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#myrtepalatini — Public Fediverse posts

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  1. Krimineller Zement

    Wie konnte das passieren? Myrte Palatini/Jungle World: Der französische Manager Bruno Lafont hat Jihadisten in Syrien finanziert: Hauptsache Profit – Das französische Baustoffunternehmen Lafarge bezahlte dem »Islamischen Staat« und anderen Jihadisten in Syrien lieber Geld, statt auf Gewinn zu verzichten. Nun verurteilte ein Gericht den ehemaligen Konzernchef zu sechs Jahren Gefängnis.” Mehr zu Lafarge bei Wikipedia.

    Der böse Straftäter hat sich offenbar nicht ausreichend mit seiner gutherzigen Regierung abgestimmt. Denn völlig abgeneigt ist die seinem Vorgehen nicht, wie sich aktuell in Mali zeigt. Aus Paris berichtet Bernard Schmid/Junge Welt, der häufig auch in der Jungle World und langjährig bei telepolis schrieb: Bamako unter Feuer – Mali: Tuareg-Separatisten und Dschihadisten starten koordinierte Offensive gegen die Zentralregierung”. Dieser Bericht verschwindet in einigen Tagen im Paywallarchiv der Jungen Welt.

    Das Beispiel Sahel zeigt, dass Frankreichs Neokolonialist*inn*en, und nicht nur die, schon lange studiert haben und bedenkenlos zur Anwendung bringen, was Lars Lange/telepolis hier anschaulich beschreibt: Anarchie als Strategie: Die neue Logik des Krieges – Krieg ohne Zentrum: Drohnen, Mosaike, Code. Asymmetrische Kriegsführung formt neue Logik. Doch wer kämpft, wenn niemand mehr Befehle gibt? Eine Einschätzung.” Der Autor zeigt, dass in der asymmetrischen Kriegsführung die Grenzen zwischen Staaten, Regierungen und Terrororganisationen verschwimmen. Sie gehen mitunter fliessend ineinander über. Wer ist Terrorregime? Und wer nicht? Da hatte der böse Monsieur Lafont (s.o.) wohl etwas die Übersicht verloren … Mutmasslich halten sich Zementkonzerne angesichts der demagogisch grassierenden Parole “Bauen, bauen, bauen …” und der in jeder kapitalistisch strukturierten Kommune grassierenden “Abreissen-und-neu-bauen”-Epidemie – Bonner*innen wissen, was ich meine – für die Herrscher der Welt und unverwundbar. Sie sind es nicht.

    Das sind ein paar Einführungsleseminuten für Anfänger*innen. Militärs, die noch ihre Sinne beisammen haben, auch professionell damit beschäftigten Politiker*inne*n ist das schon lange nicht mehr neu. Aber wieviele von denen haben ihre Sinne noch beisammen? Das fragt mit einigem Recht Hans-Peter Waldrich/overton: Trump und der Zerfall rationaler Politik – Trumps mentale Erkrankung und die Logik des Populismus.”

    Alles richtig beobachtet. Es wird von mir persönlich und vielen meiner Freund*inn*e*n geteilt. Ist aber leider vollständig befreit von strategischen Konsequenzen und politischen Handlungsideen. Also – “was unten rauskommt” – am Ende politikfrei. Damit ist das Defizit demokratischer Oppositionen in Parlamenten und Parteien, ob in den USA oder EU-Europa, leider schon fast vollständig beschrieben.

    Der Druck gegen das von Waldrich charakterisierte zunehmend militarisierte und kriegerische System muss von aussen und unten organisiert werden. Parteien dürfen dabei mithelfen. Wenn sie es noch können …

  2. Krimineller Zement

    Wie konnte das passieren? Myrte Palatini/Jungle World: Der französische Manager Bruno Lafont hat Jihadisten in Syrien finanziert: Hauptsache Profit – Das französische Baustoffunternehmen Lafarge bezahlte dem »Islamischen Staat« und anderen Jihadisten in Syrien lieber Geld, statt auf Gewinn zu verzichten. Nun verurteilte ein Gericht den ehemaligen Konzernchef zu sechs Jahren Gefängnis.” Mehr zu Lafarge bei Wikipedia.

    Der böse Straftäter hat sich offenbar nicht ausreichend mit seiner gutherzigen Regierung abgestimmt. Denn völlig abgeneigt ist die seinem Vorgehen nicht, wie sich aktuell in Mali zeigt. Aus Paris berichtet Bernard Schmid/Junge Welt, der häufig auch in der Jungle World und langjährig bei telepolis schrieb: Bamako unter Feuer – Mali: Tuareg-Separatisten und Dschihadisten starten koordinierte Offensive gegen die Zentralregierung”. Dieser Bericht verschwindet in einigen Tagen im Paywallarchiv der Jungen Welt.

    Das Beispiel Sahel zeigt, dass Frankreichs Neokolonialist*inn*en, und nicht nur die, schon lange studiert haben und bedenkenlos zur Anwendung bringen, was Lars Lange/telepolis hier anschaulich beschreibt: Anarchie als Strategie: Die neue Logik des Krieges – Krieg ohne Zentrum: Drohnen, Mosaike, Code. Asymmetrische Kriegsführung formt neue Logik. Doch wer kämpft, wenn niemand mehr Befehle gibt? Eine Einschätzung.” Der Autor zeigt, dass in der asymmetrischen Kriegsführung die Grenzen zwischen Staaten, Regierungen und Terrororganisationen verschwimmen. Sie gehen mitunter fliessend ineinander über. Wer ist Terrorregime? Und wer nicht? Da hatte der böse Monsieur Lafont (s.o.) wohl etwas die Übersicht verloren … Mutmasslich halten sich Zementkonzerne angesichts der demagogisch grassierenden Parole “Bauen, bauen, bauen …” und der in jeder kapitalistisch strukturierten Kommune grassierenden “Abreissen-und-neu-bauen”-Epidemie – Bonner*innen wissen, was ich meine – für die Herrscher der Welt und unverwundbar. Sie sind es nicht.

    Das sind ein paar Einführungsleseminuten für Anfänger*innen. Militärs, die noch ihre Sinne beisammen haben, auch professionell damit beschäftigten Politiker*inne*n ist das schon lange nicht mehr neu. Aber wieviele von denen haben ihre Sinne noch beisammen? Das fragt mit einigem Recht Hans-Peter Waldrich/overton: Trump und der Zerfall rationaler Politik – Trumps mentale Erkrankung und die Logik des Populismus.”

    Alles richtig beobachtet. Es wird von mir persönlich und vielen meiner Freund*inn*e*n geteilt. Ist aber leider vollständig befreit von strategischen Konsequenzen und politischen Handlungsideen. Also – “was unten rauskommt” – am Ende politikfrei. Damit ist das Defizit demokratischer Oppositionen in Parlamenten und Parteien, ob in den USA oder EU-Europa, leider schon fast vollständig beschrieben.

    Der Druck gegen das von Waldrich charakterisierte zunehmend militarisierte und kriegerische System muss von aussen und unten organisiert werden. Parteien dürfen dabei mithelfen. Wenn sie es noch können …

  3. Betrug

    Einen heissen Krimi haben Gastautor*inn*en der netzpolitik-Kolleg*inn*en zu bieten: Saša Dragojlo, Maxence Peigne, Nico Schmidt: Online-Investmentplattformen: Die Spur eines Millionenbetrugs – Sie versprechen ihren Opfern das große Geld, doch dann ist alles weg: Vermeintliche Online-Investmentplattformen betrügen Menschen um Millionen. Den Drahtziehern auf die Schliche zu kommen, ist schwierig. Eine Recherche hat neue Informationen zu einem Betrugsnetzwerk aufgedeckt.” Es erweist sich erneut, dass der europäische Profifussball (der Herren) ein idealer Geschäftspartner solcher Verbrecher ist.

    Ich habe sogleich reflektiert, wie ich mich als betagter Herr davor schütze. Zum einen lege ich auf meiner Festnetzleitung immer sofort auf, wenn ich im Hintergrund Callcenter-Geräusche höre. Meine Dienstleister (Bank, Netzanbieter etc.) wissen, dass ich Telefonmarketing verabscheue. Und auf meinem Handy erreichen mich die Dreckschweine schon gar nicht. Ich habs nämlich meistens nicht dabei – ich kann es mir leisten.

    Doch es gibt nicht nur Lug, Trug und Verbrechen. Es gibt – gelegentlich – auch guten Journalismus. Die Kolleg*inn*en von Jungle World, mit deren Zionismus ich meistens nichts anfangen kann, beanspruchen aber doch immer wieder, und öfter als die meisten anderen Medien, meinen Verstand. Sie haben eine Redaktionsreise nach Birmingham gemacht, und etliche lesenswerte Informationen nicht digital eingemeuert.

    Mit grossem Gewinn las ich die wahre Geschichte der “Peaky Blinders”. Die gabs nicht nur bei Netflix, sondern auch mit bereits gezahlten Gebühren von 18€/Monat auf Arte. Ich habe das mit grossem Interesse und auch Begeisterung über die Verfilmung gesehen. Nur war es nicht wahr. Markus Ströhlein: Netflix-Serie als Stadt-Marketing – »Peaky Blinders« romantisiert das kriminelle Imperium, das Birmingham im Griff hatte: Es ist ihre Stadt – Elegante Typen mit Schiebermütze, die sich mit Nachdruck für Umverteilung von oben nach unten einsetzen und schon mal Gnade vor Unrecht ergehen lassen: Die Erfolgsserie »Peaky Blinders« romantisiert das kriminelle Imperium, das Birmingham Anfang des 20. Jahrhunderts im Griff hatte. Die berüchtigte Bande ist zum Sinnbild aufbegehrender Jugendkultur geworden.”

    Sehr aufklärerisch zum permanenten Betrug des Rassismus: Kieran Connell, Historiker, im Gespräch über Einwanderung ins Vereinigte Königreich: »Der Rassismus in Großbritannien war nie weg« – Der Historiker Kieran Connell wuchs in Birmingham im Einwanderer­viertel Balsall Heath auf. In seinem Buch »Multicultural Britain – A People’s History« beschreibt er, wie Einwanderung die britische Gesellschaft veränderte. Die »Jungle World« sprach mit ihm über die alltägliche Vielfalt im modernen Großbritannien und darüber, warum der Rassismus stärker scheint denn je. Interview Von Johannes Simon”.

    Und eine Story, von der ich zuvor wirklich gar nichts wusste: Myrte Palatini: Scheidung für Arme – einst boten Männer ihre Ehefrauen feil: Frauentausch während der industriellen Revolution – Von Ende des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts fanden in Großbritannien sogenannte »wife sales« statt, bei denen Männer ihre Ehefrauen wie Vieh auf dem Markt versteigerten. Erste Überlegungen dazu, wie das Phänomen in die Zeit passte, stammten von marxistischen Historikern aus den Achtzigern.”

    Hauptstadt der Immobilienbetrüger*innen hierzulande ist zweifellos Berlin – in dieser Disziplin stimmt die Bezeichnung mal. Vor zwei Jahren lobte ich hier bereits die fünfteilige Dokumentarserie von Florian Opitz, “Capital B”, die beste Berlin-Beschreibung und -Erklärung, die ich filmisch seit langem gesehen habe, ungefähr seit Max Willutzki (“Der lange Jammer“). “Capital B” ist noch zwei Tage in der Arte-Mediathek. Der WDR hebt sie morgen in sein Nachtprogramm. Ob sie dann hier eine Mediathek-Verlängerung bekommt? Die Spannung steigt. Der Sender hält es geheim. Gehts noch dümmer? Update 1.10.: doch tatsächlich, 2 Jahre Mediathekverlängerung!

  4. Betrug

    Einen heissen Krimi haben Gastautor*inn*en der netzpolitik-Kolleg*inn*en zu bieten: Saša Dragojlo, Maxence Peigne, Nico Schmidt: Online-Investmentplattformen: Die Spur eines Millionenbetrugs – Sie versprechen ihren Opfern das große Geld, doch dann ist alles weg: Vermeintliche Online-Investmentplattformen betrügen Menschen um Millionen. Den Drahtziehern auf die Schliche zu kommen, ist schwierig. Eine Recherche hat neue Informationen zu einem Betrugsnetzwerk aufgedeckt.” Es erweist sich erneut, dass der europäische Profifussball (der Herren) ein idealer Geschäftspartner solcher Verbrecher ist.

    Ich habe sogleich reflektiert, wie ich mich als betagter Herr davor schütze. Zum einen lege ich auf meiner Festnetzleitung immer sofort auf, wenn ich im Hintergrund Callcenter-Geräusche höre. Meine Dienstleister (Bank, Netzanbieter etc.) wissen, dass ich Telefonmarketing verabscheue. Und auf meinem Handy erreichen mich die Dreckschweine schon gar nicht. Ich habs nämlich meistens nicht dabei – ich kann es mir leisten.

    Doch es gibt nicht nur Lug, Trug und Verbrechen. Es gibt – gelegentlich – auch guten Journalismus. Die Kolleg*inn*en von Jungle World, mit deren Zionismus ich meistens nichts anfangen kann, beanspruchen aber doch immer wieder, und öfter als die meisten anderen Medien, meinen Verstand. Sie haben eine Redaktionsreise nach Birmingham gemacht, und etliche lesenswerte Informationen nicht digital eingemeuert.

    Mit grossem Gewinn las ich die wahre Geschichte der “Peaky Blinders”. Die gabs nicht nur bei Netflix, sondern auch mit bereits gezahlten Gebühren von 18€/Monat auf Arte. Ich habe das mit grossem Interesse und auch Begeisterung über die Verfilmung gesehen. Nur war es nicht wahr. Markus Ströhlein: Netflix-Serie als Stadt-Marketing – »Peaky Blinders« romantisiert das kriminelle Imperium, das Birmingham im Griff hatte: Es ist ihre Stadt – Elegante Typen mit Schiebermütze, die sich mit Nachdruck für Umverteilung von oben nach unten einsetzen und schon mal Gnade vor Unrecht ergehen lassen: Die Erfolgsserie »Peaky Blinders« romantisiert das kriminelle Imperium, das Birmingham Anfang des 20. Jahrhunderts im Griff hatte. Die berüchtigte Bande ist zum Sinnbild aufbegehrender Jugendkultur geworden.”

    Sehr aufklärerisch zum permanenten Betrug des Rassismus: Kieran Connell, Historiker, im Gespräch über Einwanderung ins Vereinigte Königreich: »Der Rassismus in Großbritannien war nie weg« – Der Historiker Kieran Connell wuchs in Birmingham im Einwanderer­viertel Balsall Heath auf. In seinem Buch »Multicultural Britain – A People’s History« beschreibt er, wie Einwanderung die britische Gesellschaft veränderte. Die »Jungle World« sprach mit ihm über die alltägliche Vielfalt im modernen Großbritannien und darüber, warum der Rassismus stärker scheint denn je. Interview Von Johannes Simon”.

    Und eine Story, von der ich zuvor wirklich gar nichts wusste: Myrte Palatini: Scheidung für Arme – einst boten Männer ihre Ehefrauen feil: Frauentausch während der industriellen Revolution – Von Ende des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts fanden in Großbritannien sogenannte »wife sales« statt, bei denen Männer ihre Ehefrauen wie Vieh auf dem Markt versteigerten. Erste Überlegungen dazu, wie das Phänomen in die Zeit passte, stammten von marxistischen Historikern aus den Achtzigern.”

    Hauptstadt der Immobilienbetrüger*innen hierzulande ist zweifellos Berlin – in dieser Disziplin stimmt die Bezeichnung mal. Vor zwei Jahren lobte ich hier bereits die fünfteilige Dokumentarserie von Florian Opitz, “Capital B”, die beste Berlin-Beschreibung und -Erklärung, die ich filmisch seit langem gesehen habe, ungefähr seit Max Willutzki (“Der lange Jammer“). “Capital B” ist noch zwei Tage in der Arte-Mediathek. Der WDR hebt sie morgen in sein Nachtprogramm. Ob sie dann hier eine Mediathek-Verlängerung bekommt? Die Spannung steigt. Der Sender hält es geheim. Gehts noch dümmer?

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  5. Betrug

    Einen heissen Krimi haben Gastautor*inn*en der netzpolitik-Kolleg*inn*en zu bieten: Saša Dragojlo, Maxence Peigne, Nico Schmidt: Online-Investmentplattformen: Die Spur eines Millionenbetrugs – Sie versprechen ihren Opfern das große Geld, doch dann ist alles weg: Vermeintliche Online-Investmentplattformen betrügen Menschen um Millionen. Den Drahtziehern auf die Schliche zu kommen, ist schwierig. Eine Recherche hat neue Informationen zu einem Betrugsnetzwerk aufgedeckt.” Es erweist sich erneut, dass der europäische Profifussball (der Herren) ein idealer Geschäftspartner solcher Verbrecher ist.

    Ich habe sogleich reflektiert, wie ich mich als betagter Herr davor schütze. Zum einen lege ich auf meiner Festnetzleitung immer sofort auf, wenn ich im Hintergrund Callcenter-Geräusche höre. Meine Dienstleister (Bank, Netzanbieter etc.) wissen, dass ich Telefonmarketing verabscheue. Und auf meinem Handy erreichen mich die Dreckschweine schon gar nicht. Ich habs nämlich meistens nicht dabei – ich kann es mir leisten.

    Doch es gibt nicht nur Lug, Trug und Verbrechen. Es gibt – gelegentlich – auch guten Journalismus. Die Kolleg*inn*en von Jungle World, mit deren Zionismus ich meistens nichts anfangen kann, beanspruchen aber doch immer wieder, und öfter als die meisten anderen Medien, meinen Verstand. Sie haben eine Redaktionsreise nach Birmingham gemacht, und etliche lesenswerte Informationen nicht digital eingemeuert.

    Mit grossem Gewinn las ich die wahre Geschichte der “Peaky Blinders”. Die gabs nicht nur bei Netflix, sondern auch mit bereits gezahlten Gebühren von 18€/Monat auf Arte. Ich habe das mit grossem Interesse und auch Begeisterung über die Verfilmung gesehen. Nur war es nicht wahr. Markus Ströhlein: Netflix-Serie als Stadt-Marketing – »Peaky Blinders« romantisiert das kriminelle Imperium, das Birmingham im Griff hatte: Es ist ihre Stadt – Elegante Typen mit Schiebermütze, die sich mit Nachdruck für Umverteilung von oben nach unten einsetzen und schon mal Gnade vor Unrecht ergehen lassen: Die Erfolgsserie »Peaky Blinders« romantisiert das kriminelle Imperium, das Birmingham Anfang des 20. Jahrhunderts im Griff hatte. Die berüchtigte Bande ist zum Sinnbild aufbegehrender Jugendkultur geworden.”

    Sehr aufklärerisch zum permanenten Betrug des Rassismus: Kieran Connell, Historiker, im Gespräch über Einwanderung ins Vereinigte Königreich: »Der Rassismus in Großbritannien war nie weg« – Der Historiker Kieran Connell wuchs in Birmingham im Einwanderer­viertel Balsall Heath auf. In seinem Buch »Multicultural Britain – A People’s History« beschreibt er, wie Einwanderung die britische Gesellschaft veränderte. Die »Jungle World« sprach mit ihm über die alltägliche Vielfalt im modernen Großbritannien und darüber, warum der Rassismus stärker scheint denn je. Interview Von Johannes Simon”.

    Und eine Story, von der ich zuvor wirklich gar nichts wusste: Myrte Palatini: Scheidung für Arme – einst boten Männer ihre Ehefrauen feil: Frauentausch während der industriellen Revolution – Von Ende des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts fanden in Großbritannien sogenannte »wife sales« statt, bei denen Männer ihre Ehefrauen wie Vieh auf dem Markt versteigerten. Erste Überlegungen dazu, wie das Phänomen in die Zeit passte, stammten von marxistischen Historikern aus den Achtzigern.”

    Hauptstadt der Immobilienbetrüger*innen hierzulande ist zweifellos Berlin – in dieser Disziplin stimmt die Bezeichnung mal. Vor zwei Jahren lobte ich hier bereits die fünfteilige Dokumentarserie von Florian Opitz, “Capital B”, die beste Berlin-Beschreibung und -Erklärung, die ich filmisch seit langem gesehen habe, ungefähr seit Max Willutzki (“Der lange Jammer“). “Capital B” ist noch zwei Tage in der Arte-Mediathek. Der WDR hebt sie morgen in sein Nachtprogramm. Ob sie dann hier eine Mediathek-Verlängerung bekommt? Die Spannung steigt. Der Sender hält es geheim. Gehts noch dümmer? Update 1.10.: doch tatsächlich, 2 Jahre Mediathekverlängerung!

  6. Betrug

    Einen heissen Krimi haben Gastautor*inn*en der netzpolitik-Kolleg*inn*en zu bieten: Saša Dragojlo, Maxence Peigne, Nico Schmidt: Online-Investmentplattformen: Die Spur eines Millionenbetrugs – Sie versprechen ihren Opfern das große Geld, doch dann ist alles weg: Vermeintliche Online-Investmentplattformen betrügen Menschen um Millionen. Den Drahtziehern auf die Schliche zu kommen, ist schwierig. Eine Recherche hat neue Informationen zu einem Betrugsnetzwerk aufgedeckt.” Es erweist sich erneut, dass der europäische Profifussball (der Herren) ein idealer Geschäftspartner solcher Verbrecher ist.

    Ich habe sogleich reflektiert, wie ich mich als betagter Herr davor schütze. Zum einen lege ich auf meiner Festnetzleitung immer sofort auf, wenn ich im Hintergrund Callcenter-Geräusche höre. Meine Dienstleister (Bank, Netzanbieter etc.) wissen, dass ich Telefonmarketing verabscheue. Und auf meinem Handy erreichen mich die Dreckschweine schon gar nicht. Ich habs nämlich meistens nicht dabei – ich kann es mir leisten.

    Doch es gibt nicht nur Lug, Trug und Verbrechen. Es gibt – gelegentlich – auch guten Journalismus. Die Kolleg*inn*en von Jungle World, mit deren Zionismus ich meistens nichts anfangen kann, beanspruchen aber doch immer wieder, und öfter als die meisten anderen Medien, meinen Verstand. Sie haben eine Redaktionsreise nach Birmingham gemacht, und etliche lesenswerte Informationen nicht digital eingemeuert.

    Mit grossem Gewinn las ich die wahre Geschichte der “Peaky Blinders”. Die gabs nicht nur bei Netflix, sondern auch mit bereits gezahlten Gebühren von 18€/Monat auf Arte. Ich habe das mit grossem Interesse und auch Begeisterung über die Verfilmung gesehen. Nur war es nicht wahr. Markus Ströhlein: Netflix-Serie als Stadt-Marketing – »Peaky Blinders« romantisiert das kriminelle Imperium, das Birmingham im Griff hatte: Es ist ihre Stadt – Elegante Typen mit Schiebermütze, die sich mit Nachdruck für Umverteilung von oben nach unten einsetzen und schon mal Gnade vor Unrecht ergehen lassen: Die Erfolgsserie »Peaky Blinders« romantisiert das kriminelle Imperium, das Birmingham Anfang des 20. Jahrhunderts im Griff hatte. Die berüchtigte Bande ist zum Sinnbild aufbegehrender Jugendkultur geworden.”

    Sehr aufklärerisch zum permanenten Betrug des Rassismus: Kieran Connell, Historiker, im Gespräch über Einwanderung ins Vereinigte Königreich: »Der Rassismus in Großbritannien war nie weg« – Der Historiker Kieran Connell wuchs in Birmingham im Einwanderer­viertel Balsall Heath auf. In seinem Buch »Multicultural Britain – A People’s History« beschreibt er, wie Einwanderung die britische Gesellschaft veränderte. Die »Jungle World« sprach mit ihm über die alltägliche Vielfalt im modernen Großbritannien und darüber, warum der Rassismus stärker scheint denn je. Interview Von Johannes Simon”.

    Und eine Story, von der ich zuvor wirklich gar nichts wusste: Myrte Palatini: Scheidung für Arme – einst boten Männer ihre Ehefrauen feil: Frauentausch während der industriellen Revolution – Von Ende des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts fanden in Großbritannien sogenannte »wife sales« statt, bei denen Männer ihre Ehefrauen wie Vieh auf dem Markt versteigerten. Erste Überlegungen dazu, wie das Phänomen in die Zeit passte, stammten von marxistischen Historikern aus den Achtzigern.”

    Hauptstadt der Immobilienbetrüger*innen hierzulande ist zweifellos Berlin – in dieser Disziplin stimmt die Bezeichnung mal. Vor zwei Jahren lobte ich hier bereits die fünfteilige Dokumentarserie von Florian Opitz, “Capital B”, die beste Berlin-Beschreibung und -Erklärung, die ich filmisch seit langem gesehen habe, ungefähr seit Max Willutzki (“Der lange Jammer“). “Capital B” ist noch zwei Tage in der Arte-Mediathek. Der WDR hebt sie morgen in sein Nachtprogramm. Ob sie dann hier eine Mediathek-Verlängerung bekommt? Die Spannung steigt. Der Sender hält es geheim. Gehts noch dümmer?

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger