#dieanderenbands — Public Fediverse posts
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Kennt jemand die Gegend um den #Gleimtunnel? So sah es 1990 aus:
https://www.youtube.com/watch?v=gbVZjXHTg24
Lied ist von vor der Wende.
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1/ „Die DDR in ihrem Endstadium war ein Land, dessen Müdigkeit und Verfall auf die in ihm lebenden Menschen abfärbte, die ihrerseits müde und verfallen durch den Tag schwappten, der ein Tag war, dessen Ende man herbeisehnte, aber niemals wirklich erwartete.“
„Diese #Müdigkeit war keine individuelle, keine psychologische, sondern eine strukturelle Müdigkeit. Sie war nicht Ausdruck von Faulheit oder Trägheit, sondern das Ergebnis eines jahrzehntelangen Umgangs mit Forderungen, die ihrerseits entweder aus Unter- oder Überforderungen bestanden; eines Lebens unter Bedingungen, die jedes Versprechen auf Zukunft entwerteten, ehe es ausgesprochen war. Vielleicht, so könnte man sagen, war diese Gesellschaft eine, die das Prinzip Hoffnung durch das Prinzip Erschöpfung ersetzt hatte. Der Mensch, dieser geschundene, vom Produktionsplan genormte Organismus, war im Grunde nichts anderes als eine wandelnde Sollgröße. Seine Funktion bestand darin, zu funktionieren.“
Jetzt also Müdigkeit. Eine neue These über den #Osten. Der Autor Lars Reyer ist 1977 bei #Zwickau geboren, war zur Wende also 12 Jahre alt. Er schreibt über seinen Vater.
Mir ist ja beim Lesen von #KatjaHoyer klar geworden, dass man nicht von DER DDR sprechen darf. Es gab viele DDRen. Einmal zeitlich mit der entsprechende ausgerichteten Politik. Phasen der Entspannung und Anspannung und dann gab es individuell ganz unterschiedliche Erfahrungen. Und es gab lokale Unterschiede.
Mit diesem Vorwort kann ich nun sagen, dass ich mit dem Autor überhaupt nicht übereinstimme. Das ist sicher auf den Altersunterschied zurückzuführen. Lars Reyer berichtet über seinen Vater, der müde und vielleicht resigniert war.
Für mich und viele andere war die Zeit in den 80er Jahren eine Zeit der Empörung aber auch der Hoffnung. In der #Sowjetunion hatte #Gorbatschow übernommen. #Glasnost und #Perestroika zogen ein. Das war auch in den Medien dort wahrnehmbar und schwappt zum Teil auch in die kleine DDR. In der sowjetischen Politzeitschrift Neue Zeit, die es auch in der DDR gab, standen unerhörte Dinge. Der Sputnik wurde verboten, Nummern der Neuen Zeit nicht ausgeliefert. In den Studiokinos der DDR waren Filme wie Vogelscheuche zu sehen, die der sowjetischen Gesellschaft ihr Bild vor Augen hielten in Form vom Umgang von Kindern untereinander. Unglaublich! Jadup und Böl kam in die Kinos. Ein sehr kritischer Film, der jahrelang im Eisschrank gelegen hatte.
Die Menschen äußerten ihren Unmut immer offener. Der Wahlbetrug bei den Kommunalwahlen wurde 1989 von kirchlich organisierten Gruppen zum ersten Mal nachgewiesen. Meine Schwester war bei Auszählungen in Wahllokalen dabei.
Es gab geduldete Untergrundmusik mit kritischen Texten. (#Punk, #dieAnderenBands) Theaterstücke, in denen man Kritik am Staat finden konnte, wenn man genauer hinschaute als die Zensur.
Die ganze Untergrundkunst in Dresden und Berlin (und sicher auch anderswo). Ausstellungen in Wohnzimmern.
Es brodelte und blubberte überall. Es stank, aber das war Teil vom Ganzen.
Es war klar, dass etwas passieren würde, nur nicht genau was. Bei der Armee mussten wir im Juni alle die chinesischen Propaganda-Filme sehen. Meine Kumpels waren dann auch im Oktober mit Schlagstöcken in Dresden. Ich war zum Glück schon raus.
Wir glaubten, dass wir den weiteren Verlauf würden steuern können, wenn sich die chinesische Lösung vermeiden ließe.
Wir lagen falsch.
Wir waren … wir waren alles, nur nicht müde.
Wir waren naiv.
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@Loopy Na wirklich. Das war so eine halbe Generation oder vier fünf Jahre vor meiner Zeit. Ich habe eine Band beim Erlöserfestival gesehen. Sie sangen: „Deshalb erheb ich meine Hand gegen mein Vaterland“. Ringsrum um die Kirche waren Bauwagen mit Bauarbeitern, die da rumsaßen und Karten spielten. Das war in der DDR an sich nichts besonderes, den wegen Materialmangel saßen Bauerbeiter oft rum. Nur war es ja Wochenende.
Oben bei der S-Bahn standen Gleisarbeiter mit Walkie-Talkies.
Ab 85? gab es aber auch die meist legalen #dieAnderenBands. #dieArt #FeelingB #dieFirma #dieSkeptiker #Sandow #HerbstInPeking
#Freygang war auch ab und zu verboten.
Da war ich oft.
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11/ Sorry, aber die #Ostmusik war Mist. Totes Zeug, das wurde erst ganz zum Schluss (80er) anders, als es einen offiziellen Untergrund gab.
#Hoyer beschreibt in früheren Kapiteln Phasen der Lockerung und Zeiten, in denen Manfred Krug u.a. mit #Twist erfolge feierten. Dann wurde das aber wieder strenger. In meiner Jugendzeit war Ostmusik spröde und langweilig. Ich habe mich redlich bemüht, #Pankow und #Silly gut zu finden. Es ist mir nicht gelungen. Ich habe noch ein paar Platten, die ich aber nie höre.
Ich war an einer Schule mit Funktionärskindern in einer Klasse. Einer mit Opa im ZK, ein anderer mit einer besonderen Telefonnummer. Weiß nicht, was der Vater war. Wir haben uns getroffen und Musik überspielt. Kraftwerk habe ich von einem aus der Parallelklasse bekommen. Beatles, Pink Floyd, The Doors, Zappa, Beefheart von Klassenkameraden. Ich kann mich noch erinnern, wie wir The final Cut mit hand ausgesteuert haben, weil der #Geracord die hohe Dynamik gekillt hätte. Mein Freund immer kurz vor den entscheidenenden Stellen: Runter! Runter!
Tom Waits, Dire Straits bekam ich von einem Klassenkamerad, dessen Schwester nach Westberlin geheiratet hatte. Schlecht für ihn, weil er nicht zur internationalen Physikolympiade fahren durfte, gut für uns, weil wir die Platten überspielen konnten.
Vom Kumpel mit ZK-Opa habe ich #Gefahrenzone bekommen. Zu einem Zeitpunkt, als die #Stasi schon Zersetzungsmaßnahmen gegen die Band laufen hatte.
https://parocktikum.de/wiki/index.php/Gefahrenzone
Und hier Musik:
https://tapeattack.blogspot.com/search?q=gefahrenzoneDie #Puhdys hat niemand von uns gehört. (oder wenn, dann heimlich =:-)
Was man wissen muss über die Ostmusik ist: Man konnte nicht einfach so auftreten. Während das im Westen der Markt regelte, regelte das im Osten der Staat. Man brauchte eine #Einstufung. Das bedeutete, dass nur Menschen, die ihre Instrumente beherrschten, auftreten konnten. Und dass nur Menschen, die irgendwie zensurkonforme Texte hatten, eine #Einstufung bekommen haben. Gegen Ende gab es #dieAnderenBands. Die wurden sogar im #Parocktikum von Lutz Schramm im Jugendradio #DT64 gespielt (auf dem schlechtesten Sendeplatz). So was wie #Sandow, #dieArt, #FeelingB, #DieVision, #AGGeige, #HerbstInPeking, #IchFunktion, #DieFirma. Die hatten eine Einstufung und konnten in Jugendklubs, Kreiskulturhäusern oder im #PalastDerRepublik bei Veranstaltungen von Lutz Schramm auftreten. Ohne Einstufung blieben nur Konzerte in Kirchenräumen.
Das war echt, das tat weh und ab und zu wurde mal eine von den Bands verboten oder hatte irgendwie Schwierigkeiten.
Also, das Kapitel über #Ostmugge war etwas kurz, aber vielleicht kommt ja noch was.
Die Puhdys-Songs in #PaulundPaula sind auf jeden Fall legendär. Den Film müsst Ihr auch unbedingt sehen.
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Jesus war so cool
Alle wollten sie abhängen mit Jesus
Und alles, was er tun wollte, tat er
Er machte Wasser zu Wein
Und wenn es ihm gefallen hätte,
hätte er Gras in Marihuana
und Zucker in Kokain
und Summavit in Speed verwandelt
Mann, ist das cool
Jesus war so coolEr ging übers Wasser und er schwamm auf dem Land
Und erzählte diese Geschichten
Und die Leute hörten zu
Warst du blind oder lahm
gingst du einfach zu Jesus
Und er legte dir die Hand auf
Und du warst geheilt
Er sagte den Leuten
Sie sollten seinen Leib essen und sein Blut trinken
Und das ist irgendwie so cool....
Doch dann wurden einige Leute eifersüchtig
darauf, wie cool er war
Und so brachten sie ihn um
Sie brachten ihn um
Turn the radio on
Aber Jesus stand auf
Er stand auf von den Toten
tanzte herum
und fuhr
und fuhr
fuhr gen HimmelUnd das ist nun wirklich soo cool
Jesus war so cool -
Das klassische #HerbstInPeking-Album ist jetzt auf #Bandcamp. Großartiges Zeug.
Ich hatte damals (1990) bei #Radio100 ein Preisausschreiben gewonnen, bei dem es darum ging, das Bandmotto auf einer Postkarte einzuschicken.
Da die Post damals von Ost-Berlin nach West-Berlin über ne Woche brauchte und meinte Postkarte bis zur Verlosung nicht eingetroffen wäre, bin ich halt schnell mal selber hingefahren. Radio100 war cool.
https://de.wikipedia.org/wiki/Radio_100
Das war eigentlich nur ne große Altbauwohnung in der Potsdamer Straße. Die haben sich sehr gefreut, als ich da auftauchte und meinten: „Oh, hatten wir gar nicht bedacht. Wir hätten uns dann über mangelnde Zuschriften aus dem Osten gewundert.“
Ich habe dann einfach so die Platte bekommen, da ich ja auch die Frage nach dem Motto richtig beantwortet hatte. Als Zugabe gab es noch the Tower of Power, die noch in der Heavy-Sendung davor verlost worden war.
Die #HiP-Platte habe ich oft gehört.
Und? Kennt Ihr das Bandmotto?
Übrigens war Herbst im Peking im Juni verboten worden, weil sie bei einem Konzert eine Gedenkminute für die Opfer vom Platz des Himmlischen Friedens eingelegt hatten.