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#renemartens — Public Fediverse posts

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  1. Klopp-Kritik ist möglich

    Der AfD vorauseilend: Journalismus-Leerstellen werden weiter aufgerissen

    mit Update nachmittags

    Es gibt die durchaus ernstzunehmende Meinung, Journalist*inn*en, die was-mit-Fussball machen, seien gar keine. Ich würde mich dieser Meinung insofern anschliessen, dass ich ergänze: es gibt Ausnahmen. Ich weiss eine.

    Es gibt da einen Müllhaufen aus billigem KI-Trash, zusätzlich überwürzt mit Popup-Müll von allen Seiten, zu verantworten von der Ippen-Gruppe, die das mit dem gekauften Titel der einst ehrwürdigen “Frankfurter Rundschau” über der desinteressierten Öffentlichkeit auskippt.

    Dieser Grosskonzern der Abfallwirtschaft hat aus dem einstigen FR-Sportressortleiter Jan Christian Müller nach 30 Jahren ein Mitglied der “Sport-Unit Hessen“ gemacht. Aus meiner Sicht ist das eine Menschenrechtsverletzung. Aber wo ist meine Gewerkschaft, wenn mann sie mal braucht? Ich hätte in vergleichbarer Lage einen Herzinfarkt.

    Der Kollege Müller hat sich, seit er in Frankfurt arbeitet, exklusive Kenntnisse über die Intrigennetzwerke in den dort um die Ecke ansässigen Profisport-Organisationen verschafft, und lässt seine Leser*innen daran teilhaben. Sofern die seine versteckten Texte findet. Ich heute z.B. diesen:

    “Ist die Kimmich-Diskussion eine Phantomdebatte oder mehr? – Nach vier Spielen unter Jürgen Klopp warten noch alle Angreifer auf ein Tor. Dazu stellt sich die Frage, ob Klopp die Generation Kimmich endgültig ablösen will.”

    Diese personalisierende Teaser-Aufmachung entspricht der klassischen Clickbaiting-Pest, die in der Ippen-Gruppe zu den Dienstpflichten gehört, und Leser*innen mit Verstand bis aufs Blut quält und vertreibt. Tatsächlich ist dieser Müller-Text in geradezu kunstvoller Kompaktheit eine komplexe Kritik der spielerischen Defizite der aktuellen DFB-Auswahl der Herren.

    Habe ich so in der ganzen Klopp-Promo-Müllproduktion noch in keinem deutschsprachigen Medium gelesen.

    Aber dafür ist der Beueler-Extradienst ja da, Ihnen den Weg zu Journalismus von einer Qualität zu weisen, die von Sprachmodell-KI niemals erreicht wird. Weil er von denkenden Menschen ist.

    Danke Müller, halten Sie durch.

    Das ZDF arbeitet hart an seinem Untergang

    Das beschreibt Stefan Niggemeieer hinter der Paywall, die die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) der Münchener SZ zwangsverordet hat. Vor der Paywall heisst es: “Satire-Show: Für euch Hater von ARD und ZDF – Eine interne Präsentation zeigt: Die neue ZDF-Comedy-Show von Florian Schroeder ist als politisches Kontrastprogramm geplant und soll vor allem Satire gegen Grüne und Linke machen.”

    Dä. Nunja, was nach Mitternacht abgesendet wird, ist das relevant? Für Roland Appel vielleicht, der dann immer seine Extradienst-Texte zu schreiben beginnt, und sich mit Lanz-Müll selbst gequält hat. Neuerdings schaltet er den ab, und schreibt tagsüber. Gesünder ist das.

    Was mit Böhmermann – in erster Linie dem ZDF – verloren geht, das hat er selbst in der Spiegel-Paywall korrekt beschrieben, und ein Mäuschen aus Dresden hat es mir weitergereicht:

    “Es macht uns wahnsinnig, wie viele politische und gesellschaftliche Themen journalistisch und medial unbearbeitet bleiben. Kommunaler Hochwasserschutz, die Demokratieförderung im Osten, marode Infrastruktur, Polen. Wir finden und sprechen über diese Themen und fragen uns: Warum werden die nicht von Medien oder der Politik bearbeitet? Warum setzen sich Chefredakteure und die Vertreter bürgerlicher Parteien stattdessen in Talkshows und laufen seit Jahren programmatisch der AfD hinterher? Und klar, wenn man nicht weiß, was man sonst entgegnen soll, kann man sagen, das sei alles links. Ist es aber nicht.”

    Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Ausser der Frage: was macht Hanna Herbst als Nächstes? Merke: hinter jedem Mann steht immer eine starke Frau.

    Statt der Tagesschau

    Das Flaggschiff des ARD-Journalismus verbreitete gestern – auftragsgemäss oder freiwillig? – Geheimdienstpropaganda. Auch dazu gibt es Alternativen, z.B.

    Daniel Leisegang/netzpolitik: “Parlamentarisches Kontrollgremium: Operieren in der Grauzone – Die Präsident:innen der Geheimdienste des Bundes verlangten heute im Bundestag deutlich mehr Befugnisse, um „auf Augenhöhe“ mit anderen Diensten zu arbeiten. Als Gründe führen sie eine neue Bedrohungslage und technologische Entwicklungen an. Die Folgen für die Grundrechte gerieten zur Randnotiz.”

    In der Tagesschau telegen-schockiert guckende Grünen-MdBs können daraus lernen: mann muss nicht alles glauben, was geheim “ermittelt” wird. Autor Leisegang war übrigens gestern auch nicht später fertig, als die weit teurere Tagesschau.

    Update nachmittags

    Der Untergang des ZDF u. ähnl.

    Wie öffentliche bürgerliche Medien der AfD vorauseilend ihren eigenen Untergang vorbereiten und dort die Löcher aus dem restdemokratischen Käse fliegen, das hat der Kollege René Martens/MDR-Altpapier mal wieder allzu brutalgenau erfasst:

    “Die Zeit der Hemmungen ist vorbei – Die einen sagen, die Nazis seien human gewesen, jedenfalls verglichen mit der Hamas. Die anderen suggerieren, unter den KZ-Häftlingen habe es auch Schuldige gegeben. Die Verharmlosung des Nationalsozialismus ist in den etablierten Medien angekommen.”

    Was der alles guckt und liest, lieber Roland, ist noch masochistischer als du. Gut, dass ich Journalismus nie beruflich machen musste. Zur Adelung fehlt jetzt nur noch, dass der MDR diese Kolumnenreihe dichtmacht, bevor die AfD es mit ihm tut. Wetten?

  2. Tagesschau entscheidet sich für Rechts

    Gewöhnlich eröffnet die ARD-Tagesschau mit dem, was sie für die wichtigste Nachricht hält

    mit Update 22.9.

    Das war für sie der rechte Wahlsieg in Mecklenburg-Vorpommern. Dieses Bundesland zählt laut Statistischem Bundesamt 1.573.685 Menschen (2025). Berlin zählt hingegen 3.933.644 Einwohner*innen (ebenfalls 2025). Der AfD-Wahlsieg und seine Folgen im weniger als halb so grossen Bundesland füllte die ersten 8 Minuten der auf insgesamt 20 Minuten ausgedehnten 20-Uhr-Tagesschau. Erst danach wurde der Linken-Wahlsieg in der Bundeshauptstadt gewürdigt.

    Diese Prioritätenentscheidung der Redaktion von ARD-aktuell (mit Sitz in Hamburg), was will sie uns sagen?

    Mein Vorschlag: die Führung des “Ersten” teilt der Öffentlichkeit bei Gelegenheit mal mit, von wem genau sie gegen die Abschaffungsabsichten der AfD eigentlich verteidigt werden will.

    Einer hats verstanden

    Lutz Heuken (Ex-Ressortchef der WAZ, heute sich digital zumauernde “Funke-Mediengruppe”)/”Blog der Republik”: “Nach den Wahlen: CDU mit Merz als Mühlstein und SPD mit Schwesig als Schatten-Chefin”.

    Update 22.9.

    Einer, der sich die Nachwahlberichterstattung anders als ich zugemutet hat, ist René Martens/MDR-Altpapier. Dafür hatte ich heute die besseren Kardiologen-Werte. Er beschreibt die ersten Reaktionen, welche pawlowschen Medienreflexe passieren, wenn das Volk falsch wählt:

    “‘Die Faschisten vor hundert Jahren hatten stärkere Gegner als die heutigen’ – Die Berichterstattung nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist geprägt von sehr alten Denkmustern – und einer gefährlichen Allianz.”

  3. Bundesstaat wechselt Republik

    Die “Amerikanisierung” Sachsen-Anhalts steht dem Rest der Republik (mehr oder weniger unmittelbar) noch bevor

    mit Update abends

    Kanada und Grönland will er annektieren, vom Rest Amerikas die Rohstoffe geschenkt bekommen (aber ohne die Menschen) – am weitesten kam er aber gestern in Sachsen-Anhalt, und hat sich sogleich, wie sein Buddy Elon Musk, “floating the zone with shit” öffentlich amüsiert gezeigt. Donald Trump. “Amerikanisierung” ist natürlich ein Fake-Begriff. Korrekt müsste er lauten “USAfizierung” (= Geografie für Anfänger*innen). Aber der Reihe nach. Hier die Kommentare des Morgens, die aus dem Medientrash herausragen, und zwar in dieser Reihenfolge:

    Kersten Augustin/Stefan Reinecke/taz: “Lehren aus der Wahl in Sachsen-Anhalt: Der gut gelaunte Rechtsextremismus – Die AfD kann in Sachsen-Anhalt wohl regieren – und die Parteien der Mitte halten sich erstmal die Ohren zu. Sechs Lehren aus der Landtagswahl.”

    Christian Stöcker im wild clickbaitenden Spiegel, quasi prodomo: “Wir brauchen eine Brandmauer gegen Bullshit – Man müsse die AfD »inhaltlich stellen« findet die Union und verkennt ein zentrales Problem: Es geht vielen AfD-Wählern nicht um die Wirklichkeit, sondern um gefühlte Wahrheiten. Dagegen hilft etwas anderes.”

    Wie komme ich auf “USAfizierung”?

    Zunächst einmal “it’s the economy. stupid!”. Die Medienökonomie, die die Politik vor sich her treibt, ist grundsätzlich ähnlich, nur in unterschiedlichem Tempo und Stadium. Am besten darüber Bescheid weiss der reichste, mächtigste und reaktionärste deutsche Medienoligarch Mathias Döpfner. Augustin/Reinecke (s.o.) haben etwas davon verstanden, und versuchen es nach dem Vorbild Mamdani links zu wenden.

    Am gestrigen Wahlergebnis mit 78% Wahlbeteiligung fällt, grob kopfgerechnet, Folgendes auf. 22% haben nicht gewählt. Rund 12% (der 78% Wählenden) haben BSW, FDP und Sonstige gewählt. Beide addiert ergeben diejenigen, denen eine AfD-Machtergreifung verhältnismässig egal/nicht so wichtig ist. Das sind netto fast genauso viele, wie AfD gewählt haben (44 von 3/4 ist ca. ein gutes Drittel v.H.). Das übrige Drittel sind die, die demokratisch gewählt haben, also eine klare Minderheit.

    Diese Aufteilung entspricht ziemlich genau der US-Gesellschaft. Ein Drittel wählt dort Maga/Trump, mehr als ein Drittel wählt gar nicht (bei Kongresswahlen eine klare Mehrheit, bei Präsidentschaftswahlen knapp die Hälfte). Und der Rest sind die – dort heissen sie auch offiziell so – “Demokraten”, die genauso heterogen sind wie hier, nur dort alle in einer “Partei”.

    Auf diese Weise hat sich Sachsen-Anhalt einen klaren Vorsprung vor Kanada und Grönland verschafft. Und vor dem Rest dieser Republik, die wir zu verteidigen versuchen.

    Update abends

    Zu den oben empfohlenen Texten möchte ich unbedingt René Martens/MDR-Altpapier ergänzen, der den provinziellen Blick der deutschen Medien weitet, leider nicht wohltuend, sondern eher so schmerzhaft, wie es ist:

    “‘Das Vergangene ist nie tot. Es ist nicht einmal vergangen.’ – Inwiefern haben Erzählungen und Argumentationsmuster anderer Parteien und vor allem der Medien dazu beigetragen, dass die AfD aller Wahrscheinlichkeit nach den nächsten Ministerpräsidenten stellen wird.”

  4. Eine (Ex-)Beuelerin erklärt

    Wie es am Sonntag zu dem Wahlergebnis kommt – und noch ein “Foto wie Laschet” von den Verantwortlichen

    Gucken Sie mal das Bild (dpa). Und wieder drängt sich die Frage auf: unberatbar? Ich erinnere mich, wie intelligent die verglühten grünen Regierungsstars Baerbock und Habeck ihre Bilder professionell kontrolliert haben. Und der Kanzler ist zu dumm dazu? Um das Bild herum dieser Teaser-Text (keine Sorge, der eigentliche Text ist von der SWMH eingemauert, also politisch gefahrlos):

    Alex Rühle/SZ: “Und der Kanzler schaut Tennis in der Sonne – Friedrich Merz, nebst Gattin als Zuschauer in Wimbledon, schützt sich mit einem Panamahut. Mike Egerton/dpa – Friedrich Merz schweigt immer noch zu den mehr als 16 000 Hitzetoten dieses Sommers. Seine Regierung wickelt den Klimaschutz ab, statt ihn voranzutreiben. Über eine politische Katastrophe.”

    Zur publizistischen Herstellung dieser Katastrophe trägt René Martens/MDR-Altpapier erhellende Fakten bei:

    “Jene, die mit obsessiver Beharrlichkeit darauf hinarbeiten, dass dieser Planet möglichst schnell menschheitsfrei wird”

    “Die Dolchstoßlegende der Verbrenner-Fans – Eine merkwürdige Zusammenfassung einer fragwürdigen Studie zu E-Autos dient den üblichen Verdächtigen als Munition für ihren Kreuzzug gegen die Klimastrategie der EU.”

    Wer muss sich angesichts solcher (immer noch funktionierender) Verdummungsstrategien dann noch über die kommenden Landtagswahlergebnisse wundern? Ein mobilisierendes Politikangebot für die Selbst- und Mitdenkenden ist kaum auszumachen. Entsprechend kompliziert ist die demokratische Aufgabe für Journalist*inn*en, die ihren guten Willen zu Fairness und Aufklärung noch nicht an der Garderobe abgegeben haben. Mit sehr grossem Interesse habe ich das nun erst paywallfrei gewordene Interview von Annika Schneider/uebermedien gelesen. Gerne hätte ich sie mal in unserem Edeka getroffen, als sie noch hier um die Ecke wohnte. Wo sind nur all die Medienstars, die ihr journalistisch das Wasser reichen können?

    “Interview: Marc Rath über die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: ‘Ich ärgere mich heute noch, dass ich damals nicht einfach mit den Menschen geredet habe’ – Vor Jahren entschied der Journalist Marc Rath, nicht zu den Pegida-Protesten nach Dresden zu fahren. Heute bereut er, nicht dort gewesen zu sein. Später hätten auch seine Zeitungen zum Aufstieg der AfD beigetragen, glaubt der heutige Chefredakteur der ‘Volksstimme’ und der ‘Mitteldeutschen Zeitung’ in Sachsen-Anhalt. Was heißt das für die Berichterstattung vor der Wahl am 6. September?”

    Journalismus, der real existierende Widersprüchlichkeit erfasst. Keine eindeutige Antwort, sondern Stoff zum politischen Grübeln. Das ist mehr als “Sagen, was ist”, und ein intellektueller Gewinn für Lesende. Danke.

    Übrigens: heute Abend 19.45 h wieder “Klima vor 8” auf Tagesschau24.

    Übrigens II: in Beuel haben wir nicht übersehen, was nicht vergessen werden kann. Peter Nowak/Untergrundblättle.ch weist auf ein neues Buch zu einem alten Fall hin: “Margot Overath: Verbrannt in der Polizeizelle – Oury Jalloh, die Geschichte eines ungeklärten Todes – Die Journalistin Margot Overath hat in einem Buch beschrieben, wie staatliche Stellen die Aufklärung verhinderten.” Das Buch gibt es hier.

  5. Aufhören

    “Da ist nichts mehr zu holen”

    Entschuldigend schreibt René Martens/MDR-Altpapier, nehmen Sie das bitte auch für diesen Text: “Vor allem ist es intellektuell extrem unbefriedigend, sich an Merz abzuarbeiten. Aber ganz vermeiden lässt sich das, solange er Bundeskanzler ist, wohl nicht.” Das ist sein Fazit seiner MDR-Altpapier-Kolumne

    “Der Kanzler kommuniziert wie Trump – Charakteristisch für Friedrich Merz’ größere öffentliche Auftritte ist sein großzügiger, teils irreführender Umgang mit Zahlen – das zeigten sowohl die RTL-Sendung am Donnerstag, in der Bürger die Fragen stellten, als auch das ARD-Sommerinterview am Sonntag.”

    Seit Jahrzehnten vermeide ich den Konsum sog. “Sommerinterviews”, die für mich eine provozierend ausgestellte Schande für kritischen Journalismus, und damit ein Sargnagel für unsere öffentlichen Medien sind. Sie verstehen nicht.

    So ist meiner Aufmerksamkeit entgangen, gestern rechtzeitig im ARD-Videotext nachzuschauen, wie wenige sich dieses niedere Exemplar zugemutet haben. Da niemand “Erfolgszahlen” gemeldet hat, muss es wieder peinlich gewesen sein.

    Es ist nämlich so: bei allen staatstragenden Medienbeiträgen, zu denen ich auch all den Talkshowtrash zähle, über den sich sog. “alle” erregen, tritt das Publikum die Flucht an. Und an den Geräten bleiben die, mit derlei ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Selbst einer der kritischen Medienjournalisten, Stephan Niggemeier/uebermedien, stolperte jüngst über dieses Missverständnis, als er anlässlich von dessen AfD-Titelboy die Schlagzeile formulierte: “Der ‘Spiegel’ ist so machtlos und irrelevant, dass alle über ihn reden”.

    Die Auflage des Spiegel hat ich seit den 90ern fast halbiert. Wikipedia: “Die verkaufte Auflage ist seit 1998 um 39,8 Prozent gesunken. Sie beträgt gegenwärtig 635.843 Exemplare.” Das ist noch weniger als die, die sonntags vor der Sportschau Friedrich Merz ertragen. Wer von der Mehrheit, die nicht was-mit-Medien macht, spricht da montags noch drüber?

    Das ist das gemeinsame Problem demokratischer Politik und demokratischer Medien. Aber sie merken nichts … doch, insgeheim, im Unterbewusstsein: doch. Aber sie haben Angst davor. Und von möglichen Therapeut*inn*en wollen sie nichts wissen. Für sie ist der Bundeskanzler ein würdiger Repräsentant.

    Mein Therapievorschlag: einen Sommer lang Friedrich Küppersbusch oder Tilo Jung ranlassen. Aber zu denen käme ja keine*r. Oder? Und Friedrich will ich nicht den Urlaub verderben.

  6. MeckPom

    Landtagswahl: Diese antifaschistischen Maßnahmen haben die Parteien im Programm

    Am 20. September wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt, die AfD wird voraussichtlich stärkste Kraft. Hier zeigen wir, mit welchen Ideen die übrigen Parteien der Bedrohung von rechts begegnen wollen.

    Die Landtagswahl von Mecklenburg-Vorpommern ist eine Bewährungsprobe für die Demokratie. Auch hier wird die freie und offene Gesellschaft gefährdet – oder verteidigt. Deshalb haben wir uns die Programme aller demokratischen Parteien angeschaut, die in Umfragen mindestens nahe der Fünf-Prozent-Hürde stehen und nach Ideen gesucht, mit denen diese gegen die Renaissance der Rechtsradikalen angehen wollen.

    Die SPD nennt das Kapitel ihres Wahlprogramms, in dem sie sich mit der drohenden autoritären Wende beschäftigt „Wehrhafte Demokratie und Schutz vor Rechtsextremismus“. Sie will Rechtsextreme buchstäblich entwaffnen, indem sie Waffenbesitzkontrollen verschärft. Kriminalprävention und Repression will sie verstärken. Bildungsangebote, Gedenkstätten und Aufklärungsarbeit sollen Antisemitismus den Nährboden entziehen. Die Aufarbeitung von NSU und Nordkreuz soll zur Grundlage künftigen Handelns werden.

    Rechtsextreme sollen, geht es nach der SPD, nicht in der Verwaltung oder der Exekutive arbeiten dürfen. Das Landesprogramm „Demokratie und Toleranz gemeinsam stärken!“ will sie weiter fördern, mitsamt der Beratung für Opfer von rechtsextremer Gewalt sowie weiterer Angebote wie der Dokumentations- und Informationsstelle Antisemitismus oder der Aussteigerhilfe. Die Unterstützung der Demokratie will sie mit verschiedenen Beteiligungsformaten stärken.

    Demokratiefeindliche Tendenzen sichtbar machen

    Auch das Landesprogramm „Demokratie und Toleranz“ will die SPD fortschreiben. Zudem will sich die Partei beim Bund und bei der Europäischen Union dafür einsetzen, dass die Förderung von Demokratieprojekten verstetigt wird. Ein regelmäßiges wissenschaftliches Demokratie- und Zusammenhaltsmonitoring soll gesellschaftliche Entwicklungen, Einstellungen zur Demokratie und demokratiefeindliche Tendenzen sichtbar machen.

    Das entsprechende Kapitel im Programm der Linken nennt sich „Demokratie und Zusammenhalt“. Als Teil des diesbezüglichen Programms will die Partei die Landeszentrale für politische Bildung finanziell besser ausstatten und Beteiligungsformate zur Stärkung der demokratischen Willensbildung wie Kinder- und Jugendparlamente oder Bürger:innenräte großzügiger fördern. Die Voraussetzungen für Volksentscheide und Volksbegehren sollen gesenkt werden.

    Demokratieprogramme will Die Linke längerfristig absichern, beispielsweise indem die Förderperiode auf zwei Jahre erhöht wird. Richter*innen, Staatsanwält*innen und Justizvollzugsbedienstete will sie besser vor Bedrohungen, Einschüchterung, Hasskampagnen und Angriffen schützen, zudem Präventions- und Schutzkonzepte gegen extremistische Einflussnahme, demokratiefeindliche Netzwerke und menschenfeindliche Ideologien weiterentwickeln.

    AfD-Verbotsverfahren initiieren

    Um extrem rechte Strukturen zu bekämpfen, möchte Die Linke zivilgesellschaftliche Bündnisse, Netzwerke und Fachstellen der Demokratieförderung stärken und ein Landesdemokratiefördergesetz erarbeiten. Auch Die Linke will Rechtsradikale entwaffnen und wissenschaftliche, kontinuierliche Studien zu extrem rechten und demokratiegefährdenden Strukturen fördern. Zudem will sie ein AfD-Verbotsverfahren mitinitiieren.

    Die CDU hat in ihrem Programm kein Kapitel, das sich explizit mit der Abwehr der Rechtsradikalen beschäftigt. Mit dem Schutz der Demokratie befasst sich nur der sehr kurze Abschnitt: „Ehrenamt stärken, kommunale Demokratie schützen“. Darin bekennt sich die Partei zum Schutz von Mandatsträger*innen durch eine bessere rechtliche Absicherung. Außerdem will sie „eine politische Kultur fördern, die Engagement anerkennt und Meinungsvielfalt zulässt.“ Die kommunale Selbstverwaltung soll ausgebaut werden.

    Das Kapitel im Wahlprogramm der Grünen, das sich mit antifaschistischen Maßnahmen beschäftigt, heißt: „Hass keinen Raum lassen“. Dort schreibt die Partei, dass sie die zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mittel ausschöpfen möchte, um gegen eine weitere Ausbreitung und die fortschreitende Radikalisierung der rechtsextremen Szene vorzugehen. Sie will Beratungs- und Unterstützungsangebote für Betroffene von Gewalt und Diskriminierung ausbauen und dauerhaft finanziell absichern. Demokratiebildung in Schule und Beruf will sie stärken und mit einem Landes-Antidiskriminierungsgesetz die durch Land und Bund geförderten Beratungsstellen absichern.

    Unterstützung für Opfer

    Sicherheitsbehörden wollen die Grünen so aufrüsten, dass sie rechtsextreme Netzwerke und Strukturen schneller erkennen, umfassend analysieren und konsequent auflösen können. Beratungs- und Unterstützungsangebote für Opfer von Bedrohungen und Angriffen wollen die Grünen weiter ausbauen. Die Landeszentrale für politische Bildung soll eine gesetzliche Grundlage bekommen. Eine Landesstelle für Anti-Diskriminierung soll den Kampf gegen verschiedene Formen der Diskriminierung koordinieren.

    Das BSW hat in seinem Programm kein Kapitel, das sich mit dem Kampf gegen Rechts beschäftigt. Das Kapitel zur Stärkung der Demokratie nennt es: „Mehr Demokratie wagen“. Wichtige Fragen sollen demnach in Volksentscheiden beantwortet werden. Zudem will sich die Partei für Volksbegehren auf Bundesebene einsetzen. Lobbyismus will sie durch strengere Regeln transparent machen und so zurückdrängen.

    Hinweis: Die Reihenfolge der Parteien entspricht dem Zustimmungsgrad in aktuellen Wahlumfragen.

    Martin chwarzbeck ist seit 2024 Redakteur bei netzpolitik.org. Er hat Soziologie studiert, als Journalist für zahlreiche Medien gearbeitet, von ARD bis taz, und war lange Redakteur bei Berliner Stadtmagazinen, wo er oft Digitalthemen aufgegriffen hat. Martin interessiert sich für Machtstrukturen und die Beziehungen zwischen Menschen und Staaten und Menschen und Konzernen. Ein Fokus dabei sind Techniken und Systeme der Überwachung. Für Recherchen zur Spionage-App mSpy hat er gemeinsam mit Chris Köver 2026 den Sonderpreis Print des Datenschutz Medienpreises DAME erhalten. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Signal: yoshi.42042. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

    Anm. Extradienst: Lesen Sie ergänzend auch René Martens/MDR-Altpapier: “Wenn Investigativ-Journalismus zum Feigenblatt wird – Die Schwächen der AfD-Berichterstattung in der ARD sind nicht zuletzt strukturell bedingt. So fehlt es an einer senderübergreifenden AfD-Spezialredaktion. Auch sonst hapert es bei der Koordination: Hintergrundberichterstattung und Nachrichtenjournalismus existieren weitgehend isoliert voneinander.”

  7. Kenia kann es

    Arte bietet “Country Queen” erneut an

    mit Update nachmittags

    Ich habe es schon mit Interesse gesehen, und war beeindruckt. Netflix Africa und das ZDF hatten kapitalgebend ihre Finger im Spiel. Produziert wurde aber kenianisch, und nicht schlecht:

    “Country Queen – Die junge Event-Planerin Akisa befindet sich mitten auf einer Feier der Bergbaufirma Eco Rock in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, als sie erfährt, dass ihr Vater schwer krank ist. Widerwillig macht sie sich auf den Weg zurück in ihr kleines Heimatdorf … – Emotional packende David-gegen-Goliath-Geschichte (2022), die durch Authentizität besticht.” 6 Folgen á eine Stunde. Verfügbar bis 30.9.

    Informativ ergänzend wertvoll dieses Interview der Deutschen-Welle-Akademie mit dem Regisseur:

    “Country Queen: ‘Unsere Geschichten überwinden Grenzen’ – Rund zwei Jahre nach Veröffentlichung von Country Queen erntet Kenias erste Netflix-Serie noch immer viel Lob. Die DW Akademie sprach mit Regisseur Vincent Mbaya über die Bedeutung der Serie für die Region.”

    Mich haben Story und Inszenierung überzeugt. Kurz rezensiert hatte ich sie hier. Zwar bin ich über Kenias Realitäten weitgehend ahnungslos – ausgenommen, was die Eisenbahn betrifft 😉 – aber in meiner Wissensarmut hatte ich den Eindruck, dass die Miniserie gesellschaftlich relevante Fragen verhandelt.

    Sehen Sie am besten selbst.

    Update nachmittags

    “Das rassistische Medienökosystem”

    – ein hässlicher Kontrast, ich weiss – gibt es nicht nur in Kleinbritannien. Es ist dort auch nicht hässlicher als hierzulande. Sondern genauso zum Kotzen.

    René Martens/MDR-Altpapier: “Journalisten unter Terrorverdacht – Im Rahmen einer Kampagne gegen den Soziologieprofessor Jason Arday veröffentlichten britische Medien innerhalb von 22 Tagen 249 Artikel. Am Freitag wurde Arday tot aufgefunden. Als Reaktion auf die ‘Hexenjagd’ fordert eine an den Premierminister gerichtete Petition nun eine Untersuchung.”

  8. Wie viel ist das ZDF noch wert?

    Der paradigmatische Streit der Demokrat*inn*en um “Die Anstalt”

    Zunächst zu Ihrer eigenen Meinungsbildung hier der Link zur TV-Sendung:

    “Die AntifAnstalt” (Video 70 min)

    Und hier eine zusammenfassende kritische Analyse des Streits von René Martens/MDR-Altpapier:

    “Ein höchst problematischer Umgang mit der eigenen Freiheit – Das ZDF habe den Auftritt von Danger Dan mit dem Lied ‘Kein Angst’ ‘richtigerweise abgesetzt’, meint die SZ. Der ‘Spiegel’ hält das Stück für ‘scheußlich’. Die andere Seite findet, der Sender sei mit der Entscheidung seinem Auftrag nicht gerecht geworden und habe die historische Rolle der Öffentlich-Rechtlichen als Bastion gegen einen neuen Faschismus missachtet.”

    Hören Sie ergänzend dazu aus der letzten Nacht Matthias Dell/DLF-Kultur: “‘Wir haben verloren.’ ‚Die AntifAnstalt‘ im ZDF-Stream”, Audio 9min, im Radio gesendet während des WM-Finales.

  9. Keine*r hört euch zu!

    Deutsche Mediendiätförderung

    Mit der Schlagzeile meine ich nicht die internationale Medienrecherche ohne deutsche Beteiligung, über die deswegen hierzulande auch nichts berichtet wird, ausser von René Martens/MDR-Altpapier, und weil ich gerade dabei bin, hier, bitte schön, können Sie das selbst lesen:

    “Wenn man sich schlampige Propaganda leisten kann – Im Februar dieses Jahres scheiterte das Königreich Marokko endgültig mit einem juristischen Angriff auf deutsche Medien, die recherchiert hatten, wie das Regime die Überwachungssoftware Pegasus einsetzt. Nun gibt es neue Enthüllungen. Und ein schon etwas älteres Recherche-Großprojekt zu vermeintlichen Erklärvideos der israelischen Armee wird jetzt endlich gewürdigt.”

    Diese Ignoranz der deutschen “vierten Gewalt” ist für sich schon eine exzellente Mediendiätförderung. Ich meine damit hingegen die WM-Berichterstattung, zu der wir nur von Glück sagen können, dass sie überwiegend ebenfalls ohne deutsche Beteiligung stattfand, weil es sonst einen gesundheitsgefährdenden Overkill gegeben hätte.

    Die deutschen TV-Anstalten haben Mondpreise an die Fifamafia für die TV-Rechte gezahlt. Obwohl es ein europarechtliches Recht auf kostenlose Kurzberichterstattung gibt. Aber gut – Donald Trump würde sich darüber kaputtlachen. Sie haben also – mit unserem Geld – unermessliche Millionensummen gezahlt, und tapezieren damit ihr Programm. Andere kostenverursachende Alltagsarbeit wird eingestellt, Nachrichtenmagazine eingedampft. Zahlreiche Fussballrentner und wenige -innen, alte Buddys der sog. Fussballjournalisten und -reporter, werden, ebenfalls von unserem Geld, als “Expert*inn*en” zu komfortablen Honoraren engagiert, um in den Spiel- und Übertragungspausen, wenn sie nicht durch Werbung gefüllt werden, das Publikum kontinuierlich weiterzubeschallen.

    Die Medien wiederum, die nicht TV sind, sondern auf Bildschirmen oder Papier aneinandergereihte Buchstaben verbreiten, erregen sich ausführlich über das Geschwätzte. Wer hat wen beleidigt und warum? Erfreulich für diese Art nervenaufreibendes Business: der zukünftige Bundestrainer erschwätzte sich auf diese Weise seinen neuen Millionenjob. Niemand durfte zurückbleiben in der Disziplin, sich darüber das Hirn zu zermartern und die Medienöffentlichkeit ausführlichst damit zu belästigen.

    Schmerzfrei und realitätsblind, wie es sonst nur Jens Spahn und andere Politiker*innen seiner Kragenweite schaffen, merken diese – in der Regel recht fair honorierten – Aufmerksamkeitsökonomen nicht, dass sie von uns, dem Publikum nicht die geringste Aufmerksamkeit bekommen. Und selbst wenn, dürfen sie es nicht zugeben, weil es ja ihren lukrativen Job untergraben täte … Während sie sich vor Kameras spreizen und auf Studiosofas den Hintern plattsitzen – beim ZDF sah das täglich unfreiwillig satirisch aus – sind wir auf dem Weg zum Klo, Kühlschrank oder Grill. Und wenn wir das nicht sind, sitzen wir mit Freund*inn*en zusammen, diskutieren das Spiel, die Spieler oder ganz andere, viel wichtigere Neuigkeiten.

    Zugehört haben wir nur zwischen Anpfiff und Abpfiff. Gezwungenermassen. Denn was interessiert, ist das Spiel. Ich selbst habe von den 104 Partien nur 5 oder 6 komplett geguckt. Spanien-Frankreich war darunter, zwangsweise bei Telekoms “Magenta”, weil mein Fussballwirt das abonnieren musste. In den letzten 10 Minuten habe ich (Ungläubiger!) gebetet, dass es endet, weil ich das pathostriefende Gebrüll des leitenden Telekomangestellten am Mikrofon (Name zum Glück vergessen) nicht mehr aushielt.

    Ein Fall für Jürgen Roth! Bitte richte ihn hin, Du weisst, wie ich das meine.

    Die alte Reporterweisheit von Ernst Huberty – “Erzähle den Zuschauern nicht, was sie schon sehen!” – ist mausetot. Der Lärm darf nicht aufhören.

    Bei der grössten Medienveranstaltung der Welt wurde über 6 Wochen inszeniert, was die ehemalige Beuelerin Annika Schneider/uebermedien aktuell (noch eine Woche hinter Paywall) so charakterisiert, und damit den Nagel der aktuellen deutschen Denokratiekrise auf den Kopf trifft:

    “Sommerpressekonferenz mit Kanzler Merz: Viele Journalisten, wenig Journalismus – Obwohl es kaum etwas zu berichten gab, haben wieder alle drüber berichtet: die Sommerpressekonferenz mit Kanzler Merz. Mit kritischem Journalismus hat das jährliche Ritual wenig zu tun. Presse und Politik nutzen es für die Selbstinszenierung.”

    Die Zeit wird immer knapper. Besser sie anders zu nutzen.

  10. Kolumne: Das Altpapier am 14. Juli 2026 – 16, 15, 14 … 13

    AUDIO: EU-Expertenbericht für Social-Media-Zugangsbeschränkung bis 13 Jahre (6 Min) Kolumne: Das Altpapier am 14. Juli 2026 Stand: 14.07.2026…
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    europesays.com/europa/68081/

  11. Warum so heiss?

    Ein wenig habe ich in Physik aufgepasst

    Zwei Drittel der äusseren Fläche unseres Planeten sind von Ozeanen bedeckt. Wenn wir die kochen, liebe Frösche, sind wir tot. Hier an den Beispielen des Mittelmeeres und des Atlantiks, wie weit wir es, im Bündnis mit unserem Stern, der Sonne, schon gebracht haben:

    Arte (schon 2023): “Mit offenen Karten: Das Mittelmeer: Ein bedrohtes Ökosystem – ‘Mit offenen Karten beschäftigt sich diese Woche mit dem Mittelmeer. Allerdings geht es nicht um Traumstrände oder Luxuskreuzfahrten, sondern um ein Meer in Gefahr: Zubetonierte und überbevölkerte Küsten und Wasserverschmutzung. Einem zunehmenden Umweltbewusstsein ist es zu verdanken, dass nun Schutzmaßnahmen getroffen werden, insbesondere die Errichtung von Meeresschutzgebieten.” Video 13 min. Verfügbar 4 1/2 Jahre.

    Natürlich ist es eine Projektion meinerseits, aber sie gefällt mir. Das “bedrohte Ökosystem” wehrt sich. Bei Gibraltar kapern delinquente halbwüchsige Orcas menschliche Segelboote. Video 53 min. Noch bis 16.8. verfügbar. Und hier ihre Verbündeten:

    Micaela Taroni/WAZ: “Gefährliche Begegnung: Hai-Alarm im Mittelmeer: Warum kommen die Tiere Italiens Küsten so nah? – Von Sardinien über Sizilien bis zur Toskana häufen sich die Hai-Begegnungen. Woran das liegt und welche Arten uns gefährlich werden können.”

    Dä. Sowas kommt von sowas. (Aber dieser Link verschwindet in einigen Tagen in einer “linksradikalen” Paywall.)

    Zur aktuell-akuten Vernichtung “unserer Werte” versäumen Sie bitte nicht René Martens/MDR-Altpapier: “‘Wir haben uns entschieden, auf die Scharlatane zu hören’ – Wie ist die wütend vorgetragene Realitätsverweigerung beim Thema Hitze zu erklären? Sprechen wir zu wenig über Hitzetote? Warum versiegeln wir immer weiter die Natur und bauen noch Straßen?”.

    Ist es schon zu spät für Menschen auf diesem Planeten? Oder doch nur für Deutschland und seine strunzdumme Regierung?

  12. Mediendiät andersrum

    Aus gesundheitlichen Gründen – für Sie und mich

    Die gegenwärtige Wetter- und Klima-Lage führt zu gesundheitsschädlicher Erhitzung, auch und gerade der Hirne. Als ich heute nach dem Aufwachen erfuhr, wer im Auftrag des WDR die Leitung der Monitor-Redaktion übernimmt, und kurz danach dieses MDR-Altpapier las:

    René Martens: “Die Missionare der ARD – Kai Gniffke, Intendant des SWR, und Jörg Schönenborn, bald Moderator der ‘Tagesthemen’, sind der Ansicht, dass die Journalisten, insbesondere öffentlich-rechtliche, problematische ‘Reflexe’ haben. Zum Beispiel den ‘Lebenswirklichkeitsreflex’ und den ‘Rollenreflex’.”

    war mein Entschluss unumgänglich. Soll ich aufhören, zur rundumdämlichen deutschen Medienpolitik zu schreiben? Nein, im Angesicht von 2-3 drohenden 40-Grad-Tagen ist es besser, garnichts mehr zu schreiben. Erhitzung, Verbitterung und Zynismus gehen eine gesundheitsschädliche Verbindung ein – für mich als Autor und für Sie als Leser*in.

    Ich schreibe wieder, wenn die Tageshöchsttemperaturen in Beuel unter 30, und noch wichtiger: die Tiefsttemperaturen stabil unter 20 Grad fallen.

    Mann gönnt sich ja sonst nichts.

    Halt: doch noch eine gute Nachricht

    Die von mir sehr geschätzte Filmemacherin Regina Schilling hat mit Hauptdarstellerin Sandra Hüller einen Film über Ingeborg Bachmann gedreht: “Jemand, der einmal ich war“. Der zieht mich mehr an, als das alljährliche Spektakel, das der TV-Sender 3sat für seine Markenbildung alljährlich in Klagenfurt veranstaltet. Im WDR3-Mosaik lief heute früh eine sehr positive Rezension, die der Sender aber auch 3 Stunden später noch nicht geschafft hat, online zu stellen. Der Verantwortliche für solches Organisationsversagen s.o. bei Martens.

    Hervorragend gefüllt wird diese Leerstelle durch diese Gesamtwürdigung der 100.-Geburtstag-Feierlichkeiten von Dierk Saathoff/Jungle World:

    “Arbeit? Schriftstellerin! – Die Person Ingeborg Bachmann ist in der Öffentlichkeit viel diskutiert worden, ihr Schreiben im Vergleich dazu wenig. Eine Reihe an neuen Biographien und ein Dokumentarfilm über die österreichische Schriftstellerin, die am 25. Juni ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte, lassen es nun auch zu, ihr Werk, allem voran ihren Roman »Malina«, nicht mehr rein autobiographisch oder akademisch zu lesen, sondern als die Arbeit einer großen und radikalen Autorin.”

  13. Das Privileg des Alters

    In einem Gespräch mit einer gleichaltrigen Freundin stellte ich gestern beim Mittagessen die steile These auf, dass “wir” – zu unserem grossen Glück – die Klimakatastrophe “nicht mehr erleben” werden. Mmh, obwohl ich es durchaus für realistisch halte, dass mein persönliches Ableben in einem der kommenden Hitzesommer stattfinden wird. Letzterer Verdacht wird ganz aktuell durch die laufenden Motoren verstärkt, die im Beueler Combahnviertel die Atemluft aromatisieren, in dem irrigen, aber unausrottbaren Glauben, dem allgegenwärtigen Autostau dadurch einige Sekunden Lebenszeit abzuringen. Wie kommichdrauf?

    René Martens/MDR-Altpapier schrieb zum Thema Journalismus und Klimapolitik mal wieder durchgehend richtig: “Der Unterschied zwischen Selbstbewusstsein und Selbstgefälligkeit – Der Vertrauensverlust der Medien hat möglicherweise auch damit zu tun, dass Journalisten sich ihre Themensetzungskompetenz ausreden ließen – und einreden ließen, es wäre paternalistisch, das Publikum mit Inhalten zu konfrontieren, die es nicht nachfragt.”

    Brückenpanik in Bonn – coming soon: Wasserpanik in Berlin

    Weil deutsche Medien so sind, ist auch die Politik so, wie sie ist. Sarkastisch schreiben selbst Leserbriefschreiber, dass die jetzt aktenkundigen Brückenschäden eindeutig “völlig überraschend” und “überhaupt nicht zu erwarten” waren. Wie hätte mann darauf kommen sollen? Eine Möglichkeit wäre die Befragung von Fachleuten gewesen. Aber wer hat denn heutzutage für sowas noch Zeit? Und entsprechend gross ist die Aufregung, geschäftstüchtig befeuert von ebenden Medien, die darauf hätten aufmerksam machen können, bevor der jetzige für sie geschäftsfördernde Schaden auftritt.

    Anderes Beispiel: so, wie in Bonn derzeit die lange absehbare Brückenpanik ausgebrochen ist, so wird in Berlin in Kürze Wasserpanik ausbrechen. Das Stadtgebiet ist durch alle Wetterperioden hindurch im Dürremonitor jederzeit gut zu erkennen. Und da sich die Braunkohlekonzerne schon immer einen schlanken Fuss gemacht haben, und dabei tatkräftig von Bundes- und Landesregierungen unterstützt werden, sitzen die Berliner*innen demnächst auf dem Trockenen. Aber vom Klimawandel – s.o. René Martens – nichts hören oder sehen wollen. Mein Rat: lassen Sie die Finger von Berliner Immobilien! 😉

    Der von Martens absolut richtig analysierte Sachverhalt scheint den Status eines physikalischen Gesetzes zu erlangen – der Bonner Brückenschaden läuft exakt so ab, wie der globale Klimaschaden – obwohl er doch ein reines menschlich absolut beeinflussbares Produkt von Politik und sozialem Handeln ist. Selbstverständlich muss jetzt “alles” dafür getan werden, dass der Autoverkehr irgendwie wieder fliessen kann – Klima hin oder her … Wiekommichdrauf?

    Von George Sand lernen

    Die gleichen Fragen muss sich vor knapp 200 Jahren schon die Schriftstellerin Aurore Dupin, die sich als erwachsene Frau “George Sand” nennen liess, gestellt haben. In der Jungen Welt steht ein absolut lesenswertes Porträt der Dame von Stefan Ripplinger: “Sozialistische Literatur: Ketzerkommunismus – Vor 150 Jahren starb die Schriftstellerin George Sand. Sie rief eine revolutionäre »Kirche der Zukunft« aus und setzte ganz entschieden auf Gewalt”. Nur einige Tage paywallfrei.

    Über Madame Sand ist mir dunkel ein weit launigerer Beitrag unseres Autors Hans Conrad Zander in Erinnerung. Das kann aber eine Täuschung meinerseits sein. Ich befrage seine Erinnerung und lasse Sie das Ergebnis wissen.

    Am Schluss ist Stefan Ripplinger eine besonders tröstliche Formulierung gelungen: “Diese Entfernung von der Geschichte ist vielleicht das Privileg des Alters und kann ohnehin ein beeindruckendes Werk nicht ungültig machen. Es gebe niemanden auf der Welt, der in seinem Leben so viel geträumt und so wenig gehandelt habe wie sie, notiert George Sand in der Autobiographie. Tatsächlich hat sie gehandelt, als sie träumte.”

  14. Affenscheisse

    “Immer öfter begegnen inzwischen auch wir unserem Endgegner: uns selbst”

    So sprach Friedrich Küppersbusch bei schönstem Sommerabendwetter vor 2,8 Mio. Zuschauer*inne*n als “Irgendwer mit Medien” in der “heute-show” (ab Minute 10); eine der stärkeren Ausgaben dieses nicht immer erträglichen Satireformats. Leute vom Fach stellten tags darauf die These auf, der gute Mann denke nicht nur zu schnell, er spreche auch so. Da sind Mediathek-Zuschauer*innen im Vorteil: mit 0,75 Geschwindigkeit klappts auch für die Älteren.

    Und wenn Sie nun rätseln, was er damit gemeint haben könnte, dann hilft Ihnen René Martens/MDR-Altpapier weiter:

    “Bizarre Journalisten entsorgen ihren Beruf – Die Berichterstattung nach dem Ende von Stephen Colberts Show bei CBS wirft die Frage auf: Sind Formulierungen wie ‘Kritiker sagen’ oder ‘Kritiker vermuten’ Ausdruck von Arbeitsverweigerung oder eher einer bewussten Irreführungsstrategie?”

    Dä. Und jetzt Bürger*in: Sie!

    Meine Konsequenz wäre: Armin Wolf, bisweilen werktags 22 h auf 3sat zu sehen, sofort abwerben!

    Überraschung: was Gutes im Medium

    Nach so viel Affenscheisse brauchen Sie Aufmunterung. Meine Empfehlung:

    “The Persian Version” (Video 103 min)

    vom ZDF nachts versenkt, auch in der Mediathek nicht leicht zu finden. Dabei hat dieser US-Film von 2023 seinerzeit den Publikumspreis des weltberühmten Sundance-Festivals gewonnen. Mit Recht, ich hätte mitgestimmt.

    Und das Beste ist: die Story ist gar nicht erfunden. Die geniale Alleskönnerin Maryam Keshavarz will vieles davon selbst erlebt haben. Ich kann zumindest bestätigen, dass ich viele Erlebnisse und Erzählungen iranischer Freund*inn*e*n in diesem tollen Film wiedererkenne.

    Die starken, schönen Frauen sind in der Lage, den männlichen Heterosexuellen zu betören, obwohl doch – oder weil – viele gar nicht heteronormativ sind und sein wollen 😉 . Bitte schlabbern Sie auch den Abspann mit der Musik von Rostam Batmanglij nicht.

    Ein Gesamtkunstwerk, das die Absurdität der politischen Wirklichkeit brutal erkennbar macht, und uns als ihre Betrachter*in stärkt statt schwächt. Das ist politische Kunst.

  15. And I Like It

    Die Effekthascher der Medienwelt

    Klar, dass der Spiegel da in der ersten Reihe spielt. Fünf Zeilen aus einem aussergewöhnlich tiefgehenden Juliette Binoche-Porträt des Guardian werden aufgeblasen. Mein Tipp: lesen Sie lieber das Original. Da lernen Sie was über Kunst.

    Owen Myers/Guardian: “‘I told him, ‘Go ahead, do it’: Juliette Binoche on how a strangling attack as a teen inspired her directorial debut – The French actor steps into unfamiliar – and bracingly raw – territory with In-I In Motion after four decades reigning the international arthouse. You have to go out of your comfort zone, she says, ‘otherwise you become a prude’”.

    Barcas Schönheit

    „Més que un club“ hat mal wieder die spanische Fussballmeisterschaft (der Herren; die Frauen gewinnen sowieso) gewonnen. Die deutsche Presse feiert das hinter Paywalls. Ausser

    Florian Haupt/taz: “FC Barcelona wird spanischer Meister: Papas zweites Meisterstück – Der FC Barcelona sichert sich durch ein 2:0 gegen Real Madrid den Titel. Trainer Hansi Flicks Fußball begeistert ebenso wie seine Führungsqualitäten.”

    Diese journalistische Hymne ist durchaus fachgerecht. Weil ich ihr vollständig zustimme, möchte ich jedoch eine Kritik ergänzen. Denn dieser beste und schönste Fussball der Welt ist dennoch im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden – gegen die zweitbeste Mannschaft aus Madrid. Weil der dienstälteste Spitzentrainer Europas, der Argentinier Diego Simeone, ihn entschlüsselt hat. Die Gesamtbilanz gegen diesen Gegner ist bescheiden. Bei Barca-Fans ist er zurecht verhasst, weil er ein Zerstörer der Schönheit ist.

    Warum ihm dieses Teufelswerk gelingt, und in der Vorsaison im Halbfinale schon Inter Mailand gelang (in zwei Partien, die in die Lehrbücher des besten Fussballs der Welt gehören; unmittelbar danach erlitt ich meinen Herzinfarkt), ist im Spiel einfach zu erkennen. Die Abwehrreihe von Flicks Barca-Fussball steht so hoch, dass sie für erstklassige Konter immer überwindbar ist. Wenn es in 90-95% der Fälle Abseits ist, bleiben 5-10%, die zum Gegentor führen können. Und es oft auch tun. Das wusste schon Hennes Weisweiler 1965, weswegen er 1969 Sieloff und Müller (“Luggi”) nach Mönchengladbach holte.

    Entweder Flick lernt von Weisweiler, oder sein Team bleibt immer nur eine der besten Mannschaften der Welt. Aber die Schönste.

    Und jetzt wirds ernst

    Keine schöne Nebensache, sondern eine Hauptsache deutschen Medienwesens:

    René Martens/MDR-Altpapier: “Neue Grenzüberschreitungen – Die ‘Tagesschau’ bezeichnet Gleichberechtigung als ‘strittiges Thema’ – als wäre Artikel 3 des Grundgesetzes verhandelbar. Und der Chefredakteur von ‘ARD aktuell’ sieht kein Problem darin, ‘Nius’ in den ‘Tagesthemen’ zu Wort kommen zu lassen, solange das ‘eingeordnet’ wird.”

    Der beste Kommentar dazu findet sich in der taz-Karikatur (nur heute auffindbar) von Dorthe Landschulz.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  16. “Wenn wir nicht mehr da sind, wird keiner mehr gerettet”

    Wollen Sie sich Ihr Wochenende verderben? Dann lesen Sie das:

    René Martens/MDR-Altpapier: “Eine alte Frage des Kriegsjournalismus – ‘Die Leute haben keine Ahnung, was mit dem Körper eines Kindes passiert, das bombardiert wird’, sagt ein auf die Behandlung kriegsversehrter Kinder spezialisierter Chirurg in der ARD. Dennoch muss man versuchen, dieses Leid zu vermitteln. Aber wie? Wie berichtet man generell über Krieg, ohne die Opfer zu Objekten zu machen?”

    Auf Montag verschieben, ist auch eine Option. Ignorieren nicht.

    Rechtes Fernsehen

    Das deutsche Fernsehen macht mit bei der rechten Zeitenwende. Wo Sie es finden, sagt Ihnen Friedrich Küppersbusch bei den nicht immer lustigen Pausenclowns der heute-show (ab Minute 30; 3,7 Mio. guckten im linearen ZDF zu).

    Hausaufgabe: lohnt sich seine Verteidigung?

  17. Krieg als Kulissenschieberei

    mit Update mittags

    Es wäre komisch, ja albern und lächerlich – wenn es nicht so viele Opfer, Tote, Verstümmelte, Traumatisierte – mit sich brächte.

    René Martens/MDR-Altpapier: “Online-Radikalisierung als Staatsräson – Wenn es einer kriegführenden Regierung vor allem darum geht, spektakuläre Grausamkeiten für die digitalen Ökonomien zu produzieren: Sind für den Journalismus solche Entwicklungen mit den herkömmlichen außenpolitischen Kategorien überhaupt analysierbar?”

    Während “Europa” in Gestalt von von der Leyen (EU-Kommission), Weber (EVP) und Merz die Nähe von Trump und seinen Jüngern sucht, weiss der nicht, wie er zuhause noch Wahlen überstehen soll – sofern er die stattfinden lassen muss …

    Wer leistet Widerstand? (mehr dazu hier am Nachmittag als Update).

    Update

    Zunächst: welchen Widerstand?

    Ich sehe zwei Möglichkeiten: den kommunikativen Rahmen so akzeptieren, wie er ist, weil der Versuch, ihn zu revolutionieren, sowieso zwecklos ist. So agieren derzeit nach meinem Eindruck alle relevanten Parteien, wählbare wie unwählbare.

    Auf dieser Basis sollten und können Cem Özdemir und die Jungen Grünen. sich zusammentun. Bei der Inszenierung ihres angeblich “fundamentalen” Konflikts miteinander schaffen sie vor allem eines: Aufmerksamkeit. Beide Seiten funktionieren auch exakt so. Inszenierung: 1a. Veränderung gesellschaftlicher Machtverhältnisse: NULL. Wenn Özdemir gut beraten ist, und beratbar ist er meines Wissens, wird er die Schlauesten dieser Jungen Grünen – vermutlich geräuschlos – in seine Staatskanzlei locken und dort mit Arbeitsverträgen ausstatten.

    Auch bei der Linkspartei beherrschen sie diese Klaviere zumindest hinreichend dafür, dass sie als Partei nicht getötet werden. Heidi Reichinnek ist mehr als bekannt, und Jan van Aken kann in den alten Medien ganze Sätze unfallfrei formulieren, ohne sich in die zahlreichen gestellten Fallen zu verirren.

    Das aber tun seine Mitglieder in Westberliner Bezirken und anderswo. Es funktioniert einfach zu gut, zur Freude alter und neuer Medien. Und das nicht nur in Westberlin, sondern in allen europäischen Schlüsselländern: wirf den Linken (gesellschaftlich, nicht nur die Partei dieses Namens) einen Israel/Antisemitismus/Palästina/Gaza/Völkermord-Knochen hin, und sie sind so mit ihrer inneren Rechthaber-Erregung ausgelastet, dass sie bei landesweiten Wahlen kein wirkliches Problem mehr darstellen.

    England, Frankreich, Spanien können auf diese Weise alle (noch weiter) nach Rechts kippen. Die jetzigen Regierungen haben mit ihrer neoliberalen Wirtschafts- und Sozialpolitik den Rechten den Teppich ausgerollt. Und wenn es nicht so ist, stellen die Linken sich selbst ein Bein.

    Damit wäre “meine” Alternative schon erledigt

    Denn die hätte nur europäisch eine Machtoption: die asozialen US-IT-Konzern-Netzwerke werden ebenso mit Regulierung bekämpft und bei Bedarf gefeuert, wie die chinesischen und russischen. Stattdessen werden diskriminierungsfreie, bürgerrechtsorientierte, datensparsame und datenschutzfreundliche europäische Kommunikationsplattformen in öffentlichem Besitz und Verwaltung aufgebaut und politisch gefördert.

    Weil Kommunikation kein Wirtschaftsgut ist, sondern Daseinsvorsorge – für alle Bürger*innen und die Demokratie als System.

    Auf diese Weise wäre Europa eine emanzipatorisches und menschenrechtliches Angebot für die ganze von autoritärer Herrschaft gequälte Welt – “Soft-Power”, die auch ökonomisch manchen Vorteil mit sich brächte.

    “Der Chinese” wäre nicht amüsiert. Denn er ist auf der Gewinnerstrasse. Die Trump-USA und EU-Europa sind so ineinander und miteinander verkeilt, dass sie sich ökonomisch und sozial selbst ruinieren. Die gesperrte Hormuz-Strasse ist zwar für China und ganz Asien ein schmerzhafter Nadelstich. Aber China installiert jetzt schon mehr erneuerbare Energien als der Rest der Welt zusammengerechnet. Und dann sind da noch die “Seltenen Erden”. “DER Chinese” muss also nur ruhigbleiben. Er überfällt ja noch nicht mal Taiwan. Denn es könnte nicht besser laufen. Frage an Gilbert Kolonko: weisst Du, wie der Modi darüber denkt?

    Und ich heissblütiger Rentner muss einsehen: wo sind die, die das umsetzen? Ich kenne keine. Von der Leyen, Weber, Merz, Farage, Le Pen und Meloni sind auf dem Weg unter den Mantel des Donald-Regimes. Eine politikmächtige linke Alternative ist nirgends in Europa zu erkennen. Die Linken sind ja schon für nationalstaatliche Macht zu doof.

    Müssen wir also auf die US-Wähler*innen hoffen? Schon vor den Midterm-Elections, die erst für Anfang November anstehen, versuchen die herrschenden Medien bereits personelle “Alternativen” zum niederlagenbedrohten Trump hochzuschreiben, die eine wichtige Bedingung erfüllen müssen: sie dürfen nichts mit den Alternativen von Bernie Sanders, Alexandria Ocasio-Cortez oder Zohran Mamdani zu tun haben. Denn das liefe womöglich auf Klassenverrat raus. Und welcher*m Milliardär*in, fast alle in aufrüstungsaffinen IT-Konzernen investiert, würde das gefallen?

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  18. Das fossile Fukushima

    Der Irankrieg und die Energiepolitik

    Geschichte wiederholt sich nicht? Doch. Immer wenn die CDU den alten Energiekonzernen gefällig sein will, kommt die Weltgeschichte dazwischen. Das war am 11. März 2011 so. Und ist es seit dem 1. März 2026 wieder so.

    Der Angriff der USA und Israels auf den Iran im März 2026 droht für die Energieversorgung Europas ähnliche Folgen zu haben, wie Putins Überfall auf die Ukraine.

    Am 09. März sprang der Ölpreis zum ersten Mal seit langem auf über 100 Dollar pro Barrel. Der Gaspreis verdoppelte sich auf über 60 Euro die Megawattstunde. Es zeugt vom wirtschaftlichen ‚Sachverstand‘ der Bundeswirtschaftsministerin, wenn Katherina Reiche erklärt, es gäbe kein Mengen- sondern „bloß“ ein Preisproblem.

    Die Preise sind schlechte Nachrichten für Unternehmen, die heute schon unter hohen Energiepreisen leiden. Es wird teuer, die leeren Gasspeicher zu diesen Preisen aufzufüllen. Am Ende wird Heizen teurer. Und es sind schlechte Nachrichten für Autofahrende. Bild hat schon die „Tankwut“ ausgerufen..

    Noch können E-Auto-Besitzer an den verärgerten Tankstellenkunden fröhlich winkend vorbei fahren. Bleibt jedoch der Trend beim Gas, steigt auch der Strompreis. Für ihn ist die letzte eingespeiste Kilowattstunde entscheidend. Ist sie aus einem Gaskraftwerk, wird es teuer. Davor sind nur diejenigen gefeit, die einen Großteil ihres Stroms aus einer eigenen Solaranlage beziehen und damit fahren oder heizen.

    Fossiler Rollback

    Dieser Krieg trifft Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Katherina Reiche völlig unvorbereitet. Anstatt Deutschland und Europa entschlossen zu modernisieren, es zu dekarbonisieren und damit unabhängiger von fossilen Energien zu machen, setzten sie auf eine nostalgische Energiepolitik. Es wird von Kernfusion fantasiert und über kleine Atomreaktoren räsoniert. Weil die erst in Jahrzehnten kommen und nicht wettbewerbsfähig sind, setzt Schwarz-Rot auf eine Laufzeitverlängerung für Fossile.

    – Ausgerechnet als die E-Autos von Volkswagen die Teslas aus Europas Verkaufslisten zu verdrängen begannen, sollten Verbrenner länger zugelassen werden. Schwarz-Rot stufte Hybride, die auf der Straße viermal so viel CO2 ausstoßen als in ihrer Zulassung steht, als ‚klimaneutral‘ ein.

    – Die Vorgabe, dass 65% der Wärme erneuerbar sein muss, soll mit dem „Teuer-Heizen-Gesetz“ (Grüne) entfallen. Auch die Fernwärmeanbieter werden davon befreit. Die steigenden Gaspreise landen so in den privaten Haushalten, wenn es die kommunale Wärmeplanung oder der Vermieter so will. Dem Erdgas sollen „grüne Gase“ zugemischt werden. Zu diesen Gasen zählt Wasserstoff, der mit Erdgas erzeugt wurde und dann dem Erdgas wieder beigemischt wird. Unsinnig, aber teuer.

    – Statt Anreize für den Netzausbau zu schaffen, soll es ins Belieben von 800 örtlichen Verteilnetzbetreibern gestellt werden, ob sie Erneuerbare und Speicher ans Netz lassen. So werden nicht Netzausbau und Erneuerbare synchronisiert, sondern der Zubau von Erneuerbaren wird ausgebremst und Chancen für ein stabileres Netz liegengelassen.

    – Ungerührt sieht Katherina Reiche zu, wie die nächste Ausschreibung für Off-Shore-Wind leerläuft. Der drohende Fadenriss bei Off-Shore gefährdet 50.000 Arbeitsplätze in Norddeutschland.

    – Der Anreiz, zusätzliche Kapazitäten für PV-Strom auf privaten Dächern zu installieren, soll entfallen. In Zeiten, in denen Balkonkraftwerke boomen, sollen Haushalte von der EEG-Einspeisevergütung ausgeschlossen werden.

    – Auf Druck Deutschlands versprach die EU Donald Trump, Flüssiggas im Wert von 750 Milliarden zu kaufen.

    Selten sind die Interessen der Gaswirtschaft so eins zu eins von einer Regierung umgesetzt worden, wie durch die heutige Wirtschaftsministerin und ehemalige Gasmanagerin Katherina Reiche. Wer bei Trump und Musk den Kopf darüber schüttelte, wie unverfroren politische und wirtschaftliche Interessen verquickt werden, lernt nun, dass es das nicht nur in USA gibt.

    Fukushima

    Der Kampf um eine fossile Laufzeitverlängerung hat einen Vorläufer: Den Kampf der vier großen Energieunternehmen um eine atomare Laufzeitverlängerung 2011. E.on, RWE, Vattenfall und EnBW hatten den Ausbau der Erneuerbaren ignoriert und kräftig Marktanteile und an Unternehmenswert verloren. Um das auszugleichen, sollten ihre abgeschriebenen Atomkraftwerke länger laufen. Länger, als sie selbst im Atomkonsens von 2001 vertraglich zugesichert hatten. Solange diese Altanlagen ohne Kapitalkosten und mit geringen Personal- und Brennstoffkosten unfallfrei liefen, galten sie als „cash-cows“.

    Die gut finanzierte Kampagne der Energiekonzerne war erfolgreich. Die 2009 gewählte schwarz-gelbe Koalition vereinbarte, den Atomkonsens aufzukündigen und die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern. Dagegen demonstrierten Hunderttausende in Berlin, Gorleben und anderswo. Doch 2010 peitschte die Regierung von Angela Merkel das Gesetz durch den Bundestag.

    Doch Atomkraft funktioniert nicht unfallfrei. Am 11. März 2011 explodierten – ausgelöst durch einen Tsunami – die Reaktorblöcke in Fukushima. Die Hoffnung der Atomkonzerne auf einen Milliarden-Extraprofit zerstieb in einer Knallgaswolke.

    Mochte die Physikerin Angela Merkel der Atomkraft nicht völlig abgeneigt sein, eines hat sie immer vermieden. Sie ist nie zweimal gegen die gleiche Wand gerannt. Unter der Leitung von Klaus Töpfer wurde eine Kommission eingesetzt. Diese befand mit Zustimmung von BDI und IG Chemie, dass das Risiko der Nutzung der Atomkraft nicht unbegrenzt verantwortbar ist und empfahl zum rot-grünen Konsens von 2001 zurückzukehren.

    Palliative Wirtschaftspolitik

    Heute kämpft wieder eine Industrie mit einem nicht zukunftsfähigen Geschäftsmodell dafür, noch etwas länger Geld verdienen zu dürfen.

    2011 wussten die Atomkonzerne, dass niemand ein neues Atomkraftwerk bauen würde. Es wäre viel zu teuer und nicht wettbewerbsfähig gewesen. E.on und RWE hatten eine erteilte Genehmigung für ein neues Atomkraft in Großbritannien sogar zurückgegeben.

    2026 weiß die Gasindustrie, dass sie – trotz Trump – dauerhaft mit dem Verkauf von Erdgas keine Geschäfte machen wird. Physik, Ökonomie und Klimaschutz sprechen dagegen. Eine Wärmepumpe liefert mit einer Kilowattstunde Strom dreieinhalb Kilowattstunden Wärme. Doch während die Gaspreise explodieren, sinken die Kosten für erneuerbaren Strom.

    Dieser in Deutschland mit dem EEG ausgelöste Effekt hat globale Folgen. 2024 waren 92,5 Prozent aller weltweit neu installierten Stromkapazitäten erneuerbar. Kohle-, Öl-, Gas- und Atomkraftwerke teilten sich zusammen noch eine Marktnische von 7,5 Prozent. Die Zahlen für 2025 sehen ähnlich aus.

    Das ist einer der Gründe, warum die Autoindustrie weiß, dass der Verbrenner keine Zukunft hat. Europas Autoindustrie wird nur überleben, wenn sie sich schneller und nicht langsamer auf E-Mobilität umstellt. ‚Tankwut‘ war dann mal.

    Merz, Klingbeil und Reiche aber praktizieren das Gegenteil. Anstatt den Wandel zu forcieren, bestrafen sie Vorreiter. Erneuerer werden ausgebremst, nicht wettbewerbsfähige Geschäftsmodelle subventioniert. Schwarz-Rot betreibt palliative Wirtschaftspolitik für nicht zukunftsfähige Geschäftsmodelle.

    Resilienz

    Das alles war schon vor dem Irankrieg richtig. Die vom Irankrieg ausgelöste Ölkrise aber offenbart eine weitere Dimension. Es geht um Europas Resilienz und Souveränität. Es ist nicht Zufall, sondern Strategie, dass Trumps Kriegslust mit dem Vorhandensein von Öl- und Gasquellen korreliert, ob in Venezuela, in Nigeria, in Grönland oder im Iran.

    Es geht den USA um „Energie-Dominanz“. Dafür muss ihre Fähigkeit, global Preise zu gestalten gesichert werden. Europa soll in Abhängigkeit von fossilen Energien gehalten werden. Verteuert ein Krieg die Öl- und Gaspreise für den großen Rivalen China ist das willkommen. Willkommen ist auch, dass von gestiegenen Gaspreisen die US-Frackingindustrie profitiert. Sie kassieren Milliarden an Windfallprofits ein. Ihre halbe Milliarde Spenden für Trumps Wahlkampf war eine lohnende Investition.

    Zahlen müssen die Zeche Asien und Europa. China reagiert auf die fossile Energiedominanz der USA mit einer konsequenten Strategie: Elektrifizierung und Ausbau der Erneuerbaren. Die Hälfte der globalen Erneuerbaren der letzten zwei Jahre ging in China ans Netz.

    Schwarz-Rot hingegen versucht sich im fossilen Rollback. Der wird für Deutschland sehr teuer, wie die aktuelle Irankrise zeigt. Er ist ein Angriff auf Europas Souveränität. „Europäische Souveränität“ war die Botschaft von Friedrich Merz auf der diesjährigen Münchner Sicherheitskonferenz. Sie war seine Antwort, auf das Ende der transatlantischen Zuverlässigkeit. Doch dieser Erkenntnis folgt kein Handeln .

    Freiheitsenergien

    Der Irankrieg könnte das fossile Fukushima sein. Deutschland muss anfangen, resilienter zu werden. Wie 2011 Merkel kann es die Laufzeitverlängerung beenden – diesmal für Fossile. Es muss konsequent auf den Ausbau heimischer erneuerbare Energien setzen. Es sind „Freiheitsenergien“ wie sie Christian Lindner in einem selten hellen Moment mal nannte. Es gilt, moderne Industriepolitik zu betreiben statt palliativer Wirtschaftspolitik.

    Angela Merkel hat ihre 180-Grad-Kehre 2011 nicht freiwillig gemacht. Sie stand unter massivem Druck der öffentlichen Meinung. Diesen Druck gilt es 2026 angesichts des Irankrieges wieder zu organisieren. 1700 Unternehmen in Deutschland haben das begriffen.

    Dieser Beitrag ist eine Übernahme von der Homepage des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung. Lesen Sie ergänzend auch: René Martens/MDR-Altpapier: “Wenn Sender sich beugen – Ob hier zu Lande im Ersten Programm oder ZDF, ob bei NBC, CBS, ABC oder Fox: Die Klimaberichterstattung geht seit 2023 zurück. Ist eine Trendumkehr noch denkbar?”

  19. Von Hühnern lernen

    Journalismus ist möglich III

    Ich war 3. Hier beginnen meine bewussten Lebenserinnerungen. Ich war ein Vierteljahr bei meinen Grosseltern untergebracht. Sie lebten in einem Behelfsheim in Glinde bei Hamburg, mit einem idyllischen Garten und eine “Strasse”, die jeden Stossdämpfer der bereits frei herumfahrenden Autos bei über 20 km/h sofort ermordet hätte. Ein Kinderparadies also. Ich war mit 3 oben auf dem Hamburger Michel, der Hafen sah damals schon unfassbar grossartig aus, aber: untenrum am Michel, 15 Jahre nach dem Krieg, nur Trümmer und Zerstörung.

    In dem erwähnten Garten hielten mein Grosseltern in einem gut gesicherten Käfig einen Hahn und 4 oder 5 Hühner. Alle weiss. Nur eins war schwarz. Das war Pizzi und wurde meine Freundin. Denn es wurde von den Weissen immer erst als Letztes ans Futter gelassen. Und der böse Hahn war auch immer ganz gemein. Nach einigen Jahren erhielten meine Grosseltern eine Sozialwohnung in Glinde-Wiesenfeld, da, wo Jan van Aken aufgewachsen ist. Da war Schluss mit Hühnern, irgendjemand wird Pizzi gegessen haben. Kinderparadies war auch vorbei. Das wurde ersetzt durch einen sonnigen Westbalkon und einen funktionierenden Fernseher.

    Wie kommichdrauf?

    Mein heutiger Lieblingstext des Tages ist, ebenfalls nicht zum ersten Mal, von dem fabelhaften Landwirtschaftsreporter Florian Schwinn/overton:

    “Die Henne und das Osterei – Alle Jahre wieder feiern wir ein Fest der Eier oder wenigstens eines mit Eiern. Schon Wochen vorher bieten die Supermärkte bunt gefärbte gekochte Eier an. Schön in Plastikblister verpackt, damit man die Farben auch sehen kann. Je näher Ostern rückt, desto mehr Eier werden angeboten, auch frische in hoch gestapelten Kartons, daneben die Eierfarben zum Selberfärben.”

    Noch einer hat Misik gelesen

    Der hochgeschätzte Kolumnisten-Kollege René Martens/MDR-Altpapier hat, wie ich gestern, Robert Misik gelesen. Ähnlich kritisch, nur wesentlich kürzer angebunden formuliert.

    “Die Freiheit, andere zum Schweigen zu bringen – Viele vermeintliche Kämpfer für die Meinungsfreiheit sind ihre größten Gegner. Die Debatte um sogenannte Blasen ist auch schon lange kontraproduktiv. Und Wolfram Weimer macht wieder Wolfram-Weimer-Sachen.”

    Abgesehen davon, dass ich Autor Martens immer lesenswert finde, gibt es ein von ihm verwendetes Zitat, das mir heute eine besondere Erwähnung wert ist:

    Es ist ein Zitat des Tagesspiegel-Autors Sebastian Leber:

    “Weil Opfer dieser Angriffe meist allein gelassen werden, macht sich Vermeidungsverhalten breit. Politiker, Journalisten und Vertreter der Zivilgesellschaft achten darauf, bloß nichts von sich zu geben, das die Empörer für eine Kampagne nutzen könnten. Es zeigt sich ein klares Muster: Nicht nur Positionen werden von Protagonisten des Rechtsrucks bekämpft, sondern zunehmend auch das Recht, diese zu äußern.”

    Exakt dieses “Vermeidungsverhalten” berichtete mir ein freier Autor am letzten Samstag beim gemeinsamen Fussballgucken aus den Redaktionen der öffentlichen Medienanstalten als herrschende Stimmung und Leere. Wie ich gestern schon schrieb: ein Bild des Jammers.

    Meine individuelle Konsequenz ist Mediendiät. Politisch keine Lösung, ich weiss. Aber ich muss auf meine Gesundheit achten.

  20. Rechte Konstruktion

    Wie fast alle in die Falle der Rechten laufen

    Einige kluge Köpfe haben schon hinreichend erklärt, dass die Medienoligarchen unserer Zeit sich nicht mehr für Fakten interessieren, weil sie sie sich selbst machen. Logisch: wer die Medien beherrscht, beherrscht auch die herrschenden Wahrheiten. Die flutende Scheisse wird zum Fakt. Weil ihre Verbreiter es können. In unserem Zwergstaat haben das die meisten wichtigen Stellen und Leute immer noch nicht begriffen. Sie dackeln der Propaganda hinterher. Erst sind sie Wochen in Rückstand, dann Monate, dann Jahre, um zu begreifen, was da vor sich geht.

    Ein Stück “shit”, das die Rechten in die Diskursarena geworfen haben, und an dem fast alle Medien, auch viele, die sich für links halten, raufend zu nagen versuchen, ist dieses:

    René Rusch/uebermedien (seit gestern paywallfrei): “Jagd auf ein Phantom: Autor enthüllt Anti-Woke-Wahnsinn in deutschen Medien – Kennt man einen, kennt man alle. Texte über die angeblichen Gefahren von ‘Political Correctness’ oder ‘Wokeness’ klingen seit über 30 Jahren gleich: maximal alarmierende Thesen, kaum Belege. Und jetzt sollen die ‘Woken’ auch noch am Rechtsruck schuld sein. Höchste Zeit also für eine grundsätzliche Kritik an einem ewig jungen Trendgenre.”

    Zweifellos ist es legitim, sich darüber zu streiten, wie viel Kraft in Klassen- und andere soziale Emanzipationskämpfe zu investieren ist. Mann und Frau darf auch jederzeit hierzu zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Sich aber von Rechts in dieser Frage spaltend und blindwütig gegenneinander hetzen zu lassen – das ist vor allem ein desaströser Mangel an strategischer Intelligenz. Das gilt für alle Demokrat*inn*en und Medien diverser politischer Spektren. Es ist sonnenklar, und da stimme ich dem uebermedien-Autor vollständig zu, wen das amüsiert.

    Doch damit sind der Fallen, in die vorzugsweise demokratische Medien tappen, nicht genug. Sie fallen sogar auf die Wahrheitskonstruktion von Rechts rudelweise herein.

    René Martens/MDR-Altpapier: “Lügen haben lange Beine – Die Obsession deutscher Journalisten für die Wirklichkeitsverdrehungen der US-Regierung hat in der Berichterstattung über den Mord an der US-Amerikanerin Renee Nicole Good ein nicht für möglich gehaltenes Ausmaß erreicht.”

    “Nicht für möglich gehalten”? Zzz, da tut der Autor wohl naiver, als er ist. Aber das Entsetzen ist berechtigt. Und ein Richtungswechsel zur Vernunft ist in den herrschenden deutschen Medien nicht wahrnehmbar.

    So lange höre ich hier nicht auf.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  21. “Nationale DNA”

    Zum US-Angriff auf Venezuela und der “nationalen DNA”

    Mark Milley, der bis 2023 Generalstabschef der US- Streitkräfte war, hielt 2022 eine Abschlussrede für die Absolventen von West Point. Milley war besorgt: „Die militärische Überlegenheit, die wir in den Vereinigten Staaten in den letzten 70 Jahren genossen haben, schwindet rapide. Und die Vereinigten Staaten werden tatsächlich in jedem Bereich der Kriegsführung herausgefordert werden – im Weltraum und im Cyberspace, auf See, in der Luft und natürlich auch an Land …“ Er ging noch weiter: “Gerade jetzt, in diesem Moment, vollzieht sich ein grundlegender Wandel im Wesen des Krieges. Wir stehen derzeit zwei Weltmächten gegenüber, China und Russland, die beide über bedeutende militärische Fähigkeiten verfügen und die beide fest entschlossen sind, die derzeitige, regelbasierte Ordnung zu ändern.“

    Die „regelbasierte Ordnung“ ist das Codeword für die US-Hegemonie. Mark Milley gab sich ganz optimistisch. Er war überzeugt, dass die USA-Armee willens und in der Lage ist, diese abzusichern. Technologisch sowieso, aber der entscheidende Punkt, so Milley, sei der menschliche Faktor. Daher beschied er den Absolventen von West Point das Folgende:

    „Sie sind unser wertvollstes Kapital. Sie sind unser bedeutendster asymmetrischer Vorteil … Sie verkörpern das, was dem US-Militär innewohnt. Wir kommen aus einer Gesellschaft von Improvisatoren und Denkern, Innovatoren und Problemlösern… Unabhängigkeit im Handeln ist für alle Amerikaner selbstverständlich, ebenso wie Eigeninitiative, die Missachtung von Grenzen und Regeln, nichtlineares kritisches Denken, ein aggressiver Siegeswille, gepaart mit einem ewigen Optimismus, alle Hindernisse zu überwinden und das Ziel zu erreichen – all das ist fest in unserer nationalen DNA verankert und im Herzen und in der Seele der amerikanischen Soldaten .…“

    Aus Milley sprach die „unverzichtbare“ Nation – die, die allen überlegen ist, mit einer „nationalen DNA“ ausgestattet, die den militärischen Sieg regelrecht erzwingt. Da können US-Alliierte nur Männchen machen, so rundherum zweitklassig ausgestattet. Feinde sowieso.

    Aber Milley sprach in West Point ebenfalls davon, dass sich US-Führungsoffiziere unter komplizierten Situationen ethisch und moralisch vorbildlich verhalten müssen, auch und gerade im Stress eines Einsatzes.

    Wie viele US-Militärs distanzierten sich?

    Die Administration hat sich geändert, Milley`s Rede aber ist im US-Verteidigungsministerium (Kriegsministerium) weiter online und also in Ehren gehalten.

    Wie viele US-Militärs distanzierten sich von der Entscheidung, des Drogenschmuggels verdächtige Fischerboote zu bombardieren? Wie viele US-Militärs opponierten gegen die Tötung von zwei Überlebenden eines angegriffenen Fischerboots? Wie viele US-Militärs widerstanden dem Plan, völkerrechtswidrig Venezuela anzugreifen und den Präsidenten des Landes zu kidnappen? Eine Autorisierung durch den US-Kongress fand auch nicht statt.

    So verspielen sie ein weiteres Mal nicht nur ihren Ruf, sondern auch ihren möglichen weltpolitischen Einfluss

    Wie inzwischen üblich brauchen die EU und auch Bundesrepublik Deutschland Zeit, das aktuelle Geschehen rechtlich einzuordnen. „Drecksarbeit“ eben. So als sei die Charta der Vereinten Nationen nicht eindeutig. So verspielen sie ein weiteres Mal nicht nur ihren Ruf, sondern auch ihren möglichen weltpolitischen Einfluss. Was werden sie sagen, wenn die Trump-Administration nach Grönland greifen sollte, nach Kolumbien oder nach Kuba? Alles ok? Solidarisch an der Seite der USA stehen, so wie aktuell der französische Präsident?

    Der UN-Generalsekretär äußerte sich umgehend eindeutig und verurteilte die US-Aggression. Die Vorsitzende der UN-Vollversammlung, Baerbock, zitierte auf X Artikel 2 der UN-Charta.

    So, wie es ist, wird kein Frieden werden, weder in der westlichen Hemisphäre, noch anderswo. Der UN-Sicherheitsrat wird heute tagen. Aber der ist auch nur noch ein Schatten seiner selbst.

    Gefährlicher für die Sicherheit aller Völker kann es also kaum sein.

    Wer wird den USA jetzt noch trauen? Denn die Trump-Ansage war eindeutig: Wir machen, was wir für richtig halten. Wir sind und bleiben die stärksten. Er glaubte allerdings auch, die USA seien die am meisten respektierte Nation der Welt.

    Gefürchtet, ganz sicher. Bemitleidet auch. Denn es macht keine Freude, wenn die Hoffnung auf die „strahlende Stadt auf dem Hügel“ vollends zerbirst. Gehasst? Darauf kann man sich beinahe verlassen. Unrecht bleibt nie unbeantwortet. Es wird kluger Diplomatie der anderen Großmächte bedürfen, um die zerstörerischen Instinkte einer Weltmacht im Abstieg einzuhegen, an deren Spitze zu allem Überfluss ein gänzlich unberechenbarer Zeitgenosse steht – mit manchmal durchaus richtigen Instinkten, aber auch Dollarzeichen in den Augen.

    In Kiew konnte sich Selenskyj vor Glück kaum fassen – AP berichtete: Ja, wenn man so mit den Diktatoren der Welt verfahren kann, dann wüssten die USA schon, was als Nächstes zu tun sei. Denn in Kiew blickt man nach Osten und träumte am Heiligen Abend vom Präsidentenmord. Viel mehr als Träume, und mögen sie noch so grausam oder heimtückisch sein, ist allerdings nicht geblieben.

    Selenskyi scheint sich nicht darüber im Klaren zu sein, dass auch er eines Tages als verzichtbar angesehen werden könnte, genauso wie die venezolanische Oppositionspolitikerin und Friedensnobelpreisträgerin, die ständig nach einer US-Intervention in ihrem Land rief. Trump braucht sie nicht mehr. Jetzt nehmen die USA das Ruder selbst in die Hand.

    Zuletzt mahnte Trump die Durchführung der längst überfälligen Präsidentschaftswahlen in der Ukraine an. Niemand kann nach regelmäßiger Lektüre der New York Times bestreiten, dass die CIA bestens in der heutigen Ukraine etabliert ist, neuerdings direkt im Präsidentenpalast, und operativ allem Möglichen frönt, offenbar im Wettbewerb mit ihren britischen Geheimdienstkollegen, wer die ausgeklügelteren Sabotageaktionen zu Land, zu Wasser und in der Luft meistert. Solange man sie nicht der New York Times, der Washington Post oder anderen hochkarätigen Medien durchsteckt, herrscht das Prinzip der glaubwürdigen Abstreitbarkeit. Plaudert man aber, dann wischt man ganz nebenbei auch noch den eigenen Dienstherren eins aus. Denn die haben sie ja von der Kette gelassen. Von allein wäre die CIA seit Präsident Obama gewiss nie darauf verfallen, die ukrainischen Partner in allem Möglichen auszubilden und anzuleiten.

    Mit dem unverhüllten Griff nach Venezuela und dessen riesigen Rohstoffreserven (allesamt den USA gestohlen, wie Trump behauptete) erweist sich einmal mehr, wer die sogenannte „regelbasierten“ Ordnung regelmäßig mit Füßen tritt. Im Namen der „nationalen Sicherheit“ wird das Recht des (militärisch) Stärkeren ausgeübt. Wer von „Faustrecht“ spricht, irrt: In einem Faustkampf stehen sich zwei Auge in Auge gegenüber. Regime-change Operationen oder Enthauptungsschläge sind sehr viel heimtückischer.

    Trump, der sich gerne als Friedensbringer sieht, trat schon in der ersten Amtszeit in die Fusstapfen seiner Vorgänger. Insofern ist auch die militärische Gewaltanwendung gegen Venezuela nichts wirklich Besonderes. Nur zu spät, wie John Bolton öffentlich bedauerte. Denn der hätte das gerne noch als nationaler Sicherheitsberater in der ersten Trump-Präsidentschaft unter Dach und Fach gebracht. Aber: “Better late than never.“

    Das Noble, das, wie sich die USA politisch gerne selbst sehen und was in ihrer Armeeführung angeblich fest verwurzelt ist, gibt es in Festreden. Und in Hollywood.

    Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog der Autorin, mit ihrer freundlichen Genehmigung. Lesen Sie ergänzend auch:

    René Martens/MDR-Altpapier: “Schurkenstaat gegen Schurkenstaat – Wenn ein Tyrann einen anderen Tyrannen entführt, sollte die Berichterstattung nicht klingen wie die KI-Übernahme der Täterperspektive. Und man sollte in dem Zusammenhang auch nicht von einem ‘Husarenstück’ sprechen.”

    Über Petra Erler / Gastautorin:

    Petra Erler: "Ostdeutsche, nationale, europäische und internationale Politikerfahrungen, publizistisch tätig, mehrsprachig, faktenorientiert, unvoreingenommen." Ihren Blog "Nachrichten einer Leuchtturmwärterin" finden sie bei Substack. Ihre Beiträge im Extradienst sind Übernahmen mit ihrer freundlichen Genehmigung.

  22. Nachruf auf die Republik

    mit Update nachmittags

    Hartmut Palmer spielte bei meiner jugendlichen Politisierung in den 70er Jahren eine Schlüsselrolle. Im damals noch aufregend hörenswerten WDR, nach meiner Erinnerung war es das Kritische Tagebuch, hörte ich einen Kommentar von ihm zum faschistischen Militärputsch in Chile 1973. Darin verschonte er auch die damalige sozialliberale Bundesregierung von Willy Brandt nicht mit Kritik. Ich nahm das Thema in die damals von mir redigierte Schülerzeitung der Essener Jungdemokraten auf. Palmers Laufbahn von der Süddeutschen zum Spiegel verfolgte ich mit Interesse. Und also auch seinen aktuellen Nachruf auf seinen Spiegel-Kollegen Koch im “Blog der Republik” von Alfons Pieper.

    Meine Informationen über den “Spiegel” bezog ich damals schon von seinem gefeuerten Redakteur und konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza. Der liess an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Und es deckte sich mit den Erfahrungen, die wir als Jungdemokraten mit diesem Medium gemacht hatten. Im Zweifel liessen sich die Spiegel-Kollegen (Gendern unnötig) immer von der FDP instruieren, die wir 1982 kollektiv verlassen hatten.

    Darum pflegten wir eine skeptische Distanz, als wir in den Jahren 1985-87 unser Mittagspausenlokal mit der Bonner Spiegel-Redaktion teilten. In der “Laterne” in der Ermekeilstrasse sassen wir Tisch an Tisch. Während wir, Harald Jansen, Georg Hundt, Reiner Rosner und ich zum Nachtisch noch eine Runde flipperten, mussten die Spiegel-Fuzzis wieder arbeiten gehen. Die einstige “Schumann-Klause” (Ecke Schumann-/Weberstrasse) hatte sich in “Laterne” und “Südbahnhof” gespalten.

    An die Herren Koch und Wirtgen, beide in Palmers Nachruf namentlich erwähnt, kann ich mich noch gut erinnern. Tragisch, dass Koch in seinem Lebenskampf gegen Kohl politisch verloren hat. Immerhin hat er ihn deutlich überlebt, und diese Jahre hoffentlich genossen.

    Ich will den Kollegen nicht zu nahe treten. Sie haben zweifellos ihre politischen und journalistischen Verdienste. Die wichtigsten sind in Palmers Nachruf benannt.

    Aber was ist an Substanz geblieben?

    Update nachmittags
    Lesen Sie dazu zunächst das Gespräch zweier vernünftiger alter weisser Männer, Wolfgang Storz und Klaus Lang/bruchstuecke: “Die Brandmauer steht oder die Union geht unter”. Darin rufen sie dazu auf, “die jetzige Regierung daran zu erinnern, dass es ihre verdammte Verantwortung ist, in Stil und Inhalt gut zu regieren und damit der AfD den Boden zu entziehen.” Gute Idee, aber ein bisschen spät, oder? Update Ende.

    Diese Frage warf René Martens/MDR-Altpapier, den ich in den 90ern bei einem Fussball-Fantreffen in Erkenschwick kennenlernte, wo Dieter Bott ihn mir vorstellte, als der ebenfalls noch für Gremlizas konkret schrieb, gestern völlig zurecht auf:

    “Wachen wir noch rechtzeitig auf? – 2026 könnte das ‘Schicksalsjahr’ des Journalismus werden. Soll sich das ‘Schicksal’ zum Guten wenden, müssten Redaktionen ihre Berichterstattung über Klima, Umwelt und Trump ändern.”

    Ich wage eine Vorhersage: sie werden es nicht tun.

  23. “Ihr handelt mit unserem Leid”

    René Martens/MDR-Altpapier, in meinen Augen der politisch schärfste Kritiker real existierenden Medienhandelns in dieser Kolumnen-Reihe, hat sich dieses Mal zum Lob entschieden: “Ja, so stellt man sich politische Auslandsberichterstattung im Dokumentarischen vor, so müsste sie im öffentlich-rechtlichen Fernsehen viel öfter aussehen.” Er zählt eine mittellange Liste von Syrien-Dokumentationen auf – ich gebe zu, ich habe keine einzige davon gesehen, er dagegen hat sie offenbar planmässig verfolgt.

    “Die Kluft zwischen Debatte und Wirklichkeit – Mehrere Dokumentationen und Reportagen, die anlässlich des Jahrestages des Sturzes des syrischen Diktators Baschar al-Assad entstanden sind, zeigen: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat Qualitäten, auf die er sich vielleicht zu selten besinnt.”

    Hmm, da muss ich wohl mal was von gucken … Es bleibt allerdings die Frage nach dem Agendasetting. Und vor allem seinen klaffenden Löchern in der Weltbetrachtung.

  24. Wenn er gewinnt

    Viele Menschen oder viel Geld? Wer wird gewinnen? Bei jeder demokratischen Wahl stellt sich diese Frage. Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber. So ist es das Gesetz des real existierenden Kapitalismus. Aber es gibt Ausnahmen. Ob nun heute eine in New York City stattfindet, das werden wir erst zum Aufwachen am mitteleuropäischen Mittwochmorgen erfahren. Dass der globale linke Widerstand gegen den drohenden Faschismus auf eine Bürgermeisterwahl fixieren muss, sagt viel über die Kräfteverhältnisse. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Zohran Mamdani heisst der Mann, dem auch ich alles Gute wünsche. Das deutsche Publikum weiss wenig über ihn. Auch die mehrheitlich ahnungslose Linke. Die Partei dieses Namens muss extra anreisen, um mehr zu erfahren. Ob sie ausreichend dabei lernt, muss vorläufig offenbleiben.

    Wenn Sie nicht dumm bleiben wollen, lesen Sie hier: Nick French/Jacobin: “Mamdani, AOC und Bernie führen die Opposition gegen Trump an – Das Establishment der Demokraten hat sich als unfähig erwiesen, der Trump-Regierung Widerstand zu leisten. Während die nominellen Parteiführer sich totstellen, sind Linke wie Zohran Mamdani die einzigen, die eine greifbare Alternative anbieten.”

    Warum ist die deutsche Öffentlichkeit so dumm und uninformiert? Weil es die von ihr teuer bezahlten Journalist*inn*en sind, die sie in wenige Länder der Welt entsendet. Die US-Korrespondent*inn*enplätze gelten in Medienkreisen als die geilsten, die das deutsche Mediensystem anzubieten hat. Und was kommt dabei “unten raus” (zit. Helmut Kohl)? René Martens/MDR-Altpapier weiss es: “Der Untergang – Mit dem ‘Weltspiegel Doku’-Film ‘Trumps USA – United States of Angst’ erreicht die US-Berichterstattung der ARD einen nicht für möglich gehaltenen Tiefpunkt. ‘Die Zeit’ hat ein Problem mit dem Ärmelaufnäher einer Universitätspräsidentin.” Das heisst: sollte Mamdani tatsächlich gewinnen, sitzt ganz Deutschland mit seinen dummen Medien auf dem völlig falschen Musikdampfer.

    Und so wählt es ja auch: “Das schiefe Bild der Medien-Abbildungen”, ein Interview von Thomas Gesterkamp/bruchstuecke mit dem Wahlforscher Ansgar Hudde informiert mehr, als “Deutschlandtrends”, “Politbarometer” und “Allensbach” zusammen (vom AfD-nahen Insa ganz zu schweigen).

    Einmal werden wir noch wach. Aber vergessen Sie das Auswandern nach NYC. Viel zu teuer – eine Wohnungsmiete übersteigt meine Rente um ein Vielfaches. Und den Immobilienkapitalismus wird auch Mr. Mamdani nicht abschaffen können. Obwohl: gut wäre, wenn er schon mal damit anfängt …

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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  25. Pause

    Länderspielpausen – noch schlimmer als Sommerpausen

    mit Update mittags: Faschismus unbemerkt?

    Die Fussball-Schlagzeilen des Wochenendes wurden beherrscht von einem Ruhrpottderby (RWO-RWE 3:2) und mannigfachen Spekulationen. Cabo Verde, für seine Musikszene weltbekannt, könnte sich erstmals für eine WM qualifizieren, ausgerechnet die von Donald Trump und Gianni Infantino. Ob sie ein Einreisevisum erhalten werden? Die Frage wird wahrscheinlich spannender als die WM. Wenn sie heute um 18 Uhr ihr Heimspiel gegen Eswatini gewinnen, sind sie durch (sportlich). Update abends: 3:0, sie habens geschafft.

    Deutschland tritt heute in Nordirland an, und zittert. Die Fifa-Weltrangliste wird von einem US-Konzern bezahlt, dessen Erzeugnisse geschmacklich und gesundheitlich untrinkbar sind. Das passt zur Fifa. Die führt Deutschland auf Platz 12. Das wäre immer noch erste Liga. Nordirland auf Platz 72, drei Ränge vor Ghana, das schon qualifiziert ist (Coach Otto Addo, die Älteren werden ihn kennen).

    Die meisten deutschen Billigmedien haben ihre Fachredaktionen längst aufgelöst. Fachleute sind teuer. Die Fussballberichte werden von KIs geschrieben, und zwar auch von den billigsten Versionen. Die haben sich das ganze Wochenende nicht mehr eingekriegt über ein 4:0 der DFB-Elf am Freitagabend. Die Fans waren besser informiert: nur noch 7 Mio. glotzten hin, die andern 80 Mio. haben sich einen schönen Abend gemacht. Den Frauen gucken gewöhnlich doppelt so viele zu. Was die meisten wahrscheinlich gar nicht gemerkt haben: der geschlagene 96. der Weltrangliste spielte nur mit 10 Mann (ein Platzverweis). Na dann …

    Wie konnte es so weit kommen, dass deutscher Fussball sich vor Platz 72 ängstigt?

    Dazu meine steile These.

    Wenn Sie sich nicht für Fussball interessieren, dann gucken Sie doch stattdessen “Miosga”. Strafe muss sein. Allein schon die hirnerweichende Titulierung zeigt, wo der deutsche Mediendiskurs gelandet ist. Dass der OB-Kandidat von so einem Tuppes in Potsdam, wo die Berliner mit Geld wohnen, noch 27,1% bekam, was sagt uns das?

    Dass die Antwort ausgerechnet in einer Spiegel-Kolumne steht, hätte ich persönlich nicht mehr für möglich gehalten. So wenig, wie die Tatsache, dass die dortigen Bratzen vergessen haben, sie digital einzumauern. Wahrscheinlich ist Autor Christian Stöcker dazu verurteilt, irgendwann in der Hafen-City das Licht aus zu machen. Jammern Sie dann nicht, Sie hätten nichts davon gewusst. Lesen Sie vorher: “Spickzettel zur Energiewende: Diese Fakten werden Ihr Weltbild verändern – Auch gut informierte Menschen in diesem Land haben eine massiv verzerrte Vorstellung davon, wie sich die Welt gerade entwickelt. Gehören Sie dazu?” Immerhin: eine Mehrheit der Minderheit, die am Bürgerentscheid in Hamburg teilgeneommen hat, ahnt sowas.

    Und nächstes Wochenende gibts wieder Fussball.

    Update mittags

    Faschismus unbemerkt?

    Nein, ist er nicht. René Martens/MDR-Altpapier hat Michael Tomasky/The New Republic entdeckt, der uns unmissverständlich wissen lässt: “Historiker sagen manchmal, dass es für die Menschen schwierig sein kann, den Abstieg einer Gesellschaft in den Faschismus in Echtzeit zu erkennen. Nun, Historiker der Zukunft, ich bin hier, um Ihnen zu sagen: Wir erkennen es. Millionen von uns nehmen es wahr. Und wir sind entsetzt und wütend.”

    Bei diesen Millionen bin ich dabei. Und der Kerl kennt mich gar nicht. Wie kommt Martens drauf? Er setzt die kürzlich von mir heftig begrüsste Meditation seines Kollegen Heimann fort. Dabei lobt er die Spiegelkolumne von Christian Stöcker ähnlich heftig wie ich. Und es ist nicht schön, zu welchen Ergebnissen er kommt. Spoiler: seine treffende Schlusspointe geht nämlich so: “Es scheint mir durchaus Parallelen zu geben zwischen der Rückwärtsgewandtheit des deutschen Journalismus und der Rückwärtsgewandtheit der deutschen Autoindustrie. Beide orientieren sich an Rahmenbedingungen, die nicht mehr existieren. Der Unterschied: Die Rückwärtsgewandteit der Autobranche trägt zur Zerstörung des Planeten bei, die Rückwärtsgewandtheit des Journalismus nur zur Zerstörung der Demokratie. Man muss halt immer das Positive sehen.” Das Letzte ist von Adenauer, allerdings statt “immer” “auch mal”.

    Und alle Ausreden sind ungültig.

  26. Gelungen

    Meditation über Journalismus heute

    mit Update mittags

    Nein, nicht von mir. Ralf Heimann/MDR-Altpapier hat das gestern geliefert: “Kritik der reinigenden Vernunft – Lange galt: Gute Journalisten zeigen keine Haltung. Das Gegenteil ist richtig – denn sie ist Voraussetzung für Glaubwürdigkeit. Wenn Sie jetzt an Aktivismus denken, lesen Sie diesen Text.” Heimann macht beruflich Lokaljournalismus, und zwar hier. Er hat für uns in den Paywalls von SZ und uebermedien gelesen und lässt uns daran teilhaben.

    Die mauernde SZ lese ich nun schon lange nicht mehr. Leonhard Dobusch/uebermedien dagegen auf jeden Fall, jedoch erst, wenn er dort nach einer Woche aus der Paywall freigelassen wird. Läuft ja nicht weg, und wird an Aktualität eher gewinnen als verlieren.

    Die SZ übrigens wäre hierzulande die beste Mordwaffe für den Femizid, der in dieser ausgezeichneten Barnaby-Folge zu sehen ist. Die aussagewillige Mrs. Bingham wird von einem umfallenden Zeitungsstapel erschlagen. Den dort erwähnten Bingham-Krater auf dem Mond gibt es tatsächlich, im Gegensatz zu der weitgehend durch Serienmorde entvölkerten Grafschaft Midsomer.

    Doch ist ein Zeitungsstapel wirklich eine geeignete Waffe? Eine Wochenendausgabe der SZ kostet mittlerweile rund 10 Mark. Da gibt es doch heute weit preisgünstigere Killerwerkzeuge …

    Barnaby übrigens montags auf ZDFneo wegen des grossen Erfolges jetzt immer in drei Folgen hintereinander.

    Misslungen

    War gestern die 20Uhr-Tagesschau. Sie bestand nämlich zur Hälfte aus einem Interview, in dem der Bundeskanzler seinen Kampf gegen die bösen Sozialschmarotzer verkündigen durfte. “Normal” wäre das im anschliessenden “ARD-Brennpunkt” gewesen. Aber aus Furcht, dass den keine*r mehr guckt – er war ausserdem für “Nahost” reserviert – wurde das Interview im Sendeablauf vorgezogen und machte die Nachrichtensendung mit Friedrich Merz voll.

    Die ARD setzt damit die Entwertung der Tagesschau als seriöses Nachrichtenmedium fort, und verwandelt sie immer mehr in ein Verkündigungsorgan. Die zuständigen Hierarchen lesen offenbar die von ihnen selbst beauftragten Umfragen nicht. 40% genügen ihnen als anzusprechende Zielgruppe. Sie werden bescheiden.

    So enteignen sie uns unsere öffentlichen Medien. Und ruinieren jedes potenzielle Engagement für ihre Erhaltung.

    Update mittags

    Gelungen

    Der geschätzte Kollege René Martens/MDR-Altpapier schreibt zum Treiben des Merz u.a. sehr treffend: “Die schwarze-rote Koalition hat mit dieser ‘Reform’ schlicht einen zentralen Aspekt ihres Raison d’Être in die Tat umgesetzt: Menschen, denen es schlecht geht, soll es noch viel schlechter gehen. Aus ihrer Sicht konnte die Koalition gar nicht anders, sie hätte sonst ihre tiefsten Überzeugungen verraten.”

  27. Rechte Verfassungsbrecher

    Gendern nicht erforderlich, weil die sowieso dagegen sind

    Freiheit wird rasiert, wie hier von Heiner Jüttner völlig richtig beschrieben. Gewalt, Unsicherheit und Angst nehmen zu. Rechte, ob “nur” Reaktionäre oder lupenreine Faschisten, wollen es so. Es ist Voraussetzung für ihre Herrschaft. Und wenn am Ende die Welt untergeht, sind sie am Ziel, und wenigstens dabeigewesen.

    Unser Grundgesetz, immer noch die gültige Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, wurde in einer Zeit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft geschrieben. In Europa glauben daran nicht mehr viele. Die Zahl der Kinder nimmt, wie in allen reichen Ländern, ab. Die Alten haben die Mehrheit. Und die fürchten angeblich mehrheitlich die vielen jungen Menschen von woanders. Lieber ungepflegt sterben, als gepflegt das Alter geniessen.

    So kommt es dann zu diesem Befund, den pikanterweise zwei vom Bundeskanzleramt finanzierte Regierungsberater der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) präsentieren: Kai-Olaf Lang, Nicolai von Ondarza: “Wackelige Brandmauer? Wie Rechtsaußenparteien die Politik in Europa beeinflussen – Nationalistische und populistische Parteien sind in vielen EU-Mitgliedstaaten auf dem Vormarsch. Kai-Olaf Lang und Nicolai von Ondarza erklären, welche Unterschiede es zwischen den Parteien gibt und wie diese den Kurs der EU in der Klima-, Migrations- und Sicherheitspolitik beeinflussen.” Es handelt sich um einen zeitraubenden Podcast, der sich praktischerweise aber auch zeitsparend in einem KI-generierten Transkript nachlesen lässt. Und die Kollegen von German Foreign Policy haben zugehört, und diese Zusammenfassung verfasst, die sie aber in einigen Tagen in einem Paywallarchiv begraben.

    Das nenne ich mal unabhängige Wissenschaft und Forschung. Wie lange noch? Und wie lange noch staatsunabhängige öffentliche Medien? Was hier als europäische Realität notiert wird, das tut René Martens/MDR-Altpapier medienpolitisch. Er macht das so gut, dass ich mir viel Schreiberei sparen kann. “Weimer plus Söder hoch drei? Haseloff! – Politiker von CDU und CSU bereiten mit ihren Äußerungen zu den Öffentlich-Rechtlichen die Aushöhlung des Staatsferne-Prinzips vor. Das Massenphänomen Armut stößt auf Desinteresse bei den Massenmedien.”

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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  28. Inklusion ist möglich

    Demenzkranke können ganz nach oben – unbegrenzte Möglichkeiten

    Deutschlands Leitmedium “Süddeutsche Zeitung” (SZ) macht ihre Startseite heute so auf: “So viele Menschen wie noch nie geben an, bei einer Bundestagswahl die AfD wählen zu wollen. Daten und Experten liefern gleich mehrere Gründe dafür.” Ich versuche es gar nicht erst rauszufinden, die SZ hat es digital eingemauert. Ich weiss die Antwort auch so. Und Vorsicht: das hier ist keine Satire.

    Die Nazis hat es auch in der “guten, alten West-BRD-Zeit” schon immer gegeben. Sie wollten nur nicht auffallen. Und die demokratischen Parteien hätten sich geschämt, ihnen ein seriöses Politikangebot zu machen. Wegen “Deutschlands Ansehen in der Welt”. Das hat sich grundlegend geändert. Beides.

    Das Problem wäre nicht weg, aber es wäre kontrollierbar, wenn die demokratischen Parteien und Medien ihre Arbeit machen würden, wie sie im Grundgesetz und weiteren Gesetzen vorgesehen ist. Das löst sich in der Alltagspraxis zusehends auf, weil sie sich von den Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie treiben lassen. Die wird von wenigen Milliardär*inn*en und ihren asozialen Plattformen beherrscht. Politiker*innen und was-mit-Medien-Fussvolk wären gerne so wie die, und lassen sich so billiger benutzen, als es sich meine Sozialkundelehrerin in den 70ern jemals hätte vorstellen können. Ich dagegen habe damals schon so etwas vom Kapitalismus befürchtet. Aber dass es so schlimm werden könnte, übertrifft selbst meine Befürchtungen.

    Denn nun ist “der mächtigste Mann der Welt”, einer der wenigen ganz in der Nähe des roten Atomkriegsknopfes, dement. D.h., wenn er ihn gedrückt hat, wird er noch behaupten, er sei es nicht gewesen. Und die Öffentlichkeit erfährt es nicht, um sie nicht zu beunruhigen? Das wird nicht gelingen. Entscheidend ist das Timing, und wer wann wie eingreift.

    Robert Reich weiss es, und weil René Martens weiss, dass der das weiss, weiss ich es jetzt auch, Sie jetzt auch, und all die was-mit-Medien-Leute, die die MDR-Altpapier-Kolumne lesen:

    “Die extreme Mitte ist schon ewig extrem – Donald Trump kann möglicherweise zwischen sich und einer KI-Version seiner Person nicht unterscheiden. Fatih Akin hat beim Filmfest Hamburg eine ungewöhnliche Form gewählt, um politisch Stellung zu beziehen.”

    Und ich bin gespannt, wann die Herrschenden hierzulande gedenken, uns von dieser Gefahtr wissen zu lassen.

    Der Finanzier des Pleitiers Donald Trump, Mohammed Bin Salman (MBS), Boss des kriminellen Saud-Clans, weiss es längst, und hat sich so abgesichert:

    Luca Schäfer/telepolis: “Saudi-Arabien und Pakistan: Der nukleare Pakt gegen den Westen – Saudi-Arabien und Pakistan schließen ein militärisches Beistandsabkommen. Was das für die Sicherheitsarchitektur der Region – und der Welt – bedeutet.”

    Der telepolis-Autor ist jedoch schief gewickelt, wenn er der abstrusen These hinterherdackelt (Neuberscher “Journalismus”?): “Neben der Chance auf eine Erweiterung der Brics und dem Durchbruch einer multipolaren Ausrichtung der Politik im Mittleren Osten stellt das Abkommen auch eine Chance auf Weltfrieden dar. Getreu dem Mantra, dass Abschreckung durch Atomwaffen letztlich Kriege verhüten kann, ist der nukleare Schutzschirm – insbesondere ohne Beteiligung eines westlichen Kernlandes – zu begrüßen.” um dann scheinbar ausgewogen fortzufahren: “Logisch bleibt jedoch auch, dass das Gegenteil der Fall sein kann”. Wenn das witzig wäre, würde mann lachen …

    Tatsache ist: jeder Weiterverbreitung von Atomwaffen erhöht das Atomkriegsrisiko. Das ist der Grund für den Non-Proliferation-Treaty (NPT), zu deutsch Nicht-Weiterverbreitungs-Vertrag, der jedoch hierzulande, weil er die deutsche Oligarchie so qualvoll schmerzt, penetrant “Atomwaffensperrvertrag” genannt wird. Der Beitritt der West-BRD gelang nur durch eine Kampfabstimmung des Bundestages Anfang der 70er Jahre. Meine persönliche Erinnerung daran wird keine Demenz jemals löschen.

    MBS, der Koch, ist gegenüber seinem Kellner-Clan kein Kameradenschwein. Wenn er die globale Medienwelt, wie immer mit Hilfe des Profifussballs (der Herren), Schritt für Schritt frisst, dann darf der Trump-Clan mitspielen. Doch, manchmal muss mann die FAZ lesen, um zu erfahren, was die herrschende Klasse treibt. Denn diese Zeitung kann es sich nicht leisten, ihre solventen Kund*inn*en doof sterben zu lassen.

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    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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  29. Warum so dumm?

    Wir Demokrat*inn*en und unsere Medien

    Können Sie es noch hören (oder lesen)? Das Gegreine über die Fiesigkeit dieser und jener Rechten, Faschist*inn*en und all dieser heuchelnden Brückenbauer*innen zu ihnen? Ich nicht. Ich weiss das alles seit 55 Jahren, seitdem ich mich mit 13 begann zu politisieren. In den Jungdemokraten bildete ich mich weiter. Ich versuche mich auch heute permenent weiterzubilden. Vor allem aber über die Frage: warum bauen Demokrat*inn*en, Konservative, Liberale und Linke so viele Unfälle und leisten den Rechten so viel Vorschub? Mit zunehmendem Alter schmerzt es mich körperlich.

    Nicht nur mich. Hören Sie nur kurz mal knapp 4 Minuten den Kollegen Matthias Dell/DLF-@mediasres, mit dem ich zeitweise noch beim Freitag zusammengearbeitet habe: “Kolumne: Kommunikationsversagen reloaded – die ARD kann’s nicht”. Und wenn Sie es nicht hören wollen, dann lesen Sie René Martens/epd-Medien: “Ein Fall für die Aufsicht: Die Debatte um Julia Ruhs und ‘Klar’ in der ARD”. So viele Eigentore und Torgeschenke, dass ich die Übersicht verliere.

    Klarer Fall von Verantwortungslosigkeit und Inkompetenz

    A propos Medien und Fussball. Haben Sie gestern den “bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht” bemerkt? Ich auch nicht. Aber die Fussballspieler*innen-Gewerkschaft VDV. Warum wohl? Weil viele ihrer Mitglieder betroffen sind. Nicht nur der in der VDV-Mitteilung kritisierte DFB, auch die Deutsche Fussball-Liga (DFL) und ihre 36 Mitgliedsvereine der ersten und zweiten Bundesliga sind direkt mit kriminellen Sponsoren aus der Glücksspielmafia verbunden. Und ebenso die – für Medienpolitik gesetzlich zuständigen – 16 Ministerpräsident*inn*en und ihre Staatskanzleien: die legalisieren das Glücksspiel nämlich eigens durch von der entsprechenden Lobby entworfene Staatsverträge. Federführend das weltpolitisch erfahrene Schleswig-Holstein, das gelegentlich auch einen Profiverein beherbergt (Holstein Kiel, wenn die nicht absteigen).

    Und “unsere” Medien, ARD und ZDF, senden jegliche Glücksspielmafia-Sponsorenwerbung mit, weil sie es sich in nichtöffentlichen Lizenzverträgen von DFB und DFL widerspruchslos diktieren lassen.

    Und jetzt Rundfunk-, Fernseh- und vor allem Verwaltungsräte in den Sendern: ihr! Macht Eure Arbeit. Und wenn ihr keine Zeit und/oder keine Lust habt: lasst euch durch Leute mit mehr Kompetenz und Verstand ersetzen.

  30. Trump-Schüler*innen und “Märtyrer*innen”

    “Märtyrer” im metaphorischen Sinne war ich zweimal in meinem Leben, beide Male aussergewöhnlich erfolgreich. Einmal bin ich mit grosser Öffentlichkeit als Schülervertreter aus der Schulkonferenz zurückgetreten, weil mich das NRW-Schulgesetz seinerzeit zur “Verschwiegenheit” verpflichtete, und die Vorgänge dort mir so skandalös waren, dass ich das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte. Beim zweiten Mal hatte mich ein am rechten Rand der CDU angesiedelter Politikprofessor der Uni Bonn – hinter dem rechten Rand der CDU kam damals nur noch ein Nichts, schöne Zeit – zusammen mit fünf weiteren gewählten Fachschafter*inne*n wegen “Hausfriedensbruch und Nötigung” angezeigt. Das war selbstverständlich für uns und unsere dadurch besonders wachsende Zahl an Wähler*inne*n in der Studierendenschaft ein abzuwehrender Angriff auf unsere Meinungsfreiheit.

    Diese Abwehr war ein Riesenerfolg. Das Strafverfahren wurde von der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung eines Bußgeldes von 80 Mark eingestellt. Aber das Schöne war: erst nach geschlagenen zwei Jahren. Wir gewannen mit diesem PR-Hit als verfolgte Opfer also zwei Fachschafts- und ich ausserdem zwei Studentenparlamentswahlen. Das Bußgeld und unsere Rechtsanwaltskosten konnten durch gesammelte Spenden mehr als gedeckt werden. Sehr lehrreich für alle Beteiligten. Ich habe übrigens, um den Ganzen noch was draufzusetzen, mich bei diesem Professor zu einem Hauptseminar angemeldet und einen Schein gemacht. Er hatte mehr Angst vor mir, als ich vor ihm. Er hätte wohl professionelle Hilfe gebraucht. Wäre er nicht so rechts gewesen, hätte ich Mitleid bekommen. Für mich ein politischer Riesenerfolg, der mich stärker machte.

    Freitag nun verpasste ich wegen Krankheit eine Kolumne des Kollegen René Martens zu den Fällen “Kirk” und “Ruhs”. Während meine Fachschaft und ich seinerzeit selbst die Agenda bestimmten und also politisch erfolgreich waren, bestimmen in diesen beiden Fällen die Rechten auf beiden Seiten des Atlantiks das Thema und nähren und laben sich unersättlich und mit einer Mischung aus Freude und Gier daran. Darum widerstrebt mir persönlich geradezu körperlich alles, diese Themen unnötig zu verlängern. Aber ich habe heute erst gelesen, was Martens Freitag schrieb. Es ist geeignet, diese Akten der Widerlichkeit und Doofheit endlich zu schliessen. Darum weise ich Sie darauf hin, damit Sie es auch nicht verpassen:

    René Martens/MDR-Altpapier: “Rehe, die auf Laster starren – Amerikanische Medienunternehmen kapitulieren in atemberaubender Geschwindigkeit vor den Drohungen des Chefs der Medienaufsichtsbehörde. Carsten Linnemann will den Rundfunkbeitrag ‘einfrieren’, obwohl der bereits ‘eingefroren’ ist.”

    Dennoch, ich weiss es, werden sowohl die intelligenten als auch die doofen Rechten weitermachen …

  31. Ex-Beuelerin ist sauer, sehr

    mit Update 6.9., 8.9. und 11.9. = der Schaden ist angerichtet

    Regelmässig hätte ich Annika Schneider im Edeka treffen können, weil sie mal hier um die Ecke gewohnt hat. Gelegentlich hörte ich sie im Medienmagazin des DLF @mediasres, dessen Stammhörer ich bin. Ob die dort ihre Hörer*innen alle persönlich kennen? Möglich. Die medienpolitische, und erst recht die medienjournalistische Szene ist so übersichtlich, dass sich eines Tages alle untereinander kennen. Wie in einem übersichtlichen Dorf. Auch die Rollen für Deppen, Rechtsradikale und Nichtsversteher*innen sind irgendwann verteilt und zugeordnet. Aber wer war Bert Donnepp? Und erst recht “sein” Preis?

    Das ist dann diese Woche auch mal ein wenig bekannt geworden. Ich hatte immerhin in der Schule in Sozialkunde eine 1 auf dem Abiturzeugnis. Und also von einem Bert Donnepp schon mal gehört. Bzw. seiner Frau. Aber Marler Sozis musste mann in Gladbeck nicht kennen. Mir reichte der Sohn des semikriminellen Oberbürgermeisters in der Reihe hinter mir. Er blieb dann auch direkt hängen.

    Annika Schneider hatte also den “Bert-Donnepp-Preis” bekommen, und will ihn nicht mehr. Das hat ihr heutiger Arbeitgeber uebermedien.de immerhin nicht digital eingemauert, sondern nur die berichtende Recherche ihrer Kollegin Lisa Kräher (jetzt – 11.9. – frei zugänglich). Schneider schreibt:

    “Preis für Medienpublizistik: Warum ich meinen Donnepp Media Award zurückgebe – Im Januar wurde Übermedien-Redakteurin Annika Schneider vom Verein ‘Freunde des Adolf-Grimme-Preises’ mit dem Donnepp Media Award ausgezeichnet. Nun gibt sie den Preis zurück. Hier erklärt sie, warum.”

    Früher war das hier zutage getretene Niveau eins, das mann aus der Kommunalpolitik kennt, wo, die wenigsten Bürger*innen wissen das, durchweg Amateur*inn*e*n agieren. Seit etlichen Jahren ist dieses Niveau nach “oben” durchgesickert, und längst auch in Berlin-Mitte angekommen. Warum also nicht in Marl? Traurig aber wahr.

    Update 6.9.

    Frau Schneider hat auch zum Bonner Kommunalwahlkampf und seiner journalistischen Begleitung eine klare Meinung. Ein Bezieher ihres kostenpflichtigen Newsletters übersandte mir das, und ich zitiere gerne ausführlich:

    “In NRW und damit auch hier in Bonn sind nächstes Wochenende Kommunalwahlen. Die Bonner AfD soll laut Prognosen auf sieben Prozent kommen, spielt in der Stadtpolitik aber keine nennenswerte Rolle.

    Das zeigte gerade erst wieder eine Podiumsdiskussion mit den Oberbürgermeisterkandidaten. Die substanzlosen Beiträge des AfD-Vertreters waren dabei ziemlich egal und kein größerer Störfaktor. (Auf seiner Webseite fordert er unter anderem Markt- statt Planwirtschaft – wer sagt es ihm?)

    Der Redakteur des ‘General-Anzeigers’, der die Debatte moderierte, tappte trotzdem in eine Falle: Er versuchte, den AfDler journalistisch zu stellen und ihn so zu entzaubern – und wurde dafür prompt vom Publikum abgestraft.

    Sie können sich die Szene auf YouTube anschauen, spannend wird es ab Timecode 1:24:35. Die Befragung der Kandidaten ist zu dem Zeitpunkt schon durch, jeder der sieben Parteienvertreter hat zu verschiedenen Oberthemen rund eine Minute reden dürfen, so weit, so fair.

    Ich kann nur spekulieren, warum der Moderator es danach für eine gute Idee hält, einige Extra-Minuten noch einmal einem einzigen Kandidaten zu widmen – und zwar nicht der amtierenden Bürgermeisterin von den Grünen, auch nicht dem aussichtsreichsten Konkurrenten von der CDU.

    Stattdessen wendet er sich an den AfD-Kandidaten, weil es ihn „brennend“ interessiert, wie der eigentlich zum Begriff Remigration steht (dabei hätte er die Antwort in seiner eigenen Zeitung in einem von ihm geschriebenen Artikel nachlesen können). Des Weiteren will er von dem AfD-Politiker wissen, welche Gruppe genau er denn abschieben wolle, und fordert ihn auf, endlich „Farbe zu bekennen“.
    Hat der Journalist damit gerechnet, dass der Politiker auf einmal eine verfassungsfeindliche Gesinnung offenbart? Oder zugibt, eigentlich Rassist zu sein, danke der Nachfrage?

    Stattdessen passiert, was in solchen Situationen immer passiert. Der AfD-Politiker kann die Bühne nutzen, um

    1. Remigration zu verharmlosen – es handele sich schlicht um „das Gegenteil von Migration“,

    2. die AfD in der politischen Mitte zu platzieren – CDU-Kanzler Merz und Ex-Kanzler Scholz seien schließlich noch radikaler im Umgang mit Migranten,

    3. mit einer einleuchtend klingenden, aber falschen Behauptung die Abschiebungen von Millionen Menschen argumentativ vorzubereiten: „Asyl ist eben nicht dazu da zum Bleiben“.

    Gerne hätte der Moderator noch weiter gefragt. Stattdessen buht das Publikum so laut, dass er das Interview unterbrechen muss (vor Ort war das noch imposanter als es nun im Video klingt). Gleichzeitig greift sich die Oberbürgermeisterin ein Mikro, um klarzustellen, dass in Bonn ‘Menschen aus 170 Ländern friedlich und gut zusammenarbeiten’.

    Das Beispiel zeigt, wie man mit der AfD als Journalist nicht umgehen sollte; anscheinend wussten die Zuschauer das besser als der Moderator. Die meisten Bonnerinnen und Bonner waren gekommen, um herauszufinden, wie die Kandidaten von Grünen, CDU, SPD, FDP, Linke und Bürgerbund zum defizitären Bonner Haushalt, den Problemen im Bürgeramt und der umstrittenen Radspur auf der Adenauerallee stehen – alles Themen, zu denen der AfD-Kandidat wenig Konstruktives zu sagen hatte.

    Es machte journalistisch schlicht keinen Sinn, dem AfD-Kandidaten eine Frage zur Remigration zu stellen: Die Antwort ist bekannt, kommunalpolitisch irrelevant und reproduziert rechtsextreme Gedankenspiele.

    Es ist journalistisch auch kaum zu begründen, warum ausgerechnet eine der kleinen Parteien, die keine Chance auf das Oberbürgermeisteramt hat, am Schluss noch einmal einen eigenen Frageblock bekam. Womöglich ging es dem Moderator darum, das Verhältnis des Kandidaten zur Demokratie abzuklopfen – dafür reicht es aber nicht, unbedarfte Fragen zu stellen.

    Besser wäre es gewesen, einfach die Regeln der Veranstaltung einzuhalten: pro Frage eine Minute pro Partei. Der Protest zeigte, dass das auch im Sinne des Publikums gewesen wäre – Stichwort Zielgruppenorientierung.”

    Update 8.9.

    Annika Schneider nannte den Moderator des GA nicht namentlich. René Martens/MDR-Altpapier tut es: “Die Hauptquartiere der Provinzialisierung sind Redaktionen – Seit wann ist ‘Sagen, was ist’ out bzw. ‘Aktivismus’? Wie kann es sein, dass es immer noch Journalisten gibt, die glauben, die AfD ‘entzaubern’ zu können? Warum sind Google, Meta und Co. Atomkraft-Fans?”

    Das ist imgrunde wie mit den Fischen. Vielleicht gibt Frau Peikert mal eine Schnupper-Beratungsstunde? Oder, wenn es mit einer Frau nicht funktioniert, der Kollege Martens hätte sicher auch Zeit. Jedenfalls dafür.

  32. Altes von das Spahn

    Das ich aber noch nicht kannte – Sie?

    Aufmerksam darauf machte mich gestern der Kollege René Martens/MDR-Altpapier: “‘What the fuck is a hamas camera?’ – Die Medien sind die wichtigste Desinformations-Waffe der fossilen Industrie. In Gaza arbeitende Journalisten machen schon mit Anfang 30 ihr Testament. Eine linke Zeitung verbreitet Querdenker-Ideologie. Foodfotos formulieren eine Sprache der Macht.” In seinem Altpapierkorb findet sich das:

    Mann ahnte es, doch die offene Chuzpe, schon irgendwie nicht erwischt zu werden, spricht dann doch dafür, dass die beteiligten Täter für künftige Führungspositionen eher massiv unterqualifiziert sind.

    Edgar Lopez, Anja Neubert und Marcus Engert/MDR Investigativ: “Maskenbeschaffung zu Corona: Sudhof-Bericht mit Hinweisen auf Firma in Sachsen – Die Sonderermittlerin Margaretha Sudhof sollte die Maskenbeschaffung während der Corona-Pandemie untersuchen – und damit auch das Verhalten von Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn. Ihr Abschlussbericht gibt zudem Hinweise auf eine Firma aus Sachsen: mit auffälliger Nähe zur CDU.”

    Ich wiederhole mich: wenn dieser Wicht Bundeskanzler wird, hat diese Gesellschaft meinen publizistischen Dienst an ihr verwirkt. Der ist ja teurer als Andy Scheuer. Und würde spielend zu den üblich-verdächtigen und als Kostenfaktor immer führenden Bundes”verteidigungs”minister*inne*n aufschliessen …

    Mediendiät verschärfen

    Haben Sie gestern auch die Tagesschau-Eröffnung mit den Militärstiefeln gesehen? Die Bildsprache folgt den Weisungen des grossen Donald Trump, das Volk (in den Städten) an den Anblick von Soldaten zu gewöhnen. Und der Kanzler und seine Minister strahlen dazu. Mit mir wird ihnen das nicht gelingen.

    Auch der Beitrag über Handyverbote an Solinger Schulen war gänzlich von abweichenden Meinungen befreit.

    Aus gesundheitlichen Gründen muss ich meinen Konsum von Tagesschauen noch mehr reduzieren, als mit Alkohol, Fleisch und Zucker. Rauchen tu ich sowieso nicht. Denken auch Sie Ihre Gesundheit lieber ganzheitlich. Propaganda kann tödlich sein.

  33. Neues über das Spahn

    Über “Das Spahn” schrieb ich vor wenigen Wochen “mir geht es um die Struktur und das System, für das dieser Politikertypus Gesicht und Fassade ist”. Darüber hat ein paywallbewehrtes Exklusivmedium nun neue Details ans Licht gebracht, die René Martens/MDR-Altpapier uns Gebührenzahler*inne*n zugänglich macht:

    “Unparteilichkeit ist die neue Parteilichkeit – Die CDU hätte 2023 beinahe eine Firma mit dem ‘Nius’-Mäzen gegründet. Die 20-Uhr-‘Tagesschau’ wird immer lockerer, und das ist problematisch. Die BBC stranguliert sich selbst.”

    Über das Spahn und den Nius-Finanzier hatten die Correctiv-Autorinnen Annika Joeres und Gabriela Keller vor rund einem Monat diese im negativen Sinn erregende Recherche publiziert, ganz ohne Paywall. Und ich fragte mich, warum mich das nicht überrascht. Darüber immerhin weiss ich heute mehr.

    Wir sehen hier die strategischen Strippenziehereien zur Vorbereitung dessen, was die kurzzeitig (2001-02) amtierende und schnell von Männercliquen weggemobbte NRW-Regierungssprecherin Miriam Meckel heute mit dem Bandwurmungeheuer Aufmerksamkeitsautoritarismus benennt.

    Ich weiss nicht, wie es Frau Meckel beim Schreiben ging. Kundige Freunde vermuten sie hinter “St. Gallener Klostermauern”. Ich hingegen fühlte mich beim Lesen an Meckels ehemaligen Boss und noch ehemaligeren Förderer Wolfgang Clement erinnert. Der war – im ambivalenten Sinn der Begrifflichkeit – seiner Zeit immer zu weit voraus …

    Ich kenne auch eine ehemalige Bonner Dezernentin, nach der er mal “Aktenordner geworfen” haben soll. Sie dementierte, aber ich schweife ab … In meiner Anwesenheit hatte er nur nie Zeit zum Zuhören.

  34. Auf der Rutschbahn

    Die Demontage der Demokratie gelingt nicht durch den übermächtigen bösen Feind – sondern durch Dummheit unter den Demokrat*inn*en selbst

    “Verzweifelte Versuche, vor Farage zu warnen und eine Einheitsfront zu beschwören, sind … zynische Manöver” meint z.B. David Broder/Jacobin. Tja, wie schön. Dann müssen wir uns um einen drohenden Wahlsieg der faschistoiden und rassistischen “Reform Party” des Brexit-Siegers Farage im Vereinigten Königreich ja keine wirklichen Sorgen machen. Oder? Ob der Jacobin-Autor das britische Mehrheitswahlrecht überhaupt kennt? Ist ja nur ‘ne Atommacht. Und wird gewiss vom Grossen Bruder wohlgefällig verfolgt. Bei dem geht es gerade so zu:

    René Martens/MDR-Altpapier: “Todesfalle Fairness – Mit unscharfen, beschönigenden und verschleiernden Schlagzeilen über das Wirken von Demokratiefeinden gefährden Journalisten die Demokratie – und damit eigentlich ja auch die Basis ihrer Arbeit. Warum bloß?”

    Warum beschreibt Martens das so ausführlich? Weil es hierzulande – und nicht erst fünf Jahre später – längst parallel läuft. Ich schalte zwar immer noch die 20-Uhr-Tagesschau an, aber ertappe mich dabei, dass ich die sparsamen 15 Minuten sehr gerne zum Klogang nutze, weil ich gerne was verpasse. Wenn es um Kriegstüchtigkeit geht, dann läuft es exakt so.

    Der Gründungschef des Bonner BICC, Herbert Wulf, ist kein heissblütiger Polemiker, sondern zeitlebens ein absolut cooler Wissenschaftler. Er gab Matthias Becker/telepolis dieses Interview: “Die russische Bedrohung: Warum der Westen sich selbst in Angst versetzt – 500 Milliarden für die Rüstung – aber ohne Strategie? Friedensforscher Herbert Wulf über westliche Mythen, Machtspiele und fehlende Diplomatie.”

    Dä.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  35. Russische Medien preisen Sahra Wagenknecht. "Die Partei" gewinnt vor Gericht gegen den MDR. Die ARD- Aktion "#KINDERstören" löst teilweise plumpe Reaktionen aus.
    Kolumne: Das Altpapier am 20. August 2024 – Die historischen Vorarbeiten für den AfD-Erfolg
  36. Kolumne: Das Altpapier: Social Media für Dummies

    Social-Media-Trends werden nicht nur zur EM verstärkt auch in journalistischen Medien behandelt. Warum das erstmal komisch, manchmal lustig und in den meisten Fällen wenig sinnvoll ist.
    Kolumne: Das Altpapier am 28. Juni 2024 – Social Media für Dummies

  37. MDR.DE: Kolumne: Das Altpapier am 15. Mai 2024 – Wann wird Journalismus richtig gemeinnützig?

    Dem Anti-Fake-News-Blog "Volksverpetzer" wurde die Gemeinnützigkeit entzogen, was erneut eine Debatte über die aktuell unklare Rechtslage von gemeinnützigen Medien auslöst.
    Kolumne: Das Altpapier am 15. Mai 2024 – Wann wird Journalismus richtig gemeinnützig?

  38. Altpapier: Kolumne: Das Altpapier am 9. April 2024 – Wie einst Franz Alt und Bednarz

    Das jüngste ÖRR-Manifest überzeugt kaum jemanden richtig. Und setzt vielleicht gerade deshalb tatsächlich eine Debatte in Gang. Die ARD-Radios wollen Champions League-Fußballspiele, aber auch Opern live übertragen.
    Kolumne: Das Altpapier am 9. April 2024 – Wie einst Franz Alt und Bednarz

  39. The Godfather (chin.)

    Best of Nubbeldienstag: Chinas “Der Pate”, rassistische Täterfaszination, Biden in Ukraine, Fahrrad-Suvs
    Wenn es ein “Markt” und nicht Macht wäre, dann hätten europäische TV-Anstalten die Sache längst angekauft und mit Übersetzung gesendet. Meine Neugier ist jedenfalls geweckt, weil sie es mir wohl nie zeigen werden, von Guan Xin, der bei […]

    https://extradienst.net/2023/02/21/the-godfather-chin/

  40. Heuchel-Winde um Holzamer

    Etwas verduzt hörte ich von einer angeblich ganz frischen Entdeckung des ZDF, und alle stimmen ein: sein Gründungsintendant Karl Holzamer sei in der NSDAP gewesen, und hätte keinem was davon gesagt. Boah, datt is aber ‘n Ding. Ich bin jetzt 66. Bis 1976 habe ich zusammen mit anderen an meiner Schule eine Schülerbibliothek initiiert und betrieben. Dort legten wir […]

    https://extradienst.net/2023/02/15/heuchel-winde-um-holzamer/

  41. Qualität und Mauern

    Seine Selbstreferentialität treibt den Journalismus schnell an seine Grenzen Die “heute-show” ist selbst Teil des Systems und enthält sich in der Regel der Systemkritik. Sie dreht einfach nur, was alle machen, noch ein Stück weiter. In besseren Momenten (hier ab Minute 31; ich war Freitag schon eingeschlafen, habs aber gestern beim Zappen auf Phönix gesehen) schafft sie Kenntlichkeit. Und wer sein Thema da hineingeschafft hat, kann nicht alles falsch gemacht haben. So erklärt auch René […]

    https://extradienst.net/2022/11/28/qualitaet-und-mauern/

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