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#lizenzccby40int — Public Fediverse posts

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  1. Creative-Commons-Lizenzen verstehen leicht gemacht mit unseren Selbstlernkursen

    Sprechen wir über Open Access, dominiert in den letzten Monaten immer wieder ein Thema: „Wie kann ich verhindern, dass meine Forschung falsch oder ohne Literaturangaben von Chatbots widergegeben wird?“

    Die Sorge von vermeintlich unrechtmäßiger Nutzung beschäftigt Wissenschaftler:innen weltweit. Und damit beschäftigt sie auch uns in unserer Arbeit bei open-access.network und der TIB, die Openess in der Wissenschaft seit Jahren ins Zentrum ihrer Mission rückt (siehe Open Science).

    Creative-Commons-Lizenzen aus einer anderen Zeit

    Dabei macht Creative Commons selbst darauf aufmerksam, dass alle Versionen ihrer offenen Lizenzen aus einer Zeit stammen, in der es um einfaches Teilen und Verwenden von Inhalten von und für Menschen ging: 

    „[T]hat guidance was developed for a world of reuse by people, a premise that doesn’t fit as neatly in a world of widespread machine use of content through AI.“

    (Creative Commons auf ihrer Website)

    Wie sehr sich dieses Gefüge um (Nach-)Nutzung gerade auch rechtlich wandelt, ist heute noch nicht absehbar und die diesjährige Open Access Week 2026 unter dem Motto „The Cost of Knowledge“ wird sich sicher damit beschäftigen.

    Um diesen Hintergrund besser zu verstehen, den Ursprung und die praktischen Nutzen der Creative-Commons-Lizenzen für die Vermittlung aufzubereiten, hat open-access.network jetzt einen neuen online Selbstlernkurs (deutsch und englisch) veröffentlicht:

    Creative-Commons-Lizenzen verstehen (Link zum Kursraum auf deutsch)

    Understanding Creative Commons Licenses (Link zum Kursraum auf englisch)

    Der Kurs beschäftigt sich mit den Creative-Commons-Lizenzen im Kontext wissenschaftlicher Publikationsprozesse. Ziel der fünf Module ist es, ein prinzipielles Verständnis für den Nutzen, die Anwendungsarten und die Konsequenzen für Urheber:innen und Nutzende eines Werkes aufzubauen. Dieser Kurs richtet sich an Publizierende, Studierende und junge Wissenschaftler:innen, aber auch wissenschaftsnahe Verbände, Vereine und außerhochschulische Akteure.

    Screenshot aus dem neuen Kursraum auf TOERN (13.10.2026)

    Freie Lernressourcen auf TOERN

    Auf TOERN stellt die TIB seit 2023 kostenlose und frei zugängliche digitale Bildungsangebote zu den Themengebieten Open Science, Open Access und Künstliche Intelligenz in Wissenschaft und Bibliothek zur Verfügung. Die Plattform richtet sich zwar vor allem an Lehrende und Lernende an Hochschulen und in Bibliotheken, aber steht auch allen anderen Personen offen, die sich für eine offene Wissenschafts- und Lehrpraxis interessieren. TOERN wird von der TIB betrieben, diese stellt auch den Datenschutz aller Inhalte und Nutzerdaten sicher. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wer allerdings die Übungen machen möchte, muss sich ein Nutzerkonto anlegen und kann dann in den meisten Fällen auch ein personalisierte Teilnahmebscheinigung bekommen.

    Warum es sich lohnt, sich jetzt mit Creative-Commons-Lizenzen zu beschäftigen

    In der Arbeit unseres Projekts sind Nutzungsrechte und Lizenzen ein Dauerthema in unseren Workshops und Webinaren. Und Informationen zu diesem Thema gibt es viele. Infografiken und Videos stellen die Unterschiede der Lizenzen dar. Gleichzeitig tun sich viele Wissenschaftler:innen schwer damit, die Lizenzbestimmung von Creative Commons zu lesen, weil es um juristische Themen geht. Dass es dabei nicht genügt, eines der inzwischen diversen Large Language Modelle zu befragen, welche Lizenz es empfiehlt, ist naheliegend. Diesen Bedarf sollen unsere Fortbildungsangebote, von Menschen gemacht und geprüft, erfüllen. In ihnen wird das Thema aufbereitet, strukturiert und mit Übungen und Reflexionsfragen verbunden, sodass eine in sich abgeschlossene Lerneinheit entsteht. Und: sie werden laufend aktualisiert und geprüft.

    Spätestens, wenn sie selbst eine Lizenz auswählen sollen, zögern viele Publizierende diese Entscheidung oftmals hinaus, weil sie sie vielleicht nicht uninformiert treffen wollen. Die beste Lizenz für eine Publikation ist schließlich die, die man selbst versteht. Unsere Kurse sollen genau dazu beitragen und das für alle, kostenlos und auch ohne Anmeldung.Nutzen Sie alle Kurse auch gerne für Ihre Arbeit weiter, für Ihre Zielgruppen, passen Sie Übungen an und geben Sie uns gerne Feedback zu den Kursen – menschliches Feedback interessiert uns nämlich immer noch am meisten. Auf https://open-access.network/fortbilden/onlinekurse finden Sie eine Zusammenstellung aller Selbstlernkurse aus dem Projekt.

    Beitragsbild: Jonas Hauss, Open Science-/ Open Access-Grafikpaket, https://doi.org/10.5281/zenodo.20702894, CC BY 4.0, adaptiert

    #OpenAccess #LizenzCCBY40INT #OER #CCLizenzen #OpenAccessWeek2026
  2. The Cost of Knowledge: Eindrücke von der OASPA Conference und den Open-Access-Tagen 2026

    Das Thema der Open Access Week 2026 ist „The Cost of Knowledge“. In der Tat ist das Thema „Kosten“ sehr präsent und wird in vielen Kontexten diskutiert. Zum einen ist da der Zwang zu Einsparungen, der nicht nur deutsche Einrichtungen trifft. Zum anderen aber auch ein erhöhter Kostendruck, zum Beispiel durch steigende APCs. Daneben stellt sich für viele die Frage, wie Diamond Open Access nachhaltig finanziert werden kann.

    Eine Idee zur Finanzierung von Diamond OA, die im Rahmen einer der Poster Sessions auf der OASPA Conference in Zagreb vorgestellt wurde, stammt aus Norwegen: Die Arctic University of Norway (UiT) nutzt Mittel, die aus dem Nichtzustandekommen eines Vertrags mit Wiley und Ersparnissen aus einem Vertrag mit Elsevier resultieren – insgesamt circa 400.000 Euro – zur Förderung ihres Diamond-Programms.

    Die Eröffnungskeynote auf den Open-Access-Tagen in Linz, Österreich, beleuchtete ökonomische Implikationen von Open Science unter dem Titel Offen, aber um welchen Preis? Die Politische Ökonomie von Open Science. Auch bei diesem Vortrag waren Kosten ein zentrales Thema. Allerdings weniger die konkreten Kosten für Forschung, Literaturerwerb usw., sondern die Feststellung, dass die kapitalistische Profitlogik zunehmend auf das Hochschulsystem ausgeweitet wird. Als Beispiele dieser zunehmenden Ökonomisierung wurden unter anderem der nationale Wettbewerb zwischen den Hochschulen und kompetitive Drittmittelvergabe genannt. Auch die Oligopolstellung einiger großer profitorientierter Verlage, ihre hohen Gewinnmargen und die damit einhergehenden steigenden Kosten wurden thematisiert.

    Auf den beiden Konferenzen wurden aber auch viele andere Themen diskutiert, von denen ich einige, bei Weitem nicht alle, ansprechen möchte:

    Die diesjährige OASPA Conference fand in Zagreb, Kroatien, statt. Folgerichtig wurde die Konferenz mit Einblicken in die kroatische Open-Access-Landschaft eröffnet. Es wurde hervorgehoben, dass Diamond Open Access das in Kroatien vorherrschende Publikationsmodell ist, das sich in einer diversen Landschaft kleiner, institutionell getragener und oft multilingualer Zeitschriften ausdrückt.

    Vom Wert des offenen Wissens für die Gesellschaft, KI und Forschungsbewertung

    In einer anderen der Sessions der OASPA Conference wurde diskutiert, inwieweit offenes Wissen einen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Hat die lokale Bevölkerung etwas von der Forschung, die in ihrer Region durchgeführt wird? Gibt es überhaupt die Übersetzungsleitung, Wissenschaft in die Politik oder andere Sphären der Gesellschaft einfließen zu lassen? Hierzu gab es durchaus unterschiedliche Meinungen.

    Das Thema „künstliche Intelligenz“ spielte auf beiden Konferenzen eine große Rolle. So wurde in Zagreb zum Beispiel erörtert, ob Open Access in einer Welt der generativen KI noch eine Rolle spielt. In Linz war die Diskussion zum Thema KI mehr „hands on“ – das Team vom Open Gender Journal berichtet in einer Präsentation und auf einem Poster über seine Erfahrungen mit KI in der Redaktionsarbeit. Dabei kamen sowohl problematische Aspekte (KI-Nutzung durch Autor:innen unter Missachtung der KI-Policy des Journals) als auch positive Aspekte (KI-Tools zur Erleichterung arbeitsintensiver Prozesse) zur Sprache. Auf beiden Konferenzen wurden Forschungsarbeiten der ZBW zum Thema „AI in open-access scholarly publishing“ vorgestellt.

    Besonders interaktiv wurde es auf der OASPA Conference in der „Interactive session: Coordinated Reform: linking „What Counts“ within Research Assessment to the Future of Open Publishing“ die zum Teil im Fish-Bowl-Format, zum Teil in Kleingruppendiskussionen durchgeführt wurde. Dass das Thema Forschungsbewertung nach wie vor ein zentraler Punkt in Diskussionen um die weitere Entwicklung des Forschungssystems und die wissenschaftliche Kommunikation ist, wurde ob dieses lebhaften Austausches mehr als deutlich. Ludo Waltman hat die Ergebnisse der Diskussionen in Form von Aufrufen, besonders an die anwesenden Verlage, zusammengefasst:

    1. Treten Sie der Aktionsgruppe „Beyond the Article“ bei.
    2. Entfernen Sie Impact-Faktoren von Ihren Websites und setzen Sie Ihre DORA-Verpflichtungen um.
    3. Sorgen Sie für Offenheit des Peer-Review-Verfahrens.
    4. Verbessern Sie die Qualität Ihrer Metadaten und stellen Sie diese offen zur Verfügung.
    5. Räumen Sie der Reform der Forschungsbewertung in Ihrer strategischen Agenda Priorität ein.

    Weitere Themen, die vorgestellt bzw. diskutiert wurden, waren unter anderem rechtliche Aspekte von Journal-Titeln, alternative Publikationspraktiken wie zum Beispiel Präregistrierung und offene Infrastrukturen. Zu letzteren wurde noch einmal festgehalten, dass offen nie mit kostenlos gleichgesetzt werden sollte.

    Auch wenn „Kosten“ bei fast allen Vorträgen und Diskussion explizit oder implizit thematisiert wurden, rückte das Thema zum Abschluss der OASPA Conference noch einmal zentral in den Fokus. Unter dem Thema Co-creating the next generation of OA agreements wurde der Auftakt für eine neue OASPA-Arbeitsgruppe diskutiert: Wie können die derzeit bestehenden, auf Transaktionen ausgereichten Vereinbarungen zur Finanzierung von Open Access in gemeinsam entwickelte Rahmenwerke umgewandelt werden?

    #OpenAccessWeek2026 #OpenAccess #LizenzCCBY40INT #OpenAccessFinanzierung
  3. No more sneaker net: Administration with OPSI

    diesen Beitrag auf Deutsch lesen

    Does a new colleague urgently need a specific graphics program or the latest update for a statistics tool? In the past, that meant the IT department had to put on their running shoes and get moving. Figuratively speaking, of course – because to install it, they had to log in to each PC individually to run the program with elevated privileges. That wasted valuable time on both sides.

    That’s all in the past now. We’ve done away with “sneaker administration” and replaced it with OPSI (Open PC Server Integration). It is a solution that not only simplifies our work, but above all gives users much more independence.

    The opsi WebGUI is a graphical interface for administering opsi environments. Source: Wikimedia user HeikeJurzik, commons.wikimedia.org/wiki/Fil, licensed under CC BY-SA 4.0 International

    Self-Service Software

    At the heart of our new strategy is the “Self-Service Software Portal”, a software catalog with its simple yet ingenious principle: true autonomy with a single click. Anyone who needs a program can quickly open the catalog, select the application, and install it themselves. No one has to send a ticket or wait for an admin to start a remote session.

    In addition, every application in the catalog is preconfigured, security-checked, and ready for immediate use.

    Digital autonomy instead of Vendor Lock-in

    We deliberately chose OPSI. As an open-source solution, it aligns perfectly with our mission at TIB. Why? Because we remain independent and retain full control over our infrastructure. This means we aren’t at the mercy of the pricing models of big tech giants. We know exactly what OPSI is doing in the background with zero telemetry or micromanagement, ensuring full transparency. Whether it’s specialized library software or small open-source utilities, we can flexibly package almost anything and deploy it centrally.

    Updates and new tools are installed immediately or automatically the next time the system boots up. There’s no need for complex manual deployment, meaning day-to-day work remains uninterrupted. By taking control of our own software distribution rather than relying on proprietary black-box systems, we safeguard the digital sovereignty of our library and research institution.

    We love Free Software – a blog series by TIB

    Free and open-source software (FOSS) is far more than just a technical alternative to commercial solutions – it stands for openness, transparency, sustainable digital infrastructures and digital sovereignty. Free Software, which is maintained, developed and distributed collaboratively, strengthens independence from individual providers, whilst organisations retain control over their systems, data and further developments.

    At TIB, everything revolves around research infrastructure and, for around ten years now, increasingly also around diverse, active and long-term participation in international Free Software projects. This work is carried out almost silently by many teams at TIB. In our blog series “We love Free Software”, we want to turn up the volume and let the colleagues involved have their voice heard directly. We want to know: Why do you do this, and what exactly do you do? How does your work contribute to the resilience of research findings? What are the particular challenges – but perhaps also the rewards – of this commitment? And what misconceptions have you always wanted to set the record straight on?

    #LizenzCCBY40INT #OpenSource #WeLoveFreeSoftware #opsi #administration
  4. Ganz ohne Turnschuhe: Administration mit OPSI

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    Eine neue Kollegin benötigt dringend ein spezielles Grafikprogramm oder das neueste Update für ein Statistik-Tool? Früher bedeutete das für die IT-Abteilung: Turnschuhe an und los. Also bildlich gesprochen, denn für die Installation musste man sich auf jeden PC einzeln aufschalten, um sie mit erhöhten Rechten zu starten. Für beide Seiten kostete das unnötig Zeit.

    Damit ist jetzt Schluss. Wir haben die „Turnschuhadministration“ abgeschafft und durch OPSI (Open PC Server Integration) ersetzt. Eine Lösung, die nicht nur uns die Arbeit erleichtert, sondern vor allem unseren Kolleginnen und Kollegen vor den Bildschirmen mehr Freiheit gibt.

    Das opsi-WebGUI ist eine grafische Schnittstelle zur Admininistration von opsi-Umgebungen. Quelle: Wikimedia-Userin HeikeJurzik, commons.wikimedia.org/wiki/Fil unter der Lizenz CC BY-SA 4.0 International

    Software shoppen

    Ein Herzstück unserer neuen Strategie ist der „Softwarekorb“ mit seinem einfachen aber genialen Prinzip: Vergleichbar mit einem App-Store bietet er Souveränität per Klick. Wer ein Programm benötigt kann schnell den Softwarekorb öffnen, die Software auswählen und selbständig installieren. Niemand muss eine E-Mail schreiben und auch nicht warten, bis ein Admin Zeit hat, sich auf den Rechner aufzuschalten. Außerdem ist jedes Programm im Korb von uns vorkonfiguriert, sicherheitsgeprüft und sofort einsatzbereit.

    Digitale Souveränität statt Lizenz-Diktat

    Wir haben uns bewusst für OPSI entschieden. Als Open-Source-Lösung passt es perfekt zu unserem Auftrag an der TIB. Warum? Wir sind unabhängig und kontrollieren die Infrastruktur selbst. So sind wir nicht von den Preismodellen großer Tech-Giganten abhängig. Wir wissen genau, was OPSI im Hintergrund tut, ganz ohne Telemetrie und Gängelung, was Transparenz schafft. Egal ob spezialisierte Bibliothekstools oder kleine Open-Source-Helfer, wir können ganz flexibel fast alles paketieren und zentral bereitstellen.

    Updates und neue Tools landen sofort oder beim nächsten Systemstart automatisch auf dem Rechner. Ganz ohne „Aufschalten“ und die Arbeit muss auch nicht unterbrochen werden. Indem wir unsere Software-Verteilung selbst in die Hand nehmen, statt uns auf proprietäre Blackbox-Systeme zu verlassen, schützen wir die digitale Souveränität unserer Bibliothek und Forschungseinrichtung.

    We love Free Software – eine Blogreihe der TIB

    Freie Software und Open-Source-Software (FOSS) ist weit mehr als nur eine technische Alternative zu kommerziellen Lösungen – sie steht für Offenheit, Transparenz, nachhaltige digitale Infrastrukturen und digitale Souveränität. Freie Software, die gemeinschaftlich betreut, entwickelt und verteilt wird, stärkt die Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern, Einrichtungen behalten die Kontrolle über ihre Systeme, Daten und Weiterentwicklungen.

    Bei der TIB dreht sich alles um Infrastruktur für die Forschung und seit etwa zehn Jahren zunehmend auch um eine vielfältige, aktive und dauerhafte Mitarbeit in internationalen Freie-Software-Projekten. Diese Arbeit wird von vielen Teams der TIB fast lautlos geleistet. In unserer Blogreihe „We love Free Software“ wollen wir das Mikro aufdrehen und beteiligte Kolleg:innen direkt zu Wort kommen lassen. Wir wollen wissen: Warum macht ihr das und was macht ihr da genau? Wie trägt eure Arbeit zur Resilienz von Forschungsergebnissen bei? Was ist der besondere Stress, aber vielleicht auch der Lohn für dieses Engagement? Und welche Missverständnisse wolltet ihr schon immer mal richtigstellen?

    #LizenzCCBY40INT #OpenSource #WeLoveFreeSoftware #opsi #administration
  5. Offen forschen, gezielt schützen

    Open Science und geistiges Eigentum werden oft als Gegensätze verstanden: hier der freie Zugang zu Wissen, dort Patente, Urheberrechte und andere Schutzrechte. Für den Transfer von Forschung in die Praxis greift diese Gegenüberstellung jedoch zu kurz. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Was sollte offen sein, was muss geschützt werden – und wann?

    Dieser Frage wurde auf der Innovations-Roadshow des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) am 8. September 2026 in Hannover an der TIB nachgegangen.

    Innovations-Roadshow des DPMA in Hannover

    Forschungsergebnisse sind mehr als wissenschaftliche Publikationen. Sie entstehen als Daten, Software, Modelle, Videos, Prototypen oder technische Erfindungen. Damit stellen sich zugleich Fragen nach Zugänglichkeit, Nachnutzung, Urheberrecht und gewerblichem Rechtsschutz.

    Wer Forschung offen zugänglich machen und Innovation ermöglichen will, muss deshalb beides zusammendenken: Offenheit und Schutz.

    Wissen erkennen – Innovation ermöglichen

    Eine wichtige Schnittstelle dafür ist das Patentinformationszentrum (PIZ) Hannover an der TIB. Seit 1878 unterstützt es dabei, technisches Wissen und Informationen über Schutzrechte zugänglich und nutzbar zu machen. Heute ist das PIZ das einzige Patentinformationszentrum in Niedersachsen und Kooperationspartner des Deutschen Patent- und Markenamts.

    Zu den kostenfreien Basisdiensten gehören Informationen und Fachliteratur zu Patenten und gewerblichen Schutzrechten, Unterstützung bei Recherchen in Patent- und Schutzrechtsdatenbanken sowie Informationen zu nationalen und internationalen Schutzrechtsverfahren. Veranstaltungen und Sensibilisierungsangebote vermitteln zudem Grundlagen des gewerblichen Rechtsschutzes.

    Dabei versteht sich das PIZ Hannover als neutrale Lotsenstelle: Die kostenfreie Erfindererstberatung kann bei Bedarf zu IHK oder Patentanwaltschaft weiterführen. Für spezialisierte Recherchen, Analysen oder Patentstatistiken werden geeignete Anbieter und Einrichtungen vermittelt. Auch bei Fragen zu Verwertung, Schutzrechtsmanagement oder Fördermöglichkeiten verweist das PIZ auf die jeweils zuständigen Stellen.

    So bietet das PIZ einen kostenfreien, neutralen und niedrigschwelligen Zugang zu Informationen und Orientierung im Netzwerk der Schutzrechts- und Förderangebote.

    Patentrecherche als Brücke

    Für Forschende beginnt der Mehrwert oft schon vor einer Patentanmeldung: Welche Lösungen gibt es bereits? Was wurde schon veröffentlicht? Welche Entwicklungen sind neu – und wo gibt es Anknüpfungspunkte für die eigene Forschung?

    Eine Patentrecherche kann dabei auch helfen, Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder andere Akteure zu identifizieren, die an ähnlichen Technologien arbeiten und als mögliche Kooperationspartner infrage kommen.

    Patentinformationen können damit eine Brücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und technologischer Entwicklung bilden.

    Von der Publikation zur Patentinformation

    Ein Beispiel für diese Verbindung ist die Patentdatenbank Orbit Intelligence. Die Plattform kann aus wissenschaftlichen Texten technische Merkmale extrahieren und dazu passende Patentdokumente identifizieren. Lizenziert für Nutzende der TIB. DBIS – Orbit Intelligence

    So lässt sich etwa prüfen, in welchen Patenten bestimmte Komponenten, Verfahren oder technische Zusammenhänge beschrieben sind. Orbit unterstützt damit die Recherche und Analyse – ersetzt aber keine rechtliche Prüfung von Neuheit oder erfinderischer Tätigkeit.

    Für Forschende entsteht so eine praktische Brücke zwischen wissenschaftlicher Publikation und Patentinformation.

    Patentdatenbank Orbit Intelligence

    Vom Patent zum Prototyp

    Wie aus Patentinformation und Forschungsergebnissen konkreter Technologietransfer entstehen kann, zeigt das Beispiel von Bardia Akaberi der Firma Goldhoop.

    Ausgangspunkt war die Recherche nach dem Stand der Technik, auf die dann der Schutz der Erfindung als Gebrauchsmuster DE 20 2025 003 427 folgte. Doch der Transfer endete nicht mit dem Schutzrecht. Ein funktionierender Prototyp wurde umgesetzt und in einem Video dokumentiert. Denn ein Film sagt mehr als 1.000 Bilder: Die technische Idee wird anschaulich, verständlich und für potenzielle Kooperations- und Transferpartner unmittelbar erlebbar.

    Über das TIB AV-Portal (https://doi.org/10.5446/73021) bleibt die Dokumentation dauerhaft auffindbar und zitierfähig. Im TIB-Portal  können Patent, Video und wissenschaftliche Informationen miteinander verknüpft werden.

    Website des DPMA: Informationen zum Gebrauchsmuster DE 20 2025 003 427

    Sichtbarkeit schafft Transfer

    Ein Schutzrecht allein macht eine Erfindung noch nicht sichtbar. Erst wenn eine technische Entwicklung verständlich, auffindbar und dauerhaft dokumentiert ist, kann daraus Interesse entstehen.

    Sichtbarkeit → Verständnis → Interesse → Kontakt → Technologietransfer

    So wird aus geschütztem Wissen ein anschlussfähiges Forschungsergebnis – und aus Forschung kann Innovation entstehen.

    Die TIB macht mit Ihren Services Digitale Dienste und Dienstleistungen der TIB  Wissen dauerhaft sichtbar, recherchierbar und transferfähig. Das PIZ Hannover an der TIB unterstützt Sie bei den gewerblichen Schutzrechten.  So entsteht eine Brücke zwischen Forschung, Schutz und Innovation. Sprechen Sie uns gerne an!

    #PIZHannover #LizenzCCBY40INT #TIBAVPortal #TIBPortal #Patent #wissenschaftlichePublikationen #wissenschaftlicherFilm
  6. Teaching AI Barcamp 2026

    Am 2. September fand an der TIB das Teaching AI Barcamp 2026 statt. Nach dem gelungenen Auftakt im vergangenen Jahr wurde das Barcamp zum zweiten Mal von der IKuKI-Gilde organisiert und durchgeführt. Die IKuKI-Gilde ist eine TIB-interne Interessensgruppe, die sich mit dem Themenkomplex Künstliche Intelligenz (KI) im Kontext der Informationsvermittlung und des Kompetenzaufbaus auseinandersetzt. Die zentrale Absicht der Gilde ist es, Wissen im Bereich KI zu sammeln und an Kolleg:innen weiterzugeben.

    Die Teilnehmer:innen

    30 Kolleg:innen aus 25 Einrichtungen nahmen am diesjährigen Barcamp teil. Das Barcamp gab ihnen den Raum sich darüber auszutauschen, wie Bibliotheken geeignete Vermittlungsansätze entwickeln können, um den Kompetenzaufbau ihrer Nutzer:innen in einer sich rasant verändernden Informationslandschaft zielgruppengerecht und nachhaltig zu unterstützen.

    Die Keynote

    Den inhaltlichen Einstieg lieferte Kevin Schumacher von der KIT-Bibliothek in Karlsruhe. Kevin Schumacher forscht unter anderem zu den Auswirkungen von KI auf Informationssysteme, den ethischen Implikationen von KI und Fragen epistemischer Ungerechtigkeit. Geprägt von der Philosophin Miranda Fricker beschreibt epistemische Ungerechtigkeit die Benachteiligung einer Person in ihrer Fähigkeit, sich Wissen anzueignen und ihr Wissen zu äußern. In seiner Keynote warf Kevin Schumacher in diesem Zusammenhang verschiedene Fragen auf:

    • Welche Werte stecken hinter Large Language Models (LLMs)?
    • Welche Qualität haben die Informationen, die LLMs generieren?
    • Welche Informationen sehen wir überhaupt?
    • Wie kann epistemischer Ungerechtigkeit begegnet werden?
    • Welche Kompetenzen werden im Umgang mit KI-Systemen gebraucht?
    • Für welche Werte stehen Bibliotheken beim Kompetenzaufbau ein?

    Die Sessions und Inhalte

    Mit diesem wertvollen Impuls ging es für die Teilnehmenden des Barcamps in die Sessionplanung. Denn bei einem Barcamp gibt es kein festgeschriebenes Programm, stattdessen wird allein ein Zeitplan vorgegeben. Die Teilnehmenden bringen selbst Themen ein und bestimmen gemeinsam, welche Schwerpunkte gesetzt werden. Insgesamt kamen so über den Tag verteilt acht verschiedene Sessions zustande, unter anderem zu den Themen:

    • Nachhaltiges Netzwerken
    • Governance, Policy und Vernetzung an Hochschulen
    • Konzepte und Formate für den (internen) Kompetenzaufbau
    • KI & Futures Literacy

    Mitschriften und Ergebnisse der einzelnen Sessions sind in einem offen zugänglichen Pad nachlesbar: https://yopad.eu/p/teachingaibarcamp2026-365days

    Aber auch abseits der Sessions, in den Mittags- und Kaffeepausen sowie im Freiraum – einer bewusst offen gehaltenen Zeit zwischen den Sessions – ging der Austausch weiter. Nebenbei wurden kleine, 3D-gedruckte Bots bemalt, Ideen geteilt und Gespräche fortgesetzt. Das Teaching AI Barcamp bewährte sich als anregendes wie auch produktives Format, das den Teilnehmenden eine Vielzahl an Impulsen lieferte.

         

    Die Erkenntnisse

    Im gemeinsamen Austausch wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung mit KI eine Gemeinschafts- und Daueraufgabe für Bibliotheken darstellt. Um dem komplexen Thema mit seinen unterschiedlichen Facetten und Anforderungsbereichen gerecht werden zu können, braucht es Vernetzung und Zusammenarbeit. Dafür müssen geeignete und nachhaltige Strukturen entstehen, die einen kontinuierlichen Austausch zwischen den verschiedenen Einrichtungen aber auch zwischen einzelnen Personen(gruppen) ermöglichen.

    Das Teaching AI Barcamp ist ein Beleg dafür, dass Bibliotheken dazu bereit sind, selbstbewusst mit den neu entstehenden Realitäten umzugehen. Dabei kann auf bewährte IK-Ansätze und etablierte Expertise im Kompetenzaufbau zurückgegriffen werden. Gleichzeitig braucht es eine konstant geführte, wertegeleitete Auseinandersetzung mit KI. In einer Informationslandschaft, die immer stärker von KI-Systemen geprägt wird, braucht es nicht weniger, sondern mehr Informationskompetenz. Und dafür braucht es Bibliotheken und Bibliotheksmitarbeitende, die erklären, aufklären, einordnen und anleiten und für einen kritischen Umgang mit KI-Systemen eintreten.

    #LizenzCCBY40INT #Informationskompetenz #KünstlicheIntelligenz #KI #TeachingAIBarcamp
  7. Digitales Kulturerbe bewahren – SavE Niedersachsen sichert audiovisuelle Bestände des Filminstituts Hannover

    Mit SavE Niedersachsen – Sicherheit für das audiovisuelle Erbe Niedersachsens ist seit Juli 2026 ein weiteres Projekt an die Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (LiLA.NDS) angebunden. Das Andockprojekt wird vom Filminstitut Hannover und der Bibliothek der Hochschule Hannover in Zusammenarbeit mit der TIB durchgeführt. Für die Umsetzung des Projekts ist Johanna Kolmer als wissenschaftliche Projektmitarbeiterin neu zum Team des Filminstituts hinzugekommen. Begleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Klaus Gantert, Direktor des Filminstituts, und Thorsten Hoppe M.A., Geschäftsführer des Filminstituts.

    Im Mittelpunkt stehen die digitalen und digitalisierten audiovisuellen Bestände des Filminstituts. Anhand dieser Bestände werden Strategien und Arbeitsabläufe für ihre digitale Langzeitarchivierung sowie für die nachhaltige Sicherung der zugehörigen Meta- und Forschungsdaten entwickelt und erprobt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen zugleich dazu beitragen, übertragbare Lösungsansätze für kleinere Kulturerbe-Einrichtungen in Niedersachsen zu entwickeln.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Das Filminstitut Hannover ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Hochschule Hannover, die sich der Sammlung, Dokumentation, Erschließung und Erforschung von Filmen und filmhistorischen Materialien mit besonderem Bezug zu Hannover und Niedersachsen widmet. Die Bestände des Filminstituts Hannover umfassen unter anderem Amateur- und Dokumentarfilme, Produktionsarchive sowie umfangreiche regionalgeschichtliche Film- und Videosammlungen.

    Blick in den Archivbestand des Filminstituts Hannover. Foto: Filminstitut Hannover/Hochschule Hannover

    Viele dieser Aufnahmen stellen einzigartige audiovisuelle Quellen dar. Sie dokumentieren gesellschaftliche Entwicklungen, stadt- und regionalgeschichtliche Prozesse sowie Aspekte des Alltags in Niedersachsen über mehrere Jahrzehnte hinweg.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Besonders interessant ist für mich aktuell der Bestand zur EXPO 2000, den das Filminstitut 2025 vom EXPOSEEUM Hannover übernommen hat.

    Filmbild, EXPO 2000 Hannover, Bau007. Foto: Filminstitut Hannover/Hochschule Hannover

    Er umfasst mehr als 2.000 Filme und dokumentiert die Weltausstellung aus unterschiedlichen Perspektiven – von den Vorbereitungen und dem Bau des Ausstellungsgeländes bis hin zu Veranstaltungen und den eigentlichen Ausstellungstagen.

    Der Bestand ist insbesondere deshalb von Interesse, weil die EXPO 2000 ein prägendes Ereignis für Hannover war und das Filmmaterial zugleich zentrale Themen und Diskurse der damaligen Zeit dokumentiert, etwa Zukunftsvorstellungen, Globalisierung, Nachhaltigkeit und technologischen Wandel.

    Die große Menge und Heterogenität des Materials macht den Bestand zudem für Fragestellungen der digitalen Langzeitarchivierung besonders relevant.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit der digitalen Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Das Filminstitut digitalisiert seine historischen Filmbestände bereits seit vielen Jahren. Im Zuge dieser kontinuierlichen Digitalisierung ist ein umfangreicher digitaler Bestand entstanden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Digitalisierung allein noch keine dauerhafte Sicherung und langfristige Nutzbarkeit der Materialien gewährleistet.

    Digitale Dateien unterliegen eigenen Risiken: Speichermedien können ausfallen, Dateien können beschädigt werden, Dateiformate langfristig obsolet werden und relevante Kontextinformationen verloren gehen. Gerade bei umfangreichen audiovisuellen Beständen sind daher verlässliche und nachvollziehbar dokumentierte Strukturen erforderlich, um die Integrität, Interpretierbarkeit und Nutzbarkeit der Daten langfristig sicherzustellen. Diese Herausforderung bildet einen wesentlichen Ausgangspunkt für SavE Niedersachsen.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Besonders wertvoll ist für uns der fachliche Austausch mit der TIB und den weiteren Einrichtungen innerhalb von LiLA.NDS. Die digitale Langzeitarchivierung umfasst zahlreiche technische, organisatorische und konzeptionelle Fragestellungen, bei deren Bearbeitung wir von bereits vorhandenen Erfahrungen und entsprechender Expertise profitieren können.

    Gleichzeitig bietet die Zusammenarbeit die Möglichkeit, die spezifischen Anforderungen audiovisueller Bestände in den gemeinsamen Austausch einzubringen. Besonders wichtig ist dabei die gemeinsame Entwicklung und Erprobung praktikabler und möglichst übertragbarer Lösungsansätze. Der Wissenstransfer innerhalb des Netzwerks ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und Herausforderungen der digitalen Langzeitarchivierung gemeinschaftlich zu bearbeiten.

    Blogreihe „LiLA.NDS“

    Im Rahmen einer begleitenden Blogreihe werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.

    #DigitaleLangzeitarchivierung #LandesinitiativeLangzeitarchivierungNiedersachsen #LiLANDS #LizenzCCBY40INT
  8. Free software as the basis for publishing services: Open Journal Systems

    diesen Beitrag auf Deutsch lesen

    TIB uses Open Journal Systems (OJS) to operate a Diamond Open Access publisher, TIB Open Publishing. Our involvement in the development of OJS safeguards our own service and enables us to help shape the software. Our work in the context of this free software is a cornerstone of our activities.

    The software enables the publishing of scholarly journals. At TIB, it is primarily used for the TIB Open Publishing service. We actively participate in its further development, in community activities, and in the distributed funding of the software.

    Open Journal Systems

    Open Journal Systems is the world’s most widely used free software for publishing scholarly journals. OJS supports the entire publishing process: from manuscript submission through peer review to publication and subsequent dissemination.

    OJS is developed by the Public Knowledge Project (PKP), a division of Simon Fraser University in Canada. The software already offers extensive capabilities within its core functionalities. Plug-ins further expand its scope of functionality.

    Use at TIB

    Through TIB Open Publishing, the TIB operates a Diamond Open Access publisher. In cooperation with a wide range of clients, academic conference proceedings and journals are produced and published. OJS is the software that enables these steps. The use of OJS is subject to high expectations regarding availability, as well as the widest possible dissemination and long-term preservation of content. The TIB operates further OJS instances for testing new features and for use in projects.

    Significant advantages

    OJS is actively maintained – not only by PKP, but also by a very large and active international community centred around the software. The fact that OJS is free software allows us to easily adapt it to our needs. In doing so, we also strive to collaborate with the community and contribute changes back to it. In addition to minor internal changes and adjustments, we have, for example, extended workflows and metadata in published plugins to better support our key use case of “conference proceedings” or to better support relevant identifiers such as ORCID and ROR.

    The plugins we have developed are available to everyone under a free licence. This regularly leads to collaborations with other organisations. In some cases, changes are incorporated into the OJS core, making them even more easily accessible to other OJS users without the need for a separate plugin.

    In projects such as CRAFT-OA or AEGIS-OA, we are further developing OJS to professionalise Diamond Open Access publishing. The software’s open licence allows us to get started immediately and ensures that our work can continue to be utilised by others in the long term.

    The development work on OJS is also part of the partnership agreement between PKP and TIB – TIB has been an official Major Development Partner of PKP since early 2021.

    The ease with which anyone can contribute to free software is also evident in localisation – the translation into languages other than the original English. Translations are particularly helpful for the OJS documentation, which is consulted not only by administrators but also by many editors. Working in a streamlined “translation sprint” format, we have collaborated with other active colleagues to produce the German translation of the documentation.

    As part of our community activities, we maintain an exchange with other OJS developers and users and offer our expertise to assist with development issues or questions regarding translation.

    Finally, the open-source nature of OJS also allows us to scrutinise and examine it in its entirety. At a time of intensified discussions about digital autonomy, avoiding dependencies and a wide range of security issues, this aspect represents a direct investment in safeguarding our own activities.

    OJS therefore offers us freedom across all four relevant levels of free software:

    1. We can use OJS for any purpose.
    2. We can freely analyse and understand the software.
    3. We can freely distribute OJS.
    4. We are permitted to modify OJS and distribute it in its modified form.

    Beyond our own development work

    Our involvement is not limited to code. We participate in committees of the Public Knowledge Project, where we help shape the direction and prioritisation of its work. In national working groups, such as the OJS Hosting focus group of open-access.network, we discuss the use of OJS together with others. We are also striving to secure greater (and consistent) recognition of OJS’s vital role in the open access infrastructure from the German community.

    In January 2026, the “PKP Open Journal Systems Germany 2026–2028” consortium was launched, coordinated by TIB. Since its launch, 4 further institutions have joined the 14 founding members. These pool their financial contributions to PKP via TIB. In this way, the participating institutions jointly contribute to the sustainable funding of this central open-access infrastructure, which enables the institutions to offer free publishing services for their communities.

    Alternatives

    The use of the free software OJS is beneficial for our purposes and, to a large extent, without alternative. We could procure services and software elsewhere to run our publishing activities – thereby depriving ourselves of the ability to make customisations ourselves. We could use a different piece of free software – but would have to forgo extensive features and integrations within the publishing infrastructure. Or we could develop our own software, tailored precisely to our specific needs – which would quickly become too much for us to handle, as we would have to solve problems on our own that the OJS community can tackle collectively.

    We ❤️ free software – as a matter of principle, but above all because it empowers us to offer services that bring real benefits to our partners and customers. Thank you, OJS.

    #OpenAccess #LizenzCCBY40INT #OpenScience #OpenSource #OJS #OpenJournalSystems #PKP #welovefreesoftware
  9. Freie Software als Basis von Publikationsangeboten: Open Journal Systems

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    Die TIB setzt Open Journal Systems (OJS) für den Betrieb eines Diamond-Open-Access-Verlags, TIB Open Publishing, ein. Unsere Mitwirkung an der Entwicklung von OJS sichert den eigenen Dienst ab und lässt uns die Software mitgestalten. Die Arbeit im Kontext dieser freien Software stellen einen Schwerpunkt unserer Aktivitäten dar.

    Die Software ermöglicht das Veröffentlichen wissenschaftlicher Zeitschriften. In der TIB wird sie v.a. für den Verlag TIB Open Publishing eingesetzt. Wir beteiligen uns aktiv an der Weiterentwicklung, an Communityaktivitäten und an der verteilten Finanzierung der Software.

    Open Journal Systems

    Open Journal Systems ist die weltweit am häufigsten eingesetzte freie Software für das Publizieren von wissenschaftlichen Zeitschriften. OJS begleitet den gesamten Veröffentlichungsprozess: von der Einreichung eines Manuskripts über die Begutachtung bis hin zur Publikation und zur anschließenden Verbreitung.

    OJS wird vom Public Knowledge Project (PKP), einer Abteilung der kanadischen Simon Fraser University, entwickelt. Die Software liefert bereits umfangreiche Möglichkeiten in den Kernfunktionalitäten. Zusätzlich erweitern Plug-ins den Leistungsumfang.

    Einsatz in der TIB

    Mit TIB Open Publishing betreibt die TIB einen Diamond-Open-Access-Verlag. In Kooperation mit einer Vielzahl von Kund*innen werden wissenschaftliche Konferenzveröffentlichungen und Zeitschriften erstellt und veröffentlicht. OJS ist die Software, die diese Schritte ermöglicht. Für die OJS-Nutzung gelten hohe Erwartungen an die Verfügbarkeit und die möglichst gute Verbreitung und Langzeitsicherung der Inhalte. Für die Erprobung neuer Features sowie in Projekten betreibt die TIB weitere OJS-Instanzen.

    Spürbare Vorteile

    OJS wird aktiv gepflegt – nicht nur durch PKP, sondern auch durch eine sehr große und aktive internationale Community rund um die Software. Dass OJS freie Software ist, erlaubt uns die einfache Anpassbarkeit der Software für unsere Zwecke. Dabei bemühen wir uns auch über die Kooperation mit der Community und das Zurückfließenlassen von Änderungen. Neben kleinen internen Änderungen und Anpassungen haben wir beispielsweise Workflows und Metadaten in veröffentlichten Plugins erweitert, um unseren wichtigen Anwendungsfall „Konferenzveröffentlichungen“ besser zu unterstützen oder um relevante Identifier wie ORCID und ROR besser zu unterstützen.

    Die entwickelten Plug-ins stehen unter freier Lizenz allen zur Verfügung. Dabei kommt es regelmäßig auch zu Kooperationen mit anderen Einrichtungen. Teilweise werden Änderungen in den OJS-Kern übernommen, sodass sie noch einfacher und ohne separates Plug-in anderen OJS-Nutzer*innen zur Verfügung stehen.

    In Projekten wie CRAFT-OA oder AEGIS-OA entwickeln wir OJS gezielt weiter für die Professionalisierung des Diamond-Open-Access-Publizierens. Die freie Lizenzierung der Software erlaubt uns den sofortigen Einstieg und stellt sicher, dass unsere Arbeit auch dauerhaft von anderen weitergenutzt werden kann.

    Die Entwicklungsarbeit an OJS ist auch Teil des Partnerschaftsabkommens zwischen PKP und TIB – seit Anfang 2021 ist die TIB offizieller Major Development Partner von PKP.

    Die einfache Beteiligungsmöglichkeit an freier Software zeigt sich auch bei der Lokalisierung, der Übersetzung in andere Sprachen als das original verwendete Englisch. Übersetzungen helfen insbesondere auch bei der OJS-Dokumentation, die nicht nur von Administrator*innen, sondern auch von vielen Editors zurate gezogen wird. Im schlanken Übersetzungssprintformat haben wir uns gemeinsam mit anderen aktiven Kolleg*innen um die deutsche Übersetzung der Dokumentation bemüht.

    Als Teil der Community-Aktivitäten pflegen wir den Austausch mit anderen OJS-Entwickler*innen und Anwender*innen und unterstützen mit unserer Expertise bei Entwicklungsfragen oder bei Fragen zur Übersetzung.

    Und schließlich erlaubt uns die freie Software OJS auch, dass wir sie in Gänze prüfen und untersuchen können. In Zeiten von verstärkten Diskussionen um digitale Autonomie, Vermeidung von Abhängigkeiten und vielfältigen Sicherheitsproblematiken ist dieser Punkt eine direkte Investition in die Absicherung unserer eigenen Aktivitäten.

    OJS bietet uns also Freiheit auf allen vier relevanten Ebenen freier Software:

    1. Wir können OJS für beliebige Zwecke verwenden.
    2. Wir können die Software frei analysieren und verstehen.
    3. Wir können OJS frei verbreiten.
    4. Wir dürfen OJS verändern und in veränderter Form weitergeben.

    Über eigene Entwicklungsarbeit hinaus

    Die Mitgestaltung beschränkt sich nicht auf Code. Wir beteiligen uns an Gremien des Public Knowledge Project und beeinflussen dort die Ausrichtung und Priorisierung mit. In nationalen Arbeitsgruppen wie z.B. der Fokusgruppe OJS-Hosting von open-access.network diskutieren wir gemeinsam mit anderen den OJS-Einsatz. Wir bemühen uns darüber hinaus auch um eine größere (und konsequente) Anerkennung der wichtigen Funktion von OJS für die Open-Access-Infrastruktur durch die deutsche Community.

    Im Januar 2026 startete das Konsortium „PKP Open Journal Systems Deutschland 2026–2028“, koordiniert durch die TIB. Seit dem Start sind zu den 14 Gründungsmitgliedern schon 4 weitere Einrichtungen hinzugekommen. Diese bündeln ihre finanziellen Beiträge an PKP über die TIB. So tragen die beteiligten Einrichtungen gemeinsam zur nachhaltigen Finanzierung dieser zentralen Open-Access-Infrastruktur bei, die es den Einrichtungen erlaubt, kostenlose Publikationsdienste für ihre Zielgruppen anzubieten.

    Alternativen

    Die Verwendung der freien Software OJS ist für unsere Zwecke förderlich und weitgehend alternativlos. Wir könnten für den Betrieb von Publikationsaktivitäten Dienstleistungen und Software andernorts einkaufen – und uns damit der Möglichkeit berauben, Anpassungen selber vornehmen zu können. Wir könnten eine andere freie Software einsetzen – und würden auf umfangreiche Features und Integrationen in Publikationsinfrastruktur verzichten müssen. Oder wir könnten eine eigene Software entwickeln, ganz genau für unsere engen Bedarfe – was uns schnell über den Kopf wachsen würden, weil wir im Alleingang Problem lösen müssten, die die OJS-Community gemeinsam angehen kann.

    Wir ❤️ freie Software – aus Prinzip, aber v.a. weil sie uns ermächtigt, Dienste anzubieten, die unseren Partner*innen und Kund*innen echte Vorteile bringen. Danke, OJS.

    #OpenAccess #LizenzCCBY40INT #OpenScience #OpenSource #OJS #OpenJournalSystems #PKP #welovefreesoftware
  10. SERIOUS 3D: Kunst- und Architekturgeschichte im digitalen Forschungsraum

    Projekt „SERIOUS 3D in Art and Architectural History“: Kick-off-Treffen in Rom // Foto: Elisabetta Scirocco

    Am 21. und 22. September 2026 fand an der Bibliotheca Hertziana – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte in Rom das Kick-off-Meeting des DFG/AHRC-geförderten Forschungsprojekts „SERIOUS 3D in Art and Architectural History“ statt.

    Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Kunst- und Architekturgeschichte (AAH), 3D Engineering (ENG) und Data Science in Cultural Heritage (DSC) diskutierten über Forschungsziele, technische Anforderungen, methodische Herausforderungen und anstehende Arbeiten des gemeinsamen Projekts.

    Das interdisziplinäre Projekt bringt Expertise aus der Bibliotheca Hertziana, der Hochschule Mainz, der TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften in Hannover sowie den Universitäten Cambridge und Exeter zusammen.

    Im Mittelpunkt steht die Frage, wie historische Räume mithilfe digitaler Technologien rekonstruiert, interpretiert und vermittelt werden können.

    Ein zentrales Thema des Kick-off-Meetings war die praktische Umsetzung der Verbindung kunsthistorischer Forschungsfragen mit digitalen 3D-Modellen als Teil strukturierter Forschungsdaten.

    Von der digitalen Rekonstruktion zum vernetzten Forschungsraum

    Historische Rekonstruktionen beruhen auf unterschiedlichen Quellen, wissenschaftlichen Interpretationen und mitunter unvollständigen Informationen; nicht alle Informationen lassen sich ohne Weiteres in ein digitales Gebäudemodell übertragen,

    Das Projekt untersucht deshalb auch, wie sich solche Unsicherheiten und die zugrunde liegenden Entscheidungen nachvollziehbar dokumentieren lassen.

    Die Gruppe Data Science in Cultural Heritage (DSC), bestehend aus dem Open Science Lab der TIB und dem DH Lab der Bibliotheca Hertziana, befasst sich unter anderem damit, wie sich diese Informationen in einer gemeinsamen technischen Infrastruktur zusammenführen lassen.

    Ein Baustein ist das im Open Science Lab entwickelte 3D-Viewer- und Annotationswerkzeug Semantic Kompakkt für interoperable und nachnutzbare Forschungsdaten, das mit Wikibase4Research ein Backend für die semantischen Informationen beinhaltet.

    Im Projekt Herrenhäuser des Ostseeraums wird Semantic Kompakkt bereits für einen vergleichbaren architekturhistorischen Anwendungsfall eingesetzt und entsprechend der Bedarfe einer architekturhistorischen wissenschaftlichen Community weiterentwickelt, unter anderem die Visualisierung von Punktwolken und den historischen oder örtlichen Zusammenhängen.

    Bereits eine Woche vor dem Kick-off hatte das TIB-Team seine Arbeiten zur Integration des in Serious 3D genutzten Building Information Modeling (BIM) in Semantic Kompakkt auf der Konferenz FAIR 3D Heritage in Mainz vorgestellt. Der Beitrag „Towards (H)BIM Integration in Semantic Kompakkt: Evaluation of Web Libraries for a Modular Import Pipeline“ lieferte konkrete Ansätze für die anschließende Arbeit in Rom. Weitere Informationen finden sich im Konferenzprogramm der FAIR 3D Heritage.

    Gemeinsame Workflows und wissenschaftliches Storytelling

    Digitale Gebäudevermessung // Foto: Ina Blümel

    Die Diskussionen machten deutlich, dass die Anforderungen der beteiligten Disziplinen bereits bei der kunsthistorischen Recherche und der Erstellung der ersten digitalen Gebäudemodelle berücksichtigt werden müssen. Dazu gehört insbesondere die Frage, welche Informationen später für die semantische Modellierung, wissenschaftliche Annotation und Visualisierung benötigt werden.

    Als nächster Schritt sollen exemplarische 3D-Modelle mit unterschiedlicher Informationstiefe seitens der ENG-Partner bereitgestellt werden. An ihnen will das DSC-Team den gesamten Workflow vom Datenimport bis zur interaktiven Darstellung erproben.

    Die Modelle sollen historische Raumsituationen nicht nur veranschaulichen, sondern auch als Arbeitsgrundlage für kunsthistorische Fragestellungen der AAH-Beteiligten dienen. Dafür müssen Quellen und unterschiedliche Rekonstruktionshypothesen mit den modellierten Objekten verknüpft werden können.

    Thematisiert wurde außerdem, wie sich historische Räume durch webbasiertes Storytelling interaktiv erkunden und zugleich mit Quellen, Forschungsfragen und Erläuterungen verbinden lassen.

    Palazzo Medici in Florenz // Foto: Ina Blümel

    Ausblick: Gemeinsam von Rom nach Florenz

    In der abschließenden Diskussion wurde nochmals betont, dass SERIOUS 3D als gemeinsamer Forschungsprozess, und nicht nur als Zusammenarbeit voneinander getrennter Arbeitsgruppen verstanden werden soll.

    Die unterschiedlichen fachlichen Perspektiven sollen bereits bei der Entwicklung der Forschungsfragen, der Auswahl historischer Objekte und der Erarbeitung digitaler Methoden zusammengeführt werden.

    Im Anschluss an das Kick-off-Meeting reist das Projektteam vom 23. bis 25. September 2026 zur Feldforschung nach Florenz. Dort werden Teile des Palazzo Medici, das zentrale Forschungsobjekt von SERIOUS 3D, mithilfe von 3D-Laserscanning und Photogrammetrie digital erfasst.

    Die gewonnenen Daten bilden die Grundlage für die weitere Entwicklung des historischen Gebäudemodells und die Erprobung der in Rom diskutierten technischen Workflows.

    #LizenzCCBY40INT #OpenScienceLab #OpenScience #Forschungsdaten #3DArchitekturdaten #SERIOUS3D #BIM
  11. Plattformmacht und Forschungssicherheit: Warum wir Freie Software brauchen

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    „Diese Forschungsergebnisse sind Ihrem Land leider nicht verfügbar“ – so etwas werden wir in Zukunft häufig lesen müssen, wenn wir uns auf die Plattformen großer Verlage oder ähnlicher kommerzieller Akteur:nnen verlassen. Deren Geschäftsmodelle sind besonders anfällig für Überwachung und Zensur ihrer Nutzer:innen. Immer häufiger nutzen staatliche Akteur:innen das aus, machen die Wissenschaft zum Spielball ihrer Konflikte untereinander.

    Auch der Wissenschaftsrat hat 2025 Position zur Forschung in Zeiten zunehmender geopolitischer Konflikte bezogen. Dabei ist dem Wissenschaftsrat anscheinend entgangen, dass wir längst ein wirksames Mittel haben, mit der wir Forschungsergebnisse dagegen absichern können: Informationsinfrastrukturen für die Forschung, die auf Freier und Open-Source-Software (FOSS) basieren und gemeinschaftlich betreut, entwickelt und verteilt werden.

    Freie Software oder: Die unsichtbare Arbeit, die unsere digitale Infrastruktur am Laufen hält

    Bei der TIB dreht sich alles um Infrastruktur für die Forschung und seit etwa zehn Jahren zunehmend auch um eine vielfältige, aktive und dauerhafte Mitarbeit in internationalen Freie-Software-Projekten. Diese Arbeit wird von vielen Teams der TIB fast lautlos geleistet. In unserer neuen Blogserie „We love Free Software“ wollen wir das Mikro aufdrehen und beteiligte Kolleg:innen direkt zu Wort kommen lassen: Warum macht ihr das und was macht ihr da genau? Wie trägt eure Arbeit zur Resilienz von Forschungsergebnissen bei? Was ist der besondere Stress, aber vielleicht auch der Lohn für dieses Engagement? Und welche Missverständnisse wolltet ihr schon immer mal richtigstellen? 

    In dieser Blogserie wird es zum Beispiel um Open Journal Systems (OJS) gehen, ein System für das Verwalten und Veröffentlichen wissenschaftlicher Journals, das seit mehr als zwanzig Jahren von vielen tausend Journals weltweit genutzt wird. Aber auch um Wikibase, DSpace, CKAN, VIVO und FOLIO und um Spezialwerkzeuge digitaler Archive wie QC Tools. 

    Okay zugegeben, angenehme Projektnamen waren und sind leider nie die Stärke von Freier Software gewesen. Aber dass man diese Abkürzungen selten hört, sollte niemanden täuschen: All diese Anwendungen sind aus dem digitalen Forschungsalltag schon lange nicht mehr wegzudenken. 

    Hyper, hyper: Künstliche Barrieren und das Tracking von Benutzer:innen als Geschäftsmodell

    Was sie leisten, wird im Kontrast richtig klar. Weltweit dominieren heute sogenannte Hyperscaler die digitale Infrastruktur, betrieben von Amazon, Microsoft, Google und Alibaba bis hin zu deren eigenen Endanwender-Plattformen wie Github und LinkedIn (die beide Microsoft gehören).  Mit dem Volksmund gesprochen: Wenn einer von diesen Anbietern niest, dann hat das ganze Internet Schnupfen.

    Mehr noch: Mit ihren Geschäftsmodellen prägen sie unseren digitalen Alltag und entscheiden wie selbstverständlich auch darüber, wer (keinen) Zugang zu Informationen hat. Sie sind der Traum jeder Regierung, die mit autokratischen Maßnahmen in den freien Austausch des Wissens eingreifen will – weil sie Flaschenhälse öffentlichen Wissens und zugleich Sammelbecken privater Daten sind. Und die Plattform-Geschäftsmodelle von Elsevier, Springer-Nature, Wiley oder anderen kommerziellen Akteuren in der wissenschaftlichen Infrastruktur gleichen denen der Hyperscaler. Die Daten ihrer Nutzer:innen sind ihr Geschäftsmodell. Die in den letzten Wochen diskutierten Fälle, in denen solche Datensammlungen besonders offensichtlich missbraucht worden sind, sind nur die Spitze eines Eisbergs.

    All das war vor zehn oder zwanzig Jahren nicht viel anders. Aber angesichts der weltpolitischen Entwicklungen muss man im Jahr 2026 feststellen: Das Risiko, dass die „eingebauten“ Flaschenhälse der Plattform-Geschäftsmodelle für autokratische Maßnahmen genutzt werden, hat weiter zugenommen. Der Wissenschaftsrat beschäftigte sich 2025 unter dem Stichwort „Forschungssicherheit“ mit der neuen Situation und verlangt zwar nach mehr Souveränität und Resilienz – jedoch ohne auch nur ein Wort über Freie Software zu verlieren. Das ist aus unserer Sicht kaum nachvollziehbar. 

    Quelle: https://fsfe.org/freesoftware/ 

    Denn die Welt von OJS, Wikibase, DSpace und Co. ist bereits heute ein Gegenentwurf zu den genannten Problemen. Diese Anwendungen können und werden tatsächlich noch im entlegensten Winkel der Erde betrieben, um weltweit am globalen Wissensaustausch teilzunehmen. Warum gemeinschaftlich verantwortete, inklusive Software-Entwicklung der Schlüssel zu resilienter Infrastruktur ist, haben auch die Vereinten Nationen in ihren UN Open Source Prinicples beschrieben. Ohne eine aktive Beteiligung an einer solchen Infrastruktur kann es diese jedoch nicht geben. Wie und warum sich die Mühe lohnt – darum geht es in dieser neuen TIB-Blogreihe.

    We love Free Software – eine Blogreihe der TIB

    Freie Software und Open-Source-Software (FOSS) ist weit mehr als nur eine technische Alternative zu kommerziellen Lösungen – sie steht für Offenheit, Transparenz, nachhaltige digitale Infrastrukturen und digitale Souveränität. Freie Software, die gemeinschaftlich betreut, entwickelt und verteilt wird, stärkt die Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern, Einrichtungen behalten die Kontrolle über ihre Systeme, Daten und Weiterentwicklungen.

    Bei der TIB dreht sich alles um Infrastruktur für die Forschung und seit etwa zehn Jahren zunehmend auch um eine vielfältige, aktive und dauerhafte Mitarbeit in internationalen Freie-Software-Projekten. Diese Arbeit wird von vielen Teams der TIB fast lautlos geleistet. In unserer Blogreihe „We love Free Software“ wollen wir das Mikro aufdrehen und beteiligte Kolleg:innen direkt zu Wort kommen lassen. Wir wollen wissen: Warum macht ihr das und was macht ihr da genau? Wie trägt eure Arbeit zur Resilienz von Forschungsergebnissen bei? Was ist der besondere Stress, aber vielleicht auch der Lohn für dieses Engagement? Und welche Missverständnisse wolltet ihr schon immer mal richtigstellen? 

    #welovefreesoftware #OpenAccess #LizenzCCBY40INT #OpenScienceLab #OpenScience #OpenSource
  12. Platform power and research security: Why we need free software

    diesen Beitrag auf Deutsch lesen

    “Unfortunately, these research findings are not available in your country” – we will have to read messages like this frequently in future if we rely on the platforms of major publishers or similar commercial players. Their business models are particularly vulnerable to the surveillance and censorship against their users. State actors are increasingly exploiting this, turning science into a pawn in their conflicts with one another.

    The German Wissenschaftsrat also issued a statement in 2025 on research in times of escalating geopolitical conflicts. In doing so, the German Science Council appears to have overlooked the fact that we have long had an effective means of safeguarding research findings against this: research information infrastructures based on Free and Open-Source Software (FOSS) that are collaboratively maintained, developed and distributed.

    Free Software, or: The Invisible Work That Keeps Our Digital Infrastructure Running

    At TIB, everything revolves around research infrastructure and, for the past ten years or so, increasingly around diverse, active and long-term collaboration in international free software projects. This work is carried out almost silently by many teams at TIB. In our new blog series “We love Free Software”, we want to turn up the volume and let the colleagues involved have their say directly: Why do you do this, and what exactly do you do? How does your work contribute to the resilience of research findings? What are the particular challenges – but perhaps also the rewards – of this commitment? And which misconceptions have you always wanted to set the record straight on?

    This blog series will, for example, focus on Open Journal Systems (OJS), a system for managing and publishing academic journals that has been used by many thousands of journals worldwide for more than twenty years. But it will also cover Wikibase, DSpace, CKAN, VIVO and FOLIO, as well as specialised tools for digital archives such as QC Tools.

    Admittedly, catchy project names have never been – and, unfortunately, still aren’t – a strong point of free software. But the fact that you rarely hear these abbreviations shouldn’t fool anyone: all these applications have long been an indispensable part of everyday digital research.

    Hyper, hyper: Artificial barriers and user tracking as a business model

    What they achieve becomes really clear when viewed in contrast. Today, so-called hyperscalers dominate the digital infrastructure worldwide, operated by Amazon, Microsoft, Google and Alibaba, right through to their own end-user platforms such as GitHub and LinkedIn (both of which are owned by Microsoft). To put it in layman’s terms: if one of these providers sneezes, the whole internet catches a cold.

    What’s more, with their business models, they shape our digital daily lives and, as a matter of course, also decide who does (or does not) have access to information. They are the dream of any government seeking to interfere with the free exchange of knowledge through autocratic measures – because they are both bottlenecks for public knowledge and reservoirs of private data. And the platform business models of Elsevier, Springer-Nature, Wiley and other commercial players in the scientific infrastructure are similar to those of the hyperscalers. Their users’ data is their business model. The cases discussed in recent weeks, in which such data collections have been particularly blatantly misused, are just the tip of the iceberg.

    Ten or twenty years ago, the situation was not much different. But in light of global political developments, it must be acknowledged in 2026 that the risk of the “built-in” bottlenecks in platform business models being exploited for autocratic measures has increased further. In 2025, the German Wissenschaftsrat (an advisory body to the German Federal Government and the federal states) addressed the new situation under the heading of “research security” and, whilst calling for greater autonomy and resilience, failed to mention free software even once. From our perspective, this is difficult to comprehend.

    Source: https://fsfe.org/freesoftware/

    For the world of OJS, Wikibase, DSpace and the like already offers an alternative to the problems mentioned. These applications can and do, in fact, operate even in the remotest corners of the earth, enabling participation in the global exchange of knowledge. The United Nations has also outlined in its UN Open Source Principles why collectively managed, inclusive software development is the key to resilient infrastructure. However, such infrastructure cannot exist without active participation. How and why it is worth the effort – that is the focus of this new TIB blog series.

    We love Free Software – a blog series by TIB

    Free and open-source software (FOSS) is far more than just a technical alternative to commercial solutions – it stands for openness, transparency, sustainable digital infrastructures and digital sovereignty. Free Software, which is maintained, developed and distributed collaboratively, strengthens independence from individual providers, whilst organisations retain control over their systems, data and further developments.

    At TIB, everything revolves around research infrastructure and, for around ten years now, increasingly also around diverse, active and long-term participation in international Free Software projects. This work is carried out almost silently by many teams at TIB. In our blog series “We love Free Software”, we want to turn up the volume and let the colleagues involved have their voice heard directly. We want to know: Why do you do this, and what exactly do you do? How does your work contribute to the resilience of research findings? What are the particular challenges – but perhaps also the rewards – of this commitment? And what misconceptions have you always wanted to set the record straight on?

    #LizenzCCBY40INT #OpenScienceLab #OpenScience #OpenSource #welovefreesoftware #OpenAccess
  13. Digitalisate der TIB in der Deutschen Digitalen Bibliothek

    Die Retrodigitalisierung startete 2015 mit der Digitalisierung der Bestände der TIB. Begonnen hat das Team Retrodigitalisierung mit einem kleinen Team mit drei Personen, das sich im Laufe der Zeit auf aktuell 12 Personen vergrößert hat. In diesem Zeitraum von elf Jahren konnte die Retrodigitalisierung viele Bücher, Graphiken, Pläne usw. mit vielen, vielen Seiten scannen.

    Die Retrodigitalisierung digitalisiert sowohl gemeinfreie Werke sowie noch urheberrechtgebundene Werke zur Bestandserhaltung. Gemeinfrei ist ein Werk, wenn der Urheber des Werks bereits 70 Jahre verstorben ist. Zurzeit sind mehr als 12.000 Digitalisate der TIB online im TIB-Viewer verfügbar. Seit ein paar Wochen befinden sich diese Digitalisate nun auch in der Deutschen Digitalen Bibliothek (DDB).

    Startseite Deutsche Digitale Bibliothek

    Was ist die Deutsche Digitale Bibliothek?

    Die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) ist ein Portal für Kulturobjekte, die neben Büchern auch Archivalien, Bilder, Fotografien, Skulpturen, Musikstücke, Filme, Noten, Gemälde, Handschriften usw. beinhaltet.

    2012 startete die DDB mit einer Betaversion und 2014 mit der Vollversion. Finanziert wird die DDB von Bund, Ländern und Kommunen. Getragen wird die DDB von einen Kompetenznetzwerk bestehend aus 18 Kultur- und Wissenseinrichtungen, wie zum Beispiel die Bayerische Staatsbibliothek, das Bundesarchiv, die Deutsche Nationalbibliothek, das FIZ Karlsruhe (Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur) oder die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

    Das Ziel der DDB ist es, das kulturelle Erbe in Deutschland digital, kostenlos und jederzeit zugänglich zu machen. Über 5.000 Kultureinrichtungen sind an der DDB beteiligt, davon fungieren fast 1.000 als Datenpartner:innen, darunter auch die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek. Zurzeit finden sich über 65 Millionen Objekte in der DDB.

    Mittlerweile gehören drei weitere Portale zur DDB:

    Weitere Portale der Deutschen Digitalen Bibliothek

    Die Deutsche Digitale Bibliothek ist ein Datenpartner für Europeana. Bei der DDB stehen Kultureinrichtungen aus Deutschland im Mittelpunkt. Europeana bietet eine Plattform für Kulturobjekte aus ganz Europa.

    Deutsche Digitale Bibliothek und die TIB

    Die TIB ist bereits seit etwa 2012/2013 Datenpartnerin von Europeana und der DDB. Seit diesem Zeitpunkt werden Inhalte vom TIB AV-Portal in die DDB und Europeana eingespielt. Später wurde der DDB-Bestand um die graphischen Einzelblätter der Sammlung Albrecht Haupt sowie um die Reiseskizzen des Architekten Albrecht Haupt (1852-1932) ergänzt. Diese Digitalisate des Teilbestands der Sammlung Albrecht Haupt stammen aus dem Portal TIB SAH digital.

    Dieses Jahr sind die Digitalisate der Retrodigitalisierung der TIB hinzugekommen. Dafür mussten die Digitalisate zunächst über eine Schnittstelle in das Testsystem der DDB eingespielt werden. Dort wurden die Metadaten analysiert, da die Metadaten gewissen Standards gerecht werden müssen, damit die Digitalisate auch in der DDB angezeigt werden können. Nach der Prüfung konnten die Daten gleich ins Produktivsystem eingespielt werden.

    Metadaten in der Deutschen Digitalen Bibliothek

    Seit Anfang Juli 2026 befinden sich nun über 12.000 Digitalisate der TIB in der DDB. In der DDB besteht die Möglichkeit, sich die Digitalisate anzuschauen oder auf den Datengeber des Digitalisats zu wechseln, in diesem Fall den TIB-Viewer.

    Kompendium der praktischen Toxikologie

    Bildanzeige in der Deutschen Digitalen Bibliothek

    Im nächsten Schritt sollen die Digitalisate von der DDB an Europeana übermittelt werden. Geplant sind vierteljährliche Updates an die DDB, damit auch die neuen Digitalisate der Retrodigitalisierung der TIB an die DDB übermittelt werden können.

    Startseite Europeana #DeutscheDigitaleBibliothek #TIBViewer #LizenzCCBY40INT #Retrodigitalisierung #Digialisierung
  14. Neu im Fachrepositorium RENATE: Unterstützung für Textmining

    Seit August 2026 werden in der Sammlung Physik im Fachrepositorium für Naturwissenschaften und Technik RENATE zusätzlich zu den Artikeln im PDF-Format automatisch generierte XML-Dateien bereitgestellt. Dies liefert einen Mehrwert für Forschungsprojekte, die Verfahren des Textminings einsetzen. Die Erstellung und Publikation solcher Dateien ist rechtlich möglich, wenn wissenschaftliche Publikationen unter Open-Access-Lizenzen veröffentlicht werden.

    Im Rahmen des BMFTR-geförderten Projekts „Mehr-OA: Mehrwerte von Open Access für die datengestützte Forschung und Entwicklung“ wurden am Beispiel der Plasmaforschung Verfahren entwickelt, um die Inhalte aus wissenschaftlichen Publikationen besser zu erschließen und für datengestützte Forschungsprojekte nutzen zu können. So wird die Relevanz von Open Access für Forschende direkt erfahrbar gemacht.

    Grenzen des PDF-Formats, Vorteile des XML-Formats

    Das wohl verbreitetste Veröffentlichungsformat für wissenschaftliche Publikationen ist das „Portable Document Format“, kurz PDF. PDF-Dateien haben den Vorteil, dass sie den Text (zumindest für Menschen ohne Sehbehinderungen) optisch ansprechend darstellen, da das Layout unabhängig vom genutzten Wiedergabeprogramm originalgetreu angezeigt wird. Auch die Wiedergabe von Tabellen, Abbildungen und Gleichungen erfolgt grafisch. Zwar gibt es PDF-Formate, welche Hilfen enthalten, die innerhalb eines Dokuments die Navigation erleichtern.

    Aber längst nicht alle wissenschaftliche Artikel, die in Form von PDF-Dokumenten online publiziert werden, machen von diesen Möglichkeiten Gebrauch. In Bezug auf Maschinenlesbarkeit schneiden PDF-Dateien deshalb nicht gut ab. Für Forschungsprojekte, die große Mengen Text auswerten – zum Beispiel um den aktuellen Forschungsstand über mehrere tausend Publikationen zu erfassen, für Metastudien oder für Auswertungen und Analysen über die Vielzahl von Forschungsbeiträgen – sind PDF-Dateien also nicht unmittelbar nutzbar.

    Um die in PDF-Dateien enthaltenen Inhalte automatisiert durchsuchen zu können, werden PDF-Dateien zunächst in ein anderes Format umgewandelt. Hier bietet sich das XML-Format an. XML steht für „Extended Markup Language“. Es ist maschinenlesbar und wird genutzt, um hierarchisch strukturierte Inhalte auszuzeichnen, indem es einzelne Abschnitte wie Überschriften und Unterüberschriften als „Element“ markiert. Wissenschaftliche Publikationen im XML-Format können also für Forschungsprojekte, die Textminingverfahren als Methode zur Datenerhebung oder -analyse nutzen, einfach verwendet werden.

    Startpunkt Fachrepositorium

    Fachrepositorien sind nicht nur Orte, wo Ergebnisse abgeschlossener Forschungsprojekte abgelegt werden. Wie das Projekte zeigte, können sie auch als wichtige Infrastruktur im Forschungsprozess selbst dienen: RENATE nimmt ausschließlich Open-Access-Inhalte auf, darunter Publikationen aus dem Fachgebiet der Plasmaforschung. Im Projekt diente RENATE der Aufbereitung und Sammlung von OA-Publikationen. Zusätzliche Open-Access-Publikationen aus der Plasmaforschung wurden systematisch recherchiert, mit qualitativ hochwertigen Metadaten beschrieben und publiziert. Zunächst aber nur als reguläre Kopien der Artikel im PDF-Format.

    Von PDF zu XML …

    Seit August 2026 werden die eingestellten PDF-Dateien der Sammlung Physik nach und nach zusätzlich um eine XML-Version ergänzt (genauer: JATS-XML – Journal Article Tag Suite, ein XML-Standard für wissenschaftliche Artikel), sofern die Lizenz dies erlaubt. Per Skript werden die PDF-Dokumente in JATS-XML umgewandelt und als Anhang zusätzlich zur PDF-Publikation ergänzt. Jede XML-Datei beginnt mit dem Hinweis, dass es sich um ein automatisch generiertes Dokument durch die TIB handelt und etwaige Fehler in der Konvertierung nicht durch die Autor:innen zu verantworten sind. Die XML-Dateien können genauso wie die Originaldatei heruntergeladen werden.

    Neben dem Artikel im PDF-Format stehen XML-Datei und annotierte XML zum download zur Verfügung.

     

    Der Anfang einer XML-Datei, die aus einer PDF-Datei erstellt wurde. Nach dem Hinweis zur automatischen Erstellung werden Angaben aus dem PDF (wie Überschrift, DOI und Lizenz) maschinenlesbar ausgezeichnet

    … zu annotiertem XML …

    Zusätzlich zu dem Artikel im XML-Format nutzte das Projekt „Mehr-OA“ Verfahren des maschinellen Lernens um Inhalte aus Open-Access-Publikationen der Plasmaforschung automatisch zu extrahieren. Mittels eines trainierten Modells werden Publikationen aus dem Bereich der Plasmaforschung in RENATE identifiziert.

    Erkennt das Modell in einem Artikel zentrale Konzepte aus der Plasmaforschung – etwa, wenn bestimmte Verfahren, Messinstrumente, Stoffe oder Anwendungen im Text erwähnt werden – dann extrahiert das Skript im zweiten Schritt diese Konzepte. Zusätzlich zu der XML-Version wird in diesen Fällen ein annotiertes XML publiziert, das nicht mehr den gesamten Artikel, sondern aggregierte Inhalte des Artikels darstellt (vgl. Haris et. al. 2026). So können sich Forschende der Plasmaforschung schneller ein Bild davon machen, worum es in dem Artikel geht. Sie müssen dafür nicht jedes Abstract lesen, sondern können über alle annotierten XML-Dateien hinweg nach den für sie relevanten Inhalten suchen.

    Extrahierte Konzepte aus der Plasmaforschung werden als Elemente in der annotierten XML-Datei angezeigt.

    … und Wissensgraph

    Die Informationen aus Open-Access-Publikationen zur Plasmaforschung werden zudem nach und nach in strukturierter Form im Open Research Knowledge Graph (ORKG)bereitgestellt. Relevante Open-Access-Publikationen können zukünftig im ORKG Plasma-Observatory gefunden, direkt verglichen und mit Forschungsdaten, Patenten und weiteren Informationsquellen vernetzt werden.

    Komplementär hierzu hat das Projekt „Mehr-OA“ die wissenschaftlichen Publikationen für den TIB Knowledge Loom und den Beitrag von Nestel et al. (2025) aufbereitet. Der Loom nutzt einen Ansatz, bei dem das Wissen direkt in der Datenanalyse strukturiert produziert wird, und setzt nicht auf Extraktion. Der resultierende Loom-Record zeigt, wie die Veröffentlichung von wissenschaftlichem Wissen als strukturierte Daten erfolgen kann und somit über die Annotation von Beiträgen hinausgeht.

    Mehrwerte von Open Access

    Die Entwicklungen im Bereich des maschinellen Lernens und der datengestützten Forschung werden nicht zuletzt durch frei zugänglich publizierte Inhalte ermöglicht. Zwar erlaubt eine Schranke im Urheberrechtsgesetz Textmining im Rahmen wissenschaftlicher Forschung auch für Publikationen, die nicht frei lizenziert sind, allerdings dürfen Forschende solche Publikationen nur „hinter geschlossenen Türen“ prozessieren und analysieren. Eine Folge: Unterschiedliche Forschungsprojekte prozessieren dieselben PDF-Dateien immer wieder aufs Neue, da sie die erstellten XML-Versionen nicht öffentlich teilen dürfen.

    Zu den vielen Vorteilen von Open Access kommt also noch ein weiterer hinzu. Abgeleitete Werke wie XML-Versionen eines PDFs können anderen Forschenden zur Verfügung gestellt werden. Für Forschende ist unmittelbar erfahrbar: vereinfachte Auffindbarkeit von Open-Access-Publikationen und maschinenlesbaren Daten im eigenen Fachbereich, dadurch verbesserte Möglichkeiten für datengestützte Forschung und Entwicklung und nicht zuletzt erhöhte Sichtbarkeit der eigenen, in Open Access publizierten Forschung.

    Das gilt, sofern diese Form der Nachnutzung von den Urheber:innen nicht ausgeschlossen wurde. Die verbreiteten Creative-Commons-Lizenzen bieten das Modul „ND – No Derivatives“ an. Wird dieses gewählt, ist das Teilen von erstellten XML-Dateien nicht mehr möglich. Es lohnt sich also, bei der Wahl der Open-Access-Lizenz auch das Kleingedruckte zu lesen. Als TIB empfehlen wir grundsätzlich die Lizenz Creative Commons Namensnennung (CC BY) für wissenschaftliche Publikationen. Gern beraten wir Sie persönlich bei Fragen rundum Lizenzen.

    Ausblick

    Auch über das Projektende hinaus werden wir in RENATE für Artikel der Sammlung Physik XML-Dateien erzeugen und bereitstellen. Zudem ist geplant, diesen Service auch auf weitere Sammlungen in RENATE auszuweiten. Für die Plasmaforschung werden weiterhin annotierte XML-Dateien erzeugt. Diese Inhalte sollen auch im Rahmen zukünftiger Projekte in den ORKG überführt und für datengestützte Forschungs- und Entwicklungsprojekte genutzt werden. Dazu wird das bereits gestartete DFG-Projekt „FID Physik – ein Fachinformationsdienst für die Physik“ einen wesentlichen Beitrag leisten. Unter anderen wird die Bereitstellung maschinenlesbarer Fachinformationen auf weitere Teilgebiete der Physik ausgeweitet.

    Das Repositorium RENATE steht allen Autor:innen für wissenschaftliche Publikationen im Bereich Technik und Naturwissenschaften offen. Wenn Sie RENATE nutzen wollen, wenden Sie sich an [email protected].

    Das Projekt „Mehr-OA – Mehrwerte von Open Access für die datengestützte Forschung und Entwicklung“ wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) unter den Förderkennzeichen 16KOA013A und 16KOA013B gefördert. IOP Publishing unterstützte das Projekt durch die Bereitstellung von Open-Access-Inhalten im Rahmen der Open-Physics-Initiative.

    #ORKG #Physik #OpenSciene #OpenAccess #LizenzCCBY40INT
  15. Launch of EOSC AIssistant

    Towards an open European approach to agentic AI for science: TIB coordinates a new Horizon Europe project bringing together 12 partners from seven countries to develop trustworthy, open AI services for the European research infrastructure.

    Artificial intelligence is rapidly changing the way science is conducted. As AI systems move beyond answering questions towards agents that can search, reason, use tools and participate in increasingly complex research processes, a new challenge is emerging: What kind of scientific ecosystem should these AI agents become part of?

    This question is at the heart of EOSC AIssistant – Agentic GenAI Open Research Assistant, which was officially launched on 1 September 2026.

    Coordinated by TIB – Leibniz Information Centre for Science and Technology, the three-year Horizon Europe project brings together 12 partners from seven European countries.

    Its ambition is to develop an agentic Generative AI research assistant for the European Open Science Cloud (EOSC) – and, more broadly, to help shape an open, trustworthy and European approach to AI for Science.

    From AI assistants to Co-existence of AI agents for science

    AI for Science is entering a new phase. Future systems will not simply provide conversational answers. AI agents will increasingly interact with scientific knowledge, data, software, computational resources and research workflows.

    EOSC AIssistant aims to make these capabilities available within an open and federated research environment, rather than as an isolated or closed AI system.

    The project will develop intelligent agents that can support researchers in activities such as discovering relevant data and scientific resources, analysing knowledge, accessing computing services, improving the FAIRness of research outputs and orchestrating complex scientific workflows.

    The goal is not to replace scientific judgement, but to give researchers new ways to interact with the growing complexity of digital science.

    An open European ecosystem for trustworthy AI in science

    A central principle of EOSC AIssistant is that powerful AI for Science should remain transparent, reproducible and verifiable.

    The project will therefore connect agentic Generative AI with technologies such as FAIR Digital Objects, Research Objects, knowledge graphs and provenance information. This will make it possible to trace the sources, data and processes behind AI-supported research activities.

    Human researchers remain in control of scientific decisions.

    At the same time, embedding these capabilities within the EOSC Federation creates an opportunity to develop AI for Science differently: as part of an open European research infrastructure in which data, services, knowledge and AI agents can work together across institutional and national boundaries.

    “The next generation of AI for Science should not be a closed system. It should be open, verifiable and reproducible – and it should enable researchers to remain in control of the scientific process.

    With EOSC AIssistant, our ambition goes far beyond building another chat interface. We want to explore how intelligent AI agents can become part of an open scientific ecosystem – working with research data, knowledge, computational resources and scientific workflows across the EOSC Federation. This is an opportunity to help shape a distinctly European path for trustworthy and agentic AI in science.”

    Professor Sahar Vahdati, Professor of AI for Science at TIB
    and Leibniz University Hannover and coordinator of EOSC AIssistant

    Demonstrating agentic AI in real scientific environments

    The technologies developed in EOSC AIssistant will be demonstrated in three scientific domains:

    • biodiversity
    • materials science and
    • energy-system simulation.

    These use cases will allow the consortium to investigate how agentic AI can support researchers in real scientific settings while meeting the requirements of transparency, provenance, interoperability and reproducibility.

    The project brings together expertise from research infrastructures, artificial intelligence, knowledge technologies, high-performance computing, Open Science and scientific domains across Germany, Poland, Italy, Serbia, the United Kingdom, Greece and the Netherlands.

    Over the next 36 months, the consortium aims to contribute not only new AI technologies, but also to a broader question facing European science:

    How can we ensure that the emerging generation of AI research agents operates within an open, trustworthy and human-centred scientific ecosystem?

    Further information

    12 partners from seven European countries

    • TIB – Leibniz Information Centre for Science and Technology, (Germany – Coordinator)
    • Eindhoven University of Technology (Netherlands)
    • Institute Mihajlo Pupin (PUPIN) (Serbia)
    • LAION e. V. (Germany)
    • Leibniz University Hannover (Germany)
    • National and Kapodistrian University of Athens (Greece)
    • Naturalis Biodiversity Center (Netherlands)
    • OFFIS e.V. (Germany)
    • Poznan Supercomputing Center (PSNC) (Poland)
    • The Open University (United Kingdom)
    • University of Cagliari (Italy)
    • University of Manchester (United Kingdom)
    #ResearchAndDevelopment #AI #KI #EOSC #AgenticAI #AIssistant #LizenzCCBY40INT
  16. Women in Science: Dr Sabina Auhunas

    diesen Beitrag auf Deutsch lesen

    The blog series “Women in Science” introduces women from the TIB who give insights into their careers and personal experiences in science.

    Dr. Sabina Auhunas

    Dr Sabina Auhunas studied Pharmacy at Bogomolets National Medical University, and obtained her PhD in Pharmaceutical Sciences at Shupyk National Healthcare University of Ukraine in Kyiv, Ukraine and is now working as a Philipp Schwartz Fellow at TIB (Open Science Lab).

    She conducts research on metadata models for scientific instruments and their integration into research information systems. Her work focuses on improving metadata quality, interoperability, and the visibility of scientific infrastructure data, contributing to more resilient and sustainable research infrastructures.

    In this interview, she talks about how diversity enriches science, about shifting directions in science, and why science is a marathon, not a sprint.

    What fascinates you about working in science?

    What fascinates me most about science is that knowledge does not exist in isolation. It becomes valuable when it can be shared, connected, discovered, and reused by others. This understanding is what led me from pharmaceutical sciences to open science, research information systems, and research infrastructures.

    Today, I am inspired not only by scientific discoveries themselves but also by the systems that make research visible and accessible. My work focuses on improving metadata and research infrastructures, helping scientific knowledge remain discoverable, reusable, and sustainable over time. I enjoy working at the intersection of different disciplines, where collaboration, technology, and science come together to create solutions that can benefit entire research communities.

    One of the most rewarding aspects of my work is collaborating with people from different disciplines, countries, and backgrounds. Every field brings its own perspective, and some of the best ideas emerge when diverse expertise comes together. Science constantly challenges me to learn, adapt, and see problems from new perspectives, and that is something I truly enjoy.

    As a woman in science, what would you have liked to have known earlier?

    I would have liked to know earlier that it is perfectly okay not to follow a straight career path. Early in my career, I often felt pressure to have everything planned in advance. Over time, I learned that some of the most valuable opportunities appear unexpectedly and that changing direction does not mean losing focus. Looking back, every step of my journey from pharmacy and medical research to open science and research infrastructures has contributed to who I am as a researcher today.

    I also wish I had understood sooner that success in science should not come at the expense of your well-being. Early-career researchers often feel that they must constantly work harder, publish more, and do more. Over time, I learned that science is a marathon, not a sprint. Taking care of yourself, maintaining balance, and allowing yourself time outside of work are not obstacles to success; they are essential for a sustainable career.

    Another lesson I learned is that you do not need to fit a particular stereotype to belong in science. Especially at the beginning of a career, it can sometimes feel difficult to make your voice heard. I wish I had trusted my own expertise and ideas more and understood earlier that being yourself is not a weakness but a strength.

    What advice would you give to girls and young women who are considering a career in science?

    Stay curious, trust yourself, and do not be afraid to take up space. Ask questions, share your ideas, and believe in your abilities, even when you feel uncertain. You do not need to know everything before you begin. Science is about learning, exploring, and continuously growing.

    Do not be afraid of failure. In science, not every experiment works, not every proposal is funded, and not every paper is accepted. These experiences are not signs that you are on the wrong path; they are part of the process. The goal is not to avoid failure but to learn from it and keep moving forward.

    I would also encourage young women to seek mentors and build connections with people who inspire them. Some of the most rewarding experiences in my career have come from collaborating with colleagues from different countries, disciplines, and backgrounds.

    At the same time, remember that your career is only one part of your life. Family, friends, health, and personal interests matter too. Protect your energy, make time for the things that are important to you, and do not feel guilty about setting boundaries.

    A wish for the future of women and girls in science …

    I hope that the future of women and girls in science can pursue careers in science without barriers, stereotypes, or having to constantly prove that they belong. I would like to see more women represented in leadership positions, decision-making bodies, and scientific communities across all disciplines.

    Most importantly, I hope future generations of women in science will feel free to be themselves and to build successful careers without sacrificing their individuality or personal lives. I would also like to see a scientific culture that values collaboration alongside achievement, quality alongside productivity.

    Diversity should not be seen as an exception but as a natural strength of science. The best solutions to global challenges emerge when people with different experiences, perspectives, and expertise work together.

    Women in science – a blog series

    The blog series “Women in Science” introduces women at TIB who provide insights into their scientific careers, role models and experiences from their everyday working lives. They all share their perspectives and wishes for the future of science and encourage other women to take their place with confidence.

    #WomenAtTIB #LizenzCCBY40INT #ResearchAndDevelopment #OpenScienceLab #WomenInScience
  17. Frauen in der Wissenschaft: Dr. Sabina Auhunas

    read this article in English

    Die Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ stellt Frauen aus der TIB vor, die Einblicke in ihre Wege und ihre persönlichen Erfahrungen in der Wissenschaft geben.

    Dr. Sabina Auhunas

    Dr. Sabina Auhunas studierte Pharmazie an der Bogomolets National Medical University und promovierte in Pharmazeutischen Wissenschaften an der Shupyk National Healthcare University of Ukraine in Kiew (Ukraine). Heute arbeitet sie im Rahmen der Philipp Schwartz-Initiative als Stipendiatin im Open Science Lab der TIB.

    Ihre Forschung bezieht sich auf Metadatenmodelle für wissenschaftliche Instrumente und deren Integration in Forschungsinformationssysteme. Arbeitsschwerpunkte sind dabei die Verbesserung der Qualität von Metadaten, die Interoperabilität und die Sichtbarkeit von Daten zur wissenschaftlichen Infrastruktur, um zu belastbareren und nachhaltigeren Forschungsinfrastrukturen beizutragen.

    In diesem Interview spricht sie darüber, wie Diversität die Wissenschaft bereichert, über Richtungswechsel in der Wissenschaft und warum Wissenschaft ein Marathon und kein Sprint ist.

    Was fasziniert dich an der Arbeit in der Wissenschaft?

    In der Wissenschaft fasziniert mich vor allem die Tatsache, dass Wissen nicht isoliert existiert, sondern an Wert gewinnt, wenn es geteilt, miteinander verbunden, neu entdeckt und von anderen wiederverwendet wird. Dieses Verständnis führte mich von den pharmazeutischen Wissenschaften zur Open Science, zu Forschungsinformationssystemen und Forschungsinfrastrukturen.

    Heute inspirieren mich nicht nur die wissenschaftlichen Entdeckungen selbst, sondern auch die Systeme, die Forschung sichtbar und zugänglich machen. Meine Arbeitsschwerpunkte liegen auf der Verbesserung von Metadaten und Forschungsinfrastrukturen, was dazu beiträgt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse über einen längeren Zeitraum auffindbar, wieder nutzbar und nachhaltig bleiben.

    Ich arbeite sehr gerne am Schnittpunkt verschiedener Disziplinen, an dem Zusammenarbeit, Technologie und Wissenschaft aufeinandertreffen, um Lösungen zu schaffen, von der ganze Forschungsgemeinschaften profitieren können.

    Ein sehr bereichernder Aspekt meiner Arbeit ist die Zusammenarbeit mit Menschen aus verschiedenen Disziplinen, Ländern und mit unterschiedlichen Vorgeschichten.

    Jeder Bereich bietet seine eigene Perspektive und einige der besten Ideen entstehen, wenn unterschiedliche Kompetenzen zusammenkommen. Die Wissenschaft fordert mich ständig heraus, zu lernen, mich weiterzuentwickeln und Probleme aus neuen Perspektiven zu betrachten, und das ist etwas, was mir sehr gut gefällt.

    Was hättest du als Frau in der Wissenschaft gerne früher gewusst?

    Ich hätte gerne früher gewusst, dass es absolut in Ordnung ist, wenn man keinem strikten Berufsweg folgt. Zu Beginn meiner Karriere habe ich mich häufig unter Druck gesetzt gefühlt, alles im Voraus zu planen. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass sich einige der besten Gelegenheiten ganz unerwartet ergeben und dass ein Richtungswechsel nicht gleich bedeutet, dass man sein Ziel aus den Augen verliert. Wenn ich zurückblicke, so hat jeder Schritt meiner Reise – von der Pharmazie und der medizinischen Forschung bis hin zur Open Science und zu den Forschungsinfrastrukturen – dazu beigetragen, was mich heute als Forscherin ausmacht.

    Auch hätte ich gerne früher gewusst, dass Erfolg in der Wissenschaft nicht auf Kosten des eigenen Wohlergehens erstrebt werden sollte. Nachwuchswissenschaftlerinnen denken häufig, sie müssten immer härter arbeiten, mehr veröffentlichen, mehr machen. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass Wissenschaft ein Marathon ist und kein Sprint. Gut auf sich zu achten, die Balance zu halten und sich Zeit außerhalb der Arbeit einzuräumen, sind keine Hindernisse für den Erfolg; sie sind entscheidend für eine nachhaltige Karriere.

    Eine weitere Lektion, die ich gelernt habe, ist die, dass man keinem bestimmten Klischee entsprechen muss, um zur Wissenschaft zu gehören. Vor allem zu Beginn einer Karriere kann es einem manchmal schwierig erscheinen, Gehör zu finden. Ich wünschte, ich hätte meinen eigenen Fähigkeiten und Ideen mehr vertraut und eher verstanden, dass einfach man selbst zu sein keine Schwäche, sondern eine Stärke ist.

    Welchen Rat würdest du Mädchen und jungen Frauen geben, die eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben?

    Bleibt neugierig, vertraut euch selbst und habt keine Angst, selbstbewusst aufzutreten. Stellt Fragen, teilt eure Ideen und glaubt an eure Fähigkeiten, auch wenn ihr euch unsicher fühlt. Ihr braucht nicht alles zu wissen, bevor ihr anfangt. In der Wissenschaft geht es darum, zu lernen, zu erforschen und stetig zu wachsen.

    Habt keine Angst, zu scheitern. In der Wissenschaft gelingt nicht jedes Experiment, nicht jeder Antrag wird gefördert und nicht jedes Paper wird veröffentlicht. Solche Erfahrungen sind keine Zeichen dafür, dass du auf dem falschen Weg bist; sie sind Teil des Prozesses. Es ist nicht das Ziel, Fehler zu vermeiden, sondern aus ihnen zu lernen und weiterzumachen.

    Ich möchte junge Frauen auch dazu ermutigen, sich Mentor:innen zu suchen und Kontakte mit Menschen zu knüpfen, die sie inspirieren. Einige der bereicherndsten Erfahrungen in meiner Karriere sind durch die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern, Disziplinen und mit unterschiedlichen Vorgeschichten entstanden.

    Denkt gleichzeitig auch daran, dass eure Karriere nur ein Teil eures Lebens ist. Familie, Freunde, Gesundheit und persönliche Interessen sind auch wichtig. Schützt eure Energie, lasst euch Zeit für die Dinge, die euch wichtig sind, und habt kein schlechtes Gewissen, wenn ihr Grenzen setzt.

    Ein Wunsch für die Zukunft von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft …

    Ich hoffe, dass Frauen und Mädchen in der Wissenschaft in Zukunft ihre Karriere ohne Hindernisse oder Klischees verfolgen können – und auch ohne ständig beweisen zu müssen, dass sie dorthin gehören. Ich wünsche mir, dass mehr Frauen in Führungspositionen, in Entscheidungsgremien und in wissenschaftlichen Gemeinschaften vertreten sind – und das in allen Fächern.

    Am meisten hoffe ich jedoch, dass zukünftige Generationen von Frauen in der Wissenschaft sie selbst sein können und erfolgreiche Karrieren aufbauen können, ohne ihre Individualität oder ihr Privatleben zu opfern. Ich wünsche mir auch eine wissenschaftliche Kultur, die neben der Leistung die Zusammenarbeit und neben der Produktivität die Qualität schätzt.

    Diversität sollte nicht als Ausnahme gesehen werden, sondern als eine natürliche Stärke der Wissenschaft. Die besten Lösungen für globale Herausforderungen entstehen, wenn Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und Kompetenzen zusammenarbeiten.

    Frauen in der Wissenschaft – eine Blogreihe

    In der Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ werden Frauen an der TIB vorgestellt, die Einblicke in ihre wissenschaftlichen Wege, Rollenbilder und ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag geben. Sie alle teilen ihre Perspektive und ihre Wünsche für die Zukunft der Wissenschaft und ermutigen andere Frauen, ihren Platz selbstbewusst einzunehmen.

    #FrauenInDerWissenschaft #OpenSciene #LizenzCCBY40INT #ForschungUndEntwicklung #OpenScienceLab #FrauenAnDerTIB
  18. Muster-Zeitung: die erste digitalisierte Zeitschrift der Retrodigitalisierung der TIB

    Die Retrodigitalisierung der TIB startete im Jahr 2015 mit Monographien, also mit in sich geschlossenen Einzelwerken, die als Einzelbände oder als mehrbändige Werke veröffentlicht werden. Zeitschriften wiederum erscheinen fortlaufend in regelmäßigen Abständen, weswegen sich die Bearbeitung und die Darstellungsweise bei der Digitalisierung von denen für Monographien unterscheidet.

    Als erste Zeitschrift wurde die „Muster-Zeitschrift“ ausgewählt, die über unseren Digitalisierungsservice vorgeschlagen wurde. Das Besondere an dieser Zeitschrift sind die Stoffmuster, die in fast jedem Zeitschriftenheft enthalten sind. Sie sind gut erhalten geblieben, mussten jedoch zum Teil wieder neu angeklebt werden, da sie sich im Laufe der Jahrzehnte gelöst hatten.

    Im Bestand der TIB befinden sich von der „Muster-Zeitung“ die Jahrgänge 1847–1913. Zu finden ist die Zeitschrift unter der Signatur ZS 1865. Im Laufe der Zeit hat sich die Zeitschrift mehrfach umbenannt, weshalb die Zeitschrift in mehrere Titel unterteilt ist:

    Muster-Zeitung für den Färberstand (1847–1848)

    Der erste Jahrgang 1847 begann erst im Juli und erschien dann fortlaufend einmal im Monat.

    Jahrgang 1847, Heft Juli

    Färber-Zeitung mit Mustern (1849)

    Wenn sich der Titel bei einer Zeitschrift stark verändert, werden die entsprechenden Bände unter dem neuen Titel aufgeführt. In diesem Fall ist nur der Jahrgang von 1849 unter dem neuen Titel „Färber-Zeitung mit Mustern“ erschienen. Der nächste Band wurde bereits unter dem neuen Titel „Deutsche Muster-Zeitung“ veröffentlicht.

    Jahrgang 1849, 4. Heft

    Deutsche Muster-Zeitung: für Färberei, Druckerei, Bleicherei, Darstellung verwandter, technischer und chemischer Erzeugnisse (1850–1864)

    Bei der Deutschen Muster-Zeitung folgt nach jedem Heft eine Beilage mit den Stoffmustern. In den Jahren 1855 und 1856 musste das Erscheinen der Zeitschrift aus verschiedenen Gründen erstmal eingestellt werden und erst 1857 konnten die Hefte wieder gedruckt werden. Die Zeitschrift erschien nun als „Neue Folge“ und mit zusätzlicher neuer Jahrgangszählung, zum Beispiel 1857: Sechster Jahrgang. Neue Folge, I. Jahrgang.

    Jahrgang 1857, Beilage zu Heft 1

    Muster-Zeitung: Zeitschrift für Färberei, Bleicherei, Druckerei, Appretur und Farbenfabrikation (1865–1876)

    Die Artikel in den Heften sind sehr informativ und interessant zu lesen. Es lohnt sich den Inhalt der Hefte genauer anzuschauen und gleichzeitig auch mehr über die Geschichte der Färberei, Druckerei usw. zu lernen.

    17. Jahrgang 1868, 1. Heft

    Muster-Zeitung für Färberei, Bleicherei, Druckerei, Appretur und Farbenfabrikation (1877–1880)

    Die Erscheinungsweise der Hefte kann sich im Laufe der Zeit ändern. Bei der Muster-Zeitung erschienen die Hefte zunächst einmal im Monat, anschließend hat sich die Erscheinungsfrequenz vom 14.-18. Jahrgang auf halbmonatlich erhöht. Ab dem 19. Jahrgang erschien die Zeitschrift 48-mal in Jahr, also nicht ganz wöchentlich.

    29. Jahrgang 1880, 1. Heft

    Färberei-Muster Zeitung: Wochenschrift für Färberei, Bleicherei, Druckerei, Appretur, Farben- und Chemikalien-Fabrikation und Handel (1881–1891)

    Auch schon vor über 100 Jahren war Werbung häufig in den Zeitschriftenheften zu sehen und das hat sich bis heute nicht geändert.

    35. Jahrgang 1886, 1. Heft

    Leipziger Färberzeitung: (Färberei-Muster-Zeitung) (1892–1913)

    Die Jahrgänge 1892 bis 1911 sind bereits online,  die Jahrgänge 1912 und 1913 sind dagegen aus urheberrechtlichen Gründen noch nicht online, folgen jedoch in den nächsten Jahren.

    60. Jahrgang 1911, 37. Heft

    Der digitalisierte Zeitschriftenbestand wird nach und nach erweitert und im Viewer im Lesesaal Zeitschriften angezeigt.

    Retrodigitalisierung – vom Papier zum Pixel

    Viele wissenschaftliche Schätze schlummern in den analogen Beständen der TIB – meist schwer zugänglich und oft nur vor Ort nutzbar. Dank Retrodigitalisierung ändert sich das: Durch die Digitalisierung werden gedruckte Bücher, Karten und weitere analoge Materialien gesichert und historisches Wissen sichtbar, durchsuchbar und nachhaltig verfügbar gemacht.

    In der Blogreihe „Retrodigitalisierung – vom Papier zum Pixel“ zeigt die TIB Schätze, die nun nicht mehr nur in den Regalen der Bibliothek stehen, sondern online von überall auf der Welt angesehen werden können. Auch einen Blick hinter die Kulissen der Retrodigitalisierung wird es geben: Wie werden aus analogen Beständen digitale Ressourcen? Welche technischen und rechtlichen Herausforderungen gibt es dabei? Von der Auswahl der Materialien über Scanprozesse bis zur Langzeitarchivierung – die Reihe beleuchtet Retrodigitalisierung als eine wichtige Aufgabe moderner Bibliotheken.

    #Färberei #Stoffmuster #LizenzCCBY40INT #Zeitschriften #Retrodigitalisierung
  19. Zwischen final.xlsx und Forschungsdatenmanagement: Ein Projekt aus Studierendenperspektive

    Wer schon einmal auf eine Datei mit dem Namen final_neu_wirklichfinal.xlsx gestoßen ist, kennt das Problem: Daten können schnell unübersichtlich werden. In der Forschung ist das nicht nur lästig, sondern kann darüber entscheiden, ob Ergebnisse nachvollziehbar, nachnutzbar und langfristig auffindbar bleiben. Genau hier setzt Forschungsdatenmanagement (FDM) an. Aber wie erklärt man FDM so, dass es für Studierende greifbar wird?

    Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Gruppe mit acht Studierenden des Bachelorstudiengangs Informationsmanagement an der Hochschule Hannover (HsH) im Sommersemester 2026. Im Rahmen eines Projekts im 6. Semester, betreut durch das Joint Lab Future Libraries & Research Data von HsH und TIB, entwickelten sie Materialien, die FDM aus studentischer Perspektive zugänglich machen: einen Selbstlernkurs und modulare Seminareinheiten – konzipiert von Studierenden für Studierende.

    Warum dieses Projekt?

    Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass FDM im bisherigen Studienverlauf explizit kaum vorkam. Daher verfolgte das Projekt das Ziel, Materialien zu entwickeln, die niedrigschwellig erklären, worum es bei FDM geht und warum es schon im Studium nützlich ist. Das Projekt war bewusst offen angelegt. Neben der fachlichen Auseinandersetzung mit FDM gehörten auch eigenständige Organisation und Projektmanagement dazu.

    Dabei sollten vorhandene Open Educational Resources (OER) weitergedacht und an eine studentische Zielgruppe angepasst werden. Konkret knüpfte die Gruppe dabei an den Kurs „Nachhaltige Wissenschaft mit Forschungsdatenmanagement – Eine Einführung für Betreuende von Qualifizierungsarbeiten“ an, der bereits im TIB-Blog vorgestellt wurde.

    FDM nicht nur erklären, sondern ausprobieren

    Besonders interessant war der Perspektivwechsel: Die Studierenden entwickelten Materialien für andere Studierende und prüften dabei immer wieder, was wirklich verständlich, brauchbar und motivierend ist. Was braucht man als Einstieg? Welche Begriffe müssen erklärt werden? Wo helfen Beispiele mehr als Definitionen? Gleichzeitig wurde FDM Teil des Projektalltags. Einheitliche Dateibenennungen, Dokumentation, Versionierung, regelmäßige Backups und README-Dateien waren nicht nur Kursthemen, sondern praktische Werkzeuge in der Zusammenarbeit. So wurde aus einem abstrakten Thema schnell eine konkrete Projekterfahrung.

    Für die Erarbeitung der OER teilte sich die Gruppe in zwei Teams auf, die an den unterschiedlichen Formaten arbeiteten und ihre Materialien jeweils iterativ auf Basis von Feedback aus Lehre und Praxis weiterentwickelten.

    Der Selbstlernkurs „FDM in 120 Minuten“

    Ein Teilteam entwickelte einen Onlinekurs auf Basis von LiaScript. Ziel war ein kompakter Selbstlernkurs, der FDM-Grundlagen in rund 120 Minuten im Selbststudium vermittelt und Studierenden einen ersten, gut zugänglichen Überblick bietet. Dafür arbeitete sich die Gruppe in die Funktionsweise und den Syntax von LiaScript ein. Eine Herausforderung bestand darin, dass kollaboratives Arbeiten in diesem Format nur eingeschränkt möglich war und der Zugang über GitHub zusätzliche technische Hürden mit sich brachte.

    Inhaltlich ging es darum, bestehende OER mit einer „Studierendenbrille“ zu überarbeiten: Was ist für die Zielgruppe wirklich relevant? Welche Beispiele machen FDM greifbar? Und wie lässt sich ein Thema, das schnell trocken wirken kann, in ein übersichtliches Selbstlernformat bringen?

    Das Skript zum Selbstlernkurs ist auf GRO.data veröffentlicht: https://doi.org/10.25625/HLSNR1. Hier geht es direkt zum Selbstlernkurs.

    Modulare Seminareinheiten für die Hochschullehre

    Das zweite Teilteam entwickelte drei Seminareinheiten, die Lehrende flexibel in bestehende Veranstaltungen einbauen können. Ergänzt wurden die Folien durch Übungen, Arbeitsblätter und Rahmenhinweise. Der modulare Ansatz war dabei zentral: Die Materialien sollen nicht als starre Präsentation funktionieren, sondern als Bausteine, aus denen Lehrende je nach Veranstaltung, Zeitrahmen und Vorwissen der Studierenden auswählen können.

    Auch hier spielte Feedback eine große Rolle. Mehrere Versionen wurden überarbeitet, angepasst und geschärft. Eine besondere Herausforderung war die Frage, welches Vorwissen künftige Studierende tatsächlich mitbringen und wie viel Kontext die Materialien deshalb selbst liefern müssen.

    Die Seminarmaterialien sind ebenfalls auf GRO.data veröffentlicht: https://doi.org/10.25625/6105WI.

    Veröffentlichen als eigene FDM-Erfahrung

    Bei der Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse sammelte die Gruppe praktische Erfahrungen mit GRO.data, Zenodo und twillo. Das FDM wurde damit ganz konkret: Welche Metadaten werden benötigt? Welche Felder sind verständlich? Wo fehlen Hinweise? Und wie benutzerfreundlich sind Repositorien aus Sicht von Studierenden?

    Die Erfahrungen fielen unterschiedlich aus. Zenodo wurde als grundsätzlich einfach und verständlich wahrgenommen, auch wenn an einzelnen Stellen genauere Hilfetexte hilfreich gewesen wären. GRO.data wirkte insgesamt selbsterklärend, stellte die Gruppe aber bei einzelnen Funktionen und Bezeichnungen vor Fragen.

    Gerade diese Erfahrungen machten sichtbar, dass Forschungsdatenmanagement nicht nur aus Prinzipien und Empfehlungen besteht, sondern aus konkreten Entscheidungen, Werkzeugen und manchmal auch technischen Hürden.

    BiblioCon2026

    Das Projektteam präsentierte die Arbeitsergebnisse auf der BiblioCon 2026 in Berlin in Form eines Posters und einer Präsentation für das Freiraum-Format. Damit wurden die Projektergebnisse nicht nur im Studienkontext genutzt, sondern auch in eine größere Fachöffentlichkeit getragen.

    Session zum Semesterprojekt im Freiraum der BiblioCon

    Für die Studierenden bedeutete das, die eigene Projektarbeit noch einmal anders zu reflektieren: Was ist das Wesentliche? Welche Erfahrungen sind übertragbar? Und wie lässt sich ein studentisches Projekt so präsentieren, dass es auch für andere Einrichtungen und Studiengänge interessant wird? Über die Plattform der Tagung wurden die Beiträge anschließend ebenfalls publiziert (Freiraum-Folien: nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-205328, Poster: nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0290-opus4-205129).

    Bei der BiblioCon boten sich weiterhin interessante Anknüpfungspunkte zu ähnlichen Ansätzen in Hochschulen, wie etwa zum OER-Kurs „Data Skills“ der Uni Rostock, der Forschende und Studierende seit Ende 2025 mit einem modular aufgebauten Selbstlernangebot auf ILIAS durch den gesamten Forschungsdatenzyklus führt.

    Auch das Verbundprojekt „Einstein Your Data“ der Universitäten Vechta und Oldenburg, gefördert im Rahmen der Landesinitiative FDM Niedersachsen, verfolgt ein ähnliches Ziel: Es stärkt die Data Literacy von Studierenden durch forschendes Lernen, bei dem der gesamte Forschungsprozess von der Planung über die Datenerhebung bis zur Archivierung selbst durchlaufen wird. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf den Umgang mit sensiblen Daten. Solche Projekte zeigen: Der Bedarf an praxisnaher Vermittlung von Datenkompetenz ist an vielen Standorten präsent und der Austausch über Formate und Erfahrungen lohnt sich.

    Was bleibt?

    Rückblickend beschreibt die Projektgruppe das Semester als fachlich und organisatorisch lehrreich. Besonders prägend war die Erfahrung, dass FDM nicht erst bei großen Forschungsprojekten beginnt. Neben Herausforderungen, etwa im Umgang mit technischen Schwierigkeiten beim genutzten Cloud-Dienst, war vor allem die Projektarbeit selbst prägend: Wie im FDM selbst erwiesen sich auch im Projektteam eine sorgfältige Dokumentation und klare Kommunikation als zentrale Erfolgsfaktoren.

    Damit liefert das Projekt mehr als nur die Materialien für künftige Lehrveranstaltungen: Es zeigt, wie FDM-Kompetenzen im Studium praktisch erfahrbar werden können – nicht als zusätzliche Pflicht, sondern als Bestandteil guter wissenschaftlicher und kollaborativer Arbeit.

    Alle Materialien stehen offen lizenziert zur Nachnutzung bereit und laden dazu ein, Forschungsdatenmanagement früh im Studium aufzugreifen und an die eigene Lehre anzupassen.

    Kontakt

    Joint Lab Future Libraries & Research Data – [email protected]

    Franziska Altemeier, TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek: [email protected]

    Prof. Dr. Ina Blümel, TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek & Hochschule Hannover, [email protected] 

    Dr. Nina Düvel, TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek & Hochschule Hannover: [email protected]

    Joint Lab Future Libraries & Research Data

    #Hochschullehre #Informationsmanagement #JointLabFutureLibrariesAndResearchData #Studium #LizenzCCBY40INT #Forschungsdatenmanagement #BiblioCON #OER
  20. From the ARC-AGI-3 Challenge Towards Agentic AI for Science

    We at TIB introduce Tycho, an open-source agentic AI system developed for the ARC-AGI-3 challenge.

    Unlike traditional AI benchmarks, ARC-AGI-3 does not ask models to answer static questions. Instead, an AI agent enters an unfamiliar interactive environment without knowing the rules or objective. It must explore, learn from its actions, identify the goal and develop an efficient strategy.

    How Tycho learns: flexibility rather than rigid rules

    Tycho addresses this challenge by creating programmatic world models: executable representations of how an environment may work. The agent can test these models against previous observations, simulate possible actions and revise its assumptions when predictions fail.

    A central idea behind Tycho is active abstraction. The system does not automatically build a detailed model for every task. Instead, the main agent decides when modeling is useful, when a specialist component should be involved and when direct action is more effective.

    In experiments on the 25 public ARC-AGI-3 games, Tycho completed all 183 levels. The strongest configuration allowed the main agent to request help from a dedicated world-model builder when needed. This outperformed approaches in which modeling or model repair was triggered automatically.

    The results show that successful agentic systems need more than accurate models. They must also decide what information matters, when a model can be trusted and when a different approach is required.

    A basis for future TIB services

    These capabilities are highly relevant to future services at TIB. Agentic systems could support researchers by exploring scientific information, coordinating specialised tools, building structured representations of research questions and checking claims against publications, datasets and knowledge graphs.

    For example, future TIB services could help users identify missing evidence, compare competing hypotheses, detect inconsistencies in scholarly records and document how conclusions were reached. Human oversight and transparent verification would remain essential, especially for consequential actions.

    Tycho is an important step from AI systems that mainly generate answers towards systems that can explore, model, plan and act. The research provides a foundation for developing reliable agentic services for science and scholarly communication at TIB.

    Lehmann, J., Aioanei, A.C., & Vahdati, S. (2026). Tycho: Active Abstraction with Programmatic World Models for ARC-AGI-3 .

    The paper is available on arXiv, and the implementation has been released as open-source software.

    #Development #AgenticAI #LizenzCCBY40INT #Research
  21. Medizin, Milk Science und Hochschulschriften: Einblicke in die digitale Langzeitarchivierung bei LiLA.NDS

    ein Beitrag von Nils Dille (MHH), Silke Frank (TU Clausthal), Andrea Hofmann (Hochschule Hannover) und Jesko Rücknagel (TIB).

    Seit April ist die 2. Projektkohorte des LiLA-Projekts in die Umsetzung gestartet.

    Sowohl bereits digitale Bestände als auch solche, die erst noch digitalisiert werden müssen, werden strukturiert, qualitätsgesichert und perspektivisch für die digitale Langzeitarchivierung aufbereitet, damit die wissenschaftlichen Inhalte auch künftig zugreifbar und nachvollziehbar bleiben. Dabei unterstützt das LiLA-Projektteam der TIB.

    In den folgenden Kurzinterviews berichten Vertreter:innen der Medizinischen Hochschule Hannover, der Hochschule Hannover und der Technischen Universität Clausthal über ihre verantwortungsvolle Aufgabe, digitale Bestände langfristig zu sichern – von Dissertationen über Open-Access-Publikationen bis hin zu weiteren wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

    Medizinische Hochschule Hannover

    Diesen Beitrag eröffnet Nils Dille für die Medizinische Hochschule Hannover (MHH). Als Bibliothek des größten Landesbetriebs Niedersachsens unterstützt die MHH-Bibliothek Forschung und Lehre zum medizinischen Kernbestand.

    Das dreiköpfige LZA-Team der MHH besteht neben Nils Dille, der für das Forschungsdatenmanagement zuständig ist, aus Markus Schmiel, dem Bibliotheksleiter, und Susanne Rupprecht, einer Mitarbeiterin aus dem EDV-Team der Bibliothek. Gemeinsam verantworten sie die langfristige Sicherung von Dissertationen sowie die Anbindung des institutionellen Repositoriums an das LZA-System der TIB, wodurch die veröffentlichten wissenschaftlichen Inhalte dauerhaft archiviert werden.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Magazinschrank mit optischen Datenträgern. Foto: Nils Dille

    Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) wurde 1965 gegründet und ist somit eine vergleichsweise junge Hochschule. Mit über 11.000 Mitarbeitenden ist sie zudem der größte Landesbetrieb Niedersachsens. Wenn man an ein so großes Krankenhaus denkt, kommt einem nicht zuerst eine Bibliothek in den Sinn. Man denkt da eher an Krankenversorgung und vielleicht noch an die Lehre. Aber die Lehre würde natürlich ohne eine Bibliothek gar nicht funktionieren.

    Bei uns finden die Studierenden alle Lehrbücher, die sie für ihr Studium brauchen, und unsere Räumlichkeiten bieten dazu auch gleich die passende Umgebung zum Lernen. Auch dem wissenschaftlichen Personal bieten wir weitreichende Services an, von Publikationsberatung bis hin zu Literaturbeschaffung.

    Wir sind eine der wenigen Universitäten in Deutschland, die nur ein Fachgebiet anbieten: Medizin. Deshalb beschränkt sich unser Sammelgebiet auf medizinische Fachliteratur.

    Direkt neben uns befindet sich das Institut für Ethik, Geschichte und Philosophie der Medizin. Daher haben wir auch einen Bestand an Literatur zur Medizingeschichte. Was wir natürlich ebenfalls sammeln, sind die Dissertationen unserer Absolvent:innen.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Da wir eine vergleichsweise junge Institution sind, ist unser Altbestand überschaubar. Das sehen wir durchaus als Vorteil. Es ist immer einfacher, mit weniger Altlasten in die digitale Langzeitarchivierung zu gehen. Besonders am Herzen liegen uns dabei die Dissertationen, die wir seit der Jahrhundertwende auch digital sammeln. Sie werden oder wurden meist auf gebrannten CDs, DVDs oder 31/2-Zoll-Disketten abgegeben. Diese Bestände sind besonders empfindlich, da sie im Vergleich zu gepressten Datenträgern nicht lange halten. Hier eine adäquate Lösung zu finden, ist besonders wichtig.

    Zum anderen gab es bei uns auch schon Digitalisierungsprojekte. Ein Beispiel ist die Studierendenzeitschrift Curare vom AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) der MHH, die bis ins Jahr 1986 zurückreicht. Sie bietet spannende Einblicke in die Geschichte der MHH und das Studierendenleben. Dank OCR und Volltextsuche lassen sich Themen schnell finden.

    Datenträger aus dem Bestand der MHH. Foto: Nils Dille

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit der digitalen Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Zeit ist ja immer ein Problem. Im Arbeitsalltag hat man meist keine. Das gilt leider auch ganz besonders für digitale Objekte. Unsere elektronischen Dissertationen sind durch den Zerfall der Datenträger akut bedroht. Viele sind bereits 20 Jahre alt oder sogar noch älter. Hier herrscht also dringend Handlungsbedarf. Auch für unser Repositorium auf MyCoRe-Basis muss ein Backup-Plan erstellt werden. Wir stellen dort fleißig Dissertationen, Artikel, Forschungsdaten, Poster und vieles mehr ein. Auch die Curare ist hier zu finden. Doch bisher erfolgt dies alles ohne Langzeitarchivierung.

    Es kommt auch immer wieder vor, dass Wissenschaftler:innen auf uns zukommen, weil sie ein Repositorium mit Langzeitarchivierung für ihre Publikationen suchen. Teilweise sind das auch Vorschriften der Verlage, dass entsprechende Forschungsdaten zur Publikation in einem solchen System abgelegt werden müssen. Bisher mussten wir unsere Forschenden immer an andere Systeme verweisen.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Wir wissen die umfassende Unterstützung in diesem Projekt besonders zu schätzen. Die Archivierung nebenbei zu erledigen, ist in kleineren Häusern wie unserem nicht einfach. Die MHH hat zwar 11.000 Mitarbeitende, in der Bibliothek sind es aber nur knapp 20, sodass es an Personal, Zeit und Expertise fehlt. Wenn man durch den gesamten Prozess geführt wird, nimmt einem das enorm viel Arbeit ab. Die Arbeitspakete sind dadurch wesentlich besser umsetzbar, auch wenn man sie immer noch selbst durchführen muss. Zumal man auch weiß, dass man auf dem richtigen Weg ist.

    Hochschule Hannover

    Andrea Hofmann gibt uns als Bibliotheksleitung Einblicke in die Arbeit der Bibliothek der Hochschule Hannover, die neben klassischer Literaturbeschaffung auch eine eigene Publikationsinfrastruktur für Open-Access-Zeitschriften betreibt. Gemeinsam mit Nicolas Semrau, Bibliotheksmitarbeiter für Open Science, und Sebastian Lehmann, Mitarbeiter für das Forschungsdatenmanagement, arbeitet sie im Team daran, die Langzeitarchivierung von Veröffentlichungen voranzubringen.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als zentrale Informationsinfrastruktur der Hochschule Hannover versorgt die Bibliothek an vier Standorten Studierende, Lehrende und Forschende mit qualitätsgeprüften Informationen für Studium, Lehre und Transfer. Gleichzeitig bieten unsere Standorte mit über 300 Arbeitsplätzen als „Dritter Ort“ unverzichtbare soziale Lern- und Bildungsräume für konzentriertes und kollaboratives Arbeiten auf dem Campus. Über die Medienbereitstellung hinaus unterstützen wir die Hochschulangehörigen durch Schulungen und individuelle Beratung zu Themen rund um Recherche und Publikationen. Eine eigene Publikationsinfrastruktur lädt zum niedrigschwelligen Publizieren im Open Access ein.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Die Zeitschrift Milk Science International (das älteste milchwissenschaftliche Journal in Deutschland) erscheint seit 2015 als Open-Access-Journal auf unserem OJS (Open Journal Systems). Herausgegeben von der Abteilung Bioverfahrenstechnik hat dieses Journal seinen Ursprung auf dem kleinsten Campus der Hochschule Hannover, der in Hannover-Ahlem angesiedelt ist. Ich freue mich, dass ein internationales Journal zu diesem speziellen Fachgebiet so beständig neueste wissenschaftliche Erkenntnisse im Open Access zugänglich macht.

    Artikelansicht des Milk Science International Journals

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Als Hochschulbibliothek, die bereits seit 2008 ein institutionelles Repositorium betreibt, ist Langzeitarchivierung ein Thema, mit dem wir uns schon lange beschäftigen. Digitale Bestände nicht nur zu sichern, sondern auch langfristig zugänglich zu machen, ist unser erklärtes Ziel. Als Bibliothek tragen wir im Bereich der Publikationen dazu bei, die in der Hochschule entstandenen Forschungsergebnisse zu bewahren und nachvollziehbar zu machen.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Das Projekt LiLA.NDS bietet uns die Möglichkeit, bei hochschuleigenen Publikationen Lücken in der Langzeitarchivierung zu schließen. Mittelfristig können zusätzlich noch nicht besonders ausgeprägte Sammlungen, wie zum Beispiel Forschungsdaten berücksichtigt werden. Als kleinere Einrichtung profitieren wir von der weitreichenden Expertise der Projektmitarbeitenden und nehmen diese sowie die freundliche Zusammenarbeit als Bereicherung wahr.

    Universitätsbibliothek der TU Clausthal

    Auch für die dritte Einrichtung sind wissenschaftliche Veröffentlichungen auf dem institutionellen Repositorium ein zentraler Grund, die Langzeitarchivierung umzusetzen. Silke Frank, die Bibliotheksleiterin, spricht mit uns über die digitalen Bestände der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Clausthal (TUC). Um die wissenschaftlichen Inhalte der Universität langfristig sichtbar und zitierfähig zu halten, wird sie von ihrem Team unterstützt. Involviert sind dabei aus der Abteilung Forschungsunterstützung und digitale Dienste Nadine Kleinander, Ann-Kathrin Koch und der Abteilungsleiter Dr. Florian Strauß sowie Teresa Haars aus dem Universitätsarchiv.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Die Universitätsbibliothek der Technischen Universität Clausthal versorgt Studierende und Forschende mit der benötigten analogen und digitalen Literatur. Unser Sammelschwerpunkt orientiert sich klar an den Forschungsschwerpunkten der TUC, insbesondere ist das die Circular Economy in all ihren Facetten. Für unsere Studierenden bieten wir moderne und vielfältige Arbeitsplätze um möglichst vielen Lernszenarien gerecht zu werden. Unsere Forschenden unterstützen wir selbstverständlich nicht nur durch die Verfügbarkeit von Fachliteratur, sondern zum Beispiel in ihrer Publikationstätigkeit durch einen Publikationsfonds und unser Repositorium sowie mit Beratung und Tools zum Forschungsdatenmanagement.

    Mit unserem Repositorium bieten wir Angehörigen der TU Clausthal in erster Linie die Möglichkeit, ihre wissenschaftlichen Arbeiten erst- oder zweitzupublizieren. Die elektronische Veröffentlichung von Dissertationen und sonstigen Forschungsergebnissen aus der TUC mit einer Open-Access-Lizenz macht einen großen Anteil der Publikationen dort aus. Aber auch Institutszeitschriften und Konferenzbände publizieren unsere Institute gerne bei uns. Zusätzlich versuchen wir auch, digital verfügbare graue Literatur zu sammeln, wie zum Beispiel zahlreiche Schriften eines Altrektors zur Geschichte der TU Clausthal.

    Abb. Kupferstich Okertal: Aus: Müller, G., Türck, F., 2016. Entwicklung der Bergschule Clausthal zur wissenschaftlichen Hochschule im Zeitraum 1811 bis 1920: Lehrer und Bergschüler, Professoren und Studenten in Zeiten industrieller und sozialer Umbrüche. Universität Clausthal, Clausthal-Zellerfeld. https://doi.org/10.21268/20161202-134622. S. 38

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Fachlich liegen uns unsere Dissertationen natürlich sehr am Herzen. Wir waren damals eine der ersten Bibliotheken in Deutschland, die digitale Dissertationen von ihren Doktoranden gesammelt haben. Daher ist es für uns natürlich besonders wichtig, diesen Bestand sicher für die nächsten Generationen aufzubewahren.

    Generell können wir für die Universität häufig sicherstellen, dass publizierte Inhalte nicht verloren gehen. In den Jahren 2021 und 2022 erschien auf der Homepage des zur TUC gehörenden Center for Digital Technologies (DIGIT) die Podcastreihe „Can you DigIT?“. Leider wurde der Podcast in der Zwischenzeit eingestellt und die Links dazu von der Homepage entfernt. Damit ist unser Publikationsserver die einzige Quelle, um diese Veröffentlichung nachzuhören.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Kernaufgabe von Bibliotheken ist seit ihrer Entstehung die Bewahrung des Wissens für nachfolgende Generationen. Für gedruckte Materialien haben wir das mittlerweile recht gut im Griff und können Werke über Jahrhunderte weiterreichen. Bei digitalen Beständen steht dieser Beweis noch aus. Damit eine Aufbewahrung und Zugänglichkeit über einen möglichst langen Zeitraum gelingt, bedarf es spezieller Verfahren, die wir alleine als kleine Universitätsbibliothek nicht umsetzen können. Es war also weniger ein konkreter Fall der Auslöser, sondern mehr das generelle Selbstverständnis als Bibliothekar:innen, das uns dazu veranlasst hat. Wir sind daher sehr dankbar, dass uns dieses Projekt ermöglicht, unsere Aufgabe auch im Bereich der digitalen Bestände erfüllen zu können.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Das LiLA-Team rund um Jesko Rücknagel hat uns im ganzen Prozess eng begleitet und uns Schritt für Schritt durch die einzelnen Arbeitspakete geführt. Dabei haben sie uns immer gut beraten und uns auf Herausforderungen und Zweifelsfälle sowie zu beachtende Einzelfälle hingewiesen, die wir dann genauer betrachten konnten. Ohne ihre umfassende Expertise wäre es uns nicht möglich gewesen ein solches Projekt erfolgreich zu bearbeiten.

    Ausblick

    Die Umsetzung für die Einrichtungen der zweiten Projektkohorte schreitet voran. Die übrigen drei Einrichtungen der 2. Projektkohorte stellen sich und ihre ausgewählten Bestände im folgenden Beitrag vor.

    Blogreihe „LiLA.NDS“

    Im Rahmen einer begleitenden Blogreihe werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.

    #LandesinitiativeLangzeitarchivierungNiedersachsen #LiLANDS #LizenzCCBY40INT #DigitaleLangzeitarchivierung
  22. Vereinfachte Eingabe von komplexen Daten in Wikibase

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    Datenmodelle können komplex sein und viele Klassen sowie Properties (oder Eigenschaften) enthalten, die miteinander verbunden sind – da verliert man schnell den Überblick. Gerade wenn man länger keine Daten mehr in einem Daten-Management-System wie Wikibase angelegt hat, kann es leicht passieren, dass man erst wieder die Datenmodell-Dokumentation lesen muss, bevor man loslegen kann.

    Wikibase ist die freie Open-Source-Software, auf der Wikidata, die öffentliche Wissensdatenbank der Wikimedia-Bewegung, basiert. Wikibase ist ein bekanntes und weit verbreitetes Werkzeug in GLAM- und Forschungsdaten-Communities. Es ist beliebt wegen der Vielzahl an Funktionen, die es standardmäßig bietet, der großen Open-Source-Community, die Erweiterungen dafür entwickelt, und der Flexibilität, es an individuelle Datenanforderungen anzupassen. Diese Flexibilität kann jedoch auch zu Problemen bei der Benutzerfreundlichkeit führen.

    Denn wenn man eine neue Entität für eine bestimmte Klasse anlegen möchte, weiß man auf den standardmäßig eingerichteten Wikibase-Seiten nicht:

    • Welche Informationen, die für diese Art von Entität zu erwarten wären, fehlen?
    • Welche Eigenschaft sollte für die jeweilige Information verwendet werden (zum Beispiel „Land“ vs. „Herkunftsland“)?

    Genau für diesen Fall war es das Ziel, innerhalb einer Wikibase4Research-Instanz ein Formular für ein Datenmodell rund um Theaterproduktionen und Aufführungen zu entwickeln. Wikibase4Research ist ein individuell konfigurierbarer Docker-Container, der die Standard-Wikibase-Distribution erweitert. Er wurde vom Open Science Lab der TIB im Rahmen des NFDI4Culture-Konsortiums entwickelt und wird für Projekte wie die von der Universität Leipzig initiierte Performing Arts Database (PAD) genutzt.

    Bei der Recherche nach geeigneten Lösungen für den PAD-Anwendungsfall sind wir auf forage gestoßen. Das User Script fügt jedem Wikibase-Item einen neuen Reiter hinzu, über den sich ein Formular öffnet, das alle für das aktuelle Item relevanten Properties anzeigt. Die Dateneingabe wird dabei durch vereinfachte Eingabefelder erleichtert.

    Das Skript hat bei den ersten Tests sehr gut funktioniert, allerdings fehlten uns noch einige Features. Wir haben uns daher entschieden, das öffentliche Repository zu forken und eine Erweiterung zu schreiben. Das daraus entstandene Skript „forage extended“ ist weiterhin Open Source und im Gitlab von Wikibase4Research für alle verfügbar.

    Folgende Features wurden neu integriert:

    • Schema-basiertes Formularlayout:
      Eigenschaften werden über ein Konfigurationsobjekt nach Entitätstyp gruppiert und sortiert.
    • Neues Item anlegen für bestimmte Klasse:
      Beim Öffnen der „Formulare“ in Forage für ein leeres Element wird ein Bildschirm zur Klassenauswahl angezeigt; durch Anklicken einer Klasse werden die erforderlichen Eigenschaften automatisch gesetzt und das Formular neu geladen – dies kann im Konfigurationsobjekt festgelegt werden.
    • Unterstützung von Qualifikatoren:
      Konfigurierbare Qualifikator-Eingabefelder erscheinen direkt unter der übergeordneten Eigenschaft. (So kann beispielsweise ein Rollenname für die Eigenschaft Schauspieler:in direkt hinzugefügt werden.)
    • Validierung von Pflichtfeldern:
      Als Pflichtfelder markierte Felder werden mit einem roten Sternchen gekennzeichnet und in einem Warnbanner aufgelistet, bis ein Wert gespeichert wurde.

    Das daraus entstandene Skript vereinfacht die manuelle Erfassung neuer Entitäten erheblich: Man muss nicht mehr selbst nach den richtigen Eigenschaften suchen, sondern hat sie immer direkt vor Augen.

    Wir planen, „Forage Extended“ über einen Merge-Request an das Repository, in dem die Originalversion gehostet wird, wieder in das breitere Open-Source-Ökosystem einzubringen und damit anderen Mitgliedern der Wikibase-Community dabei zu helfen, ihre komplexen Daten einfacher einzugeben.

    #LizenzCCBY40INT #Wikibase #Wikibase4NFDI #Wikibase4Research #SemanticWikibase #extension #forage
  23. Mehr als Meshes: Unterstützung für Punktwolken und Gaussian Splatting

    Der Kompakkt Viewer ist Teil der Plattform Kompakkt, eine webbasierte Plattform zur Visualisierung und Exploration von 3D-Daten im Browser. Er kann aber auch als „StandaloneViewer“ verwendet werden, das entsprechende Github Repo ist hier zu finden. Der Viewer unterstützt verschiedene Formen digitaler 3D-Repräsentationen und wird kontinuierlich weiterentwickelt, um den Anforderungen der NFDI4Culture-Communities und weiterer Forschungsbereiche gerecht zu werden.

    Nicht alle 3D-Daten bestehen aus klassischen Meshes. Während viele 3D-Viewer ausschließlich polygonale Modelle darstellen können, unterstützt unser Viewer verschiedene Arten von 3D-Repräsentationen – darunter Meshes, Punktwolken und Gaussian Splatting.

    Meshes – der klassische Ansatz

    Meshes beschreiben ein 3D-Modell mithilfe von Vertices, Kanten und Polygonen, meist Dreiecken. Sie sind der Standard für viele Anwendungen in der Computergrafik und eignen sich besonders für klar definierte Oberflächen und interaktive Visualisierungen.

    Abbildung 1: Mesh eines 3D-Modells

    Punktwolken

    Punktwolken bestehen aus einer großen Anzahl einzelner Messpunkte im dreidimensionalen Raum. Sie entstehen häufig durch Laserscanning (LiDAR) oder Photogrammetrie und bilden reale Objekte oder Landschaften direkt aus Messdaten ab.

    Unser Viewer unterstützt Punktwolken unabhängig von der Rendering-Engine durch einen eigenen Importer. Dabei können unter anderem LAS-Dateien verarbeitet werden – ein weit verbreitetes Format für LiDAR-Daten. Darüber hinaus unterstützen wir das Cloud Optimized Point Cloud (COPC)-Format, das speziell für den effizienten Zugriff auf große Punktwolken entwickelt wurde.

    Abbildung 2: Punktwolken Objekt Prebberede Manor, Music hall (section). © Research Centre for Manors in the Baltic Sea Region, bereitgestellt über Semantic Kompakkt, CC BY-NC 4.0.

    Abbildung 3: Nahe Punktwolken Darstellung des Objekts Prebberede Manor, Music hall (section). © Research Centre for Manors in the Baltic Sea Region, bereitgestellt über Semantic Kompakkt, CC BY-NC 4.0.

    Gaussian Splatting

    Neben klassischen Punktwolken unterstützt unser Viewer auch Gaussian Splatting – eine moderne Technik zur Darstellung hochdetaillierter 3D-Szenen.

    Anstatt die Oberfläche eines Objekts aus Polygonen aufzubauen, wird die Szene durch Millionen kleiner dreidimensionaler Gauß-Verteilungen beschrieben. Anschaulich kann man sich diese als viele leicht abgeflachte, halbtransparente Farbflecken oder „zerdrückte Paintball-Kugeln“ vorstellen, die zusammen das vollständige Modell ergeben. Durch diese Darstellung lassen sich komplexe Szenen mit beeindruckender Detailtreue und realistischen Lichteffekten visualisieren.

    Die Darstellung von Gaussian Splatting erfolgt in unserem Viewer mithilfe der entsprechenden Unterstützung in Babylon.js.

    Abbildung 4: Gaussian-Splatting Objekt Reiterstandbild des Großen Kurfürsten am Schloss Charlottenburg. © Natalia Sucharek, bereitgestellt über Kompakkt, CC BY-NC 4.0.

    Abbildung 5: Nahe Gaussian-Splatting-Darstellung des Objekts Reiterstandbild des Großen Kurfürsten am Schloss Charlottenburg. © Natalia Sucharek, bereitgestellt über Kompakkt, CC BY-NC 4.0.

    Warum verschiedene Formate?

    Nicht jede Fragestellung lässt sich mit derselben Art von 3D-Daten beantworten. Während Meshes ideal für klassische 3D-Modelle sind, eignen sich Punktwolken besonders für präzise Messdaten und Gaussian Splatting für die realitätsnahe Darstellung komplexer Szenen.

    Mit der Unterstützung dieser unterschiedlichen Datenformate deckt unser Viewer ein breites Spektrum an Anwendungsfällen in den Digital Humanities ab. Die Erweiterung der Formatvielfalt wurde insbesondere mit Blick auf die Entwicklungen in den NFDI4Culture-Communities entwickelt, in denen Forschende mit sehr unterschiedlichen Arten von 3D-Daten arbeiten – von digitalisierten Kulturobjekten über Laserscandaten bis hin zu photogrammetrisch rekonstruierten Szenen.

    #3D #LizenzCCBY40INT #NFDI4Culture #Kompakkt
  24. Frauen in der Wissenschaft: Dr. Jennifer D’Souza

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    Die Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft” stellt Frauen aus der TIB vor, die Einblicke in ihre Wege und ihre persönlichen Erfahrungen in der Wissenschaft geben. Dr. Jennifer D’Souza studierte Natural Language Processing an der University of Texas in Dallas, USA, und arbeitet jetzt als KI/NLP Group Lead an der TIB.

    An der TIB führt sie die Forschungsgruppe „NLP for Scientific Information” im Rahmen des Open Research Knowledge Graph (ORKG) an, einer Plattform, die sich der besseren Strukturierung, Maschinenlesbarkeit und Zugänglichkeit wissenschaftlicher Kenntnisse widmet. Die Forschung der Gruppe untersucht, wie Sprachmodelle und andere KI-Technologien die Organisation wissenschaftlicher Kenntnisse unterstützen kann, und erforscht dabei auch die Bewertung und Grenzen generativer KI-Systeme.

    In diesem Interview verrät sie, was sie an einer Karriere in der Wissenschaft als besonders bereichernd erachtet, welche Erkenntnisse sie auf ihrem Weg gewonnen hat und was sie sich für die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen erhofft.

    Was fasziniert dich an der Arbeit in der Wissenschaft?

    Dazu fallen mir drei Dinge ein. Erstens bietet die Wissenschaft einen systematischen Ansatz, um Fragen zu untersuchen und die Welt um uns herum zu verstehen. Sie liefert klar definierte Methoden, um komplexe Probleme und die große Menge an Informationen, die ständig produziert wird, anzugehen. Dieser Aspekt ist eng mit meiner eigenen Arbeit verbunden, in der es um die Verarbeitung und Organisation wissenschaftlicher Kenntnisse geht.

    Dr. Jennifer DʻSouza // Foto: TIB/C. Bierwagen

    Zweitens arbeite ich sehr gerne mit gleichgesinnten Menschen zusammen, damit wir gemeinsam neue Systeme und Ideen entwickeln. Durch Teamwork und den Austausch von Perspektiven werden viele wissenschaftliche Fortschritte erzielt.

    Drittens schätze ich die Möglichkeit, wissenschaftliche Ideen an die nächste Generation zu vermitteln und zu kommunizieren. Sein Wissen weiterzugeben und anderen dabei zu helfen, ihr eigenes wissenschaftliches Denken zu entwickeln, ist ein besonders bereichernder Aspekt wissenschaftlicher Arbeit.

    Was hättest du als Frau in der Wissenschaft gerne früher gewusst?

    Die Bedeutung des Aufbaus eines Forschungsnetzwerks. Die Menschen messen dem Networking unterschiedliche Bedeutung bei, aber die interessantesten Projekte, an denen ich gearbeitet habe, entstanden durch Gespräche mit anderen – entweder bei Workshops, Konferenzen, Forschungsprojekten oder informellen Diskussionen.

    Im Laufe der Zeit habe ich immer mehr zu schätzen gelernt, wie wertvoll es ist, mit der breiten wissenschaftlichen Community ins Gespräch zu kommen, Menschen zu treffen, die an ähnlichen Problemen arbeiten, und Ideen auszutauschen. Schon die einfache Teilnahme an Workshops und Veranstaltungen zu Themen, die einen interessieren, kann unerwartete Möglichkeiten für Zusammenarbeit und Lernen eröffnen.

    Welchen Rat würdest du Mädchen und jungen Frauen geben, die eine wissenschaftliche Laufbahn anstreben?

    Frauen neigen häufig dazu, zu sehr an sich selbst zu zweifeln. Ich stimme vielen anderen zu, die die Bedeutung von Selbstvertrauen hervorgehoben haben. Frauen sollten ihren Fähigkeiten vertrauen und anerkennen, dass sie genauso in die Wissenschaft gehören wie jeder andere auch.

    Ich würde auch junge Frauen ermutigen, ihre Ideen offen zu teilen, sich an Diskussionen zu beteiligen, und nicht zu zögern, sich Gelegenheiten zu verschaffen, wenn es diese nicht schon gibt. Die Wissenschaft profitiert von verschiedensten Perspektiven und wir brauchen mehr Frauen, die sich in wichtigen wissenschaftlichen Diskussionen zu Wort melden.

    Ein Wunsch für die Zukunft von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft …

    Ich würde sehr gerne in eine Zukunft blicken, in der Frauen, die in die Wissenschaft gehen, sich nicht länger am falschen Ort fühlen. Vor allem hoffe ich, dass bereits in den Schulklassen Mädchen und Jungen in ingenieurwissenschaftlichen und technischen Disziplinen ausgeglichener vertreten sind. Ich denke, auch das gehört zum Thema dazu. Die Wissenschaft zeigt ihre ganze Stärke, wenn sie die Diversität der gesamten Gesellschaft widerspiegelt und wenn talentierte Menschen unterschiedlichster Herkunft sich aufgefordert fühlen, mitzumachen.

    Es freut mich außerordentlich, dass wir bereits in vielen Forschungsumgebungen Anzeichen dafür sehen können, darunter auch in der TIB, in der verschiedene Teams und Perspektiven immer mehr Teil der alltäglichen wissenschaftlichen Arbeit werden. Ich freue mich auf eine Zukunft, in der solch eine Diversität schlicht und einfach die Norm ist.

    Frauen in der Wissenschaft – eine Blogreihe

    In der Blogreihe „Frauen in der Wissenschaft“ werden Frauen an der TIB vorgestellt, die Einblicke in ihre wissenschaftlichen Wege, Rollenbilder und ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag geben. Sie alle teilen ihre Perspektive und ihre Wünsche für die Zukunft der Wissenschaft und ermutigen andere Frauen, ihren Platz selbstbewusst einzunehmen.

    #FrauenInDerWissenschaft #LizenzCCBY40INT #ORKG #Forschung #OpenResearchKnowledgeGraph #FrauenAnDerTIB
  25. Women in Science: Dr Jennifer D’Souza

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    The blog series “Women in Science” introduces women from TIB who share insights into their careers and personal experiences in science. Dr Jennifer D’Souza studied Natural Language Processing at the University of Texas at Dallas, USA, and is now an AI/NLP research group lead at TIB.

    At TIB, she leads the “NLP for Scientific Information” research group within the Open Research Knowledge Graph (ORKG), a platform dedicated to making scientific knowledge more structured, machine-actionable, and accessible. Her group’s research explores how language models and other AI techniques can support scientific knowledge organization, while also investigating the evaluation and limitations of generative AI systems.
    In this interview, she shares what she finds most rewarding about a career in science, the lessons she has learned along the way, and her hopes for the next generation of women scientists.

    What fascinates you about working in science?

    Three aspects come to mind. First, science provides a systematic way to study questions and understand the world around us. It offers well-defined methods for engaging with complex problems and the vast amount of information that is constantly being produced.

    Dr Jennifer D‘Souza // Photo: TIB/C. Bierwagen

    This is closely connected to my own work on processing and organizing scientific knowledge.

    Second, I enjoy collaborating with like-minded people to build new systems and ideas together. Many scientific advances emerge through teamwork and the exchange of perspectives.

    Third, I value the opportunity to teach and communicate scientific ideas to the next generation. Sharing knowledge and helping others develop their own scientific thinking is a particularly rewarding aspect of academic work.

    As a woman in science, what would you have liked to have known earlier?

    The importance of building a research network. While the value people place on networking varies, many of the most interesting projects I have worked on originated through conversations with others – whether at workshops, conferences, research projects, or informal discussions.

    Over time, I came to appreciate how valuable it is to engage with the broader scientific community, meet people working on related problems, and exchange ideas. Simply attending workshops and events in areas that interest you can open unexpected opportunities for collaboration and learning.

    What advice would you give to girls and young women who are considering a career in science?

    Women often tend to second-guess themselves more than they should. I agree with many others who have highlighted the importance of confidence. Women should trust in their abilities and recognize that they belong in science just as much as anyone else.

    I would also encourage young women to share their ideas openly, engage in discussions, and not hesitate to create opportunities for themselves when they do not already exist. Science benefits from diverse perspectives, and we need more women contributing their voices to important scientific conversations.

    A wish for the future of women and girls in science …

    I would love to see a future in which women entering science no longer feel like they are exceptions in the room. In particular, I hope to see much more balanced representation in engineering and technology-related disciplines, starting in our classrooms. At the same time, I do not see this as a separate issue. Science is strongest when it reflects the diversity of society as a whole and when talented people from different backgrounds feel welcome to contribute. One thing I particularly appreciate is that we are already beginning to see this in many research environments, including at TIB, where diverse teams and perspectives are increasingly part of everyday scientific work. I look forward to a future where such diversity is simply the norm.

    Women in science – a blog series

    The blog series “Women in Science” introduces women at TIB who provide insights into their scientific careers, role models and experiences from their everyday working lives. They all share their perspectives and wishes for the future of science and encourage other women to take their place with confidence.

    #ORKG #OpenResearchKnowledgeGraph #ArtificialIntelligence #WomenInScience #LizenzCCBY40INT #ResearchAndDevelopment #AI
  26. Wie misst man ein Genie? Alan Turing und der Einfluss seiner Ideen

    Ein bibliometrischer Blick auf das meistzitierte Werk der Informatik – zum 114. Geburtstag am 23. Juni

    Alan Turing starb 1954, weitgehend vergessen. Heute ist er überall. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Diese Frage hat nicht nur eine historische Antwort – sie hat eine messbare. Die Bibliometrie, die Wissenschaft der Messung wissenschaftlicher Publikationen und ihres Einflusses, macht sichtbar, wie Turings Ideen die Welt durchdrungen haben: zunächst langsam, dann unaufhaltsam. Am 23. Juni 2026 jährt sich Turings Geburtstag zum 114. Mal – ein Anlass, seinen Weg von der Vergessenheit zur Allgegenwart nachzuzeichnen.

    Wer war Alan Turing?

    Alan Mathison Turing wurde am 23. Juni 1912 in London geboren. Er war Mathematiker, Kryptoanalytiker und Philosoph der Maschine – und einer der unglücklichsten Genies des 20. Jahrhunderts. Im Zweiten Weltkrieg entschlüsselte er mit seinem Team in Bletchley Park die deutsche Enigma-Chiffriermaschine und verkürzte damit den Krieg nach Schätzungen um mehrere Jahre. Dafür erhielt er keinen öffentlichen Dank – die Arbeit blieb Jahrzehnte lang geheim.

    1952 wurde Turing wegen Homosexualität verfolgt, chemisch kastriert und seiner Sicherheitsfreigabe beraubt. Am 7. Juni 1954 starb er mit nur 41 Jahren. Die offizielle Version lautete Selbstmord durch Zyanidvergiftung – ob es einer war, ist bis heute nicht abschließend geklärt. 2013, fast 60 Jahre nach seinem Tod, begnadigte die britische Königin Elizabeth II. ihn posthum.

    Was blieb, waren seine Texte. Und die veränderten die Welt.

    Abbildung: Alan Turing, Plakat der Gesellschaft der Informatik: Pionier der Informatik und Kryptoanalytiker https://gi.de/persoenlichkeiten/alan-turing

    Bibliometrie: Einfluss wissenschaftlicher Ideen messen

    Bibliometrie fragt: Welche Ideen haben die Wissenschaft verändert – und wie lässt sich das messen? Turings Werk ist dafür ein ideales Anschauungsobjekt. Mehr zu bibliometrischen Methoden und ihrer Anwendung bei der Literaturrecherche erfahren Sie in unserem früheren Blogbeitrag zur Bibliometrie sowie direkt bei unserem Beratungsservice.

    Turings Schlüsselwerke – bibliometrisch betrachtet

    1. Computing Machinery and Intelligence (1950) – mehrfache Zitationswellen

    Turing, A. M. (1950): Computing Machinery and Intelligence. In: Mind, Vol. LIX, No. 236, S. 433–460.  DOI: 10.1093/mind/LIX.236.433 | Internet Archive (frei) | PDF (McGill)

    Mit der schlichten Frage „Can machines think?“ eröffnete Turing 1950 eine der folgenreichsten wissenschaftlichen Debatten des 20. Jahrhunderts. Das Papier führte den Turing-Test ein und legte den Grundstein der KI-Forschung. Bibliometrisch bemerkenswert: Es erlebt bis heute Zitationswellen – mit jedem neuen Durchbruch in der KI steigen die Zitationen erneut an. (s. Abb. 1 und 2 unten). Laut Google Scholar verzeichnet Turing als Autor über 83.000 Zitationen.

    Abbildung 1: Zitationsentwicklung von „Computing Machinery and Intelligence“ in Datenbank Dimesions. Das Paper erlebt mehrere Zitationswellen. Ein erster Anstieg in den 1980ern, als KI zur Wissenschaftsdisziplin reifte. Ein zweiter Sprung nach 2010, mit dem Durchbruch des maschinellen Lernens. Heute, im Zeitalter großer Sprachmodelle und generativer KI, erlebt das Papier seine dritte Welle – jede neue KI-Debatte kommt an Turing nicht vorbei.  https://badge.dimensions.ai/details/id/pub.1027055246/citations

    Abbildung 2: Publications Metrics in Datenbank Dimension mit Zitationsanzahl, und Altmetric https://app.dimensions.ai/details/publication/pub.1027055246  

    2. The Chemical Basis of Morphogenesis (1952) – Cross-Domain impact

    Turing, A. M. (1952): The Chemical Basis of Morphogenesis. In: Philosophical Transactions of the Royal Society B, Vol. 237, No. 641, S. 37–72. DOI: 10.1098/rstb.1952.0012 | PDF (Caltech) | Semantic Scholar (12.000+ Zitationen)

    Turings letztes großes Werk ist das vielleicht unerwartetste: ein mathematisches Modell für biologische Musterbildung – Streifen auf Zebras, Flecken auf Leoparden, Spiralen in Schneckenhäusern. Verfasst von einem Mathematiker, wird es heute in Biologie, Chemie und Physik zitiert. Mit über 12.000 Zitationen auf Semantic Scholar ist es ein Paradebeispiel für fachübergreifenden wissenschaftlichen Einfluss (Cross-Domain Impact).

    Werke von und über Alan Turing

    Werke von Turing online frei zugänglich

    Bücher über Turing in unserer Bibliothek

    • Hodges, Andrew: Alan Turing: Enigma (1994) – die maßgebliche Biografie, Grundlage des Films The Imitation Game. ISBN 3211826270
    • Hochbuth, Rolf: Alan Turing: Erzählung (2018) – 2. Auflage, erweiterte Neuausgabe (Deutsch). ISBN 9783499269974 Abbildung: Cover des Buches von Hochbuth „ Alan Turing: Erzählung
    • Cooper, Stuart B. (Hg.): Alan Turing: his work and impact (2013) – Published in celebration of the centenary of Alan Turing’s birth in London. Includes a large number of the most significant contributions from the 4-volume set of the Collected Works of A.M. Turing, together with a wide spectrum of accompanying commentaries. ISBN 9780123869807
    • Turing, Sara: Alan M. Turing (2012) ISBN 9781107020580
    • Ottaviani, Jim: The imitation game: Alan Turing decoded (2016). ISBN 9781419718939
    • Andrew W. Appel (Hg.): Alan Turing’s Systems of Logic (2012) – Dieses Buch schildet Turings Arbeit an der Princeton University und enthält ein Faksimile seiner 1936 fertiggestellten Doktorarbeit mit dem Titel „Systems of Logic Based on Orindals“. ISBN 9780691155746
    • Petzold, Charles: The Annotated Turing (2008) – das 1936er Papier Satz für Satz erklärt. ISBN 9780470229057
    • Herken, Rolf (Hg.): The Universal Turing Machine – A Half-Century Survey (1988) – wissenschaftliche Wirkungsgeschichte. ISBN 3980105075

    Bibliometrie als Werkzeug für Ihre eigene Recherche

    Was Turings Werk zeigt, lässt sich auf jedes Fachgebiet übertragen: Zitationsanalysen helfen, Schlüsselwerke schnell zu identifizieren und unerwartete Querverbindungen zu entdecken. Kostenlose Einstiegspunkte sind Open Alex, Google Scholar und Semantic Scholar. Zitationsdatenbanken wie Web of Science oder Scopus stehen Ihnen über unseren Bibliothekszugang zur Verfügung. Bei Fragen berät Sie unser Beratungsservice gerne persönlich.

    Turing wurde zu Lebzeiten verkannt – von der Wissenschaft, von der Gesellschaft, von seinem Land. Die Bibliometrie zeigt uns heute in Zahlen, was längst klar ist: Seine Ideen haben die Welt verändert. Entdecken Sie sein Werk – in unserer Bibliothek und kostenlos online.

    Quellen & Nachweise

    QuelleInhaltLinkWikipedia DE – Alan TuringBiografie, Werk, Rezeptionhttps://de.wikipedia.org/wiki/Alan_TuringGoogle Scholar – Turing-Profil83.000+ Zitationenhttps://scholar.google.com/citations?user=VWCHlwkAAAAJSemantic Scholar – Morphogenesis12.000+ Zitationenhttps://www.semanticscholar.org/paper/The-chemical-basis-of-morphogenesis-Turing/53b85e4066944b1753aae8e3418028a67d9372e1Turing Digital ArchiveOriginalmanuskriptehttps://turingarchive.kings.cam.ac.ukHistory of InformationOn Computable Numbers 1936https://www.historyofinformation.com/detail.php?id=619Internet ArchiveComputing Mach. & Intelligencehttps://archive.org/details/MIND–COMPUTING-MACHINERY-AND-INTELLIGENCERoyal Society PublishingMorphogenesis Originalhttps://doi.org/10.1098/rstb.1952.0012 #LizenzCCBY40INT #Bibliometrie #Zitationsdaten #Informatiker #TuringTest #AlanTuring
  27. No #EngineeringIntelligence without us!

    Women have always played a part in engineering and designing intelligent systems. Starting with early pioneers like Ada Lovelace, the mother of programming languages, over NASA’s Fortran expert Dorothy Vaughan, whose code sent people into space, to the many women working on computer science and AI today, women’s contributions continue to shape the world of interconnected knowledge. However, often these contributions go unnoticed or are attributed to men instead. Time to change that! As we celebrate this year’s International Women in Engineering Day under the theme of #EngineeringIntelligence, let’s take a look at what our female researchers and software developers have accomplished to make the Open Research Knowledge Graph an intelligent system.

    Who we are and what we do

    The Open Research Knowledge Graph, our lighthouse in the publication flood, is a non-profit platform for machine-actionable scholarly knowledge, combining semantic technologies, AI and human expertise to provide researchers with structured scientific knowledge from publications. Our system helps to find answers to research questions, compare publications, reproduce scientific findings and make research information findable, accessible, interoperable and reusable.

    ORKG’s success paved the way for many satellite systems, most notably the TIB Knowledge Loom for truly reproducible and reusable scientific knowledge and the TIB AIssisant, an AI agent supporting scientists throughout the whole research lifecycle.

    Many components interconnect to make an ecosystem like this possible, from data ingestion over quality control to displaying results. A team of more than 30 researchers, software developers and curation specialists work together to bring in diverse expertise and realize these components. With roughly one third of our team members, the ORKG team has a relatively high share in female researchers compared to the national average in Germany. In this article, we take a look at the contributions of eight women specifically from our team and their perspectives on the ORKG.

    Getting Data In

    The knowledge in the ORKG ecosystem has to come from somewhere and while AI extractions can be a good starting point, they do not replace human expertise. Crowd-sourced curation done by domain experts plays a huge role. The challenge is to structure this often unorganized knowledge, especially since domain experts are often not data curation experts. Human-machine collaboration is required. A large part of our PhD student Lena John’s research focuses on Human-In-The-Loop workflows to data curation. With ExtracTable, she developed a tool that creates a scientific corpus of literature, extracts knowledge and compiles it into structured comparisons, while providing user-friendly tabular interfaces for human validation and correction.

    Another of her tools, SciMantify turns already existing CSV files into structured knowledge with a guided semantification workflow.

    Learning Structure

    Dr. Jennifer D’Souza leads an NLP research group at TIB focused on scientific knowledge organization. Together with her team, she develops AI-supported tools and workflows for structuring, aligning, and publishing scientific knowledge. Among these tools are schema-miner, a tool for mining templates from large collections of research papers, making it easier to describe them in a structured, consistent format in the ORKG, as well as OntoAligner and OntoLearner, two libraries for AI-based workflows for ontology alignment across multiple scientific domains and ontology engineering. Together, these tools help make scientific knowledge more aligned and interconnected by using the same vocabulary and schema.

    Ensuring Quality

    “An application is only as good as the underlying data. As we move toward structured, human- and machine-readable knowledge, ensuring the quality of our knowledge graphs becomes increasingly important.“

    Lena John

    The SciKGDash Curation Dashboard provides a comprehensive overview of knowledge graph quality through interactive visualizations and supports curation workflows that help identify, track, and resolve quality issues. Its goal is to enable continuous improvement of the ORKG’s data quality and reliability.

    Getting Data Out

    As our PhD student Golsa Heidari states:

    “Good research has little impact if people cannot find it.”

    Her work focuses on making research more accessible through intelligent retrieval and knowledge organization. In one of her projects, she built a unit conversion system, allowing harmonization across different studies. By integrating third-party tools for systematic reviews, she makes ORKG even more useful. Additionally, she developed the basis for a dynamic multi-level faceted search for scientific knowledge.

    Mutahira Khalid, also a PhD student in the ORKG team, builds on this work with her smart filters, a context-aware filtering service that is proven to effectively reduce search noise.

    Making Science Reproducible

    “Scientific publishing should not be seen as the final product of research. Rather, it is the beginning of a new cycle where scientific findings contribute to solving complex environmental and social challenges.”

    Dr Lauren Snyder

    Science lives by exchange and collaboration. One researcher picks up another’s findings, continues their work, proves or disproves their theories, brings in their own perspective or uses old knowledge in a new context. For that, scientific statements need to be reusable, reproducible and open. The TIB Knowledge Loom, co-founded by Dr Lauren Snyder, tackles this challenge. With her background in ecology and biology, Lauren brings her experience with research workflows outside of computer science to enable a seamless integration.

    Venturing Into New Projects

    Our newest addition to our research projects is the TIB AIssistant, an AI tool that supports researchers throughout the whole scientific process. PhD student Farhana Keya focuses on the very first steps. Her work assists with idea generation, building an environment for researchers to brainstorm based on existing publications. To later on find more material, users can then use her federated research artifact search.

    Building A Frontend

    As a research web engineer, Qurat-ul Ain Aftab does more than just design a good-looking interface. She engineers the fronted data architectures that make Open Science accessible, bridging the gap between backend systems and seamless user experiences. The template graph view in ORKG is built on her work.

    Using The ORKG

    Dr Sanju Tiwari earned our curation grant several times by now and used it to prove that ORKG can advance her research on hallucination detection and mitigation in large language models. She already wrote several papers using the ORKG and got a lot of journal acceptances for them. Congratulations!

    Why This Matters

    Without the work of our many female researchers and developers, the ORKG would not be the system it is today. Just as a machine depends on every component working together, science and innovation thrive when we value and include the contributions of all researchers.

    Especially in the age of machine-learning and AI, it is necessary to include diverse perspectives to combat issues like the gender data gap and build systems for everyone.

    Only by recognizing and empowering intelligence in all people, we can truly start #EngineeringIntelligence.

    For further reading, we reccomend also our blog series Women in Science, featuring interviews with Lena John, Dr Lauren Snyder and many more women at TIB!

    #Forschung #FrauenAnDerTIB #WomenInScience #LizenzCCBY40INT #ResearchAndDevelopment #ORKG
  28. What do we mean when we talk about AI and open knowledge?

    Reflections on the future of sovereign, decentralised data management – Wikibase, Wikidata and beyond at the AI-Bridges Symposium

    The AI-Bridges Symposium (28–29 May 2026) [1], hosted at Senate House, University of London, brought together diverse stakeholders from policy makers to academics, open knowledge advocates and funders, to discuss how AI is affecting the landscape of open knowledge. The underlying framework of the event was the recognition of the need for collective action when engaging with AI-related issues – a shorthand for an entangled bundle of tools and services, actually. Over the course of the symposium, two main themes emerged: 1) The threat posed by commercial AI applications scraping the commons (open knowledge spaces) in an extractive manner; overloading the capacity of the socio-technical infrastructure without regard for the labour, codes of conduct and maintainer culture of commons communities, leaving behind frustration and distrust. 2) The flip side of this – the possibilities of using AI-supported workflows in actually lightening the load on maintainer communities; ensuring open knowledge continues to be shared freely and widely on the web through more accessible tooling for data integration, formatting and validation, with version controlled change histories.

    Both themes open much room for discussion and potentially different routes for action. Mapping the landscape of relevant activities already happening in the common spaces was also part of the agenda. The various Wikimedia communities, both formal Foundation staff and affiliates as well as volunteers, are actively putting mechanisms in place to address threats and potential negative impacts (rate limits, targeted blocking, bans on AI-generated contributions, and more) and debating with mixed feelings the ifs and hows of AI-supported workflows [2]. At the same time there are also efforts across the research and public funding sector to deal with similar issues. Why not bring these efforts together?

    This was one of the core propositions of the symposium: Why not consider how shared cultural heritage initiatives, such as Europeana or the European Culture Heritage Cloud among others, might help address the challenges also faced by the communities behind projects like Wikipedia, Wikidata, and Wiki Commons, and vice versa? And furthermore – the event asked us to think about the role of public funding bodies and government policies: Where can the positive energy and concern for democratic processes, knowledge sharing, and civic care converge rather than continue in isolated, siloed efforts with lower impact? [3] Participating as representative of both the EU-funded ECHOLOT project and the DFG-funded NFDI4Culture, I was at the right place for “staying with the trouble” [4] at the intersection of national and international research infrastructures and the digital commons.  

    Day 1: Training day

    The first day was a hands-on training day within a smaller group of participants (~50) which offered the opportunity to level the ground with a common understanding of the data spaces of the Wikimedia ecosystem, namely Wikidata and Wikibase (and by extension their role in the AI development landscape). Solenne Lazare and Lydia Pintscher from Wikimedia Germany started off with an introduction to Wikidata, the large public knowledge base powering data in Wikipedia, while Leif Lobinsky ran the introduction session to Wikibase, the open source software suite behind Wikidata: What are the possibilities for sharing structured data within these systems, what example projects from diverse fields of knowledge already use them and what are current limitations and performance pain points?

    As part of the hands-on testing, participants were invited to try modeling complex topics as data (e.g. news involving assumptions, uncertainties, etc.) within test instances of wikibase.cloud. The modeling experiment proved to be quite a challenge: while in Wikidata there are the existing items that can be used as guiding posts, in the case of Wikibase instances, starting from scratch offers flexibility at the cost of a high learning-curve. The way new users approach Wikibase as a data management tool might be to begin with federated properties and classes from Wikidata (if they’re already involved in that community), or to attempt to (re)build an ontology they might know from their domain (e.g. CIDOC-CRM in the culture heritage domain). The possibility of not having to start from scratch with basic properties and classes was discussed as a potential usability gain [5]. Clear patterns were emerging where additional support to users throughout different parts of the data management process would be beneficial.

    In the afternoon, Philippe Saadé from Wikimedia Germany introduced the Wikidata Vector Database, what use cases it aims to support (e.g. Retrieval Augmented Generation, named entity recognition/ disambiguation, and classification) and where there is potential for more community engagement. Expanding the multilingual reach is one such goal, since currently vectors are calculated per language (so far: English, German, French and Arabic), but the search query entered in the LLM interface can be multilingual. A complementary development is the Wikidata MCP with a set of available tools. Using LLMs like Mistral (where connection to the internet can be closed down, so that the only source of truth becomes Wikidata) was demoed with promising results but is not entirely error-free yet, especially for SPARL query formulation. A brand new Wikibase MCP extends the connectivity to independent instances. 

    These recent developments engage seriously with the idea of AI-supported workflows that can increase the efficiency, accuracy and usability of the interactions between open knowledge communities and the data spaces offered by Wikidata or independent Wikibase instances. Gaps are admitted (e.g. in the case of language limits) and more community testing and contribution is actively encouraged – entirely in keeping with the spirit of free and open source software development. For example, fully fledged data reconciliation workflows that take advantage of the vector database are already being developed outside Wikimedia Germany, but in close discussion among the relevant communities [6]. This framing of ‘AI’ as software, as tools and services, which can actually be developed following FOSS principles, opened up the space to expand the discussion over the next days beyond the monolithic image of an external force, outside the control of the affected communities. 

    Community debates

    In the last part of the day, a community gathering, led by Wikimedia Switzerland and Open Future, debated a new multi-partnership initiative for the Wikimedia movement that would be dedicated to addressing the AI-paradigm shift in a concerted and transparently-governed manner. The opening of the gathering was framed in a rather cautionary way: the urgent need to prevent extractive behaviours (both by bots and Big Tech commercial players), and implement stricter regulations and/or legal frameworks. At the same time, it is important to recognise how much of the existing tooling ecosystem is built around notions of usability dating from several decades ago and is still not open enough, or inviting enough, to diverse communities – humanities disciplines still struggle with the accurate modelling and translation of their qualitative work into data, while indigenous communities have established much more nuanced rights management pathways that fall outside the strict open/closed paradigm, to name just a few examples [7].

    New paradigms in human-computer interaction, including natural language interfaces, as well as new legal frameworks that would effectively regulate access rights including bot/agent access, could actually be used to support and complement the interaction with the open knowledge ecosystem in ways that make the entire ecosystem more equitable – addressing problems that have been simmering below the surface far longer than the recent AI-hype cycles. The devil, as always, is in the details.

    At this point in the day, I brought up the work of Audrey Tang from the Civic AI research project [8], which in a timely manner argues for the need to think about the original idea(l)s of FOSS – the open source freedoms – as applied to AI. If we frame AI as software, rather than as the threat of replacing human knowledge – a threat admittedly close to the heart of open knowledge communities – software can be governed through the principles of the FOSS freedoms. Moreover, these principles can encompass the right of refusal and rejection of extractive interactions, while adopting and adapting further beneficial workflow optimisations.

    The notion of AI in the loop of communities, as elaborated by Tang, rather than the notion of the human in the loop of the AI, resonated strongly in the context of the Wikimedia movement and the link to Tang’s work was quickly circulated around the table. The gathering started with the proposition of taking an active stance as a global community of open knowledge advocates and concluded with the need to also put forward a positive vision and viable alternative, instead of merely (re)acting against Big Tech.

    Reactionism can catalyse valuable critical points that need to be taken into account, but it cannot unite the movement when there is already a significant strain on the goodwill of volunteers dealing with overwhelming amounts of poor-quality, AI-generated data or harmful pull requests. A positive vision is necessary to recognise where the current ecosystem was found lacking even before the arrival of mainstream AI applications, and where it could be improved when it comes to dealing with sensitive topics, cultural nuances, and access rights. More relevant now than ever – where automated (mis)use can be scaled to unprecedented levels – advocates who have dealt with these topics in the past can bring in valuable insights to shaping the movement’s future. 

    Speakers at the AI-Bridges Symposium at Senate House in London. Image: Adrián Cuadrón, CC-BY.

    Day 2: The symposium

    Day two featured extended discussions within an even wider group of participants, starting off with presentations from the AI-Bridges partners, leading to an expert panel and then a set of roundtable sessions. The panel discussion engaged a number of leaders from academic funding, policy making and Wikimedia communities, including Jimmy Wales, Denny Vrandečić and many more. The panel host, Shani Evenstein Sigalov, asked each panelist a particularly tough question which then required a succinct, but precise answer. The question addressed to me asked what is still missing in Wikibase and Wikidata infrastructures when it comes to meeting the needs of researchers and knowledge institutions. My answer, summarising the current status quo, what works and what doesn’t, is shared in full below (see Postscript).

    In this context, ECHOLOT emerged as one of the much needed bridges across initiatives such as Europeana, the European Culture Heritage Cloud and the Wikimedia communities. As pointed out also by our panel host, all of these initiatives and communities deal with similar issues connected to aggregating open data on cultural heritage, protecting data from abuse (whether machine- or human-operated) and at the same time actively encouraging fair (re)use of that data. But the (re)use that could lead to scientific, societal and even economic value generation (for stakeholder communities), rather than value extraction, is hampered by the fact that the majority of the platforms are still not particularly easy to integrate with, to extract data from or to reuse that data, while respecting relevant copyrights. In short, there is a lot of open room for alignment and collaboration.

    The panel also discussed the implications of missing the mark on using the productive capacity of the tools and services that AI methods can afford due to slow change cultures in some institutions. Nevertheless, the concerns coming from the GLAM community, the academic community, and also the volunteer citizen science knowledge commons, require paying attention to, as they are rarely born purely out of resistance to (fast) change. We can recognise, in the words of Denny Vrandečić, that LLMs trained on Wikipedia and Wikidata knowledge are objectively better for democratic societies compared to LLMs trained on data only from e.g. Twitter/X. Nevertheless, the care with which that knowledge has been put together originally has to be respected and has to be factored in the development of any new, value-generating tools. 

    One of the topics of the panel was also regulation: as a way to protect knowledge creation communities and regulate what value is generated and for whom. Paraphrasing the remarks of Aaron Halfaker (Principal at Microsoft): Big Tech could actually benefit from regulations. When the workers in these companies care about how these tools are being used, which is purportedly the case, regulation can help stimulate more fair business and market competition. If all companies have to compete on fair ground, theoretically they are more likely to develop tools wherein the benefits outweigh the harms.

    I found this line of thinking productive, because it moved away from the ‘human-vs-machine’ discourse and brought back the companies into the picture; companies are legal entities that can in fact be subject to laws and regulation (though of course, how successfully regulation is implemented is another matter altogether). The ‘performer’ (e.g. contributors, users and developers of open knowledge platforms) vs the ‘tool maker’ (e.g. the company employees developing AI applications) paradigm, introduced in the book Behind Deep Blue [9] as an alternative to ‘human-vs-machine’, recognises people with one set of tools engaging with people with another set of tools [10]. If the human involvement is not abstracted away on one side of the equation, both sides can be subject to dedicated regulatory procedures. Crucially, regulation should not be restricted to licensing and/or IP attribution. As, Audrey Tang reminds us, FOSS is more than just licensing [11]. And caring about the rights of the ‘performers’ may not be enough, if the FOSS principles (and freedoms) are not fully applied to AI and its ‘tool makers’, including the right to refuse.

    Jimmy Wales’s closing panel remarks also touched on the topic of trust, something Wikimedians and FOSS communities have managed remarkably well over time, and something that the AI-‘tool makers’ are currently less invested in building up, leading to the ongoing mixed-feelings or outright hostility amongst ‘performer’ communities.

    Collaboration in practice, and not just in theory

    The panel ended on the positive note that everyone in the room seems interested and willing to collaborate, and of course everyone’s question was: how to make this happen instead of simply navel-gazing and wishful thinking? The roundtables in the afternoon provided an opportunity to think through some concrete actions. The setup meant that participants could take part in small group discussions across 18 different topics [12] via dedicated roundtables and take part in noting down:

    • what current issues can be observed;
    • what patterns emerge across connected issues;
    • what are the next steps.

    At the round table on the future of Wikibase, we noticed known issues related to data ingest, modelling, reconciliation and export workflows, still repeatedly being brought up and needing adequate measures to meet user needs, especially when scaling from manual curation to bulk operations. This is in fact the core motivation of applying AI methods to the tooling for managing structured data: the need to be able to more easily ingest the data, structure it, enrich, and then export to further platforms, supporting reuse.

    Discussing the outcomes of the roundtable with colleagues from Wikimedia Germany, we came to the conclusion that we can’t build everything the community needs alone, but together there is a much stronger possibility. There are certain parts of the stack that make a lot of sense to be developed within the core product development at Wikimedia Germany, while other parts, such as micro-services that provide AI-supported automation, can be developed from external projects such as ECHOLOT and NFDI4Culture, among others.

    We concluded the event with concrete commitments for joint meetings to plan the future development roadmap: interconnecting MediaWiki, Wikibase, new extension developments and the broader ecosystem of structured data, that can both be supported by AI-tooling and itself support the training of better and more equitable AI models. 

    Participant notes from the Roundtable discussion on the future of Wikibase. Image: Lozana Rossenova, CC-BY

    Postscript: Short position statement at the panel discussion

    I will talk about Wikibase specifically, because Wikidata in general for all its scaling issues performs remarkably well on most levels that researchers and institutions need it to. As a tool offering openly licensed data and the possibility to freely link entities through their external identifiers, it offers the perfect hub for linked open data integration [13]. Wikibase, as its underlying open source software, appears to be the perfect starting point for researchers or cultural practitioners who want to model and make their original research data available, before it becomes a reference point for Wikidata – where we are not supposed to really directly add original research data. This very premise is compelling: I can have all my highly specialised or copyrighted data in a Wikibase and then seamlessly link it, or parts of it, via Wikidata by virtue of the fact that the two deploy the same software paradigm. In fact, it is the backbone of the idea of a federated ecosystem of instances around Wikidata shown in one particularly widely shared diagram [14]. 

    And yet – there are issues. Wikibase is a complex Swiss-army-knife tool, it does a lot but it requires a high degree of technical skill and know-how to run and maintain in the long run – such skills are often not easy to come by in domain-specific research. It does not support easy compatibility with standard domain-specific schemas or ontologies. There is no simple upload schema button. There is no standard data validation in the sense required by typical FAIR research data projects. There are also no easy, straightforward export options to connect data from Wikibase even to Wikidata, or any other research data infrastructure. The latter is often a requirement for research – publish data to various national or international data aggregators. This is fine; Wikibase was never meant to solve for such cases. And yet, one can imagine the possibilities. Many of the limitations can be overcome with custom scripts, extensions and additional tooling, but maintaining, documenting and sharing this oftentimes lacks real reuse and reproducibility. This is more a fault of the scientific community, though, not the open knowledge community and is tied to the unsustainable funding cycles of research projects.

    Efforts from the open knowledge community, such as wikibase.cloud – an important, major undertaking trying to resolve some of the learning-curve and maintenance limitations of the software suite – do not yet go far enough: images, for example. For many years now, I have advocated that the open knowledge community can learn a lot from research and GLAM communities when it comes to respectful and sensitive handling of copyrights, whether we are dealing with contemporary culture or indigenous rights [15]. Equally academia can learn a lot from the Wiki movement when it comes to long-term maintenance and keeping up infrastructure running. With the ECHOLOT project I’m now leading, we’re trying to offer a new bridge with concrete software development outcomes between EU research infrastructure and Wikimedia platforms and software. We are building better schema and copyrights handing models, easier export and integration possibilities with built-in, AI-supported processing workflows, wrapped around existing software. Not reinventing the wheel, but making it fit for different road conditions. We are open to collaboration and working together with anyone around the table today. 

    Acknowledgements

    Thanks to Shani Evenstein Sigalov for the invitation and the opportunity to contribute to the Symposium and to the Wikimedia Germany team, and especially Leif Lobinsky for the productive discussions. Travel to the Symposium was supported by the ECHOLOT project, funded by the European Union under Grant Agreement n.101233096.

    Notes

    1. AI-Bridges is funded by the European Commission through a Marie Skłodowska-Curie Postdoctoral Research Fellowship. Led by Dr Shani Evenstein Sigalov and hosted at Digital Humanities Research Hub, School of Advanced Study, University of London, the project includes partnerships with the Wikimedia chapters in Germany, UK, Brazil, and Switzerland, and AI-experts Pleias.

    2. Recent examples include dedicated sessions at the Wikimedia Hackathon 2026 in Milan, summarised with great nuance in a blog article by Hay Kranen, as well as upcoming sessions at Wikimania 2026 to be held in Paris in July. 

    3. The European Tech Sovereignty Package and EU Open Source Strategy were published on June 3rd, 2026, positioning open source and the digital commons as critical to Europe’s “resilience, competitiveness and strategic autonomy”. The strategy also admits that despite over 3 million open source contributors (according to the strategy fact sheet, but other sources point to even higher numbers), the European open source ecosystem faces “structural challenges” and lower impact due to value extraction outside Europe. The analysis from the Open Knowledge Foundation Network outlines further details. 

    4. See Donna J. Haraway (2016) Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene. Duke University Press. 

    5. Here, NFDI4Culture’s development of Wikibase4Research, which was mentioned as an example project application can be quite helpful, as it provides (among other resources), a GitLab repository with a sample ontology for the culture domain with scripts for transforming and loading the ontology in a fresh Wikibase instance.

    6. At least one such example is the reconciliation of Basque entities currently underway at HiTZ-EHU as part of ECHOLOT, but there are likely many more.

    7. See the published work of Anne Chen, Stacy Allison-Cassin and Kim Christen, among others.

    8. ‘Software Freedom as Civic Care’ (published timely on May 22, 2026), part of the Civic AI project at the Oxford Institute for Ethics in AI.
    9. The 2002 book by Feng-hsiung Hsu, the system architect of Deep Blue, which tells the story of how Deep Blue, “the ultimate chess machine,” beat Gary Kasparov in 1997. 

    10. This useful parallel to the discussions in Behind Deep Blue was initially drawn by Hay Kranen in his blog post on the Wikimania Hackathon. 

    11. See note #8.

    12. Topics covered four broader areas such as AI Policy, Tools & Infrastructure, Trust & Education, Cultural Heritage & GLAMs. Full list is available here.

    13. See Sohmen, L., Rossenova, L. and Blümel, I. (2026) ‘Wikidata 4 Open Culture: Lessons Learned from Hands-On Work with Cultural Heritage Data in the Expanded Wikibase Ecosystem’, Journal of Open Humanities Data, 12(1), p. 52. Available at: doi.org/10.5334/johd.440.

    14. The image referred to is this one.

    15. For example, see this blog post on provenance and museum data in the Wikiverse.

    #Wikibase #Wikidata #Wikimedia #ArtificialIntelligence #OpenKnowledge #LizenzCCBY40INT #OpenScienceLab #AI
  29. TIB zum dritten Mal mit dem Open Library Badge ausgezeichnet

    An der TIB setzen wir uns seit vielen Jahren für eine offene Wissenschaft ein. Open Science ist einer der sechs Schwerpunkte in der Strategie der TIB. Für ihre Bemühungen wurde sie nun zum dritten Mal in Folge mit dem Open Library Badge (OLB) ausgezeichnet, nachdem sie bereits den OLB 2016 und 2020 erhalten hat.

    Der Open Library Badge ist ein Anreizsystem für Bibliotheken, sich für mehr Offenheit in der Gesellschaft und in der Wissenschaft einzusetzen. Der OLB 2025 (die Jahreszahl dient als Versionsnummer) ist die dritte Auflage der Auszeichnung, die gegenüber den früheren Ausgaben stark erweitert wurde. Statt bisher zehn bzw. 15 Kriterien gibt es jetzt eine Matrix aus sieben Themen und vier Handlungsfeldern. Bei den Themen finden sich neben klassichen Open-Science-Themen wie Open Access, Open Data oder Open Source jetzt auch gesellschaftliche Aspekte von Offenheit wie Inklusion und Barrierefreiheit oder Partizipation und Citizen Science. Zu jedem Thema gehören die vier Handlungsfelder „Beraten und vermitteln“, „Infrastruktur bereitstellen“, „Institutionell handeln und Strategien umsetzen“ sowie „Kooperieren und sich in Netzwerken engagieren“.

    Für die Erlangung des OLB 2025 müssen wissenschaftliche Bibliotheken mindestens zwölf der 28 Kriterien erfüllen, die TIB hat mit 26 fast alle erreicht und ist damit bislang Rekordhalterin. Die Aktivitäten der TIB auf dem Gebiet von Open Access, Open Data oder Open Source wurden bereits in den früheren Versionen anerkannt, jetzt wird auch unser Engagement für Citizien Science, interkulturelle und diversitätssensible Angebote oder der Einsatz für Open Research Information gemäß der Barcelona Declaration honoriert. Welche Kriterien wie erfüllt wurden, findet sich im Detail auf der Seite des OLB beschrieben.

    Wir freuen uns, dass wir Offenheit in Wissenschaft und Gesellschaft auch abseits klassischer Open-Science-Themen unterstützen können. Die Verleihung des Open Library Badge 2025 sehen wir sowohl als Bestätigung unserer bisherigen Aktivitäten als auch als Ansporn, uns weiterhin und noch stärker für diese Werte einzusetzen.

    Offenlegung: Ich bin Mitglied der OLB-Jury, war aber wie die anderen TIB-Kolleg:innen an der Begutachtung der TIB selbstverständlich nicht beteiligt.

    #OpenAccess #LizenzCCBY40INT #CitizenScience #OpenScience #OpenLibraryBadge #Diversität
  30. Bridging Minds and Machines: Ethical Reflection and AI in Adult Education

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    The latest session of the seminar series Bridging Minds and Machines focused on one of the most pressing questions in education today: how can artificial intelligence be integrated into adult and continuing education in a responsible and ethically reflective way?

    In her talk, Steffi Robak from Leibniz University Hannover explored the intersection of AI, ethics, and educational practice across different institutional contexts.

    How does AI affect society, work and education?

    Drawing on several current research projects, Robak highlighted how AI competencies are becoming increasingly important not only from a technological perspective, but also in terms of critical thinking, democratic participation, and ethical responsibility. A central theme throughout the presentation was that AI literacy must go beyond simply learning how to use tools — it also requires reflection on how these technologies influence society, workplaces, educational institutions, and individual decision-making.

    One major focus of the talk was the interdisciplinary project Technology, Ethics and Digitalization, developed in cooperation with engineering sciences. The project investigates how ethical reflection can be embedded into engineering education and continuing vocational training. Robak presented findings showing that ethics is often only superficially integrated into university curricula, especially in technical disciplines, and argued for more interactive and discussion-oriented learning formats that actively engage students in ethical reasoning.

    Leibniz AI Academy’s AI course framework

    She also introduced the development of a new AI course concept within the Leibniz AI Academy. The blended-learning course is designed for adult and continuing education professionals and addresses topics such as digital transformation, AI tools, democratic responsibility, institutional change, and professional AI competencies. A key takeaway from the pilot phase: teaching AI effectively also means experimenting with AI tools directly and continuously adapting learning designs to rapidly changing technologies.

    The session sparked lively discussions about the balance between technological innovation and critical reflection, as well as the growing importance of AI literacy across educational sectors.

    The full lecture is also available online on the TIB AV-Portal, where it can be searched second by second.

    Next Event: From Academic Research to EdTech Startup

    The seminar series continues with the next event “Academic Roots to EdTech Startup: The Evolution of the eDoer Platform”. The talk will highlight the practical challenges and lessons learned when moving eDoer from academic grants to validating a viable business model.

    For further information please visit our eventpage: https://events.tib.eu/digitalresearcheducation/programme/current-events/

    Date: Tuesday, 16 June 2026
    Time: 16:00–16:30 (presentation), followed by discussion and informal exchange until 18:00
    Location: Lecture room, TIB Science /Technology site, TIB Main Building (hybrid participation possible)
    Registration: https://events.tib.eu/digitalresearcheducation/registration/

    About the Seminar Series

    With its focus on the digitalization of research and education, the “Bridging Minds and Machines” series addresses topics such as the development of digital competencies for teaching and learning, implications for the labor market, and applications of computer science in education. The events take place every two months and consist of a 30-minute presentation followed by discussion and networking opportunities.

    The series is offered both on site and online. Its aim is to engage the local community, reach a broader audience, and increase the visibility of the work carried out by the Digital Education Research Initiative and TIB.

    More information: events.tib.eu/digitalresearche
    #BridgingMindsAndMachines #LizenzCCBY40INT #AI #ArtificialIntelligence #LabLearningAndSkillAnalytics

  31. Bridging Minds and Machines: ethische Reflexion und KI in der Erwachsenenbildung

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    Die jüngste Veranstaltung der Seminarreihe Bridging Minds and Machines widmete sich einer der aktuell wichtigsten Fragen im Bildungsbereich: Wie kann Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll und unter Einbeziehung ethischer Reflexion in der Erwachsenen- und Weiterbildung eingesetzt werden?

    In ihrem Vortrag sprach Steffi Robak von der Leibniz Universität Hannover über die Verbindung von KI, Ethik und Bildungsprozessen in unterschiedlichen institutionellen Kontexten.

    Wie beeinflusst KI Gesellschaft, Arbeit und Bildung?

    Anhand mehrerer aktueller Forschungsprojekte zeigte Robak, dass KI-Kompetenzen heute nicht nur aus technologischer Sicht relevant sind, sondern ebenso Fragen des kritischen Denkens, der demokratischen Teilhabe und der ethischen Verantwortung betreffen. Ein zentrales Thema des Vortrags war dabei, dass AI Literacy weit über die reine Nutzung von Tools hinausgeht: Entscheidend sei auch die Reflexion darüber, wie KI Gesellschaft, Arbeitswelt, Bildungseinrichtungen und individuelle Entscheidungsprozesse beeinflusst.

    Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem interdisziplinären Projekt Technik, Ethik und Digitalisierung, das gemeinsam mit den Ingenieurwissenschaften entwickelt wurde. Das Projekt untersucht, wie ethische Reflexion in ingenieurwissenschaftliche Studiengänge und berufliche Weiterbildung integriert werden kann. Robak stellte Ergebnisse vor, die zeigen, dass ethische Fragestellungen in technischen Studiengängen häufig nur oberflächlich in Curricula verankert sind. Gleichzeitig plädierte sie für interaktive und diskussionsorientierte Lehrformate, die Studierende aktiv in ethische Reflexionsprozesse einbeziehen.

    KI-Kurskonzepts der Leibniz AI Academy

    Außerdem präsentierte sie die Entwicklung eines neuen KI-Kurskonzepts innerhalb der Leibniz AI Academy. Der Blended-Learning-Kurs richtet sich an Fachkräfte der Erwachsenen- und Weiterbildung und behandelt Themen wie digitale Transformation, KI-Werkzeuge, demokratische Verantwortung, institutionellen Wandel und professionelle KI-Kompetenzen. Eine wichtige Erkenntnis aus der Pilotphase: KI lässt sich nur dann sinnvoll vermitteln, wenn Lernende KI-Tools auch praktisch ausprobieren und Lehrkonzepte kontinuierlich an die schnelle technologische Entwicklung angepasst werden.

    Der Vortrag führte zu intensiven Diskussionen über das Spannungsfeld zwischen technologischer Innovation und kritischer Reflexion sowie über die wachsende Bedeutung von KI-Kompetenzen in unterschiedlichen Bildungsbereichen.

    Der ganze Vortrag ist online auch im TIB AV-Portal zu finden, wo er sekundengenau durchsucht werden kann.

    Nächste Veranstaltung: Aus dem akademischen Kontext zum EdTech-Startup

    Die Seminarreihe Bridging Minds and Machines mit dem Vortrag „Aus dem akademischen Kontext zum EdTech-Startup: Die Entwicklung der eDoer-Plattform“ fortgesetzt. Darin geht es um die praktischen Herausforderungen sowie die gewonnenen Erkenntnisse, die beim Übergang von eDoer aus der akademischen Förderung heraus zur Validierung eines tragfähigen Geschäftsmodells entstanden sind.

    Alle Infos zum Vortrag sind auf der Eventpage zu finden: https://events.tib.eu/digitalresearcheducation/de/programm/aktuelle-veranstaltungen/

    Wann? Dienstag, 16. Juni 2026, 16 bis 16.30 Uhr (Vortrag mit anschließender Diskussion und informellem Austausch bis 18 Uhr)
    Wo? Im Votragsraum im TIB-Hauptgebäude TIB Technik/Naturwissenschaften (hybride Teilnahme möglich)
    Zur Anmeldung: https://events.tib.eu/digitalresearcheducation/de/registration/

    Über die Seminarreihe

    Mit dem Schwerpunkt „Digitalisierung von Forschung und Bildung“ behandelt die Reihe „Bridging Minds and Machines“  Themen wie den Aufbau digitaler Kompetenzen für Lehren und Lernen, aber auch Fragen zum Arbeitsmarkt oder Anwendungen der Informatik in der Bildung. Die Veranstaltungen finden alle zwei Monate statt und bestehen jeweils aus einem 30-minütigen Vortrag mit anschließender Diskussion und Networking-Möglichkeiten.

    Die Reihe wird sowohl in Präsenz als auch online durchgeführt. Sie soll die lokale Community einbinden, ein breiteres Publikum erreichen und gleichzeitig die Beiträge der Forschungsinitiative Digitale Bildung sowie der TIB sichtbarer machen.

    Weitere Infos unter: https://events.tib.eu/digitalresearcheducation/de/

    #LizenzCCBY40INT #KünstlicheIntelligenz #KI #Lernen #LabLearningAndSkillAnalytics
  32. Wissenschaftskommunikation outsourcen: kommerzielle Anbieter, Fallstricke und bessere Alternativen

    „Dear Dr Musterfrau, I came across your paper and thought your work could make a real impact if shared beyond academia.”

    Illustration: Jasmina El Bouamraoui and Karabo Poppy Moletsane, CC0, via Wikimedia Commons

    Wer heutzutage wissenschaftlich publiziert, kennt sicherlich solche E-Mails, die zuhauf in Postfächern von Forschenden landen. Anders als beim Predatory Publishing, wo Autor:innen mit schnellen aber qualitativ fragwürdigen Angeboten für die Publikation von Artikeln angesprochen werden (mehr dazu hier), beziehen sich obige E-Mails auf Angebote im Bereich der Wissenschaftskommunikation, die sich an ein breiteres Publikum richten.

    Anbieter wie „SciPod“, „SciTube“, „Research Outreach“ und ähnliche bieten an, Forschungsergebnisse in populäre Formate wie Podcasts, Videos oder Infografiken zu übertragen.

    Doch sind diese Dienste seriös? Und wer soll sie bezahlen?

    Dieser Beitrag ordnet die kommerziellen Dienstleister:innen ein, diskutiert Alternativen und erklärt, warum Publikationsfonds hier meist nicht die Finanzierung übernehmen.

    Warum Wissenschaftskommunikation oft delegiert wird

    Die Erwartung, dass Forschung in die Gesellschaft wirkt, wächst stetig. In politischen Debatten wird betont, das Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft zu stärken. Daher gelten wissenschaftskommunikative Tätigkeiten als wichtiger Aspekt des Wissenschaftstransfers, um die Lücke zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft zu schließen.

    Fördergeber:innen legen zunehmend Wert auf Transfer-Aktivitäten und die Dissemination von Forschungsergebnissen zu relevanten Zielgruppen. Personen- und institutionenbezogene Evaluationskriterien berücksichtigen immer häufiger auch öffentliche Sichtbarkeit und Transfer.

    Um Wissenschaft für Nicht-Expert:innen zugänglich zu machen, braucht es vielfältige Publikationsformen (Elliot 2022). Dem stehen jedoch die Rahmenbedingungen der meisten Forschenden gegenüber: Ihnen fehlen oft Kompetenzen, Zeit oder Ressourcen. Hinzu kommt der sogenannte „Sagan-Effekt“, der von einer aktiven Beteiligung abhalten kann.

    SciPod & Co.: nicht ‚„predatory“, aber mit Vorsicht zu behandeln

    Der Bedarf an Wissenstransfer hat einen Markt für Dienstleister:innen geschaffen, die Forschungsergebnisse aufbereiten und vermarkten. Typische Angebote sind Kurzvideos, Podcasts, Animationen oder Artikel, die für das Publikum meist frei lizenziert und kostenfrei zugänglich sind. Für die Auftraggebenden liegen die Preise für ein Produkt zwischen 1.000 und 4.000 Pfund; oft werden zusätzliche Reichweitenversprechen für Social Media oder Newsletter gemacht bzw. können sie über entsprechende Pakete dazu gebucht werden.

    Ihre Kund:innen erreichen die Unternehmen unter anderem über ausgiebige Kaltakquise mit den anfangs dargestellten E-Mails. Vor dem Hintergrund der Sensibilisierung vieler Forschender zum Thema „Predatory Journals“ ruft dies verständlicherweise erst einmal Skepsis hervor. Unserer Einschätzung nach ist zwar keiner der uns bekannten Dienstleister eindeutig als „predatory“ einzustufen, manche Geschäftspraktiken können dennoch unseriös scheinen. Die Diskussionen diesbezüglich unter Forschenden sind kontrovers. Wer trotzdem entsprechende Angebote nutzen will, sollte dies wohlüberlegt tun.

    Was Studien und Communities sagen

    Auf Plattformen wie ResearchGate oder Reddit wird das Thema diskutiert. Ein Diskussionsteilnehmer berichtet beispielsweise davon, dass die Kommunikation mit dem Editor so langwierig gewesen sei, dass er es am Ende lieber selber gemacht hätte. Andere werden stutzig, weil Informationen über die Höhe der Kosten erst spät im Kommunikationsprozess mit den Anbieter:innen transparent gemacht wurden oder Angaben über Lizenzen inkonsistent sind. Neben aggressivem Marketing werden den Anbieter:innen zum Teil undurchsichtige Gebührenregelungen, übertriebene Reichweitenversprechen oder Qualitätsprobleme attestiert. Demgegenüber stehen aber auch zahlreiche Stimmen, die von positiven Erfahrungen und äußerst zufriedenstellenden Ergebnissen berichten.

    Eine Studie von Hamid R. Jamali (2025) befragte 104 Forschende, die Dienste wie researchoutreach.org oder researchfutures.com nutzten. Zwar war die (allgemeine) Zufriedenheit mit der Darstellung der Ergebnisse hoch, doch gaben 67 Prozent an, dass die Publikation keine nennenswerten Auswirkungen hatte. Jamil empfiehlt daher, vorab klare Ziele und Zielgruppen für die Veröffentlichung zu definieren.

    Soll ich das Angebot annehmen? Wenn ja, wie?

    Wie bei allen Publikationsangeboten empfehlen wir eine sorgfältige Prüfung solcher Angebote hinsichtlich Finanzierung, Lizenzierung, Reichweitenversprechen und Kosten-Nutzen-Abwägung.

    • Finanzierung: Open-Access-Fonds an Universitäten übernehmen diese Kosten in der Regel nicht, da es sich nicht um peer-reviewte Erstveröffentlichungen handelt. Klären Sie die Finanzierung daher frühzeitig auf andere Weise, um nicht aus eigener Tasche zahlen zu müssen.
    • Lizenzierung: Für eine rechtssichere Verbreitung und Nachnutzung ist eine offene Lizenz (ideal: CC BY) essenziell. Bei Fragen zur Auswahl beraten wir gerne ([email protected]).
    • Reichweite & Zielgruppe: Die Wahl des Mediums sollte zielgruppenorientiert erfolgen. Die Chancen auf echten Impact steigen, wenn auf bereits etablierte Formate in der eigenen Zielgruppe zurückgegriffen wird, die oft dankbar für Input sind und selten Kosten berechnen. Es lohnt sich eine Recherche: Welche populärwissenschaftlichen Podcasts, Blogs oder Magazine passen zu meinem Thema?

    Nutzung interner und externer Alternativen

    Als erste Anlaufstelle sollten Sie die Presse- oder Öffentlichkeitsarbeit Ihrer Einrichtung kontaktieren. Oft bieten Hochschulen, Bibliotheken oder Fachgesellschaften eigene Formate an. Ein Beispiel ist die Podcast-Liste des Fachportals für internationale und interdisziplinäre Rechtsforschung: FID intRecht. Das BorgNetzwerks versucht mit dem WissKom Wiki aktuell eine Wikibase-basierte Online-Bibliothek für wissenschaftliche Podcasts und Videos aufzubauen.

    Wo solche Angebote fehlen, lohnt es sich, deren Entwicklung aktiv anzuregen. Die Lücke versuchen derzeit nur wenige Initiativen zu füllen, wie etwa der HRA-Förderfonds der Hamburg Research Academy.

    Illustration: Jonas Hauss, CC BY 4.0, Open Science-/ Open Access-Grafikpaket

    Fazit: Vorzug nicht-kommerzielle Alternativen

    Kommerzielle Anbieter sind zwar divers, verfolgen aber primär Gewinnziele, die nicht immer mit den Werten der Wissenschaftsgemeinschaft (Transparenz, Offenheit) übereinstimmen. Insgesamt raten wir dazu, den Fokus auf nicht-kommerzielle Alternativen der Wissenschaftskommunikation zu legen, dies kann die Arbeit in und mit Wikipedia, öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder community-getragenen Podcasts und Blogs bedeuten. In allen Fällen sind nicht nur die Publikationen selbst frei zugänglich, sondern auch kostenfrei für Autor:innen, mit zum Teil besseren Reichweiten als bei kommerziellen Anbietern.

    #LizenzCCBY40INT #Wissenschaftskommunikation #Forschung #Forschungsergebnisse
  33. Messkunde in der Retrodigitalisierung

    Am 20. Mai wird der Tag des Messens (auch Weltmetrologietag oder Tag der Metrologie) begangen. An diesem Tag wurde im Jahr 1875 die internationale Meterkonvention unterzeichnet.

    Die Fertigkeiten eines Feldmessers waren schon in der Antike gefragt und haben sich seit damals immer weiterentwickelt. In der heutigen Zeit soll der Tag auf die Bedeutung des Messens für die globale Wirtschaft, für die Wissenschaft und für unseren Alltag und für die Gesellschaft hinweisen. Ohne weltweite einheitliche Standards wäre ein globaler Warenaustausch nicht denkbar. Exakte Messungen sind für Industrie, Forschung und Entwicklung von zentraler Bedeutung. Ob beim Bäcker, an der Zapfsäule oder auf der Waage, Messungen sind im Alltag nicht wegzudenken.

    Der Tag wird vom Internationalen Büro für Maß und Gewicht (BIPM) und der Internationalen Organisation für das gesetzliche Meßwesen (OIML) ausgerichtet. Seit dem Jahr 2004 stehen die Tage jeweils unter einem Motto. Für 2026 lautet es: Metrology: Building Trust in Policy Making.

    Interessante Werke zu den Geowissenschaften, des Messwesens oder der Vermessungskunde befinden sich auch im Altbestand der TIB. Davon haben wir bereits einige digitalisiert, einige ausgewählte möchten wir hier kurz vorstellen:

    Aus Geowissenschaften, Messwesen und Vermessungskunde

    Handbuch der gesammten Vermessungskunde, die neuesten Erfindungen und Entdeckungen in derselben zugleich enthaltend; oder vollständige Anleitung zur Meßkunst, für Offiziere, Forstbediente, Bergleute und Feldmesser (Abtheilung 1+2) 1820

    „Die Vermessungskunde lehret sowohl die Ausdehnung eines in Vergleichung mit der ganzen Oberflache der Erde nur kleinen Stück Landes, als auch die Große und Figur der Erde durch Anwendung der Lehren der reinen und angewandten Mathematik zu bestimmen. Sie zerfällt, rücksichtlich des Endzwecks, zu welchem man die Ausdehnung eines Theils der Erdoberfläche zu wissen verlangt, in folgende zwei Haupttheile:

    1. in die ökonomische oder Feldmeßkunst, welche die Ausmessung und Entwerfung (Projection) einzelner Figuren oder Stücke (Grundstücke) z. B. Gebäude, Felder, Wälder, Wiesen, Gärten, Landseen, Teiche, Flüsse, Wege, Grenzen u. s. w. und deren gleichmäßige Vertheilung lehrt;
    2. in die topographische oder Landmeß kunst, Lehre vom Aufnehmen (Mappirung, Chartirung), welche die Ausmessung und Entwerfung der Figur ganzer Länder oder Distrikte lehrt.“ (Seite 3)

    Lehrbuch der praktischen Geometrie, nebst einem Anhange über die Elemente der Markscheidekunst (Theil 1+2) 1857 2. Theil S. 139

     

    Die Landes-Vermessung und die in ihrem Gefolge befindlichen Arbeiten, erläutert durch die im Königreich Württemberg zur Ausführung kommende Vermessung (Heft 1-4) 1841-1843

    • Die geometrische Detail-Aufnahme eines Landes, oder Darstellung der dabei vorkommenden einzelnen Arbeiten (3. Heft, [1])

    Die Praxis des Vermessungsingenieurs (Band 1+2) 1923 Band 1, Bild 443

    Die Königlich Preussische Landes-Triangulation (Theil 1-11) 1870-1901

    • Die Hannoversche Dreieckskette, das Basisnetz bei Meppen, das Wesernetz (8. Theil, Seite 3)

    Die höhere Geodäsie oder die Wissenschaft, die Reiche der Erde, und diese selbst, geographisch aufzunehmen und zu chartieren (Abtheilung 1) 1816 Bild 460

    Systematisches Handbuch der gesammten Land- und Erd-Messung mit ebener und sphärischer Trigonometrie auch Beschreibung der neuern brauchbaren Meßinstrumente (Band 1+2) 1819, Bild 330

    Anleitung für die Herstellung und Justierung geodätischer Instrumente (Teil 1+2) 1907-1911 Seite 75 ind 276

    Retrodigitalisierung – vom Papier zum Pixel

    Viele wissenschaftliche Schätze schlummern in den analogen Beständen der TIB – meist schwer zugänglich und oft nur vor Ort nutzbar. Dank Retrodigitalisierung ändert sich das: Durch die Digitalisierung werden gedruckte Bücher, Karten und weitere analoge Materialien gesichert und historisches Wissen sichtbar, durchsuchbar und nachhaltig verfügbar gemacht.

    In der Blogreihe „Retrodigitalisierung – vom Papier zum Pixel“ zeigt die TIB Schätze, die nun nicht mehr nur in den Regalen der Bibliothek stehen, sondern online von überall auf der Welt angesehen werden können. Auch einen Blick hinter die Kulissen der Retrodigitalisierung wird es geben: Wie werden aus analogen Beständen digitale Ressourcen? Welche technischen und rechtlichen Herausforderungen gibt es dabei? Von der Auswahl der Materialien über Scanprozesse bis zur Langzeitarchivierung – die Reihe beleuchtet Retrodigitalisierung als eine wichtige Aufgabe moderner Bibliotheken.

    #LizenzCCBY40INT #Retrodigitalisierung #Bestand #Magazinbestände #Digitalisierungsprozesse
  34. Der Mann, der Ihr Smartphone erdacht hat

    Tippen Sie gerade auf einem Smartphone? Wischen Sie durch ein Menü mit Icons? Nutzen Sie eine Maus? Dann arbeiten Sie mit Ideen, die ein Mann vor über 50 Jahren skizziert hat. Damals noch auf Papier – für einen Computer, den es noch gar nicht gab.

    Alan Kay wird 86 – ein Visionär, dessen Ideen unseren Alltag prägen

    Am 17. Mai 2026 feiert Alan Curtis Kay seinen 86. Geburtstag. Der US-amerikanische Informatiker gilt als einer der einflussreichsten Vordenker der Computergeschichte – und ist dennoch dem breiten Publikum weit weniger bekannt als seine Ideen. Ein guter Anlass, ihn und sein Werk zu entdecken. 

    Wer ist Alan Kay?

    Alan Curtis Kay wurde am 17. Mai 1940 in Springfield, Massachusetts, geboren als Sohn eines australischen Prothesenbauers und einer US-amerikanischen Musikerin. Diese ungewöhnliche Mischung aus Naturwissenschaft und Kunst sollte sein gesamtes Denken prägen. Kay war nicht nur Informatiker: Im Laufe seines Lebens arbeitete er als professioneller Jazzgitarrist, Komponist, Theatergestalter und klassischer Organist – ein Denker mit Künstlerseele.

    Er studierte Mathematik, Molekularbiologie und schließlich Informatik an der University of Utah, wo er mit Ivan Sutherland – dem Pionier der Computergrafik – zusammenarbeitete. 1969 promovierte er mit einer Dissertation über ein von ihm entwickeltes Konzept/System namens FLEX, ein früher Vorläufer dessen, was später als Personal Computer die Welt verändern sollte.[1]

    Das Dynabook – das Tablet, das seiner Zeit 40 Jahre voraus war

    1968 hatte Kay eine Vision, die ihn nicht mehr losließ: ein flacher, tragbarer Computer, leicht genug für ein Kind, mit dem man lesen, schreiben, rechnen und programmieren konnte. Er nannte es das Dynabook. Gebaut wurde es nie, aber Jahrzehnte später hielt die Welt sein Konzept in Händen: als iPad, als Kindle, als Laptop.

    Kay ließ sich dabei von Seymour Papert inspirieren, dem Pionier des Lernens mit Computern am MIT, Massachusetts Institute of Technology. Seine Überzeugung: Computer sollten keine Rechenmaschinen für Experten sein, sondern Werkzeuge des Denkens für alle – besonders für Kinder.[2]

    Xerox PARC – die Werkstatt der Zukunft

    Ab 1971 arbeitete Kay ein Jahrzehnt lang im legendären Palo Alto Research Center (PARC) [3] des Xerox-Konzerns in Kalifornien. Dort entwickelte er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen zwei Erfindungen, die die Computerwelt bis heute prägen:

    • Smalltalk – eine der ersten objektorientierten Programmiersprachen, die Grundlage für Objective-C, Java, Ruby, Python und viele weitere moderne Sprachen war[4].
    • Die grafische Benutzeroberfläche (GUI) – Fenster, Icons, Maus, Menüs. Was Apple mit dem Macintosh 1984 der Welt präsentierte, stammte konzeptionell aus dem PARC. Steve Jobs selbst besuchte das Labor und ließ sich inspirieren.

    Kay drehte in dieser Zeit Filme, in denen Kinder mit Computern spielten und eigene Programme schrieben – in einer Ära, in der Computer noch riesige, unzugängliche Maschinen für Spezialisten waren.

    Der Turing Award

    2003 erhielt Kay den ACM Turing Award – den höchsten Preis der Informatik, oft als „Nobelpreis der Informatik“ bezeichnet. Die Begründung: „… für viele der Ideen, die den heutigen objektorientierten Programmiersprachen zugrunde liegen, für die Leitung des Teams, das Smalltalk entwickelt hat, und für grundlegende Beiträge zum Personal Computing.“

    Werke von und über Alan Kay

    Wer tiefer in Kays Denken eintauchen möchte, findet in unserem Bestand sowie Fachdatenbanken wie zum Beispiel der „ACM Digital Library“ hervorragendes Material:

    Author‘s Profile: Alan Curtis Kay via ACM DL

    Schriften von Alan Kay

    • Kay, Alan (1972): A Personal Computer for Children of All Ages – das ursprüngliche Dynabook-Konzeptpapier (frei online über ACM) https://dl.acm.org/doi/10.1145/800193.1971922
    • Kay, Alan Curtis (1968): FLEX – a flexible extendable language (über TIB-Portal und vor Ort)
    • Goldberg, A., & Kay, A. (1977): Methods for teaching the programming language Smalltalk. In Teaching Smalltalk (Issue 1). XEROX Palo Alto Research Center (über TIB-Portal und vor Ort)
    • Kay, Alan (1993): The Early History of Smalltalk – Kays persönliche Rückschau auf die Entstehung von Smalltalk (frei online über ACM) https://dl.acm.org/doi/10.1145/154766.155364
    • Kay, A. (2002). The Computer Revolution Hasn’t Happened Yet. In: Herczeg, M., Prinz, W., Oberquelle, H. (eds) Mensch & Computer 2002. Berichte des German Chapter of the ACM, vol 56. Vieweg+Teubner Verlag. https://doi.org/10.1007/978-3-322-89884-5_3

    Unterschiedliche Medien über Kay und seine Epoche (Bibliotheksbestand)

    • Kay, A. (2017). The HLF Portraits: Alan Kay. In The HLF Portraits. Heidelberg Laureate Forum Foundation. https://doi.org/10.5446/40194
    • Goldberg, Adele / Robson, David: Smalltalk-80: The Language and Its Implementation (1983) – Das Standardwerk zur von Kay mitentwickelten Sprache. ISBN 978-0201113716 (über TIB-Portal)
    • Shasha, Dennis / Lazere, Cathy: Out of Their Minds: The Lives and Discoveries of 15 Great Computer Scientists (1995) – enthält ein eigenes Kapitel über Kay. Corr. 2. printing. Copernicus. ISBN 0387979921 (über TIB Portal)

    „Die Computer-Revolution hat noch nicht begonnen

    Was bleibt von Alan Kay? Eine scheinbar paradoxe Aussage: 1997 erklärte er, die Computer-Revolution habe noch gar nicht stattgefunden – und steht bis heute zu dieser Einschätzung. Für Kay sind Computer noch immer zu sehr Werkzeuge der Routine und zu wenig Instrumente des tiefen Denkens. Seine Vision war stets eine andere: Computer, die Menschen helfen, Ideen zu entwickeln, die Welt wirklich zu verstehen und Probleme grundlegend neu zu durchdenken.

    In Zeiten Künstlicher Intelligenz, in denen Maschinen immer mehr Aufgaben übernehmen, klingt Kays Frage aktueller denn je: Nutzen wir Technologie wirklich, um klüger zu werden – oder nur, um schneller zu sein? Am 17. Mai feiert er seinen 86. Geburtstag. Ein guter Anlass, sein Denken (wieder) zu entdecken – in unserer Bibliothek und online.

    Weitere Quellen & Nachweise

    [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Alan_Kay

    [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Dynabook

    [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Xerox_PARC

    [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Smalltalk_(Programmiersprache)

    #ACMTuringAward #ACMDigitalLibrary #LizenzCCBY40INT #Informatik #ComputerScience #Informatiker #ComputerScientist #PersonalComputer #Dynabook
  35. Eingeprägte Geschichte – das Meistersiegel-Wiki ist online

    Wer im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwas auf sich hielt, der führte ein eigenes Wappen oder eine individuelle Marke, mit der er auf Dokumenten oder Urkunden siegelte. Auch bei den Meistern der Nürnberger Steinmetzbruderschaft war es Brauch, Gutachten oder Pläne mit ihren eigenen Meisterzeichen zu kennzeichnen. Meist geschah das in Form von Blind- oder Prägesiegeln, die mit einem Ring oder Stempel in das Papier eingedrückt wurden. In einer an der TIB im Open Science Lab in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der Leibniz Universität Hannover entwickelten Wikibase-Instanz, dem Meistersiegel-Wiki, werden nun erstmals solche Siegel erfasst und systematisch beschrieben.

    Blatt gr D Z 1: 5, Sammlung A. Haupt

    Die Nürnberger Proberisse – besondere Zeugnisse der Steinmetzausbildung

    Als Corpus für die Erfassung dient ein bisher kaum von der Forschung wahrgenommenes Konvolut von 34 Blättern mit sogenannten „Proberissen“, das sich in der Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragenen Sammlung des Hannoveraner Bauhistorikers und Architekten Albrecht Haupt (1852-1932) erhalten hat.

    Blatt gr D Z 1: 5, Slg. A. Haupt

    Diese Risse entstanden im Rahmen des Meisterstücks, das der Geselle zur Erlangung des Meisterstatus anzufertigen hatte und zeigen musterhafte Entwürfe und Konstruktionen von Gewölbeanlagen und Gebäuden. Schon früh wurden diese Blätter in das Umfeld der Nürnberger Steinmetzbruderschaft eingeordnet, ohne jedoch im Hinblick auf ihre Provenienz und Zusammensetzung genauer betrachtet worden zu sein.

    Als Architektur- und Werkzeichnungen, die im Kontext der Steinmetzlehre angefertigt wurden, sind sie besondere Zeugnisse der handwerklichen Ausbildung im Bauwesen in der Übergangszeit ab dem Spätmittelalter bis zur Auflösung des Zunftwesens Ende des 18. Jahrhunderts.

    Die zahlreichen, auf den Blättern oft kaum sichtbaren Blindsiegel der prüfenden Meister machen sie zu einem besonderen Studienobjekt, zumal es sich um ein individuelles – bislang nur für die Nürnberger Steinmetzbruderschaft nachweisbares − Phänomen handelt.

    Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts zur Erschließung der umfangreichen, heute in der TIB aufbewahrten Sammlung Haupts (GESAH) ist das Konvolut der Proberisse Bestandteil einer Tiefenerschließung und diente mit seinen Meistersiegel- bzw. Meisterstempelabdrücken als Fallstudie zur Verknüpfung mit der Forschungsdateninfrastruktur von NFDI4Culture.

    Das Meistersiegel-Wiki

    Die neue Wikibase-Datenbank zu den Meistersiegeln erfasst sämtliche Siegelmotive, die sich als Blindsiegel-Prägungen auf den Blättern erhalten haben. Mit ihrer Erfassung lassen sich Beziehungen der Siegler untereinander und zeitliche Entstehungszusammenhänge innerhalb der Blätter, aber auch zu darüber hinaus vorhandenen Quellenmaterialien nachvollziehen.

    Vorbereitend für die Erfassung der Nürnberger Meistersiegel in einer eigenen Wikibase-Instanz wurden alle erkennbaren Siegelabdrücke umgezeichnet, in ihren jeweiligen Charakteristika, Kombinationen und Gruppierungen tabellarisch aufgenommen und beschrieben. Für die Beschreibungen der auf den Siegeln enthaltenen Steinmetz- und Hausmarken wurden eigene, auf der Fachterminologie der Blasonierung basierende Kategorien entwickelt und ein umfangreiches fachspezifisches Glossar angelegt. Insgesamt ließen sich auf diese Weise 18 unterschiedliche Siegel auf den Blättern identifizieren und beschreiben, drei weitere konnten nur im rudimentären Zustand erfasst werden. Weitere neun Siegelmotive wurden aus der historischen Literatur in die Aufstellung übernommen.

    Im Abgleich mit den im Zuge der Archiv- und Literaturquellen ermittelten über 150 belegbaren Meister konnte ein Großteil der Siegler identifiziert werden. Über die überlieferte Kombination der Siegel wurden so genauere entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge sichtbar, die unter anderem zur Korrektur der zeitlichen Einordnung und Reihenfolge von bislang nur über die Wasserzeichen grob datierbaren Zeichnungen führte.

    Für den Aufbau der Wikibase wurden Klassifizierungen und Unterklassifizierungen vorgenommen, die ein bestmögliche und anschauliche Darstellung der Bezüge zwischen Siegel, Sieglern, den jeweiligen Trägern, ihren inhaltlichen und formalen Merkmalen (zum Beispiel Wasserzeichen) erlauben.

    Für die Siegel wurden zunächst feste IDs vergeben. Basierend auf den beschreibenden Properties Siegeln lassen sich über sogenannte Qualifiers komplexere Merkmale und Aussagen zu Siegel und siegelführender Person angeben und verknüpfen. Weitere Informationen zu Objekten und Personen (zum Beispiel Referenzen auf Archiv- und Literaturquellen oder Bemerkungen zur Identifizierung der Siegel) können durch eine Kommentarfunktion ergänzend hinzugefügt werden. Bei den Werkeinträgen im Vitro/SAH-Portal ist ein direktes Referenzieren auf die IDs der Marken möglich. Gleichzeitig sind über die Wiki-Base direkte Verweise auf die Pläne mit ihren Werkeinträgen im SAH-Portal angelegt.

    Eine Besonderheit ist das mit Piktogrammen unterstützte Glossar, das als begleitendes Corpus zu den beschreibenden Feldern der Siegelmotive und der Zusammensetzung der jeweiligen Marken herangezogen werden kann. Es beruht auf einem vereinheitlichten Fachvokabular (angelehnt an das Vokabular der Blasonierung für Hausmarken), auf das nun generell referenziert werden kann.

    Durch die fokussierte Betrachtung eines einzelnen – leicht übersehbaren – Phänomens auf den Nürnberger “Proberissen” können nun neue Einsichten in die Geschichte und Entwicklung des Bauhandwerks und der Baupraxis in der Frühen Neuzeit gewonnen werden. Gleichzeitig wurde eine Wissensdatenbank aufgebaut, die mit ihren gesammelten Daten im Linked-Data-Format öffentlich zugänglich und verknüpfbar ist und in Zukunft weiter kollaborativ bearbeitet und erweitert werden kann.

    #GESAH #SammlungHaupt #Wikibase4NFDI #Nürnberg #Meistersiegel #LizenzCCBY40INT #Steinmetzzeichen #OpenScienceLab #Wikibase
  36. Desinformation in Zeiten generativer KI

    Woche der Meinungsfreiheit 2026: Was ist wahr?

    Vom 3. bis 10. Mai 2026 findet zum sechsten Mal die Woche der Meinungsfreiheit statt. Unter dem Motto „Was ist wahr?“ geht es in der bundesweiten Aktionswoche um Fakten, Meinungen und Wahrhaftigkeit. In Demokratien ist Meinungsfreiheit ein hohes Gut. Doch was passiert, wenn Menschen nachweislich falsche Informationen verbreiten?

    Als Bibliothek und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtung steht die TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek für freien Zugang zu Wissen, digitale Souveränität und faktenbasierte Informationen – grundlegende Pfeiler einer demokratischen Gesellschaft. Denn nur wer Zugang zu verlässlichen Informationen hat, kann sich eine freie Meinung bilden. In den kommenden Tagen zeigen wir in Beiträgen im TIB-Blog, wie wir als TIB, die Meinungsfreiheit stärken: mit Citizen-Science-Projekten, mit dem freien Zugang zu Informationen, die eine objektive Meinungsbildung ermöglichen, und mit Forschungsansätzen im Bereich der Erkennung von Desinformation.

    Im digitalen Zeitalter verbreiten sich Informationen in rasanter Geschwindigkeit. Dadurch können auch Desinformationen schneller verbreitet werden und stellen eine wachsende Herausforderung für Gesellschaft, Medien, Politik und Demokratie dar. Ihre Auswirkungen reichen von der gezielten Meinungsmanipulation über gesellschaftliche Polarisierung bis hin zum schwindenden Vertrauen in Medien und Institutionen.

    Künstliche Intelligenz (KI) kann helfen, Inhalte automatisiert auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen. Gleichzeitig schafft sie neue Risiken, etwa durch die einfache Erzeugung täuschend echter Inhalte. Die TIB erforscht, wie KI im Umgang mit Desinformation eingesetzt werden kann und wo ihre Grenzen liegen.

    Herausforderungen bei der Erkennung von Desinformation

    Desinformation tritt in vielen Formen auf: von falschen Fakten bis hin zu manipulierten, generierten oder aus dem Kontext gerissenen Bildern. Besonders schwierig ist, dass Desinformation oft erst erkannt wird, wenn sie sich bereits weit verbreitet hat. Gleichzeitig fehlen gerade bei aktuellen Ereignissen häufig verlässliche Informationen zur Einordnung.

    Um Desinformation wirksam zu begegnen, wird eine Kombination verschiedenster KI-Lösungen und interdisziplinärer Forschung benötigt.

    Forschung an der TIB: Drei Perspektiven auf Desinformation

    Wenn echte Bilder täuschen: Intermodale Konsistenz erkennen

    Ein verbreitetes Muster von Desinformation ist die Nutzung echter Bilder in einem falschen Kontext. Solche Fälle sind schwer zu erkennen, da weder Bild noch Text für sich genommen falsch sein müssen und erst ihr Zusammenspiel eine irreführende Wirkung erzeugt.

    Beispiel: In einem Beitrag von CBS News am 25.03.2020 zur COVID-19-Pandemie in New York wurde Bildmaterial aus einem italienischen Krankenhaus verwendet und so ein verzerrtes Bild der Lage vermittelt.

    Screenshot des CBS-Beitrags auf der Webseite von Sharyl Attkisson vom 01.02.2021 aus dem Internet Archiv (https://web.archive.org/web/20210201012505/https://sharylattkisson.com/2020/03/cbs-admits-crowded-new-york-hospital-was-actually-in-italy/)

    Die Forschungsgruppe Visual Analytics beschäftigt sich seit Jahren mit der Erforschung von KI-Methoden zur Bestimmung von intermodalen Relationen, zum Beispiel zwischen Bild und Text. In diesem Zusammenhang wurden auch Lösungen und Prototypen zur Analyse der intermodalen Konsistenz in Nachrichten entwickelt. Dabei wird überprüft, ob zentrale Elemente wie Personen, Orte oder Ereignisse im Bild tatsächlich mit den Aussagen in (gesprochenen) Textinhalten übereinstimmen. So lassen sich Hinweise darauf finden, wenn visuelle Inhalte in einen falschen Kontext (wieder-)verwendet wurden.

    Screenshot des Prototypen (https://labs.tib.eu/newsanalytics) zur Analyse der intermodalen Konsistenz (und Geolokalisierung von Fotos) in Nachrichten. Aus Copyright-Gründen wurde der Wikipedia-Artikel zur zweiten Amtseinführung von Barack Obama als US-Präsident exemplarisch verwendet.

    Wie Desinformation erzählt wird: Narrative verstehen

    Desinformation entsteht häufig nicht nur durch einzelne falsche Fakten, sondern durch bestimmte narrative Muster, die bewusst oder unbewusst Sichtweisen oder Emotionen verstärken. Solche Erzählmuster, die ursprünglich vor allem aus Film und Storytelling bekannt sind, beeinflussen zunehmend auch die Berichterstattung in Nachrichtenmedien.

    Beispiel: In einem Tagesschau-Interview am 19. Januar 2022 tätigte der damalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach diese Aussage: „Es wird ja niemand gegen seinen Willen geimpft. Selbst die Impfpflicht führt ja dazu, dass man sich zum Schluss freiwillig impfen lässt“. Während der Beitrag der Tagesschau (zum Video) sachlich mit Interview-Sequenzen berichtet, wird die Aussage im Beitrag von Bild TV (zum Video) teilweise ironisiert oder ins Lächerliche gezogen und somit eine ablehnende Haltung verstärkt.

    Gegenüberstellung der Berichterstatung: Tagesschau-Interview und Bild-TV-Beitrag (Screenshots wurden den verlinkten Videos entnommen)

    Im interdisziplinären Projekt FakeNarratives untersuchte die Forschungsgruppe Visual Analytics gemeinsam mit Partnern der Universität Bremen und der Universität Leipzig, wie sich solche narrativen Muster mithilfe computergestützter Analysen sowie medien- und geisteswissenschaftlicher Methoden in Nachrichtenvideos erkennen lassen. Die Ergebnisse zeigen, dass alternative Nachrichtensendungen wie BildTV oder CompactTV deutlich häufiger evaluierende und emotionalisierende Erzählmuster verwenden als öffentlich-rechtliche Angebote wie die Tagesschau oder das ZDF heute journal.

    Wenn KI selbst zur Herausforderung wird: Systeme robuster machen

    KI ist ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen Desinformation. Gleichzeitig stellt generative KI neue Anforderungen an bestehende Erkennungssysteme, etwa durch die Möglichkeit, Inhalte vielfältig zu variieren oder subtil zu verändern, um noch glaubwürdigere desinformierende Beiträge oder Deep Fakes zu erzeugen.

    Beispiel: Ein mit großen generativen Sprachmodellen (LLM) umgeschriebener Fake-News-Beitrag wird trotz gleichbleibender Fakten von einem Modell zur Erkennung von Desinformation fälschlicherweise als korrekt (real) eingestuft.

    Screenshot aus der Publikation von Tahmasebi et al., 2026

    In einer aktuellen Publikation haben Forschende der TIB untersucht, wie Klassifikationsmodelle zur Erkennung von Desinformation gegenüber sogenannten Adversarial Attacks, also gezielten Täuschungsangriffen auf KI-Systeme, robuster gemacht werden können. Dabei wurden desinformierende Inhalte mit hilfe generativer beispielsweise in einem neutral oder positivem Ton umformuliert, sodass sie sich schwerer als Falschinformationen erkennen lassen.

    Durch die Optimierung der Klassifikationssysteme mit solchen umformulierten Texten konnte die Robustheit gegenüber diesen Angriffen deutlich gesteigert werden. KI-gestützte Verfahren zur Erkennung von Desinformation werden dadurch zuverlässiger und widerstandsfähiger gegenüber gezielten Manipulationen.

    Fazit: Gemeinsam gegen Desinformation

    Desinformation ist eine komplexe Herausforderung. Die Forschung an der TIB zeigt, wie KI dabei helfen kann, irreführende Inhalte besser zu erkennen und zu analysieren.

    Gleichzeitig ist klar: KI allein reicht nicht. Die Systeme sind auf verlässliche Daten angewiesen und benötigen weiterhin menschliche Bewertung. Der Umgang mit Desinformation erfordert das Zusammenspiel von Wissenschaft, Medien und Gesellschaft.

    Nur wenn verlässliche Informationen zugänglich sind, technologische Werkzeuge verantwortungsvoll eingesetzt werden und Menschen befähigt sind, Inhalte kritisch zu hinterfragen, wird eine informierte Meinungsbildung und -äußerung ermöglicht.

    #LizenzCCBY40INT #Desinformation #Forschung #FakeNews #Videos #VisualAnalytics
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