Stefanstag2024
Bibelstellen
Lesung: Apg 6, 8–10; 7, 54–60
Evangelium: Mt 10, 17–22
Gedanken zur Einführung
In 2024 ist der Leitgedanke der Aktion Friedenslicht aus Bethlehem: Vielfalt leben. Zukunft gestalten
Er kann uns in unserem alltäglichen Ringen um eine gute Lebensführung leiten. Vielleicht hilft auch ein Blick auf das Wort Bethlehem. Seine Wortbedeutung kann man als Haus des Brotes oder auch als Haus des Kampfes übersetzen. Vielfalt ist oft beides - belebend (wie Brot) und ein Ringen (die Seite des Kampfes).
Predigt: Liebe Mitchristen
Weihnachten passt zu unserer Friedenssehnsucht. Der weihnachtliche Lobpreis der Engel Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade. konnte damals die Hirten erreichen. Sie machten sich auf und erzählten davon an der Krippe. Maria bewahrte diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. So erzählt Lukas. Was bewahren wir, Sie und ich, von diesem Fest in unseren Herzen?
Heute, am 2. Weihnachtstag, wollen uns dabei Erfahrungen der Urkirche bestärken. Jesu Jünger erleben, wie ihre Gemeinschaft wächst und damit vor neuen Herausforderungen steht. Die Berufung des Stephanus hängt mit einem gravierenden Umbruch, einem Konflikt in der Urkirche zusammen. Die Namen der Diakone lassen erkennen, eine weitere Kultur, im Grunde also bisher fremde Menschen, öffnet sich für den Glauben, wird teil der Kirche. Der Umgang mit dieser neuen Vielfalt hat damals die Gemeinschaft herausgefordert und Konflikte dieser Natur begleiten uns bis heute. Wenn Sie auf Ihre Kirchenerfahrung heute schauen, welche Gruppen in unserer Kirche sind Ihnen, sind uns fremd, also sprechen und denken anders? Kennen Formen den eigenen Glauben zu leben, die uns vielleicht sogar irritieren?
„Vielfalt leben. Zukunft gestalten" - ist das Motto der Friedenslicht-aus-Bethlehem-Aktion in 2024. Daran musste ich denken, als ich auf der Homepage der Gemeinde das Grußwort zu den Feiertagen las. Vielfalt fällt ja schon in der Urkirche schwer - Paulus nutzt in einen Brief das Bild eines Leibes, um die Unterschiedlichkeit der einzelnen Glieder zu beschreiben. Eine Nase kann ja nicht riechen, warum es eine Hand partout nicht begreifen kann, was dem Auge so offensichtlich ist. Zukunft gestalten gelingt nur gut in einem versöhnten Miteinander, also wenn es gelingt, Vielfalt zu leben.
Damals wurden die Witwen der griechisch-sprechenden Christen vernachlässigt. Diese Situation beschreibt die Apostelgeschichte, wenn man kurz vor die heutige Lesung schaut. Lukas erzählt, wie die Kirche damals Menschen, die mit einer Situation unzufrieden sind, in Verantwortung nahm, ihre Kraft und ihre Ideen so für das Wohl des Ganzen nutzbar machte. Das Fördern von Selbstwirksamkeit hilft bis heute, Umbrüche zu bestehen. Veränderungen treffen oft auf großen Widerstand. Ein System hat ein Gleichgewicht gefunden und möchte nicht gestört werden. Das Ringen zu guten Weisen einer Transformation, z.B. bei der Nutzung fossiler Energien, ob in der Industrie, bei der Mobilität oder dem Umfeld des Wohnens sind dafür öffentliche Beispiele - Sie werden aus Ihrem Lebensumfeld persönliche Erfahrungen dazu legen können. Im Evangelium hörten wir, wie Menschen einer bestimmten Richtung mit Stephanus streiten wollen. Was sie konkret stört, ist nicht überliefert. Ich vermute, Stephanus durchbricht mit
seinem Einsatz manches ungute Muster. Menschen können die Kraft der Liebe für sich spüren, so anders zu leben. Das bewirkt gelebte Vielfalt. In unserer Zeit könnte so etwas im Umfeld von Flüchtlingen geschehen, die sich dann selbstbewusster in der Gesellschaft einbringen, bisher Fremdes sichtbarer werden lassen. In der Folge werden dann auch Stimmen laut, die das Gewohnte in Gefahr sehen.
Was bewahren wir von der Weihnachtsbotschaft im Herzen? Der Dienst des Stephanus zeigt: Gott kommt uns in Liebe nahe, damit wir diese Kraft der Liebe für uns spüren und lebensfeindliche Muster verlassen, frei werden.
Davon Zeugnis zu geben, ist nicht überall willkommen. Die Weihnachtsbotschaft passt nicht zum Recht des Stärkeren, das in vielen Situationen das Miteinander von Menschen zu allen Zeit prägt. Diejenigen, die bislang das Sagen hatten, die von diesem Recht profitierten, wehren sich. Jesus, der als Kind in der Krippe zu uns kam, und die Menschen, die ihm folgen in die Freiheit der Kinder Gottes führen will, hat es vorausgesehen. Wir haben es im Evangelium gehört. Und wir können an Stephanus im Bericht der Apostelgeschichte ablesen, wie dieses Zeugnis geben gehen kann, gerade wenn es Streit gibt.
Stephanus war da nicht zimperlich, hat sich von den Befindlichkeiten seiner Gegner nicht einschüchtern lassen. Ich finde, er ist bis heute eine Anfrage an uns, wenn wir merken, es gibt Konflikte. So etwas ist vermutlich normal - d.h. in jeder Gemeinschaft ob Familie oder Gemeinde wird es Themen geben, bei denen unterschiedliche Positionen aufeinander prallen, Vielfalt leben herausfordert. Manche könnten davon aus den letzten Wochen auch persönliche Beispiele nennen.
Das Wort der Bibel fragt uns heute an: Wie streiten wir? Gelingt es, sich dabei dem Geist des Vaters zu öffnen, den Jesus uns verheißt? Der durch uns reden möchte? Also uns nicht verteidigen und rechtfertigen, sondern den Fokus anders setzen, wie es Stephanus gelang. Haben Sie so etwas schon mal erlebt? Das aus Ihnen etwas kommt, was den Konflikt sehr verändert oft auch entschärft - ein Wort, dass Ihnen geschenkt wurde?
Jeder Konflikt hat mindestens 2 Seiten. Wir haben dabei unterschiedliche Perspektiven. Schnell verhakt es sich und Menschen werten einander ab. Es gibt als Alternative die Erfahrung des Stephanus. Sie fragt uns an: Wo sehen wir den Himmel offen und Christus (also die Botschaft Jesu - Gott rettet) zur Rechten, also ganz präsent und können dazu stehen, es ins Wort bringen?
Diese Erfahrung der Urkirche lässt uns darüber nachdenken: Wie gelingt der Umgang mit Glaubenszeugnissen, die einem fremd sind? Bei denen wir Empörung im Herzen spüren? Natürlich prägt die Botschaft der Liebe nicht jedes Glaubenszeugnis. Der Terror der Hamas ist dafür ein deutliches Beispiel. Was hilft, nicht in diese Falle zu tappen, Personen mit anderer Ausrichtung mundtot zu machen oder auf andere Weise zum Schweigen bringen? Gleichzeitig gilt, man kann nicht nicht kommunizieren. Sich aus Konflikten herauszuhalten ist auch eine Aussage. Vermutlich ist Jesu Verheißung, dass der Geist unseres Vaters durch uns reden möchte, ein wichtiger Auftrag. Dazu braucht es die Bereitschaft hinzuhören, gerade wenn alles in einem schreit, so nicht!
Am Schluss dieser Gedanken lade ich daher ein, in den Konflikten, die uns gerade nahe sind, in einigen Augenblicken des Schweigens Gottes Geist und Herrlichkeit, das Friedenslicht aus Bethlehem zu suchen - und wie Maria im Herzen zu bewegen.
#Frieden #Konfliktlösung #Selbstwirksamkeit #Transformation