#renemartens — Public Fediverse posts
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Die Effekthascher der Medienwelt
Klar, dass der Spiegel da in der ersten Reihe spielt. Fünf Zeilen aus einem aussergewöhnlich tiefgehenden Juliette Binoche-Porträt des Guardian werden aufgeblasen. Mein Tipp: lesen Sie lieber das Original. Da lernen Sie was über Kunst.
Owen Myers/Guardian: “‘I told him, ‘Go ahead, do it’: Juliette Binoche on how a strangling attack as a teen inspired her directorial debut – The French actor steps into unfamiliar – and bracingly raw – territory with In-I In Motion after four decades reigning the international arthouse. You have to go out of your comfort zone, she says, ‘otherwise you become a prude’”.
Barcas Schönheit
„Més que un club“ hat mal wieder die spanische Fussballmeisterschaft (der Herren; die Frauen gewinnen sowieso) gewonnen. Die deutsche Presse feiert das hinter Paywalls. Ausser
Florian Haupt/taz: “FC Barcelona wird spanischer Meister: Papas zweites Meisterstück – Der FC Barcelona sichert sich durch ein 2:0 gegen Real Madrid den Titel. Trainer Hansi Flicks Fußball begeistert ebenso wie seine Führungsqualitäten.”
Diese journalistische Hymne ist durchaus fachgerecht. Weil ich ihr vollständig zustimme, möchte ich jedoch eine Kritik ergänzen. Denn dieser beste und schönste Fussball der Welt ist dennoch im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden – gegen die zweitbeste Mannschaft aus Madrid. Weil der dienstälteste Spitzentrainer Europas, der Argentinier Diego Simeone, ihn entschlüsselt hat. Die Gesamtbilanz gegen diesen Gegner ist bescheiden. Bei Barca-Fans ist er zurecht verhasst, weil er ein Zerstörer der Schönheit ist.
Warum ihm dieses Teufelswerk gelingt, und in der Vorsaison im Halbfinale schon Inter Mailand gelang (in zwei Partien, die in die Lehrbücher des besten Fussballs der Welt gehören; unmittelbar danach erlitt ich meinen Herzinfarkt), ist im Spiel einfach zu erkennen. Die Abwehrreihe von Flicks Barca-Fussball steht so hoch, dass sie für erstklassige Konter immer überwindbar ist. Wenn es in 90-95% der Fälle Abseits ist, bleiben 5-10%, die zum Gegentor führen können. Und es oft auch tun. Das wusste schon Hennes Weisweiler 1965, weswegen er 1969 Sieloff und Müller (“Luggi”) nach Mönchengladbach holte.
Entweder Flick lernt von Weisweiler, oder sein Team bleibt immer nur eine der besten Mannschaften der Welt. Aber die Schönste.
Und jetzt wirds ernst
Keine schöne Nebensache, sondern eine Hauptsache deutschen Medienwesens:
René Martens/MDR-Altpapier: “Neue Grenzüberschreitungen – Die ‘Tagesschau’ bezeichnet Gleichberechtigung als ‘strittiges Thema’ – als wäre Artikel 3 des Grundgesetzes verhandelbar. Und der Chefredakteur von ‘ARD aktuell’ sieht kein Problem darin, ‘Nius’ in den ‘Tagesthemen’ zu Wort kommen zu lassen, solange das ‘eingeordnet’ wird.”
Der beste Kommentar dazu findet sich in der taz-Karikatur (nur heute auffindbar) von Dorthe Landschulz.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Die Effekthascher der Medienwelt
Klar, dass der Spiegel da in der ersten Reihe spielt. Fünf Zeilen aus einem aussergewöhnlich tiefgehenden Juliette Binoche-Porträt des Guardian werden aufgeblasen. Mein Tipp: lesen Sie lieber das Original. Da lernen Sie was über Kunst.
Owen Myers/Guardian: “‘I told him, ‘Go ahead, do it’: Juliette Binoche on how a strangling attack as a teen inspired her directorial debut – The French actor steps into unfamiliar – and bracingly raw – territory with In-I In Motion after four decades reigning the international arthouse. You have to go out of your comfort zone, she says, ‘otherwise you become a prude’”.
Barcas Schönheit
„Més que un club“ hat mal wieder die spanische Fussballmeisterschaft (der Herren; die Frauen gewinnen sowieso) gewonnen. Die deutsche Presse feiert das hinter Paywalls. Ausser
Florian Haupt/taz: “FC Barcelona wird spanischer Meister: Papas zweites Meisterstück – Der FC Barcelona sichert sich durch ein 2:0 gegen Real Madrid den Titel. Trainer Hansi Flicks Fußball begeistert ebenso wie seine Führungsqualitäten.”
Diese journalistische Hymne ist durchaus fachgerecht. Weil ich ihr vollständig zustimme, möchte ich jedoch eine Kritik ergänzen. Denn dieser beste und schönste Fussball der Welt ist dennoch im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden – gegen die zweitbeste Mannschaft aus Madrid. Weil der dienstälteste Spitzentrainer Europas, der Argentinier Diego Simeone, ihn entschlüsselt hat. Die Gesamtbilanz gegen diesen Gegner ist bescheiden. Bei Barca-Fans ist er zurecht verhasst, weil er ein Zerstörer der Schönheit ist.
Warum ihm dieses Teufelswerk gelingt, und in der Vorsaison im Halbfinale schon Inter Mailand gelang (in zwei Partien, die in die Lehrbücher des besten Fussballs der Welt gehören; unmittelbar danach erlitt ich meinen Herzinfarkt), ist im Spiel einfach zu erkennen. Die Abwehrreihe von Flicks Barca-Fussball steht so hoch, dass sie für erstklassige Konter immer überwindbar ist. Wenn es in 90-95% der Fälle Abseits ist, bleiben 5-10%, die zum Gegentor führen können. Und es oft auch tun. Das wusste schon Hennes Weisweiler 1965, weswegen er 1969 Sieloff und Müller (“Luggi”) nach Mönchengladbach holte.
Entweder Flick lernt von Weisweiler, oder sein Team bleibt immer nur eine der besten Mannschaften der Welt. Aber die Schönste.
Und jetzt wirds ernst
Keine schöne Nebensache, sondern eine Hauptsache deutschen Medienwesens:
René Martens/MDR-Altpapier: “Neue Grenzüberschreitungen – Die ‘Tagesschau’ bezeichnet Gleichberechtigung als ‘strittiges Thema’ – als wäre Artikel 3 des Grundgesetzes verhandelbar. Und der Chefredakteur von ‘ARD aktuell’ sieht kein Problem darin, ‘Nius’ in den ‘Tagesthemen’ zu Wort kommen zu lassen, solange das ‘eingeordnet’ wird.”
Der beste Kommentar dazu findet sich in der taz-Karikatur (nur heute auffindbar) von Dorthe Landschulz.
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Die Effekthascher der Medienwelt
Klar, dass der Spiegel da in der ersten Reihe spielt. Fünf Zeilen aus einem aussergewöhnlich tiefgehenden Juliette Binoche-Porträt des Guardian werden aufgeblasen. Mein Tipp: lesen Sie lieber das Original. Da lernen Sie was über Kunst.
Owen Myers/Guardian: “‘I told him, ‘Go ahead, do it’: Juliette Binoche on how a strangling attack as a teen inspired her directorial debut – The French actor steps into unfamiliar – and bracingly raw – territory with In-I In Motion after four decades reigning the international arthouse. You have to go out of your comfort zone, she says, ‘otherwise you become a prude’”.
Barcas Schönheit
„Més que un club“ hat mal wieder die spanische Fussballmeisterschaft (der Herren; die Frauen gewinnen sowieso) gewonnen. Die deutsche Presse feiert das hinter Paywalls. Ausser
Florian Haupt/taz: “FC Barcelona wird spanischer Meister: Papas zweites Meisterstück – Der FC Barcelona sichert sich durch ein 2:0 gegen Real Madrid den Titel. Trainer Hansi Flicks Fußball begeistert ebenso wie seine Führungsqualitäten.”
Diese journalistische Hymne ist durchaus fachgerecht. Weil ich ihr vollständig zustimme, möchte ich jedoch eine Kritik ergänzen. Denn dieser beste und schönste Fussball der Welt ist dennoch im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden – gegen die zweitbeste Mannschaft aus Madrid. Weil der dienstälteste Spitzentrainer Europas, der Argentinier Diego Simeone, ihn entschlüsselt hat. Die Gesamtbilanz gegen diesen Gegner ist bescheiden. Bei Barca-Fans ist er zurecht verhasst, weil er ein Zerstörer der Schönheit ist.
Warum ihm dieses Teufelswerk gelingt, und in der Vorsaison im Halbfinale schon Inter Mailand gelang (in zwei Partien, die in die Lehrbücher des besten Fussballs der Welt gehören; unmittelbar danach erlitt ich meinen Herzinfarkt), ist im Spiel einfach zu erkennen. Die Abwehrreihe von Flicks Barca-Fussball steht so hoch, dass sie für erstklassige Konter immer überwindbar ist. Wenn es in 90-95% der Fälle Abseits ist, bleiben 5-10%, die zum Gegentor führen können. Und es oft auch tun. Das wusste schon Hennes Weisweiler 1965, weswegen er 1969 Sieloff und Müller (“Luggi”) nach Mönchengladbach holte.
Entweder Flick lernt von Weisweiler, oder sein Team bleibt immer nur eine der besten Mannschaften der Welt. Aber die Schönste.
Und jetzt wirds ernst
Keine schöne Nebensache, sondern eine Hauptsache deutschen Medienwesens:
René Martens/MDR-Altpapier: “Neue Grenzüberschreitungen – Die ‘Tagesschau’ bezeichnet Gleichberechtigung als ‘strittiges Thema’ – als wäre Artikel 3 des Grundgesetzes verhandelbar. Und der Chefredakteur von ‘ARD aktuell’ sieht kein Problem darin, ‘Nius’ in den ‘Tagesthemen’ zu Wort kommen zu lassen, solange das ‘eingeordnet’ wird.”
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Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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Klar, dass der Spiegel da in der ersten Reihe spielt. Fünf Zeilen aus einem aussergewöhnlich tiefgehenden Juliette Binoche-Porträt des Guardian werden aufgeblasen. Mein Tipp: lesen Sie lieber das Original. Da lernen Sie was über Kunst.
Owen Myers/Guardian: “‘I told him, ‘Go ahead, do it’: Juliette Binoche on how a strangling attack as a teen inspired her directorial debut – The French actor steps into unfamiliar – and bracingly raw – territory with In-I In Motion after four decades reigning the international arthouse. You have to go out of your comfort zone, she says, ‘otherwise you become a prude’”.
Barcas Schönheit
„Més que un club“ hat mal wieder die spanische Fussballmeisterschaft (der Herren; die Frauen gewinnen sowieso) gewonnen. Die deutsche Presse feiert das hinter Paywalls. Ausser
Florian Haupt/taz: “FC Barcelona wird spanischer Meister: Papas zweites Meisterstück – Der FC Barcelona sichert sich durch ein 2:0 gegen Real Madrid den Titel. Trainer Hansi Flicks Fußball begeistert ebenso wie seine Führungsqualitäten.”
Diese journalistische Hymne ist durchaus fachgerecht. Weil ich ihr vollständig zustimme, möchte ich jedoch eine Kritik ergänzen. Denn dieser beste und schönste Fussball der Welt ist dennoch im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden – gegen die zweitbeste Mannschaft aus Madrid. Weil der dienstälteste Spitzentrainer Europas, der Argentinier Diego Simeone, ihn entschlüsselt hat. Die Gesamtbilanz gegen diesen Gegner ist bescheiden. Bei Barca-Fans ist er zurecht verhasst, weil er ein Zerstörer der Schönheit ist.
Warum ihm dieses Teufelswerk gelingt, und in der Vorsaison im Halbfinale schon Inter Mailand gelang (in zwei Partien, die in die Lehrbücher des besten Fussballs der Welt gehören; unmittelbar danach erlitt ich meinen Herzinfarkt), ist im Spiel einfach zu erkennen. Die Abwehrreihe von Flicks Barca-Fussball steht so hoch, dass sie für erstklassige Konter immer überwindbar ist. Wenn es in 90-95% der Fälle Abseits ist, bleiben 5-10%, die zum Gegentor führen können. Und es oft auch tun. Das wusste schon Hennes Weisweiler 1965, weswegen er 1969 Sieloff und Müller (“Luggi”) nach Mönchengladbach holte.
Entweder Flick lernt von Weisweiler, oder sein Team bleibt immer nur eine der besten Mannschaften der Welt. Aber die Schönste.
Und jetzt wirds ernst
Keine schöne Nebensache, sondern eine Hauptsache deutschen Medienwesens:
René Martens/MDR-Altpapier: “Neue Grenzüberschreitungen – Die ‘Tagesschau’ bezeichnet Gleichberechtigung als ‘strittiges Thema’ – als wäre Artikel 3 des Grundgesetzes verhandelbar. Und der Chefredakteur von ‘ARD aktuell’ sieht kein Problem darin, ‘Nius’ in den ‘Tagesthemen’ zu Wort kommen zu lassen, solange das ‘eingeordnet’ wird.”
Der beste Kommentar dazu findet sich in der taz-Karikatur (nur heute auffindbar) von Dorthe Landschulz.
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mit Update mittags
Es wäre komisch, ja albern und lächerlich – wenn es nicht so viele Opfer, Tote, Verstümmelte, Traumatisierte – mit sich brächte.
René Martens/MDR-Altpapier: “Online-Radikalisierung als Staatsräson – Wenn es einer kriegführenden Regierung vor allem darum geht, spektakuläre Grausamkeiten für die digitalen Ökonomien zu produzieren: Sind für den Journalismus solche Entwicklungen mit den herkömmlichen außenpolitischen Kategorien überhaupt analysierbar?”
Während “Europa” in Gestalt von von der Leyen (EU-Kommission), Weber (EVP) und Merz die Nähe von Trump und seinen Jüngern sucht, weiss der nicht, wie er zuhause noch Wahlen überstehen soll – sofern er die stattfinden lassen muss …
Wer leistet Widerstand? (mehr dazu hier am Nachmittag als Update).
Update
Zunächst: welchen Widerstand?
Ich sehe zwei Möglichkeiten: den kommunikativen Rahmen so akzeptieren, wie er ist, weil der Versuch, ihn zu revolutionieren, sowieso zwecklos ist. So agieren derzeit nach meinem Eindruck alle relevanten Parteien, wählbare wie unwählbare.
Auf dieser Basis sollten und können Cem Özdemir und die Jungen Grünen. sich zusammentun. Bei der Inszenierung ihres angeblich “fundamentalen” Konflikts miteinander schaffen sie vor allem eines: Aufmerksamkeit. Beide Seiten funktionieren auch exakt so. Inszenierung: 1a. Veränderung gesellschaftlicher Machtverhältnisse: NULL. Wenn Özdemir gut beraten ist, und beratbar ist er meines Wissens, wird er die Schlauesten dieser Jungen Grünen – vermutlich geräuschlos – in seine Staatskanzlei locken und dort mit Arbeitsverträgen ausstatten.
Auch bei der Linkspartei beherrschen sie diese Klaviere zumindest hinreichend dafür, dass sie als Partei nicht getötet werden. Heidi Reichinnek ist mehr als bekannt, und Jan van Aken kann in den alten Medien ganze Sätze unfallfrei formulieren, ohne sich in die zahlreichen gestellten Fallen zu verirren.
Das aber tun seine Mitglieder in Westberliner Bezirken und anderswo. Es funktioniert einfach zu gut, zur Freude alter und neuer Medien. Und das nicht nur in Westberlin, sondern in allen europäischen Schlüsselländern: wirf den Linken (gesellschaftlich, nicht nur die Partei dieses Namens) einen Israel/Antisemitismus/Palästina/Gaza/Völkermord-Knochen hin, und sie sind so mit ihrer inneren Rechthaber-Erregung ausgelastet, dass sie bei landesweiten Wahlen kein wirkliches Problem mehr darstellen.
England, Frankreich, Spanien können auf diese Weise alle (noch weiter) nach Rechts kippen. Die jetzigen Regierungen haben mit ihrer neoliberalen Wirtschafts- und Sozialpolitik den Rechten den Teppich ausgerollt. Und wenn es nicht so ist, stellen die Linken sich selbst ein Bein.
Damit wäre “meine” Alternative schon erledigt
Denn die hätte nur europäisch eine Machtoption: die asozialen US-IT-Konzern-Netzwerke werden ebenso mit Regulierung bekämpft und bei Bedarf gefeuert, wie die chinesischen und russischen. Stattdessen werden diskriminierungsfreie, bürgerrechtsorientierte, datensparsame und datenschutzfreundliche europäische Kommunikationsplattformen in öffentlichem Besitz und Verwaltung aufgebaut und politisch gefördert.
Weil Kommunikation kein Wirtschaftsgut ist, sondern Daseinsvorsorge – für alle Bürger*innen und die Demokratie als System.
Auf diese Weise wäre Europa eine emanzipatorisches und menschenrechtliches Angebot für die ganze von autoritärer Herrschaft gequälte Welt – “Soft-Power”, die auch ökonomisch manchen Vorteil mit sich brächte.
“Der Chinese” wäre nicht amüsiert. Denn er ist auf der Gewinnerstrasse. Die Trump-USA und EU-Europa sind so ineinander und miteinander verkeilt, dass sie sich ökonomisch und sozial selbst ruinieren. Die gesperrte Hormuz-Strasse ist zwar für China und ganz Asien ein schmerzhafter Nadelstich. Aber China installiert jetzt schon mehr erneuerbare Energien als der Rest der Welt zusammengerechnet. Und dann sind da noch die “Seltenen Erden”. “DER Chinese” muss also nur ruhigbleiben. Er überfällt ja noch nicht mal Taiwan. Denn es könnte nicht besser laufen. Frage an Gilbert Kolonko: weisst Du, wie der Modi darüber denkt?
Und ich heissblütiger Rentner muss einsehen: wo sind die, die das umsetzen? Ich kenne keine. Von der Leyen, Weber, Merz, Farage, Le Pen und Meloni sind auf dem Weg unter den Mantel des Donald-Regimes. Eine politikmächtige linke Alternative ist nirgends in Europa zu erkennen. Die Linken sind ja schon für nationalstaatliche Macht zu doof.
Müssen wir also auf die US-Wähler*innen hoffen? Schon vor den Midterm-Elections, die erst für Anfang November anstehen, versuchen die herrschenden Medien bereits personelle “Alternativen” zum niederlagenbedrohten Trump hochzuschreiben, die eine wichtige Bedingung erfüllen müssen: sie dürfen nichts mit den Alternativen von Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez oder Zohran Mamdani zu tun haben. Denn das liefe womöglich auf Klassenverrat raus. Und welcher*m Milliardär*in, fast alle in aufrüstungsaffinen IT-Konzernen investiert, würde das gefallen?
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Der Irankrieg und die Energiepolitik
Geschichte wiederholt sich nicht? Doch. Immer wenn die CDU den alten Energiekonzernen gefällig sein will, kommt die Weltgeschichte dazwischen. Das war am 11. März 2011 so. Und ist es seit dem 1. März 2026 wieder so.
Der Angriff der USA und Israels auf den Iran im März 2026 droht für die Energieversorgung Europas ähnliche Folgen zu haben, wie Putins Überfall auf die Ukraine.
Am 09. März sprang der Ölpreis zum ersten Mal seit langem auf über 100 Dollar pro Barrel. Der Gaspreis verdoppelte sich auf über 60 Euro die Megawattstunde. Es zeugt vom wirtschaftlichen ‚Sachverstand‘ der Bundeswirtschaftsministerin, wenn Katherina Reiche erklärt, es gäbe kein Mengen- sondern „bloß“ ein Preisproblem.
Die Preise sind schlechte Nachrichten für Unternehmen, die heute schon unter hohen Energiepreisen leiden. Es wird teuer, die leeren Gasspeicher zu diesen Preisen aufzufüllen. Am Ende wird Heizen teurer. Und es sind schlechte Nachrichten für Autofahrende. Bild hat schon die „Tankwut“ ausgerufen..
Noch können E-Auto-Besitzer an den verärgerten Tankstellenkunden fröhlich winkend vorbei fahren. Bleibt jedoch der Trend beim Gas, steigt auch der Strompreis. Für ihn ist die letzte eingespeiste Kilowattstunde entscheidend. Ist sie aus einem Gaskraftwerk, wird es teuer. Davor sind nur diejenigen gefeit, die einen Großteil ihres Stroms aus einer eigenen Solaranlage beziehen und damit fahren oder heizen.
Fossiler Rollback
Dieser Krieg trifft Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Katherina Reiche völlig unvorbereitet. Anstatt Deutschland und Europa entschlossen zu modernisieren, es zu dekarbonisieren und damit unabhängiger von fossilen Energien zu machen, setzten sie auf eine nostalgische Energiepolitik. Es wird von Kernfusion fantasiert und über kleine Atomreaktoren räsoniert. Weil die erst in Jahrzehnten kommen und nicht wettbewerbsfähig sind, setzt Schwarz-Rot auf eine Laufzeitverlängerung für Fossile.
– Ausgerechnet als die E-Autos von Volkswagen die Teslas aus Europas Verkaufslisten zu verdrängen begannen, sollten Verbrenner länger zugelassen werden. Schwarz-Rot stufte Hybride, die auf der Straße viermal so viel CO2 ausstoßen als in ihrer Zulassung steht, als ‚klimaneutral‘ ein.
– Die Vorgabe, dass 65% der Wärme erneuerbar sein muss, soll mit dem „Teuer-Heizen-Gesetz“ (Grüne) entfallen. Auch die Fernwärmeanbieter werden davon befreit. Die steigenden Gaspreise landen so in den privaten Haushalten, wenn es die kommunale Wärmeplanung oder der Vermieter so will. Dem Erdgas sollen „grüne Gase“ zugemischt werden. Zu diesen Gasen zählt Wasserstoff, der mit Erdgas erzeugt wurde und dann dem Erdgas wieder beigemischt wird. Unsinnig, aber teuer.
– Statt Anreize für den Netzausbau zu schaffen, soll es ins Belieben von 800 örtlichen Verteilnetzbetreibern gestellt werden, ob sie Erneuerbare und Speicher ans Netz lassen. So werden nicht Netzausbau und Erneuerbare synchronisiert, sondern der Zubau von Erneuerbaren wird ausgebremst und Chancen für ein stabileres Netz liegengelassen.
– Ungerührt sieht Katherina Reiche zu, wie die nächste Ausschreibung für Off-Shore-Wind leerläuft. Der drohende Fadenriss bei Off-Shore gefährdet 50.000 Arbeitsplätze in Norddeutschland.
– Der Anreiz, zusätzliche Kapazitäten für PV-Strom auf privaten Dächern zu installieren, soll entfallen. In Zeiten, in denen Balkonkraftwerke boomen, sollen Haushalte von der EEG-Einspeisevergütung ausgeschlossen werden.
– Auf Druck Deutschlands versprach die EU Donald Trump, Flüssiggas im Wert von 750 Milliarden zu kaufen.
Selten sind die Interessen der Gaswirtschaft so eins zu eins von einer Regierung umgesetzt worden, wie durch die heutige Wirtschaftsministerin und ehemalige Gasmanagerin Katherina Reiche. Wer bei Trump und Musk den Kopf darüber schüttelte, wie unverfroren politische und wirtschaftliche Interessen verquickt werden, lernt nun, dass es das nicht nur in USA gibt.
Fukushima
Der Kampf um eine fossile Laufzeitverlängerung hat einen Vorläufer: Den Kampf der vier großen Energieunternehmen um eine atomare Laufzeitverlängerung 2011. E.on, RWE, Vattenfall und EnBW hatten den Ausbau der Erneuerbaren ignoriert und kräftig Marktanteile und an Unternehmenswert verloren. Um das auszugleichen, sollten ihre abgeschriebenen Atomkraftwerke länger laufen. Länger, als sie selbst im Atomkonsens von 2001 vertraglich zugesichert hatten. Solange diese Altanlagen ohne Kapitalkosten und mit geringen Personal- und Brennstoffkosten unfallfrei liefen, galten sie als „cash-cows“.
Die gut finanzierte Kampagne der Energiekonzerne war erfolgreich. Die 2009 gewählte schwarz-gelbe Koalition vereinbarte, den Atomkonsens aufzukündigen und die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Dagegen demonstrierten Hunderttausende in Berlin, Gorleben und anderswo. Doch 2010 peitschte die Regierung von Angela Merkel das Gesetz durch den Bundestag.
Doch Atomkraft funktioniert nicht unfallfrei. Am 11. März 2011 explodierten – ausgelöst durch einen Tsunami – die Reaktorblöcke in Fukushima. Die Hoffnung der Atomkonzerne auf einen Milliarden-Extraprofit zerstieb in einer Knallgaswolke.
Mochte die Physikerin Angela Merkel der Atomkraft nicht völlig abgeneigt sein, eines hat sie immer vermieden. Sie ist nie zweimal gegen die gleiche Wand gerannt. Unter der Leitung von Klaus Töpfer wurde eine Kommission eingesetzt. Diese befand mit Zustimmung von BDI und IG Chemie, dass das Risiko der Nutzung der Atomkraft nicht unbegrenzt verantwortbar ist und empfahl zum rot-grünen Konsens von 2001 zurückzukehren.
Palliative Wirtschaftspolitik
Heute kämpft wieder eine Industrie mit einem nicht zukunftsfähigen Geschäftsmodell dafür, noch etwas länger Geld verdienen zu dürfen.
2011 wussten die Atomkonzerne, dass niemand ein neues Atomkraftwerk bauen würde. Es wäre viel zu teuer und nicht wettbewerbsfähig gewesen. E.on und RWE hatten eine erteilte Genehmigung für ein neues Atomkraft in Großbritannien sogar zurückgegeben.
2026 weiß die Gasindustrie, dass sie – trotz Trump – dauerhaft mit dem Verkauf von Erdgas keine Geschäfte machen wird. Physik, Ökonomie und Klimaschutz sprechen dagegen. Eine Wärmepumpe liefert mit einer Kilowattstunde Strom dreieinhalb Kilowattstunden Wärme. Doch während die Gaspreise explodieren, sinken die Kosten für erneuerbaren Strom.
Dieser in Deutschland mit dem EEG ausgelöste Effekt hat globale Folgen. 2024 waren 92,5 Prozent aller weltweit neu installierten Stromkapazitäten erneuerbar. Kohle-, Öl-, Gas- und Atomkraftwerke teilten sich zusammen noch eine Marktnische von 7,5 Prozent. Die Zahlen für 2025 sehen ähnlich aus.
Das ist einer der Gründe, warum die Autoindustrie weiß, dass der Verbrenner keine Zukunft hat. Europas Autoindustrie wird nur überleben, wenn sie sich schneller und nicht langsamer auf E-Mobilität umstellt. ‚Tankwut‘ war dann mal.
Merz, Klingbeil und Reiche aber praktizieren das Gegenteil. Anstatt den Wandel zu forcieren, bestrafen sie Vorreiter. Erneuerer werden ausgebremst, nicht wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle subventioniert. Schwarz-Rot betreibt palliative Wirtschaftspolitik für nicht zukunftsfähige Geschäftsmodelle.
Resilienz
Das alles war schon vor dem Irankrieg richtig. Die vom Irankrieg ausgelöste Ölkrise aber offenbart eine weitere Dimension. Es geht um Europas Resilienz und Souveränität. Es ist nicht Zufall, sondern Strategie, dass Trumps Kriegslust mit dem Vorhandensein von Öl- und Gasquellen korreliert, ob in Venezuela, in Nigeria, in Grönland oder im Iran.
Es geht den USA um „Energie-Dominanz“. Dafür muss ihre Fähigkeit, global Preise zu gestalten gesichert werden. Europa soll in Abhängigkeit von fossilen Energien gehalten werden. Verteuert ein Krieg die Öl- und Gaspreise für den großen Rivalen China ist das willkommen. Willkommen ist auch, dass von gestiegenen Gaspreisen die US-Frackingindustrie profitiert. Sie kassieren Milliarden an Windfallprofits ein. Ihre halbe Milliarde Spenden für Trumps Wahlkampf war eine lohnende Investition.
Zahlen müssen die Zeche Asien und Europa. China reagiert auf die fossile Energiedominanz der USA mit einer konsequenten Strategie: Elektrifizierung und Ausbau der Erneuerbaren. Die Hälfte der globalen Erneuerbaren der letzten zwei Jahre ging in China ans Netz.
Schwarz-Rot hingegen versucht sich im fossilen Rollback. Der wird für Deutschland sehr teuer, wie die aktuelle Irankrise zeigt. Er ist ein Angriff auf Europas Souveränität. „Europäische Souveränität“ war die Botschaft von Friedrich Merz auf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz. Sie war seine Antwort, auf das Ende der transatlantischen Zuverlässigkeit. Doch dieser Erkenntnis folgt kein Handeln .
Freiheitsenergien
Der Irankrieg könnte das fossile Fukushima sein. Deutschland muss anfangen, resilienter zu werden. Wie 2011 Merkel kann es die Laufzeitverlängerung beenden – diesmal für Fossile. Es muss konsequent auf den Ausbau heimischer erneuerbare Energien setzen. Es sind „Freiheitsenergien“ wie sie Christian Lindner in einem selten hellen Moment mal nannte. Es gilt, moderne Industriepolitik zu betreiben statt palliativer Wirtschaftspolitik.
Angela Merkel hat ihre 180-Grad-Kehre 2011 nicht freiwillig gemacht. Sie stand unter massivem Druck der öffentlichen Meinung. Diesen Druck gilt es 2026 angesichts des Irankrieges wieder zu organisieren. 1700 Unternehmen in Deutschland haben das begriffen.
Dieser Beitrag ist eine Übernahme von der Homepage des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung. Lesen Sie ergänzend auch: René Martens/MDR-Altpapier: “Wenn Sender sich beugen – Ob hier zu Lande im Ersten Programm oder ZDF, ob bei NBC, CBS, ABC oder Fox: Die Klimaberichterstattung geht seit 2023 zurück. Ist eine Trendumkehr noch denkbar?”
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Zum US-Angriff auf Venezuela und der “nationalen DNA”
Mark Milley, der bis 2023 Generalstabschef der US- Streitkräfte war, hielt 2022 eine Abschlussrede für die Absolventen von West Point. Milley war besorgt: „Die militärische Überlegenheit, die wir in den Vereinigten Staaten in den letzten 70 Jahren genossen haben, schwindet rapide. Und die Vereinigten Staaten werden tatsächlich in jedem Bereich der Kriegsführung herausgefordert werden – im Weltraum und im Cyberspace, auf See, in der Luft und natürlich auch an Land …“ Er ging noch weiter: “Gerade jetzt, in diesem Moment, vollzieht sich ein grundlegender Wandel im Wesen des Krieges. Wir stehen derzeit zwei Weltmächten gegenüber, China und Russland, die beide über bedeutende militärische Fähigkeiten verfügen und die beide fest entschlossen sind, die derzeitige, regelbasierte Ordnung zu ändern.“
Die „regelbasierte Ordnung“ ist das Codeword für die US-Hegemonie. Mark Milley gab sich ganz optimistisch. Er war überzeugt, dass die USA-Armee willens und in der Lage ist, diese abzusichern. Technologisch sowieso, aber der entscheidende Punkt, so Milley, sei der menschliche Faktor. Daher beschied er den Absolventen von West Point das Folgende:
„Sie sind unser wertvollstes Kapital. Sie sind unser bedeutendster asymmetrischer Vorteil … Sie verkörpern das, was dem US-Militär innewohnt. Wir kommen aus einer Gesellschaft von Improvisatoren und Denkern, Innovatoren und Problemlösern… Unabhängigkeit im Handeln ist für alle Amerikaner selbstverständlich, ebenso wie Eigeninitiative, die Missachtung von Grenzen und Regeln, nichtlineares kritisches Denken, ein aggressiver Siegeswille, gepaart mit einem ewigen Optimismus, alle Hindernisse zu überwinden und das Ziel zu erreichen – all das ist fest in unserer nationalen DNA verankert und im Herzen und in der Seele der amerikanischen Soldaten .…“
Aus Milley sprach die „unverzichtbare“ Nation – die, die allen überlegen ist, mit einer „nationalen DNA“ ausgestattet, die den militärischen Sieg regelrecht erzwingt. Da können US-Alliierte nur Männchen machen, so rundherum zweitklassig ausgestattet. Feinde sowieso.
Aber Milley sprach in West Point ebenfalls davon, dass sich US-Führungsoffiziere unter komplizierten Situationen ethisch und moralisch vorbildlich verhalten müssen, auch und gerade im Stress eines Einsatzes.
Wie viele US-Militärs distanzierten sich?
Die Administration hat sich geändert, Milley`s Rede aber ist im US-Verteidigungsministerium (Kriegsministerium) weiter online und also in Ehren gehalten.
Wie viele US-Militärs distanzierten sich von der Entscheidung, des Drogenschmuggels verdächtige Fischerboote zu bombardieren? Wie viele US-Militärs opponierten gegen die Tötung von zwei Überlebenden eines angegriffenen Fischerboots? Wie viele US-Militärs widerstanden dem Plan, völkerrechtswidrig Venezuela anzugreifen und den Präsidenten des Landes zu kidnappen? Eine Autorisierung durch den US-Kongress fand auch nicht statt.
So verspielen sie ein weiteres Mal nicht nur ihren Ruf, sondern auch ihren möglichen weltpolitischen Einfluss
Wie inzwischen üblich brauchen die EU und auch Bundesrepublik Deutschland Zeit, das aktuelle Geschehen rechtlich einzuordnen. „Drecksarbeit“ eben. So als sei die Charta der Vereinten Nationen nicht eindeutig. So verspielen sie ein weiteres Mal nicht nur ihren Ruf, sondern auch ihren möglichen weltpolitischen Einfluss. Was werden sie sagen, wenn die Trump-Administration nach Grönland greifen sollte, nach Kolumbien oder nach Kuba? Alles ok? Solidarisch an der Seite der USA stehen, so wie aktuell der französische Präsident?
Der UN-Generalsekretär äußerte sich umgehend eindeutig und verurteilte die US-Aggression. Die Vorsitzende der UN-Vollversammlung, Baerbock, zitierte auf X Artikel 2 der UN-Charta.
So, wie es ist, wird kein Frieden werden, weder in der westlichen Hemisphäre, noch anderswo. Der UN-Sicherheitsrat wird heute tagen. Aber der ist auch nur noch ein Schatten seiner selbst.
Gefährlicher für die Sicherheit aller Völker kann es also kaum sein.
Wer wird den USA jetzt noch trauen? Denn die Trump-Ansage war eindeutig: Wir machen, was wir für richtig halten. Wir sind und bleiben die stärksten. Er glaubte allerdings auch, die USA seien die am meisten respektierte Nation der Welt.
Gefürchtet, ganz sicher. Bemitleidet auch. Denn es macht keine Freude, wenn die Hoffnung auf die „strahlende Stadt auf dem Hügel“ vollends zerbirst. Gehasst? Darauf kann man sich beinahe verlassen. Unrecht bleibt nie unbeantwortet. Es wird kluger Diplomatie der anderen Großmächte bedürfen, um die zerstörerischen Instinkte einer Weltmacht im Abstieg einzuhegen, an deren Spitze zu allem Überfluss ein gänzlich unberechenbarer Zeitgenosse steht – mit manchmal durchaus richtigen Instinkten, aber auch Dollarzeichen in den Augen.
In Kiew konnte sich Selenskyj vor Glück kaum fassen – AP berichtete: Ja, wenn man so mit den Diktatoren der Welt verfahren kann, dann wüssten die USA schon, was als Nächstes zu tun sei. Denn in Kiew blickt man nach Osten und träumte am Heiligen Abend vom Präsidentenmord. Viel mehr als Träume, und mögen sie noch so grausam oder heimtückisch sein, ist allerdings nicht geblieben.
Selenskyi scheint sich nicht darüber im Klaren zu sein, dass auch er eines Tages als verzichtbar angesehen werden könnte, genauso wie die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin, die ständig nach einer US-Intervention in ihrem Land rief. Trump braucht sie nicht mehr. Jetzt nehmen die USA das Ruder selbst in die Hand.
Zuletzt mahnte Trump die Durchführung der längst überfälligen Präsidentschaftswahlen in der Ukraine an. Niemand kann nach regelmäßiger Lektüre der New York Times bestreiten, dass die CIA bestens in der heutigen Ukraine etabliert ist, neuerdings direkt im Präsidentenpalast, und operativ allem Möglichen frönt, offenbar im Wettbewerb mit ihren britischen Geheimdienstkollegen, wer die ausgeklügelteren Sabotageaktionen zu Land, zu Wasser und in der Luft meistert. Solange man sie nicht der New York Times, der Washington Post oder anderen hochkarätigen Medien durchsteckt, herrscht das Prinzip der glaubwürdigen Abstreitbarkeit. Plaudert man aber, dann wischt man ganz nebenbei auch noch den eigenen Dienstherren eins aus. Denn die haben sie ja von der Kette gelassen. Von allein wäre die CIA seit Präsident Obama gewiss nie darauf verfallen, die ukrainischen Partner in allem Möglichen auszubilden und anzuleiten.
Mit dem unverhüllten Griff nach Venezuela und dessen riesigen Rohstoffreserven (allesamt den USA gestohlen, wie Trump behauptete) erweist sich einmal mehr, wer die sogenannte „regelbasierten“ Ordnung regelmäßig mit Füßen tritt. Im Namen der „nationalen Sicherheit“ wird das Recht des (militärisch) Stärkeren ausgeübt. Wer von „Faustrecht“ spricht, irrt: In einem Faustkampf stehen sich zwei Auge in Auge gegenüber. Regime-change Operationen oder Enthauptungsschläge sind sehr viel heimtückischer.
Trump, der sich gerne als Friedensbringer sieht, trat schon in der ersten Amtszeit in die Fusstapfen seiner Vorgänger. Insofern ist auch die militärische Gewaltanwendung gegen Venezuela nichts wirklich Besonderes. Nur zu spät, wie John Bolton öffentlich bedauerte. Denn der hätte das gerne noch als nationaler Sicherheitsberater in der ersten Trump-Präsidentschaft unter Dach und Fach gebracht. Aber: “Better late than never.“
Das Noble, das, wie sich die USA politisch gerne selbst sehen und was in ihrer Armeeführung angeblich fest verwurzelt ist, gibt es in Festreden. Und in Hollywood.
Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog der Autorin, mit ihrer freundlichen Genehmigung. Lesen Sie ergänzend auch:
René Martens/MDR-Altpapier: “Schurkenstaat gegen Schurkenstaat – Wenn ein Tyrann einen anderen Tyrannen entführt, sollte die Berichterstattung nicht klingen wie die KI-Übernahme der Täterperspektive. Und man sollte in dem Zusammenhang auch nicht von einem ‘Husarenstück’ sprechen.”
Über Petra Erler / Gastautorin:
Petra Erler: "Ostdeutsche, nationale, europäische und internationale Politikerfahrungen, publizistisch tätig, mehrsprachig, faktenorientiert, unvoreingenommen." Ihren Blog "Nachrichten einer Leuchtturmwärterin" finden sie bei Substack. Ihre Beiträge im Extradienst sind Übernahmen mit ihrer freundlichen Genehmigung.
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Viele Menschen oder viel Geld? Wer wird gewinnen? Bei jeder demokratischen Wahl stellt sich diese Frage. Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. So ist es das Gesetz des real existierenden Kapitalismus. Aber es gibt Ausnahmen. Ob nun heute eine in New York City stattfindet, das werden wir erst zum Aufwachen am mitteleuropäischen Mittwochmorgen erfahren. Dass der globale linke Widerstand gegen den drohenden Faschismus auf eine Bürgermeisterwahl fixieren muss, sagt viel über die Kräfteverhältnisse. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Zohran Mamdani heisst der Mann, dem auch ich alles Gute wünsche. Das deutsche Publikum weiss wenig über ihn. Auch die mehrheitlich ahnungslose Linke. Die Partei dieses Namens muss extra anreisen, um mehr zu erfahren. Ob sie ausreichend dabei lernt, muss vorläufig offenbleiben.
Wenn Sie nicht dumm bleiben wollen, lesen Sie hier: Nick French/Jacobin: “Mamdani, AOC und Bernie führen die Opposition gegen Trump an – Das Establishment der Demokraten hat sich als unfähig erwiesen, der Trump-Regierung Widerstand zu leisten. Während die nominellen Parteiführer sich totstellen, sind Linke wie Zohran Mamdani die einzigen, die eine greifbare Alternative anbieten.”
Warum ist die deutsche Öffentlichkeit so dumm und uninformiert? Weil es die von ihr teuer bezahlten Journalist*inn*en sind, die sie in wenige Länder der Welt entsendet. Die US-Korrespondent*inn*enplätze gelten in Medienkreisen als die geilsten, die das deutsche Mediensystem anzubieten hat. Und was kommt dabei “unten raus” (zit. Helmut Kohl)? René Martens/MDR-Altpapier weiss es: “Der Untergang – Mit dem ‘Weltspiegel Doku’-Film ‘Trumps USA – United States of Angst’ erreicht die US-Berichterstattung der ARD einen nicht für möglich gehaltenen Tiefpunkt. ‘Die Zeit’ hat ein Problem mit dem Ärmelaufnäher einer Universitätspräsidentin.” Das heisst: sollte Mamdani tatsächlich gewinnen, sitzt ganz Deutschland mit seinen dummen Medien auf dem völlig falschen Musikdampfer.
Und so wählt es ja auch: “Das schiefe Bild der Medien-Abbildungen”, ein Interview von Thomas Gesterkamp/bruchstuecke mit dem Wahlforscher Ansgar Hudde informiert mehr, als “Deutschlandtrends”, “Politbarometer” und “Allensbach” zusammen (vom AfD-nahen Insa ganz zu schweigen).
Einmal werden wir noch wach. Aber vergessen Sie das Auswandern nach NYC. Viel zu teuer – eine Wohnungsmiete übersteigt meine Rente um ein Vielfaches. Und den Immobilienkapitalismus wird auch Mr. Mamdani nicht abschaffen können. Obwohl: gut wäre, wenn er schon mal damit anfängt …
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Meditation über Journalismus heute
mit Update mittags
Nein, nicht von mir. Ralf Heimann/MDR-Altpapier hat das gestern geliefert: “Kritik der reinigenden Vernunft – Lange galt: Gute Journalisten zeigen keine Haltung. Das Gegenteil ist richtig – denn sie ist Voraussetzung für Glaubwürdigkeit. Wenn Sie jetzt an Aktivismus denken, lesen Sie diesen Text.” Heimann macht beruflich Lokaljournalismus, und zwar hier. Er hat für uns in den Paywalls von SZ und uebermedien gelesen und lässt uns daran teilhaben.
Die mauernde SZ lese ich nun schon lange nicht mehr. Leonhard Dobusch/uebermedien dagegen auf jeden Fall, jedoch erst, wenn er dort nach einer Woche aus der Paywall freigelassen wird. Läuft ja nicht weg, und wird an Aktualität eher gewinnen als verlieren.
Die SZ übrigens wäre hierzulande die beste Mordwaffe für den Femizid, der in dieser ausgezeichneten Barnaby-Folge zu sehen ist. Die aussagewillige Mrs. Bingham wird von einem umfallenden Zeitungsstapel erschlagen. Den dort erwähnten Bingham-Krater auf dem Mond gibt es tatsächlich, im Gegensatz zu der weitgehend durch Serienmorde entvölkerten Grafschaft Midsomer.
Doch ist ein Zeitungsstapel wirklich eine geeignete Waffe? Eine Wochenendausgabe der SZ kostet mittlerweile rund 10 Mark. Da gibt es doch heute weit preisgünstigere Killerwerkzeuge …
Barnaby übrigens montags auf ZDFneo wegen des grossen Erfolges jetzt immer in drei Folgen hintereinander.
Misslungen
War gestern die 20Uhr-Tagesschau. Sie bestand nämlich zur Hälfte aus einem Interview, in dem der Bundeskanzler seinen Kampf gegen die bösen Sozialschmarotzer verkündigen durfte. “Normal” wäre das im anschliessenden “ARD-Brennpunkt” gewesen. Aber aus Furcht, dass den keine*r mehr guckt – er war ausserdem für “Nahost” reserviert – wurde das Interview im Sendeablauf vorgezogen und machte die Nachrichtensendung mit Friedrich Merz voll.
Die ARD setzt damit die Entwertung der Tagesschau als seriöses Nachrichtenmedium fort, und verwandelt sie immer mehr in ein Verkündigungsorgan. Die zuständigen Hierarchen lesen offenbar die von ihnen selbst beauftragten Umfragen nicht. 40% genügen ihnen als anzusprechende Zielgruppe. Sie werden bescheiden.
So enteignen sie uns unsere öffentlichen Medien. Und ruinieren jedes potenzielle Engagement für ihre Erhaltung.
Update mittags
Gelungen
Der geschätzte Kollege René Martens/MDR-Altpapier schreibt zum Treiben des Merz u.a. sehr treffend: “Die schwarze-rote Koalition hat mit dieser ‘Reform’ schlicht einen zentralen Aspekt ihres Raison d’Être in die Tat umgesetzt: Menschen, denen es schlecht geht, soll es noch viel schlechter gehen. Aus ihrer Sicht konnte die Koalition gar nicht anders, sie hätte sonst ihre tiefsten Überzeugungen verraten.”
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Meditation über Journalismus heute
mit Update mittags
Nein, nicht von mir. Ralf Heimann/MDR-Altpapier hat das gestern geliefert: “Kritik der reinigenden Vernunft – Lange galt: Gute Journalisten zeigen keine Haltung. Das Gegenteil ist richtig – denn sie ist Voraussetzung für Glaubwürdigkeit. Wenn Sie jetzt an Aktivismus denken, lesen Sie diesen Text.” Heimann macht beruflich Lokaljournalismus, und zwar hier. Er hat für uns in den Paywalls von SZ und uebermedien gelesen und lässt uns daran teilhaben.
Die mauernde SZ lese ich nun schon lange nicht mehr. Leonhard Dobusch/uebermedien dagegen auf jeden Fall, jedoch erst, wenn er dort nach einer Woche aus der Paywall freigelassen wird. Läuft ja nicht weg, und wird an Aktualität eher gewinnen als verlieren.
Die SZ übrigens wäre hierzulande die beste Mordwaffe für den Femizid, der in dieser ausgezeichneten Barnaby-Folge zu sehen ist. Die aussagewillige Mrs. Bingham wird von einem umfallenden Zeitungsstapel erschlagen. Den dort erwähnten Bingham-Krater auf dem Mond gibt es tatsächlich, im Gegensatz zu der weitgehend durch Serienmorde entvölkerten Grafschaft Midsomer.
Doch ist ein Zeitungsstapel wirklich eine geeignete Waffe? Eine Wochenendausgabe der SZ kostet mittlerweile rund 10 Mark. Da gibt es doch heute weit preisgünstigere Killerwerkzeuge …
Barnaby übrigens montags auf ZDFneo wegen des grossen Erfolges jetzt immer in drei Folgen hintereinander.
Misslungen
War gestern die 20Uhr-Tagesschau. Sie bestand nämlich zur Hälfte aus einem Interview, in dem der Bundeskanzler seinen Kampf gegen die bösen Sozialschmarotzer verkündigen durfte. “Normal” wäre das im anschliessenden “ARD-Brennpunkt” gewesen. Aber aus Furcht, dass den keine*r mehr guckt – er war ausserdem für “Nahost” reserviert – wurde das Interview im Sendeablauf vorgezogen und machte die Nachrichtensendung mit Friedrich Merz voll.
Die ARD setzt damit die Entwertung der Tagesschau als seriöses Nachrichtenmedium fort, und verwandelt sie immer mehr in ein Verkündigungsorgan. Die zuständigen Hierarchen lesen offenbar die von ihnen selbst beauftragten Umfragen nicht. 40% genügen ihnen als anzusprechende Zielgruppe. Sie werden bescheiden.
So enteignen sie uns unsere öffentlichen Medien. Und ruinieren jedes potenzielle Engagement für ihre Erhaltung.
Update mittags
Gelungen
Der geschätzte Kollege René Martens/MDR-Altpapier schreibt zum Treiben des Merz u.a. sehr treffend: “Die schwarze-rote Koalition hat mit dieser ‘Reform’ schlicht einen zentralen Aspekt ihres Raison d’Être in die Tat umgesetzt: Menschen, denen es schlecht geht, soll es noch viel schlechter gehen. Aus ihrer Sicht konnte die Koalition gar nicht anders, sie hätte sonst ihre tiefsten Überzeugungen verraten.”
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Demenzkranke können ganz nach oben – unbegrenzte Möglichkeiten
Deutschlands Leitmedium “Süddeutsche Zeitung” (SZ) macht ihre Startseite heute so auf: “So viele Menschen wie noch nie geben an, bei einer Bundestagswahl die AfD wählen zu wollen. Daten und Experten liefern gleich mehrere Gründe dafür.” Ich versuche es gar nicht erst rauszufinden, die SZ hat es digital eingemauert. Ich weiss die Antwort auch so. Und Vorsicht: das hier ist keine Satire.
Die Nazis hat es auch in der “guten, alten West-BRD-Zeit” schon immer gegeben. Sie wollten nur nicht auffallen. Und die demokratischen Parteien hätten sich geschämt, ihnen ein seriöses Politikangebot zu machen. Wegen “Deutschlands Ansehen in der Welt”. Das hat sich grundlegend geändert. Beides.
Das Problem wäre nicht weg, aber es wäre kontrollierbar, wenn die demokratischen Parteien und Medien ihre Arbeit machen würden, wie sie im Grundgesetz und weiteren Gesetzen vorgesehen ist. Das löst sich in der Alltagspraxis zusehends auf, weil sie sich von den Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie treiben lassen. Die wird von wenigen Milliardär*inn*en und ihren asozialen Plattformen beherrscht. Politiker*innen und was-mit-Medien-Fussvolk wären gerne so wie die, und lassen sich so billiger benutzen, als es sich meine Sozialkundelehrerin in den 70ern jemals hätte vorstellen können. Ich dagegen habe damals schon so etwas vom Kapitalismus befürchtet. Aber dass es so schlimm werden könnte, übertrifft selbst meine Befürchtungen.
Denn nun ist “der mächtigste Mann der Welt”, einer der wenigen ganz in der Nähe des roten Atomkriegsknopfes, dement. D.h., wenn er ihn gedrückt hat, wird er noch behaupten, er sei es nicht gewesen. Und die Öffentlichkeit erfährt es nicht, um sie nicht zu beunruhigen? Das wird nicht gelingen. Entscheidend ist das Timing, und wer wann wie eingreift.
Robert Reich weiss es, und weil René Martens weiss, dass der das weiss, weiss ich es jetzt auch, Sie jetzt auch, und all die was-mit-Medien-Leute, die die MDR-Altpapier-Kolumne lesen:
“Die extreme Mitte ist schon ewig extrem – Donald Trump kann möglicherweise zwischen sich und einer KI-Version seiner Person nicht unterscheiden. Fatih Akin hat beim Filmfest Hamburg eine ungewöhnliche Form gewählt, um politisch Stellung zu beziehen.”
Und ich bin gespannt, wann die Herrschenden hierzulande gedenken, uns von dieser Gefahtr wissen zu lassen.
Der Finanzier des Pleitiers Donald Trump, Mohammed Bin Salman (MBS), Boss des kriminellen Saud-Clans, weiss es längst, und hat sich so abgesichert:
Luca Schäfer/telepolis: “Saudi-Arabien und Pakistan: Der nukleare Pakt gegen den Westen – Saudi-Arabien und Pakistan schließen ein militärisches Beistandsabkommen. Was das für die Sicherheitsarchitektur der Region – und der Welt – bedeutet.”
Der telepolis-Autor ist jedoch schief gewickelt, wenn er der abstrusen These hinterherdackelt (Neuberscher “Journalismus”?): “Neben der Chance auf eine Erweiterung der Brics und dem Durchbruch einer multipolaren Ausrichtung der Politik im Mittleren Osten stellt das Abkommen auch eine Chance auf Weltfrieden dar. Getreu dem Mantra, dass Abschreckung durch Atomwaffen letztlich Kriege verhüten kann, ist der nukleare Schutzschirm – insbesondere ohne Beteiligung eines westlichen Kernlandes – zu begrüßen.” um dann scheinbar ausgewogen fortzufahren: “Logisch bleibt jedoch auch, dass das Gegenteil der Fall sein kann”. Wenn das witzig wäre, würde mann lachen …
Tatsache ist: jeder Weiterverbreitung von Atomwaffen erhöht das Atomkriegsrisiko. Das ist der Grund für den Non-Proliferation-Treaty (NPT), zu deutsch Nicht-Weiterverbreitungs-Vertrag, der jedoch hierzulande, weil er die deutsche Oligarchie so qualvoll schmerzt, penetrant “Atomwaffensperrvertrag” genannt wird. Der Beitritt der West-BRD gelang nur durch eine Kampfabstimmung des Bundestages Anfang der 70er Jahre. Meine persönliche Erinnerung daran wird keine Demenz jemals löschen.
MBS, der Koch, ist gegenüber seinem Kellner-Clan kein Kameradenschwein. Wenn er die globale Medienwelt, wie immer mit Hilfe des Profifussballs (der Herren), Schritt für Schritt frisst, dann darf der Trump-Clan mitspielen. Doch, manchmal muss mann die FAZ lesen, um zu erfahren, was die herrschende Klasse treibt. Denn diese Zeitung kann es sich nicht leisten, ihre solventen Kund*inn*en doof sterben zu lassen.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
mit Update 6.9., 8.9. und 11.9. = der Schaden ist angerichtet
Regelmässig hätte ich Annika Schneider im Edeka treffen können, weil sie mal hier um die Ecke gewohnt hat. Gelegentlich hörte ich sie im Medienmagazin des DLF @mediasres, dessen Stammhörer ich bin. Ob die dort ihre Hörer*innen alle persönlich kennen? Möglich. Die medienpolitische, und erst recht die medienjournalistische Szene ist so übersichtlich, dass sich eines Tages alle untereinander kennen. Wie in einem übersichtlichen Dorf. Auch die Rollen für Deppen, Rechtsradikale und Nichtsversteher*innen sind irgendwann verteilt und zugeordnet. Aber wer war Bert Donnepp? Und erst recht “sein” Preis?
Das ist dann diese Woche auch mal ein wenig bekannt geworden. Ich hatte immerhin in der Schule in Sozialkunde eine 1 auf dem Abiturzeugnis. Und also von einem Bert Donnepp schon mal gehört. Bzw. seiner Frau. Aber Marler Sozis musste mann in Gladbeck nicht kennen. Mir reichte der Sohn des semikriminellen Oberbürgermeisters in der Reihe hinter mir. Er blieb dann auch direkt hängen.
Annika Schneider hatte also den “Bert-Donnepp-Preis” bekommen, und will ihn nicht mehr. Das hat ihr heutiger Arbeitgeber uebermedien.de immerhin nicht digital eingemauert, sondern nur die berichtende Recherche ihrer Kollegin Lisa Kräher (jetzt – 11.9. – frei zugänglich). Schneider schreibt:
“Preis für Medienpublizistik: Warum ich meinen Donnepp Media Award zurückgebe – Im Januar wurde Übermedien-Redakteurin Annika Schneider vom Verein ‘Freunde des Adolf-Grimme-Preises’ mit dem Donnepp Media Award ausgezeichnet. Nun gibt sie den Preis zurück. Hier erklärt sie, warum.”
Früher war das hier zutage getretene Niveau eins, das mann aus der Kommunalpolitik kennt, wo, die wenigsten Bürger*innen wissen das, durchweg Amateur*inn*e*n agieren. Seit etlichen Jahren ist dieses Niveau nach “oben” durchgesickert, und längst auch in Berlin-Mitte angekommen. Warum also nicht in Marl? Traurig aber wahr.
Update 6.9.
Frau Schneider hat auch zum Bonner Kommunalwahlkampf und seiner journalistischen Begleitung eine klare Meinung. Ein Bezieher ihres kostenpflichtigen Newsletters übersandte mir das, und ich zitiere gerne ausführlich:
“In NRW und damit auch hier in Bonn sind nächstes Wochenende Kommunalwahlen. Die Bonner AfD soll laut Prognosen auf sieben Prozent kommen, spielt in der Stadtpolitik aber keine nennenswerte Rolle.
Das zeigte gerade erst wieder eine Podiumsdiskussion mit den Oberbürgermeisterkandidaten. Die substanzlosen Beiträge des AfD-Vertreters waren dabei ziemlich egal und kein größerer Störfaktor. (Auf seiner Webseite fordert er unter anderem Markt- statt Planwirtschaft – wer sagt es ihm?)
Der Redakteur des ‘General-Anzeigers’, der die Debatte moderierte, tappte trotzdem in eine Falle: Er versuchte, den AfDler journalistisch zu stellen und ihn so zu entzaubern – und wurde dafür prompt vom Publikum abgestraft.
Sie können sich die Szene auf YouTube anschauen, spannend wird es ab Timecode 1:24:35. Die Befragung der Kandidaten ist zu dem Zeitpunkt schon durch, jeder der sieben Parteienvertreter hat zu verschiedenen Oberthemen rund eine Minute reden dürfen, so weit, so fair.
Ich kann nur spekulieren, warum der Moderator es danach für eine gute Idee hält, einige Extra-Minuten noch einmal einem einzigen Kandidaten zu widmen – und zwar nicht der amtierenden Bürgermeisterin von den Grünen, auch nicht dem aussichtsreichsten Konkurrenten von der CDU.
Stattdessen wendet er sich an den AfD-Kandidaten, weil es ihn „brennend“ interessiert, wie der eigentlich zum Begriff Remigration steht (dabei hätte er die Antwort in seiner eigenen Zeitung in einem von ihm geschriebenen Artikel nachlesen können). Des Weiteren will er von dem AfD-Politiker wissen, welche Gruppe genau er denn abschieben wolle, und fordert ihn auf, endlich „Farbe zu bekennen“.
Hat der Journalist damit gerechnet, dass der Politiker auf einmal eine verfassungsfeindliche Gesinnung offenbart? Oder zugibt, eigentlich Rassist zu sein, danke der Nachfrage?Stattdessen passiert, was in solchen Situationen immer passiert. Der AfD-Politiker kann die Bühne nutzen, um
1. Remigration zu verharmlosen – es handele sich schlicht um „das Gegenteil von Migration“,
2. die AfD in der politischen Mitte zu platzieren – CDU-Kanzler Merz und Ex-Kanzler Scholz seien schließlich noch radikaler im Umgang mit Migranten,
3. mit einer einleuchtend klingenden, aber falschen Behauptung die Abschiebungen von Millionen Menschen argumentativ vorzubereiten: „Asyl ist eben nicht dazu da zum Bleiben“.
Gerne hätte der Moderator noch weiter gefragt. Stattdessen buht das Publikum so laut, dass er das Interview unterbrechen muss (vor Ort war das noch imposanter als es nun im Video klingt). Gleichzeitig greift sich die Oberbürgermeisterin ein Mikro, um klarzustellen, dass in Bonn ‘Menschen aus 170 Ländern friedlich und gut zusammenarbeiten’.
Das Beispiel zeigt, wie man mit der AfD als Journalist nicht umgehen sollte; anscheinend wussten die Zuschauer das besser als der Moderator. Die meisten Bonnerinnen und Bonner waren gekommen, um herauszufinden, wie die Kandidaten von Grünen, CDU, SPD, FDP, Linke und Bürgerbund zum defizitären Bonner Haushalt, den Problemen im Bürgeramt und der umstrittenen Radspur auf der Adenauerallee stehen – alles Themen, zu denen der AfD-Kandidat wenig Konstruktives zu sagen hatte.
Es machte journalistisch schlicht keinen Sinn, dem AfD-Kandidaten eine Frage zur Remigration zu stellen: Die Antwort ist bekannt, kommunalpolitisch irrelevant und reproduziert rechtsextreme Gedankenspiele.
Es ist journalistisch auch kaum zu begründen, warum ausgerechnet eine der kleinen Parteien, die keine Chance auf das Oberbürgermeisteramt hat, am Schluss noch einmal einen eigenen Frageblock bekam. Womöglich ging es dem Moderator darum, das Verhältnis des Kandidaten zur Demokratie abzuklopfen – dafür reicht es aber nicht, unbedarfte Fragen zu stellen.
Besser wäre es gewesen, einfach die Regeln der Veranstaltung einzuhalten: pro Frage eine Minute pro Partei. Der Protest zeigte, dass das auch im Sinne des Publikums gewesen wäre – Stichwort Zielgruppenorientierung.”
Update 8.9.
Annika Schneider nannte den Moderator des GA nicht namentlich. René Martens/MDR-Altpapier tut es: “Die Hauptquartiere der Provinzialisierung sind Redaktionen – Seit wann ist ‘Sagen, was ist’ out bzw. ‘Aktivismus’? Wie kann es sein, dass es immer noch Journalisten gibt, die glauben, die AfD ‘entzaubern’ zu können? Warum sind Google, Meta und Co. Atomkraft-Fans?”
Das ist imgrunde wie mit den Fischen. Vielleicht gibt Frau Peikert mal eine Schnupper-Beratungsstunde? Oder, wenn es mit einer Frau nicht funktioniert, der Kollege Martens hätte sicher auch Zeit. Jedenfalls dafür.
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mit Update 6.9., 8.9. und 11.9. = der Schaden ist angerichtet
Regelmässig hätte ich Annika Schneider im Edeka treffen können, weil sie mal hier um die Ecke gewohnt hat. Gelegentlich hörte ich sie im Medienmagazin des DLF @mediasres, dessen Stammhörer ich bin. Ob die dort ihre Hörer*innen alle persönlich kennen? Möglich. Die medienpolitische, und erst recht die medienjournalistische Szene ist so übersichtlich, dass sich eines Tages alle untereinander kennen. Wie in einem übersichtlichen Dorf. Auch die Rollen für Deppen, Rechtsradikale und Nichtsversteher*innen sind irgendwann verteilt und zugeordnet. Aber wer war Bert Donnepp? Und erst recht “sein” Preis?
Das ist dann diese Woche auch mal ein wenig bekannt geworden. Ich hatte immerhin in der Schule in Sozialkunde eine 1 auf dem Abiturzeugnis. Und also von einem Bert Donnepp schon mal gehört. Bzw. seiner Frau. Aber Marler Sozis musste mann in Gladbeck nicht kennen. Mir reichte der Sohn des semikriminellen Oberbürgermeisters in der Reihe hinter mir. Er blieb dann auch direkt hängen.
Annika Schneider hatte also den “Bert-Donnepp-Preis” bekommen, und will ihn nicht mehr. Das hat ihr heutiger Arbeitgeber uebermedien.de immerhin nicht digital eingemauert, sondern nur die berichtende Recherche ihrer Kollegin Lisa Kräher (jetzt – 11.9. – frei zugänglich). Schneider schreibt:
“Preis für Medienpublizistik: Warum ich meinen Donnepp Media Award zurückgebe – Im Januar wurde Übermedien-Redakteurin Annika Schneider vom Verein ‘Freunde des Adolf-Grimme-Preises’ mit dem Donnepp Media Award ausgezeichnet. Nun gibt sie den Preis zurück. Hier erklärt sie, warum.”
Früher war das hier zutage getretene Niveau eins, das mann aus der Kommunalpolitik kennt, wo, die wenigsten Bürger*innen wissen das, durchweg Amateur*inn*e*n agieren. Seit etlichen Jahren ist dieses Niveau nach “oben” durchgesickert, und längst auch in Berlin-Mitte angekommen. Warum also nicht in Marl? Traurig aber wahr.
Update 6.9.
Frau Schneider hat auch zum Bonner Kommunalwahlkampf und seiner journalistischen Begleitung eine klare Meinung. Ein Bezieher ihres kostenpflichtigen Newsletters übersandte mir das, und ich zitiere gerne ausführlich:
“In NRW und damit auch hier in Bonn sind nächstes Wochenende Kommunalwahlen. Die Bonner AfD soll laut Prognosen auf sieben Prozent kommen, spielt in der Stadtpolitik aber keine nennenswerte Rolle.
Das zeigte gerade erst wieder eine Podiumsdiskussion mit den Oberbürgermeisterkandidaten. Die substanzlosen Beiträge des AfD-Vertreters waren dabei ziemlich egal und kein größerer Störfaktor. (Auf seiner Webseite fordert er unter anderem Markt- statt Planwirtschaft – wer sagt es ihm?)
Der Redakteur des ‘General-Anzeigers’, der die Debatte moderierte, tappte trotzdem in eine Falle: Er versuchte, den AfDler journalistisch zu stellen und ihn so zu entzaubern – und wurde dafür prompt vom Publikum abgestraft.
Sie können sich die Szene auf YouTube anschauen, spannend wird es ab Timecode 1:24:35. Die Befragung der Kandidaten ist zu dem Zeitpunkt schon durch, jeder der sieben Parteienvertreter hat zu verschiedenen Oberthemen rund eine Minute reden dürfen, so weit, so fair.
Ich kann nur spekulieren, warum der Moderator es danach für eine gute Idee hält, einige Extra-Minuten noch einmal einem einzigen Kandidaten zu widmen – und zwar nicht der amtierenden Bürgermeisterin von den Grünen, auch nicht dem aussichtsreichsten Konkurrenten von der CDU.
Stattdessen wendet er sich an den AfD-Kandidaten, weil es ihn „brennend“ interessiert, wie der eigentlich zum Begriff Remigration steht (dabei hätte er die Antwort in seiner eigenen Zeitung in einem von ihm geschriebenen Artikel nachlesen können). Des Weiteren will er von dem AfD-Politiker wissen, welche Gruppe genau er denn abschieben wolle, und fordert ihn auf, endlich „Farbe zu bekennen“.
Hat der Journalist damit gerechnet, dass der Politiker auf einmal eine verfassungsfeindliche Gesinnung offenbart? Oder zugibt, eigentlich Rassist zu sein, danke der Nachfrage?Stattdessen passiert, was in solchen Situationen immer passiert. Der AfD-Politiker kann die Bühne nutzen, um
1. Remigration zu verharmlosen – es handele sich schlicht um „das Gegenteil von Migration“,
2. die AfD in der politischen Mitte zu platzieren – CDU-Kanzler Merz und Ex-Kanzler Scholz seien schließlich noch radikaler im Umgang mit Migranten,
3. mit einer einleuchtend klingenden, aber falschen Behauptung die Abschiebungen von Millionen Menschen argumentativ vorzubereiten: „Asyl ist eben nicht dazu da zum Bleiben“.
Gerne hätte der Moderator noch weiter gefragt. Stattdessen buht das Publikum so laut, dass er das Interview unterbrechen muss (vor Ort war das noch imposanter als es nun im Video klingt). Gleichzeitig greift sich die Oberbürgermeisterin ein Mikro, um klarzustellen, dass in Bonn ‘Menschen aus 170 Ländern friedlich und gut zusammenarbeiten’.
Das Beispiel zeigt, wie man mit der AfD als Journalist nicht umgehen sollte; anscheinend wussten die Zuschauer das besser als der Moderator. Die meisten Bonnerinnen und Bonner waren gekommen, um herauszufinden, wie die Kandidaten von Grünen, CDU, SPD, FDP, Linke und Bürgerbund zum defizitären Bonner Haushalt, den Problemen im Bürgeramt und der umstrittenen Radspur auf der Adenauerallee stehen – alles Themen, zu denen der AfD-Kandidat wenig Konstruktives zu sagen hatte.
Es machte journalistisch schlicht keinen Sinn, dem AfD-Kandidaten eine Frage zur Remigration zu stellen: Die Antwort ist bekannt, kommunalpolitisch irrelevant und reproduziert rechtsextreme Gedankenspiele.
Es ist journalistisch auch kaum zu begründen, warum ausgerechnet eine der kleinen Parteien, die keine Chance auf das Oberbürgermeisteramt hat, am Schluss noch einmal einen eigenen Frageblock bekam. Womöglich ging es dem Moderator darum, das Verhältnis des Kandidaten zur Demokratie abzuklopfen – dafür reicht es aber nicht, unbedarfte Fragen zu stellen.
Besser wäre es gewesen, einfach die Regeln der Veranstaltung einzuhalten: pro Frage eine Minute pro Partei. Der Protest zeigte, dass das auch im Sinne des Publikums gewesen wäre – Stichwort Zielgruppenorientierung.”
Update 8.9.
Annika Schneider nannte den Moderator des GA nicht namentlich. René Martens/MDR-Altpapier tut es: “Die Hauptquartiere der Provinzialisierung sind Redaktionen – Seit wann ist ‘Sagen, was ist’ out bzw. ‘Aktivismus’? Wie kann es sein, dass es immer noch Journalisten gibt, die glauben, die AfD ‘entzaubern’ zu können? Warum sind Google, Meta und Co. Atomkraft-Fans?”
Das ist imgrunde wie mit den Fischen. Vielleicht gibt Frau Peikert mal eine Schnupper-Beratungsstunde? Oder, wenn es mit einer Frau nicht funktioniert, der Kollege Martens hätte sicher auch Zeit. Jedenfalls dafür.
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Über “Das Spahn” schrieb ich vor wenigen Wochen “mir geht es um die Struktur und das System, für das dieser Politikertypus Gesicht und Fassade ist”. Darüber hat ein paywallbewehrtes Exklusivmedium nun neue Details ans Licht gebracht, die René Martens/MDR-Altpapier uns Gebührenzahler*inne*n zugänglich macht:
“Unparteilichkeit ist die neue Parteilichkeit – Die CDU hätte 2023 beinahe eine Firma mit dem ‘Nius’-Mäzen gegründet. Die 20-Uhr-‘Tagesschau’ wird immer lockerer, und das ist problematisch. Die BBC stranguliert sich selbst.”
Über das Spahn und den Nius-Finanzier hatten die Correctiv-Autorinnen Annika Joeres und Gabriela Keller vor rund einem Monat diese im negativen Sinn erregende Recherche publiziert, ganz ohne Paywall. Und ich fragte mich, warum mich das nicht überrascht. Darüber immerhin weiss ich heute mehr.
Wir sehen hier die strategischen Strippenziehereien zur Vorbereitung dessen, was die kurzzeitig (2001-02) amtierende und schnell von Männercliquen weggemobbte NRW-Regierungssprecherin Miriam Meckel heute mit dem Bandwurmungeheuer Aufmerksamkeitsautoritarismus benennt.
Ich weiss nicht, wie es Frau Meckel beim Schreiben ging. Kundige Freunde vermuten sie hinter “St. Gallener Klostermauern”. Ich hingegen fühlte mich beim Lesen an Meckels ehemaligen Boss und noch ehemaligeren Förderer Wolfgang Clement erinnert. Der war – im ambivalenten Sinn der Begrifflichkeit – seiner Zeit immer zu weit voraus …
Ich kenne auch eine ehemalige Bonner Dezernentin, nach der er mal “Aktenordner geworfen” haben soll. Sie dementierte, aber ich schweife ab … In meiner Anwesenheit hatte er nur nie Zeit zum Zuhören.
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Über “Das Spahn” schrieb ich vor wenigen Wochen “mir geht es um die Struktur und das System, für das dieser Politikertypus Gesicht und Fassade ist”. Darüber hat ein paywallbewehrtes Exklusivmedium nun neue Details ans Licht gebracht, die René Martens/MDR-Altpapier uns Gebührenzahler*inne*n zugänglich macht:
“Unparteilichkeit ist die neue Parteilichkeit – Die CDU hätte 2023 beinahe eine Firma mit dem ‘Nius’-Mäzen gegründet. Die 20-Uhr-‘Tagesschau’ wird immer lockerer, und das ist problematisch. Die BBC stranguliert sich selbst.”
Über das Spahn und den Nius-Finanzier hatten die Correctiv-Autorinnen Annika Joeres und Gabriela Keller vor rund einem Monat diese im negativen Sinn erregende Recherche publiziert, ganz ohne Paywall. Und ich fragte mich, warum mich das nicht überrascht. Darüber immerhin weiss ich heute mehr.
Wir sehen hier die strategischen Strippenziehereien zur Vorbereitung dessen, was die kurzzeitig (2001-02) amtierende und schnell von Männercliquen weggemobbte NRW-Regierungssprecherin Miriam Meckel heute mit dem Bandwurmungeheuer Aufmerksamkeitsautoritarismus benennt.
Ich weiss nicht, wie es Frau Meckel beim Schreiben ging. Kundige Freunde vermuten sie hinter “St. Gallener Klostermauern”. Ich hingegen fühlte mich beim Lesen an Meckels ehemaligen Boss und noch ehemaligeren Förderer Wolfgang Clement erinnert. Der war – im ambivalenten Sinn der Begrifflichkeit – seiner Zeit immer zu weit voraus …
Ich kenne auch eine ehemalige Bonner Dezernentin, nach der er mal “Aktenordner geworfen” haben soll. Sie dementierte, aber ich schweife ab … In meiner Anwesenheit hatte er nur nie Zeit zum Zuhören.
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Russische Medien preisen Sahra Wagenknecht. "Die Partei" gewinnt vor Gericht gegen den MDR. Die ARD- Aktion "#KINDERstören" löst teilweise plumpe Reaktionen aus.
Kolumne: Das Altpapier am 20. August 2024 – Die historischen Vorarbeiten für den AfD-Erfolg -
MDR.DE: Kolumne: Das Altpapier am 15. Mai 2024 – Wann wird Journalismus richtig gemeinnützig?
Dem Anti-Fake-News-Blog "Volksverpetzer" wurde die Gemeinnützigkeit entzogen, was erneut eine Debatte über die aktuell unklare Rechtslage von gemeinnützigen Medien auslöst.
Kolumne: Das Altpapier am 15. Mai 2024 – Wann wird Journalismus richtig gemeinnützig? -
Während die Flak zu den Waffen ruft
Im Schlagabtausch der diversen Positionen fällt mir Peter Nowak/telepolis heute positiv auf. Er berichtet über eine Tagung des PEN Berlin. Viele haben das getan, nur wenige so differenziert wie er. Ich weiss nicht, ob sein Urteil zutrifft – ich war ja nicht dabei. Aber was er beschreibt, wäre eine akzeptable Grundlage für einen demokratischen Streit auf humanistischer Basis: “Cancel Culture, der Israel-Gaza-Krieg und der Kampf um Begriffe – Freies Wort und Kampf gegen Antisemitismus: Der PEN Berlin hat Maßstäbe gesetzt. Auch unter Linken wächst die Bereitschaft zur Analyse.”
Der von mir immer geschätzte René Martens/MDR-Altpapier ergänzt dazu Reflexionen, mann glaubt es kaum, arrivierter Journalismus-Kollegen: “Die Affinität der Medien für Irrationales und Gefühlsfragen – Ein dpa-Journalist liefert wichtige Impulse für die Debatte zur Arbeit von Nachrichtenagenturen. Ein Politikwissenschaftler der Uni Princeton konstatiert, dass zu viele Journalisten die Gefahr durch ‘Rechtspopulisten’ weiterhin ‘unterschätzen'”.
Bemerkenswert auch diese genaue China-Beobachtung von Anna Lisa Ahlers im Interview von Andrea Hoferichter/Technology Review/heise: “‘Forschende aus China, vom Postdoc bis zum Professor, sind in der Regel top’ – Den Erfolg der chinesischen Forschung fand Anna Lisa Ahlers so faszinierend, dass sie dazu genauer am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte forscht.”
Vergleichen wir dazu das real existierende Europa
Ingo Dachwitz/netzpolitik: “Datengesetz der EU: Das falsche Versprechen vom fairen Datenreichtum – Der Data Act soll eine faire Datenökonomie schaffen. Das Ziel der EU: Unternehmen sollen mehr Daten für Innovationen und Wertschöpfung erhalten, Verbraucher:innen mehr Kontrolle haben und auch das Gemeinwohl soll profitieren. Fachleute sagen: Das Gesetz wird keines dieser Ziele erreichen.”
Ein paar Meter weiter geht es da bei Evgeny Morozov im Interview mit Simón Vázquez/Jacobin: “Wir brauchen einen Nicht-Markt-Modernismus – Digitale Technologien haben dem Kapital ermöglicht, immer tiefer in unser Alltagsleben einzudringen. Doch sie ließen sich auch einsetzen, um Alternativen zum Neoliberalismus aufzubauen”.
Und was machen wir nun mit Flak-Zimmermann?
Kein Opfer ist der emsigen Lobbyistin zu gross, um nicht wenigstens in einer Disziplin für Deutschlands Technologien die Weltspitze zu verteidigen: im Totmachen. Differenzierendes ist in der Debatte nicht gefragt, wie immer, wenn es ums Kriegstreiben geht.
Die Ausweitungsgefahren sind politisch auf dem Tisch. Israels rechtsradikale Regierung hat mglw. ein solches Interesse, um ihre politische Position zu retten, die ohne Krieg innenpolitisch massiv gefährdet ist (mit allerdings längst auch). Die gilt fast spiegelbildlich für die Hisbollah im Libanon, der faktisch längst ein “failed State” ist. Und was könnte dem iranischen Mullahregime gegen die Frauen seines Landes gelegener kommen, als ein “Angriff von aussen”? Ob die Ansarollah/Huthi im Jemen nun im Auftrag oder auf eigene Rechnung Raketen abschiessen – sie bringen sich so als beachteten Faktor ins Bild herrschender Öffentlichkeit ein. Das Land ist ja sowieso schon zerstört. Und ihnen allen sind die leidenden Zivilist*inn*en schon immer egal gewesen.
Dem US-Präsidenten kann es im Wahljahr 24 nicht so egal sein. Ein Krieg, der “kurz und schmerzlos” für US-Amerikaner*innen zu gewinnen ist, der würde passen. Der ist im Nahen Osten aber nicht im Angebot, das lehren der Irak und Syrien, ebenfalls failed States. Und nicht nur die USA haben in der Region vitale Interessen. China hat sie, das eben erst eine Entspannung zwischen Iran/Qatar und den Saudis vermittelt hat. Erdogan hat sie, als Gottvater der Muslimbruderschaften. Als Freund des “regelbasierten” und “wertegeleiteten” Westens bleibt noch Ägyptens Militärdiktator und Grossempfänger deutscher Rüstungsexporte al Sisi, ein lupenreiner Demokrat, der schon Sigmar Gabriel sehr beeindruckt hatte und sich gerade “wiederwählen” lässt. Na fein, da kann die Bundesregierung ja gleich mal mit dem vom SPD-Parteitag beschlossenen “Führungsanspruch” loslegen, zusammen mit Flak-Zimmermann.
Was die Wähler*innen dazu denken, ist sowieso egal. Die sind ja schon verloren.
Wichtiger ist das
Christian Jakob/taz: “Nach der Klimakonferenz in Dubai: Angst ist keine Lösung – Die Klimakonferenz COP28 brachte keinen Durchbruch. In Weltuntergangsrhetorik sollte man trotzdem nicht verfallen – die hilft im Kampf nicht weiter.”
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Während die Flak zu den Waffen ruft
Im Schlagabtausch der diversen Positionen fällt mir Peter Nowak/telepolis heute positiv auf. Er berichtet über eine Tagung des PEN Berlin. Viele haben das getan, nur wenige so differenziert wie er. Ich weiss nicht, ob sein Urteil zutrifft – ich war ja nicht dabei. Aber was er beschreibt, wäre eine akzeptable Grundlage für einen demokratischen Streit auf humanistischer Basis: “Cancel Culture, der Israel-Gaza-Krieg und der Kampf um Begriffe – Freies Wort und Kampf gegen Antisemitismus: Der PEN Berlin hat Maßstäbe gesetzt. Auch unter Linken wächst die Bereitschaft zur Analyse.”
Der von mir immer geschätzte René Martens/MDR-Altpapier ergänzt dazu Reflexionen, mann glaubt es kaum, arrivierter Journalismus-Kollegen: “Die Affinität der Medien für Irrationales und Gefühlsfragen – Ein dpa-Journalist liefert wichtige Impulse für die Debatte zur Arbeit von Nachrichtenagenturen. Ein Politikwissenschaftler der Uni Princeton konstatiert, dass zu viele Journalisten die Gefahr durch ‘Rechtspopulisten’ weiterhin ‘unterschätzen'”.
Bemerkenswert auch diese genaue China-Beobachtung von Anna Lisa Ahlers im Interview von Andrea Hoferichter/Technology Review/heise: “‘Forschende aus China, vom Postdoc bis zum Professor, sind in der Regel top’ – Den Erfolg der chinesischen Forschung fand Anna Lisa Ahlers so faszinierend, dass sie dazu genauer am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte forscht.”
Vergleichen wir dazu das real existierende Europa
Ingo Dachwitz/netzpolitik: “Datengesetz der EU: Das falsche Versprechen vom fairen Datenreichtum – Der Data Act soll eine faire Datenökonomie schaffen. Das Ziel der EU: Unternehmen sollen mehr Daten für Innovationen und Wertschöpfung erhalten, Verbraucher:innen mehr Kontrolle haben und auch das Gemeinwohl soll profitieren. Fachleute sagen: Das Gesetz wird keines dieser Ziele erreichen.”
Ein paar Meter weiter geht es da bei Evgeny Morozov im Interview mit Simón Vázquez/Jacobin: “Wir brauchen einen Nicht-Markt-Modernismus – Digitale Technologien haben dem Kapital ermöglicht, immer tiefer in unser Alltagsleben einzudringen. Doch sie ließen sich auch einsetzen, um Alternativen zum Neoliberalismus aufzubauen”.
Und was machen wir nun mit Flak-Zimmermann?
Kein Opfer ist der emsigen Lobbyistin zu gross, um nicht wenigstens in einer Disziplin für Deutschlands Technologien die Weltspitze zu verteidigen: im Totmachen. Differenzierendes ist in der Debatte nicht gefragt, wie immer, wenn es ums Kriegstreiben geht.
Die Ausweitungsgefahren sind politisch auf dem Tisch. Israels rechtsradikale Regierung hat mglw. ein solches Interesse, um ihre politische Position zu retten, die ohne Krieg innenpolitisch massiv gefährdet ist (mit allerdings längst auch). Die gilt fast spiegelbildlich für die Hisbollah im Libanon, der faktisch längst ein “failed State” ist. Und was könnte dem iranischen Mullahregime gegen die Frauen seines Landes gelegener kommen, als ein “Angriff von aussen”? Ob die Ansarollah/Huthi im Jemen nun im Auftrag oder auf eigene Rechnung Raketen abschiessen – sie bringen sich so als beachteten Faktor ins Bild herrschender Öffentlichkeit ein. Das Land ist ja sowieso schon zerstört. Und ihnen allen sind die leidenden Zivilist*inn*en schon immer egal gewesen.
Dem US-Präsidenten kann es im Wahljahr 24 nicht so egal sein. Ein Krieg, der “kurz und schmerzlos” für US-Amerikaner*innen zu gewinnen ist, der würde passen. Der ist im Nahen Osten aber nicht im Angebot, das lehren der Irak und Syrien, ebenfalls failed States. Und nicht nur die USA haben in der Region vitale Interessen. China hat sie, das eben erst eine Entspannung zwischen Iran/Qatar und den Saudis vermittelt hat. Erdogan hat sie, als Gottvater der Muslimbruderschaften. Als Freund des “regelbasierten” und “wertegeleiteten” Westens bleibt noch Ägyptens Militärdiktator und Grossempfänger deutscher Rüstungsexporte al Sisi, ein lupenreiner Demokrat, der schon Sigmar Gabriel sehr beeindruckt hatte und sich gerade “wiederwählen” lässt. Na fein, da kann die Bundesregierung ja gleich mal mit dem vom SPD-Parteitag beschlossenen “Führungsanspruch” loslegen, zusammen mit Flak-Zimmermann.
Was die Wähler*innen dazu denken, ist sowieso egal. Die sind ja schon verloren.
Wichtiger ist das
Christian Jakob/taz: “Nach der Klimakonferenz in Dubai: Angst ist keine Lösung – Die Klimakonferenz COP28 brachte keinen Durchbruch. In Weltuntergangsrhetorik sollte man trotzdem nicht verfallen – die hilft im Kampf nicht weiter.”
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Was lehrt der Fall Aiwanger?
Allzu viel Hilf- und Folgenlosigkeit
Der Aiwangerhubsi interessiert mich nicht. Noch nicht einmal Bayern. Wer so wählt, die die, hat nichts Anderes verdient. Nur um München tuts mir leid (und Nürnberg). Die Münchner*innen hatten immerhin immer einen fetten Flughafen, von dem aus sie bei Bedarf jederzeit abhauen konnten. Wenn die dann allerdings bei […]https://extradienst.net/2023/09/05/was-lehrt-der-fall-aiwanger/
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Was lehrt der Fall Aiwanger?
Allzu viel Hilf- und Folgenlosigkeit
Der Aiwangerhubsi interessiert mich nicht. Noch nicht einmal Bayern. Wer so wählt, die die, hat nichts Anderes verdient. Nur um München tuts mir leid (und Nürnberg). Die Münchner*innen hatten immerhin immer einen fetten Flughafen, von dem aus sie bei Bedarf jederzeit abhauen konnten. Wenn die dann allerdings bei […]https://extradienst.net/2023/09/05/was-lehrt-der-fall-aiwanger/
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Qualität und Mauern
Seine Selbstreferentialität treibt den Journalismus schnell an seine Grenzen Die “heute-show” ist selbst Teil des Systems und enthält sich in der Regel der Systemkritik. Sie dreht einfach nur, was alle machen, noch ein Stück weiter. In besseren Momenten (hier ab Minute 31; ich war Freitag schon eingeschlafen, habs aber gestern beim Zappen auf Phönix gesehen) schafft sie Kenntlichkeit. Und wer sein Thema da hineingeschafft hat, kann nicht alles falsch gemacht haben. So erklärt auch René […]