#theorie — Public Fediverse posts
Live and recent posts from across the Fediverse tagged #theorie, aggregated by home.social.
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Combiner les théories féministes de la reproduction et l’économie : les modes de reproduction
https://www.contretemps.eu/combiner-les-theories-feministes-de-la-reproduction-et-leconomie-les-modes-de-reproduction/
#Politique #Théorie #UnePrincipale #Capitalisme #Care #Économie #Féminisme #Finance #Genre #Migrations #Mondialisation #ReproductionSociale #Santé #ThéorieDeLaRégulation #TravailReproductif -
Combiner les théories féministes de la reproduction et l’économie : les modes de reproduction
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BRICS : le mythe d’une alternative pour le Sud global
https://www.contretemps.eu/brics-le-mythe-dune-alternative-pour-le-sud-global/
#Politique #Théorie #UnePrincipale #Brics #Chine #EtatsUnis #Finance #Impérialisme #Mondialisation #Russie #SudGlobal -
Globalinfo: **Anne Archet: 4 Wat is eigendom?**
https://www.globalinfo.nl/recensies-enzo/anne-archet-4-wat-is-eigendom/
Weer een hoofdstuk uit het door Geert Carpels vertaalde boek van Anne Archet Verweervuur. Over eigendom, de staat en jij/mij. ” We zijn allemaal vastgeketend…
#Recensiesenzo #Anarchisme #Eigendom #Filosofie #Literatuur #Theorie -
L’Univers est-il mathématique ?
Les maths sont-elles un langage inventé… ou le langage fondamental de la réalité ? Au-delà des calculs, les mathématiques révèlent parfois une beauté profonde et inattendue, comme si leur puissance capturait une harmonie cachée de l’univers. Dans cette émission façon documentaire, toujours présenté par Sylvain Chatelain et Tristan Vey, la mathématicienne Sylvia Serfaty, membre de l'Académie des sciences, explore une idée fascinante : la possible structure profondément […]https://dandanjean.com/2026/08/24/lunivers-est-il-mathematique-2/
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Christophe Pauly (#ScienceEtVieTV) interviewe Jean-Philippe Uzan, physicien théoricien et cosmologiste (15/08/2026 ; 1h16)
https://youtu.be/rfOgrRY420s#Science #Hypothèse #Spéculation #Théorie #Expérience #Physique #Astronomie #Astrophysique #Mathématiques #Philosophie #Épistémologie #Univers #Multivers #Infini #Lumière #Vitesse #AugusteBlanqui #Vie #Atome #Chimie #PrincipeAnthropique (#BrandonCarter) #ThéorieDesCordes #GeorgesLemaître #BigBang #UniversÀRebonds #CollisionDeMembranes #OndesGravitationnelles #OndesGravitationnellesPrimordiales #Gravitation #IsaacNewton #AlbertEinstein #EspaceTemps #TrouNoir
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Dialogue sur la nature humaine
Éduquer, c'est conduire hors de soi. * Aujourd’hui, nous devons savoir qu’il est rationnel de connaître les limites de la raison. * On peut d'ailleurs s'interroger sur la définition d'une société complexe. C'est une société, aux contraintes très faibles, où les individus et les groupes auraient beaucoup d'autonomie et d'initiative. Mais à la limite, pourrait-on dire, une société très complexe se dissout car il n'y aurait plus rien qui relierait les individus entre eux. Ce […]https://dandanjean.com/2026/08/10/dialogue-sur-la-nature-humaine/
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Solarpunk in Einfacher Sprache
Wie sieht die Zukunft aus? Diese Frage stellen sich viele Menschen. Oft ist die Antwort nicht schön. In Filmen und Büchern geht es der Welt oft schlecht. Aber es gibt auch andere Geschichten. Geschichten, die Mut machen. Geschichten über eine gute Zukunft. Diese Geschichten nennt man Solarpunk. In diesem Artikel erfährst du, was Solarpunk ist. Und warum diese Art von Geschichten so wichtig ist.
„Neighbourhood Care“ by Deelion, CC BY-SA 4.0Geschichten ohne Hoffnung
Es gibt viele Geschichten über die Zukunft. Viele davon sind traurig. In diesen Geschichten geht es der Welt schlecht. Firmen haben die Macht. Menschen werden überwacht. Diese Art von Geschichten nennt man Dystopie. Eine Dystopie ist eine Geschichte über eine schlechte Zukunft.
Ein bekanntes Beispiel dafür ist Cyberpunk. Cyberpunk ist ein Genre. Ein Genre ist eine bestimmte Art von Geschichte. In Cyberpunk-Geschichten haben große Firmen die Kontrolle. Es gibt viel Überwachung. Die Menschen kämpfen gegen das System. Aber sie schaffen es meist nicht, etwas zu ändern.
Warum wir Hoffnung brauchen
Solche traurigen Geschichten sind oft auch eine Warnung. Sie sollen zeigen: So darf die Zukunft nicht werden.
Zu viele traurige Geschichten können aber auch schaden. Wenn wir nur schlechte Zukünfte sehen, verlieren wir die Hoffnung. Ohne Hoffnung ist es schwer, etwas zu verändern. Wir müssen uns erst eine gute Zukunft vorstellen können. Erst dann können wir dafür arbeiten.
Solarpunk: Geschichten mit Hoffnung
Deshalb gibt es seit einigen Jahren ein neues Genre. Es heißt Solarpunk.
Solarpunk-Geschichten zeigen eine gute Zukunft. Eine Zukunft, in der:
- Menschen einander helfen.
- Die Natur geschützt wird.
- Technologie den Menschen dient.
- Alle Menschen mitentscheiden dürfen.
- Viele verschiedene Menschen ganz normal dazugehören.
In Solarpunk-Geschichten gibt es keine einsame Heldin oder keinen einsamen Helden. Stattdessen arbeiten viele Menschen zusammen. Sie lösen Probleme gemeinsam.
Drei Beispiele für Solarpunk-Bücher:
- In den Büchern von Susan Kaye Quinn („Hoffnungsschimmer„) arbeiten viele Menschen zusammen. Sie wollen eine Wirtschaft ohne schädliche Abgase schaffen. Aber es gibt Gegner, die das nicht wollen.
- In dem Buch „Walkaway“ von Cory Doctorow bauen Menschen eigene Gemeinschaften auf. Sie nutzen neue Technik wie 3D-Drucker und Solarenergie. Regierungen und Firmen versuchen aber, das zu verhindern.
- Die Bücher „Dex und Helmling“ von Becky Chambers sind ruhig und positiv. Sie zeigen, wie Menschen, Technik und Natur gut zusammenleben können.
Solarpunk gibt es schon heute
Solarpunk ist nicht nur eine Idee für Bücher. Es gibt Solarpunk auch schon in echt.
Solarpunk ist überall dort, wo:
- Menschen mehr zählen als Profit.
- Menschen gemeinsam entscheiden.
- Menschen zusammen handeln.
Ein paar Beispiele:
- Gemeinschaftsgärten: Hier bauen Menschen zusammen Gemüse und Blumen an.
- Solidarische Landwirtschaft: Hier teilen sich Menschen die Ernte von einem Bauernhof.
- Offene Werkstätten: Hier können Menschen zusammen Dinge bauen oder reparieren.
Diese Orte sind wichtig für alle. Sie fördern das Teilen und die Gemeinschaft. In Krisenzeiten helfen solche Orte den Menschen besonders.
Auch im Internet gibt es solche Orte:
- Wikipedia ist ein Beispiel dafür, wie Menschen ihr Wissen kostenlos teilen.
- Mastodon ist ein soziales Netzwerk. Es gehört nicht einer großen Firma und fördert den Austausch.
- Viele Menschen arbeiten weltweit an Open-Source-Programmen. Das sind Programme, die für alle frei benutzbar sind.
Selber machen statt nur reden
Solarpunk heißt nicht nur reden. Solarpunk heißt handeln.
Menschen, die an Solarpunk glauben, warten nicht nur auf Hilfe von der Politik. Sie werden selbst aktiv. Zum Beispiel durch Kunst, Geschichten oder eigene Projekte.
Studien zeigen: Angst macht Menschen oft passiv. Hoffnung macht Menschen aktiv.
Solarpunk-Geschichten wecken Gefühle. Sie zeigen: Eine bessere Zukunft ist möglich. Und das motiviert Menschen, etwas zu verändern.
#Bewegung #Theorie #solarpunk -
Einstein und Hawking - Das Geheimnis von Zeit und Raum (2/2)
Web: https://www.arte.tv/de/videos/092972-002-A/einstein-und-hawking-das-geheimnis-von-zeit-und-raum-2-2/
Media: https://arteptweb-a.akamaihd.net/am/ptweb/092000/092900/092972-002-A_SQ_0_VA-STA_11349512_MP4-2200_AMM-PTWEB-60621235396959_mvu8X.mp4https://www.youtube.com/watch?v=SGVdpgjcF0I
#einstein #science #universum #NSF #nationalsciencefoundation #relativitätstheorie #gravitation #TheoryOfRelativity #schwarzeLöcher #energie #energy #gravitationswellen #lichtgeschwindigkeit #blackhole #theorie #alberteinstein #hawking #hawkingstrahlung
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Einstein und Hawking - Das Geheimnis von Zeit und Raum (1/2)
Web: https://www.arte.tv/de/videos/092972-001-A/einstein-und-hawking-das-geheimnis-von-zeit-und-raum-1-2/
Media: https://arteptweb-a.akamaihd.net/am/ptweb/092000/092900/092972-001-A_SQ_0_VA-STA_11349455_MP4-2200_AMM-PTWEB-60600640367953_mvu1p.mp4Einstein und Hawking - Das Geheimnis von Zeit und Raum (2/2)
Web: https://www.arte.tv/de/videos/092972-002-A/einstein-und-hawking-das-geheimnis-von-zeit-und-raum-2-2/
Media: https://arteptweb-a.akamaihd.net/am/ptweb/092000/092900/092972-002-A_SQ_0_VA-STA_11349512_MP4-2200_AMM-PTWEB-60621235396959_mvu8X.mp4#einstein #science #universum #NSF #nationalsciencefoundation #relativitätstheorie #gravitation #TheoryOfRelativity #schwarzeLöcher #energie #energy #gravitationswellen #lichtgeschwindigkeit #blackhole #theorie #alberteinstein #hawking #hawkingstrahlung
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Meine #Theorie lautet:
Dinge fallen herunter und Strom schmeckt aua.
#physics #physicsfun #cartoon #cartoons #fun #Physik #Hokuspokus -
Kleine Beobachtung aus der Fahrschule: bei >36° hört sich der Spass mit den Anhängerbestimmungen auf 😵 #Fahrschule #Theorie #Unterricht #Fahrschullehrer
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Le néofascisme, un capitalisme d’État d’urgence ? [Podcast]
https://www.contretemps.eu/neofascisme-capitalisme-crise-etat-urgence-podcast-romaric-godin/
#Politique #Théorie #UnePrincipale #Aliénation #Autoritarisme #Capitalisme #Climat #Écologie #Économie #Fascisme -
Capitalisme et luttes de classe en Italie : vers une recomposition de la classe travailleuse ?
https://www.contretemps.eu/capitalisme-et-luttes-de-classe-en-italie-vers-une-recomposition-de-la-classe-travailleuse/
#Politique #Histoire #Théorie #UnePrincipale #Capitalisme #Classe #ClasseOuvrière #Désindustrialisation #Économie #Italie #Néolibéralisme #Travail -
La question animale au prisme du marxisme
https://www.contretemps.eu/la-question-animale-au-prisme-du-marxisme/
#Politique #Théorie #UnePrincipale #Animaux #ConditionAnimale #Écologie #ÉcologiePolitique #Environnement #Exploitation #Marx #Marxisme -
#Anarchismus – #Theorie, #Kritik, #Utopie
dokumentiert und kommentiert die #libertäre Tradition vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die jüngste Vergangenheit. Die theoretischen Grundpositionen der AnarchistInnen wie auch ihr bedeutender Anteil an der Sozialistischen Bewegung, an der Russischen #Revolution und am Spanischen Bürgerkrieg werden aufgezeigt. Porträts der wichtigsten VertreterInnen des Anarchismus runden die bearbeitete Neuauflage dieser umfassenden Textsammlung ab, die differenziert die komplexe Entwicklungsgeschichte des Anarchismus nachzeichnet und seine meist unterschlagenen konstruktiven Tendenzen deutlich macht. Das Prinzip Hoffnung der anarchistischen Utopie bleibt unverzichtbar, wenn wir uns nicht einer resignativen Kapitulation vor den Trägheitskräften des Bestehenden und ebensowenig der destruktiven Dynamik eines ungehemmten Neoliberalismus ausliefern wollen! Mit Beiträgen von William Godwin, Pierre Joseph Proudhon, Michail Bakunin, Peter Kropotkin, Gustav Landauer, Emma Goldman, Rudolf Rocker, Alexander Berkman, Errico Malatesta, Voline, Victor Serge, Augustin Souchy, Gaston Leval, George Orwell, Herbert Read und Paul Goodman.
https://www.graswurzel.net/gwr/produkt/anarchismus-theorie-kritik-utopie/ -
Dezentralisierung
Wenn Macht sich in wenigen Händen konzentriert, entstehen Abhängigkeiten: Wer die Ressourcen kontrolliert, kontrolliert auch die Bedingungen, unter denen andere leben. Zentralisierte Systeme sind außerdem wenig resilient, sondern eher wie ein Baum mit einer einzigen dicken Wurzel: Wenn diese Wurzel verletzt wird, stirbt der ganze Baum. Dezentrale Systeme funktionieren hingegen wie ein Wurzelgeflecht – wenn eine Wurzel ausfällt, gibt es andere, die das auffangen können. Im Folgenden schauen wir uns sechs Lebensbereiche an, in denen Dezentralisierung ansetzen kann – von der Ernährung über das Wohnen bis zur Politik.
„Emergency Wind Power Generation Unit“ by Scandinavian101, CC BY-SA 4.0🥕 Ernährung: Unabhängig werden von Supermärkten und industrieller Landwirtschaft
Unser Ernährungssystem ist heute stark zentralisiert: Wenige große Konzerne kontrollieren Saatgut, Anbau, Verarbeitung und Vertrieb. Die Wege vom Feld bis zum Teller sind oft tausende Kilometer lang, die Abhängigkeit von globalen Lieferketten entsprechend hoch.
Dezentralisierung in der Ernährung beginnt oft ganz klein – auf dem eigenen Balkon oder im Garten. Wer Tomaten, Kräuter oder Salat selbst zieht, macht sich zumindest ein Stück unabhängiger vom Supermarkt und bekommt ein direktes Gefühl dafür, wo Essen eigentlich herkommt. Auch das Konzept der essbaren Stadt setzt hier an: öffentliche Flächen werden statt mit reiner Zierbepflanzung mit Obstbäumen, Beerensträuchern oder Kräutern bepflanzt, die alle Bewohner:innen kostenlos ernten können. Die Karte auf https://mundraub.org/ zeigt schon heute Sammel- und Erntestellen für Früchte, die sonst häufig einfach liegenbleiben.
Auch das, was oft übersehen wird, kann eine Rolle spielen: Wildpflanzen wie Brennnesseln sind nahrhaft und wachsen buchstäblich vor der Haustür. Pilze- und Beerensammeln im Wald ist eine jahrtausendealte Praxis, die uns unabhängiger von Supermarktregalen macht – und uns gleichzeitig wieder mit den Jahreszeiten und der lokalen Umgebung verbindet.
Für alle, die mehr Raum und Zeit haben, bieten sich kleine Permakultur-Projekte an: Anbausysteme, die sich an natürlichen Ökosystemen orientieren, wenig externe Ressourcen brauchen und oft mit Nachbar:innen oder in Gemeinschaftsgärten umgesetzt werden. Das schafft nicht nur Nahrung, sondern auch soziale Verbindungen.
Wichtig ist dabei, ehrlich zu bleiben: Ein Balkongarten wird niemanden vollständig ernähren, und nicht jede:r hat Zugang zu Gartenflächen. Dezentralisierung in der Ernährung ist deshalb weniger radikale Autarkie, sondern eher ein Perspektivenwechsel – aber auch ein Baustein neben solidarischer Landwirtschaft (Solawi), Food-Coops und anderen kollektiven Formen der Nahrungsmittelversorgung.
🔋 Energie: Eigene Energiequellen statt Konzernabhängigkeit
Der Energiesektor ist ein Paradebeispiel für die Vorteile von Dezentralisierung. Klassischerweise wird Energie in großen, zentralen Kraftwerken produziert und dann über weite Strecken verteilt – mit entsprechenden Verlusten und Abhängigkeiten von wenigen großen Energiekonzernen.
Erneuerbare Energien haben hier eine strukturelle Besonderheit: Sie eignen sich hervorragend für dezentrale Erzeugung. Photovoltaik ist über die letzten Jahre zuverlässig und erschwinglich geworden. Gerade für Länder im Globalen Süden, wo Menschen in vielen Regionen noch unter Energiearmut leiden, ist das eine gute Nachricht: Statt darauf zu warten, dass ihre Nachbarschaften ans Stromnetz angeschlossen werden, können sie Energie einfach selbst produzieren. Pakistan hat beispielsweise in den letzten Jahren einen Riesen-Solarboom erfahren. In Deutschland sind Balkon-Solarkraftwerke von rebellischen DIY-Projekten zu weit verbreiteten Investitionen geworden. Wer Zugang zu einem Garten oder eine geeignete Lage hat, kann über kleine Windkraftanlagen nachdenken, auch wenn diese im urbanen Raum seltener praktikabel sind.
Nicht jede:r hat die Möglichkeit, eigene Anlagen zu betreiben – sei es, weil man zur Miete wohnt, keine geeignete Dachfläche hat oder die Anschaffungskosten scheut. Hier bieten Energiegenossenschaften eine gute Alternative: Man wird Mitglied, beteiligt sich finanziell an gemeinschaftlich betriebenen Solar- oder Windkraftanlagen und wird so Miteigentümer:in der Energieerzeugung, ohne selbst technisch aktiv werden zu müssen. Das verbindet Dezentralisierung mit einer weiteren wichtigen Idee: der demokratischen, genossenschaftlichen Organisation (dazu später mehr).
🏘️ Wohnen: Nachbarschaftliche Organisierung gegen Immobilienkonzerne
Der Wohnungsmarkt in vielen deutschen Großstädten zeigt beispielhaft, wie problematisch Machtkonzentration sein kann. Konzerne wie Deutsche Wohnen besitzen zehntausende Wohnungen, treffen Entscheidungen über Mieten und Modernisierungen zentral und mit dem primären Ziel der Gewinnmaximierung – nicht des guten Wohnens.
Die Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ in Berlin ist ein prominentes Beispiel dafür, wie diese Machtkonzentration politisch angegangen werden kann: Durch Vergesellschaftung sollen große Wohnungsbestände in demokratisch kontrollierte, gemeinwohlorientierte Strukturen überführt werden – ein interessantes Paradox, bei dem eine Vergesellschaftung (die zunächst zentralisierend klingt) tatsächlich Macht von einem Konzern zurück in demokratische, kollektive Strukturen verlagert.
Auf einer kleineren, alltäglicheren Ebene ist nachbarschaftliche Organisierung entscheidend. Einzelne Mieter:innen haben gegenüber großen Vermieter:innen strukturell wenig Verhandlungsmacht – wer sich alleine gegen eine Mieterhöhung oder Modernisierungsumlage wehrt, steht oft auf verlorenem Posten. Schließen sich Mieter:innen eines Hauses oder einer Nachbarschaft zusammen, etwa in Mietervereinen oder informellen Nachbarschaftsnetzwerken, verändert sich das Kräfteverhältnis erheblich. Diese kollektive Organisierung ist selbst eine Form von Dezentralisierung: Macht wird nicht bei einem Konzern zentralisiert, sondern in einer organisierten Vielzahl von Menschen verteilt, die gemeinsam handeln.
Ein städteplanerisches Konzept, das eng mit dezentralem Denken verbunden ist, ist die 15-Minuten-Stadt. Die Grundidee: Alles, was Menschen für ihren Alltag brauchen – Lebensmittelgeschäfte, Ärzte, Schulen, Grünflächen, Arbeitsplätze, kulturelle Angebote – sollte innerhalb von wenigen Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein. Statt einer Stadt, die in funktional getrennte Zonen aufgeteilt ist (hier Wohnen, dort Arbeiten, dort Einkaufen, verbunden durch lange Pendelstrecken), entstehen viele kleine, weitgehend autarke Nachbarschaften, die jeweils ein Grundangebot an Infrastruktur bereitstellen.
Das ist Dezentralisierung im urbanen Maßstab: Statt zentraler Innenstädte oder Einkaufszentren, auf die alle angewiesen sind, entstehen viele gleichwertige, lokale Zentren. Das reduziert nicht nur Verkehr und CO₂-Ausstoß, sondern stärkt auch die Nachbarschaft als sozialen Raum – man begegnet sich häufiger, kennt die lokalen Geschäfte und Menschen, und lokale Wertschöpfung (siehe Abschnitt Wirtschaft) wird direkt gestärkt. Städte wie Paris (unter Bürgermeisterin Anne Hidalgo) oder Melbourne haben das Konzept explizit in ihre Stadtplanung aufgenommen.
💬 Kommunikation: Das Fediverse als Alternative zu Big Tech
Ein Großteil unserer digitalen Kommunikation läuft heute über eine Handvoll Plattformen – Meta, X (ehemals Twitter), oder Google. Diese Zentralisierung hat handfeste Konsequenzen: Die Plattformbetreiber entscheiden über Algorithmen, Moderationsregeln, Datenschutz und letztlich darüber, welche Stimmen sichtbar werden und welche nicht. Ändert sich die Unternehmenspolitik – wie zuletzt bei X mehrfach geschehen – haben Nutzer:innen keinerlei Mitspracherecht.
Das Fediverse ist eine dezentrale Antwort darauf. Es handelt sich nicht um eine einzelne Plattform, sondern um ein Netzwerk unabhängiger Server (sogenannte „Instanzen“), die über ein gemeinsames Protokoll (ActivityPub) miteinander kommunizieren können. Mastodon funktioniert dabei ähnlich wie Twitter/X, Pixelfed übernimmt die Rolle von Instagram – und anders als bei Insta und X können Nutzer:innen beider Dienste auch die Posts des jeweils anderen Dienstes sehen.
Niemand kann das Fediverse als Ganzes besitzen. Jede Instanz wird von unterschiedlichen Menschen, Institutionen oder Kollektiven betrieben, mit eigenen Regeln – aber alle können trotzdem miteinander kommunizieren, ähnlich wie unterschiedliche E-Mail-Anbieter untereinander Mails austauschen können.
Auch bei privaterer Kommunikation gibt es dezentrale Alternativen: Element (basierend auf dem Matrix-Protokoll) funktioniert als Messenger ähnlich dezentral wie das Fediverse und bietet eine Alternative zu zentralisierten Diensten wie WhatsApp, Telegram oder auch Signal (das gut verschlüsselt, aber nicht dezentral ist).
Der Wechsel zu diesen Plattformen ist nicht immer bequem – die Netzwerkeffekte großer Plattformen sind real, und am Anfang findet man dort oft weniger Menschen aus dem eigenen Umfeld. Trotzdem: Jede Person, die wechselt, stärkt eine Infrastruktur, die niemandem gehört und die nicht von den Launen eines einzelnen Milliardärs abhängt.
💰️ Wirtschaft: Lokale Wertschöpfung, Demokratisierung und Commons
Auch wirtschaftlich lohnt sich der Blick auf Dezentralisierung, wenngleich hier die Abwägungen komplexer sind als in den anderen Bereichen. Wenn Wertschöpfung lokal bleibt – also Produktion, Dienstleistung und Konsum in einer überschaubaren Region stattfinden –, können Betroffene viel direkter einbezogen werden. Wer in der eigenen Nachbarschaft ein Problem mit einem Betrieb hat, kann leichter das Gespräch suchen, als wenn Entscheidungen von einer Konzernzentrale getroffen werden, die tausende Kilometer entfernt liegt.
Innerhalb bestehender Firmen gibt es zudem Hebel zur Demokratisierung: Betriebsräte und Gewerkschaften sind seit langem etablierte Institutionen, über die Beschäftigte Mitbestimmungsrechte einfordern und ausüben können – ein Gegengewicht zur reinen Entscheidungsmacht des Managements oder der Kapitaleigner:innen.
Radikaler gedacht sind Genossenschaften und Kollektivbetriebe, in denen die demokratische Mitbestimmung nicht nur ergänzend, sondern strukturell verankert ist. Hier gehört das Unternehmen den Mitarbeitenden (oder Mitgliedern) selbst, Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Gewinne bleiben in der Gemeinschaft oder werden gemeinsam reinvestiert.
Ein weiteres wichtiges Konzept ist die Verwaltung von Ressourcen als Commons – als Gemeingüter, die weder rein privatwirtschaftlich dem Markt noch rein staatlich verwaltet werden, sondern von den Menschen, die sie nutzen, gemeinsam organisiert und gepflegt werden. Ob Wasser, Software, Wissen oder städtische Flächen: Commoning bedeutet, Ressourcen jenseits der Logik von Eigentum und Profit zu denken.
Wichtig ist hier allerdings, ehrlich mit dem Tradeoff umzugehen, den kleinere, dezentrale Wirtschaftsstrukturen mit sich bringen: Große Konzerne profitieren von erheblichen Skaleneffekten – sie können günstiger produzieren, mehr in Forschung investieren, globale Lieferketten aufbauen. Ein kleiner Kollektivbetrieb wird selten mit dem Preis eines Großkonzerns konkurrieren können – oder muss sich selbst dafür ausbeuten. Diese Spannung lässt sich nicht wegdiskutieren. Die Frage ist eher, in welchen Bereichen wir bereit sind, auf einen Teil der Effizienz zu verzichten, um dafür mehr Demokratie, lokale Kontrolle und Resilienz zu gewinnen – und in welchen Bereichen eine gewisse Zentralisierung (etwa bei komplexer Infrastruktur oder Grundlagenforschung) sinnvoll bleibt.
🤚Politik: Subsidiarität und der Traum von der Rätedemokratie
„Politische Fragen sind viel zu ernst, um sie den Politikern zu überlassen.“ – Hannah Arendt
Auch politisch lässt sich Dezentralisierung als Prinzip denken – als Gegenmodell zu einer Politik, die ausschließlich in fernen Hauptstädten von wenigen Personen gemacht wird.
Ein zentraler Begriff dafür ist Subsidiarität: das Prinzip, dass Entscheidungen möglichst auf der niedrigsten, den Betroffenen am nächsten liegenden Ebene getroffen werden sollen. Nur wenn eine Ebene ein Problem nicht angemessen lösen kann, wird die nächsthöhere Ebene aktiv. Vieles ist strukturell schon relativ gut aufgestellt, was diesen Gedanken angeht: Der Föderalismus mit Bundesländern und die kommunale Selbstverwaltung sind Ausdruck dieses Prinzips. Vieles wird tatsächlich vor Ort entschieden – von der Stadtplanung bis zur Schulpolitik.
Trotzdem bleibt oft das Gefühl, dass „die Politik“ etwas ist, das andere für uns machen. Man merkt das, wenn Menschen über „die Politik“ schimpfen (und damit oft vor allem die Bundesregierung meinen). Dezentralisierung bedeutet hier auch, eigene politische Handlungsmacht zurückzugewinnen – durch lokales Engagement, direkte Demokratie, Bürgerräte oder einfach durch aktive Teilhabe an dem, was die eigene Nachbarschaft und Kommune betrifft.
Ein inspirierendes Fernziel ist die Rätedemokratie, wie sie momentan beispielhaft in Rojava – der autonomen Region im Norden und Osten Syriens – seit 2012 praktiziert wird. Dort wurde nach dem Rückzug des syrischen Staates ein politisches System aufgebaut, das explizit auf Basisdemokratie, Dezentralisierung und dem Prinzip des „demokratischen Konföderalismus“ beruht (ein Konzept, das maßgeblich vom kurdischen Politiker Abdullah Öcalan geprägt wurde).
Statt einer zentralen Regierung, die von oben nach unten regiert, organisieren sich Nachbarschaften in Kommunen und Räten selbst, die wiederum Delegierte in größere Räte entsenden – ein Aufbau von unten nach oben statt umgekehrt. Besonders bemerkenswert ist dabei die konsequente Einbeziehung von Frauen (durch verpflichtende Doppelspitzen aus Mann und Frau in fast allen Gremien) und der Anspruch, unterschiedliche ethnische und religiöse Gruppen gleichberechtigt einzubeziehen.
Rojava ist dabei kein perfektes Utopia – die Region befindet sich seit ihrer Gründung in einer permanenten Kriegssituation, was Aufbau und Bewertung des Systems erschwert. Aber es zeigt: Rätedemokratische, dezentrale politische Organisierung ist keine bloße Theorie, sondern wird unter schwierigsten Bedingungen tatsächlich praktiziert – und liefert wichtige Denkanstöße für eine radikalere Demokratisierung auch in anderen Kontexten.
Fazit: Dezentralisierung als Werkzeug, nicht als Dogma
Die sechs Bereiche zeigen: Dezentralisierung ist kein einheitliches Rezept, sondern ein Prinzip, das sich je nach Kontext unterschiedlich übersetzen lässt – vom Balkonkraftwerk bis zur Rätedemokratie, vom Gemeinschaftsgarten bis zur Genossenschaft.
Gemeinsam ist all diesen Ansätzen der Versuch, Macht und Kontrolle dorthin zurückzuholen, wo die Menschen leben, arbeiten und betroffen sind – statt sie bei anonymen Konzernen, fernen Regierungen oder undurchsichtigen Algorithmen zu belassen. Das macht Systeme nicht nur gerechter, sondern auch robuster gegenüber Krisen.
Gleichzeitig lohnt es sich, wachsam gegenüber einer romantisierenden Verklärung von Dezentralisierung zu bleiben. Nicht jedes Problem lässt sich dezentral lösen, nicht jede zentrale Struktur ist automatisch schlecht, und der Aufbau dezentraler Alternativen braucht oft mehr Zeit, Energie und Koordination, als man zunächst denkt. Die eigentliche Kunst liegt darin, für jeden Lebensbereich die richtige Balance zu finden – zwischen der Freiheit und Resilienz, die Dezentralisierung bietet, und der Koordination, die manche Herausforderungen unserer Zeit tatsächlich brauchen.
#Wirtschaft #Theorie #solarpunk -
Große Empfehlung, gerade wenn man eine Vergangenheit o. Gegenwart mit "French Theory" hat (besonders der Lacanianisch beeinflussten). Hier gibt so ziemlich kein Großdenker ein gutes Bild ab & ihre Karrieristenschüler noch weniger. Aber richtigen Headspace abwarten. Man wird sehr wütend beim Lesen.
Francis Dupuis-Déri, Althussers Femizid.
#lesen #theorie #bücher #reading #bookshttps://www.passagen.at/gesamtverzeichnis/neu-erschienen/althussers-femizid/
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Appel à communications pour le prochain congrès « Historical Materialism Paris » (1er-3 juillet 2027)
https://www.contretemps.eu/appel-communications-congres-historical-materialism-paris-2027/
#Politique #Stratégie #Théorie #UnePrincipale #Capitalisme #Communisme #Culture #Économie #Etat #Exploitation #Fascisme #Féminisme #Impérialisme #LutteDesClasses #Marx #Marxisme #Migrations #MouvementOuvrier #Racisme #Travail -
Sciences, pouvoir et savoirs émancipateurs
https://www.contretemps.eu/sciences-pouvoir-et-savoirs-emancipateurs/
#Politique #Théorie #UnePrincipale #AntonioGramsci #Démocratie #Émancipation #KarlMarx #Pouvoir #Pragmatisme #Savoirs #Sociologie -
https://www.palim-psao.fr/lexique-wertkritik-progressif.html
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autrement dit la critique de la valeur-dissociation ‒ cet abécédaire peut servir de boussole. Le terrain est vaste, parfois un peu escarpé, et l’on peut s’y perdre sans carte : en voici donc une, conçue pour vous aider à vous orienter sans trop trébucher.Vous trouverez ici des notices consacrées à des concepts, des objets de réflexion et des courants.
Elles proposent des définitions destinées à faciliter la lecture des ouvrages de ce champ théorique ‒ une sorte de boîte à outils, à ouvrir au besoin, sans mode d’emploi interminable.
Chaque notice peut se lire indépendamment, mais des renvois tissent aussi des chemins de traverse : de proche en proche, vous pourrez approfondir tel point ou bifurquer vers un autre. On peut également consulter avec profit la bibliographie francophone à jour
https://www.palim-psao.fr/bibliographie.html-->--
#formation #theorie #critiqueValeurDissociation #antieconomie
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Die Welt nach dem Kapitalismus
Solarpunk und Kapitalismus sind nur schwer vereinbar – nicht nur im Manifest wird die Bewegung als postkapitalistisch beschrieben, was eine wichtige Grundlage für das Punk-Element darstellt. Aber was bedeutet das konkret, insbesondere für Solarpunk-Geschichten? Wie kommen Menschen an das, was sie zum Leben brauchen? Und wie äußert sich das für die Figuren, die in diesen Welten leben? Ein paar Ideen.
„Capitalism is over if you want it“ by Koushik Chowdavarapu, UnsplashWas ist Kapitalismus eigentlich?
Achtung, Theorieblock: Kapitalismus ist ein umkämpfter Begriff, lässt sich aber über einige Kernmerkmale definieren: Die Produktionsmittel – also Dinge wie Fabriken, die man braucht, um etwas herzustellen – befinden sich in Privateigentum. Das führt zu einer grundlegenden Spaltung: Es gibt Menschen, denen diese Produktionsmittel gehören, und Menschen, die nur ihre Arbeitskraft besitzen und diese deswegen verkaufen müssen, um zu überleben. Es entsteht eine Klassengesellschaft, die natürlich auch noch Abstufungen haben kann.
Zudem werden Dinge im Kapitalismus nicht in erster Linie für ihren Gebrauchswert hergestellt – ein Stuhl zum Sitzen, ein Brot zum Essen –, sondern für ihren Tauschwert: das, was sich damit auf Märkten verdienen lässt. Märkte vermitteln dabei zwischen Angebot und Nachfrage und ermitteln so den Preis.
Ich finde es außerdem hilfreich, Kapitalismus nicht als binäre Kategorie zu denken, sondern als Spektrum mit einer zentralen Frage: In welchem Ausmaß werden Entscheidungen danach getroffen, ob sie Investitionen und Vermögen vermehren? Das eröffnet den Blick für Nuancen: Wie kapitalistisch ist eine Gesellschaft gerade? Wird sie kapitalistischer – oder weniger?
Ein Beispiel: Wohnen. Auf der einen Seite des Spektrums steht ein Wohnungsmarkt, der komplett am Kapital orientiert ist: Wohnraum wird als Anlageobjekt und Renditequelle behandelt, Mieten richten sich ausschließlich nach Zahlungsbereitschaft und sind nach oben offen. Am anderen Ende steht ein System, in dem Wohnungen nach Bedürfnissen vergeben (und darüber hinaus vielleicht ausgelost) werden.
Die meisten real existierenden Städte liegen irgendwo dazwischen: Wien mit seinem hohen Anteil an Gemeindebauten ist auf dem Spektrum deutlich weiter von der reinen Marktlogik entfernt als etwa Berlin, das gerade in den letzten zwei Jahrzehnten immer stärker in Richtung Kommerzialisierung gerückt ist. Und natürlich ist diese Ausrichtung in beiden Städten umkämpft. Diese graduelle Betrachtung macht sichtbar: Es gibt nicht nur „Kapitalismus“ oder „Nicht-Kapitalismus“, sondern viele Abstufungen dazwischen – und Bewegung ist in beide Richtungen möglich.
Das ist auch die gute Nachricht: Kapitalismus ist nicht so alternativlos, wie uns seine Verfechter:innen gerne glauben machen wollen. Es gibt viele Alternativen – manche existieren bereits heute real in Nischen und könnten sich ausbreiten, andere sind große Ideen, die erst noch ausprobiert werden müssen.
Was bedeutet das für Figuren im Postkapitalismus?
Wenn wir Geschichten in postkapitalistischen Welten erzählen wollen, stellt sich die Frage, wie sich das im Alltag der Figuren niederschlägt. Ein paar Aspekte sind dabei für mich zentral:
Absicherung. Figuren in postkapitalistischen Welten müssen nicht fürchten, obdachlos zu werden, wenn sie ihren Job verlieren, oder auf medizinische Versorgung zu verzichten, weil sie sie sich nicht leisten können. Das heißt nicht, dass es keine Konflikte oder Probleme mehr gibt – aber existenzielle Not durch fehlende Ressourcen fällt weg.
Demokratie – aber unterschiedlich stark ausgeprägt. Postkapitalistische Gesellschaften sind in der Regel demokratischer organisiert – gerade auch in wirtschaftlichen Fragen, die im Kapitalismus meist der Marktlogik oder privaten Entscheidungen überlassen werden. Das heißt aber nicht, dass jede Figur gleich stark an diesen Prozessen teilnimmt oder teilnehmen will – manche Menschen engagieren sich intensiv in Versammlungen und Planungsprozessen, andere sind eher desinteressiert oder haben andere Prioritäten. Das ist realistisch und macht Figuren vielschichtiger. Es kann auch gut als Konflikt zwischen Figuren thematisiert werden.
Öffentlicher Luxus. Statt individuellem Reichtum für wenige rückt geteilter Wohlstand in den Vordergrund: großzügige Parks, exzellenter öffentlicher Nahverkehr, frei zugängliche Kultureinrichtungen, Bibliotheken, Gemeinschaftsräume, kollektive Care-Strukturen für Kinder, kranke, behinderte oder ältere Menschen, eine öffentliche Kantine… Figuren müssen nicht privat besitzen, was sie gemeinschaftlich genießen können.
Strukturelle statt individuelle Solidarität. Hier liegt für mich ein wichtiger Unterschied zu Hopepunk-Erzählungen, in denen Solidarität oft als individuelle moralische Entscheidung einzelner heldenhafter Figuren dargestellt wird. In postkapitalistischen Welten ist Solidarität stattdessen strukturell nahegelegt oder sogar eingebaut: Die Gesellschaft ist so organisiert, dass gegenseitige Unterstützung der Normalfall ist, nicht die Ausnahme, die von besonders guten Menschen ausgeht.
Kein Schlaraffenland. Wichtig ist dabei: Postkapitalismus bedeutet nicht automatisch, dass alle Probleme verschwinden. Insbesondere zwei Missverständnisse sollten vermieden werden. Postkapitalismus heißt nicht, dass niemand mehr arbeitet – auch in postkapitalistischen Gesellschaften wird produziert, gepflegt, organisiert – nur eben unter anderen Vorzeichen. Und Postkapitalismus bedeutet auch nicht per se absolute Gleichheit. Es kann weiterhin Unterschiede geben – in dem, was Menschen besitzen, in Status, in Einfluss –, nur eben nicht die strukturellen Ungleichheiten, die aus Ausbeutung und Kapitalakkumulation entstehen. Sozialer Druck kann oft ein stärkerer (und subjektiv unangenehmerer!) Faktor sein als formelle Besitzverhältnisse.
Eine kleine Checkliste für eigene Geschichten:
- Woher weiß die Leserin, dass deine Charaktere versorgt sind? Was passiert mit ihnen, wenn sie krank oder alt werden oder einfach keine Lust mehr auf ihren aktuellen (oder irgendeinen) Job hat?
- Wie erlebt sie ihre Arbeit? Ist es immer noch stressig? Darf sie mitreden? Ist sie sehr abhängig von Menschen, die sie als höher in der Hierarchie wahrnimmt?
- Zeigst du auch Figuren, die wenig zur Gesellschaft beitragen (können) oder Außenseiter:innen sind – und trotzdem versorgt sind? Das ist ein guter Test dafür, ob deine Welt wirklich strukturelle Solidarität zeigt, oder ob Fürsorge nur an Beliebtheit oder Nützlichkeit hängt.
- Wer trifft welche Entscheidungen? An welchen demokratischen Prozessen nimmt deine Figur teil – und an welchen nicht? Nicht jede Figur muss politisch aktiv sein, aber echte Demokratie lebt auch von Beteiligung.
- Welche Dinge sind in Privateigentum, und welche nicht? Wie äußert sich das?
- Welche Konflikte bleiben trotz allem bestehen? Zwischenmenschliche Spannungen, unterschiedliche Wertvorstellungen, Machtfragen?
Zwei Fragen – und Beispiele aus der Literatur
Frage 1: Gibt es noch einen Markt?
Manche postkapitalistischen Entwürfe behalten Märkte bei, grenzen sie aber durch Mechanismen und strenge Regeln ein, die verhindern sollen, dass Menschen und Mitwelt ausgebeutet werden. Meistens ist es der Staat, der diese Grenzen setzt und durchsetzt. Wichtig ist dabei: Auch in regulierten Marktsystemen bleibt die Gefahr der Kapitalakkumulation bestehen – wenn also einzelne Akteure trotz Regulierung übermäßig viel Reichtum und damit Macht anhäufen können. Deswegen braucht es in solchen Systemen Mechanismen, die genau das dauerhaft verhindern.
Ein Beispiel dafür sind Konzepte wie ein bedingungsloses Grundeinkommen oder Kollektivbetriebe, die zwar innerhalb eines Marktes operieren, aber demokratischer und gerechter organisiert sind als klassische kapitalistische Unternehmen.
Auch mehrere Solarpunk-Romane denken in diese Richtung: In The Lost Cause von Cory Doctorow etwa treibt ein radikaler Green New Deal die Transformation der USA voran – der Markt wird nicht abgeschafft, aber durch massive staatliche Investitionen und Regulierung so umgestaltet, dass er der ökologischen Transformation dient.
In Kim Stanley Robinsons Ministerium für die Zukunft wird über den sogenannten Carbon Coin eine neue, an CO₂-Einsparung gekoppelte Währung eingeführt: Wer nachweislich Kohlenstoff einspart oder bindet, erhält diese Währung als Belohnung. Der Markt bleibt bestehen (bzw. wird sogar ein neuer erschaffen); dieser wird aber durch die neue monetäre Anreizstruktur in eine klimafreundlichere Richtung gelenkt.
Ein weiteres Beispiel ist Theresa Hannings Pantopia. Darin entwickelt eine Künstliche Intelligenz ein globales System von Banken, das über Kreditschöpfung ein Grundeinkommen in einer neuen Währung finanziert. In dieser neuen Währung sind Umweltschäden und Ausbeutung eingepreist, statt externalisiert zu werden – die Produkte werden teurer. Die Transformation gelingt hier vor allem durch monetäre Anreize: Menschen kündigen ihre schlecht bezahlten Jobs, weil das Grundeinkommen es ihnen ermöglicht, und Ladenbesitzer:innen führen das neue Bezahlsystem ein, weil sie an den Gewinnen beteiligt werden. Es entsteht ein System, das zwar noch Markt und sogar Profit kennt, aber ohne die Möglichkeit, Kosten zu externalisieren.
Frage 2: Sind Konsum und Beitrag noch gekoppelt?
Die zweite Frage betrifft postkapitalistische Systeme, die den Markt als Koordinationsmechanismus komplett ersetzen. Hier wird die zentrale Unterscheidung, ob das, was Menschen konsumieren dürfen, weiterhin an ihre Leistung oder ihren Beitrag gekoppelt ist, was man auch als Tauschlogik bezeichnen kann.
Wenn Konsum weiterhin an den Beitrag gekoppelt ist, aber Märkte keine zentrale Rolle mehr spielen, spreche ich von einer Planwirtschaft. Anders als im Realsozialismus mit seiner zentralistischen Top-down-Planung geht es im Solarpunk um dezentrale, demokratisch organisierte Koordination – oft unterstützt durch digitale Werkzeuge, die eine Planung ohne Markt ermöglichen sollen.
Ein interessantes Beispiel dafür liefert Becky Chambers‘ Dex und Helmling (bzw. die Monk-&-Robot-Reihe). Die Gesellschaft dort kennt zwar noch eine Art Währung – sogenannte Pebbles –, aber diese funktionieren völlig anders als klassisches Geld: Menschen geben sich gegenseitig Pebbles für Leistungen, entscheiden dabei aber selbst, wie viel ihnen etwas wert ist. Es geht weniger um objektiven Tauschwert als um symbolische Anerkennung. Wenn jemand über längere Zeit keine Pebbles verdient, wird das nicht in erster Linie als individuelles Versagen gedeutet, sondern als Signal an die Gemeinschaft, nach dieser Person zu schauen – vielleicht geht es ihr nicht gut. Gleichzeitig ist das System nicht frei von Problemen: Der Kontostand bleibt sichtbar und einsehbar, was durchaus Raum für sozialen Druck oder Vergleich lässt. Interessanterweise sind viele Figuren in den Büchern sehr gestresst, was aber auch mit dem Beruf der Hauptfigur zusammenhängen könnte, die als reisender Teemönch für ein offenes Ohr und Entspannung sorgt.
Wenn diese Kopplung aufgelöst wird, spreche ich von einer Commons-Logik: Beitrag und Bedürfnis werden komplett entkoppelt. Karl Marx hat das Prinzip einst so zusammengefasst: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Wer etwas braucht, bekommt es – unabhängig davon, wie viel diese Person selbst gerade beiträgt.
Cory Doctorows Walkaway zeigt dieses Prinzip sehr eindrücklich – und macht gleichzeitig deutlich, wie fragil es sein kann. In einem zentralen Handlungsstrang versucht Jimmy, in einer bis dahin tauschlogikfreien Walkaway-Gemeinschaft mit Waffengewalt ein gameifiziertes Ranking-System einzuführen: Wer mehr beiträgt, soll in Zukunft auch mehr bekommen dürfen. Jimmy argumentiert dabei genau mit dem Leistungsgedanken, der im Kapitalismus so tief verankert ist. Limpopo (die tatsächlich nach Meinung fast aller am meisten zu dem Projekt beigetragen hat) lehnt den Vorschlag jedoch ab: Es gehe nicht darum, wer wie viel geleistet habe, sondern darum, dass jede Person das bekommt, was sie braucht. Die Szene macht deutlich, wie tief die Leistungslogik des Kapitalismus sitzt – und wie bewusst sich Commons-Gemeinschaften immer wieder gegen ihre schleichende Rückkehr entscheiden müssen.
In Ursula K le Guins Freie Geister ist der Konsum ebenfalls vom Beitrag entkoppelt. Gleichzeitig ist das Leben auf dem Mond Annares so hart und unwirtlich, dass Arbeit keineswegs frei gewählt werden kann; harte und gesundheitsschädigende Jobs werden von einem digitalen Planungssystem vergeben und rotieren unter den Bewohner:innen. Der Hauptcharakter ist Physiker und steht kurz vor einem bahnbrechenden Durchbruch, aber ein Konkurrent verhindert seit Jahren durch bürokratische Winkelzüge deren Veröffentlichung. Und auch Annares handelt nach wie vor mit Rohstoffen mit dem kapitalistisch organisierten Planeten Urras, um Credits für wichtige Güter zu erhalten, und erweckt daher häufig den Eindruck einer abhängigen Kolonie. Folgerichtig nennt le Guin ihren Roman im Untertitel „eine ambivalente Utopie“.
Auch Ruthanna Emrys‘ A Half-Built Garden zeigt diesen Konflikt auf. In den sogenannten Watershed-Gemeinschaften werden Entscheidungen über Ressourcenverteilung in offenen, demokratischen Online-Diskussionsforen ausgehandelt. Es gibt kein sichtbares Konto, keine Kopplung an individuelle Leistung – stattdessen wird kollektiv verhandelt, was gebraucht wird und wie das organisiert werden kann. Gleichzeitig arbeiten einige nach wie vor für die (auf Inseln verbannten) Großkonzerne, was innerhalb der Gemeinschaften für Konflikte sorgt.
Eine interessante Mischform zeigt Everything for Everyone. Das Buch erzählt in Form fiktiver mündlicher Erinnerungen von einer zukünftigen New Yorker Kommune, deren lokale Organisation stark nach Commons-Logik funktioniert: Es gibt Zentren, in die jede Person kommen und dort versorgt werden kann, unabhängig davon, wer sie ist oder was sie beiträgt. Gleichzeitig wird in einem der Kapitel eine Person interviewt, die an einem internationalen, demokratischen Planwirtschaftskonzept mitarbeitet – hier geht es darum, die vielen einzelnen, lokal in Commons-Logik organisierten Regionen weltweit zu vernetzen und übergeordnet zu koordinieren. Das Buch zeigt damit anschaulich, dass sich Commons-Logik und Planwirtschaft nicht ausschließen müssen, sondern auf unterschiedlichen Ebenen – lokal versus global – parallel existieren können.
Fazit
Für Autor:innen, aber auch andere Solarpunks bedeutet das vor allem eins: Es lohnt sich, genau zu überlegen, wie die Wirtschaft in der eigenen Welt bzw. in der Zukunft tatsächlich funktionieren könnte – nicht nur oberflächlich als Kulisse, sondern als Struktur, die das Leben und die Entscheidungsspielräume der Figuren prägt. Wer das durchdenkt, schreibt nicht nur überzeugendere Geschichten, sondern trägt auch dazu bei, dass wir uns als Gesellschaft überhaupt vorstellen können, dass es jenseits des Kapitalismus lebenswerte, gerechtere Alternativen gibt.
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David Harvey : quel marxisme pour le 21e siècle ?
https://www.contretemps.eu/david-harvey-quel-marxisme-pour-le-21e-siecle/
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Der Möglichkeitssinn
Die größte Stärke von Solarpunk als Bewegung liegt darin, Menschen zu ermöglichen, sich andere, bessere Zukünfte überhaupt erst vorzustellen. Dieser Möglichkeitssinn – die Fähigkeit, hinter dem Bestehenden auch das Mögliche zu sehen – ist im 21. Jahrhundert erstaunlich verkümmert. Warum das so ist und wie Solarpunk diesen Sinn in verschiedenen Lebensbereichen wieder stärkt, lest ihr hier.
„Earth, water, air“ by Xulia Vicente, CC BY-ND 4.0Sind Utopien gefährlich?
Utopien haben ein Imageproblem. Sie gelten entweder als weltfremde Spinnereien – nett gemeint, aber praktisch irrelevant – oder als gefährliche Einstiegsdrogen in totalitäre Systeme. Manchmal wird ihnen sogar beides gleichzeitig vorgeworfen, was schon rein logisch nicht ganz aufgeht: Etwas kann kaum zugleich zu harmlos-verträumt und zu gefährlich-wirkmächtig sein.
Diese Abwertung hat Geschichte. Konservative und liberale Denker haben seit dem 20. Jahrhundert immer wieder vor der utopischen Vernunft gewarnt – als hätte die Vorstellung einer besseren Welt zwangsläufig den Weg in den Gulag oder ins Arbeitslager zur Folge. Karl Popper etwa sah im utopischen Denken den Nährboden für totalitäre Gesellschaftsentwürfe. Diese Kritik trifft einen wahren Kern – tatsächlich haben sich einige Utopien in Dystopien verwandelt, wenn sie mit absoluter Gewissheit und ohne Fehlerkorrektur umgesetzt werden sollten. Aber sie wird auch strategisch genutzt, um jede Vorstellung einer anderen Gesellschaftsordnung von vornherein zu diskreditieren. Wenn „es gibt keine Alternative“ zur Standardantwort auf gesellschaftliche Probleme wird, stirbt der Möglichkeitssinn einen stillen Tod.
Dagegen steht der Philosoph Ernst Bloch mit seinem Hauptwerk Das Prinzip Hoffnung. Für Bloch ist Utopie kein fertiger Bauplan, sondern eine Denkbewegung – der „Traum nach vorwärts“, das Noch-Nicht-Bewusste, das sich in Kunst, Alltagsträumen und gesellschaftlichen Sehnsüchten immer wieder zeigt. Utopisches Denken ist bei Bloch nicht die Behauptung, man wisse genau, wie die perfekte Zukunft aussieht – es ist die Öffnung eines Möglichkeitsraums. Genau das macht auch die Stärke von Solarpunk aus: Es geht nicht um ein fertiges Programm, sondern um das beharrliche Wachhalten der Frage „was wäre, wenn?“
Der Verlust der Utopie
Ein aufschlussreiches Beispiel dafür, wie dieser Öffnungsprozess auch wieder verengt werden kann, liefert die Geschichte der Arbeiter:innenbewegung selbst. Die frühsozialistischen und -anarchistischen Strömungen des 19. Jahrhunderts – von Charles Fourier über Robert Owen bis zu Peter Kropotkin – waren zutiefst utopisch geprägt: Sie entwarfen konkrete, oft geradezu verspielte Bilder davon, wie eine solidarische Gesellschaft aussehen könnte, wie Arbeit, Wohnen und Gemeinschaft neu organisiert werden könnten. Karl Marx und Friedrich Engels grenzten sich davon explizit ab und prägten den abwertenden Begriff des „utopischen Sozialismus“, den sie ihrem eigenen, angeblich „wissenschaftlichen“ Sozialismus gegenüberstellten.
Der Anspruch, historische Gesetzmäßigkeiten erkannt zu haben, statt bloß wünschenswerte Zukünfte zu entwerfen, verlieh der Bewegung zwar analytische Schärfe – er trug aber möglicherweise auch dazu bei, dass sich später autoritäre Umsetzungen durch eine selbsternannte revolutionäre Vorhut (die berühmte „Avantgarde“ Lenin’scher Prägung) leichter legitimieren ließen. Wenn eine Partei behauptet, im Besitz der wissenschaftlichen Wahrheit über den Geschichtsverlauf zu sein, braucht sie die Vielstimmigkeit utopischen Denkens nicht mehr – sie hat ja schon recht. Der Verlust des offenen, experimentellen Möglichkeitssinns zugunsten einer geschlossenen „wissenschaftlichen“ Gewissheit könnte also selbst Teil des Problems gewesen sein, nicht die Utopie an sich.
Auch der Historiker Rutger Bregman hat mit seiner Formel von der „Utopie für Realisten“ gezeigt, dass sich große gesellschaftliche Fortschritte – der Achtstundentag, das Frauenwahlrecht, die Demokratie selbst – zu ihrer Zeit allesamt als naive Utopien anhörten, bevor sie Wirklichkeit wurden. Utopisches Denken war historisch gesehen nie nur ein Rückzugsort für Träumer, sondern oft der Vorlauf für reale Veränderung.
Falsche Überzeugungen verlernen
In seinem Buch Im Grunde gut geht Bregman noch einen Schritt weiter und greift damit eine der hartnäckigsten Blockaden des Möglichkeitssinns direkt an: das pessimistische Menschenbild. Die Vorstellung, der Mensch sei im Kern egoistisch, konkurrenzgetrieben und nur durch Zwang oder Anreize zu prosozialem Verhalten zu bewegen, gilt vielen als nüchterner Realismus – dabei ist sie selbst eine unbelegte, historisch gewachsene Erzählung. Bregman zeigt anhand zahlreicher Beispiele, von Katastrophenforschung bis zur Neubewertung klassischer psychologischer Experimente wie dem Stanford-Prison-Experiment, dass Menschen in Krisensituationen weit häufiger kooperativ und solidarisch handeln, als das gängige Zerrbild vom egoistischen Menschen suggeriert. Das ist mehr als eine akademische Fußnote: Wenn wir tief davon überzeugt sind, dass Menschen im Grunde schlecht sind, wird jede solidarische Utopie automatisch zur naiven Träumerei abgestempelt, die an der „menschlichen Natur“ scheitern muss. Ein realistischeres, empirisch fundierteres Menschenbild öffnet dagegen erst den Raum, in dem Solarpunk-Zukünfte überhaupt denkbar werden.
Das verweist auf einen wichtigen Rückkopplungseffekt zwischen Möglichkeitssinn und Realitätssinn: Es geht beim utopischen Denken oft gar nicht in erster Linie darum, etwas Neues hinzuzulernen, sondern darum, vermeintliche Gewissheiten wieder zu verlernen. Das zynische Menschenbild, der Glaube an die Alternativlosigkeit des Status quo, die Überzeugung, Kooperation im großen Stil sei naiv – all das sind keine neutralen Tatsachenbeobachtungen, sondern selbst historisch gewachsene, oft interessengeleitete Narrative. Utopisches Denken korrigiert insofern nicht nur unsere Vorstellung von der Zukunft, sondern auch unsere Wahrnehmung der Gegenwart und der Vergangenheit. Wer erkennt, dass Menschen in der Elbflut-Katastrophe oder nach dem Hurrican Katrina eben nicht in Panik und Plünderung verfielen, sondern spontane Solidarität zeigten, sieht plötzlich auch die Gegenwart mit anderen Augen: Kooperation ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Der Möglichkeitssinn und der Realitätssinn stehen sich also nicht als Gegner gegenüber – sie korrigieren sich gegenseitig. Aber wie genau trägt Solarpunk dazu bei?
Ästhetik: Bilder, die einladen
Solarpunk hat als Ästhetik begonnen, und diese visuelle Ebene bleibt bis heute enorm wichtig. Bilder von begrünten Hochhausfassaden, von Solarpanels auf Dächern traditioneller Architektur, von Windrädern, die sich organisch in Landschaften einfügen, von Menschen, die in überwucherten, aber lebendigen Städten unterwegs sind – diese Bilder prägen das Genre seit seinen Anfängen.
Am stärksten wirkt diese Ästhetik dort, wo sie Vergangenheit und Zukunft versöhnt statt gegeneinander auszuspielen. Anders als der sterile, oft kalte Futurismus klassischer Science-Fiction – gläserne Türme, makellose Oberflächen, technologische Reinheit – zeigt Solarpunk Zukünfte, in denen alte Handwerkstechniken, regionale Bauweisen und kulturelle Traditionen mit neuen Technologien verschmelzen. Solarpanels auf Lehmhäusern, Stadtgärten mit digitaler Bewässerungstechnik, Lastenräder unter Erntedrohnen. Diese Bilder sagen etwas aus, bevor überhaupt ein Wort fällt: Fortschritt muss nicht bedeuten, dass wir unsere Wurzeln kappen. Man kann in die Zukunft gehen, ohne die Vergangenheit zu vergessen oder plattzuwalzen.
Diese Bilder funktionieren als eine Art Voreinstellung des Möglichkeitssinns – sie geben uns visuelles Material, mit dem wir uns eine andere Welt überhaupt erst vorstellen können, bevor der Verstand mit all seinen Einwänden („aber wie soll das gehen?“) dazwischenfunkt.
Literatur: Die Sogwirkung des „So könnte es werden“
In Geschichten wird die Stärkung des Möglichkeitssinns am offensichtlichsten. Die besten Solarpunk-Romane sind akribisch gebaute Zukunftswelten, die trotz aller Hoffnung realistisch bleiben: Der Klimawandel wird nicht einfach wegdiskutiert, Milliardäre geben ihr Vermögen nicht freiwillig her, gesellschaftliche Konflikte lösen sich nicht über Nacht in Wohlgefallen auf. Und doch zeigen diese Geschichten immer wieder Szenen von Solidarität, Kooperation und kollektivem Handeln, die zeigen: Menschen sind auch zu etwas anderem fähig als zu Konkurrenz und Ausbeutung.
Wenn diese Gratwanderung gelingt – zwischen ungeschönter Gegenwartsanalyse und der beharrlichen Behauptung, dass es anders gehen könnte – entfalten diese Geschichten eine echte Sogwirkung. Ein starkes Gefühl von „so könnte die Zukunft werden“ stellt sich ein, das sich deutlich von den allgegenwärtigen Dystopien unterscheidet, die weite Teile der Science-Fiction und auch anderer Genres prägen. Nach Jahrzehnten von Klimakatastrophen-Szenarien, Überwachungsdystopien und postapokalyptischen Ödlandschaften wirkt eine Geschichte, die zeigt, wie Menschen gemeinsam etwas aufbauen statt nur Trümmer zu durchqueren, fast schon subversiv.
Diese Literatur ist deshalb kein eskapistischer Kitsch, sondern politische Arbeit im besten Sinne: Sie erweitert, was wir uns überhaupt für vorstellbar halten – und genau das ist die Voraussetzung dafür, dass wir für etwas kämpfen können, das es noch nicht gibt.
Bewegung: Präfigurative Praxis im Hier und Jetzt
Demonstrationen, Petitionen, Besetzungen: Soziale Bewegungen werden in der Öffentlichkeit vor allem in Form von Protesten wahrgenommen. Das sind wichtige und notwendige Impulse – sie machen Missstände sichtbar und üben Druck auf Institutionen aus, die sich sonst nicht bewegen würden.
Doch Solarpunk als Bewegung setzt in anarchistischer Tradition einen zusätzlichen Akzent: den der präfigurativen Politik. Der Begriff beschreibt eine Praxis, bei der die gewünschte Zukunft nicht nur gefordert, sondern im Kleinen schon gelebt wird – als Modell, als Übungsraum, als Beweis, dass es geht. Gemeinschaftsgärten, in denen Nachbarschaften gemeinsam Nahrungsmittel anbauen statt sie nur zu konsumieren. Maker Spaces und Repair Cafés, in denen Reparatur statt Wegwerfen zur Selbstverständlichkeit wird und Wissen frei geteilt wird statt es zu horten. Klimacamps, die für einige Tage oder Wochen zeigen, wie eine Gemeinschaft mit basisdemokratischen Entscheidungsprozessen, in freiwilliger Selbstverwaltung und gegenseitiger Fürsorge funktionieren kann.
Diese Orte und Praktiken sind kein Ersatz für strukturelle politische Veränderung – aber sie sind unverzichtbar für den Möglichkeitssinn, weil sie das Abstrakte konkret machen. Es ist ein Unterschied, ob man sich eine solidarische Ökonomie nur theoretisch vorstellt, oder ob man in einem Klimacamp erlebt hat, wie fremde Menschen füreinander Essen kochen, Infrastruktur bauen und putzen. Präfigurative Praxis liefert den Beweis am eigenen Leib: Es geht. Es gibt Menschen, die es schon tun. Die Zukunft ist keine abstrakte Verheißung, sondern beginnt jetzt, im Kleinen, an vielen Orten.
Fazit: Den Blick erweitern
Der Möglichkeitssinn ist keine romantische Fußnote, sondern die Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Veränderung überhaupt. Bevor wir für eine andere Welt kämpfen können, müssen wir uns diese Welt vorstellen können – in Bildern, in Geschichten, in gelebter Praxis. Und manchmal beginnt dieser Prozess nicht mit dem Hinzulernen, sondern mit dem Verlernen: dem Verlernen eines zynischen Menschenbilds, dem Verlernen der Alternativlosigkeit, dem Verlernen der Vorstellung, dass es schon immer so war und deshalb immer so bleiben muss. Solarpunk arbeitet an all diesen Fronten gleichzeitig: als Ästhetik, die zeigt, als Literatur, die mitreißt, und als Bewegung, die vormacht. Zusammen ergibt das kein fertiges Programm, sondern etwas Wertvolleres: einen wieder geöffneten Raum des Möglichen.
#Bewegung #Bilder #Bücher #Theorie #solarpunk -
@temptoetiam Les USA c'est grand faut courir pour arriver au Congrès, l'Angleterre c'est petit t'es déjà au Parlement il faut juste lever tes fesses du banc. #théorie