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Freie Fahrt für freie Bürger — Deutschland im Rückwärtsgang
Ich gestehe: Auch ich bin Jahre lang mit meinen Dienstwagen über die deutschen Autobahnen geheizt. Natürlich schneller als 130 Stundenkiloometer, Ein typischer Vertreter der Dienstwagenfraktion, die mit ihren Reiserennmaschinen Typ Audi, Mercedes oder BMW Autobahnen bevölkern. Pro Jahr bin ich zehntausende Kilometer geschrubbt, von Event zu Event, von Redaktion zu Redaktion, von Niederlassung zu Niederlassung. Gut, ich war niemand der zu dicht aufgefahren ist, rechts überholt oder mit Lichthupe die anderen Autofahrer drangsaliert hat. Immerhin das. Trotzdem.
Heute fahre ich entspannter — elektrisch — und ich vermisse die Raserei kein bisschen. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Thema inzwischen anders betrachte: nicht als Angriff auf meine persönliche Freiheit, sondern als eine der simpelsten und offensichtlichsten Vernunftfragen der deutschen Energiepolitik, gerade in einer Phase explodierender Benzinpreise. Doch nein, eine Geschwindigkeitsbegrenzung steht nicht zur Diskussion. Selbst jetzt nicht. Stattdessen subventioniert man den Benzinpreis.
Freie Fahrt — die heiligste Kuh der Republik
In keinem anderen Land der Welt ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen so politisch unantastbar wie in Deutschland. Dabei wolle: 55 Prozent der Deutschen ein Tempolimit, wie Horst Schulte zusammenfasst — sogar unter den ADAC-Mitgliedern ist die Stimmung entsprechend. Dennoch ist das Thema in Berlin nicht diskutierbar, weil es eine Autolobby und Politiker freie Fahrt zur Grundsatzfrage erklärt hat. Es sind vor allem Konservative , Neoliberale und die Rechten, die das Narrativ pflegen. Die notorisch engen Beziehungen Christian Lindners zu Porsche waren kein Zufall.
Vorschläge wie Tempo 30 in Städten, autofreie Zonen, höhere Parkgebühren für SUVs werden reflexartig als linksgrünversiffte „Ideologie“ diskreditiert und unter „Verbotspolitik“ abgeheftet, wie Edo Reents in der FAZ (€) treffend und mit wohltuender Schärfe seziert: die Möglichkeit, mit einem knapper oder teurer werdenden Gut einfach sparsamer umzugehen, wird politisch nicht einmal als Option erwogen.
Dabei wäre die Logik simpel: Die Benzinpreise explodieren — befeuert durch den Iran-Konflikt, abgesahnt von Ölkonzernen, deren Gewinne laut Analyse kein Zufall sind und die die Übergewinnsteuer längst verdient hätten. Die naheliegendste energiepolitische Antwort — zumindest ein temporäres Tempolimit — ist nicht einmal Gegenstand einer ernsthaften Debatte. Stattdessen greift der Staat großzügig an die Zapfsäule, senkt die Energiesteuer um 17 Cent, und zwar mit der Gießkanne für alle, nicht nur für jene, die wirklich auf das Auto angewiesen sind. Das Signal, das diese Politik aussendet, ist unmissverständlich: Ihr dürft weiter rasen, und wenn der Sprit zu teuer wird, zahlen wir mit.
Doch es ist nicht nur ein Problem des Lobbyismus und er Politik. Auf der einen Seite jammern viele über Inflation und steigende Preise, weniger Geld im Portemonnaie, aber deswegen mal nur 120 Stundenkilometer auf der Autobahn fahren und Benzin sparen. Das geht gar nicht. Dieses Verhaltensmuster lässt sich meiner Beobachtung nach auch auf andere Berieche übertragen.
Atomkraft — das teuerste Placebo der Republik
Weil Subventionieren an der Zapfsäule allein aber offenbar nicht reicht, holt Jens Spahn die nächste Wunderwaffe aus dem Schrank und spricht über Atomkraft und AKW-Reaktivierung. Kanzler Merz hat den Ausstieg zwar für „irreversibel“ erklärt, das Wort aber kaum kalt ist, bevor es in der politischen Debatte schon wieder aufgewärmt wird. Dabei haben Mischa Ehrhardt und Florian Neuhann im ZDF sorgfältig herausgearbeitet, dass EnBW selbst Atomkraft für nicht rentabel hält — Bauzeiten von Jahrzehnten, kein Endlager in Sicht, und die Kosten landen am Ende beim Steuerzahler. Der Rest dieser Debatte ist Wahlkampf oder gar Propaganda.
Dabei zeigt das Beispiel des AKW Grohnde, wohin die Reise eigentlich gehen könnte: Aus dem alten Reaktor wird eine Batterie — mit mehr Leistung als der Reaktor jemals hatte. Drei Großspeicher, ein Solarpark, ein Umspannwerk — allein zwei der Speicher kommen auf 1,47 GW, das alte AKW hatte 1,36 GW, und das Ganze wird privat finanziert und ist in vier Jahren am Netz, ohne radioaktiven Müll. Das ist die Energiewende, wie sie in der Praxis funktionieren kann.
Reiche schaltet den Rückwärtsgang ein
Das eigentliche Trauerspiel dieser Energiepolitik schreibt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Das habe ich ja hier schon ausgeführt. Eine vom eigenen Ministerium – vor ihrer Zeit als Ministerin – beauftragte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Erneuerbare die regionale Wertschöpfung in Deutschland verdoppeln könnten. Das Ergebnis passt ihr nicht ins Zeug, also wurde den Ergebnisse versteckt auf einer Unterseite veröffentlicht, beworben wurde sie mit keinem Wort.
Florian Harms hat es im Tagesanbruch eingeordnet: Merz behauptet, Klimaschutz dürfe die industrielle Basis nicht gefährden, aber in Wahrheit ist es genau umgekehrt — kluger Klimaschutz treibt Wirtschaftsentwicklung voran, schafft neue Märkte und Arbeitsplätze, und wer das nicht versteht oder nicht verstehen will, verschenkt gerade die nächste deutsche Industrie an China, so wie wir die Solarindustrie schon einmal verschenkt haben. Der Copernicus-Klimabericht 2025 reißt die 1,5-Grad-Grenze, die Ozeane heizen sich rekordverdächtig auf, die Gletscher schmelzen — und die Antwort von Schwarz-Rot lautet Tankrabatt für Benziner, Kürzung der Solar- und Windförderung, Gaskraftwerke.
Die ADAC-Statistik als unfreiwilliger Kommentar
In diese Gemengelage hinein liefert die ADAC-Pannenstatistik 2026 einen unfreiwilligen, aber treffenden Kommentar zur Debatte, die Diesel-Dieter und Elektro-Eddie seit Jahren führen: Elektroautos sind in allen Altersklassen zuverlässiger als Verbrenner, mit einer Pannenkennziffer von 6,5 bei vierjährigen E-Autos gegenüber 12,5 bei vergleichbaren Verbrennern. Das Narrativ vom unzuverlässigen Stromer, das jahrelang gepflegt wurde, läuft aus.
Wir fahren inzwischen lieber entspann elektrisch vorwärts. Die Politik fährt rückwärts — und gibt dabei … Gas.
Quellen & Leseempfehlungen
- Edo Reents: Benzinpreis: Warum kommt in Deutschland nicht endlich ein Tempolimit? (FAZ, 16. April 2026, €)
- Horst Schulte: Tempolimit in Deutschland – es ist Zeit (horstschulte.com)
- ZDFheute: Ölkonzerne, Übergewinnsteuer und der Iran-Konflikt
- Tagesschau: Spahn für Wiedereinstieg in die Atomkraft
- Mischa Ehrhardt, Florian Neuhann: Atomkraft: Lohnt sich der Wiedereinstieg? (ZDFheute)
- Stefan A K Weichelt: Aus dem AKW Grohnde wird eine Batterie (Substack)
- Amy Walker: Wirtschaftswachstum durch Energiewende: Reiche lässt Studie verschwinden (t-online)
- Tagesschau: Solaranlagen und Balkonkraftwerke: Nachfrage und geplante Kürzungen
- Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar): Deutlich weniger neue Solaranlagen auf Dächern und Balkonen – Q1 2026 (FAZ, 02. Mai 2026)
- Florian Harms: Copernicus-Klimabericht 2025: Klimaschutz gerät unter die Räder (t-online Tagesanbruch)
- Golem.de: Pannenstatistik 2026: Elektroautos sind laut ADAC zuverlässiger als Verbrenner
- Stefan Pfeiffer: Weg von Reiserennmaschinen – wann gibt es bezahlbare E-Autos mit genügend Reichweite? (StefanPfeiffer.Blog, 2023)
- Stefan Pfeiffer: Die Lobby-Ministerin rechnet schön – Katherina Reiches dreister Angriff auf die Energiewende (StefanPfeiffer.Blog, 2026)
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Freie Fahrt für freie Bürger — Deutschland im Rückwärtsgang
Ich gestehe: Auch ich bin Jahre lang mit meinen Dienstwagen über die deutschen Autobahnen geheizt. Natürlich schneller als 130 Stundenkiloometer, Ein typischer Vertreter der Dienstwagenfraktion, die mit ihren Reiserennmaschinen Typ Audi, Mercedes oder BMW Autobahnen bevölkern. Pro Jahr bin ich zehntausende Kilometer geschrubbt, von Event zu Event, von Redaktion zu Redaktion, von Niederlassung zu Niederlassung. Gut, ich war niemand der zu dicht aufgefahren ist, rechts überholt oder mit Lichthupe die anderen Autofahrer drangsaliert hat. Immerhin das. Trotzdem.
Heute fahre ich entspannter — elektrisch — und ich vermisse die Raserei kein bisschen. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Thema inzwischen anders betrachte: nicht als Angriff auf meine persönliche Freiheit, sondern als eine der simpelsten und offensichtlichsten Vernunftfragen der deutschen Energiepolitik, gerade in einer Phase explodierender Benzinpreise. Doch nein, eine Geschwindigkeitsbegrenzung steht nicht zur Diskussion. Selbst jetzt nicht. Stattdessen subventioniert man den Benzinpreis.
Freie Fahrt — die heiligste Kuh der Republik
In keinem anderen Land der Welt ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen so politisch unantastbar wie in Deutschland. Dabei wolle: 55 Prozent der Deutschen ein Tempolimit, wie Horst Schulte zusammenfasst — sogar unter den ADAC-Mitgliedern ist die Stimmung entsprechend. Dennoch ist das Thema in Berlin nicht diskutierbar, weil es eine Autolobby und Politiker freie Fahrt zur Grundsatzfrage erklärt hat. Es sind vor allem Konservative , Neoliberale und die Rechten, die das Narrativ pflegen. Die notorisch engen Beziehungen Christian Lindners zu Porsche waren kein Zufall.
Vorschläge wie Tempo 30 in Städten, autofreie Zonen, höhere Parkgebühren für SUVs werden reflexartig als linksgrünversiffte „Ideologie” diskreditiert und unter „Verbotspolitik” abgeheftet, wie Edo Reents in der FAZ (€) treffend und mit wohltuender Schärfe seziert: die Möglichkeit, mit einem knapper oder teurer werdenden Gut einfach sparsamer umzugehen, wird politisch nicht einmal als Option erwogen.
Dabei wäre die Logik simpel: Die Benzinpreise explodieren — befeuert durch den Iran-Konflikt, abgesahnt von Ölkonzernen, deren Gewinne laut Analyse kein Zufall sind und die die Übergewinnsteuer längst verdient hätten. Die naheliegendste energiepolitische Antwort — zumindest ein temporäres Tempolimit — ist nicht einmal Gegenstand einer ernsthaften Debatte. Stattdessen greift der Staat großzügig an die Zapfsäule, senkt die Energiesteuer um 17 Cent, und zwar mit der Gießkanne für alle, nicht nur für jene, die wirklich auf das Auto angewiesen sind. Das Signal, das diese Politik aussendet, ist unmissverständlich: Ihr dürft weiter rasen, und wenn der Sprit zu teuer wird, zahlen wir mit.
Doch es ist nicht nur ein Problem des Lobbyismus und er Politik. Auf der einen Seite jammern viele über Inflation und steigende Preise, weniger Geld im Portemonnaie, aber deswegen mal nur 120 Stundenkilometer auf der Autobahn fahren und Benzin sparen. Das geht gar nicht. Dieses Verhaltensmuster lässt sich meiner Beobachtung nach auch auf andere Berieche übertragen.
Atomkraft — das teuerste Placebo der Republik
Weil Subventionieren an der Zapfsäule allein aber offenbar nicht reicht, holt Jens Spahn die nächste Wunderwaffe aus dem Schrank und spricht über Atomkraft und AKW-Reaktivierung. Kanzler Merz hat den Ausstieg zwar für „irreversibel” erklärt, das Wort aber kaum kalt ist, bevor es in der politischen Debatte schon wieder aufgewärmt wird. Dabei haben Mischa Ehrhardt und Florian Neuhann im ZDF sorgfältig herausgearbeitet, dass EnBW selbst Atomkraft für nicht rentabel hält — Bauzeiten von Jahrzehnten, kein Endlager in Sicht, und die Kosten landen am Ende beim Steuerzahler. Der Rest dieser Debatte ist Wahlkampf oder gar Propaganda.
Dabei zeigt das Beispiel des AKW Grohnde, wohin die Reise eigentlich gehen könnte: Aus dem alten Reaktor wird eine Batterie — mit mehr Leistung als der Reaktor jemals hatte. Drei Großspeicher, ein Solarpark, ein Umspannwerk — allein zwei der Speicher kommen auf 1,47 GW, das alte AKW hatte 1,36 GW, und das Ganze wird privat finanziert und ist in vier Jahren am Netz, ohne radioaktiven Müll. Das ist die Energiewende, wie sie in der Praxis funktionieren kann.
Reiche schaltet den Rückwärtsgang ein
Das eigentliche Trauerspiel dieser Energiepolitik schreibt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Das habe ich ja hier schon ausgeführt. Eine vom eigenen Ministerium – vor ihrer Zeit als Ministerin – beauftragte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Erneuerbare die regionale Wertschöpfung in Deutschland verdoppeln könnten. Das Ergebnis passt ihr nicht ins Zeug, also wurde den Ergebnisse versteckt auf einer Unterseite veröffentlicht, beworben wurde sie mit keinem Wort.
Florian Harms hat es im Tagesanbruch eingeordnet: Merz behauptet, Klimaschutz dürfe die industrielle Basis nicht gefährden, aber in Wahrheit ist es genau umgekehrt — kluger Klimaschutz treibt Wirtschaftsentwicklung voran, schafft neue Märkte und Arbeitsplätze, und wer das nicht versteht oder nicht verstehen will, verschenkt gerade die nächste deutsche Industrie an China, so wie wir die Solarindustrie schon einmal verschenkt haben. Der Copernicus-Klimabericht 2025 reißt die 1,5-Grad-Grenze, die Ozeane heizen sich rekordverdächtig auf, die Gletscher schmelzen — und die Antwort von Schwarz-Rot lautet Tankrabatt für Benziner, Kürzung der Solar- und Windförderung, Gaskraftwerke.
Die ADAC-Statistik als unfreiwilliger Kommentar
In diese Gemengelage hinein liefert die ADAC-Pannenstatistik 2026 einen unfreiwilligen, aber treffenden Kommentar zur Debatte, die Diesel-Dieter und Elektro-Eddie seit Jahren führen: Elektroautos sind in allen Altersklassen zuverlässiger als Verbrenner, mit einer Pannenkennziffer von 6,5 bei vierjährigen E-Autos gegenüber 12,5 bei vergleichbaren Verbrennern. Das Narrativ vom unzuverlässigen Stromer, das jahrelang gepflegt wurde, läuft aus.
Wir fahren inzwischen lieber entspann elektrisch vorwärts. Die Politik fährt rückwärts — und gibt dabei … Gas.
Quellen & Leseempfehlungen
- Edo Reents: Benzinpreis: Warum kommt in Deutschland nicht endlich ein Tempolimit? (FAZ, 16. April 2026, €)
- Horst Schulte: Tempolimit in Deutschland – es ist Zeit (horstschulte.com)
- ZDFheute: Ölkonzerne, Übergewinnsteuer und der Iran-Konflikt
- Tagesschau: Spahn für Wiedereinstieg in die Atomkraft
- Mischa Ehrhardt, Florian Neuhann: Atomkraft: Lohnt sich der Wiedereinstieg? (ZDFheute)
- Stefan A K Weichelt: Aus dem AKW Grohnde wird eine Batterie (Substack)
- Amy Walker: Wirtschaftswachstum durch Energiewende: Reiche lässt Studie verschwinden (t-online)
- Tagesschau: Solaranlagen und Balkonkraftwerke: Nachfrage und geplante Kürzungen
- Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar): Deutlich weniger neue Solaranlagen auf Dächern und Balkonen – Q1 2026 (FAZ, 02. Mai 2026)
- Florian Harms: Copernicus-Klimabericht 2025: Klimaschutz gerät unter die Räder (t-online Tagesanbruch)
- Golem.de: Pannenstatistik 2026: Elektroautos sind laut ADAC zuverlässiger als Verbrenner
- Stefan Pfeiffer: Weg von Reiserennmaschinen – wann gibt es bezahlbare E-Autos mit genügend Reichweite? (StefanPfeiffer.Blog, 2023)
- Stefan Pfeiffer: Die Lobby-Ministerin rechnet schön – Katherina Reiches dreister Angriff auf die Energiewende (StefanPfeiffer.Blog, 2026)
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Freie Fahrt für freie Bürger — Deutschland im Rückwärtsgang
Ich gestehe: Auch ich bin Jahre lang mit meinen Dienstwagen über die deutschen Autobahnen geheizt. Natürlich schneller als 130 Stundenkiloometer, Ein typischer Vertreter der Dienstwagenfraktion, die mit ihren Reiserennmaschinen Typ Audi, Mercedes oder BMW Autobahnen bevölkern. Pro Jahr bin ich zehntausende Kilometer geschrubbt, von Event zu Event, von Redaktion zu Redaktion, von Niederlassung zu Niederlassung. Gut, ich war niemand der zu dicht aufgefahren ist, rechts überholt oder mit Lichthupe die anderen Autofahrer drangsaliert hat. Immerhin das. Trotzdem.
Heute fahre ich entspannter — elektrisch — und ich vermisse die Raserei kein bisschen. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Thema inzwischen anders betrachte: nicht als Angriff auf meine persönliche Freiheit, sondern als eine der simpelsten und offensichtlichsten Vernunftfragen der deutschen Energiepolitik, gerade in einer Phase explodierender Benzinpreise. Doch nein, eine Geschwindigkeitsbegrenzung steht nicht zur Diskussion. Selbst jetzt nicht. Stattdessen subventioniert man den Benzinpreis.
Freie Fahrt — die heiligste Kuh der Republik
In keinem anderen Land der Welt ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen so politisch unantastbar wie in Deutschland. Dabei wolle: 55 Prozent der Deutschen ein Tempolimit, wie Horst Schulte zusammenfasst — sogar unter den ADAC-Mitgliedern ist die Stimmung entsprechend. Dennoch ist das Thema in Berlin nicht diskutierbar, weil es eine Autolobby und Politiker freie Fahrt zur Grundsatzfrage erklärt hat. Es sind vor allem Konservative , Neoliberale und die Rechten, die das Narrativ pflegen. Die notorisch engen Beziehungen Christian Lindners zu Porsche waren kein Zufall.
Vorschläge wie Tempo 30 in Städten, autofreie Zonen, höhere Parkgebühren für SUVs werden reflexartig als linksgrünversiffte „Ideologie“ diskreditiert und unter „Verbotspolitik“ abgeheftet, wie Edo Reents in der FAZ (€) treffend und mit wohltuender Schärfe seziert: die Möglichkeit, mit einem knapper oder teurer werdenden Gut einfach sparsamer umzugehen, wird politisch nicht einmal als Option erwogen.
Dabei wäre die Logik simpel: Die Benzinpreise explodieren — befeuert durch den Iran-Konflikt, abgesahnt von Ölkonzernen, deren Gewinne laut Analyse kein Zufall sind und die die Übergewinnsteuer längst verdient hätten. Die naheliegendste energiepolitische Antwort — zumindest ein temporäres Tempolimit — ist nicht einmal Gegenstand einer ernsthaften Debatte. Stattdessen greift der Staat großzügig an die Zapfsäule, senkt die Energiesteuer um 17 Cent, und zwar mit der Gießkanne für alle, nicht nur für jene, die wirklich auf das Auto angewiesen sind. Das Signal, das diese Politik aussendet, ist unmissverständlich: Ihr dürft weiter rasen, und wenn der Sprit zu teuer wird, zahlen wir mit.
Doch es ist nicht nur ein Problem des Lobbyismus und er Politik. Auf der einen Seite jammern viele über Inflation und steigende Preise, weniger Geld im Portemonnaie, aber deswegen mal nur 120 Stundenkilometer auf der Autobahn fahren und Benzin sparen. Das geht gar nicht. Dieses Verhaltensmuster lässt sich meiner Beobachtung nach auch auf andere Berieche übertragen.
Atomkraft — das teuerste Placebo der Republik
Weil Subventionieren an der Zapfsäule allein aber offenbar nicht reicht, holt Jens Spahn die nächste Wunderwaffe aus dem Schrank und spricht über Atomkraft und AKW-Reaktivierung. Kanzler Merz hat den Ausstieg zwar für „irreversibel“ erklärt, das Wort aber kaum kalt ist, bevor es in der politischen Debatte schon wieder aufgewärmt wird. Dabei haben Mischa Ehrhardt und Florian Neuhann im ZDF sorgfältig herausgearbeitet, dass EnBW selbst Atomkraft für nicht rentabel hält — Bauzeiten von Jahrzehnten, kein Endlager in Sicht, und die Kosten landen am Ende beim Steuerzahler. Der Rest dieser Debatte ist Wahlkampf oder gar Propaganda.
Dabei zeigt das Beispiel des AKW Grohnde, wohin die Reise eigentlich gehen könnte: Aus dem alten Reaktor wird eine Batterie — mit mehr Leistung als der Reaktor jemals hatte. Drei Großspeicher, ein Solarpark, ein Umspannwerk — allein zwei der Speicher kommen auf 1,47 GW, das alte AKW hatte 1,36 GW, und das Ganze wird privat finanziert und ist in vier Jahren am Netz, ohne radioaktiven Müll. Das ist die Energiewende, wie sie in der Praxis funktionieren kann.
Reiche schaltet den Rückwärtsgang ein
Das eigentliche Trauerspiel dieser Energiepolitik schreibt Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Das habe ich ja hier schon ausgeführt. Eine vom eigenen Ministerium – vor ihrer Zeit als Ministerin – beauftragte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Erneuerbare die regionale Wertschöpfung in Deutschland verdoppeln könnten. Das Ergebnis passt ihr nicht ins Zeug, also wurde den Ergebnisse versteckt auf einer Unterseite veröffentlicht, beworben wurde sie mit keinem Wort.
Florian Harms hat es im Tagesanbruch eingeordnet: Merz behauptet, Klimaschutz dürfe die industrielle Basis nicht gefährden, aber in Wahrheit ist es genau umgekehrt — kluger Klimaschutz treibt Wirtschaftsentwicklung voran, schafft neue Märkte und Arbeitsplätze, und wer das nicht versteht oder nicht verstehen will, verschenkt gerade die nächste deutsche Industrie an China, so wie wir die Solarindustrie schon einmal verschenkt haben. Der Copernicus-Klimabericht 2025 reißt die 1,5-Grad-Grenze, die Ozeane heizen sich rekordverdächtig auf, die Gletscher schmelzen — und die Antwort von Schwarz-Rot lautet Tankrabatt für Benziner, Kürzung der Solar- und Windförderung, Gaskraftwerke.
Die ADAC-Statistik als unfreiwilliger Kommentar
In diese Gemengelage hinein liefert die ADAC-Pannenstatistik 2026 einen unfreiwilligen, aber treffenden Kommentar zur Debatte, die Diesel-Dieter und Elektro-Eddie seit Jahren führen: Elektroautos sind in allen Altersklassen zuverlässiger als Verbrenner, mit einer Pannenkennziffer von 6,5 bei vierjährigen E-Autos gegenüber 12,5 bei vergleichbaren Verbrennern. Das Narrativ vom unzuverlässigen Stromer, das jahrelang gepflegt wurde, läuft aus.
Wir fahren inzwischen lieber entspann elektrisch vorwärts. Die Politik fährt rückwärts — und gibt dabei … Gas.
Quellen & Leseempfehlungen
- Edo Reents: Benzinpreis: Warum kommt in Deutschland nicht endlich ein Tempolimit? (FAZ, 16. April 2026, €)
- Horst Schulte: Tempolimit in Deutschland – es ist Zeit (horstschulte.com)
- ZDFheute: Ölkonzerne, Übergewinnsteuer und der Iran-Konflikt
- Tagesschau: Spahn für Wiedereinstieg in die Atomkraft
- Mischa Ehrhardt, Florian Neuhann: Atomkraft: Lohnt sich der Wiedereinstieg? (ZDFheute)
- Stefan A K Weichelt: Aus dem AKW Grohnde wird eine Batterie (Substack)
- Amy Walker: Wirtschaftswachstum durch Energiewende: Reiche lässt Studie verschwinden (t-online)
- Tagesschau: Solaranlagen und Balkonkraftwerke: Nachfrage und geplante Kürzungen
- Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar): Deutlich weniger neue Solaranlagen auf Dächern und Balkonen – Q1 2026 (FAZ, 02. Mai 2026)
- Florian Harms: Copernicus-Klimabericht 2025: Klimaschutz gerät unter die Räder (t-online Tagesanbruch)
- Golem.de: Pannenstatistik 2026: Elektroautos sind laut ADAC zuverlässiger als Verbrenner
- Stefan Pfeiffer: Weg von Reiserennmaschinen – wann gibt es bezahlbare E-Autos mit genügend Reichweite? (StefanPfeiffer.Blog, 2023)
- Stefan Pfeiffer: Die Lobby-Ministerin rechnet schön – Katherina Reiches dreister Angriff auf die Energiewende (StefanPfeiffer.Blog, 2026)
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My beloved has gone down to his garden,
to the beds of spices,
to pasture his flock in the gardens
and to gather lilies.
I am my beloved’s, and my beloved is mine;
he pastures his flock among the lilies.
דּוֹדִי֙ יָרַ֣ד לְגַנּ֔וֹ לַעֲרֻג֖וֹת הַבֹּ֑שֶׂם לִרְעוֹת֙ בַּגַּנִּ֔ים וְלִלְקֹ֖ט שֽׁוֹשַׁנִּֽים׃
אֲנִ֤י לְדוֹדִי֙ וְדוֹדִ֣י לִ֔י הָרֹעֶ֖ה בַּשּׁוֹשַׁנִּֽים׃ {ס}
The Bible (The Old Testament) (14th - 2nd C BC) Judeo-Christian sacred scripture [Tanakh, Hebrew Bible], incl. the Apocrypha (Deuterocanonicals)
Book 22. Song of Songs (of Solomon; Canticles) 6: 2ff (Song (Cant) 6:2-3), Poem 4 [tr. NRSV (2021 ed.)]More about (and translations of) this quote: wist.info/bible-ot/83822/
#quote #quotes #quotation #qotd #bible #oldtestament #songofsongs #songofsolomon #beloved #couple #lily #lover #visit
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My beloved has gone down to his garden,
to the beds of spices,
to pasture his flock in the gardens
and to gather lilies.
I am my beloved’s, and my beloved is mine;
he pastures his flock among the lilies.
דּוֹדִי֙ יָרַ֣ד לְגַנּ֔וֹ לַעֲרֻג֖וֹת הַבֹּ֑שֶׂם לִרְעוֹת֙ בַּגַּנִּ֔ים וְלִלְקֹ֖ט שֽׁוֹשַׁנִּֽים׃
אֲנִ֤י לְדוֹדִי֙ וְדוֹדִ֣י לִ֔י הָרֹעֶ֖ה בַּשּׁוֹשַׁנִּֽים׃ {ס}
The Bible (The Old Testament) (14th - 2nd C BC) Judeo-Christian sacred scripture [Tanakh, Hebrew Bible], incl. the Apocrypha (Deuterocanonicals)
Book 22. Song of Songs (of Solomon; Canticles) 6: 2ff (Song (Cant) 6:2-3), Poem 4 [tr. NRSV (2021 ed.)]More about (and translations of) this quote: wist.info/bible-ot/83822/
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My beloved has gone down to his garden,
to the beds of spices,
to pasture his flock in the gardens
and to gather lilies.
I am my beloved’s, and my beloved is mine;
he pastures his flock among the lilies.
דּוֹדִי֙ יָרַ֣ד לְגַנּ֔וֹ לַעֲרֻג֖וֹת הַבֹּ֑שֶׂם לִרְעוֹת֙ בַּגַּנִּ֔ים וְלִלְקֹ֖ט שֽׁוֹשַׁנִּֽים׃
אֲנִ֤י לְדוֹדִי֙ וְדוֹדִ֣י לִ֔י הָרֹעֶ֖ה בַּשּׁוֹשַׁנִּֽים׃ {ס}
The Bible (The Old Testament) (14th - 2nd C BC) Judeo-Christian sacred scripture [Tanakh, Hebrew Bible], incl. the Apocrypha (Deuterocanonicals)
Book 22. Song of Songs (of Solomon; Canticles) 6: 2ff (Song (Cant) 6:2-3), Poem 4 [tr. NRSV (2021 ed.)]More about (and translations of) this quote: wist.info/bible-ot/83822/
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My beloved has gone down to his garden,
to the beds of spices,
to pasture his flock in the gardens
and to gather lilies.
I am my beloved’s, and my beloved is mine;
he pastures his flock among the lilies.
דּוֹדִי֙ יָרַ֣ד לְגַנּ֔וֹ לַעֲרֻג֖וֹת הַבֹּ֑שֶׂם לִרְעוֹת֙ בַּגַּנִּ֔ים וְלִלְקֹ֖ט שֽׁוֹשַׁנִּֽים׃
אֲנִ֤י לְדוֹדִי֙ וְדוֹדִ֣י לִ֔י הָרֹעֶ֖ה בַּשּׁוֹשַׁנִּֽים׃ {ס}
The Bible (The Old Testament) (14th - 2nd C BC) Judeo-Christian sacred scripture [Tanakh, Hebrew Bible], incl. the Apocrypha (Deuterocanonicals)
Book 22. Song of Songs (of Solomon; Canticles) 6: 2ff (Song (Cant) 6:2-3), Poem 4 [tr. NRSV (2021 ed.)]More about (and translations of) this quote: wist.info/bible-ot/83822/
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Techgrumps 3.32 Your Illegal Racially Motivated Stops Will Go More Smoothly
With the UK’s steps into the age gated internet and digital ID back again like the renegade master, the techgrumps have plenty to be grumpy about in this month’s podcast.
Grumps this time include the voices of Ian Forrester, David Eastman, Ryan Alexander and Wendy Grossman.
Techgrumps 3.32
- UK Digital ID
- Christie’s has quietly shuttered its digital art department
- Age verification and online safety
- Meshtastic and different networks
- AOB
- Digital legacy – https://machinereadablewishes.cc/
- Fediforum 2025 – https://fediforum.org/ – October 7-8th
- Ian’s digital dating manifesto – https://datingmanifesto.cc/
Enjoy the mp3 audio, and why not share it with others.
#agegated #AI #art #DavidEastman #davideastman #digitalID #ianforrester #NFTs #ryanalexander #UK #wearable #wendygrossman
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Techgrumps 3.32 Your Illegal Racially Motivated Stops Will Go More Smoothly
With the UK’s steps into the age gated internet and digital ID back again like the renegade master, the techgrumps have plenty to be grumpy about in this month’s podcast.
Grumps this time include the voices of Ian Forrester, David Eastman, Ryan Alexander and Wendy Grossman.
Techgrumps 3.32
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- Meshtastic and different networks
- AOB
- Digital legacy – https://machinereadablewishes.cc/
- Fediforum 2025 – https://fediforum.org/ – October 7-8th
- Ian’s digital dating manifesto – https://datingmanifesto.cc/
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From #CheckPoint #CheckMates:
Business Email Compromise (BEC) remains one of the most effective and costly attack vectors, exploiting human behavior and bypassing traditional email security controls. Once a user engages, attackers move fast, making detection alone insufficient to prevent impact.
Join my colleagues for a live webinar featuring Christian Crawford and Jesse Weeks, Security Engineers from Check Point's Workspace Security team, as they reveal how AI-driven email security detects and prevents BEC attacks in real time, without relying on manual intervention.
- What makes BEC one of the most effective and costly attack vectors
- How to reduce response time without increasing operational complexity
- Why AI-driven email security is necessary to detect and prevent BEC attacks
https://engage.checkpoint.com/how-to-stop-a-bec-attack-with-ai
- What makes BEC one of the most effective and costly attack vectors
-
From #CheckPoint #CheckMates:
Business Email Compromise (BEC) remains one of the most effective and costly attack vectors, exploiting human behavior and bypassing traditional email security controls. Once a user engages, attackers move fast, making detection alone insufficient to prevent impact.
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- What makes BEC one of the most effective and costly attack vectors
- How to reduce response time without increasing operational complexity
- Why AI-driven email security is necessary to detect and prevent BEC attacks
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- How to reduce response time without increasing operational complexity
- Why AI-driven email security is necessary to detect and prevent BEC attacks
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- What makes BEC one of the most effective and costly attack vectors
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From #CheckPoint #CheckMates:
Business Email Compromise (BEC) remains one of the most effective and costly attack vectors, exploiting human behavior and bypassing traditional email security controls. Once a user engages, attackers move fast, making detection alone insufficient to prevent impact.
Join my colleagues for a live webinar featuring Christian Crawford and Jesse Weeks, Security Engineers from Check Point's Workspace Security team, as they reveal how AI-driven email security detects and prevents BEC attacks in real time, without relying on manual intervention.
- What makes BEC one of the most effective and costly attack vectors
- How to reduce response time without increasing operational complexity
- Why AI-driven email security is necessary to detect and prevent BEC attacks
https://engage.checkpoint.com/how-to-stop-a-bec-attack-with-ai
- What makes BEC one of the most effective and costly attack vectors
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ECB President Christine Lagarde cautioned that euro strength could push inflation below forecasts, while reaffirming the ECB's 2% target and leaving rates unchanged.
#YonhapInfomax #EuropeanCentralBank #ChristineLagarde #EuroDollar #Inflation #PolicyRate #Economics #FinancialMarkets #Banking #Securities #Bonds #StockMarket
https://en.infomaxai.com/news/articleView.html?idxno=104163 -
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:stargif: 𝑼𝒏 𝒄𝒂𝒔𝒐 𝒒𝒖𝒆 𝒂𝒃𝒓𝒊𝒐́ 𝒖𝒏 𝒅𝒆𝒃𝒂𝒕𝒆 𝒊𝒏𝒄𝒐́𝒎𝒐𝒅𝒐 :stargif:
“𝙲𝚛𝚘́𝚗𝚒𝚌𝚊 𝚗𝚎𝚐𝚛𝚊”
Lo que ocurrió en Indiana en 2017 no es solo un crimen, es uno de esos casos que obligan a mirar de frente los límites del sistema judicial.
Nickalas Kedrowicz tenía 13 años cuando acabó con la vida de sus dos hermanos pequeños: Desiree McCartney (23 meses) y Nathaniel Ritz (11 meses).
Murieron con apenas dos meses de diferencia, en circunstancias que al principio parecían accidentes domésticos.La historia no se descubrió de golpe.
Primero fue Desiree, en mayo de 2017.
La encontraron sin respirar mientras él estaba a cargo.
Dos meses después, en julio, ocurrió lo mismo con Nathaniel.
Dos muertes casi idénticas en el mismo entorno empezaron a levantar sospechas.Las autopsias y la presión de la investigación terminaron rompiendo la versión inicial.
En 2018, Nickalas confesó.
Dijo que había usado una toalla y una manta para asfixiarlos.El motivo que dio es de los que te dejan frío: aseguró que quería “liberarlos del infierno”.
Según explicó, no quería que sus hermanos crecieran en el entorno familiar que él percibía como insoportable.
Llegó a decir que no quería que vivieran “como él vivió”.Aquí hay un punto importante: no era la primera señal de alarma.
Durante la investigación salió a la luz que ya había mostrado conductas violentas, como matar a un gato de forma especialmente cruel.
Nadie actuó a tiempo.La madre, Christina McCartney, no sospechó de él durante meses.
Confiaba en su hijo como hermano mayor y defendió durante mucho tiempo que las muertes habían sido accidentales.
Más adelante, intentó introducir otra línea de defensa: que el padrastro era abusivo e incluso que podía haber influido en lo ocurrido.
Pero en el juicio, el único acusado fue Nickalas.El proceso judicial tomó un rumbo poco habitual para alguien de su edad.
Fue juzgado como adulto.
Eso cambió completamente el resultado.En 2021 (con sentencia consolidada en 2022), el juez dictó dos penas de 50 años consecutivos.
En total: 100 años de prisión.
No es solo una cifra simbólica; al ser consecutivas, aseguran que no haya salida temprana.
En la práctica, es una cadena perpetua.Hoy cumple condena dentro del sistema penitenciario de Indiana.
Este caso no se entiende sin el debate que provocó, y que sigue abierto:
Por un lado, quienes defienden la sentencia insisten en la gravedad extrema de los hechos.
Dos víctimas, total indefensión, cierta planificación.
Para ellos, la prioridad es proteger a la sociedad y hacer justicia sin matices.Por otro, están quienes ven el caso desde la neurociencia y la justicia juvenil.
A los 13 años, el cerebro —sobre todo las áreas que controlan impulsos y juicio moral— aún está en desarrollo.
La base del sistema juvenil es precisamente esa: que un menor puede cambiar.
Una condena de 100 años elimina cualquier posibilidad real de rehabilitación.Organismos internacionales llevan tiempo cuestionando este tipo de sentencias en menores, considerándolas desproporcionadas o incluso contrarias a derechos básicos.
Y luego está lo más incómodo de todo: el contexto.
Un entorno familiar problemático, señales previas ignoradas, un niño que ya mostraba conductas violentas…
Es decir, no es solo una historia de crimen, también lo es de fallos alrededor.Este caso dejó una pregunta difícil de esquivar:
¿dónde se pone el límite entre castigar lo que alguien hizo… y entender lo que aún podía llegar a ser?No hay una respuesta limpia.
Y quizá por eso sigue generando tanta discusión.▣▣▣▣▣▣▣▣▣▣▣▣▣▣▣▣▣▣
#historiareal #criminologia #justicia #debate #casoreal #derechopenal #eeuu #reflexion
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Lügen, Leugnung, Verharmlosung, Vertuschung, Legenden, Täuschung, Illusionen und Selbstbetrug
In keinem anderen Politikfeld spielen diese Faktoren eine so starke Rolle wie bei der militärischen Rüstung. Und ganz besonders dann, wenn es – wie bereit 85 Jahre, seit der Entwicklung von Atombomben zunächst in den USA – um atomare Massenvernichtungsmittel geht und auch im Zusammenhang damit um die sogenannte zivile Nutzung der nuklearen Technologie.
Fast alle genannten Faktoren aus den letzten 85 Jahren sind auch relevant für die anschwellende Debatte darüber, ob Europa sich eine eigenständige, von den USA möglichst unabhängige Atomwaffenkapazität anschaffen soll. Wobei mit Europa von jetzt ab immer gemeint sind die Mitgliedstaaten der Europäischen Union, also der EU, und die europäischen NATO-Mitglieder. Das sind ja bis auf wenige Ausnahmen dieselben Staaten.
Ein kurzer Überblick über die Geschichte:1) Verharmlosung, Vertuschung, Leugnung
Seit Anfang der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden weltweit 2056 unterirdische und oberirdische atomare Explosionstests durchgeführt. Zunächst von den USA, ab 1949 auch von der Sowjetunion sowie in der Folge von Großbritannien, Frankreich und von China. Der letzte Test fand 1980 statt. Viele hunderttausend Menschen und ihre Umwelt sind durch die radioaktive Strahlung betroffen worden. Die Opfer dieser Atomwaffentests werden bis heute geleugnet oder verharmlost. Diese Menschen sind kaum jemals entschädigt worden.
Das 1996 von der UNO-Generalversammlung beschlossene umfassende Verbot von atomaren Explosionstests – der Comprehensive Test Ban Treaty (CTBT) – ist zwar bis heute nicht in Kraft getreten. Doch seit den 90er Jahren gilt ein Testmoratorium und finden Atomwaffentests nur noch durch Computersimulationen statt. Aber das Pentagon, inzwischen unter Trump in „Kriegsministerium“ umbenannt, drängt schon lange darauf, wieder unterirdische oder gar überirdische Atomwaffentests zuzulassen, weil die angeblich notwendige „Modernisierung“ – ein euphemistischer, verharmlosender Begriff – der Atomwaffen, um sie noch schrecklicher, noch zerstörungsstärker, noch zielgenauer, noch weniger berechenbar für den Feind zu machen, sich nur mit unterirdischen oder gar oberirdischen Explosionstests bewerkstelligen lasse. Und Donald Trump hat vor wenigen Monaten angekündigt, daß er solche Tests wieder aufnehmen will. Wenn das tatsächlich passiert, muß man davon ausgehen, das Russland genauso handeln wird und dann in Europa mindestens auch Frankreich. Und die anderen Atomwaffenstaaten – Israel, Indien, Pakistan sowie Nordkorea könnten dann ebenfalls wieder atomare Explosionstests durchfhren.
2. Lüge
Die Atomwaffenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945 mit den bekannten katastrophalen Folgen wurden und werden bis heute in der amerikanischen Geschichtsschreibung und in vielen Schulbüchern damit gerechtfertigt, sie seien notwendig gewesen, um Japan zur Kapitulation zu zwingen. Das ist eine glatte Lüge. Der japanische Kaiser hatte längst seine Kapitulationsbereitschaft nach Washington gemeldet, aber die beiden Atombomben wurden dennoch abgeworfen. Vor allem deswegen, weil die USA nicht wollten, dass die sowjetischen Truppen, die damals aus dem Norden Japans auf Tokio vorrückten, den Sieg in diesem Krieg reklamieren.
3. Verharmlosung
In den 1950er Jahren hat der damalige westdeutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer die Atomwaffen als „eine andere Form der Artillerie“ verharmlost und verlangt, dass die Bundeswehr Atomwaffen in nationaler Verfügung bekommen sollte. Das haben die USA zum Glück damals nicht zugelassen. Stattdessen wurde das Modell der sogenannten nuklearen Teilhabe etabliert, unter dem in der damalige westdeutsche Bundesrepublik sowie in vier weiteren andere NATO- Staaten amerikanische Atomwaffen stationiert wurden, die im Ernstfall von den US-Miltärs auch an die Streitkräfte der jeweiligen Stationierungsländer weitergegeben und von diesen eingesetzt werden können.
4. Täuschung
Franz Josef Strauß, der Militärminister und Atomminister im Kabinett Adenauer, hat die Energiekonzerne der westdeutschen Bundesregublik damals gegen deren bessere betriebswirtschaftliche Erkenntnis, gegen alle volkswirtschaftliche Vernunft, sowie gegen alle ökologischen und Sicherheitsbedenken mit Milliardensubventionen dazu genötigt, auf die Atomenergie zu setzen. Das eigentliche Motiv von Strauß war, dass Westdeutschland alle Technologien und Anlagen erhält, die zur Entwicklung von Atomwaffen erforderlich sind – Atomkraftwerke und Anlagen zur Urananreicherung, sowie schnelle Brüter oder Wiederaufbereitungsanlagen, um Plutonium zu beschaffen – also die beiden Verfahren, um waffenfähiges atomares Spaltmaterial zu gewinnen. Dieses Ziel hat Strauß ja auch fast vollständig erreicht bis auf die zur Plutoniumgewinnung gedachte Wiederaufbereitungsanlage im bayerischen Wackersdorf, deren Bau durch massive Proteste und Widerstand der Anti-AKW-Bewegung verhindert werden konnte.
5. Selbstbetrug
In den 1950er Jahren gab es in Westeuropa eine große grundsätzliche Kampagne gegen Atomwaffen unter dem Motto „Kampf dem Atomtod“. Sie ging von Großbritannien aus, aber damals gingen auch in der westdeutschen Bundesrepublik und in den anderen NATO-Staaten hunderttausende Menschen auf die Straße. In Westdeutschland ging diese Kampagne Ende der 1950er Jahre zu Ende, im Wesentlichen weil die Führungen der bis dahin aktiv beteiligten Sozialdemokratie, der Gewerkschaften sowie großer Teile der evangelischen Kirche ihren Frieden mit der Atomwaffe schlossen.
Die Führung der evangelischen Kirche in Deutschland – der EKD-Rat- veröffentlichte 1959 die sogenannte Heidelberger These: „Die Kirche muss die Beteiligung an dem Versuch, durch das Dasein von Atomwaffen einen Frieden in Freiheit zu sichern, als eine heute noch mögliche christliche Handlungsweise anerkennen.“
Dieses „heute noch“ von vor 65 Jahren ist seitdem immer wieder verlängert worden durch den Rat der EKD in einer Reihe vom Rat so bezeichneter „Friedensdenkschriften“. Die letzte Denkschrift wurde im November 2025 veröffentlicht. Sie hat mit Friedensdenkschrift überhaupt nichts mehr zu tun, sondern ist eine einzige Rechtfertigung der Aufrüstungspolitik, wie sie im Moment in Deutschland und anderen Ländern betrieben wird. Und mit Blick auf die Atomwaffen geht die Formulierung in der Denkschrift sogar noch weiter als bisher, indem sie auch die Option einer eigenständigen atomaren Bewaffnung Europas offenhält.
Der Selbstbetrug liegt darin, dass die Denkschrift einerseits weiterhin behauptet, die Bereithaltung von Atomwaffen zur Abschreckung und damit auch die Androhung ihres Einsatzes sei auch für Christen legitim. Aber andererseits sei man gegen den Einsatz. Das geht natürlich nicht. Entweder oder: Wenn man glaubwürdig abschrecken will und androht, ist man natürlich auch bereit, einzusetzen. Sonst verliert diese Androhung an Glaubwürdigkeit. Das ist Selbstbetrug. Damit hat sich zumindest die Führung der evangelischen Kirche in Deutschland weitgehend verabschiedet als glaubwürdiger Akteur in der friedenspolitischen Debatte.
An der Basis der evangelischen Kirche gibt es allerdings massiven Widerspruch, und Gegenschriften mit guten theologischen, moralisch-ethischen und politischen Gegenargumenten zu der Denkschrift.
6. Illusion
1949 zündete auch die Sowjetunion ihre erste Atomwaffe. Es begann der atomare Rüstungswettlauf zwischen den USA und der Sowjetunion. Doch 1962 erklärte der damalige Pentagonchef Robert McNamara in der Kennedy-Administration: „Jetzt haben wir und die Sowjets jeweils 400 atomare Sprengköpfe. Das reicht zur gegenseitigen Abschreckung. Das reicht zur gegenseitigen Vernichtung. Mit diesen insgesamt 800 Atomsprengköpfen können wir sogar die ganze Welt mehrfach vernichten. Daher können wir aufhören mit dem atomaren Rüstungswettlauf.“
Eine schöne Illusion des Pentagonchefs. Denn seit Urzeiten ist dem Rüstungswettlauf inhärent ein tiefes gegenseitiges Mißtrauen, die jeweils andere Seite würde immer mehr Waffen produzieren und wahrscheinlich heimlich neue, gefährlichere Waffen und Munitionen entwickeln. Das begann in Urzeiten, als die Menschen zunächst nur ein Messer oder eine Streitaxt hatten. Dann entwickelt einer den Speer und ist damit in der Lage, den anderen auch aus sicherer Entfernung abzustechen. Der andere entwickelt auch einen Speer. Im Mittelalter entwickelt eine Seite Kanonenkugeln, um Stadtmauern zu überwinden, der andere dann natürlich auch.
Einige Jahre nach McNamaras illusionären Worten entwickelten zunächst die USA und dann auch die Sowjetunion Mehrfachsprechköpfe für ihre Atomraketen. Zum Ende des Kalten Krieges, Mitte der 80er Jahre, kurz bevor Michail Gorbatschow im März 1985 in Moskau Generalsekretär der Kommunistischen Partei und dann Präsident wurde, hatten allein die Sowjetunion und die USA 70.000 einsatzfähige Atomsprengköpfe. Dazu kamen noch die etwa über 2000 insgesamt von Großbritannien, Frankreich, Israel, Indien und Pakistan.
Diese inhärente Logik des Rüstungswettlaufes wurde im Bereich der Atomwaffen seit den späten 1960er Jahren mehrfach durch Rüstungskontroll- und Abrüstungsverträge zeitweise unterbrochen, aber nie beendet. Und seit Anfang des Jahrtausends wurde alle relevanten Verträge zunächst von den USA und dann zum Teil auch von Rußland aufgekündigt (ABM, INF), oder sie sind ausgelaufen (New START), derzeit ohne Aussicht auf Verhandlung über ein Nachfolgeabkommen.
7. Legende
Die zentrale Rechtfertigung für die Existenz von Atomwaffen seit fast 80 Jahren, ist die Behauptung, die gegenseitige Abschreckung und Vernichtungsdrohung habe in den 40 Jahren des Kalten Krieges (1949-1989) den Frieden gesichert.
Zur dieser Legende hier lediglich zwei von vielen möglichen Einwänden:
Erstens: Gab es jemals einen sicheren, gerichtsfesten Beweis, daß die Sowjetuion vorhatte, die Teilungslinie zwischen Ost- und Westeuropa, die Stalin, Rooselvelt und Churchill im Februar 1945 in Jalta festgelegt hatten, durch einen militärischen Anfriff auf das Territorium der NATO zu überschreiten? Ich kenne einen solchen Beweis nicht. Und umgekehrt kenne ich auch keinen sicheren, gerichtsfesten Beweis dafür, daß die USA jemals die Absicht hatte zu einem militärischen Angriff auf das Territorium des Warschauer Paktes.
Mein zweiter Einwand: Diese Legende von der Sicherung des Friedens durch gegenseitge atomare Abschreckung unterschlägt, dass die Welt in diesen 40 Jahren mindestens 31 mal – wie inzwischern veröffentlichte Dokumente belegen – schon mit anderthalb Beinen über dem Abgrund stand, weil entweder in Moskau oder in Washington die Fehlwahrnehmung bestand, die andere Seite habe bereits auf den roten Knopf gedrückt oder sei kurz davor.
In diesen 40 Jahren des Kalten Krieges konnten all diese Situationen noch gerade rechtzeitig entschärft werden, weil es Kommunikationskanäle zwischen Washington und Moskau gab, unter anderem das „Rote Telefon“. Und es gab immer noch ausreichende zeitliche Spielräume und damit Entscheidungs- und Eingriffsmöglichkeiten für Politiker und Militärs auf beiden Seiten. Das ist heute immer weniger der Fall angesichts der rüstungstechnologischen Entwicklung: Raketen und andere Waffen sowie Munitionen werden immer schneller, zielgenauer, zerstörungsstärker sowie flexibler einsetzbar. Damit werden sie immer bedrohlicher und immer weniger berechenbar für die tatsächliche oder vermeintlich angegriffene andere Seite. Zudem werden durch die zunehmende Automatisierung von Waffen und Munition die Entscheidungen über ihren Einsatz immer weiter der Kontrolle durch Menschen entzogen. Durch den Einsatz von KI wird diese hochgefährliche, weil destabilisierende Entwicklung noch weiter verschärft.
Ob für die Entschärfung gefährlicher Situationen notwendige Kommunikationskanäle zwischen den USA und Russland derzeit überhaupt noch existieren, ist unklar. Schließlich verstärken öffentliche Erwägungen westlicher Militärs – darunter Generäle der Bundeswehr – über einen präventiven/präemptiven Einsatz von Waffensystemen wie den zur Stationierung in Deutschland ab diesem Jahr vorgesehenen US-Mittelstreckenwaffen – gegen Ziele in Russland die Nervosität in Moskau. Das gilt auch umgekehrt.
8. Widerlegte Legende
Mit der Legende vom gesicherten Frieden durch gegenseitige atomare Abschreickung wird ja behauptet, Atomwaffen seien Instrumente zur Verhinderung von Kriegen. Diese Behauptung wird aktuell durch Rußlands völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine widerlegt. Nur mit den Atomwaffen Russlands in der Hinterhand sowie mit gelegentlichen Drohungen, sie auch einzusetzen, konnte Putin diesen konventionellen Krieg gegen das Nachbarland überhaupt beginnen und bis heute fortsetzen. Denn Putin kalkulierte zutreffend, daß die militärische Unterstützung des Westens/der NATO- und EU-Staaten für die Verteidigungsstreitkräfte der Ukraine nicht so weit gehen würde, daß das in den westlichen Hauptstädten politisch postulierte und in Kiev als „Sieg“ definierte Ziel einer Niederlage Rußlands durch Vertreibung aller russischen Truppen vom Territorium der Ukraine inklusive der Krim tatsächlich erreicht würde. Dabei ist die Drohung mit Atomwaffen, um einen konventionellen Krieg zu führen, keineswegs neu. Die USA hatten im Goldkrieg gegen Irak vom Frühjahr 1991 auf ihren Kriegsschiffen im Persischen Golf Atomwaffen stationiert und dem irakischen Herrscher Saddam Hussien mit dem Einsatz dieser Atomwaffen gedroht, sollte Hussein die damals tatsächlich im Irak noch vorhandenen Chemiwaffen einsetzen. Das tat Hussein nicht. Die USA setzten auch keine Atomwaffen ein, dafür aber die damals neu entwickelten Raketen und Artilleriegeschosse, deren Sprengköpfe gehärtet waren durch abgereichertes Uran, auf englisch: Depleted Uranium. Mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung vor allem im Südirak, wo die Krebsrate unter der Bevölkerung um ein Vielfaches anstieg. Auch tausende US-amerikanische und britische Soldaten, die im Krieg gegen Irak eingesetzt wurden, erkrankten in der Folge. Die Chemiewaffenbestände Iraks wurde nach Ende des Golfkriegs im April 1991 unter UN0-Aufsicht vollständig zerstört.
9. Lüge
Dennoch rechtfertigten US-Präsident George Bush und der britische Premierminister Tony Blair ihren völkerrechtswidrigen Krieg gegen Irak (3. Golfkrieg) vom Frühjahr 2003 mit der Lüge, Irak habe weiterhin chemische und darüber hinaus auch biologische und atomare Massenvernichtungswaffen. Dieser völkermörderische Krieg hatte fürchterliche Folgen. Über eine Million Iraker*innen wurden unmittelbar im Krieg getötet oder starben in der Folge, weil die amerikanischen und britischen Streitkräfte in großem Ausmaß überlebensnotwendige zivile Infrastruktur im Irak (Wasserleitungen, Elektrizitätswerke und Stromleitungen, Produkstionsstätten für Nahrungsmittel etc.) zerstört hatten. Wenn es gerecht in dieser Welt zugehen würde, wären Bush und Blair vom Internationalen Strafgerichtshof zu lebernslanger Haft verurteilt worden und säßen jetzt im Gefängnis. Stattdessen spielt Blair als zweiter Mann hinter Donald Trump in dessen sogenannten „Friedensrat“ für den Gazastreifen erneut eine unheilvolle Rolle im Nahen Osten.
Die USA und Großbritannien schufen mit dem Krieg gegen Irakvon 2003 und während der nachfolgenden achtjährigen Besatzung des Landes den Nährboden für die Entstehung des sogenannten „Islamischen Staats“, der dann nach dem Abzug der US-Besatzungstruppen ab 2014 ein Drittel des Iraks sowie über die Hälfte des sysrischen Territums eroberte .
10. Gefährliche Legenden
Hätte Irak zumindest ein kleines Atomwaffenarsenal besessen, wäre das Land nie von den USA und Großbritannien angegriffen worden: so lautete damals in manchen Hauptstädten nicht nur des Globalen Südens die Schlußfogerung aus dem Krieg, an dessen Ende Saddam Hussein von den US-Streitkräften gefangen genommen und ermordet wurde. Diese Schlußfolgerung stärkte die Militärs und Sicherheitspolitiker, die eine Beschaffung von Atomwaffen für Ihr Land befürworten, weil sie darin die einzig verläßliche Versicherung sehen, niemals von einem anderen Land angegriffen zu werden. Diese Verarbeitung des Irakkrieges schwächt die politische Bindungskraft des Abkommens zur Nichtverbreitung von Atomwaffen, Non Proliferation Treaty (NPT). Dasselbe gilt für die weitverbreitete Behauptung, die Ukraine wäre niemals von Russland angegriffen worden, wenn sie nicht mit Unterzeichnung des Budapester Memorandums im Jahr 1994 auf die damals noch auf ihrem Territorium lagernden Atomwaffen aus sowjetischen Zeiten verzichtet hätte. Diese Legende ist gefährlicher Unsinn. Denn die Atomwaffen, die damals noch in der Ukraine und auch in Weißrußland und in Kasachstan lagerten, waren zu jedem Zeitpunkt seit dem Ende der Sowjetunion im Dezember 1991 unter vollständiger Kontrolle Moskaus. Die Ukraine hatte zu keinem Zeitpunkt eine eigenständige Atomwaffenkapazität, mit der sie Russland hätte abschrecken und den im Februar 2022 begonnen Angriffskrieg gegen ihr Land verhindern können.
Wie 2003 im Krieg gegen Irak dienen auch im aktuellen völkerrechtswidrigen Krieg Israels und der USA gegen Iran angeblich vorhandene Atomwaffen als Rechtfertigung. Der Lüge von Netanjahu und Trump, Iran habe kurz vor der Fertigstellung einer Atombombe gestanden und stelle daher eine unmittelbare Bedrohung vor allem für Israel dar, haben die US-Geheimdienste eindeutig widersprochen. Dieser Krieg gegen Iran wird möglicherweise noch gravierendere Auswirkungen haben als der Irakktrieg von 2003: für die 90 Millionenn IranerInnen,und für die Stabilität ihre Landes, in dem es im schlimmsten Fall zu einem blutigen Bürgerkrieg kommen könnte. Und darüber hinaus für die Stabilität und die weitere militärische und sicherheitspolitische Entwicklung in der ganzen Region Westasien (Naher und Mittlerer Osten). Und auch für den atomaren Nichtverbreitungsvertrag (NPT). Saudi Arbeien, Ägypten, die Trükei, Irak, Syrien – sie alle werden ihre Schlußfolgerungen aus diesem israelisch-amerikanischen Krieg ziehen. Und sie werden mit Sicherheit die unilaterale Atomwaffenhegemonie Israels in Westasien nicht auf Dauer dulden. Im schlimmsten Fall könnte es in Westasien zu einem Rüstungswettlauf mit atomaren, chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen kommen.
Atomwaffen in/für Europa
Schon der aktuelle Status von Atomwaffen in den europäischen Mitgliedsstaaten der NATO sowie der Türkei stößt bei Staaten außerhalb Europas auf Kritik und Mißtrauen. Und dies völlig zu Recht. Denn zwei dieser Staaten – Frankreich und Großbritannien – besitzen Atomwaffen und weigern sich, genauso wie die drei anderen „offiziellen“ Atomwaffenmächte USA, China und Russland, seit jetzt 65 Jahren beharrlich, ihre Verpflichtung aus dem 1970 vereinbarten NPT zur Abrüstung ihrer atomaren Arsenale nachzukommen. Darüber hinaus sind in fünf weiteren Staaten – Deutschland, den Niederladen, Belgien, Italien und der Türkei – im Rahmen der sogenannten „nuklearen Teilhabe“ Atombomben der USA stationiert, die im Kriegsfall auch an die Luftstreitkräfte dieser fünf Länder zum Einsatz übergeben werden können. Das ist aus Sicht vieler KritikerInnen – auch nach meiner Einschätzung – zumindest ein Verstoß gegen den Geist des NPT, wenn nicht sogar gegen den Buchstaben dieses Vertrages.
Jegliche Form der Erweiterung dieses Status Quo, sei es durch die Mitverfügung Deutschlands und anderer Staaten über die Atomwaffen Frankreichs oder Großbritanniens, durch die Ausweitung der Teilhabe an Atomwaffen der USA durch ihre Stationierung in Polen oder anderen bislang atomwaffenfreien Ländern oder gar durch die Entwicklung von eigenen Atomwaffen durch welches europäische Land auch immer, würde mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Ende des NPT führen.
Die Debatte über eine eigenständige, von den USA unabhängige atomare Abschreckungskapazität Europas wird ja nicht erst seit Rußlands Krieg gegen die Ukraine geführt und unter Verweis auf die angebliche Absicht und angebliche militärische Fähigkeit Russlands, nach diesem Krieg die baltischen Staaten, Polen sowie spätestens zum Ende dieses Jahrzehnts auch Deutschland und andere NATO-Staaten anzugreifen. Dieses Bedohungszenario ist völlig überzogen und unseriös. Es gibt keinerlei Äußerungen Putins oder von Mitgliedern der Führung in Moskau, die diese Absicht erkennen lassen. Und die Regierung Putin wäre angesichts der militärischen Kräfteverhältnisse zwischen den NATO-Staaten und Rußland auch gar nicht in der Lage, einen solchen Krieg zu führen. Die Friedensbewegung wird diesem überzogenen Bedrohungsszenario, das ja zur Rechtfertigung der derzeitigen Aufrüstung und zur innergesellschaftlichen Militarisierung dient, allerdings nur glaubwürdig und mit Erfolg in der Öffentlichkeit widersprechen können, wenn sie den tatsächlichen heißen Krieg, den Rußland gegen die Ukraine führt, genauso klar als völkerrechtswidrig verurteilt, wie sie auch völkerrechtswidrige Kriege des Westens verurteilt hat. Da gibt es in Teilen der Friedensbewegung leider ziemliche Defizite.
Die Debatte um Atomwaffen für Europa begann bereits, nachdem Donald Trump in seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf im Sommer 2016 die NATO für „obsolet“ erklärte. Bereits am Tag nach der ersten Amtseinführung Trumps im Januar 2017 erklärte der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter im ARD-Fernsehen, jetzt könne sich „Europa nicht mehr auf den nuklearen Schutzschirm der USA verlassen“, und erhob die Forderung nach Schaffung einer eigenständigen atomaren Bewaffung der EU. Konkret schlug Kiesewetter eine Mitverfügung Deutschlands über Frankreichs Atomwaffen vor. Im Wahlkampf zum EU-Parlament Anfang 2024 erhob dann auch die damalige sozialdemokratische Spitzenkandidatin Katharina Barley diese Forderung. Entsprechende Forderungen und Vorschläge werden seitdem immer häufiger laut angesichts der offensichtlichen Kumpanei zwischen Trump und Putin mit Blick auf den Ukrainekrieg, und weil die NATO-kritischen Äußerungen von Mitgliedern der Administration in Washington in Trumps zweiter Amtseit seit Anfang 2025 deutlich zugenommen haben. In der Debatte über eine militärische Unterstützung für Trumps völkerrechtswidrigen Krieg gegen Iran beschimpfte der US-Präsident die unwilligen europäischen Verbündeten als „unzuverlässig“ und „undankbar“ und drohte mit einem Austritt der USA aus der Militärallianz. Doch es ist ein Fehler, all die diesbezüglichen Äußerungen aus Washington für bare Münze zu halten. Sie werden überbewertet und instrumentalisiert, um die miltärische Aufrüstung der EU zu propagieren bis hin zu einer eigenständigen, von den USA unabhängigen atomaren Bewaffnung.
Natürlich verfolgt die Trump-Administration-noch stärker als all ihre Vorgänger, und dank Rußlands völkerrechtwidrigem Krieg gegen die Ukraine auch viel erfolgreicher, das Ziel, die finanziellen Lasten in der NATO umzuverteilen und die Europäer zu mehr Militärausgaben zu drängen. Doch davon abgesehen hat sich das grundlegende Interesse der USA an der NATO seit ihrer Gründung im Jahr 1949 auch unter Trump nicht verändert: die Militärallianz ist für ihre Führungsmacht das wichtigste Instrument zur Einflußnahme in und Kontrolle über Europa. Auch die Existenz von US-Militärbasen in Deutschland und anderen Staaten Europas sowie deren Nutzung für Washingtons globale Kriege und Drohneneinsätze wären ohne die NATO nicht möglich. All das wird auch Trump nicht aufgeben.
Die deutsche Debatte über Atomwaffen für Europa bezog sich zunächst nur auf das Modell einer Mitverfügung Deutschlands über die atomaren Arsenale Frankreichs und/oder Großbritanniens. Wobei von Goßbritannien seit dem EU-Austritt des Landes (Brexit) zumindest vorerst nicht mehr die Rede ist. Das Recht auf Mitverfügung reklamierte bereits Westdeutschlands sozial-liberale Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt. Als sie mit der Ratifizierung des NPT im Jahr 1972 den völkerrechtlichen Verzicht auf Atomwaffen erklärte, machte sie den Vorbehalt, daß dieser Verzicht nicht mehr gelte, wenn es im Zuge der europäischen Integration (wie sie inzwischen mit der EU erreicht ist) zu einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik Europas komme. Dann müßten auch die dann noch in Europa existierenden Atomwaffen vergemeinschaftet werden und Deutschland eine Mitverfügung – einen „zweiten Schlüssel“ – über diese Waffen erhalten. Im 4+2-Abkommen vom September 1990 wurde lediglich der Verzicht des wiedervereinigten Deutschland auf „die Entwicklung, den Besitz, die Lagerung und die Weitergabe“ von Atomwaffen vereinbart. Das Begehren der DDR-Delegation bei den 4+2-Verhandlungen, auch den Verzicht auf „Mitverfügung über Atomwaffen anderer Staaten“ in den Vertrag aufzunehmen, wurde von der westdeutschen Verhandlungsdelegation abgelehnt.
Inzwischen ist den Befürwortern allerdings immer deutlicher geworden, daß eine Mitverfügung Deutschlands oder anderer Staaten über die Atomwaffen Frankreichs für Paris nicht in Frage kommt. Präsident Emmanuel Macron schlug Anfang dieses Jahres lediglich vor, französische Atomwaffen vorwärts zu stationieren auf das Territorium Deutschlands. Diese Waffen sollen aber unter alleiniger Verfügung und Einsatzkontrolle durch Frankreich bleiben. Paris ist vor allem daran interessiert, daß sich Deutschland finanziell an der viele Milliarden teuren „Modernisierung der Force de Frappe“ beteiligt. Daher werden in jüngster Zeit immer mehr Stimmen laut – vor allem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) – die ähnlich wie Konrad Adenauer in den 1950er Jahren für die nationale Beschaffung und Alleinverfügung Deutschlands von und über Atomwaffen plädieren. Sie argumentieren, da sich seit 1970 und erneut seit 1990 die geopolitischen Rahmenbedingungen grundlegend geändert hätten, sei auch eine Revision der im Rahmen des NPT und des 4+2-Abkommens eingegangenen völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands zum Atomwaffenverzicht erforderlich – sei es durch Aufkündung bzw. Austritt aus diesen Verträgen oder durch deren Neuverhandlung und Korrektur. Eine Aufkündigung oder der Austritt aus internationalen Verträgen ist grundsätzlich möglich unter Beachtung bestimmter Fristen und formaler Verfahrensregeln. Als Problem sehen die Befürworter eines solchens Vorgehens lediglich, daß nach einer Aufkündigung des 4+2-Vertrages milliardenschwere Reparationsforderungen auf die Bundesrepublik als Nachfolgestaat von NAZI-Deutchland zukommen könnten, die mit diesem Abkommen für endültig abgegolten erklärt wurden.
Über Andreas Zumach:
Andreas Zumach ist freier Journalist, Buchautor, Vortragsreferent und Moderator, Berlin. Von 1988- 2020 UNO- Korrespondent in Genf, für "die tageszeitung" (taz) in Berlin sowie für weitere Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten. Seine Beiträge sind in der Regel Übernahmen von taz.de, mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag.
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Christian Ghisler released #Total Commander version 11.57. https://www.ghisler.com/download.htm
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In #Texas, #CorpusChristi’s #watercrisis may be a glimpse into the future
5yr #drought, a failed desalination plant, and poor planning may force the city to choose between residents and #oil and #gas industry.
Corpus Christi is one of largest petrochemical hubs in US, oil, gas, and other industrial facilities account for between 50 to 60% of city’s #water usage. One enormous plastics plant owned by #ExxonMobil and #SaudiArabia, used just under 5B gallons of water in 2024
https://grist.org/drought/corpus-christi-water-crisis-texas-drought/ -
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Kayden McDonald, Lee Hunter, Christen Miller, who fits Las Vegas Raiders best in 2026 NFL draft?
While the Las Vegas Raiders own the No. 1 overall pick, the 2026 NFL draft really starts for…
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