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Vereinfachte Eingabe von komplexen Daten in Wikibase
read this article in EnglishDatenmodelle können komplex sein und viele Klassen sowie Properties (oder Eigenschaften) enthalten, die miteinander verbunden sind – da verliert man schnell den Überblick. Gerade wenn man länger keine Daten mehr in einem Daten-Management-System wie Wikibase angelegt hat, kann es leicht passieren, dass man erst wieder die Datenmodell-Dokumentation lesen muss, bevor man loslegen kann.
Wikibase ist die freie Open-Source-Software, auf der Wikidata, die öffentliche Wissensdatenbank der Wikimedia-Bewegung, basiert. Wikibase ist ein bekanntes und weit verbreitetes Werkzeug in GLAM- und Forschungsdaten-Communities. Es ist beliebt wegen der Vielzahl an Funktionen, die es standardmäßig bietet, der großen Open-Source-Community, die Erweiterungen dafür entwickelt, und der Flexibilität, es an individuelle Datenanforderungen anzupassen. Diese Flexibilität kann jedoch auch zu Problemen bei der Benutzerfreundlichkeit führen.
Denn wenn man eine neue Entität für eine bestimmte Klasse anlegen möchte, weiß man auf den standardmäßig eingerichteten Wikibase-Seiten nicht:
- Welche Informationen, die für diese Art von Entität zu erwarten wären, fehlen?
- Welche Eigenschaft sollte für die jeweilige Information verwendet werden (zum Beispiel „Land“ vs. „Herkunftsland“)?
Genau für diesen Fall war es das Ziel, innerhalb einer Wikibase4Research-Instanz ein Formular für ein Datenmodell rund um Theaterproduktionen und Aufführungen zu entwickeln. Wikibase4Research ist ein individuell konfigurierbarer Docker-Container, der die Standard-Wikibase-Distribution erweitert. Er wurde vom Open Science Lab der TIB im Rahmen des NFDI4Culture-Konsortiums entwickelt und wird für Projekte wie die von der Universität Leipzig initiierte Performing Arts Database (PAD) genutzt.
Bei der Recherche nach geeigneten Lösungen für den PAD-Anwendungsfall sind wir auf forage gestoßen. Das User Script fügt jedem Wikibase-Item einen neuen Reiter hinzu, über den sich ein Formular öffnet, das alle für das aktuelle Item relevanten Properties anzeigt. Die Dateneingabe wird dabei durch vereinfachte Eingabefelder erleichtert.
Das Skript hat bei den ersten Tests sehr gut funktioniert, allerdings fehlten uns noch einige Features. Wir haben uns daher entschieden, das öffentliche Repository zu forken und eine Erweiterung zu schreiben. Das daraus entstandene Skript „forage extended“ ist weiterhin Open Source und im Gitlab von Wikibase4Research für alle verfügbar.
Folgende Features wurden neu integriert:
- Schema-basiertes Formularlayout:
Eigenschaften werden über ein Konfigurationsobjekt nach Entitätstyp gruppiert und sortiert. - Neues Item anlegen für bestimmte Klasse:
Beim Öffnen der „Formulare“ in Forage für ein leeres Element wird ein Bildschirm zur Klassenauswahl angezeigt; durch Anklicken einer Klasse werden die erforderlichen Eigenschaften automatisch gesetzt und das Formular neu geladen – dies kann im Konfigurationsobjekt festgelegt werden. - Unterstützung von Qualifikatoren:
Konfigurierbare Qualifikator-Eingabefelder erscheinen direkt unter der übergeordneten Eigenschaft. (So kann beispielsweise ein Rollenname für die Eigenschaft Schauspieler:in direkt hinzugefügt werden.) - Validierung von Pflichtfeldern:
Als Pflichtfelder markierte Felder werden mit einem roten Sternchen gekennzeichnet und in einem Warnbanner aufgelistet, bis ein Wert gespeichert wurde.
Das daraus entstandene Skript vereinfacht die manuelle Erfassung neuer Entitäten erheblich: Man muss nicht mehr selbst nach den richtigen Eigenschaften suchen, sondern hat sie immer direkt vor Augen.
Wir planen, „Forage Extended“ über einen Merge-Request an das Repository, in dem die Originalversion gehostet wird, wieder in das breitere Open-Source-Ökosystem einzubringen und damit anderen Mitgliedern der Wikibase-Community dabei zu helfen, ihre komplexen Daten einfacher einzugeben.
#LizenzCCBY40INT #Wikibase #Wikibase4NFDI #Wikibase4Research #SemanticWikibase #extension #forage -
Vereinfachte Eingabe von komplexen Daten in Wikibase
read this article in EnglishDatenmodelle können komplex sein und viele Klassen sowie Properties (oder Eigenschaften) enthalten, die miteinander verbunden sind – da verliert man schnell den Überblick. Gerade wenn man länger keine Daten mehr in einem Daten-Management-System wie Wikibase angelegt hat, kann es leicht passieren, dass man erst wieder die Datenmodell-Dokumentation lesen muss, bevor man loslegen kann.
Wikibase ist die freie Open-Source-Software, auf der Wikidata, die öffentliche Wissensdatenbank der Wikimedia-Bewegung, basiert. Wikibase ist ein bekanntes und weit verbreitetes Werkzeug in GLAM- und Forschungsdaten-Communities. Es ist beliebt wegen der Vielzahl an Funktionen, die es standardmäßig bietet, der großen Open-Source-Community, die Erweiterungen dafür entwickelt, und der Flexibilität, es an individuelle Datenanforderungen anzupassen. Diese Flexibilität kann jedoch auch zu Problemen bei der Benutzerfreundlichkeit führen.
Denn wenn man eine neue Entität für eine bestimmte Klasse anlegen möchte, weiß man auf den standardmäßig eingerichteten Wikibase-Seiten nicht:
- Welche Informationen, die für diese Art von Entität zu erwarten wären, fehlen?
- Welche Eigenschaft sollte für die jeweilige Information verwendet werden (zum Beispiel „Land“ vs. „Herkunftsland“)?
Genau für diesen Fall war es das Ziel, innerhalb einer Wikibase4Research-Instanz ein Formular für ein Datenmodell rund um Theaterproduktionen und Aufführungen zu entwickeln. Wikibase4Research ist ein individuell konfigurierbarer Docker-Container, der die Standard-Wikibase-Distribution erweitert. Er wurde vom Open Science Lab der TIB im Rahmen des NFDI4Culture-Konsortiums entwickelt und wird für Projekte wie die von der Universität Leipzig initiierte Performing Arts Database (PAD) genutzt.
Bei der Recherche nach geeigneten Lösungen für den PAD-Anwendungsfall sind wir auf forage gestoßen. Das User Script fügt jedem Wikibase-Item einen neuen Reiter hinzu, über den sich ein Formular öffnet, das alle für das aktuelle Item relevanten Properties anzeigt. Die Dateneingabe wird dabei durch vereinfachte Eingabefelder erleichtert.
Das Skript hat bei den ersten Tests sehr gut funktioniert, allerdings fehlten uns noch einige Features. Wir haben uns daher entschieden, das öffentliche Repository zu forken und eine Erweiterung zu schreiben. Das daraus entstandene Skript „forage extended“ ist weiterhin Open Source und im Gitlab von Wikibase4Research für alle verfügbar.
Folgende Features wurden neu integriert:
- Schema-basiertes Formularlayout:
Eigenschaften werden über ein Konfigurationsobjekt nach Entitätstyp gruppiert und sortiert. - Neues Item anlegen für bestimmte Klasse:
Beim Öffnen der „Formulare“ in Forage für ein leeres Element wird ein Bildschirm zur Klassenauswahl angezeigt; durch Anklicken einer Klasse werden die erforderlichen Eigenschaften automatisch gesetzt und das Formular neu geladen – dies kann im Konfigurationsobjekt festgelegt werden. - Unterstützung von Qualifikatoren:
Konfigurierbare Qualifikator-Eingabefelder erscheinen direkt unter der übergeordneten Eigenschaft. (So kann beispielsweise ein Rollenname für die Eigenschaft Schauspieler:in direkt hinzugefügt werden.) - Validierung von Pflichtfeldern:
Als Pflichtfelder markierte Felder werden mit einem roten Sternchen gekennzeichnet und in einem Warnbanner aufgelistet, bis ein Wert gespeichert wurde.
Das daraus entstandene Skript vereinfacht die manuelle Erfassung neuer Entitäten erheblich: Man muss nicht mehr selbst nach den richtigen Eigenschaften suchen, sondern hat sie immer direkt vor Augen.
Wir planen, „Forage Extended“ über einen Merge-Request an das Repository, in dem die Originalversion gehostet wird, wieder in das breitere Open-Source-Ökosystem einzubringen und damit anderen Mitgliedern der Wikibase-Community dabei zu helfen, ihre komplexen Daten einfacher einzugeben.
#LizenzCCBY40INT #Wikibase #Wikibase4NFDI #Wikibase4Research #SemanticWikibase #extension #forage -
Vereinfachte Eingabe von komplexen Daten in Wikibase
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Wikibase ist die freie Open-Source-Software, auf der Wikidata, die öffentliche Wissensdatenbank der Wikimedia-Bewegung, basiert. Wikibase ist ein bekanntes und weit verbreitetes Werkzeug in GLAM- und Forschungsdaten-Communities. Es ist beliebt wegen der Vielzahl an Funktionen, die es standardmäßig bietet, der großen Open-Source-Community, die Erweiterungen dafür entwickelt, und der Flexibilität, es an individuelle Datenanforderungen anzupassen. Diese Flexibilität kann jedoch auch zu Problemen bei der Benutzerfreundlichkeit führen.
Denn wenn man eine neue Entität für eine bestimmte Klasse anlegen möchte, weiß man auf den standardmäßig eingerichteten Wikibase-Seiten nicht:
- Welche Informationen, die für diese Art von Entität zu erwarten wären, fehlen?
- Welche Eigenschaft sollte für die jeweilige Information verwendet werden (zum Beispiel „Land“ vs. „Herkunftsland“)?
Genau für diesen Fall war es das Ziel, innerhalb einer Wikibase4Research-Instanz ein Formular für ein Datenmodell rund um Theaterproduktionen und Aufführungen zu entwickeln. Wikibase4Research ist ein individuell konfigurierbarer Docker-Container, der die Standard-Wikibase-Distribution erweitert. Er wurde vom Open Science Lab der TIB im Rahmen des NFDI4Culture-Konsortiums entwickelt und wird für Projekte wie die von der Universität Leipzig initiierte Performing Arts Database (PAD) genutzt.
Bei der Recherche nach geeigneten Lösungen für den PAD-Anwendungsfall sind wir auf forage gestoßen. Das User Script fügt jedem Wikibase-Item einen neuen Reiter hinzu, über den sich ein Formular öffnet, das alle für das aktuelle Item relevanten Properties anzeigt. Die Dateneingabe wird dabei durch vereinfachte Eingabefelder erleichtert.
Das Skript hat bei den ersten Tests sehr gut funktioniert, allerdings fehlten uns noch einige Features. Wir haben uns daher entschieden, das öffentliche Repository zu forken und eine Erweiterung zu schreiben. Das daraus entstandene Skript „forage extended“ ist weiterhin Open Source und im Gitlab von Wikibase4Research für alle verfügbar.
Folgende Features wurden neu integriert:
- Schema-basiertes Formularlayout:
Eigenschaften werden über ein Konfigurationsobjekt nach Entitätstyp gruppiert und sortiert. - Neues Item anlegen für bestimmte Klasse:
Beim Öffnen der „Formulare“ in Forage für ein leeres Element wird ein Bildschirm zur Klassenauswahl angezeigt; durch Anklicken einer Klasse werden die erforderlichen Eigenschaften automatisch gesetzt und das Formular neu geladen – dies kann im Konfigurationsobjekt festgelegt werden. - Unterstützung von Qualifikatoren:
Konfigurierbare Qualifikator-Eingabefelder erscheinen direkt unter der übergeordneten Eigenschaft. (So kann beispielsweise ein Rollenname für die Eigenschaft Schauspieler:in direkt hinzugefügt werden.) - Validierung von Pflichtfeldern:
Als Pflichtfelder markierte Felder werden mit einem roten Sternchen gekennzeichnet und in einem Warnbanner aufgelistet, bis ein Wert gespeichert wurde.
Das daraus entstandene Skript vereinfacht die manuelle Erfassung neuer Entitäten erheblich: Man muss nicht mehr selbst nach den richtigen Eigenschaften suchen, sondern hat sie immer direkt vor Augen.
Wir planen, „Forage Extended“ über einen Merge-Request an das Repository, in dem die Originalversion gehostet wird, wieder in das breitere Open-Source-Ökosystem einzubringen und damit anderen Mitgliedern der Wikibase-Community dabei zu helfen, ihre komplexen Daten einfacher einzugeben.
#Wikibase4Research #SemanticWikibase #extension #forage #LizenzCCBY40INT #Wikibase #Wikibase4NFDI -
Vereinfachte Eingabe von komplexen Daten in Wikibase
read this article in EnglishDatenmodelle können komplex sein und viele Klassen sowie Properties (oder Eigenschaften) enthalten, die miteinander verbunden sind – da verliert man schnell den Überblick. Gerade wenn man länger keine Daten mehr in einem Daten-Management-System wie Wikibase angelegt hat, kann es leicht passieren, dass man erst wieder die Datenmodell-Dokumentation lesen muss, bevor man loslegen kann.
Wikibase ist die freie Open-Source-Software, auf der Wikidata, die öffentliche Wissensdatenbank der Wikimedia-Bewegung, basiert. Wikibase ist ein bekanntes und weit verbreitetes Werkzeug in GLAM- und Forschungsdaten-Communities. Es ist beliebt wegen der Vielzahl an Funktionen, die es standardmäßig bietet, der großen Open-Source-Community, die Erweiterungen dafür entwickelt, und der Flexibilität, es an individuelle Datenanforderungen anzupassen. Diese Flexibilität kann jedoch auch zu Problemen bei der Benutzerfreundlichkeit führen.
Denn wenn man eine neue Entität für eine bestimmte Klasse anlegen möchte, weiß man auf den standardmäßig eingerichteten Wikibase-Seiten nicht:
- Welche Informationen, die für diese Art von Entität zu erwarten wären, fehlen?
- Welche Eigenschaft sollte für die jeweilige Information verwendet werden (zum Beispiel „Land“ vs. „Herkunftsland“)?
Genau für diesen Fall war es das Ziel, innerhalb einer Wikibase4Research-Instanz ein Formular für ein Datenmodell rund um Theaterproduktionen und Aufführungen zu entwickeln. Wikibase4Research ist ein individuell konfigurierbarer Docker-Container, der die Standard-Wikibase-Distribution erweitert. Er wurde vom Open Science Lab der TIB im Rahmen des NFDI4Culture-Konsortiums entwickelt und wird für Projekte wie die von der Universität Leipzig initiierte Performing Arts Database (PAD) genutzt.
Bei der Recherche nach geeigneten Lösungen für den PAD-Anwendungsfall sind wir auf forage gestoßen. Das User Script fügt jedem Wikibase-Item einen neuen Reiter hinzu, über den sich ein Formular öffnet, das alle für das aktuelle Item relevanten Properties anzeigt. Die Dateneingabe wird dabei durch vereinfachte Eingabefelder erleichtert.
Das Skript hat bei den ersten Tests sehr gut funktioniert, allerdings fehlten uns noch einige Features. Wir haben uns daher entschieden, das öffentliche Repository zu forken und eine Erweiterung zu schreiben. Das daraus entstandene Skript „forage extended“ ist weiterhin Open Source und im Gitlab von Wikibase4Research für alle verfügbar.
Folgende Features wurden neu integriert:
- Schema-basiertes Formularlayout:
Eigenschaften werden über ein Konfigurationsobjekt nach Entitätstyp gruppiert und sortiert. - Neues Item anlegen für bestimmte Klasse:
Beim Öffnen der „Formulare“ in Forage für ein leeres Element wird ein Bildschirm zur Klassenauswahl angezeigt; durch Anklicken einer Klasse werden die erforderlichen Eigenschaften automatisch gesetzt und das Formular neu geladen – dies kann im Konfigurationsobjekt festgelegt werden. - Unterstützung von Qualifikatoren:
Konfigurierbare Qualifikator-Eingabefelder erscheinen direkt unter der übergeordneten Eigenschaft. (So kann beispielsweise ein Rollenname für die Eigenschaft Schauspieler:in direkt hinzugefügt werden.) - Validierung von Pflichtfeldern:
Als Pflichtfelder markierte Felder werden mit einem roten Sternchen gekennzeichnet und in einem Warnbanner aufgelistet, bis ein Wert gespeichert wurde.
Das daraus entstandene Skript vereinfacht die manuelle Erfassung neuer Entitäten erheblich: Man muss nicht mehr selbst nach den richtigen Eigenschaften suchen, sondern hat sie immer direkt vor Augen.
Wir planen, „Forage Extended“ über einen Merge-Request an das Repository, in dem die Originalversion gehostet wird, wieder in das breitere Open-Source-Ökosystem einzubringen und damit anderen Mitgliedern der Wikibase-Community dabei zu helfen, ihre komplexen Daten einfacher einzugeben.
#Wikibase #Wikibase4NFDI #Wikibase4Research #SemanticWikibase #extension #forage #LizenzCCBY40INT -
Eingeprägte Geschichte – das Meistersiegel-Wiki ist online
Wer im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwas auf sich hielt, der führte ein eigenes Wappen oder eine individuelle Marke, mit der er auf Dokumenten oder Urkunden siegelte. Auch bei den Meistern der Nürnberger Steinmetzbruderschaft war es Brauch, Gutachten oder Pläne mit ihren eigenen Meisterzeichen zu kennzeichnen. Meist geschah das in Form von Blind- oder Prägesiegeln, die mit einem Ring oder Stempel in das Papier eingedrückt wurden. In einer an der TIB im Open Science Lab in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der Leibniz Universität Hannover entwickelten Wikibase-Instanz, dem Meistersiegel-Wiki, werden nun erstmals solche Siegel erfasst und systematisch beschrieben.
Blatt gr D Z 1: 5, Sammlung A. HauptDie Nürnberger Proberisse – besondere Zeugnisse der Steinmetzausbildung
Als Corpus für die Erfassung dient ein bisher kaum von der Forschung wahrgenommenes Konvolut von 34 Blättern mit sogenannten „Proberissen“, das sich in der Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragenen Sammlung des Hannoveraner Bauhistorikers und Architekten Albrecht Haupt (1852-1932) erhalten hat.
Blatt gr D Z 1: 5, Slg. A. HauptDiese Risse entstanden im Rahmen des Meisterstücks, das der Geselle zur Erlangung des Meisterstatus anzufertigen hatte und zeigen musterhafte Entwürfe und Konstruktionen von Gewölbeanlagen und Gebäuden. Schon früh wurden diese Blätter in das Umfeld der Nürnberger Steinmetzbruderschaft eingeordnet, ohne jedoch im Hinblick auf ihre Provenienz und Zusammensetzung genauer betrachtet worden zu sein.
Als Architektur- und Werkzeichnungen, die im Kontext der Steinmetzlehre angefertigt wurden, sind sie besondere Zeugnisse der handwerklichen Ausbildung im Bauwesen in der Übergangszeit ab dem Spätmittelalter bis zur Auflösung des Zunftwesens Ende des 18. Jahrhunderts.
Die zahlreichen, auf den Blättern oft kaum sichtbaren Blindsiegel der prüfenden Meister machen sie zu einem besonderen Studienobjekt, zumal es sich um ein individuelles – bislang nur für die Nürnberger Steinmetzbruderschaft nachweisbares − Phänomen handelt.
Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts zur Erschließung der umfangreichen, heute in der TIB aufbewahrten Sammlung Haupts (GESAH) ist das Konvolut der Proberisse Bestandteil einer Tiefenerschließung und diente mit seinen Meistersiegel- bzw. Meisterstempelabdrücken als Fallstudie zur Verknüpfung mit der Forschungsdateninfrastruktur von NFDI4Culture.
Das Meistersiegel-Wiki
Die neue Wikibase-Datenbank zu den Meistersiegeln erfasst sämtliche Siegelmotive, die sich als Blindsiegel-Prägungen auf den Blättern erhalten haben. Mit ihrer Erfassung lassen sich Beziehungen der Siegler untereinander und zeitliche Entstehungszusammenhänge innerhalb der Blätter, aber auch zu darüber hinaus vorhandenen Quellenmaterialien nachvollziehen.
Vorbereitend für die Erfassung der Nürnberger Meistersiegel in einer eigenen Wikibase-Instanz wurden alle erkennbaren Siegelabdrücke umgezeichnet, in ihren jeweiligen Charakteristika, Kombinationen und Gruppierungen tabellarisch aufgenommen und beschrieben. Für die Beschreibungen der auf den Siegeln enthaltenen Steinmetz- und Hausmarken wurden eigene, auf der Fachterminologie der Blasonierung basierende Kategorien entwickelt und ein umfangreiches fachspezifisches Glossar angelegt. Insgesamt ließen sich auf diese Weise 18 unterschiedliche Siegel auf den Blättern identifizieren und beschreiben, drei weitere konnten nur im rudimentären Zustand erfasst werden. Weitere neun Siegelmotive wurden aus der historischen Literatur in die Aufstellung übernommen.
Im Abgleich mit den im Zuge der Archiv- und Literaturquellen ermittelten über 150 belegbaren Meister konnte ein Großteil der Siegler identifiziert werden. Über die überlieferte Kombination der Siegel wurden so genauere entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge sichtbar, die unter anderem zur Korrektur der zeitlichen Einordnung und Reihenfolge von bislang nur über die Wasserzeichen grob datierbaren Zeichnungen führte.
Für den Aufbau der Wikibase wurden Klassifizierungen und Unterklassifizierungen vorgenommen, die ein bestmögliche und anschauliche Darstellung der Bezüge zwischen Siegel, Sieglern, den jeweiligen Trägern, ihren inhaltlichen und formalen Merkmalen (zum Beispiel Wasserzeichen) erlauben.
Für die Siegel wurden zunächst feste IDs vergeben. Basierend auf den beschreibenden Properties Siegeln lassen sich über sogenannte Qualifiers komplexere Merkmale und Aussagen zu Siegel und siegelführender Person angeben und verknüpfen. Weitere Informationen zu Objekten und Personen (zum Beispiel Referenzen auf Archiv- und Literaturquellen oder Bemerkungen zur Identifizierung der Siegel) können durch eine Kommentarfunktion ergänzend hinzugefügt werden. Bei den Werkeinträgen im Vitro/SAH-Portal ist ein direktes Referenzieren auf die IDs der Marken möglich. Gleichzeitig sind über die Wiki-Base direkte Verweise auf die Pläne mit ihren Werkeinträgen im SAH-Portal angelegt.
Eine Besonderheit ist das mit Piktogrammen unterstützte Glossar, das als begleitendes Corpus zu den beschreibenden Feldern der Siegelmotive und der Zusammensetzung der jeweiligen Marken herangezogen werden kann. Es beruht auf einem vereinheitlichten Fachvokabular (angelehnt an das Vokabular der Blasonierung für Hausmarken), auf das nun generell referenziert werden kann.
Durch die fokussierte Betrachtung eines einzelnen – leicht übersehbaren – Phänomens auf den Nürnberger “Proberissen” können nun neue Einsichten in die Geschichte und Entwicklung des Bauhandwerks und der Baupraxis in der Frühen Neuzeit gewonnen werden. Gleichzeitig wurde eine Wissensdatenbank aufgebaut, die mit ihren gesammelten Daten im Linked-Data-Format öffentlich zugänglich und verknüpfbar ist und in Zukunft weiter kollaborativ bearbeitet und erweitert werden kann.
#Nürnberg #Meistersiegel #LizenzCCBY40INT #Steinmetzzeichen #OpenScienceLab #Wikibase #GESAH #SammlungHaupt #Wikibase4NFDI -
Eingeprägte Geschichte – das Meistersiegel-Wiki ist online
Wer im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwas auf sich hielt, der führte ein eigenes Wappen oder eine individuelle Marke, mit der er auf Dokumenten oder Urkunden siegelte. Auch bei den Meistern der Nürnberger Steinmetzbruderschaft war es Brauch, Gutachten oder Pläne mit ihren eigenen Meisterzeichen zu kennzeichnen. Meist geschah das in Form von Blind- oder Prägesiegeln, die mit einem Ring oder Stempel in das Papier eingedrückt wurden. In einer an der TIB im Open Science Lab in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der Leibniz Universität Hannover entwickelten Wikibase-Instanz, dem Meistersiegel-Wiki, werden nun erstmals solche Siegel erfasst und systematisch beschrieben.
Blatt gr D Z 1: 5, Sammlung A. HauptDie Nürnberger Proberisse – besondere Zeugnisse der Steinmetzausbildung
Als Corpus für die Erfassung dient ein bisher kaum von der Forschung wahrgenommenes Konvolut von 34 Blättern mit sogenannten „Proberissen“, das sich in der Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragenen Sammlung des Hannoveraner Bauhistorikers und Architekten Albrecht Haupt (1852-1932) erhalten hat.
Blatt gr D Z 1: 5, Slg. A. HauptDiese Risse entstanden im Rahmen des Meisterstücks, das der Geselle zur Erlangung des Meisterstatus anzufertigen hatte und zeigen musterhafte Entwürfe und Konstruktionen von Gewölbeanlagen und Gebäuden. Schon früh wurden diese Blätter in das Umfeld der Nürnberger Steinmetzbruderschaft eingeordnet, ohne jedoch im Hinblick auf ihre Provenienz und Zusammensetzung genauer betrachtet worden zu sein.
Als Architektur- und Werkzeichnungen, die im Kontext der Steinmetzlehre angefertigt wurden, sind sie besondere Zeugnisse der handwerklichen Ausbildung im Bauwesen in der Übergangszeit ab dem Spätmittelalter bis zur Auflösung des Zunftwesens Ende des 18. Jahrhunderts.
Die zahlreichen, auf den Blättern oft kaum sichtbaren Blindsiegel der prüfenden Meister machen sie zu einem besonderen Studienobjekt, zumal es sich um ein individuelles – bislang nur für die Nürnberger Steinmetzbruderschaft nachweisbares − Phänomen handelt.
Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts zur Erschließung der umfangreichen, heute in der TIB aufbewahrten Sammlung Haupts (GESAH) ist das Konvolut der Proberisse Bestandteil einer Tiefenerschließung und diente mit seinen Meistersiegel- bzw. Meisterstempelabdrücken als Fallstudie zur Verknüpfung mit der Forschungsdateninfrastruktur von NFDI4Culture.
Das Meistersiegel-Wiki
Die neue Wikibase-Datenbank zu den Meistersiegeln erfasst sämtliche Siegelmotive, die sich als Blindsiegel-Prägungen auf den Blättern erhalten haben. Mit ihrer Erfassung lassen sich Beziehungen der Siegler untereinander und zeitliche Entstehungszusammenhänge innerhalb der Blätter, aber auch zu darüber hinaus vorhandenen Quellenmaterialien nachvollziehen.
Vorbereitend für die Erfassung der Nürnberger Meistersiegel in einer eigenen Wikibase-Instanz wurden alle erkennbaren Siegelabdrücke umgezeichnet, in ihren jeweiligen Charakteristika, Kombinationen und Gruppierungen tabellarisch aufgenommen und beschrieben. Für die Beschreibungen der auf den Siegeln enthaltenen Steinmetz- und Hausmarken wurden eigene, auf der Fachterminologie der Blasonierung basierende Kategorien entwickelt und ein umfangreiches fachspezifisches Glossar angelegt. Insgesamt ließen sich auf diese Weise 18 unterschiedliche Siegel auf den Blättern identifizieren und beschreiben, drei weitere konnten nur im rudimentären Zustand erfasst werden. Weitere neun Siegelmotive wurden aus der historischen Literatur in die Aufstellung übernommen.
Im Abgleich mit den im Zuge der Archiv- und Literaturquellen ermittelten über 150 belegbaren Meister konnte ein Großteil der Siegler identifiziert werden. Über die überlieferte Kombination der Siegel wurden so genauere entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge sichtbar, die unter anderem zur Korrektur der zeitlichen Einordnung und Reihenfolge von bislang nur über die Wasserzeichen grob datierbaren Zeichnungen führte.
Für den Aufbau der Wikibase wurden Klassifizierungen und Unterklassifizierungen vorgenommen, die ein bestmögliche und anschauliche Darstellung der Bezüge zwischen Siegel, Sieglern, den jeweiligen Trägern, ihren inhaltlichen und formalen Merkmalen (zum Beispiel Wasserzeichen) erlauben.
Für die Siegel wurden zunächst feste IDs vergeben. Basierend auf den beschreibenden Properties Siegeln lassen sich über sogenannte Qualifiers komplexere Merkmale und Aussagen zu Siegel und siegelführender Person angeben und verknüpfen. Weitere Informationen zu Objekten und Personen (zum Beispiel Referenzen auf Archiv- und Literaturquellen oder Bemerkungen zur Identifizierung der Siegel) können durch eine Kommentarfunktion ergänzend hinzugefügt werden. Bei den Werkeinträgen im Vitro/SAH-Portal ist ein direktes Referenzieren auf die IDs der Marken möglich. Gleichzeitig sind über die Wiki-Base direkte Verweise auf die Pläne mit ihren Werkeinträgen im SAH-Portal angelegt.
Eine Besonderheit ist das mit Piktogrammen unterstützte Glossar, das als begleitendes Corpus zu den beschreibenden Feldern der Siegelmotive und der Zusammensetzung der jeweiligen Marken herangezogen werden kann. Es beruht auf einem vereinheitlichten Fachvokabular (angelehnt an das Vokabular der Blasonierung für Hausmarken), auf das nun generell referenziert werden kann.
Durch die fokussierte Betrachtung eines einzelnen – leicht übersehbaren – Phänomens auf den Nürnberger “Proberissen” können nun neue Einsichten in die Geschichte und Entwicklung des Bauhandwerks und der Baupraxis in der Frühen Neuzeit gewonnen werden. Gleichzeitig wurde eine Wissensdatenbank aufgebaut, die mit ihren gesammelten Daten im Linked-Data-Format öffentlich zugänglich und verknüpfbar ist und in Zukunft weiter kollaborativ bearbeitet und erweitert werden kann.
#Nürnberg #Meistersiegel #LizenzCCBY40INT #Steinmetzzeichen #OpenScienceLab #Wikibase #GESAH #SammlungHaupt #Wikibase4NFDI -
Eingeprägte Geschichte – das Meistersiegel-Wiki ist online
Wer im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwas auf sich hielt, der führte ein eigenes Wappen oder eine individuelle Marke, mit der er auf Dokumenten oder Urkunden siegelte. Auch bei den Meistern der Nürnberger Steinmetzbruderschaft war es Brauch, Gutachten oder Pläne mit ihren eigenen Meisterzeichen zu kennzeichnen. Meist geschah das in Form von Blind- oder Prägesiegeln, die mit einem Ring oder Stempel in das Papier eingedrückt wurden. In einer an der TIB im Open Science Lab in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der Leibniz Universität Hannover entwickelten Wikibase-Instanz, dem Meistersiegel-Wiki, werden nun erstmals solche Siegel erfasst und systematisch beschrieben.
Blatt gr D Z 1: 5, Sammlung A. HauptDie Nürnberger Proberisse – besondere Zeugnisse der Steinmetzausbildung
Als Corpus für die Erfassung dient ein bisher kaum von der Forschung wahrgenommenes Konvolut von 34 Blättern mit sogenannten „Proberissen“, das sich in der Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragenen Sammlung des Hannoveraner Bauhistorikers und Architekten Albrecht Haupt (1852-1932) erhalten hat.
Blatt gr D Z 1: 5, Slg. A. HauptDiese Risse entstanden im Rahmen des Meisterstücks, das der Geselle zur Erlangung des Meisterstatus anzufertigen hatte und zeigen musterhafte Entwürfe und Konstruktionen von Gewölbeanlagen und Gebäuden. Schon früh wurden diese Blätter in das Umfeld der Nürnberger Steinmetzbruderschaft eingeordnet, ohne jedoch im Hinblick auf ihre Provenienz und Zusammensetzung genauer betrachtet worden zu sein.
Als Architektur- und Werkzeichnungen, die im Kontext der Steinmetzlehre angefertigt wurden, sind sie besondere Zeugnisse der handwerklichen Ausbildung im Bauwesen in der Übergangszeit ab dem Spätmittelalter bis zur Auflösung des Zunftwesens Ende des 18. Jahrhunderts.
Die zahlreichen, auf den Blättern oft kaum sichtbaren Blindsiegel der prüfenden Meister machen sie zu einem besonderen Studienobjekt, zumal es sich um ein individuelles – bislang nur für die Nürnberger Steinmetzbruderschaft nachweisbares − Phänomen handelt.
Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts zur Erschließung der umfangreichen, heute in der TIB aufbewahrten Sammlung Haupts (GESAH) ist das Konvolut der Proberisse Bestandteil einer Tiefenerschließung und diente mit seinen Meistersiegel- bzw. Meisterstempelabdrücken als Fallstudie zur Verknüpfung mit der Forschungsdateninfrastruktur von NFDI4Culture.
Das Meistersiegel-Wiki
Die neue Wikibase-Datenbank zu den Meistersiegeln erfasst sämtliche Siegelmotive, die sich als Blindsiegel-Prägungen auf den Blättern erhalten haben. Mit ihrer Erfassung lassen sich Beziehungen der Siegler untereinander und zeitliche Entstehungszusammenhänge innerhalb der Blätter, aber auch zu darüber hinaus vorhandenen Quellenmaterialien nachvollziehen.
Vorbereitend für die Erfassung der Nürnberger Meistersiegel in einer eigenen Wikibase-Instanz wurden alle erkennbaren Siegelabdrücke umgezeichnet, in ihren jeweiligen Charakteristika, Kombinationen und Gruppierungen tabellarisch aufgenommen und beschrieben. Für die Beschreibungen der auf den Siegeln enthaltenen Steinmetz- und Hausmarken wurden eigene, auf der Fachterminologie der Blasonierung basierende Kategorien entwickelt und ein umfangreiches fachspezifisches Glossar angelegt. Insgesamt ließen sich auf diese Weise 18 unterschiedliche Siegel auf den Blättern identifizieren und beschreiben, drei weitere konnten nur im rudimentären Zustand erfasst werden. Weitere neun Siegelmotive wurden aus der historischen Literatur in die Aufstellung übernommen.
Im Abgleich mit den im Zuge der Archiv- und Literaturquellen ermittelten über 150 belegbaren Meister konnte ein Großteil der Siegler identifiziert werden. Über die überlieferte Kombination der Siegel wurden so genauere entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge sichtbar, die unter anderem zur Korrektur der zeitlichen Einordnung und Reihenfolge von bislang nur über die Wasserzeichen grob datierbaren Zeichnungen führte.
Für den Aufbau der Wikibase wurden Klassifizierungen und Unterklassifizierungen vorgenommen, die ein bestmögliche und anschauliche Darstellung der Bezüge zwischen Siegel, Sieglern, den jeweiligen Trägern, ihren inhaltlichen und formalen Merkmalen (zum Beispiel Wasserzeichen) erlauben.
Für die Siegel wurden zunächst feste IDs vergeben. Basierend auf den beschreibenden Properties Siegeln lassen sich über sogenannte Qualifiers komplexere Merkmale und Aussagen zu Siegel und siegelführender Person angeben und verknüpfen. Weitere Informationen zu Objekten und Personen (zum Beispiel Referenzen auf Archiv- und Literaturquellen oder Bemerkungen zur Identifizierung der Siegel) können durch eine Kommentarfunktion ergänzend hinzugefügt werden. Bei den Werkeinträgen im Vitro/SAH-Portal ist ein direktes Referenzieren auf die IDs der Marken möglich. Gleichzeitig sind über die Wiki-Base direkte Verweise auf die Pläne mit ihren Werkeinträgen im SAH-Portal angelegt.
Eine Besonderheit ist das mit Piktogrammen unterstützte Glossar, das als begleitendes Corpus zu den beschreibenden Feldern der Siegelmotive und der Zusammensetzung der jeweiligen Marken herangezogen werden kann. Es beruht auf einem vereinheitlichten Fachvokabular (angelehnt an das Vokabular der Blasonierung für Hausmarken), auf das nun generell referenziert werden kann.
Durch die fokussierte Betrachtung eines einzelnen – leicht übersehbaren – Phänomens auf den Nürnberger “Proberissen” können nun neue Einsichten in die Geschichte und Entwicklung des Bauhandwerks und der Baupraxis in der Frühen Neuzeit gewonnen werden. Gleichzeitig wurde eine Wissensdatenbank aufgebaut, die mit ihren gesammelten Daten im Linked-Data-Format öffentlich zugänglich und verknüpfbar ist und in Zukunft weiter kollaborativ bearbeitet und erweitert werden kann.
#Meistersiegel #LizenzCCBY40INT #Steinmetzzeichen #OpenScienceLab #Wikibase #GESAH #SammlungHaupt #Wikibase4NFDI #Nürnberg -
Eingeprägte Geschichte – das Meistersiegel-Wiki ist online
Wer im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwas auf sich hielt, der führte ein eigenes Wappen oder eine individuelle Marke, mit der er auf Dokumenten oder Urkunden siegelte. Auch bei den Meistern der Nürnberger Steinmetzbruderschaft war es Brauch, Gutachten oder Pläne mit ihren eigenen Meisterzeichen zu kennzeichnen. Meist geschah das in Form von Blind- oder Prägesiegeln, die mit einem Ring oder Stempel in das Papier eingedrückt wurden. In einer an der TIB im Open Science Lab in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der Leibniz Universität Hannover entwickelten Wikibase-Instanz, dem Meistersiegel-Wiki, werden nun erstmals solche Siegel erfasst und systematisch beschrieben.
Blatt gr D Z 1: 5, Sammlung A. HauptDie Nürnberger Proberisse – besondere Zeugnisse der Steinmetzausbildung
Als Corpus für die Erfassung dient ein bisher kaum von der Forschung wahrgenommenes Konvolut von 34 Blättern mit sogenannten „Proberissen“, das sich in der Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragenen Sammlung des Hannoveraner Bauhistorikers und Architekten Albrecht Haupt (1852-1932) erhalten hat.
Blatt gr D Z 1: 5, Slg. A. HauptDiese Risse entstanden im Rahmen des Meisterstücks, das der Geselle zur Erlangung des Meisterstatus anzufertigen hatte und zeigen musterhafte Entwürfe und Konstruktionen von Gewölbeanlagen und Gebäuden. Schon früh wurden diese Blätter in das Umfeld der Nürnberger Steinmetzbruderschaft eingeordnet, ohne jedoch im Hinblick auf ihre Provenienz und Zusammensetzung genauer betrachtet worden zu sein.
Als Architektur- und Werkzeichnungen, die im Kontext der Steinmetzlehre angefertigt wurden, sind sie besondere Zeugnisse der handwerklichen Ausbildung im Bauwesen in der Übergangszeit ab dem Spätmittelalter bis zur Auflösung des Zunftwesens Ende des 18. Jahrhunderts.
Die zahlreichen, auf den Blättern oft kaum sichtbaren Blindsiegel der prüfenden Meister machen sie zu einem besonderen Studienobjekt, zumal es sich um ein individuelles – bislang nur für die Nürnberger Steinmetzbruderschaft nachweisbares − Phänomen handelt.
Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts zur Erschließung der umfangreichen, heute in der TIB aufbewahrten Sammlung Haupts (GESAH) ist das Konvolut der Proberisse Bestandteil einer Tiefenerschließung und diente mit seinen Meistersiegel- bzw. Meisterstempelabdrücken als Fallstudie zur Verknüpfung mit der Forschungsdateninfrastruktur von NFDI4Culture.
Das Meistersiegel-Wiki
Die neue Wikibase-Datenbank zu den Meistersiegeln erfasst sämtliche Siegelmotive, die sich als Blindsiegel-Prägungen auf den Blättern erhalten haben. Mit ihrer Erfassung lassen sich Beziehungen der Siegler untereinander und zeitliche Entstehungszusammenhänge innerhalb der Blätter, aber auch zu darüber hinaus vorhandenen Quellenmaterialien nachvollziehen.
Vorbereitend für die Erfassung der Nürnberger Meistersiegel in einer eigenen Wikibase-Instanz wurden alle erkennbaren Siegelabdrücke umgezeichnet, in ihren jeweiligen Charakteristika, Kombinationen und Gruppierungen tabellarisch aufgenommen und beschrieben. Für die Beschreibungen der auf den Siegeln enthaltenen Steinmetz- und Hausmarken wurden eigene, auf der Fachterminologie der Blasonierung basierende Kategorien entwickelt und ein umfangreiches fachspezifisches Glossar angelegt. Insgesamt ließen sich auf diese Weise 18 unterschiedliche Siegel auf den Blättern identifizieren und beschreiben, drei weitere konnten nur im rudimentären Zustand erfasst werden. Weitere neun Siegelmotive wurden aus der historischen Literatur in die Aufstellung übernommen.
Im Abgleich mit den im Zuge der Archiv- und Literaturquellen ermittelten über 150 belegbaren Meister konnte ein Großteil der Siegler identifiziert werden. Über die überlieferte Kombination der Siegel wurden so genauere entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge sichtbar, die unter anderem zur Korrektur der zeitlichen Einordnung und Reihenfolge von bislang nur über die Wasserzeichen grob datierbaren Zeichnungen führte.
Für den Aufbau der Wikibase wurden Klassifizierungen und Unterklassifizierungen vorgenommen, die ein bestmögliche und anschauliche Darstellung der Bezüge zwischen Siegel, Sieglern, den jeweiligen Trägern, ihren inhaltlichen und formalen Merkmalen (zum Beispiel Wasserzeichen) erlauben.
Für die Siegel wurden zunächst feste IDs vergeben. Basierend auf den beschreibenden Properties Siegeln lassen sich über sogenannte Qualifiers komplexere Merkmale und Aussagen zu Siegel und siegelführender Person angeben und verknüpfen. Weitere Informationen zu Objekten und Personen (zum Beispiel Referenzen auf Archiv- und Literaturquellen oder Bemerkungen zur Identifizierung der Siegel) können durch eine Kommentarfunktion ergänzend hinzugefügt werden. Bei den Werkeinträgen im Vitro/SAH-Portal ist ein direktes Referenzieren auf die IDs der Marken möglich. Gleichzeitig sind über die Wiki-Base direkte Verweise auf die Pläne mit ihren Werkeinträgen im SAH-Portal angelegt.
Eine Besonderheit ist das mit Piktogrammen unterstützte Glossar, das als begleitendes Corpus zu den beschreibenden Feldern der Siegelmotive und der Zusammensetzung der jeweiligen Marken herangezogen werden kann. Es beruht auf einem vereinheitlichten Fachvokabular (angelehnt an das Vokabular der Blasonierung für Hausmarken), auf das nun generell referenziert werden kann.
Durch die fokussierte Betrachtung eines einzelnen – leicht übersehbaren – Phänomens auf den Nürnberger “Proberissen” können nun neue Einsichten in die Geschichte und Entwicklung des Bauhandwerks und der Baupraxis in der Frühen Neuzeit gewonnen werden. Gleichzeitig wurde eine Wissensdatenbank aufgebaut, die mit ihren gesammelten Daten im Linked-Data-Format öffentlich zugänglich und verknüpfbar ist und in Zukunft weiter kollaborativ bearbeitet und erweitert werden kann.
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