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#digitalelangzeitarchivierung — Public Fediverse posts

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  1. E-Pflicht, Kunstfilme und Veterinärmedizin: Einblicke in die digitale Langzeitarchivierung bei LiLA.NDS

    ein Beitrag von Markus Bierkoch (GWLB), Sven Grabenhorst (HBK), Sabine Leonhard-Marek (TiHo), Jesko Rücknagel (TIB) und Frauke Stiller (HBK).

    Nachdem bereits drei Einrichtungen der ersten Projektkohorte ihre Einrichtung und das Sammelprofil, die Motivation zur Beteilung an der Landesinitiative sowie ihre im Rahmen von LiLA.NDS zu bearbeitenden Bestände im letzten Blogpost vorstellen konnten, folgen nun drei weitere Einrichtungen des ersten Bearbeitungsjahres.

    Unterschiedliche Medien und Bestände werden gemeinsam mit der TIB auf ihre Datenqualität geprüft, strukturiert, und perspektivisch mit Hilfe entwickelter Workflows in das Langzeitarchiv der TIB transferiert.

    In den folgenden Kurzinterviews berichten Vertreter:innen der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) , der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig sowie der Tierärztlichen Hochschule Hannover über die verantwortungsvolle Aufgabe, ihre digitalen Bestände langfristig zu sichern.

    Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

    Dr. Markus Bierkoch berichtet über die aktuellen Aufgaben, die die GWLB als Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen übernimmt. Seit 2025 gelten zusätzlich auch elektronische Publikationen aus Niedersachsen als Pflichtexemplare. Neben der Erschließung und Bereitstellung muss die GWLB auch die dauerhafte Archivierung der Pflichtexemplare sicherstellen. Darüber hinaus verfügt die GWLB über einen stetig wachsenden Bestand an Retrodigitalisaten wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, aber auch zahlreiche historische Karten und Zeitungausgaben. Auch für diese Sammlung besteht ein Bedarf an einer digitalen Langzeitarchivierungslösung. Dies beinhaltet die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung für die elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplare sowie verschiedener Retrodigitalisate wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, historischer Karten und Zeitungen.

    Gemeinsam mit den Kolleg:innen Dr. Anne-Kathrin Henkel (stellvertretende Direktorin), Andreas Steinsieck (Abteilungsleitung Medienbearbeitung), Dr. Benedikt Tondera (Abteilungsleitung IT und Digitale Dienste), Manuela Schink (Sachbearbeitung E-Pflicht) und Olaf Guercke (Leiter der Stabsstelle Digitalisierung) beschäftigt sich Markus Bierkoch als Leiter des Sachgebiets Pflicht an der GWLB mit der Umsetzung der E-Pflicht im Rahmen einer zugeschnittenen IT-Lösung, die neben der Abgabe von elektronischen Pflichtexemplaren und deren automatisierte Verarbeitung auch die digitale Langzeitarchivierung umfasst.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB) nimmt neben weiteren Aufgaben die Funktion der Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen wahr. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, Veröffentlichungen aus Niedersachsen sowie Publikationen mit Bezug zu Niedersachsen zu sammeln, bibliografisch zu erschließen, bereitzustellen und dauerhaft zu erhalten. Traditionell umfasste dies vor allem gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen.

    Inzwischen entstehen jedoch große Teile der regionalen Literaturproduktion ausschließlich digital, etwa E-Books oder E-Journals. Dem trägt das seit 2025 geltende Niedersächsische Pflichtexemplargesetz (NPflExG) Rechnung, auf dessen Basis nun auch elektronische Veröffentlichungen Pflichtexemplare darstellen. Für die Umsetzung dieses Auftrags wird an der GWLB zurzeit die entsprechende IT-Infrastruktur entwickelt. Ein zentrales Element davon ist die digitale Langzeitarchivierung, um auch elektronische Publikationen dauerhaft zu erhalten.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.), Waldzustandsbericht, Bd. 2025. CC BY 4.0

    Besonders wichtig ist für uns zum einen der bereits bestehende sowie der künftig noch zu sammelnde Bestand an elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplaren. Gemäß unserem gesetzlichen Auftrag treffen wir beim Sammeln von Pflichtexemplaren keine inhaltliche Auswahl. Der Pflichtexemplarbestand bietet dementsprechend einen breiten Querschnitt des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens in Niedersachsen. Die Erforschung dieses umfangreichen geistigen Erbes soll auch noch in Jahrhunderten gewährleistet sein.

    Darüber hinaus sind die zahlreichen Retrodigitalisate in unseren Digitalen Sammlungen von besonderer Bedeutung. Dazu zählt zum Beispiel der digitalisierte Nachlass von Leibniz, dessen Briefwechsel in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Darüber hinaus hat die GWLB in den letzten Jahren aber auch zahlreiche historische Bücher, Handschriften und Karten sowie die bedeutende regionale Tageszeitung Hannoverscher Courier (1854 bis 1944) digitalisiert, welche für die landeskundliche Forschung einen hohen Wert besitzen. Dementsprechend muss auch für diesen digitalen Bestand eine dauerhafte Sicherungslösung gefunden werden.

    Brief von Joachim Bouvet an Gottfried Wilhelm Leibniz vom 19. September 1699 aus Peking (China), in: Briefwechsel Joachim Bouvet mit Gottfried Wilhelm Leibniz.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Motivation ergibt sich in erster Linie aus unserem gesetzlichen Auftrag, elektronische Pflichtexemplare dauerhaft aufzubewahren und zugänglich zu halten. Ein konkreter Auslöser war daher das Inkrafttreten des Niedersächsischen Pflichtexemplargesetzes (NPflExG). Das Gesetz macht deutlich, dass der um elektronische Pflichtexemplare erweiterte gesetzliche Sammelauftrag ohne digitale Langzeitarchivierung künftig nicht mehr erfüllbar wäre. Die Auseinandersetzung mit der digitalen Langzeitarchivierung ist daher weniger optional als vielmehr eine notwendige Weiterentwicklung unserer bibliothekarischen Kernaufgaben innerhalb eines sich mehr und mehr zum Digitalen hinwendenden Publikationsaufkommens.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Besonders wertvoll ist für uns zum einen die Unterstützung bei der Überführung historisch gewachsener digitaler Bestände in das digitale Langzeitarchivsystem. Unsere digitalen Bestände sind über die Jahre von verschiedenen Personen betreut sowie in verschiedenen technischen Systemen gepflegt worden. Außerdem haben sich über die Zeit hinweg entscheidende Rahmenbedingungen geändert zum Beispiel im Urheberrecht. Deshalb haben sich Inkonsistenzen bei Dateiformaten sowie Metadatenangaben eingeschlichen. Hierüber im fachlichen Austausch mit anderen Einrichtungen ein vertieftes Verständnis zu entwickeln und etwaige Datenbereinigungen zu planen, ist für uns von hoher Bedeutung.

    Zum anderen ist es im Projekt besonders wertvoll, eine IT-Lösung für unsere spezifischen Anforderungen als Pflichtexemplarbibliothek zu entwickeln. Die Anforderungen, die sich aus dem Sammeln elektronischer Pflichtexemplare ergeben, unterscheiden sich häufig von denen der großen Mehrheit der Hochschul- und Universitätsbibliotheken. Sehr hilfreich ist, dass das LiLA.NDS-Team auf diese besonderen Anforderungen eingeht und gemeinsam mit uns sowie unseren weiteren Kooperationspartnern – der Verbundzentrale Göttingen (VZG) und dem Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) – eine maßgeschneiderte Lösung plant und umsetzt.

    Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

    Als nächstes blicken wir auf die Bibliothek der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK). Im Rahmen des LiLA-Projekts befasst sich die HBK vor allem mit audiovisuellen Medien, die Performances, künstlerisches Schaffen und Reflektieren abbilden und wertvolle Forschungsobjekte für künstlerische Fächer darstellen. Dr. Frauke Stiller, die Bibliotheksleitung, und Sven Grabenhorst, zuständiger Mitarbeiter für die Video- und Filmbearbeitung, skizzieren für uns die Arbeit an der Videosammlung. Unterstützt von ihrem Kollegen Joachim Schulz (Systembibliothekar) arbeiten sie kontinuierlich daran, die Digitalisierung des VHS‑ und DVD-Bestands umzusetzen und die Inhalte ins LZA-System der TIB zu überführen, um sie dauerhaft für Forschung und Lehre zu sichern.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als Hochschulbibliothek besteht unser vordingliches Interesse in der Versorgung von Lehre und Forschung, der an der Hochschule gelehrten Fächer. Ein besonderer Schwerpunkt aber liegt in der Sammlung von Kunst der Gegenwart und der klassischen Moderne. In Bereichen also, in denen Performances, künstlerische Interventionen, künstlerische Arbeitsprozesse und das Reflektieren über Formen künstlerischen Arbeitens im Gespräch am besten auf zeitbasierten Medien wie Video abgebildet werden und glücklicherweise worden sind. Genau diese Videos können ein interessanter Forschungsgegenstand werden und ein Schatz sein.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    In der Sammlung der Videos befinden sich viele Arbeitsergebnisse des künstlerischen Arbeitens an der HBK selbst. So zum Beispiel eine Kassette mit Ergebnissen des Kurses Videopraxis vom Anfang der 80-er Jahre. Diese Arbeiten heute vor ihrem historischen Hintergrund zu sehen, ist spannend. 

    Filmbild, Videopraxis 1983-1986, VC 165/83. © HBK Bibliothek

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Pläne einer Digitalisierung eines Teils unserer VHS-Bestände besteht schon länger. Um sie aber wieder allen berechtigten Nutzenden zugänglich zu machen, bedarf es eines Medienträgerwechsels. Die Anfrage aus der TIB zur Zusammenarbeit im Rahmen einer Langzeitarchivierung gab dann den Anstoß, das Projekt endlich anzugehen und um einen Teil des DVD-Bestandes zu erweitern. Die besondere Motivation liegt auch darin, die Werke unserer hauseigenen Künstler*Innen langfristig zu erhalten, um folgenden Generationen Inspirationsquelle und Forschungsobjekt zu sein.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Die Beratung durch das LiLA-Team, gerade in Bezug auf die vielen Kleinigkeiten und Probleme, die bei einem solchen Projekt auftreten, sind uns eine willkommene Unterstützung. Dies beinhaltet praktische Tipps bei der Erstellung von Workflows und Entscheidungen zu den Metadaten, genauso wie Hinweise zur rechtlichen Klärung. Wir freuen uns aber insbesondere auch über die ganz praktische und handfeste Unterstützung der Digitalisierung der DVDs selbst, wo die TIB mit ihrer Technik eine große Zeitersparnis für uns bedeutet. Dafür bedanken wir uns hier gern nochmal.

    Tierärztliche Hochschule Hannover

    Die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) verfügt über umfangreiche und teils seltene Bestände der Veterinärmedizin und betreibt zentrale Informationsdienste. Prof. Dr. Sabine Leonhard-Marek, die Leiterin der Hochschulbibliothek, spricht mit uns über die vielfältigen Bestände der TiHo – von den Digitalisaten historischer Monographien über Hochschulschriften bis hin zu seltenen Spezialbeständen sowie Kongressberichten – und die Motivation, diese langfristig zu bewahren. Unterstützt wird sie von ihrem Team Christina Gückel (stellvertretende Bibliotheksleiterin), Ngoc Anh Tran (Repositorium) und Sonja Hartinger (Hochschulschriften). Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Forschung und der einhergehenden Verantwortung, digitale wissenschaftliche Publikationen dauerhaft verfügbar zu halten, bietet das Projekt die Möglichkeit verschiedene Herausforderungen zu adressieren.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als zentrale Einrichtung der Universität versorgt die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) Forschende und Studierende mit Fachinformationen aus der Veterinärmedizin und angrenzenden Fächern. Sie stellt die für Forschung, Studium und Lehre essenziellen Informationsinfrastrukturen für Recherche und Publikation bereit und sorgt durch die Beratung zum Thema Open Access und die Unterstützung bei Publikationsvorhaben für eine erhöhte Sichtbarkeit des Forschungsoutputs.

    Die Hochschulschriften (Dissertationen, PhD-Thesen und Habilitationen) werden an der TiHo seit Ende 2000 parallel zur Druckausgabe auch elektronisch veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen wurden zunächst auf von der TiHo intern betriebenen Plattform bereitgestellt und sind 2019 in das auf MyCoRe basierende Repositorium „TiHo eLib“ umgezogen. Außer diesen Primärveröffentlichungen werden auch die von TiHo-Forschenden im Open Access publizierten Fachartikel in der „TiHo eLib“ als Zweitveröffentlichung aufgenommen. Das Repositorium fungiert darüber hinaus als Hochschulbibliographie und hat damit die vorher gedruckt oder als PDF bereitgestellte Bibliographie abgelöst.

    Perspektivisch sollen darüber hinaus die Digitalisate der „Digitalen Bibliothek Veterinärmedizin“ in das Repositorium umziehen. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Digitalisierungsprojekts wurden bis 2014 aus den Beständen der Bibliothek insgesamt 1.436 zwischen 1599 und 1890 erschienene Monographien digitalisiert, nachbearbeitet, katalogisiert, archiviert und als „Digitale Bibliothek“ frei suchbar und nutzbar gemacht.

    Landwirthschaftliches Tierracen-Album © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Als ehemalige Sondersammelgebietsbibliothek für die Veterinärmedizin und die allgemeine Parasitologie verfügt die TiHo über fachlich seltene und einmalige Bestände, die langfristig erhalten werden sollen. Hierzu gehören nicht nur die oben beschriebenen Monographien, die über Digitalisate überregional nutzbar gemacht wurden, sondern auch Kongressberichte und andere graue Literatur, die nur in digitaler Form vorliegt und dies zum Teil auf elektronischen Trägermedien, deren Funktionalität endlich ist.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen? Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Ludwig Daum: Ueber das Koppen der Pferde. © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Der Forschungsoutput der Hochschule umfasst zunehmend genuin digitale Publikationen, so dass wir es im Rahmen der Bestandserhaltung als unsere Aufgabe ansehen, auch diesen digitalen Output als Bestand zu erhalten und ihn langfristig zu sichern. Zum Teil ist diese digitale Kopie eine zweite Kopie, da im Fall der Hochschulschriften über die Abgabe an die Deutsche Nationalbibliothek und im Fall der Artikel in Fachzeitschriften weitgehend über die jeweiligen Verlage die Archivierung einer weiteren Kopie zugesagt ist. Studien haben aber in der Vergangenheit gezeigt, dass nicht alle Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durchgehend abrufbar sind (zum Beispiel Laakso et al. 2021). Da es sich um Forschungsleistungen der eigenen Hochschule handelt, liegt uns die dauerhafte Sicherung dieses Bestandes besonders am Herzen.

    Das Repositorium der TiHo wird vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) gehostet, so dass die Metadaten der Hochschulbibliographie über Backup und Bitstream-Preservation gesichert sind. Die zukünftige Lesbarkeit der hochgeladenen Volltexte ist damit jedoch nicht abgedeckt und muss separat geplant werden.

    Der aktuell für die Digitalisate genutzte Viewer ist in die Jahre gekommen und muss aktualisiert werden, so dass auch hier Handlungsbedarf bestand.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Insgesamt sind die engmaschige Betreuung und die gemeinsame Arbeit an optimalen Workflows in diesem Projekt besonders hervorzuheben. Dabei birgt jeder Projektteil besondere Herausforderungen. So haben wir zu Beginn die Fragen diskutiert, welche Publikationen bereits wie langzeitarchiviert werden und wann eine Doppelarchivierung empfehlenswert wäre. Die Digitalisate liegen in verschiedenen Formaten vor (TIFF, PDF, xml, txt, und sind zum Teil mit OCR erfasst). Hier wird im Rahmen des Projektes erarbeitet, welche Formate wie gespeichert und wie abrufbar sein sollen. Bei der grauen Literatur muss für die Langzeitarchivierung das Problem ungeklärter Rechtslagen berücksichtigt werden. Eine nachträgliche Rechteklärung ist oft nicht mehr möglich, weil die Rechteinhaber nicht ermittelbar oder erreichbar sind. Hier war die Expertise der TIB für die Entwicklung eines geeigneten Vorgehens ebenfalls sehr hilfreich.

    Ausblick

    Die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung bleibt eine spannende, wenn auch herausfordernde Aufgabe für alle beteiligten Einrichtungen. Die Bearbeitung der ersten Projektkohorte wird auch in den nächsten Monaten intensiv fortgeführt, während die zweite Kohorte bereits in den Startlöchern steht.

    Blogreihe „LiLA.NDS“
    Im Rahmen einer begleitenden Blogreihe werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.
    [1] Laakso, M., Matthias, L., & Jahn, N. (2021). Open is not forever: A study of vanished open access journals. Journal of the Association for Information Science and Technology, 72(9), 1099–1112. doi.org/10.1002/asi.24460

    #LiLANDS #LizenzCCBY40INT #DigitaleLangzeitarchivierung #Bestandserhaltung #Digialisierung #Services
  2. E-Pflicht, Kunstfilme und Veterinärmedizin: Einblicke in die digitale Langzeitarchivierung bei LiLA.NDS

    ein Beitrag von Markus Bierkoch (GWLB), Sven Grabenhorst (HBK), Sabine Leonhard-Marek (TiHo), Jesko Rücknagel (TIB) und Frauke Stiller (HBK).

    Nachdem bereits drei Einrichtungen der ersten Projektkohorte ihre Einrichtung und das Sammelprofil, die Motivation zur Beteilung an der Landesinitiative sowie ihre im Rahmen von LiLA.NDS zu bearbeitenden Bestände im letzten Blogpost vorstellen konnten, folgen nun drei weitere Einrichtungen des ersten Bearbeitungsjahres.

    Unterschiedliche Medien und Bestände werden gemeinsam mit der TIB auf ihre Datenqualität geprüft, strukturiert, und perspektivisch mit Hilfe entwickelter Workflows in das Langzeitarchiv der TIB transferiert.

    In den folgenden Kurzinterviews berichten Vertreter:innen der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) , der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig sowie der Tierärztlichen Hochschule Hannover über die verantwortungsvolle Aufgabe, ihre digitalen Bestände langfristig zu sichern.

    Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

    Dr. Markus Bierkoch berichtet über die aktuellen Aufgaben, die die GWLB als Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen übernimmt. Seit 2025 gelten zusätzlich auch elektronische Publikationen aus Niedersachsen als Pflichtexemplare. Neben der Erschließung und Bereitstellung muss die GWLB auch die dauerhafte Archivierung der Pflichtexemplare sicherstellen. Darüber hinaus verfügt die GWLB über einen stetig wachsenden Bestand an Retrodigitalisaten wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, aber auch zahlreiche historische Karten und Zeitungausgaben. Auch für diese Sammlung besteht ein Bedarf an einer digitalen Langzeitarchivierungslösung. Dies beinhaltet die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung für die elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplare sowie verschiedener Retrodigitalisate wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, historischer Karten und Zeitungen.

    Gemeinsam mit den Kolleg:innen Dr. Anne-Kathrin Henkel (stellvertretende Direktorin), Andreas Steinsieck (Abteilungsleitung Medienbearbeitung), Dr. Benedikt Tondera (Abteilungsleitung IT und Digitale Dienste), Manuela Schink (Sachbearbeitung E-Pflicht) und Olaf Guercke (Leiter der Stabsstelle Digitalisierung) beschäftigt sich Markus Bierkoch als Leiter des Sachgebiets Pflicht an der GWLB mit der Umsetzung der E-Pflicht im Rahmen einer zugeschnittenen IT-Lösung, die neben der Abgabe von elektronischen Pflichtexemplaren und deren automatisierte Verarbeitung auch die digitale Langzeitarchivierung umfasst.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB) nimmt neben weiteren Aufgaben die Funktion der Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen wahr. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, Veröffentlichungen aus Niedersachsen sowie Publikationen mit Bezug zu Niedersachsen zu sammeln, bibliografisch zu erschließen, bereitzustellen und dauerhaft zu erhalten. Traditionell umfasste dies vor allem gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen.

    Inzwischen entstehen jedoch große Teile der regionalen Literaturproduktion ausschließlich digital, etwa E-Books oder E-Journals. Dem trägt das seit 2025 geltende Niedersächsische Pflichtexemplargesetz (NPflExG) Rechnung, auf dessen Basis nun auch elektronische Veröffentlichungen Pflichtexemplare darstellen. Für die Umsetzung dieses Auftrags wird an der GWLB zurzeit die entsprechende IT-Infrastruktur entwickelt. Ein zentrales Element davon ist die digitale Langzeitarchivierung, um auch elektronische Publikationen dauerhaft zu erhalten.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.), Waldzustandsbericht, Bd. 2025. CC BY 4.0

    Besonders wichtig ist für uns zum einen der bereits bestehende sowie der künftig noch zu sammelnde Bestand an elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplaren. Gemäß unserem gesetzlichen Auftrag treffen wir beim Sammeln von Pflichtexemplaren keine inhaltliche Auswahl. Der Pflichtexemplarbestand bietet dementsprechend einen breiten Querschnitt des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens in Niedersachsen. Die Erforschung dieses umfangreichen geistigen Erbes soll auch noch in Jahrhunderten gewährleistet sein.

    Darüber hinaus sind die zahlreichen Retrodigitalisate in unseren Digitalen Sammlungen von besonderer Bedeutung. Dazu zählt zum Beispiel der digitalisierte Nachlass von Leibniz, dessen Briefwechsel in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Darüber hinaus hat die GWLB in den letzten Jahren aber auch zahlreiche historische Bücher, Handschriften und Karten sowie die bedeutende regionale Tageszeitung Hannoverscher Courier (1854 bis 1944) digitalisiert, welche für die landeskundliche Forschung einen hohen Wert besitzen. Dementsprechend muss auch für diesen digitalen Bestand eine dauerhafte Sicherungslösung gefunden werden.

    Brief von Joachim Bouvet an Gottfried Wilhelm Leibniz vom 19. September 1699 aus Peking (China), in: Briefwechsel Joachim Bouvet mit Gottfried Wilhelm Leibniz.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Motivation ergibt sich in erster Linie aus unserem gesetzlichen Auftrag, elektronische Pflichtexemplare dauerhaft aufzubewahren und zugänglich zu halten. Ein konkreter Auslöser war daher das Inkrafttreten des Niedersächsischen Pflichtexemplargesetzes (NPflExG). Das Gesetz macht deutlich, dass der um elektronische Pflichtexemplare erweiterte gesetzliche Sammelauftrag ohne digitale Langzeitarchivierung künftig nicht mehr erfüllbar wäre. Die Auseinandersetzung mit der digitalen Langzeitarchivierung ist daher weniger optional als vielmehr eine notwendige Weiterentwicklung unserer bibliothekarischen Kernaufgaben innerhalb eines sich mehr und mehr zum Digitalen hinwendenden Publikationsaufkommens.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Besonders wertvoll ist für uns zum einen die Unterstützung bei der Überführung historisch gewachsener digitaler Bestände in das digitale Langzeitarchivsystem. Unsere digitalen Bestände sind über die Jahre von verschiedenen Personen betreut sowie in verschiedenen technischen Systemen gepflegt worden. Außerdem haben sich über die Zeit hinweg entscheidende Rahmenbedingungen geändert zum Beispiel im Urheberrecht. Deshalb haben sich Inkonsistenzen bei Dateiformaten sowie Metadatenangaben eingeschlichen. Hierüber im fachlichen Austausch mit anderen Einrichtungen ein vertieftes Verständnis zu entwickeln und etwaige Datenbereinigungen zu planen, ist für uns von hoher Bedeutung.

    Zum anderen ist es im Projekt besonders wertvoll, eine IT-Lösung für unsere spezifischen Anforderungen als Pflichtexemplarbibliothek zu entwickeln. Die Anforderungen, die sich aus dem Sammeln elektronischer Pflichtexemplare ergeben, unterscheiden sich häufig von denen der großen Mehrheit der Hochschul- und Universitätsbibliotheken. Sehr hilfreich ist, dass das LiLA.NDS-Team auf diese besonderen Anforderungen eingeht und gemeinsam mit uns sowie unseren weiteren Kooperationspartnern – der Verbundzentrale Göttingen (VZG) und dem Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) – eine maßgeschneiderte Lösung plant und umsetzt.

    Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

    Als nächstes blicken wir auf die Bibliothek der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK). Im Rahmen des LiLA-Projekts befasst sich die HBK vor allem mit audiovisuellen Medien, die Performances, künstlerisches Schaffen und Reflektieren abbilden und wertvolle Forschungsobjekte für künstlerische Fächer darstellen. Dr. Frauke Stiller, die Bibliotheksleitung, und Sven Grabenhorst, zuständiger Mitarbeiter für die Video- und Filmbearbeitung, skizzieren für uns die Arbeit an der Videosammlung. Unterstützt von ihrem Kollegen Joachim Schulz (Systembibliothekar) arbeiten sie kontinuierlich daran, die Digitalisierung des VHS‑ und DVD-Bestands umzusetzen und die Inhalte ins LZA-System der TIB zu überführen, um sie dauerhaft für Forschung und Lehre zu sichern.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als Hochschulbibliothek besteht unser vordingliches Interesse in der Versorgung von Lehre und Forschung, der an der Hochschule gelehrten Fächer. Ein besonderer Schwerpunkt aber liegt in der Sammlung von Kunst der Gegenwart und der klassischen Moderne. In Bereichen also, in denen Performances, künstlerische Interventionen, künstlerische Arbeitsprozesse und das Reflektieren über Formen künstlerischen Arbeitens im Gespräch am besten auf zeitbasierten Medien wie Video abgebildet werden und glücklicherweise worden sind. Genau diese Videos können ein interessanter Forschungsgegenstand werden und ein Schatz sein.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    In der Sammlung der Videos befinden sich viele Arbeitsergebnisse des künstlerischen Arbeitens an der HBK selbst. So zum Beispiel eine Kassette mit Ergebnissen des Kurses Videopraxis vom Anfang der 80-er Jahre. Diese Arbeiten heute vor ihrem historischen Hintergrund zu sehen, ist spannend. 

    Filmbild, Videopraxis 1983-1986, VC 165/83. © HBK Bibliothek

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Pläne einer Digitalisierung eines Teils unserer VHS-Bestände besteht schon länger. Um sie aber wieder allen berechtigten Nutzenden zugänglich zu machen, bedarf es eines Medienträgerwechsels. Die Anfrage aus der TIB zur Zusammenarbeit im Rahmen einer Langzeitarchivierung gab dann den Anstoß, das Projekt endlich anzugehen und um einen Teil des DVD-Bestandes zu erweitern. Die besondere Motivation liegt auch darin, die Werke unserer hauseigenen Künstler*Innen langfristig zu erhalten, um folgenden Generationen Inspirationsquelle und Forschungsobjekt zu sein.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Die Beratung durch das LiLA-Team, gerade in Bezug auf die vielen Kleinigkeiten und Probleme, die bei einem solchen Projekt auftreten, sind uns eine willkommene Unterstützung. Dies beinhaltet praktische Tipps bei der Erstellung von Workflows und Entscheidungen zu den Metadaten, genauso wie Hinweise zur rechtlichen Klärung. Wir freuen uns aber insbesondere auch über die ganz praktische und handfeste Unterstützung der Digitalisierung der DVDs selbst, wo die TIB mit ihrer Technik eine große Zeitersparnis für uns bedeutet. Dafür bedanken wir uns hier gern nochmal.

    Tierärztliche Hochschule Hannover

    Die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) verfügt über umfangreiche und teils seltene Bestände der Veterinärmedizin und betreibt zentrale Informationsdienste. Prof. Dr. Sabine Leonhard-Marek, die Leiterin der Hochschulbibliothek, spricht mit uns über die vielfältigen Bestände der TiHo – von den Digitalisaten historischer Monographien über Hochschulschriften bis hin zu seltenen Spezialbeständen sowie Kongressberichten – und die Motivation, diese langfristig zu bewahren. Unterstützt wird sie von ihrem Team Christina Gückel (stellvertretende Bibliotheksleiterin), Ngoc Anh Tran (Repositorium) und Sonja Hartinger (Hochschulschriften). Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Forschung und der einhergehenden Verantwortung, digitale wissenschaftliche Publikationen dauerhaft verfügbar zu halten, bietet das Projekt die Möglichkeit verschiedene Herausforderungen zu adressieren.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als zentrale Einrichtung der Universität versorgt die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) Forschende und Studierende mit Fachinformationen aus der Veterinärmedizin und angrenzenden Fächern. Sie stellt die für Forschung, Studium und Lehre essenziellen Informationsinfrastrukturen für Recherche und Publikation bereit und sorgt durch die Beratung zum Thema Open Access und die Unterstützung bei Publikationsvorhaben für eine erhöhte Sichtbarkeit des Forschungsoutputs.

    Die Hochschulschriften (Dissertationen, PhD-Thesen und Habilitationen) werden an der TiHo seit Ende 2000 parallel zur Druckausgabe auch elektronisch veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen wurden zunächst auf von der TiHo intern betriebenen Plattform bereitgestellt und sind 2019 in das auf MyCoRe basierende Repositorium „TiHo eLib“ umgezogen. Außer diesen Primärveröffentlichungen werden auch die von TiHo-Forschenden im Open Access publizierten Fachartikel in der „TiHo eLib“ als Zweitveröffentlichung aufgenommen. Das Repositorium fungiert darüber hinaus als Hochschulbibliographie und hat damit die vorher gedruckt oder als PDF bereitgestellte Bibliographie abgelöst.

    Perspektivisch sollen darüber hinaus die Digitalisate der „Digitalen Bibliothek Veterinärmedizin“ in das Repositorium umziehen. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Digitalisierungsprojekts wurden bis 2014 aus den Beständen der Bibliothek insgesamt 1.436 zwischen 1599 und 1890 erschienene Monographien digitalisiert, nachbearbeitet, katalogisiert, archiviert und als „Digitale Bibliothek“ frei suchbar und nutzbar gemacht.

    Landwirthschaftliches Tierracen-Album © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Als ehemalige Sondersammelgebietsbibliothek für die Veterinärmedizin und die allgemeine Parasitologie verfügt die TiHo über fachlich seltene und einmalige Bestände, die langfristig erhalten werden sollen. Hierzu gehören nicht nur die oben beschriebenen Monographien, die über Digitalisate überregional nutzbar gemacht wurden, sondern auch Kongressberichte und andere graue Literatur, die nur in digitaler Form vorliegt und dies zum Teil auf elektronischen Trägermedien, deren Funktionalität endlich ist.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen? Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Ludwig Daum: Ueber das Koppen der Pferde. © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Der Forschungsoutput der Hochschule umfasst zunehmend genuin digitale Publikationen, so dass wir es im Rahmen der Bestandserhaltung als unsere Aufgabe ansehen, auch diesen digitalen Output als Bestand zu erhalten und ihn langfristig zu sichern. Zum Teil ist diese digitale Kopie eine zweite Kopie, da im Fall der Hochschulschriften über die Abgabe an die Deutsche Nationalbibliothek und im Fall der Artikel in Fachzeitschriften weitgehend über die jeweiligen Verlage die Archivierung einer weiteren Kopie zugesagt ist. Studien haben aber in der Vergangenheit gezeigt, dass nicht alle Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durchgehend abrufbar sind (zum Beispiel Laakso et al. 2021). Da es sich um Forschungsleistungen der eigenen Hochschule handelt, liegt uns die dauerhafte Sicherung dieses Bestandes besonders am Herzen.

    Das Repositorium der TiHo wird vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) gehostet, so dass die Metadaten der Hochschulbibliographie über Backup und Bitstream-Preservation gesichert sind. Die zukünftige Lesbarkeit der hochgeladenen Volltexte ist damit jedoch nicht abgedeckt und muss separat geplant werden.

    Der aktuell für die Digitalisate genutzte Viewer ist in die Jahre gekommen und muss aktualisiert werden, so dass auch hier Handlungsbedarf bestand.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Insgesamt sind die engmaschige Betreuung und die gemeinsame Arbeit an optimalen Workflows in diesem Projekt besonders hervorzuheben. Dabei birgt jeder Projektteil besondere Herausforderungen. So haben wir zu Beginn die Fragen diskutiert, welche Publikationen bereits wie langzeitarchiviert werden und wann eine Doppelarchivierung empfehlenswert wäre. Die Digitalisate liegen in verschiedenen Formaten vor (TIFF, PDF, xml, txt, und sind zum Teil mit OCR erfasst). Hier wird im Rahmen des Projektes erarbeitet, welche Formate wie gespeichert und wie abrufbar sein sollen. Bei der grauen Literatur muss für die Langzeitarchivierung das Problem ungeklärter Rechtslagen berücksichtigt werden. Eine nachträgliche Rechteklärung ist oft nicht mehr möglich, weil die Rechteinhaber nicht ermittelbar oder erreichbar sind. Hier war die Expertise der TIB für die Entwicklung eines geeigneten Vorgehens ebenfalls sehr hilfreich.

    Ausblick

    Die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung bleibt eine spannende, wenn auch herausfordernde Aufgabe für alle beteiligten Einrichtungen. Die Bearbeitung der ersten Projektkohorte wird auch in den nächsten Monaten intensiv fortgeführt, während die zweite Kohorte bereits in den Startlöchern steht.

    Blogreihe „LiLA.NDS“
    Im Rahmen einer begleitenden Blogreihe werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.
    [1] Laakso, M., Matthias, L., & Jahn, N. (2021). Open is not forever: A study of vanished open access journals. Journal of the Association for Information Science and Technology, 72(9), 1099–1112. doi.org/10.1002/asi.24460

    #DigitaleLangzeitarchivierung #Bestandserhaltung #Digialisierung #Services #LiLANDS #LizenzCCBY40INT
  3. E-Pflicht, Kunstfilme und Veterinärmedizin: Einblicke in die digitale Langzeitarchivierung bei LiLA.NDS

    ein Beitrag von Markus Bierkoch (GWLB), Sven Grabenhorst (HBK), Sabine Leonhard-Marek (TiHo), Jesko Rücknagel (TIB) und Frauke Stiller (HBK).

    Nachdem bereits drei Einrichtungen der ersten Projektkohorte ihre Einrichtung und das Sammelprofil, die Motivation zur Beteilung an der Landesinitiative sowie ihre im Rahmen von LiLA.NDS zu bearbeitenden Bestände im letzten Blogpost vorstellen konnten, folgen nun drei weitere Einrichtungen des ersten Bearbeitungsjahres.

    Unterschiedliche Medien und Bestände werden gemeinsam mit der TIB auf ihre Datenqualität geprüft, strukturiert, und perspektivisch mit Hilfe entwickelter Workflows in das Langzeitarchiv der TIB transferiert.

    In den folgenden Kurzinterviews berichten Vertreter:innen der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) , der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig sowie der Tierärztlichen Hochschule Hannover über die verantwortungsvolle Aufgabe, ihre digitalen Bestände langfristig zu sichern.

    Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

    Dr. Markus Bierkoch berichtet über die aktuellen Aufgaben, die die GWLB als Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen übernimmt. Seit 2025 gelten zusätzlich auch elektronische Publikationen aus Niedersachsen als Pflichtexemplare. Neben der Erschließung und Bereitstellung muss die GWLB auch die dauerhafte Archivierung der Pflichtexemplare sicherstellen. Darüber hinaus verfügt die GWLB über einen stetig wachsenden Bestand an Retrodigitalisaten wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, aber auch zahlreiche historische Karten und Zeitungausgaben. Auch für diese Sammlung besteht ein Bedarf an einer digitalen Langzeitarchivierungslösung. Dies beinhaltet die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung für die elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplare sowie verschiedener Retrodigitalisate wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, historischer Karten und Zeitungen.

    Gemeinsam mit den Kolleg:innen Dr. Anne-Kathrin Henkel (stellvertretende Direktorin), Andreas Steinsieck (Abteilungsleitung Medienbearbeitung), Dr. Benedikt Tondera (Abteilungsleitung IT und Digitale Dienste), Manuela Schink (Sachbearbeitung E-Pflicht) und Olaf Guercke (Leiter der Stabsstelle Digitalisierung) beschäftigt sich Markus Bierkoch als Leiter des Sachgebiets Pflicht an der GWLB mit der Umsetzung der E-Pflicht im Rahmen einer zugeschnittenen IT-Lösung, die neben der Abgabe von elektronischen Pflichtexemplaren und deren automatisierte Verarbeitung auch die digitale Langzeitarchivierung umfasst.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB) nimmt neben weiteren Aufgaben die Funktion der Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen wahr. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, Veröffentlichungen aus Niedersachsen sowie Publikationen mit Bezug zu Niedersachsen zu sammeln, bibliografisch zu erschließen, bereitzustellen und dauerhaft zu erhalten. Traditionell umfasste dies vor allem gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen.

    Inzwischen entstehen jedoch große Teile der regionalen Literaturproduktion ausschließlich digital, etwa E-Books oder E-Journals. Dem trägt das seit 2025 geltende Niedersächsische Pflichtexemplargesetz (NPflExG) Rechnung, auf dessen Basis nun auch elektronische Veröffentlichungen Pflichtexemplare darstellen. Für die Umsetzung dieses Auftrags wird an der GWLB zurzeit die entsprechende IT-Infrastruktur entwickelt. Ein zentrales Element davon ist die digitale Langzeitarchivierung, um auch elektronische Publikationen dauerhaft zu erhalten.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.), Waldzustandsbericht, Bd. 2025. CC BY 4.0

    Besonders wichtig ist für uns zum einen der bereits bestehende sowie der künftig noch zu sammelnde Bestand an elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplaren. Gemäß unserem gesetzlichen Auftrag treffen wir beim Sammeln von Pflichtexemplaren keine inhaltliche Auswahl. Der Pflichtexemplarbestand bietet dementsprechend einen breiten Querschnitt des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens in Niedersachsen. Die Erforschung dieses umfangreichen geistigen Erbes soll auch noch in Jahrhunderten gewährleistet sein.

    Darüber hinaus sind die zahlreichen Retrodigitalisate in unseren Digitalen Sammlungen von besonderer Bedeutung. Dazu zählt zum Beispiel der digitalisierte Nachlass von Leibniz, dessen Briefwechsel in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Darüber hinaus hat die GWLB in den letzten Jahren aber auch zahlreiche historische Bücher, Handschriften und Karten sowie die bedeutende regionale Tageszeitung Hannoverscher Courier (1854 bis 1944) digitalisiert, welche für die landeskundliche Forschung einen hohen Wert besitzen. Dementsprechend muss auch für diesen digitalen Bestand eine dauerhafte Sicherungslösung gefunden werden.

    Brief von Joachim Bouvet an Gottfried Wilhelm Leibniz vom 19. September 1699 aus Peking (China), in: Briefwechsel Joachim Bouvet mit Gottfried Wilhelm Leibniz.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Motivation ergibt sich in erster Linie aus unserem gesetzlichen Auftrag, elektronische Pflichtexemplare dauerhaft aufzubewahren und zugänglich zu halten. Ein konkreter Auslöser war daher das Inkrafttreten des Niedersächsischen Pflichtexemplargesetzes (NPflExG). Das Gesetz macht deutlich, dass der um elektronische Pflichtexemplare erweiterte gesetzliche Sammelauftrag ohne digitale Langzeitarchivierung künftig nicht mehr erfüllbar wäre. Die Auseinandersetzung mit der digitalen Langzeitarchivierung ist daher weniger optional als vielmehr eine notwendige Weiterentwicklung unserer bibliothekarischen Kernaufgaben innerhalb eines sich mehr und mehr zum Digitalen hinwendenden Publikationsaufkommens.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Besonders wertvoll ist für uns zum einen die Unterstützung bei der Überführung historisch gewachsener digitaler Bestände in das digitale Langzeitarchivsystem. Unsere digitalen Bestände sind über die Jahre von verschiedenen Personen betreut sowie in verschiedenen technischen Systemen gepflegt worden. Außerdem haben sich über die Zeit hinweg entscheidende Rahmenbedingungen geändert zum Beispiel im Urheberrecht. Deshalb haben sich Inkonsistenzen bei Dateiformaten sowie Metadatenangaben eingeschlichen. Hierüber im fachlichen Austausch mit anderen Einrichtungen ein vertieftes Verständnis zu entwickeln und etwaige Datenbereinigungen zu planen, ist für uns von hoher Bedeutung.

    Zum anderen ist es im Projekt besonders wertvoll, eine IT-Lösung für unsere spezifischen Anforderungen als Pflichtexemplarbibliothek zu entwickeln. Die Anforderungen, die sich aus dem Sammeln elektronischer Pflichtexemplare ergeben, unterscheiden sich häufig von denen der großen Mehrheit der Hochschul- und Universitätsbibliotheken. Sehr hilfreich ist, dass das LiLA.NDS-Team auf diese besonderen Anforderungen eingeht und gemeinsam mit uns sowie unseren weiteren Kooperationspartnern – der Verbundzentrale Göttingen (VZG) und dem Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) – eine maßgeschneiderte Lösung plant und umsetzt.

    Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

    Als nächstes blicken wir auf die Bibliothek der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK). Im Rahmen des LiLA-Projekts befasst sich die HBK vor allem mit audiovisuellen Medien, die Performances, künstlerisches Schaffen und Reflektieren abbilden und wertvolle Forschungsobjekte für künstlerische Fächer darstellen. Dr. Frauke Stiller, die Bibliotheksleitung, und Sven Grabenhorst, zuständiger Mitarbeiter für die Video- und Filmbearbeitung, skizzieren für uns die Arbeit an der Videosammlung. Unterstützt von ihrem Kollegen Joachim Schulz (Systembibliothekar) arbeiten sie kontinuierlich daran, die Digitalisierung des VHS‑ und DVD-Bestands umzusetzen und die Inhalte ins LZA-System der TIB zu überführen, um sie dauerhaft für Forschung und Lehre zu sichern.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als Hochschulbibliothek besteht unser vordingliches Interesse in der Versorgung von Lehre und Forschung, der an der Hochschule gelehrten Fächer. Ein besonderer Schwerpunkt aber liegt in der Sammlung von Kunst der Gegenwart und der klassischen Moderne. In Bereichen also, in denen Performances, künstlerische Interventionen, künstlerische Arbeitsprozesse und das Reflektieren über Formen künstlerischen Arbeitens im Gespräch am besten auf zeitbasierten Medien wie Video abgebildet werden und glücklicherweise worden sind. Genau diese Videos können ein interessanter Forschungsgegenstand werden und ein Schatz sein.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    In der Sammlung der Videos befinden sich viele Arbeitsergebnisse des künstlerischen Arbeitens an der HBK selbst. So zum Beispiel eine Kassette mit Ergebnissen des Kurses Videopraxis vom Anfang der 80-er Jahre. Diese Arbeiten heute vor ihrem historischen Hintergrund zu sehen, ist spannend. 

    Filmbild, Videopraxis 1983-1986, VC 165/83. © HBK Bibliothek

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Pläne einer Digitalisierung eines Teils unserer VHS-Bestände besteht schon länger. Um sie aber wieder allen berechtigten Nutzenden zugänglich zu machen, bedarf es eines Medienträgerwechsels. Die Anfrage aus der TIB zur Zusammenarbeit im Rahmen einer Langzeitarchivierung gab dann den Anstoß, das Projekt endlich anzugehen und um einen Teil des DVD-Bestandes zu erweitern. Die besondere Motivation liegt auch darin, die Werke unserer hauseigenen Künstler*Innen langfristig zu erhalten, um folgenden Generationen Inspirationsquelle und Forschungsobjekt zu sein.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Die Beratung durch das LiLA-Team, gerade in Bezug auf die vielen Kleinigkeiten und Probleme, die bei einem solchen Projekt auftreten, sind uns eine willkommene Unterstützung. Dies beinhaltet praktische Tipps bei der Erstellung von Workflows und Entscheidungen zu den Metadaten, genauso wie Hinweise zur rechtlichen Klärung. Wir freuen uns aber insbesondere auch über die ganz praktische und handfeste Unterstützung der Digitalisierung der DVDs selbst, wo die TIB mit ihrer Technik eine große Zeitersparnis für uns bedeutet. Dafür bedanken wir uns hier gern nochmal.

    Tierärztliche Hochschule Hannover

    Die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) verfügt über umfangreiche und teils seltene Bestände der Veterinärmedizin und betreibt zentrale Informationsdienste. Prof. Dr. Sabine Leonhard-Marek, die Leiterin der Hochschulbibliothek, spricht mit uns über die vielfältigen Bestände der TiHo – von den Digitalisaten historischer Monographien über Hochschulschriften bis hin zu seltenen Spezialbeständen sowie Kongressberichten – und die Motivation, diese langfristig zu bewahren. Unterstützt wird sie von ihrem Team Christina Gückel (stellvertretende Bibliotheksleiterin), Ngoc Anh Tran (Repositorium) und Sonja Hartinger (Hochschulschriften). Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Forschung und der einhergehenden Verantwortung, digitale wissenschaftliche Publikationen dauerhaft verfügbar zu halten, bietet das Projekt die Möglichkeit verschiedene Herausforderungen zu adressieren.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als zentrale Einrichtung der Universität versorgt die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) Forschende und Studierende mit Fachinformationen aus der Veterinärmedizin und angrenzenden Fächern. Sie stellt die für Forschung, Studium und Lehre essenziellen Informationsinfrastrukturen für Recherche und Publikation bereit und sorgt durch die Beratung zum Thema Open Access und die Unterstützung bei Publikationsvorhaben für eine erhöhte Sichtbarkeit des Forschungsoutputs.

    Die Hochschulschriften (Dissertationen, PhD-Thesen und Habilitationen) werden an der TiHo seit Ende 2000 parallel zur Druckausgabe auch elektronisch veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen wurden zunächst auf von der TiHo intern betriebenen Plattform bereitgestellt und sind 2019 in das auf MyCoRe basierende Repositorium „TiHo eLib“ umgezogen. Außer diesen Primärveröffentlichungen werden auch die von TiHo-Forschenden im Open Access publizierten Fachartikel in der „TiHo eLib“ als Zweitveröffentlichung aufgenommen. Das Repositorium fungiert darüber hinaus als Hochschulbibliographie und hat damit die vorher gedruckt oder als PDF bereitgestellte Bibliographie abgelöst.

    Perspektivisch sollen darüber hinaus die Digitalisate der „Digitalen Bibliothek Veterinärmedizin“ in das Repositorium umziehen. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Digitalisierungsprojekts wurden bis 2014 aus den Beständen der Bibliothek insgesamt 1.436 zwischen 1599 und 1890 erschienene Monographien digitalisiert, nachbearbeitet, katalogisiert, archiviert und als „Digitale Bibliothek“ frei suchbar und nutzbar gemacht.

    Landwirthschaftliches Tierracen-Album © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Als ehemalige Sondersammelgebietsbibliothek für die Veterinärmedizin und die allgemeine Parasitologie verfügt die TiHo über fachlich seltene und einmalige Bestände, die langfristig erhalten werden sollen. Hierzu gehören nicht nur die oben beschriebenen Monographien, die über Digitalisate überregional nutzbar gemacht wurden, sondern auch Kongressberichte und andere graue Literatur, die nur in digitaler Form vorliegt und dies zum Teil auf elektronischen Trägermedien, deren Funktionalität endlich ist.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen? Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Ludwig Daum: Ueber das Koppen der Pferde. © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Der Forschungsoutput der Hochschule umfasst zunehmend genuin digitale Publikationen, so dass wir es im Rahmen der Bestandserhaltung als unsere Aufgabe ansehen, auch diesen digitalen Output als Bestand zu erhalten und ihn langfristig zu sichern. Zum Teil ist diese digitale Kopie eine zweite Kopie, da im Fall der Hochschulschriften über die Abgabe an die Deutsche Nationalbibliothek und im Fall der Artikel in Fachzeitschriften weitgehend über die jeweiligen Verlage die Archivierung einer weiteren Kopie zugesagt ist. Studien haben aber in der Vergangenheit gezeigt, dass nicht alle Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durchgehend abrufbar sind (zum Beispiel Laakso et al. 2021). Da es sich um Forschungsleistungen der eigenen Hochschule handelt, liegt uns die dauerhafte Sicherung dieses Bestandes besonders am Herzen.

    Das Repositorium der TiHo wird vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) gehostet, so dass die Metadaten der Hochschulbibliographie über Backup und Bitstream-Preservation gesichert sind. Die zukünftige Lesbarkeit der hochgeladenen Volltexte ist damit jedoch nicht abgedeckt und muss separat geplant werden.

    Der aktuell für die Digitalisate genutzte Viewer ist in die Jahre gekommen und muss aktualisiert werden, so dass auch hier Handlungsbedarf bestand.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Insgesamt sind die engmaschige Betreuung und die gemeinsame Arbeit an optimalen Workflows in diesem Projekt besonders hervorzuheben. Dabei birgt jeder Projektteil besondere Herausforderungen. So haben wir zu Beginn die Fragen diskutiert, welche Publikationen bereits wie langzeitarchiviert werden und wann eine Doppelarchivierung empfehlenswert wäre. Die Digitalisate liegen in verschiedenen Formaten vor (TIFF, PDF, xml, txt, und sind zum Teil mit OCR erfasst). Hier wird im Rahmen des Projektes erarbeitet, welche Formate wie gespeichert und wie abrufbar sein sollen. Bei der grauen Literatur muss für die Langzeitarchivierung das Problem ungeklärter Rechtslagen berücksichtigt werden. Eine nachträgliche Rechteklärung ist oft nicht mehr möglich, weil die Rechteinhaber nicht ermittelbar oder erreichbar sind. Hier war die Expertise der TIB für die Entwicklung eines geeigneten Vorgehens ebenfalls sehr hilfreich.

    Ausblick

    Die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung bleibt eine spannende, wenn auch herausfordernde Aufgabe für alle beteiligten Einrichtungen. Die Bearbeitung der ersten Projektkohorte wird auch in den nächsten Monaten intensiv fortgeführt, während die zweite Kohorte bereits in den Startlöchern steht.

    Blogreihe „LiLA.NDS“
    Im Rahmen einer begleitenden Blogreihe werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.
    [1] Laakso, M., Matthias, L., & Jahn, N. (2021). Open is not forever: A study of vanished open access journals. Journal of the Association for Information Science and Technology, 72(9), 1099–1112. doi.org/10.1002/asi.24460

    #DigitaleLangzeitarchivierung #Bestandserhaltung #Digialisierung #Services #LiLANDS #LizenzCCBY40INT
  4. E-Pflicht, Kunstfilme und Veterinärmedizin: Einblicke in die digitale Langzeitarchivierung bei LiLA.NDS

    ein Beitrag von Markus Bierkoch (GWLB), Sven Grabenhorst (HBK), Sabine Leonhard-Marek (TiHo), Jesko Rücknagel (TIB) und Frauke Stiller (HBK).

    Nachdem bereits drei Einrichtungen der ersten Projektkohorte ihre Einrichtung und das Sammelprofil, die Motivation zur Beteilung an der Landesinitiative sowie ihre im Rahmen von LiLA.NDS zu bearbeitenden Bestände im letzten Blogpost vorstellen konnten, folgen nun drei weitere Einrichtungen des ersten Bearbeitungsjahres.

    Unterschiedliche Medien und Bestände werden gemeinsam mit der TIB auf ihre Datenqualität geprüft, strukturiert, und perspektivisch mit Hilfe entwickelter Workflows in das Langzeitarchiv der TIB transferiert.

    In den folgenden Kurzinterviews berichten Vertreter:innen der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) , der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig sowie der Tierärztlichen Hochschule Hannover über die verantwortungsvolle Aufgabe, ihre digitalen Bestände langfristig zu sichern.

    Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

    Dr. Markus Bierkoch berichtet über die aktuellen Aufgaben, die die GWLB als Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen übernimmt. Seit 2025 gelten zusätzlich auch elektronische Publikationen aus Niedersachsen als Pflichtexemplare. Neben der Erschließung und Bereitstellung muss die GWLB auch die dauerhafte Archivierung der Pflichtexemplare sicherstellen. Darüber hinaus verfügt die GWLB über einen stetig wachsenden Bestand an Retrodigitalisaten wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, aber auch zahlreiche historische Karten und Zeitungausgaben. Auch für diese Sammlung besteht ein Bedarf an einer digitalen Langzeitarchivierungslösung. Dies beinhaltet die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung für die elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplare sowie verschiedener Retrodigitalisate wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, historischer Karten und Zeitungen.

    Gemeinsam mit den Kolleg:innen Dr. Anne-Kathrin Henkel (stellvertretende Direktorin), Andreas Steinsieck (Abteilungsleitung Medienbearbeitung), Dr. Benedikt Tondera (Abteilungsleitung IT und Digitale Dienste), Manuela Schink (Sachbearbeitung E-Pflicht) und Olaf Guercke (Leiter der Stabsstelle Digitalisierung) beschäftigt sich Markus Bierkoch als Leiter des Sachgebiets Pflicht an der GWLB mit der Umsetzung der E-Pflicht im Rahmen einer zugeschnittenen IT-Lösung, die neben der Abgabe von elektronischen Pflichtexemplaren und deren automatisierte Verarbeitung auch die digitale Langzeitarchivierung umfasst.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB) nimmt neben weiteren Aufgaben die Funktion der Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen wahr. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, Veröffentlichungen aus Niedersachsen sowie Publikationen mit Bezug zu Niedersachsen zu sammeln, bibliografisch zu erschließen, bereitzustellen und dauerhaft zu erhalten. Traditionell umfasste dies vor allem gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen.

    Inzwischen entstehen jedoch große Teile der regionalen Literaturproduktion ausschließlich digital, etwa E-Books oder E-Journals. Dem trägt das seit 2025 geltende Niedersächsische Pflichtexemplargesetz (NPflExG) Rechnung, auf dessen Basis nun auch elektronische Veröffentlichungen Pflichtexemplare darstellen. Für die Umsetzung dieses Auftrags wird an der GWLB zurzeit die entsprechende IT-Infrastruktur entwickelt. Ein zentrales Element davon ist die digitale Langzeitarchivierung, um auch elektronische Publikationen dauerhaft zu erhalten.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.), Waldzustandsbericht, Bd. 2025. CC BY 4.0

    Besonders wichtig ist für uns zum einen der bereits bestehende sowie der künftig noch zu sammelnde Bestand an elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplaren. Gemäß unserem gesetzlichen Auftrag treffen wir beim Sammeln von Pflichtexemplaren keine inhaltliche Auswahl. Der Pflichtexemplarbestand bietet dementsprechend einen breiten Querschnitt des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens in Niedersachsen. Die Erforschung dieses umfangreichen geistigen Erbes soll auch noch in Jahrhunderten gewährleistet sein.

    Darüber hinaus sind die zahlreichen Retrodigitalisate in unseren Digitalen Sammlungen von besonderer Bedeutung. Dazu zählt zum Beispiel der digitalisierte Nachlass von Leibniz, dessen Briefwechsel in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Darüber hinaus hat die GWLB in den letzten Jahren aber auch zahlreiche historische Bücher, Handschriften und Karten sowie die bedeutende regionale Tageszeitung Hannoverscher Courier (1854 bis 1944) digitalisiert, welche für die landeskundliche Forschung einen hohen Wert besitzen. Dementsprechend muss auch für diesen digitalen Bestand eine dauerhafte Sicherungslösung gefunden werden.

    Brief von Joachim Bouvet an Gottfried Wilhelm Leibniz vom 19. September 1699 aus Peking (China), in: Briefwechsel Joachim Bouvet mit Gottfried Wilhelm Leibniz.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Motivation ergibt sich in erster Linie aus unserem gesetzlichen Auftrag, elektronische Pflichtexemplare dauerhaft aufzubewahren und zugänglich zu halten. Ein konkreter Auslöser war daher das Inkrafttreten des Niedersächsischen Pflichtexemplargesetzes (NPflExG). Das Gesetz macht deutlich, dass der um elektronische Pflichtexemplare erweiterte gesetzliche Sammelauftrag ohne digitale Langzeitarchivierung künftig nicht mehr erfüllbar wäre. Die Auseinandersetzung mit der digitalen Langzeitarchivierung ist daher weniger optional als vielmehr eine notwendige Weiterentwicklung unserer bibliothekarischen Kernaufgaben innerhalb eines sich mehr und mehr zum Digitalen hinwendenden Publikationsaufkommens.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Besonders wertvoll ist für uns zum einen die Unterstützung bei der Überführung historisch gewachsener digitaler Bestände in das digitale Langzeitarchivsystem. Unsere digitalen Bestände sind über die Jahre von verschiedenen Personen betreut sowie in verschiedenen technischen Systemen gepflegt worden. Außerdem haben sich über die Zeit hinweg entscheidende Rahmenbedingungen geändert zum Beispiel im Urheberrecht. Deshalb haben sich Inkonsistenzen bei Dateiformaten sowie Metadatenangaben eingeschlichen. Hierüber im fachlichen Austausch mit anderen Einrichtungen ein vertieftes Verständnis zu entwickeln und etwaige Datenbereinigungen zu planen, ist für uns von hoher Bedeutung.

    Zum anderen ist es im Projekt besonders wertvoll, eine IT-Lösung für unsere spezifischen Anforderungen als Pflichtexemplarbibliothek zu entwickeln. Die Anforderungen, die sich aus dem Sammeln elektronischer Pflichtexemplare ergeben, unterscheiden sich häufig von denen der großen Mehrheit der Hochschul- und Universitätsbibliotheken. Sehr hilfreich ist, dass das LiLA.NDS-Team auf diese besonderen Anforderungen eingeht und gemeinsam mit uns sowie unseren weiteren Kooperationspartnern – der Verbundzentrale Göttingen (VZG) und dem Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) – eine maßgeschneiderte Lösung plant und umsetzt.

    Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

    Als nächstes blicken wir auf die Bibliothek der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK). Im Rahmen des LiLA-Projekts befasst sich die HBK vor allem mit audiovisuellen Medien, die Performances, künstlerisches Schaffen und Reflektieren abbilden und wertvolle Forschungsobjekte für künstlerische Fächer darstellen. Dr. Frauke Stiller, die Bibliotheksleitung, und Sven Grabenhorst, zuständiger Mitarbeiter für die Video- und Filmbearbeitung, skizzieren für uns die Arbeit an der Videosammlung. Unterstützt von ihrem Kollegen Joachim Schulz (Systembibliothekar) arbeiten sie kontinuierlich daran, die Digitalisierung des VHS‑ und DVD-Bestands umzusetzen und die Inhalte ins LZA-System der TIB zu überführen, um sie dauerhaft für Forschung und Lehre zu sichern.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als Hochschulbibliothek besteht unser vordingliches Interesse in der Versorgung von Lehre und Forschung, der an der Hochschule gelehrten Fächer. Ein besonderer Schwerpunkt aber liegt in der Sammlung von Kunst der Gegenwart und der klassischen Moderne. In Bereichen also, in denen Performances, künstlerische Interventionen, künstlerische Arbeitsprozesse und das Reflektieren über Formen künstlerischen Arbeitens im Gespräch am besten auf zeitbasierten Medien wie Video abgebildet werden und glücklicherweise worden sind. Genau diese Videos können ein interessanter Forschungsgegenstand werden und ein Schatz sein.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    In der Sammlung der Videos befinden sich viele Arbeitsergebnisse des künstlerischen Arbeitens an der HBK selbst. So zum Beispiel eine Kassette mit Ergebnissen des Kurses Videopraxis vom Anfang der 80-er Jahre. Diese Arbeiten heute vor ihrem historischen Hintergrund zu sehen, ist spannend. 

    Filmbild, Videopraxis 1983-1986, VC 165/83. © HBK Bibliothek

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Pläne einer Digitalisierung eines Teils unserer VHS-Bestände besteht schon länger. Um sie aber wieder allen berechtigten Nutzenden zugänglich zu machen, bedarf es eines Medienträgerwechsels. Die Anfrage aus der TIB zur Zusammenarbeit im Rahmen einer Langzeitarchivierung gab dann den Anstoß, das Projekt endlich anzugehen und um einen Teil des DVD-Bestandes zu erweitern. Die besondere Motivation liegt auch darin, die Werke unserer hauseigenen Künstler*Innen langfristig zu erhalten, um folgenden Generationen Inspirationsquelle und Forschungsobjekt zu sein.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Die Beratung durch das LiLA-Team, gerade in Bezug auf die vielen Kleinigkeiten und Probleme, die bei einem solchen Projekt auftreten, sind uns eine willkommene Unterstützung. Dies beinhaltet praktische Tipps bei der Erstellung von Workflows und Entscheidungen zu den Metadaten, genauso wie Hinweise zur rechtlichen Klärung. Wir freuen uns aber insbesondere auch über die ganz praktische und handfeste Unterstützung der Digitalisierung der DVDs selbst, wo die TIB mit ihrer Technik eine große Zeitersparnis für uns bedeutet. Dafür bedanken wir uns hier gern nochmal.

    Tierärztliche Hochschule Hannover

    Die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) verfügt über umfangreiche und teils seltene Bestände der Veterinärmedizin und betreibt zentrale Informationsdienste. Prof. Dr. Sabine Leonhard-Marek, die Leiterin der Hochschulbibliothek, spricht mit uns über die vielfältigen Bestände der TiHo – von den Digitalisaten historischer Monographien über Hochschulschriften bis hin zu seltenen Spezialbeständen sowie Kongressberichten – und die Motivation, diese langfristig zu bewahren. Unterstützt wird sie von ihrem Team Christina Gückel (stellvertretende Bibliotheksleiterin), Ngoc Anh Tran (Repositorium) und Sonja Hartinger (Hochschulschriften). Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Forschung und der einhergehenden Verantwortung, digitale wissenschaftliche Publikationen dauerhaft verfügbar zu halten, bietet das Projekt die Möglichkeit verschiedene Herausforderungen zu adressieren.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als zentrale Einrichtung der Universität versorgt die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) Forschende und Studierende mit Fachinformationen aus der Veterinärmedizin und angrenzenden Fächern. Sie stellt die für Forschung, Studium und Lehre essenziellen Informationsinfrastrukturen für Recherche und Publikation bereit und sorgt durch die Beratung zum Thema Open Access und die Unterstützung bei Publikationsvorhaben für eine erhöhte Sichtbarkeit des Forschungsoutputs.

    Die Hochschulschriften (Dissertationen, PhD-Thesen und Habilitationen) werden an der TiHo seit Ende 2000 parallel zur Druckausgabe auch elektronisch veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen wurden zunächst auf von der TiHo intern betriebenen Plattform bereitgestellt und sind 2019 in das auf MyCoRe basierende Repositorium „TiHo eLib“ umgezogen. Außer diesen Primärveröffentlichungen werden auch die von TiHo-Forschenden im Open Access publizierten Fachartikel in der „TiHo eLib“ als Zweitveröffentlichung aufgenommen. Das Repositorium fungiert darüber hinaus als Hochschulbibliographie und hat damit die vorher gedruckt oder als PDF bereitgestellte Bibliographie abgelöst.

    Perspektivisch sollen darüber hinaus die Digitalisate der „Digitalen Bibliothek Veterinärmedizin“ in das Repositorium umziehen. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Digitalisierungsprojekts wurden bis 2014 aus den Beständen der Bibliothek insgesamt 1.436 zwischen 1599 und 1890 erschienene Monographien digitalisiert, nachbearbeitet, katalogisiert, archiviert und als „Digitale Bibliothek“ frei suchbar und nutzbar gemacht.

    Landwirthschaftliches Tierracen-Album © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Als ehemalige Sondersammelgebietsbibliothek für die Veterinärmedizin und die allgemeine Parasitologie verfügt die TiHo über fachlich seltene und einmalige Bestände, die langfristig erhalten werden sollen. Hierzu gehören nicht nur die oben beschriebenen Monographien, die über Digitalisate überregional nutzbar gemacht wurden, sondern auch Kongressberichte und andere graue Literatur, die nur in digitaler Form vorliegt und dies zum Teil auf elektronischen Trägermedien, deren Funktionalität endlich ist.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen? Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Ludwig Daum: Ueber das Koppen der Pferde. © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Der Forschungsoutput der Hochschule umfasst zunehmend genuin digitale Publikationen, so dass wir es im Rahmen der Bestandserhaltung als unsere Aufgabe ansehen, auch diesen digitalen Output als Bestand zu erhalten und ihn langfristig zu sichern. Zum Teil ist diese digitale Kopie eine zweite Kopie, da im Fall der Hochschulschriften über die Abgabe an die Deutsche Nationalbibliothek und im Fall der Artikel in Fachzeitschriften weitgehend über die jeweiligen Verlage die Archivierung einer weiteren Kopie zugesagt ist. Studien haben aber in der Vergangenheit gezeigt, dass nicht alle Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durchgehend abrufbar sind (zum Beispiel Laakso et al. 2021). Da es sich um Forschungsleistungen der eigenen Hochschule handelt, liegt uns die dauerhafte Sicherung dieses Bestandes besonders am Herzen.

    Das Repositorium der TiHo wird vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) gehostet, so dass die Metadaten der Hochschulbibliographie über Backup und Bitstream-Preservation gesichert sind. Die zukünftige Lesbarkeit der hochgeladenen Volltexte ist damit jedoch nicht abgedeckt und muss separat geplant werden.

    Der aktuell für die Digitalisate genutzte Viewer ist in die Jahre gekommen und muss aktualisiert werden, so dass auch hier Handlungsbedarf bestand.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Insgesamt sind die engmaschige Betreuung und die gemeinsame Arbeit an optimalen Workflows in diesem Projekt besonders hervorzuheben. Dabei birgt jeder Projektteil besondere Herausforderungen. So haben wir zu Beginn die Fragen diskutiert, welche Publikationen bereits wie langzeitarchiviert werden und wann eine Doppelarchivierung empfehlenswert wäre. Die Digitalisate liegen in verschiedenen Formaten vor (TIFF, PDF, xml, txt, und sind zum Teil mit OCR erfasst). Hier wird im Rahmen des Projektes erarbeitet, welche Formate wie gespeichert und wie abrufbar sein sollen. Bei der grauen Literatur muss für die Langzeitarchivierung das Problem ungeklärter Rechtslagen berücksichtigt werden. Eine nachträgliche Rechteklärung ist oft nicht mehr möglich, weil die Rechteinhaber nicht ermittelbar oder erreichbar sind. Hier war die Expertise der TIB für die Entwicklung eines geeigneten Vorgehens ebenfalls sehr hilfreich.

    Ausblick

    Die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung bleibt eine spannende, wenn auch herausfordernde Aufgabe für alle beteiligten Einrichtungen. Die Bearbeitung der ersten Projektkohorte wird auch in den nächsten Monaten intensiv fortgeführt, während die zweite Kohorte bereits in den Startlöchern steht.

    Blogreihe „LiLA.NDS“
    Im Rahmen einer begleitenden Blogreihe werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.
    [1] Laakso, M., Matthias, L., & Jahn, N. (2021). Open is not forever: A study of vanished open access journals. Journal of the Association for Information Science and Technology, 72(9), 1099–1112. doi.org/10.1002/asi.24460

    #Bestandserhaltung #Digialisierung #Services #LiLANDS #LizenzCCBY40INT #DigitaleLangzeitarchivierung
  5. E-Pflicht, Kunstfilme und Veterinärmedizin: Einblicke in die digitale Langzeitarchivierung bei LiLA.NDS

    ein Beitrag von Markus Bierkoch (GWLB), Sven Grabenhorst (HBK), Sabine Leonhard-Marek (TiHo), Jesko Rücknagel (TIB) und Frauke Stiller (HBK).

    Nachdem bereits drei Einrichtungen der ersten Projektkohorte ihre Einrichtung und das Sammelprofil, die Motivation zur Beteilung an der Landesinitiative sowie ihre im Rahmen von LiLA.NDS zu bearbeitenden Bestände im letzten Blogpost vorstellen konnten, folgen nun drei weitere Einrichtungen des ersten Bearbeitungsjahres.

    Unterschiedliche Medien und Bestände werden gemeinsam mit der TIB auf ihre Datenqualität geprüft, strukturiert, und perspektivisch mit Hilfe entwickelter Workflows in das Langzeitarchiv der TIB transferiert.

    In den folgenden Kurzinterviews berichten Vertreter:innen der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB) , der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig sowie der Tierärztlichen Hochschule Hannover über die verantwortungsvolle Aufgabe, ihre digitalen Bestände langfristig zu sichern.

    Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek

    Dr. Markus Bierkoch berichtet über die aktuellen Aufgaben, die die GWLB als Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen übernimmt. Seit 2025 gelten zusätzlich auch elektronische Publikationen aus Niedersachsen als Pflichtexemplare. Neben der Erschließung und Bereitstellung muss die GWLB auch die dauerhafte Archivierung der Pflichtexemplare sicherstellen. Darüber hinaus verfügt die GWLB über einen stetig wachsenden Bestand an Retrodigitalisaten wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, aber auch zahlreiche historische Karten und Zeitungausgaben. Auch für diese Sammlung besteht ein Bedarf an einer digitalen Langzeitarchivierungslösung. Dies beinhaltet die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung für die elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplare sowie verschiedener Retrodigitalisate wie des digitalisierten Leibniz-Nachlasses, historischer Karten und Zeitungen.

    Gemeinsam mit den Kolleg:innen Dr. Anne-Kathrin Henkel (stellvertretende Direktorin), Andreas Steinsieck (Abteilungsleitung Medienbearbeitung), Dr. Benedikt Tondera (Abteilungsleitung IT und Digitale Dienste), Manuela Schink (Sachbearbeitung E-Pflicht) und Olaf Guercke (Leiter der Stabsstelle Digitalisierung) beschäftigt sich Markus Bierkoch als Leiter des Sachgebiets Pflicht an der GWLB mit der Umsetzung der E-Pflicht im Rahmen einer zugeschnittenen IT-Lösung, die neben der Abgabe von elektronischen Pflichtexemplaren und deren automatisierte Verarbeitung auch die digitale Langzeitarchivierung umfasst.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek – Niedersächsische Landesbibliothek (GWLB) nimmt neben weiteren Aufgaben die Funktion der Pflichtexemplarbibliothek für Niedersachsen wahr. Sie hat den gesetzlichen Auftrag, Veröffentlichungen aus Niedersachsen sowie Publikationen mit Bezug zu Niedersachsen zu sammeln, bibliografisch zu erschließen, bereitzustellen und dauerhaft zu erhalten. Traditionell umfasste dies vor allem gedruckte Bücher, Zeitschriften und Zeitungen.

    Inzwischen entstehen jedoch große Teile der regionalen Literaturproduktion ausschließlich digital, etwa E-Books oder E-Journals. Dem trägt das seit 2025 geltende Niedersächsische Pflichtexemplargesetz (NPflExG) Rechnung, auf dessen Basis nun auch elektronische Veröffentlichungen Pflichtexemplare darstellen. Für die Umsetzung dieses Auftrags wird an der GWLB zurzeit die entsprechende IT-Infrastruktur entwickelt. Ein zentrales Element davon ist die digitale Langzeitarchivierung, um auch elektronische Publikationen dauerhaft zu erhalten.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Hrsg.), Waldzustandsbericht, Bd. 2025. CC BY 4.0

    Besonders wichtig ist für uns zum einen der bereits bestehende sowie der künftig noch zu sammelnde Bestand an elektronischen Amtsdruckschriften und Pflichtexemplaren. Gemäß unserem gesetzlichen Auftrag treffen wir beim Sammeln von Pflichtexemplaren keine inhaltliche Auswahl. Der Pflichtexemplarbestand bietet dementsprechend einen breiten Querschnitt des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens in Niedersachsen. Die Erforschung dieses umfangreichen geistigen Erbes soll auch noch in Jahrhunderten gewährleistet sein.

    Darüber hinaus sind die zahlreichen Retrodigitalisate in unseren Digitalen Sammlungen von besonderer Bedeutung. Dazu zählt zum Beispiel der digitalisierte Nachlass von Leibniz, dessen Briefwechsel in das Weltdokumentenerbe aufgenommen wurde. Darüber hinaus hat die GWLB in den letzten Jahren aber auch zahlreiche historische Bücher, Handschriften und Karten sowie die bedeutende regionale Tageszeitung Hannoverscher Courier (1854 bis 1944) digitalisiert, welche für die landeskundliche Forschung einen hohen Wert besitzen. Dementsprechend muss auch für diesen digitalen Bestand eine dauerhafte Sicherungslösung gefunden werden.

    Brief von Joachim Bouvet an Gottfried Wilhelm Leibniz vom 19. September 1699 aus Peking (China), in: Briefwechsel Joachim Bouvet mit Gottfried Wilhelm Leibniz.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Motivation ergibt sich in erster Linie aus unserem gesetzlichen Auftrag, elektronische Pflichtexemplare dauerhaft aufzubewahren und zugänglich zu halten. Ein konkreter Auslöser war daher das Inkrafttreten des Niedersächsischen Pflichtexemplargesetzes (NPflExG). Das Gesetz macht deutlich, dass der um elektronische Pflichtexemplare erweiterte gesetzliche Sammelauftrag ohne digitale Langzeitarchivierung künftig nicht mehr erfüllbar wäre. Die Auseinandersetzung mit der digitalen Langzeitarchivierung ist daher weniger optional als vielmehr eine notwendige Weiterentwicklung unserer bibliothekarischen Kernaufgaben innerhalb eines sich mehr und mehr zum Digitalen hinwendenden Publikationsaufkommens.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Besonders wertvoll ist für uns zum einen die Unterstützung bei der Überführung historisch gewachsener digitaler Bestände in das digitale Langzeitarchivsystem. Unsere digitalen Bestände sind über die Jahre von verschiedenen Personen betreut sowie in verschiedenen technischen Systemen gepflegt worden. Außerdem haben sich über die Zeit hinweg entscheidende Rahmenbedingungen geändert zum Beispiel im Urheberrecht. Deshalb haben sich Inkonsistenzen bei Dateiformaten sowie Metadatenangaben eingeschlichen. Hierüber im fachlichen Austausch mit anderen Einrichtungen ein vertieftes Verständnis zu entwickeln und etwaige Datenbereinigungen zu planen, ist für uns von hoher Bedeutung.

    Zum anderen ist es im Projekt besonders wertvoll, eine IT-Lösung für unsere spezifischen Anforderungen als Pflichtexemplarbibliothek zu entwickeln. Die Anforderungen, die sich aus dem Sammeln elektronischer Pflichtexemplare ergeben, unterscheiden sich häufig von denen der großen Mehrheit der Hochschul- und Universitätsbibliotheken. Sehr hilfreich ist, dass das LiLA.NDS-Team auf diese besonderen Anforderungen eingeht und gemeinsam mit uns sowie unseren weiteren Kooperationspartnern – der Verbundzentrale Göttingen (VZG) und dem Bibliotheksservice-Zentrum Baden-Württemberg (BSZ) – eine maßgeschneiderte Lösung plant und umsetzt.

    Hochschule für Bildende Künste Braunschweig

    Als nächstes blicken wir auf die Bibliothek der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig (HBK). Im Rahmen des LiLA-Projekts befasst sich die HBK vor allem mit audiovisuellen Medien, die Performances, künstlerisches Schaffen und Reflektieren abbilden und wertvolle Forschungsobjekte für künstlerische Fächer darstellen. Dr. Frauke Stiller, die Bibliotheksleitung, und Sven Grabenhorst, zuständiger Mitarbeiter für die Video- und Filmbearbeitung, skizzieren für uns die Arbeit an der Videosammlung. Unterstützt von ihrem Kollegen Joachim Schulz (Systembibliothekar) arbeiten sie kontinuierlich daran, die Digitalisierung des VHS‑ und DVD-Bestands umzusetzen und die Inhalte ins LZA-System der TIB zu überführen, um sie dauerhaft für Forschung und Lehre zu sichern.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als Hochschulbibliothek besteht unser vordingliches Interesse in der Versorgung von Lehre und Forschung, der an der Hochschule gelehrten Fächer. Ein besonderer Schwerpunkt aber liegt in der Sammlung von Kunst der Gegenwart und der klassischen Moderne. In Bereichen also, in denen Performances, künstlerische Interventionen, künstlerische Arbeitsprozesse und das Reflektieren über Formen künstlerischen Arbeitens im Gespräch am besten auf zeitbasierten Medien wie Video abgebildet werden und glücklicherweise worden sind. Genau diese Videos können ein interessanter Forschungsgegenstand werden und ein Schatz sein.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    In der Sammlung der Videos befinden sich viele Arbeitsergebnisse des künstlerischen Arbeitens an der HBK selbst. So zum Beispiel eine Kassette mit Ergebnissen des Kurses Videopraxis vom Anfang der 80-er Jahre. Diese Arbeiten heute vor ihrem historischen Hintergrund zu sehen, ist spannend. 

    Filmbild, Videopraxis 1983-1986, VC 165/83. © HBK Bibliothek

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Die Pläne einer Digitalisierung eines Teils unserer VHS-Bestände besteht schon länger. Um sie aber wieder allen berechtigten Nutzenden zugänglich zu machen, bedarf es eines Medienträgerwechsels. Die Anfrage aus der TIB zur Zusammenarbeit im Rahmen einer Langzeitarchivierung gab dann den Anstoß, das Projekt endlich anzugehen und um einen Teil des DVD-Bestandes zu erweitern. Die besondere Motivation liegt auch darin, die Werke unserer hauseigenen Künstler*Innen langfristig zu erhalten, um folgenden Generationen Inspirationsquelle und Forschungsobjekt zu sein.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Die Beratung durch das LiLA-Team, gerade in Bezug auf die vielen Kleinigkeiten und Probleme, die bei einem solchen Projekt auftreten, sind uns eine willkommene Unterstützung. Dies beinhaltet praktische Tipps bei der Erstellung von Workflows und Entscheidungen zu den Metadaten, genauso wie Hinweise zur rechtlichen Klärung. Wir freuen uns aber insbesondere auch über die ganz praktische und handfeste Unterstützung der Digitalisierung der DVDs selbst, wo die TIB mit ihrer Technik eine große Zeitersparnis für uns bedeutet. Dafür bedanken wir uns hier gern nochmal.

    Tierärztliche Hochschule Hannover

    Die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) verfügt über umfangreiche und teils seltene Bestände der Veterinärmedizin und betreibt zentrale Informationsdienste. Prof. Dr. Sabine Leonhard-Marek, die Leiterin der Hochschulbibliothek, spricht mit uns über die vielfältigen Bestände der TiHo – von den Digitalisaten historischer Monographien über Hochschulschriften bis hin zu seltenen Spezialbeständen sowie Kongressberichten – und die Motivation, diese langfristig zu bewahren. Unterstützt wird sie von ihrem Team Christina Gückel (stellvertretende Bibliotheksleiterin), Ngoc Anh Tran (Repositorium) und Sonja Hartinger (Hochschulschriften). Aufgrund der zunehmenden Digitalisierung der Forschung und der einhergehenden Verantwortung, digitale wissenschaftliche Publikationen dauerhaft verfügbar zu halten, bietet das Projekt die Möglichkeit verschiedene Herausforderungen zu adressieren.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Als zentrale Einrichtung der Universität versorgt die Bibliothek der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) Forschende und Studierende mit Fachinformationen aus der Veterinärmedizin und angrenzenden Fächern. Sie stellt die für Forschung, Studium und Lehre essenziellen Informationsinfrastrukturen für Recherche und Publikation bereit und sorgt durch die Beratung zum Thema Open Access und die Unterstützung bei Publikationsvorhaben für eine erhöhte Sichtbarkeit des Forschungsoutputs.

    Die Hochschulschriften (Dissertationen, PhD-Thesen und Habilitationen) werden an der TiHo seit Ende 2000 parallel zur Druckausgabe auch elektronisch veröffentlicht. Diese Veröffentlichungen wurden zunächst auf von der TiHo intern betriebenen Plattform bereitgestellt und sind 2019 in das auf MyCoRe basierende Repositorium „TiHo eLib“ umgezogen. Außer diesen Primärveröffentlichungen werden auch die von TiHo-Forschenden im Open Access publizierten Fachartikel in der „TiHo eLib“ als Zweitveröffentlichung aufgenommen. Das Repositorium fungiert darüber hinaus als Hochschulbibliographie und hat damit die vorher gedruckt oder als PDF bereitgestellte Bibliographie abgelöst.

    Perspektivisch sollen darüber hinaus die Digitalisate der „Digitalen Bibliothek Veterinärmedizin“ in das Repositorium umziehen. Im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Digitalisierungsprojekts wurden bis 2014 aus den Beständen der Bibliothek insgesamt 1.436 zwischen 1599 und 1890 erschienene Monographien digitalisiert, nachbearbeitet, katalogisiert, archiviert und als „Digitale Bibliothek“ frei suchbar und nutzbar gemacht.

    Landwirthschaftliches Tierracen-Album © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Als ehemalige Sondersammelgebietsbibliothek für die Veterinärmedizin und die allgemeine Parasitologie verfügt die TiHo über fachlich seltene und einmalige Bestände, die langfristig erhalten werden sollen. Hierzu gehören nicht nur die oben beschriebenen Monographien, die über Digitalisate überregional nutzbar gemacht wurden, sondern auch Kongressberichte und andere graue Literatur, die nur in digitaler Form vorliegt und dies zum Teil auf elektronischen Trägermedien, deren Funktionalität endlich ist.

    Was motiviert Sie, Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen? Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Ludwig Daum: Ueber das Koppen der Pferde. © Bibliothek der Tierärztlichen Hochschule Hannover

    Der Forschungsoutput der Hochschule umfasst zunehmend genuin digitale Publikationen, so dass wir es im Rahmen der Bestandserhaltung als unsere Aufgabe ansehen, auch diesen digitalen Output als Bestand zu erhalten und ihn langfristig zu sichern. Zum Teil ist diese digitale Kopie eine zweite Kopie, da im Fall der Hochschulschriften über die Abgabe an die Deutsche Nationalbibliothek und im Fall der Artikel in Fachzeitschriften weitgehend über die jeweiligen Verlage die Archivierung einer weiteren Kopie zugesagt ist. Studien haben aber in der Vergangenheit gezeigt, dass nicht alle Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften durchgehend abrufbar sind (zum Beispiel Laakso et al. 2021). Da es sich um Forschungsleistungen der eigenen Hochschule handelt, liegt uns die dauerhafte Sicherung dieses Bestandes besonders am Herzen.

    Das Repositorium der TiHo wird vom Gemeinsamen Bibliotheksverbund (GBV) gehostet, so dass die Metadaten der Hochschulbibliographie über Backup und Bitstream-Preservation gesichert sind. Die zukünftige Lesbarkeit der hochgeladenen Volltexte ist damit jedoch nicht abgedeckt und muss separat geplant werden.

    Der aktuell für die Digitalisate genutzte Viewer ist in die Jahre gekommen und muss aktualisiert werden, so dass auch hier Handlungsbedarf bestand.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Insgesamt sind die engmaschige Betreuung und die gemeinsame Arbeit an optimalen Workflows in diesem Projekt besonders hervorzuheben. Dabei birgt jeder Projektteil besondere Herausforderungen. So haben wir zu Beginn die Fragen diskutiert, welche Publikationen bereits wie langzeitarchiviert werden und wann eine Doppelarchivierung empfehlenswert wäre. Die Digitalisate liegen in verschiedenen Formaten vor (TIFF, PDF, xml, txt, und sind zum Teil mit OCR erfasst). Hier wird im Rahmen des Projektes erarbeitet, welche Formate wie gespeichert und wie abrufbar sein sollen. Bei der grauen Literatur muss für die Langzeitarchivierung das Problem ungeklärter Rechtslagen berücksichtigt werden. Eine nachträgliche Rechteklärung ist oft nicht mehr möglich, weil die Rechteinhaber nicht ermittelbar oder erreichbar sind. Hier war die Expertise der TIB für die Entwicklung eines geeigneten Vorgehens ebenfalls sehr hilfreich.

    Ausblick

    Die Umsetzung der digitalen Langzeitarchivierung bleibt eine spannende, wenn auch herausfordernde Aufgabe für alle beteiligten Einrichtungen. Die Bearbeitung der ersten Projektkohorte wird auch in den nächsten Monaten intensiv fortgeführt, während die zweite Kohorte bereits in den Startlöchern steht.

    Blogreihe „LiLA.NDS“
    Im Rahmen einer begleitenden Blogreihe werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.
    [1] Laakso, M., Matthias, L., & Jahn, N. (2021). Open is not forever: A study of vanished open access journals. Journal of the Association for Information Science and Technology, 72(9), 1099–1112. doi.org/10.1002/asi.24460

    #Services #LiLANDS #LizenzCCBY40INT #DigitaleLangzeitarchivierung #Bestandserhaltung #Digialisierung
  6. Zwischen Brinkmann-Archiv, Repositorium und Musiknachlass: Einblicke in die digitale Langzeitarchivierung bei LiLA.NDS

    ein Beitrag von Dr. Karolin Bubke (Leitung der Universitätsbibliothek Vechta), Dr. Christina Draheim (Koordinatorin des Fachinformationsdienst Pharmazie), Carsten Elsner (Leiter des Referats Publikationsservices), Vinzenz Fiebach (Mitarbeiter im Fachinformationsdienst Pharmazie), Dr. Michael Kotzyba (Leiter des Referats Informationstechnologie), Dr. Samuel Mund (Data Steward an der Hochschulbibliothek der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover), Dr. Katharina Talkner (Leitung Hochschulbibliothek der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover) und Jesko Rücknagel (TIB)

    Im Rahmen von LiLA.NDS, Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen, stehen nicht nur technische Konzepte und Lösungen für die digitale Langzeitarchivierung (LZA) im Mittelpunkt, sondern vor allem die Einrichtungen selbst mit ihren individuellen Beständen und Anforderungen. Ziel der Landesinitiative ist es nämlich, die für die Langzeitarchivierung notwendigen Arbeitsabläufe dauerhaft in die Bibliotheksarbeit zu integrieren und so nachhaltige Strukturen und Kompetenzen in den beteiligten niedersächsischen Einrichtungen auf- bzw. auszubauen. Doch was bedeutet digitale Langzeitarchivierung eigentlich konkret im Alltag einer Bibliothek? Welche Bestände sollen gesichert werden – und warum?

    Um diese Fragen aus der Praxis zu beleuchten, kommen in diesem Blogpost drei Einrichtungen aus der ersten Projektkohorte zu Wort, die aktuell intensiv mit der TIB an der Umsetzung ihrer Projektziele arbeiten. Dabei werden die Datenqualität ausgewählter Bestände überprüft und Workflows entwickelt, um die Bestände Schritt für Schritt auf die Übernahme in das Langzeitarchiv der TIB vorzubereiten.

    In den folgenden Kurzinterviews berichten Vertreter:innen der Universitätsbibliothek Vechta, der Universitätsbibliothek Braunschweig sowie der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover von ihren Sammlungen und davon, warum die langfristige Sicherung ihrer digitalen Bestände für sie so wichtig ist.

    Universitätsbibliothek Vechta

    Rolf Dieter Brinkmann © Arbeitsstelle Rolf-Dieter Brinkmann / Elisabeth Zöller

    Zu Beginn blicken wir nach Vechta: Karolin Bubke, die Direktorin der Universitätsbibliothek Vechta, gibt einen Einblick in einen literarisch wie kulturgeschichtlich bedeutenden Bestand aus der Region. Gemeinsam mit ihrem Team, Stephanie Hinrichs (Universitätsbibliothek, Leitung Support Forschung und Informationssysteme) und Lars Hoffmeier (Universitätsbibliothek, Leitung Universitätsarchiv), befasst sie sich in LiLA damit LZA-Strukturen aufzubauen, und spricht mit uns über diesen Prozess sowie die besondere Sammlung und dem Mann dem sie gewidmet ist.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Sehr gerne! Wir sind eine Universitätsbibliothek, die sich auf die Informationsversorgung und -vermittlung für verschiedene Zielgruppen sowie den Forschungssupport konzentriert.

    Und dann haben wir als wirklich herausragende Sammlung noch den Bestand der Archiv- und Dokumentationsstelle Rolf Dieter Brinkmann (RDB). Die hat es in sich: Brinkmann (1940–1975) wurde in Vechta geboren und war schon als Jugendlicher ein Enfant terrible, das in der Stadt verfemt war. In Köln suchte er sein Glück als Schriftsteller der deutschen Pop-Literatur, erste Erfolge fand er auch in einem Stipendium für die Villa Massimo, und dann kam er sehr tragisch mit nur 35 Jahren bei einem Autounfall in London ums Leben.

    Wer sich für diesen bewegten Menschen interessiert, dem empfehle ich die Website der Kulturstiftung Rolf Dieter Brinkmann.

    Die Sammlung, die wir in der Unibibliothek verwahren und erschließen, ist beeindruckend und wächst kontinuierlich: Als Leiter der Arbeitsstelle Rolf Dieter Brinkmann der Universität Vechta sammelt Prof. Dr. Markus Fauser (Germanistische Literaturwissenschaft) unermüdlich und sein weit verzweigtes Netzwerk bedienend alle irgendwie greifbaren Quellen: Briefe und Postkarten, Autographen, Zeichnungen und Aquarelle, Bild- und Tonmaterial.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Da gibt es viele beeindruckende Stücke, die den Schriftsteller Brinkmann mit all seinen Brüchen und in seiner düsteren, oft wütenden Emotionalität zeichnen. Ich finde besonders die frühen Texte interessant, die einen Bezug zu Vechta haben. Als Jugendlicher war Brinkmann unglücklich verliebt, aber später eng befreundet mit Elisabeth Piefke. Unter dem Vorwand gemeinsam Schulaufgaben zu besprechen, konnte er sie besuchen und brachte ihr seine Gedichte mit, die er liebevoll illustrierte. Viele Objekte auch aus dieser Zeit sind in einer kleinen Dauerausstellung in der Unibibliothek zu sehen.

    Brief von Rolf Dieter Brinkmann an Gisela Reinholz © UB Vechta

    Was motiviert Sie Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Wir wissen um den hohen Wert dieser Sammlung, die bisher nur in Bruchstücken erforscht ist und die für viele Literatur- und Kulturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler international relevant sein kann. Durch die Bereitstellung von Digitalisaten und künftig Online-Editionen möchten wir die Forschung an dieser Sammlung ermöglichen und tragen die Verantwortung dafür, dass dieses bei uns bewahrte materielle Erbe Brinkmanns langfristig zugreifbar bleibt. Der Zeitpunkt, die Langzeitarchivierung jetzt anzugehen, ist auch sehr passend, da die Kulturstiftung RDB in seiner Geburtsstadt Vechta gerade für den Bau eines zentral gelegenen Brinkmann-Hauses kämpft – Investoren stehen bereit.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Wir sind eine recht kleine Universitätsbibliothek und könnten uns die notwendige Spezialisierung und vertieften Kenntnisse zur digitalen Langzeitarchivierung (dLZA) personell nicht leisten. Wir freuen uns sehr über die Expertise und die tolle Beratung des LiLA-Teams! Die Chance, uns gemeinsam mit den Profis die Brinkmann-Sammlung anzusehen und Lösungen zu finden, konnten wir nicht verstreichen lassen. Es bleibt jedoch die Frage, wie wir künftig auch finanziell ausgestattet sein werden und ob wir uns die dLZA leisten können – und ein paar andere besondere Stücke in unserem Bibliotheksbestand sind uns auch schon eingefallen, die wir eigentlich auch angehen müssten.

    Universitätsbibliothek Braunschweig

    Neben spezialisierten Sammlungen wie in Vechta spielen auch große Publikations- und Repositoriumsbestände eine wichtige Rolle im Projekt. Ein Beispiel dafür ist die Universitätsbibliothek Braunschweig (UB) die auf ihren Publikationsinfrastrukturen vielfältige digitale Inhalte betreut. Die Kolleg:innen Christina Draheim (Koordinatorin des FID Pharmazie), Vinzenz Fiebach (Mitarbeiter im FID Pharmazie), Michael Kotzyba (Leiter des Referats Informationstechnologie) und Carsten Elsner (Leiter des Referats Publikationsservices) haben stellvertretend für das Team der UB die Bibliothek samt der in LiLA bearbeiteten Repositorien vorgestellt und ihre Erfahrungen zur LZA geteilt.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Die UB versorgt die Technische Universität (TU) Braunschweig als zentrale Infrastruktureinrichtung bedarfsorientiert mit Literatur, Medien und Informationen, unterstützt und berät Wissenschaftler:innen mit forschungsnahen Services und beim Open-Access-Publizieren, vermittelt Schlüsselqualifikationen und ist zentraler Lernort für Studierende.

    Braunschweigische Staatszeitung zur Zeit Lessings und Goethes ; Sonderbeilage zu Nummer 16 […] vom 19. Januar 1929. Braunschweig, 1929, S.3 doi.org/10.24355/dbbs.084-2010 CC BY-NC 4.0Seit 2005 betreibt die Universitätsbibliothek das institutionelle Publikationsrepositorium der TU Braunschweig, LeoPARD.

    Es dient der Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und -dokumentationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der TU Braunschweig, von Spezialsammlungen der TU Braunschweig wie zum Beispiel einer Kinderbuchsammlung und pharmazeutischer Literatur sowie von regionalen Einrichtungen sowie von digitalisierten Zeugnissen des regionalen kulturellen Erbes. Neben Publikationen enthält es auch Forschungsdaten.

    Die UB und das Institut für Informationssysteme der TU Braunschweig betreiben seit 2015 den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Fachinformationsdienst (FID) Pharmazie.

    Dieser bietet der universitären pharmazeutischen Forschung einen umfassenden Zugang zu pharmazeutischen Informationsressourcen und unterstützt Forschende durch spezifische Services, unter anderemdie wirkstoffzentrierte Rechercheplattform PubPharm und das fachspezifische Repositorium pharmRxiv.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Mit den Brunsvicensien bietet LeoPARD den Zugang zu Literatur aus und über die Stadt und das Land Braunschweig. Die UB kooperiert dabei mit zahlreichen regionalen Einrichtungen des kulturellen Erbes. Somit wird der weltweite Zugriff auf wichtige Ressourcen zur Stadtgeschichte Braunschweigs ermöglicht und trägt zur überregionalen Wahrnehmung der Services der UB und LeoPARD bei.

    Brunsvicum. Braunschweig. [S.l.], 1740 DOI: 10.24355/dbbs.084-201103171108-0Was motiviert Sie Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Langzeitarchivierung ist bereits seit vielen Jahren ein Thema an der UB. Eine eigene Instanz eines Langzeitarchivierungssystems ist für die UB nicht sinnvoll und wirtschaftlich umsetzbar. Mit der TIB arbeiten wir seit Jahren als verlässliche Partnerin zusammen, nun auch im Rahmen der Landesinitiative. Uns ist die Lesbarkeit und Nachnutzbarkeit von Daten und Beständen auch in der Zukunft sowie die Standardisierung der Datenüberlieferung in der Langzeitarchivierung wichtig.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Wir freuen uns als Piloteinrichtung im Projekt LiLA Unterstützung in der Automatisierung und Optimierung von Workflows für die sehr heterogenen Publikationsformen aus LeoPARD und pharmRxiv, wie Artikel/Aufsätze, Dissertationen, Poster, Preprints und Forschungsdaten, zu erhalten. Wir schätzen die Möglichkeit uns über Chancen und Herausforderungen auszutauschen.

    Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover

    Als dritte Einrichtung stellen Samuel Mund (Data Steward) und Katharina Talkner (Leiterin der Hochschulbibliothek) die Bestände der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) vor. Die Bibliothek betreut spezialisierte Sammlungen und Nachlässe aus Musik, Theater und Medienwissenschaft – darunter auch audiovisuelle Bestände, die besondere Anforderungen an die digitale Langzeitarchivierung stellen.

    Können Sie Ihre Einrichtung und deren Sammlungsschwerpunkte kurz vorstellen?

    Die Bibliothek der HMTMH ist eine Fachbibliothek für Musik, Schauspiel und Medienwissenschaften, und beherbergt neben Noten für den musikpraktischen Bedarf umfangreiche Bestände an musikpädagogischer, musikwissenschaftlicher und medienwissenschaftlicher Literatur.

    Neben der Zentralbibliothek existieren die Bibliothek des Forschungszentrums Musik und Gender (FMG) und die Bibliothek im Kurt-Schwitters-Forum (gemeinsame Bibliothek mit der Hochschule Hannover). Die Bibliothek besitzt umfangreiche Sammlungen, darunter die historischen Bestände des FMG, des Instituts für musikpädagogische Forschung (ifmpf) und des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik (EZJM), die Sammlung Bialik sowie mittels eines Kooperationsvertrags Teile der Sammlungsbestände des Center for World Music der Stiftung Universität Hildesheim.

    Gibt es ein digitales Objekt oder eine Sammlung, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

    Derzeit bearbeiten wir mit großer Intensität und Hingabe den Nachlass des Ulmer Musikers und Musikjournalisten Peter Ury, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft während der NS-Herrschaft nach London ins Exil ging.

    Der Nachlass liegt uns in mehrfacher Hinsicht am Herzen. Zum einen faszinieren uns die Einblicke in Urys Leben und Wirken, die wir über die Erschließung des Nachlasses im vom BMFTR geförderten Projekt „KOSTIMA – kontra-hegemoniale Stimmen in Musikarchiven“ erhalten. Zum anderen ist der Nachlass für uns infrastrukturell von großer Bedeutung, denn die Erschließung und Retrodigitalisierung der Materialien findet im neuen Bibliotheksgebäude in der Leisewitzstraße statt, und ist dadurch für uns ein Pilotprojekt für künftige Sammlungserschließungen und digitalisierung. Und schließlich ist auch die Zusammenarbeit mit Peter Urys Nachfahren für uns eine bereichernde Erfahrung.

    Peter Ury © Zentralbibliothek HMTMH/EZJM

    Was motiviert Sie Ihre digitalen Bestände zu archivieren? Gab es einen Auslöser, der den Anstoß gegeben hat, sich mit digitaler Langzeitarchivierung auseinanderzusetzen?

    Über die Digitalisierung werden die Materialien im Informationszeitalter überhaupt erst für einen breiteren Personenkreis und ortsungebunden zugänglich. Diese Zugänglichmachung verstehen wir als eine unserer Kernaufgaben. Gleichzeitig bieten Digitalisierungen und Bereitstellungen von Materialien seitens öffentlicher Einrichtungen Zugangsoptionen mit einer weitaus größeren Erschließungstiefe, als dies in der Regel von kommerziellen Anbietern geleistet wird. Zusätzlich ist die öffentliche Bewahrung von Kulturerzeugnissen nicht jenen Marktmechanismen ausgesetzt, denen privatwirtschaftliche Portale unterliegen.

    Durch die Kooperation von Bibliothek und Fachdisziplinen in Bezug auf Sammlungen entstehen praktische und theoretische Potentiale, die einen lebendigen Umgang mit Erinnerungskulturen herstellen, und Möglichkeiten zur kritischen Reflexion bieten. Langzeitarchivierung ist ein integraler Bestandteil solcher Aktivitäten, wurde aber bislang aus verschiedenen Gründen nur eingeschränkt berücksichtigt – um so mehr begrüßen wir die Kooperation mit LiLA. Ein konkreter Anstoß ist zudem die physische Materialität des Nachlasses Ury, der unter anderem Magnettonbänder enthält, deren physische Lebensdauer begrenzt ist.

    Welche Unterstützung ist für Sie im Projekt besonders wertvoll?

    Ganz besonders hilft uns die strukturierte Herangehensweise, die weit über das eigentliche LZA hinaus geht, denn jede Entscheidung, die wir in Bezug auf die Sammlungen treffen, hat unmittelbare Auswirkungen auf die langfristige Speicherung der Daten. Dies berührt sämtliche Aspekte des Sammlungsmanagements, und kommt insbesondere bei der Verwendung von Metadaten und Dateiformaten zum Tragen.

    Ausblick

    Die drei Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Motivation und darauf basierend die Anforderungen an die digitale Langzeitarchivierung in der Praxis aussehen können: von literarischen Sammlungen über institutionelle und disziplinäre Repositorien bis hin zu musikalischen und audiovisuellen Nachlässen. Trotz dieser Vielfalt verbindet alle Einrichtungen das gleiche Ziel – ihre digitalen Bestände langfristig zugänglich und nutzbar zu halten. LiLA.NDS bietet dafür den gemeinsamen Rahmen. Im kommenden Beitrag stellen wir die nächsten Partnerinstitutionen und ihre Perspektiven vor.

    Blogreihe „LiLA.NDS“

    Im Rahmen der begleitenden Blogreihe „LiLA.NDS“ werden wir regelmäßig über den Projektfortschritt Landesinitiative Langzeitarchivierung Niedersachsen (kurz LiLA) berichten. So erhalten Interessierte außerhalb des Projektkonsortiums Einblicke in die Arbeit von LiLA. In den kommenden Beiträgen stellen sich die beteiligten Einrichtungen vor, berichten über ihre zu archivierenden Bestände und erläutern, warum die digitale Langzeitarchivierung für sie von besonderer Bedeutung ist. Damit ist die Blogreihe eine wichtige Säule in der geplanten Wissensbasis, die es dem Projekt ermöglicht, Best Practices vorzustellen und Einblicke in die Umsetzungsphase zu geben.

    #LizenzCCBY40INT #Langzeitarchivierung #DigitaleLangzeitarchivierung #LandesinitiativeLangzeitarchivierungNiedersachsen
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    Der Welttag Digitale Erhaltung (World Digital Preservation Day, WDPD) findet immer am ersten Donnerstag im November statt. In diesem Jahr ist das der 7. November und ein schöner Anlass für einen Beitrag im TIB-Blog über die TIB und das Keepers Registry. Happy World Digital Preservation Day 2024!

    „TIB kooperiert als Keeper mit dem ISSN International Centre“ – so lautete die Überschrift einer Nachricht aus dem letzten Jahr.

    Was ist so ein Keeper?

    Wenn man sich die Übersetzung anschaut, vielleicht eine Hüterin? Ein Wächter? Was bewahrt ein Keeper und warum wurde die TIB ein Keeper?

    Fangen wir hiermit an: das Keepers Registry ist ein Portal, bei dem registriert ist, welche Institution welche Zeitschrift archiviert. Das Registry wurde aufgebaut von EDINA an der Universität in Edinburgh, und wurde 2019 von der ISSN Agency übernommen. Die Informationen zu den einzelnen Zeitschriften, ISSN, Verlagen und Erscheinungsverlauf sind im ISSN-Portal verzeichnet. Und wenn man möchte, findet man auch heraus, welche Institution diese Zeitschrift archiviert.

    Startseite des ISSN-Portals

    Insgesamt gibt es 19 Keeper oder „Archiving Agencies“. Einige sind nationale Bibliotheken wie die Library of Congress oder internationale Zusammenschlüsse wie das CLOCKSS-Archiv. Insgesamt findet man bei Keepers über 90.000 elektronische Zeitschriften (E-Journals), die von mindestens einer Archiving Agency bewahrt werden, siehe https://keepers.issn.org/stats.

    Für (bewahrende) Bibliotheken und andere Einrichtungen hat dies den Vorteil, einen Überblick darüber zu bekommen, welche E-Journals bereits archiviert sind. Und ob man darauf Zugriff bekommen kann, zum Beispiel über kostenpflichtige Archivierungsdienste wie Portico. Hierdurch können Entscheidungen für das digitale Archivieren des eigenen Bestandes unterstützt werden.

    Die Institutionen, die ihre archivierten Zeitschriften bei Keepers Registry melden, dürfen unter bestimmten Voraussetzungen (Trigger-Events) ihre Bestände zur Verfügung stellen. Solch ein Trigger-Event könnte sein, dass der Verlag die Zeitschrift nicht mehr online zur Verfügung stellt. Vertraglich ist geregelt, welchen Nutzer:innengruppen die Zeitschrift zur Verfügung gestellt werden darf. Häufig beschränkt sich dies auf Nutzende der teilnehmenden Institutionen in einem Netzwerk oder bei Nationalbibliotheken den Nutzenden aus dem entsprechenden Land. Diese Informationen zur Bereitstellung im Trigger-Event werden auch im Keepers-Registry von jeder Archiving Agency vorgestellt: https://keepers.issn.org/keepers

    Die TIB hat als Auftrag, den dauerhaften Zugriff auf ihre Bestände zu ermöglichen. Dies erstreckt sich auch auf die digitalen Bestände und digitale Langzeitarchivierung ist eine in der TIB-Strategie verankerte Kernaufgabe der Bibliothek. Für E-Journals sieht dies konkret so aus, dass wir im Keepers Registry schauen, welche Zeitschriften bereits von anderen Institutionen archiviert sind. Die TIB kann also anhand der Angaben im Keepers Registry sehen, für welche Zeitschriften der Zugriff für TIB-Nutzende dauerhaft gesichert ist. Basierend darauf kann die TIB ihre eigenen Bestände für die Archivierung im eigenen Archiv priorisieren.

    In regelmäßigen Abständen wird geschaut, welche unserer Bestände in Keepers von einer Institution archiviert sind, über die unsere Nutzenden Zugriff bekommen könnten (Portico, LOCKSS, CLOCKSS). Tatsächlich werden 62% aller TIB e-journals im Closed und Open Access weder von Portico, LOCKSS noch CLOCKSS archiviert. Die TIB hat daher in ihre Lizenzverhandlungen das Recht zur Archivierung als Anforderung aufgenommen. Sollte dies nicht möglich sein, wird geschaut, ob die Zeitschrift über Portico oder LOCKSS/CLOCKSS archiviert wird.

    Nachdem wir das Keepers Registry in den vergangenen Jahren häufig als Rechercheinstrument genutzt haben, haben wir uns entschieden, auch die Zeitschriften, die wir archivieren, an das Keepers Registry zu melden. Dies hat mehrere Vorteile: Unsere Tätigkeiten in der LZA werden sichtbarer gemacht und es wird ein öffentlich zugänglicher Überblick über E-Journals im TIB-Archiv erstellt. Des Weiteren war dies ein guter Augenblick, um unsere Anforderungen an Metadaten für E-Journals anzupassen und auch bereits bestehende Metadaten zu homogenisieren.

    In unserem Archiv haben wir Zeitschriften von unterschiedlichen Verlagen, zum Beispiel: Wiley, TIB Open Publishing und Hindawi. Da die Metadaten aus unterschiedlichen Quellen und in unterschiedlichen Formaten zu uns kommen, müssen wir diese vereinheitlichen. Im Zuge der Aufnahme von E-Journals in unser Archiv werden die Metadaten auf unterschiedlichen Ebenen zusammengeführt (Zeitschrift-, Band-, Heft-, und Artikelebene). Hierfür haben wir unsere Metadatenpolicy erweitert.

    Innerhalb unseres digitalen Langzeitarchivs werden die Artikel in Sammlungen auf Heft, Band und Zeitschriftenebene zusammengefasst und mit Metadaten versehen.

    Aufgrund von dieser Struktur und den unterschiedlichen Möglichkeiten, auf die Metadaten per Webschnittstellen zuzugreifen, können wir die Reports, die wir für die Meldung an das Keepers Registry benötigen, automatisiert erzeugen.

    Die TIB nutzt das Keepers Registry also auf zwei Wegen: einerseits um die Daten abzufragen, welche Zeitschriften bei welcher Archiving Agency bewahrt werden, andererseits um eigene Bestände zu melden. Wenn Sie mehr erfahren möchten, lesen Sie unser iPRES2024-Paper „Keepers Registry – A Two-Way Street for E-journal Preservation“.

    https://blog.tib.eu/2024/11/07/welttag-digitale-erhaltung-tib-und-das-keepers-registry/

    #WDPD2024 #Fachzeitschriften #LizenzCCBY40INT #DigitaleLangzeitarchivierung #KeepersRegistry

  8. An alle Fans, Nerds und Profis der #Langzeitarchivierung / #DigitalPreservation 📢 Morgen bzw am Sonntag ist die #Deadline für Beiträge zur #iPres2024 in Ghent im September!

    ipres2024.pubpub.org/pub/call-

    Falls also auch aus unserer Bubble 🧼 irgendwer im September nicht nur zuhören, sondern auch mitsprechen möchte, muss sich nun beeilen🏃‍♂️.

    #digitaleLangzeitarchivierung #LZA #dLZA #EWIG #iPres #callforcontributions