#ewaldlienen — Public Fediverse posts
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Wie schon in der "Lage" geschrieben:
Happy Birthday, Ewald Lienen, alles erdenklich Gute zum 70. Geburtstag!Wenn Ihr heute noch irgendwann 1h28m Zeit habt, gönnt Euch diese MagentaTV/WDR Doku: "Eine Griechische Tragödie". Sehr sehenswert.
https://www.ardmediathek.de/video/wdr-dok/ewald-lienen-eine-griechische-tragoedie/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtNTlhNDUyOTQtNGU4Mi00NTMzLWFhN2UtY2VjMTQ1Y2VlNzA3
#FCSP #EwaldLienen -
Nein, es sind nicht nur Irre öffentlich unterwegs. Auch in Kriegszeiten nicht. Täglich lassen sich zarte Vernunfttriebe entdecken, die in der real existierenden Aufmerksamkeitsökonomie zu unrecht übergangen werden. Das hat gestern bereits Ewald Lienen in Köln absolut zutreffend beschrieben. Ich fange mit dem Widerlichsten an (keine Sorge, danach wirds besser). Das ist weit länger, als die 66 Jahre, die ich lebe, die Arbeitsweise der schreibenden Angestellten des deutschen Springerkonzerns. Es wird mir ein ewiges Menschheitsrätsel bleiben, warum es Zeitgenossen*inn*en gibt, die es immer noch nicht begreifen wollen. Boris Rosenkranz/uebermedien erklärt es nochmal allen, die es immer noch nicht begreifen:
“‘Sind Sie dabei?’: Wie die ‘Welt’ Prominente vorführt, weil sie ihr kein ‘Statement gegen den Judenhass’ schicken – Schweigen ist also doch nicht Gold, wie man immer dachte, Schweigen ist gefährlich. Jedenfalls, wenn man prominent ist und nicht darauf eingeht, wenn die ‘Welt am Sonntag’ fragt, ob man mal eben ein Statement ‘gegen den Judenhass’ schicken könnte. Gefährlich ist das, weil man dann schnell als jemand dasteht, der womöglich gar kein Problem hat mit Judenhass.”
Wen das nicht überzeugt, die*der lässt sich vielleicht von der Auflagenentwicklung, die seit über 30 Jahren nur eine Richtung kennt, beeindrucken …
Jetzt wirds besser
“Offener Brief 100 jüdischer Intellektueller: Die Freiheit der Andersdenkenden – Über 100 in Deutschland beheimatete jüdische Künstler:innen, Schriftsteller:innen und Wissenschaftler:innen unterzeichnen diesen offenen Brief. Sie appellieren für Frieden und Meinungsfreiheit.” Das ist für eine bürgerliche Demokratie, die sich für entwickelt hält, zweifellos abgrundtief peinlich. Himmel und Hölle setzt Deutschlands Staatsräson in Bewegung, um ihre historische Schuld auf Andere abzuwälzen. Warum nur versteht der “Rest” der Welt das nicht?
Schon der “Rest” Europas scheint nicht ausschliesslich der in Deutschland herrschenden veröffentlichten Meinung zu sein. Ralf Streck/overton: “Zehntausende demonstrieren in EU-Ländern für eine ‘gerechte’ Palästina-Lösung – In Deutschland geht weitgehend unter, dass sich in anderen EU-Ländern viele Menschen für ein ‘sofortiges Ende’ des israelischen Vorgehens gegen Palästinenser einsetzen, ohne sich hinter die Hamas und ihren Terror zu stellen. Die spanische EU-Ratspräsidentschaft kommt in Konflikt mit Israel, das Regierungsmitgliedern vorwirft, sich mit Terroristen ‘verbündet’ zu haben, weil sie Netanyahu wegen Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof sehen wollen.”
Raub der Sprache
“Ich ertappe mich bei der Lektüre und beim Nachrichtenschauen, die meisten Worte und Sätze als hohl und falsch zu empfinden, als würde die Sprache fehlen für das Richtige. Als wäre die Sprache krank geworden und als würden die Worte fehlen, um das alles akkurat zu beschreiben.” Das schreibt Robert Musik/ipg-journal: “Richtig und falsch zugleich – Nach dem Hamas-Terror und Israels Antwort klingen viele Worte schal. Doch es fehlt nicht nur an Sprache, um der komplexen Situation gerecht zu werden.”
Solange es Leute gibt, die so schreiben können, ist noch nicht alles verloren.
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“Ewald Lienen – Eine griechische Tragödie”
Das Bescheuertste an diesem sehenswerten Dokumentarfilm ist sein Titel. Das gab der strenge Ost-Westfale Ewald Lienen gestern Abend bei der Filmpremiere in Köln gleich zu Beginn der Nachdiskussion zu Protokoll. Sein westfälisches Naturell stellte ihm im Umgang mit der real existierenden Medienökonomie, die in Köln ein natürliches Habitat hat, immer wieder ein Bein. Das ist in diesem Film zu sehen, und war gestern Abend erneut zu spüren.
Bei einer Frage von Moderator Jürgen Bergener reagierte er nur scheinbar humorvoll, in Wirklichkeit war er nicht amüsiert: “Welche Ziele setzt man sich mit 70 Jahren noch?” – “Über deine Fragen müssen wir uns gleich im Anschluss noch mal unterhalten.” Beim anschliessenden Empfang bekam ich von Ewald persönlich die Antwort: das Ehepaar Lienen wird vom Niederrhein wieder zurück in die westfälische Heimat ziehen, und dort den alten Sitz seines Vaters instandsetzen und bewohnen. Zurück zu den Wurzeln als Lebensziel. Naheliegend und journalistisch einfach zu ermitteln – wenn die Frage nicht bescheuert gestellt, sondern als Interesse an dem Menschen und seinem Leben formuliert wird.
Ewald Lienen fremdelte sein ganzes Leben mit den “Mechanismen des Geschäfts”. Die meisten menschlich anständigen und fachlich gereiften Fussballlehrer tun das. Ich denke da an Lucien Favre, der einzige Trainer der Welt, der Mario Balotelli erfolgreich trainierte. Und bewundere das Durchhaltevermögen von Christian Streich, das augenscheinlich auch schon seine Grenzen erreicht. Da der ehrliche Westfale in Ewald nie einem Konflikt aus dem Weg ging, sondern seine Ehrlichkeit immer die Oberhand behielt, hat er es als Trainer nur bei St. Pauli wirklich länger ausgehalten.
Dort nahm seine Karriere dann auch ein im vielfachen Sinn des Wortes glückliches Ende. Das bezeugten der damalige St.Pauli-Manager und heute vielbeschäftigte DFB-Direktor Andreas Rettig und St.Pauli-Präsident und Realo-DFL-Stratege Oke Göttlich gestern durch ihre persönliche vielstündige Anwesenheit. Die drei Jungs haben sich zu Ewalds Karriereende heftig gezofft – Rettig und Göttlich behielten gegenüber dem Sturkopf Ewald die Oberhand, und hatten Recht damit. Es war der beste berufsbiografische Abschluss, den er bekommen konnte. Und heute weiss er das auch.
Und seine Frau Rosa. Sie ist der eigentliche Star des Films, der seine Schwerpunkte auf die Trainerengagements bei AEK Athen und FC St. Pauli setzt. Meine These: ohne seine Gattin hätte Ewald dieses Leben – und das sah gestern sehr blühend und glücklich aus (und ich kann das persönlich nachempfinden) – niemals gesund überstanden. Sie erinnerte mich, und das habe ich beiden gestern auch sagen können, an Ilka Seeler, die starke Frau an der Seite von Deutschlands vielleicht grösstem Fussballstar aller Zeiten Uwe Seeler. Die Lienens hatten das verlinkte Porträt von Reinhold Beckmann noch nicht gesehen. Aber die Parallelität der Ehe- und Liebes-(!)konstellation ist nicht zu übersehen.
Hinter allem steckt der Papst!
Ewald Lienen zeigte sich gestern auf Ballhöhe des medienpolitischen Diskurses. Die Ökonomie dreht sich immer weiter im Katastrophenmodus. Es gibt sie wirklich, diese Katastrophen – an erster Stelle das Klima. Aber, darauf bestand er, und das stimmt ja auch, es gibt auch die guten Nachrichten, die guten Kräfte, die stand- und dauerhaft für Lösungen und Alternativen arbeiten. Die haben aber einen viel zu geringen Stellenwert in der Aufmerksamkeitsökonomie. Ein Fussballprofi steht seine gesamte Karriere an exakt dieser Front, und es kostet ihn sehr viel, dabei ein anständiger Mensch zu bleiben. Die wenigsten schaffen das. Das zeigt dieser gelungene Film von Jesper Petzke deutlich.
Neugierig geworden suchmaschinte ich probeweise hinter der Produktionsfirma Tellux hinterher: eine Tochter der Tellux-Gruppe. Ein Unternehmen dieser Gruppe residiert in Bonn. Hmm, dachte ich, schau doch mal, ob du da jemand kennst. Ach du schreck, da bist du ja wieder mitten im Medienapparat von niemand geringerem als der berüchtigten deutschen Katholischen Kirche (wohin sich aktuell der ehemalige taz- und ARD/MDR-Kollege Steffen Grimberg geflüchtet hat, dessen Wikipedia-Eintrag wiederum aktuell gelöscht ist).
Das, liebe Leser*innen, ist die Unternehmensgruppe, die die Medienkorrespondenz dichtgemacht, und ihre alten Texte in ein kostenpflichtiges Archiv eingemauert hat.
Ich glaube nicht, dass sich Ewald Lienen damit beschäftigen will. Das ist eine Sache für meine Gastautoren und Experten Adalbert Krims und Hans Conrad Zander. Immerhin ist der Papst auch Fussballexperte, und hatte versucht, Lionel Messi nach Argentinien heimzuholen. Aber dafür hat die Kirchensteuer nicht mehr gereicht.
Der Film läuft zu Ewald Lienens 70. Geburtstag Ende November im WDR/ARD und wird dann auch in der ARD-Mediathek angeboten. Eine Telekom/Magenta-Abo ist also unnötig.