solche Regierung regiere wie andere Parteien auf Zeit, und unterstellen, die Verhältnisse wären bei den nächsten Wahlen weitgehend reversibel. Die AfD aber will den “Systemwechsel” und wird alles dafür mögliche planvoll angehen. Noch vor kurzem plädierte die von der CDU nicht fürs BVerfG gewählte liberale Richterin Brosius-Gerstorf im Fernsehen, dass Grundgesetz und Landesverfassungen genügend Handhabe böten, Bürger:innen Rechtsschutz gegen eine AfD-Regierung zu gewähren.  Das ist von der Wirklichkeit in Sachsen-Anhalt ebenso fern, wie die Vorstellungen des Bundeskanzlers über die Bedeutung der Rente mit 63 im Osten.

    Die Kader der extremen Rechten sind systematisch vorbereitet

    Das aktuelle Schmierentheater der AfD, die den Umbau des Landtagsplenums verlangt, weil die Rechtsextremisten in der Mitte sitzen möchten, macht deutlich, mit welchen Mitteln sie vorbereitet sind. Die AfD ist eben keine rechtsextremistische Gurkentruppe nach dem Vorbild der NPD, der “Republikaner” oder der Schill-Partei, die 1968, in den 70er und 80er sowie 90er Jahren in West und Ost für kurze Zeit in Landesparlamente kamen und wieder verschwanden. Die AfD ist sorgfältig von Rechtsextremisten mit Regierungserfahrung vorbereitet – unter anderem durch eine Kooperation mit der FPÖ und rechtsextremen Akademien und Kaderschulen. Sollte die AfD-Stiftung auf Bundesebene Mittel aus öffentlichen Haushalten erhalten, ergeben sich hier bisher kaum abschätzbare Möglichkeiten. Aber schon jetzt kann die AfD auf ein reiches Reservoir von rechten Jurist:innen zurückgreifen, das in Burschenschaften und rechten “Verbindungen” seit Jahren und Jahrzehnten heranreift. Inklusive der Seilschaften der zumeist betuchten “alten Herren”.

    Landespolitik und ihre Möglichkeiten – weit unterschätzt

    Wer sich in der Landespolitik und ihren Möglichkeiten nicht auskennt, unterschätzt zwangsläufig die Gestaltungsmöglichkeiten. Das haben die Grünen in NRW schon 1995 und 2000 bewiesen. Zwar war Garzweiler II nicht zu verhindern, aber sie leiteten über Jahrzehnte die Verkleinerung  des Abbaugebietes und den Kohleausstieg 2030 ein. Darüber hinaus  bedeutete die rot-grüne Koalition eine massive Veränderung der Landespolitik. Kernthemen der Umweltpolitik können irreversible Fakten schaffen.  Die Regionalplanung und Landesentwicklung inklusive der Ausweisung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten, Ausbau oder Stopp der Windkraft, all dies ist politisch beeinflussbar. Die AfD könnte versuchen, Solarnutzungsverbot über das Baurecht, Personalmaßnahmen gegen Migranten  über Krankenhausfinanzierung und Pflege zu beeinflussen, Ganztagsschulen und Kitas schließen. Landesmittel bieten vielfältige Ansätze für rechte Politik.  Darüber hinaus der gesamte Bildungsbereich, die Durchlöcherung der Schulpflicht zugunsten rechtsvölkischer Selbstertüchtigung. Hier liegt die Gesetzeskompetenz in der Hand der Länder, ebenso wie in Strafvollzug und Jurist:innen-Ausbildung. Eingriffe in Ausstattung und Selbstverwaltung der Hochschulen und ihre Selbstorganisation durch Hochschulgesetze. Zentral: Die Medienpolitik – Kündigung des Medienstaatsvertrags, Errichtung eines Ersatz-Basisfunks, der den Austausch des gesamten journalistischen Personals ermöglichen würde.

    Der Landeshaushalt als Machtinstrument

    Justiz: Der Strafvollzug und seine Projekte sind Ländersache, von der Verwaltung der Vollzugsanstalten bis zur Richterwahl und der Personalpolitik in Verwaltung und Justiz. Finanzierung der Städte und Gemeinden. Über das Haushaltsrecht können z.B. Vorschulen, Kinderbetreuung, Sprachförderung für Migranten, Integrationskurse, Frauenhäuser und Frauen- und Familienberatung, Aids-Hilfe, queere Beratungsstellen, Verbraucherschutz-Initiativen, Beratungsstellen gegen Gewalt, Anti-Gewalttrainings, kulturelle Einrichtungen, Archive der NS-Diktatur, Gedenkkultur und nicht zuletzt Denkmäler und Gedenkstätten sowie Vereine und Institute, die an die NS-Zeit erinnern – all diesen können die Mittel gestrichen werden. Das trifft in erster Linie Antirassismus-Demokratieprojekte der Gegenwart und NGOs gegen Rechtsextremismus.  Flüchtlingsräte, Sozialberatung, Schuldnerberatung, Vereine wie “Miteinander e.V.” und andere rechnen mit einer Streichung sämtlicher Mittel als Worst Case Szenario. Deshalb wurden sogar schon viele Arbeitsverträge vorsorglich gekündigt.

    Bürgerrechte, Polizei und Hilfstruppen

    Die Stärkung und personelle Besetzung der Landesbeauftragten für den Datenschutz, die Verlagerung der Datenschutzaufsicht zu ihr, das Landesmeldegesetz, ein Landespolizeigesetz, z.B. Videoüberwachung, Polizeiausbildung, ihre Ausstattung mit Personal und Waffen sowie die Aufsicht durch eine unabhängige Polizeibeauftragte – das sind rot- oder schwarz-grüne Errungenschaften für die Bürgerrechte. Was würde dagegen eine AfD-Regierung tun können? Veränderung der Polizeiausbildung, durch andere Inhalte in der Staatsbürgerkunde, Änderungen der Befugnisse und Bewaffnung und vor allen etwas, das bis vor nicht allzu langer Zeit noch in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern vorgesehen war: eine legalisierte Bürgerwehr durch zivile, ehrenamtliche Hilfspolizisten. Nicht auszudenken, wenn diese im Stil der ICE-Truppen in den USA eingesetzt werden könnten, um – zwar unbewaffnet, aber ganz rechtmäßig – Migranten aufzuspüren und zu terrorisieren. Je nach Bundesland verschieden sind die Polizeiführungen ausgestaltet – als Laufbahnbeamte oder politische Beamte an der Spitze, die die Landesregierung einsetzt. 1933 hat die NSDAP in Berlin einen  Polizeipräsidenten eingesetzt und ihm 5.000 SA-Schläger als Hilfstruppen an die Seite gestellt, die gegegen Juden, Homosexuelle und politische Gegner vorgingen. Wer garantiert, dass es unter einem AfD-Innenminister und einem AfD-Justizminister keine willkürlichen Durchsuchungen bei NGO, Frauenhäusern und allen oppositionellen Institutionen gibt, die vielleicht vor Gericht keinen Bestand haben, deren erbeutete Daten aber längst von AfD-nahen korrupten Beamten und Angestellten mißbraucht wurden?

    Landesamt für Verfassungsschutz

    Das Landesamt für Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt untersteht dem Innenministerium. Im Falle einer Machtergreifung der AfD stehen die Mitarbeiter vor der Frage, was die AfD mit ihrem Amt macht – im weniger schlimmen Fall würde es aufgelöst – aber insbesondere V-Leute und Mitarbeiter der Abteilung Rechtsextremismus würden der AfD bekannt, kämen damit möglicherweise persönlich in höchste Gefahr. Auch die Frage, welche Rolle ein Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt noch spielen könnte, der immerhin im Informationsverbund der bundesweit 17 Verfassungsschutzämter angehört und bei dem geheime Informationen über Terrorismus, Extremismus und seine Organisationen, Bestrebungen und Schlüsselpersonen vorgehalten und ausgetauscht werden, ist höchst relevant. Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine spielt die Spionageabwehr auch auf Landesebene eine wachsende Rolle bei den Tätigkeiten der Verfassungsschutzämter. Strategisch ist davon auszugehen, dass Russland eine Machtübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt als strategisches Einfallstor nutzen würde, um einen möglichen Ausfall der Spionageabwehr auszunutzen oder – zu versuchen, über die AfD oder das BSW – die Parlamentarische Kontrollkommission und die G-10 Kommission zu besetzen und so an Geheiminformationen zulasten der Betroffenen zu kommen.

    Zivilgesellschaft und Kirchen

    Die Angriffe der AfD richten sich auch immer wieder gegen Kirchen und ihnen nahestehende Einrichtungen der Zivilgesellschaft. Das sind vor allem Flüchtlingsräte, soziale Einrichtungen, Antirassismus-Initiativen, soziale Einrichtungen für Drogenabhängige, Obdachlose, sozial schwache und andere Minderheiten. Auch diese werden zum Teil seit Jahrzehnten über die Landeshaushalte unterstützt, aber auch von den Kirchen gefördert. Auch diese Szene sozialer Einrichtungen, die vor allem Minderheiten und kranken Menschen zugute kommen, ist durch die Politik der AfD gegen Minderheiten akut bedroht. Die Kirchen haben die gesellschaftliche Bindungskraft, die sie vor der “Wende” 1990 innehatten, weil sie Schutzraum vor dem SED-Regime waren, verloren. Es gibt sie noch, aber sie sind vor dem Hintergrund der säkularisierten Unbarmherzigkeit – auch das hat die AfD von heute mit der NSDAP von 1933 gemeinsam – machtlos geworden.

    Motivation im Osten: Erfahrung von 1990 nicht unterschätzen

    Ein letzter wichtiger Aspekt, der durchaus beim Kampf um die Demokratie im Osten eine Rolle spielen könnte, ist die Erfahrung vieler DDR-Bürger von 1990. So ein Anrufer in der Sendung “Kontrovers” im Deutschlandfunk vergangener Woche. Der Anrufer, der sich selbst als überzeugter Demokrat bezeichnete, gab zu bedenken, dass viele DDR-Bürger:innen, wie er selbst auch, 1989/90 ein erstarrtes, in sich selbst marodes System des “realen Sozialismus” durch die friedlichen Demonstrationen weggefegt habe. Die Erinnerung an diese Macht, so vermutete er, sei bei vielen, die heute die Bundesrepublik, Kanzler Merz und – von der AfD angestachelt – “das System” für alles und jedes verantwortlich machten, fühlten sich in einer ähnlichen Situation wie die DDR-Bürger:innen 1990. Dieses Gefühl, “alles sei möglich” und “alles müsse sich ändern” gepaart mit einem Gefühl “das haben wir schon mal geschafft”, ermutige seiner Meinung nach viele Menschen, sich als Fundamentalopposition zum “System” zu empfinden und deshalb AfD zu wählen. Ein kluger Gedanke, den wir wirklich nicht unterschätzen sollten.

  2. Zensursula ist was ganz großem auf der Spur: "von der Leyen. "Und wir erwarten nicht von Kindern, dass sie ihre eigenen sicheren Sicherheitsgurte entwerfen. Genauso wenig von Eltern, dass sie Airbags zu Hause einbauen. Und genau dieselbe Produktsicherheit muss auch für die großen Technologiekonzerne gelten."

    tagesschau.de/ausland/europa/s

    #asozialeMedien #Alterskontrollen #stufenmodell

  3. Geschäft mit Empörung

    Ein Wind weht durch die asozialen Netzwerke und die nur noch wenig unterscheidbaren sonstigen Medien. Und ausnahmsweise, fast schon sensationellerweise wurde diese Agenda von den drei Parteien SPD, Grüne und Linke gemeinsam und gleichzeitig gesetzt. Wo wären wir jetzt, wenn sie das schon getan hätten, als sie noch eine Mehrheit im Parlament hatten? Vergossene Milch. Gegen das Netzwerk des faschistoiden Oligarchen Musk konnten sie sich einigen. Und kassieren nicht wenig Gegenwind von den Rechten. Und den Dummen. Nicht alle sind beides. Leider.

    Antonia Groß/MDR-Altpapier ist beides nicht: “X oder: Das Geschäft mit der Empörung – Drei Parteien verkünden, dass sie die Plattform X nicht weiter nutzen. Nachrichtenmedien berichten mehr über die Empörung, als über die Motivation für diesen Schritt. Genau das ist das Geschäftsmodell des Unternehmens.”

    Ebenfalls weder dumm noch rechts, aber empört, ist der alte Knut Mellenthin/Junge Welt, der eine sehr informative Ziwchenbilanz des angeblich längst beendeten Krieges der USA und Israels gegen den Iran – und der wiederum gegen die anderen Anrainer des Persischen Golfs – zieht. Lesen Sie schnell, die Junge Welt wird das in ihrem Paywallarchiv beerdigen: “Eine gewaltige Übermacht – Die USA und Israel haben dem Iran empfindliche Schläge versetzt. Dennoch gibt es Probleme mit dem Nachschub von Raketen und mit Teherans Drohnenangriffen. Eine vorläufige Bilanz des Krieges im Nahen Osten”.

    Kommen beim Bundeskanzler etwa dumm und rechts zusammen? Das ist umstritten. Nicht umstritten, jedenfalls unter Demoskop*inn*en ist das: Bernd Müller/telepolis macht es jetzt so eitel wie sein Amtsvorgänger: “Friedrich Merz – der unbeliebteste Kanzler der Welt – Selbst Olaf Scholz war beliebter. Nach einem Jahr im Amt ist Friedrich Merz laut Umfragen der unpopulärste Regierungschef weltweit. Ein Leitartikel.” Die Junge Welt findet es witzig, eine Spiegel-Schlagzeile von Merz so abzuwandeln: »Kein Wähler vor ihm hat so etwas ertragen müssen«. Wer darüber lachen kann, hat es gut.

    Alternative?

    Jacobin veröffentlicht eine Rede seines US-Gründers Bhaskar Sunkara: “Etwas Sozialismus im Kapitalismus ist nicht genug – Sozialismus darf nicht lediglich bedeuten, den Kapitalismus gerechter zu gestalten. Er muss auf eine Gesellschaft abzielen, in der das Überleben nicht mehr vom Markt abhängt – und in der sich die Demokratie endlich auch auf die Wirtschaft erstreckt.”

    Meine Lieblings-Zwischenüberschrift ist diese: “Vielmehr geht es um eine Ausweitung von Freizeit, Sicherheit und Lebenszeit außerhalb der Produktion.” Da finde ich mich wieder 😉

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  4. Kritische Ergänzung zu einem Interview

    “Vergleichbar mit Kokain” – nicht nur für Kinder

    Anne Wilkening gibt in einem Interview mit ver.di-publik wichtige Hinweise. Das Problem ist grösser, als die meisten denken. Denn alles, was Frau Wilkening an Suchtgefrahren beschreibt, gilt für Menschen jeden Alters. Sie vergleicht die Gefahren mit Kokain. Kokainhandel ist verboten. Die Milliardäre, die vergleichbare Medien zur eigenen grenzenlosen Bereicherung und Herrschaftssicherung einsetzen, sind dagegen nicht verboten, sondern kreieren selbst Geschäftsmodelle und Gesetze. Und bekommen es von der herrschenden Politik vorne und hinten reingeschoben …

    Die nächste Überwältigungswelle rollt, und die Stellen in Politik und Medien, die Kontroll-Deiche und -Dämme dagegen bauen müssten, sind die ersten Opfer dieser Überwältigung.

    Bis das revolutionär überwunden wird, könnte es noch eine Weile dauern. Was in der Zwischenzeit tun? Alkoholkonsum z.B. ist legal. Warum? Weil es immerhin einer Mehrheit gelingt, ihn kulturell zu kontrollieren. 4 Mio. können es meistens oder oft nicht. Das sind 5% der BRD-Bevölkerung.

    Kulturelle Beherrschung des Suchtmittelkonsums könnte eine gesellschaftlich akzeptierte Zwischenlösung sein. Voraussetzung dafür ist Kompetenz, in diesem Fall die berühmte “Medienkompetenz”. Am Mangel derselben leidet die Mehrheit der Erwachsenen gewiss nicht weniger, als die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen. Oftmals sind es Letztere, die Eltern, Grosseltern und Lehrer*inne*n die Geräte erklären müssen.

    Mit der verbreiteten Verbotsdebatte versucht die Erwachsenenwelt diese Umkehrung der familiären und schulischen Machtverhältnisse rückgängig zu machen. Eine klassische Ersatzhandlung, die zudem misslingen wird. Der Kontrollverlust wird auf diese Weise noch grösser, statt kleiner. Illegale Räume werden wachsen, ein Paradies für neue Branchen mit Extraprofiten, Kriminalität und Delinquenz.

    Die Vermittlung oben beschriebener Kompetenz ist gesellschaftliche Aufgabe. Schulen, Medien, Politik – sie müssen für entsprechende Daseinsvorsorge sorgen. Tun sie aber nicht. Das muss politisch erstritten werden. Und wenn ihre gegenwärtige Organisation dazu nicht geeignet, willens und in der Lage ist, dann müssen entsprechende Gesetze und Mittel der öffentlichen Haushalte geändert werden.

    Die Lösung für die meisten Probleme ist: mehr Bildung. Und nicht nur für die Kinder.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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  5. @facebita @neuSoM viele die hier sind haben den von Dir bezeichneten #asozialeMedien den Rücken gekehrt.
    Ich z.B. habe selbst Tumblr und pinterest nicht mehr, weil es US amerikanische Dienste sind.

  6. @Azubisgegenrechtsfreiburg
    Meine Mama hat gesagt, dass ich solchen toxischen Plattformen fernbleiben soll. Und ich höre auf meine Mama.
    #asozialeMedien

  7. Die Beleidigten

    Altes Fernsehen – “Linksextremisten” – Salzwedeler und andere Ossis

    Manche Alte meinen, die Zeiten seien so schlimm, weil die asozialen Medien so schlimm seien. Das ist nachweislich falsch. Im 2. Weltkrieg gab es sie noch nicht. Sie konnten ihm also weder den Boden bereiten, noch ihn mit all seinen Völkermorden durchführen. Das Problem sind nicht diese Medien, sondern wie mit ihnen umgegangen wird. Wem gehören sie warum? Und was machen die damit?

    Wenn die alten TV-Anstalten z.B. neidisch auf YouTube sind, hat das gute Gründe. YouTube hat eben das bessere Programm. Und davon viel mehr.

    Wilfried Urbe/dpa/heise: “‘Die größten Player der Zukunft’ – warum YouTube so wächst – Fast unbemerkt ist YouTube zum Superstar aufgestiegen. Es ist der Anfang für einen der größten Umbrüche in der Unterhaltungsbranche.”

    Falsch daran ist, dass YouTube einem privaten Kapitalkonzern gehört. Falsch daran ist, dass der seine Algorithmen als “Geschäftsgeheimnis” handhabt und handhaben kann, weil der real existierende Kapitalismus das genau so will. Weniger geheim sind die Profite: 100.100.000.000 US-$ waren es 2024.

    Immerhin dürfen bei YouTube die Zuschauer*innen sogar kommentieren und diskutieren. Das schaffen deutsche TV-Anstalten bis heute nicht. Denn jemand müsste das moderieren. Und derartige Arbeit kostet. Bei YouTube dürfen das preisgünstige Billiglöhner*innen ohne Arbeits-, Sozial- und Gewerkschaftsrecht machen. Also verzichten deutsche Anstalten lieber auf Zuschauer*innen, als ihre Arbeit nach geltenden Gesetzen zu machen. Sowas kommt dann von sowas.

    YouTube glotzen ist übrigens kostenlos und wird wie Privat-TV durch messbare reichweitenstarke Werbung finanziert. Damit ist es in erster Linie Mörder des unterirdisch schlechten und billigen Privat-TV. Seine Werbespots sind absichtlich noch viel schlechter und gehen auf Dauer total auf die Nerven – nach einer Viertelstunde fühlt sich die*der Zuschauer*in von billigsten Wanderprediger*innen umzingelt. Das soll zum Abschluss eines “Premium-Abos” animieren. Ja gut, ich bin dann mal weg. Es gibt auch andere Tricks dagegen. Ich hab’ sie aber vergessen.

    Beleidigte “Linksextremisten”

    Unser Autor und Freund Detlef zum Winkel/bruchstuecke hat sich der Folter unterzogen, das “Bekennerschreiben” der sog. “Vulkangruppe” komplett zu lesen. Das ist dabei unten raus gekommen:

    “Dümmer als der Linksextremismus erlaubt – Ein sogenannter Ökoterrorismus setzte sich am 3. Januar, zum Jahresauftakt, ebenso spektakulär wie entlarvend in Szene. Alle halten ihn für ‘linksextrem’, was ist da dran?”

    Dä. Jetzt wissen wir immer noch nicht mehr. Dass die Täter*innen ein schwerwiegend verschattetes Hirn haben, wussten wir ja schon.

    Salzwedeler*innen

    Salzwedel liegt nicht im menschenleeren Niedersachsen, sondern im noch menschenleereren Sachsen-Anhalt. Da, wo die AfD ihre besten Umfragewerte hat. Obwohl: die in “meinem” Ruhrpott sind entlang – nicht der edelteuren Ruhr, sondern entlang der weit billigeren – Emscher auch zu verachten. Bei den Kolleg*inn*en von uebermedien wurde jetzt das paywallfrei:

    Dietrich Schotte: “Reportagen aus der ostdeutschen Provinz: Schaut mal, wie doof es hier ist! – Salzwedel hat außer Backsteinhäusern, versalzener Suppe und einem geschlossenen Café wenig zu bieten. So klingt es zumindest in einer taz-Reportage. Ein typisches Beispiel, wie herablassend manche Großstadtjournalisten über die ostdeutsche Provinz schreiben.”

    Das ist alles richtig beschrieben. Nur: taz-Reportagen aus Gelsenkirchen funktionieren exakt genauso. Und selbst wenn Kölner*innen nach Bonn reisen, geht es mit ihren Reportagen so ähnlich aus. Bei denen genügt schon, wenn es rechtsrheinisch (= Sibirien) ist.

    Real ist die Blasiertheit der Mehrheit der “was-mit-Medien”-Fuzzys. Die gibt es überall. Sie haben nur selbst noch nicht gemerkt, wie wenig angesagt sie mittlerweile sind. Das können Sie in der Provinz jederzeit und überall erleben – vorzugsweise da, wo die Menschen über wenig Kapital verfügen, weil es sich schon vom Acker gemacht hat.

    Der Kollege Schotte, bzw. seine kommentierenden uebermedien-Leser*innen, erwähnen u.a. das nahegelegene “überlaufene” Lüneburg (das ist dann aber wirklich Niedersachsen). Das ist einfach zu erklären: dort werden Aussenaufnahmen für die tägliche ARD-Nachmittags-Soap “Rote Rosen” gedreht. Die feiert dieses Jahr 20. Geburtstag. Das geburtenstarke Senior*innen-Publikum liebt das. Und ist kaufkräftig genug für eine entsprechende gemütliche Kurzreise. Meine ehemalige Jungdemokraten-Freundin Ingrid Matthäus-Maier hat im WDR-Rundfunkrat erfolgreich für die Verlängerung des Produktionsauftrags gekämpft. Die Geschmäcker sind eben verschieden.

    Keinen Geschmacksstreit kann es dagegen um den vom Kollegen Schotte mehrfach erwähnten Salzwedeler Baumkuchen geben. Aber warum hat er ihn nicht verlinkt? In einem Onlinemedium! Weil es mehrere gibt? Hier noch einer. Und hier das mehrfach erwähnte Café Kruse. Alles gute Gründe, aus dem ICE auszusteigen – sofern er das Anhalten nicht vergisst – und eine Vergleichsverkostung durchzuführen. In meiner Suchmaschine gibt es weitere Links. Nicht schwer zu finden.

    Und guten Appetit!

    PS: als mir am linken Auge bei örtlicher Betäubung der Graue Star wegoperiert wurde, haben sich die Operateur*inn*e*n darüber unterhalten, wie auf einer Urlaubsreise ein Baumkuchen am besten frischgehalten werden kann. Unvergesslich!

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  8. Wer und was asozial ist

    Meine persönliche Begriffsklärung aus Anlass der angeblich besinnlichen Tage

    Im abgelaufenen Jahr haben Extradienst-Leser*innen auf den faschistischen Gebrauch des Wortes “Asozial(e)” hingewiesen. Meine Nutzung des Wortes hat – insbesondere wenn mann und frau sich um eine minimal materialistische Sichtweise bemüht – eine entgegengesetzte Bedeutung. Zunächst Zustimmung zu Klaus Walter. Ein kluger Kerl, für mich so eine Art individuelles popkulturelles Leitmedium. In der taz schreibt er das:

    “Sprache im Wandel: Anglizismen – Modern Talking – Dead End – Die deutsche Sprache verändert sich so schnell, dass nicht alle Schritt halten. Die Entwicklung zu bremsen, wäre trotzdem keine sehr gute Lösung.”

    Nur bei seiner sprachpolitischen Denunziation des Begriffs “asoziale Medien” als konservativ gehe ich nicht mit. Dieser beschreibt nicht nur, was innerhalb dieser Medien vor sich geht. Das betrifft selbstverständlich nur Teile ihrer Inhalte. Andere Teile sind nützlich, demokratisch und politisch fortschrittlich. Das ist nicht zu bestreiten, wie ich ebenfalls politische Kräfte nicht denunzieren will, die diese Medien zu nutzen versuchen. Wissenschaftlich seriöse Untersuchungen, welche Inhalte seriös und welche asozial sind, sind mir nicht bekannt. Das ist auch objektiv nicht wirklich quantifizierbar. Ihre pure Exitenz ist jedoch evident, und kaum ernsthaft bestritten.

    Ebenso unbestritten ist, dass sich die Kapitaleigner*innen der entsprechenden Plattformen, in der deutschen Medienpolitik als “Intermediäre” beschönigt, einen schlanken Fuss machen, was Verantwortung für Inhalte und ihre kostspielige (!) Moderation durch echte Menschen betrifft. Was ich hier im Extradienst persönlich mache, das machen die einfach nicht. Und wollen es auch nicht bezahlen. Stattdessen stehlen sie die Datenmassen ihrer Nutzer*innen in einem Ausmass, das im Vergleich die Bankräuber*innen unserer Tage wie Amateur*innen und barmherzige Humanist*inn*en aussehen lässt. Das ist der materialistische Kern dieser asozialen Oligarchen-Netzwerke, und war egal, ob sie kalifornisch, chinesisch, russisch oder eines Tages deutsch sind.

    Obszön daran ist nicht nur der Transparenzmangel und die Klandestinität des Geschäftsmodells. Obszön ist das ganze Prinzip. Es basiert auf der Umwandlung von öffentlichem in privates Grosskapital, und, wie jedes banal-kriminelle Wettbüro, auf der Umverteilung von Vielen auf wenige Superreiche. Real existierender Kapitalismus ist asozial. Im Gegensatz zu jenen Menschenmassen, die er ausbeuten lässt.

    Ich bin empfindlich, wenn rechte Schnösel an meine sparsame Rente wollen. Aber ich kann in Beuel gut damit leben, weil mir meine Wohnung gehört. Wenn alle Wohnungen in Gemeineigentum überführt würden, wäre ich der Letzte, der sich dagegen wehrt. Aber dann alle, mit anschliessender gerechter Verteilung von Wohnraum – an alle. Meine Wohnfläche würde sich verkleinern, aber dann wäre ich einverstanden. Welche Partei fängt damit an?

    Wohin es unter den herrschenden ökonomischen Bedingungen führt? Fragen Sie (befreundete) Türk*inn*en in Ihrer Umgebung. Nur glauben Sie nicht das Märchen, dass die alle Erdogan wählen. Tun sie nicht. Entsprechende Untersuchungen beziehen sich lediglich auf die Wählenden (Wahlbeteiligung?), uund auch nur unter denen, die noch türkisches Wahlrecht haben. Fast alle aber haben Verwandte, von wo Jürgen Gottschlich und Wolf Wittenfeld (beide taz) berichten:

    “Sozialpolitik in Istanbul: Küche für alle – Die Kent Lokantası sind günstig und gut. Die Stadtteilkantinen sind zudem mitverantwortlich für die Popularität von Istanbuls Bürgermeister İmamoğlu.”

    “Armut in der Türkei: Teures Silvesterfest – In der Türkei wird der letzte Tag des Jahres als ‘Yılbaşı’ groß gefeiert. Doch Nahrungsmittel, Deko und Co kosten im Vorjahresvergleich das Dreifache.”

    Da hat mir mein karges Mittagsmeü – Pellkartoffeln mit Fisch, Käse, Weisswein” – in Beuel, ganz ohne frische Brötchen (alles zu), gleich doppelt so gut geschmeckt. Mein Glück als Infarktüberlebender, Leben 2.0, ist schwer zu fassen.

    Es gibt auch gute Nachrichten am ersten Tag des Jahres

    Die Aufrüstung geht nicht voran. weil die herrschenden Klassen sich zu doof anstellen.

    Und seine Vereidigung wird heute gross gefeiert. Er kommt auf den Feuerstuhl einer hochkorrupten Stadtverwaltung. Wie weit wird ihm das Regieren gelingen? Besser als Katja Dörner? Kaum zu glauben. Aber zu hoffen. Und sehr, sehr viele müssen dafür arbeiten, solidarisch arbeiten. Ist das noch möglich? Ich weiss es nicht.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  9. #AsozialeMedien sind überflüssig - man muss es nur wollen - #NetzwissenDe

    netzwissen.de/2025/09/23/a-soz

    > Unter deutschen Politikern und Medienschaffenden herrscht immer noch der (Irr-)Glaube vor, man müsse Präsenz auf den Plattformen der amerikanischen und chinesischen #DigitalOligarchien zeigen. Gängige Argumente sind „alle anderen sind auch […]

  10. Nüchtern

    Es geht auch vernünftig. Aber versuchen Sie das mal in paranoiden Gesellschaftssystemen durchzusetzen.

    Daniel Angus/IPG-Journal: “Keine Panik – Australiens Social-Media-Verbot beruhigt besorgte Eltern. Europa sollte statt Symbolpolitik echte Lösungen suchen.” Hat der Professor für digitale Kommunikation an der Fakultät für Kommunikationswissenschaften der Queensland University of Technology und Direktor des Forschungszentrums für digitale Medien der QUT keine Kinder? Wie kommt er sonst auf die Idee, Vertrauen in Kinder und Jugendliche zu setzen. Die haben doch nur noch das Eine im Kopf …

    In Australien ist der Gute wohl nicht ganz auf Ballhöhe. Er schreibt “Europa steht an einem Scheideweg. Es kann eine Führungsrolle im Bereich der digitalen Rechte übernehmen.” Haha, davon haben auch hier viele geträumt. Vor längerer Zeit. Die EU-Führung ist jederzeit bereit, sich vor dem Trump-Regime auf den Rücken zu lesen und in den Hals beissen zu lassen. Ganz wie er. In Australien haben sie das übersehen. Die rechten Oligarchen machen sich die Fakten, wie sie sie haben wollen. Davon lassen Sie sich durch EU-Gesetze nicht abbringen, und durch US-Bundesstaaten schon gar nicht.

    Werden die Fakten diesen halsstarrigen Mächtigen folgen? Möglich ist das. Aber beeinflussbar. Und keineswegs sicher. Geschichtliche Fakten und gesellschaftliche Zustände fliessen und mäandern. Oder, mit wissenschaftlichen Erkenntnissen und Worten:

    Imke Stock (Interview)/heise: “Technikfolgenabschätzung trifft KI-Romantik – KI zwischen Illusion und Erkenntnis: Ein Gespräch über Bewusstsein, Emotion und das neue Verhältnis von Mensch und Maschine. Generative KI-Sprachmodelle verändern unsere Welt in rasantem Tempo – und mit ihr unseren Blick auf Bewusstsein, Emotion und Beziehung. Doch wo verläuft die Grenze zwischen echter Empfindung und perfekter Simulation?”

    Und nun spekulieren wir mal, was das für und in unserem Zwergstaat bedeutet. Lesen Sie dazu mal, was der in der Regel faktenkundige Kollege Falk Steiner/heise herausgefunden hat, und fantasieren Sie sich dazu in Ihrem Kopf die passenden Filmbilder (bei mir sind es ungefähr diese):

    “Problembär-Dressur: ‘Der Russe war es’ reicht nicht – Die Bundesregierung macht Russland für Fälle von Desinformation und Cyberangriffen verantwortlich. Die Zuordnung dauerte teils sehr lange.”

    Sie können es in ihrer Fantasie auch mal mit der britischen Sicherheitsfilosofie versuchen. Die habe ich mir immer bedeutend professioneller vorgestellt. Sicher auch ein Vorurteil.

    Meine steile These

    Was bei Steiners Text vor meinen Augen abläuft, das würden die Kolleg*inn*en von netzpolitik sicher fachkundiger, schneller und schätzungsweise für höchstens ein Zehntel des Aufwandes erledigen können. Oder auch die Kinder und Enkel*innen der zahlreichen beteiligten Beamt*inn*en und Agent*inn*en. Zweifellos würden die eine Taschengeldaufbesserung verlangen. Legitim und billig.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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  11. Gerade in einem Post zum Thema @mainz_de den Begriff Hetzwerke gelesen. Ich finde, das ist ein tolles Synonym für die Asozialen Medien und verdient einen Platz im Duden.

    #Hetzwerke #AsozialeMedien #Fediverse

  12. Wandel des Mediensystems 

    Wie könnte eine demokratische Alternative zur Macht der Internet-Oligopole aussehen?

    Im internationalen Vergleich verfügt Deutschland – trotz aller Tendenzen zur Konzentration und trotz aller Einsparungsmaßnahmen – nach wie vor über eine im internationalen Vergleich unter Vielfalts-und Qualitätsgesichtspunkten starke Medienlandschaft.

    Doch dieser Zustand ist in Gefahr. Denn seit gerade mal 25 Jahren – nämlich seit Tim Berners-Lee das World Wide Web erfunden hat – erleben wir einen grundlegenden Umbruch unseres Mediensystems. 

    Zwar weichen die Angaben über die Mediennutzung, über die Reichweite und über die Wirkung der einzelnen Medien je nach Untersuchung ein wenig voneinander ab, aber die Tendenz ist eindeutig: Vor allem, wenn man auf die nachfolgende Generation schaut, verlieren die herkömmlichen Medien, insbesondere die Zeitungen, aber auch das Radio und sowohl das öffentlich-rechtliche wie auch das private Fernsehen dramatisch an Bedeutung – zumal für die Verbreitung von Informationen -, während das Medium Internet als Kommunikationsplattform kontinuierlich zunimmt. 

    Das gilt sowohl im Hinblick auf 

    • die Nutzungsmöglichkeiten, 
    • die Nutzungszeit 

    als auch in Bezug auf

    • das Meinungsbildungsgewicht.

    Inzwischen hat das Internet als Kommunikationsmittel sogar die Führungsrolle gegenüber den herkömmlichen Medien übernommen.

    Die Zeitungsverlage strangulieren sich selbst

    Die tägliche Auflage der Tageszeitungen ist von rund 27 Millionen seit Anfang der 90er Jahre auf knapp 11 Millionen, also auf fast ein Drittel gesunken. Die Auflage der mit einem Marktanteil von über 17 Prozent nach wie vor meistgelesenen Zeitung in Deutschland, nämlich von Springers BILD, hat sich in den letzten 10 Jahren auf etwas über 800-Tausend Exemplare täglich nahezu halbiert. Auch die auflagenstärksten überregionalen Tageszeitungen stürzten in der letzten Dekade um über 100.000 Exemplare pro Werktag ab. Die FAZ auf 192.000 Exemplare, das sind 2,2 Prozent Marktanteil.  Das Gleiche gilt für die Süddeutsche Zeitung, die auf knapp 281.000 Exemplare und damit auf einen Marktanteil von 3,9 Prozent zurückging. Springers Welt verkauft sich täglich nur noch zu knapp 36.000 mal und liegt inzwischen hinter der taz. 

    In 40% der Kommunen droht ein Sterben der Lokalzeitungen.

    Derselbe Negativtrend besteht auch bei Nachrichtenmagazinen und Publikumszeitschriften.

    Verkaufte der „Spiegel“ 1995 noch über eine Million Exemplare, so waren es 2023 nur noch etwas über 700 Tausend. Noch dramatischer büßte seit Mitte der 90er Jahre der „Focus“ an Auflage ein, nämlich mit einem Rückgang von 715.500 Exemplaren auf etwas über 237.000 Hefte. Geradezu dramatisch sackte der „stern“ ab, nämlich von 1,25 Millionen auf 310.400 Exemplare. Schon heute stammt etwa mehr als die Hälfte aller verkauften Zeitungsexemplare aus nur noch zehn Verlagsgruppen. 

    Bei den Druckmedien hält einzig der Buchmarkt einigermaßen seine Stellung. Zwar hat sich die Auflage der sog. E-Paper seit ihrem Start im Jahre 2011 auf insgesamt 2,5 Millionen verzwanzigfacht, die Vertriebserlöse der digitalen Zeitungen können jedoch – bisher jedenfalls – die sinkenden Erlöse bei den meisten gedruckten Zeitungen nicht ausgleichen. Die Erträge liegen insgesamt betrachtet noch im einstelligen Prozentbereich der Gesamterlöse der Verlage. Gegen die weit verbreitete „Kostenlos-Mentalität“ der Internet-Nutzer haben es bezahlpflichtige Angebote noch schwer. Nur noch die Hälfte der lesefähigen Bevölkerung greift täglich zu einer gedruckten Zeitung. Nur noch jeder Fünfte (nämlich 21 %) nutzt Printmedien als Nachrichtenquelle. Und die Zeit, die für ihre Lektüre aufgebracht wird, ist gleichfalls kontinuierlich zurückgegangen.

    Ein Teufelskreis: Je kleiner die Auflagen der Zeitungen, desto geringer die Werbeeinnahmen, desto kleiner die Redaktionen, desto weniger tiefschürfend die Berichterstattung, desto geringer die journalistische Qualität und – im Ergebnis – desto größer der Verlust an Glaubwürdigkeit und damit wiederum der Verlust an verkaufter Auflage. 

    Ein Demokratie-Monitoring der Universität Hohenheim hat ermittelt, dass ein Fünftel bis ein Viertel der Bundesbürger meinen, dass sie von den klassischen Massenmedien systematisch belogen werden, dass die Medien und die Politik Hand in Hand arbeiten und nur das bringen, was die Herrschenden vorgeben, um die Bevölkerung zu manipulieren. Nebenbei bemerkt: Unter den AfD-Anhängern sind sogar um die 80 Prozent dieser Meinung. Die „Lügenpresse“-Parolen sind im Osten Deutschlands weiter verbreitet als im Westen.

    Angesichts der derzeit negativen und besorgniserregenden Nachrichtenlage lässt sich darüber hinaus beobachten, dass ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung sich von Informationen abwendet und sich ins Private zurückzieht. Mit dieser „News Avoidance“ – wie das neudeutsch heißt – könnte das gemeinsam geteilte WIR in der Gesellschaft schwinden. Wir erleben einen – wie der Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, es nannte – schleichenden „Abschied von der Öffentlichkeit“.

    Die Zeitungsverlage sind dabei, sich selbst zu strangulieren. Dabei wäre – wie das frühere Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl, zurecht meint – die große Frage nicht, wie schafft man Klicks, Reichweite, Auflage? Die entscheidende Frage laute vielmehr: Wie schafft man Vertrauen? Dann kämen auch wieder Klicks, Reichweite und Auflage. 

    In vielen europäischen Staaten gibt es inzwischen eine direkte oder indirekte Presseförderung, etwa über eine Subventionierung des Vertriebs oder mittels eines reduzierten Mehrwertsteuersatzes. Obwohl es schon 2020 einen Beschluss des Bundestags gab, die Zeitungsverlage mit 220 Millionen pro Jahr zu unterstützen, konnte die Förderung der digitalen Transformation des Verlagswesens in Deutschland noch nicht umgesetzt werden.

    Großes Vertrauen in das öffentlich-rechtliche Fernsehen

    Das Vertrauen in die Medien ist allgemein rückläufig und lag 2023 bei nur noch bei 46 Prozent der Befragten. Dieser Vertrauensverlust trifft auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen, aber nach zahlreichen Umfragen vertrauen den beitragsfinanzierten Sendern immer noch zwischen 60 und 70 Prozent der Befragten als Institution und gut zwei Drittel halten die Programme für glaubwürdig. Wobei das Vertrauen der Ostdeutschen deutlich niedriger liegt – nämlich bei 41%.

    Dabei erreichten im letzten Jahr das ZDF einen Marktanteil von 14,6 Prozent, die Dritten Programme der ARD zusammengenommen einen Anteil von 13,8 Prozent, das Erste einen Anteil von 11,9 Prozent. Mit etwas Abstand folgen RTL mit 10 Prozent, deutlich geringer ist die Reichweite von Vox gleichauf mit Sat.1 mit 4,7 Prozent, ProSieben mit 3,0 Prozent Marktanteil. Obwohl über 80 Prozent der Befragten der Meinung sind, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk unverzichtbar sei und einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung leiste, würden inzwischen 42 Prozent der Bürger den Rundfunkbeitrag nicht freiwillig bezahlen. Weitaus weniger glaubwürdig werden die Informationen in sozialen Netzwerken eingeschätzt. YouTube erreicht hinsichtlich der Glaubwürdigkeit noch den höchsten Wert von 18 Prozent. Nur noch einstellige Prozentzahlen bei der Frage nach der Glaubwürdigkeit schaffen Twitter (neuerdings in X umbenannt), Facebook oder Instagram.

    Dem großen Vertrauensbonus des Fernsehens steht ein „Generationsabriss“ bei der Nutzung gegenüber

    Das Durchschnittsalter der Zuschauer –gemessen im April 2024- betrug bei der ARD 65 Jahre und beim ZDF und bei den Dritten Programmen 67 Jahre. Bei den Privatsendern sieht es nur wenig besser aus, dort liegt das Durchschnittsalter zwischen 58 Jahren bei RTL und 48 Jahren bei ProSieben. Die Mehrheit der Zuschauer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist über 65 Jahre alt.

    Das Internet hat das Fernsehen als wichtigste Quelle für Nachrichten überholt. Der Anteil der Internetnutzer in Deutschland lag 2023 bei 94 Prozent und bei den 14–19-Jährigen bei nahezu 100 Prozent. 42 Prozent bezeichnen das Internet als ihre Hauptnachrichtenquelle, dicht gefolgt von linear ausgestrahlten Fernsehsendungen mit 41 Prozent. 15 Prozent der Befragten erhalten Nachrichten hauptsächlich in sozialen Medien. Dieser Anteil ist im Langzeitverlauf kontinuierlich angestiegen und mit 35 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen am größten. Für 16 Prozent dieser jüngeren Altersgruppe stellen soziale Medien sogar die einzige Quelle für Nachrichten dar. Manche sprechen – jedenfalls im Unterhaltungsbereich – geradezu von einer „Kannibalisierung“ des linearen Fernsehens durch die Streaming-Dienste – vor allem beim jüngeren Publikum.

    38 Prozent, also nahezu 4 von 10 Menschen ab 14 Jahren, geben an, dass ihnen das Internet am wichtigsten ist, um sich über das Zeitgeschehen in Deutschland und aller Welt zu informieren. Dabei werden natürlich auch die Internetangebote der etablierten Medien aufgerufen. Aber ein Anteil von gut 30 Prozent der 14-bis 24-Jährigen erreichen journalistische Angebote über das aktuelle Weltgeschehen kaum noch. Bei Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren liegt die Quote dieser „gering Informationsorientierten“ laut einer im letzten Herbst veröffentlichten Studie des Hans-Bredow-Instituts bei sogar bei 45 Prozent. Die Jugendlichen bevorzugen unterhaltende Inhalte die sie persönlich tangieren. TikTok gefolgt von Instagram und YouTube statt Tagesschau sind bei Jugendlichen angesagt. Vor dem Hintergrund, dass eine funktionierende und lebendige Demokratie auf informierte Bürger*innen angewiesen ist, sollten die Nachrichtenmüdigkeit und auch die digitale Spaltung zwischen der nachwachsenden Generation und den Älteren Anlass zur Besorgnis sein.

    Angesichts dieses hier nur knapp skizzierten Wandels im Medienkonsum stellt sich die Frage, ob das Internet die herkömmlichen Medien ergänzen oder gar ersetzen kann?

    Meine kurze Antwort ist: Ergänzen, nur teilweise, ja! Ersetzen, bisher jedenfalls, nein! 

    Richtig ist: Durch das Internet bleiben wir mit beliebig vielen Menschen in Kontakt. Wir können Sprachmeldungen, Bilder und Videos austauschen und zeitgleich empfangen. Wir erhalten Informationen und wir können recherchieren in einem Umfang wie nie zuvor.  Wir können unser Wissen verbreitern und verbreiten, wir können uns Kampagnen anschließen und politischen Druck ausüben und für Meinungen werben. Nie zuvor war es so einfach, an eine so große Fülle von Informationen und Medieninhalten weltweit und jederzeit zu gelangen, wie heute. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) werden diese Angebote sogar noch deutlich erhöht. Solche großartigen Potentiale des Internets sind nach wie vor gegeben. Wir sollten uns darüber im Klaren sein: All die problematischen Dinge, auf die ich nachfolgend zu sprechen kommen werde und die uns besorgt machen müssen, liegen nicht in der Technik: Sie sind von Menschen gemacht!

    Im Netz gibt es nach groben Schätzungen allein in Deutschland etwa 200.000 Blogs

    Blogs, das sind öffentlich einsehbare, häufig nicht-professionelle, oft aber auch journalistische Tagebucheinträge mit einem eigenen Internetauftritt. Solche Blogs werden monatlich rund 800 Millionen Mal aufgerufen. Darüber hinaus gibt es eine nicht mehr überschaubare Zahl an sog. „Influencern“. Das sind überwiegend jüngere Personen, die meist eines der großen sozialen Netzwerke nutzen um Lebensstile, Schönheitspflege, Mode, Hobbys oder Produkte anzupreisen. Diese Influencer haben oft hunderttausende, manchmal sogar Millionen Zugriffe. Das Video von Rezo mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“ vor der Europa-Wahl 2019 wurde z.B. 16 Millionen Mal aufgerufen. 

    Neben den nach wie vor reichweitenstärksten professionell-journalistischen Webangeboten (also etwa bild.de oder Spiegel.de etc.), gibt es eine stattliche Zahl sog. „alternativer Medien“, die häufig an den Rändern des politischen Spektrums liegende Inhalte ihrem Publikum anbieten. Wie z.B. „Tichys Einblick“ oder die „Achse des Guten“ (auf der eher rechten politischen Seite) oder (auf der eher linken Seite) etwa die „Nachdenkseiten“, die ich – bis dieses Blog in ein Medium der Gegenpropaganda abgedriftet ist – bis 2015 selbst mit herausgegeben habe.

    Größter Teil der Internetkommunikation in den „Sozialen Medien“

    Neben dieser Vielzahl eigenständiger Internetauftritte findet allerdings der weitaus überwiegende Teil der Internetkommunikation in den „Sozialen Medien“ statt. Zu den „Soziale Medien“ zählen Medienintermediäre wie etwa Instagram, TikTok oder Facebook. Dazu gehören auch die Kurzmitteilungsdienste – auch „Instant Messengers“ genannt – also etwa der seit der Übernahme von Elon Musk im Niedergang befindliche Kurz-Nachrichtendienst Twitter (jetzt X) oder auch WhatsApp. Dann gibt es noch die Videoportale wie etwa YouTube. Hinzu gekommen ist der in Russland gegründete und jetzt in Dubai ansässige Messenger-Dienst Telegram, der 700 Millionen aktive Nutzer hat und gerne von Rechtsextremen, Umstürzlern, Holocaustleugnern und Verschwörungserzählern genutzt wird. In jüngerer Zeit hinzugekommen sind die Microblogging-Dienste wie etwa Mastodon, Bluesky oder Threads (letzterer aus Mark Zuckerbergs Meta-Konzern).

    Hier nur soviel: Insgesamt nutzen 90 Prozent der deutschen Internetnutzer*innen ab 16 Jahren Online-Nachrichten zu aktuellen Ereignissen und dem Zeitgeschehen aus Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Sport oder Kultur. Das entspricht rund 55 Millionen Menschen. Am meisten werden Nachrichten-Webseiten oder Apps genutzt (78 Prozent). Dahinter folgen soziale Medien, über die sich 44 Prozent informieren. Ein Viertel (27 Prozent) informiert sich über Messenger-Dienste, 26 Prozent per Video über YouTube-Kanäle und 18 Prozent hören Podcasts zu aktuellen Ereignissen bzw. dem Zeitgeschehen. 17 Prozent haben E-Mail-Newsletter oder spezielle Briefings abonniert. 47 Prozent informieren sich in der Regel über Webseiten und Apps von klassischen überregionalen, lokalen oder internationalen Printmedien, also etwa spiegel.de, bild.de, faz.net und anderen. 44 Prozent informieren sich über Webseiten oder Apps von öffentlich-rechtlichen sowie privaten Fernseh- und Radiosendern, etwa tagesschau.de, wdr.de, n-tv.de und anderen. Dahinter folgen die Startseiten von Internetzugangsprovidern wie t-online.de, gmx.de oder web.de (35 Prozent), Webseiten oder Apps von Fachmedien beispielsweise zu Themen wie Mobilität oder Sport (21 Prozent) sowie News-Webseiten, die ausschließlich online erscheinen (16 Prozent). 11 Prozent geben an, sich auf Seiten von Redaktions- und Rechercheverbünden wie correctiv.org u.a. zu informieren. Der JIM-Jugendstudie zufolge nutzen 59 Prozent der 12-19-Jährigen regelmäßig TikTok. 

    Unter dem Aspekt der Meinungsbildung werden Soziale Netzwerke unter dem Oberbegriff „Intermediäre“ zusammengefasst. Diese Medienintermediären sind zu wichtigen Verbreitungsplattformen sämtlicher sonstiger Medien- oder Informationsanbieter und damit zu zunehmend wirkmächtigen Meinungsmultiplikatoren geworden. Beim Meinungsbildungsgewicht ermittelte 2023 der Meinungsvielfaltsmonitor der Medienanstalten, dass das Internet einen Anteil von 35,4 % hat, das Fernsehen einen Anteil von nur noch 28,9%, das Radio von 16,4%, Tageszeitungen von 16,0% und Zeitschriften erreichen nur noch kümmerliche 3,3 Prozent.

    Vom freien Informationsfluss im Netz keine Rede

    Die Vision des Internets, also das Bild von Offenheit und der Vernetzung in einer freien, nicht-kommerziellen Informationsgesellschaft wurde leider nie Wirklichkeit. Die Kontrolle über die verbreiteten Inhalte liegt nämlich nicht bei den Nutzern, sondern bei den Betreibern sozialer Netzwerke. Internetdienstanbieter sind nicht neutral. Es bleibt den Nutzern verborgen, dass die „geposteten“ Inhalte vor allem mittels geheim gehaltener Sortier- und Suchalgorithmen der Internetdienstleister gesteuert werden. Solche – den Betriebsgeheimnissen der Tech-Giganten unterliegenden – Computer-Rechenprogramme kategorisieren, filtern und hierarchisieren die Inhalte, welche die Nutzer in welcher Reihenfolge zu sehen bekommen. Sie bestimmen wesentlich über die Reichweite und die Auffindbarkeit der im Internet vorhandenen Angebote, so üben sie einen erheblichen Einfluss darauf aus, welche Themen, Meinungen und Inhalte von den Nutzerinnen und Nutzern wahrgenommen und für wichtig gehalten werden. Sie wirken auch auf die Berichterstattung der klassischen Medien zurück und bestimmen häufig sogar die Schlagzeilen. Die Intermediären sind auf diese Weise, ähnlich wie die journalistischen Redaktionen der klassischen Medien, zu virtuellen Redaktionen geworden und haben die Zeitungen und den Rundfunk als „Gatekeeper“, also als Torwächter der veröffentlichten Meinung zunehmend abgelöst. 

    Leitwerte – wie Orientierung an der Wahrheit oder etwa die Meinungsvielfalt – spielen beim Angebot der Inhalte bei den Intermediären kaum eine Rolle. Um eine vielfältige und umfassende Information als Voraussetzung für eine vom Grundgesetz zugrunde gelegte freie Meinungsbildung zu sichern, wird deshalb gefordert, dass die Landesgesetzgeber eine Medienordnung schaffen, die eine „vorherrschende Meinungsmacht verhindert sowie die Vielfalt der bestehenden Meinungen vermittelt“.

    Die gewonnene Freiheit der Information wird mit einem Verlust an Anonymität erkauft

    Spätestens seit den Enthüllungen des ehemaligen CIA-Mitarbeiters Edward Snowden müssten eigentlich alle wissen, dass die gewonnene Freiheit der Information mit einem Verlust an Anonymität und einer neuen privaten und/oder staatlichen Macht über persönliche Daten erkauft wird. Die angeblich „kostenfreien“ Internet-Dienste von Facebook und Co. sind vor allem auch „Datenkraken“, die mit dem Sammeln und dem Verkauf von Nutzerdaten riesige Milliardensummen an Gewinnen machen.

    In China gibt es die ersten Modellversuche wie Online-Daten nicht nur zur umfassenden Überwachung genutzt werden können, sondern – über ein Sozialpunkte-System – das soziale Verhalten der Bürger bewertet und mit Sanktionen oder Vergünstigungen gesteuert werden soll. Die Befürchtung, dass der chinesische TikTok-Eigner ByteDance Informationen, die über diesen Dienst gesammelt werden, an (staatliche) Stellen in China weitergeben könnte, dient als Begründung dafür, dass dieser Dienst in den USA nach einer Übergangsfrist entweder verkauft oder verboten werden soll. In Estland und Frankreich wurde TikTok auf Diensthandys von Beschäftigten im öffentlichen Dienst verboten und seit Mitte März dürfen Beschäftigte der EU-Kommission diese App nicht mehr benutzen.

    Was in China der Staat betreibt, machen in der westlichen Welt die privaten Internetgiganten. Nahezu alle Dienste waren oder sind in Datenskandale verwickelt. Auch im Westen gibt es sog. Safe Cities, also elektronisch überwachte Städte bzw. Stadtviertel. Was oft vergessen wird: Nach dem Cloud Act und dem Foreign Intelligence Surveillance Act (FISA) sind die amerikanischen Tech-Unternehmen zur Herausgabe ihrer Daten an die Geheimdienste verpflichtet.

    Die Harvard-Ökonomin Soshana Zuboff hat dafür zurecht den passenden Begriff „Überwachungskapitalismus“ eingeführt.

    (Das Thema Cyberkriminalität und die Militarisierung des Internets wären einen eigenen Artikel wert.)

    Das Internet als Einfallstor für Manipulatoren

    Die Tatsache, dass die Internetdienste besser über einen Bescheid wissen, als man vielleicht selbst über sich weiß – jedenfalls als man sich bewusst macht – kann nicht nur für Werbezwecke ausgebeutet werden, die Möglichkeit zur personalisierten Zielgruppenansprache, kann auch für Propaganda, bis hin zu Wahlmanipulationen missbraucht werden. 

    Eine noch ziemlich harmlose Variante einer solchen Stimmungsmache, ist etwa der relativ preiswerte Kauf von „Likes“ auf Facebook. Zu solchen Meinungsmachern zählen auch sog. „Trolle“ oder ganze Trollfabriken, die sich In Diskussionsforen, Newsgroups, Chatrooms, Mailinglisten oder in Blogs einmischen und provozieren, Wut und Hass schüren oder in eine bestimmte (politische) Richtung zu lenken versuchen.Es gibt auch automatisierte „Trolls“, also von Computern erzeugte künstliche Identitäten (sog. „Robots“), die in Netzwerken wie X oder Facebook massenhafte Zustimmung oder Ablehnung von Meinungen vortäuschen. „Robots“ oder kurz „Bots“ können durch ihre schiere Masse gesellschaftliche Debatten beeinflussen. Im Umfeld der letzten Präsidentschaftswahlen in den USA sollen bei Twitter 400.000 Bots im Einsatz gewesen sein, um die Stimmungslage nach den TV-Debatten zu beeinflussen.

    Privacy Paradox

    So groß die Ängste – zumal der Deutschen – vor der Sammlung von Daten im Internet sind, so wenig schlägt sich das im Nutzerverhalten nieder. Man kann hier ein „Privacy Paradox beobachten, d.h. obwohl die Vertraulichkeit von persönlichen Daten von Vielen als sehr wichtig eingestuft wird, findet die Nutzung des Internets weitgehend sorglos statt. Und aus Bequemlichkeit stimmt man meist allen „Keksen“, also den „Cookies“ zu, die Angaben etwa zu Seiteneinstellungen, zu Such-oder Surfgewohnheiten zwischenspeichern und an den Betreiber der Internetseite weitergeben. Sie können das selbst beobachten, wenn Sie mal übers Netz ein Hotel buchen. Wenige Sekunden danach werden Sie weitere Angebote in Ihrem Mail-Eingang haben.

    Mehr und mehr wird den Internet-Nutzern bewusst, dass, wenn etwas nichts kostet, der Nutzer das Produkt ist. Das Geschäftsmodell der Internetoligopole ist das der Beobachtung und dem kommerziellen Ausnutzen des Verhaltens der Nutzer. Die Online-Präsenz wird zur handelbaren Ware.

    Facebook sei „ein Werbenetzwerk unter einer altruistischen Tarnung“, sagt der ehemalige Chefredakteur von netzpolitik.org. Markus Beckedahl.

    BigTech als wirtschaftliche Oligopole

    Die sozialen Netzwerke haben zwar anfangs der zwanziger Jahre ein klein wenig an Börsenwert verloren, sie sind jedoch inzwischen wieder stark gewachsen und nach wie vor die größten Werbeagenturen. Mit 10,8 Billionen Dollar sind Microsoft, Amazon, Alphabet, Meta und Nvidia (ein Halbleiterkonzern) 65 Prozent mehr wert als vor einem Jahr. Alle 40 Dax-Konzerne zusammen kommen auf zwei Billionen Dollar. Die Profite der Tech-Konzerne übertrafen die Erträge der im DAX 40 gelisteten Unternehmen um das Vierfache. Alphabet erwirtschaftete in einem Jahr soviel Profit wie Bertelsmann in 66 Jahren. Google setzt jährlich gut 280 Milliarden Dollar um, TikTok erzielte einen Umsatz von 120 Milliarden, Amazon allein erzielte einen Umsatz von 500 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Der Bundeshaushalt 2024 sieht geplante Ausgaben in Höhe von 384 Milliarden Euro vor. Gegen die wirtschaftliche Potenz dieser Plattformen nehmen sich die europäischen Medienhäuser – wie das Friedrich Küppersbusch treffend formuliert hat – wie „possierliche Folkloregruppen“ aus. Die achteinhalb Milliarden Euro aus Rundfunkbeiträgen für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten schrumpfen im Vergleich dazu auf eine Quantité négligeable. Unter den 20 größten Digitalkonzernen der Welt gibt es kein einziges europäisches Unternehmen.

    Trotz ihrer riesigen Gewinne gehören diese bestverdienenden und größten Konzerne, die es auf diesem Planeten je gegeben hat, mit zu den größten Steuervermeidern. Die Konzerne verschieben ihre Gewinne nach Irland, in die Niederlande oder andere Steueroasen. Mit Steuersätzen von 7 bis 15 Prozent zahlen sie dort oft weniger als die Hälfte von dem, was in Deutschland an Steuern fällig wäre. Allein der US-Konzern Microsoft soll in den letzten 20 Jahren etwa 300 Mrd. Euro an Steuern „vermieden“ haben.  Die Tech-Konzerne haben durch ihre enormen Ressourcen unverhältnismäßig viele Möglichkeiten, Politik in ihrem Sinne zu beeinflussen. Die Branche gab nach Angaben von Lobbycontrol 2022 etwa 113 Millionen Euro für Lobbyarbeit allein in Brüssel aus. Diese massive Lobbyarbeit bedroht demokratische Willensbildungsprozesse. Außerdem fördern diese Konzerne in großem Umfang konzernfreundliche Forschung und beeinflussen so den Wissenschaftsprozess. Die Tech-Giganten sind nicht Spielball der Märkte, sondern umgekehrt sind die Märkte Spielball dieser Giganten geworden. Weder dem Bundeskartellamt noch der EU-Kommission ist es bisher gelungen, die Marktmacht der großen Tech-Unternehmen wirksam einzuhegen.

    Hinter den US-amerikanischen Plattformen Google, Facebook, Instagram und Amazon liegt im Internet-Traffic nur noch ein riesiger „Friedhof“

    Wir haben es mit einer doppelten Oligopolstruktur zu tun: Und zwar sowohl bei den Übertragungswegen als auch bei den Medieninhalten. Noch viel zerstörerischer als beim ökonomischen Wettbewerb sind aber gerade die Effekte der Oligopole auf dem Markt der Medien. 

    Ein „Atlas der digitalen Welt“, der am Institut fur Medienkultur an der Universität zu Köln erarbeitet worden ist, zeigt, dass sich der Internetverkehr zu 70 Prozent auf eine Hand voll Oligopole konzentriert und der übrige Rest des Internet-Traffics nur noch ein „gigantischer Friedhof“ ist. Der Kölner Medienwissenschaftler Martin Andree hat errechnet, dass die fünf größten deutschen Blogs eine Reichweite von gerade mal etwas mehr als einem Prozent erreichten. Nehme man die Nutzungsdauer als Gradmesser, so erzielten alle Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks an Media-on-Demand zusammengenommen einen Anteil von gerade mal etwa 4 Prozent des Traffics. Der Anteil an der gesamten Mediennutzung sei logischerweise noch viel geringer und betrage nur noch lächerliche ein Prozent des Netzverkehrs. Die Vielzahl von Angeboten im Netz sei also eine reine „Fata Morgana“. Selbst finanzstarke globale Markenkonzerne hätten mit ihren Internetauftritten keine Chance, sich gegen die „schwarzen Löcher“ der Plattformen zu behaupten.

    Der Internetzugang wird in der westlichen Welt von den „Big Five“ eröffnet, nämlich von „GAFAM“ (nämlich G wie Google, A wie Amazon, F wie Facebook, A wie Apple und M wie Microsoft). Die „sozialen Medien“ werden von „FANG“ (also von Facebook, Amazon, Netflix, Google) dominiert.  Inzwischen müsste man das berufliche Netzwerk Linkedin von Microsoft oder die vom chinesischen ByteDance-Konzern betriebene Plattform TikTok hinzufügen. Während X seit dem Kauf durch Elon Musk deutliche Einbußen, vor allem bei den Werbeinnahmen hinnehmen muss.

    Mit einem Suchmaschinen-Marktanteil von über 90 Prozent beherrscht Google den Zugang zu den Netzinhalten. Amazon hat nicht nur einen Anteil von 56 Prozent am gesamten Online-Handel, sondern beherrscht mit einem Drittel den Markt beim Cloud Computing, also bei externen Speicherplätzen für Rechen- oder Dienstleistungen.

    Solche Oligopole sind eine Bedrohung für eine plurale Meinungsbildung. Die analogen Medien schrumpfen, die digitalen Medien übernehmen: Damit wird eine pluralistische Medienwelt abgeschafft und durch eine oligopolistische Ordnung ersetzt, die im Widerspruch zu den Prinzipien unserer demokratischen Verfassung steht, die auf die Vielfalt der Meinungen aufbaut. Nach 75 Jahren Grundgesetz sind Pressefreiheit und Meinungsvielfalt ernsthaft in Gefahr.

    Die „Kalifornische Ideologie“

    Der Hauptberater der EU-Kommission in der Generaldirektion Justiz, Paul Nemitz, der schon die Datenschutzgrundverordnung maßgeblich geprägt hat, erkennt bei den steinreichen Unternehmensführern eine „Kalifornischen Ideologie“, nämlich den Glauben, dass sich alle Probleme durch digitale Technik lösen lassen und vor allem, dass diese Technik alle Probleme besser löste als die Politik.

     Die Tech-Giganten züchteten – so Nemitz – eine Kultur der Missachtung der Institutionen der Demokratie, ja noch mehr: eine Verachtung der Demokratie. Da werde suggeriert nur die Selbstregulierung der Akteure und der Markt seien wirksame Mittel, um Ziele zu erreichen, die dem Gemeinwohl dienen, und deshalb sei jeder Eingriff in den Markt und jede Regulierung des Internets durch Gesetze abzulehnen. 

    Diese Ideologie sei unvereinbar mit den Grundwerten von Freiheit und Demokratie. Diese Mischung aus Verabsolutierung der Technologie und neoliberaler Gedanken habe die strukturelle Unterregulierung des Internets bis heute zur Folge.

    Personalisierung der Informationen zerstört die Grundfunktion der Öffentlichkeit

    „Unser Ziel ist es, mit dem Newsfeed die perfekte personalisierte Zeitung für jede Person auf der Welt zu schaffen“, sagte Facebook-Gründer Zuckerberg, wohl ohne selbst zu bemerken, welches Problem für den Erhalt der Meinungsvielfalt er damit beschrieb. Die konsequente Personalisierung der Informationen zerstört die Grundfunktion der Öffentlichkeit, nämlich den offenen Austausch der vielfältigen und kontroversen gesellschaftlichen Meinungen.
    Das Das Bundesverfassungsgericht hat schon in seinem Urteil vom 18. Juli 2018 zum Rundfunkbeitrag auf die Gefahr hingewiesen, „dass – auch mit Hilfe von Algorithmen – Inhalte gezielt auf Interessen und Neigungen der Nutzerinnen und Nutzer zugeschnitten werden, was wiederum zur Verstärkung gleichgerichteter Meinungen führt. Solche Angebote sind nicht auf Meinungsvielfalt gerichtet, sondern werden durch einseitige Interessen oder die wirtschaftliche Rationalität eines Geschäftsmodells bestimmt, nämlich die Verweildauer der Nutzer auf den Seiten möglichst zu maximieren und dadurch den Werbewert der Plattform für die Kunden zu erhöhen. Insoweit sind auch Ergebnisse in Suchmaschinen vorgefiltert und teils werbefinanziert, teils von „Klickzahlen“ abhängig. Zudem treten verstärkt nicht-publizistische Anbieter ohne journalistische Zwischenaufbereitung auf.     

    Aber man muss nicht nur auf den Meta-Konzern schauen, auch in Deutschland gibt es Bestrebungen, in erster Linie Online-Vermarktung, statt Journalismus anzubieten. So soll etwa beim „Kölner Stadt-Anzeiger“ der „Onlineauftritt streng nach user needs“ weiterentwickelt werden, also die Relevanz für die Nutzer im Vordergrund stehen.

    Filterblasen- oder Echokammereffekt

    Häufig ist bei solchen personalisierten Informationen vom „Filterblasen- oder Echokammereffekt die Rede. So plausibel diese Bubbles erscheinen, so dünn sind allerdings bisher die empirischen Nachweise dafür gesät. Als einigermaßen gesichert kann jedoch gelten, dass bei zahlenmäßig durchaus beachtlich großen gesellschaftlichen Gruppen, die sich in Opposition zu der in den klassischen Medien veröffentlichten Meinung verstehen, durch die personalisierten Nachrichtenströme Verfestigungen von Vorurteilen oder Ideologien beobachtbar sind, sodass sich polarisierende „Gegen- und Teilöffentlichkeiten“ mit unterschiedlichen Wahrheitsansprüchen bilden, also eine Fragmentierung der Öffentlichkeit eintritt. Das lässt sich etwa in den USA sehr gut beobachten: Noch ein Jahr nach der letzten Präsidentschaftswahl in den USA hielt ein Drittel der Bevölkerung das Ergebnis für gefälscht. An die Stelle einer gemeinsamen Öffentlichkeit, die die Gesellschaft zusammenhält, ist eine Vielzahl von Öffentlichkeiten, sind „alternative Fakten“ getreten. „Der inklusive Sinn von Öffentlichkeit verblasst“, schreibt Jürgen Habermas.

    Verrohung der Sprache

    Dieses Phänomen ist jedenfalls unbestritten: Im Netz ist eine Verrohung, ja teilweise sogar eine Vergiftung der Sprache beobachtbar. Die Verwilderung in der zwischenmenschlichen Kommunikation im Netz ist oft eng verbunden mit einem pauschalen Antielitismus, einer allgemeinen Skepsis, mit Homophobie und Fremdenhass, mit Rassismus bis hin zu Aufrufen zur Gewalt.  Die Anonymität im Netz enthemmt offenbar. Das Internet wurde geradezu zu einem Sammelpunkt für fremdenfeindliche und antisemitische Hetze. Ideologisch homogene Diskursräume führen zur Radikalisierung von Meinungen und Positionen. So kann eine „Wir-gegen-die-Haltung“ entstehen, die Hass sähen und einen Nährboden für politische Radikalisierung bilden kann. Solche sektenartigen Phänomene ließen sich etwa bei den Corona- oder „Querdenker“-Demonstrationen oder zunehmend verbreiteten Verschwörungsmythen beobachten. NRW-Innenminister Herbert Reul nennt das Internet „Die Radikalisierungsmaschine des 21. Jahrhunderts“.

    Die „Währung“ des Internets ist die Aufmerksamkeit

    Übereinstimmende Studien zeigen, dass sich Fake News weiter, schneller, intensiver und breiter verbreiten denn als wahr klassifizierte Informationen. Falschmeldungen verbreiten sich in den sozialen Medien sechs Mal so schnell und hundert Mal so häufig wie normale Nachrichten und werden fast doppelt so häufig geteilt wie andere Inhalte. 85 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer stimmen der Aussage zu, es sei insgesamt schwer, den Wahrheitsgehalt einzelner Meldungen zu überprüfen. Ebenso viele (85 Prozent) sind der Meinung, dass Falschmeldungen den gesellschaftlichen Zusammenhalt zerstören. Wie unkritisch jedoch im internationalen Vergleich die Deutschen sind, beweist eine Umfrage, wonach nur 16 Prozent meinen, dass sie auf Desinformation hereinfallen könnten.
    Auch Nacktheit und Wut klicken sich gut. Die Meldung „Staat zahlt Harem 7.500 Euro im Monat: Syrer lebt jetzt mit 2 Ehefrauen und 8 Kindern in Deutschland“ hat mehr Interaktionen auf Facebook erhalten, als 50 der meistgelesenen Nachrichtenseiten, etwa von Bild, Spiegel, Focus etc. Den Verbreitungseffekt von Falschmeldungen nutzen natürlich auch die Sozialen Netzwerke für sich selbst aus, denn die „Währung“ des Internets ist die Aufmerksamkeit. Es herrscht eine „Klick-Ökonomie“, denn Klickzahlen und Verweildauer bringen Werbeeinnahmen. Klassische journalistische Tugenden sind diesem „Clickbaiting“ – also dem Ködern von Zugriffen – eher abträglich. So können soziale Medien zu asozialen Medien werden. Man könnte auch sagen, das Radikale rückt in die Mitte – oder die Mitte wird radikalisiert.

    „Lauter Hass – leiser Rückzug“

    Mehr als drei Viertel aller deutschen Internetnutzer erleben Hass im Netz. Hassreden werden spätestens dann gefährlich für unsere Demokratie, wenn die Hetze des einen die Meinungsfreiheit des anderen einschränkt. Die so vergiftete Diskussion kann dazu führen, dass Menschen sich aus Angst vor den hassvollen Reaktionen anderer nicht mehr trauen, ihre Meinung zu äußern. Shitstorms können bewirken, dass Medienredaktionen ganze Themenblöcke meiden, weil sie sich der unzivilisierten Debatte nicht gewachsen fühlen. Anfeindungen im Netz können Menschen davon abhalten, für ein politisches Amt zu kandidieren. Die Spitze dieses Eisbergs erlebten wir vor der letzten Europawahl mit körperlichen Angriffen auf einen SPD-Europaabgeordneten beim Anbringen von Wahlplakaten. Den Parteien fehlt es massiv an Nachwuchs; in vielen Kommunen lässt sich kein Bürgermeisterkandidat mehr finden.

    1. Hass im Netz führt nicht zur zu einem Rückgang der Online-Aktivitäten, oft sogar zu sozialem Rückzug. Oft erleiden die Betroffenen auch psychische Beschwerden. Der Kampf gegen Hassreden ist also auch ein Kampf für die Meinungsfreiheit, für die Meinungsvielfalt im öffentlichen Raum und damit für die demokratische Teilhabe und den demokratischen Diskurs.Die politische Rechte hat besser verstanden, wie Soziale Medien funktionierenGerade populistische Parteien beherrschen dieses Spiel mit der Wut gekonnt. Sie liefern, was der Algorithmus belohnt. Die AfD oder andere rechte Bewegungen nutzen solche „Infodemie“-Effekte für ihre politische Propaganda. Die AfD verfügt über weiter mehr als 80 Prozent aller Shares der Politischen Parteien auf Facebook. Bei den Social-Media-Abrufen – in jüngster Zeit vor allem auf TikTok – liegen die AfD und deren Politiker/innen mit weitem Abstand vor den anderen Parteien. Der (zurückgezogene) Spitzenkandidat der AfD, Maximilian Krah, etwa erreichte mit seinem Video „Echte Männer sind rechts“ 1,5 Millionen Views, fast 96.000 Shares und mehr als 88.000 Links. Donald Trump wollte noch im März dieses Jahres TikTok verbieten, eine Woche, nachdem er sich entschloss, diesen Dienst zu nutzen, sammelte er dort sechs Millionen Follower. Laut „Trendstudie Jugend in Deutschland 2024“ würden 22 Prozent der 14- bis 29-Jährigen ihre Stimme bei der nächsten Bundestagswahl der AfD geben. Davon nutzen mehr als 58 Prozent TikTok.Desinformation und Propaganda bedrohen die DemokratieDie gezielte und massenhafte Verbreitung von Desinformation und Propaganda (auch und gerade durch ausländische autokratische Systeme) bedrohen zunehmend demokratisch verfasste Staaten. Desinformationskampagnen gab und gibt es vor allem bei stark umstrittenen Themen, wie z.B. der Zuwanderung, bei der Corona-Pandemie oder der Klimakrise. Desinformation verursacht Unsicherheit und diese Unsicherheit nährt Zweifel an allem und jedem, was nicht Teil der eigenen, gefühlten Wirklichkeit ist. Mit Begriffen wie „alternative Fakten“ wird suggeriert, dass Tatsachen reine Ansichtssache seien. Gemeinsam geteilte und geprüfte Informationen sind jedoch Voraussetzungen für eine funktionierende Öffentlichkeit in der Demokratie. Ohne einen Konsens in der Gesellschaft für die Unterscheidbarkeit von wahr und unwahr sowie von Tatsachen und Meinungen ist es jedoch „kaum möglich im politischen Meinungskampf eine auf Argumenten basierende Auseinandersetzung konstruktiv zu führen“, meint der Medienrechtlicher Bernd Holznagel. Demokratisierung des Digitalen statt Digitalisierung der DemokrtatieFassen wir die Bedrohungen für unsere Demokratie durch das Internet noch einmal zusammen. Bedrohlich sind:- Die digitale Spaltung zwischen jung und alt bei der Informiertheit und die Nachrichtenmüdigkeit,                                                                                                                                – die Oligopolisierung der Medienwelt mit ihrem Verlust an vielfältigen gesellschaftlichen Meinungen,                                                                                                                                                   – die Verstärkung gleichgerichteter Meinungen,
      – die Unvereinbarkeit der Technikgläubigkeit mit den Grundwerten von Freiheit und die damit einhergehende  Missachtung demokratischer Institutionen,
      – die Fragmentierung der Öffentlichkeit z.B. durch alternative Fakten,
      – die Verrohung der Sprache und des politischen Diskurses,
      – die Radikalisierungstendenzen und Desinformationskampagnen,
      – der Verlust an gemeinsam geteilten und geprüften Informationen und an Vertrauen in die Wahrhaftigkeit von Informationen,
      – die Bedrohung der Meinungsfreiheit durch Hassreden und nicht zuletzt                                                                     – die verborgene Lobbyarbeit von BigTech.Angesichts solcher Bedrohungen stellte Bundespräsident Steinmeier zurecht die Forderung auf: “Nicht die Digitalisierung der Demokratie, sondern die Demokratisierung des Digitalen ist die drängendste Aufgabe”.Regulierungsversuche auf dem Feld des InternetsEs hat noch nie in der Geschichte ein Medium gegeben, das nicht reguliert wurde. Die Frage ist allerdings, ob die Politik überhaupt noch in der Lage ist, die Tech-Giganten zu zähmen. Facebook hat gegen jegliche Regulierung eine bislang erfolgreiche Strategie: „Verzögern, Abstreiten, Vortäuschen“.Die Bosse der fünf Internetoligopole, die zu den reichsten Menschen der Welt gehören, vertraten über lange Jahre unisono und penetrant die Ideologie, sie seien nur neutrale Dienstleister für ihre „User“ und könnten für die von ihren Nutzern verbreiteten Inhalte nicht als „Herausgeber“ zur Verantwortung gezogen werden. Die „Sozialen Medien“ seien demnach nur eine Art „digitales Schwarzes Brett“, auf dem die Leute ihre Zettel anhefteten, ohne dass der Aufsteller der Anschlagtafel eine Verantwortung dafür trüge, was dort „gepostet“ werde. Was bei RTL strafbar wäre, ist derzeit bei Plattformen meist noch legal. Ursprünglich zur Förderung des Internets gedacht, wurde dieser Grundsatz der Nichthaftung für die geposteten Inhalte in den USA im „Communications Decency Act“ aus dem Jahre 1996 – also 8 Jahre vor der Gründung von Facebook – sogar in einem Gesetz verankert. Aus einer Mischung aus Technikbegeisterung, Staatsabwehr und dem naiven Glauben an die „Freiheit im Netz“ wird diese Ideologie der Netz-Oligopolisten vor allem von einem großen Teil der jüngeren Online-Community nach wie vor massiv unterstützt.Wer aber meint: “Das Netz ist frei, wir sollten es nicht regulieren”, der täuscht sich. Das Netz wird aktuell nämlich so reguliert, wie es die Digitalkonzerne für richtig halten. Die meisten Netzwerkbetreiber haben sich selbst sog. Gemeinschafts- oder Community-Standards zum Schutz vor von ihrer Ansicht nach schädlichen oder anstößigen Inhalten auferlegt. So schlimm man die Tweets von Donald Trump auch gehalten haben mag, dass Facebook und Twitter einfach dessen Nutzerkonten gesperrt haben, das hat mit rechtsstaatlichen Grundsätzen nichts zu tun. Dieses „Hausrecht“ der Internetdienste ist als private Zensur gefährlich und jedenfalls verfassungsrechtlich problematisch. Es zeigt den „autoritären Charakter der digitalen Revolution“.
      Um nur ein markantes Beispiel für die „unheimliche Macht“ der Internetkonzerne zu nennen: 2021 boykottierte Facebook ein in Australien geplantes Gesetz, das von den Plattformen verlangte, einen Teil ihrer Einnahmen aus der Verlinkung von Artikeln und Filmen an die Urheber, also an Verlage oder Künstler abzugeben. Selbst behördliche Notdienste, wie die Feuerwehr waren durch den Boykott über Nacht gesperrt und blockiert.Warum sollte die digitale Welt anders funktionieren als die analoge, mit genauso vielen Freiheiten aber auch Pflichten?Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Jede Regulierung müsste jedoch größtmögliche individuelle Meinungsfreiheit und den Schutz vor staatlicher oder privater Zensur sowie darüber hinaus ein hohes Maß an Datenschutz gewährleisten. Allerdings ist weder Hass noch ist jede Lüge strafbar und auch falsche Meinungen, sogar Widerwärtiges sind durch das Grundgesetz geschützt. Das Bundesverfassungsgericht garantiert der Meinungsfreiheit einen breiten Spielraum.  Es ist Aufgabe der Politik – und eben nicht das Hausrecht der Techkonzerne – die rechtlichen Parameter für die Ermöglichung freier und unabhängiger Berichterstattung sowie für den freien und offenen Willensbildungsprozess zu setzen und Plattformen Pflichten für die gemeinwohlverträgliche Ausgestaltung öffentlicher Kommunikationsräume aufzuerlegen.Inzwischen gibt es sowohl auf europäischer Ebene als auch als innerstaatliches Recht zahlreiche Regulierungsvorschriften:- Von der Haftung der Plattformen für Urheberrechtsverletzungen,
      – über die Anpassung des Wettbewerbsrecht,
      – der „Datenschutzgrundverordnung“ (DSGVO),
      – dem „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ (NetzDG),
      – dem „Telemediengesetz“ (TMG),
      – dem „Digital Services Act“ (DAS) und seiner kürzlich verabschiedeten Umsetzung ins deutsche Recht, dem Digitale-Dienste-Gesetz,
      – dem „Digital Markets Act“ (DMA),
      – bis hin zu mehreren Novellen des Medienstaatsvertrages der Länder.Heftig gestritten wurde über ein im Mai 2024 in Kraft getretenes europäisches „Medienfreiheitsgesetz“ und über eine anstehende Verordnung zur Prävention und Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs von Kindern, bei der eine „Chatkontrolle“ befürchtet wird. Es wurde in Deutschland auch eine Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Straftaten im Internet aufgebaut.Ob diese Regulierungen den rechtlichen und vor allem auch praktischen Rahmen bieten können für die Ermöglichung freier und unabhängiger Berichterstattung sowie für den freien und offenen Willensbildungsprozess und ob sie den Plattformen hinreichende Pflichten für eine gemeinwohlverträgliche Ausgestaltung öffentlicher Kommunikationsräume auferlegen können, wird sich erst noch erweisen müssen.
      Wirklich gefruchtet haben die meisten der Regulierungen bislang noch nicht sehr viel. So gingen z.B. erheblich weniger Meldungen über strafrechtlich relevante Inhalte ein, als erhofft wurde. Schon jetzt zeigt sich, dass die Internetkonzerne solche Regelungen auszutricksen versuchen. Gegen die Konzentrationstendenzen wurde bislang viel zu wenig unternommen.Immerhin hat die EU-Kommission unlängst eine Wettbewerbsstrafe von 1,8 Milliarden Euro gegen den US-Tech-Giganten Apple verhängt, mit der Begründung, dass das Unternehmen seine marktbeherrschende Stellung für den Vertrieb von Musik-Streaming-Apps an iPhone- und iPad-Nutzer über seinen App-Store missbraucht habe. Man darf gespannt sein, was die kürzlich eingeleiteten Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen Alphabet und Meta erbringen. Selbst wenn diese Verfahren vor Gericht Bestand haben sollten, so bedeutet das nicht etwa eine Entflechtung der Oligopole, sondern die Gerichtsentscheidungen würden allenfalls Verhaltensänderungen erzwingen. Gegen die bereits existierenden Monopolstrukturen wird staatlicherseits bisher nur wenig unternommen. Es gibt laut Umfragen eine um die 80-prozentige Zustimmungen bei den Befragten für weitergehende Regulierungen gegen die digitalen Oligopole, zum Schutz der Privatsphäre oder gegen Hass und Radikalisierung im Netz. Dieser Grundstimmung entsprechend gibt es über die bisherigen regulatorischen Bestimmungen hinaus zahlreiche Vorschläge, wie das Internet von der Macht der Tech-Riesen befreit werden könnte. Ich nenne hier nur die m.E. wichtigsten:- So sollte bei demokratierelevanten, marktbeherrschenden Plattformen auf der Unternehmensebene eine Entflechtung bei der Monetarisierung zwischen Verbreitungsweg und den verbreiteten Inhalten gesetzlich vorgeschrieben werden.                                                                                         
      – Gewinne, die in einem Land erwirtschaftet werden, müssten – wie bei anderen Medienunternehmen auch – jeweils auch dort versteuert werden.
      – Außerdem sollte – analog zu den bereits bestehenden Regelungen im Medienstaatsvertrag – ein Nutzungsanteil in der jeweiligen Mediengattung von max. 30 % für marktbeherrschende Plattformen eingeführt werden, die demokratierelevante Inhalte verbreiten und die für die Meinungsbildung wichtig sind.                                                                                                                  – Die eingesetzten Algorithmen sollten transparent und zumindest extern erforschbar werden.                                                                                                                                                          – Wer wirtschaftliche Verantwortung übernimmt sollte zwingend auch inhaltliche Verantwortung etwa für strafbare Botschaften in den Posts übernehmen. 
      – Zur strafrechtlichen Verfolgung sollten von sozialen Netzwerken die IP-Adressen der dem Netz angebundenen Geräte herausgegeben werden müssen.
      – Es gibt Stimmen, die ganz grundsätzlich in Frage stellen, dass die Netz-„Infrastruktur“ sich in privater Hand befindet. Wie beim Straßennetz müsse der Staat auch diese Infrastruktur zur Verfügung stellen, die dann geschäftlich und privat genutzt werden könnte. 

    Zunehmend werden auch Forderungen nach einer digitalen Souveränität wenigstens auf europäischer Ebene gegen die Digital-Oligopolisten aus den USA und inzwischen auch aus China laut.  Wichtig wäre vor allem auch eine größere Medienkompetenz. Der Umbruch der Medienlandschaft wird sich nach aller Voraussicht in den nächsten Jahren beschleunigt fortsetzen. Ohne Gegenmaßnahmen werden sich klassische Medien im „Plattformisierungsprozess“ weder ökonomisch noch publizistisch behaupten können.

    Warum also nicht eine öffentliche, beitragsfinanzierte Plattform?

    Warum sollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht dorthin gehen, wo sich die jungen Zielgruppen aufhalten? Jürgen Habermas spricht geradezu von einem verfassungsrechtlichen Gebot „eine Medienstruktur aufrecht zu erhalten, die … einen deliberativen Charakter der öffentlichen Meinungs- und Willensbildung ermöglicht“.

    Sowohl die Rundfunkkommission der Länder als auch der von den Ministerpräsidenten eingesetzte „Zukunftsrat“ machten zuletzt Vorschläge für den Aufbau einer gemeinsamen Medienplattform durch die Rundfunkanstalten, um die Macht der privaten Plattformbetreiber zu brechen. Im Mai dieses Jahres kündigten der ARD-Vorsitzende Kai Gniffke und der Intendant des ZDF, Norbert Himmler, die Entwicklung einer Technologie für eine gemeinsame Nutzung ihrer jeweiligen Mediatheken an. 250 Millionen Euro sollen umgeschichtet werden, um ein Publikum zu erreichen, das lineare Verbreitungswege des Fernsehens weniger oder gar nicht mehr nutzen. Bei aller berechtigten Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk hätte eine solche Public-Service-Plattform folgende Vorteile: 

    – Im Gegensatz, in Konkurrenz und in Ergänzung zu den privaten Sozialen Medien, könnte ein über eine „Demokratieabgabe“ – wie das Bundesverfassungsgericht den Rundfunkbeitrag genannt hat – finanziertes Internetangebot sich dem kommerziellen Primat entziehen. 

    – Ein solches Public Value-Internetangebot könnte staatsfern von gesellschaftlichen Gruppen kontrolliert werden, demokratische Teilhabe ermöglichen und wäre nicht anonymen Shareholdern verpflichtet.                                                                                                                        – Es könnte gemeinwohlorientiert, unabhängig und identitätsstiftend ausgerichtet und dem Wahrhaftigkeits- und Achtungsgebot sowie zur Einhaltung journalistischer Grundsätze verpflichtet sein.                                                                                                                                         – Es könnte auf den Verkauf von Daten verzichten und wäre nicht auf die (Daten-) Ausbeutung der Nutzer angewiesen.
    – Ein solcher öffentlich-rechtlicher Netzauftritt könnte durch einen gesellschaftlichen Integrationsauftrag der Spaltung der Öffentlichkeit und darüber hinaus Hassreden und Verschwörungsdenken entgegenwirken.                                                                                                 – Eine solche Plattform könnte mit dem Versprechen an die Nutzer verbunden sein, dass die Daten geschützt und die Algorithmen transparent gemacht würden.
    – Außerdem könnte im Sinne eines kommunikativen Versorgungsauftrags zusätzlich für die Inhalte eine Creative Commons-Lizenz vergeben werden, sodass die Inhalte von den Usern beliebig (z.B. auch als schulische Lernmittel) genutzt werden könnten.

    Öffentlich-rechtliche Plattform, um die Demokratie zu schützen

    Einen Einstieg in eine solche Plattform haben ARD und ZDF mit dem Jugendangebot „funk.net“ für eine jüngeres Publikum gemacht. Auch die Mediatheken sind nicht-lineare Angebote, die aber bisher ein Schattendasein fristen. Bis es eine solche gemeinsame Plattform gibt, sollten ARD und ZDF mit den kommerziellen Digitalunternehmen enger zusammenarbeiten, um die nachrichtliche Aktualität und gesellschaftlich relevante Themen dort nutzerfreundlich und bevorzugt zu verbreiten. Letztendlich sind allerdings bei dieser Kooperation die privaten Plattformen die Gewinner, indem ihnen weitgehend kostenlos Inhalte geliefert werden und die eigene Marke der öffentlich-rechtlichen Angebote für die Nutzerinnen und Nutzer nicht oder kaum sichtbar wird, sondern auch noch der Eindruck entstehen kann, als würde es sich um Content der Internet-Oligopolisten selbst handeln. Angesichts der geschilderten Gefährdungen für unsere Demokratie wäre es Aufgabe und Pflicht aller politisch Verantwortlichen und aller demokratischen Parteien, solche Institutionen, die für eine funktionierende Demokratie wesentlich sind besonders zu schützen und zu stärken. Leider verläuft die aktuelle Diskussion über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – einer für unsere Demokratie tragenden Institution – in die gegenteilige, gegen den Verfassungsauftrag des Grundgesetzes laufende Richtung.

    Aus der Sicht der Feinde unserer Demokratie ist es daher nur folgerichtig, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abzuschaffen, wie es die AfD fordert. Wenn in einem östlichen Bundesland ein Kandidat der AfD zum Ministerpräsidenten gewählt würde, bestünde die Gefahr, dass der MDR-Staatsvertrag aufgekündigt oder ein neuer Staatsvertrag zwischen den Ländern verhindert werden könnte. Der für die Wahrung der Demokratie ebenso kostitutive öffentlich-rechtliche Rundfunk ist in den Verfassungen der Länder ähnlich schlecht geschützt, wie der Bestand und demokratische Besetzung der Verfassungsgerichte. Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger fürchten leider die Konkurrenz einer Internetplattform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für ihre eigenen Netzangebote, denn sie vermuten, dass ihnen damit Werbegelder abgezogen werden könnten. Dabei sehen sie den „Elefanten im Raum“ nicht, nämlich die privaten Internetoligopolisten, die schon jetzt den Löwenanteil des Werbekuchens an sich gerissen haben und immer gefräßiger werden. Vielleicht wäre deshalb eine gemeinsame Plattform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks möglicherweise auch zusammen mit privaten Qualitätsmedien einer ernsthaften Prüfung wert.

    Um die Konkurrenzfähigkeit gegenüber den BigTech-Oligopolisten herzustellen, müssten eher mehr Finanzmittel gewährt werden, statt dass – wie gegenwärtig – in erster Linie über Einsparungen bei den Rundfunkanstalten diskutiert wird.

    Ob ein solches beitragsfinanziertes, öffentlich-rechtliches Angebot ausreichend Publikum fände, ist zwar ungewiss und wird vielfach bezweifelt, aber immerhin bestünde eine Alternative zu den Internet-Oligopolen und ein Angebot für eine demokratische „mediale Grundversorgung“. Voraussetzung für einen Erfolg wären jedoch auch die genannten Maßnahmen, die uns vor Vorherrschaft der Digital-Konzerne wenigstens ein Stück weit befreiten. Immerhin wünschen sich nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom 90 Prozent der Befragten, die online Nachrichten aufnehmen, angesichts der Unübersichtlichkeit der Nachrichten im Netz dort einen Ort, an dem sie verlässliche und journalistisch geprüfte Informationen finden könnten. Kurz: Ein solches beitragsfinanziertes, öffentlich-rechtliches Angebot wäre nach meiner Ansicht ein immer wichtiger werdender Beitrag zur Stärkung der Meinungsvielfalt und damit zur Demokratisierung des Internets.

    Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem hier von Roland Appel annoncierten Buch. Dort finden Sie auch 105 Fussnoten zu dieser Ausarbeitung. Eine frühere Version des Themas von Wolfgang Lieb hatten wir hier.

    Über Wolfgang Lieb:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  13. Mehr als zwiespältig

    Seit Jahrzehnten betrachte ich das Medientreiben über angeblich zunehmende Brutalität unter Kindern und Jugendlichen. In der Regel ist es aufgebauschter Unsinn. Über dieserart “Jugend” wurde bekanntlich in allen Menschheitszeitaltern lamentiert. Und in Kriminalstatistiken ist dokumentiert, dass es eine Lebensphase mit erhöhter Delinquenz – weit mehr bei Männern, als Mädchen, die sind dafür besser im Unterricht – tatsächlich gibt, die sich aber in den meisten Fällen zum Glück auch wieder rauswächst.

    Zu meiner Schulzeit im Ruhrgebiet (1963-1976) gab es in der Tat nicht wenig Brutalität auf den Schulhöfen. Ich entwickelte eine individuelle Technik, mich davon fernzuhalten, weil meine körperliche Konstitution mich andernfalls zu beständigen Niederlagen verurteilt hätte. Diese Kindheitserfahrung führte ich sogar 1975 erfolgreich bei meiner Kriegsdienstverweigerungs-Gewissenprüfung an (ich gewann nur knapp mit 2:1 Richterstimmen).

    Wenn ich zuhause über derartige Vorfälle jammerte, gingen die faktenermittelnden Fragen der Eltern immer in meine Richtung: was hatte ich falsch gemacht? Das war harte Realo-Politik. Denn Fehlverhalten meiner Mitschüler*innen oder Lehrer*innen konnten meine Eltern ja sowieso nicht beeinflussen. Heutige Mittelschichtseltern – meine waren erst im Begriff aus der Arbeiterklasse dorthin aufzusteigen, was sich auch in meiner Biografie dokumentiert – haben dagegen, ich weiss, das ist auch ein Klischee, nichts Eiligeres zu tun, als zum Rechtsanwalt zu laufen. und damit sich häufende Berufsunfähigkeit von Lehrer*inne*n und Erzieher*inne*n herbeizuführen.

    Das Gute am gegenwärtigen Klischee ist gewiss die stärkere empathische Anteilnahme der Eltern zugunsten ihrer Kinder. In meiner Kindheit war die Prügelstrafe noch gesetzlich zulässig – und üblich, in Schulen und Elternhäusern. Darum war das Prügeln auf den Schulhöfen ebenfalls normal – und kein Grund für ausgedehnte Reportagen in lokalen Medien.

    Und jetzt das.

    Die von mir als Feministin wertgeschätzte Meredith Haaf/SZ meldet in einem digital vermauerten Text in einer Münchner Zeitung von Berliner Schulhöfen: “Wieder homophobes Mobbing an einer Berliner Schule – Nach der Carl-Bolle-Grundschule muss sich nun auch die Rütli-Gemeinschaftsschule in Berlin mit schwulenfeindlichem Verhalten ihrer Schüler auseinandersetzen. Der Partner eines Lehrers soll beleidigt und bedroht worden sein.”

    Mobbing? In einer Schule? Wie ist das denn möglich? OK, zu meiner Zeit gab es all die asozialen digitalen Medien nicht. Und die Lokalredaktion des Monopolblattes WAZ war von faulen Säcken geleitet. Lokal-TV oder -Radio gab es überhaupt nicht. Nicht alles daran war besser so.

    Aber boah ey, bin ich froh, dass ich aus der Schule raus bin.

    Zum Gedenken an meinen langjährigen Schulleiter und Bündnispartner.

  14. "Wir waren unglaublich naiv darin, unseren demokratischen Raum sozialen Netzwerken [Amerikanern und Chinesen] anzuvertrauen, deren Interessen überhaupt nicht das Überleben oder das ordnungsgemäße Funktionieren unserer Demokratien sind."

    Aus einer Rede von Präsident Macron anlässlich des Tages der Deutschen Einheit, 3. Oktober 2025

    eupolicy.social/@DefendDemocra

    #macron #Frankreich #SozialeMedien #TagDerDeutschenEinheit #bigTech #meta #facebook #Instagram #x #twitter #TikTok #threads #asozialeMedien

  15. Die Chinesen sind uns nicht nur bei der Energiewende voraus.

    Man kann da jetzt über ZENSURZENSUR maulen, aber dass asoziale Netzwerke Depressions- und Hassverstärker sind ist wohl klar. Das Verkaufen von harten Drogen ist aus guten Gründen verboten. Wenn man das Prinzip auf die Hassveerstärkeralgorithmen anwenden würde, wäre die Welt eine bessere.

    theregister.com/2025/09/23/chi

    #internet #zensur #asozialemedien

  16. @[email protected]

    Ja, gilt aber in beide Richtungen. Wenn
    #Eltern die ganze Zeit die #populistischePropaganda der #NoAfD vorkauen, übernimmt der Nachwuchs diese Meinung, plappert sie selbst nach und handelt/wählt dann auch selbst so.

    Die
    #FckAfD wurde und wird - außer durch schlechte #Politik der (noch mehr oder weniger) demokratischen #Parteien - a) durch #asozialeMedien und b) durch #Stammtischparolen und Sozialisation in den #Familien groß.

    🤷🤦🤡🤮🤮🤮🤮

  17. @[email protected]

    Es gibt sie noch, die klassischen Webseiten ohne (Fremd)Werbung und
    #Tracking. Aber sie sind selten geworden.

    #asozialeMedien als #Webseitenersatz kotzt mich jedenfalls auch an.

    "Besuchen und folgen Sie uns auf / bei
    #Facebook, #Twitter aka #X, #Instagram, #Tiktok, #WhatsApp, #Telegram etc"

    Nein, verdammt nochmal. Ich hätte die Infos gerne auf einer klassischen, gut gemachten
    #Webseite ohne #BigData, #Nachverfolgung, #Profilbildung & Co

  18. @[email protected]

    #KI basierte #Smartglasses, die #Fotos und #Videoaufnahmen machen können.

    Boa, ich kriege echt den Vogel. Da braucht es weder
    #Videoüberwachung noch #Vorratsdatenspeicherung oder #Palantir mehr, wenn jeder jederzeit und überall völlig unbemerkt in #Echtzeit #Daten zur #Überwachung und #Manipulation erstellen und automatisiert verarbeiten (lassen) kann.

    #Technik und #Fortschritt sind ja schon grundsätzlich gut, aber glauben die #Entwickler von #KI und solchen Techniken ernsthaft, dass das nicht mehr #Schaden als Nutzen bringt, denken sie gar nicht darüber nach, oder ist es ihnen schlicht egal 🤷

    Wenn ich an die Probleme denke, die im
    #Unterricht in der #Schule schon #Smartphone, #Smartwatch, #SocialMedia in den #asozialeMedien, verstärkt durch #KI (#Manipulation und #Deepfakes - für jede Dumpfbacke ohne Wissen und Können generierbar) machen, weil #Pubertierende das zwar alles 1a bedienen, aber nicht damit umgehen können (man beachte den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen bedienen und umgehen), dann sehe ich für unsere #Gesellschaft wirklich rabenschwarz.

    Ist ja nicht so, dass sich die moralischen Grenzen nicht schon seit dem Zeitalter von
    #Smartphone und #SocialMedia massiv negativ verschoben hätten.

    So was wie ein
    #geschützterRaum und #Privatsphäre gehört damit endgültig der Vergangenheit an, egal ob #Klassenzimmer, medizinisch-therapeutische #Gesundheitseinrichtung, #Gerichtssaal, #Plenarsaal, #Büro, ...

    #SchnellerWeiterHöher, entwickeln was technisch möglich ist und ohne #Folgenabschätzung sofort der breiten Masse zugänglich machen - um jeden Preis.

    Läuft.

    🤷🤦🤡🤮🤮🤮

    #Datenschutz #TeamDatenschutz #informationelleSelbstbestimmung #RechtAmEigenenBild #Privatshäre #privacy

  19. @[email protected]

    Tja. Noch immer nix verstanden, weil
    #InternetIstNeuland und so 🤷🤦🤡🤮🤮🤮

    Diese Verharmlosung und das Festhalten an den ganzen
    #asozialeMedien geht mir so auf den Sack.

    "Folgen Sie uns auf
    #Facebook, #Twitter/#X, #Instagram, #Tiktok, #Youtube, ..."

    Nein, verdammt nochmal.
    🤮🤮🤮🤮

    #Datenschutz #TeamDatenschutz #informationelleSelbstbestimmung

  20. Hey @campact,

    ab wann kann ich Kampagnen bei Euch auch direkt im #Fediverse teilen?

    #FOSS #AsozialeMedien

  21. Wer #ChatGPT bittet, eine #Dystopie zu entwerfen, bekommt einfach nur eine Beschreibung der #Realität. 😱​

    (Video vom turbokapitalistischen #Meta Förderungsaccount "#Netzlehrer", das verkorxter Weise gerade hier auf #Mastodon als #BlueShyce-Link viral geht... Leute, ihr merkt's auch echt nicht, oder?) #1984 @altbot [Original-Link: instagram. com/netzlehrer/reel/DJyl0CnMEaa/ ]

    #NoFunFact #Zuckerberg #Faschismus #Orwell #Milliardäre #Suckerberg #Bluesky #Instagram #Facebook #SozialeMedien #AsozialeMedien

  22. "Schon vor drei Jahren hat eine Forschungsgruppe auf Basis zahlreicher Studien ermittelt, dass digitale Medien der Demokratie schaden. Nun wurde das überprüft."

    heise.de/news/Studie-bestaetig

  23. @[email protected]

    Herzlich Willkommen im einzigen
    #sozialenMedium. 🤗

    Wo du herkommst sind eher
    #asozialeMedien 🤣

  24. #Medienkritik #asozialeMedien #FediLZ

    fes.de/themenportal-geschichte

    "Digitale Plattformen, ursprünglich als Werkzeuge für mehr Beteiligung und Mitbestimmung gefeiert, haben sich zu zentralen Machtinstanzen des Internets entwickelt. Die auf Aufmerksamkeit zielenden Geschäftsmodelle der Plattformen fördern extreme Positionen und verstärken die Polarisierung im Netz, gleichzeitig entzieht die Monopolisierung im Digitalen traditionellen redaktionellen Medien ihre wirtschaftliche Grundlage." (Abstract)

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