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#georgseesslen — Public Fediverse posts

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  1. Marokkos dubiose Rolle

    EU und die deutsche “vierte Gewalt” spielen brav die rechten Drehbücher ab

    Seit ich politisch denken kann, bildet das Feudalregime von Marokko den rechten Flügel der Arabischen Liga. In meiner Lebenszeit gab es nur zwei diktatorisch regierende Könige: Hassan II. und den heute herrschenden Mohammed VI. Aggressiv gegen Menschenrechte, Opposition, Nachbarstaaten und andere Religionen, Aussenposten des Wahabismus. Und heute des Trumpismus.

    Am deutlichsten beschreibt das aktuell Ralf Streck/overton:

    Absurde Debatte um Ceuta-‘Invasion’ durch Marokko vertieft EU-Spaltung – Niemand will benennen, dass es sich um eine Erpressungs-Inszenierung des marokkanischen Regimes handelte, die aus den USA von der Trump-Administration gestützt wird. Das wird auch von der heutigen ‘Dringlichkeitssitzung’ der EU-Innenminister nicht erwartet. Man müsste sich nämlich mit Marokko und den USA anlegen. Die erklärten längst offiziell, dass die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu Marokko gehören. Statt das angegriffene Spanien zu unterstützen, fielen 22 EU-Regierungs- und Staatschefs dem angegriffenen Land in den Rücken und befeuern so neue Aggressionen.”

    Antpnia Groß/MDR-Altpapier analysiert, wie die Mehrheit der deutschen Medien brav diesem feudalfaschistischen Drehbuch folgt:

    Ceuta: Menschen als Katastrophen – Zehntausende Menschen versuchen über die Grenze zu Ceuta nach Spanien zu gelangen, nachdem sie offenbar auf eine Fake-News-Kampagne hereingefallen sind. Trotzdem werden sie jetzt medial zu Angreifern auf die ‘Festung Europa’ erklärt.”

    Weitgehend unter dem Radar medialer Aufmerksamkeit blieb die marokkanische Verwicklung in den irreführend “Qatar-Gate” bezeichneten Lobbyismus-Skandal des EU-Parlaments. Das deutete bereits auf eine hohe Professionalität der marokkanischen Einflussnahme auf die irrlichternde EU-Führung hin. Ist erst drei Jahre her, aber schon weitgehend wieder vergessen.

    In Marokko leben aktuell 38,7 Mio. Menschen, etwas mehr als doppelt so viel, wie in NRW. Wieviele weg wollen? Wer will das wissen? Viele sind schon weg. Laut Google-KI, also ohne Gewähr, sind 1,2 Mio. in Frankreich, 500.000 jetzt schon in Spanien und nur 100.000 in Deutschland. Das ist nicht das Ende.

    Trump-Jünger Infantino zieht um

    So, wie es oft richtig “Follow the money!” heisst, liesse sich abwandeln “Follow Gianni!” Zur WM 2022 hat er seinen Wohnsitz vom Wallis nach Qatar verlegt. Anschliessend wurde er Ankermieter im Trump-Tower/NYC. Nun lädt er als Hauptmieter Mohammeds VI. nach Rabat ein.

    Was kommt in Deutschland unten raus?

    Im engeren Sinne biologisch betrachtet das, was dort immer rauskommt. Besser als ich formuliert es Georg Seesslen/taz:

    Krise der Demokratie: AfD-Wählen als Triebabfuhr – Egal, was passiert, es spielt den Rechtsextremen in die Hände. Warum? Weil es nicht um die Sache geht, sondern um einen Bruch, der Macht verleiht.”

    Ähnlich sieht es auch Matthias Dell/DLF: “Mit Rechten reden? Immer noch keine gute Idee” Audio 4 min.

  2. Marokkos dubiose Rolle

    EU und die deutsche “vierte Gewalt” spielen brav die rechten Drehbücher ab

    Seit ich politisch denken kann, bildet das Feudalregime von Marokko den rechten Flügel der Arabischen Liga. In meiner Lebenszeit gab es nur zwei diktatorisch regierende Könige: Hassan II. und den heute herrschenden Mohammed VI. Aggressiv gegen Menschenrechte, Opposition, Nachbarstaaten und andere Religionen, Aussenposten des Wahabismus. Und heute des Trumpismus.

    Am deutlichsten beschreibt das aktuell Ralf Streck/overton:

    Absurde Debatte um Ceuta-‘Invasion’ durch Marokko vertieft EU-Spaltung – Niemand will benennen, dass es sich um eine Erpressungs-Inszenierung des marokkanischen Regimes handelte, die aus den USA von der Trump-Administration gestützt wird. Das wird auch von der heutigen ‘Dringlichkeitssitzung’ der EU-Innenminister nicht erwartet. Man müsste sich nämlich mit Marokko und den USA anlegen. Die erklärten längst offiziell, dass die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu Marokko gehören. Statt das angegriffene Spanien zu unterstützen, fielen 22 EU-Regierungs- und Staatschefs dem angegriffenen Land in den Rücken und befeuern so neue Aggressionen.”

    Antpnia Groß/MDR-Altpapier analysiert, wie die Mehrheit der deutschen Medien brav diesem feudalfaschistischen Drehbuch folgt:

    Ceuta: Menschen als Katastrophen – Zehntausende Menschen versuchen über die Grenze zu Ceuta nach Spanien zu gelangen, nachdem sie offenbar auf eine Fake-News-Kampagne hereingefallen sind. Trotzdem werden sie jetzt medial zu Angreifern auf die ‘Festung Europa’ erklärt.”

    In Marokko leben aktuell 38,7 Mio. Menschen, etwas mehr als doppelt so viel, wie in NRW. Wieviele weg wollen? Wer will das wissen? Viele sind schon weg. Laut Google-KI, also ohne Gewähr, sind 1,2 Mio. in Frankreich, 500.000 jetzt schon in Spanien und nur 100.000 in Deutschland. Das ist nicht das Ende.

    Trump-Jünger Infantino zieht um

    So, wie es hofft richtig “Follow the money!” heisst, liesse sich abwandeln “Follow Gianni!” Zur WM 2022 hat er seinen Wohnsitz vom Wallis nach Qatar verlegt. Anschliessend wurde er Ankermieter im Trump-Tower/NYC. Nun lädt er als Hauptmieter Mohammeds VI. nach Rabat ein.

    Was kommt in Deutschland unten raus?

    Im engeren Sinne biologisch betrachtet das, was dort immer rauskommt. Besser als ich formuliert es Georg Seesslen/taz:

    Krise der Demokratie: AfD-Wählen als Triebabfuhr – Egal, was passiert, es spielt den Rechtsextremen in die Hände. Warum? Weil es nicht um die Sache geht, sondern um einen Bruch, der Macht verleiht.”

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  3. Marokkos dubiose Rolle

    EU und die deutsche “vierte Gewalt” spielen brav die rechten Drehbücher ab

    Seit ich politisch denken kann, bildet das Feudalregime von Marokko den rechten Flügel der Arabischen Liga. In meiner Lebenszeit gab es nur zwei diktatorisch regierende Könige: Hassan II. und den heute herrschenden Mohammed VI. Aggressiv gegen Menschenrechte, Opposition, Nachbarstaaten und andere Religionen, Aussenposten des Wahabismus. Und heute des Trumpismus.

    Am deutlichsten beschreibt das aktuell Ralf Streck/overton:

    Absurde Debatte um Ceuta-‘Invasion’ durch Marokko vertieft EU-Spaltung – Niemand will benennen, dass es sich um eine Erpressungs-Inszenierung des marokkanischen Regimes handelte, die aus den USA von der Trump-Administration gestützt wird. Das wird auch von der heutigen ‘Dringlichkeitssitzung’ der EU-Innenminister nicht erwartet. Man müsste sich nämlich mit Marokko und den USA anlegen. Die erklärten längst offiziell, dass die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu Marokko gehören. Statt das angegriffene Spanien zu unterstützen, fielen 22 EU-Regierungs- und Staatschefs dem angegriffenen Land in den Rücken und befeuern so neue Aggressionen.”

    Antpnia Groß/MDR-Altpapier analysiert, wie die Mehrheit der deutschen Medien brav diesem feudalfaschistischen Drehbuch folgt:

    Ceuta: Menschen als Katastrophen – Zehntausende Menschen versuchen über die Grenze zu Ceuta nach Spanien zu gelangen, nachdem sie offenbar auf eine Fake-News-Kampagne hereingefallen sind. Trotzdem werden sie jetzt medial zu Angreifern auf die ‘Festung Europa’ erklärt.”

    Weitgehend unter dem Radar medialer Aufmerksamkeit blieb die marokkanische Verwicklung in den irreführend “Qatar-Gate” bezeichneten Lobbyismus-Skandal des EU-Parlaments. Das deutete bereits auf eine hohe Professionalität der marokkanischen Einflussnahme auf die irrlichternde EU-Führung hin. Ist erst drei Jahre her, aber schon weitgehend wieder vergessen.

    In Marokko leben aktuell 38,7 Mio. Menschen, etwas mehr als doppelt so viel, wie in NRW. Wieviele weg wollen? Wer will das wissen? Viele sind schon weg. Laut Google-KI, also ohne Gewähr, sind 1,2 Mio. in Frankreich, 500.000 jetzt schon in Spanien und nur 100.000 in Deutschland. Das ist nicht das Ende.

    Trump-Jünger Infantino zieht um

    So, wie es oft richtig “Follow the money!” heisst, liesse sich abwandeln “Follow Gianni!” Zur WM 2022 hat er seinen Wohnsitz vom Wallis nach Qatar verlegt. Anschliessend wurde er Ankermieter im Trump-Tower/NYC. Nun lädt er als Hauptmieter Mohammeds VI. nach Rabat ein.

    Was kommt in Deutschland unten raus?

    Im engeren Sinne biologisch betrachtet das, was dort immer rauskommt. Besser als ich formuliert es Georg Seesslen/taz:

    Krise der Demokratie: AfD-Wählen als Triebabfuhr – Egal, was passiert, es spielt den Rechtsextremen in die Hände. Warum? Weil es nicht um die Sache geht, sondern um einen Bruch, der Macht verleiht.”

    Ähnlich sieht es auch Matthias Dell/DLF: “Mit Rechten reden? Immer noch keine gute Idee” Audio 4 min.

  4. Kein Systemfehler

    Der Windbeutel im Kanzleramt ist kein Systemfehler, sondern sein Ausdruck

    Das, was die Merz-Bundesregierung als Kulturpolitik simuliert, ist angetrieben vom neidischen Blick auf das Trump-Regime. Das steuerpolitische Aushungern des Föderalismus, die Haushaltspleiten fast aller Bundesländer und Kommunen, machen die verfassungswidrige Durchsetzung geradezu fabelhaft möglich. Georg Seesslen/Jungle World hat es begriffen, und hier besser als irgendjemand Anderes erklärt:

    Staatliche Gängelungen: Weimer als oberster Kurator – Unter der Ägide des Kulturbeauftragten der Bundesregierung, Wolfram Weimer, verabschiedet sich die BRD von einer demokratischen Kulturpolitik, wie sie einst als Lehre aus der Gleichschaltung im Nationalsozialismus konzipiert wurde. Weimer und seine Unterstützer verbinden die Gängelung geschickt mit wirtschaftspolitischen Argumenten.”

    Die AfD freut sich. Sollte ihr eine Machtergreifung gelingen, hat sie weniger Arbeit.

    In den USA gibt es immerhin “No Kings”. Hier dagegen: nur Hosenscheisserei?

  5. Kein Systemfehler

    Der Windbeutel im Kanzleramt ist kein Systemfehler, sondern sein Ausdruck

    Das, was die Merz-Bundesregierung als Kulturpolitik simuliert, ist angetrieben vom neidischen Blick auf das Trump-Regime. Das steuerpolitische Aushungern des Föderalismus, die Haushaltspleiten fast aller Bundesländer und Kommunen, machen die verfassungswidrige Durchsetzung geradezu fabelhaft möglich. Georg Seesslen/Jungle World hat es begriffen, und hier besser als irgendjemand Anderes erklärt:

    Staatliche Gängelungen: Weimer als oberster Kurator – Unter der Ägide des Kulturbeauftragten der Bundesregierung, Wolfram Weimer, verabschiedet sich die BRD von einer demokratischen Kulturpolitik, wie sie einst als Lehre aus der Gleichschaltung im Nationalsozialismus konzipiert wurde. Weimer und seine Unterstützer verbinden die Gängelung geschickt mit wirtschaftspolitischen Argumenten.”

    Die AfD freut sich. Sollte ihr eine Machtergreifung gelingen, hat sie weniger Arbeit.

    In den USA gibt es immerhin “No Kings”. Hier dagegen: nur Hosenscheisserei?

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  6. Kein Systemfehler

    Der Windbeutel im Kanzleramt ist kein Systemfehler, sondern sein Ausdruck

    Das, was die Merz-Bundesregierung als Kulturpolitik simuliert, ist angetrieben vom neidischen Blick auf das Trump-Regime. Das steuerpolitische Aushungern des Föderalismus, die Haushaltspleiten fast aller Bundesländer und Kommunen, machen die verfassungswidrige Durchsetzung geradezu fabelhaft möglich. Georg Seesslen/Jungle World hat es begriffen, und hier besser als irgendjemand Anderes erklärt:

    Staatliche Gängelungen: Weimer als oberster Kurator – Unter der Ägide des Kulturbeauftragten der Bundesregierung, Wolfram Weimer, verabschiedet sich die BRD von einer demokratischen Kulturpolitik, wie sie einst als Lehre aus der Gleichschaltung im Nationalsozialismus konzipiert wurde. Weimer und seine Unterstützer verbinden die Gängelung geschickt mit wirtschaftspolitischen Argumenten.”

    Die AfD freut sich. Sollte ihr eine Machtergreifung gelingen, hat sie weniger Arbeit.

    In den USA gibt es immerhin “No Kings”. Hier dagegen: nur Hosenscheisserei?

  7. Kein Systemfehler

    Der Windbeutel im Kanzleramt ist kein Systemfehler, sondern sein Ausdruck

    Das, was die Merz-Bundesregierung als Kulturpolitik simuliert, ist angetrieben vom neidischen Blick auf das Trump-Regime. Das steuerpolitische Aushungern des Föderalismus, die Haushaltspleiten fast aller Bundesländer und Kommunen, machen die verfassungswidrige Durchsetzung geradezu fabelhaft möglich. Georg Seesslen/Jungle World hat es begriffen, und hier besser als irgendjemand Anderes erklärt:

    Staatliche Gängelungen: Weimer als oberster Kurator – Unter der Ägide des Kulturbeauftragten der Bundesregierung, Wolfram Weimer, verabschiedet sich die BRD von einer demokratischen Kulturpolitik, wie sie einst als Lehre aus der Gleichschaltung im Nationalsozialismus konzipiert wurde. Weimer und seine Unterstützer verbinden die Gängelung geschickt mit wirtschaftspolitischen Argumenten.”

    Die AfD freut sich. Sollte ihr eine Machtergreifung gelingen, hat sie weniger Arbeit.

    In den USA gibt es immerhin “No Kings”. Hier dagegen: nur Hosenscheisserei?

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  8. Nicht “presseähnlich”

    Der heutige Online-Aufmacher des DLF zur Kriegswirtschaft

    Die teuren Jurist*inn*en einiger weniger deutscher Milliardärsclans, jener die durch das Drucken von Zeitungen unermesslich reich (und mächtig) geworden sind, haben diese Waffe geschmiedet: “Presseähnlichkeit”. Als dieses Internet aufkam, und den freien Fluss von Milch und Honig auf ihre Festgeldkonten zu unterbrechen drohte, wandten sie sich mit dieser Waffe gegen die öffentlichen Medien, die uns Deutschen einst von den antifaschistischen Befreiern geschenkt wurden. Es sollte ihnen von gut ausgewählten willfährigen Gerichten verboten werden, die Aneinanderreihung von Buchstaben in dieses Internet zu stellen – nur Töne und bewegte Bilder sollten erlaubt sein.

    Ein untauglicher Versuch, sterbende Monopole zu verteidigen. Aber so ist es deutsch (s. Auto- oder Energieindustrie). Ein besonders offenes Ohr fanden die Milliardär*inn*en, wie fast immer, bei den 16 deutschen Ministerpräsident*inn*en und in deren Staatskanzleien der Bundesländer. Denn dort werden die Gesetze (“Staatsverträge”) geschrieben, auf deren Basis die öffentlichen Medien arbeiten müssen. Die Chef*innen in diesen Medien zittern längst vor jeder Landtagswahl, die eine Kündigung ihres Staatsvertrages zur Folge haben könnte. Denn die AfD lehnt Geschenke von antifaschistischen Befreier*inne*n konsequent ab. Ihre Priorität sind Geschenke für die Milliardär*inn*e*n, von denen sie längst bespendet wird – die legitimen Botschafter Donald Trumps in der BRD.

    Womit wir schon bei dem erhellenden Beitrag sind, der heute die Startseite des Deutschlandfunks einige Stunden aufmachen durfte. Er ist schon deswegen nicht presseähnlich, weil mir keine Presse in unserem Land bekannt ist, die sowas noch druckt. Halten Sie es also in Ehren, es ist selten. Und offen, wie lange es in unserer Republik noch publiziert werden kann:

    Markus Metz und Georg Seeßlen: Die neuen Dealmaker: Über Wirtschaftskriege und Kriegswirtschaften – Mit Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident zerbricht die Nachkriegsordnung der Weltwirtschaft. Handelskriege und nationale Egoismen prägen Politik und Ökonomie. Zahlen die Bürger den Preis für Profite und Macht?”

    Das gleiche Sujet behandelt

    Kurt Terstegen/Jacobin: Opportunisten kenne keine Klassen – Militarismus galt lange als rechtes Thema. Heute sehen wir eine linksliberale Mobilisierung, die auf Opferbereitschaft für den deutschen Staat setzt. Damit fallen die heutigen Liberalen hinter bürgerliche Errungenschaften zurück.”

    Habermas

    Der soeben verstorbene Jürgen Habermas hat sich ebenfalls mit diesem Menschheitsproblem intensiv intellektuell und publizistisch auseinandergesetzt, so lange es seine Kraft erlaubte. Die Medien sind mit Nachrufen zu ihm geflutet, überwiegend digital vermauert. Die Blätter haben ältere Texte online frei gestellt, einer zu seinem 95. Geburtstag und ein noch älteres Interview mit ihm selbst:

    Albrecht v. Lucke: »Go west«, trotz alledem – Das unvollendete Projekt des Jürgen Habermas” (2024)

    Wege aus der Weltunordnung – Interview mit dem Philosophen und “Blätter”Mitherausgeber Jürgen Habermas” (2004)

  9. Nicht “presseähnlich”

    Der heutige Online-Aufmacher des DLF zur Kriegswirtschaft

    Die teuren Jurist*inn*en einiger weniger deutscher Milliardärsclans, jener die durch das Drucken von Zeitungen unermesslich reich (und mächtig) geworden sind, haben diese Waffe geschmiedet: “Presseähnlichkeit”. Als dieses Internet aufkam, und den freien Fluss von Milch und Honig auf ihre Festgeldkonten zu unterbrechen drohte, wandten sie sich mit dieser Waffe gegen die öffentlichen Medien, die uns Deutschen einst von den antifaschistischen Befreiern geschenkt wurden. Es sollte ihnen von gut ausgewählten willfährigen Gerichten verboten werden, die Aneinanderreihung von Buchstaben in dieses Internet zu stellen – nur Töne und bewegte Bilder sollten erlaubt sein.

    Ein untauglicher Versuch, sterbende Monopole zu verteidigen. Aber so ist es deutsch (s. Auto- oder Energieindustrie). Ein besonders offenes Ohr fanden die Milliardär*inn*en, wie fast immer, bei den 16 deutschen Ministerpräsident*inn*en und in deren Staatskanzleien der Bundesländer. Denn dort werden die Gesetze (“Staatsverträge”) geschrieben, auf deren Basis die öffentlichen Medien arbeiten müssen. Die Chef*innen in diesen Medien zittern längst vor jeder Landtagswahl, die eine Kündigung ihres Staatsvertrages zur Folge haben könnte. Denn die AfD lehnt Geschenke von antifaschistischen Befreier*inne*n konsequent ab. Ihre Priorität sind Geschenke für die Milliardär*inn*e*n, von denen sie längst bespendet wird – die legitimen Botschafter Donald Trumps in der BRD.

    Womit wir schon bei dem erhellenden Beitrag sind, der heute die Startseite des Deutschlandfunks einige Stunden aufmachen durfte. Er ist schon deswegen nicht presseähnlich, weil mir keine Presse in unserem Land bekannt ist, die sowas noch druckt. Halten Sie es also in Ehren, es ist selten. Und offen, wie lange es in unserer Republik noch publiziert werden kann:

    Markus Metz und Georg Seeßlen: Die neuen Dealmaker: Über Wirtschaftskriege und Kriegswirtschaften – Mit Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident zerbricht die Nachkriegsordnung der Weltwirtschaft. Handelskriege und nationale Egoismen prägen Politik und Ökonomie. Zahlen die Bürger den Preis für Profite und Macht?”

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  10. Nicht “presseähnlich”

    Der heutige Online-Aufmacher des DLF zur Kriegswirtschaft

    Die teuren Jurist*inn*en einiger weniger deutscher Milliardärsclans, jener die durch das Drucken von Zeitungen unermesslich reich (und mächtig) geworden sind, haben diese Waffe geschmiedet: “Presseähnlichkeit”. Als dieses Internet aufkam, und den freien Fluss von Milch und Honig auf ihre Festgeldkonten zu unterbrechen drohte, wandten sie sich mit dieser Waffe gegen die öffentlichen Medien, die uns Deutschen einst von den antifaschistischen Befreiern geschenkt wurden. Es sollte ihnen von gut ausgewählten willfährigen Gerichten verboten werden, die Aneinanderreihung von Buchstaben in dieses Internet zu stellen – nur Töne und bewegte Bilder sollten erlaubt sein.

    Ein untauglicher Versuch, sterbende Monopole zu verteidigen. Aber so ist es deutsch (s. Auto- oder Energieindustrie). Ein besonders offenes Ohr fanden die Milliardär*inn*en, wie fast immer, bei den 16 deutschen Ministerpräsident*inn*en und in deren Staatskanzleien der Bundesländer. Denn dort werden die Gesetze (“Staatsverträge”) geschrieben, auf deren Basis die öffentlichen Medien arbeiten müssen. Die Chef*innen in diesen Medien zittern längst vor jeder Landtagswahl, die eine Kündigung ihres Staatsvertrages zur Folge haben könnte. Denn die AfD lehnt Geschenke von antifaschistischen Befreier*inne*n konsequent ab. Ihre Priorität sind Geschenke für die Milliardär*inn*e*n, von denen sie längst bespendet wird – die legitimen Botschafter Donald Trumps in der BRD.

    Womit wir schon bei dem erhellenden Beitrag sind, der heute die Startseite des Deutschlandfunks einige Stunden aufmachen durfte. Er ist schon deswegen nicht presseähnlich, weil mir keine Presse in unserem Land bekannt ist, die sowas noch druckt. Halten Sie es also in Ehren, es ist selten. Und offen, wie lange es in unserer Republik noch publiziert werden kann:

    Markus Metz und Georg Seeßlen: Die neuen Dealmaker: Über Wirtschaftskriege und Kriegswirtschaften – Mit Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident zerbricht die Nachkriegsordnung der Weltwirtschaft. Handelskriege und nationale Egoismen prägen Politik und Ökonomie. Zahlen die Bürger den Preis für Profite und Macht?”

    Das gleiche Sujet behandelt

    Kurt Terstegen/Jacobin: Opportunisten kenne keine Klassen – Militarismus galt lange als rechtes Thema. Heute sehen wir eine linksliberale Mobilisierung, die auf Opferbereitschaft für den deutschen Staat setzt. Damit fallen die heutigen Liberalen hinter bürgerliche Errungenschaften zurück.”

    Habermas

    Der soeben verstorbene Jürgen Habermas hat sich ebenfalls mit diesem Menschheitsproblem intensiv intellektuell und publizistisch auseinandergesetzt, so lange es seine Kraft erlaubte. Die Medien sind mit Nachrufen zu ihm geflutet, überwiegend digital vermauert. Die Blätter haben ältere Texte online frei gestellt, einer zu seinem 95. Geburtstag und ein noch älteres Interview mit ihm selbst:

    Albrecht v. Lucke: »Go west«, trotz alledem – Das unvollendete Projekt des Jürgen Habermas” (2024)

    Wege aus der Weltunordnung – Interview mit dem Philosophen und “Blätter”Mitherausgeber Jürgen Habermas” (2004)

  11. Nicht “presseähnlich”

    Der heutige Online-Aufmacher des DLF zur Kriegswirtschaft

    Die teuren Jurist*inn*en einiger weniger deutscher Milliardärsclans, jener die durch das Drucken von Zeitungen unermesslich reich (und mächtig) geworden sind, haben diese Waffe geschmiedet: “Presseähnlichkeit”. Als dieses Internet aufkam, und den freien Fluss von Milch und Honig auf ihre Festgeldkonten zu unterbrechen drohte, wandten sie sich mit dieser Waffe gegen die öffentlichen Medien, die uns Deutschen einst von den antifaschistischen Befreiern geschenkt wurden. Es sollte ihnen von gut ausgewählten willfährigen Gerichten verboten werden, die Aneinanderreihung von Buchstaben in dieses Internet zu stellen – nur Töne und bewegte Bilder sollten erlaubt sein.

    Ein untauglicher Versuch, sterbende Monopole zu verteidigen. Aber so ist es deutsch (s. Auto- oder Energieindustrie). Ein besonders offenes Ohr fanden die Milliardär*inn*en, wie fast immer, bei den 16 deutschen Ministerpräsident*inn*en und in deren Staatskanzleien der Bundesländer. Denn dort werden die Gesetze (“Staatsverträge”) geschrieben, auf deren Basis die öffentlichen Medien arbeiten müssen. Die Chef*innen in diesen Medien zittern längst vor jeder Landtagswahl, die eine Kündigung ihres Staatsvertrages zur Folge haben könnte. Denn die AfD lehnt Geschenke von antifaschistischen Befreier*inne*n konsequent ab. Ihre Priorität sind Geschenke für die Milliardär*inn*e*n, von denen sie längst bespendet wird – die legitimen Botschafter Donald Trumps in der BRD.

    Womit wir schon bei dem erhellenden Beitrag sind, der heute die Startseite des Deutschlandfunks einige Stunden aufmachen durfte. Er ist schon deswegen nicht presseähnlich, weil mir keine Presse in unserem Land bekannt ist, die sowas noch druckt. Halten Sie es also in Ehren, es ist selten. Und offen, wie lange es in unserer Republik noch publiziert werden kann:

    Markus Metz und Georg Seeßlen: Die neuen Dealmaker: Über Wirtschaftskriege und Kriegswirtschaften – Mit Donald Trumps zweiter Amtszeit als US-Präsident zerbricht die Nachkriegsordnung der Weltwirtschaft. Handelskriege und nationale Egoismen prägen Politik und Ökonomie. Zahlen die Bürger den Preis für Profite und Macht?”

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  12. Blattkritik – taz

    mit Update 19.2.

    Täglich besuche ich ca. 30 Online-Portale. In loser Folge schreibe ich eine “Blattkritik”. Im normalen Leben, früher, als Journalismus noch ernstgenommen wurde von seinen Produzent*inn*en und Konsument*inn*en, war es eine gute Sitte, dass Redaktionen für die morgendliche Sitzung Kritiker*innen von aussen einluden, um ihre Selbstreferentialität konstruktiv zu bekämpfen. Kritik bedeutet: Lob und Tadel in einem ausgewogenen Verhältnis. Mein erster Versuch.

    Als die taz Ende der 70er Jahre gegründet wurde, war ich bei der Konkurrenz: “Die Neue” hielt jedoch nur wenige Jahre betriebswirtschaftlich durch. Meine Autorenhonrare, die ich ihr irgendwann als Kredit gewährte, gingen verloren. Es müssen so um die 3-5.000 Mark gewesen sein. Als ich 2005/06 eine zeitlang Texte für die taz lieferte, hörte ich schnell wieder damit auf. Inkompetente Redakteure wollten meine Texte in ein konstruiertes Format zwängen, eine Nerverei, die in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand und vor allem zum Zeilenhonorar stand.

    Daraus ergab sich über Jahrzehnte, dass Journailst*inn*en ihre Berufslaufbahn gerne in der taz starteten, um sich dann zügig von besserzahlenden Medien abwerben zu lassen. Übrigens auch vom Springerkonzern, da sind viele ganz schmerzfrei.

    Lange Vorrede, ich weiss.

    Die taz-Startseite eröffnet heute morgen – Überraschung! – mit einem relevanten Thema:

    Oxfam-Chef über Milliardäre: ‘Viele Demokratien entwickeln sich zu Oligarchien’ – Extreme Ungleichheit gefährdet Rechtsstaatlichkeit und Multilateralismus, sagt Oxfam-International-Chef Amitabh Behar. Aber es gebe Ansätze dagegen.”

    Kompliment also an die interviewende Redakteurin Leila van Rinsum. Thema gut gesetzt. Danach sinkt die Relevanz schnell auf Lokalblattniveau, Berlin eben: eine chinesische Kaffeekette. Kennen wir hier in Beuel nicht. Und wir sind ein Kaffee-Hotspot.

    Die Tratsch- und “Lebenshilfe”-Kolumnen haben im taz-Kosmos eine sehr anstrengende Überhand genommen: “To-do-Listen machen glücklich”. Herrjeh, haben wir nicht wichtigere Probleme? Doch haben wir. “Suchtmaschinen”, “Langlaufen”, “Ukraine”, “Berlinale” bis der Arzt kommt. Wen interessiert das hier im Westen, wo die meisten wohnen?

    Eine Insel der Vernunft ist erreicht, wenn frau*mann sich zur Karikatur heruntergescrollt hat. Meine Lieblingszeichner: “Beck” und “BurkH”, Letzterer leidender Borussia-Fan wie ich, Ersterer Slowfood-Fan wie ich.

    Unten angekommen forste ich die alten Ressorts der früheren Druckausgabe durch: Politik, Öko, Gesellschaft, Kultur, Sport – überspringe die Lokalausgaben Nord und Berlin um geradewegs endlich bei der Wahrheit zu landen, wo der Touché-Cartoon täglich meinen Unmut befriedet.

    Heute bin ich auf diesem Weg nirgends lesend hängengeblieben. War das schön, als immer mittwochs die fabulöse Silke Burmester die “Kriegsreporterin” aus der was-mit-Medien-Branche gab. Ich vermisse die “Schlagloch”-Kolumne, die gewöhnlich ein intellektueller Höhepunkt im taz-Unkraut ist. Normal wäre heute Georg Seesslen dran, und nächste Woche Charlotte Wiedemann, die ich immer ungeduldig erwarte. Sind sie unter das Fallbeil der “Digitalisierungsstrategie” gefallen? Wie so vieles?

    Das wäre von Übel. Von grossem. Aber die Onlineredaktion der taz arbeitet traditionell erratisch. Möglich, dass es noch kommt.

    Vorschlag zur Güte an die digitale taz: Minimalstandard von Onlinepublizistik ist, verweisende informative Links nicht nur auf sich selbst zu setzen, sondern auf Originaltexte, -studien usw. Das wäre wertsteigernd.

    Update 19.2.

    Die neue Kolumne von Georg Seesslen ist heute online:

    Faschismus als Kampfbegriff: Goggelmoggels Sprachlektionen – Sprache ist nicht nur ein Mittel zur gegenseitigen Verständigung. Sie wird mehr denn je zum Machtinstrument und damit auch zur Waffe.”

    Danke. Das ist wichtig.

  13. Blattkritik – taz

    Täglich besuche ich ca. 30 Online-Portale. In loser Folge schreibe ich eine “Blattkritik”. Im normalen Leben, früher, als Journalismus noch ernstgenommen wurde von seinen Produzent*inn*en und Konsument*inn*en, war es eine gute Sitte, dass Redaktionen für die morgendliche Sitzung Kritiker*innen von aussen einluden, um ihre Selbstreferentialität konstruktiv zu bekämpfen. Kritik bedeutet: Lob und Tadel in einem ausgewogenen Verhältnis. Mein erster Versuch.

    Als die taz Ende der 70er Jahre gegründet wurde, war ich bei der Konkurrenz: “Die Neue” hielt jedoch nur wenige Jahre betriebswirtschaftlich durch. Meine Autorenhonrare, die ich ihr irgendwann als Kredit gewährte, gingen verloren. Es müssen so um die 3-5.000 Mark gewesen sein. Als ich 2005/06 eine zeitlang Texte für die taz lieferte, hörte ich schnell wieder damit auf. Inkompetente Redakteure wollten meine Texte in ein konstruiertes Format zwängen, eine Nerverei, die in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand und vor allem zum Zeilenhonorar stand.

    Daraus ergab sich über Jahrzehnte, dass Journailst*inn*en ihre Berufslaufbahn gerne in der taz starteten, um sich dann zügig von besserzahlenden Medien abwerben zu lassen. Übrigens auch vom Springerkonzern, da sind viele ganz schmerzfrei.

    Lange Vorrede, ich weiss.

    Die taz-Startseite eröffnet heute morgen – Überraschung! – mit einem relevanten Thema:

    Oxfam-Chef über Milliardäre: ‘Viele Demokratien entwickeln sich zu Oligarchien’ – Extreme Ungleichheit gefährdet Rechtsstaatlichkeit und Multilateralismus, sagt Oxfam-International-Chef Amitabh Behar. Aber es gebe Ansätze dagegen.”

    Kompliment also an die interviewende Redakteurin Leila van Rinsum. Thema gut gesetzt. Danach sinkt die Relevanz schnell auf Lokalblattniveau, Berlin eben: eine chinesische Kaffeekette. Kennen wir hier in Beuel nicht. Und wir sind ein Kaffee-Hotspot.

    Die Tratsch- und “Lebenshilfe”-Kolumnen haben im taz-Kosmos eine sehr anstrengende Überhand genommen: “To-do-Listen machen glücklich”. Herrjeh, haben wir nicht wichtigere Probleme? Doch haben wir. “Suchtmaschinen”, “Langlaufen”, “Ukraine”, “Berlinale” bis der Arzt kommt. Wen interessiert das hier im Westen, wo die meisten wohnen?

    Eine Insel der Vernunft ist erreicht, wenn frau*mann sich zur Karikatur heruntergescrollt hat. Meine Lieblingszeichner: “Beck” und “BurkH”, Letzterer leidender Borussia-Fan wie ich, Ersterer Slowfood-Fan wie ich.

    Unten angekommen forste ich die alten Ressorts der früheren Druckausgabe durch: Politik, Öko, Gesellschaft, Kultur, Sport – überspringe die Lokalausgaben Nord und Berlin um geradewegs endlich bei der Wahrheit zu landen, wo der Touché-Cartoon täglich meinen Unmut befriedet.

    Heute bin ich auf diesem Weg nirgends lesend hängengeblieben. War das schön, als immer mittwochs die fabulöse Silke Burmester die “Kriegsreporterin” aus der was-mit-Medien-Branche gab. Ich vermisse die “Schlagloch”-Kolumne, die gewöhnlich ein intellektueller Höhepunkt im taz-Unkraut ist. Normal wäre heute Georg Seesslen dran, und nächste Woche Charlotte Wiedemann, die ich immer ungeduldig erwarte. Sind sie unter das Fallbeil der “Digitalisierungsstrategie” gefallen? Wie so vieles?

    Das wäre von Übel. Von grossem. Aber die Onlineredaktion der taz arbeitet traditionell erratisch. Möglich, dass es noch kommt.

    Vorschlag zur Güte an die digitale taz: Minimalstandard von Onlinepublizistik ist, verweisende informative Links nicht nur auf sich selbst zu setzen, sondern auf Originaltexte, -studien usw. Das wäre wertsteigernd.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  14. Blattkritik – taz

    Täglich besuche ich ca. 30 Online-Portale. In loser Folge schreibe ich eine “Blattkritik”. Im normalen Leben, früher, als Journalismus noch ernstgenommen wurde von seinen Produzent*inn*en und Konsument*inn*en. war es eine gute Sitte, dass Redaktionen für die morgendliche Sitzung Kritiker*innen von aussen einluden, um ihre Selbstreferentialität konstruktiv zu bekämpfen. Kritik bedeutet: Lob und Tadel in einem ausgewogenen Verhältnis. Mein erster Versuch.

    Als die taz Ende der 70er Jahre gegründet wurde, war ich bei der Konkurrenz: “Die Neue” hielt jedoch nur wenige Jahre betriebswirtschaftlich durch. Meine Autorenhonrare, die ich ihr irgendwann als Kredit gewährte, gingen verloren. Es müssen so um die 3-5.000 Mark gewesen sein. Als ich 2005/06 eine zeitlang Texte für die taz lieferte, hörte ich schnell wieder damit auf. Inkompetente Redakteure wollten meine Texte in ein konstruiertes Format zwängen, eine Nerverei, die in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand und vor allem zum Zeilenhonorar stand.

    Daraus ergab sich über Jahrzehnte, dass Journailst*inn*en ihre Berufslaufbahn gerne in der taz starteten, um sich dann zügig von besserzahlenden Medien abwerben zu lassen. Übrigens auch vom Springerkonzern, da sind viele ganz schmerzfrei.

    Lange Vorrede, ich weiss.

    Die taz-Startseite eröffnet heute morgen – Überraschung! – mit einem relevanten Thema:

    Oxfam-Chef über Milliardäre: ‘Viele Demokratien entwickeln sich zu Oligarchien’ – Extreme Ungleichheit gefährdet Rechtsstaatlichkeit und Multilateralismus, sagt Oxfam-International-Chef Amitabh Behar. Aber es gebe Ansätze dagegen.”

    Kompliment also an die interviewende Redakteurin Leila van Rinsum. Thema gut gesetzt. Danach sinkt die Relevanz schnell auf Lokalblattniveau, Berlin eben: eine chinesische Kaffeekette. Kennen wir hier in Beuel nicht. Und wir sind ein Kaffee-Hotspot.

    Die Tratsch- und “Lebenshilfe”-Kolumnen haben im taz-Kosmos eine sehr anstrengende Überhand genommen: “To-do-Listen machen glücklich”. Herrjeh, haben wir nicht wichtigere Probleme? Doch haben wir. “Suchtmaschinen”, “Langlaufen”, “Ukraine”, “Berlinale” bis der Arzt kommt. Wen interessiert das hier im Westen, wo die meisten wohnen?

    Eine Insel der Vernunft ist erreicht, wenn frau*mann sich zur Karikatur heruntergescrollt hat. Meine Lieblingszeichner: “Beck” und “BurkH”, Letzterer leidender Borussia-Fan wie ich, Ersterer Slowfood-Fan wie ich.

    Unten angekommen forste ich die alten Ressorts der früheren Druckausgabe durch: Politik, Öko, Gesellschaft, Kultur, Sport – überspringe die Lokalausgaben Nord und Berlin um geradewegs endlich bei der Wahrheit zu landen, wo der Touché-Cartoon täglich meinen Unmut befriedet.

    Heute bin ich auf diesem Weg nirgends lesend hängengeblieben. War das schön, als immer mittwochs die fabulöse Silke Burmester die “Kriegsreporterin” aus der was-mit-Medien-Branche gab. Ich vermisse die “Schlagloch”-Kolumne, die gewöhnlich ein intellektueller Höhepunkt im taz-Unkraut ist. Normal wäre heute Georg Seesslen dran, und nächste Woche Charlotte Wiedemann, die ich immer ungeduldig erwarte. Sind sie unter das Fallbeil der “Digitalisierungsstrategie” gefallen? Wie so vieles?

    Das wäre von Übel. Von grossem. Aber die Onlineredaktion der taz arbeitet traditionell erratisch. Möglich, dass es noch kommt.

    Vorschlag zur Güte an die digitale taz: Minimalstandard von Onlinepublizistik ist, verweisende informative Links nicht nur auf sich selbst zu setzen, sondern auf Originaltexte, -studien usw. Das wäre wertsteigernd.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  15. Blattkritik – taz

    mit Update 19.2.

    Täglich besuche ich ca. 30 Online-Portale. In loser Folge schreibe ich eine “Blattkritik”. Im normalen Leben, früher, als Journalismus noch ernstgenommen wurde von seinen Produzent*inn*en und Konsument*inn*en, war es eine gute Sitte, dass Redaktionen für die morgendliche Sitzung Kritiker*innen von aussen einluden, um ihre Selbstreferentialität konstruktiv zu bekämpfen. Kritik bedeutet: Lob und Tadel in einem ausgewogenen Verhältnis. Mein erster Versuch.

    Als die taz Ende der 70er Jahre gegründet wurde, war ich bei der Konkurrenz: “Die Neue” hielt jedoch nur wenige Jahre betriebswirtschaftlich durch. Meine Autorenhonrare, die ich ihr irgendwann als Kredit gewährte, gingen verloren. Es müssen so um die 3-5.000 Mark gewesen sein. Als ich 2005/06 eine zeitlang Texte für die taz lieferte, hörte ich schnell wieder damit auf. Inkompetente Redakteure wollten meine Texte in ein konstruiertes Format zwängen, eine Nerverei, die in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand und vor allem zum Zeilenhonorar stand.

    Daraus ergab sich über Jahrzehnte, dass Journailst*inn*en ihre Berufslaufbahn gerne in der taz starteten, um sich dann zügig von besserzahlenden Medien abwerben zu lassen. Übrigens auch vom Springerkonzern, da sind viele ganz schmerzfrei.

    Lange Vorrede, ich weiss.

    Die taz-Startseite eröffnet heute morgen – Überraschung! – mit einem relevanten Thema:

    Oxfam-Chef über Milliardäre: ‘Viele Demokratien entwickeln sich zu Oligarchien’ – Extreme Ungleichheit gefährdet Rechtsstaatlichkeit und Multilateralismus, sagt Oxfam-International-Chef Amitabh Behar. Aber es gebe Ansätze dagegen.”

    Kompliment also an die interviewende Redakteurin Leila van Rinsum. Thema gut gesetzt. Danach sinkt die Relevanz schnell auf Lokalblattniveau, Berlin eben: eine chinesische Kaffeekette. Kennen wir hier in Beuel nicht. Und wir sind ein Kaffee-Hotspot.

    Die Tratsch- und “Lebenshilfe”-Kolumnen haben im taz-Kosmos eine sehr anstrengende Überhand genommen: “To-do-Listen machen glücklich”. Herrjeh, haben wir nicht wichtigere Probleme? Doch haben wir. “Suchtmaschinen”, “Langlaufen”, “Ukraine”, “Berlinale” bis der Arzt kommt. Wen interessiert das hier im Westen, wo die meisten wohnen?

    Eine Insel der Vernunft ist erreicht, wenn frau*mann sich zur Karikatur heruntergescrollt hat. Meine Lieblingszeichner: “Beck” und “BurkH”, Letzterer leidender Borussia-Fan wie ich, Ersterer Slowfood-Fan wie ich.

    Unten angekommen forste ich die alten Ressorts der früheren Druckausgabe durch: Politik, Öko, Gesellschaft, Kultur, Sport – überspringe die Lokalausgaben Nord und Berlin um geradewegs endlich bei der Wahrheit zu landen, wo der Touché-Cartoon täglich meinen Unmut befriedet.

    Heute bin ich auf diesem Weg nirgends lesend hängengeblieben. War das schön, als immer mittwochs die fabulöse Silke Burmester die “Kriegsreporterin” aus der was-mit-Medien-Branche gab. Ich vermisse die “Schlagloch”-Kolumne, die gewöhnlich ein intellektueller Höhepunkt im taz-Unkraut ist. Normal wäre heute Georg Seesslen dran, und nächste Woche Charlotte Wiedemann, die ich immer ungeduldig erwarte. Sind sie unter das Fallbeil der “Digitalisierungsstrategie” gefallen? Wie so vieles?

    Das wäre von Übel. Von grossem. Aber die Onlineredaktion der taz arbeitet traditionell erratisch. Möglich, dass es noch kommt.

    Vorschlag zur Güte an die digitale taz: Minimalstandard von Onlinepublizistik ist, verweisende informative Links nicht nur auf sich selbst zu setzen, sondern auf Originaltexte, -studien usw. Das wäre wertsteigernd.

    Update 19.2.

    Die neue Kolumne von Georg Seesslen ist heute online:

    Faschismus als Kampfbegriff: Goggelmoggels Sprachlektionen – Sprache ist nicht nur ein Mittel zur gegenseitigen Verständigung. Sie wird mehr denn je zum Machtinstrument und damit auch zur Waffe.”

    Danke. Das ist wichtig.

  16. Blattkritik – taz

    Täglich besuche ich ca. 30 Online-Portale. In loser Folge schreibe ich eine “Blattkritik”. Im normalen Leben, früher, als Journalismus noch ernstgenommen wurde von seinen Produzent*inn*en und Konsument*inn*en. war es eine gute Sitte, dass Redaktionen für die morgendliche Sitzung Kritiker*innen von aussen einluden, um ihre Selbstreferentialität konstruktiv zu bekämpfen. Kritik bedeutet: Lob und Tadel in einem ausgewogenen Verhältnis. Mein erster Versuch.

    Als die taz Ende der 70er Jahre gegründet wurde, war ich bei der Konkurrenz: “Die Neue” hielt jedoch nur wenige Jahre betriebswirtschaftlich durch. Meine Autorenhonrare, die ich ihr irgendwann als Kredit gewährte, gingen verloren. Es müssen so um die 3-5.000 Mark gewesen sein. Als ich 2005/06 eine zeitlang Texte für die taz lieferte, hörte ich schnell wieder damit auf. Inkompetente Redakteure wollten meine Texte in ein konstruiertes Format zwängen, eine Nerverei, die in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand und vor allem zum Zeilenhonorar stand.

    Daraus ergab sich über Jahrzehnte, dass Journailst*inn*en ihre Berufslaufbahn gerne in der taz starteten, um sich dann zügig von besserzahlenden Medien abwerben zu lassen. Übrigens auch vom Springerkonzern, da sind viele ganz schmerzfrei.

    Lange Vorrede, ich weiss.

    Die taz-Startseite eröffnet heute morgen – Überraschung! – mit einem relevanten Thema:

    Oxfam-Chef über Milliardäre: ‘Viele Demokratien entwickeln sich zu Oligarchien’ – Extreme Ungleichheit gefährdet Rechtsstaatlichkeit und Multilateralismus, sagt Oxfam-International-Chef Amitabh Behar. Aber es gebe Ansätze dagegen.”

    Kompliment also an die interviewende Redakteurin Leila van Rinsum. Thema gut gesetzt. Danach sinkt die Relevanz schnell auf Lokalblattniveau, Berlin eben: eine chinesische Kaffeekette. Kennen wir hier in Beuel nicht. Und wir sind ein Kaffee-Hotspot.

    Die Tratsch- und “Lebenshilfe”-Kolumnen haben im taz-Kosmos eine sehr anstrengende Überhand genommen: “To-do-Listen machen glücklich”. Herrjeh, haben wir nicht wichtigere Probleme? Doch haben wir. “Suchtmaschinen”, “Langlaufen”, “Ukraine”, “Berlinale” bis der Arzt kommt. Wen interessiert das hier im Westen, wo die meisten wohnen?

    Eine Insel der Vernunft ist erreicht, wenn frau*mann sich zur Karikatur heruntergescrollt hat. Meine Lieblingszeichner: “Beck” und “BurkH”, Letzterer leidender Borussia-Fan wie ich, Ersterer Slowfood-Fan wie ich.

    Unten angekommen forste ich die alten Ressorts der früheren Druckausgabe durch: Politik, Öko, Gesellschaft, Kultur, Sport – überspringe die Lokalausgaben Nord und Berlin um geradewegs endlich bei der Wahrheit zu landen, wo der Touché-Cartoon täglich meinen Unmut befriedet.

    Heute bin ich auf diesem Weg nirgends lesend hängengeblieben. War das schön, als immer mittwochs die fabulöse Silke Burmester die “Kriegsreporterin” aus der was-mit-Medien-Branche gab. Ich vermisse die “Schlagloch”-Kolumne, die gewöhnlich ein intellektueller Höhepunkt im taz-Unkraut ist. Normal wäre heute Georg Seesslen dran, und nächste Woche Charlotte Wiedemann, die ich immer ungeduldig erwarte. Sind sie unter das Fallbeil der “Digitalisierungsstrategie” gefallen? Wie so vieles?

    Das wäre von Übel. Von grossem. Aber die Onlineredaktion der taz arbeitet traditionell erratisch. Möglich, dass es noch kommt.

    Vorschlag zur Güte an die digitale taz: Minimalstandard von Onlinepublizistik ist, verweisende informative Links nicht nur auf sich selbst zu setzen, sondern auf Originaltexte, -studien usw. Das wäre wertsteigernd.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  17. TechBros und ihre starken Schwestern

    Der grosse überall aneckende Kapitalismus-Erklärer Tomasz Konicz publiziert jetzt beim schweizerischen Online-Magazin “Untergrundblättle”. Dort habe ich dies mit Interesse gelesen:

    Abschied von der Illusion des Konsumenten-Kapitalismus: Auf dem Altar des Techno-Gottes – Ausblicke auf neue Formen der Krisenkonkurrenz in der aufziehenden autoritären Ära des allseitigen spätkapitalistischen Mangels.”

    Wie so oft bei diesem Autor verzichtet er auf eine Strategiediskussion. Welche Möglichkeiten politischen, und letztendlich menschlichen Eingriffs in die beschriebene Entwicklung gibt es? Das könnte sein grandioses analytisches Gedankengebäude an vielen Stellen zum Einsturz bringen. Denn genau solche Politik muss entwickelt werden. Und ja, ich gestehe, dass ich recht vergeblich nach geeigneten durchsetzungsstarken Träger*inne*n solcher Politik suche.

    Konicz bleibt gedanklich bei dem hängen, was Georg Seesslen/taz so benennt: “Bevor man sich, mit den bescheidenen Mitteln, die jeder Einzelne hat, an die schwere Aufgabe einer Verteidigung der Demokratie macht, muss man sich wohl zweier Dinge versichern, nämlich erstens, dass es dafür noch nicht zu spät ist (die Fatalismus-Falle), und zweitens, dass es dafür immer noch genügend aufrechte und mutige Menschen gibt, für die und mit denen es sich lohnt (die Misanthropie-Falle).”

    Da sage ich “Yessir!”

    Und nun zu den Schwestern

    Starke Frauen sind schon über das Bescheidwissen hinaus und handeln.

    Merle Groneweg (Interview)/Jacobin: »Auch ich war ein Tech Bro« – Tech Bros greifen nach der Macht. Aya Jaff war eine von ihnen. Im Interview spricht sie darüber, was diesen Typus zu autoritärer Politik gravitieren lässt und warum Digitalisierung nicht Abhängigkeit von Big Tech bedeuten muss.”

    Und

    Susanne Götze, Annika Joeres/Blätter: Abhängigkeit als Waffe – Wie fossile Energien Europas Sicherheit gefährden – und was dagegen zu tun ist – Europäische Politikerinnen und Politiker versprechen, uns mit Aufrüstung vor aggressiven Autokraten zu schützen. Gleichzeitig aber verschärfen sie durch das Ausbremsen der Energiewende Europas Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten – und machen unsere Gesellschaften damit hochgradig angreifbar. Dabei gibt es längst Wege, das zu ändern.”

    Autorin Annika Joeres kenne ich persönlich aus gemeinsamer Bloggerei bei den “ruhrbaronen” und aus der guten alten Zeit der taz-nrw. Dort habe ich sie professionell und menschlich hoch schätzen gelernt. Ich würde glatt tippen, dass die Werke der beiden Jürgen Trittin gut bekannt sind.

  18. TechBros und ihre starken Schwestern

    Der grosse überall aneckende Kapitalismus-Erklärer Tomasz Konicz publiziert jetzt beim schweizerischen Online-Magazin “Untergrundblättle”. Dort habe ich dies mit Interesse gelesen:

    Abschied von der Illusion des Konsumenten-Kapitalismus: Auf dem Altar des Techno-Gottes – Ausblicke auf neue Formen der Krisenkonkurrenz in der aufziehenden autoritären Ära des allseitigen spätkapitalistischen Mangels.”

    Wie so oft bei diesem Autor verzichtet er auf eine Strategiediskussion. Welche Möglichkeiten politischen, und letztendlich menschlichen Eingriffs in die beschriebene Entwicklung gibt es? Das könnte sein grandioses analytisches Gedankengebäude an vielen Stellen zum Einsturz bringen. Denn genau solche Politik muss entwickelt werden. Und ja, ich gestehe, dass ich recht vergeblich nach geeigneten durchsetzungsstarken Träger*inne*n solcher Politik suche.

    Konicz bleibt gedanklich bei dem hängen, was Georg Seesslen/taz so benennt: “Bevor man sich, mit den bescheidenen Mitteln, die jeder Einzelne hat, an die schwere Aufgabe einer Verteidigung der Demokratie macht, muss man sich wohl zweier Dinge versichern, nämlich erstens, dass es dafür noch nicht zu spät ist (die Fatalismus-Falle), und zweitens, dass es dafür immer noch genügend aufrechte und mutige Menschen gibt, für die und mit denen es sich lohnt (die Misanthropie-Falle).”

    Da sage ich “Yessir!”

    Und nun zu den Schwestern

    Starke Frauen sind schon über das Bescheidwissen hinaus und handeln.

    Merle Groneweg (Interview)/Jacobin: »Auch ich war ein Tech Bro« – Tech Bros greifen nach der Macht. Aya Jaff war eine von ihnen. Im Interview spricht sie darüber, was diesen Typus zu autoritärer Politik gravitieren lässt und warum Digitalisierung nicht Abhängigkeit von Big Tech bedeuten muss.”

    Und

    Susanne Götze, Annika Joeres/Blätter: Abhängigkeit als Waffe – Wie fossile Energien Europas Sicherheit gefährden – und was dagegen zu tun ist – Europäische Politikerinnen und Politiker versprechen, uns mit Aufrüstung vor aggressiven Autokraten zu schützen. Gleichzeitig aber verschärfen sie durch das Ausbremsen der Energiewende Europas Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten – und machen unsere Gesellschaften damit hochgradig angreifbar. Dabei gibt es längst Wege, das zu ändern.”

    Autorin Annika Joeres kenne ich persönlich aus gemeinsamer Bloggerei bei den “ruhrbaronen” und aus der guten alten Zeit der taz-nrw. Dort habe ich sie professionell und menschlich hoch schätzen gelernt. Ich würde glatt tippen, dass die Werke der beiden Jürgen Trittin gut bekannt sind.

  19. Bardot & Merkel

    Die Perlen des Vormittags finden Sie heute alle in der digitalen taz. Zunächst zu Madame Bardot. Eine Zeitgenossin der hier schon von mir gewürdigten Frau Knef – öffentliche Frauen der 60er Jahre, die, so viel ist sicher, weit weniger revolutionär – eher spiessiger – waren, als der Medientrash später aus diesem Jahrzehnt gemacht hat. Diese Damen haben, ob bewusst oder unbewusst, dagegen gekämpft und darunter gelitten. Und das macht ihre historische Relevanz aus.

    Zu Madame Bardot fährt die taz ihre Besten auf, und nicht zufällig gehören sie dort zu den Alten. Doch bevor Sie zu viel Zeit mit Lektüre verschwenden, schauen Sie, wenn Sie wirklich Bardot-interessiert sind, lieber heute noch schnell Godards Le Mépris (“Die Verachtung”)nur heute verfügbar – bei Arte weg: das authentische Filmdenkmal für diese Dame.

    Was darüber hinaus zu ihr zu sagen ist, das liefern Jenni Zylka und Georg Seesslen. Besser gehts nicht.

    Küppi/Merkel-Koalition

    Das war heute mein persönlicher Vormittagshöhepunkt. Und ich habe dem Mann auch schon persönlich dafür gedankt. Weil das in diesem Jahr für mich eine Montagmorgen-Regel war. Heute, bzw. gestern, befragten ihn gleich vier Redakteurinnen – wie findet das denn die Sabine?

    Auf die Frage “Saskia Esken ging, Bärbel Bas kam. Bullshit?” antwortet er mit … Merkel: “Feminismus, aber auf meine Art“. Und Küppi im Original: “In einer Merkel-Welt wären beide vorne bei den Sozis, doch dies Universum liegt aktuell außerhalb der Bundesregierung.”

    Unsere Ex-Oberbürgermeisterin Katja Dörner hatte 2017 u.a. mit Frau Merkel für die Grünen über eine “Jamaika-Koalition” verhandelt, die dann von einem – wie hiess der noch? – FDP-Tuppes geschreddert wurde. Merkel als Mensch hat sie exakt so beschrieben, wie sie in Küppis Kolumne erkennbar wird.

    Grosses Kolumnen-Kino. Respekt und Kompliment! Und: danke!

    “Und was macht der RWE?” hatte er dieses Mal von mir. Als steuerpflichtiger Rentner ziehe ich es seit Jahren vor, unentgeltlich zu arbeiten, die taz-Honorare lohnen es auch nicht … 😉

  20. Bardot & Merkel

    Die Perlen des Vormittags finden Sie heute alle in der digitalen taz. Zunächst zu Madame Bardot. Eine Zeitgenossin der hier schon von mir gewürdigten Frau Knef – öffentliche Frauen der 60er Jahre, die, so viel ist sicher, weit weniger revolutionär – eher spiessiger – waren, als der Medientrash später aus diesem Jahrzehnt gemacht hat. Diese Damen haben, ob bewusst oder unbewusst, dagegen gekämpft und darunter gelitten. Und das macht ihre historische Relevanz aus.

    Zu Madame Bardot fährt die taz ihre Besten auf, und nicht zufällig gehören sie dort zu den Alten. Doch bevor Sie zu viel Zeit mit Lektüre verschwenden, schauen Sie, wenn Sie wirklich Bardot-interessiert sind, lieber heute noch schnell Godards Le Mépris (“Die Verachtung”)nur heute verfügbar – bei Arte weg: das authentische Filmdenkmal für diese Dame.

    Was darüber hinaus zu ihr zu sagen ist, das liefern Jenni Zylka und Georg Seesslen. Besser gehts nicht.

    Küppi/Merkel-Koalition

    Das war heute mein persönlicher Vormittagshöhepunkt. Und ich habe dem Mann auch schon persönlich dafür gedankt. Weil das in diesem Jahr für mich eine Montagmorgen-Regel war. Heute, bzw. gestern, befragten ihn gleich vier Redakteurinnen – wie findet das denn die Sabine?

    Auf die Frage “Saskia Esken ging, Bärbel Bas kam. Bullshit?” antwortet er mit … Merkel: “Feminismus, aber auf meine Art“. Und Küppi im Original: “In einer Merkel-Welt wären beide vorne bei den Sozis, doch dies Universum liegt aktuell außerhalb der Bundesregierung.”

    Grosses Kolumnen-Kino. Respekt und Kompliment! Und: danke!

    “Und was macht der RWE?” hatte er dieses Mal von mir. Als steuerpflichtiger Rentner ziehe ich es seit Jahren vor, unentgeltlich zu arbeiten, die taz-Honorare lohnen es auch nicht … 😉

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  21. Bardot & Merkel

    Die Perlen des Vormittags finden Sie heute alle in der digitalen taz. Zunächst zu Madame Bardot. Eine Zeitgenossin der hier schon von mir gewürdigten Frau Knef – öffentliche Frauen der 60er Jahre, die, so viel ist sicher, weit weniger revolutionär – eher spiessiger – waren, als der Medientrash später aus diesem Jahrzehnt gemacht hat. Diese Damen haben, ob bewusst oder unbewusst, dagegen gekämpft und darunter gelitten. Und das macht ihre historische Relevanz aus.

    Zu Madame Bardot fährt die taz ihre Besten auf, und nicht zufällig gehören sie dort zu den Alten. Doch bevor Sie zu viel Zeit mit Lektüre verschwenden, schauen Sie, wenn Sie wirklich Bardot-interessiert sind, lieber heute noch schnell Godards Le Mépris (“Die Verachtung”)nur heute verfügbar – bei Arte weg: das authentische Filmdenkmal für diese Dame.

    Was darüber hinaus zu ihr zu sagen ist, das liefern Jenni Zylka und Georg Seesslen. Besser gehts nicht.

    Küppi/Merkel-Koalition

    Das war heute mein persönlicher Vormittagshöhepunkt. Und ich habe dem Mann auch schon persönlich dafür gedankt. Weil das in diesem Jahr für mich eine Montagmorgen-Regel war. Heute, bzw. gestern, befragten ihn gleich vier Redakteurinnen – wie findet das denn die Sabine?

    Auf die Frage “Saskia Esken ging, Bärbel Bas kam. Bullshit?” antwortet er mit … Merkel: “Feminismus, aber auf meine Art“. Und Küppi im Original: “In einer Merkel-Welt wären beide vorne bei den Sozis, doch dies Universum liegt aktuell außerhalb der Bundesregierung.”

    Unsere Ex-Oberbürgermeisterin Katja Dörner hatte 2017 u.a. mit Frau Merkel für die Grünen über eine “Jamaika-Koalition” verhandelt, die dann von einem – wie hiess der noch? – FDP-Tuppes geschreddert wurde. Merkel als Mensch hat sie exakt so beschrieben, wie sie in Küppis Kolumne erkennbar wird.

    Grosses Kolumnen-Kino. Respekt und Kompliment! Und: danke!

    “Und was macht der RWE?” hatte er dieses Mal von mir. Als steuerpflichtiger Rentner ziehe ich es seit Jahren vor, unentgeltlich zu arbeiten, die taz-Honorare lohnen es auch nicht … 😉

  22. Bardot & Merkel

    Die Perlen des Vormittags finden Sie heute alle in der digitalen taz. Zunächst zu Madame Bardot. Eine Zeitgenossin der hier schon von mir gewürdigten Frau Knef – öffentliche Frauen der 60er Jahre, die, so viel ist sicher, weit weniger revolutionär – eher spiessiger – waren, als der Medientrash später aus diesem Jahrzehnt gemacht hat. Diese Damen haben, ob bewusst oder unbewusst, dagegen gekämpft und darunter gelitten. Und das macht ihre historische Relevanz aus.

    Zu Madame Bardot fährt die taz ihre Besten auf, und nicht zufällig gehören sie dort zu den Alten. Doch bevor Sie zu viel Zeit mit Lektüre verschwenden, schauen Sie, wenn Sie wirklich Bardot-interessiert sind, lieber heute noch schnell Godards Le Mépris (“Die Verachtung”)nur heute verfügbar – bei Arte weg: das authentische Filmdenkmal für diese Dame.

    Was darüber hinaus zu ihr zu sagen ist, das liefern Jenni Zylka und Georg Seesslen. Besser gehts nicht.

    Küppi/Merkel-Koalition

    Das war heute mein persönlicher Vormittagshöhepunkt. Und ich habe dem Mann auch schon persönlich dafür gedankt. Weil das in diesem Jahr für mich eine Montagmorgen-Regel war. Heute, bzw. gestern, befragten ihn gleich vier Redakteurinnen – wie findet das denn die Sabine?

    Auf die Frage “Saskia Esken ging, Bärbel Bas kam. Bullshit?” antwortet er mit … Merkel: “Feminismus, aber auf meine Art“. Und Küppi im Original: “In einer Merkel-Welt wären beide vorne bei den Sozis, doch dies Universum liegt aktuell außerhalb der Bundesregierung.”

    Grosses Kolumnen-Kino. Respekt und Kompliment! Und: danke!

    “Und was macht der RWE?” hatte er dieses Mal von mir. Als steuerpflichtiger Rentner ziehe ich es seit Jahren vor, unentgeltlich zu arbeiten, die taz-Honorare lohnen es auch nicht … 😉

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  23. Linksgewinde weitergedreht

    Ein kleiner Hinweis an die unterwürfigen deutschen Rundfunkanstalten: bereits stattgefundene Gespräche und Diskussionen sind transskribierbar. Wahrscheinlich gibt es schon mit entsprechender preisgünstiger KI angefüllte App-Shops bei denen Sie sich bedienen können. Obwohl: sicher ist sicher, wenigstens ein*e Redakteur*in sollte alles nochmal korrekturlesen. Das wäre ein signifikanter konstruktiver Beitrag zur Informations- und Meinungsfreiheit in dieser Republik. Muss ich noch erklären, wie wichtig das ist? Nein, sie wissen es selbst. Fürchten sich aber vor der Staatskanzlei in ihrem Bundesland, die bekanntlich alle sowohl zuständig als auch medieninkompetent geführt sind. Jaja, mann hats nicht leicht …

    Wie kommichdrauf? Jacobin kann es doch auch. Es lässt sich wunderbar weglesen, ohne davon dümmer zu werden.

    Wie Big Tech Teil des Staates wurde – Amazon, Meta und OpenAI haben riesigen Einfluss auf die Politik gewonnen. Aber treten wir damit wirklich in eine Ära des »Technofeudalismus« ein? Evgeny Morozov und Cédric Durand diskutieren mit Susan Watkins, wie der heutige Kapitalismus einzuordnen ist.”

    Und übrigens sind Markus Metz und Georg Seeßlen/DLF jetzt doch nachlesbar: Technokratie: Die Renaissance einer politischen Bewegung – Wenn Krisen Demokratie und Markt erschüttern, feiern Technokratie-Visionen ihr Comeback. Zwischen TechBros, Elon Musk und Silicon-Valley-Utopien zeigt sich: Die Sehnsucht nach Expertenherrschaft ist so aktuell wie gefährlich.”

    Geht doch.

    Update am Morgen

    Lesen Sie ergänzend zum globalen Macht- und Einflussgewinn von Feudalclans auch:

    Stephan Roll/SWP: Staatsfonds und Außenpolitik – Wie Saudi-Arabien, die VAE und Katar in ihre Macht investieren – Die drei Golfmonarchien Saudi-Arabien, Katar und Vereinigte Arabische Emirate verfügen über fünf der aktivsten und größten Staatsfonds weltweit: den saudischen Public Investment Fund (PIF), die Qatar Investment Authority (QIA) sowie die drei emiratischen Fonds Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), Mubadala und ADQ. Diese Fonds erfüllen nicht nur die Funktion, Öleinnahmen in Investi­tionskapital umzuwandeln und so den Übergang von rentenbasierten Ökonomien zu diversifizierten Wirtschaftsstrukturen zu ermöglichen. Vielmehr tragen sie auch dazu bei, die außenpolitische Handlungsfähigkeit ihrer Staaten zu erweitern. Institutionelle und personelle Verflechtungen ermöglichen es den Regierungen der drei Länder, die Fonds strategisch einzusetzen und so die eigene Hard, Soft und Sharp Power deutlich auszubauen – etwa durch Investitionen im In- und Ausland auf Feldern wie Rüstung, Medien, Sport und neue Technologien sowie durch Kooperationen mit politisch einflussreichen Akteuren. Gleichzeitig bemühen sich die Golfmonarchien, ihre Staatsfonds als unpolitisch und rein renditeorientiert darzustellen. Dabei helfen die Gründung von Tochterunternehmen oder die Zusammenarbeit mit Private-Equity-Gesellschaften. Deutschland und seine europäischen Partner haben ein nachvollziehbares Interesse daran, die Staatsfonds als Investoren zu gewinnen; sie dürfen jedoch die damit verbundenen Risiken nicht vernachlässigen. Dazu gehören der mögliche Zugriff Dritter auf kritische Infrastrukturen, der drohende Abfluss sensibler Militär- und Sicherheitstechnologie sowie die Gefahr einer politischen Einflussnahme der Golfmonarchien. Darüber hinaus müssen sich Deutschland und die EU grundsätzlicher damit auseinandersetzen, dass die außenpolitischen Handlungsmöglichkeiten der drei Golfmonarchien durch ihre Staatsfonds gewachsen sind. Denn das Verhalten Saudi-Arabiens, der Emirate und Katars auf regionaler wie internationaler Ebene widerspricht teilweise deutschen und europäischen Interessen.”

  24. Linksgewinde weitergedreht

    Ein kleiner Hinweis an die unterwürfigen deutschen Rundfunkanstalten: bereits stattgefundene Gespräche und Diskussionen sind transskribierbar. Wahrscheinlich gibt es schon mit entsprechender preisgünstiger KI angefüllte App-Shops bei denen Sie sich bedienen können. Obwohl: sicher ist sicher, wenigstens ein*e Redakteur*in sollte alles nochmal korrekturlesen. Das wäre ein signifikanter konstruktiver Beitrag zur Informations- und Meinungsfreiheit in dieser Republik. Muss ich noch erklären, wie wichtig das ist? Nein, sie wissen es selbst. Fürchten sich aber vor der Staatskanzlei in ihrem Bundesland, die bekanntlich alle sowohl zuständig als auch medieninkompetent geführt sind. Jaja, mann hats nicht leicht …

    Wie kommichdrauf? Jacobin kann es doch auch. Es lässt sich wunderbar weglesen, ohne davon dümmer zu werden.

    Wie Big Tech Teil des Staates wurde – Amazon, Meta und OpenAI haben riesigen Einfluss auf die Politik gewonnen. Aber treten wir damit wirklich in eine Ära des »Technofeudalismus« ein? Evgeny Morozov und Cédric Durand diskutieren mit Susan Watkins, wie der heutige Kapitalismus einzuordnen ist.”

    Und übrigens sind Markus Metz und Georg Seeßlen/DLF jetzt doch nachlesbar: Technokratie: Die Renaissance einer politischen Bewegung – Wenn Krisen Demokratie und Markt erschüttern, feiern Technokratie-Visionen ihr Comeback. Zwischen TechBros, Elon Musk und Silicon-Valley-Utopien zeigt sich: Die Sehnsucht nach Expertenherrschaft ist so aktuell wie gefährlich.”

    Geht doch.

    Update am Morgen

    Lesen Sie ergänzend zum globalen Macht- und Einflussgewinn von Feudalclans auch:

    Stephan Roll/SWP: Staatsfonds und Außenpolitik – Wie Saudi-Arabien, die VAE und Katar in ihre Macht investieren – Die drei Golfmonarchien Saudi-Arabien, Katar und Vereinigte Arabische Emirate verfügen über fünf der aktivsten und größten Staatsfonds weltweit: den saudischen Public Investment Fund (PIF), die Qatar Investment Authority (QIA) sowie die drei emiratischen Fonds Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), Mubadala und ADQ. Diese Fonds erfüllen nicht nur die Funktion, Öleinnahmen in Investi­tionskapital umzuwandeln und so den Übergang von rentenbasierten Ökonomien zu diversifizierten Wirtschaftsstrukturen zu ermöglichen. Vielmehr tragen sie auch dazu bei, die außenpolitische Handlungsfähigkeit ihrer Staaten zu erweitern. Institutionelle und personelle Verflechtungen ermöglichen es den Regierungen der drei Länder, die Fonds strategisch einzusetzen und so die eigene Hard, Soft und Sharp Power deutlich auszubauen – etwa durch Investitionen im In- und Ausland auf Feldern wie Rüstung, Medien, Sport und neue Technologien sowie durch Kooperationen mit politisch einflussreichen Akteuren. Gleichzeitig bemühen sich die Golfmonarchien, ihre Staatsfonds als unpolitisch und rein renditeorientiert darzustellen. Dabei helfen die Gründung von Tochterunternehmen oder die Zusammenarbeit mit Private-Equity-Gesellschaften. Deutschland und seine europäischen Partner haben ein nachvollziehbares Interesse daran, die Staatsfonds als Investoren zu gewinnen; sie dürfen jedoch die damit verbundenen Risiken nicht vernachlässigen. Dazu gehören der mögliche Zugriff Dritter auf kritische Infrastrukturen, der drohende Abfluss sensibler Militär- und Sicherheitstechnologie sowie die Gefahr einer politischen Einflussnahme der Golfmonarchien. Darüber hinaus müssen sich Deutschland und die EU grundsätzlicher damit auseinandersetzen, dass die außenpolitischen Handlungsmöglichkeiten der drei Golfmonarchien durch ihre Staatsfonds gewachsen sind. Denn das Verhalten Saudi-Arabiens, der Emirate und Katars auf regionaler wie internationaler Ebene widerspricht teilweise deutschen und europäischen Interessen.”

  25. Trugbild

    Raue Storys für glatte Zeiten

    Die Sehnsucht nach dem Heroischen ist groß, gerade auch im Silicon Valley. Tech-Unternehmer hängen in ihren Fantasien allzu gerne ruhmreichen Königen und mächtigen Imperien nach. Dabei wird der Ruf nach Stärke immer dort laut, wo die Komplexe am größten sind.

    Beim Anblick der die Hollywood-Version von Leonidas und seiner legendären „300“ überkommt mich die Lust nach einem Work-out. Und wenn König Théoden und der Waldläufer Aragorn, beides Charaktere aus „Herr der Ringe“, auf die feindliche Ork-Armee losstürmen, stellen sich Zuschauern die Nackenhaare auf.

    Todesverachtenden Heldenmut zeigt auch Achilles in der amerikanischen Adaption der Troja-Sage, als er seinen Myrmidonen vor dem selbstmörderischen Angriff auf die Stadt die „Unsterblichkeit“ verspricht. Etwas feingeistiger, doch nicht weniger archaisch, nimmt Feldherr Julius Cäsar durch seinen viel zitierten Spruch „Ich kam, ich sah, ich siegte“ einen Platz in der Geschichte verwegener Männer ein.

    „WARNING: watching this will increase your testosterone level by 300%”, lautet der Top-Kommentar für Leonidas auf YouTube. Auch im Silicon Valley, wo der Bedarf an Testosteronoffenbar besonders hoch ist, fallen die Heldenerzählungen auf überaus fruchtbaren Boden. Dort lassen sich Tech-Jünger von ihren Idolen gar zu neuen Unternehmen inspirieren.

    Fantasy als Vorbild

    Palmer Luckey ist Erfinder der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift. Gemeinsam mit Trae Stephens, ehemals Mitarbeiter beim Überwachungsunternehmen Palantir, hat er 2017 das Verteidungs-Start-up „Anduril“ gegründet. Benannt ist es nach Aragorns Schwert Andúril. Übersetzt aus der fiktiven Quenya-Sprache bedeutet der Name „Flamme des Westens“.

    Peter Thiel, Mitgründer von Palantir, dessen Name ebenfalls aus dem Herr-der-Ringe-Kosmos stammt, investiert in Technologie für „Unsterblichkeit“, sich selbst stilisiert er zum furchtlosen Kämpfer gegen den „Antichristen“. Curtis Yarvin, ein im Silicon Valley beliebter Blogger, wünscht sich gar einen „neuen Cäsar“ an der Spitze der USA.

    Mark Zuckerberg, Leser und Bewunderer von Yarvin, hat seiner Frau Priscilla „nach römischem Brauch“ eine Statue im hauseigenen Garten gewidmet. Die Namen ihrer Kinder – Maxima, August, Aurelia – sind an römische Kaiser angelehnt.

    Schwarz-weiße Welt

    Fantasy-Epen wie 300 oder Herr der Ringe zeichnen sich durch eine verlässliche Einteilung der Welt in Gut und Böse aus. „Wir lieben die alten Geschichten wegen ihrer Unveränderlichkeit“, stellte die Fantasy-Autorin Ursula K. Le Guin einst fest. Hier finden Menschen Beständigkeit und alte Weisheiten – seltene Schätze in unserer flüchtigen Gegenwart.

    Oft sind es gerade jüngere Menschen, die sich an der Vorstellung von glorreichen Königen oder unbezwingbaren Herrschern – und damit auch an antidemokratischen Erzählungen – ergötzen. Schließlich waren es Cäsar und sein Nachfolger Augustus, die das Ende der Republik besiegelten und den Weg zum römischen Kaiserreich ebneten. Und in Sparta, das im Film 300 als „freies Griechenland“ porträtiert wird, herrschte eine kleine Elite über den Großteil der Bevölkerung. Nachdem der Staat im Peloponnesischen Krieg seinen langjährigen Rivalen Athen besiegt, bricht dort umgehend die Oligarchie an.

    Im zahlen- und umsatzgetriebenen Silicon Valley können die Unternehmer so ihre vergleichsweise kurze Kulturgeschichte erweitern und dabei etwaige Komplexe ausgleichen. Womöglich suchen sie auch einen passenden ideologischen Rahmen für ihre aggressiven Geschäftsmodelle – oder streben genau danach, was ihre Idole ihnen vorleben: Ruhm, Oligarchie, Sixpack.

    Die glatte Tech-Welt sehnt sich offenbar nach den rauen Erfahrungen, die das analoge Leben noch bereithielt. Dafür muss sie „Kämpfe“ inszenieren, die eigentlich keine sind. Elon Musk etwa bekämpft die eigenen Komplexe mit Haartransplantationen, Botox und Wangenknochenverstärkung. Derweil hat Zuckerberg sich zum Kampfsportler hochpäppeln zu lassen. Beim Podcaster Joe Rogan spricht er betont „männlich“ über Jagd, Töten und Mixed Martial Arts.

    Widersprüche und Allmachtsfantasien

    Führen Heldensagen ins nächste Fitnessstudio, ist das erst mal keine schlechte Sache. Die Weltanschauung und das eigene Unternehmen rund um ambivalenzbefreite Allmachtsfantasien aufzubauen, ist hingegen brandgefährlich.

    Dabei ist es Zuckerberg selbst, der mit seinen Unternehmen und „sozialen“ Medien unermüdlich das Fundament einer schönen Welt ruiniert und ihre Bewohner in die digitale Entfremdung treibt. Den Erfolg Zuckerbergs garantiert ein werbe- und effizienzorientiertes System, das sich durch die wachsende Unzufriedenheit seiner Mitglieder und den Ruf nach „alter“ Stärke schließlich gewaltsam selbst abschafft.

    Und was passiert, wenn eine kleine Gruppe in Widersprüchen gefangener Männer die Macht übernimmt und die Wut der Menschen für ihre eigenen Zwecke instrumentalisiert, zeigt die Geschichte. Dass ebenjene nur als Karikaturen ihrer verherrlichten antiken Idealedienen, ist ein kleiner, überaus bitterer Witz. Denn das große Leid tragen später wie üblich die Schwächsten einer Gesellschaft und nicht die Profiteure an der Spitze.

    Vincent Först arbeitet als Journalist und Autor. An der Universität der Künste lehrt er Texttheorie- und Textgestaltung. Wenn er nicht gerade an seinem Schreibtisch sitzt, organisiert er Kulturveranstaltungen in Berlin. Kontakt: Instagram, Mastodon, Bluesky. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

    Hören Sie ergänzend auch – Lesen geht ja nicht, dank Deutschlands dummen Ministerpräsident*inn*en – :

    Markus Metz und Georg Seeßlen/DLF: “Technokratie: Renaissance einer politischen Bewegung – Wenn Krisen Demokratie und Markt erschüttern, feiern Technokratie-Visionen ihr Comeback. Zwischen TechBros, Elon Musk und Silicon-Valley-Utopien zeigt sich: Die Sehnsucht nach Expertenherrschaft ist so aktuell wie gefährlich.” (nur Audio, 30 min)

  26. Rassismus-Vorbild Musk

    Nachdem Sie (hoffentlich) von der klugen Abwägung der netzpolitik-Kolumnistin Carla Siepmann ausgerüstet wurden, verkraften Sie etwas besser das, was ich Ihnen hier andienen will.

    Denn den besten Text des Tages fand ich heute – und nicht zum ersten Mal – in der Jungle World, mal wieder vom Kollegen Georg Seeßlen, und freundlicherweise von der Redaktion nicht digital eingemauert. Doch ich warne Sie: zu Ihrem Wohlbefinden wird diese Lektüre nicht beitragen. Aber etwas mehr oder weniger zu Ihrer politischen Intelligenz. Für Nachfrage nach Frauenhäusern ist gesorgt. Und nach kämpferischem Feminismus. Also bitte hier entlang:

    Eine Analyse von Elon Musks Pronatalismus: (Not) A Family Man – Die eigene Privatsphäre wird kleiner, je mehr Macht man ausübt, nicht zuletzt weil die Inszenierung und Glamourifizierung des Privaten Teil der Macht wird. Das gilt in besonderem Maße für eine Figur wie Elon Musk. In diesem Sinne zeichnet Georg Seeßlen in seinem Buch »Elon Musk. Der dunkle Visionär« die ereignisreiche Biographie des Raumfahrt- und Medienunternehmers nach und analysiert sein Denken. Ein Auszug aus dem bei Bertz und Fischer erschienenen Buch.”

    Die neoliberale Ideologie, deren besonders rassistisch-faschistische Ausprägung Mr. Musk auf die Bühnen dieser Welt bringt, besagt ja: “Du kannst es auch schaffen, wenn du es nur ganz, ganz doll willst!”

    Dä. Wer will das? Wer sind die, die das wollen?

  27. Rassismus-Vorbild Musk

    Nachdem Sie (hoffentlich) von der klugen Abwägung der netzpolitik-Kolumnistin Carla Siepmann ausgerüstet wurden, verkraften Sie etwas besser das, was ich Ihnen hier andienen will.

    Denn den besten Text des Tages fand ich heute – und nicht zum ersten Mal – in der Jungle World, mal wieder vom Kollegen Georg Seeßlen, und freundlicherweise von der Redaktion nicht digital eingemauert. Doch ich warne Sie: zu Ihrem Wohlbefinden wird diese Lektüre nicht beitragen. Aber etwas mehr oder weniger zu Ihrer politischen Intelligenz. Für Nachfrage nach Frauenhäusern ist gesorgt. Und nach kämpferischem Feminismus. Also bitte hier entlang:

    Eine Analyse von Elon Musks Pronatalismus: (Not) A Family Man – Die eigene Privatsphäre wird kleiner, je mehr Macht man ausübt, nicht zuletzt weil die Inszenierung und Glamourifizierung des Privaten Teil der Macht wird. Das gilt in besonderem Maße für eine Figur wie Elon Musk. In diesem Sinne zeichnet Georg Seeßlen in seinem Buch »Elon Musk. Der dunkle Visionär« die ereignisreiche Biographie des Raumfahrt- und Medienunternehmers nach und analysiert sein Denken. Ein Auszug aus dem bei Bertz und Fischer erschienenen Buch.”

    Die neoliberale Ideologie, deren besonders rassistisch-faschistische Ausprägung Mr. Musk auf die Bühnen dieser Welt bringt, besagt ja: “Du kannst es auch schaffen, wenn du es nur ganz, ganz doll willst!”

    Dä. Wer will das? Wer sind die, die das wollen?

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  28. Freuden des Tages

    Machtmissbrauch in der Kulturszene – Satire – Weltbester Fussball

    Aufgrund fortgesetzten Baustellenlärmterrors“Lärmzeiten” werden eingehalten – in der Etage über mir ist mir derzeit klares Denken und Schreiben in meiner Wohnung kaum möglich. Bleibt, auf das produktive Schaffen Anderer hinzuweisen.

    Filmfestival Cologne

    Jule Hoffmann und Max Kuball sind für den Deutschlandfunk einer Sache in Köln nachgegangen, die ich fälschlich schon für erledigt gehalten habe: Machtmissbrauch bei Filmfestival: In der Grauzone – Im vergangenen Jahr erhoben Mitarbeitende Vorwürfe gegen die Leiterin des Film Festival Cologne und beklagten ein Klima der Angst. Eine Deutschlandfunk-Recherche geht der Frage nach, inwieweit solche Strukturen typisch sind für die Kulturbranche.” Am meisten verblüfft mich an der Sache die – soweit öffentlich sichtbar – einjährige Untätigkeit von Land NRW, Stadt Köln und Filmstiftung NRW. Was machen die eigentlich den ganzen Tag?

    Und wenn sie die Sache ernsthaft bearbeitet und diskutiert haben sollten: warum erfährt die Öffentlichkeit nichts davon? Was machen die eigentlich beruflich, wenn nicht Kommunikation?

    Satire

    Rechtes AlteMännerKabarett, wie es morgen Abend z.B. von der ARD versendet wird, ist gar keine Satire, sondern nur billig. Was Satire ist, erklärt heute Georg Seesslen/taz: Prekäre Angelegenheit – Es sind schlechte Zeiten für die, die politische Witze reißen. Die Herrschenden der Welt sind schon so absurd, dass sie für Satire kaum noch taugen”

    Satire war gestern Abend Die Anstalt/ZDF, 1,77 Mio. guckten zu, immerhin doppelt so viele wie bei dem dummen Lanz: “Union unter Strom”. Ein Motiv war dabei – nicht die beste Nummer, weil zu real – was Christoph Jehle/telepolis hier ernsthaft behandelt: China fährt elektrisch voraus, Deutschland bleibt im Rückspiegel – Der Automarkt in China wünscht abgasfreie E-Mobile, die deutschen Käufer sonore Verbrenner. Unsere Marken müssen sich anpassen, wenn sie überleben wollen.”

    Weltbester Fussball – und keine hats gesehn

    Es war Anfang April 2009, als die kurze Coach-Regentschaft von Jürgen Klinsmann beim Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum sportlich endete. Der FC Barcelona, gecoacht von einem gewissen Josip Guardiola, schickte die disparate Truppe mit dem heute von der ARD teuer bezahlten Schwätzer Bastian Schweinsteiger nach Toren von Messi (2x), Eto’o und Henry mit 4:0 nachhause.

    Gestern wiederholte sich dieses hochklassige Drama bei den Frauen. Doch deutsche TV-Medien haben das gar nicht erst ignoriert. Diesmal wurde es ein 7:1. Barca wechselte die Sturmreihe durch, damit alle an diesem Spass teilhaben. Die Abwehr dagegen, u.a. mit Mapi Leon (30), spielte mangels Beanspruchung (70% Ballbesitz) 90 Minuten + Nachspielzeit durch.

    Das mit langweiligem Abstand beste deutsche Bundesligateam aus dem Land der Weltmeisterinnen von 2003 und 2007 hat gestern offenbar jeden Spass an seiner Arbeit verloren. Das Land, dessen Medien bei jeder schlechten Gelegenheit ein Grundrecht auf Weltmeister*innen*sein proklamieren, hat den Anschluss an die Weltspitze verloren. Das wollen deutsche Medien dem Publikum lieber nicht zeigen. Es könnte zu Verunsicherung führen.

    Viele deutsche Spitzenspielerinnen sind schon weg. Für die katalanische Weltspitze reichts bei ihnen nicht mehr. Eine Schweizerin hat es dort auf die Ersatzbank geschafft. Merle Frohms und Sara Däbritz habens nur nach Madrid geschafft. Hierzulande wollte sie keiner mehr. Als erwachsene Frauen sprechen sie öffentlich zu selbstständig, stellen bisweilen sogar Forderungen. Als Frau!

    In Spanien haben die Frauen ihren korrupten Männerfussballverband schon einmal komplett auf links gedreht. Mapi Leon, eine der gestrigen 7:1-Siegerinnen, war seinerzeit eine auslösende Rädelsführerin und musste dafür “zur Strafe” auf die WM-Nominierung verzichten. Diese Revolution ist nicht vollendet, sondern mitten im Prozess. Und Spanien ist Deutschland auch in dieser Hinsicht weit voraus. Was diese Frauen mitten in diesem Politstress sportlich leisten, das grenzt an ein Wunder.

    Eine Zusammenfassung der katalanischen Fussballkunst in grösstmöglicher Schönheit – ein wirksames Mittel voller Spielfreude gegen krankes Herz – vom Rechteinhaber Disney finden Sie hier beim Alphabet-Konzern auf YouTube. Und nichts davon beim ZDF.

  29. Freuden des Tages

    Machtmissbrauch in der Kulturszene – Satire – Weltbester Fussball

    Aufgrund fortgesetzten Baustellenlärmterrors“Lärmzeiten” werden eingehalten – in der Etage über mir ist mir derzeit klares Denken und Schreiben in meiner Wohnung kaum möglich. Bleibt, auf das produktive Schaffen Anderer hinzuweisen.

    Filmfestival Cologne

    Jule Hoffmann und Max Kuball sind für den Deutschlandfunk einer Sache in Köln nachgegangen, die ich fälschlich schon für erledigt gehalten habe: Machtmissbrauch bei Filmfestival: In der Grauzone – Im vergangenen Jahr erhoben Mitarbeitende Vorwürfe gegen die Leiterin des Film Festival Cologne und beklagten ein Klima der Angst. Eine Deutschlandfunk-Recherche geht der Frage nach, inwieweit solche Strukturen typisch sind für die Kulturbranche.” Am meisten verblüfft mich an der Sache die – soweit öffentlich sichtbar – einjährige Untätigkeit von Land NRW, Stadt Köln und Filmstiftung NRW. Was machen die eigentlich den ganzen Tag?

    Und wenn sie die Sache ernsthaft bearbeitet und diskutiert haben sollten: warum erfährt die Öffentlichkeit nichts davon? Was machen die eigentlich beruflich, wenn nicht Kommunikation?

    Satire

    Rechtes AlteMännerKabarett, wie es morgen Abend z.B. von der ARD versendet wird, ist gar keine Satire, sondern nur billig. Was Satire ist, erklärt heute Georg Seesslen/taz: Prekäre Angelegenheit – Es sind schlechte Zeiten für die, die politische Witze reißen. Die Herrschenden der Welt sind schon so absurd, dass sie für Satire kaum noch taugen”

    Satire war gestern Abend Die Anstalt/ZDF, 1,77 Mio. guckten zu, immerhin doppelt so viele wie bei dem dummen Lanz: “Union unter Strom”. Ein Motiv war dabei – nicht die beste Nummer, weil zu real – was Christoph Jehle/telepolis hier ernsthaft behandelt: China fährt elektrisch voraus, Deutschland bleibt im Rückspiegel – Der Automarkt in China wünscht abgasfreie E-Mobile, die deutschen Käufer sonore Verbrenner. Unsere Marken müssen sich anpassen, wenn sie überleben wollen.”

    Weltbester Fussball – und keine hats gesehn

    Es war Anfang April 2009, als die kurze Coach-Regentschaft von Jürgen Klinsmann beim Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum sportlich endete. Der FC Barcelona, gecoacht von einem gewissen Josip Guardiola, schickte die disparate Truppe mit dem heute von der ARD teuer bezahlten Schwätzer Bastian Schweinsteiger nach Toren von Messi (2x), Eto’o und Henry mit 4:0 nachhause.

    Gestern wiederholte sich dieses hochklassige Drama bei den Frauen. Doch deutsche TV-Medien haben das gar nicht erst ignoriert. Diesmal wurde es ein 7:1. Barca wechselte die Sturmreihe durch, damit alle an diesem Spass teilhaben. Die Abwehr dagegen, u.a. mit Mapi Leon (30), spielte mangels Beanspruchung (70% Ballbesitz) 90 Minuten + Nachspielzeit durch.

    Das mit langweiligem Abstand beste deutsche Bundesligateam aus dem Land der Weltmeisterinnen von 2003 und 2007 hat gestern offenbar jeden Spass an seiner Arbeit verloren. Das Land, dessen Medien bei jeder schlechten Gelegenheit ein Grundrecht auf Weltmeister*innen*sein proklamieren, hat den Anschluss an die Weltspitze verloren. Das wollen deutsche Medien dem Publikum lieber nicht zeigen. Es könnte zu Verunsicherung führen.

    Viele deutsche Spitzenspielerinnen sind schon weg. Für die katalanische Weltspitze reichts bei ihnen nicht mehr. Eine Schweizerin hat es dort auf die Ersatzbank geschafft. Merle Frohms und Sara Däbritz habens nur nach Madrid geschafft. Hierzulande wollte sie keiner mehr. Als erwachsene Frauen sprechen sie öffentlich zu selbstständig, stellen bisweilen sogar Forderungen. Als Frau!

    In Spanien haben die Frauen ihren korrupten Männerfussballverband schon einmal komplett auf links gedreht. Mapi Leon, eine der gestrigen 7:1-Siegerinnen, war seinerzeit eine auslösende Rädelsführerin und musste dafür “zur Strafe” auf die WM-Nominierung verzichten. Diese Revolution ist nicht vollendet, sondern mitten im Prozess. Und Spanien ist Deutschland auch in dieser Hinsicht weit voraus. Was diese Frauen mitten in diesem Politstress sportlich leisten, das grenzt an ein Wunder.

    Eine Zusammenfassung der katalanischen Fussballkunst in grösstmöglicher Schönheit – ein wirksames Mittel voller Spielfreude gegen krankes Herz – vom Rechteinhaber Disney finden Sie hier beim Alphabet-Konzern auf YouTube. Und nichts davon beim ZDF.

  30. Neuber vs. Rötzer

    Ein Vergleich

    mit Update nachmittags

    Wir dürfen davon ausgehen, dass die sich nicht (mehr) leiden können. Harald Neuber ist der Nachfolger von Florian Rötzer als Chefredakteur des bei der Heise-Gruppe angesiedelten Onlinemagazins telepolis. Rötzer wurde nicht gefeuert, sondern ging in Rente. Ob sie bei Heise drei Kreuze geschlagen haben? Das sieht heute so aus. Wie kommich auf das abseitige Thema?

    Ich bin Leser von beiden, seit langem, seit Ende der 90er Jahre. Und glaube intellektuell davon profitiert zu haben. Heute mache ich mir Sorgen, ob das (für mich) noch möglich ist.

    Sehr genervt bin ich, und schalte als Leser clickverweigernd davon ab, wie sich Neuber redaktionell aufbläst. Das ist so anstrengend, wie die Presenter-Dokus in der Glotze. Der Inhalt verschwindet immer mehr hinter einer aufgeblasenen Person. Und wenn die sich auch noch selbst aufbläst, weil es niemand anders macht – dann braucht die Person doch wohl eher professionelle Hilfe, als was mit Medien. Aber gut, das ist meine private Meinung.

    Heute nun ist vom Kollegen Neuber ein vielsagender Text erschienen. Er als Chef tut sowas natürlich nicht unterhalb der Selbstbezeichnung Leitartikel. Aber geschenkt, darüber lässt sich hinwegsehen.

    Harald Neuber/telepolis: Europa außen vor: Wie die USA und Russland über unsere Zukunft verhandeln – Die EU setzt auf Moral, doch am Verhandlungstisch zählt Macht. Warum Europa zunehmend nur noch Zuschauer ist. Ein Telepolis-Leitartikel.”

    Das ist nach meinem Empfinden einer der besseren Neuber-Texte. Ich stimme überein, weitgehend. Lobend ist zu erwähnen, dass er sich an Genscher erinnern kann, und sogar an dessen Politik. Ich teile auch seine Kritik an der nur sog. “wertebasierten Aussenpolitik”, wie sie einige Grüne propagieren, die doch nur eine heuchlerische Verpackung für blankes “Atlantiker”-tum ist (und war). Was ich bei Neuber nicht nur in diesem Text vermisse – und das hält er wohl für “unabhängigen Journalismus”, den er gegen Rötzer wendet – den eigenen Standpunkt, von dem aus er analysiert und – wertet! Was er dagegen als Telepolis-Strategie praktiziert, ist Seitensteherei. Die eigene Position enttarnt sich ausschliesslich im Agendasetting. Und das ist bei Herrn Neuber dünn geworden (Ex-Telepolis-Autor Kolonko nannte es vor einem Jahr treffend: “News-Fabrik”). Es wird verzichtbar, weil es sich immer weniger vom herrschenden Brei unterscheidet.

    Neuber bejubelt nicht überprüfbare Clickzahlen. Exakt das könnte das Problem sein.

    Nun zu Rötzer

    Er ist als Rentner beim Westend-Verlag ins publizistische Exil geflüchtet. Dort werden auch rechte Spinner, wie der leitende Angestellte des Springer-Verlages Poschardt, verlegerisch gepampert. Warum wohl? Ein Grund könnte darin liegen, dass Online-Umfragen des overton-magazins nicht nur dominierende BSW-Sympathien dokumentieren, sondern – direkt darauf folgend – solche für die faschistische AfD. Ich wäre längst weg, wg. Allergieschock. Aber bitte, hier schreibt

    Florian Rötzer/overton: Die nächste Droge: Der Umgang mit den KI-Chatbots soll KI-Psychosen auslösen können – Ein Gespenst geht um: die KI-Psychose. Das soll eine neue psychische Erkrankung sein, die mit der zu intensiven Nutzung der intelligenten Chatbots oder generativen LLMs verbunden ist. Wenn Menschen KI-Agenten oder extra für persönliche Gespräche zugeschnittene KI-Companions als Freunde oder gar als Therapeuten sehen oder sich mit ihnen in wahnhafte Welten einspinnen, soll dies psychotische Tendenzen verstärken oder auslösen können.”

    Das ist in diesem Fall sicher nicht – im Gegensatz zu Neuber oben – einer der besten Rötzer-Texte, sondern eine seiner Routine-Arbeiten, darin ebenso vielsagend. Die starke Seite ist sein Agendasetting. Er dackelt nicht dem Tagesstrom hinterher, sondern sucht nach Trüffeln, die Hinweise auf die Zukunft geben. Das schätze ich an ihm.

    Und eine Fehleinschätzung vermeidet er stringent. Nicht das Medium/die Technik ist das Böse. Sondern die Gesellschaft, die es sozioökonomisch hervorbringt. Mit dieser Erkenntnis eilt er aber dem öffentlichen Diskurs nicht meilenweit voraus, um am Ende von niemandem mehr verstanden zu werden. Sondern Rötzer bleibt anschlussfähig, schreibt verständlich und nachvollziehbar. Jedenfalls für mich.

    Und er hört nicht auf. Danke.

    Update nachmittags

    Lesen Sie zum Wirken von KI/AI ergänzend auch den wie immer anregenden

    Georg Seeßlen/Jungle World: Künstliche Intelligenz ersetzt zukünftig vielleicht nicht nur den Künstler, sondern auch den Kritiker: Kunstkrieg mit der KI – Ob etwas Kunst ist oder nicht, wird bisher gesellschaftlich ausgehandelt. Schreitet die Künstliche Intelligenz nicht nur darin voran, Kunstwerke zu verarbeiten, sondern auch darin, in ihrer totalitären Tendenz den gesellschaftlichen Aushandlungsprozess zu untergraben, wird sie zukünftig vielleicht nicht nur Kunst produzieren, sondern darüber entscheiden, was als Kunst gilt.”

    Und noch eine Preisfrage hinterher. Über Gesetzgebung lamentieren, die Jahrzehnte hinterherdackelt? Das mache ich jetzt auch schon über zehn Jahre. und lasse es dieses Mal – ausnahmsweise. Stattdessen meine Preisfrage als Hausaufgabe: nennen Sie mir eine*n oder mehrere Politiker*innen mit einem Amt oder Mandat, die die hier aufgezählten Texte überhaupt lesen (können)! Als Preis winkt Ihnen eine innere Beruhigung.

  31. Neuber vs. Rötzer

    Ein Vergleich

    mit Update nachmittags

    Wir dürfen davon ausgehen, dass die sich nicht (mehr) leiden können. Harald Neuber ist der Nachfolger von Florian Rötzer als Chefredakteur des bei der Heise-Gruppe angesiedelten Onlinemagazins telepolis. Rötzer wurde nicht gefeuert, sondern ging in Rente. Ob sie bei Heise drei Kreuze geschlagen haben? Das sieht heute so aus. Wie kommich auf das abseitige Thema?

    Ich bin Leser von beiden, seit langem, seit Ende der 90er Jahre. Und glaube intellektuell davon profitiert zu haben. Heute mache ich mir Sorgen, ob das (für mich) noch möglich ist.

    Sehr genervt bin ich, und schalte als Leser clickverweigernd davon ab, wie sich Neuber redaktionell aufbläst. Das ist so anstrengend, wie die Presenter-Dokus in der Glotze. Der Inhalt verschwindet immer mehr hinter einer aufgeblasenen Person. Und wenn die sich auch noch selbst aufbläst, weil es niemand anders macht – dann braucht die Person doch wohl eher professionelle Hilfe, als was mit Medien. Aber gut, das ist meine private Meinung.

    Heute nun ist vom Kollegen Neuber ein vielsagender Text erschienen. Er als Chef tut sowas natürlich nicht unterhalb der Selbstbezeichnung Leitartikel. Aber geschenkt, darüber lässt sich hinwegsehen.

    Harald Neuber/telepolis: Europa außen vor: Wie die USA und Russland über unsere Zukunft verhandeln – Die EU setzt auf Moral, doch am Verhandlungstisch zählt Macht. Warum Europa zunehmend nur noch Zuschauer ist. Ein Telepolis-Leitartikel.”

    Das ist nach meinem Empfinden einer der besseren Neuber-Texte. Ich stimme überein, weitgehend. Lobend ist zu erwähnen, dass er sich an Genscher erinnern kann, und sogar an dessen Politik. Ich teile auch seine Kritik an der nur sog. “wertebasierten Aussenpolitik”, wie sie einige Grüne propagieren, die doch nur eine heuchlerische Verpackung für blankes “Atlantiker”-tum ist (und war). Was ich bei Neuber nicht nur in diesem Text vermisse – und das hält er wohl für “unabhängigen Journalismus”, den er gegen Rötzer wendet – den eigenen Standpunkt, von dem aus er analysiert und – wertet! Was er dagegen als Telepolis-Strategie praktiziert, ist Seitensteherei. Die eigene Position enttarnt sich ausschliesslich im Agendasetting. Und das ist bei Herrn Neuber dünn geworden (Ex-Telepolis-Autor Kolonko nannte es vor einem Jahr treffend: “News-Fabrik”). Es wird verzichtbar, weil es sich immer weniger vom herrschenden Brei unterscheidet.

    Neuber bejubelt nicht überprüfbare Clickzahlen. Exakt das könnte das Problem sein.

    Nun zu Rötzer

    Er ist als Rentner beim Westend-Verlag ins publizistische Exil geflüchtet. Dort werden auch rechte Spinner, wie der leitende Angestellte des Springer-Verlages Poschardt, verlegerisch gepampert. Warum wohl? Ein Grund könnte darin liegen, dass Online-Umfragen des overton-magazins nicht nur dominierende BSW-Sympathien dokumentieren, sondern – direkt darauf folgend – solche für die faschistische AfD. Ich wäre längst weg, wg. Allergieschock. Aber bitte, hier schreibt

    Florian Rötzer/overton: Die nächste Droge: Der Umgang mit den KI-Chatbots soll KI-Psychosen auslösen können – Ein Gespenst geht um: die KI-Psychose. Das soll eine neue psychische Erkrankung sein, die mit der zu intensiven Nutzung der intelligenten Chatbots oder generativen LLMs verbunden ist. Wenn Menschen KI-Agenten oder extra für persönliche Gespräche zugeschnittene KI-Companions als Freunde oder gar als Therapeuten sehen oder sich mit ihnen in wahnhafte Welten einspinnen, soll dies psychotische Tendenzen verstärken oder auslösen können.”

    Das ist in diesem Fall sicher nicht – im Gegensatz zu Neuber oben – einer der besten Rötzer-Texte, sondern eine seiner Routine-Arbeiten, darin ebenso vielsagend. Die starke Seite ist sein Agendasetting. Er dackelt nicht dem Tagesstrom hinterher, sondern sucht nach Trüffeln, die Hinweise auf die Zukunft geben. Das schätze ich an ihm.

    Und eine Fehleinschätzung vermeidet er stringent. Nicht das Medium/die Technik ist das Böse. Sondern die Gesellschaft, die es sozioökonomisch hervorbringt. Mit dieser Erkenntnis eilt er aber dem öffentlichen Diskurs nicht meilenweit voraus, um am Ende von niemandem mehr verstanden zu werden. Sondern Rötzer bleibt anschlussfähig, schreibt verständlich und nachvollziehbar. Jedenfalls für mich.

    Und er hört nicht auf. Danke.

    Update nachmittags

    Lesen Sie zum Wirken von KI/AI ergänzend auch den wie immer anregenden

    Georg Seeßlen/Jungle World: Künstliche Intelligenz ersetzt zukünftig vielleicht nicht nur den Künstler, sondern auch den Kritiker: Kunstkrieg mit der KI – Ob etwas Kunst ist oder nicht, wird bisher gesellschaftlich ausgehandelt. Schreitet die Künstliche Intelligenz nicht nur darin voran, Kunstwerke zu verarbeiten, sondern auch darin, in ihrer totalitären Tendenz den gesellschaftlichen Aushandlungsprozess zu untergraben, wird sie zukünftig vielleicht nicht nur Kunst produzieren, sondern darüber entscheiden, was als Kunst gilt.”

    Und noch eine Preisfrage hinterher. Über Gesetzgebung lamentieren, die Jahrzehnte hinterherdackelt? Das mache ich jetzt auch schon über zehn Jahre. und lasse es dieses Mal – ausnahmsweise. Stattdessen meine Preisfrage als Hausaufgabe: nennen Sie mir eine*n oder mehrere Politiker*innen mit einem Amt oder Mandat, die die hier aufgezählten Texte überhaupt lesen (können)! Als Preis winkt Ihnen eine innere Beruhigung.

  32. Opiumhändler

    mit Update 28.5.

    Der hier zu lobende, zu preisende und in erster Linie (mal wieder) hervorzuhebende Autor Georg Seeßlen/Jungle World zitiert das Objekt seiner Analyse mit diesen pathostriefenden Ausführungen: »Das 21. Jahrhundert wird ein Zeitalter der Religion. Gott kehrt zurück, und zwar mit Macht im doppelten Sinne des Wortes. Nicht nur als philosophische Kategorie, revitalisierte Tradi­tion, theologische Erzeugung oder spirituelle Kraft. Er kommt mitten hinein in den politischen Raum. Dieses Traktat vertritt die These, dass sich der Säkularisierungsprozess umkehren wird. Wir gehen vom postmodernen ins neoreligiöse Zeitalter.« Lachen und weglegen? Wenn es so einfach wäre – oder Sie meinen, dass es das ist – können Sie hier mit dem Weiterlesen aufhören.

    Ich rate zum Weiterlesen. Georg Seeßlen/Jungle World: Der neue Kulturstaatsminister soll vollenden, was Helmut Kohl nur vorschwebte: Bitte wenden: Wolfram Weimer und der Kulturkreis vom Tegernsee – Weg mit den Joints, jetzt wird die Ludwig-Erhard-Zigarre wieder angesteckt! Mit Wolfram Weimer als neuem Staatsminister für Kultur und Medien soll die Ära einer vermeintlich linkslastigen Förderungspolitik enden. Aber es geht um mehr: Die von Helmut Kohl eingeforderte »geistig-moralische Wende« kommt zu neuen Ehren. Und auch Gott kehrt in den politischen Raum zurück, verspricht Weimer.”

    Wie der Autor schon richtig beschreibt, funktioniert diese dubiose Figur in erster Linie als öffentlicher Lautsprecher. Praktische Kulturarbeit wird von Ländern und Kommunen bezahlt. Zum Ausruhen ist das, das wissen alle, die damit zu tun haben, schon lange nicht. War es noch nie. Es ist immer, jedes Haushaltsjahr wieder, Gegenstand von Verteilungskämpfen. Und weil es sich um angeblich “freiwillige Leistungen” handelt, umso mehr.

    Böswillige (und unfähige) Kommunalpolitiker*innen versuchen gerne, z.B. “Sport” und “Kultur” gegeneinander zu hetzen. Stadtgesellschaften, die nicht dumm genug dafür sind, sich spalten zu lassen, schliessen sich dann erst recht zusammen. Aber das ist einfach geschrieben, und schwere harte Arbeit für die abnehmende Zahl ehrenamtlich engagierter Bürger*innen.

    Insofern braucht es für dieses Zerstörungswerk keinen Weimer. Der ist komplett überflüssig. Aber das zur Kenntnis zu nehmen, verkraftet der nicht.

    Für wen der Kerl von Bedeutung ist

    Die Incels, die ihren Schwanz mit ihrem Auto verlängern, die haben in ihm einen verlässlichen Partner. Sein Apologet bei Springer, dessen Name mir einfach nicht mehr einfällt, der aber bei Westend eine Buchverlegerheimat gefunden hat, der weiss, was ich meine.

    Und wenn Sie meinen, dass diese Typen Sie nicht interessieren, dann lesen Sie vorher lieber nochmal, was Harald Gesterkamp/bruchstuecke dazu dem Ökonomen (!) Boris von Heesen entlockt hat: Aggressiv, rasend, betrunken – Mann am Steuer – Überdimensionierte Fahrzeuge, aggressives Verhalten, männliche Netzwerke in Konzernen, Parlamenten und Verbänden: Der Ökonom Boris von Heesen hat untersucht, wie patriarchale Strukturen eine nachhaltige Verkehrspolitik blockieren.”

    Jederzeit begegnen Sie denen im öffentlichen Verkehr. Machen Sie sich also sachkundig.

    Wohlbefinden für den Verstand

    Heute 22.15 h im ZDF und dann auch hier: “Die Anstalt”.

    Update 28.5.

    Die Anstalt behandelte als Thema die deutsche Abfallwirtschaft. In Deutschland funktioniert die so: wir trennen den Müll sorgfältiger, als Gemeinwohl und Profitinteresse. Schon die legendären “Sopranos” (1999-2006) wussten, wie lukrativ Abfallwirtschaft ist, und wurden vom ZDF systematisch totgesendet (wie später auch “Better Call Saul”). Die Sopranos waren von Erfinder David Chase angesiedelt in Newark/New Jersey. So schliessen sich die Kreise.

    Dass deutsche TV-Anstalten solche Zusammenhänge nicht oben in ihr Agendasetting nehmen, darauf immerhin ist Verlass.

  33. Opiumhändler

    mit Update 28.5.

    Der hier zu lobende, zu preisende und in erster Linie (mal wieder) hervorzuhebende Autor Georg Seeßlen/Jungle World zitiert das Objekt seiner Analyse mit diesen pathostriefenden Ausführungen: »Das 21. Jahrhundert wird ein Zeitalter der Religion. Gott kehrt zurück, und zwar mit Macht im doppelten Sinne des Wortes. Nicht nur als philosophische Kategorie, revitalisierte Tradi­tion, theologische Erzeugung oder spirituelle Kraft. Er kommt mitten hinein in den politischen Raum. Dieses Traktat vertritt die These, dass sich der Säkularisierungsprozess umkehren wird. Wir gehen vom postmodernen ins neoreligiöse Zeitalter.« Lachen und weglegen? Wenn es so einfach wäre – oder Sie meinen, dass es das ist – können Sie hier mit dem Weiterlesen aufhören.

    Ich rate zum Weiterlesen. Georg Seeßlen/Jungle World: Der neue Kulturstaatsminister soll vollenden, was Helmut Kohl nur vorschwebte: Bitte wenden: Wolfram Weimer und der Kulturkreis vom Tegernsee – Weg mit den Joints, jetzt wird die Ludwig-Erhard-Zigarre wieder angesteckt! Mit Wolfram Weimer als neuem Staatsminister für Kultur und Medien soll die Ära einer vermeintlich linkslastigen Förderungspolitik enden. Aber es geht um mehr: Die von Helmut Kohl eingeforderte »geistig-moralische Wende« kommt zu neuen Ehren. Und auch Gott kehrt in den politischen Raum zurück, verspricht Weimer.”

    Wie der Autor schon richtig beschreibt, funktioniert diese dubiose Figur in erster Linie als öffentlicher Lautsprecher. Praktische Kulturarbeit wird von Ländern und Kommunen bezahlt. Zum Ausruhen ist das, das wissen alle, die damit zu tun haben, schon lange nicht. War es noch nie. Es ist immer, jedes Haushaltsjahr wieder, Gegenstand von Verteilungskämpfen. Und weil es sich um angeblich “freiwillige Leistungen” handelt, umso mehr.

    Böswillige (und unfähige) Kommunalpolitiker*innen versuchen gerne, z.B. “Sport” und “Kultur” gegeneinander zu hetzen. Stadtgesellschaften, die nicht dumm genug dafür sind, sich spalten zu lassen, schliessen sich dann erst recht zusammen. Aber das ist einfach geschrieben, und schwere harte Arbeit für die abnehmende Zahl ehrenamtlich engagierter Bürger*innen.

    Insofern braucht es für dieses Zerstörungswerk keinen Weimer. Der ist komplett überflüssig. Aber das zur Kenntnis zu nehmen, verkraftet der nicht.

    Für wen der Kerl von Bedeutung ist

    Die Incels, die ihren Schwanz mit ihrem Auto verlängern, die haben in ihm einen verlässlichen Partner. Sein Apologet bei Springer, dessen Name mir einfach nicht mehr einfällt, der aber bei Westend eine Buchverlegerheimat gefunden hat, der weiss, was ich meine.

    Und wenn Sie meinen, dass diese Typen Sie nicht interessieren, dann lesen Sie vorher lieber nochmal, was Harald Gesterkamp/bruchstuecke dazu dem Ökonomen (!) Boris von Heesen entlockt hat: Aggressiv, rasend, betrunken – Mann am Steuer – Überdimensionierte Fahrzeuge, aggressives Verhalten, männliche Netzwerke in Konzernen, Parlamenten und Verbänden: Der Ökonom Boris von Heesen hat untersucht, wie patriarchale Strukturen eine nachhaltige Verkehrspolitik blockieren.”

    Jederzeit begegnen Sie denen im öffentlichen Verkehr. Machen Sie sich also sachkundig.

    Wohlbefinden für den Verstand

    Heute 22.15 h im ZDF und dann auch hier: “Die Anstalt”.

    Update 28.5.

    Die Anstalt behandelte als Thema die deutsche Abfallwirtschaft. In Deutschland funktioniert die so: wir trennen den Müll sorgfältiger, als Gemeinwohl und Profitinteresse. Schon die legendären “Sopranos” (1999-2006) wussten, wie lukrativ Abfallwirtschaft ist, und wurden vom ZDF systematisch totgesendet (wie später auch “Better Call Saul”). Die Sopranos waren von Erfinder David Chase angesiedelt in Newark/New Jersey. So schliessen sich die Kreise.

    Dass deutsche TV-Anstalten solche Zusammenhänge nicht oben in ihr Agendasetting nehmen, darauf immerhin ist Verlass.

  34. Übungen im politischen Denken

    Der Deutschlandfunk zeigt erfreuliches Leistungsvermögen. Geht doch.

    Haben Sie Zeit? Stehen Sie viel im Stau? Oder sitzen in einem Zug, der nicht weiterfährt? Da habe ich was für Sie. Das Premiumprodukt deutschen Radioschaffens. Lange Nacht: Rotkäppchen und der Wolf – Eine Lange Nacht über fantastische Geschichten von Tieren und Menschen – Von Markus Metz und Georg Seeßlen.” Teasertext des Senders:

    “Das Verhältnis des Menschen zum Tier, von Anfang an ambivalent, ist Teil seiner Zivilisationsgeschichte. Einen Teil der Tierwelt hat er sich nutzbar gemacht, zu Haus- und Hoftieren gezüchtet und trainiert. Es gibt Tiere, mit denen sich die Menschen arrangieren wie Vögel oder Fliegen, und Tiere, die gejagt und gegessen werden. Dann sind da die Schädlinge – das Tier, das dem Menschen Krankheiten bringt oder seine Ernte verzehrt. Und schließlich ist da das gefährliche Tier, das Menschen angreift, sei es, weil es sie als Beute ansieht, sei es, weil es sie nicht in seinem Revier dulden will. Aus der Ambivalenz des Menschen gegenüber dem Tier sind viele Mythen und Legenden entstanden. Magische Bilder und Riten wurden entwickelt, um die ‘wilden’ Mitgeschöpfe zu bannen und ihnen ihren Platz in der Geschichte und in den Geschichten zuzuweisen, die einen dem höllischen, die anderem dem himmlischen und die dritten dem irdischen Bereich. An dieser Fantasie-Arbeit des Menschen am Tier hat sich bis heute wenig geändert, nur dass die fantastischen Tiere nun nicht mehr in religiösen Zeremonien oder magischen Ritualen, sondern in den Erfindungen der populären Kultur, in Literatur, Bildender Kunst, Film und Fernsehen ihre Rollen spielen. Die ‘Lange Nacht’ unternimmt eine Reise durch die Welt der Tier-Fantasien und der Fantasie-Tiere.”

    Und ganz am Ende dieser knapp drei Stunden sagen die Autoren: “Wir sind damit erst am Anfang.” 😉

    Nach Klärung dieser Grundsatzfragen des Lebens sind Sie dann bestens ausgerüstet für die Zuwendung zu den brennenden Gegenwartsfragen. Und eine Antwort darauf lässt sich sogar beim Sender nachlesen. Glückwunsch an die Redaktion “Essay&Diskurs”, die dafür im Sender gewiss kämpfen musste.

    Maike Weißpflug/DLF: Für die Demokratie eintreten – Loyalität als Haltung in schwierigen Zeiten – Lange war die Demokratie als Staatsform im Westen unangefochten. Doch mittlerweile erleben wir sogar in den westlichen Demokratien Angriffe auf sie, auf den Rechtsstaat und seine Institutionen. Wie können Demokraten und Demokratinnen dem entgegentreten?”

    Besonders erfreulich, dass die Autorin – was selten ist, ist wertvoll – ihr “Wir” definiert: “… ich verwende das kleine Wörtchen ‘wir’ für alle Demokratinnen und Demokraten, denen an Tatsachen und friedlicher, regelbasierter Problemlösung etwas gelegen ist”.

    Danke für diese Übungen. Danach gehts dem eigenen Kopf besser. Denken ist möglich.

  35. Übungen im politischen Denken

    Der Deutschlandfunk zeigt erfreuliches Leistungsvermögen. Geht doch.

    Haben Sie Zeit? Stehen Sie viel im Stau? Oder sitzen in einem Zug, der nicht weiterfährt? Da habe ich was für Sie. Das Premiumprodukt deutschen Radioschaffens. Lange Nacht: Rotkäppchen und der Wolf – Eine Lange Nacht über fantastische Geschichten von Tieren und Menschen – Von Markus Metz und Georg Seeßlen.” Teasertext des Senders:

    “Das Verhältnis des Menschen zum Tier, von Anfang an ambivalent, ist Teil seiner Zivilisationsgeschichte. Einen Teil der Tierwelt hat er sich nutzbar gemacht, zu Haus- und Hoftieren gezüchtet und trainiert. Es gibt Tiere, mit denen sich die Menschen arrangieren wie Vögel oder Fliegen, und Tiere, die gejagt und gegessen werden. Dann sind da die Schädlinge – das Tier, das dem Menschen Krankheiten bringt oder seine Ernte verzehrt. Und schließlich ist da das gefährliche Tier, das Menschen angreift, sei es, weil es sie als Beute ansieht, sei es, weil es sie nicht in seinem Revier dulden will. Aus der Ambivalenz des Menschen gegenüber dem Tier sind viele Mythen und Legenden entstanden. Magische Bilder und Riten wurden entwickelt, um die ‘wilden’ Mitgeschöpfe zu bannen und ihnen ihren Platz in der Geschichte und in den Geschichten zuzuweisen, die einen dem höllischen, die anderem dem himmlischen und die dritten dem irdischen Bereich. An dieser Fantasie-Arbeit des Menschen am Tier hat sich bis heute wenig geändert, nur dass die fantastischen Tiere nun nicht mehr in religiösen Zeremonien oder magischen Ritualen, sondern in den Erfindungen der populären Kultur, in Literatur, Bildender Kunst, Film und Fernsehen ihre Rollen spielen. Die ‘Lange Nacht’ unternimmt eine Reise durch die Welt der Tier-Fantasien und der Fantasie-Tiere.”

    Und ganz am Ende dieser knapp drei Stunden sagen die Autoren: “Wir sind damit erst am Anfang.” 😉

    Nach Klärung dieser Grundsatzfragen des Lebens sind Sie dann bestens ausgerüstet für die Zuwendung zu den brennenden Gegenwartsfragen. Und eine Antwort darauf lässt sich sogar beim Sender nachlesen. Glückwunsch an die Redaktion “Essay&Diskurs”, die dafür im Sender gewiss kämpfen musste.

    Maike Weißpflug/DLF: Für die Demokratie eintreten – Loyalität als Haltung in schwierigen Zeiten – Lange war die Demokratie als Staatsform im Westen unangefochten. Doch mittlerweile erleben wir sogar in den westlichen Demokratien Angriffe auf sie, auf den Rechtsstaat und seine Institutionen. Wie können Demokraten und Demokratinnen dem entgegentreten?”

    Besonders erfreulich, dass die Autorin – was selten ist, ist wertvoll – ihr “Wir” definiert: “… ich verwende das kleine Wörtchen ‘wir’ für alle Demokratinnen und Demokraten, denen an Tatsachen und friedlicher, regelbasierter Problemlösung etwas gelegen ist”.

    Danke für diese Übungen. Danach gehts dem eigenen Kopf besser. Denken ist möglich.

  36. "Neben der Vernunft" - Ein wie immer ebenso kluges wie erhellendes und über die üblichen Argumentationsmuster hinausgehendes #Schlagloch von #GeorgSeesslen in der #taz @tazgetroete
    Sehr lesenswert!

    taz.de/!5950952
    #Politik #Paranoia #Faschisierung

  37. Faschismus der Gegenwart

    Mitten in der EU
    Selten ist es, dass Georg Seeßlen in der Jungle World ohne digitale Bezahlmauer erscheint. Nun ist es geschehen, und eine Fundgrube intellektueller Erkenntnis, nur leider komplett spassfrei: “Gesellschaft als Beute – Giorgia Melonis Kürzung der Sozialhilfe als faschistischer Krieg gegen die Armen Italiens – Ein Lehrstück der […]

    https://extradienst.net/2023/08/18/faschismus-der-gegenwart/

  38. Faschismus der Gegenwart

    Mitten in der EU
    Selten ist es, dass Georg Seeßlen in der Jungle World ohne digitale Bezahlmauer erscheint. Nun ist es geschehen, und eine Fundgrube intellektueller Erkenntnis, nur leider komplett spassfrei: “Gesellschaft als Beute – Giorgia Melonis Kürzung der Sozialhilfe als faschistischer Krieg gegen die Armen Italiens – Ein Lehrstück der […]

    https://extradienst.net/2023/08/18/faschismus-der-gegenwart/

  39. Ich mag Kreuzfahrten. Auch wenn sie klimapolitisch böse sind. Und das meine ich nicht ironisch. Die gesamte Schifffahrt auf der Welt ist ein politischer Skandal – ökologisch und sozial schlimmster unregulierter Kapitalismus. Bei mir ist es aus finanziellen Gründen schlicht so, dass ich mehr von Kreuzfahrten träume, als ich sie mache. Zumal ich die schiffgewordenen Shopping-Malls hasse wie die Pest, kleinere Schiffe, die noch wie Schiffe aussehen, bevorzugen würde. Aber die sind noch teuerer. So […]

    https://extradienst.net/2022/10/16/sadness/

  40. Bayerns Södermarkus will Fracking, aber in Niedersachsen. Dort ist mann nicht amüsiert. Deutschland will Frackinggas, aber nicht von zuhause. Warum nicht? Wer das ehrlich wissen will, muss in die USA. Nicole Markwald war für DLF-Kultur da. Scheint mindestens so scheisse zu sein, wie es früher die Kokereien im Ruhrgebiet waren. Klimaretten? Können wir nach dem Winter ja immer noch. Oder nicht? Das ist die Frage. Ich kann mich noch an Stuhlkreise von Grünen-Mitgliederversammlungen in Bonn […]

    https://extradienst.net/2022/09/16/lng-und-das-grosse-palaver/

  41. Putin, die Drecksau – und der grösste Gläubiger der Welt Georg Seesslen, wird sicher keinen Job mehr von der deutschen Diskurspolizei angeboten bekommen. In seiner taz-Kolumne fügt er hart-realistisch zusammen, wie die bekannt umfangreiche deutsche Rechte sich in die geschlossenen Reihen gegen das böse Russland einfügen lässt, obwohl doch das dortige Regime sie eher neidisch macht. Die deutsche Diskurspolizei, kein Staatsorgan sondern ein sich entfaltender florierender, und üppig subventionierter Wirtschaftszweig privater Dienstleister*innen, hat eine ganz […]

    https://extradienst.net/2022/08/05/its-the-economy-stupid-3/