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#uebermediende — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #uebermediende, aggregated by home.social.

  1. Neues aus Afrika

    mit Update am Nachmittag

    Marktführer der Diagnose deutscher Medienignoranz ist der Wissenschaftler Ladislaus Ludescher. Hier eine kleine Auswahl seiner erhellenden Veröffentlichungen. Ein Monopol hat er nur beinahe. Gestern fand ich zwei beachtenswerte Beispiele.

    Bernhard Schmid/Jungle World arbeitet in Paris und profitiert von dem dort durch Jahrhunderte des Kolonialismus und Neokolonialismus geweiteten Blick auf die Ex-Kolonien. Dabei behält er seinen eigenen kritischen Blick, mit dem er Statements diversester politischer Kräfte und Regierungen liest. Aktuell hier:

    Attacke des »Islamischen Staats im Sahel« auf den Flughafen von Niamey: Propagandacoup für den IS – Der »Islamische Staat im Sahel« hat den hauptstädtischen Flughafen in Niger attackiert. Die Militärjunta des Landes beschuldigt fälschlich Frankreich, Benin und die Côte d’Ivoire.”

    Noch erhellender, weil er zarte emanzipatorische afrikanische Ansätze beschreibt, ist Kambale Musavuli aus der Demokratischen Republik Kongo in der Jungen Welt:

    Neokoloniolismus: Ein neuer Wettlauf – Wie Handelsabkommen und KI die Zukunft Afrikas neu gestalten”.

    Schade nur, dass es bei der Jungen Welt Unsitte ist, die Texte nach einigen Tagen in einem Paywallarchiv zu beerdigen. Da wäre der Autor bei den netzpolitik-Kolleg*inn*en besser aufgehoben.

    Update am Nachmittag

    Bis heute völlig an mir vorbeigelaufen ist ein gesellschaftlich relevanter Medienvorgang, der jetzt erst bei uebermedien aus der Paywall befreit wurde. Vergessen Sie irgendwelche angeblichen deutschen “Leitmedien”, und nehmen Sie das zur Kenntnis, es wird Sie nicht dümmer machen:

    Andrej Reisin/uebermedien: Afrika-Tour von YouTuber ‘IShowSpeed’: So hat die Welt Afrika noch nicht gesehen. Oder doch? – Der US-amerikanische YouTube-Star ‘IShowSpeed’ hat mit seinen Livestreams aus Afrika weltweit einen Hype ausgelöst: mit Millionen Abrufen, emotionalen Reaction-Videos und Menschenmassen vor Ort. Viele Fans glauben, er zeige den Kontinent so, wie es ihn sonst nie zu sehen gibt. Doch so einfach ist es nicht.”

    Einen ähnlichen Stellenwert in der afrikanischen Öffentlichkeit hatte allenfalls Muhammad Ali erobert. Der musste viel mehr und viel besser boxen, also härter arbeiten – und ist nun schon fast zehn Jahre tot.

  2. Neues aus Afrika

    mit Update am Nachmittag

    Marktführer der Diagnose deutscher Medienignoranz ist der Wissenschaftler Ladislaus Ludescher. Hier eine kleine Auswahl seiner erhellenden Veröffentlichungen. Ein Monopol hat er nur beinahe. Gestern fand ich zwei beachtenswerte Beispiele.

    Bernhard Schmid/Jungle World arbeitet in Paris und profitiert von dem dort durch Jahrhunderte des Kolonialismus und Neokolonialismus geweiteten Blick auf die Ex-Kolonien. Dabei behält er seinen eigenen kritischen Blick, mit dem er Statements diversester politischer Kräfte und Regierungen liest. Aktuell hier:

    Attacke des »Islamischen Staats im Sahel« auf den Flughafen von Niamey: Propagandacoup für den IS – Der »Islamische Staat im Sahel« hat den hauptstädtischen Flughafen in Niger attackiert. Die Militärjunta des Landes beschuldigt fälschlich Frankreich, Benin und die Côte d’Ivoire.”

    Noch erhellender, weil er zarte emanzipatorische afrikanische Ansätze beschreibt, ist Kambale Musavuli aus der Demokratischen Republik Kongo in der Jungen Welt:

    Neokoloniolismus: Ein neuer Wettlauf – Wie Handelsabkommen und KI die Zukunft Afrikas neu gestalten”.

    Schade nur, dass es bei der Jungen Welt Unsitte ist, die Texte nach einigen Tagen in einem Paywallarchiv zu beerdigen. Da wäre der Autor bei den netzpolitik-Kolleg*inn*en besser aufgehoben.

    Update am Nachmittag

    Bis heute völlig an mir vorbeigelaufen ist ein gesellschaftlich relevanter Medienvorgang, der jetzt erst bei uebermedien aus der Paywall befreit wurde. Vergessen Sie irgendwelche angeblichen deutschen “Leitmedien”, und nehmen Sie das zur Kenntnis, es wird Sie nicht dümmer machen:

    Andrej Reisin/uebermedien: Afrika-Tour von YouTuber ‘IShowSpeed’: So hat die Welt Afrika noch nicht gesehen. Oder doch? – Der US-amerikanische YouTube-Star ‘IShowSpeed’ hat mit seinen Livestreams aus Afrika weltweit einen Hype ausgelöst: mit Millionen Abrufen, emotionalen Reaction-Videos und Menschenmassen vor Ort. Viele Fans glauben, er zeige den Kontinent so, wie es ihn sonst nie zu sehen gibt. Doch so einfach ist es nicht.”

    Einen ähnlichen Stellenwert in der afrikanischen Öffentlichkeit hatte allenfalls Muhammad Ali erobert. Der musste viel mehr und viel besser boxen, also härter arbeiten – und ist nun schon fast zehn Jahre tot.

  3. An der Kante

    Entscheidet sich das Kapital für die Faschismusoption? Und sind die Demokrat*inn*en noch satisfaktionsfähig?

    Unsere Gastautoren Wilhelm Neurohr und Henning Venske werfen solche gedanklichen Fragen mit einigem Recht auf. Da trifft es sich, dass von überraschender Stelle und mit wohltuender Deutlichkeit ein Gruss in die Feiertage gesandt wird: vom NRW-Landesinnenminister Herbert Reul. Der Mann will nichts mehr werden. Und Leute, die ihn besser kennen als ich, beschreiben ihn als beratbar und diskursfähig. Einen CDU-Innenminister!

    Was zu anderen Zeiten normal war, ragt nun aus dem Trash heraus. Verheerendstes Beispiel, weil es die Menschen direkt berührt, ist zu diesen Feiertagen meine alte Heimatstadt Essen, in der u.a. mein 93-jähriger Vater lebt. Er ist Knappschaftsrentner und könnte Notärzt*inn*en, die ihm u.U. das Leben retten müssen, noch ein stattliches Trinkgeld geben. Doch die meisten alten Menschen im Ruhrpott müssen sich nun unmittelbar in Lebensgefahr sehen. Dank der begnadeten Intelligenz der Essener Kommunalpolitik, die sich bundesweite Beachtung erarbeitete, weil sie für “Fehlfahrten” kassieren will. Die Kommunen und die Krankenkassen – allesamt in ihren Aufsichtsgremien mit deutschen Politiker*inne*n versorgt und besetzt – wollen sich nicht einigen, wer die Kosten trägt.

    Mein Vater wohnt ohnehin näher an den noch pleiteren Städten Gelsenkirchen und Gladbeck, deren Krankenhäuser eh näherliegen. Und die nicht so irre im Hirn sind, wie ihre Kolleg*inn*en in der “Metropole” Essen. Aber selbstverständlich aufgeschreckt.

    Noch illustrativer als diese Schmerzfreiheit im Ruhrgebiet ist die folgende Preziose aus dem Sauerland. Aus einem Kaff, mit dem ich eine Kindheitserinnerung verbinde. Als ich 7 war, fuhren wir in Urlaub, mit dem Opel Kadett – oder war es noch der Lloyd Alexander TS? – an der Baustelle des Bigge-Stausees vorbei. So, dachte ich damals, muss es auf dem Mond aussehen. Wir wanderten im Umfeld der Hohen Bracht, in dem ich meine Eltern in Panik versetzte, weil ich ihnen selbstständig aus den Augen wanderte. Sonntags in die Kirche gingen wir dort, wo diese Geschichte spielt, in Altenhundem/Lennestadt, das sogar einen Bahnhof hat:

    Ansgar Schneider/overton: Wie im Großen, so im Kleinen – Eine Stadt im Sauerland vernichtet die von den eigenen Bürgern errichtete Infrastruktur und gibt irritierende Antworten zu den Hintergründen.”

    Die inhaltliche Substanz dieser Story ist vernachlässigbar. Der Ablauf aber ist “paradigmatisch”. Wikipedia erklärt es so: “Ein Paradigma (Plural Paradigmen oder Paradigmata) ist eine grundsätzliche Denkweise.” Wo mögen die Demokrat*inn*en der Gegenwart nur diese Denkweise herhaben? Welches Sein bestimmt dieses vakuumartige Bewusstsein? So kommt es dann so.

    Bevor nun das allgemeine Ramentern losgeht – auch er hat Recht:

    Matthias Warkus/uebermedien: “Aufregerthemen im ZDF: Beim ‘Hammer der Woche’ ist vor allem einer behämmert: der Rechtsstaat“. Die herrschenden Billigmedien sind Teil des Problems. In den öffentlichen Medien geht es nicht hochwertiger zu, als in den Krankenkassen oder Kommunen (s.o.). Und wo sie Teil der Lösung sind, weisen wir gerne darauf hin.

  4. An der Kante

    Entscheidet sich das Kapital für die Faschismusoption? Und sind die Demokrat*inn*en noch satisfaktionsfähig?

    Unsere Gastautoren Wilhelm Neurohr und Henning Venske werfen solche gedanklichen Fragen mit einigem Recht auf. Da trifft es sich, dass von überraschender Stelle und mit wohltuender Deutlichkeit ein Gruss in die Feiertage gesandt wird: vom NRW-Landesinnenminister Herbert Reul. Der Mann will nichts mehr werden. Und Leute, die ihn besser kennen als ich, beschreiben ihn als beratbar und diskursfähig. Einen CDU-Innenminister!

    Was zu anderen Zeiten normal war, ragt nun aus dem Trash heraus. Verheerendstes Beispiel, weil es die Menschen direkt berührt, ist zu diesen Feiertagen meine alte Heimatstadt Essen, in der u.a. mein 93-jähriger Vater lebt. Er ist Knappschaftsrentner und könnte Notärzt*inn*en, die ihm u.U. das Leben retten müssen, noch ein stattliches Trinkgeld geben. Doch die meisten alten Menschen im Ruhrpott müssen sich nun unmittelbar in Lebensgefahr sehen. Dank der begnadeten Intelligenz der Essener Kommunalpolitik, die sich bundesweite Beachtung erarbeitete, weil sie für “Fehlfahrten” kassieren will. Die Kommunen und die Krankenkassen – allesamt in ihren Aufsichtsgremien mit deutschen Politiker*inne*n versorgt und besetzt – wollen sich nicht einigen, wer die Kosten trägt.

    Mein Vater wohnt ohnehin näher an den noch pleiteren Städten Gelsenkirchen und Gladbeck, deren Krankenhäuser eh näherliegen. Und die nicht so irre im Hirn sind, wie ihre Kolleg*inn*en in der “Metropole” Essen. Aber selbstverständlich aufgeschreckt.

    Noch illustrativer als diese Schmerzfreiheit im Ruhrgebiet ist die folgende Preziose aus dem Sauerland. Aus einem Kaff, mit dem ich eine Kindheitserinnerung verbinde. Als ich 7 war, fuhren wir in Urlaub, mit dem Opel Kadett – oder war es noch der Lloyd Alexander TS? – an der Baustelle des Bigge-Stausees vorbei. So, dachte ich damals, muss es auf dem Mond aussehen. Wir wanderten im Umfeld der Hohen Bracht, in dem ich meine Eltern in Panik versetzte, weil ich ihnen selbstständig aus den Augen wanderte. Sonntags in die Kirche gingen wir dort, wo diese Geschichte spielt, in Altenhundem/Lennestadt, das sogar einen Bahnhof hat:

    Ansgar Schneider/overton: Wie im Großen, so im Kleinen – Eine Stadt im Sauerland vernichtet die von den eigenen Bürgern errichtete Infrastruktur und gibt irritierende Antworten zu den Hintergründen.”

    Die inhaltliche Substanz dieser Story ist vernachlässigbar. Der Ablauf aber ist “paradigmatisch”. Wikipedia erklärt es so: “Ein Paradigma (Plural Paradigmen oder Paradigmata) ist eine grundsätzliche Denkweise.” Wo mögen die Demokrat*inn*en der Gegenwart nur diese Denkweise herhaben? Welches Sein bestimmt dieses vakuumartige Bewusstsein? So kommt es dann so.

    Bevor nun das allgemeine Ramentern losgeht – auch er hat Recht:

    Matthias Warkus/uebermedien: “Aufregerthemen im ZDF: Beim ‘Hammer der Woche’ ist vor allem einer behämmert: der Rechtsstaat“. Die herrschenden Billigmedien sind Teil des Problems. In den öffentlichen Medien geht es nicht hochwertiger zu, als in den Krankenkassen oder Kommunen (s.o.). Und wo sie Teil der Lösung sind, weisen wir gerne darauf hin.

  5. Der Fiebertraum des WDR

    Aber warum die Aufregung?

    mit Update nachmittags

    Die Satireprogramme des konkurrierenden ZDF (“heute-Show”, “ZDF-Magazin Royale”) schlugen sich darauf Eier auf. Mit dieser Stofflieferung des notleidenden Konkurrenten ARD hatten sie nicht gerechnet. Und in der Tat waren die Bilder, die sie von “Die 100” übernommen hatten, schockierend. WDR-Gesichter, die ich bis dahin für zurechnungsfähig gehalten hatte, wie Anna Planken, Till Nassif oder Ralf Caspers wurden quasi öffentlich “verbrannt”. Wie konnte das passieren?

    Die Unterhaltungsabteilung des WDR leidet unter einem Trauma: ihre alten Erfolge, die nicht wiederkehren wollen. Viele im Sender verbinden das mit der Figur Axel Beyer. Ich nicht, aber viele tun es. Wer so schmerzfrei die Arbeitgeber wechselt wie er, ist bei mir persönlich nicht übermässig kreditwürdig. Und die WDR-“Unterhaltung” hatte mich in meiner Jugend weit weniger interessiert, als die – damals noch – anspruchsvollen Politangebote des Senders. “Monitor” hatte Super-Einschaltquoten, im Dritten liefen immer wieder erregende Recherche-Dokus (“Es begann mit einer Lüge”), und die Radiowelle WDR2, die heute das Ruhrgebiet mit “Weihnachtswundern” belästigt, war mal meinungs- und marktführend (Morgenmagazin, Zeitzeichen, Hallo Ü-Wagen, Mittagsmagazin, Quintessenz, Radiothek). War ‘ne schöne Zeit. Ich mochte meinen Heimatsender. Umso mehr, je mehr er bei der CDU verhasst war und er sie auf alle damals noch gesunden Bäume des Sauerlandes brachte.

    Heute ist er für die WDR-Unterhaltung verantwortlich. Er ist kein “Axel Beyer”, immerhin. Und nicht jede*r muss alles können. Aber wer um Gottes Willen berät ihn?

    Die Medien-Medien überschlagen sich mit Verrissen. Die geschätzte Kollegin Christiane Voges/telepolis macht sogar einen Mehrteiler. Aber warum nur? 1,5 von 84 Mio. waren bereit, das auf dem Sofa zu erleiden. Das wurde von Peter Heinrich Brix (ZDF) und Neil Dudgeon/“John Barnaby” (ZDFneo) in Grund und Boden gesendet. So unterirdisch, wie “Die 100” auf die Fachkritik wirkte, ist es quotenstrategisch auch ausgegangen. Das ist doch eine gute Nachricht! Ich war dabei, als Zuschauer – von Brix und “Barnaby”, wie jeden Montag …

    Wo ist also das Problem? Ja richtig, wir haben das bezahlt.

    Dazu mein Tipp: gemeinnützig spenden, an freigewählte Adressat*inn*en (bei mir sind das z.B. Proasyl und netzpolitik). Ich weiss genau, wie viel ich spenden muss, um keine Steuern an Rheinmetall u.a. zu zahlen. Für das Wohlbefinden am Jahresende ist das wirksam. Versprochen.

    Update nachmittags

    Während der Kollege Harald Neuber/Berliner Zeitung sich immer noch nicht einkriegt wegen dieses mediokren Sackes Reis, vermutlich, weil seine Clickzahlen noch niedriger sind als die betreffende Einschaltquote, profiliert sich eine andere Kollegin spektakulär, aber gleichzeitig (vorläufig, eine Woche) unsichtbar, weil Paywall. Annika Schneider/uebermedien, schade, dass ich sie nicht mehr in meinem Edeka darauf ansprechen kann, weil sie jetzt in der Nähe Polens sitzt: “Diese ARD-Show ist anstrengend – und trotzdem finde ich sie wichtig – Nach den neuen Ausgaben der ARD-Debattenshow ‘Die 100’ hagelte es Kritik – mal wieder. Und natürlich kann man sich über einige Szenen aufregen, für den Einsatz einer ‘Hautfarben-Skala’ gar fremdschämen. Andererseits kann uns genau so eine Sendung beibringen, besser zu streiten.” Und dann kommt die Wand. Mein Paywallbohrer hat versagt.

    Ob es mich in einer Woche noch interessiert? Ich bin selbst gespannt …

    Was vermutlich auch Frau Schneider nicht abstreiten wird, weil sie es längst persönlich kennengelernt hat, ist, was Johanna Adorján in ihrem “Mozart”-Verriss in der SZ-Paywall schreibt, und was ich aus sechs Jahren Rundfunkratssitzungen nur bestätigen kann: “Die Tragik deutscher Fernsehproduktionen liegt darin, dass die Macher die Zuschauer für dümmer halten als sich selbst. ‘Das versteht der Zuschauer/die Zuschauerin nicht’ ist ein beliebter Satz in Drehbuch-Konferenzen. Bevorzugt macht man fürs hiesige Fernsehpublikum, was anderswo schon einmal Erfolg hatte – nur in schlecht.” Wie schlecht das “Die 100” und die ARD machen, das erklärt Matthias Dell/DLF (nur Audio 4 min).

    Es ist einfacher die Ausnahmen von dieser Regel aufzulisten.

  6. Der Fiebertraum des WDR

    Aber warum die Aufregung?

    mit Update nachmittags

    Die Satireprogramme des konkurrierenden ZDF (“heute-Show”, “ZDF-Magazin Royale”) schlugen sich darauf Eier auf. Mit dieser Stofflieferung des notleidenden Konkurrenten ARD hatten sie nicht gerechnet. Und in der Tat waren die Bilder, die sie von “Die 100” übernommen hatten, schockierend. WDR-Gesichter, die ich bis dahin für zurechnungsfähig gehalten hatte, wie Anna Planken, Till Nassif oder Ralf Caspers wurden quasi öffentlich “verbrannt”. Wie konnte das passieren?

    Die Unterhaltungsabteilung des WDR leidet unter einem Trauma: ihre alten Erfolge, die nicht wiederkehren wollen. Viele im Sender verbinden das mit der Figur Axel Beyer. Ich nicht, aber viele tun es. Wer so schmerzfrei die Arbeitgeber wechselt wie er, ist bei mir persönlich nicht übermässig kreditwürdig. Und die WDR-“Unterhaltung” hatte mich in meiner Jugend weit weniger interessiert, als die – damals noch – anspruchsvollen Politangebote des Senders. “Monitor” hatte Super-Einschaltquoten, im Dritten liefen immer wieder erregende Recherche-Dokus (“Es begann mit einer Lüge”), und die Radiowelle WDR2, die heute das Ruhrgebiet mit “Weihnachtswundern” belästigt, war mal meinungs- und marktführend (Morgenmagazin, Zeitzeichen, Hallo Ü-Wagen, Mittagsmagazin, Quintessenz, Radiothek). War ‘ne schöne Zeit. Ich mochte meinen Heimatsender. Umso mehr, je mehr er bei der CDU verhasst war und er sie auf alle damals noch gesunden Bäume des Sauerlandes brachte.

    Heute ist er für die WDR-Unterhaltung verantwortlich. Er ist kein “Axel Beyer”, immerhin. Und nicht jede*r muss alles können. Aber wer um Gottes Willen berät ihn?

    Die Medien-Medien überschlagen sich mit Verrissen. Die geschätzte Kollegin Christiane Voges/telepolis macht sogar einen Mehrteiler. Aber warum nur? 1,5 von 84 Mio. waren bereit, das auf dem Sofa zu erleiden. Das wurde von Peter Heinrich Brix (ZDF) und Neil Dudgeon/“John Barnaby” (ZDFneo) in Grund und Boden gesendet. So unterirdisch, wie “Die 100” auf die Fachkritik wirkte, ist es quotenstrategisch auch ausgegangen. Das ist doch eine gute Nachricht! Ich war dabei, als Zuschauer – von Brix und “Barnaby”, wie jeden Montag …

    Wo ist also das Problem? Ja richtig, wir haben das bezahlt.

    Dazu mein Tipp: gemeinnützig spenden, an freigewählte Adressat*inn*en (bei mir sind das z.B. Proasyl und netzpolitik). Ich weiss genau, wie viel ich spenden muss, um keine Steuern an Rheinmetall u.a. zu zahlen. Für das Wohlbefinden am Jahresende ist das wirksam. Versprochen.

    Update nachmittags

    Während der Kollege Harald Neuber/Berliner Zeitung sich immer noch nicht einkriegt wegen dieses mediokren Sackes Reis, vermutlich, weil seine Clickzahlen noch niedriger sind als die betreffende Einschaltquote, profiliert sich eine andere Kollegin spektakulär, aber gleichzeitig (vorläufig, eine Woche) unsichtbar, weil Paywall. Annika Schneider/uebermedien, schade, dass ich sie nicht mehr in meinem Edeka darauf ansprechen kann, weil sie jetzt in der Nähe Polens sitzt: “Diese ARD-Show ist anstrengend – und trotzdem finde ich sie wichtig – Nach den neuen Ausgaben der ARD-Debattenshow ‘Die 100’ hagelte es Kritik – mal wieder. Und natürlich kann man sich über einige Szenen aufregen, für den Einsatz einer ‘Hautfarben-Skala’ gar fremdschämen. Andererseits kann uns genau so eine Sendung beibringen, besser zu streiten.” Und dann kommt die Wand. Mein Paywallbohrer hat versagt.

    Ob es mich in einer Woche noch interessiert? Ich bin selbst gespannt …

    Was vermutlich auch Frau Schneider nicht abstreiten wird, weil sie es längst persönlich kennengelernt hat, ist, was Johanna Adorján in ihrem “Mozart”-Verriss in der SZ-Paywall schreibt, und was ich aus sechs Jahren Rundfunkratssitzungen nur bestätigen kann: “Die Tragik deutscher Fernsehproduktionen liegt darin, dass die Macher die Zuschauer für dümmer halten als sich selbst. ‘Das versteht der Zuschauer/die Zuschauerin nicht’ ist ein beliebter Satz in Drehbuch-Konferenzen. Bevorzugt macht man fürs hiesige Fernsehpublikum, was anderswo schon einmal Erfolg hatte – nur in schlecht.” Wie schlecht das “Die 100” und die ARD machen, das erklärt Matthias Dell/DLF (nur Audio 4 min).

    Es ist einfacher die Ausnahmen von dieser Regel aufzulisten.

  7. Garnicht erst ignorieren

    Regierungs-Schaumschlägerei am Beispiel Weimer

    Geschwätziges Medien-Feuilleton ist der ernsthaften Meinung, der Kerl habe in seiner kurzen Amtszeit schon “mehr geleistet” als seine Amtsvorgängerin Claudia Roth in einer ganzen Legislaturperiode. Solche Einschätzungen bezeugen in erster Linie eigene Geschwätzigkeit und ein Faible für kontinuierliche Schaumschlägerei. Wer das schätzt ist bei ihm richtig.

    Mit Bedacht wurde er in diesem Blog bislang wenig erwähnt, besonders von mir. Warum jetzt? Weil der hochgeschätzte Kollege Stefan Niggemeier/uebermedien sich seines Falls angenommen hat.

    Ist es egal, ob es eine Kampagne ist? – Die Vorwürfe gegen Kulturstaatsminister Wolfram Weimer treffen im Kern zu. Haben Medien dennoch anders darüber berichtet, weil der Absender das rechte Online-Magazin ‘Apollo News’ ist?”

    Niggemeier zitiert die freudige Analyse der Rechten, das ihnen eine Rechtsverschiebung des Mediendiskurses gelungen sei. Das sehen sie richtig. Und dazu hat der Schaumschläger essentielle Beiträge geleistet. Es ist seine Absicht, kein Versehen.

    Seine Amtsfreiheit das zu tun, ist – neben ihrer Folgenlosigkeit in der materiellen Praxis – auf sein Buddy-Verhältnis mit seinem vorgesetzten Bundeskanzler zurückzuführen, die wiederum mutmasslich auf ihrer beider Wohnhaftigkeit am Tegernsee, an dem auch ein gewisser Steuerstraftäter fotogen über den Sinn der Welt zu sinnieren pflegt (Video ab Minute 4:20), zurückzuführen ist. Vielleicht auch gemeinsamer Golf-“Sport”? Wer will das schon wirklich wissen …

    Das Schaumschläger-Amt wurde 1999 von Gerhard Schröder erfunden, um seinem Buddy Michael Naumann öffentliche Beachtung zu schenken. So funktionierte das Amt durchgehend. Der oder die Kanzlerin besetzte es mit guten Freund*inn*en. Angela Merkel hatte eine glückliche Hand mit Monika Grütters, die ihre Kreise nie störte, und fachlich ausreichend ausgerüstet war. Letzteres war (und ist) auch Claudia Roth. Nur war der Kanzler Olaf Scholz weit davon entfernt, zu ihr ein vertrautes Verhältnis zu pflegen (und umgekehrt). Ich kenne beide persönlich. Vertrauen kannte die ganze Ampelkoalition bekanntlich nicht. So ist sie dann ja auch ausgegangen.

    Der “Fall Weimer” ist nicht wg. dieser Intrigenarchitektur von Interesse. Sondern wegen der Medienmechanismen. Darum mache ich auf Niggemeier aufmerksam. Der versteht was davon.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  8. It’s Agendasetting, stupid!

    Dobusch paywallfrei

    So ist es: “Der wichtigste und gleichzeitig notwendig normative Ausgangspunkt für jede Nachrichtenmeldung ist die Entscheidung, aus der unendlichen Zahl an möglichen Themen genau eines auszuwählen und zur Nachricht zu machen.” Das schreibt das langjährige österreichische (!) ZDF-Gremienmitglied Leonhard Dobusch, jetzt paywallbefreit, bei uebermedien. Er steigt dort gegen Detlef Esslinger, Leiter des Ressorts „Meinung“ beim ehemaligen Leitmedium SZ, in den Diskurs-Ring. Aus meiner Sicht klarer KO-Sieger mit einem Übergewicht an Argumenten.

    Ein anderes ehemaliges Leitmedium, das sich zur diskursiven Führung beim Brückenbau über die “Brandmauer” zur AfD entschieden hat, die FAZ, macht es täglich vor. Petra Erler schreibt in ihrem etwas erratisch geratenen aktuellen Text gegen Ende ganz richtig: “Zum Beispiel fehlen wichtige Umfragen zu bestimmten politischen Themen, wobei bei solcherlei Umfragen gilt: Man frage nur das, worauf man bereits die Antwort kennt und sicher ist, dass sie politisch in die gewünschte Richtung läuft.”

    Damit kennen die sich in Allensbach aus. Mit folgenden Schlagzeilen versuchen sie in die FAZ-Paywall zu locken: “Die Deutschen und ihre Freiheit – Fast die Hälfte der Deutschen beklagt, dass man seine Meinung nicht mehr frei sagen könne. Doch ihr eigenes Verhältnis zur Freiheit ist widersprüchlich.” Die Erben der Erfinderin der “Schweigespirale” erzählen die unendliche Geschichte der Deutschen, die doch trotz aller von ihnen selbst begangenen Verbrechen immer nur Opfer waren. Und sind.

    Folgerichtig kommen sie, ganz anders als Küppi, anders als Antonia Groß/MDR-Altpapier, und noch ganz viel anders als Werner Rügemer/nachdenkseiten, zu folgendem eindeutigen Ergebnis: “Eliten sehen in Merz einen starken Kanzler – Mit der Regierungsbilanz sind die Führungsspitzen Deutschlands unzufrieden. Wachsende Sorgen macht ihnen auch die sinkende Leistungsbereitschaft und der KI-Vorsprung der USA, zeigt die neue Elite-Umfrage, die Allensbach für F.A.Z. und ‘Capital’ durchgeführt hat.” “Eliten” dort übrigens ganz ohne Anführungszeichen. Im Ruhrgebiet nennen wir sowas asoziales Pack, und ihre Wohngebiete Ghettos.

    Allensbach ist übrigens in Wirklichkeit eine liebliche Ortschaft am Bodensee. Freilich ein Siedlungsgebiet, das aufgrund des real existierenden Immobilienkapitalismus auch in Richtung Ghetto driftet.

  9. It’s Agendasetting, stupid!

    Dobusch paywallfrei

    So ist es: “Der wichtigste und gleichzeitig notwendig normative Ausgangspunkt für jede Nachrichtenmeldung ist die Entscheidung, aus der unendlichen Zahl an möglichen Themen genau eines auszuwählen und zur Nachricht zu machen.” Das schreibt das langjährige österreichische (!) ZDF-Gremienmitglied Leonhard Dobusch, jetzt paywallbefreit, bei uebermedien. Er steigt dort gegen Detlef Esslinger, Leiter des Ressorts „Meinung“ beim ehemaligen Leitmedium SZ, in den Diskurs-Ring. Aus meiner Sicht klarer KO-Sieger mit einem Übergewicht an Argumenten.

    Ein anderes ehemaliges Leitmedium, das sich zur diskursiven Führung beim Brückenbau über die “Brandmauer” zur AfD entschieden hat, die FAZ, macht es täglich vor. Petra Erler schreibt in ihrem etwas erratisch geratenen aktuellen Text gegen Ende ganz richtig: “Zum Beispiel fehlen wichtige Umfragen zu bestimmten politischen Themen, wobei bei solcherlei Umfragen gilt: Man frage nur das, worauf man bereits die Antwort kennt und sicher ist, dass sie politisch in die gewünschte Richtung läuft.”

    Damit kennen die sich in Allensbach aus. Mit folgenden Schlagzeilen versuchen sie in die FAZ-Paywall zu locken: “Die Deutschen und ihre Freiheit – Fast die Hälfte der Deutschen beklagt, dass man seine Meinung nicht mehr frei sagen könne. Doch ihr eigenes Verhältnis zur Freiheit ist widersprüchlich.” Die Erben der Erfinderin der “Schweigespirale” erzählen die unendliche Geschichte der Deutschen, die doch trotz aller von ihnen selbst begangenen Verbrechen immer nur Opfer waren. Und sind.

    Folgerichtig kommen sie, ganz anders als Küppi, anders als Antonia Groß/MDR-Altpapier, und noch ganz viel anders als Werner Rügemer/nachdenkseiten, zu folgendem eindeutigen Ergebnis: “Eliten sehen in Merz einen starken Kanzler – Mit der Regierungsbilanz sind die Führungsspitzen Deutschlands unzufrieden. Wachsende Sorgen macht ihnen auch die sinkende Leistungsbereitschaft und der KI-Vorsprung der USA, zeigt die neue Elite-Umfrage, die Allensbach für F.A.Z. und ‘Capital’ durchgeführt hat.” “Eliten” dort übrigens ganz ohne Anführungszeichen. Im Ruhrgebiet nennen wir sowas asoziales Pack, und ihre Wohngebiete Ghettos.

    Allensbach ist übrigens in Wirklichkeit eine liebliche Ortschaft am Bodensee. Freilich ein Siedlungsgebiet, das aufgrund des real existierenden Immobilienkapitalismus auch in Richtung Ghetto driftet.

  10. Perlen in der Wand

    Was passiert, wenn Zensor*innen durchziehen

    mit Update nachmittags

    Der immer kompetente Sebastian Meineck/netzpolitik berichtet wie immer streng sachlich aus dem Hamsterrad deutscher Porno-Zensor*inn*en: Medienwächter wollen noch mehr Netzsperren für Pornoseiten – Nach jahrelangem Ringen gegen Pornoseiten bekommt die Medienaufsicht neue Instrumente. Ab 1. Dezember darf und will die Behörde mehr Netzsperren anordnen und Zahlungen unterbinden. Porno-Produzentin Paulita Pappel vergleicht das Vorgehen mit autoritären Regimen.” Bei diesem Anblick denke ich immer: schade um das schöne Geld. Die Wenigsten wissen, dass das emsige vergebliche Treiben deutscher Landesmedienanstalten von unser aller TV-Haushaltsgebühr bezahlt wird. In bessere TV-Programme, mit ihrer weiträumigen Luft nach oben, wäre es wahrlich besser angelegt.

    Was wird nun passieren, wenn sich die Behütungs- und Zensor*inn*entruppen kraftvoll zusammenschliessen und durchsetzen? Der grassierende Mangel an Medienkompetenz spricht dafür, dass es so kommen wird.

    Eine Antwort findet sich beim Wühlen in der Bezahlmauer von Jakob Augstein. Der Multimillionärssohn verrammelt seine Wochenzeitung Freitag gegen öffentliches Lesen. Ausser einen Beitrag aus dem Guardian, und der ist extrem lesenswert, praxisnah und gesättigt mit Lebenserfahrung:

    Gabriel V Rindborg/Guardian/Freitag: Streaming-Dienste treiben Zuschauer zurück zur Piraterie – Filmfans wenden sich zunehmend VPNs und illegalen Streaming-Diensten zu. Schweden, Heimat von Spotify und The Pirate Bay, nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein”.

    Was der Gute zu den Auswirkungen der Mauerstrategie der Streamingdienste schreibt, das gilt in gleicher und noch weitreichender Weise für Zensur und Verbotsversuche. Es sind die Kinder und Jugendlichen, auch Ihre persönlichen Kinder und Enkel*innen, die in der Technikkompetenz ihren Eltern, Lehrer*innen und den verbotssüchtigen, greisen Politiker*innen immer 3-5 Schritte voraus sind. Leinenzwang oder “ohneesseninnettbett” wird es eher noch befeuern.

    Hauptsache die Reflexe der Mehrheit der ahnungslosen alten Mehrheit sind bedient. Eine medieninkompetente politische Klasse simuliert Handeln. Die AfD sammelt und freut es. Die junge Minderheit wundert sich und wendet sich ab.

    Merke: die Jungen verstehen schneller, sie sehen und hören alles, und mehr als wir Alten. Das hat nicht mit der Digitalisierung begonnen, sondern mit der menschlichen Evolution. Nicht die Medien sind das Problem, sondern die gesellschaftliche Wirklichkeit, die durch sie sichtbar wird.

    Update nachmittags

    Es sind noch Perlen dazugekommen. Die Medienwelt ist also nicht nur schlecht.

    Vor gut einem Jahr kritisierte der Kollege Gilbert Kolonko hier in einem Leserkommentar “Heise wie Telepolis haben sich zu News-Fabriken entwickelt- Billig-News-Fabriken”. Damals fand ich das etwas hart, weil es Ausnahmen gab und gibt. Mein Gesamteindruck freilich, insbesondere was das unauffälligere weitgehend konformistische Agendasetting betrifft, hat sich Kolonkos Kritik immer mehr angenähert. Das peinliche Topping ist die immer penetranter sich wiederholende narzisstische Selbstbeweihräucherung durch Chefredakteur Neuber. Der Arme muss sehr unter Druck stehen …

    Wie kommichdrauf? Zwei lobenswerte Ausnahmen:

    Zachary Paikin/Quincy-Institute, Responsible Statecraft/telepolis: Kurswechsel in der Ukraine-Politik: Europäische Spitzenpolitiker bereiten Kompromisse vor – Vor Alaska-Gipfel: Es gilt vorsichtiger Optimismus – solange die Hauptbeteiligten sich nicht selbst im Weg stehen.”

    Bernard Schmid/telepolis: Muslimbrüder-Panik in Frankreich: Politik zwischen Feindbild und Doppelmoral – Während Paris Katar hofiert, wird die Angst vor islamistischen Netzwerken politisch aufgeladen – oft losgelöst von der Realität.”

    Beide Autoren befleissigen sich des Pozessdenkens und der materialistischen Analyse. Das ist das, was ich von qualifizierten Journalist*inn*en und Autor*inn*en erwarte. Und das auch hier im Extradienst nicht immer geliefert wird. Aber wir werden auch nicht dafür bezahlt …

    Und schliesslich noch aus der uebermedien-Paywall entschlüpft:

    Die Ex-Beuelerin Annika Schneider schreibt: Dubiose Telegram-Werbung: Der Kryptobot der ‘Tagesschau’ – Die ARD-Nachrichtensendung verdient in ihrem Telegram-Kanal an Werbung für dubiose Fußballwetten mit – und merkt es nicht. Nach dem Hinweis einer Nutzerin und einer Anfrage von Übermedien will die Redaktion den Kanal nun abschalten.”

    Aus Schneiders Darstellung geht hervor, dass die Sache der “Tagesschau” immerhin angemessen peinlich ist, und sie sich mitsamt der ARD als ertappte Sünderin gibt. Dieses sittliche Gebaren ist der ARD im Falle ihrer Sportschau völlig fremd. Bei Berichten von Spielen der Deutschen Fussball-Liga (DFL), dem Kartell des Profifussballs der Herren, wird Sponsorenwerbung semikrimineller Wettanbieter gesendet, als gäbe es kein Morgen mehr. Weil es so in den nichtöffentlichen – noch nicht mal den Rundfunkrät*inn*en zugänglichen – Verträgen steht. Und in denen steht, dass die ARD für diese Werbung kein Geld bekommt, sondern im Gegenteil einen sehr grossen Haufen Geld, dessen Umfang geheimgehalten wird, bezahlt. Unser Geld!

  11. Perlen in der Wand

    Was passiert, wenn Zensor*innen durchziehen

    mit Update nachmittags

    Der immer kompetente Sebastian Meineck/netzpolitik berichtet wie immer streng sachlich aus dem Hamsterrad deutscher Porno-Zensor*inn*en: Medienwächter wollen noch mehr Netzsperren für Pornoseiten – Nach jahrelangem Ringen gegen Pornoseiten bekommt die Medienaufsicht neue Instrumente. Ab 1. Dezember darf und will die Behörde mehr Netzsperren anordnen und Zahlungen unterbinden. Porno-Produzentin Paulita Pappel vergleicht das Vorgehen mit autoritären Regimen.” Bei diesem Anblick denke ich immer: schade um das schöne Geld. Die Wenigsten wissen, dass das emsige vergebliche Treiben deutscher Landesmedienanstalten von unser aller TV-Haushaltsgebühr bezahlt wird. In bessere TV-Programme, mit ihrer weiträumigen Luft nach oben, wäre es wahrlich besser angelegt.

    Was wird nun passieren, wenn sich die Behütungs- und Zensor*inn*entruppen kraftvoll zusammenschliessen und durchsetzen? Der grassierende Mangel an Medienkompetenz spricht dafür, dass es so kommen wird.

    Eine Antwort findet sich beim Wühlen in der Bezahlmauer von Jakob Augstein. Der Multimillionärssohn verrammelt seine Wochenzeitung Freitag gegen öffentliches Lesen. Ausser einen Beitrag aus dem Guardian, und der ist extrem lesenswert, praxisnah und gesättigt mit Lebenserfahrung:

    Gabriel V Rindborg/Guardian/Freitag: Streaming-Dienste treiben Zuschauer zurück zur Piraterie – Filmfans wenden sich zunehmend VPNs und illegalen Streaming-Diensten zu. Schweden, Heimat von Spotify und The Pirate Bay, nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein”.

    Was der Gute zu den Auswirkungen der Mauerstrategie der Streamingdienste schreibt, das gilt in gleicher und noch weitreichender Weise für Zensur und Verbotsversuche. Es sind die Kinder und Jugendlichen, auch Ihre persönlichen Kinder und Enkel*innen, die in der Technikkompetenz ihren Eltern, Lehrer*innen und den verbotssüchtigen, greisen Politiker*innen immer 3-5 Schritte voraus sind. Leinenzwang oder “ohneesseninnettbett” wird es eher noch befeuern.

    Hauptsache die Reflexe der Mehrheit der ahnungslosen alten Mehrheit sind bedient. Eine medieninkompetente politische Klasse simuliert Handeln. Die AfD sammelt und freut es. Die junge Minderheit wundert sich und wendet sich ab.

    Merke: die Jungen verstehen schneller, sie sehen und hören alles, und mehr als wir Alten. Das hat nicht mit der Digitalisierung begonnen, sondern mit der menschlichen Evolution. Nicht die Medien sind das Problem, sondern die gesellschaftliche Wirklichkeit, die durch sie sichtbar wird.

    Update nachmittags

    Es sind noch Perlen dazugekommen. Die Medienwelt ist also nicht nur schlecht.

    Vor gut einem Jahr kritisierte der Kollege Gilbert Kolonko hier in einem Leserkommentar “Heise wie Telepolis haben sich zu News-Fabriken entwickelt- Billig-News-Fabriken”. Damals fand ich das etwas hart, weil es Ausnahmen gab und gibt. Mein Gesamteindruck freilich, insbesondere was das unauffälligere weitgehend konformistische Agendasetting betrifft, hat sich Kolonkos Kritik immer mehr angenähert. Das peinliche Topping ist die immer penetranter sich wiederholende narzisstische Selbstbeweihräucherung durch Chefredakteur Neuber. Der Arme muss sehr unter Druck stehen …

    Wie kommichdrauf? Zwei lobenswerte Ausnahmen:

    Zachary Paikin/Quincy-Institute, Responsible Statecraft/telepolis: Kurswechsel in der Ukraine-Politik: Europäische Spitzenpolitiker bereiten Kompromisse vor – Vor Alaska-Gipfel: Es gilt vorsichtiger Optimismus – solange die Hauptbeteiligten sich nicht selbst im Weg stehen.”

    Bernard Schmid/telepolis: Muslimbrüder-Panik in Frankreich: Politik zwischen Feindbild und Doppelmoral – Während Paris Katar hofiert, wird die Angst vor islamistischen Netzwerken politisch aufgeladen – oft losgelöst von der Realität.”

    Beide Autoren befleissigen sich des Pozessdenkens und der materialistischen Analyse. Das ist das, was ich von qualifizierten Journalist*inn*en und Autor*inn*en erwarte. Und das auch hier im Extradienst nicht immer geliefert wird. Aber wir werden auch nicht dafür bezahlt …

    Und schliesslich noch aus der uebermedien-Paywall entschlüpft:

    Die Ex-Beuelerin Annika Schneider schreibt: Dubiose Telegram-Werbung: Der Kryptobot der ‘Tagesschau’ – Die ARD-Nachrichtensendung verdient in ihrem Telegram-Kanal an Werbung für dubiose Fußballwetten mit – und merkt es nicht. Nach dem Hinweis einer Nutzerin und einer Anfrage von Übermedien will die Redaktion den Kanal nun abschalten.”

    Aus Schneiders Darstellung geht hervor, dass die Sache der “Tagesschau” immerhin angemessen peinlich ist, und sie sich mitsamt der ARD als ertappte Sünderin gibt. Dieses sittliche Gebaren ist der ARD im Falle ihrer Sportschau völlig fremd. Bei Berichten von Spielen der Deutschen Fussball-Liga (DFL), dem Kartell des Profifussballs der Herren, wird Sponsorenwerbung semikrimineller Wettanbieter gesendet, als gäbe es kein Morgen mehr. Weil es so in den nichtöffentlichen – noch nicht mal den Rundfunkrät*inn*en zugänglichen – Verträgen steht. Und in denen steht, dass die ARD für diese Werbung kein Geld bekommt, sondern im Gegenteil einen sehr grossen Haufen Geld, dessen Umfang geheimgehalten wird, bezahlt. Unser Geld!

  12. @frank_rieger Gerade deinen coolen Beitrag auf #UeberMedienDe gehört. Warum hast du dein #profil nicht auf einer deiner Seiten zur #verifikation verlinkt?