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#alfonspieper — Public Fediverse posts

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  1. Bequemer Pessimismus

    Lutz Heuken war nach meiner Lesererinnerung in seinem Berufsleben, das sich bei der einst wichtigen und mächtigen WAZ abspielte, ein durchgehend anständiger Journalist. Unvergesslich bleibt mir, dass er sich Ende der 90er als Ressortchef und Leitartikler gegen den “völkerrechtswidrigen” (zit. der damals amtierende Kanzler Schröder) Kosovo-Feldzug der seinerzeit rot-grünen Bundesregierung und der Nato ausgesprochen hat. Auch heute gibt er im “Blog der Republik” seines früheren Arbeitskollegen Alfons Pieper Einschätzungen zum Ausdruck, denen ich und viele meiner Freund*inn*e*n folgen können. Darum benenne ich hier heute für mich eine Ausnahme.

    “Wir haben versagt – jetzt zahlen wir den Preis” – mit dem ersten Wort fängt es schon an. Das vereinnahmende “Wir” wird auch von mir gelegentlich angewandt, und beste Freund*inn*e*n rügen mich dafür. Mit Recht.

    Heukens “Wir” zieht sich durch den gesamten Text. Er nivelliert damit nicht nur Klassen- und andere -Widersprüche und politische Gegensätze. Wird nicht ansonsten immer wieder über angeblich schreckliche “Polarisierung” gejammert? Die fehlt hier. Dabei gibt es sie wirklich. Sie wird nur von der herrschenden real existierenden und vermachteten Medien- und Parteienlandschaft nicht abgebildet und repräsentiert. Diese wird von Heuken mit Recht kritisiert, aber unzulässig auf ein “Wir” verallgemeinert. Vielleicht, weil er zu anderen, nur teilweise besseren, Zeiten selbst ein Teil davon war?

    Zweifellos gibt er mit seinem an Jammer nicht sparenden Text den Gefühlen und Einschätzungen vieler meiner Freund*inn*e*n Ausdruck. Doch ich fürchte, diese vorgebliche Verzweiflung und Machtlosigkeit dient nur dem Selbstbetrug: ich bin dagegen, aber auf mich hört ja keiner, ich kann ja nichts machen. Falsch.

    Pieper und Heuken trete ich sicherlich nicht zu nahe, wenn ich ihre politische Sozialisation und Denkweise in die Nähe der deutschen Sozialdemokratie rücke. Nirgends ist die politische Verzweiflung heute grösser, als dort. Doch aus der gleichen publizistischen Küche, nur ohne deutsche oder mitteleuropäische Scheuklappen, kommt das:

    Chiara Cordelli/IPG-Journal: Die Tragödie unserer Zeit – Aus Krise wächst Hoffnung: Wie Autoritarismus und Klimachaos neuen demokratischen Aufbruch befeuern.”

    Signora Cordelli hat verstanden, dass der Fortschritt nie linear ist oder sein kann. Er ist immer ein Resultat dialektischer Prozesse und Finessen. Fortschrittliche Kräfte, die nicht dumm bleiben wollen, studieren solche Prozesse aufmerksam, und lernen daraus. So, wie es die Rechten leider auch tun. Heutigen alten und jungen Linken täte es gut, die grassierende machttechnologische Welle zu begreifen, wie es hier ein junger netzpolitik-Praktikant fertigbringt. Zielsicher erfasst der junge Kollege das Zentrum der unbegrenzten Bereicherung durch die Menschheitsplagen unserer Zeit, die sich in Gestalten wie Trump, Musk u.v.a. austoben. Warum sind so viele zu dumm für das, was Denis Glismann kann?

    Am Ende siegen die … nein, falsch. Es gibt kein Ende. Es geht immer weiter, so lange es Menschen gibt – eine Klimakatastrophe kann immer “dazwischen kommen” … Siegen werden immer die, die mehr Menschen und soziales Engagement mobilisieren. “Polarisierung” kann dem sogar dienlich sein. Sie muss halt an elementaren gesellschaftlichen Widersprüchen ansetzen, und darf sich nicht durch von den Herrschenden mobilisierte Scheinwidersprüche spalten lassen.

    Der sog. “konstruktive Journalismus”, nach dem eine mutmassliche Mehrheit sogar hungert und dürstet, damit sie nicht Heuken-artig unter der Wucht der Aufmerksamkeitsökonomie zusammenbricht, hat das noch nicht begriffen. Niemand da draussen kennt ihn, den es z.B. hier oder hier geben soll … Statt brav Fördergelder zu verbrauchen, auch mal in Konflikte reingehen, Gegnerschaft und Interessen benennen, Kampfbereitschaft zeigen – dann würde es vielleicht bemerkt.

    Gesellschaftliche Bündnispolitik ist eine hohe Kunst. Es gab Zeiten, zu denen die SPD diese Kunst beherrschte. Die Grünen schaffen es bis heute nicht. Ob die US-Demokrat*inn*en es wieder erlernen, kann für den Planeten lebenswichtig werden.

    Die chinesischen Oligarchen wissen übrigens schon lange von Signora Cordellis Erkenntnissen. Systemkonkurrenz.

  2. Bequemer Pessimismus

    Lutz Heuken war nach meiner Lesererinnerung in seinem Berufsleben, das sich bei der einst wichtigen und mächtigen WAZ abspielte, ein durchgehend anständiger Journalist. Unvergesslich bleibt mir, dass er sich Ende der 90er als Ressortchef und Leitartikler gegen den “völkerrechtswidrigen” (zit. der damals amtierende Kanzler Schröder) Kosovo-Feldzug der seinerzeit rot-grünen Bundesregierung und der Nato ausgesprochen hat. Auch heute gibt er im “Blog der Republik” seines früheren Arbeitskollegen Alfons Pieper Einschätzungen zum Ausdruck, denen ich und viele meiner Freund*inn*e*n folgen können. Darum benenne ich hier heute für mich eine Ausnahme.

    “Wir haben versagt – jetzt zahlen wir den Preis” – mit dem ersten Wort fängt es schon an. Das vereinnahmende “Wir” wird auch von mir gelegentlich angewandt, und beste Freund*inn*e*n rügen mich dafür. Mit Recht.

    Heukens “Wir” zieht sich durch den gesamten Text. Er nivelliert damit nicht nur Klassen- und andere -Widersprüche und politische Gegensätze. Wird nicht ansonsten immer wieder über angeblich schreckliche “Polarisierung” gejammert? Die fehlt hier. Dabei gibt es sie wirklich. Sie wird nur von der herrschenden real existierenden und vermachteten Medien- und Parteienlandschaft nicht abgebildet und repräsentiert. Diese wird von Heuken mit Recht kritisiert, aber unzulässig auf ein “Wir” verallgemeinert. Vielleicht, weil er zu anderen, nur teilweise besseren, Zeiten selbst ein Teil davon war?

    Zweifellos gibt er mit seinem an Jammer nicht sparenden Text den Gefühlen und Einschätzungen vieler meiner Freund*inn*e*n Ausdruck. Doch ich fürchte, diese vorgebliche Verzweiflung und Machtlosigkeit dient nur dem Selbstbetrug: ich bin dagegen, aber auf mich hört ja keiner, ich kann ja nichts machen. Falsch.

    Pieper und Heuken trete ich sicherlich nicht zu nahe, wenn ich ihre politische Sozialisation und Denkweise in die Nähe der deutschen Sozialdemokratie rücke. Nirgends ist die politische Verzweiflung heute grösser, als dort. Doch aus der gleichen publizistischen Küche, nur ohne deutsche oder mitteleuropäische Scheuklappen, kommt das:

    Chiara Cordelli/IPG-Journal: Die Tragödie unserer Zeit – Aus Krise wächst Hoffnung: Wie Autoritarismus und Klimachaos neuen demokratischen Aufbruch befeuern.”

    Signora Cordelli hat verstanden, dass der Fortschritt nie linear ist oder sein kann. Er ist immer ein Resultat dialektischer Prozesse und Finessen. Fortschrittliche Kräfte, die nicht dumm bleiben wollen, studieren solche Prozesse aufmerksam, und lernen daraus. So, wie es die Rechten leider auch tun. Heutigen alten und jungen Linken täte es gut, die grassierende machttechnologische Welle zu begreifen, wie es hier ein junger netzpolitik-Praktikant fertigbringt. Zielsicher erfasst der junge Kollege das Zentrum der unbegrenzten Bereicherung durch die Menschheitsplagen unserer Zeit, die sich in Gestalten wie Trump, Musk u.v.a. austoben. Warum sind so viele zu dumm für das, was Denis Glismann kann?

    Am Ende siegen die … nein, falsch. Es gibt kein Ende. Es geht immer weiter, so lange es Menschen gibt – eine Klimakatastrophe kann immer “dazwischen kommen” … Siegen werden immer die, die mehr Menschen und soziales Engagement mobilisieren. “Polarisierung” kann dem sogar dienlich sein. Sie muss halt an elementaren gesellschaftlichen Widersprüchen ansetzen, und darf sich nicht durch von den Herrschenden mobilisierte Scheinwidersprüche spalten lassen.

    Der sog. “konstruktive Journalismus”, nach dem eine mutmassliche Mehrheit sogar hungert und dürstet, damit sie nicht Heuken-artig unter der Wucht der Aufmerksamkeitsökonomie zusammenbricht, hat das noch nicht begriffen. Niemand da draussen kennt ihn, den es z.B. hier oder hier geben soll … Statt brav Fördergelder zu verbrauchen, auch mal in Konflikte reingehen, Gegnerschaft und Interessen benennen, Kampfbereitschaft zeigen – dann würde es vielleicht bemerkt.

    Gesellschaftliche Bündnispolitik ist eine hohe Kunst. Es gab Zeiten, zu denen die SPD diese Kunst beherrschte. Die Grünen schaffen es bis heute nicht. Ob die US-Demokrat*inn*en es wieder erlernen, kann für den Planeten lebenswichtig werden.

    Die chinesischen Oligarchen wissen übrigens schon lange von Signora Cordellis Erkenntnissen. Systemkonkurrenz.

  3. Ernstfall herbeigeführt

    Best of 7. Dezember: Klima, Atom, Diplomatie, EM, Sahel, Parteienschwäche, Kühe, Sex&Film

    Das Wichtigste zuerst. Wolfgang Pomrehn/telepolis: Klimakrise und Kipppunkte: November 1,75 Grad Celsius wärmer als der Durchschnitt – Energie und Klima – kompakt: Mehr als 200 Wissenschaftler bewerten Risiken des Umschlagens verschiedener Subsysteme der großen Klimamaschine.” Da geniesst mann die gegenwärtige Kälte im Rheinland gleich ganz anders, vor allem, wenn ein wenig Sonnenlicht dazukommt.
    Kaum weniger wichtig, vielleicht aktuell noch brenzliger, die Atomkriegsgefahr, die Florian Rötzer/overton vor Augen führt: Israelische Atomwaffen: Hamas-Rakete schlug auf Stützpunkt mit Jericho-Raketen ein – Das Risiko einer Atomkatastrophe besteht in der Ukraine mit seinen AKW weiter. Auch mit Israels Atomwaffen und 60 Jahre alten Plutoniumreaktor in Simona besteht eine kaum beachtete reale Gefahr.”

    Aus diesen und anderen guten Gründen findet Alfons Pieper/Blog der Republik Rolf Mützenich gut, der kürzlich kurz in Unkel aufgetreten ist: “Ein Mittler und Vermittler: Rolf Mützenich – SPD-Fraktionschef wirbt für mehr Diplomatie”.

    Jan Tölva/Jungle World sieht voraus, was im nächsten Sommer mit der Heim-WM auf die deutsche Öffentlichkeit zukommt: “Debatte über Gewalt in Fußballstadien: Fußball und Bambule – Es mehren sich Berichte über Gewalt beim Fußball. Ob es aber wirklich einen Anstieg gibt, ist unklar. Zudem wäre es zu einfach, das Problem ausschließlich bei den Fans zu suchen.” Es ist eine sehr alte Erkenntnis, das die “Sicherheitsbehörden” an den Fuassballfans zuerst ausprobieren, was sie gerne machen und politisch durchsetzen wollen. Da ist der Widerstand für realitätsnahe Übungen einigermassen realitätsnah, aber fast völlig ohne gesellschaftliche Unterstützung. Vielleicht etwas zuwenig bedacht bei dieser wiederkehrenden Strategie ist die Tatsache, dass die Fans (“Ultras”) sich in diesen Manövern politisch weitergebildet und qualifiziert haben. So manche Partei haben sie dabei in der Disziplin Sachverstand schon weit überholt.

    Ebenfalls herbeigeführt von der EU, Frankreich und Deutschland ist das: Bernhard Schmid/Jungle World: Die Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger verkünden große Wirtschaftspläne: Große Pläne – Die verbündeten, von Militärjuntas regierten Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger wollen ihre ökonomische Kooperation verstärken und die Gemeinschaftswährung CFA-Franc abschaffen. Die malische Armee hat mit der Unterstützung russischer Söldner die Tuareg-Hochburg Kidal eingenommen.” Das Abschiebezentrum in Niamey wurde geschlossen. Es gibt also auch gute Nachrichten.

    Herbeigeführt von den real existierenden demokratischen Parteien, und zwar durch ihren Intelligenzmangel und ihre eigene Schwäche ist das: Rüdiger Rauls/overton: Populisten: Irrwege als Ausweg – Mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA im Jahre 2017 hat ein neuer Typ von Politikern die Macht errungen, die sogenannten Populisten. Sie tauchen wie aus dem Nichts auf und erobern Mehrheiten aus dem Stand. Wieso werden sie trotz ihrer zum Teil wirren Botschaften gewählt und was sagt das aus über die westlichen Gesellschaften?” Der Autor biegt zwar in seiner Argumentationsführung, wie ich finde, mehrmals falsch ab, kommt aber zu einem richtigen Ergebnis: “Es stellt sich die Frage, ob Milei und Wilders und all die anderen Populisten wie Trump, Meloni und LePen es nicht besser wissen, dass besonders ihre Hetze gegen andere Volksgruppen die Probleme nicht lösen. Oder haben sie die Wähler bewusst getäuscht? Den Wählern aber scheinen angesichts der Unordnung und der Orientierungslosigkeit ihrer Regierungen wirre und schillernde Heilsverkünder immer noch lieber zu sein, wenn sie nur ein wenig Hoffnung versprühen. Denn gerade davon scheint es überall zu fehlen in den Gesellschaften des politischen Westens.” Pauls Frage ist mit einem einfachen “Ja” zu beantworten. Und zu seiner Begrifflichkeit “Wähler” ist der Unterschied zur Mehrheit der “Wahlberechtigten” hervorzuheben.

    Politisches fürs Herz

    Im gleichen Onlinemagazin gibt es auch was Politisches fürs Herz von Florian Schwinn: Projekt Glückliche Kuh – Im Biosektor kriselt es seit dem Ukraine-Krieg. Wie geht es weiter? Beispiel Bauerngemeinschaft Hamfelder Hof: Umstellung auf die sogenannte Kuhgebundene Kälberaufzucht und die Ausweitung des Weidegangs.”

    Der Ernstfall Sex

    Es gibt Filme im Kino, die in der Vorausbetrachtung wichtig erscheinen. “How To Have Sex” scheint dabei die erfolgreichere PR zu haben. Neben zahlreichen digital eingemauerten Beiträgen gibt es auch offen zugängliche Interviews mit der 30-jährigen Regisseurin Molly Manning Walker, und zwar in der taz/Patrick Heidmann: Regisseurin über Sex unter Jugendlichen: ‘Einverständnis ist ein Prozess’ – Molly Manning Walker hat mit „How to Have Sex“ einen Film über Geschlechterrollen bei Jugendlichen gedreht. Es gehe immer noch viel um die männliche Lust.” Und sogar unvermauert in Augsteins Freitag/Thomas Abeltshauser: ‘How to Have Sex’-Regisseurin Walker: ‘Ich war immer wieder sprachlos’ – Interview Molly Manning Walker erzählt in ihrem Film ‘How to Have Sex’ von drei britischen Mädchen, die im Griechenlandurlaub Spaß haben wollen. Ein Gespräch über das Frausein, sexualisierte Gewalt und das Drehen politischer Filme”

    Bescheidener der Rummel um die hier bereits hochverehrte Aylin Tezel, die zu früh für mich, aber gerade richtig für sie selbst, aus dem Dortmunder-“Tatort” ausgeschieden war. Sie entschied sich in weit jüngerem Alter als ich für selbstbestimmtes Arbeiten, und hat mit “Falling Into Place” jetzt einen Film im Kino, bei dem Drehbuch, Regie und Hauptrolle von ihr selbst sind. Puuh, ein bisschen viel auf einmal, würde ich fürchten. Aber davon müssen Sie und ich uns selbst überzeugen. Das haben schon Andere vor ihr geschafft. Warum also nicht auch sie?

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @[email protected]

  4. Linke Erneuerung?

    Während die Ampelkoalition ihre im vorhinein gross aufgeblasene “Nationale Sicherheitsstrategie” präsentierte (Roland Appel schreibt noch an einer kritischen Analyse) positionierte sich ihr ernstzunehmender Teil still und leise beim Blog der Republik von Alfons Pieper. Rolf Mützenich, zu dessen persönlichem Fanclub ich mich zählen würde: “Die Zeit […]

    https://extradienst.net/2023/06/15/linke-erneuerung/