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1000 results for “philip_schwarz”

  1. come as you are… HEUTE 2.9. 21 Uhr Linnenbrinks Garten Münster. Guerilla Kino mit Denise Frey, Saxophon/ Elektronik aus Darmstadt. Mit Filmen von Roman Stolyar & Maya Zeco, Bernd Deckers, Chris Sigdell / b°tong , Philipe Neau, Michael Kolberg und Anton Korndörfer. Kommt rum, das wird fein❣️❣️❣️#schwarzweissistdiebesserefarbe #live #expandedcinema #outdoor #livesoundtrack gefördert vom Kulturamt der Stadt Münster und der LAG Soziokultur.

  2. come as you are… HEUTE 2.9. 21 Uhr Linnenbrinks Garten Münster. Guerilla Kino mit Denise Frey, Saxophon/ Elektronik aus Darmstadt. Mit Filmen von Roman Stolyar & Maya Zeco, Bernd Deckers, Chris Sigdell / b°tong , Philipe Neau, Michael Kolberg und Anton Korndörfer. Kommt rum, das wird fein❣️❣️❣️#schwarzweissistdiebesserefarbe #live #expandedcinema #outdoor #livesoundtrack gefördert vom Kulturamt der Stadt Münster und der LAG Soziokultur.



  3. Jak dla nas – Arnold Schwarzenegger – po prostu błyszczy aktorsko w tym filmie, będącym jednym z lepszych filmów sci-fi i akcji przełomu lat ’80 i ’90 oraz będącym jednym z znakomitych filmów tak lubianego przez nas reżysera Paula Verhoevena.

    💰 WSPARCIE:
    tipply.pl/u/retrogralnia
    patronite.pl/RetroGralnia
    youtube.com/retrogralniapl/joi

    Oparty na powieści Philipa K. Dicka film opowiadający o przyszłości, w której planety naszego układu słonecznego są już skolonizowane, a na Marsie istnieją już całe miasta. Ludziom zamiast zwykłych wakacji proponuje się „wszczepienie pamięci”, dzięki której czują się jakby spędzili cudowny urlop w wymarzonym miejscu. Tak też robi Doug Quaid (Arnold Schwarzenegger), który mimo że ma dom, pracę i piękną żonę czuje, że jest stworzony do czegoś większego. Udaje się do punktu wszczepiania wspomnień pragnąc przeżyć jakąś przygodę np. polecieć na Marsa jako tajny agent. Podczas zabiegu okazuje się, że wspomnienia, które zamierzano mu wszczepić już są w jego podświadomości a dokonać mogły tego tylko służby specjalne. Od tego momentu Doug jest ścigany przez agentów, chociaż sam nie wie dlaczego, bo nie wiele pamięta. Wie tylko jedno, że aby odzyskać swoją pamięć musi udać się na Marsa!

    Obsada:
    Arnold Schwarzenegger jako Douglas Quaid; Hauser
    Sharon Stone jako Lori Quaid
    Rachel Ticotin jako Melina
    Michael Ironside jako Richter
    Ronny Cox jako Vilos Cohaagen
    Marshall Bell jako George Kuato
    Mel Johnson Jr. jako Benny
    Michael Champion jako Helm
    Roy Brocksmith jako doktor Edgemar
    Ray Baker jako Bob McClane
    Robert Costanzo jako Harry
    Rosemary Dunsmore jako doktor Renada Lull
    Dean Norris jako Tony

    _Weź Przewiń Podcast_
    podcasts.apple.com/us/podcast/

    *Dotychczasowe Odcinki Weź Przewiń:*

    _RoboCop 3 – co ten Frank Miller odstawił?_

    _Interkosmos – Komedia, nie aż taka głupia_

    _RoboCop 2 – sequel tak różny od pierwowzoru_

    _RoboCop 1987 – klasyczne kino z VHS_

    _Super Mario Bros. 2023 vs Retro Gracze_

    _Mortal Kombat 1995 – Niedościgniona adaptacja gry video_

    _Darkman 1990 – pionier współczesnego kina komiksowego_

    _Terminator 2 – Najlepszy sequel w historii kina_

    _Terminator 1984 – Film, który zaskoczył wytwórnię_

    _Szklana Pułapka – klasyka kina… świątecznego_

    _Kiedy raz miało go nie być w TV, to była drama! Kevin sam w domu_

    _Super Mario Bros. – Niedoceniony klasyk kina kampowego_

    _Trylogia lepsza od oryginalnych Gwiezdnych Wojen? Powrót do Przyszłości_

    _Star Trek: Strange New Worlds – Czy udało się odbić od dna?_

    _Indiana Jones – kultowa trylogia ery VHSów, którą pamiętasz z Sylwestrów w TVP_

    _Człowiek Demolka – Film, który przewidział wszystko!_

    _Krótkie Spięcie – Kiedyś to były roboty, teraz nie ma robotów…_

    _Martwe Zło – Dowiecie się skąd Duke Nukem ukradł teksty_

    _Niedościgniony klasyk kina hakerskiego – Gry Wojenne – WarGames_

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    #Arnold Schwarzenegger #Scifi #TheGameIsNotOver

    https://retrogralnia.pl/%f0%9f%8e%a5-total-recall-pamiec-absolutna-arnie-daje-rade/

    #Arnold #borgRetrogralnia #cześćTuBorg #filmyZLat90 #filmyZLat90Tych #klasykaVhs #mortalKombat #pamięćAbsolutna #pamięćAbsolutnaRecenzja #pamięćAbsolutnaTotalRecall #ponadczasoweSciFi #przewijanieKasety #przewijanieKasetyVhs #przewińTo #retrogralniaBorg #retrogralniaMuzeum #retrogralniaYoutube #robocopFilmKinowy #Scifi #TheGameIsNotOver #totalRecall #totalRecallPamięćAbsolutna #totalRecallRetrogralnia #WeźPrzewiń_

  4. Nach fast 5 Jahren hat unser geliebter Phillips Airfryer XXL das zeitliche gesegnet. Wir hatten diesen nach dem Pick von @schlingel bei #bitsundso angeschafft. Anschließend war er hier im Dauereinsatz und wir waren sehr zufrieden und werden deshalb einen neuen bestellen. Und das Beste ist, das der Preis inzwischen drastisch gefallen ist. Er kostet nur noch die Hälfte im Sonderangebot z.B. bei Amazon oder Mediamarkt.

    amzn.to/4smHAeg

    mediamarkt.de/de/product/_phil

    #philips #airfryer

  5. #news ⚡ Türmer: CDU könnte zu „Rechtsbruchpartei“ verkommen: Vor dem SPD-Bundesparteitag am kommenden Wochenende greift Juso-Chef Philipp Türmer die Grenzpolitik der schwarz-roten Bundesregierung... hubu.de/?p=283808 | #cdu #rechtsbruchpartei #tuermer #hubu

  6. #news ⚡ Türmer: CDU könnte zu „Rechtsbruchpartei“ verkommen: Vor dem SPD-Bundesparteitag am kommenden Wochenende greift Juso-Chef Philipp Türmer die Grenzpolitik der schwarz-roten Bundesregierung... hubu.de/?p=283808 | #cdu #rechtsbruchpartei #tuermer #hubu

  7. #news ⚡ Türmer: CDU könnte zu „Rechtsbruchpartei“ verkommen: Vor dem SPD-Bundesparteitag am kommenden Wochenende greift Juso-Chef Philipp Türmer die Grenzpolitik der schwarz-roten Bundesregierung... hubu.de/?p=283808 | #cdu #rechtsbruchpartei #tuermer #hubu

  8. Mehr Frankreich wagen — Wildberger braucht Kontrolle, Mut und Verbündete

    Lange Zeit schien es, als ob es „weiter so“ ginge in punkto digitale Souveränität und Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Zu wenig Gelder für eigene Lösungen und Institute wie das ZenDiS, zu viele Eigeninteressen in den Ländern und der Glaube, man könne nur mit US BigTech erfolgreich Lösungen realisieren. Jetzt scheint Karsten Wildberger (endlich) Gas zu geben, will die Verwaltung digitalisieren, und zwar zügig.

    Wildberger gibt Gas — und das ist auch gut so

    Dafür hat sein Ministerium SAP und die Deutsche Telekom ohne offene Ausschreibung mit Prototyp und Plattform der „Bürger-App“ beauftragt. Eine KI-gestützte Verwaltungsplattform, über die wir künftig Kindergeld beantragen, Wohnsitz anmelden und Unternehmen gründen sollen.

    Das Handelsblatt hat die Vergabe öffentlich gemacht, und Christian Wölbert hat bei heise zurecht darauf hingewiesen, wie hoch die Messlatte hängt. Ich verstehe Wildbergers Logik. Wenn es wirklich schnell gehen soll — und das soll es nach Jahren digitalpolitischen Stillstands —, dann hat er über die bestehenden Rahmenverträge mit SAP und Telekom kaum eine andere Wahl. Eine reguläre Ausschreibung kostet Monate, vielleicht Jahre.

    Mein Unbehagen heißt Telekom und SAP — wer kontrolliert eigentlich?

    Tempo ja, Pragmatismus ja. Aber damit ist die kritische Frage nicht beantwortet. Die beiden Player kennen wir. SAP und Telekom haben schon die Corona-Warn-App gebaut: über 200 Millionen Euro, seit Juni 2023 im Ruhe-Modus, technisch und politisch nie das, was versprochen war.

    Jetzt also dieselben zwei Konzerne, dieses Mal für etwas ungleich Komplexeres. Das Unbehagen und die Skepis, die an vielen Stellen geäußert werden, sind nur zu verständlich. Wie will Wildberger, wie will sein Ministerium sicherstellen, dass dieses mal eine erfolgreiche App entsteht, die einfach zu bedienen ist und den Bürgern wesentliche Services bietet.

    Wer kontrolliert eigentlich zeitnah und mit welchem Mandat, dass die Entwicklung in die richtige Richtung läuft? Wer prüft, ob Architekturentscheidungen offen, modular und tatsächlich anschlussfähig sind — und nicht nur auf dem Papier? Wer zieht den Stecker, wenn der Prototyp in die Sackgasse läuft, bevor der Dauerbetrieb daran hängt?

    Bisher habe ich noch keine belastbare Antwort gefunden. Wildbergers Staatssekretär Philipp Amthor sagt, die Bürger könnten sich freuen. Das reicht nicht. Was es braucht, ist ein öffentlich nachvollziehbares Reporting, externe technische Reviews mit Veröffentlichungspflicht und klare Abbruchkriterien. Sonst wiederholt sich das Muster: Wer den Prototyp baut, hat den Fuß in der Tür für den Dauerbetrieb — und niemand traut sich später, den Vertrag zu beenden.

    Bewusste Industriepolitik im Bereich Digitalisierung und IT

    Dass dieses Muster bei Wildberger erkennbar Methode hat, zeigt der zweite Deal, über den derzeit weniger gesprochen wird: Bei der geplanten Fusion von Aleph Alpha mit dem kanadischen KI-Unternehmen Cohere soll der Bund als Ankerkunde auftreten, eine spätere Beteiligung wird geprüft, gehostet werden soll bei Schwarz Digits.

    Auch hier gilt: Industriepolitik durch Auswahl einzelner Player, nicht durch Wettbewerb. Ich finde es legitim, einen europäischen KI-Champion politisch zu wollen und begrüße, dass man endlich wohl verstanden hat, dass Deutschland (und Europa) bewusst von den USA unabhängige Player fördern müssen. Ich (natürlich) bleibt auch ein Unbehagen. Nur zu gut habe ich den Hype im Kopf, der rund um Aleph Alpha zu Habecks Zeiten gemacht wurde. Wer kontrolliert also, ob der ausgewählte Champion tatsächlich der beste ist — und nicht nur der politisch nächstliegende.

    Die Fachverfahrenshersteller: verärgert — und selbst Teil des Problems

    Auch von anderer Seite kommen kritische Stimmen: Detlef Sander vom Verband DATABUND, der die mittelständischen Fachverfahrenshersteller vertritt, hat gegenüber heise unmissverständlich gesagt: Eine ausschreibungsfreie Vergabe eines so zentralen Projektes an Großkonzerne sei kritisch, Innovation und Praxistauglichkeit kämen nur durch Wettbewerb zustande, und ohne Zusammenarbeit mit den mittelständischen Softwareherstellern könne das Projekt nicht erfolgreich werden.

    Das ist berechtigt. Eine „KI-gestützte Verwaltungsplattform“ hat nur dann eine Chance, wenn Antragsdaten aus der App automatisiert in den Fachverfahren landen und die App umgekehrt auf deren Informationen zugreifen kann. Diese Fachverfahren komplett neu zu bauen, würde Jahre dauern. Wildberger braucht diese Anbieter — also muss er sie aktiv einbinden, nicht erst dann, wenn SAP und Telekom ihren Prototyp abgeliefert haben.

    Aber — und das ist die andere Seite, über die viel zu wenig gesprochen wird — die Fachverfahrenshersteller sind nicht nur Opfer. Sie sind seit Jahren ein wesentlicher Grund, warum Behörden nicht von Microsoft loskommen. Wer mit Verwaltungs-IT zu tun hat, kennt die Aussage: „Geht nicht, das Fachverfahren braucht Excel.“ Oder Word. Oder einen bestimmten Outlook-Anhangspfad.

    Genau diese Lock-in-Logik blockiert seit einem Jahrzehnt jeden ernsthaften Wechsel auf offene Systeme — Alexander Smolianitski vom ZenDiS hat das im Gespräch mit uns bei #9vor9 sehr klar auf den Punkt gebracht. Es muss und darf nicht immer Excel oder Word sein. Wenn ein Fachverfahren nur mit proprietären Microsoft-Komponenten funktioniert, ist nicht der Open-Source-Stack das Problem, sondern das Fachverfahren.

    Kein Souveränitätszentrum auf Sparflamme

    Hier sind die Hersteller selbst in der Pflicht: Schnittstellen öffnen, von Office-Abhängigkeiten lösen, web- und plattformneutrale Frontends bauen. Die Alternativen liegen längst auf dem Tisch — der Deutschland-Stack als Plattformvision des Bundes und vor allem openDesk, die Open-Source-Arbeitsplatzlösung des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS), die genau für die Verwaltung entwickelt wurde. Das ist nicht Theorie, das ist verfügbar.

    Wie das ZenDiS damit ausgestattet wird, eine ganz andere. Eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Anke Domscheit-Berg hat Anfang 2024 offengelegt: Neun Personen, kein festes Budget, kein verlässlicher Auftragsfluss. Die Dringlichkeit hat einen Preis — und der wächst rasant. 2023 zahlte der Bund noch 274 Millionen Euro an Microsoft, 2024 waren es 348 Millionen, 2025 dann 481,4 Millionen. Eine Verdoppelung in zwei Jahren, ausgerechnet in der Phase, in der über digitale Souveränität so viel geredet wird wie nie. Wenn der Bund diese Millionen Euro im Jahr für Microsoft hinblättert, aber sein eigenes Souveränitätszentrum auf Sparflamme hält, ist das keine Strategie, sondern ein Lippenbekenntnis.

    Was fehlt, ist der Druck, Produkte wie openDesk auch tatsächlich einzusetzen. Und genau hier muss Wildberger ran — nicht nur reden, sondern Bedingungen setzen. Wer Aufträge des Bundes will, muss interoperabel und plattformneutral liefern. So entstehen aus der Bürger-App-Debatte und Lösungen wie Opendesk eine echte Chance: nicht nur eine neue App, ein neues „Office“, sondern endlich ein Hebel, mit dem die Verwaltung beginnen kann, sich aus der Microsoft-Klammer zu befreien.

    Frankreich hat einen Plan — und Rückgrat

    Während wir hier über Vergaberecht-Schlupflöcher streiten, hat Frankreich einen Fahrplan. Die Digitalbehörde DINUM ersetzt Windows durch Linux, Ministerien migrieren auf staatliche Kollaborationswerkzeuge wie Tchap, Visio und FranceTransfert. Bis Herbst 2026 muss jedes Ressort eine eigene Souveränitäts-Roadmap vorlegen.

    Haushaltsminister David Amiel sagt einen Satz, den ich in Berlin so noch nicht gehört habe: Der Staat dürfe sich nicht länger damit begnügen, seine Abhängigkeit festzustellen — er müsse sie überwinden.

    Auch Frankreich hat seine Atos, vergleichbar mit Telekom oder T-Systems. Aber es gibt einen politischen Willen, der über Legislaturperioden hinaus trägt, und einen Rahmen, in dem auch Open-Source-Anbieter und Mittelstand eine Rolle spielen. Das ist es, was ich mir hier wünsche.

    Bayern, Söder und die föderalen Egoismen — Schleswig-Holstein zeigt, dass es geht

    Bayern ist nur das lauteste Beispiel. Die bayerische Staatsregierung verhandelt mit Microsoft einen Lizenzvertrag im Volumen von rund einer Milliarde Euro — Microsoft 365, Teams, Copilot auf allen Behördenarbeitsplätzen. Als Digitalminister Fabian Mehring eine ergebnisoffene Neubewertung forderte, wurde er von Finanzminister Albert Füracker öffentlich abgewatscht. Markus Söder stellte sich hinter Füracker.

    Dazu kommen seit Jahren laufende Unified-Support-Verträge mit Microsoft, ohne Ausschreibung, mit Kostensteigerungen von bis zu 900 Prozent in fünf Jahren. Aber es ist eben nicht nur Bayern. Auch andere Bundesländer gehen denselben Weg, verlängern Microsoft-Verträge, vertiefen Abhängigkeiten und feiern das anschließend als Pragmatismus.

    Die große Ausnahme heißt Schleswig-Holstein. Das Land wechselt rund 25.000 Verwaltungs-PCs auf Open Source und hat laut eigenen Angaben bereits fast 80 Prozent der Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt, dazu Open-Xchange statt Outlook. Bilanz bisher: 15 Millionen Euro Lizenzkosten gespart, 6 Millionen Euro für die Umstellung investiert.

    Dass Schleswig-Holstein den Sprung schaffte, hat einen bitteren Hintergrund: Das gemeinsame Open-Source-Projekt Phoenix mehrerer norddeutscher Länder wurde Anfang 2026 vom Bundesrechnungshof scharf kritisiert, Dataport meldete 24 Millionen Euro Verlust, Schleswig-Holstein stieg aus — und machte sein eigenes Ding. Genau das ist der Punkt: Es geht. Wenn man will. Was im Norden funktioniert, ist im Süden offenbar politisch nicht gewollt.

    Während Wildberger in Berlin von digitaler Souveränität redet, zementieren mehrere Länder die Abhängigkeit von einem US-Konzern. Föderalismus ist mir wichtig. Aber ohne bundesweite Weisungsbefugnis in der IT-Strategie wird aus Föderalismus föderaler Egoismus — und der ist der natürliche Feind jeder europäischen Souveränitätsstrategie.

    Digitalministerium als Schiedsrichter für Bundesbehörden

    Pünktlich zu diesen Zeilen schreibe, erscheint ein Bericht, der hoffen lässt: Wildberger will weniger Microsoft und weniger Palantir, berichtet Stefan Krempl bei heise. Im Gespräch mit Politico kündigt der Minister an, die Bundesverwaltung über Open-Source-Lösungen aus der proprietären Klammer zu lösen — beginnend im eigenen Haus, das gerade die Arbeitsplätze umstellt. Ziel sei eine umfassende, frei verfügbare Verwaltungssoftware, die auch über den Eigenbedarf hinaus Wirkung entfalten könne.

    Die Dringlichkeit hat einen Preis: Allein 481,4 Millionen Euro hat der Bund 2025 für Microsoft-Produkte ausgegeben. Bei Palantir hält Wildberger den Einsatz weiter für vertretbar, solange keine europäische Alternative existiert — rechnet aber damit, dass eine solche in zwei bis drei Jahren stehen könne, wenn der Staat als Geburtshelfer für aufstrebende europäische Anbieter fungiert – wieder ein Stück gewollter Industriepolitik.

    Spannend ist sein angekündigtes Werkzeug gegen die Zersplitterung: der IT-Planungsvorbehalt. Damit bekommt das BMDS faktisch ein Vetorecht über IT-Projekte anderer Ministerien ab 500.000 Euro pro Jahr oder drei Millionen Euro Gesamtkosten. Wildberger vergleicht sich mit einem Videoschiedsrichter im Fußball, der eingreift, wenn gemeinsame Standards missachtet werden. Statt isolierter KI-Inseln in jedem Haus soll die bundeseigene KI-Plattform Kipitz verbindlich werden. Das ist genau die Richtung, die ich mir wünsche – wenn man denn in die Länder durchgreifen könnte und würde.

    Und ja, des wird auch der innere Widerspruch der aktuellen Politik sichtbar: Wer mit IT-Planungsvorbehalt Doppelstrukturen verhindern, mit Open Source aus der Microsoft-Abhängigkeit aussteigen und mit europäischen Anbietern arbeiten will, kann eigentlich nicht gleichzeitig das politisch sichtbarste Digitalvorhaben der Legislatur — die Bürger-App — ohne Wettbewerb an SAP und Telekom geben. Doch welche Wahl hat der Minister, wenn er Gas geben will?

    Die nächste Bewährungsprobe steht laut heise schon an: Ende April entscheidet das Kabinett über Big-Data-Software für die Sicherheitsbehörden. Dann wird sich zeigen, ob die Marschrichtung trägt — oder ob am Ende doch wieder die kurze Frist gegen die langfristige Souveränität gewinnt.

    Mehr Frankreich wagen — und ein bisschen mehr Mut

    Etwas mehr Patriotismus im positiven Sinne würde uns guttun. Wir können das selbst, und wir setzen auf eigene und europäische Lösungen, statt reflexhaft in Redmond einzukaufen. Etwas mehr Selbstbewusstsein. Etwas mehr Frankreich. Die Zahlen sprechen Klartext: Wenn Open-Source-Strategien wie OpenDesk bundesweit fast 500 Millionen Euro pro Jahr sparen könnten, sollte der Bund den Ländern endlich eine Deadline setzen — statt weiter Steuergeld zu verbrennen.

    Ich wünsche Karsten Wildberger alles Gute. Aber damit es gut geht, braucht es drei Dinge gleichzeitig: belastbare Kontrolle über das, was SAP und Telekom liefern. Eine echte Einbindung der Fachverfahrenshersteller, verbunden mit der klaren Ansage, dass deren Microsoft-Lock-in endet. Und politischen Rückhalt gegen Landesfürsten, die ihre eigene Microsoft-Romanze pflegen.

    Ob Friedrich Merz das genauso sieht, weiß ich nicht. Ich vermute: eher nicht. Es scheint für ihn ein Randthema. Und genau deshalb wird es so schwer.

    Quellen & Leseempfehlungen

    #Bayern #BürgerApp #DigitaleSouveränität #Frankreich #Microsoft #OpenDesk #OpenSource #SAP #Telekom #Wildberger
  9. Mehr Frankreich wagen — Wildberger braucht Kontrolle, Mut und Verbündete

    Lange Zeit schien es, als ob es „weiter so“ ginge in punkto digitale Souveränität und Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Zu wenig Gelder für eigene Lösungen und Institute wie das ZenDiS, zu viele Eigeninteressen in den Ländern und der Glaube, man könne nur mit US BigTech erfolgreich Lösungen realisieren. Jetzt scheint Karsten Wildberger (endlich) Gas zu geben, will die Verwaltung digitalisieren, und zwar zügig.

    Wildberger gibt Gas — und das ist auch gut so

    Dafür hat sein Ministerium SAP und die Deutsche Telekom ohne offene Ausschreibung mit Prototyp und Plattform der „Bürger-App“ beauftragt. Eine KI-gestützte Verwaltungsplattform, über die wir künftig Kindergeld beantragen, Wohnsitz anmelden und Unternehmen gründen sollen.

    Das Handelsblatt hat die Vergabe öffentlich gemacht, und Christian Wölbert hat bei heise zurecht darauf hingewiesen, wie hoch die Messlatte hängt. Ich verstehe Wildbergers Logik. Wenn es wirklich schnell gehen soll — und das soll es nach Jahren digitalpolitischen Stillstands —, dann hat er über die bestehenden Rahmenverträge mit SAP und Telekom kaum eine andere Wahl. Eine reguläre Ausschreibung kostet Monate, vielleicht Jahre.

    Mein Unbehagen heißt Telekom und SAP — wer kontrolliert eigentlich?

    Tempo ja, Pragmatismus ja. Aber damit ist die kritische Frage nicht beantwortet. Die beiden Player kennen wir. SAP und Telekom haben schon die Corona-Warn-App gebaut: über 200 Millionen Euro, seit Juni 2023 im Ruhe-Modus, technisch und politisch nie das, was versprochen war.

    Jetzt also dieselben zwei Konzerne, dieses Mal für etwas ungleich Komplexeres. Das Unbehagen und die Skepis, die an vielen Stellen geäußert werden, sind nur zu verständlich. Wie will Wildberger, wie will sein Ministerium sicherstellen, dass dieses mal eine erfolgreiche App entsteht, die einfach zu bedienen ist und den Bürgern wesentliche Services bietet.

    Wer kontrolliert eigentlich zeitnah und mit welchem Mandat, dass die Entwicklung in die richtige Richtung läuft? Wer prüft, ob Architekturentscheidungen offen, modular und tatsächlich anschlussfähig sind — und nicht nur auf dem Papier? Wer zieht den Stecker, wenn der Prototyp in die Sackgasse läuft, bevor der Dauerbetrieb daran hängt?

    Bisher habe ich noch keine belastbare Antwort gefunden. Wildbergers Staatssekretär Philipp Amthor sagt, die Bürger könnten sich freuen. Das reicht nicht. Was es braucht, ist ein öffentlich nachvollziehbares Reporting, externe technische Reviews mit Veröffentlichungspflicht und klare Abbruchkriterien. Sonst wiederholt sich das Muster: Wer den Prototyp baut, hat den Fuß in der Tür für den Dauerbetrieb — und niemand traut sich später, den Vertrag zu beenden.

    Bewusste Industriepolitik im Bereich Digitalisierung und IT

    Dass dieses Muster bei Wildberger erkennbar Methode hat, zeigt der zweite Deal, über den derzeit weniger gesprochen wird: Bei der geplanten Fusion von Aleph Alpha mit dem kanadischen KI-Unternehmen Cohere soll der Bund als Ankerkunde auftreten, eine spätere Beteiligung wird geprüft, gehostet werden soll bei Schwarz Digits.

    Auch hier gilt: Industriepolitik durch Auswahl einzelner Player, nicht durch Wettbewerb. Ich finde es legitim, einen europäischen KI-Champion politisch zu wollen und begrüße, dass man endlich wohl verstanden hat, dass Deutschland (und Europa) bewusst von den USA unabhängige Player fördern müssen. Ich (natürlich) bleibt auch ein Unbehagen. Nur zu gut habe ich den Hype im Kopf, der rund um Aleph Alpha zu Habecks Zeiten gemacht wurde. Wer kontrolliert also, ob der ausgewählte Champion tatsächlich der beste ist — und nicht nur der politisch nächstliegende.

    Die Fachverfahrenshersteller: verärgert — und selbst Teil des Problems

    Auch von anderer Seite kommen kritische Stimmen: Detlef Sander vom Verband DATABUND, der die mittelständischen Fachverfahrenshersteller vertritt, hat gegenüber heise unmissverständlich gesagt: Eine ausschreibungsfreie Vergabe eines so zentralen Projektes an Großkonzerne sei kritisch, Innovation und Praxistauglichkeit kämen nur durch Wettbewerb zustande, und ohne Zusammenarbeit mit den mittelständischen Softwareherstellern könne das Projekt nicht erfolgreich werden.

    Das ist berechtigt. Eine „KI-gestützte Verwaltungsplattform“ hat nur dann eine Chance, wenn Antragsdaten aus der App automatisiert in den Fachverfahren landen und die App umgekehrt auf deren Informationen zugreifen kann. Diese Fachverfahren komplett neu zu bauen, würde Jahre dauern. Wildberger braucht diese Anbieter — also muss er sie aktiv einbinden, nicht erst dann, wenn SAP und Telekom ihren Prototyp abgeliefert haben.

    Aber — und das ist die andere Seite, über die viel zu wenig gesprochen wird — die Fachverfahrenshersteller sind nicht nur Opfer. Sie sind seit Jahren ein wesentlicher Grund, warum Behörden nicht von Microsoft loskommen. Wer mit Verwaltungs-IT zu tun hat, kennt die Aussage: „Geht nicht, das Fachverfahren braucht Excel.“ Oder Word. Oder einen bestimmten Outlook-Anhangspfad.

    Genau diese Lock-in-Logik blockiert seit einem Jahrzehnt jeden ernsthaften Wechsel auf offene Systeme — Alexander Smolianitski vom ZenDiS hat das im Gespräch mit uns bei #9vor9 sehr klar auf den Punkt gebracht. Es muss und darf nicht immer Excel oder Word sein. Wenn ein Fachverfahren nur mit proprietären Microsoft-Komponenten funktioniert, ist nicht der Open-Source-Stack das Problem, sondern das Fachverfahren.

    Kein Souveränitätszentrum auf Sparflamme

    Hier sind die Hersteller selbst in der Pflicht: Schnittstellen öffnen, von Office-Abhängigkeiten lösen, web- und plattformneutrale Frontends bauen. Die Alternativen liegen längst auf dem Tisch — der Deutschland-Stack als Plattformvision des Bundes und vor allem openDesk, die Open-Source-Arbeitsplatzlösung des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS), die genau für die Verwaltung entwickelt wurde. Das ist nicht Theorie, das ist verfügbar.

    Wie das ZenDiS damit ausgestattet wird, eine ganz andere. Eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Anke Domscheit-Berg hat Anfang 2024 offengelegt: Neun Personen, kein festes Budget, kein verlässlicher Auftragsfluss. Die Dringlichkeit hat einen Preis — und der wächst rasant. 2023 zahlte der Bund noch 274 Millionen Euro an Microsoft, 2024 waren es 348 Millionen, 2025 dann 481,4 Millionen. Eine Verdoppelung in zwei Jahren, ausgerechnet in der Phase, in der über digitale Souveränität so viel geredet wird wie nie. Wenn der Bund diese Millionen Euro im Jahr für Microsoft hinblättert, aber sein eigenes Souveränitätszentrum auf Sparflamme hält, ist das keine Strategie, sondern ein Lippenbekenntnis.

    Was fehlt, ist der Druck, Produkte wie openDesk auch tatsächlich einzusetzen. Und genau hier muss Wildberger ran — nicht nur reden, sondern Bedingungen setzen. Wer Aufträge des Bundes will, muss interoperabel und plattformneutral liefern. So entstehen aus der Bürger-App-Debatte und Lösungen wie Opendesk eine echte Chance: nicht nur eine neue App, ein neues „Office“, sondern endlich ein Hebel, mit dem die Verwaltung beginnen kann, sich aus der Microsoft-Klammer zu befreien.

    Frankreich hat einen Plan — und Rückgrat

    Während wir hier über Vergaberecht-Schlupflöcher streiten, hat Frankreich einen Fahrplan. Die Digitalbehörde DINUM ersetzt Windows durch Linux, Ministerien migrieren auf staatliche Kollaborationswerkzeuge wie Tchap, Visio und FranceTransfert. Bis Herbst 2026 muss jedes Ressort eine eigene Souveränitäts-Roadmap vorlegen.

    Haushaltsminister David Amiel sagt einen Satz, den ich in Berlin so noch nicht gehört habe: Der Staat dürfe sich nicht länger damit begnügen, seine Abhängigkeit festzustellen — er müsse sie überwinden.

    Auch Frankreich hat seine Atos, vergleichbar mit Telekom oder T-Systems. Aber es gibt einen politischen Willen, der über Legislaturperioden hinaus trägt, und einen Rahmen, in dem auch Open-Source-Anbieter und Mittelstand eine Rolle spielen. Das ist es, was ich mir hier wünsche.

    Bayern, Söder und die föderalen Egoismen — Schleswig-Holstein zeigt, dass es geht

    Bayern ist nur das lauteste Beispiel. Die bayerische Staatsregierung verhandelt mit Microsoft einen Lizenzvertrag im Volumen von rund einer Milliarde Euro — Microsoft 365, Teams, Copilot auf allen Behördenarbeitsplätzen. Als Digitalminister Fabian Mehring eine ergebnisoffene Neubewertung forderte, wurde er von Finanzminister Albert Füracker öffentlich abgewatscht. Markus Söder stellte sich hinter Füracker.

    Dazu kommen seit Jahren laufende Unified-Support-Verträge mit Microsoft, ohne Ausschreibung, mit Kostensteigerungen von bis zu 900 Prozent in fünf Jahren. Aber es ist eben nicht nur Bayern. Auch andere Bundesländer gehen denselben Weg, verlängern Microsoft-Verträge, vertiefen Abhängigkeiten und feiern das anschließend als Pragmatismus.

    Die große Ausnahme heißt Schleswig-Holstein. Das Land wechselt rund 25.000 Verwaltungs-PCs auf Open Source und hat laut eigenen Angaben bereits fast 80 Prozent der Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt, dazu Open-Xchange statt Outlook. Bilanz bisher: 15 Millionen Euro Lizenzkosten gespart, 6 Millionen Euro für die Umstellung investiert.

    Dass Schleswig-Holstein den Sprung schaffte, hat einen bitteren Hintergrund: Das gemeinsame Open-Source-Projekt Phoenix mehrerer norddeutscher Länder wurde Anfang 2026 vom Bundesrechnungshof scharf kritisiert, Dataport meldete 24 Millionen Euro Verlust, Schleswig-Holstein stieg aus — und machte sein eigenes Ding. Genau das ist der Punkt: Es geht. Wenn man will. Was im Norden funktioniert, ist im Süden offenbar politisch nicht gewollt.

    Während Wildberger in Berlin von digitaler Souveränität redet, zementieren mehrere Länder die Abhängigkeit von einem US-Konzern. Föderalismus ist mir wichtig. Aber ohne bundesweite Weisungsbefugnis in der IT-Strategie wird aus Föderalismus föderaler Egoismus — und der ist der natürliche Feind jeder europäischen Souveränitätsstrategie.

    Digitalministerium als Schiedsrichter für Bundesbehörden

    Pünktlich zu diesen Zeilen schreibe, erscheint ein Bericht, der hoffen lässt: Wildberger will weniger Microsoft und weniger Palantir, berichtet Stefan Krempl bei heise. Im Gespräch mit Politico kündigt der Minister an, die Bundesverwaltung über Open-Source-Lösungen aus der proprietären Klammer zu lösen — beginnend im eigenen Haus, das gerade die Arbeitsplätze umstellt. Ziel sei eine umfassende, frei verfügbare Verwaltungssoftware, die auch über den Eigenbedarf hinaus Wirkung entfalten könne.

    Die Dringlichkeit hat einen Preis: Allein 481,4 Millionen Euro hat der Bund 2025 für Microsoft-Produkte ausgegeben. Bei Palantir hält Wildberger den Einsatz weiter für vertretbar, solange keine europäische Alternative existiert — rechnet aber damit, dass eine solche in zwei bis drei Jahren stehen könne, wenn der Staat als Geburtshelfer für aufstrebende europäische Anbieter fungiert – wieder ein Stück gewollter Industriepolitik.

    Spannend ist sein angekündigtes Werkzeug gegen die Zersplitterung: der IT-Planungsvorbehalt. Damit bekommt das BMDS faktisch ein Vetorecht über IT-Projekte anderer Ministerien ab 500.000 Euro pro Jahr oder drei Millionen Euro Gesamtkosten. Wildberger vergleicht sich mit einem Videoschiedsrichter im Fußball, der eingreift, wenn gemeinsame Standards missachtet werden. Statt isolierter KI-Inseln in jedem Haus soll die bundeseigene KI-Plattform Kipitz verbindlich werden. Das ist genau die Richtung, die ich mir wünsche – wenn man denn in die Länder durchgreifen könnte und würde.

    Und ja, des wird auch der innere Widerspruch der aktuellen Politik sichtbar: Wer mit IT-Planungsvorbehalt Doppelstrukturen verhindern, mit Open Source aus der Microsoft-Abhängigkeit aussteigen und mit europäischen Anbietern arbeiten will, kann eigentlich nicht gleichzeitig das politisch sichtbarste Digitalvorhaben der Legislatur — die Bürger-App — ohne Wettbewerb an SAP und Telekom geben. Doch welche Wahl hat der Minister, wenn er Gas geben will?

    Die nächste Bewährungsprobe steht laut heise schon an: Ende April entscheidet das Kabinett über Big-Data-Software für die Sicherheitsbehörden. Dann wird sich zeigen, ob die Marschrichtung trägt — oder ob am Ende doch wieder die kurze Frist gegen die langfristige Souveränität gewinnt.

    Mehr Frankreich wagen — und ein bisschen mehr Mut

    Etwas mehr Patriotismus im positiven Sinne würde uns guttun. Wir können das selbst, und wir setzen auf eigene und europäische Lösungen, statt reflexhaft in Redmond einzukaufen. Etwas mehr Selbstbewusstsein. Etwas mehr Frankreich. Die Zahlen sprechen Klartext: Wenn Open-Source-Strategien wie OpenDesk bundesweit fast 500 Millionen Euro pro Jahr sparen könnten, sollte der Bund den Ländern endlich eine Deadline setzen — statt weiter Steuergeld zu verbrennen.

    Ich wünsche Karsten Wildberger alles Gute. Aber damit es gut geht, braucht es drei Dinge gleichzeitig: belastbare Kontrolle über das, was SAP und Telekom liefern. Eine echte Einbindung der Fachverfahrenshersteller, verbunden mit der klaren Ansage, dass deren Microsoft-Lock-in endet. Und politischen Rückhalt gegen Landesfürsten, die ihre eigene Microsoft-Romanze pflegen.

    Ob Friedrich Merz das genauso sieht, weiß ich nicht. Ich vermute: eher nicht. Es scheint für ihn ein Randthema. Und genau deshalb wird es so schwer.

    Quellen & Leseempfehlungen

    #Bayern #BürgerApp #DigitaleSouveränität #Frankreich #Microsoft #OpenDesk #OpenSource #SAP #Telekom #Wildberger
  10. Mehr Frankreich wagen — Wildberger braucht Kontrolle, Mut und Verbündete

    Lange Zeit schien es, als ob es „weiter so“ ginge in punkto digitale Souveränität und Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Zu wenig Gelder für eigene Lösungen und Institute wie das ZenDiS, zu viele Eigeninteressen in den Ländern und der Glaube, man könne nur mit US BigTech erfolgreich Lösungen realisieren. Jetzt scheint Karsten Wildberger (endlich) Gas zu geben, will die Verwaltung digitalisieren, und zwar zügig.

    Wildberger gibt Gas — und das ist auch gut so

    Dafür hat sein Ministerium SAP und die Deutsche Telekom ohne offene Ausschreibung mit Prototyp und Plattform der „Bürger-App“ beauftragt. Eine KI-gestützte Verwaltungsplattform, über die wir künftig Kindergeld beantragen, Wohnsitz anmelden und Unternehmen gründen sollen.

    Das Handelsblatt hat die Vergabe öffentlich gemacht, und Christian Wölbert hat bei heise zurecht darauf hingewiesen, wie hoch die Messlatte hängt. Ich verstehe Wildbergers Logik. Wenn es wirklich schnell gehen soll — und das soll es nach Jahren digitalpolitischen Stillstands —, dann hat er über die bestehenden Rahmenverträge mit SAP und Telekom kaum eine andere Wahl. Eine reguläre Ausschreibung kostet Monate, vielleicht Jahre.

    Mein Unbehagen heißt Telekom und SAP — wer kontrolliert eigentlich?

    Tempo ja, Pragmatismus ja. Aber damit ist die kritische Frage nicht beantwortet. Die beiden Player kennen wir. SAP und Telekom haben schon die Corona-Warn-App gebaut: über 200 Millionen Euro, seit Juni 2023 im Ruhe-Modus, technisch und politisch nie das, was versprochen war.

    Jetzt also dieselben zwei Konzerne, dieses Mal für etwas ungleich Komplexeres. Das Unbehagen und die Skepis, die an vielen Stellen geäußert werden, sind nur zu verständlich. Wie will Wildberger, wie will sein Ministerium sicherstellen, dass dieses mal eine erfolgreiche App entsteht, die einfach zu bedienen ist und den Bürgern wesentliche Services bietet.

    Wer kontrolliert eigentlich zeitnah und mit welchem Mandat, dass die Entwicklung in die richtige Richtung läuft? Wer prüft, ob Architekturentscheidungen offen, modular und tatsächlich anschlussfähig sind — und nicht nur auf dem Papier? Wer zieht den Stecker, wenn der Prototyp in die Sackgasse läuft, bevor der Dauerbetrieb daran hängt?

    Bisher habe ich noch keine belastbare Antwort gefunden. Wildbergers Staatssekretär Philipp Amthor sagt, die Bürger könnten sich freuen. Das reicht nicht. Was es braucht, ist ein öffentlich nachvollziehbares Reporting, externe technische Reviews mit Veröffentlichungspflicht und klare Abbruchkriterien. Sonst wiederholt sich das Muster: Wer den Prototyp baut, hat den Fuß in der Tür für den Dauerbetrieb — und niemand traut sich später, den Vertrag zu beenden.

    Bewusste Industriepolitik im Bereich Digitalisierung und IT

    Dass dieses Muster bei Wildberger erkennbar Methode hat, zeigt der zweite Deal, über den derzeit weniger gesprochen wird: Bei der geplanten Fusion von Aleph Alpha mit dem kanadischen KI-Unternehmen Cohere soll der Bund als Ankerkunde auftreten, eine spätere Beteiligung wird geprüft, gehostet werden soll bei Schwarz Digits.

    Auch hier gilt: Industriepolitik durch Auswahl einzelner Player, nicht durch Wettbewerb. Ich finde es legitim, einen europäischen KI-Champion politisch zu wollen und begrüße, dass man endlich wohl verstanden hat, dass Deutschland (und Europa) bewusst von den USA unabhängige Player fördern müssen. Ich (natürlich) bleibt auch ein Unbehagen. Nur zu gut habe ich den Hype im Kopf, der rund um Aleph Alpha zu Habecks Zeiten gemacht wurde. Wer kontrolliert also, ob der ausgewählte Champion tatsächlich der beste ist — und nicht nur der politisch nächstliegende.

    Die Fachverfahrenshersteller: verärgert — und selbst Teil des Problems

    Auch von anderer Seite kommen kritische Stimmen: Detlef Sander vom Verband DATABUND, der die mittelständischen Fachverfahrenshersteller vertritt, hat gegenüber heise unmissverständlich gesagt: Eine ausschreibungsfreie Vergabe eines so zentralen Projektes an Großkonzerne sei kritisch, Innovation und Praxistauglichkeit kämen nur durch Wettbewerb zustande, und ohne Zusammenarbeit mit den mittelständischen Softwareherstellern könne das Projekt nicht erfolgreich werden.

    Das ist berechtigt. Eine „KI-gestützte Verwaltungsplattform“ hat nur dann eine Chance, wenn Antragsdaten aus der App automatisiert in den Fachverfahren landen und die App umgekehrt auf deren Informationen zugreifen kann. Diese Fachverfahren komplett neu zu bauen, würde Jahre dauern. Wildberger braucht diese Anbieter — also muss er sie aktiv einbinden, nicht erst dann, wenn SAP und Telekom ihren Prototyp abgeliefert haben.

    Aber — und das ist die andere Seite, über die viel zu wenig gesprochen wird — die Fachverfahrenshersteller sind nicht nur Opfer. Sie sind seit Jahren ein wesentlicher Grund, warum Behörden nicht von Microsoft loskommen. Wer mit Verwaltungs-IT zu tun hat, kennt die Aussage: „Geht nicht, das Fachverfahren braucht Excel.“ Oder Word. Oder einen bestimmten Outlook-Anhangspfad.

    Genau diese Lock-in-Logik blockiert seit einem Jahrzehnt jeden ernsthaften Wechsel auf offene Systeme — Alexander Smolianitski vom ZenDiS hat das im Gespräch mit uns bei #9vor9 sehr klar auf den Punkt gebracht. Es muss und darf nicht immer Excel oder Word sein. Wenn ein Fachverfahren nur mit proprietären Microsoft-Komponenten funktioniert, ist nicht der Open-Source-Stack das Problem, sondern das Fachverfahren.

    Kein Souveränitätszentrum auf Sparflamme

    Hier sind die Hersteller selbst in der Pflicht: Schnittstellen öffnen, von Office-Abhängigkeiten lösen, web- und plattformneutrale Frontends bauen. Die Alternativen liegen längst auf dem Tisch — der Deutschland-Stack als Plattformvision des Bundes und vor allem openDesk, die Open-Source-Arbeitsplatzlösung des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS), die genau für die Verwaltung entwickelt wurde. Das ist nicht Theorie, das ist verfügbar.

    Wie das ZenDiS damit ausgestattet wird, eine ganz andere. Eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Anke Domscheit-Berg hat Anfang 2024 offengelegt: Neun Personen, kein festes Budget, kein verlässlicher Auftragsfluss. Die Dringlichkeit hat einen Preis — und der wächst rasant. 2023 zahlte der Bund noch 274 Millionen Euro an Microsoft, 2024 waren es 348 Millionen, 2025 dann 481,4 Millionen. Eine Verdoppelung in zwei Jahren, ausgerechnet in der Phase, in der über digitale Souveränität so viel geredet wird wie nie. Wenn der Bund diese Millionen Euro im Jahr für Microsoft hinblättert, aber sein eigenes Souveränitätszentrum auf Sparflamme hält, ist das keine Strategie, sondern ein Lippenbekenntnis.

    Was fehlt, ist der Druck, Produkte wie openDesk auch tatsächlich einzusetzen. Und genau hier muss Wildberger ran — nicht nur reden, sondern Bedingungen setzen. Wer Aufträge des Bundes will, muss interoperabel und plattformneutral liefern. So entstehen aus der Bürger-App-Debatte und Lösungen wie Opendesk eine echte Chance: nicht nur eine neue App, ein neues „Office“, sondern endlich ein Hebel, mit dem die Verwaltung beginnen kann, sich aus der Microsoft-Klammer zu befreien.

    Frankreich hat einen Plan — und Rückgrat

    Während wir hier über Vergaberecht-Schlupflöcher streiten, hat Frankreich einen Fahrplan. Die Digitalbehörde DINUM ersetzt Windows durch Linux, Ministerien migrieren auf staatliche Kollaborationswerkzeuge wie Tchap, Visio und FranceTransfert. Bis Herbst 2026 muss jedes Ressort eine eigene Souveränitäts-Roadmap vorlegen.

    Haushaltsminister David Amiel sagt einen Satz, den ich in Berlin so noch nicht gehört habe: Der Staat dürfe sich nicht länger damit begnügen, seine Abhängigkeit festzustellen — er müsse sie überwinden.

    Auch Frankreich hat seine Atos, vergleichbar mit Telekom oder T-Systems. Aber es gibt einen politischen Willen, der über Legislaturperioden hinaus trägt, und einen Rahmen, in dem auch Open-Source-Anbieter und Mittelstand eine Rolle spielen. Das ist es, was ich mir hier wünsche.

    Bayern, Söder und die föderalen Egoismen — Schleswig-Holstein zeigt, dass es geht

    Bayern ist nur das lauteste Beispiel. Die bayerische Staatsregierung verhandelt mit Microsoft einen Lizenzvertrag im Volumen von rund einer Milliarde Euro — Microsoft 365, Teams, Copilot auf allen Behördenarbeitsplätzen. Als Digitalminister Fabian Mehring eine ergebnisoffene Neubewertung forderte, wurde er von Finanzminister Albert Füracker öffentlich abgewatscht. Markus Söder stellte sich hinter Füracker.

    Dazu kommen seit Jahren laufende Unified-Support-Verträge mit Microsoft, ohne Ausschreibung, mit Kostensteigerungen von bis zu 900 Prozent in fünf Jahren. Aber es ist eben nicht nur Bayern. Auch andere Bundesländer gehen denselben Weg, verlängern Microsoft-Verträge, vertiefen Abhängigkeiten und feiern das anschließend als Pragmatismus.

    Die große Ausnahme heißt Schleswig-Holstein. Das Land wechselt rund 25.000 Verwaltungs-PCs auf Open Source und hat laut eigenen Angaben bereits fast 80 Prozent der Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt, dazu Open-Xchange statt Outlook. Bilanz bisher: 15 Millionen Euro Lizenzkosten gespart, 6 Millionen Euro für die Umstellung investiert.

    Dass Schleswig-Holstein den Sprung schaffte, hat einen bitteren Hintergrund: Das gemeinsame Open-Source-Projekt Phoenix mehrerer norddeutscher Länder wurde Anfang 2026 vom Bundesrechnungshof scharf kritisiert, Dataport meldete 24 Millionen Euro Verlust, Schleswig-Holstein stieg aus — und machte sein eigenes Ding. Genau das ist der Punkt: Es geht. Wenn man will. Was im Norden funktioniert, ist im Süden offenbar politisch nicht gewollt.

    Während Wildberger in Berlin von digitaler Souveränität redet, zementieren mehrere Länder die Abhängigkeit von einem US-Konzern. Föderalismus ist mir wichtig. Aber ohne bundesweite Weisungsbefugnis in der IT-Strategie wird aus Föderalismus föderaler Egoismus — und der ist der natürliche Feind jeder europäischen Souveränitätsstrategie.

    Digitalministerium als Schiedsrichter für Bundesbehörden

    Pünktlich zu diesen Zeilen schreibe, erscheint ein Bericht, der hoffen lässt: Wildberger will weniger Microsoft und weniger Palantir, berichtet Stefan Krempl bei heise. Im Gespräch mit Politico kündigt der Minister an, die Bundesverwaltung über Open-Source-Lösungen aus der proprietären Klammer zu lösen — beginnend im eigenen Haus, das gerade die Arbeitsplätze umstellt. Ziel sei eine umfassende, frei verfügbare Verwaltungssoftware, die auch über den Eigenbedarf hinaus Wirkung entfalten könne.

    Die Dringlichkeit hat einen Preis: Allein 481,4 Millionen Euro hat der Bund 2025 für Microsoft-Produkte ausgegeben. Bei Palantir hält Wildberger den Einsatz weiter für vertretbar, solange keine europäische Alternative existiert — rechnet aber damit, dass eine solche in zwei bis drei Jahren stehen könne, wenn der Staat als Geburtshelfer für aufstrebende europäische Anbieter fungiert – wieder ein Stück gewollter Industriepolitik.

    Spannend ist sein angekündigtes Werkzeug gegen die Zersplitterung: der IT-Planungsvorbehalt. Damit bekommt das BMDS faktisch ein Vetorecht über IT-Projekte anderer Ministerien ab 500.000 Euro pro Jahr oder drei Millionen Euro Gesamtkosten. Wildberger vergleicht sich mit einem Videoschiedsrichter im Fußball, der eingreift, wenn gemeinsame Standards missachtet werden. Statt isolierter KI-Inseln in jedem Haus soll die bundeseigene KI-Plattform Kipitz verbindlich werden. Das ist genau die Richtung, die ich mir wünsche – wenn man denn in die Länder durchgreifen könnte und würde.

    Und ja, des wird auch der innere Widerspruch der aktuellen Politik sichtbar: Wer mit IT-Planungsvorbehalt Doppelstrukturen verhindern, mit Open Source aus der Microsoft-Abhängigkeit aussteigen und mit europäischen Anbietern arbeiten will, kann eigentlich nicht gleichzeitig das politisch sichtbarste Digitalvorhaben der Legislatur — die Bürger-App — ohne Wettbewerb an SAP und Telekom geben. Doch welche Wahl hat der Minister, wenn er Gas geben will?

    Die nächste Bewährungsprobe steht laut heise schon an: Ende April entscheidet das Kabinett über Big-Data-Software für die Sicherheitsbehörden. Dann wird sich zeigen, ob die Marschrichtung trägt — oder ob am Ende doch wieder die kurze Frist gegen die langfristige Souveränität gewinnt.

    Mehr Frankreich wagen — und ein bisschen mehr Mut

    Etwas mehr Patriotismus im positiven Sinne würde uns guttun. Wir können das selbst, und wir setzen auf eigene und europäische Lösungen, statt reflexhaft in Redmond einzukaufen. Etwas mehr Selbstbewusstsein. Etwas mehr Frankreich. Die Zahlen sprechen Klartext: Wenn Open-Source-Strategien wie OpenDesk bundesweit fast 500 Millionen Euro pro Jahr sparen könnten, sollte der Bund den Ländern endlich eine Deadline setzen — statt weiter Steuergeld zu verbrennen.

    Ich wünsche Karsten Wildberger alles Gute. Aber damit es gut geht, braucht es drei Dinge gleichzeitig: belastbare Kontrolle über das, was SAP und Telekom liefern. Eine echte Einbindung der Fachverfahrenshersteller, verbunden mit der klaren Ansage, dass deren Microsoft-Lock-in endet. Und politischen Rückhalt gegen Landesfürsten, die ihre eigene Microsoft-Romanze pflegen.

    Ob Friedrich Merz das genauso sieht, weiß ich nicht. Ich vermute: eher nicht. Es scheint für ihn ein Randthema. Und genau deshalb wird es so schwer.

    Quellen & Leseempfehlungen

    #Bayern #BürgerApp #DigitaleSouveränität #Frankreich #Microsoft #OpenDesk #OpenSource #SAP #Telekom #Wildberger
  11. Mehr Frankreich wagen — Wildberger braucht Kontrolle, Mut und Verbündete

    Lange Zeit schien es, als ob es „weiter so“ ginge in punkto digitale Souveränität und Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Deutschland. Zu wenig Gelder für eigene Lösungen und Institute wie das ZenDiS, zu viele Eigeninteressen in den Ländern und der Glaube, man könne nur mit US BigTech erfolgreich Lösungen realisieren. Jetzt scheint Karsten Wildberger (endlich) Gas zu geben, will die Verwaltung digitalisieren, und zwar zügig.

    Wildberger gibt Gas — und das ist auch gut so

    Dafür hat sein Ministerium SAP und die Deutsche Telekom ohne offene Ausschreibung mit Prototyp und Plattform der „Bürger-App“ beauftragt. Eine KI-gestützte Verwaltungsplattform, über die wir künftig Kindergeld beantragen, Wohnsitz anmelden und Unternehmen gründen sollen.

    Das Handelsblatt hat die Vergabe öffentlich gemacht, und Christian Wölbert hat bei heise zurecht darauf hingewiesen, wie hoch die Messlatte hängt. Ich verstehe Wildbergers Logik. Wenn es wirklich schnell gehen soll — und das soll es nach Jahren digitalpolitischen Stillstands —, dann hat er über die bestehenden Rahmenverträge mit SAP und Telekom kaum eine andere Wahl. Eine reguläre Ausschreibung kostet Monate, vielleicht Jahre.

    Mein Unbehagen heißt Telekom und SAP — wer kontrolliert eigentlich?

    Tempo ja, Pragmatismus ja. Aber damit ist die kritische Frage nicht beantwortet. Die beiden Player kennen wir. SAP und Telekom haben schon die Corona-Warn-App gebaut: über 200 Millionen Euro, seit Juni 2023 im Ruhe-Modus, technisch und politisch nie das, was versprochen war.

    Jetzt also dieselben zwei Konzerne, dieses Mal für etwas ungleich Komplexeres. Das Unbehagen und die Skepis, die an vielen Stellen geäußert werden, sind nur zu verständlich. Wie will Wildberger, wie will sein Ministerium sicherstellen, dass dieses mal eine erfolgreiche App entsteht, die einfach zu bedienen ist und den Bürgern wesentliche Services bietet.

    Wer kontrolliert eigentlich zeitnah und mit welchem Mandat, dass die Entwicklung in die richtige Richtung läuft? Wer prüft, ob Architekturentscheidungen offen, modular und tatsächlich anschlussfähig sind — und nicht nur auf dem Papier? Wer zieht den Stecker, wenn der Prototyp in die Sackgasse läuft, bevor der Dauerbetrieb daran hängt?

    Bisher habe ich noch keine belastbare Antwort gefunden. Wildbergers Staatssekretär Philipp Amthor sagt, die Bürger könnten sich freuen. Das reicht nicht. Was es braucht, ist ein öffentlich nachvollziehbares Reporting, externe technische Reviews mit Veröffentlichungspflicht und klare Abbruchkriterien. Sonst wiederholt sich das Muster: Wer den Prototyp baut, hat den Fuß in der Tür für den Dauerbetrieb — und niemand traut sich später, den Vertrag zu beenden.

    Bewusste Industriepolitik im Bereich Digitalisierung und IT

    Dass dieses Muster bei Wildberger erkennbar Methode hat, zeigt der zweite Deal, über den derzeit weniger gesprochen wird: Bei der geplanten Fusion von Aleph Alpha mit dem kanadischen KI-Unternehmen Cohere soll der Bund als Ankerkunde auftreten, eine spätere Beteiligung wird geprüft, gehostet werden soll bei Schwarz Digits.

    Auch hier gilt: Industriepolitik durch Auswahl einzelner Player, nicht durch Wettbewerb. Ich finde es legitim, einen europäischen KI-Champion politisch zu wollen und begrüße, dass man endlich wohl verstanden hat, dass Deutschland (und Europa) bewusst von den USA unabhängige Player fördern müssen. Ich (natürlich) bleibt auch ein Unbehagen. Nur zu gut habe ich den Hype im Kopf, der rund um Aleph Alpha zu Habecks Zeiten gemacht wurde. Wer kontrolliert also, ob der ausgewählte Champion tatsächlich der beste ist — und nicht nur der politisch nächstliegende.

    Die Fachverfahrenshersteller: verärgert — und selbst Teil des Problems

    Auch von anderer Seite kommen kritische Stimmen: Detlef Sander vom Verband DATABUND, der die mittelständischen Fachverfahrenshersteller vertritt, hat gegenüber heise unmissverständlich gesagt: Eine ausschreibungsfreie Vergabe eines so zentralen Projektes an Großkonzerne sei kritisch, Innovation und Praxistauglichkeit kämen nur durch Wettbewerb zustande, und ohne Zusammenarbeit mit den mittelständischen Softwareherstellern könne das Projekt nicht erfolgreich werden.

    Das ist berechtigt. Eine „KI-gestützte Verwaltungsplattform“ hat nur dann eine Chance, wenn Antragsdaten aus der App automatisiert in den Fachverfahren landen und die App umgekehrt auf deren Informationen zugreifen kann. Diese Fachverfahren komplett neu zu bauen, würde Jahre dauern. Wildberger braucht diese Anbieter — also muss er sie aktiv einbinden, nicht erst dann, wenn SAP und Telekom ihren Prototyp abgeliefert haben.

    Aber — und das ist die andere Seite, über die viel zu wenig gesprochen wird — die Fachverfahrenshersteller sind nicht nur Opfer. Sie sind seit Jahren ein wesentlicher Grund, warum Behörden nicht von Microsoft loskommen. Wer mit Verwaltungs-IT zu tun hat, kennt die Aussage: „Geht nicht, das Fachverfahren braucht Excel.“ Oder Word. Oder einen bestimmten Outlook-Anhangspfad.

    Genau diese Lock-in-Logik blockiert seit einem Jahrzehnt jeden ernsthaften Wechsel auf offene Systeme — Alexander Smolianitski vom ZenDiS hat das im Gespräch mit uns bei #9vor9 sehr klar auf den Punkt gebracht. Es muss und darf nicht immer Excel oder Word sein. Wenn ein Fachverfahren nur mit proprietären Microsoft-Komponenten funktioniert, ist nicht der Open-Source-Stack das Problem, sondern das Fachverfahren.

    Kein Souveränitätszentrum auf Sparflamme

    Hier sind die Hersteller selbst in der Pflicht: Schnittstellen öffnen, von Office-Abhängigkeiten lösen, web- und plattformneutrale Frontends bauen. Die Alternativen liegen längst auf dem Tisch — der Deutschland-Stack als Plattformvision des Bundes und vor allem openDesk, die Open-Source-Arbeitsplatzlösung des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS), die genau für die Verwaltung entwickelt wurde. Das ist nicht Theorie, das ist verfügbar.

    Wie das ZenDiS damit ausgestattet wird, eine ganz andere. Eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Anke Domscheit-Berg hat Anfang 2024 offengelegt: Neun Personen, kein festes Budget, kein verlässlicher Auftragsfluss. Die Dringlichkeit hat einen Preis — und der wächst rasant. 2023 zahlte der Bund noch 274 Millionen Euro an Microsoft, 2024 waren es 348 Millionen, 2025 dann 481,4 Millionen. Eine Verdoppelung in zwei Jahren, ausgerechnet in der Phase, in der über digitale Souveränität so viel geredet wird wie nie. Wenn der Bund diese Millionen Euro im Jahr für Microsoft hinblättert, aber sein eigenes Souveränitätszentrum auf Sparflamme hält, ist das keine Strategie, sondern ein Lippenbekenntnis.

    Was fehlt, ist der Druck, Produkte wie openDesk auch tatsächlich einzusetzen. Und genau hier muss Wildberger ran — nicht nur reden, sondern Bedingungen setzen. Wer Aufträge des Bundes will, muss interoperabel und plattformneutral liefern. So entstehen aus der Bürger-App-Debatte und Lösungen wie Opendesk eine echte Chance: nicht nur eine neue App, ein neues „Office“, sondern endlich ein Hebel, mit dem die Verwaltung beginnen kann, sich aus der Microsoft-Klammer zu befreien.

    Frankreich hat einen Plan — und Rückgrat

    Während wir hier über Vergaberecht-Schlupflöcher streiten, hat Frankreich einen Fahrplan. Die Digitalbehörde DINUM ersetzt Windows durch Linux, Ministerien migrieren auf staatliche Kollaborationswerkzeuge wie Tchap, Visio und FranceTransfert. Bis Herbst 2026 muss jedes Ressort eine eigene Souveränitäts-Roadmap vorlegen.

    Haushaltsminister David Amiel sagt einen Satz, den ich in Berlin so noch nicht gehört habe: Der Staat dürfe sich nicht länger damit begnügen, seine Abhängigkeit festzustellen — er müsse sie überwinden.

    Auch Frankreich hat seine Atos, vergleichbar mit Telekom oder T-Systems. Aber es gibt einen politischen Willen, der über Legislaturperioden hinaus trägt, und einen Rahmen, in dem auch Open-Source-Anbieter und Mittelstand eine Rolle spielen. Das ist es, was ich mir hier wünsche.

    Bayern, Söder und die föderalen Egoismen — Schleswig-Holstein zeigt, dass es geht

    Bayern ist nur das lauteste Beispiel. Die bayerische Staatsregierung verhandelt mit Microsoft einen Lizenzvertrag im Volumen von rund einer Milliarde Euro — Microsoft 365, Teams, Copilot auf allen Behördenarbeitsplätzen. Als Digitalminister Fabian Mehring eine ergebnisoffene Neubewertung forderte, wurde er von Finanzminister Albert Füracker öffentlich abgewatscht. Markus Söder stellte sich hinter Füracker.

    Dazu kommen seit Jahren laufende Unified-Support-Verträge mit Microsoft, ohne Ausschreibung, mit Kostensteigerungen von bis zu 900 Prozent in fünf Jahren. Aber es ist eben nicht nur Bayern. Auch andere Bundesländer gehen denselben Weg, verlängern Microsoft-Verträge, vertiefen Abhängigkeiten und feiern das anschließend als Pragmatismus.

    Die große Ausnahme heißt Schleswig-Holstein. Das Land wechselt rund 25.000 Verwaltungs-PCs auf Open Source und hat laut eigenen Angaben bereits fast 80 Prozent der Arbeitsplätze auf LibreOffice umgestellt, dazu Open-Xchange statt Outlook. Bilanz bisher: 15 Millionen Euro Lizenzkosten gespart, 6 Millionen Euro für die Umstellung investiert.

    Dass Schleswig-Holstein den Sprung schaffte, hat einen bitteren Hintergrund: Das gemeinsame Open-Source-Projekt Phoenix mehrerer norddeutscher Länder wurde Anfang 2026 vom Bundesrechnungshof scharf kritisiert, Dataport meldete 24 Millionen Euro Verlust, Schleswig-Holstein stieg aus — und machte sein eigenes Ding. Genau das ist der Punkt: Es geht. Wenn man will. Was im Norden funktioniert, ist im Süden offenbar politisch nicht gewollt.

    Während Wildberger in Berlin von digitaler Souveränität redet, zementieren mehrere Länder die Abhängigkeit von einem US-Konzern. Föderalismus ist mir wichtig. Aber ohne bundesweite Weisungsbefugnis in der IT-Strategie wird aus Föderalismus föderaler Egoismus — und der ist der natürliche Feind jeder europäischen Souveränitätsstrategie.

    Digitalministerium als Schiedsrichter für Bundesbehörden

    Pünktlich zu diesen Zeilen schreibe, erscheint ein Bericht, der hoffen lässt: Wildberger will weniger Microsoft und weniger Palantir, berichtet Stefan Krempl bei heise. Im Gespräch mit Politico kündigt der Minister an, die Bundesverwaltung über Open-Source-Lösungen aus der proprietären Klammer zu lösen — beginnend im eigenen Haus, das gerade die Arbeitsplätze umstellt. Ziel sei eine umfassende, frei verfügbare Verwaltungssoftware, die auch über den Eigenbedarf hinaus Wirkung entfalten könne.

    Die Dringlichkeit hat einen Preis: Allein 481,4 Millionen Euro hat der Bund 2025 für Microsoft-Produkte ausgegeben. Bei Palantir hält Wildberger den Einsatz weiter für vertretbar, solange keine europäische Alternative existiert — rechnet aber damit, dass eine solche in zwei bis drei Jahren stehen könne, wenn der Staat als Geburtshelfer für aufstrebende europäische Anbieter fungiert – wieder ein Stück gewollter Industriepolitik.

    Spannend ist sein angekündigtes Werkzeug gegen die Zersplitterung: der IT-Planungsvorbehalt. Damit bekommt das BMDS faktisch ein Vetorecht über IT-Projekte anderer Ministerien ab 500.000 Euro pro Jahr oder drei Millionen Euro Gesamtkosten. Wildberger vergleicht sich mit einem Videoschiedsrichter im Fußball, der eingreift, wenn gemeinsame Standards missachtet werden. Statt isolierter KI-Inseln in jedem Haus soll die bundeseigene KI-Plattform Kipitz verbindlich werden. Das ist genau die Richtung, die ich mir wünsche – wenn man denn in die Länder durchgreifen könnte und würde.

    Und ja, des wird auch der innere Widerspruch der aktuellen Politik sichtbar: Wer mit IT-Planungsvorbehalt Doppelstrukturen verhindern, mit Open Source aus der Microsoft-Abhängigkeit aussteigen und mit europäischen Anbietern arbeiten will, kann eigentlich nicht gleichzeitig das politisch sichtbarste Digitalvorhaben der Legislatur — die Bürger-App — ohne Wettbewerb an SAP und Telekom geben. Doch welche Wahl hat der Minister, wenn er Gas geben will?

    Die nächste Bewährungsprobe steht laut heise schon an: Ende April entscheidet das Kabinett über Big-Data-Software für die Sicherheitsbehörden. Dann wird sich zeigen, ob die Marschrichtung trägt — oder ob am Ende doch wieder die kurze Frist gegen die langfristige Souveränität gewinnt.

    Mehr Frankreich wagen — und ein bisschen mehr Mut

    Etwas mehr Patriotismus im positiven Sinne würde uns guttun. Wir können das selbst, und wir setzen auf eigene und europäische Lösungen, statt reflexhaft in Redmond einzukaufen. Etwas mehr Selbstbewusstsein. Etwas mehr Frankreich. Die Zahlen sprechen Klartext: Wenn Open-Source-Strategien wie OpenDesk bundesweit fast 500 Millionen Euro pro Jahr sparen könnten, sollte der Bund den Ländern endlich eine Deadline setzen — statt weiter Steuergeld zu verbrennen.

    Ich wünsche Karsten Wildberger alles Gute. Aber damit es gut geht, braucht es drei Dinge gleichzeitig: belastbare Kontrolle über das, was SAP und Telekom liefern. Eine echte Einbindung der Fachverfahrenshersteller, verbunden mit der klaren Ansage, dass deren Microsoft-Lock-in endet. Und politischen Rückhalt gegen Landesfürsten, die ihre eigene Microsoft-Romanze pflegen.

    Ob Friedrich Merz das genauso sieht, weiß ich nicht. Ich vermute: eher nicht. Es scheint für ihn ein Randthema. Und genau deshalb wird es so schwer.

    Quellen & Leseempfehlungen

    #Bayern #BürgerApp #DigitaleSouveränität #Frankreich #Microsoft #OpenDesk #OpenSource #SAP #Telekom #Wildberger
  12. "Total Recall" offers a glimpse in the future where ESPN, Hilton Hotels & Resorts, Pepsi, Philips, Coca-Cola, and Fujifilm seem to be just some of the larger corporations which advertise very prominently.

    #Movies #Film #Cinema #Robocop #TotalRecall #PhilipKDick #PaulVerhoeven #Schwarzenegger #RonnyCox #MichaelIronside

  13. Gute Inhalte, schlechte Stimmung? Philipp Amthor (CDU) ist Streit in einer Koalition per se nichts Schlechtes, solange er produktiv bleibt und zu Ergebnissen führt – genau das habe zuletzt jedoch gefehlt.

    📝 ndr.de/nachrichten/info/cdu-po

    #NDR #PhilippAmthor #Demokratie

  14. Recht auf Reparatur

    Der lange Weg zu einer nachhaltigen Konsumkultur

    Weniger wegwerfen, mehr reparieren: Damit die große Idee der Kreislaufwirtschaft endlich Wirklichkeit werden kann, führt Deutschland bald ein neues Gesetz ein. Doch das „Recht auf Reparatur“ könnte verpuffen, wenn die Preise nicht sinken und wir unsere Konsumkultur nicht verändern.

    Muharrem Batman sitzt auf einem Drehhocker und beugt sich mit prüfendem Blick über einen vollbeladenen Werkstatttisch. Irgendwo hier muss seine Uhrmacher-Lupe liegen, doch zwischen Werkzeugen und Kleinteilen ist sie schwer zu finden. Es ist fast wie auf einem Wimmelbild: Schraubendreher in zahlreichen Größen liegen herum, zwischen ihnen sprießen dicke und dünne Elektrokabel hervor. Eigentlich müsse er mal wieder aufräumen, schmunzelt der Mann mit den kurzen grauen Haaren. „Aber ich liebe mein Chaos auch.“

    Es dauert nicht lange, bis er mittendrin die Lupe findet. Er kneift ein Auge zusammen, mit dem anderen schaut er durch die Linse und untersucht die Druckknöpfe eines alten CD-Players. Es ist ein silbernes, eckiges Gerät aus den 90er-Jahren. Die Anlage reagiert nicht mehr, ein Kunde hat sie zum Reparieren vorbeigebracht. Wahrscheinlich sind die Knöpfe schuld, vermutet der Fachmann und nimmt einen von ihnen auseinander.

    Muharrem Batman träumt vom Ende der Wegwerfgesellschaft. Geräte auseinanderbauen, Fehler finden, Technik wieder zum Laufen bringen – das ist sein Default-Mode. Sechs Tage die Woche, von Montag bis Samstag, immer zwischen 10 und 20 Uhr ist er in seinem Geschäft „Batmans Repaircafé“ in Berlin-Neukölln anzutreffen. In der Zeit können Kund*innen ihre defekte Technik bei ihm abgeben.

    Jedes Jahr werden etwa drei Millionen Tonnen neue Elektrogeräte auf den deutschen Markt gespült, vieles davon wird irgendwann zu Elektroschrott und zum Problem für die Umwelt. Die Politik hat das seit längerem erkannt, doch der Weg zum nachhaltigeren Umgang mit Technik ist lang. Ein neues „Recht auf Reparatur“ in der EU soll helfen. Damit es zum Erfolg wird, braucht es Menschen wie Muharrem Batman – und eine richtig gemachte Umsetzung in Deutschland.

    Deutschland hat ein Elektroschrott-Problem

    Elektroschrott stellt die Menschheit vor ein großes Problem. Wenn er im normalen Hausabfall landet, kann es passieren, dass er unsachgemäß verbrannt wird und dabei umweltschädliche Dämpfe entstehen. Wie viel Elektroschrott falsch entsorgt wird, lässt sich nur schätzen. 2022 ging das Umweltbundesamt von 86.000 Tonnen aus, seitdem hat die Gesamtmenge der genutzten Geräte weiter deutlich zugenommen.

    In Deutschland gibt es deshalb eine Mindestsammelquote für elektronische Altgeräte, die in kommunalen Wertstoffhöfen oder Elektrofachmärkten abgegeben werden müssen. Demnach müssten 65 Prozent alter Geräte fachgerecht gesammelt werden wie neue angeschafft werden. Das selbstgesteckte Ziel verfehlt Deutschland meilenweit. 2024 wurden 920.000 Tonnen Altgeräte fachgerecht entsorgt, das ist weniger als ein Drittel der pro Jahr neu auf den Markt gebrachten Geräte.

    Etwa 80 Prozent dieser alten Geräte werden recycelt. Das ist besser, als sie im Hausmüll verschwinden zu lassen, weil manche der verbauten Rohstoffe wiederverwertet werden können. Doch auch Recycling ist nicht unproblematisch, weil Rohstoffe verloren gehen, statt sie in andere Produktkreisläufe einzubauen. Am besten wäre es deshalb, man würde so viele gebrauchte Geräte wie möglich reparieren und weiternutzen. Derzeit geschieht das aber nur bei zwei Prozent der gesammelten Geräte.

    Das Recht auf Reparatur soll Elektromüll reduzieren

    Die Europäische Union hat deshalb vor einigen Jahren weitreichende Pläne für eine nachhaltige Konsumwirtschaft beschlossen. Das Ziel ist es, bis 2050 vollständig kreislauforientiert und klimaneutral zu wirtschaften. In der Kreislaufwirtschaft sollen Ressourcen und Produkte so lange wie möglich wiederverwendet, repariert und recycelt werden, um weniger Ressourcen zu verbrauchen und Abfälle zu reduzieren. Ein Baustein, um den Konsum umweltschonender zu machen, ist das Reparieren.

    Im Juli 2024 ist eine EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur in Kraft getreten, derzeit sind die Mitgliedsstaaten mit der Umsetzung auf nationaler Ebene an der Reihe. In Deutschland hat die Bundesregierung dafür bis zum 31. Juli 2026 Zeit. Einen ersten Entwurf hat das Bundesjustizministerium im Januar vorgelegt, den Bundesjustizministerin Hubig als wichtigen Beitrag für „eine neue Kultur des Reparierens“ vorstellte.

    Das übergeordnete Ziel des Gesetzes: Reparaturen sollen verbraucherfreundlicher werden, weil sie länger möglich und einfacher umzusetzen sind. Dafür sollen Reparaturen von bestimmten technischen Gebrauchsgütern wie Waschmaschinen, Staubsaugern oder Smartphones künftig „unentgeltlich oder zu einem angemessenen Entgelt“ angeboten werden, auch nachdem die Gewährleistungsfrist abgelaufen ist. Hersteller dürfen die Reparierbarkeit ihrer Produkte nicht mehr verhindern, zum Beispiel durch ausbleibende Updates oder indem sie technische Schutzmaßnahmen einbauen. Außerdem werden sie verpflichtet, Ersatzteile zu einen „angemessenen Preis“ an Händler und Werkstätten zu verkaufen.

    Ob Reparaturen in Deutschland tatsächlich verbraucherfreundlicher werden, hängt maßgeblich davon ab, wie die EU-Richtlinie im Detail umgesetzt wird. Die Ausgangslage ist gut: 78 Prozent der deutschen Verbraucher*innen wünschen sich, ihre elektronischen Geräte einfacher reparieren lassen zu können. Zu dem Ergebnis kommt eine international angelegte Studie des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen.

    Dass Elektrogeräte bislang meist entsorgt, statt repariert werden, liegt vor allem an den zu hohen Kosten. Dies ist laut einer Umfrage des Forschungsinstituts forsa der am häufigsten genannte Grund, der eine Reparatur verhindert. Befragte geben außerdem an, dass sie sich gegen eine Reparatur entschieden hätten, weil die zu umständlich gewesen sei, ein Fachmensch davon abgeraten habe oder passende Ersatzteile gefehlt hätten.

    Kreatives Chaos zwischen Kunst und Schrott

    Für Muharrem Batman sind Reparaturen nicht nur ein Job, sondern eine Lebensaufgabe. Schon als Kind sei er ein „Freak-Bastler“ gewesen, sein Vater habe ihn früh mit auf Flohmärkte genommen und ihm geraten, „etwas zu machen, das sonst keiner macht“. Mitte der 90er-Jahre als junger Erwachsener in den Treptower Hallen wusste er deshalb ziemlich gut, welche elektronischen Geräte und welches Zubehör er aufkaufen musste, um sie zu reparieren, aufzupolieren und weiterzuverkaufen.

    Seit mehr als 20 Jahren ist der Neuköllner nun Ansprechpartner für Reparaturen in Neukölln, seit 2021 findet man sein Geschäft im legendären alten Karstadt-Gebäude am Hermannplatz. Nach der Pleite der Warenhauskette soll das Galeria Kaufhaus zum Treffpunkt für den Kiez werden, mit Lebensmittelgeschäften, Gastronomie und Räumen für Vereine. Mittendrin: Batmans Repaircafe.

    Betritt man das Geschäft, bleibt der Blick an einer Schaufensterpuppe im Eingangsbereich hängen. Sie ragt aus einem Berg aus Röhrenfernsehern, Drehscheibentelefonen und elektronischen Küchengeräten empor und dreht sich fortwährend um sich selbst. Die Puppe ist nackt, nur alte Elektrogeräte muss sie tragen. Um ihren Hals sind schwarze Kabel gewickelt, an deren Enden ein gelbes Bügeleisen von Philips, ein Standmixer ohne Aufsatz und ein roter Föhn hängen. In der einen Hand hält die Puppe ein Rührgerät und einen Toaster, in der anderen ein Glätteisen und eine Polaroidkamera.

    Schaut man sich im Geschäft weiter um, fallen Modellköpfe ins Auge, die auf einer Glasvitrine stehen und mit Kabeln frisiert sind. Auf dem einen wachsen alte Litzenkabel zu zwei fransigen Zöpfen zusammen, an dem anderen zu einem geflochtenen Bart, der dritte trägt einen blauen Irokesenschnitt. Muharrem Batman hat die Blickfänger selbst aus Elektroschrott gebaut. Seine Kunstwerke bestehen aus alten Kleingeräten, die Menschen weggeworfen haben.

    Inmitten dieses kreativen Chaos aus Kunst, Schrott, Werkzeugen und Ersatzteilen schraubt der Bastler an Geräten wie dem silbernen CD-Player. Batmans Reparaturbetrieb heißt „Repaircafé“, obwohl er selbst lieber von einer Werkstatt sprechen würde, weil er dieselben Leistungen wie in herkömmlichen Reparaturbetrieben anbietet. So darf der Inhaber sein Geschäft aber nicht nennen, weil er auf dem Papier keinen Meisterabschluss vorzuweisen hat. Seine Kund*innen kommen trotzdem immer wieder, erzählt Batman, auch wegen der fairen Preise. „Da bin ich sehr sozial und die wissen: Der ist korrekt.“

    Wie teuer dürfen Reparaturen sein?

    Studien zufolge werden Reparaturen für Verbraucher*innen dann zu einer realen Entscheidungsoption, wenn sie den Geldbeutel nicht zu stark belasten und die Kosten im Verhältnis zum Neupreis nicht zu hoch sind. Verschiedene Studien kommen zu dem Schluss, dass Verbraucher*innen eine Reparatur nicht mehr in Betracht ziehen, sobald der Preis höher als 30 Prozent des Neupreises liegt. Laut dem Nürnberger Institut für Marktforschung liegt die Preisschwelle sogar nur zwischen 15 und 20 Prozent.

    Um die Preisgestaltung ringen verschiedene Verbände bei der deutschen Umsetzung des Rechts auf Reparatur hart. Ausgerechnet diese Frage bleibt im Gesetzesentwurf der Bundesregierung schwammig. Denn die Formulierung eines „angemessenen Entgelts“ ermöglicht keinen Aufschluss, welche Preise Verbraucher*innen künftig tatsächlich erwarten werden.

    Das kritisiert etwa Keo Sasha Rigorth vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in einer Pressemitteilung: „Mit Blick auf den teuer werdenden Verbraucheralltag“ sei das unverständlich. „Ein Elektrogerät zu reparieren, statt es wegzuwerfen, sollte die Umwelt und gleichzeitig den Geldbeutel der Menschen schonen.“

    68 Prozent der Händler und 63 Prozent der Hersteller gehen infolge des neuen Rechts von steigenden Kosten für Reparaturen aus. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie des IFH Kölnaus dem Jahr 2025, für die Verbraucher*innen, Fachhändler und Hersteller befragt wurden, welche Veränderungen sie infolge des Reparaturrechts erwarten. Die Gründe für erwartete Kostensteigerungen liegen beispielsweise in steigenden Kosten für zusätzlichen Personalbedarf, weil mehr Menschen Reparaturen nachfragen würden. Zudem müssten Hersteller Ersatzteile länger lagern.

    Zum ersten Entwurf des Justizministeriums haben 26 Interessenvertretungen Stellung bezogen. Eine davon ist die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), die mehr als drei Millionen Unternehmen in Deutschland vertritt. Anders als der vzbv bewertet der Verband die gesetzliche Vorgabe eines „angemessenen Preises“ für Reparaturen als Vorteil für Verbraucher*innen. Allerdings könnten Werkstätten infolge des neuen Rechts gezwungen sein, Reparaturen zu Preisen unterhalb der tatsächlichen Kosten durchzuführen, so die Sorge der DIHK.

    Noch weniger aufseiten der Verbraucher*innen steht der Handelsverband Deutschland (HDE), der ebenfalls Stellung bezogen hat. Der HDE vertritt rund 280.000 Einzelhandelsunternehmen und fordert, neben sämtlichen Kosten eine übliche Gewinnspanne in den Reparaturpreis einzuberechnen.

    Trotz der kritischen Rückmeldungen bleibt die Schwammigkeit im finalen Gesetzentwurf, den die Bundesregierung Ende März beschlossen hat, bestehen. Allerdings ist nicht mehr von einem „angemessenen Preis“ die Rede, sondern von einem „angemessenen Entgelt“.

    Neue Aufgaben für alte Knöpfe

    Muharrem Batman sagt, er könne seine günstigen Preise deshalb anbieten, weil er „kein Diplom mit goldenem Rahmen an der Wand hängen“ hat. Hinzu kommt, dass er für seine Ladenfläche im Galeria Kaufhaus kaum Miete zahlen muss. Die Geschäftsführung sei kulant und unterstütze seine Tätigkeit, erzählt der Tüftler. Das Reparaturgeschäft bringe schließlich neuen Schwung ins Haus, von dem beide Parteien profitieren. Auch Personalkosten fallen neben Batmans eigenem Gehalt nicht an.

    Ihm sei es wichtig, dass sich jede*r eine Reparatur bei ihm leisten kann, erzählt Batman, während er sich über den vollbepackten Werkzeugtisch beugt. Da Ersatzteile ein Preistreiber sein können, gerade wenn man sie in größeren Mengen vorhalten muss, hat der Neuköllner dafür eine günstige und naheliegende Lösung gefunden: Er sammelt sie aus alten Elektrogeräten, die Kund*innen zur Entsorgung bei ihm abgegeben haben oder deren Defekt eine Reparatur nicht mehr beheben kann.

    Der Tüftler nutzt alles, was noch wiederverwendbar ist. In etwa der Hälfte aller Fälle könne er auf seinen wachsenden Bestand an Ersatzteilen zurückgreifen. Batmans Art zu reparieren gibt eine Vorahnung darauf, wie eine nachhaltige Konsumkultur aussehen könnte, die nicht davon geprägt ist, immer mehr Gewinn erzielen zu wollen.

    Auch für den alten CD-Player könnte er die passende Lösung haben. Ein paar Ersatzteile liegen auf dem Tisch verteilt. Der Bastler fischt einen Druckknopf heraus, den er bis zur Elektroplatte auseinanderbaut. Er führt daran vor, wie der Kontakt in so einem Knopf funktioniert und weshalb am CD-Player nichts mehr passiert, wenn man auf einen Knopf drückt: Die Köpfe sind von innen korrodiert und reagieren deshalb nicht mehr.

    Hersteller in die Pflicht nehmen

    Dass Ersatzteile ein Preistreiber sein können, hat auch der Gesetzgeber erkannt. Der Entwurf der Bundesregierung sieht deshalb auch für sie einen „angemessenen Preis“ vor. Aber auch hier gehen die Meinungen auseinander, was das genau heißen sollte.

    Die Nichtregierungsorganisation Germanwatch e.V. gibt auf Nachfrage von netzpolitik.org an, dass Ersatzteile einen Preis von 15 bis 20 Prozent des Gesamtneupreises nicht übersteigen sollten. Bis zu dieser Preisschwelle könne der Gesamtpreis einer Reparatur noch unter der 30-Prozent-Quote liegen. Ausgenommen sollten nur Fälle sein, „in denen die tatsächlichen Produktionskosten für Ersatzteile diese Marke für Hersteller zu einem Minusgeschäft machen würden.“

    Der vzbv fordert, Hersteller stärker in die Pflicht für faire Ersatzteilpreise zu nehmen und auf europäischer Ebene Kriterien für „angemessene“ Ersatzteilpreise zu definieren. Bisher könnten diese im betriebswirtschaftlichen Sinne als „angemessen“ gelten, praktisch die Inanspruchnahme einer Reparatur jedoch wirtschaftlich unattraktiv machen, kritisieren die Verbraucherschützer*innen. Zukünftig sollten Hersteller Ersatzteilpreise dann nicht mehr so weit erhöhen dürfen, dass der Reparaturpreis Verbraucher*innen abschreckt.

    Vertreter der Online-Community iFixit gehen noch einen Schritt weiter und kritisieren, dass Hersteller Preise weiterhin variabel bestimmen könnten, solange es keine bindenden Informationspflichten gebe, die die Preise für Ersatzteile festlegen. „Deswegen brauchen wir verbindliche Reparaturvorschriften, die Angaben zur Reparaturfähigkeit des Designs sowie zur langfristigen Verfügbarkeit erschwinglicher Ersatzteile enthalten“, fordert Thomas Opsomer aus dem Policy Team von iFixit gegenüber netzpolitik.org. Die Informationen sollten an der Verkaufsstelle dargestellt sein, damit Verbraucher*innen mit deren Hilfe ihre Kaufentscheidung abwägen können.

    Um die Konsumkultur heute zu verändern, müssten Hersteller in die Pflicht genommen werden für das, was sie produzieren und wie sie produzieren, sagt Thomas Opsomer. Er und seine Kolleg*innen von iFixit hatten sich auch in den europäischen Gesetzgebungsprozess eingebracht. Das Unternehmen betreibt eine Plattform für die nach eigener Auskunft größte Reparatur-Community der Welt.

    Ein Anfang wäre gemacht, so Opsomer, wenn Reparaturfähigkeit zur rechtmäßigen Grundlage für alle Gerätearten erklärt würde und nicht, wie bislang, nur für einige wenige. Ausnahmen könne man später noch definieren. Aktuell gilt das Recht auf Reparatur beispielsweise nicht für elektronische Kleingeräte wie Kaffeemaschinen, Toaster und Kopfhörer.

    Eine andere Konsumkultur muss gewollt sein

    Damit das Recht auf Reparatur zur gelebten Praxis werde, brauche es ein Umdenken in der Gesellschaft, führt Thomas Opsomer weiter aus. Ein nicht-reparierbares Produkt, das kurzfristig billig sei, werde schließlich langfristig teuer, sowohl für den Geldbeutel als auch für die Umwelt. Ein reparaturfähiges Produkt sei hingegen kurzfristig teurer, würde langfristig aber billiger werden. Ein solcher Mentalitätswandel wäre jedoch schwer vorstellbar, solange die Verbraucher ständig mit Werbung für neue Produkte konfrontiert werden.

    Am Ende muss mehr als nur der Preis stimmen: Es bräuchte auch ein größeres kollektives Bedürfnis, das zu erhalten, was da ist, statt etwas Neues zu konsumieren. Überkonsum und Elektroschrott sind ein gesellschaftliches Problem, das nur bedingt durch individuelles Handeln gelöst werden kann.

    Heutzutage werde die Last der richtigen Konsumentscheidung jedoch permanent den Verbraucher*innen aufgebürdet, kritisiert Autor Gabriel Yoran in seinem Buch „Die Verkrempelung der Welt“. Selbst wohlmeinende Verbraucherschutzorganisationen würden dazu beitragen, die Problemlösung auf das Individuum zu verschieben.

    Auch das Recht auf Reparatur ist eine individuelle Lösung. Für eine nachhaltige Konsumkultur bräuchte einen grundlegenden Strukturwandel. Am Ende muss mehr repariert werden als ein paar Elektrogeräte: unser Wirtschaftssystem.

    Die Idee der Kreislaufwirtschaft kommt dem benötigten Strukturwandel derzeit am nächsten und erschwingliche Reparaturen sind ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings werden Hersteller wohl nicht auf diesem Weg vorangehen. Ihr Ziel besteht weiterhin darin, das Bedürfnis des Konsumierens durch neue Produkte zu stillen oder neue Bedürfnisse zu kreieren.

    Ein Ort, wo Menschen einander helfen

    Muharrem Batman wäre nicht Muharrem Batman, wenn er für das Problem der Konsumkultur nicht auch eine Lösung im Kopf hätte. Am liebsten würde er die verschiedenen Probleme des digitalen, spätkapitalistischen Lebens auf einen Schlag lösen: den linearen Konsum, die leerstehenden Innenstädte, die Vereinzelung im Alltag. Immer noch sitzt er auf seinem Drehhocker vor dem Werkstatttisch. Während er von seiner Zukunftsvision erzählt, verschränkt er die Hände hinter dem Kopf.

    „Ich möchte, dass Menschen wieder zusammenkommen – aber analog, so wie es früher war. Meine Vision ist ein Ort, wo alles unter einem Dach ist, was Nachhaltigkeit, Umwelt und soziales Leben betrifft. Wo sich Menschen gegenseitig helfen, etwas unternehmen, zusammen basteln und tüfteln. Ein zentraler Punkt, wo der Mensch sich selbst gegenübersteht.“

    Diesen Ort nennt Batman „Erlebniskaufhaus“. Dort sollen im Regal Gebrauchtwaren neben Neuwaren stehen. Wenn Menschen sehen, dass da kein Qualitätsunterschied ist, würden sie sich hoffentlich eher für ein repariertes Produkt entscheiden. Im Erlebniskaufhaus müsste es außerdem in jeder Warenabteilung eine adäquate Werkstatt geben, in der Fachpersonal und Kund*innen nebeneinander oder gemeinsam Reparaturen durchführen. „Das ist kein Projekt mehr, das ist für mich zu einer Mission geworden“, betont Batman.

    Wie weit der Weg zu diesem Ziel noch sein könnte, zeigt die Geschichte des silbernen CD-Players mit den korrodierten Tasten. Alle Knöpfe auszutauschen wäre „eine ziemliche Fummelarbeit“, seufzt Batman. Die Reparatur würde wohl etwa 30 Euro kosten. Der Bastler zuckt mit den Schultern. Am Ende muss der Kunde entscheiden, ob er das Gerät reparieren lässt oder für 50 Euro ein neues anschafft.

    Laura Jaruszewski ist von Januar bis März 2026 Praktikantin bei Netzpolitik. Ansonsten studiert sie in Göttingen Sozialwissenschaften und interessiert sich für Überwachungstechnologien und antifeministische Bewegungen im Netz. Kontakt: E-Mail (OpenPGP). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

  15. arteptweb-a.akamaihd.net/am/pt

    Die Wut der Nina Simone,
    1965 Sternstunden der Musik

    Verfügbar bis 26/05/2025

    Nina Simone (1933-2003): Pianistin und Sängerin, dazu eine der einflussreichsten Musikerinnen des 20. Jahrhunderts. Im Kampf gegen Rassismus wandelt sie sich in den frühen 1960ern zur Protestsängerin, was ihr in den #USA Medienboykotte einbringt. Die Aufzeichnung ihres Konzerts in den Niederlanden ist ein eindringliches Dokument – und eine Sternstunde der Musik.

    Es ist ein besonderer Moment im Leben der weltberühmten #Sängerin und #Pianistin #NinaSimone (1933-2003): Sie ist gerade Mutter geworden, in den USA hat sie sich den Protesten der #Bürgerrechtsbewegung gegen den #Rassismus und die #Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung angeschlossen.

    Simone hofft, dass ihre Stimme Teil der Veränderung der Situation in den USA der 1960er sein kann. Doch ihre Texte und ihr Auftreten gelten in den USA als unbequem, im Süden der USA wird sie teils boykottiert.
    Der Wechsel ihres Plattenlabels – aus den USA zum niederländischen Label Philips Records – führt zu einem TV-Konzert, mit dem sie ein Millionenpublikum erreicht.
    Entlang des Konzerts, das in schwarz-weiß aufgezeichnet wurde, erzählt der Film von Simones Anfängen in der Musik, wie sie von der Klassik zum Jazz kam. Dabei geht es auch um ihren Mut und unerbittlichen Kampf für #Gleichberechtigung und #Freiheit.
    Mit
    "Tomorrow ist my turn, no more doubts, no more fears"
    (1965)
    macht sich Nina Simone ein Stück von #CharlesAznavour zu eigen – in seiner Mischung aus Resignation und trotziger #Hoffnung ein Höhepunkt in einem höchst intensiven #Konzert.

    Der Film lässt den Auftritt aus heutiger Sicht Revue passieren. Interviewpartnerinnen wie die Pianistin #GabrielaMontero oder die Singer-Songwriterin #AngéliqueKidjo machen deutlich, wie wichtig #Zivilcourage, #Authentizität und #Emotionalität auf der Bühne sind
    und
    wie das #Vermächtnis von Nina Simone bis heute nachwirkt.

    Regie

    Magdalena Zieba-Schwind

    Land

    Deutschland

    Jahr

    2024

    Herkunft

    ZDF

    arte.tv/de/videos/118187-000-A

  16. January 2021: Trump's #Billionaire Enablers: The 63 Billionaires Worth $243 Billion Who Bankrolled Trumps Re-Election Bid

    "IPS found that as of January 8, 2021, these 63 billionaire #Trump Victory Fund donors have combined wealth of $243.7 billion dollars (using real-time estimates from Wealth-X and Forbes). This is more than the wealth of the bottom half of all U.S. households combined, an estimated 159 million people.

    "The top ten billionaire donors to the Trump Victory Fund, with combined wealth of $82.6 billion, are:

    - #Gas pipeline magnate Kelcy Lee Warren, worth $2.9 billion, gave eight donations totaling $2,248,906.
    - Retired CEO of #Marvel Entertainment, Isaac Perlmutter, is worth $5.8 billion and donated $1,871,200.
    - Telecommunications mogul Kenny Troutt, worth $1.5 billion, donated $1,849,000.
    - Biotech investor Robert Duggan, worth $2.6 billion, donated $1,638,200 to the Trump Victory Fund. In the final days of the campaign, Duggan gave $4.6 million to various Trump campaign groups, according to Forbes.
    - #Casino magnate Steve Wynn, worth $3 billion, contributed over $1,523,500.
    - Casino owner, Phillip Gene Ruffin, worth $2.3 billion, donated $1,375,000.
    - Owner of #ABCSupply, the giant home supplier, Diane Hendricks $8 billion (Forbes), donated $1,175,000.
    - Casino megadonor #SheldonAdelson, and his wife Miriam Adelson, worth over $35.9 billion (Forbes), contributed $1.16 million, along with massive donations to other Republican PACs and candidates.
    - #Texas #Banker Daniel Andrew Beal, worth $7.5 billion, gave $1,161,200.
    - Software entrepreneur David Duffield, worth $13.3 billion, donated $1,151,600.

    Other notable billionaires to the Trump Victory Fund include:

    - #Blackstone CEO Stephen Schwarzman, worth $20.9 billion, who gave $355,000.
    - #JohnsonAndJohnson heir Robert Wood Johnson IV, worth $2.5 billion, contributed $575,000.
    - Hedge fund manager John Paulson, worth $4.2 billion, donated $831,372.
    - Heir to the cosmetic fortune, Ronald Steven #Lauder, worth $5.2 billion, gave $100,000."

    commondreams.org/newswire/2021

    #FollowTheMoney #Oligarchy #Capitalism #Corporatocracy

  17. Am 23. November 1733 begann der #Sklavenaufstand auf St. Jan, es handelt es sich um einen der am längsten andauernden Aufstände in der Geschichte Amerikas, der bis August 1734 dauerte. Er ist auch einer der frühesten dortigen Sklavenaufstände.

    Breffu: eine #Sklavin, eine #Rebellin, eine #Kämpferin – und eine Frau, die in der Geschichte fast unsichtbar ist

    Die Rolle der Frauen in Konflikten geht in den archäologischen Aufzeichnungen oft verloren – aber Breffus Geschichte zeigt, wie wir manchmal einen Blick auf sie erhaschen können

    Holly Norton, Di., 20. März 2018, 09:00 MEZ, Zuletzt geändert am Di., 20. März 2018, 15:28 MEZ

    An einem frühen Novembermorgen im Jahr 1733 warteten auf St. Jan, einer kleinen Insel in den Dänischen Westindischen Inseln, zwei Sklaven vor einem kleinen Steinhaus, das einer Familie von Plantagenbesitzern, den Krøyers, gehörte. Die Sklaven #Breffu und Christian lauschten auf das Geräusch einer Kanone, die von ihren Landsleuten auf das Fort der Insel abgefeuert werden sollte, um die Niederlage der Soldaten des Forts und den Beginn eines Sklavenaufstands zu signalisieren. Die Kanone wurde abgefeuert und Breffu betrat das Haus und tötete die gesamte Familie Krøyer.

    Im Mai des folgenden Jahres, als der Sklavenaufstand zusammenbrach, vermerkte der Gouverneur von St. Jan, Phillip Gardelin, in seiner Korrespondenz, dass er mit Überraschung erfahren habe, dass „einer der Anführer des Aufstands, Baeffu [sic], den keiner von uns kannte und von dem wir annahmen, dass er ein Mann sei, der meinen Sohn Pieter Krøyer und seine Frau ermordet habe, eine Frau ist!“

    Gardelins Überraschung über Breffus Geschlecht ist rätselhaft, da ihre Beteiligung den dänischen Behörden seit Januar 1734 durch die Aussagen anderer versklavter Personen, die zu den Rebellen befragt wurden, bekannt war. Anscheinend hielt es niemand für wichtig, den Dänen das Geschlecht der Anführer mitzuteilen. Und anscheinend hielten es die Dänen nicht für wichtig, danach zu fragen.

    Sklavenaufstände waren natürlich ein häufiges Ereignis in den #Sklavengesellschaften, die die westliche Hemisphäre im 16. bis 19. Jahrhundert beherrschten. Aufstände und Rebellionen waren komplizierte Angelegenheiten, an denen in der Regel Männer mit unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten in einer Vielzahl von Rollen beteiligt waren, von charismatischen Anführern bis hin zu Drückebergern und Informanten. Frauen waren zwar eng in die Rebellionsaktivitäten eingebunden, jedoch selten in der Rolle von Anführerinnen oder als Kämpferinnen – zumindest nicht in einer Weise, die aktiv dokumentiert wurde.

    #Frauen und die verschiedenen Rollen, die sie bei diesen Ereignissen spielten, waren weitgehend unsichtbar. Dafür gibt es viele Gründe – die Versklavten hinterließen keine schriftlichen Aufzeichnungen, sodass die dokumentarischen Aufzeichnungen über Sklavenaufstände und die anschließenden Prozesse von der gegnerischen Seite hinterlassen wurden: der weißen #Plantagengesellschaft. Mit Ausnahme der haitianischen #Revolution erreichte kein #Sklavenaufstand in der westlichen Hemisphäre das Ziel der dauerhaften Freiheit. Die anschließenden Prozesse waren daher ebenfalls voreingenommen: Die Fragen der Staatsanwälte waren nicht nur von rassistischen, sondern auch von geschlechtsspezifischen Vorurteilen geprägt. Nach Ansicht vieler Wissenschaftler zeigen zahlreiche Prozessprotokolle, dass die Plantagenbesitzer nicht nur davon ausgingen, dass die meisten Frauen nicht an diesen „männlichen“ politischen Aktivitäten teilnahmen, sondern auch, dass sie wenig über die Einzelheiten der Ereignisse wussten.

    Breffus Beteiligung als Kämpferin und Anführerin des St.-Jan-Aufstands wirft außergewöhnliche Fragen auf, auf die es in den historischen oder archäologischen Aufzeichnungen nur sehr wenige Antworten gibt. Es gibt eine Handvoll Frauen, die in anderen Aufständen identifiziert wurden, und noch weniger in ähnlichen Rollen als Anführerinnen und Kämpferinnen. Marjoleine Kars spricht über eine andere versklavte Frau, Amelia, die es „für angebracht hielt, vorübergehend eine männliche Rolle zu übernehmen“, und zwar bei einem anderen Aufstand in Berbice, #Guyana, fast 30 Jahre nach dem Aufstand von St. Jan. Amelia hatte die Mittelpassage – die schreckliche Reise von den afrikanischen Sklavenhäfen zu den Sklavenmärkten der Neuen Welt – mit dem Organisator des Aufstands, Coffij, überlebt, und die gemeinsame Erfahrung machte sie zu Geschwistern. Amelias Rolle scheint hauptsächlich beratender Natur gewesen zu sein, nicht als Kämpferin, obwohl Kars darauf hinweist, dass sie beschuldigt wurde, ein „breites Schwert wie ein Mann“ zu tragen und möglicherweise an dem rituellen Mord an europäischen Kindern teilgenommen zu haben, um ihren „Bruder“ bei seiner Beerdigung zu ehren. Amelia scheint im Gegensatz zu Breffu ihre Geschlechtsidentität nie verloren zu haben – sie hat sie nur für eine Weile eingetauscht.

    Beide Fälle veranschaulichen die Fluidität und Kontextabhängigkeit von Geschlecht und geschlechtlicher Darstellung. Es war das Ereignis des Aufstands selbst, das offenbar einen Raum für #Amelia und #Breffu geschaffen hat, in dem sie sich als Männer darstellen konnten. Es gibt jedoch viele unbeantwortete Fragen, die Aufschluss darüber geben könnten, wie das Geschlecht unter diesen Bedingungen zum Ausdruck kam. Auf welche Weise trat Breffu als Mann auf? Kleidete sie sich wie ein Mann oder trug sie nur bestimmte „Insignien“ der Männlichkeit wie eine Waffe, so wie es Amelia tat? War es nur durch die Teilnahme an Gewalt? War es durch die Teilnahme an politischer Gewalt, die sich gegen Sklavenhalter richtete? War Breffu in der Lage, diese Rolle als Kämpferin zu übernehmen, weil sie sich vor dem Aufstand in anderen Aspekten ihres Lebens als Mann ausgab? In welcher Beziehung stand Breffu zu den anderen Anführern und der „Basis“ der #Rebellenarmee?

    Es deutet auch darauf hin, wie versklavte Männer gesehen und wahrgenommen wurden, insbesondere im Hinblick auf Aufstände, und welche Komplikationen es für die männliche Identität derjenigen gab, die sich dafür entschieden, als Nichtkombattanten teilzunehmen – oder sich dafür entschieden, überhaupt nicht an Sklavenaufständen teilzunehmen. Als #Archäologen können wir zwar keine Antworten auf diese Fragen aus den materiellen Aufzeichnungen erhalten, aber das Wissen, dass selbst Ereignisse wie Sklavenaufstände nicht schwarz und weiß, männlich und weiblich waren, hilft uns, die schönen Nuancen der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart zu sehen und zu verstehen.

    Über Breffu ist kaum etwas bekannt. Anstatt sich gefangen nehmen zu lassen, soll sie sich im Mai 1734 zusammen mit 23 anderen Rebellen das Leben genommen haben. Sie taucht nicht in den Landlisten auf, den Steuerunterlagen der dänischen Westindischen Inseln im frühen 18. Jahrhundert. Auch ihre Handlungen zwischen dem Mord an den Krøyers und ihrem eigenen Tod sind in den Zeugnissen nach dem Aufstand nicht für die Nachwelt festgehalten. Wir wissen jedoch, dass die als Breffu bekannte Frau als Mann auftrat und einen der am längsten andauernden Sklavenaufstände in der Neuen Welt anführte – ein subtiler, aber entscheidender Bestandteil unserer Wahrnehmung dieser turbulenten Zeiten.

    Holly Norton hat den Sklavenaufstand von St. Jan im Jahr 1733 für ihre Dissertation untersucht und schreibt derzeit ein Buch, das auf dieser Forschung basiert.

    Weiterführende Literatur

    Bush, Barbara (1982), Defiance or Submission? The Role of the Slave Woman in Slave Resistance in the British Caribbean. Immigrants and Minorities, 1(1):16-38

    Finch, Aisha (2014), „What Looks Like a Slave Rebellion“: Versklavte Frauen und das geschlechtsspezifische Terrain von Sklavenaufständen in Kuba, 1843–1844. Journal of Women's History, 26(1): 112–134

    Kars, Marjoleine (2016), Rebellion verhindern: Politik und Geschlecht im Berbice-Sklavenaufstand von 1763. American Historical Review, Februar. 39–69

    Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

    #History #Geschichte #Feminismus #OtD #CapitalismIsADeathCult

    Quelle

  18. Leseempfehlung: „Auerbach war bereit, zumindest den unzähligen Mitläufern zu verzeihen. Er, der einst erfolglos mit dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold die Weimarer Demokratie verteidigte, gab Deutschland noch eine Chance. Dabei hatten die Nazis seinen Vater und seine Schwester ermordet. Auch wenn #Auerbach im persönlichen Umgang mitunter als schwierig galt, war er Humanist, glaubte nicht an eine sogenannte Kollektivschuld.“
    #reichsbannersrg #nszeit
    bayerische-staatszeitung.de/st

  19. Bei uns in der Mache: »Denker der Dekolonisation« zu Frantz Fanon. Philipp Dorestal zeigt, wie der Autor von »Schwarze Haut, weiße Masken« (1952) oder »Die Verdammten dieser Erde« (1961) eine eigenständige materialistische Theorie von Rassismus, kolonialer Entfremdung und der politischen Dimension von Begehren entwickelt hat, die heute hochaktuell ist #staytuned

    #fanon #frantzfanon #dekolonial #dekolonisation #rassismus #kolonialismus #politik #psychiatrie #blackhistory #blackvoices

  20. Neues von unserem Konfikurs:
    8. Treffen: Taufe
    Text: Pfr. Philipp Fischer. Bildrechte: fundus.media. Am 14. März trafen sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden der Kirchengemeinden Nabburg-Pfreimd-Schwarzenfeld, Neunburg vorm Wald und Oberviechtach-Schönsee gemeinsam mit ihren Patinnen und Paten im Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Nabburg zu einem besonderen Konfi-Tag rund um das Thema Taufe. Dabei,
    blogs.rpi-virtuell.de/konfi/20
    ##Taufe #Fedikirche #Konfis #Konfirmanden

  21. @seemannsmission 1) Papiere und Füllertinten aus Japan, 2) Lithiumakkus, elektronische Bauteile, Lötmaterial, Klebstoffe, Reinigungschemie u. anderes aus China.

    1) Regelmäßig gordert und genutzt, 2) Vieles aus China, aber eigentl. von überall her - vorwiegend sind es Dinge, die man hier vor Ort sogut wie gar nicht, online sonst nur mit viel Sucherei aus DE/EUR bekommt.

    Machen wir uns aber nichts vor... auch albernes Zeugs wie "Made in Germany" wird ohnehin oft nur noch hier zusammengeklöppelt, oder gar mit einer "noblen" Marke umgelabelt. Die Zeiten, in denen man noch sagen konnte: "Diesen Transistor hätte ich aber gerne nicht als ChinaSchrott sondern von #TeleFunKen und die Verstärkerröhre soll bitte eine #Philips #Valvo sein, sind ja spätestens seit den End-1980ern vorbei, als z.B. aus der Grundig AG eine "Vertriebs GmbH" wurde.

    Ist aber in fast allen Bereichen so, was auch nicht unbedingt oder vollständig schlecht sein muss. Was anderswo besser gemacht wird, kommt dann eben von anderswo her. Allein an der Nachhaltigkeit/Reparierbarkeit der Produkte und an der Logistik und deren Profit-"Optimierung" sollte man dringend schrauben, schon der Umwelt zuliebe.

    Und das deutschtümelige, schwarzgelbe Wirtschaftsgejammere von Schwarz und Gelb und Blau ist mir ohnehin scheißegal... was man hier nicht kann und nicht bekommt, hole ich mir von woanders her. Allerdings, nicht im Übermaß und schon gar nicht mit Wegwerfmentalität. Im Gegenteil

  22. #PLATTENMARKT

    SO. 18.05., 13 Uhr #Erfurt, Löberstr. 12

    33 1/2, 45, 78 upm

    FRANZ MEHLHOSE möchte alle Schallplatten-Fans zum „Diggen“, Tauschen und Feilschen einladen. Ihr könnt mit einer Hand voll runder Klänge weitere Freunde der mechanischen Tonaufzeichnung kennenlernen oder einfach zum Stöbern vorbeikommen. Es gibt Teller zum Reinhören vor Ort. Außerdem steht eine Platten-Waschmaschine bereit, die noch mal das Beste aus dem schwarzen Gold rausholt.

    mal sehen, ob wir Ralf noch überreden können den alten Plattenschrank mit herauszustellen, dann könnt ihr auch die Schätzchen mit den ganz breiten Rillen original abspielen.

    Wer mit Schellack (78 UPM) anreist, der fragt einfach bei Philipp nach den pflegenden Angehörigen. Die haben auf jeden Fall einen entsprechenden portablen Abspieler für die ganz alten Scheiben mit unterm Arm.

    #Erfurt #Schellack #Vinyl

  23. arteptweb-a.akamaihd.net/am/pt

    Die Wut der Nina Simone,
    1965 Sternstunden der Musik

    Verfügbar bis 26/05/2025

    Nina Simone (1933-2003): Pianistin und Sängerin, dazu eine der einflussreichsten Musikerinnen des 20. Jahrhunderts. Im Kampf gegen Rassismus wandelt sie sich in den frühen 1960ern zur Protestsängerin, was ihr in den #USA Medienboykotte einbringt. Die Aufzeichnung ihres Konzerts in den Niederlanden ist ein eindringliches Dokument – und eine Sternstunde der Musik.

    Es ist ein besonderer Moment im Leben der weltberühmten #Sängerin und #Pianistin #NinaSimone (1933-2003): Sie ist gerade Mutter geworden, in den USA hat sie sich den Protesten der #Bürgerrechtsbewegung gegen den #Rassismus und die #Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung angeschlossen.

    Simone hofft, dass ihre Stimme Teil der Veränderung der Situation in den USA der 1960er sein kann. Doch ihre Texte und ihr Auftreten gelten in den USA als unbequem, im Süden der USA wird sie teils boykottiert.
    Der Wechsel ihres Plattenlabels – aus den USA zum niederländischen Label Philips Records – führt zu einem TV-Konzert, mit dem sie ein Millionenpublikum erreicht.
    Entlang des Konzerts, das in schwarz-weiß aufgezeichnet wurde, erzählt der Film von Simones Anfängen in der Musik, wie sie von der Klassik zum Jazz kam. Dabei geht es auch um ihren Mut und unerbittlichen Kampf für #Gleichberechtigung und #Freiheit.
    Mit
    "Tomorrow ist my turn, no more doubts, no more fears"
    (1965)
    macht sich Nina Simone ein Stück von #CharlesAznavour zu eigen – in seiner Mischung aus Resignation und trotziger #Hoffnung ein Höhepunkt in einem höchst intensiven #Konzert.

    Der Film lässt den Auftritt aus heutiger Sicht Revue passieren. Interviewpartnerinnen wie die Pianistin #GabrielaMontero oder die Singer-Songwriterin #AngéliqueKidjo machen deutlich, wie wichtig #Zivilcourage, #Authentizität und #Emotionalität auf der Bühne sind
    und
    wie das #Vermächtnis von Nina Simone bis heute nachwirkt.

    Regie

    Magdalena Zieba-Schwind

    Land

    Deutschland

    Jahr

    2024

    Herkunft

    ZDF

    arte.tv/de/videos/118187-000-A

  24. arteptweb-a.akamaihd.net/am/pt

    Die Wut der Nina Simone,
    1965 Sternstunden der Musik

    Verfügbar bis 26/05/2025

    Nina Simone (1933-2003): Pianistin und Sängerin, dazu eine der einflussreichsten Musikerinnen des 20. Jahrhunderts. Im Kampf gegen Rassismus wandelt sie sich in den frühen 1960ern zur Protestsängerin, was ihr in den #USA Medienboykotte einbringt. Die Aufzeichnung ihres Konzerts in den Niederlanden ist ein eindringliches Dokument – und eine Sternstunde der Musik.

    Es ist ein besonderer Moment im Leben der weltberühmten #Sängerin und #Pianistin #NinaSimone (1933-2003): Sie ist gerade Mutter geworden, in den USA hat sie sich den Protesten der #Bürgerrechtsbewegung gegen den #Rassismus und die #Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung angeschlossen.

    Simone hofft, dass ihre Stimme Teil der Veränderung der Situation in den USA der 1960er sein kann. Doch ihre Texte und ihr Auftreten gelten in den USA als unbequem, im Süden der USA wird sie teils boykottiert.
    Der Wechsel ihres Plattenlabels – aus den USA zum niederländischen Label Philips Records – führt zu einem TV-Konzert, mit dem sie ein Millionenpublikum erreicht.
    Entlang des Konzerts, das in schwarz-weiß aufgezeichnet wurde, erzählt der Film von Simones Anfängen in der Musik, wie sie von der Klassik zum Jazz kam. Dabei geht es auch um ihren Mut und unerbittlichen Kampf für #Gleichberechtigung und #Freiheit.
    Mit
    "Tomorrow ist my turn, no more doubts, no more fears"
    (1965)
    macht sich Nina Simone ein Stück von #CharlesAznavour zu eigen – in seiner Mischung aus Resignation und trotziger #Hoffnung ein Höhepunkt in einem höchst intensiven #Konzert.

    Der Film lässt den Auftritt aus heutiger Sicht Revue passieren. Interviewpartnerinnen wie die Pianistin #GabrielaMontero oder die Singer-Songwriterin #AngéliqueKidjo machen deutlich, wie wichtig #Zivilcourage, #Authentizität und #Emotionalität auf der Bühne sind
    und
    wie das #Vermächtnis von Nina Simone bis heute nachwirkt.

    Regie

    Magdalena Zieba-Schwind

    Land

    Deutschland

    Jahr

    2024

    Herkunft

    ZDF

    arte.tv/de/videos/118187-000-A

  25. arteptweb-a.akamaihd.net/am/pt

    Die Wut der Nina Simone,
    1965 Sternstunden der Musik

    Verfügbar bis 26/05/2025

    Nina Simone (1933-2003): Pianistin und Sängerin, dazu eine der einflussreichsten Musikerinnen des 20. Jahrhunderts. Im Kampf gegen Rassismus wandelt sie sich in den frühen 1960ern zur Protestsängerin, was ihr in den #USA Medienboykotte einbringt. Die Aufzeichnung ihres Konzerts in den Niederlanden ist ein eindringliches Dokument – und eine Sternstunde der Musik.

    Es ist ein besonderer Moment im Leben der weltberühmten #Sängerin und #Pianistin #NinaSimone (1933-2003): Sie ist gerade Mutter geworden, in den USA hat sie sich den Protesten der #Bürgerrechtsbewegung gegen den #Rassismus und die #Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung angeschlossen.

    Simone hofft, dass ihre Stimme Teil der Veränderung der Situation in den USA der 1960er sein kann. Doch ihre Texte und ihr Auftreten gelten in den USA als unbequem, im Süden der USA wird sie teils boykottiert.
    Der Wechsel ihres Plattenlabels – aus den USA zum niederländischen Label Philips Records – führt zu einem TV-Konzert, mit dem sie ein Millionenpublikum erreicht.
    Entlang des Konzerts, das in schwarz-weiß aufgezeichnet wurde, erzählt der Film von Simones Anfängen in der Musik, wie sie von der Klassik zum Jazz kam. Dabei geht es auch um ihren Mut und unerbittlichen Kampf für #Gleichberechtigung und #Freiheit.
    Mit
    "Tomorrow ist my turn, no more doubts, no more fears"
    (1965)
    macht sich Nina Simone ein Stück von #CharlesAznavour zu eigen – in seiner Mischung aus Resignation und trotziger #Hoffnung ein Höhepunkt in einem höchst intensiven #Konzert.

    Der Film lässt den Auftritt aus heutiger Sicht Revue passieren. Interviewpartnerinnen wie die Pianistin #GabrielaMontero oder die Singer-Songwriterin #AngéliqueKidjo machen deutlich, wie wichtig #Zivilcourage, #Authentizität und #Emotionalität auf der Bühne sind
    und
    wie das #Vermächtnis von Nina Simone bis heute nachwirkt.

    Regie

    Magdalena Zieba-Schwind

    Land

    Deutschland

    Jahr

    2024

    Herkunft

    ZDF

    arte.tv/de/videos/118187-000-A

  26. arteptweb-a.akamaihd.net/am/pt

    Die Wut der Nina Simone,
    1965 Sternstunden der Musik

    Verfügbar bis 26/05/2025

    Nina Simone (1933-2003): Pianistin und Sängerin, dazu eine der einflussreichsten Musikerinnen des 20. Jahrhunderts. Im Kampf gegen Rassismus wandelt sie sich in den frühen 1960ern zur Protestsängerin, was ihr in den #USA Medienboykotte einbringt. Die Aufzeichnung ihres Konzerts in den Niederlanden ist ein eindringliches Dokument – und eine Sternstunde der Musik.

    Es ist ein besonderer Moment im Leben der weltberühmten #Sängerin und #Pianistin #NinaSimone (1933-2003): Sie ist gerade Mutter geworden, in den USA hat sie sich den Protesten der #Bürgerrechtsbewegung gegen den #Rassismus und die #Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung angeschlossen.

    Simone hofft, dass ihre Stimme Teil der Veränderung der Situation in den USA der 1960er sein kann. Doch ihre Texte und ihr Auftreten gelten in den USA als unbequem, im Süden der USA wird sie teils boykottiert.
    Der Wechsel ihres Plattenlabels – aus den USA zum niederländischen Label Philips Records – führt zu einem TV-Konzert, mit dem sie ein Millionenpublikum erreicht.
    Entlang des Konzerts, das in schwarz-weiß aufgezeichnet wurde, erzählt der Film von Simones Anfängen in der Musik, wie sie von der Klassik zum Jazz kam. Dabei geht es auch um ihren Mut und unerbittlichen Kampf für #Gleichberechtigung und #Freiheit.
    Mit
    "Tomorrow ist my turn, no more doubts, no more fears"
    (1965)
    macht sich Nina Simone ein Stück von #CharlesAznavour zu eigen – in seiner Mischung aus Resignation und trotziger #Hoffnung ein Höhepunkt in einem höchst intensiven #Konzert.

    Der Film lässt den Auftritt aus heutiger Sicht Revue passieren. Interviewpartnerinnen wie die Pianistin #GabrielaMontero oder die Singer-Songwriterin #AngéliqueKidjo machen deutlich, wie wichtig #Zivilcourage, #Authentizität und #Emotionalität auf der Bühne sind
    und
    wie das #Vermächtnis von Nina Simone bis heute nachwirkt.

    Regie

    Magdalena Zieba-Schwind

    Land

    Deutschland

    Jahr

    2024

    Herkunft

    ZDF

    arte.tv/de/videos/118187-000-A

  27. Gemütliche Kneipenatmosphäre trifft 30 Minuten Wissenschaft:

    Das #SciencegoesPublic Programm für Donnerstag, den 10 April 2025 um 20:30 Uhr:

    #MRT-Bildgebung in Zukunft besser, schneller, leiser

    Dr. Dennis Philipp | Fraunhofer-Institut für Digitale Medizin MEVIS

    20:30 Uhr | Schwarzer Hermann | Bremen

    The harmless charge: A Battery safe enough to eat (Vortrag auf Englisch)

    Lucia Sorrill | Universität Bremen

    20:30 Uhr | Maerz | Bremen

    Eintritt frei!

  28. Heute (16.4.), 19 Uhr, in der #Studiobühne (Domplatz 23) @uni-muenster.de: Polyphonie-Abend mit Stefanie-Lahya Aukongo, Philipp Khabo Koepsell, Katharina Oguntoye und SchwarzRund. Eintritt frei. ➡️ www.uni-muenster.de/Philologie/a...

  29. Am 23. November 1733 begann der #Sklavenaufstand auf St. Jan, es handelt es sich um einen der am längsten andauernden Aufstände in der Geschichte Amerikas, der bis August 1734 dauerte. Er ist auch einer der frühesten dortigen Sklavenaufstände.

    Breffu: eine #Sklavin, eine #Rebellin, eine #Kämpferin – und eine Frau, die in der Geschichte fast unsichtbar ist

    Die Rolle der Frauen in Konflikten geht in den archäologischen Aufzeichnungen oft verloren – aber Breffus Geschichte zeigt, wie wir manchmal einen Blick auf sie erhaschen können

    Holly Norton, Di., 20. März 2018, 09:00 MEZ, Zuletzt geändert am Di., 20. März 2018, 15:28 MEZ

    An einem frühen Novembermorgen im Jahr 1733 warteten auf St. Jan, einer kleinen Insel in den Dänischen Westindischen Inseln, zwei Sklaven vor einem kleinen Steinhaus, das einer Familie von Plantagenbesitzern, den Krøyers, gehörte. Die Sklaven #Breffu und Christian lauschten auf das Geräusch einer Kanone, die von ihren Landsleuten auf das Fort der Insel abgefeuert werden sollte, um die Niederlage der Soldaten des Forts und den Beginn eines Sklavenaufstands zu signalisieren. Die Kanone wurde abgefeuert und Breffu betrat das Haus und tötete die gesamte Familie Krøyer.

    Im Mai des folgenden Jahres, als der Sklavenaufstand zusammenbrach, vermerkte der Gouverneur von St. Jan, Phillip Gardelin, in seiner Korrespondenz, dass er mit Überraschung erfahren habe, dass „einer der Anführer des Aufstands, Baeffu [sic], den keiner von uns kannte und von dem wir annahmen, dass er ein Mann sei, der meinen Sohn Pieter Krøyer und seine Frau ermordet habe, eine Frau ist!“

    Gardelins Überraschung über Breffus Geschlecht ist rätselhaft, da ihre Beteiligung den dänischen Behörden seit Januar 1734 durch die Aussagen anderer versklavter Personen, die zu den Rebellen befragt wurden, bekannt war. Anscheinend hielt es niemand für wichtig, den Dänen das Geschlecht der Anführer mitzuteilen. Und anscheinend hielten es die Dänen nicht für wichtig, danach zu fragen.

    Sklavenaufstände waren natürlich ein häufiges Ereignis in den #Sklavengesellschaften, die die westliche Hemisphäre im 16. bis 19. Jahrhundert beherrschten. Aufstände und Rebellionen waren komplizierte Angelegenheiten, an denen in der Regel Männer mit unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten in einer Vielzahl von Rollen beteiligt waren, von charismatischen Anführern bis hin zu Drückebergern und Informanten. Frauen waren zwar eng in die Rebellionsaktivitäten eingebunden, jedoch selten in der Rolle von Anführerinnen oder als Kämpferinnen – zumindest nicht in einer Weise, die aktiv dokumentiert wurde.

    #Frauen und die verschiedenen Rollen, die sie bei diesen Ereignissen spielten, waren weitgehend unsichtbar. Dafür gibt es viele Gründe – die Versklavten hinterließen keine schriftlichen Aufzeichnungen, sodass die dokumentarischen Aufzeichnungen über Sklavenaufstände und die anschließenden Prozesse von der gegnerischen Seite hinterlassen wurden: der weißen #Plantagengesellschaft. Mit Ausnahme der haitianischen #Revolution erreichte kein #Sklavenaufstand in der westlichen Hemisphäre das Ziel der dauerhaften Freiheit. Die anschließenden Prozesse waren daher ebenfalls voreingenommen: Die Fragen der Staatsanwälte waren nicht nur von rassistischen, sondern auch von geschlechtsspezifischen Vorurteilen geprägt. Nach Ansicht vieler Wissenschaftler zeigen zahlreiche Prozessprotokolle, dass die Plantagenbesitzer nicht nur davon ausgingen, dass die meisten Frauen nicht an diesen „männlichen“ politischen Aktivitäten teilnahmen, sondern auch, dass sie wenig über die Einzelheiten der Ereignisse wussten.

    Breffus Beteiligung als Kämpferin und Anführerin des St.-Jan-Aufstands wirft außergewöhnliche Fragen auf, auf die es in den historischen oder archäologischen Aufzeichnungen nur sehr wenige Antworten gibt. Es gibt eine Handvoll Frauen, die in anderen Aufständen identifiziert wurden, und noch weniger in ähnlichen Rollen als Anführerinnen und Kämpferinnen. Marjoleine Kars spricht über eine andere versklavte Frau, Amelia, die es „für angebracht hielt, vorübergehend eine männliche Rolle zu übernehmen“, und zwar bei einem anderen Aufstand in Berbice, #Guyana, fast 30 Jahre nach dem Aufstand von St. Jan. Amelia hatte die Mittelpassage – die schreckliche Reise von den afrikanischen Sklavenhäfen zu den Sklavenmärkten der Neuen Welt – mit dem Organisator des Aufstands, Coffij, überlebt, und die gemeinsame Erfahrung machte sie zu Geschwistern. Amelias Rolle scheint hauptsächlich beratender Natur gewesen zu sein, nicht als Kämpferin, obwohl Kars darauf hinweist, dass sie beschuldigt wurde, ein „breites Schwert wie ein Mann“ zu tragen und möglicherweise an dem rituellen Mord an europäischen Kindern teilgenommen zu haben, um ihren „Bruder“ bei seiner Beerdigung zu ehren. Amelia scheint im Gegensatz zu Breffu ihre Geschlechtsidentität nie verloren zu haben – sie hat sie nur für eine Weile eingetauscht.

    Beide Fälle veranschaulichen die Fluidität und Kontextabhängigkeit von Geschlecht und geschlechtlicher Darstellung. Es war das Ereignis des Aufstands selbst, das offenbar einen Raum für #Amelia und #Breffu geschaffen hat, in dem sie sich als Männer darstellen konnten. Es gibt jedoch viele unbeantwortete Fragen, die Aufschluss darüber geben könnten, wie das Geschlecht unter diesen Bedingungen zum Ausdruck kam. Auf welche Weise trat Breffu als Mann auf? Kleidete sie sich wie ein Mann oder trug sie nur bestimmte „Insignien“ der Männlichkeit wie eine Waffe, so wie es Amelia tat? War es nur durch die Teilnahme an Gewalt? War es durch die Teilnahme an politischer Gewalt, die sich gegen Sklavenhalter richtete? War Breffu in der Lage, diese Rolle als Kämpferin zu übernehmen, weil sie sich vor dem Aufstand in anderen Aspekten ihres Lebens als Mann ausgab? In welcher Beziehung stand Breffu zu den anderen Anführern und der „Basis“ der #Rebellenarmee?

    Es deutet auch darauf hin, wie versklavte Männer gesehen und wahrgenommen wurden, insbesondere im Hinblick auf Aufstände, und welche Komplikationen es für die männliche Identität derjenigen gab, die sich dafür entschieden, als Nichtkombattanten teilzunehmen – oder sich dafür entschieden, überhaupt nicht an Sklavenaufständen teilzunehmen. Als #Archäologen können wir zwar keine Antworten auf diese Fragen aus den materiellen Aufzeichnungen erhalten, aber das Wissen, dass selbst Ereignisse wie Sklavenaufstände nicht schwarz und weiß, männlich und weiblich waren, hilft uns, die schönen Nuancen der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart zu sehen und zu verstehen.

    Über Breffu ist kaum etwas bekannt. Anstatt sich gefangen nehmen zu lassen, soll sie sich im Mai 1734 zusammen mit 23 anderen Rebellen das Leben genommen haben. Sie taucht nicht in den Landlisten auf, den Steuerunterlagen der dänischen Westindischen Inseln im frühen 18. Jahrhundert. Auch ihre Handlungen zwischen dem Mord an den Krøyers und ihrem eigenen Tod sind in den Zeugnissen nach dem Aufstand nicht für die Nachwelt festgehalten. Wir wissen jedoch, dass die als Breffu bekannte Frau als Mann auftrat und einen der am längsten andauernden Sklavenaufstände in der Neuen Welt anführte – ein subtiler, aber entscheidender Bestandteil unserer Wahrnehmung dieser turbulenten Zeiten.

    Holly Norton hat den Sklavenaufstand von St. Jan im Jahr 1733 für ihre Dissertation untersucht und schreibt derzeit ein Buch, das auf dieser Forschung basiert.

    Weiterführende Literatur

    Bush, Barbara (1982), Defiance or Submission? The Role of the Slave Woman in Slave Resistance in the British Caribbean. Immigrants and Minorities, 1(1):16-38

    Finch, Aisha (2014), „What Looks Like a Slave Rebellion“: Versklavte Frauen und das geschlechtsspezifische Terrain von Sklavenaufständen in Kuba, 1843–1844. Journal of Women's History, 26(1): 112–134

    Kars, Marjoleine (2016), Rebellion verhindern: Politik und Geschlecht im Berbice-Sklavenaufstand von 1763. American Historical Review, Februar. 39–69

    Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

    #History #Geschichte #Feminismus #OtD #CapitalismIsADeathCult

    Quelle

  30. Am 23. November 1733 begann der #Sklavenaufstand auf St. Jan, es handelt es sich um einen der am längsten andauernden Aufstände in der Geschichte Amerikas, der bis August 1734 dauerte. Er ist auch einer der frühesten dortigen Sklavenaufstände.

    Breffu: eine #Sklavin, eine #Rebellin, eine #Kämpferin – und eine Frau, die in der Geschichte fast unsichtbar ist

    Die Rolle der Frauen in Konflikten geht in den archäologischen Aufzeichnungen oft verloren – aber Breffus Geschichte zeigt, wie wir manchmal einen Blick auf sie erhaschen können

    Holly Norton, Di., 20. März 2018, 09:00 MEZ, Zuletzt geändert am Di., 20. März 2018, 15:28 MEZ

    An einem frühen Novembermorgen im Jahr 1733 warteten auf St. Jan, einer kleinen Insel in den Dänischen Westindischen Inseln, zwei Sklaven vor einem kleinen Steinhaus, das einer Familie von Plantagenbesitzern, den Krøyers, gehörte. Die Sklaven #Breffu und Christian lauschten auf das Geräusch einer Kanone, die von ihren Landsleuten auf das Fort der Insel abgefeuert werden sollte, um die Niederlage der Soldaten des Forts und den Beginn eines Sklavenaufstands zu signalisieren. Die Kanone wurde abgefeuert und Breffu betrat das Haus und tötete die gesamte Familie Krøyer.

    Im Mai des folgenden Jahres, als der Sklavenaufstand zusammenbrach, vermerkte der Gouverneur von St. Jan, Phillip Gardelin, in seiner Korrespondenz, dass er mit Überraschung erfahren habe, dass „einer der Anführer des Aufstands, Baeffu [sic], den keiner von uns kannte und von dem wir annahmen, dass er ein Mann sei, der meinen Sohn Pieter Krøyer und seine Frau ermordet habe, eine Frau ist!“

    Gardelins Überraschung über Breffus Geschlecht ist rätselhaft, da ihre Beteiligung den dänischen Behörden seit Januar 1734 durch die Aussagen anderer versklavter Personen, die zu den Rebellen befragt wurden, bekannt war. Anscheinend hielt es niemand für wichtig, den Dänen das Geschlecht der Anführer mitzuteilen. Und anscheinend hielten es die Dänen nicht für wichtig, danach zu fragen.

    Sklavenaufstände waren natürlich ein häufiges Ereignis in den #Sklavengesellschaften, die die westliche Hemisphäre im 16. bis 19. Jahrhundert beherrschten. Aufstände und Rebellionen waren komplizierte Angelegenheiten, an denen in der Regel Männer mit unterschiedlichen Erfahrungen und Fähigkeiten in einer Vielzahl von Rollen beteiligt waren, von charismatischen Anführern bis hin zu Drückebergern und Informanten. Frauen waren zwar eng in die Rebellionsaktivitäten eingebunden, jedoch selten in der Rolle von Anführerinnen oder als Kämpferinnen – zumindest nicht in einer Weise, die aktiv dokumentiert wurde.

    #Frauen und die verschiedenen Rollen, die sie bei diesen Ereignissen spielten, waren weitgehend unsichtbar. Dafür gibt es viele Gründe – die Versklavten hinterließen keine schriftlichen Aufzeichnungen, sodass die dokumentarischen Aufzeichnungen über Sklavenaufstände und die anschließenden Prozesse von der gegnerischen Seite hinterlassen wurden: der weißen #Plantagengesellschaft. Mit Ausnahme der haitianischen #Revolution erreichte kein #Sklavenaufstand in der westlichen Hemisphäre das Ziel der dauerhaften Freiheit. Die anschließenden Prozesse waren daher ebenfalls voreingenommen: Die Fragen der Staatsanwälte waren nicht nur von rassistischen, sondern auch von geschlechtsspezifischen Vorurteilen geprägt. Nach Ansicht vieler Wissenschaftler zeigen zahlreiche Prozessprotokolle, dass die Plantagenbesitzer nicht nur davon ausgingen, dass die meisten Frauen nicht an diesen „männlichen“ politischen Aktivitäten teilnahmen, sondern auch, dass sie wenig über die Einzelheiten der Ereignisse wussten.

    Breffus Beteiligung als Kämpferin und Anführerin des St.-Jan-Aufstands wirft außergewöhnliche Fragen auf, auf die es in den historischen oder archäologischen Aufzeichnungen nur sehr wenige Antworten gibt. Es gibt eine Handvoll Frauen, die in anderen Aufständen identifiziert wurden, und noch weniger in ähnlichen Rollen als Anführerinnen und Kämpferinnen. Marjoleine Kars spricht über eine andere versklavte Frau, Amelia, die es „für angebracht hielt, vorübergehend eine männliche Rolle zu übernehmen“, und zwar bei einem anderen Aufstand in Berbice, #Guyana, fast 30 Jahre nach dem Aufstand von St. Jan. Amelia hatte die Mittelpassage – die schreckliche Reise von den afrikanischen Sklavenhäfen zu den Sklavenmärkten der Neuen Welt – mit dem Organisator des Aufstands, Coffij, überlebt, und die gemeinsame Erfahrung machte sie zu Geschwistern. Amelias Rolle scheint hauptsächlich beratender Natur gewesen zu sein, nicht als Kämpferin, obwohl Kars darauf hinweist, dass sie beschuldigt wurde, ein „breites Schwert wie ein Mann“ zu tragen und möglicherweise an dem rituellen Mord an europäischen Kindern teilgenommen zu haben, um ihren „Bruder“ bei seiner Beerdigung zu ehren. Amelia scheint im Gegensatz zu Breffu ihre Geschlechtsidentität nie verloren zu haben – sie hat sie nur für eine Weile eingetauscht.

    Beide Fälle veranschaulichen die Fluidität und Kontextabhängigkeit von Geschlecht und geschlechtlicher Darstellung. Es war das Ereignis des Aufstands selbst, das offenbar einen Raum für #Amelia und #Breffu geschaffen hat, in dem sie sich als Männer darstellen konnten. Es gibt jedoch viele unbeantwortete Fragen, die Aufschluss darüber geben könnten, wie das Geschlecht unter diesen Bedingungen zum Ausdruck kam. Auf welche Weise trat Breffu als Mann auf? Kleidete sie sich wie ein Mann oder trug sie nur bestimmte „Insignien“ der Männlichkeit wie eine Waffe, so wie es Amelia tat? War es nur durch die Teilnahme an Gewalt? War es durch die Teilnahme an politischer Gewalt, die sich gegen Sklavenhalter richtete? War Breffu in der Lage, diese Rolle als Kämpferin zu übernehmen, weil sie sich vor dem Aufstand in anderen Aspekten ihres Lebens als Mann ausgab? In welcher Beziehung stand Breffu zu den anderen Anführern und der „Basis“ der #Rebellenarmee?

    Es deutet auch darauf hin, wie versklavte Männer gesehen und wahrgenommen wurden, insbesondere im Hinblick auf Aufstände, und welche Komplikationen es für die männliche Identität derjenigen gab, die sich dafür entschieden, als Nichtkombattanten teilzunehmen – oder sich dafür entschieden, überhaupt nicht an Sklavenaufständen teilzunehmen. Als #Archäologen können wir zwar keine Antworten auf diese Fragen aus den materiellen Aufzeichnungen erhalten, aber das Wissen, dass selbst Ereignisse wie Sklavenaufstände nicht schwarz und weiß, männlich und weiblich waren, hilft uns, die schönen Nuancen der Menschheit in Vergangenheit und Gegenwart zu sehen und zu verstehen.

    Über Breffu ist kaum etwas bekannt. Anstatt sich gefangen nehmen zu lassen, soll sie sich im Mai 1734 zusammen mit 23 anderen Rebellen das Leben genommen haben. Sie taucht nicht in den Landlisten auf, den Steuerunterlagen der dänischen Westindischen Inseln im frühen 18. Jahrhundert. Auch ihre Handlungen zwischen dem Mord an den Krøyers und ihrem eigenen Tod sind in den Zeugnissen nach dem Aufstand nicht für die Nachwelt festgehalten. Wir wissen jedoch, dass die als Breffu bekannte Frau als Mann auftrat und einen der am längsten andauernden Sklavenaufstände in der Neuen Welt anführte – ein subtiler, aber entscheidender Bestandteil unserer Wahrnehmung dieser turbulenten Zeiten.

    Holly Norton hat den Sklavenaufstand von St. Jan im Jahr 1733 für ihre Dissertation untersucht und schreibt derzeit ein Buch, das auf dieser Forschung basiert.

    Weiterführende Literatur

    Bush, Barbara (1982), Defiance or Submission? The Role of the Slave Woman in Slave Resistance in the British Caribbean. Immigrants and Minorities, 1(1):16-38

    Finch, Aisha (2014), „What Looks Like a Slave Rebellion“: Versklavte Frauen und das geschlechtsspezifische Terrain von Sklavenaufständen in Kuba, 1843–1844. Journal of Women's History, 26(1): 112–134

    Kars, Marjoleine (2016), Rebellion verhindern: Politik und Geschlecht im Berbice-Sklavenaufstand von 1763. American Historical Review, Februar. 39–69

    Übersetzung: Thomas Trueten [Nicht authorisiert]

    #History #Geschichte #Feminismus #OtD #CapitalismIsADeathCult

    Quelle