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  1. Du siehst aber jung aus

    Meta will uns bis auf die Knochen überwachen

    Auf der Suche nach Minderjährigen will Meta Nutzer*innen auf Facebook und Instagram umfassend durchleuchten. Der Konzern will sogar die Knochenstruktur von Menschen auf Fotos auswerten. Wie gefährlich ist das? Die Analyse.

    Instagram und Facebook wollen ihre Nutzer*innen künftig noch genauer unter die Lupe nehmen. Eine als KI bezeichnete Software soll unter anderem Texte in Posts und Kurzbios kontrollieren und Objekte in Fotos und Videos scannen. Die Software soll sogar die Körpergröße und Knochenstruktur abgebildeter Personen auswerten. Das Ziel dieser Art von Rasterfahndung sind Minderjährige.

    Schätzt die Software eine Person für verdächtig jung ein, soll sie ihr Alter nachweisen. Junge Menschen unter 18 Jahre sollen die Plattformen nur im Jugendschutz-Modusnutzen; Kinder unter 13 Jahre dürfen keinen Account haben.

    Wer also künftig auf Instagram Fotos vom Kindergeburtstag postet oder über Schulnoten spricht, könnte Probleme bekommen. Die Software könnte das als Hinweis werten, dass man noch nicht erwachsen ist. Diese beiden Beispiele kommen aus der Pressemitteilung von Meta.

    Die neue KI-Überwachung startet Instagram demnach jetzt in der EU und in Brasilien. Zuvor lief sie bereits in den USA, Australien, Kanada und dem Vereinigten Königreich. Auf Facebook rollt Meta die Überwachung zunächst in den USA aus; im Juni soll sie für EU und Vereinigtes Königreich folgen.

    Hier kommen die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zu Metas neuen Alterskontrollen.

    1. Bergen Metas Alterskontrollen Gefahren?

    Ein Fachbegriff für die von Meta geplanten Alterskontrollen ist Inferenz, einfacher ausgedrückt: schlussfolgern. Inferenz-Methoden kombinieren mehrere Anhaltspunkte, um das Alter einer Person zu schätzen. Dabei können Dinge schiefgehen – besonders wenn ein Tech-Konzern sogar Fotos und Videos mit sogenannter KI durchsuchen will.

    • Datenmaximierung: In der EU verankert die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) den Grundsatz der Datenminimierung. Das heißt im Fall von Meta: Der Konzern soll nicht mehr Daten sammeln und verarbeiten als nötig. Auf Datenminimierung pocht auch die EU-Kommission in ihren Leitlinien, die beschreiben, wie Online-Dienste Minderjährige schützen sollen; Grundlage is das Gesetzes über digitale Dienste (DSA). Passend dazu fordern in der aktuellen Debatte um Altersgrenzen und Social-Media-Verbote Politiker*innen durch die Bank weg, Alterskontrollen sollen datensparsamein. Was Meta plant, ist jedoch das Gegenteil: Der Konzern will Daten nicht minimieren, sondern maximieren. Er will „mit KI-Technologie komplette Profile analysieren“.
    • Kontrollverlust: Meta listet nicht vollständig auf, was die Software auf der Suche nach Minderjährigen alles einbezieht. Hinweise auf Geburtstage oder Schulnoten sind nur Beispiele; ebenso die Knochenstruktur von Menschen in Fotos und Videos. Nutzer*innen können deshalb nicht wissen, welche der Dinge, die sie posten, möglicherweise problematisch sein könnten. Sie wissen auch nicht, was genau mit den aus der Analyse gewonnenen Erkenntnissen passiert. Meta ist ein Datenschlucker; in der Vergangenheit hatte der Konzern mehrfach Datenschutz-Skandale. Die autoritäre US-Regierung hat potenziell Zugriff auf Daten von Meta-Nutzer*innen in der EU. Daraus folgt: Menschen auf Instagram und Facebook können kaum kontrollieren, was mit ihren Daten geschieht.
    • Fehleinschätzungen: Inferenz-Methoden setzen auf Hinweise, aber Hinweise sind keine Fakten. Die Software könnte Menschen zu Unrecht als minderjährig einstufen. In der Folge müssten sie potenziell invasive Alterskontrollen überwinden; etwa auf Basis von Ausweisen oder biometrischen Gesichtsscans. Eventuell geraten manche Gruppen besonders oft in Verdacht, noch nicht erwachsen zu sein. Etwa Menschen, die sich aufgrund von Sprachschwierigkeiten nur sehr einfach ausdrücken. Oder eher kleine, schmale Menschen, deren Körper eine Software als jugendlich einstufen würde.
    • Gesellschaftsbild: Die Maßnahme steht für einen radikalen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Risiken. Auf der Suche nach Minderjährigen werden praktisch alle Nutzer*innen zu Verdächtigen – und all ihre Uploads zu potenziellem Beweismaterial. Die Überwachung wichtiger Schauplätze der digitalen Öffentlichkeit wird zunehmend lückenlos. Lange Zeit wurden KI-gestützte Überwachungsmethoden vor allem diskutiert, um schwere Verbrechen aufzuklären. Jetzt sollen sie sogar Kinder aufspüren. Es geht um junge Menschen, die neugierig sind und Regeln brechen, nicht um Schwerverbrecher*innen. Das normalisiert permanente Überwachung, selbst im Alltag.
    • Function Creep ist die schrittweise Ausweitung einer Technologie über die ursprünglich beschriebenen Zwecke hinaus. Konkretes Beispiel: Schon jetzt nutzt die rassistische Trump-Regierung ein Arsenal an Überwachungstechnologie auf der Jagd nach Migrant*innen, um sie zu deportieren. Theoretisch könnte Meta die Systeme zur Suche nach Minderjährigen auch zur Suche nach Migrant*innen oder anderen vulnerablen Gruppen einsetzen. Entsprechende Gesetze könnten Konzerne dazu verpflichten, wenn die Infrastruktur erst einmal da ist.

    2. Warum macht Meta das?

    Meta reagiert mit den neuen Alterskontrollen wahrscheinlich auf die weltweite Debatte um Jugendschutz im Netz und Social-Media-Verbote. Jüngst hat etwa die EU-Kommission festgestellt, dass Meta nicht genug tut, um unter 13-Jährige von Facebook und Instagram fernzuhalten. Das ist ein möglicher Verstoß gegen den DSA; am Ende können Geldbußen drohen.

    Die neuen Alterskontrollen könnte der Meta-Konzern als Argument dafür nutzen, dass er sich nun an die Regeln hält. Generell bieten Inferenz-Methoden mehrere Anreize für kommerzielle Online-Plattformen.

    • Plattformen wollen ihre Nutzer*innen nicht abschrecken; immerhin ist deren Aufmerksamkeit die wichtigste Geldquelle. Während etwa Ausweiskontrollen für alle eine sichtbare Hürden sind, laufen Inferenz-Methoden zunächst unscheinbar im Hintergrund.
    • Inferenz-Methoden basieren auf Wahrscheinlichkeiten. Plattformen können genau steuern, ab welcher Schwelle eines Verdachts die Software Alarm schlägt und von Nutzer*innen eine Altersverifikation verlangt. Auf diese Weise könnte ein Konzern stets optimieren, wie streng die Kontrollen ausfallen – auch mit Blick auf möglichst geringe finanzielle Einbußen.
    • Die Systeme hinter Inferenz-Methoden können für Außenstehende komplex und intransparent sein. Kommerzielle Online-Plattformen sprechen gerne davon, dass sie ihre Systeme kontinuierlich verbessern. Das gibt ihnen viel Spielraum, etwaige Fehlerzu relativieren mit Verweis auf eine überholte Version der Systeme, etwa gegenüber Aufsichtsbehörden.

    3. Ist das neu?

    Inferenz-Methoden zur Alterskontrolle auf Online-Plattformen gibt es schon länger. Selbst Meta schreibt, dass sie ihre Systeme lediglich weiter „stärken“. Auch beispielsweise TikTok, ChatGPT, die Google-Suche oder YouTube suchen im Hintergrund nach Hinweisen darauf, ob Nutzer*innen zu jung sein könnten.

    Neu ist allerdings die beschriebene Tiefe der Eingriffe – bis hin zur Analyse von Objekten und Knochenstruktur in Bildern und Videos. Wie zur Beschwichtigung betont Meta in der Pressemitteilung: „Das ist keine Gesichtserkennung.“ Die Software identifiziere keine Personen. Das kann technisch korrekt sein, macht die Eingriffe aber nicht unbedenklich.

    4. Darf Meta das?

    Vielleicht nicht. Die Datenschutzjuristin Kleanthi Sardeli verfolgt die Neuerungen bei Meta jedenfalls mit Skepsis. Sie arbeitet für die spendenfinanzierte NGO noyb („none of your business“) mit Sitz in Wien. Auf Anfrage von netzpolitik.org geht sie darauf ein, dass biometrische Daten wie Knochenstruktur und Körpergröße in der DSGVO einem strengeren Schutz unterliegen.

    Knochenstruktur und Körpergröße können als Gesundheitsdaten angesehen werden, die denselben Schutz wie biometrische Daten genießen. Diese dürfen nur in Ausnahmefällen und auf Grundlage spezifischer Rechtsgrundlagen verarbeitet werden. Dazu gehört unter anderem die Einwilligung. In Metas Datenschutzerklärung wird dieser spezifische Einsatzbereich bisher nicht erwähnt, und als Rechtsgrundlage wird lediglich das berechtigte Interesse genannt – was für den Einsatz dieser neuen KI-Technologie eindeutig nicht ausreichend wäre.

    Nähere Einschätzungen seien schwierig, schreibt Sardeli. Dafür seien Metas Informationen zu zurückhaltend. „Es wird auch nicht näher erläutert, wie Metas KI-Modelle auf die Alterserkennung trainiert werden – und ob Inhalte auf Meta-Plattformen verwendet werden, um diese KI-Funktionen weiter zu trainieren.“

    Scharfe Kritik an Meta kommt von der deutschen Europa-Abgeordneten Alexandra Geese (Grüne), Stellvertretende Vorsitzende im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz. Auf Anfrage von netzpolitik.org schreibt sie:

    Was Meta hier plant, ist nichts weniger als der nächste Tabubruch: Die systematische Auswertung von Körpermerkmalen wie Knochenstruktur zur Altersbestimmung ist ein massiver Eingriff in hochsensible personenbezogene Daten.

    Geese verweist auf eine Regel im DSA, die besagt: Online-Plattformen sind „nicht verpflichtet, zusätzliche personenbezogene Daten zu verarbeiten, um festzustellen, ob der Nutzer minderjährig ist“. Meta tut es dennoch. Statt mehr Schutz reagiere Meta mit mehr Überwachung. „Wer glaubt, man könne Kinderschutz mit biometrischer Massenanalyse erreichen, opfert Grundrechte auf dem Altar eines kaputten Geschäftsmodells.“

    5. Was passiert als nächstes?

    Die EU-Kommission dürfte sich für das laufende DSA-Verfahren genau anschauen, ob Meta mit den neuen Alterskontrollen die gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Einerseits könnte Meta auf diese Weise tatsächlich mehr Minderjährige finden – andererseits könnte die Kommission die datenhungrigen Maßnahmen als unverhältnismäßig einstufen.

    Parallel diskutieren Expert*innen gerade auf Deutschland- und EU-Ebene über Maßnahmen für Kinder- und Jugendschutz im Netz. Spitzenpolitiker*innen fordern vehement Social-Media-Verbote und (datensparsame) Alterskontrollen, während Fachleute aus unter anderem Medienpädagogik, Kinderschutz oder IT-Sicherheit vor beidem warnen. Im Sommer sollen die von EU-Kommission und Bundesregierung einberufenen Expert*innen ihre Empfehlungen vorlegen.

    Sebastian Meineck ist Journalist und seit 2021 Redakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen aktuellen Schwerpunkten gehören digitale Gewalt, Databroker und Jugendmedienschutz. Er schreibt einen Newsletter über Online-Recherche und gibt Workshops an Universitäten. Das Medium Magazin hat ihn 2020 zu einem der Top 30 unter 30 im Journalismus gekürt. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Grimme-Online-Award sowie dem European Press Prize. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Sebastian Hinweise schicken | Sebastian für O-Töne anfragen | Mastodon. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

  2. Digitaler Wochenrückblick 25. Januar 2026

    Phlegmatik und Lethargie als Staatsdoktrin mag auf den ersten Blick abschreckend wirken, doch es ist unsere einzige Chance, dem wechselvollen Spiel internationaler Wirrungen einzelner Führer zu entgehen. Während wir uns nach außen einer unerschütterlichen Ruhe hingeben, bereiten wir heimlich die Revolution vor. In kleinen Schritten, keinesfalls überhastet!

    Das Landeskommando Sachsen der Bundeswehr wagt sich vorsichtig an eine rudimentäre Dedigitalisierung im Sinne einer technologieoffenen Zukunftsstrategie, um uns im Krisenfall zu schützen.

    In der Oberlausitz konnten sie erfolgreich Flugblätter von Heliumballons abwerfen, um Menschen zu informieren, die sonst nur schlecht zu erreichen sein könnten.

    Das ist mit den gegebenen Mitteln eine Meisterleistung, zumal auf Personal aus der IT komplett verzichtet wurde. Anders als unsere Sozialversicherer, die im Ernstfall zwar lieber die Bescheide mit Brieftauben verschicken würden, dennoch rüsten sie nach, um die Abhängigkeit von nordamerikanischen Anbietern mit Umsicht und großer Vorsicht etwas zu reduzieren. Es steht unter der Devise „Cloudbasierte Kommunikation im Krisenfall“. Wird betreut vom „Zentrum für Digitale Souveränität der Öffentlichen Verwaltung GmbH“ (ZenDiS). Wollen wir aber nicht gleich zu viel machen, geplant ist die Etablierung eines voll funktionsfähigen Notfallarbeitsplatzes, der sogar unabhängig von den bestehenden Anbindungen in die Staaten sein soll – so die Theorie.

    Alexander Pockrandt der Geschäftsführer von Zendis betont die Flexibilität der Softwaresuite, die den Betrieb der kritischen Infrastrukturen vor allem in extremen Krisensituationen gewährleisten kann. Da schwingt schon eine ganze Menge Hoffnung mit, Erleichterung verschafft sich Luft, denn nur in extremen Krisensituationen müsste die neue Staatsdoktrinezur Lethargie kurzzeitig durchbrochen werden.

    In der Berliner Verwaltung sind sie durchweg erfolgreicher! Schon 2005 haben sie im hell schillernden Licht der Phlegmatik alle Probleme einer Umstellung beschreiben können und bis zum heutigen Tag tatkräftig ergänzt.

    Die „Chief Digital Officer Berlin“ Martina Klement, das ist die mutige Frau Staatssekretärin für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung, hat eine Open-Source-Strategie vorgelegt! Wer will, kann dieses Feuerwerk an Phrasen nach Inhalten durchforsten, liegt in diesem PDF vor.

    Mehr als ein Notfallarbeitsplatz bleibt auch hier nicht übrig, der soll bis zum Ende der dritten Amtszeit von Donald Trump im Jahr 2032 stehen! Eine auf Open-Source ausgerichtete Strategie würde kurzfristig die Handlungsfähigkeit einschränken. Ach, dann gibt es noch die ganzen Fachverfahren, die noch völlig ohne freie Alternativen seien. Reicht aber auch noch nicht, wir brauchen noch mehr Probleme, damit Lösungen gar nicht erst sichtbar werden können, denn „Die Umsetzung steht unter Finanzierungsvorbehalt und erfolgt im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel“. Von solchen Kunden träumt Microsoft, die müssen nur zugreifen, egal, was die brauchen, die nehmen es sich. Da würde ein Finanzierungsvorbehalt greifen, dann müssten sie daran arbeiten und tatsächlich Lösungen finden, sonst bleibt der Computer kalt.

    Finanzschwächere, aber weniger der Lethargie verhaftete Länder, wie Schleswig-Holstein haben Lösungen gefunden, nachdem sie die Probleme angegangen sind. Das waren keine Revolutionäre, sondern gegen allen Unbill hat Dirk Schrödter von der CDU, der Digitalminister und Chef der Staatskanzlei des Landes Schleswig-Holstein ca. 25.000 Arbeitsplätze zukunftsfähig machen können. Sicherlich keine leichte Aufgabe, aber erfolgreich. So wie in Schwäbisch-Hall, die sparsamen Schwaben haben schon 2002 angefangen – ohne groß drüber zu reden, wie sie kostengünstig verwalten.

    Nur um das anzumerken, es gibt immer Ecken und Kanten, die gemeistert werden müssen, darüber zu reden ist so sinnvoll, wie über das, was Microsoft uns im Alltag zumutet, das kostet zusätzlich, wird aber als gottgegeben hingenommen.

    Aber es gibt Hoffnung, die diesen Phlegmatismus auf Schmierseife durchrutschen lassen könnte – und zwar von Brüssel aus in die EU. Es gibt einen „Bericht über die technologische Souveränität Europas und die digitale Infrastruktur“. Letzte Woche, am 22. Januar 2026 hat das EU-Parlament dieses Papier über alle Parteigrenzen hinweg angenommen.

    Das liest sich wie ein digitales Bilderbuch! Die Abhängigkeit von den US-Anbietern soll fundamental zurückgefahren werden und gleichzeitig wird auf eigene Lösungen gesetzt. Zudem sollen die EU-Staaten europäische Technologieträger bevorzugen dürfen. Im Blick haben sie eine systematische Stärkung unserer Standorte.

    Es soll eine europäische digitale Infrastruktur geschaffen werden, offene Standards und Interoperabilität sollen die Basis sein, „Public Money, Public Code“ als Maßgabe. Keine Abhängigkeit von proprietären Lösungen einzelner Anbieter. „Made in EU“ möchten die Grünen zur Regel machen.

    Ein „European Sovereign Tech Fund“ mit zehn Milliarden ist in ersten Gesprächen angedacht, was allerdings nur ein Anfang sein kann, die Nordamerikaner zeigen bei diesen Summen nur ein trübes Lächeln. Der Unterschied zu uns ist, dass wir Masse mit Klasse nicht verwechseln.

    Alexandra Geese – unsere Grüne in Brüssel – ist mit den Verhandlungen im Schatten bestens vertraut, sieht die Sicherheit Europas in Gefahr, wenn unsere Daten bei US-Techkonzernen gespeichert werden, die dem US-Cloud-Act unterliegen. Der Zugriff durch US-Behörden auf alle Daten (auch wenn die Server irgendwo auf der Welt stehen) ist ohne Ankündigung möglich, und die Anbieter dürfen ihre Kunden nicht über die Datendurchsicht informieren.

    Den Beweis, dass Europa auch ohne die digitalen Abhängigkeiten nach Nordamerika überleben kann, finden wir quer über den Kontinent. Es braucht Initiative und Mut, damit es flächendeckend Raum greift.

    Geschützt durch phlegmatische Entscheidungswege täuschen wir glaubwürdig eine Lethargie vor, nutzen diesen Schatten, um digital aufzurüsten, strategisch, gezielt und ohne viel Aufsehen. Wer sagt denn, dass wir uns bei den Chinesen nicht auch was abgucken können.

    Und? Wäre doch eine Gelegenheit selbst heimlich den Windows-Rechner vom Tisch zu schubsen. Oder täuschst Du Deine Lethargie gar nicht vor?

    Über Christian Wolf:

    Christian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geografie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digitalpurist)

  3. Dumm und naiv

    Oder wie man sich selbst das Leben schwer macht

    Acht der zwölf deutschen Grünen im Europäischen Parlament, darunter die Bonner Abgeordnete Alexandra Geese und die für den Naturschutz immer engagierte Jutta Paulus, haben gemeinsam mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien für die Anrufung des Europäischen Gerichtshofs zur Prüfung der Rechtsmäßigkeit von MERCOSUR gestimmt. Sergey Lagodinsky distanzierte sich öffentlich von diesem Abstimmungsverhalten. Immerhin.

    In einer anschließenden nach meiner Kenntnis zwischen den beteiligten Abgeordneten abgestimmten Erklärung (ich erhielt sie wortgleich über Alexandra Geese und über Jutta Paulus) wurde vorgetragen, man habe für Rechtssicherheit sorgen wollen. So ließe sich sicherlich auch bei einer Reihe anderer Beschlüsse argumentieren. Dann nähme sich das Parlament aus dem Spiel, in dem es mehr oder weniger alle Beschlüsse erst einmal den Gerichten vorlegt (Philip Manow hat sehr kluge Dinge über diese Art der Rückdelegation legislativer Verantwortung an die Judikative geschrieben). 

    Aber wer weiß? Vielleicht steckt in Wirklichkeit ein grundsätzlicher Vorbehalt gegen Freihandelszonen dahinter, den manche Grüne in den vergangenen Jahrzehnten immer schon pflegten. Doch die Zeiten haben sich geändert: Die Argumente, die bei TTIP und CETA vielleicht noch galten, gelten heute nur noch sehr bedingt: Der internationale Freihandel, auch die WTO als deren Flaggschiff, sind bedroht – wie zurzeit mehr oder weniger alle internationalen Organisationen, Vereinbarungen und Verträge. MERCOSUR sollte dazu beitragen, ein Gegengewicht gegen Trumps USA und China zu schaffen. Ungeachtet von kritischen Punkten im Detail, aber die geopolitischen Argumente sollten heute schwerer wiegen als begrenzte nationale Interessen einzelner Lobbygruppen. So argumentierten unter anderem Cem Özdemir, Reinhard Bütikofer, Jürgen Trittin und Sergey Lagodinsky.

    Die Anrufung des Europäischen Gerichtshofs verzögert die Anwendung von MERCOSUR nicht. Auch darauf wiesen die Grünen – und andere – hin. Aber warum dann dieser Beschluss? Er öffnet Tür und Tor für weitere Proteste, Boykottaktionen und für was auch immer in den EU-Mitgliedstaaten, mit denen die jeweiligen Regierungen unter Druck gesetzt werden können. Rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien wissen, wie man das macht. Die Gegner:innen von MERCOSUR werden nicht auf das Gericht warten, sondern ständig erklären, dass MERCOSUR doch rechtswidrig wäre.

    Es wird noch schlimmer, wenn man die Heuchelei hinsichtlich der Beweggründe für das Abstimmungsverhalten der Grünen in Betracht zieht. Sie ließen sich – da waren sie nicht allein im Europäischen Parlament – von der Bauernlobby treiben (die übrigens in Deutschland relativ ruhig war, nicht jedoch in Polen und Frankreich, wo liberal-konservative Regierungen sich mit sehr starken Rechtsparteien auseinandersetzen müssen). Sie ließen sich darüber hinaus auf eine gemeinsame Abstimmung mit Rechtsextremist:innen und Rechtspopulist:innen ein. Wenn Konservative das tun, gibt es von grüner Seite heftigste Kritik, so bei jüngsten Entscheidungen zur Reduzierung der Anwendungsbereiche des Lieferkettengesetzes oder verschiedenen Initiativen zum Naturschutz. Der Gegenstand der Gesetze blieb im Hintergrund, es ging so gut wie nur noch darum, wer da mit wem abgestimmt hatte, durchaus mit dem Unterton, dass damit die Konservativen pauschal mit ihren inhaltlichen Vorstellungen delegitimiert werden sollten. Im Umkehrschluss würde das bedeuten: Liebe Konservative, Mehrheiten gibt es nur mit uns, also übernehmt bitte unsere Positionen.

    Die meisten Medien nahmen die grüne Argumentation gegen das Abstimmungsverhalten der Konservativen immer gerne auf und berichteten stets fast ausschließlich über die Frage, wer da mit wem abstimmte. Stichwort „Brandmauer“. Es ist ja auch so einfach, weil man sich mit den Inhalten dann nicht mehr befassen muss. Die Grünen hätten also voraussehen können, was sie mit ihrem Abstimmungsverhalten zu MERCOSUR auslösen würden. Und siehe da, niemand interessierte sich für Sachargumente, sondern dafür, mit wem die Grünen gemeinsame Sache machten. Und so delegitimierten die Grünen sich selbst für zukünftige Fälle, in denen andere mit den Stimmen von Rechtsextremist:innen und Rechtspopulist:innen ein Anliegen durchsetzen werden. 

    Was heißt das für die anstehenden Wahlen in Deutschland? Die grünen Parlamentarier:innen im Europäischen Parlament haben ihre Parteifreund:innen in Deutschland aus dem Spiel genommen. Quod licet bovi, non licet Iovi? Wäre die Frage, wer hier Jupiter und wer der Ochse ist. Aber es gibt jemanden, der jubelt: In Deutschland ist das die AfD (und auch Trump und Xi dürften sich freuen, wenn sich Europa aus dem Spiel mit dem globalen Handel nimmt). Die AfD erhielt in der Berichterstattung über die MERCOSUR-Abstimmung ausführlich Gelegenheit, das grüne Abstimmungsverhalten für sich auszuschlachten. Die konservative Seite nutzt die Angelegenheit bereits, um die Grünen als wirtschaftsfeindlich hinzustellen, so zum Beispiel Julia Löhr in der FAZ. Interessant ist natürlich auch, dass sich fast alle Kommentator:innen so gut wie ausschließlich an den Grünen abarbeiteten und sie nach bewährter Manier in radikale Fundis und zahme, aber machtlose Realos auseinanderzudividieren. Andere Parteien, zum Beispiel die Linke, spielten keine Rolle in der Berichterstattung, vielleicht weil man von ihnen nichts anders erwartet hatte. 

    „Brandmauer war gestern“ – so der Tenor in dem meisten Medien. So weit würde ich nicht gehen (abgesehen davon, dass der Begriff von der AfD als Kampfbegriff eingeführt und von ihren Gegner:innen und Medien dankbar aufgenommen wurde), aber ich wage die vorsichtige Annahme, dass die acht europäischen Grünen sich als blutige Amateure im politischen und im medialen Geschäft erwiesen haben. Sie handelten nicht nur dumm, sondern auch höchst naiv. Ulrich Ladurner zum Beispiel nannte das Abstimmungsverhalten in ZEIT online „kleinkariert und gefährlich“. Das trifft es meines Erachtens ganz gut. Die acht Grünen erweckten den Eindruck, als hätten sie keinerlei Erfahrung in politischer und medialer Kommunikation. Die Hilflosigkeit des Bundesvorstands nach der Abstimmung belegt meines Erachtens diese Annahme. Nicht mehr und nicht weniger.

    Aber gibt es denn gar nichts Positives von den Grünen zu berichten? Doch, das gibt es, denn der Abstand zwischen CDU und Grünen in Baden-Württemberg ist in den jüngsten Umfragen deutlich kleiner geworden. Ein Verdienst von Cem Özdemir. Nicht mehr und nicht weniger.

  4. Miteinander statt übereinander reden

    Wer in der Politik wichtige Ämter bekleidet, sollte lesen und telefonieren können. Vor allem, wenn sie Entscheidungen der eigenen Partei kommentiert. Die Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner scheint beides nicht perfekt zu beherrschen. Sie kritisierte nach der Abstimmung laut Deutschlandfunk die Entscheidung der Grünen im Europaparlament, das Mercosur-Abkommen vom Europäischen Gerichtshof überprüfen zu lassen. Friedrich Merz hat diese Entscheidung des EP kritisiert und behauptet, die Überprüfung könne “die Ratifizierung des Abkommens um Monate oder gar Jahre verzögern.” Alexandra Geese hat auf ihrer Homepage heute die Entscheidung verteidigt und erklärt. Beide haben offensichtlich nicht miteinander gesprochen.

    Das nahm heute ein sogenannter “Experte” in der Live-Berichterstattung des Senders “Phoenix” vom Davoser Trump- und Milliardärszirkus zum Anlass für ein ausführliches Grünen-Bashing und die falsche und diffamierende Behauptung, die Grünen hätten bei dieser Abstimmung mit den Rechtsextremisten gestimmt. Das stimmt nachweislich nicht. Aber auch den Grünen im EP muss vorgehalten werden, dass sie ihre inhaltlich vielleicht begründete  Entscheidung nicht vor dem Hintergrund der Brisanz in der aktuellen Weltlage ausreichend kommuniziert und erläutert haben. Vielleicht sollten die Beteiligten in Zukunft weniger die (a)sozialen Netzwerke bedienen (lassen) und stattdessen öfter mal zum Telefonhörer greifen  bevor sie wie die Parteisprecherin öffentlich übereinander reden.  Hier deshalb der Text von Alexandra Geeses Erklärung:

    “…Die Abstimmung im Europäischen Parlament stellt keine Ablehnung und keine Blockade des Mercosur-Abkommens dar. Ich werde für ein rechtssicheres Mercosur-Abkommen stimmen und setze mich bereits seit langem für eine engere Zusammenarbeit mit Brasilien und anderen Ländern ein. Um die Rechtssicherheit sicherzustellen, habe ich gestern für die Resolution von 144 Abgeordneten der demokratischen Fraktionen gestimmt, den Europäischen Gerichtshof damit zu befassen.

    Das Abkommen kann weiterhin vorläufig angewendet werden, und auch der Ratifizierungsprozess in den Mercosur-Staaten wird dadurch nicht aufgehalten. Genau dies wurde uns vor der Abstimmung ausdrücklich vom juristischen Dienst des Parlaments bestätigt. Ich spreche mich ausdrücklich für eine vorläufige Anwendung aus. Ich bedauere sehr, dass in dem aufgeheizten Kommunikationsumfeld keine Unterscheidung mehr zwischen der Sicherstellung von Rechtsstaatlichkeit und der inhaltlichen Entscheidung möglich ist.
    Gegenstand der Abstimmung war ausschließlich die Frage, ob drei rechtlich problematische Punkte des Abkommens vom Europäischen Gerichtshof geprüft werden sollen, um sicherzustellen, dass es vollständig mit dem europäischen Primärrecht vereinbar ist. Konkret geht es dabei um:

    • die Umgehung nationaler Parlamente durch die Aufteilung des Abkommens in zwei Teile,
    • einen Ausgleichsmechanismus, der EU-Gesetzgebung etwa im Umwelt- oder Verbraucherschutz faktisch finanziell sanktionierbar machen könnte,
    • mögliche Verstöße gegen das europäische Vorsorgeprinzip bei Agrarimporten.

    Sollte der EuGH in einzelnen Punkten Bedenken haben, bedeutet das kein Scheitern des Abkommens. In diesem Fall müssten lediglich die betroffenen Passagen nachverhandelt werden – ein in der EU übliches und rechtsstaatlich korrektes Verfahren. Das erhöht auch die Chancen, eine sichere Mehrheit für das Mercosur-Abkommen im Parlament zu finden.

    Gerade in einer geopolitisch angespannten Lage halte ich es für essenziell, dass internationale Abkommen rechtlich belastbar sind. Ein Abkommen, das später durch Klagen einzelner Mitgliedstaaten oder durch Gerichte ganz oder teilweise gestoppt würde, wäre politisch und wirtschaftlich deutlich schädlicher als eine frühzeitige rechtliche Absicherung. Eine solche Klage war im Übrigen bereits angekündigt – unabhängig vom Verhalten der Grünen.

    Zum häufig angesprochenen Punkt der Mehrheiten möchte ich klar sagen: Die Resolution wurde von einer Gruppe von 144 Abgeordneten aus den Fraktionen der konservativen EVP, der Sozialdemokraten, der Liberalen, der Grünen sowie der Linken eingebracht. Wir haben weder mit rechtsextremen Fraktionen zusammengearbeitet noch für deren Anträge gestimmt. Für die von rechtsextremen Abgeordneten eingebrachte separate Resolution haben wir ausdrücklich nicht gestimmt.

    Das knappe Abstimmungsergebnis ist Ausdruck eines insgesamt uneinheitlichen Abstimmungsverhaltens vieler demokratischer Fraktionen – nicht einer politischen Zusammenarbeit mit dem rechten Rand…”

     

     

     

  5. Digitaler Wochenrückblick 30. November 2025

    Ich weiß, wieder zu spät – deshalb bestrafe ich die treuesten Leser mit einem brutalst möglichen Selbstversuch, ganz am Schluss!

    Wie ich ihn liebe, diesen morbiden Charme des Untergangs, das fängt schon an der Zapfsäule an. Da ist es hilfreich, vorher zu wissen, was der edle Tropfen kostet. Ah, Dir geht das auch so? Du hast schon eine App, wo Du immer auf dem neusten Stand bist? So kann ich ganz souverän entscheiden, welchen Rüssel ich wo in meine Karosse reinschiebe.

    Die App ist super! Du hast nicht nur die kostenlose Version mit Werbung und Spionagefunktion, sondern die teure „pro-Version“ ohne Werbung, aber mit marktgerechter Spionagefunktion? Prima, dazu noch Google-Maps, damit wirklich keine Daten von Dir verloren gehen!

    So eine Tank-App gibt es zum Beispiel auch vom ADAC. Um den Spritpreis rauszufinden, möchten die, dass ich einen Account anlege, nichts leichter als das. Damit das sicher funktioniert, arbeitet der ADAC mit Microsoft zusammen, die verwalten die Accounts. So viel Datenabfluss stärkt meine Souveränität an der Zapfsäule.

    Das sieht Microsoft ganz genauso. Stolz sind sie drauf, bei Microsoft! Sie würden die umfassendsten Souveränitätslösungen auf dem heutigen Markt anbieten, sie wollen weiterhin sicherstellen, dass das EU-Parlament und andere europäische Kunden die Optionen und die Sicherheiten haben, die sie benötigen, um vertrauensvoll arbeiten zu können, sagt Robin Koch ein Sprecher von Microsoft dazu.

    So etwas hören veränderungsunwillige Politiker gerne, die kleben an ihrem Windows, wie die Fliegen an der Windschutzscheibe. Denen geht es nicht besser als Dir, der da vor dem Monitor thront. Windows abzuschaffen ist so schmerzhaft wie eine Amputation. Dennoch ist es möglich, den Dreck von der Windschutzscheibe zu kratzen. Im Fuhrpark vom EU-Parlament kratzen sie diesen Dreck nur von Windschutzscheiben, die aus europäischer Produktion stammen. Warum nur da?

    Beseelt von so viel Lust auf Souveränität packen EU-Parlamentarier quer durch die Parteienlandschaften das heiße Eisen an. Den Aufruf zieren u.a. so große Namen, wie Aura Salla (EVP), Birgit Sippel (SPD), selbst Marie-Agnes Strack-Zimmermann der FDP zeichnet, auch unsere Grüne in der EU Alexandra Geese oder Leila Chaibi von der linken Seite wollen der Übermacht nordamerikanischer Tech-Konzerne entfliehen, finden wir bei euractiv

    Sie träumen davon, Tausenden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Windows den Wind aus den Segeln zu nehmen, so schreiben sie es in einem Brief an Parlamentspräsidentin Roberta Metsola. Die Unterzeichner fordern, sich intern vom cloudbasierten Office 365 aus dem Hause Microsoft zu verabschieden, gehen noch viel weiter: „Unser mittelfristiges Ziel sollte die vollständige Ausmusterung von Microsoft-Produkten, einschließlich des Betriebssystems Windows, sein. Das ist einfacher, als es sich anhört.“ Aber nicht nur das, auch keine Mäuse, Bildschirme, Tastaturen von LG, Dell oder HP, sondern durchweg europäische Produkte, damit wollen sie im EU-Parlament die technologische Souveränität vorantreiben.

    Sie möchten nicht Milliarden von Steuergeldern ins Ausland verschleudern und empfinden Unbehagen, weil die Tech-Konzerne zu einem politischen Werkzeug werden können, wie zum Beispiel beim Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH), die Microsoft mit einem Klick handlungsunfähig gemacht hat, weil sie Chefankläger Karim Khan abgeschaltet haben, die setzen jetzt zwangsweise auf OpenDesk

    Helmut Brandstätter, ein mutiger liberaler Österreicher koordiniert die Gruppe der EU-Tech-Revolutionäre, getrieben von Angst, dass mithilfe der Microsoftprodukte das Parlament über Nacht abgeschaltet werden kann oder – noch produktiver – umfassend überwacht wird. Das sei nicht „USA-feindlich“ sondern eine „pro-europäische Souveränitätsmaßnahme“.

    So ein Parlament arbeitet langsam und umständlich. Einen solchen Beschluss aus politischen Gründen zu fassen, mag noch funktionieren, aber spätestens bei der Umsetzung kracht es an die Wand. Denn für die Sekretärin im EU-Parlament sieht alles ganz anders aus, es ist auch nicht mehr so umständlich zu bedienen – aber das will sie gar nicht wissen, dann bringt sie lieber ihren privaten Windows 10 Laptop mit – oder eine Schreibmaschine.

    Diese Revolution scheitert an Politikern, wie der Bockwurst.  Die rechnen mithilfe von Microsoft-Produkten vor, dass nur Lösungen mit „markterprobter Software“ zum Einsatz kommen dürfen, bei Palantir hat er es gleich bei der Ausschreibung in Stein gemeißelt.

    Wie schwierig und hochproblematisch das alles ist, kann jede und jeder im Selbstversuch herausfinden. Zum Beispiel an der Zapfsäule, die Preise sind öffentlich verfügbar – ohne datenhungrige Zwischenhändler, die erscheinen bei der Suche im App- oder Playstore an erster Stelle. Das ist unübersichtlich und die kostenfreien Open Source-Lösungen ohne Spionagefunktion sind kaum zu finden, deshalb seien die Perlen kurz genannt, der Tankerkönig oder Tankste die tun, was Du wissen willst, ohne Datenaderlass, Accountzwang oder einer kostenpflichtigen „pro-Version“.

    Natürlich brauchen sie zwingend die Standortinformation, geht in diesem Fall nicht anders. Da lohnt ein Blick in die Datenschutzerklärung, die ist kurz und verständlich, die haben nichts zu verstecken. Zum Vergleich einfach eine andere App dazu nehmen und diese Datenschutzerklärung lesen, da hast Du nichts mehr zu verstecken.

    Wer in der Welt unterwegs ist, eine Karten-App braucht, der hat Google-Maps mit gebucht, bei Android ist das praktischerweise mit allen anderen Google-Accounts (Mail, Adressbuch, Kalender etc.) gleich verknüpft, dann wissen die alles. Wirklich ALLES! Du hast doch nichts zu verstecken? Du kannst es gar nicht, mit diesem Rechenknecht in der Tasche.

    Der nächste Selbstversuch droht, Google-Maps löschen und Magicearth installieren. Die Datenschutzerklärung ist so kurz, wie der Weg zum Ziel, geht auch ohne Google. Einen Haken hat diese App, sie kostet Geld und zwar 99 Cent – im JAHR! Auch hier gibt es keine „pro-Version“, trotzdem warnt sie vor Blitzern, lässt sich sogar so ins Fenster legen, dass ein Head-Up-Display möglich ist. Die App erfordert, sich ein wenig damit anzufreunden, nicht weiter schwierig und belohnt mit vielen kleinen sinnvollen Einstellungen.

    Muss Google eigentlich wissen, welche Sprachen ich nicht beherrsche? Nöh, statt Google-Translate www.deepl.com aufrufen, kommt aus Köln und ist weltweit verfügbar.

    Google als Suchmaschine? Muss auch nicht sein. Selbst der Firefox hat als Standard Google, das braucht kein Mensch, als Standard-Suchmaschine Search Brave nehmen  oder Qwant (kommt aus Frankreich) benutzen.

    Ja, das ist alles ein bissel anders und wer etwas ändert, wird nach kurzer Zeit feststellen: Das ist ja super!

    Am Window-Rechner lässt sich das ebenso einrichten: den Browser Edge nicht durch Chrome ersetzen, sondern Firefox (aber die Standardsuchmaschine ändern) – oder gleich Brave installieren.

    Und dann? Nicht wundern, nach einem der nächsten Updates – aus Versehen oder nicht – sind wieder die Default-Einstellungen mit Edge und Bing zu sehen. Zwei, drei Mal gesucht und nicht geändert, weil gerade keine Zeit war. Dann bleibt es eben wie es ist, ging grad nicht anders.

    Die Schreibkraft im EU-Parlament wird es nicht ändern – aber Du, Du kannst das, ganz souverän. Wenn Du willst…

    Über Christian Wolf:

    Christian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geografie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digitalpurist)

  6. Digitaler Wochenrückblick 21. September 2025 (verspätete Ausgabe)

    Es wird wieder eine neue, aber alte Sau durchs Dorf getrieben. Allen engagierten Freiheitsliebenden ist in den letzten Tagen das Wort „Chatkontrolle“ um die Ohren geflogen. Das ist auch wirklich schrecklich. Da melden sich die zu Worte, deren WhatsApp-Account mit Aufrufen, etwas dagegen zu tun, geradezu überläuft. Nur sehe ich das Problem nicht.

    Mein Lieblingsmessenger Signal ist auch betroffen, die wollen sich glatt aus Europa zurückziehen, weil es ihnen Magenschmerzen bereitet, dass staatliche Hintertüren jedwede private Kommunikation aushöhlen, komplett, sagt Signal-Präsidentin Meredith Whittaker. Selbst die Tagesschau berichtet darüber.

    Da muss protestiert werden, um die Chatkontrolle zu verhindern. Allen voran grüne Politiker im EU-Parlament bieten die Stirn! Organisieren eine Videokonferenz mit der Signal-Führung, in englischer und deutscher Sprache. Alexandra Geese, unsere EU-Grüne hat das Stelldichein angerichtet. Prima, klicke ich auf den Link und was kommt? Ich soll mich bei Zoom mit Namen, Adresse und Mail registrieren, um daran teilzunehmen.

    Ja, würde ich auch so machen, dann kann ich vielleicht Diesel tanken, weil ich denke, das Verbrenner-Aus gilt nur für Benziner, obwohl ich ein E-Auto fahre. Soviel gesellschaftspolitische IT-Kompetenz ist doch immer wieder rührend.

    Was gerne in dem Zusammenhang übersehen wird, welcher Aufwand getrieben werden muss, um die Totalüberwachung zu realisieren. Nur auf WhatsApp werden allein in Deutschland täglich rund drei Milliarden Nachrichten verschickt, die anderen Messenger und eMails nicht gerechnet. Den ganzen Buchstabensalat zu durchforsten ist eine Herkulesaufgabe, egal wie schlau die KI dazu wäre. Auf Unstatistik, eine Seite vom Informationsdienst Wissenschaft (idw) wird vorgerechnet, was es bedeutet, wenn die EU-Wunschvorstellung 99.9 Prozent erreicht wird und als harmlos aussortiert wird.

    Es bleiben immer noch satte 3 Millionen Nachrichten pro Tag, die bewertet werden müssen, ob sie unangemessene Inhalte transportieren. Aber diese drei Millionen gefilterten Nachrichten täglich – von drei Milliarden insgesamt – werden nicht von perversen Kinderfreunden verschickt, sondern die meisten Nachrichten sind schlichtweg falsch-positiv und müssen nochmals geprüft werden. Übrig bleibt ein Bodensatz von 0,0001 Prozent, die tatsächlich zum Bombenbau oder anderen strafbewehrten Inhalten Auskunft geben. Also täglich rund 3000 Nachrichten wären tatsächlich betroffen, die – wenn wirklich alles perfekt läuft – strafrechtliche Maßnahmen nach sich ziehen könnten.

    Festzuhalten bleibt: Wir brauchen riesige Rechenzentren, die Abermilliarden Nachrichten täglich mit einer noch zu erschaffenden KI aufbereitet werden. Zusätzlich braucht es ein Management für Millionen von falsch-positiven Ergebnissen, um gegen Ende in mikroskopisch kleiner Menge ein paar Hasardeure zu erwischen. Und das: täglich! Das ist nicht nur nackte Geld-, sondern auch Energieverschwendung.

    Außerdem wird diese mikroskopisch kleine Menge perverser Krimineller nach kurzer Zeit fast verschwinden, denn wer weiß, dass er überwacht wird, sucht sich andere Kommunikationswege. Um die wiederum zu finden, ist was notwendig? Ich denke das Stichwort „konventionelle Polizeiarbeit“ beschreibt es ausreichend.

    Wenn Signal sich gezwungen sieht, aufgrund dieses grenzenlosen Wahnsinns, in Europa seine Dienste nicht mehr anzubieten, haben wir immer noch, Tadah: WhatsApp, die sind ethisch-moralisch flexibel genug, um die Quartalsbilanzen nicht zu gefährden.

    Sollte die Chatkontrolle wirklich kommen, dann wird sie an sich selbst ersticken. Vorsorglich könnten wir bei der Gematik (das sind die Digitalakrobaten aus dem Gesundheitswesen) die TOP-Kräfte abwerben. Wir locken sie mit dem Argument, dass zur Chatkontrolle Datenschutz und Sicherheit keine Rolle spielen. Den Rest vergeigen sie nach bekannten Mustern.

    Über Christian Wolf:

    Christian Wolf (M.A.) ist Autor, Filmschaffender, Medienberater, ext. Datenschutzbeauftragter. Geisteswissenschaftliches Studium (Publizistik, Kulturanthropologie, Geographie), freie Tätigkeiten Fernsehen (RTL, WDR etc.) mit Abstechern in Krisengebiete, Bundestag Bonn und Berlin, Dozent DW Berlin (FS), Industriefilme (Würth, Aral u.v.m), wissenschaftliche und künstlerische Filmprojekte, Projekte zur Netzwerksicherheit, Cloudlösungen. Keine Internetpräsenz, ein Bug? Nein, Feature. (Digtalpurist)

  7. Faire #Grüne Einschätzung zum Koala-Vertrag von #AlexandraGeese @alexandrageese 👍🌻:

    🕸️ 7nptg.r.sp1-brevo.net/mk/mr/sh

    ▶️ Das Verständnis, dass die Strategie der Sündenböcke gescheitert ist, sondern es Zeit für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit ist, fehlt komplett.

    My 2ct: Am angeblichen Nichtwissen erkennt man den Vorsatz der #CDU, Notstand zu stiften ➡️ Carl Schmitt.

    Btw: Etwas bizarr, dass man bei einer der wichtigsten EU-Digitalpolitikerin einen "zoom-personalisierten" Link posten muss 🙄

  8. Elon Musk stürzt Twitter ins Chaos, Mitarbeiter verlassen in Scharen das Unternehmen. Das hat auch Auswirkungen auf den rechtskonformen Betrieb der Plattform.
    Was passiert, wenn Twitter sich nicht an EU-Recht hält?
  9. Der in der EU beschlossene Digital Services Act ist nun das wichtigste Internetgesetz der Welt. Aber wie genau entstehen Gesetze auf EU-Ebene eigentlich?
    Geese gegen Google: Die EU gegen die mächtigste Suchmaschine der Welt
  10. Aufzeichnung veröffentlicht. War ein interessantes Gespräch.

    Europe Calling “Ein Digitales Grundgesetz für Europa? – Wie der Digital Services Act (DSA) die Demokratie schützen will“ europe-calling.de/europe-calli

    Mit dabei waren:
    - Frances Haugen, Facebook-Whistleblowerin
    - Peter Pomerantsev, Autor “Das ist keine Propaganda”
    - Felix Kartte, Leiter des Deutschland-Büros von Reset, einer Initiative für digitale Demokratie
    - Alexandra Geese MdEP

    #DSA #EuropeCalling #FrancesHaugen #AlexandraGeese

  11. Das Europaparlament hat am 20.1 in seinem Bericht zum #DSA, dem neuen Gesetz für digitale Plattformen, das Ausspielen von Werbung anhand von sensiblen Daten wie politischer oder religiöser Zugehörigkeit, ethnischer Herkunft oder sexueller Orientierung verboten. #AlexandraGeese #Grüne #GrüneHadern 1/13

  12. Concernant le siteweb de dépistage du #COVID19 du Parlement Européen, le Contrôleur Européen de la Protection des Données #EDPS "encourage vivement" les institutions à éviter les transferts de données vers les États-Unis
    @google #Stripe #AlexandraGeese
    euractiv.com/section/digital/n

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