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#bewegung — Public Fediverse posts

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  1. Permaaktivismus

    Permakultur ist ein Solarpunk-Klassiker. Was als Konzept für nachhaltige Landwirtschaft begann, das sich viel von indigenen Techniken abgeguckt hat, hat sich längst zu einer umfassenden Gestaltungsphilosophie entwickelt. Im Kern geht es darum, Systeme zu schaffen, die sich an der Natur orientieren: kreislauforientiert, vielfältig und resilient. Statt gegen natürliche Prozesse zu arbeiten, arbeitet man mit ihnen.

    Aber was, wenn wir diese Denkweise nicht nur auf Gärten anwenden, sondern auf unser politisches Engagement selbst? Was, wenn Aktivismus mehr wie Gärtnern, wie ein Ökosystem funktionieren würde – und weniger wie eine Erschöpfungsmaschine? Das könnte Permaaktivismus heißen: Die 12 Prinzipien der Permakultur, übersetzt auf die Frage, wie wir uns nachhaltig, wirksam und mit Freude engagieren können.

    Cattails in Hurricane season by Addae, CC BY-SA 4.0

    Die 12 Prinzipien des Permaaktivismus

    1. Gehe vom Muster zum Detail

    Bevor man ins Detail geht, lohnt sich der Blick aufs große Ganze. Es hilft, das eigene Engagement mental an die großen Fragen von Transformation und Wandel zu koppeln: Für welche Zukunft setze ich mich eigentlich ein? Welches Muster gesellschaftlicher Veränderung will ich stärken? Daraus ergeben sich dann Leitlinien, die es einfacher machen den eigenen Platz in der Transformation zu finden.

    Diese Verbindung zum großen Bild gibt auch kleinen Handlungen Bedeutung. Ein Solawi-Einsatz am Wochenende, eine Schicht im Repaircafe, eine ehrliche politische Diskussion in der Familie – all das wirkt für sich genommen manchmal winzig. Doch im Muster größerer Bewegungen sind das genau die Details, aus denen Wandel entsteht. Wer das Muster im Kopf behält, verliert sich seltener in Kleinklein oder Selbstzweifeln über die eigene Relevanz.

    2. Einbeziehen statt ausgrenzen

    Soziale Bewegungen neigen dazu, sich in Abgrenzungsdebatten zu verlieren: Wer ist „wirklich“ links genug, konsequent genug, radikal genug? Am Ende bleibt oft eine kleine, ideologisch immer reinere Bubble übrig – während draußen die Welt weiterdreht.

    Permaaktivismus bedeutet, den Anspruch zu haben, Menschen aus verschiedensten Kontexten einzubeziehen. Das heißt nicht, alle Positionen gleich gültig zu finden oder auf klare Haltungen zu verzichten. Es heißt, Brücken zu bauen statt Mauern, und Menschen dort abzuholen, wo sie stehen – auch wenn sie (noch) nicht die „richtige“ Sprache sprechen oder nicht alle Theorien kennen.

    3. Finde kleine und langsame Lösungen

    Die Versuchung ist groß, angesichts der Dringlichkeit der Krisen sofort alles verändern zu wollen. Doch nachhaltiges Engagement entsteht selten im Sprint. Permakultur lehrt: Kleine, gut durchdachte Interventionen, die sich organisch entwickeln dürfen, sind oft wirksamer als hektischer Aktionismus.

    Das kann heißen: Fang zum Beispiel mit einer wöchentlichen Stunde ehrenamtlicher Arbeit an, statt dich sofort für zehn Projekte zu verpflichten. Etabliere eine kleine, aber stabile Gewohnheit. Vertrau darauf, dass daraus über die Zeit größere Strukturen wachsen können, ganz ohne dass du dich dabei verausgabst.

    4. Pflege die Vielfalt

    Ein Monokultur-Feld ist anfällig für Schädlinge und Krankheiten – ein vielfältiges Ökosystem ist resilienter. Genauso verhält es sich mit sozialen Bewegungen: Vielfalt von Menschen, Herangehensweisen und Taktiken macht sie stärker und anpassungsfähiger.

    Verschiedene Perspektiven bringen Mehrwert, auch wenn sie manchmal erstmal unbequem wirken. Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Fachkenntnissen und Zugängen zur Sache sehen unterschiedliche Lösungswege und Fallstricke. Statt eine einzige „richtige“ Strategie zu verfolgen, profitieren Bewegungen davon, viele parallele Ansätze zuzulassen – von der Bildungsarbeit über zivilen Ungehorsam bis zur Kommunalpolitik.

    5. Nutze Randzonen und schätze Übergänge

    In der Ökologie sind Übergangszonen zwischen zwei Lebensräumen – etwa zwischen Wald und Wiese – oft die artenreichsten Bereiche überhaupt. Ähnliches gilt für Aktivismus: An den Rändern und Schnittstellen entsteht oft das Interessanteste.

    Das können Übergänge zu anderen sozialen Bewegungen sein – Klimagerechtigkeit trifft auf Antirassismus, Feminismus auf Kapitalismuskritik. Es kann aber auch der Übergang zu Lebensbereichen sein, die auf den ersten Blick nichts mit Aktivismus zu tun haben: dein Beruf, deine Nachbarschaft, dein Hobby. Gerade dort, wo unterschiedliche Welten aufeinandertreffen, entstehen oft die kreativsten Ideen und wertvollsten Verbindungen.

    6. Reagiere kreativ auf Wandel

    Wandel ist unvermeidlich – die Frage ist nur, ob wir ihn als Bedrohung oder als Chance begreifen. Wenn sich das Umfeld ändert, in dem du aktiv bist – neue Gesetze, veränderte öffentliche Stimmung, technologische Entwicklungen – lohnt es sich, das aktiv einzubeziehen, statt starr an alten Strategien festzuhalten.

    Das kann bedeuten, Möglichkeitsfenster zu erkennen und zu nutzen, wenn sie sich öffnen: eine neue politische Konstellation, ein gesellschaftliches Ereignis, das Aufmerksamkeit auf dein Thema lenkt. Kreative Anpassung ist keine Kapitulation vor den Umständen, sondern eine Form von strategischer Klugheit.

    7. Beobachte und nimm teil

    Bevor man handelt, lohnt sich das genaue Hinschauen – und das gilt auch für das eigene Engagement selbst. Reflektiere regelmäßig, inwiefern deine Aktivitäten noch deinen Werten entsprechen und sich sinnvoll anfühlen.

    Das kann ein einfaches Ritual sein: Alle paar Monate innehalten und fragen: Mache ich das noch aus Überzeugung oder aus Gewohnheit? Passt diese Rolle noch zu mir? Oder will ich gerade mit dem Kopf durch die Wand? Bewegungen verändern sich, Menschen verändern sich – ein Engagement, das vor drei Jahren perfekt gepasst hat, kann heute überholt sein. Beobachtung ohne Urteil ist der erste Schritt, um das zu erkennen.

    8. Sammle und speichere Energie

    Permakultur-Systeme sind darauf ausgelegt, Energie (etwa Sonnenlicht oder Wasser) einzufangen und zu speichern, statt sie ungenutzt verpuffen zu lassen. Das ist auch für dein Engagement wichtig! Finde heraus, welche Tätigkeiten und Kontexte dir tatsächlich Energie geben – und welche sie dir nur rauben.

    Manche Menschen tanken auf bei kreativer Arbeit, andere beim direkten Gespräch, wieder andere beim stillen Recherchieren. Wer seine persönlichen Energiequellen kennt, kann sein Engagement so gestalten, dass es sich selbst trägt, statt sich in ständiger Erschöpfung zu erschöpfen. Das ist keine egoistische Selbstoptimierung, sondern die Voraussetzung dafür, langfristig dabei bleiben zu können.

    9. Erziele einen Ertrag

    Ein Garten, der nur Arbeit macht und nie etwas trägt, entmutigt auf Dauer. Genauso wichtig ist es im Aktivismus, sich der eigenen Erträge bewusst zu werden – auch wenn sie nicht immer sofort sichtbar sind oder klein wirken.

    Denk darüber nach, was dein Engagement konkret verändert hat: die eine Person, die durch ein Gespräch zum Nachdenken angeregt wurde, der Zeitungsartikel, der über das Nachbarschaftsfest veröffentlicht wurde, oder die Petition, die eine öffentliche Debatte angestoßen hat. Und kommuniziere das wenn es passt auch nach außen, selbst wenn es dir klein vorkommt. Sichtbare Erfolge – und seien sie noch so bescheiden – motivieren nicht nur dich selbst, sondern auch andere, sich zu engagieren.

    10. Lass Selbstregulierung zu und akzeptiere Rückkopplung

    Ökosysteme regulieren sich selbst durch ständige Rückkopplungsschleifen. Übertragen auf Aktivismus bedeutet das: Feedback von anderen – Mitstreiter:innen, der Zielgruppe deiner Arbeit, auch Kritiker:innen – ist wertvoll, um das eigene Engagement immer wieder neu auszurichten.

    Das gilt für Einzelpersonen genauso wie für Gruppen und Organisationen. Wer sich gegen Kritik abschottet oder Rückmeldungen als Angriff wertet, verliert die Fähigkeit, sich anzupassen und zu wachsen. Gute Feedbackkultur – ehrlich, aber wohlwollend – ist eine der wichtigsten Ressourcen für nachhaltiges kollektives Handeln.

    11. Unterstütze erneuerbare Ressourcen

    Manche Ressourcen erneuern sich durch ihren Gebrauch – Vertrauen wächst, wenn man es investiert, geteiltes Wissen vermehrt sich, wenn es weitergegeben wird, Gemeinschaft stärkt sich, wenn sie gepflegt wird. Andere Ressourcen sind endlich: persönliche Gesundheit, Erspartes, Beziehungen, die unter Dauerbelastung leiden.

    Permaaktivismus bedeutet, bewusst auf die ersten zu setzen. Baue Strukturen, die nicht von einzelnen Personen abhängen, sondern kollektiv getragen werden – eine Gruppe, die nur durch eine einzige Person funktioniert, ist keine erneuerbare Ressource, sondern ein Risiko. Investiere in Beziehungen, geteiltes Wissen und gemeinsame Rituale, die auch dann tragen, wenn Einzelne mal ausfallen oder eine Pause brauchen.

    12. Verschwende nichts

    In der Natur gibt es keinen Abfall – jedes „Abfallprodukt“ wird zur Ressource für einen anderen Prozess. Auch im Aktivismus lohnt sich dieser Blick: Wertschätze die vermeintlichen Umwege. Was hast du aus einer gescheiterten Aktion gelernt? Welche Kontakte sind dabei trotzdem entstanden, welches Wissen hast du gewonnen?

    Nutze außerdem, was bereits da ist, statt ständig das Rad neu zu erfinden – bestehende Netzwerke, erprobte Methoden, das Wissen erfahrener Aktivist:innen. Und achte auf Erschöpfung als eine besonders teure Form von Verschwendung: Ausgebranntes Engagement, das monatelange Pausen erzwingt, ist verschwendetes Potenzial, das der Bewegung auf lange Sicht fehlt.

    Ein Ökosystem, kein Sprint

    Was mir an diesem Vergleich gefällt: Er nimmt den Druck raus, alles auf einmal machen zu müssen. Ein gesunder Garten besteht nicht aus lauter Hochleistungspflanzen, die bis zur Erschöpfung wachsen – sondern aus einem Zusammenspiel verschiedener Elemente, die sich gegenseitig stützen. Er kann über Jahre wachsen und sich entwickeln.

    Vielleicht ist das die wichtigste Lektion des Permaaktivismus: Wir müssen nicht jede:r für sich die ganze Transformation stemmen. Wir können Teil eines größeren, vielfältigen Systems sein – mit Wurzeln, die tief gehen, Blüten, die Samen weitertragen, und Blättern, die Energie aufnehmen und umwandeln.

    Welches dieser 12 Prinzipien lebst du bereits intuitiv? Und welches könnte dir helfen, dein eigenes Engagement gerade jetzt neu auszurichten?

    #Bewegung #Methoden #Theorie #solarpunk
  2. Permaaktivismus

    Permakultur ist ein Solarpunk-Klassiker. Was als Konzept für nachhaltige Landwirtschaft begann, das sich viel von indigenen Techniken abgeguckt hat, hat sich längst zu einer umfassenden Gestaltungsphilosophie entwickelt. Im Kern geht es darum, Systeme zu schaffen, die sich an der Natur orientieren: kreislauforientiert, vielfältig und resilient. Statt gegen natürliche Prozesse zu arbeiten, arbeitet man mit ihnen.

    Aber was, wenn wir diese Denkweise nicht nur auf Gärten anwenden, sondern auf unser politisches Engagement selbst? Was, wenn Aktivismus mehr wie Gärtnern, wie ein Ökosystem funktionieren würde – und weniger wie eine Erschöpfungsmaschine? Das könnte Permaaktivismus heißen: Die 12 Prinzipien der Permakultur, übersetzt auf die Frage, wie wir uns nachhaltig, wirksam und mit Freude engagieren können.

    Cattails in Hurricane season by Addae, CC BY-SA 4.0

    Die 12 Prinzipien des Permaaktivismus

    1. Gehe vom Muster zum Detail

    Bevor man ins Detail geht, lohnt sich der Blick aufs große Ganze. Es hilft, das eigene Engagement mental an die großen Fragen von Transformation und Wandel zu koppeln: Für welche Zukunft setze ich mich eigentlich ein? Welches Muster gesellschaftlicher Veränderung will ich stärken? Daraus ergeben sich dann Leitlinien, die es einfacher machen den eigenen Platz in der Transformation zu finden.

    Diese Verbindung zum großen Bild gibt auch kleinen Handlungen Bedeutung. Ein Solawi-Einsatz am Wochenende, eine Schicht im Repaircafe, eine ehrliche politische Diskussion in der Familie – all das wirkt für sich genommen manchmal winzig. Doch im Muster größerer Bewegungen sind das genau die Details, aus denen Wandel entsteht. Wer das Muster im Kopf behält, verliert sich seltener in Kleinklein oder Selbstzweifeln über die eigene Relevanz.

    2. Einbeziehen statt ausgrenzen

    Soziale Bewegungen neigen dazu, sich in Abgrenzungsdebatten zu verlieren: Wer ist „wirklich“ links genug, konsequent genug, radikal genug? Am Ende bleibt oft eine kleine, ideologisch immer reinere Bubble übrig – während draußen die Welt weiterdreht.

    Permaaktivismus bedeutet, den Anspruch zu haben, Menschen aus verschiedensten Kontexten einzubeziehen. Das heißt nicht, alle Positionen gleich gültig zu finden oder auf klare Haltungen zu verzichten. Es heißt, Brücken zu bauen statt Mauern, und Menschen dort abzuholen, wo sie stehen – auch wenn sie (noch) nicht die „richtige“ Sprache sprechen oder nicht alle Theorien kennen.

    3. Finde kleine und langsame Lösungen

    Die Versuchung ist groß, angesichts der Dringlichkeit der Krisen sofort alles verändern zu wollen. Doch nachhaltiges Engagement entsteht selten im Sprint. Permakultur lehrt: Kleine, gut durchdachte Interventionen, die sich organisch entwickeln dürfen, sind oft wirksamer als hektischer Aktionismus.

    Das kann heißen: Fang zum Beispiel mit einer wöchentlichen Stunde ehrenamtlicher Arbeit an, statt dich sofort für zehn Projekte zu verpflichten. Etabliere eine kleine, aber stabile Gewohnheit. Vertrau darauf, dass daraus über die Zeit größere Strukturen wachsen können, ganz ohne dass du dich dabei verausgabst.

    4. Pflege die Vielfalt

    Ein Monokultur-Feld ist anfällig für Schädlinge und Krankheiten – ein vielfältiges Ökosystem ist resilienter. Genauso verhält es sich mit sozialen Bewegungen: Vielfalt von Menschen, Herangehensweisen und Taktiken macht sie stärker und anpassungsfähiger.

    Verschiedene Perspektiven bringen Mehrwert, auch wenn sie manchmal erstmal unbequem wirken. Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Fachkenntnissen und Zugängen zur Sache sehen unterschiedliche Lösungswege und Fallstricke. Statt eine einzige „richtige“ Strategie zu verfolgen, profitieren Bewegungen davon, viele parallele Ansätze zuzulassen – von der Bildungsarbeit über zivilen Ungehorsam bis zur Kommunalpolitik.

    5. Nutze Randzonen und schätze Übergänge

    In der Ökologie sind Übergangszonen zwischen zwei Lebensräumen – etwa zwischen Wald und Wiese – oft die artenreichsten Bereiche überhaupt. Ähnliches gilt für Aktivismus: An den Rändern und Schnittstellen entsteht oft das Interessanteste.

    Das können Übergänge zu anderen sozialen Bewegungen sein – Klimagerechtigkeit trifft auf Antirassismus, Feminismus auf Kapitalismuskritik. Es kann aber auch der Übergang zu Lebensbereichen sein, die auf den ersten Blick nichts mit Aktivismus zu tun haben: dein Beruf, deine Nachbarschaft, dein Hobby. Gerade dort, wo unterschiedliche Welten aufeinandertreffen, entstehen oft die kreativsten Ideen und wertvollsten Verbindungen.

    6. Reagiere kreativ auf Wandel

    Wandel ist unvermeidlich – die Frage ist nur, ob wir ihn als Bedrohung oder als Chance begreifen. Wenn sich das Umfeld ändert, in dem du aktiv bist – neue Gesetze, veränderte öffentliche Stimmung, technologische Entwicklungen – lohnt es sich, das aktiv einzubeziehen, statt starr an alten Strategien festzuhalten.

    Das kann bedeuten, Möglichkeitsfenster zu erkennen und zu nutzen, wenn sie sich öffnen: eine neue politische Konstellation, ein gesellschaftliches Ereignis, das Aufmerksamkeit auf dein Thema lenkt. Kreative Anpassung ist keine Kapitulation vor den Umständen, sondern eine Form von strategischer Klugheit.

    7. Beobachte und nimm teil

    Bevor man handelt, lohnt sich das genaue Hinschauen – und das gilt auch für das eigene Engagement selbst. Reflektiere regelmäßig, inwiefern deine Aktivitäten noch deinen Werten entsprechen und sich sinnvoll anfühlen.

    Das kann ein einfaches Ritual sein: Alle paar Monate innehalten und fragen: Mache ich das noch aus Überzeugung oder aus Gewohnheit? Passt diese Rolle noch zu mir? Oder will ich gerade mit dem Kopf durch die Wand? Bewegungen verändern sich, Menschen verändern sich – ein Engagement, das vor drei Jahren perfekt gepasst hat, kann heute überholt sein. Beobachtung ohne Urteil ist der erste Schritt, um das zu erkennen.

    8. Sammle und speichere Energie

    Permakultur-Systeme sind darauf ausgelegt, Energie (etwa Sonnenlicht oder Wasser) einzufangen und zu speichern, statt sie ungenutzt verpuffen zu lassen. Das ist auch für dein Engagement wichtig! Finde heraus, welche Tätigkeiten und Kontexte dir tatsächlich Energie geben – und welche sie dir nur rauben.

    Manche Menschen tanken auf bei kreativer Arbeit, andere beim direkten Gespräch, wieder andere beim stillen Recherchieren. Wer seine persönlichen Energiequellen kennt, kann sein Engagement so gestalten, dass es sich selbst trägt, statt sich in ständiger Erschöpfung zu erschöpfen. Das ist keine egoistische Selbstoptimierung, sondern die Voraussetzung dafür, langfristig dabei bleiben zu können.

    9. Erziele einen Ertrag

    Ein Garten, der nur Arbeit macht und nie etwas trägt, entmutigt auf Dauer. Genauso wichtig ist es im Aktivismus, sich der eigenen Erträge bewusst zu werden – auch wenn sie nicht immer sofort sichtbar sind oder klein wirken.

    Denk darüber nach, was dein Engagement konkret verändert hat: die eine Person, die durch ein Gespräch zum Nachdenken angeregt wurde, der Zeitungsartikel, der über das Nachbarschaftsfest veröffentlicht wurde, oder die Petition, die eine öffentliche Debatte angestoßen hat. Und kommuniziere das wenn es passt auch nach außen, selbst wenn es dir klein vorkommt. Sichtbare Erfolge – und seien sie noch so bescheiden – motivieren nicht nur dich selbst, sondern auch andere, sich zu engagieren.

    10. Lass Selbstregulierung zu und akzeptiere Rückkopplung

    Ökosysteme regulieren sich selbst durch ständige Rückkopplungsschleifen. Übertragen auf Aktivismus bedeutet das: Feedback von anderen – Mitstreiter:innen, der Zielgruppe deiner Arbeit, auch Kritiker:innen – ist wertvoll, um das eigene Engagement immer wieder neu auszurichten.

    Das gilt für Einzelpersonen genauso wie für Gruppen und Organisationen. Wer sich gegen Kritik abschottet oder Rückmeldungen als Angriff wertet, verliert die Fähigkeit, sich anzupassen und zu wachsen. Gute Feedbackkultur – ehrlich, aber wohlwollend – ist eine der wichtigsten Ressourcen für nachhaltiges kollektives Handeln.

    11. Unterstütze erneuerbare Ressourcen

    Manche Ressourcen erneuern sich durch ihren Gebrauch – Vertrauen wächst, wenn man es investiert, geteiltes Wissen vermehrt sich, wenn es weitergegeben wird, Gemeinschaft stärkt sich, wenn sie gepflegt wird. Andere Ressourcen sind endlich: persönliche Gesundheit, Erspartes, Beziehungen, die unter Dauerbelastung leiden.

    Permaaktivismus bedeutet, bewusst auf die ersten zu setzen. Baue Strukturen, die nicht von einzelnen Personen abhängen, sondern kollektiv getragen werden – eine Gruppe, die nur durch eine einzige Person funktioniert, ist keine erneuerbare Ressource, sondern ein Risiko. Investiere in Beziehungen, geteiltes Wissen und gemeinsame Rituale, die auch dann tragen, wenn Einzelne mal ausfallen oder eine Pause brauchen.

    12. Verschwende nichts

    In der Natur gibt es keinen Abfall – jedes „Abfallprodukt“ wird zur Ressource für einen anderen Prozess. Auch im Aktivismus lohnt sich dieser Blick: Wertschätze die vermeintlichen Umwege. Was hast du aus einer gescheiterten Aktion gelernt? Welche Kontakte sind dabei trotzdem entstanden, welches Wissen hast du gewonnen?

    Nutze außerdem, was bereits da ist, statt ständig das Rad neu zu erfinden – bestehende Netzwerke, erprobte Methoden, das Wissen erfahrener Aktivist:innen. Und achte auf Erschöpfung als eine besonders teure Form von Verschwendung: Ausgebranntes Engagement, das monatelange Pausen erzwingt, ist verschwendetes Potenzial, das der Bewegung auf lange Sicht fehlt.

    Ein Ökosystem, kein Sprint

    Was mir an diesem Vergleich gefällt: Er nimmt den Druck raus, alles auf einmal machen zu müssen. Ein gesunder Garten besteht nicht aus lauter Hochleistungspflanzen, die bis zur Erschöpfung wachsen – sondern aus einem Zusammenspiel verschiedener Elemente, die sich gegenseitig stützen. Er kann über Jahre wachsen und sich entwickeln.

    Vielleicht ist das die wichtigste Lektion des Permaaktivismus: Wir müssen nicht jede:r für sich die ganze Transformation stemmen. Wir können Teil eines größeren, vielfältigen Systems sein – mit Wurzeln, die tief gehen, Blüten, die Samen weitertragen, und Blättern, die Energie aufnehmen und umwandeln.

    Welches dieser 12 Prinzipien lebst du bereits intuitiv? Und welches könnte dir helfen, dein eigenes Engagement gerade jetzt neu auszurichten?

    #Bewegung #Methoden #Theorie #solarpunk
  3. Permaaktivismus

    Permakultur ist ein Solarpunk-Klassiker. Was als Konzept für nachhaltige Landwirtschaft begann, das sich viel von indigenen Techniken abgeguckt hat, hat sich längst zu einer umfassenden Gestaltungsphilosophie entwickelt. Im Kern geht es darum, Systeme zu schaffen, die sich an der Natur orientieren: kreislauforientiert, vielfältig und resilient. Statt gegen natürliche Prozesse zu arbeiten, arbeitet man mit ihnen.

    Aber was, wenn wir diese Denkweise nicht nur auf Gärten anwenden, sondern auf unser politisches Engagement selbst? Was, wenn Aktivismus mehr wie Gärtnern, wie ein Ökosystem funktionieren würde – und weniger wie eine Erschöpfungsmaschine? Das könnte Permaaktivismus heißen: Die 12 Prinzipien der Permakultur, übersetzt auf die Frage, wie wir uns nachhaltig, wirksam und mit Freude engagieren können.

    Cattails in Hurricane season by Addae, CC BY-SA 4.0

    Die 12 Prinzipien des Permaaktivismus

    1. Gehe vom Muster zum Detail

    Bevor man ins Detail geht, lohnt sich der Blick aufs große Ganze. Es hilft, das eigene Engagement mental an die großen Fragen von Transformation und Wandel zu koppeln: Für welche Zukunft setze ich mich eigentlich ein? Welches Muster gesellschaftlicher Veränderung will ich stärken? Daraus ergeben sich dann Leitlinien, die es einfacher machen den eigenen Platz in der Transformation zu finden.

    Diese Verbindung zum großen Bild gibt auch kleinen Handlungen Bedeutung. Ein Solawi-Einsatz am Wochenende, eine Schicht im Repaircafe, eine ehrliche politische Diskussion in der Familie – all das wirkt für sich genommen manchmal winzig. Doch im Muster größerer Bewegungen sind das genau die Details, aus denen Wandel entsteht. Wer das Muster im Kopf behält, verliert sich seltener in Kleinklein oder Selbstzweifeln über die eigene Relevanz.

    2. Einbeziehen statt ausgrenzen

    Soziale Bewegungen neigen dazu, sich in Abgrenzungsdebatten zu verlieren: Wer ist „wirklich“ links genug, konsequent genug, radikal genug? Am Ende bleibt oft eine kleine, ideologisch immer reinere Bubble übrig – während draußen die Welt weiterdreht.

    Permaaktivismus bedeutet, den Anspruch zu haben, Menschen aus verschiedensten Kontexten einzubeziehen. Das heißt nicht, alle Positionen gleich gültig zu finden oder auf klare Haltungen zu verzichten. Es heißt, Brücken zu bauen statt Mauern, und Menschen dort abzuholen, wo sie stehen – auch wenn sie (noch) nicht die „richtige“ Sprache sprechen oder nicht alle Theorien kennen.

    3. Finde kleine und langsame Lösungen

    Die Versuchung ist groß, angesichts der Dringlichkeit der Krisen sofort alles verändern zu wollen. Doch nachhaltiges Engagement entsteht selten im Sprint. Permakultur lehrt: Kleine, gut durchdachte Interventionen, die sich organisch entwickeln dürfen, sind oft wirksamer als hektischer Aktionismus.

    Das kann heißen: Fang zum Beispiel mit einer wöchentlichen Stunde ehrenamtlicher Arbeit an, statt dich sofort für zehn Projekte zu verpflichten. Etabliere eine kleine, aber stabile Gewohnheit. Vertrau darauf, dass daraus über die Zeit größere Strukturen wachsen können, ganz ohne dass du dich dabei verausgabst.

    4. Pflege die Vielfalt

    Ein Monokultur-Feld ist anfällig für Schädlinge und Krankheiten – ein vielfältiges Ökosystem ist resilienter. Genauso verhält es sich mit sozialen Bewegungen: Vielfalt von Menschen, Herangehensweisen und Taktiken macht sie stärker und anpassungsfähiger.

    Verschiedene Perspektiven bringen Mehrwert, auch wenn sie manchmal erstmal unbequem wirken. Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Fachkenntnissen und Zugängen zur Sache sehen unterschiedliche Lösungswege und Fallstricke. Statt eine einzige „richtige“ Strategie zu verfolgen, profitieren Bewegungen davon, viele parallele Ansätze zuzulassen – von der Bildungsarbeit über zivilen Ungehorsam bis zur Kommunalpolitik.

    5. Nutze Randzonen und schätze Übergänge

    In der Ökologie sind Übergangszonen zwischen zwei Lebensräumen – etwa zwischen Wald und Wiese – oft die artenreichsten Bereiche überhaupt. Ähnliches gilt für Aktivismus: An den Rändern und Schnittstellen entsteht oft das Interessanteste.

    Das können Übergänge zu anderen sozialen Bewegungen sein – Klimagerechtigkeit trifft auf Antirassismus, Feminismus auf Kapitalismuskritik. Es kann aber auch der Übergang zu Lebensbereichen sein, die auf den ersten Blick nichts mit Aktivismus zu tun haben: dein Beruf, deine Nachbarschaft, dein Hobby. Gerade dort, wo unterschiedliche Welten aufeinandertreffen, entstehen oft die kreativsten Ideen und wertvollsten Verbindungen.

    6. Reagiere kreativ auf Wandel

    Wandel ist unvermeidlich – die Frage ist nur, ob wir ihn als Bedrohung oder als Chance begreifen. Wenn sich das Umfeld ändert, in dem du aktiv bist – neue Gesetze, veränderte öffentliche Stimmung, technologische Entwicklungen – lohnt es sich, das aktiv einzubeziehen, statt starr an alten Strategien festzuhalten.

    Das kann bedeuten, Möglichkeitsfenster zu erkennen und zu nutzen, wenn sie sich öffnen: eine neue politische Konstellation, ein gesellschaftliches Ereignis, das Aufmerksamkeit auf dein Thema lenkt. Kreative Anpassung ist keine Kapitulation vor den Umständen, sondern eine Form von strategischer Klugheit.

    7. Beobachte und nimm teil

    Bevor man handelt, lohnt sich das genaue Hinschauen – und das gilt auch für das eigene Engagement selbst. Reflektiere regelmäßig, inwiefern deine Aktivitäten noch deinen Werten entsprechen und sich sinnvoll anfühlen.

    Das kann ein einfaches Ritual sein: Alle paar Monate innehalten und fragen: Mache ich das noch aus Überzeugung oder aus Gewohnheit? Passt diese Rolle noch zu mir? Oder will ich gerade mit dem Kopf durch die Wand? Bewegungen verändern sich, Menschen verändern sich – ein Engagement, das vor drei Jahren perfekt gepasst hat, kann heute überholt sein. Beobachtung ohne Urteil ist der erste Schritt, um das zu erkennen.

    8. Sammle und speichere Energie

    Permakultur-Systeme sind darauf ausgelegt, Energie (etwa Sonnenlicht oder Wasser) einzufangen und zu speichern, statt sie ungenutzt verpuffen zu lassen. Das ist auch für dein Engagement wichtig! Finde heraus, welche Tätigkeiten und Kontexte dir tatsächlich Energie geben – und welche sie dir nur rauben.

    Manche Menschen tanken auf bei kreativer Arbeit, andere beim direkten Gespräch, wieder andere beim stillen Recherchieren. Wer seine persönlichen Energiequellen kennt, kann sein Engagement so gestalten, dass es sich selbst trägt, statt sich in ständiger Erschöpfung zu erschöpfen. Das ist keine egoistische Selbstoptimierung, sondern die Voraussetzung dafür, langfristig dabei bleiben zu können.

    9. Erziele einen Ertrag

    Ein Garten, der nur Arbeit macht und nie etwas trägt, entmutigt auf Dauer. Genauso wichtig ist es im Aktivismus, sich der eigenen Erträge bewusst zu werden – auch wenn sie nicht immer sofort sichtbar sind oder klein wirken.

    Denk darüber nach, was dein Engagement konkret verändert hat: die eine Person, die durch ein Gespräch zum Nachdenken angeregt wurde, der Zeitungsartikel, der über das Nachbarschaftsfest veröffentlicht wurde, oder die Petition, die eine öffentliche Debatte angestoßen hat. Und kommuniziere das wenn es passt auch nach außen, selbst wenn es dir klein vorkommt. Sichtbare Erfolge – und seien sie noch so bescheiden – motivieren nicht nur dich selbst, sondern auch andere, sich zu engagieren.

    10. Lass Selbstregulierung zu und akzeptiere Rückkopplung

    Ökosysteme regulieren sich selbst durch ständige Rückkopplungsschleifen. Übertragen auf Aktivismus bedeutet das: Feedback von anderen – Mitstreiter:innen, der Zielgruppe deiner Arbeit, auch Kritiker:innen – ist wertvoll, um das eigene Engagement immer wieder neu auszurichten.

    Das gilt für Einzelpersonen genauso wie für Gruppen und Organisationen. Wer sich gegen Kritik abschottet oder Rückmeldungen als Angriff wertet, verliert die Fähigkeit, sich anzupassen und zu wachsen. Gute Feedbackkultur – ehrlich, aber wohlwollend – ist eine der wichtigsten Ressourcen für nachhaltiges kollektives Handeln.

    11. Unterstütze erneuerbare Ressourcen

    Manche Ressourcen erneuern sich durch ihren Gebrauch – Vertrauen wächst, wenn man es investiert, geteiltes Wissen vermehrt sich, wenn es weitergegeben wird, Gemeinschaft stärkt sich, wenn sie gepflegt wird. Andere Ressourcen sind endlich: persönliche Gesundheit, Erspartes, Beziehungen, die unter Dauerbelastung leiden.

    Permaaktivismus bedeutet, bewusst auf die ersten zu setzen. Baue Strukturen, die nicht von einzelnen Personen abhängen, sondern kollektiv getragen werden – eine Gruppe, die nur durch eine einzige Person funktioniert, ist keine erneuerbare Ressource, sondern ein Risiko. Investiere in Beziehungen, geteiltes Wissen und gemeinsame Rituale, die auch dann tragen, wenn Einzelne mal ausfallen oder eine Pause brauchen.

    12. Verschwende nichts

    In der Natur gibt es keinen Abfall – jedes „Abfallprodukt“ wird zur Ressource für einen anderen Prozess. Auch im Aktivismus lohnt sich dieser Blick: Wertschätze die vermeintlichen Umwege. Was hast du aus einer gescheiterten Aktion gelernt? Welche Kontakte sind dabei trotzdem entstanden, welches Wissen hast du gewonnen?

    Nutze außerdem, was bereits da ist, statt ständig das Rad neu zu erfinden – bestehende Netzwerke, erprobte Methoden, das Wissen erfahrener Aktivist:innen. Und achte auf Erschöpfung als eine besonders teure Form von Verschwendung: Ausgebranntes Engagement, das monatelange Pausen erzwingt, ist verschwendetes Potenzial, das der Bewegung auf lange Sicht fehlt.

    Ein Ökosystem, kein Sprint

    Was mir an diesem Vergleich gefällt: Er nimmt den Druck raus, alles auf einmal machen zu müssen. Ein gesunder Garten besteht nicht aus lauter Hochleistungspflanzen, die bis zur Erschöpfung wachsen – sondern aus einem Zusammenspiel verschiedener Elemente, die sich gegenseitig stützen. Er kann über Jahre wachsen und sich entwickeln.

    Vielleicht ist das die wichtigste Lektion des Permaaktivismus: Wir müssen nicht jede:r für sich die ganze Transformation stemmen. Wir können Teil eines größeren, vielfältigen Systems sein – mit Wurzeln, die tief gehen, Blüten, die Samen weitertragen, und Blättern, die Energie aufnehmen und umwandeln.

    Welches dieser 12 Prinzipien lebst du bereits intuitiv? Und welches könnte dir helfen, dein eigenes Engagement gerade jetzt neu auszurichten?

    #Bewegung #Methoden #Theorie #solarpunk
  4. Permaaktivismus

    Permakultur ist ein Solarpunk-Klassiker. Was als Konzept für nachhaltige Landwirtschaft begann, das sich viel von indigenen Techniken abgeguckt hat, hat sich längst zu einer umfassenden Gestaltungsphilosophie entwickelt. Im Kern geht es darum, Systeme zu schaffen, die sich an der Natur orientieren: kreislauforientiert, vielfältig und resilient. Statt gegen natürliche Prozesse zu arbeiten, arbeitet man mit ihnen.

    Aber was, wenn wir diese Denkweise nicht nur auf Gärten anwenden, sondern auf unser politisches Engagement selbst? Was, wenn Aktivismus mehr wie Gärtnern, wie ein Ökosystem funktionieren würde – und weniger wie eine Erschöpfungsmaschine? Das könnte Permaaktivismus heißen: Die 12 Prinzipien der Permakultur, übersetzt auf die Frage, wie wir uns nachhaltig, wirksam und mit Freude engagieren können.

    Cattails in Hurricane season by Addae, CC BY-SA 4.0

    Die 12 Prinzipien des Permaaktivismus

    1. Gehe vom Muster zum Detail

    Bevor man ins Detail geht, lohnt sich der Blick aufs große Ganze. Es hilft, das eigene Engagement mental an die großen Fragen von Transformation und Wandel zu koppeln: Für welche Zukunft setze ich mich eigentlich ein? Welches Muster gesellschaftlicher Veränderung will ich stärken? Daraus ergeben sich dann Leitlinien, die es einfacher machen den eigenen Platz in der Transformation zu finden.

    Diese Verbindung zum großen Bild gibt auch kleinen Handlungen Bedeutung. Ein Solawi-Einsatz am Wochenende, eine Schicht im Repaircafe, eine ehrliche politische Diskussion in der Familie – all das wirkt für sich genommen manchmal winzig. Doch im Muster größerer Bewegungen sind das genau die Details, aus denen Wandel entsteht. Wer das Muster im Kopf behält, verliert sich seltener in Kleinklein oder Selbstzweifeln über die eigene Relevanz.

    2. Einbeziehen statt ausgrenzen

    Soziale Bewegungen neigen dazu, sich in Abgrenzungsdebatten zu verlieren: Wer ist „wirklich“ links genug, konsequent genug, radikal genug? Am Ende bleibt oft eine kleine, ideologisch immer reinere Bubble übrig – während draußen die Welt weiterdreht.

    Permaaktivismus bedeutet, den Anspruch zu haben, Menschen aus verschiedensten Kontexten einzubeziehen. Das heißt nicht, alle Positionen gleich gültig zu finden oder auf klare Haltungen zu verzichten. Es heißt, Brücken zu bauen statt Mauern, und Menschen dort abzuholen, wo sie stehen – auch wenn sie (noch) nicht die „richtige“ Sprache sprechen oder nicht alle Theorien kennen.

    3. Finde kleine und langsame Lösungen

    Die Versuchung ist groß, angesichts der Dringlichkeit der Krisen sofort alles verändern zu wollen. Doch nachhaltiges Engagement entsteht selten im Sprint. Permakultur lehrt: Kleine, gut durchdachte Interventionen, die sich organisch entwickeln dürfen, sind oft wirksamer als hektischer Aktionismus.

    Das kann heißen: Fang zum Beispiel mit einer wöchentlichen Stunde ehrenamtlicher Arbeit an, statt dich sofort für zehn Projekte zu verpflichten. Etabliere eine kleine, aber stabile Gewohnheit. Vertrau darauf, dass daraus über die Zeit größere Strukturen wachsen können, ganz ohne dass du dich dabei verausgabst.

    4. Pflege die Vielfalt

    Ein Monokultur-Feld ist anfällig für Schädlinge und Krankheiten – ein vielfältiges Ökosystem ist resilienter. Genauso verhält es sich mit sozialen Bewegungen: Vielfalt von Menschen, Herangehensweisen und Taktiken macht sie stärker und anpassungsfähiger.

    Verschiedene Perspektiven bringen Mehrwert, auch wenn sie manchmal erstmal unbequem wirken. Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Fachkenntnissen und Zugängen zur Sache sehen unterschiedliche Lösungswege und Fallstricke. Statt eine einzige „richtige“ Strategie zu verfolgen, profitieren Bewegungen davon, viele parallele Ansätze zuzulassen – von der Bildungsarbeit über zivilen Ungehorsam bis zur Kommunalpolitik.

    5. Nutze Randzonen und schätze Übergänge

    In der Ökologie sind Übergangszonen zwischen zwei Lebensräumen – etwa zwischen Wald und Wiese – oft die artenreichsten Bereiche überhaupt. Ähnliches gilt für Aktivismus: An den Rändern und Schnittstellen entsteht oft das Interessanteste.

    Das können Übergänge zu anderen sozialen Bewegungen sein – Klimagerechtigkeit trifft auf Antirassismus, Feminismus auf Kapitalismuskritik. Es kann aber auch der Übergang zu Lebensbereichen sein, die auf den ersten Blick nichts mit Aktivismus zu tun haben: dein Beruf, deine Nachbarschaft, dein Hobby. Gerade dort, wo unterschiedliche Welten aufeinandertreffen, entstehen oft die kreativsten Ideen und wertvollsten Verbindungen.

    6. Reagiere kreativ auf Wandel

    Wandel ist unvermeidlich – die Frage ist nur, ob wir ihn als Bedrohung oder als Chance begreifen. Wenn sich das Umfeld ändert, in dem du aktiv bist – neue Gesetze, veränderte öffentliche Stimmung, technologische Entwicklungen – lohnt es sich, das aktiv einzubeziehen, statt starr an alten Strategien festzuhalten.

    Das kann bedeuten, Möglichkeitsfenster zu erkennen und zu nutzen, wenn sie sich öffnen: eine neue politische Konstellation, ein gesellschaftliches Ereignis, das Aufmerksamkeit auf dein Thema lenkt. Kreative Anpassung ist keine Kapitulation vor den Umständen, sondern eine Form von strategischer Klugheit.

    7. Beobachte und nimm teil

    Bevor man handelt, lohnt sich das genaue Hinschauen – und das gilt auch für das eigene Engagement selbst. Reflektiere regelmäßig, inwiefern deine Aktivitäten noch deinen Werten entsprechen und sich sinnvoll anfühlen.

    Das kann ein einfaches Ritual sein: Alle paar Monate innehalten und fragen: Mache ich das noch aus Überzeugung oder aus Gewohnheit? Passt diese Rolle noch zu mir? Oder will ich gerade mit dem Kopf durch die Wand? Bewegungen verändern sich, Menschen verändern sich – ein Engagement, das vor drei Jahren perfekt gepasst hat, kann heute überholt sein. Beobachtung ohne Urteil ist der erste Schritt, um das zu erkennen.

    8. Sammle und speichere Energie

    Permakultur-Systeme sind darauf ausgelegt, Energie (etwa Sonnenlicht oder Wasser) einzufangen und zu speichern, statt sie ungenutzt verpuffen zu lassen. Das ist auch für dein Engagement wichtig! Finde heraus, welche Tätigkeiten und Kontexte dir tatsächlich Energie geben – und welche sie dir nur rauben.

    Manche Menschen tanken auf bei kreativer Arbeit, andere beim direkten Gespräch, wieder andere beim stillen Recherchieren. Wer seine persönlichen Energiequellen kennt, kann sein Engagement so gestalten, dass es sich selbst trägt, statt sich in ständiger Erschöpfung zu erschöpfen. Das ist keine egoistische Selbstoptimierung, sondern die Voraussetzung dafür, langfristig dabei bleiben zu können.

    9. Erziele einen Ertrag

    Ein Garten, der nur Arbeit macht und nie etwas trägt, entmutigt auf Dauer. Genauso wichtig ist es im Aktivismus, sich der eigenen Erträge bewusst zu werden – auch wenn sie nicht immer sofort sichtbar sind oder klein wirken.

    Denk darüber nach, was dein Engagement konkret verändert hat: die eine Person, die durch ein Gespräch zum Nachdenken angeregt wurde, der Zeitungsartikel, der über das Nachbarschaftsfest veröffentlicht wurde, oder die Petition, die eine öffentliche Debatte angestoßen hat. Und kommuniziere das wenn es passt auch nach außen, selbst wenn es dir klein vorkommt. Sichtbare Erfolge – und seien sie noch so bescheiden – motivieren nicht nur dich selbst, sondern auch andere, sich zu engagieren.

    10. Lass Selbstregulierung zu und akzeptiere Rückkopplung

    Ökosysteme regulieren sich selbst durch ständige Rückkopplungsschleifen. Übertragen auf Aktivismus bedeutet das: Feedback von anderen – Mitstreiter:innen, der Zielgruppe deiner Arbeit, auch Kritiker:innen – ist wertvoll, um das eigene Engagement immer wieder neu auszurichten.

    Das gilt für Einzelpersonen genauso wie für Gruppen und Organisationen. Wer sich gegen Kritik abschottet oder Rückmeldungen als Angriff wertet, verliert die Fähigkeit, sich anzupassen und zu wachsen. Gute Feedbackkultur – ehrlich, aber wohlwollend – ist eine der wichtigsten Ressourcen für nachhaltiges kollektives Handeln.

    11. Unterstütze erneuerbare Ressourcen

    Manche Ressourcen erneuern sich durch ihren Gebrauch – Vertrauen wächst, wenn man es investiert, geteiltes Wissen vermehrt sich, wenn es weitergegeben wird, Gemeinschaft stärkt sich, wenn sie gepflegt wird. Andere Ressourcen sind endlich: persönliche Gesundheit, Erspartes, Beziehungen, die unter Dauerbelastung leiden.

    Permaaktivismus bedeutet, bewusst auf die ersten zu setzen. Baue Strukturen, die nicht von einzelnen Personen abhängen, sondern kollektiv getragen werden – eine Gruppe, die nur durch eine einzige Person funktioniert, ist keine erneuerbare Ressource, sondern ein Risiko. Investiere in Beziehungen, geteiltes Wissen und gemeinsame Rituale, die auch dann tragen, wenn Einzelne mal ausfallen oder eine Pause brauchen.

    12. Verschwende nichts

    In der Natur gibt es keinen Abfall – jedes „Abfallprodukt“ wird zur Ressource für einen anderen Prozess. Auch im Aktivismus lohnt sich dieser Blick: Wertschätze die vermeintlichen Umwege. Was hast du aus einer gescheiterten Aktion gelernt? Welche Kontakte sind dabei trotzdem entstanden, welches Wissen hast du gewonnen?

    Nutze außerdem, was bereits da ist, statt ständig das Rad neu zu erfinden – bestehende Netzwerke, erprobte Methoden, das Wissen erfahrener Aktivist:innen. Und achte auf Erschöpfung als eine besonders teure Form von Verschwendung: Ausgebranntes Engagement, das monatelange Pausen erzwingt, ist verschwendetes Potenzial, das der Bewegung auf lange Sicht fehlt.

    Ein Ökosystem, kein Sprint

    Was mir an diesem Vergleich gefällt: Er nimmt den Druck raus, alles auf einmal machen zu müssen. Ein gesunder Garten besteht nicht aus lauter Hochleistungspflanzen, die bis zur Erschöpfung wachsen – sondern aus einem Zusammenspiel verschiedener Elemente, die sich gegenseitig stützen. Er kann über Jahre wachsen und sich entwickeln.

    Vielleicht ist das die wichtigste Lektion des Permaaktivismus: Wir müssen nicht jede:r für sich die ganze Transformation stemmen. Wir können Teil eines größeren, vielfältigen Systems sein – mit Wurzeln, die tief gehen, Blüten, die Samen weitertragen, und Blättern, die Energie aufnehmen und umwandeln.

    Welches dieser 12 Prinzipien lebst du bereits intuitiv? Und welches könnte dir helfen, dein eigenes Engagement gerade jetzt neu auszurichten?

    #Bewegung #Methoden #Theorie #solarpunk
  5. Permaaktivismus

    Permakultur ist ein Solarpunk-Klassiker. Was als Konzept für nachhaltige Landwirtschaft begann, das sich viel von indigenen Techniken abgeguckt hat, hat sich längst zu einer umfassenden Gestaltungsphilosophie entwickelt. Im Kern geht es darum, Systeme zu schaffen, die sich an der Natur orientieren: kreislauforientiert, vielfältig und resilient. Statt gegen natürliche Prozesse zu arbeiten, arbeitet man mit ihnen.

    Aber was, wenn wir diese Denkweise nicht nur auf Gärten anwenden, sondern auf unser politisches Engagement selbst? Was, wenn Aktivismus mehr wie Gärtnern, wie ein Ökosystem funktionieren würde – und weniger wie eine Erschöpfungsmaschine? Das könnte Permaaktivismus heißen: Die 12 Prinzipien der Permakultur, übersetzt auf die Frage, wie wir uns nachhaltig, wirksam und mit Freude engagieren können.

    Cattails in Hurricane season by Addae, CC BY-SA 4.0

    Die 12 Prinzipien des Permaaktivismus

    1. Gehe vom Muster zum Detail

    Bevor man ins Detail geht, lohnt sich der Blick aufs große Ganze. Es hilft, das eigene Engagement mental an die großen Fragen von Transformation und Wandel zu koppeln: Für welche Zukunft setze ich mich eigentlich ein? Welches Muster gesellschaftlicher Veränderung will ich stärken? Daraus ergeben sich dann Leitlinien, die es einfacher machen den eigenen Platz in der Transformation zu finden.

    Diese Verbindung zum großen Bild gibt auch kleinen Handlungen Bedeutung. Ein Solawi-Einsatz am Wochenende, eine Schicht im Repaircafe, eine ehrliche politische Diskussion in der Familie – all das wirkt für sich genommen manchmal winzig. Doch im Muster größerer Bewegungen sind das genau die Details, aus denen Wandel entsteht. Wer das Muster im Kopf behält, verliert sich seltener in Kleinklein oder Selbstzweifeln über die eigene Relevanz.

    2. Einbeziehen statt ausgrenzen

    Soziale Bewegungen neigen dazu, sich in Abgrenzungsdebatten zu verlieren: Wer ist „wirklich“ links genug, konsequent genug, radikal genug? Am Ende bleibt oft eine kleine, ideologisch immer reinere Bubble übrig – während draußen die Welt weiterdreht.

    Permaaktivismus bedeutet, den Anspruch zu haben, Menschen aus verschiedensten Kontexten einzubeziehen. Das heißt nicht, alle Positionen gleich gültig zu finden oder auf klare Haltungen zu verzichten. Es heißt, Brücken zu bauen statt Mauern, und Menschen dort abzuholen, wo sie stehen – auch wenn sie (noch) nicht die „richtige“ Sprache sprechen oder nicht alle Theorien kennen.

    3. Finde kleine und langsame Lösungen

    Die Versuchung ist groß, angesichts der Dringlichkeit der Krisen sofort alles verändern zu wollen. Doch nachhaltiges Engagement entsteht selten im Sprint. Permakultur lehrt: Kleine, gut durchdachte Interventionen, die sich organisch entwickeln dürfen, sind oft wirksamer als hektischer Aktionismus.

    Das kann heißen: Fang zum Beispiel mit einer wöchentlichen Stunde ehrenamtlicher Arbeit an, statt dich sofort für zehn Projekte zu verpflichten. Etabliere eine kleine, aber stabile Gewohnheit. Vertrau darauf, dass daraus über die Zeit größere Strukturen wachsen können, ganz ohne dass du dich dabei verausgabst.

    4. Pflege die Vielfalt

    Ein Monokultur-Feld ist anfällig für Schädlinge und Krankheiten – ein vielfältiges Ökosystem ist resilienter. Genauso verhält es sich mit sozialen Bewegungen: Vielfalt von Menschen, Herangehensweisen und Taktiken macht sie stärker und anpassungsfähiger.

    Verschiedene Perspektiven bringen Mehrwert, auch wenn sie manchmal erstmal unbequem wirken. Menschen mit unterschiedlichen Biografien, Fachkenntnissen und Zugängen zur Sache sehen unterschiedliche Lösungswege und Fallstricke. Statt eine einzige „richtige“ Strategie zu verfolgen, profitieren Bewegungen davon, viele parallele Ansätze zuzulassen – von der Bildungsarbeit über zivilen Ungehorsam bis zur Kommunalpolitik.

    5. Nutze Randzonen und schätze Übergänge

    In der Ökologie sind Übergangszonen zwischen zwei Lebensräumen – etwa zwischen Wald und Wiese – oft die artenreichsten Bereiche überhaupt. Ähnliches gilt für Aktivismus: An den Rändern und Schnittstellen entsteht oft das Interessanteste.

    Das können Übergänge zu anderen sozialen Bewegungen sein – Klimagerechtigkeit trifft auf Antirassismus, Feminismus auf Kapitalismuskritik. Es kann aber auch der Übergang zu Lebensbereichen sein, die auf den ersten Blick nichts mit Aktivismus zu tun haben: dein Beruf, deine Nachbarschaft, dein Hobby. Gerade dort, wo unterschiedliche Welten aufeinandertreffen, entstehen oft die kreativsten Ideen und wertvollsten Verbindungen.

    6. Reagiere kreativ auf Wandel

    Wandel ist unvermeidlich – die Frage ist nur, ob wir ihn als Bedrohung oder als Chance begreifen. Wenn sich das Umfeld ändert, in dem du aktiv bist – neue Gesetze, veränderte öffentliche Stimmung, technologische Entwicklungen – lohnt es sich, das aktiv einzubeziehen, statt starr an alten Strategien festzuhalten.

    Das kann bedeuten, Möglichkeitsfenster zu erkennen und zu nutzen, wenn sie sich öffnen: eine neue politische Konstellation, ein gesellschaftliches Ereignis, das Aufmerksamkeit auf dein Thema lenkt. Kreative Anpassung ist keine Kapitulation vor den Umständen, sondern eine Form von strategischer Klugheit.

    7. Beobachte und nimm teil

    Bevor man handelt, lohnt sich das genaue Hinschauen – und das gilt auch für das eigene Engagement selbst. Reflektiere regelmäßig, inwiefern deine Aktivitäten noch deinen Werten entsprechen und sich sinnvoll anfühlen.

    Das kann ein einfaches Ritual sein: Alle paar Monate innehalten und fragen: Mache ich das noch aus Überzeugung oder aus Gewohnheit? Passt diese Rolle noch zu mir? Oder will ich gerade mit dem Kopf durch die Wand? Bewegungen verändern sich, Menschen verändern sich – ein Engagement, das vor drei Jahren perfekt gepasst hat, kann heute überholt sein. Beobachtung ohne Urteil ist der erste Schritt, um das zu erkennen.

    8. Sammle und speichere Energie

    Permakultur-Systeme sind darauf ausgelegt, Energie (etwa Sonnenlicht oder Wasser) einzufangen und zu speichern, statt sie ungenutzt verpuffen zu lassen. Das ist auch für dein Engagement wichtig! Finde heraus, welche Tätigkeiten und Kontexte dir tatsächlich Energie geben – und welche sie dir nur rauben.

    Manche Menschen tanken auf bei kreativer Arbeit, andere beim direkten Gespräch, wieder andere beim stillen Recherchieren. Wer seine persönlichen Energiequellen kennt, kann sein Engagement so gestalten, dass es sich selbst trägt, statt sich in ständiger Erschöpfung zu erschöpfen. Das ist keine egoistische Selbstoptimierung, sondern die Voraussetzung dafür, langfristig dabei bleiben zu können.

    9. Erziele einen Ertrag

    Ein Garten, der nur Arbeit macht und nie etwas trägt, entmutigt auf Dauer. Genauso wichtig ist es im Aktivismus, sich der eigenen Erträge bewusst zu werden – auch wenn sie nicht immer sofort sichtbar sind oder klein wirken.

    Denk darüber nach, was dein Engagement konkret verändert hat: die eine Person, die durch ein Gespräch zum Nachdenken angeregt wurde, der Zeitungsartikel, der über das Nachbarschaftsfest veröffentlicht wurde, oder die Petition, die eine öffentliche Debatte angestoßen hat. Und kommuniziere das wenn es passt auch nach außen, selbst wenn es dir klein vorkommt. Sichtbare Erfolge – und seien sie noch so bescheiden – motivieren nicht nur dich selbst, sondern auch andere, sich zu engagieren.

    10. Lass Selbstregulierung zu und akzeptiere Rückkopplung

    Ökosysteme regulieren sich selbst durch ständige Rückkopplungsschleifen. Übertragen auf Aktivismus bedeutet das: Feedback von anderen – Mitstreiter:innen, der Zielgruppe deiner Arbeit, auch Kritiker:innen – ist wertvoll, um das eigene Engagement immer wieder neu auszurichten.

    Das gilt für Einzelpersonen genauso wie für Gruppen und Organisationen. Wer sich gegen Kritik abschottet oder Rückmeldungen als Angriff wertet, verliert die Fähigkeit, sich anzupassen und zu wachsen. Gute Feedbackkultur – ehrlich, aber wohlwollend – ist eine der wichtigsten Ressourcen für nachhaltiges kollektives Handeln.

    11. Unterstütze erneuerbare Ressourcen

    Manche Ressourcen erneuern sich durch ihren Gebrauch – Vertrauen wächst, wenn man es investiert, geteiltes Wissen vermehrt sich, wenn es weitergegeben wird, Gemeinschaft stärkt sich, wenn sie gepflegt wird. Andere Ressourcen sind endlich: persönliche Gesundheit, Erspartes, Beziehungen, die unter Dauerbelastung leiden.

    Permaaktivismus bedeutet, bewusst auf die ersten zu setzen. Baue Strukturen, die nicht von einzelnen Personen abhängen, sondern kollektiv getragen werden – eine Gruppe, die nur durch eine einzige Person funktioniert, ist keine erneuerbare Ressource, sondern ein Risiko. Investiere in Beziehungen, geteiltes Wissen und gemeinsame Rituale, die auch dann tragen, wenn Einzelne mal ausfallen oder eine Pause brauchen.

    12. Verschwende nichts

    In der Natur gibt es keinen Abfall – jedes „Abfallprodukt“ wird zur Ressource für einen anderen Prozess. Auch im Aktivismus lohnt sich dieser Blick: Wertschätze die vermeintlichen Umwege. Was hast du aus einer gescheiterten Aktion gelernt? Welche Kontakte sind dabei trotzdem entstanden, welches Wissen hast du gewonnen?

    Nutze außerdem, was bereits da ist, statt ständig das Rad neu zu erfinden – bestehende Netzwerke, erprobte Methoden, das Wissen erfahrener Aktivist:innen. Und achte auf Erschöpfung als eine besonders teure Form von Verschwendung: Ausgebranntes Engagement, das monatelange Pausen erzwingt, ist verschwendetes Potenzial, das der Bewegung auf lange Sicht fehlt.

    Ein Ökosystem, kein Sprint

    Was mir an diesem Vergleich gefällt: Er nimmt den Druck raus, alles auf einmal machen zu müssen. Ein gesunder Garten besteht nicht aus lauter Hochleistungspflanzen, die bis zur Erschöpfung wachsen – sondern aus einem Zusammenspiel verschiedener Elemente, die sich gegenseitig stützen. Er kann über Jahre wachsen und sich entwickeln.

    Vielleicht ist das die wichtigste Lektion des Permaaktivismus: Wir müssen nicht jede:r für sich die ganze Transformation stemmen. Wir können Teil eines größeren, vielfältigen Systems sein – mit Wurzeln, die tief gehen, Blüten, die Samen weitertragen, und Blättern, die Energie aufnehmen und umwandeln.

    Welches dieser 12 Prinzipien lebst du bereits intuitiv? Und welches könnte dir helfen, dein eigenes Engagement gerade jetzt neu auszurichten?

    #Bewegung #Methoden #Theorie #solarpunk
  6. Das falsche Fahrrad gibt es nicht, aber eine falsche Debatte

    E-Bike, Pedelec oder Rennrad: Warum gegenseitige Vorwürfe niemandem helfen und jedes sinnvoll genutzte Fahrrad Gesundheit und Klima zugutekommen kann.

    der-velozipedist.de/e-bike-ped

  7. ➡️„Unsere Erfahrung zählt." – so lautet das Motto der 52. Berliner Seniorenwoche. Dem ist wenig hinzuzufügen. Außer vielleicht: Erfahrung wächst weiter, wenn man neugierig bleibt.🤗

    Die vhs Berlin hat zur Seniorenwoche und darüber hinaus Kurse in drei Bereichen anzubieten:
    📱 Technik – KI, Smartphone und Computer ohne Berührungsangst
    🤸 Bewegung – Yoga, Hockertraining und Krafttraining, angepasst an dich
    🎭 Kultur – Seniorenkabarett für alle, die auf der Bühne stehen wollen

    👉Quer durch die Stadt, quer durch die Bezirke, von Spandau bis Lichtenberg, von Mitte bis Treptow-Köpenick

    ℹ️Alle Kurse buchbar über unseren Linktree: wonderl.ink/@vhs.berlin

    #VHS #Berlin #Volkshochschule #Bildung #Senioren #vhsKurs #Weiterbildung #Digital #Bewegung #Technik #Yoga #Kraft

  8. 👍📖
    »Alles muss man selber machen«

    ein #Buch über Menschen, die sagen: So kann es nicht weitergehen – wir nehmen unser Schicksal selbst in die Hand. Ob in den Straßen von #Paris 1871, den Fabriken Petrograds 1917, den Städten u Dörfern #Nordsyrien s o im Urwald von #Chiapas – überall entstanden im Zuge #sozialeKonflikte u #Aufstände #Räte: #Selbstorganisierte #Zusammenschlüsse in allen gesellschaftlichen Bereichen, die nicht nur #protest ieren, sondern beginnen, das gesamte Leben neu zu gestalten.

    Christopher #Wimmer erzählt in lebendigen Szenen, wie solche #Bewegung en entstehen, wie sie funktionieren – woran sie oft auch scheitern. Zeigt an unterschiedlichen #historisch en Beispielen, wie Menschen #Schule n u #Krankenhäuser selbst verwalten, wie sie #Entscheidung en im #Kollektiv treffen,Güter verteilen, #Streit schlichten,sich verteidigen –ohne zentrale #Regierung o #Staat. #Geschichte n von Mut, Hoffnung, auch Niederlagen. Was wir von den #Rätebewegung en vergangener u heutiger Tage lernen können – für eine #selbstverwaltet e u #demokratisch e #Gesellschaft, die nicht nur auf dem Papier steht, sondern im Alltag gelebt wird.

    #Buchvorstellung
    Fr, 13.03.26
    19 Uhr
    #Freiburg #Susi -Café

    ➡️ labandavaga.org

    @karldietzverlag

    #Rätekommunismus #arbeiterbewegung #Rojava #Solidarität

  9. 39 Jahre ist er her, der tragische Jahrestag des #GAU im #AKW #Tschernobyl. Abgekürzt #T39, wie er in der #AntiAtomBewegung auch heisst. Das Datum ist so vieles: Eine Warnung vor der #Hochrisikotechnik schlechthin. Eine Mahnung vor dem Irrsinn der #Technikgläubigkeit. Ein tragisches Datum wegen all des Hohns und der Missachtung der #Strahlen-Opfer. Ein Zeichen für die Unbelehrbarkeit der Gesellschaften. Und gleichzeitig Zeichen für den Mut, Kreativität und großartigen Erfolg von #Zivilgesellschaft und sozialer #Bewegung. Geburtsstunde für die #Umweltbewegung, #AntiAtomBewegung und #Klimabewegung nicht nur in Deutschland. Ausgangspunkt der Politisierung ganzer Generationen. Großartiger Sieg der Davids gegen die Goliaths aka Konzernmacht. Erinnerung, niemals untätig zu bleiben und nicht bequem zu werden. Im Kampf gegen #Unsicherheitstechnik und vieles mehr. Denn von alleine gibt es keinen Wandel zum Besseren.

    #Endnuclear #AtomkraftNeinDanke #ShutShitDown #KeinenTagLänger
    cc @ausgestrahlt @atomradar

  10. Anarchismus und die neue Welle der Militarisierung (Teil 2)

    Während die herrschende Klasse Europas auf die Welt nach dem Ende der Pax Americana mit Angst und Aufrüstung reagiert, sehen wir uns hier mit den Chancen und Gefahren konfrontiert, mit denen britische Anarchisten konfrontiert sind

    Teil 1 dieses Artikels, der sich mit Stärken und Schwächen befasst, finden Sie hier.

    Chancen

    Mit einem zynischen Blick betrachtet, gab es in vielerlei Hinsicht noch nie einen günstigeren Zeitpunkt, um Anarchist zu sein. Wir beobachten den Zusammenbruch des liberalen kapitalistischen Traums in Echtzeit, während der #Starmerismus jeden Anschein von Samthandschuhen für die #Arbeiterklasse ablegt. Die Spinnweben-Linke ist in völliger Unordnung und selbst die neue Welle der Linken des #Corbynismus hat keine Ideen. #Labour zurückerobern? Tot. Neue/radikale Partei? Das ist doch lächerlich. Die Grünen einfangen? Sie werden sie mit diesem Versuch umbringen – das Projekt ist bereits eine unangenehme Balance zwischen Rot-Grünen und liberalen #Tories aus der Grafschaft, die um ihre sehr unterschiedlichen Gründe für ihre Anwesenheit herumreden.

    Die Notwendigkeit einer selbstbewussten, radikalen Basis, die ihre eigenen Ressourcen aufbaut, um das Ziel zu erreichen, eine Hebelwirkung zu erzielen, die die #Regierungspolitik hin und wieder tatsächlich bedrohen kann, könnte nicht deutlicher sein. Wir haben sowohl aus unserer eigenen jüngeren Geschichte als auch von jenseits des Atlantiks ein anschauliches Beispiel dafür, was mit einer progressiven #Bewegung passiert, die alles auf eine Karte setzt und dann verliert.

    Es ist auch wichtig zu bedenken, dass sowohl der aktuelle Druck der Labour-Partei auf das Leben der Arbeiterklasse als auch die bevorstehende Welle nationalistischer, militärischer und umweltfeindlicher Politik, die die 2020er Jahre dominieren wird, sowohl in der Spalte „Bedrohungen“ als auch in der Spalte „Chancen“ aufgeführt sind. Dies zu beobachten, wird für viele Menschen ein fokussierender und radikalisierender Faktor sein. Wir haben in diesem Land schon seit geraumer Zeit keinen ernsthaften militärischen Vorstoß mehr erlebt, und das wird ein #Kulturschock sein. Zusätzlich zu all den anderen wirtschaftlichen Problemen, mit denen die Arbeiterklasse derzeit zu kämpfen hat, neigen viele nach links, können dies aber nirgendwo zum Ausdruck bringen. Wir haben jedoch einige offene Türen, auf die wir Druck ausüben können, wenn wir dabei klug vorgehen und es vermeiden, potenzielle Verbündete zu verprellen.

    Auch die gefährliche Position der #Reformer wird sowohl Elemente der Bedrohung als auch der Chance enthalten. Bei ersteren werden die üblichen „Es gibt keine Alternative“-Verkäufer uns sagen, dass der einzige Weg, den Faschismus zu stoppen, darin besteht, wählen zu gehen, die Dinge schön ruhig und diszipliniert zu halten, das übliche Geschwätz, das offensichtlich keinen Schutz vor dem #Faschismus bietet, sondern ihm Raum für die europaweite Entwicklung gibt. Letzteres ist unsere Fähigkeit, das zu sagen. Dass der Post-#Thatcher-Konsens mit seiner Hochwasser-Wirtschaft und dem Rückzug der staatlichen Unterstützung das Problem ist. Dass die Lösung nicht darin besteht, uns an diesen zerfallenden Status quo zu binden und unsere Entscheidungsfreiheit und unser Vertrauen an Anzug tragende Unternehmensschläger abzugeben, sondern darin, persönliche Verantwortung zu übernehmen und zu handeln.

    Eine unserer Stärken, die gegenseitige Hilfe, passt perfekt in dieses düstere Szenario. Unsere Politik fördert die #Eigeninitiative und die #Solidarität, die oft durch die staatliche Übernahme der Wohlfahrtsvermittlung, die erstickende unpolitische liberale Freundlichkeit der großen #Wohltätigkeitsorganisationen und die wirtschaftliche Entfremdung untergraben wird. Aber der #Staat zieht sich aus diesen Bereichen zurück, die Wohltätigkeit wird nicht alles auffangen und die Tage der billigen Waren neigen sich dem Ende zu. Was bleibt, ist die Solidarität in der Gemeinschaft, die als Solidarität strukturiert ist und nicht als der oft falsche Prozess, bei dem ein halbes Dutzend Würdenträger Menschen, die immer noch wie Verbraucher denken und handeln, eine Dienstleistung mit radikalen Begleiterscheinungen anbieten.

    Bedrohungen

    Es gibt fast zu viele, um sie alle aufzulisten, aber um einige der offensichtlicheren herauszugreifen ...

    Weiterlesen in meiner Übersetzung des zweiten Teils der Analyse von Rob Ray via freedomnews.uk vom 30. März 2025

    #britannien #england #militarisierung #nato #otan #rüstung #verteidigungshaushalt#Anarchismus #Krieg und #Frieden

  11. 4-6 Teil

    #TVöD #Warnstreiktag in #Freiburg (13.02.2025)

    Heute streikten wir gemeinsam mit Kolleg:innen aus ganz #Südbaden, um unseren Forderungen

    👉 freiburg.fau.org/2025/01/05/tv

    vor der zweiten #Verhandlungsrunde Nachdruck zu verleihen. Wir trotzten dem miesen Wetter auf dem Platz der alten Synagoge, lauschten der Musik und den #Kundgebung sbeiträge. Bei der anschließenden #Streikdemonstration machten viele Kolleg:innen klar: "Hoch mit den #Löhnen, runter mit der #Arbeitszeit !"

    👉
    freiburg.fau.org/2025/01/04/ge

    - | -

    Wieder beim PdaS angekommen verlief sich die Menge und die Veranstaltung fand ihr Ende.

    Mit #Erschrecken und #Wut haben wir dann auf den #Anschlag in #München reagiert. Wir stehen fest an der Seite aller Verletzten und ihren Angehörigen und hoffen dass alle #KollegInnen sich wieder vollständig erholen!

    Die #Rassisten & #Nationalisten werden diese Tat dazu nutzen, um gegen #Einwanderer & #Geflüchtete zu hetzen.
    Aber den militanten #Islamismus bekämpft man nicht mit #Abschiebungen und #Abschottung, sondern nur durch eine starke #antifaschistische und #progressive #Bewegung!

  12. 1-3 Teil

    #TVöD #Warnstreiktag in #Freiburg (13.02.2025)

    Heute streikten wir gemeinsam mit Kolleg:innen aus ganz #Südbaden, um unseren Forderungen

    👉 freiburg.fau.org/2025/01/05/tv

    vor der zweiten #Verhandlungsrunde Nachdruck zu verleihen. Wir trotzten dem miesen Wetter auf dem Platz der alten Synagoge, lauschten der Musik und den #Kundgebung sbeiträge. Bei der anschließenden #Streikdemonstration machten viele Kolleg:innen klar: "Hoch mit den #Löhnen, runter mit der #Arbeitszeit !"

    👉
    freiburg.fau.org/2025/01/04/ge

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    Wieder beim PdaS angekommen verlief sich die Menge und die Veranstaltung fand ihr Ende.

    Mit #Erschrecken und #Wut haben wir dann auf den #Anschlag in #München reagiert. Wir stehen fest an der Seite aller Verletzten und ihren Angehörigen und hoffen dass alle #KollegInnen sich wieder vollständig erholen!

    Die #Rassisten & #Nationalisten werden diese Tat dazu nutzen, um gegen #Einwanderer & #Geflüchtete zu hetzen.
    Aber den militanten #Islamismus bekämpft man nicht mit #Abschiebungen und #Abschottung, sondern nur durch eine starke #antifaschistische und #progressive #Bewegung!

    #solidarität

  13. Für die Vorbereitung der Ausstellung #Bewegung #Frankfurt und die Mobilität nutzen wir auch das Glossar vom #Holm zu #Logistik und #Mobilität von A bis Z - wirklich sehr empfehlenswert!

    blog.frankfurt-holm.de/glossar

  14. Abwechslungsreiche #Ernährung, regelmäßige #Bewegung & Entspannung sind wichtig für ein gesundes Leben. So lässt sich das Risiko für viele Krankheiten wie u.a. #Typ2Diabetes reduzieren. Schon kleine Schritte machen einen Unterschied: diabinfo.de/vorbeugen/was-kann

  15. Tag 28 (So.):

    Am Sonntag, also gestern, wollte ich es endlich wissen, ob #Radfahren vl. irgendwie möglich ist. Die Hoffnung ist, dass leichte #Bewegung dem #Knie gut tut, der #Schwellung entgegen wirkt.

    Um ehrlich zu sein: ich war etwas aufgeregt.

    Die ersten Meter ein bisschen unsicher und ängstlich. Das Knie spannt, wenn das Bein angewinkelt ist. Aber es ist gerade noch so erträglich.

    Es fühlt sich alles so herrlich frei an. Auch wenn ich das Knie spüre. Der Wind ist ein Traum.

  16. Wer seinen Körper versteht, weiß auch, was ihm guttut. Bestsellerautor Jörg Blech argumentiert eindrücklich für ein aktiveres, gesünderes Leben. Eine Rezension

    Das Wissen über den eigenen Körper ist die wichtigste Voraussetzung für ein gesundes Leben. Das vermittelt Jörg Blech überzeugend. Eine Rezension (Rezension zu Masterplan Gesundheit von Jörg Blech)#Gesundheit #Ernährung #Diät #Ballaststoffe #Körper #Geist #Bewegung #Sport #Stress #Arthrose #Bandscheiben #Selbstheilung #Neuroplastizität #Lebenserwartung #Immunsystem #Darm #Herz-Kreislauf #Infarkt #Stoffwechsel #Gewicht #Medizin #PsychologieHirnforschung
    »Masterplan Gesundheit« : Mit Verstand und viel Bewegung

  17. treffende Beobachtungen: >>Alice #Weidel und Jens #Spahn sprechen sich als nicht-heterosexuelle Personen des öffentlichen Lebens mit der Ablehnung des Queerbegriffs von der Repräsentanz dieser Bewegung frei. Und das mit Recht – schließlich sei es beiden freigestellt, wie sie ihre eigene #Identität definieren. Gleichzeitig impliziert ihre Exklusivität jedoch die Existenz einer einheitlichen organisierten #Bewegung, die von der Allgemeinheit als handelnde Institution wahrgenommen wird. Blickt man hinter die Kulissen des Communitybegriffs wird schnell klar: Eine einzige Bewegung gibt es in dieser Form gar nicht. Was vereinfacht und umgangssprachlich als #Gemeinschaft bezeichnet wird, ist eigentlich ein Mix aus der Wahrnehmung des eigenen Umfelds, aktivistischer Stimmen und politischen Vertretungen, oftmals angefacht durch mediale Inszenierung und wutentbrannte Empörung. #Queere Impulse werden entgegen der allgemeinen Auffassung nicht zentral gesteuert, sondern tun sich vordergründig durch #Eigeninitiative aus verschiedenen Perspektiven hervor. "Denn so wie es ist, ist es doch erstmal gut", kritisierte Spahn die Pläne für ein #Selbstbestimmungsgesetz. Leicht gesagt, denn er selbst gehört nicht zur Gruppe der Betroffenen. Aktivist Max Rogall benennt diese Form der Aggression als "#Queer #Gatekeeping". Dabei ruhen sich konservative Stimmen auf den von queeren Menschen erkämpften #Rechten aus, machen jedoch gleichzeitig Stimmung gegen aktuelle progressive Bewegungen. Der Ursprung des Gegenwinds lässt sich hier vordergründig mit fehlendem #Verständnis füreinander begründen. Denn wenn der Wandel innerhalb der Community einseitig für nichtig erklärt wird, bietet das den Nährboden für internalisierte #Queerfeindlichkeit. Die daraus resultierende Missgunst in den eigenen Reihen äußert sich auf unterschiedliche Weise: Der Vorwurf der #Ideologisierung (bis hin zur #Pathologisierung) ist ein beliebtes #Stilmittel der #Diskreditierung. Spitzen sich die Positionen weiterhin zu, gipfelt der Diskurs in der völligen #Entsolidarisierung.
    In diesem Spannungsgefüge kristallisieren sich folglich zwei Gegensätze heraus:
    #Anfeindungen aus privilegierteren Positionen gegenüber Gruppierungen, die sich auf dem Weg in die gesellschaftliche Mitte befinden. Dass ebenjene Personen Jahrzehnte zuvor den gleichen #Kampf führen mussten, wird oftmals übergangen. Ein einfacher Blick über die Ländergrenzen zeigt jedoch, wie schnell erkämpfter Fortschritt – auch für etablierte Gruppen zu denen Spahn und Weidel zählen – zunichte gemacht werden kann: So wird nach dem rechten Regierungswechsel in #Italien aktuell nur noch ein gleichgeschlechtlicher Elternteil staatlich anerkannt. [...]<< https://www.queer.de/detail.php?article_id=47679
    #Queer #queerness #LGBT #lgbtqiaally #trans #transrightsarehumanrights #Solidarität #Queergeschichte #history #Emanzipation #Freiheit #Würde #Grundrechte #für #alle #Gleichheit