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  1. Gefährliches Werkzeug

    Angebot an LVMH: Gefährliches Überwachungs-Werkzeug breitet sich aus

    Ein Werkzeug namens Webloc kann Menschen mit Daten aus dem Werbe-Tracking teils metergenau orten und verfolgen. Bislang war nur bekannt, dass staatliche Stellen das nutzen. Jetzt zeigen Recherchen: Die Technologie wird offenbar auch Unternehmen angeboten.

    Mit Daten aus der Werbe-Industrie lassen sich Millionen Handys weltweit orten, teils auf wenige Meter genau. Spezialisierte Unternehmen wie Penlink aus den USA sammeln solche Daten, bereiten sie auf, und bauen daraus Werkzeuge, um Menschen anhand ihrer Bewegungsprofile auszuspähen. Zu den Kund*innen von Penlink könnten jedoch nicht nur Sicherheitsbehörden gehören, wie bisher bekannt. Auch für private Unternehmen könnte das Überwachungs-Werkzeug zugänglich sein.

    Das zeigt eine Recherche des französischen Mediums Mediapart von Anfang August, die netzpolitik.org zum Teil bestätigen konnte. Dahinter steckt eine brisante Ausweitung der globalen Überwachung mit vermeintlich harmlosen Werbedaten.

    Der Fachbegriff dafür ist ADINT. Die Abkürzung steht für werbebasierte Aufklärung („Advertising-based Intelligence“). Angeblich nur für Werbezwecke erhoben fließen Milliarden Handy-Standortdaten über populäre Apps durchs Ökosystem der Werbe-Industrie – und gelangen über Datenhändler zu ADINT-Firmen. Fachleute halten es mit Blick auf die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) für illegal, solche Daten zu handeln. Von einer informierten Einwilligung, auf die sich Werbetreibende berufen, kann in diesem Fall nämlich keine Rede mehr sein.

    Das ADINT-Werkzeug der Firma Penlink heißt Webloc. Zu den bislang bekannten Nutzer*innen von Webloc gehören die Abschiebe-Miliz ICE der US-Regierung sowie Behörden in Ungarn und Österreich – nicht jedoch private Unternehmen.

    Vermittelt über eine private Sicherheitsfirma wurde Webloc jüngst einem französischen Konzern für Luxusgüter präsentiert, wie zuerst Mediapart berichtet hat. Der Konzern versucht gerade, Fälle von Diebstahl aufzuklären. Auf Anfrage von netzpolitik.org bestätigen die beteiligten Unternehmen wesentliche Teile der Recherche. Der US-Anbieter Penlink allerdings hat Fragen von Mediapart und netzpolitik.org nicht beantwortet. Deshalb wissen wir nicht genau, welche Rolle er bei dem Angebot gespielt hat.

    Eine „neue Technologie“

    Der französische Konzern LVMH („Moët Hennessy Louis Vuitton“) verkauft Luxusgüter wie Uhren, Schmuck und Spirituosen und gehört zu den 100 wertvollsten Unternehmen der Welt. Die Pressestelle schreibt auf Anfrage von netzpolitik.org: Vergangenes Jahr sei es in einem der Häuser des Konzerns zu Diebstählen gekommen. Die Polizei ermittele immer noch. Für LVMH arbeite zudem ein privates Sicherheitsunternehmen. An dieses Unternehmen habe sich ein Dienstleister gewandt und eine „neue Technologie“ präsentiert.

    Dieser Dienstleister war offenbar Penlink, die „neue Technologie“ Webloc. Was dann geschah, beschreibt LVMH auf Englisch wie folgt:

    Zu diesem Zeitpunkt war Moët Hennessy die Art der Technologie nicht bekannt. Der Dienstleister führte zur Untermauerung seines Angebots einen Test durch, ohne dass Moët Hennessy Kenntnis von der zugrunde liegenden Technologie oder deren Funktionsweise hatte.

    Sobald Moët Hennessy verstanden hatte, was vorgeschlagen wurde, beendete das Unternehmen unverzüglich alle weiteren Gespräche und verfolgte das Angebot nicht weiter. Moët Hennessy hatte zu keinem Zeitpunkt Zugang zu Berichten, Schlussfolgerungen oder Daten aus diesem Test und hatte keine Kenntnis von etwaigen daraus resultierenden Informationen, sofern solche überhaupt existieren.

    Kurzum: LVMH betont die Distanz zu Penlink und sei keine Kundin geworden.

    Kontakt über private Sicherheitsfirma

    Der Einsatz von ADINT zur Aufklärung von Diebstählen wäre zumindest plausibel gewesen: Handy-Standortdaten der Werbe-Industrie können zeigen, welche Geräte zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort waren, beispielsweise einem Tatort. Die getrackten Geräte lassen sich daraufhin weiterverfolgen, etwa zu Privatadressen.

    Genau dafür könnte auch Webloc geeignet sein. Im April hat das Citizen Lab der Universität Toronto einen Bericht über dessen Fähigkeiten veröffentlicht. Mithilfe einer grafischen Oberfläche sollen Kund*innen demnach suchen können, welches Handy in einem bestimmten Gebiet unterwegs war. Außerdem soll Webloc das Bewegungsprofil einzelner Handys anzeigen können.

    Bei der von LVHM beauftragten Sicherheitsfirma handelt es sich offenbar um Amarante. Auf Anfrage von netzpolitik.org schreibt Geschäftsführer Alexandre Hollander, sein Unternehmen habe einen von Penlink „ausgearbeiteten Anwendungsfall an LVMH weitergeleitet“. Doch LVMH habe sich gegen das Produkt entschieden. Weiter betont Amarant, Webloc nicht zu „verkaufen“ oder zu „vermarkten“.

    Tracking-Forscher: Nutzung durch Firmen „inakzeptabel“

    Die Schilderungen der beiden Unternehmen passen zusammen, sind aber nicht frei von Lücken. So will LVHM auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren, Amarante zu beschäftigen. Amarante wiederum teilt mit, nicht zur Aufklärung von Diebstählen engagiert worden zu sein.

    Den Kern des Mediapart-Berichts bestätigen die Antworten jedoch: Ein Angebot für das Überwachungs-Werkzeug Webloc wurde einem privaten Unternehmen unterbreitet. Wenn das kein Einzelfall war, könnte sich der Kreis von Webloc-Kund*innen über staatliche Stellen hinaus drastisch erweitern.

    Mediapart stützt seine Recherchen zudem auf interne Dokumente und Aussagen von Quellen. Das kann netzpolitik.org von außen nicht prüfen. Dem Bericht zufolge werde Webloc mindestens seit vergangenem Jahr an französische Unternehmen vermarktet, beispielsweise um Diebstähle aufzudecken, die Konkurrenz auszuforschen oder um zu ermitteln, wie vertrauliche Informationen durchsickern.

    Der Wiener Tracking-Forscher Wolfie Christl hat die Forschung des Citizen Lab zu Webloc geleitet. Mit Blick auf die Mediapart-Recherche sagt er gegenüber netzpolitik.org: „Der Missbrauch von App- und Werbedaten für Überwachung ist demokratiepolitisch gefährlich und rechtlich höchst fragwürdig. Eine Nutzung dieser invasiven und unverhältnismäßigen Technologien durch private Firmen ist gänzlich inakzeptabel.“

    Standortdaten können tiefe Einblicke gewähren

    Es ist üblich, dass Überwachungsfirmen ihre Produkte als besonders mächtig darstellen. Selbst testen konnten Journalist*innen Webloc aber bislang nicht. Wie gefährlich Daten der Werbe-Industrie grundsätzlich sein können, zeigen die Databroker-Files-Recherchen von netzpolitik.org und Bayerischem Rundfunk seit 2024. Dem Team liegen inzwischen mehr als 13 Milliarden Handy-Standortdaten verschiedener Datenhändler vor.

    In diesen Daten fanden sich die Bewegungsprofile zahlreicher Menschen, darunter sogar Angehörige von Militär und Geheimdiensten sowie hochrangige Regierungsbeamt*innen. Zwar können solche Daten in Teilen veraltet, ungenau oder falsch sein. Die Daten können aber auch im Detail verraten, wo potenziell Millionen Menschen zur Arbeit gehen und wohnen, welche Kitas, Arztpraxen oder Bordelle sie aufsuchen.

    Über Parteigrenzen hinweg sahen Politiker*innen darin eine Gefahr für die nationale Sicherheit, etwa wegen Spionage und Sabotage. Diese Gefahr dürfte steigen, je mehr Menschen und Unternehmen Zugriff auf solche Werkzeuge haben. Abhilfe schaffen könnte ein Verbot von Tracking und Profilbildung für Werbezwecke, das beispielsweise Verbraucherschützer*innen fordern. Es würde den sprudelnden Daten förmlich den Hahn abdrehen.

    Offenbar wollen Regierungen die Tracking-Daten jedoch lieber selbst missbrauchen, statt sie zu verbieten. Die Polizei in mindestens einem deutschen Bundesland hat ADINT bereits eingesetzt, wie unsere Recherchen im Juni zeigten. Auf Landes- und Bundesebene verweigern Regierungen in Deutschland Transparenz über den Einsatz von ADINT.

    Sebastian Meineck ist Journalist und seit 2021 Redakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen aktuellen Schwerpunkten gehören digitale Gewalt, Databroker und Jugendmedienschutz. Er schreibt einen Newsletter über Online-Recherche und gibt Workshops an Universitäten. Das Medium Magazin hat ihn 2020 zu einem der Top 30 unter 30 im Journalismus gekürt. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Grimme-Online-Award sowie dem European Press Prize. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Sebastian Hinweise schicken | Sebastian für O-Töne anfragen | Mastodon. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

  2. Un logiciel israélien capable de suivre pendant plusieurs années des centaines de millions de téléphones a été proposé en France à des entreprises privées, alors qu’il était officiellement réservé aux services de police et de renseignement.
    #Webloc #Mediapart
    lesmotsontunsens.com/webloc-un

  3. ...#Abtreibungskliniken eingesetzt werden könnte, nachdem #Datenschützer Zugang zu dieser Technologie erhalten hatten. „Es ermöglicht Ermittlern, einen digitalen Zaun um eine Adresse oder ein Gebiet zu ziehen und #Mobilgeräte, die sich in diesem Gebiet befanden, anhand von #Mobilfunkdatenquellen genau zu lokalisieren“, heißt es in dem Dokument

    - #Cobwebs: ein Tool zur Überwachung sozialer Medien.
    #404Media berichtete bereits, dass Cobwebs auch #Webloc umfasst, mit dem sich die Standorte von...

  4. Millionendeal mit Überwachungsfirma

    Regierung in Österreich will Menschen mit illegalen Daten orten können

    Das Werkzeug Webloc soll Menschen anhand ihrer Handy-Standorte ausspionieren können. Zu den bislang bekannten Kunden gehören die US-Abschiebemiliz ICE und die abgewählte Orbán-Regierung in Ungarn. Jetzt ist klar: Auch Österreich hat zugegriffen.

    Wer in Österreich ein Handy nutzt, dessen genaue Standortdaten könnten auf den Bildschirmen dortiger Ermittler*innen landen. Das Innenministerium hat jüngst die Lizenz für eine Überwachungs-Software verlängert, die auf massenhaft erfassten Handy-Ortungen basiert. Das zeigt ein Dokument aus einem öffentlichen Vergabeportal. Zuerst berichtet hatte die Tageszeitung Der Standard.

    Konkret geht es um das Werkzeug namens Webloc der US-Firma Penlink. Hierzu hatte im April das Citizen Lab der Universität Toronto einen Bericht veröffentlicht. Demnach soll Webloc Zugang zu einem Datenstrom von bis zu 500 Millionen Handys weltweit bieten. Zu den verfügbaren Daten sollen unter anderem genaue GPS-Standorte gehören sowie die einzigartigen Werbekennungen eines Geräts („mobile advertising ID“). Eine kurzfristige Presseanfrage von netzpolitik.org hat die US-Firma Penlink nicht beantwortet.

    Den Weg der Daten von populären Handy-Apps in fremde Hände konnten die Recherchen zu den Databroker Files von netzpolitik.org und Bayerischem Rundfunk seit 2024 zeigen. Angeblich nur zu Werbezwecken erhoben fließen die Daten über das Ökosystem der Werbe-Industrie an Datenhändler und von dort zu Überwachungsunternehmen. Betroffen sind potenziell alle Menschen, die ein Handy mit werbefinanzierten Apps nutzen und keine digitale Selbstverteidigung betreiben.

    Mithilfe der Werbe-ID lassen sich solche Handy-Standortdaten mühelos zu Bewegungsprofilen verknüpfen. Sie geben oftmals unter anderem Wohnort und Arbeitsplatz preis, aber auch sensible Details über das Privatleben wie Besuche in Arztpraxen, Kliniken, religiösen Gebäuden oder Bordellen.

    Der Fachbegriff für Erkenntnisse aus Daten der Werbe-Industrie ist ADINT. Sicherheitsbehörden können mit ADINT-Software diese Daten kinderleicht durchforsten: Ähnlich wie man etwa mit Google Maps nach Restaurants in der Nähe suchen kann, können Polizist*innen mit ADINT-Software nach Bewegungsprofilen von Menschen in einem bestimmten Areal suchen.

    Fachleute sehen im Handel mit den Standortdaten einen Verstoß gegen die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung). Bereits 2024 schrieb das deutsche Verbraucherschutzministerium: „Die Übertragung von personenbezogenen Daten als Selbstzweck, also als reine Handelsware, ist aus unserer Sicht mit dem Datenschutzrecht nicht vereinbar.“ In Deutschland und Österreich bezweifeln Fachleute zudem, dass Sicherheitsbehörden solche Daten nutzen dürfen.

    Zwei Jahre Überwachung, 1,85 Millionen Euro

    Auf Anfrage von netzpolitik.org kommentiert das Innenministerium in Österreich den Einsatz von Webloc nicht direkt. „Über konkrete Softwarelösungen und deren Einsatz kann öffentlich keine Auskunft erteilt werden“, schreibt ein Sprecher. „Fakt ist, dass wir diese nur im Rahmen unserer gesetzlichen Möglichkeiten nutzen.“

    Die erste Aussage ist nicht korrekt. Das Ministerium kann sich durchaus äußern, will das aber offenbar nicht. Die zweite Aussage ist nicht belegbar: Wenn das Ministerium über die Software schweigt, lässt sich auch nicht unabhängig prüfen, ob ihr Einsatz legal ist.

    In der ausweichenden Antwort der Behörde stecken jedoch Hinweise darauf, wer die Software zu welchem Zweck einsetzen könnte: Zuständig ist demnach die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst; in einer kurzen Vorrede geht der Sprecher auf „extremistische und terroristische Straftaten“ ein.

    Laut Vergabeportal hat Österreich schon einmal an Penlink gezahlt. Die Rede ist von einer „Verlängerung“ der Lizenz um weitere zwei Jahre. Kostenpunkt dieses Mal: rund 1,85 Millionen Euro. Zum Paket gehören demnach nicht nur Webloc, sondern auch weitere Produkte der Firma.

    Deren Hauptprodukt heißt Tangles. Es soll dem Citizen Lab zufolge etwa soziale Medien, Foren, Telegram-Gruppen und andere Orte im Netz überwachen können. Kund*innen können demnach etwa nach Namen, Telefonnummern oder E‑Mail-Adressen suchen, um sich online verfügbare Informationen über eine Person anzeigen zu lassen. Bereits 2024 hatte Österreich eine Lizenz für Tangles gezahlt; das Zusatzprodukt Webloc taucht in dem älteren Dokument jedoch nicht ausdrücklich auf.

    Tracking-Forscher: „Das ist anlasslose Massenüberwachung.“

    Der Wiener Tracking-Forscher Wolfie Christl kritisiert den Einsatz von Webloc. Auf Mastodon schreibt er:

    Auch wenn Webloc ’nur’ zur Überwachung von Einzelnen genutzt wird, sammelt und analysiert es täglich Daten über Millionen Unbeteiligte. Das ist anlasslose Massenüberwachung. Diese komplett zweckentfremdete Nutzung von Werbedaten für staatliche Überwachung ist ein Dammbruch.

    Die Daten, auf denen Werkzeuge wie Webloc basieren, hält Christl mit Blick auf die DSGVO für illegal. Niemand in der Lieferkette habe eine gültige Einwilligung, um solche Daten für staatliche Überwachung weiterzugeben. Eine solche Einwilligung bräuchte es aber – und zwar von jeder betroffenen Person. „Eine andere DSGVO-Rechtsgrundlage als die Einwilligung ist kaum denkbar“, schreibt Christl.

    Getrennt davon zu betrachten sei die Frage, ob das Innenministerium eine Rechtsgrundlage für die Nutzung der Daten habe. „Die österreichische Datenschutzbehörde muss eine Untersuchung einleiten“, schreibt der Forscher.

    Datenschutzbehörde in Österreich weiß nichts Näheres

    Auf Anfrage von netzpolitik.org teilt die Datenschutzbehörde in Österreich mit, sie habe „keine näheren Kenntnisse über den geplanten Einsatz der genannten Software durch das BMI“. Demnach sei man auch nicht vom Ministerium dazu konsultiert worden. Eine solche Konsultation sei nötig, wenn eine Behörde bei einer Datenschutz-Folgenabschätzung ein hohes Risiko erkennen würde, erklärt der Sprecher.

    Wird die Datenschutzbehörde nun aktiv? Eine klare Antwort gibt der Sprecher nicht, hält sich aber alle Türen offen: Man könne „jederzeit im Rahmen eines Beschwerde- oder amtswegigen Prüfverfahrens die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben überprüfen“.

    Mit dem nun bekannt gewordenen Lizenzdeal ist Österreich das zweite EU-Land auf der Kundenliste von Webloc. Im April berichtete das Investigativmedium VSquare, dass die ungarische Regierung unter dem inzwischen abgewählten Premier Viktor Orbán Webloc-Lizenzen gekauft habe. In den USA soll die paramilitärische US-Abschiebebehörde ICE das Werkzeug nutzen können, um gezielt Menschen anhand ihrer Handy-Standorte aufzuspüren.

    Deutschland hält Databroker-Deals geheim

    Verwenden auch deutsche Sicherheitsbehörden Werkzeuge wie Webloc, oder kaufen sie sich die Standortdaten einfach selbst ein? Die Bundesregierung macht daraus ein Staatsgeheimnis. Ende 2025 hat sie nach einer Anfrage der Bundestagsabgeordneten Donata Vogtschmidt (Die Linke) die Auskunft verweigert; damals ging es um Bundeskriminalamt (BKA) und Bundespolizei.

    Auch in den Ländern mauern die Regierungen. Eine Recherche von netzpolitik.org und Bayerischem Rundfunk im Juni hat gezeigt: In neun Bundesländern will sich die Polizei nicht über mögliche Databroker-Deals äußern. Nur in fünf Bundesländern hatte die Polizei solche Deals verneint.

    In Brandenburg habe die Polizei zwar Daten von „beispielsweise Wirtschaftsauskunfteien“ erworben, nicht aber kommerzielle Standortdaten. Einzig in Mecklenburg-Vorpommern hatte die Landespolizei eingeräumt, Standortdaten der Werbe-Industrie genutzt zu haben. Die dortige Datenschutzbehörde hat daraufhin eine Prüfung eingeleitet.

    Opposition in Österreich: „nicht lockerlassen“

    Wieso wollen sich so viele Behörden auf Bundes- und Landesebene nicht äußern? „Das Mauern gegenüber der Presse und uns allen lässt nichts Gutes ahnen“, sagte Florian Siekmann, innenpolitischer Sprecher der Grünen im bayerischen Landtag, mit Blick auf sein Bundesland. Und mit seiner Skepsis ist er nicht allein: In mindestens acht deutschen Bundesländern fordert die Opposition nach unseren Recherchen Aufklärung.

    Auch in Österreich will die Opposition weiter Druck machen. Der grüne Abgeordnete Süleyman Zorba hatte bereits vergeblich versucht, Transparenz zu schaffen. „Erst hieß es, jede Auskunft gefährde die nationale Sicherheit. Nun ist der Einsatz der Software in öffentlichen Vergabeunterlagen dokumentiert“, fasst er gegenüber dem Standard zusammen.

    „Ich werde nicht lockerlassen, bis Innenminister Gerhard Karner offenlegt, auf welcher gesetzlichen Grundlage das Ministerium handelt, welche Daten verarbeitet werden und wer deren Einsatz kontrolliert“, so Zorba weiter. Die Bevölkerung habe ein Recht darauf, zu erfahren, was mit ihren Daten geschieht.

    Sebastian Meineck ist Journalist und seit 2021 Redakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen aktuellen Schwerpunkten gehören digitale Gewalt, Databroker und Jugendmedienschutz. Er schreibt einen Newsletter über Online-Recherche und gibt Workshops an Universitäten. Das Medium Magazin hat ihn 2020 zu einem der Top 30 unter 30 im Journalismus gekürt. Seine Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem zweimal mit dem Grimme-Online-Award sowie dem European Press Prize. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Sebastian Hinweise schicken | Sebastian für O-Töne anfragen | Mastodon. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

  5. help.orf.at/stories/3236190/

    Basiert auf Werbetrackern, die zum Beispiel vom norwegischen Medienkonzern Schibsted verpflichtend verwendet werden müssen, um auf ihre Seiten zugreifen zu können.

    #privacy #webloc #schibstedt #noybeu #polizei #osterreich

  6. RE: 23.social/@thomasfricke/116521

    Ein paar Wochen nach der #Webloc-Recherche von @citizenlab, derzufolge (u.a. europäische) Polizeien Kunden eines internationalen kommerziellen Handy-Tracking-Netzwerks sind, veröffentlicht @correctiv_org nun das hier. Ach ja, und auch vor ein paar Wochen die Recherche von @mamjahid und Natalie Widmann vom SWR Data Lab über den politischen Einfluss von Polizeigewerkschaften. Nein nein, alles geschieht zu unserem Besten, bitte gehen Sie weiter, wir haben kein #PolizeiProblem. 🚓

  7. 広告から位置情報を収集する「Webloc」の詳細が明らかに、モバイルアプリやウェブ広告を通じて位置情報を収集し個人の行動パターンや趣味嗜好など生活のほぼあらゆる側面を把握 - GIGAZINE
    gigazine.net/news/20260413-web

    『Weblocは世界中に顧客を抱えており、アメリカでは移民・関税執行局(ICE)や一部の州公安当局、警察、検事局などが利用しているとされています。また、Cobwebs Technologies関連のサーバーはアメリカや日本など多くの国に設置されていることも分かっています』

    「天気予報を確認するだけで、自分の寝床を教えることにつながる」

    #Webloc

  8. RE: mastodon.social/@wchr/11637561

    Trailhead of ⭐️⭐️⭐️🧵re: Citizen Lab report on Webloc ad-based mass surveillance system and its many military, intelligence, and law enforcement customers. #Webloc #citizenlab #masssurveillance

  9. ¿Quieres saber más sobre
    @penlink y #webloc? Hay muy buenas investigaciones disponibles.

    Como esta investigación de Joseph F Cox en
    @404mediaco

    404media.co/inside-ices-tool-t

    #Ciberseguridad #Seguridad #Privacidad

  10. ¿Crees que #webloc es malo? Conoce otro producto de Cobwebs: #trapdoor.

    Características de un kit de hacking oculto + herramientas de ingeniería social.

    Cosas de aspecto turbio & se necesita mucha más investigación.

    #Ciberseguridad #Seguridad #Privacidad

  11. "Solo usamos vigilancia masiva contra los peores malos" dicen.

    La @Tucson_Police compró #webloc para tráfico sexual.

    Y terminó usándolo para cazar a un tipo robando paquetes de cigarrillos de un CircleK.

    Y monitorear protestas políticas (contra Kamala Harris)

    #Ciberseguridad #Seguridad #Privacidad

  12. 4/ ¿De dónde viene #Webloc, una herramienta que puede monitorear poblaciones enteras?

    Bueno, se originó en la notoria firma israelí de vigilancia Cobwebs.

    Pero como tantos productos de vigilancia, ha pasado por algunos cambios en la propiedad corporativa.

    Ahora, es vendido por
    @penlink

    #Ciberseguridad #Seguridad #Privacidad

  13. Revisaste el clima esta mañana... y acabas de decirle a una empresa de vigilancia dónde duermes.

    Conoce #Webloc, usado por ICE, policías y gobiernos extranjeros para rastrear más de 500 millones de teléfonos.

    No se requiere orden judicial.

    Aprende cómo protegerte 🧵/1

    #Ciberseguridad #Seguridad #Privacidad

  14. #Webloc, a global #geolocation #surveillance system developed by #Cobwebs Technologies and now sold by #Penlink, monitors hundreds of millions of people using data from #consumerapps and #digitaladvertising. The system, sold as an add-on to the Tangles intelligence system, provides access to location data from up to 500 million mobile devices. citizenlab.ca/research/analysi #tech #media #news

  15. 🛡️ #Cybersecurity news & tips across the #fediverse

    “" #Webloc is a global geolocation #surveillance system that monitors hundreds of millions of people based on data purchased from consumer apps and digital advertising."

    Orbán’s Spying Kit Revealed: I...”

    bsky.brid.gy/r/https://bsky.ap

    🤖 via RSS feed. Not an endorsement.

  16. Report: Hungary reportedly deployed Israeli Webloc to track millions via smartphone ad data — alleged GDPR breaches and election integrity risks. 🛰️📱⚖️ More: united24media.com/latest-news/ #Hungary #Webloc #GDPR #Surveillance #EU

  17. Neue Recherchen von Citizen Lab zeigen, wie Werbe‑Datensammler Behörden Zugang zu massenhaften Standortdaten geben — Webloc ermöglicht Überwachung via Apps; das österreichische Innenministerium schweigt. 🕵️‍♂️📱⚠️ #Webloc #CitizenLab #Überwachung #Datenschutz derstandard.at/story/300000031
    #Privacy #Security

  18. Webloc Surveillance Tool Exposes Global Device Tracking by Law Enforcement

    Discover the shocking truth about Webloc, a powerful surveillance tool that's been used by law enforcement agencies to track hundreds of millions of devices worldwide, raising serious questions about the intersection of advertising and policing. Developed by an Israeli company, Webloc uses ad-driven geolocation…

    osintsights.com/webloc-surveil

    #SurveillanceTechnology #LawEnforcement #Geolocation #AdDrivenSurveillance #Webloc

  19. "#Webloc is a global geolocation #surveillance system that monitors hundreds of millions of people based on data purchased from consumer apps and digital advertising."

    Orbán’s Spying Kit Revealed: I...

  20. "- Webloc is a global geolocation surveillance system that monitors hundreds of millions of people based on data purchased from consumer apps and digital advertising. It was developed by Cobwebs Technologies and is now sold by its successor Penlink.
    - In collaboration with the European investigative journalism platform VSquare, we reveal that Hungarian domestic intelligence has been using Webloc since at least 2022 and continues to use it as of today. Webloc customers also include the national police in El Salvador.
    - U.S. customers include ICE, the U.S. military, Texas Department of Public Safety, DHS West Virginia, NYC district attorneys, and several police departments in Los Angeles, Dallas, Baltimore, Tucson, Durham and in smaller cities and counties like City of Elk Grove and Pinal County.
    - Based on the responses to 96 freedom of information requests we conclude that governments in Europe and the U.K. are highly nontransparent about their potential use of ad-based surveillance.
    - Cobwebs Technologies has links to the spyware vendor Quadream through Cobwebs Technologies founder Omri Timianker, who now oversees the international operations of Penlink.
    - Webloc is sold as an add-on product to the social media and web intelligence system Tangles. Based on technical analysis and other sources we show that Tangles and other products developed by Cobwebs Technologies are used in many countries across the globe.
    - We briefly investigate another Cobwebs product named Trapdoor that appears to help trick victims into revealing information. Our analysis leads us to believe that Trapdoor can help facilitate the deployment of malware on devices."

    citizenlab.ca/research/analysi

    #Webloc #Geolocation #Surveillance #Penlinks #Malware #CyberSecurity #PoliceState

  21. They haven't read Orwell's 1984 - will they ever understand?

    source: citizenlab.ca/research/analysi…

    Key Findings
    • #Webloc is a global #geolocation #surveillance system that monitors hundreds of millions of people based on data purchased from consumer apps and digital advertising. It was developed by Cobwebs Technologies and is now sold by its successor #Penlink.
    • In collaboration with the European investigative #journalism platform #VSquare, we reveal that Hungarian domestic #intelligence has been using Webloc since at least 2022 and continues to use it as of today. Webloc customers also include the national police in El Salvador.
    • U.S. customers include #ICE, the U.S. #military, #Texas Department of Public Safety, #DHS West #Virginia, #NYC district attorneys, and several #police departments in #LosAngeles, #Dallas, #Baltimore, #Tucson, #Durham and in smaller cities and counties like City of Elk Grove and Pinal County.
    • Based on the responses to 96 #freedom of information requests we conclude that governments in #Europe and the U.K. are highly nontransparent about their potential use of ad-based surveillance.
    • Cobwebs Technologies has links to the #spyware vendor #Quadream through Cobwebs Technologies founder Omri #Timianker, who now oversees the international operations of Penlink.
    • Webloc is sold as an add-on product to the social #media and #web intelligence #system Tangles. Based on technical #analysis and other sources we show that Tangles and other products developed by #Cobwebs Technologies are used in many countries across the globe.
    • We briefly investigate another Cobwebs product named #Trapdoor that appears to help trick victims into revealing information. Our analysis leads us to believe that Trapdoor can help facilitate the #deployment of #malware on devices.

    #tracking #gps #mobile #monitor #usa #smartphone #app #software #internet #online #bigbrother #bigdata #orwell #dystopia #privacy #economy #politics #security #news #cybersecurity #anonymity #fail #justice #user #freedom #ethics #abuse #omg #wtf #policestate #democracy #society #maga #conspiracy #www #socialmedia #bigtech #technology #future #humanity #spy #position #map

  22. #Netzpolitik:
    "
    Die US-Firma Penlink verkauft Überwachungstechnik, die auf Werbe-Tracking basiert. Nach .. ICE hat offenbar auch die ungarische Regierung Lizenzen gekauft. Kurz vor der Wahl könnte sie damit gegen Opposition und Medienschaffende vorgehen."

    netzpolitik.org/2026/vor-schic

    10.4.2026

    #ADINT #Bewegungsprofil #BigBrother #CobwebTechnologies #ElSalvador #GäsernerBürger #MAID #Orban #Penlink #PenLinkGmBH #Smartphone #Software #Ungarn #Überwachung #Webloc #Werbung #WerbeKennung

  23. Webloc Self-Defense

    Mit einigen Massnahmen kannst du dich gut gegen Ad-basierte Massenüberwachung wehren. Tipps für Android und Linux PCs.

    #webloc #Privacy #Security #Linux

    gnulinux.ch/webloc-self-defense

  24. RE: mastodon.social/@404mediaco/11

    > Die US-Grenzschutzbehörde …hat systematisch #Standortdaten aus Alltags-Apps genutzt, die aus dem Real-Time-Bidding-System (#RTB) der Online-#Werbeindustrie stammen. Das belegt ein internes Dokument …, das die Investigativ-Plattform @404mediaco … veröffentlicht hat.

    👉4.2.2026, @heiseonline dazu: heise.de/news/US-Grenzschutz-n

    #Datenschutz #TeamDatenschutz #Privacy #CandyCrush #Tinder #Grindr #Tumblr #MyFitnessPal #DiDay #Webloc #LocationData

  25. Migrantenjagd

    US-Einwanderungsbehörde: Mit Palantir und Paragon auf Migrantenjagd

    Die US-Einwanderungsbehörde ICE nutzt für ihre Massenfestnahmen zunehmend digitale Überwachungstechnologie. Ein berüchtigter Konzern liefert dafür das „ImmigrationOS“. Doch es gibt Ideen für eine Kampagne, die sich gegen diese Beihilfe zur Menschenjagd richtet.

    Eine der Kritiken an neuen Überwachungswerkzeugen für Verfolgungsbehörden lautet, dass diese zunehmend auch zweckentfremdet eingesetzt werden. Oder dass autoritäre Regierungen sie nach einer Machtübernahme gegen unliebsame Gruppen oder Personen richten.

    Wie real diese Befürchtungen sind, lässt sich derzeit in den USA beobachten. Dort versieht Präsident Donald Trump die Einwanderungsbehörde ICE mit immer mehr Ressourcen für ihre Jagd auf Migrant*innen, sichert ihr für Verbrechen Straffreiheit zu und schafft sich so eine eigene brutale Präsidentengarde mit modernster technischer Ausrüstung.

    Mapping von Deportationskandidat*innen

    Über die digitalen Überwachungsmethoden des ICE berichtet häufig das US-Investigativportal „404 Media“. Dessen jüngste Recherche zeigt, wie etwa Palantir in die Massenfestnahmen eingebunden ist. Demnach entwickelt der berüchtigte Technologiekonzern ein Werkzeug namens ELITE, mit dem die Einwanderungsbehörde eine Karte mit Adressen von potenziellen Deportationskandidat*innen erstellen kann. Die Daten stammen unter anderem vom Gesundheitsministerium, von der US-Migrationsbehörde USCIS und vom Datenanbieter Thomson Reuters.

    ICE nutzt die Software angeblich, um Orte zu identifizieren, an denen möglichst viele Personen auf einen Schlag festgenommen werden könnten. Zu jeder Person kann ein Dossier sowie ein „Confidence Score“ abgerufen werden – also eine Bewertung, wie verlässlich die angegebene aktuelle Adresse einer gesuchten Person ist.

    „404 Media“ stützt ihre Recherche auf interne ICE-Materialien, öffentliche Beschaffungsunterlagen und Aussagen eines ICE-Beamten. Ihre Veröffentlichung erfolgte kurz nachdem Kristi Noem, die Chefin des Heimatschutzministeriums, angekündigt hatte, Hunderte weitere Bundesagent*innen nach Minneapolis zu entsenden. Vergangene Woche erschoss der ICE-Beamte Jonathan Ross dort die 37-jährige US-Bürgerin Renee Nicole Good, als diese ihr Auto wenden und die Szenerie einer Razzia und Protesten dagegen verlassen wollte.

    Daten aus Online-Werbegeschäft

    Zusätzlich zur Palantir-Software kaufte ICE zwei Überwachungssysteme namens Tangles und Webloc der Firma Penlink, die Zugriff auf Standortdaten von Hunderten Millionen Handys bieten. Darüber berichtete „404 Media“ vergangene Woche in einer weiteren Recherche.

    Die Systeme nutzen GPS-Koordinaten sowie WLAN- und IP-Daten. Sie stammen aus dem Online-Werbegeschäft und werden über sogenannte Software Development Kits bei der Nutzung von Apps hinterlassen. Von Datenbrokern werden sie angeblich für personalisierte Werbung gesammelt, dann aber auch mit anderem Zweck verkauft.

    Ermittler*innen können in Webloc ebenfalls Gebiete auf einer Karte markieren. Das System zeigt dann alle Handys an, die sich zu diesem Zeitpunkt dort befinden. Anschließend lassen sich die Bewegungen einzelner Geräte verfolgen. So stellen die Beamt*innen fest, wohin eine bestimmte Person nach der Arbeit fährt oder wo sich nachts ihr Handy befindet, was beides auf den Standort ihrer Wohnung schließen lässt. Die Software kann auch mehrere Orte gleichzeitig überwachen und anzeigen, welche Geräte an zwei oder mehr Orten waren, etwa bei einer politischen Versammlung.

    Laut einer internen ICE-Rechtsanalyse, die die Bürgerrechtsorganisation ACLU durch eine Informationsfreiheitsklage erhielt, braucht die US-Behörde für die Nutzung dieser Daten aus ihrer Sicht keine richterliche Anordnung. Die Begründung: Menschen hätten die Informationen „freiwillig“ an Dritte weitergegeben, indem sie Apps nutzten.

    Spyware „Graphite“ jetzt im US-Besitz

    Bekannt ist außerdem, dass ICE die Spyware „Graphite“ des Unternehmens Paragon einsetzen darf. Die Trump-Regierung genehmigte einen Vertrag, den die Biden-Administration noch blockiert hatte.

    Die Software gilt als eines der leistungsfähigsten Hacking-Werkzeuge weltweit und kann sämtliche Daten auf Smartphones auslesen, einschließlich der ansonsten verschlüsselten Kommunikation über Signal oder WhatsApp. Zudem lässt sich ein Telefon durch heimliches Aktivieren des Mikrofons zur Wanze umfunktionieren.

    Nach Überwachungsskandalen in mehreren EU-Staaten wurde die bis dahin israelische Spyware-Firma Paragon Solutions Ende 2024 vom US-Private-Equity-Fund AE Industrial Partners übernommen, der dafür eine halbe Milliarde US-Dollar gezahlt haben soll. Dieser Wechsel erleichtert US-Behörden wie ICE den Einsatz der Software, obwohl größere Teile der Belegschaft weiterhin in Israel ansässig sind.

    Kampagne gegen beteiligte Firmen

    Weitere digitale Werkzeuge der US-Einwanderungsbehörde haben der Arbeitswissenschaftler Eric Blanc von der Rutgers University, der Gewerkschaftsorganisator Wes McEnany und Claire Sandberg, ehemalige nationale Organisationsdirektorin von Bernie Sanders’ Präsidentschaftskampagne 2020, in der US-Wochenzeitschrift „The Nation“ dokumentiert. Darin rufen sie zu einer Kampagne gegen die Firmen auf.

    Als besonders verwundbar gelten den drei Autor*innen jene Unternehmen, deren Verträge mit ICE vor einer möglichen Verlängerung stehen. Dazu zählt etwa Dell mit einem Auftrag über umgerechnet 16 Millionen Euro für Microsoft-Software-Lizenzen, der im März ausläuft. Auch kleinere Verträge mit dem Paketdienst UPS und FedEx sowie dem Kommunikationsausrüster Motorola Solutions enden im Frühjahr.

    Einen längerfristigen Vertrag hat ICE beispielsweise mit dem Kommunikationsdienstleister AT&T geschlossen. Er umfasst rund 70,5 Millionen Euro und könnte bis Juli 2032 laufen. Der Datenanbieter LexisNexis ermöglicht Trumps Milizen für 18 Millionen Euro Zugriff auf umfangreiche personenbezogene Daten aus öffentlichen und privaten Quellen, einschließlich Haftdaten.

    Palantir liefert „ImmigrationOS“

    Als einen der bedeutendsten Akteure in der ICE-Infrastruktur nennt „The Nation“ Amazon, dessen Web Services für die Daten- und Überwachungsoperationen der Behörde unerlässlich seien.

    Eine besondere Rolle spielt laut Blanc, McEnany und Sandberg aber Palantir: Der Konzern stellt den US-Migrationsbehörden unter dem Namen „ImmigrationOS“ ein Rückgrat bereit, das Informationen aus verschiedenen Datenbanken und Anwendungen zusammenführt.

    Mithilfe der Software können ICE-Beamt*innen ihre Operationen automatisieren – zu den Features gehören die KI-gestützte Zielpersonenpriorisierung, die Echtzeitüberwachung der Person sowie die Koordination von Festnahmen und Abschiebungen.

    „ImmigrationOS“ greift dazu auf Daten der Sozialversicherungs-, der Steuer- und der Migrationsbehörden sowie staatlicher Wählerverzeichnisse zu. Für die Entwicklung des Systems Plattform erhielt Palantir 25,5 Millionen Euro.

    „Außer Kontrolle geratener Zug“

    Nach den jüngsten Enthüllungen von „404 Media“ hat sich die Electronic Frontier Foundation zu Wort gemeldet. Die US-Bürgerrechtsorganisation erklärt, dass sie bereits mehrere juristische Schritte gegen die Datensammelwut der Migrationsbehörden unternommen habe – darunter Klagen gegen den Zugriff von ICE auf Gesundheits- oder Steuerdaten.

    Doch diese allein reichten nicht aus: Menschen müssten im öffentlichen Diskurs weiterhin Bedenken und Protest äußern, so die Electronic Frontier Foundation. Auch müsse der Kongress umgehend handeln, „um diesem außer Kontrolle geratenen Zug Einhalt zu gebieten, der die Privatsphäre und Sicherheit jeder einzelnen Person in Amerika zu zermalmen droht“.

    Jedoch ist die Datensammelwut für diesen „außer Kontrolle geratenen Zug“ nicht auf die USA beschränkt. Die Regierung in Washington fordert von den mehr als 40 Teilnehmern ihres Visa-Waiver-Programms einen direkten Zugriff auf nationale Polizeidatenbanken mit biometrischen Informationen.

    In Deutschland wäre dies die INPOL-Datei, in der auch weit über zwei Millionen Asylsuchende oder Ausreisepflichtige mit Fingerabdrücken und Gesichtsbildern gespeichert sind. Die EU-Staaten sind zu diesem US-Zugriff grundsätzlich bereit und haben die Kommission mit Verhandlungen über ein Rahmenabkommen beauftragt.

    Matthias Monroy, Wissensarbeiter, Aktivist und Mitglied der Redaktion der Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP. Außerdem Redakteur für Innenpolitik der Zeitung nd.Der Tag. Texte auf Englisch unter digit.site36.net, auf Twitter @matthimon. Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

  26. #Netzpolitik:
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    Mit Palantir und Paragon auf Migrantenjagd
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    ".. US-Einwanderungsbehörde ICE nutzt f. ihre Massenfestnahmen zunehmend digitale Überwachungstechnologie. ..berüchtigter Konzern liefert dafür das „ImmigrationOS“. .. Ideen für eine Kampagne, die sich gegen .. Beihilfe zur Menschenjagd richtet."

    netzpolitik.org/2026/us-einwan

    17.1.2026

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