#uebermediende — Public Fediverse posts
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Aber wie soll das gehen?
Wenn Sie hier schon länger mitlesen, wissen Sie, dass hier keine fertigen Rezepte geliefert werden. Über Vorschläge und Denkanstösse, um die wir “ehrlich bemüht” sind, kommen wir in der Regel nicht hinaus. Hier kriegt ja auch niemand Geld dafür, wie bei den “Profis” (zit. nach einem Gebrauchtwagenverkäufer). Über die jüngsten deutschen Landtagswahlergebnisse ist längst hinreichend gejammert worden, wenn auch noch nicht von jeder*m. Im Folgenden erste Besserungsvorschläge.
Da ist zuvörderst ein sachsen-anhaltinischer Demokratiekämpfer zu nennen, der nicht abhauen will. David Begrich/Blätter: “Sachsen-Anhalt: Demokratische Kerne erhalten! – Als auf dem Magdeburger Domplatz am 6. September um 18 Uhr die Prognose zur Landtagswahl bekannt gegeben wurde, fiel vor allem eines auf: eine große Stille. Die Menschen, die hätten protestieren können, waren offenbar zu erschöpft von den vergangenen Monaten des Aufbäumens der Zivilgesellschaft, die den nun eingetretenen Triumph der AfD verhindern wollte.” Die amtierende Bundesregierung will ihnen die Beine wegschlagen. Brutaler geht es nur noch mit Baseballschlägern. Jetzt sind die Besserwessis gefragt, diesen suizidalen Unsinn aufzuhalten.
Diesen wertvollen Diskussionsbeitrag hat uebermedien aus seiner Paywall entlassen. Andrej Reisin: “Ost-West-Debatten: Schluss mit der Ost-(V)erklärung! – Sind Medien in ihrem Bemühen, den Osten zu verstehen, längst über das Ziel hinausgeschossen? Unser Autor sagt: ja. Die ständige Suche nach einer ostdeutschen Identität habe nicht nur wenig Erkenntnis gebracht – sie könnte der AfD sogar in die Hände gespielt haben.”
Dazu meine konstruktiv-kritischen Anmerkungen. Eine Schulddebatte über die AfD-Erfolge führt nicht wirklich weiter. Reisins Argumente benötigen diese “Verstärkung”, die sich auch als Schwächung entpuppen kann, nicht. Sie bleiben richtig. Ich würde sie um eine klarere Klassenanalyse ergänzen. Den Klassengegensatz gibt es weltweit, also auch in allen Teilen Deutschlands. Ebenso gibt es diese Klassenspaltung zwischen reichen und armen Städten und Regionen, die sich in der Regel an der Höhe der Immobilienpreise (und der Mieten) ablesen lässt. Und diese Spaltung verläuft ganz sicher nicht zwischen Ost und West, und ebenso wenig zwischen Eingeborenen und Zugewanderten. Von Letzteren wählen ja selbst viele gerne die AfD – wie die “allerdümmsten Kälber, die ihre Metzger selber” wählen. Hier kommt das Lumpenproletariat unter deutschnationalen Faschismusfahnen zusammen. Zusammen allerdings nur bis zu seiner Machtübernahme. Dann werden die Kälber geschlachtet.
Gegen den ökonomischen Analphabetismus
Der grassiert zweifellos klassenübergreifend, jedenfalls in seinen öffentlichen Erscheinungsformen, die hierzulande besonders sorgsam von der publizistischen Klasse gepflegt werden. Dagegen hier ein aktuelles Lichtlein zu der aufziehenden Monster-Finanzkrise:
Axel Kannenberg/heise: “Kommentar: KI wird nicht die Menschheit vernichten, aber jede Menge Geld – Es ist nicht die KI, vor der man Angst haben muss, sondern das Finanzgebaren ihrer Anbieter. Axel Kannenberg fühlt sich wie in The Big Short 2.” Ergänzend dazu Sylvester Tremmel/heise: “Kommentar zu GPT-6.1 Astra: Die Nebelkerze der außer Kontrolle geratenen KI – Wir müssen aufhören, das ‘außer Kontrolle’-Gefasel der KI-Firmen nachzuplappern. Die IT-Security-Risiken von KI liegen woanders”. Und ebenso ergänzend Ralf Heimann/MDR-Altpapier: “Data Morgana – KI-Chatbots verändern die Sprache, die Logik und das wirtschaftliche Fundament der Medien. Mit etwas Pech geht’s gleich in die nächste Abhängigkeit.” Was Heimann da als “Selbstkontrolle” durch Oligarchen und einen Präsidenten-IQ beschreibt, das nannte Olaf Scholz als junger Mann mal “staatsmonopolistischer Kapitalismus”.
Ich ergänze dazu: der Reichtum der Herren Musk und Trump ist nicht “erarbeitet”, sondern durch Börsenbetrügereien erwirtschaftet. Das haben die nicht als Erste erfunden. Die toxischen Silicon-Valley-Oligarchen haben dieses Geschäftsmodell aufmerksam studiert und versuchen es nun für sich zu optimieren. Zur Not bis zur von ihnen selbst vorhergesagten und erwarteten Apokalypse des real existierenden Kapitalismus. Wo Geld “keine Rolle spielt”, weil genug da ist, gewinnt das Rechtbehalten an Gewicht, das Äquivalent für den-Längsten-Haben. Mann nennt es “Männer”.
Wer fürchtet die Berliner Linke?
Ab morgen wieder online ist die mit weitem Abstand qualitativ beste Dokumentarserie über die ostdeutsche Provinz, die unter der Bezeichnung “Bundeshauptstadt” bekannt ist. Sie ist von Florian Opitz, der die angenehme Gewohnheit hat, sich nicht selbst eitel vor seiner Kamera zu spreizen (“Presenter”), sondern ausschliesslich seine Interviewpartner*innen reden zu lassen. Das ist informativ, tief- und hintergründig. Und im Falle Berlin vor allem: abgründig.
“Capital B – Wem gehört Berlin? (1/5) – Sommer der Anarchie – November 1989. Kaum ist die Berliner Mauer gefallen, versuchen alle, die Gunst der Stunde zu nutzen und zwischen Mauerbrachen, maroden Altbauten und den verlassenen Industrieanlagen eines untergegangenen Landes ihre Claims abzustecken.”
Wenn Sie das gesehen haben, wissen Sie, wer eine mögliche Linksregierung in Berlin mit allen verfügbaren Mitteln bekämpft.