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1000 results for “nicks_gehts_mehr”

  1. Um 21:00 geht es los. The Nicks live aus dem @Jazzkeller #krefeld

    Direkt zur Bühne:
    live.feedbeat.io/feedbeat/star

    Seit Ende der 80er servieren The Nicks ihren ungewaschenen Party-Ska auf den Bühnen der Republik und auch gern mal darüber hinaus.

    Open Door / Pay what you want

    Mehr Infos:
    jazzkeller.info/event/the-nick

    #ska #musik #liveistlive

  2. @[email protected]

    Definiere Nutzung von #Pixelfed.

    Mit Leuten kommunizieren, die auf einer Instanz im #Fediverse unterwegs sind, die #Pixelfed einsetzt? Das geht mehr oder weniger genauso wie mit allen anderen Leuten auf anderen Instanzen. Die Instanzen tauschen sich untereinander aus, prinzipiell unabhängig von der eingesetzten Serversoftware.

    Spezielle Eigenschaften von #Pixelfed nutzen? Dann wäre ein Konto auf einer solchen Instanz hilfreich.

    Schönes Wochenende via #Mammuthus... 😉

  3. 2/2

    Die Woche der Hölle

    Die Arbeit war für mich in den letzten drei Wochen schon anstrengend, aber jetzt sind die Anforderungen höllisch geworden. Die #Geschäftsleitung sagt, dass es in den #Supermärkten einen #Sonderverkauf für #Salate gibt, deshalb müssen wir draußen auf dem #Feld so hart arbeiten, um so viel wie möglich zu ernten, bevor es dunkel wird. Es geht das Gerücht, dass wir, wenn wir abends vom Feld zurückkehren, in die #Packhalle geschickt werden.

    Ewelina, die neben mir arbeitet, sagt, wir sollten uns weigern, nach Einbruch der Dunkelheit in die Packhalle zu gehen, wenn sie uns darum bitten. Aber sie betont, dass wir uns alle weigern müssen. "Es ist sehr wichtig, dass wir zusammenhalten", sagt sie. Ich nicke, dass ich das verstehe, und verspreche, es nicht zu vermasseln. Dann machen wir uns eilig wieder an die Arbeit, um vor Einbruch der Dunkelheit so viel wie möglich zu schaffen.

    Nach zwölf Stunden Schicht schaltet einer der Chefs die Traktorbeleuchtung ein und wir arbeiten im Scheinwerferlicht weiter, obwohl wir alle so müde sind, dass wir kaum noch stehen können. Mit schmerzenden, geschwollenen Händen pflücken wir weiter die Salate, legen sie in Kisten und werfen sie in den Lastwagen. So geht es mehr als eine Stunde lang weiter, und obwohl einige Stimmen sagen, dass wir es einfach nicht mehr schaffen, arbeiten wir alle weiter. Wir verpassen unsere Chance, eine Rebellion anzuzetteln. Der Trotz ertrinkt in Erschöpfung.

    Sie schauen weg

    Nach einem Monat verließ ich den Hof. Ich erhielt eine Barauszahlung von 1.500 € (1.275 £). Meine Kollegen umarmten mich herzlich und sagten mir, ich solle auf jeden Fall wiederkommen.

    Am letzten Nachmittag schaue ich mir den Laden an, in dem Gemüse, Salate und #Brokkoli von unserem Hof an die Öffentlichkeit verkauft werden. Der Laden sieht aus wie ein #Bio-Paradies; er ist schön und rustikal und riecht gut. Auf dem Gemüse befindet sich ein Etikett, auf dem die Herkunft angegeben ist. Oft steht auf dem Etikett "Deutschland", aber da der Laden vor Ort ist, sieht es so aus, als ob die Produkte tatsächlich auf dem Hof angebaut werden. Doch alles, außer den Salaten und dem Brokkoli, wird im Großhandel eingekauft und oft nur von faulen Gemüsestücken getrennt und gut gewaschen.

    #Deutsche in großen, teuren Autos kommen hierher zum Einkaufen, und wenn sie einen von uns sehen, schauen sie normalerweise weg. Einmal bemerkte ich einen prüfenden Blick, den einer der Kunden auf die unansehnlichen Schlafsäle warf, aber wir bewegen uns normalerweise nicht im Hof, wenn der Laden geöffnet ist. Wir sind bei der Arbeit. Ich weiß nicht einmal, ob die Kunden überhaupt wissen wollen, wie unsere Arbeitsbedingungen sind.

    Saša Uhlová ist Redakteurin bei der tschechischen Online-Tageszeitung Deník Alarm. Ihre Berichterstattung wurde vom Stiftungsfonds für unabhängigen #Journalismus unterstützt. Die Namen wurden geändert und das Projekt wurde in einen Film unter der Regie von Apolena Rychlíková umgewandelt.

    Quelle: theguardian.com/commentisfree/

    Übersetzung: [Nicht authorisiert]: Thomas Trueten

    Teil 1/2: mastodon.trueten.de/@thomas/11

    via @guardian
    press.coop/@guardian/113157088 @labournet_de

  4. 2/2

    Die Woche der Hölle

    Die Arbeit war für mich in den letzten drei Wochen schon anstrengend, aber jetzt sind die Anforderungen höllisch geworden. Die #Geschäftsleitung sagt, dass es in den #Supermärkten einen #Sonderverkauf für #Salate gibt, deshalb müssen wir draußen auf dem #Feld so hart arbeiten, um so viel wie möglich zu ernten, bevor es dunkel wird. Es geht das Gerücht, dass wir, wenn wir abends vom Feld zurückkehren, in die #Packhalle geschickt werden.

    Ewelina, die neben mir arbeitet, sagt, wir sollten uns weigern, nach Einbruch der Dunkelheit in die Packhalle zu gehen, wenn sie uns darum bitten. Aber sie betont, dass wir uns alle weigern müssen. "Es ist sehr wichtig, dass wir zusammenhalten", sagt sie. Ich nicke, dass ich das verstehe, und verspreche, es nicht zu vermasseln. Dann machen wir uns eilig wieder an die Arbeit, um vor Einbruch der Dunkelheit so viel wie möglich zu schaffen.

    Nach zwölf Stunden Schicht schaltet einer der Chefs die Traktorbeleuchtung ein und wir arbeiten im Scheinwerferlicht weiter, obwohl wir alle so müde sind, dass wir kaum noch stehen können. Mit schmerzenden, geschwollenen Händen pflücken wir weiter die Salate, legen sie in Kisten und werfen sie in den Lastwagen. So geht es mehr als eine Stunde lang weiter, und obwohl einige Stimmen sagen, dass wir es einfach nicht mehr schaffen, arbeiten wir alle weiter. Wir verpassen unsere Chance, eine Rebellion anzuzetteln. Der Trotz ertrinkt in Erschöpfung.

    Sie schauen weg

    Nach einem Monat verließ ich den Hof. Ich erhielt eine Barauszahlung von 1.500 € (1.275 £). Meine Kollegen umarmten mich herzlich und sagten mir, ich solle auf jeden Fall wiederkommen.

    Am letzten Nachmittag schaue ich mir den Laden an, in dem Gemüse, Salate und #Brokkoli von unserem Hof an die Öffentlichkeit verkauft werden. Der Laden sieht aus wie ein #Bio-Paradies; er ist schön und rustikal und riecht gut. Auf dem Gemüse befindet sich ein Etikett, auf dem die Herkunft angegeben ist. Oft steht auf dem Etikett "Deutschland", aber da der Laden vor Ort ist, sieht es so aus, als ob die Produkte tatsächlich auf dem Hof angebaut werden. Doch alles, außer den Salaten und dem Brokkoli, wird im Großhandel eingekauft und oft nur von faulen Gemüsestücken getrennt und gut gewaschen.

    #Deutsche in großen, teuren Autos kommen hierher zum Einkaufen, und wenn sie einen von uns sehen, schauen sie normalerweise weg. Einmal bemerkte ich einen prüfenden Blick, den einer der Kunden auf die unansehnlichen Schlafsäle warf, aber wir bewegen uns normalerweise nicht im Hof, wenn der Laden geöffnet ist. Wir sind bei der Arbeit. Ich weiß nicht einmal, ob die Kunden überhaupt wissen wollen, wie unsere Arbeitsbedingungen sind.

    Saša Uhlová ist Redakteurin bei der tschechischen Online-Tageszeitung Deník Alarm. Ihre Berichterstattung wurde vom Stiftungsfonds für unabhängigen #Journalismus unterstützt. Die Namen wurden geändert und das Projekt wurde in einen Film unter der Regie von Apolena Rychlíková umgewandelt.

    Quelle: theguardian.com/commentisfree/

    Übersetzung: [Nicht authorisiert]: Thomas Trueten

    Teil 1/2: mastodon.trueten.de/@thomas/11

    via @guardian
    press.coop/@guardian/113157088 @labournet_de

  5. 2/2

    Die Woche der Hölle

    Die Arbeit war für mich in den letzten drei Wochen schon anstrengend, aber jetzt sind die Anforderungen höllisch geworden. Die #Geschäftsleitung sagt, dass es in den #Supermärkten einen #Sonderverkauf für #Salate gibt, deshalb müssen wir draußen auf dem #Feld so hart arbeiten, um so viel wie möglich zu ernten, bevor es dunkel wird. Es geht das Gerücht, dass wir, wenn wir abends vom Feld zurückkehren, in die #Packhalle geschickt werden.

    Ewelina, die neben mir arbeitet, sagt, wir sollten uns weigern, nach Einbruch der Dunkelheit in die Packhalle zu gehen, wenn sie uns darum bitten. Aber sie betont, dass wir uns alle weigern müssen. "Es ist sehr wichtig, dass wir zusammenhalten", sagt sie. Ich nicke, dass ich das verstehe, und verspreche, es nicht zu vermasseln. Dann machen wir uns eilig wieder an die Arbeit, um vor Einbruch der Dunkelheit so viel wie möglich zu schaffen.

    Nach zwölf Stunden Schicht schaltet einer der Chefs die Traktorbeleuchtung ein und wir arbeiten im Scheinwerferlicht weiter, obwohl wir alle so müde sind, dass wir kaum noch stehen können. Mit schmerzenden, geschwollenen Händen pflücken wir weiter die Salate, legen sie in Kisten und werfen sie in den Lastwagen. So geht es mehr als eine Stunde lang weiter, und obwohl einige Stimmen sagen, dass wir es einfach nicht mehr schaffen, arbeiten wir alle weiter. Wir verpassen unsere Chance, eine Rebellion anzuzetteln. Der Trotz ertrinkt in Erschöpfung.

    Sie schauen weg

    Nach einem Monat verließ ich den Hof. Ich erhielt eine Barauszahlung von 1.500 € (1.275 £). Meine Kollegen umarmten mich herzlich und sagten mir, ich solle auf jeden Fall wiederkommen.

    Am letzten Nachmittag schaue ich mir den Laden an, in dem Gemüse, Salate und #Brokkoli von unserem Hof an die Öffentlichkeit verkauft werden. Der Laden sieht aus wie ein #Bio-Paradies; er ist schön und rustikal und riecht gut. Auf dem Gemüse befindet sich ein Etikett, auf dem die Herkunft angegeben ist. Oft steht auf dem Etikett "Deutschland", aber da der Laden vor Ort ist, sieht es so aus, als ob die Produkte tatsächlich auf dem Hof angebaut werden. Doch alles, außer den Salaten und dem Brokkoli, wird im Großhandel eingekauft und oft nur von faulen Gemüsestücken getrennt und gut gewaschen.

    #Deutsche in großen, teuren Autos kommen hierher zum Einkaufen, und wenn sie einen von uns sehen, schauen sie normalerweise weg. Einmal bemerkte ich einen prüfenden Blick, den einer der Kunden auf die unansehnlichen Schlafsäle warf, aber wir bewegen uns normalerweise nicht im Hof, wenn der Laden geöffnet ist. Wir sind bei der Arbeit. Ich weiß nicht einmal, ob die Kunden überhaupt wissen wollen, wie unsere Arbeitsbedingungen sind.

    Saša Uhlová ist Redakteurin bei der tschechischen Online-Tageszeitung Deník Alarm. Ihre Berichterstattung wurde vom Stiftungsfonds für unabhängigen #Journalismus unterstützt. Die Namen wurden geändert und das Projekt wurde in einen Film unter der Regie von Apolena Rychlíková umgewandelt.

    Quelle: theguardian.com/commentisfree/

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  6. 2/2

    Die Woche der Hölle

    Die Arbeit war für mich in den letzten drei Wochen schon anstrengend, aber jetzt sind die Anforderungen höllisch geworden. Die #Geschäftsleitung sagt, dass es in den #Supermärkten einen #Sonderverkauf für #Salate gibt, deshalb müssen wir draußen auf dem #Feld so hart arbeiten, um so viel wie möglich zu ernten, bevor es dunkel wird. Es geht das Gerücht, dass wir, wenn wir abends vom Feld zurückkehren, in die #Packhalle geschickt werden.

    Ewelina, die neben mir arbeitet, sagt, wir sollten uns weigern, nach Einbruch der Dunkelheit in die Packhalle zu gehen, wenn sie uns darum bitten. Aber sie betont, dass wir uns alle weigern müssen. "Es ist sehr wichtig, dass wir zusammenhalten", sagt sie. Ich nicke, dass ich das verstehe, und verspreche, es nicht zu vermasseln. Dann machen wir uns eilig wieder an die Arbeit, um vor Einbruch der Dunkelheit so viel wie möglich zu schaffen.

    Nach zwölf Stunden Schicht schaltet einer der Chefs die Traktorbeleuchtung ein und wir arbeiten im Scheinwerferlicht weiter, obwohl wir alle so müde sind, dass wir kaum noch stehen können. Mit schmerzenden, geschwollenen Händen pflücken wir weiter die Salate, legen sie in Kisten und werfen sie in den Lastwagen. So geht es mehr als eine Stunde lang weiter, und obwohl einige Stimmen sagen, dass wir es einfach nicht mehr schaffen, arbeiten wir alle weiter. Wir verpassen unsere Chance, eine Rebellion anzuzetteln. Der Trotz ertrinkt in Erschöpfung.

    Sie schauen weg

    Nach einem Monat verließ ich den Hof. Ich erhielt eine Barauszahlung von 1.500 € (1.275 £). Meine Kollegen umarmten mich herzlich und sagten mir, ich solle auf jeden Fall wiederkommen.

    Am letzten Nachmittag schaue ich mir den Laden an, in dem Gemüse, Salate und #Brokkoli von unserem Hof an die Öffentlichkeit verkauft werden. Der Laden sieht aus wie ein #Bio-Paradies; er ist schön und rustikal und riecht gut. Auf dem Gemüse befindet sich ein Etikett, auf dem die Herkunft angegeben ist. Oft steht auf dem Etikett "Deutschland", aber da der Laden vor Ort ist, sieht es so aus, als ob die Produkte tatsächlich auf dem Hof angebaut werden. Doch alles, außer den Salaten und dem Brokkoli, wird im Großhandel eingekauft und oft nur von faulen Gemüsestücken getrennt und gut gewaschen.

    #Deutsche in großen, teuren Autos kommen hierher zum Einkaufen, und wenn sie einen von uns sehen, schauen sie normalerweise weg. Einmal bemerkte ich einen prüfenden Blick, den einer der Kunden auf die unansehnlichen Schlafsäle warf, aber wir bewegen uns normalerweise nicht im Hof, wenn der Laden geöffnet ist. Wir sind bei der Arbeit. Ich weiß nicht einmal, ob die Kunden überhaupt wissen wollen, wie unsere Arbeitsbedingungen sind.

    Saša Uhlová ist Redakteurin bei der tschechischen Online-Tageszeitung Deník Alarm. Ihre Berichterstattung wurde vom Stiftungsfonds für unabhängigen #Journalismus unterstützt. Die Namen wurden geändert und das Projekt wurde in einen Film unter der Regie von Apolena Rychlíková umgewandelt.

    Quelle: theguardian.com/commentisfree/

    Übersetzung: [Nicht authorisiert]: Thomas Trueten

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  7. 2/2

    Die Woche der Hölle

    Die Arbeit war für mich in den letzten drei Wochen schon anstrengend, aber jetzt sind die Anforderungen höllisch geworden. Die #Geschäftsleitung sagt, dass es in den #Supermärkten einen #Sonderverkauf für #Salate gibt, deshalb müssen wir draußen auf dem #Feld so hart arbeiten, um so viel wie möglich zu ernten, bevor es dunkel wird. Es geht das Gerücht, dass wir, wenn wir abends vom Feld zurückkehren, in die #Packhalle geschickt werden.

    Ewelina, die neben mir arbeitet, sagt, wir sollten uns weigern, nach Einbruch der Dunkelheit in die Packhalle zu gehen, wenn sie uns darum bitten. Aber sie betont, dass wir uns alle weigern müssen. "Es ist sehr wichtig, dass wir zusammenhalten", sagt sie. Ich nicke, dass ich das verstehe, und verspreche, es nicht zu vermasseln. Dann machen wir uns eilig wieder an die Arbeit, um vor Einbruch der Dunkelheit so viel wie möglich zu schaffen.

    Nach zwölf Stunden Schicht schaltet einer der Chefs die Traktorbeleuchtung ein und wir arbeiten im Scheinwerferlicht weiter, obwohl wir alle so müde sind, dass wir kaum noch stehen können. Mit schmerzenden, geschwollenen Händen pflücken wir weiter die Salate, legen sie in Kisten und werfen sie in den Lastwagen. So geht es mehr als eine Stunde lang weiter, und obwohl einige Stimmen sagen, dass wir es einfach nicht mehr schaffen, arbeiten wir alle weiter. Wir verpassen unsere Chance, eine Rebellion anzuzetteln. Der Trotz ertrinkt in Erschöpfung.

    Sie schauen weg

    Nach einem Monat verließ ich den Hof. Ich erhielt eine Barauszahlung von 1.500 € (1.275 £). Meine Kollegen umarmten mich herzlich und sagten mir, ich solle auf jeden Fall wiederkommen.

    Am letzten Nachmittag schaue ich mir den Laden an, in dem Gemüse, Salate und #Brokkoli von unserem Hof an die Öffentlichkeit verkauft werden. Der Laden sieht aus wie ein #Bio-Paradies; er ist schön und rustikal und riecht gut. Auf dem Gemüse befindet sich ein Etikett, auf dem die Herkunft angegeben ist. Oft steht auf dem Etikett "Deutschland", aber da der Laden vor Ort ist, sieht es so aus, als ob die Produkte tatsächlich auf dem Hof angebaut werden. Doch alles, außer den Salaten und dem Brokkoli, wird im Großhandel eingekauft und oft nur von faulen Gemüsestücken getrennt und gut gewaschen.

    #Deutsche in großen, teuren Autos kommen hierher zum Einkaufen, und wenn sie einen von uns sehen, schauen sie normalerweise weg. Einmal bemerkte ich einen prüfenden Blick, den einer der Kunden auf die unansehnlichen Schlafsäle warf, aber wir bewegen uns normalerweise nicht im Hof, wenn der Laden geöffnet ist. Wir sind bei der Arbeit. Ich weiß nicht einmal, ob die Kunden überhaupt wissen wollen, wie unsere Arbeitsbedingungen sind.

    Saša Uhlová ist Redakteurin bei der tschechischen Online-Tageszeitung Deník Alarm. Ihre Berichterstattung wurde vom Stiftungsfonds für unabhängigen #Journalismus unterstützt. Die Namen wurden geändert und das Projekt wurde in einen Film unter der Regie von Apolena Rychlíková umgewandelt.

    Quelle: theguardian.com/commentisfree/

    Übersetzung: [Nicht authorisiert]: Thomas Trueten

    Teil 1/2: mastodon.trueten.de/@thomas/11

    via @guardian
    press.coop/@guardian/113157088 @labournet_de

  8. @nick Du kannst, wenn ich mich richtig erinnere, bis zu 3 Hashtags definieren. Er zeigt alle Beiträge, die mind. einen Hashtag enthalten.

    Also mehr ist in diesem Fall nicht unbedingt besser, wenn es um den #bpt252 geht … 🤔

  9. a first: zweieinhalb Stunden Verspätung bei der Bahn, und weil dann kein Zug mehr fuhr, kriegte ich einen Taxigutschein von Essen nach Wuppertal. Einmal mehr: ich habe einen Heidenrespekt vor allen Leuten, die dort was am Laufen halten, was seit über 20 Jahren politisch gewollt kaputtgespart wurde.

    Ich hab das vage Gefühl, mich für den 40C3 in der Wiki-Area als Freiwilliger gemeldet zu haben, aber fühlt sich nicht schlecht an. Weiter habe ich leider ein paar Leute verpasst, denen ich gern über den Weg gelaufen wäre, war einmal mehr geflasht von einer unglaublich angenehmen und anregenden Community und ansonsten normal übermüdet, unterzuckert und überkoffeiniert.

    Medtech, gematik, ePA und Konsorten. Ich nutzte Verspätung und ICE-Wlan, um ein paar verpasste Talks nachzugucken. Das war einmal die KIM-Analyse von Christoph und natürlich die neuerliche ePA-Zerlegung von Bianca. Beide Talks wurden recht breit rezipiert und meiner Ansicht nach medial auch ziemlich gut eingeordnet.

    Dszu einige persönliche Anmerkungen.

    Usability, Hektik und Pragmatismus

    Regelmäßig wird eingeordnet, dass bei allen Problemen der gematik-Plattformen alte Lösungen (Fax!) noch bei weitem unsicherer sind. Stand jetzt würde ich aber auf dem Hügel sterben, dass sie nicht wegen gefühlt höherer Sicherheit verwendet werden, sondern weil sie praktischer und zuverlässiger sind. Faxen geht immer. Für KIM etc. muss man Karten in ein (freies) Terminal stecken, Kram machen, hoffen, dass die Infrastruktur funktioniert, abwarten, Erfolg prüfen. Fax legste auf die Scheibe, drückst Kurzwahl und rennst zum nächsten Patienten. Das ist der Usecase und die Usability, die man vor Ort braucht.

    Um das wiederum einzuordnen: Letztens bloggte ich über die Usability meiner AOK-ePA-App. Bzw. ihr Nichtvorhandensein. Wenn Bianca jetzt sagt, die gematik-infrastruktur bestehe aus einer Unzahl einzelner Module, dann nicke ich heftig. Wenn sie dann von immerhin 96% Verfügbarkeit zwischen 04 – 07/2025 spricht, nicke ich weiter, und wenn sie das zu „über zwei Wochen Ausfall pro Jahr“ hochrechnet, ebenso. Wer das mal nachempfinden will: Ich schubste mal ti-monitoring.de auf Arbeit in unsere News und installierte mir die Notifications in dem Zug auch selber. Seit September kriege ich jedes ausfallende Modul der TI auf mein Handy gemeldet und ich sag mal so: Cloudflare ist ein Scheiß dagegen.

    Nochmal: Usability, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit sind die chronisch unterbelichteten Aspekte an der ganzen Kiste.

    Ich bin überzeugtes Mitglied im Team Zynismus und japanische Pornografie, aber selbst ich kann mir vorstellen, dass sich die gematik irgendwann ein widerwillig-anerkennendes „sieht langsam ok aus“ nach einem Congresstalk abholen kann. Ich tu mich massiv schwerer mit der utopischen Vision, dass Beschäftigte in Arztpraxen und Apotheken froh an die Kiste sitzen, ihren eHBA scharfschalten und sich über die einfach und reibungslos funktionierende IT freuen, die ihnen Arbeit abnimmt und Zeit spart. I WANT TO BELIEVE, alleine, nun ja.

    […]

    https://www.korrupt.biz/34999/39c3-nachtraege-v-a-zu-kim-epa-gematik-von-zuhause/
  10. Troet.Cafe & Muenchen.Social — 006

    [Lest vor allem Martin's Ankündigung]

    Es gibt gleich zwei neue Versionen (v4.1.14 & v4.1.15) wegen zwei neuen Sicherheitslücken! Dieses Mal haben wir nicht lange gewartet und wenige Stunden nach der Veröffentlichung schon alles up-to-date gehabt.

    Mit „wir” meine Ich dieses Mal komplett alleine Martin @martinmuc und Nick @freestyle! Ich habe kein bisschen geholfen, also geht jeglicher Lob an sie!

    Naja, die anderen Male saß Ich auch nur daneben und sah bestenfalls schön aus, aber dieses Mal kann man nicht mal das behaupten! Haha. Aber Spaß beiseite, die beiden haben immer super Arbeit geleistet – zudem können Nick und Ich jetzt unabhängig Updates auf troet.cafe und muenchen.social machen, heißt es hängt nicht mehr alles alleinig von Martin ab :ablobcatheartsqueeze:

    Das nimmt ihm natürlich viel Stress und erlaubt es uns die Last aufzuteilen!

    Im Gegenzug habe Ich mich, nachdem mich Martin drauf aufmerksam machte, seit dem gestrigen Morgen bis heute darum gekümmert die Spam-Welle einzudämmen und alle anderen Admins zu informieren wie dies am besten geht!

    Ich bitte zudem um aufrichtige Entschuldigung bei allen Instanzen die auch von uns aus Spam erfahren mussten - es hat Zeit gebraucht das Problem zu erkennen, von uns aus zu lösen, und dann so nachhaltig zu lösen das auch unsere User nicht mehr betroffen waren.
    Deshalb muss Ich auch @FanCityKnits und @catflyhigh als Café-Helfer:Innen des Monats auszeichnen für die tolle Report-Arbeit über die wir live genau erkennen konnten von wo der Spam kam. Ohne euch wäre der heutige Tag weitaus stressiger gewesen! :ablobcatheartsqueeze:

    ❤️ DANKE AN EUCH! ❤️

    #TroetCafeLebt #MuenchenSocialLebt #TroetCafe #MuenchenSocial #TeamTroetCafe #TeamMuenchenSocial

  11. Bevor wir euch ins Wochenende entlassen, haben wir noch unsere WWWs für euch – das heisst: Ihr könnt testen, was das Zeug hält und euch inspirieren lassen. Wir haben nämlich diese Woche wieder einige sehr sinnvolle AI-Tools für euch, die euch einerseits inspirieren sollen, andererseits aber auch viel Zeit einsparen:

    • QuickWP – AI generierte Themes für Gutenberg erstellen
    • Shots – Kinderleicht Mockups erstellen
    • Moodboard Creator – der Name spricht für sich

    Viel Spaß damit und genießt euer Wochenende!

    Eure Leo Skulls ⭐️

    Gravity Forms Code Chest

    Wenn es um Erweiterungen für Gravity Forms geht, dann taucht immer wieder Gravity Wiz auf. Deren Gravity Perks machen den sowieso schon sehr mächstigen und flexibeln Formbuilder für WordPress noch sehr viel mächtiger und flexibler. Es gibt von Graviyt Wiz aber auch einige kostenlose Plugin. Neu dazu gekommen ist Gravity Forms Code Chest. Das Plugin erlaubt es eigenen CSS- und JavaScript-Code direkt zum jeweiligen Formular zu speichern – ganz einfach im WordPress-Backend, ohne eigene Funktionen in die functions.php schreiben zu müssen. Praktisch und man fragt sich doch, warum das nicht längst ein Standard-Feature von Gravity Forms ist.

    Bring mich hin

    QuickWP

    Ein AI-generiertes Theme für Gutenberg in wenigen Minuten erstellen – das geht mit QuickWP. Man wird hier Schritt für Schritt durch die Erstellung geleitet, gibt Name, einen Introtext und eine nähere Beschreibung ein, wählt Fotos aus, die man gerne in die Website eingebaut hätte und bekommt Layout-Beispiele präsentiert, aus denen man dann eins auswählen kann. Am Ende spuckt QuickWP ein ZIP-File aus, welches installiert werden kann. Für eine schnelle Inspiration auf jeden Fall sehr sinnvoll, ansonsten sind die Themes sehr schlicht, aber vielleicht könnt ihr ja noch mehr rausholen. 🙂

    Bring mich hin

    MaxiBlocks Template Library

    Das Team von MaxiBlocks hat über 2000 Vorlagen hinzugefügt. Diese Sammlung enthält nun auch die ersten WordPress-Navigationsblockmuster mit Header- und Menüstilen.

    Bring mich hin

    How To: Block basierte Megamenüs

    Nick Diego zeigt uns anschaulich, wie man ein Block basiertes Mega-Menü bauen kann. 

    Er hatte die Idee wohl schon seit einiger Zeit, allerdings gab es ein paar technische Hindernisse, die in WordPress 6.5 gelöst wurden. Da die WordPress 6.5 Beta 1 schon released wurde, steht einem Test nun nichts mehr im Wege 🙂

    Bring mich hin

    Conditional Blocks 3.1

    Das Conditional Blocks Plugin 3.1v Update hat Integrationen für drei beliebte Plugins hinzugefügt, darunter: Advanced Custom Fields (ACF), Easy Digital Downloads (EDD), und Paid Memberships Pro (PMPro).

    Bring mich hin

    Shots

    Shots macht vor allem eins: Mockups für die verschiedensten Devices erstellen. Und das in vielen Designvariationen. Layout auswählen, Foto per drag and drop in das Design ziehen und nach Belieben anpassen.

    Bring mich hin

    Moodboard Creator

    Mit dem Moodboard Creator könnt ihr aus einfachen Eingaben beeindruckende Moodboards erstellen. Eine schöne Form, AI sinnvoll einzusetzen.

    Bring mich hin

    Boring Avatars

    Was so langweilig klingt, ist schlicht und einfach eine Open Source React Library, die einzigartige SVG-basierte Avatare aus Benutzernamen und Farbpaletten erzeugt.

    Bring mich hin

    The Plus Addons for Elementor: Update 5.4.0 verfügbar

    Eine grundlegende Veränderung in der neuen Version ist die Verbesserung des Nutzererlebnisses. The Plus Addons for Elementor (*) soll nach dem Update geschmeidiger und schneller laufen.

    Bring mich hin

    (*) Dies ist ein Affiliate-Link. Wenn Du über einen Affiliate-Link einkaufst, dann erhalten wir ein paar Prozent Provision – für Dich ändert sich aber nichts am Preis.

    Foto von Alex Knight auf Unsplash

    https://www.leo-skull.de/www-59-woechentliche-wordpress-weblinks/

    #BoringAvatars #ConditionalBlocks #GravityForms #LeoSkull #MaxiBlocks #Megamenü #MoodboardCreator #QuickWP #Shots #TheEventsCalendar #ThePlusAddons #WordPress #WordPressPlugins #WordPressSurvey

  12. Bevor wir euch ins Wochenende entlassen, haben wir noch unsere WWWs für euch – das heisst: Ihr könnt testen, was das Zeug hält und euch inspirieren lassen. Wir haben nämlich diese Woche wieder einige sehr sinnvolle AI-Tools für euch, die euch einerseits inspirieren sollen, andererseits aber auch viel Zeit einsparen:

    • QuickWP – AI generierte Themes für Gutenberg erstellen
    • Shots – Kinderleicht Mockups erstellen
    • Moodboard Creator – der Name spricht für sich

    Viel Spaß damit und genießt euer Wochenende!

    Eure Leo Skulls ⭐️

    Gravity Forms Code Chest

    Wenn es um Erweiterungen für Gravity Forms geht, dann taucht immer wieder Gravity Wiz auf. Deren Gravity Perks machen den sowieso schon sehr mächstigen und flexibeln Formbuilder für WordPress noch sehr viel mächtiger und flexibler. Es gibt von Graviyt Wiz aber auch einige kostenlose Plugin. Neu dazu gekommen ist Gravity Forms Code Chest. Das Plugin erlaubt es eigenen CSS- und JavaScript-Code direkt zum jeweiligen Formular zu speichern – ganz einfach im WordPress-Backend, ohne eigene Funktionen in die functions.php schreiben zu müssen. Praktisch und man fragt sich doch, warum das nicht längst ein Standard-Feature von Gravity Forms ist.

    Bring mich hin

    QuickWP

    Ein AI-generiertes Theme für Gutenberg in wenigen Minuten erstellen – das geht mit QuickWP. Man wird hier Schritt für Schritt durch die Erstellung geleitet, gibt Name, einen Introtext und eine nähere Beschreibung ein, wählt Fotos aus, die man gerne in die Website eingebaut hätte und bekommt Layout-Beispiele präsentiert, aus denen man dann eins auswählen kann. Am Ende spuckt QuickWP ein ZIP-File aus, welches installiert werden kann. Für eine schnelle Inspiration auf jeden Fall sehr sinnvoll, ansonsten sind die Themes sehr schlicht, aber vielleicht könnt ihr ja noch mehr rausholen. 🙂

    Bring mich hin

    MaxiBlocks Template Library

    Das Team von MaxiBlocks hat über 2000 Vorlagen hinzugefügt. Diese Sammlung enthält nun auch die ersten WordPress-Navigationsblockmuster mit Header- und Menüstilen.

    Bring mich hin

    How To: Block basierte Megamenüs

    Nick Diego zeigt uns anschaulich, wie man ein Block basiertes Mega-Menü bauen kann. 

    Er hatte die Idee wohl schon seit einiger Zeit, allerdings gab es ein paar technische Hindernisse, die in WordPress 6.5 gelöst wurden. Da die WordPress 6.5 Beta 1 schon released wurde, steht einem Test nun nichts mehr im Wege 🙂

    Bring mich hin

    Conditional Blocks 3.1

    Das Conditional Blocks Plugin 3.1v Update hat Integrationen für drei beliebte Plugins hinzugefügt, darunter: Advanced Custom Fields (ACF), Easy Digital Downloads (EDD), und Paid Memberships Pro (PMPro).

    Bring mich hin

    Shots

    Shots macht vor allem eins: Mockups für die verschiedensten Devices erstellen. Und das in vielen Designvariationen. Layout auswählen, Foto per drag and drop in das Design ziehen und nach Belieben anpassen.

    Bring mich hin

    Moodboard Creator

    Mit dem Moodboard Creator könnt ihr aus einfachen Eingaben beeindruckende Moodboards erstellen. Eine schöne Form, AI sinnvoll einzusetzen.

    Bring mich hin

    Boring Avatars

    Was so langweilig klingt, ist schlicht und einfach eine Open Source React Library, die einzigartige SVG-basierte Avatare aus Benutzernamen und Farbpaletten erzeugt.

    Bring mich hin

    The Plus Addons for Elementor: Update 5.4.0 verfügbar

    Eine grundlegende Veränderung in der neuen Version ist die Verbesserung des Nutzererlebnisses. The Plus Addons for Elementor (*) soll nach dem Update geschmeidiger und schneller laufen.

    Bring mich hin

    (*) Dies ist ein Affiliate-Link. Wenn Du über einen Affiliate-Link einkaufst, dann erhalten wir ein paar Prozent Provision – für Dich ändert sich aber nichts am Preis.

    Foto von Alex Knight auf Unsplash

    https://www.leo-skull.de/www-59-woechentliche-wordpress-weblinks/

    #BoringAvatars #ConditionalBlocks #GravityForms #LeoSkull #MaxiBlocks #Megamenü #MoodboardCreator #QuickWP #Shots #TheEventsCalendar #ThePlusAddons #WordPress #WordPressPlugins #WordPressSurvey

  13. WWW 147 – Wöchentliche WordPress Weblinks

    Am Samstag, den 22.11. war der diesjährige Kimchi Day. Kimchi dürfte zu den bekanntesten koreanischen Spezialitäten gehören. Kimchi ist fermentiertes Gemüse, traditionell Chinakohl und Rettich. Am bekanntesten ist die scharf gewürzte Version, es gibt aber auch Varianten ohne Chili. Grundsätzlich kann man auf die gleiche Art natürlich jedes Gemüse fermentieren und da jede Region, wahrscheinlich jede Familie in Korea ein eigenes Rezept hat, ist für für Abwechslung gesorgt. Wer es noch nicht probiert hat, sollte es unbedingt nachholen, ob selbstgemacht – die gemeinschaftliche Zubereitung von Kimchi gehört übrigens zum Kulturerbe der Menschheit – oder fertiges Kimchi aus dem Asia-Store. Es ist lecker, gesund und vielseitig verwendbar. 

    Zum Frühstück bietet sich zum Beispiel ein Grilled-Cheese-Sandwich mit Kimchi-Füllung an – funktioniert auch mit veganem Käse und kann prima neben der Lektüre unserer WWW verzehrt werden 😊

    • Hidden Gems“ unter den WordPress-Plugins finden
    • WPSyncSheets für Bricks
    • Sicherheit bei FAIR
    • 12 coole Blöcke, die mit Telex erstellt wurden
    • Fluent Forms 6.1.5
    • Divi 5: Stacked & Nested Presets
    • Alles, was du über Affiliate-Offenlegungen wissen musst
    • Fluent Community Jahresrückblick
    • Warum es beim B2B-Checkout keine Einheitslösung gibt
    • Webdesign-Trends, die das Elementor Team für 2026 erwartet
    • Präzises A/B-Testing, vereinfacht mit Sigmize

    ⭐️ dein Leo Skull Team

    „Hidden Gems“ unter den WordPress-Plugins finden

    Nick fand es zu schwierig „Hidden Gems“, also verstecke Edelsteine, unter den Plugins im WordPress-Verzeichnis zu finden. Das sind nach seiner Definition recht neue Plugins, die zwar gute Bewertungen haben, aber nur selten installiert wurden. Tatsächlich übersieht man solche Plugins normalerweise recht leicht oder erfährt erst davon, wenn sie nicht mehr „versteckt“ sind.

    Mit Hilfe von Claude hat Nick nun ein Plugin erstellt, das dabei hilft solche „Hidden Gems“ zu finden. Es ist auf jeden Fall ein interessanter Ansatz. Aber nicht vergessen: Die besten Bewertungen sind keine Garantie dafür, dass ein Plugin nicht unerwünschte Nebenwirkungen haben könnte.

    Bring mich hin

    WPSyncSheets für Bricks

    WPSyncSheets für Bricks erlaubt es, Formulare von Bricks Form direkt in Echtzeit mit Google Sheets zu synchronisieren. Man kann mehrere Bricks-Formulare jeweils mit einem eigenen Google‐Sheet verknüpfen, inklusive Optionen zur Formatierung, Kopfzeilen, Spaltenverwaltung und Automatisierung. Die Bedienung erfolgt über eine intuitive Oberfläche, und an die Sicherheit wird auch gedacht z.B. durch Authentifizierung über Google APIs.

    Bring mich hin

    Sicherheit bei FAIR

    FAIR will eine Alternative zum zentralen WordPress.org Repository bereitstellen, um hier die Software WordPress unabhängiger von zentralen Strukturen zu machen. Dabei ist die Frage nach der Sicherheit dieses Systems nicht unwesentlich, schließlich will man sich ja keine Schadsoftware ins System holen oder Plugins, die vorgeben ein anderes zu sein.

    Wer Interesse an den Mechanismen hat, die bei FAIR dafür sorgen sollen, dass das System mindestens so sicher ist wie das WordPress.org Repository, sollte den folgenden Beitrag lesen.

    Bring mich hin

    12 coole Blöcke, die mit Telex erstellt wurden

    Wir hatten euch ja schon auf das Experiment Telex hingewiesen: Ein AI-Tool, um Böcke für den Gutenberg Block Editor zu erzeugen. Im WordPress.com Blog findet ihr jetzt 12 Beispiele aus den Blöcken, die mit Telex erzeugt wurden. Das beginnt mit dem klassischen Minesweeper unbd eine Animation, die Konfetti über eine Seite fliegen lässt, geht weiter mit einem Akkordeon-Block, einem Block, dessen Inhalt man wie bei einem Los „freikratzen“ muss über einen Block für Rezepte bis zu einem Würfel. Manches sinnvoll, manches mehr eine Spielerei – es zeigt aber, das mit dem Tool grundsätzlich alles gebaut werden kann.

    Bring mich hin

    Fluent Forms 6.1.5

    Das Update auf 6.1.5 für Fluent Forms bringt für alle, die den Gutenberg Block Editor nutzen den Gutenberg Block Styler: Direkt beim Aufbau einer Seite innerhalb des Editors kann nun das Styling eines Formulars bearbeitet werden. Eine schöne Abkürzung.

    Das neue Accordion/Tab Feld in der Pro-Version liefert genau das, was der Name verspricht: Die Möglichkeit längere Formulare in kleinere Häppchen aufzuteilen, die entweder als Akkordeon oder als Tabs angezeigt werden.  Aktualisiert wurden auch der Double-Opt-In und das Checkbox Feld. Neu ist Authorize.net als Zahlungsgateway in der Pro-Version von Fluent Forms, es gibt Updates in beiden Versionen für die Conversational Forms.

    Dazu kommen Verbesserungen bei der Barriefreiheit, Übersetzungen, Integrationen und Bugfixes.

    Bring mich hin (*)

    Divi 5: Stacked & Nested Presets

    Presets sind an sich schon eine große Hilfe beim Bau von Websites. In Divi 5 werden diese jetzt noch mächtiger durch das „Stapeln“ und „Verschachteln“. Statt nun also Presets für bestimmte Arten von Buttons anzulegen, kann man zum Beispiel auch verschiedene Presets für bestimmte globale Einstellungen wie Border-Radius und bestimmte Farbkombinationen anlegen. Diese einzelnen Presets kann man dann jeweils für bestimmte Module kombinieren. Ändert man also dann global den Border-Radius für alle Boxen, muss das nur noch an einer Stelle passieren und nicht in jedem Preset für eine bestimmte Art von Buttons einzeln. Dabei ist das natürlich noch ein sehr einfaches Beispiel, da ist noch mehr möglich.

    Kombiniert mit „Nested Modules“, also der Möglichkeit Divi-Module innerhalb von Divi-Modulen anzulegen, wird DIvi 5 zu einem der flexibelsten Page Builder, die derzeit für WordPress zu haben sind.

    Bring mich hin (*)

    Alles, was du über Affiliate-Offenlegungen wissen musst

    Affiliate-Offenlegungen („affiliate disclosures“) sind Hinweise darauf, dass man als Affiliate möglicherweise eine Provision erhält, wenn ein über einen Link getätigter Kauf erfolgt. Diese Offenlegungen sind wichtig – sowohl aus rechtlicher Sicht als auch zur Vertrauensbildung beim Publikum.

    Der Beitrag von ClickWhale erklärt, wie man solche Offenlegungen klar und gut sichtbar formuliert und platziert z. B. nicht versteckt im Kleingedruckten.

    Bring mich hin (*)

    Fluent Community Jahresrückblick

    Am 18. November 2024 wurde Fluent Community erstmals öffentlich vorgestellt – und das wurde natürlich gebührend gefeiert.

    Jetzt gibt es einen Rückblick über die wichtigsten Höhepunkte, großen Fortschritte, entscheidenden Updates und Meilensteine, die das Fluent Community-Team möglich gemacht hat.

    Bring mich hin (*)

    Warum es beim B2B-Checkout keine Einheitslösung gibt

    Der Checkout-Prozess im B2B-Bereich unterscheidet sich deutlich vom klassischen B2C-Checkout: Geschäfts­kunden benötigen z. B. flexible Zahlungs­methoden wie ACH oder Kauf­aufträge, Genehmigungs­workflows, kundenspezifische Preise und ERP-Integration.

    Typische Herausforderungen sind z. B. dass Preise nicht öffentlich gezeigt werden, sondern erst nach Login oder Verifizierung, sowie dass Einkaufs­wagen-Prozesse teilweise übersprungen werden, weil der Ablauf individuell gesteuert wird.

    Der Beitrag nennt vier häufige Szenarien (Groß-/Großhandel, Herstellung, Dienst­leistungen, Außendienst) und zeigt jeweils, wie sich Abläufe mit passenden Lösungen (z. B. kundenspezifische Preise, bestellbasierte Rechnungen, mobile Bezahlung) verbessern lassen.

    Bring mich hin

    Webdesign-Trends, die das Elementor Team für 2026 erwartet

    2026 setzt neue Maßstäbe für modernes Webdesign – der Meinung ist das Elementor Team und gibt uns im folgenden Beitrag 11 Webdesign-Trends, die das jahr 2026 prägen werden und dazu gibt es eine Anleitung, wie man diese mit Elementor umsetzen kann. Denn nach einem Jahr voller KI-Experimente und radikalem Minimalismus konzentrieren sich Designer nun darauf, das Internet schneller, intelligenter, zugänglicher und menschlicher zu gestalten. Wäre ja ein guter Ansatz für ein Web, an dem jeder teilhaben kann :)

    Bring mich hin (*)

    Präzises A/B-Testing, vereinfacht mit Sigmize

    Viele Unternehmen setzen große Budgets ein, um die Besucherzahl zu steigern, vernachlässigen dabei jedoch die Optimierung ihrer Landingpages. Ohne objektive Tests bleiben Designentscheidungen, Überschriften oder Call-to-Action-Elemente reine Spekulation.

    Sigmize wurde entwickelt, um klar zu zeigen, was auf deiner Website funktioniert – und was nicht. A/B-Tests in WordPress leicht gemacht.

    Bring mich hin

    (*) Dies ist ein Affiliate-Link. Wenn Du über einen Affiliate-Link einkaufst, dann erhalten wir ein paar Prozent Provision – für Dich ändert sich aber nichts am Preis.

    Beitragsfoto von Shaun Tilburg auf Unsplash

    #bloggen #bricks #divi5 #elementor #fair #fluentCommunity #fluentForms #plugins #sigmize #websites #wordpress #wordpress69

  14. WWW 147 – Wöchentliche WordPress Weblinks

    Am Samstag, den 22.11. war der diesjährige Kimchi Day. Kimchi dürfte zu den bekanntesten koreanischen Spezialitäten gehören. Kimchi ist fermentiertes Gemüse, traditionell Chinakohl und Rettich. Am bekanntesten ist die scharf gewürzte Version, es gibt aber auch Varianten ohne Chili. Grundsätzlich kann man auf die gleiche Art natürlich jedes Gemüse fermentieren und da jede Region, wahrscheinlich jede Familie in Korea ein eigenes Rezept hat, ist für für Abwechslung gesorgt. Wer es noch nicht probiert hat, sollte es unbedingt nachholen, ob selbstgemacht – die gemeinschaftliche Zubereitung von Kimchi gehört übrigens zum Kulturerbe der Menschheit – oder fertiges Kimchi aus dem Asia-Store. Es ist lecker, gesund und vielseitig verwendbar. 

    Zum Frühstück bietet sich zum Beispiel ein Grilled-Cheese-Sandwich mit Kimchi-Füllung an – funktioniert auch mit veganem Käse und kann prima neben der Lektüre unserer WWW verzehrt werden 😊

    • Hidden Gems“ unter den WordPress-Plugins finden
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    • Webdesign-Trends, die das Elementor Team für 2026 erwartet
    • Präzises A/B-Testing, vereinfacht mit Sigmize

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    „Hidden Gems“ unter den WordPress-Plugins finden

    Nick fand es zu schwierig „Hidden Gems“, also verstecke Edelsteine, unter den Plugins im WordPress-Verzeichnis zu finden. Das sind nach seiner Definition recht neue Plugins, die zwar gute Bewertungen haben, aber nur selten installiert wurden. Tatsächlich übersieht man solche Plugins normalerweise recht leicht oder erfährt erst davon, wenn sie nicht mehr „versteckt“ sind.

    Mit Hilfe von Claude hat Nick nun ein Plugin erstellt, das dabei hilft solche „Hidden Gems“ zu finden. Es ist auf jeden Fall ein interessanter Ansatz. Aber nicht vergessen: Die besten Bewertungen sind keine Garantie dafür, dass ein Plugin nicht unerwünschte Nebenwirkungen haben könnte.

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    WPSyncSheets für Bricks

    WPSyncSheets für Bricks erlaubt es, Formulare von Bricks Form direkt in Echtzeit mit Google Sheets zu synchronisieren. Man kann mehrere Bricks-Formulare jeweils mit einem eigenen Google‐Sheet verknüpfen, inklusive Optionen zur Formatierung, Kopfzeilen, Spaltenverwaltung und Automatisierung. Die Bedienung erfolgt über eine intuitive Oberfläche, und an die Sicherheit wird auch gedacht z.B. durch Authentifizierung über Google APIs.

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    Sicherheit bei FAIR

    FAIR will eine Alternative zum zentralen WordPress.org Repository bereitstellen, um hier die Software WordPress unabhängiger von zentralen Strukturen zu machen. Dabei ist die Frage nach der Sicherheit dieses Systems nicht unwesentlich, schließlich will man sich ja keine Schadsoftware ins System holen oder Plugins, die vorgeben ein anderes zu sein.

    Wer Interesse an den Mechanismen hat, die bei FAIR dafür sorgen sollen, dass das System mindestens so sicher ist wie das WordPress.org Repository, sollte den folgenden Beitrag lesen.

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    12 coole Blöcke, die mit Telex erstellt wurden

    Wir hatten euch ja schon auf das Experiment Telex hingewiesen: Ein AI-Tool, um Böcke für den Gutenberg Block Editor zu erzeugen. Im WordPress.com Blog findet ihr jetzt 12 Beispiele aus den Blöcken, die mit Telex erzeugt wurden. Das beginnt mit dem klassischen Minesweeper unbd eine Animation, die Konfetti über eine Seite fliegen lässt, geht weiter mit einem Akkordeon-Block, einem Block, dessen Inhalt man wie bei einem Los „freikratzen“ muss über einen Block für Rezepte bis zu einem Würfel. Manches sinnvoll, manches mehr eine Spielerei – es zeigt aber, das mit dem Tool grundsätzlich alles gebaut werden kann.

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    Fluent Forms 6.1.5

    Das Update auf 6.1.5 für Fluent Forms bringt für alle, die den Gutenberg Block Editor nutzen den Gutenberg Block Styler: Direkt beim Aufbau einer Seite innerhalb des Editors kann nun das Styling eines Formulars bearbeitet werden. Eine schöne Abkürzung.

    Das neue Accordion/Tab Feld in der Pro-Version liefert genau das, was der Name verspricht: Die Möglichkeit längere Formulare in kleinere Häppchen aufzuteilen, die entweder als Akkordeon oder als Tabs angezeigt werden.  Aktualisiert wurden auch der Double-Opt-In und das Checkbox Feld. Neu ist Authorize.net als Zahlungsgateway in der Pro-Version von Fluent Forms, es gibt Updates in beiden Versionen für die Conversational Forms.

    Dazu kommen Verbesserungen bei der Barriefreiheit, Übersetzungen, Integrationen und Bugfixes.

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    Divi 5: Stacked & Nested Presets

    Presets sind an sich schon eine große Hilfe beim Bau von Websites. In Divi 5 werden diese jetzt noch mächtiger durch das „Stapeln“ und „Verschachteln“. Statt nun also Presets für bestimmte Arten von Buttons anzulegen, kann man zum Beispiel auch verschiedene Presets für bestimmte globale Einstellungen wie Border-Radius und bestimmte Farbkombinationen anlegen. Diese einzelnen Presets kann man dann jeweils für bestimmte Module kombinieren. Ändert man also dann global den Border-Radius für alle Boxen, muss das nur noch an einer Stelle passieren und nicht in jedem Preset für eine bestimmte Art von Buttons einzeln. Dabei ist das natürlich noch ein sehr einfaches Beispiel, da ist noch mehr möglich.

    Kombiniert mit „Nested Modules“, also der Möglichkeit Divi-Module innerhalb von Divi-Modulen anzulegen, wird DIvi 5 zu einem der flexibelsten Page Builder, die derzeit für WordPress zu haben sind.

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    Alles, was du über Affiliate-Offenlegungen wissen musst

    Affiliate-Offenlegungen („affiliate disclosures“) sind Hinweise darauf, dass man als Affiliate möglicherweise eine Provision erhält, wenn ein über einen Link getätigter Kauf erfolgt. Diese Offenlegungen sind wichtig – sowohl aus rechtlicher Sicht als auch zur Vertrauensbildung beim Publikum.

    Der Beitrag von ClickWhale erklärt, wie man solche Offenlegungen klar und gut sichtbar formuliert und platziert z. B. nicht versteckt im Kleingedruckten.

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    Fluent Community Jahresrückblick

    Am 18. November 2024 wurde Fluent Community erstmals öffentlich vorgestellt – und das wurde natürlich gebührend gefeiert.

    Jetzt gibt es einen Rückblick über die wichtigsten Höhepunkte, großen Fortschritte, entscheidenden Updates und Meilensteine, die das Fluent Community-Team möglich gemacht hat.

    Bring mich hin (*)

    Warum es beim B2B-Checkout keine Einheitslösung gibt

    Der Checkout-Prozess im B2B-Bereich unterscheidet sich deutlich vom klassischen B2C-Checkout: Geschäfts­kunden benötigen z. B. flexible Zahlungs­methoden wie ACH oder Kauf­aufträge, Genehmigungs­workflows, kundenspezifische Preise und ERP-Integration.

    Typische Herausforderungen sind z. B. dass Preise nicht öffentlich gezeigt werden, sondern erst nach Login oder Verifizierung, sowie dass Einkaufs­wagen-Prozesse teilweise übersprungen werden, weil der Ablauf individuell gesteuert wird.

    Der Beitrag nennt vier häufige Szenarien (Groß-/Großhandel, Herstellung, Dienst­leistungen, Außendienst) und zeigt jeweils, wie sich Abläufe mit passenden Lösungen (z. B. kundenspezifische Preise, bestellbasierte Rechnungen, mobile Bezahlung) verbessern lassen.

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    Webdesign-Trends, die das Elementor Team für 2026 erwartet

    2026 setzt neue Maßstäbe für modernes Webdesign – der Meinung ist das Elementor Team und gibt uns im folgenden Beitrag 11 Webdesign-Trends, die das jahr 2026 prägen werden und dazu gibt es eine Anleitung, wie man diese mit Elementor umsetzen kann. Denn nach einem Jahr voller KI-Experimente und radikalem Minimalismus konzentrieren sich Designer nun darauf, das Internet schneller, intelligenter, zugänglicher und menschlicher zu gestalten. Wäre ja ein guter Ansatz für ein Web, an dem jeder teilhaben kann :)

    Bring mich hin (*)

    Präzises A/B-Testing, vereinfacht mit Sigmize

    Viele Unternehmen setzen große Budgets ein, um die Besucherzahl zu steigern, vernachlässigen dabei jedoch die Optimierung ihrer Landingpages. Ohne objektive Tests bleiben Designentscheidungen, Überschriften oder Call-to-Action-Elemente reine Spekulation.

    Sigmize wurde entwickelt, um klar zu zeigen, was auf deiner Website funktioniert – und was nicht. A/B-Tests in WordPress leicht gemacht.

    Bring mich hin

    (*) Dies ist ein Affiliate-Link. Wenn Du über einen Affiliate-Link einkaufst, dann erhalten wir ein paar Prozent Provision – für Dich ändert sich aber nichts am Preis.

    Beitragsfoto von Shaun Tilburg auf Unsplash

    #bloggen #bricks #divi5 #elementor #fair #fluentCommunity #fluentForms #plugins #sigmize #websites #wordpress #wordpress69

  15. Ritualisierte Demütigungen – Die 20. ARD Hörspieltage 2023

    Vom 9. bis 12. November fanden im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) die 20. ARD Hörspieltage statt. Was 2003 als ein Publikumsfestival begründet wurde, ist ein ebenso lieblos inszenierter wie lehrreicher Branchentreff geworden. Auf die Idee ein Hörspielfestival zu veranstalten, bei dem keine Wettbewerbshörspiele laufen, kann auch nur die ARD kommen.

    Gänzlich wollte man beim eigenen Festival aber doch nicht auf Hörspiele verzichten. Mariolo Brillowska führt ihre Science-Fiction-Komödie „Die Tetris“ (Kritik hier) live auf. Das Stück war im Rahmen des Projekts „2035 – die Zukunft beginnt jetzt“ (nicht mehr online, Begleitmaterial hier) entstanden.

    Live-Aufführung „Die Tetris“ von Mariola Brillowska. Bild: Jochen Meißner

    Außerdem gab es eine Live-Performance der dänischen Klangkünstlerin Sophie Birch, akusmatische Musik aus der Konserve im Klangdom des ZKM, das obligatorische Live-Hörspiel für Kinder – diesmal „Der Tag als die Oma das Internet kaputtgemacht hat“ von Marc-Uwe Kling, und ein Konzert mit zünftiger Blasmusik von der Urban-Brass-Band Moop Mama X Älice.

    Als in der „Nacht der Gewinner:innen“ der Deutsche Hörspielpreis der ARD, der max15-Preis für freie Produktionen, der Deutsche Kinderhörspielpreis und der Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe vergeben wurden, hätte man auf den Gender-Doppelpunkt verzichten können, wäre da nicht ein Mann gewesen, der für die beste schauspielerische Leistung ausgezeichnet wurde.

    Gleich doppelt erfolgreich war die Autorin und Regisseurin Janine Lüttmann. Für ihre spannende Waisenhaus-Geschichte „Der 13. Februar“, eine Produktion des Norddeutschen Rundfunks (NDR), wurde sie nicht nur mit dem mit 5.000 Euro dotierten und von einer Fachjury vergebenen Deutschen Kinderhörspielpreis ausgezeichnet, sondern auch mit dem Kinderhörspielpreis der Stadt Karlsruhe. Die mit 2.000 Euro dotierte Ehrung wurde dieses Jahr von einer Kinderjury aus der Klasse 4b der Hans-Thoma-Schule vergeben. Die Fachjury lobte den „rauen Ton, mit dem die Autorin den Geist einer autoritären Pädagogik einfängt“, und dass es ihr herausragend gelinge, „die Erfahrungswelt ihrer Protagonist:innen mit einer brisanten und äußerst aktuellen Botschaft [einer Öko-Katastrophe] zu verbinden“.

    Maximal 15 Minuten lange freie Produktionen konnten sich um den max15-Preis bewerben, der mit 1.000 Euro dotiert ist. Der Gewinner wird von Hörspieldramaturgen und ZKM-Mitarbeiten ermittelt und ging in diesem Jahr an den interview-basierten Hör-Monolog „Hysterektomie“ von Katharina Fröhlich und Franziska Stuhr. Darin geht es um die Schwierigkeiten, sich – selbst nach einer Krebserkrankung – die Gebärmutter entfernen zu lassen. Die Autorinnen „invertieren die Medizingeschichte und legen offen wie auch heute noch patriarchale der Fortpflanzung verpflichtete Denkweisen medizinisch mitreden“, so die Jury. Die Protagonistin, gesprochen von Nientje C. Schwabe, schildere ihre Odyssee durch verschiedene medizinische Instanzen ruhig, klar, analytisch. Es war das akustisch am wenigsten hörspielhafte Stück unter den fünf Finalisten.

    Der vom Bundesverband der Hörsysteme-Industrie mit 3.000 Euro dotierte Preis für die beste schauspielerische Leistung in einem Hörspiel ging an Manuel Harder für seine sehr körperliche Intonation der Texte des im Ersten Weltkrieg getöteten expressionistischen Dichters August Stramm in Luise Voigts Inszenierung „Trieb. (Punkt) Krieg“, einer Produktion des Südwestrundfunks (SWR). Der mit Unterstützung einer Butoh-Tänzerin erarbeitete Text überzeugte die Jury:

    Diese Stimme spricht und stockt. Sie raunt und rast. Sie klingt verletzt und verloren, aber auch brutal und animalisch. Stimme und Text, Klang und Inhalt verschmelzen zu einem verstörenden Klangtableau, dem man selbst in seinen schmerzhaftesten Momenten nicht entfliehen kann und will. Diese Stimme steht am Abgrund, sie ist eine Zumutung – und genau das muss sie auch sein. Denn das, was sie beschreibt, ist immer eine Zumutung.

    Die Jury, die den Preis für die beste schauspielerische Leistung vergibt, entscheidet auch über den Deutschen Hörspielpreis der ARD. Dieses Jahr waren das unter dem Vorsitz der Filmjournalistin und Leiterin der Sektion „Perspektive Deutsches Kino“ der Berlinale, Jenni Zylka, die Autorin und Radiomoderatorin Marion Brasch, die Schauspielerin Dela Dabulamanzi, der Kulturwissenschaftler Vito Pinto und der Filmkurator Matthias Struch an. Letzterer war kurzfristig erkrankt und konnte nicht an der öffentlichen Sitzung teilnehmen, Pinto war wegen Corona nur per Video zugeschaltet.

    Ritualisierte Demütigungen

    Vor der Corona-Pandemie waren die ARD-Hörspieltage noch ein gut besuchtes vier- bis fünftägiges Publikumsfestival, bei dem sämtliche zehn bis zwölf nominierten Hörspiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgeführt wurden. Anschließend diskutierte die Jury öffentlich das aktuelle Stück, und danach wurden die Macher interviewt. Davon hat man sich verabschiedet. Auch im Jahr zwei nach Corona werden die Wettbewerbshörspiele nicht mehr vorgeführt. Stattdessen gibt es nur kurze Ausschnitte zu hören, bevor die Jury zehn Minuten Zeit hat, das Stück zu bewerten.

    Schon dieses Format ist aus mehreren Gründen schlecht. Erstens kann man nicht davon ausgehen, dass das Publikum alle Stücke vorher online gehört hat. So besteht ein Informationsgefälle, was man bei einer öffentlichen Vorführung nicht hat. Außerdem fehlt die Unmittelbarkeit des Eindrucks beim gemeinschaftlichen Hören. Zweitens will man gar nicht wissen, wo und unter welchen Umständen die Juroren die Stücke gehört haben. Und drittens konnten die Juroren schon wegen der Zeitbeschränkung nicht einmal ansatzweise die Werke analysieren, sie in den Zusammenhang anderer Stücke der Autoren stellen, geschweige denn die hörspielhistorischen Kontexte erläutern. Das wurde denn auch gar nicht erst versucht.

    Stattdessen herrschte eine konsumistische Haltung gegenüber den Werken vor. Es wurden Höreindrücke beschrieben und die Podiumsteilnehmer fragten sich mehrfach, ob dieses oder jenes Phänomen in dem gerade diskutierten Stück oder nicht doch in einem anderen vorgekommen war. Was sich nicht sofort mitteilte, wurde umstandslos abgewatscht. So wurde das kompositorisch wie inhaltlich komplexe Stück „Wes Alltag Antwort gäb“ (BR) von Gesche Piening als ein René-Pollesch-Abklatsch deutlich unter Wert gehandelt (Kritik hier), und man bemühte man sich gar nicht erst, den auf mythologischer Grundlage durchkomponierten Text des Hörspiels „Goldmädchen“ (SR) von Sébastien David zu verstehen (Kritik hier). Dabei repräsentierte die Auswahl der von den produzierenden Anstalten nominierten Stücke die Bandbreite des ästhetisch wie inhaltlich Möglichen mit mehreren preiswürdigen Stücken.

    Da gab es Antonio Fians Dramolette aus Österreich vom ORF, eindrücklich Dokumentarisches aus der Schweiz „Welcher Art die Wärme ist“ von Melinda Nadj Abonji, Carmine Andreotti, Paola De Martin (SRF). Von Ivana Sajkos „Songplay (eine Sekunde für die Wiesel)“ (DLF) gab es Komprimiertes aus Kroatien und mit Nis-Momme Stockmanns  „Der Betreuer“ (NDR) Satirisches aus Hamburg (Kritik hier). Mit „Tiefer sinken auf sandigen Grund“ von Lena Müller und Leo/ni Weyreter Gefühlvolles vom RBB und mit „The Sick Bag Song. Das Spucktütenlied“ von Nick Cave Musikalisches vom Radio Bremen (Kritik hier). In „Entgrenzgänger II“ (HR) von Robert Schoen hörte man die verschiedenen Landessprachen der autonomen Republik Karatschai-Tscherkessien (Kritik hier), in „Playblack Radio“ (WDR) von Joana Tischkau und Jan Gehmlich schwarze Stimmen, die meist von Weißen synchronisiert werden (Kritik hier).

    Nun gehört das Lästern über die Jury bei den ARD-Hörspieltagen zu den beliebten Pausengesprächen – auch der Autor dieses Textes saß selbst mehrfach in dieser Jury. Aber Ignoranz gegenüber den Dimensionen des zu diskutierenden Werks und manchmal auch eine gewisse Herablassung gegenüber den Autoren sorgt nicht nur für Frustrationen bei Hörspieldramaturginnen und -dramaturgen, sondern auch beim fachkundigen Publikum. Dass man damit auch der Gattung Hörspiel schadet, kommt verschärfend hinzu – eine dreifache Demütitung. Mehr auf einmal kann man eigentlich nicht falsch machen. Ironischerweise kann sich die ARD ihre Kritiker auf dem Podium selbst aussuchen – was auch ein Zeichen dafür ist, welche Wertschätzung man seinen eigenen Produkten entgegenbringt. Man darf da gerne von Vorsatz ausgehen – was auch der sogenannte Event-Tag eindrucksvoll demonstrierte.

    Am Wärmepol

    Der mit 5.000 Euro dotierte Deutsche Hörspielpreis der ARD ging an ein Stück, das am Wärmepol der Einreichungen angesiedelt war, und der liegt in einem Problemviertel im Sendegebiet der Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Das Originalton-Hörspiel „Vogel Igel Stachelschwein. Ein Spiel in Weimar-Nord“ von Mara May und Jūratė Braginaitė schildert in Interviews mit Anwohnern, von der 13-jährigen Levke bis zur 91-jährigen Maren Schild, den Alltag in ihrem Viertel – und das Spiel, das gespielt wird, ist „Wahrheit oder Pflicht“.
    Die Jury meinte:

    „In dieser Gegend wohnt die große Welt im Kleinen. Im Schatten der Platten trifft man Menschen aller Altersstufen und Herkünfte, mit großen Plänen oder bescheidenen, mit guten Erinnerungen oder traurigen. Dieses Hörspiel nimmt sich liebevoll und spielerisch eines Stadtviertels an, aus dem man sonst wenig, vor allem aber wenig Positives hört. Dadurch entsteht eine vorsichtige Hoffnung, die in komplexen Zeiten wichtiger ist denn je. Um aus dem Stück selbst zu zitieren: Auf einer Skala von 1 bis 10 hat dieses Hörspiel so viel Liebe zu geben, dass es uns einen Preis wert ist.“

    Der Hörspielpreis der ARD ist mit der Übernahme des Preisträgerstückes durch alle ARD-Anstalten sowie des Österreichischen und Schweizer Rundfunks verbunden, was den Preis durch die Wiederholungshonorare zum bestdotierten Hörspielpreis überhaupt macht. Bei den beiden anderen großen Hörspielpreisen, dem Hörspielpreis der Kriegsblinden und dem Hörspiel des Jahres ist das nicht der Fall. Weil es sonst keine Übernahmen mehr gibt, erodiert das ‚Geschäftsmodell‘ der Hörspielautoren.

    Hörspiel als Hobby

    Walter Filz, Chef der SWR-Abteilung „Künstlerisches Wort“ und Leiter der ARD-Hörspieltage, der als Radioautor Anfang der 1990er Jahre die Kunstform der Information – das Radiofeature – revolutioniert hat, und dafür 2021 mit dem Axel-Eggebrecht-Preis für sein Gesamtwerk ausgezeichnet wurde, hat das Talent ganz nebenbei den leisen Part laut auszusprechen. So hatte erschon auf einer Podiumsdiskussion beim Berliner Hörspielfestival dieses Jahr lakonisch konstatiert, dass er seine Autorschaft fürs Radio nur noch als Hobby hätte betreiben können. Für jemanden, der mittlerweile Aufträge an Autoren zu vergeben hat, war das eine bemerkenswerte Aussage.

    Dass die versammelten Hörspieldramatruginnen und -dramaturgen der ARD bei den eigenen Hörspieltagen die unentspanntesten Gäste sind, hat allerdings nicht in erster Linie damit zu tun, dass man unter dem Druck steht, mit einem Preis für das eigene Stück Angestellte oder Angestellter des Monats werden zu können. Auch die im Rahmen des Festivals stattfindende Hörspielleitertagung spielt eine Rolle, da dort, so wird kolportiert, in der Vergangenheit die Damen und Herren von ihren Programmdirektoren des Öfteren an die Kandare genommen wurden.

    Auch dieses Jahr währte die Erleichterung nicht lange, dass nach den vom ARD-Vorsitzenden und SWR-Intendanten Kai Gniffke initiierten Prüfaufträgen zu den Felder Gesundheit, Klima, Verbraucher und Hörspiel jeder Sender überhaupt noch eine eigene Hörspielabteilung und einen Etat hat. Denn dass jene, die für mehr als 20 Prozent Hörvolumen in der Audiothek sorgen, nämlich die Hörspielabteilungen mit ihren Produkten, denen man in den vergangenen Jahren von der Senderseite her effektiv ihr Selbstbewusstsein aberzogen hat, jetzt triumphierend „Told you so“ sagen, gilt es natürlich zu vermeiden.

    Ein ungeheures Kanalsystem

    Dafür gab es den sogenannte Event-Tag zum Thema „Die ARD-Audiothek – ein Hotspot für Hörspiele“ und der zeigte die Richtung an, in die es gehen soll. Wie schon im vergangenen Jahr wurden zunächst Hörspielserien vorgestellt, die ein jüngeres Publikum erreichen sollen. War vor einem Jahr mit dem interaktiven Hörspielpodcast „Schreib mich ab“ wenigstens noch ein Projekt dabei, dem man seine Herkunft aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk anmerkte, hätten die vier Serien, die diesmal vorgestellt wurden, auch von jedem beliebigen Streamingdienst kommen können.

    Die Mystery-Serie „Mia Insomnia“ geht in die zweite Staffel, und zum „Distributionsfaktor“ Bastian Pastewka in einer Nebenrolle kommt ein weiterer hinzu: Oliver Rohrbeck, der Justus Jonas aus der Hörspielserie „Die drei ???“. Ebenfalls eine zweite Dosis Mystery liefert der Westdeutsche Rundfunk (WDR), der seinen „Forever Club“ fortsetzt, diesmal aber nicht von der Produktionsfirma der Autorin produzieren lässt, sondern festgestellt hat, dass die eigenen Studios billiger sind. Der WDR hat außerdem mit der Serie „Boudicca, die Keltenkriegerin“ ein Format am Start, das keltisch-nationales „Female Empowerment“ feiert. Mit der Serie „Die andere Frida“ leuchtet die Rundfunkanstalt das Leben der Malerin Frida Kahlo „zwischen Unterhaltung und Romantik“ aus (vgl. Kritik in MD 46/23). „Yume_Leaks“ vom SWR schließlich soll ein Near-Future-Science-Fiction-Thriller werden, für den man sich einen weiblichen TikTok-Star mit 2,5 Millionen Followern eingekauft hat.

    Geld ist also genug da, aber all die Sondermittel fließen in ein Subventionsprogramm für kommerzielle Produktionsfirmen und Influencer, denen man leider häufig anhört, dass hier Learning-on-the-job praktiziert wird. Gerne wiederholt man so die Fehler aus dem Fernsehen, nur noch das zu machen, was anderswo schon erfolgreich ist, und versucht damit ein neues Publikum zu adressieren, das vor allem eines ist: weiblich, ob zwischen 15 und 25, 25 und 35 oder über 35 Jahre alt. So definiert man die zu erobernden Milieus, die man für das Hörspiel interessieren will.

    Das neue Zauberwort

    Wie das gelingen soll: mit Distribution. So lautet das neue Zauberwort, mit dem alle Aktivitäten von Marketing über die Auswahl von Ausspielwegen, Social-Media-Coverage, Pre-post-Exclusivity et cetera gemeint sind. Der Channelmanager der ARD-Audiothek, Thomas Müller, und seine Hörspiel-Kuratorin Gisela Krone erklärten in ihrem Vortrag, wie kompliziert es sein kann, was man wie wo programmiert und wie schick doch „Panorama-Slider“ zu Hörspielserien passen würden. In der Tat ist die Distribution keine triviale Aufgabe. Aber dass ein Publikum, das man konsequent mit Dieter Bohlen beschallt, irgendwann mal Heiner Goebbels hören will, ist bestenfalls ein frommer Wunsch. Wahrscheinlicher ist eine sich selbst verstärkende Rückkopplungsschleife: ein Publikum, was man für dumm und anspruchslos hält, wird mit dummem und anspruchslosen Programm bedudelt, wodurch es noch dümmer und anspruchloser wird und mit einem entsprechendem Programm gefüttert werden muss, was zur Folge hat …

    Nachdem mit dem Aufkommen des Internets an so ziemlich alle Forderungen aus Brechts sogenannter Radiotheorie ein Erledigt-Haken gemacht werden konnte, sehen wir uns einem massiven Rollback gegenüber: Dieser will das Radio von einem (zumindest ansatzweise) Kommunikationsapparat wieder zu einem Distributionsapparat umbauen – in eine leere Hülle, oder, um es mit Brecht zu sagen, in ein „ungeheures Kanalsystem“. Und was wird noch mal über ein Kanalsystem distribuiert?

    „Eine Produktion weniger …“

    Weil aber, was unten liegt, auch noch getreten werden muss, werden die Hörspielabteilungen damit konfrontiert, 20 Prozent in Distribution zu stecken. Noch besser wären 50 Prozent(!). Ob damit Arbeitszeit oder Etat gemeint sind, blieb unklar. Geleistet werden soll das natürlich von den Hörspielabteilungen, nicht von der ARD-Audiothek. Zusätzliche Stellen oder Gelder gibt es dafür natürlich nicht. Man kann natürlich Dramaturgen zu Werbern und Verkäufern degradieren. Als könnte die ARD keine gute Unterhaltung. man muss nur an die aufwändig produzierte „Trisolaris“-Trilogie (WDR) von Liu Cixin erinnern, oder gerade aktuell an die ebenso witzige wie gewitzte „Krähe“-Trilogie (SWR) von Ulf Stolterfoht – deren dritter Teil gerade erschienen ist (Kritik hier). Doch hier schafft es die ARD noch nicht einmal, alle drei Folgen online zu stellen. Digenlich sollte es doch so sein, dass das Marketing sich bemüht die besten (und auftragsgemäß vom Beitragszahler finanzierten) Produktionen ganz nach vorne ins Schaufenster zu stellen und zu bewerben, stattdessen rennt man einem Publikum hinterher, das angeblich nur noch Mystery-Serien hören will.

    Doch diese Forderung hört man selten. Aber wieder versucht man sich anzupassen: Man könnte ja „eine Produktion weniger“ machen und das gesparte Geld dann in die Distribution stecken, hört man aus den Abteilungen. Man könnte auch „eine Produktion weniger“ manchen und dafür die anderen Autoren besser bezahlen. Man könne ja auch den ARD-Hörspielpreis abschaffen und das Geld in den laufenden Betrieb stecken. Es ist immer dasselbe: Auf jede neue Zumutung reagiert man mit neuer Anpassung.

    Man hätte sich gewünscht, dass ähnlich viel Hirnschmalz, wie heute in die Distribution von Mainstreamprodukten investiert wird, die mit veralteter Ästhetik nach Drehbuchratgebern aus dem vergangenen Jahrhundert zusammengebaut werden, in die Distribution der Hörspielkunst geflossen wäre. Stattdessen hat man sich in den vergangenen Jahren bemüht, Kosten zu reduzieren, was zur Folge hatte, dass das Hörspiel so unsichtbar wie möglich gemacht wurde. Inzwischen sind alle Programmbroschüren eingestellt und die Webauftritte der eigenen Audiotheken bis zur Unbenutzbarkeit runiert, wie beispielsweise beim Bayerischen Rundfunk.

    Das Deutschlandradio hat seine in der Corona-Pandemie unterbrochenen monatlichen öffentlichen Hörspielvorführungen nicht wiederaufgenommen und wird Ende April kommenden Jahres seine „Wurfsendungen“ einstellen, bei denen bislang Minihörspiele ins lineare Programm geworfen werden. Das war nicht nur für das Hörspiel gut, sondern auch für die Senderidentität, die auf diese Weise immer erkennbar war, ohne das permanent gejingelt die Station-ID werden musste.

    Bisher hatten sich die Hörspielabteilungen ganz gut damit eingerichtet, unter dem Radar zu fliegen. Das ist spätestens seit dem ARD-Prüfauftrag und seit sich die ARD anschickt, sich vom Kulturradio zu verabschieden, unmöglich geworden.

    P.S. Für nächstes Jahr ist das ZKM schon gebucht. Die ARD will sich offensichtlich nicht die Blöße geben ihr eigenen Hörspielfestival zum hundertjährigen Jubiläum der Gattung einzustellen. Ob es dann Hörspiel zu hören geben wird, weiß man noch nicht. Habt ihr Vorschläge wie man Macher, Publikum und Gattung noch kreativer demütigen kann? Schreibt’s in die Kommis.

    Jochen Meißner, KNA Mediendienst, 16.11.2023 (erweiterte Fassung)

    Nominerungen für den Deutschen Hörspielpreis der ARD

    BR, Gesche Piening: Wes Alltag Antwort gäb, Regie: die Autorin
    DLF, Ivana Sajko: Songplay (eine Sekunde für die Wiesel), Regie: Erik Altorfer
    HR, Robert Schoen: Entgrenzgänger II, Regie: der Autor
    MDR, Mara May und Jūratė Braginaitė: Vogel Igel Stachelschwein. Ein Spiel in Weimar Nord, Regie: die Autorinnen.
    NDR, Nis-Momme Stockmann: Der Betreuer, Regie: der Autor
    ORF, Antonio Fian: Dramolette, Regie: Harald Krewer
    RB, Nick Cave: The Sick Bag Song. Das Spucktütenlied, Regie: Kai Grehn (überraschenderweise nicht in der Übersicht der ARD-Hörspieltage gelistet)
    RBB, Lena Müller und Leo/ni Weyreter: Tiefer sinken auf sandigen Grund, Regie: Anouschka Trocker
    SR, Sébastien David: Goldmädchen, Regie: Anouschka Trocker
    SRF, Melinda Nadj Abonji, Carmine Andreotti, Paola De Martin: Welcher Art die Wärme ist, Regie: Erik Altorfer
    SWR, Luise Voigt: Trieb. (Punkt) Krieg, Regie: die Autorin
    WDR, Joana Tischkau und Jan Gehmlich: Playblack Radio, Regie: die Autoren

    Nominierungen für den max15-Preis

    Katharina Fröhlich und Franziska Stuhr: Hysterektomie
    Tilman Böhnke und Alexander Scharf: Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist, dann ist es trotzdem das Ende
    Lena Müller: Schnursein, Maulsein
    Livia Valensise: Fiktive Gelände
    Ingrid Wenzel: Ingo3000

    #ARDHörspieltage #Der13Februar #EinSpielInWeimarNord #FranziskaStuhr #Hysterektomie #JurateBraginaite #KatharinaFröhlich #ManuelHarder #MaraMay #TriebPunktKrieg #VogelIgelStachelschwein

  16. Open Access und andere „O’s“ – Ein Thema für die Lehre!

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    Open Access wird meist im Zusammenhang mit der Publikation von Forschungsergebnissen diskutiert. Doch auch über das Publizieren hinaus ist Open Access in der Hochschullehre ein relevantes Thema. Ein neues Beratungsangebot an der TIB versteht Openness als umfassendes Prinzip wissenschaftlichen Arbeitens und zeigt die Möglichkeiten von Open-Access-Materialien in der (internationalisierten) Lehre auf.

    Openness meint freien, uneingeschränkten Zugang zu Wissen sowie kollaboratives Arbeiten und wird im Lehrkontext unter dem Begriff Open Education diskutiert (Bossu & Heck 2020). Seit den frühen 2000ern haben digitale Technologien und Lizenzmodelle wie Creative Commons die Nutzung von Lehrmaterialien grundlegend verändert. Open Education geht über rechtliche Fragen hinaus und steht für einen Kulturwandel im akademischen Selbstverständnis: Forschung und Lehre werden enger zusammen gedacht, demokratische Werte wie Transparenz, Gleichheit, kritisches Denken und Offenheit gezielt an Studierende vermittelt (de Knecht et al. 2021).

    Ein Manifest der Universität Utrecht in den Niederlanden benennt vier Dimensionen von Open Education: 1. Open Educational Resources, 2. Open-Science-Kompetenzen, 3. eine offene Wissenschaftsmentalität und 4. Anreize zur Umsetzung und Anerkennung. Im Folgenden zeige ich anhand meiner Beratungserfahrungen im Kontext der europäischen Hochschulallianz EULiST, wie ein solcher Wandel wertebasiert und zugleich pragmatisch gelingen kann.

    1.  Materialien für Openness: OER

    Open Educational Ressources (OER), d.h. frei lizenzierte und damit problemlos nachnutzbare Lehrmaterialien sind ein wichtiger Aspekt der Umgestaltung von Hochschullehre im Sinne von Openness. Sie umfassen Videos, Lehrbücher oder ganze (Selbstlern)Kurse. In der Lehrpraxis werden, je nach Disziplin,  auch wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften oder Konferenzbeiträge als Lehrmaterial verwendet, wie die Visualisierung zeigt (Björn/Dölle 2021). Das heißt, bei Lehrmaterialien hängt es allein vom entsprechenden Einsatz und nicht der Form ab, ob sie “educational” sind (Rzadkowski 2025).

    Auch aus meiner eigenen Perspektive als Lehrende in der Soziologie verschwimmt der Unterschied zwischen Open Access und OER in der Lehrpraxis. Das an der LUH situierte Projekt VeStor zeigt  dass rechtswissenschaftliche Lehrbücher, die im Open Access zur Verfügung stehen, in der Lehre als OER Verwendung finden, ebenso wie in der Rechtspraxis als Open Access Nachschlagewerk.

     

    2. Kompetenzen für Openness: Die „O’s“ von Open Science

    Open Science umfasst den freien Zugang zu Publikationen (Open Access), Daten (Open Data), Bildungsmaterialien (OER), Software und Hardware, aber auch Verfahren wie offene Begutachtung (Open Peer Review) und Citizen Science. Alle diese Aspekte können in der Lehre relevant werden und erfordern entsprechende Kompetenzen bei Lehrenden. In projekt- oder forschungsorientierten Kursen dienen Forschungsdaten als Lernmaterial. In flipped-classroom-Formaten oder hybrider Lehre ist frei lizenzierte Software etwa für kollaboratives Arbeiten hilfreich. In MOOCs sind Open-Access-Materialien  sogar essenziell (Gadd et al. 2019).

    Studierende sollten daher bereits mit Open-Science-Prinzipien vertraut gemacht werden – etwa im Rahmen von Maßnahmen zu allgemeiner Informationskompetenz. So lernen sie, wie sie etwa mit Paywalls umgehen oder Manuskriptversionen von Artikeln nutzen können. Müssen sie im Seminar eigene Materialien, wie Videos  produzieren, bietet Open-Source-Software sowie frei lizenziertes Material rechtssichere und kostenlose Möglichkeiten zur Umsetzung.

    3. Openness als Teil des Selbstverständnisses

    Open Access und andere Open-Science-Praktiken  sind kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Lösung konkreter didaktischer und rechtlicher Herausforderungen. Lehrende verfolgen Prinzipien der Offenheit nicht vorrangig aus institutioneller Pflicht, sondern im Einklang mit ihren Zielen und ihrem Selbstverständnis als Lehrende. So kann etwa ein Kurs barriereärmer werden, wenn Vorträge aufgezeichnet und als OER bereitgestellt werden, sodass Studierende im eigenen Tempo lernen können. Open-Access-Publikationen ermöglichen eine rechtssichere Nutzung ganzer Bücher – etwa in Lektürekursen – und fördern so einen tiefgründigen und nicht vom Geldbeutel abhängigen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur.

    Dies ist ein Weg, um eine offene Wissenschaftsmentalität als Lehrende zu entwickeln und, im Sinne der Autorinnen des Utrechter Manifests auch an Studierende weiterzugeben. Diese können in der Diskussion über Open Science Wissen über die praktischen Arbeitsbedingungen im akademischen System erwerben. Die kritische Reflexion über die Rolle von Wissenschaft und Wissenschaftler*innen in der Gesellschaft, die damit einhergeht, ist dann stärker in die Lehre integriert – ein Aspekt,  der in Hochschulcurricula bislang bislang oft nur eine untergeordnete Rolle spielt.  Der Vortrag „Das Geschäft mit wissenschaftlichen Informationen“ der am 7. November im Rahmen der Erstsemesterveranstaltungen des Allgemeinen Studierendenausschuss der LUH stattfindet versucht ebenfalls diese Lücke zu füllen.

    4. Anerkennung von Openness: Internationalisierung der Lehre als Chance

    Im Vergleich zum Publizieren in Open Access erhält der Einsatz offener Praktiken in der Lehre bisher wenig Aufmerksamkeit und Anerkennung durch das Wissenschaftssystem. Dabei zeigt sich im Kontext internationaler Hochschulkooperationen wie der Europäischen Hochschulallianz EULiST ihr konkreter Nutzen: Studierende sollen europaweit flexibel Kurse belegen können – auch ohne formale Einschreibung an der jeweiligen Universität. Doch Zugänge zu Literatur, Lernplattformen oder Kursmaterialien scheitern oft an rechtlichen und infrastrukturellen Hürden, die das Closed-Access-Publizieren mit sich bringt.

    Offene Bildungsressourcen (OER) und Open-Access-Materialien bieten hier eine Lösung, da sie ortsunabhängig, rechtssicher und frei zugänglich sind. So lassen sich auch strukturelle Ungleichheiten zwischen Partnerhochschulen reduzieren. Openness kann zudem Ressourcen sparen, etwa wenn Weiterbildungsangebote hochschulübergreifend wiederverwendet werden. Ein Beispiel: Der Kurs „Navigating the World of Open Access Publishing“, angeboten von der TU Wien und der LUH, steht Early-Career Researchers aller EULiST-Partner offen – unkompliziert und ohne Barrieren. Entsprechend positiv wurde auch das Beratungsangebot zu Openness in der Lehre im EULiST Projekt angenommen –  ein erster Schritt zu mehr institutioneller Anerkennung für Open Education.

    Ein flexibles und individuelles Beratungsangebot

    Das Beratungsangebot zu Openness in der Lehre an der TIB verfolgt einen breiten und individuellen Ansatz, so wie hier skizziert. Zunächst wird gemeinsam mit den Lehrenden erarbeitet, in welche Richtung die eigene Lehrveranstaltung weiterentwickelt werden soll. Ausgehend davon werden konkrete Vorschläge unterbreitet, wie Openness als Thema in der eigenen Lehre unterzubringen und/oder frei lizenzierte Lehrmaterialien zu verwenden. Dabei greife ich auf die breite Landschaft an existierenden Angeboten und Services der TIB zum Thema OER (twillo) und  Open Access zurück (B!SON, AV Portal, Repositorien). So zeigt sich, dass Openness in der Lehre als Mittel zum Zweck undogmatisch und pragmatisch in der Weiterentwicklung von digitaler und internationaler Hochschullehre eine Rolle spielen kann. DIe TIB trägt mit Beratungsangeboten zu diesem Kulturwandel bei.

    Referenzen:

    Bossu, Carina, und Tamara Heck. 2020. „Special Issue: Engaging with Open Science in Learning and Teaching“. Education for Information 36 (3): 211–25. https://doi.org/10.3233/EFI-200386.

    Gadd, Elizabeth, Chris Morrison, und Jane Secker. 2019. „The Impact of Open Access on Teaching—How Far Have We Come?“ Publications 7 (3): 56. https://doi.org/10.3390/publications7030056.

    Knecht, Sicco de, Martijn van der Meer, Loek Brinkman, Manon Kluijtmans, und Frank Miedema. 2021. „RESHAPING THE ACADEMIC SELF  CONNECTING EDUCATION & OPEN SCIENCE“. Utrecht University. https://doi.org/10.5281/zenodo.5345573  

    Rzadkowski, Nora. 2025. „Same Same or Different? OER und juristische Fachdidaktik“. In Von Open Access zu Open Science, herausgegeben von Nikolas Eisentraut und Maximilian Petras. Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. doi.org/10.5771/9783748950318-.

     

    Beitragsbild: Curriculum Development by Nick Youngson CC BY-SA 3.0 Alpha Stock Images

     

    #LizenzCCBY40INT #OpenEducationalResources #Hochschullehre #EULiST #openness #OpenAccessWeek2025 #OpenAccess

  17. Gewalt – online und offline

    „Die Gewalt bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt“

    Nach dem Attentat auf den rechtsradikalen Influencer Charlie Kirk gerät in den Medien einiges durcheinander und aus dem Blick. Wir haben mit der Autorin Berit Glanz über Online-Kultur und Offline-Gewalt, kryptische Memes und Nihilismus gesprochen.

    Am vergangenen Mittwoch wurde der rechtsradikale Influencer Charlie Kirk erschossen. Obwohl er sich immer wieder klar antisemitisch, rassistisch und LGBTQI+-feindlich geäußert hatte, erklärten ihn einige etablierte Medien posthum zum Kämpfer der Redefreiheit. „Kirk hat Politik auf genau die richtige Weise praktiziert“, schrieb etwa Ezra Klein in der New York Times. „Er tauchte an Universitäten auf und sprach mit jedem, der mit ihm reden wollte.“

    In Deutschland kam es zu ähnlichen Trauerbekundungen. Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, lobte Kirks „Einsatz für Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschlichkeit“. Und die CDU-Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach beschrieb Kirk auf Instagram als „Kämpfer für westliche Werte“, mit ihm sterbe „eine der einflussreichsten jungen konservativen Stimmen weltweit“. Den Post hat die Politikerin nach vielfacher Kritik inzwischen gelöscht.

    Bereits unmittelbar nach der Tat hatte US-Präsident Donald Trump die „radikale Linke“ für den Tod seines Unterstützers Kirk verantwortlich gemacht und landesweit Trauerbeflaggung angeordnet. Elon Musk schrieb auf X: „The Left is the party of murder.“ Etliche weitere Stimmen sahen in dem Anschlag einen Aufruf „der Linken“ zum Bürgerkrieg.

    Seit Donnerstagabend sitzt der 22-jährige Tatverdächtige Tyler R. in Untersuchungshaft. Er stammt aus dem Bundesstaat Utah und gehört offenbar einer Familie von Trump-Anhänger:innen an. Ehemalige Mitschüler:innen beschreiben ihn als zurückhaltend und online sehr aktiv.

    Wir haben mit Berit Glanz über den Fall und seine mediale Deutung gesprochen. Sie ist Schriftstellerin und Essayistin, lebt in Island und veröffentlicht regelmäßig den Newsletter Phoneurie, in dem es um die „allgegenwärtige Verzahnung von virtuellem und realem Raum“ geht.

    Medien und Missverständnisse

    Nach dem Attentat auf Charlie Kirk veröffentlichten mehrere etablierte Medien Nachrufe, die den rechtsradikalen Influencer als eine Art Märtyrer der Redefreiheit darstellen. Wie kommt es dazu?

    Berit Glanz: Ich glaube, dass Kirk eine Projektionsfläche ist. Es geht überhaupt nicht darum, was er gesagt hat, wer er als Person ist und was seine Geschichte im Internet ist. Sondern es geht einfach nur darum, wie man diesen Mord für eigene politische Ziele stilisieren kann.

    Etwas Ähnliches passierte nach der mutmaßlichen Tat von Luigi Mangione, …

    … der im vergangenen Dezember Brian Thompson erschossen haben soll, den damaligen CEO von UnitedHealthcare.

    Berit Glanz: Auch dieser Mord wurde umgehend dazu verwendet, um eine bestimmte politische Agenda zu pushen. Und zwar von vielen Seiten.

    Das Gleiche ist jetzt bei Kirk passiert. Rechte nutzen das Attentat, um eine Machtposition im Diskurs zu gewinnen. Sie behaupten dann etwa, dass ihre Positionen so gefährlich seien, dass sie dafür ermordet würden. Im aktuellen Fall und bei Luigi Mangione sehen wir also einen sehr unehrlichen Diskurs, in dem die Gewalttat so genutzt wird, dass sie dem jeweiligen Milieu den maximalen politischen Nutzen bringt.

    Erkennen Sie auch Parallelen, wenn Sie die Debatte in den sozialen Medien verfolgen?

    Berit Glanz: Im Internet wird die Debatte teilweise besser geführt. Dort gibt es eine größere Kompetenz bei der Einordnung von Personen und es werden sehr viel mehr Originalquellen verlinkt. So können alle gut nachverfolgen, wie bestimmte Behauptungen zustandekommen.

    Ich habe außerdem den Eindruck, dass es auf Reddit und Blue Sky, teilweise sogar auf Twitter eine größere Kenntnis darüber gibt, wer die Person Charlie Kirk gewesen ist. Besonders auffällig war das auf TikTok. Dort wurden sehr viel Clips von Charlie Kirk geteilt, also O-Töne von ihm als rechten Influencer. Wer sich die Aufnahmen anschaut, erkennt schnell, dass vor wenigen Tagen kein friedlicher Debattierer ermordet wurde. Sondern dass Kirk eine massiv toxische Person war, die eine überaus gefährliche Rolle im öffentlichen Diskurs gespielt hat.

    Kirk war auch eine öffentliche Person. Man kennt seine Aussagen. Das unterscheidet ihn auch von Luigi Mangione, oder?

    Berit Glanz: Ja, und zugleich kannten viele Leute seine Aussagen offenkundig nicht. Das finde ich so faszinierend: Da ist ein Mensch gestorben, der vielen Leuten, die sich aktiv im Internet aufhalten, klar ein Begriff ist. Andere wiederum hörten seinen Namen das erste Mal und mussten ihre 15-jährigen Kinder fragen, wer das ist.

    Dabei hat Charlie Kirk eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Und dennoch ist er einer bestimmten Generation, die sich nicht auf diesen Plattformen aufhält, schlichtweg unbekannt.

    Es gibt also offenkundig eine große Informationslücke über Influencer, die einen Diskurs bestimmen, die radikalisieren und die eine aufpeitschende Wirkung haben.

    Memes als Botschaften

    Im Laufe der vergangenen Tage taten sich dann weitere Informationslücken auf. Nämlich als bekannt wurde, dass auf den Patronen, die der Attentäter verwendete, kryptisch anmutende Sätze eingestanzt waren. Haben diese Botschaften Sie überrascht?

    Berit Glanz: Beschrifteten Patronen zählen fast schon zum Standard bei solchen Gewalttaten. Die Patronen, mit denen der CEO Thompson getötet wurde, trugen die Worte „deny“, „defend“ und „depose“, wahrscheinlich ein Verweis auf die Geschäftspraktiken von US-Versicherungen. Dieses Mal waren es die Sätze wie „Hey fascist! Catch!“, „Oh bella ciao bella ciao bella ciao ciao ciao“ und „If you read this, you are gay lmao“.

    Es bereitet den Tätern wohl eine Freude, wenn alle versuchen, in diese Botschaften etwas hinein zu interpretieren. Dieser hermeneutische Akt wird dann selbst zu einem essenziellen Teil ihrer Gewalttaten.

    Bei Kirks Ermordung waren die Sprüche bekannt, bevor der Name des Verdächtigen kursierte. Prompt wurden die Botschaften als angeblich transideologisch identifiziert und der Täter einem bestimmten Milieu zugeordnet. Auch das war Teil der politischen Instrumentalisierung. Sind solche Vermutungen erst einmal in den Timelines und in der Welt, kriegt man sie nur noch sehr schwer wieder eingefangen.

    Warum nutzen Attentäter eine so große Bühne und greifen dann auf derart kryptischen Botschaften zurück, die fast unweigerlich für Missverständnisse sorgen?

    Berit Glanz: Es wäre naheliegend und würde die Dinge auch sehr vereinfachen, wenn es ein klassisches Bekenntnisschreiben gäbe, das eine klare Ideologie ausformuliert. Aber das Internet funktioniert so halt nicht.

    Der Mord an Kirk entstammt einer Trollkultur. Und da geht es immer auch darum, sich über die Ratlosigkeit anderer lustig zu machen. Es gibt einen Wissensvorsprung, bestimmte Eingeweihte können die Botschaften leicht dechiffrieren und daraus entsteht dann ein eigener Trollhumor. Bei allen anderen herrscht massive Verwirrung oder sie verirren sich in vorschnelle, aber falsche Annahmen.

    Ist die tödliche Gewalt dann ebenfalls Teil der Trollerei?

    Berit Glanz: Wir sprechen seit mehr als zehn Jahren – also mindestens seit Gamergate – darüber, dass Minderheiten im Internet Trollkultur als Gewalt erleben. Dafür sind die Betroffenen eine Dekade lang belächelt worden. Das sei Hysterie oder sie seien zu empfindlich, war meist die Antwort.

    Und dann bricht sich diese Gewalt ihren Weg in die Realität. Und es zeigt sich: Das ist eine reale Gewalt – im Internet und in der analogen Welt. Das jetzt Menschen sterben, zeigt jenen Menschen, die diese Gewalt lange ignoriert oder als irrelevant abgetan haben, dass diese da ist und mitunter tödliche Auswirkungen hat. Und diese Entwicklung wird sich mit dem Zusammengehen von Online und Offline, das wir seit einigen Jahren beobachten können, weiter verschärfen.

    Schon jetzt gibt es keine klare Grenze mehr zwischen Online und Offline. Und die Gewalt, die es im Internet bereits seit Jahren gegeben hat, bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt.

    Und dass Memes in gewaltvollen Konflikten eine zentrale Rolle spielen, sehen wir nicht nur bei solchen Attentaten. Sondern das gibt es auch als Strategie im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das ist ebenfalls ein Memewar – ein Krieg der Memes –, in dem beide Seiten Formen der Internetkommunikation einsetzen und damit versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

    Wie erklären Sie sich, dass das in den etablierten Medien noch immer so eine geringe Rolle spielt? Ist das ein Generationenproblem?

    Berit Glanz: Es ist natürlich naheliegend, darin ein Altersproblem zu sehen. Das ist es aber nicht unbedingt. Was es vor allem braucht, ist eine Anerkennung von Gewalt und spezifischen Kommunikationsstrukturen im Internet. Und die sind nicht auf den Computer beschränkt oder auf ein paar merkwürdige Leute, die ihre Handys viel nutzen. Sondern das ist etwas, was in unser aller Welt hineinfließt und diese verändert.

    Und das Bewusstsein dafür, dass es da etwas gibt, was man eventuell nicht versteht, muss jetzt entstehen. Vor allem Menschen in institutionellen Machtpositionen sollten zur Kenntnis nehmen, dass sie dieses Wissen erwerben müssen.

    In der öffentlichen Debatte sprechen wir viel über Social-Media- oder Gaming-Sucht und über Alterskontrollen und Handyverbote. Diskutieren wir also an entscheidenden Themen vorbei?

    Berit Glanz: Ja, und zwar auf zwei Ebenen. Der Diskurs ist zum einen oftmals sehr alarmistisch. Und zum anderen ignoriert er, warum wir eigentlich im Internet sind.

    Die meisten Menschen verbringen sehr viel Zeit im Netz und das hat Gründe. Weil es halt Spaß macht, weil wir da in sozialen Austausch gehen, weil wir dort einer besonderen Form von Humor begegnen. Das wird alles komplett ausgeblendet.

    Und gleichzeitig gibt es die dunkle Seite von Radikalisierung durch Internetkultur, besonders bei Memes mit ihren mehrdeutigen Anspielungen. Diese Entwicklung wird in öffentlichen Debatten häufig nicht angeschaut. Stattdessen geht es sehr viel um Regulierung und ob man Teenagern das Handy verbieten soll. Ich glaube nicht, dass dieser Ansatz etwas bringt.

    Rechtsradikaler Nihilismus

    Es scheint sich abzuzeichnen, dass der mutmaßliche Attentäter von Charlie Kirk der rechtsradikalen Szene entstammt. Ein Motiv für den Mord könnte demnach in den Groyper Wars liegen. Was hat es damit auf sich?

    Berit Glanz: Die Rechte im Internet ist fragmentiert. Es gibt unterschiedliche Fraktionen, die sich seit Jahren bekriegen. Zu den Streitfragen zählen etwa der Umgang mit Israel, mit Antisemitismus oder bestimmte Vorstellungen von ideologischer Reinheit.

    Zwei Fraktionen in der US-amerikanischen Rechten sind hier besonders einflussreich. Die eine scharrt sich um den rechten Influencer Nick Fuentes, die andere um Charlie Kirk. Daher haben viele, die sich gut im Internet auskennen, nach dem Attentat auch umgehend eine Verbindung zu diesem Konflikt gezogen. [Anm. d. Red.: Sogenannten Groypern sind Kirk oder Trump nicht rechtsextrem genug.]

    Das größere gesellschaftliche Problem sind aber die Gemeinschaften junger Männer im Internet, die sich antisozial gebärden. Das können Fan-Communitys sein, teilweise sind das auch Gaming-Subkulturen. Dieses Problem bekommt man nicht in den Griff, wenn man jetzt nur auf die Groyper Wars blickt. Stattdessen müssen wir untersuchen, in welche Radikalisierungskanäle junge Männer gelangen. Dazu gehören Incel-Culture und Andrew Tate, aber auch bestimmte Formen von Sport- und Körperkult, die etwa auf TikTok oft ein Einstieg sind in rechtes und maskulinistisches Denken.

    Diese Foren müssen wir uns gründlich anschauen. Und wir müssen darüber nachdenken, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Das ist für mich die eigentliche Antwort, die wir auf den Mord an Charlie Kirk geben sollten.

    Daniel Leisegang ist Politikwissenschaftler und Co-Chefredakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Gesundheitsdigitalisierung, Digital Public Infrastructure und die sogenannte Künstliche Intelligenz. Daniel war einst Redakteur bei den »Blättern für deutsche und internationale Politik«. 2014 erschien von ihm das Buch »Amazon – Das Buch als Beute«; 2016 erhielt er den Alternativen Medienpreis in der Rubrik »Medienkritik«. Er gehört dem Board of Trustees von Eurozine an. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, Threema ENU3SC7K, Telefon: +49-‭30-5771482-28‬ (Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 18 Uhr). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

    Über Daniel Leisegang Interview - netzpolitik:

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  18. Gewalt – online und offline

    „Die Gewalt bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt“

    Nach dem Attentat auf den rechtsradikalen Influencer Charlie Kirk gerät in den Medien einiges durcheinander und aus dem Blick. Wir haben mit der Autorin Berit Glanz über Online-Kultur und Offline-Gewalt, kryptische Memes und Nihilismus gesprochen.

    Am vergangenen Mittwoch wurde der rechtsradikale Influencer Charlie Kirk erschossen. Obwohl er sich immer wieder klar antisemitisch, rassistisch und LGBTQI+-feindlich geäußert hatte, erklärten ihn einige etablierte Medien posthum zum Kämpfer der Redefreiheit. „Kirk hat Politik auf genau die richtige Weise praktiziert“, schrieb etwa Ezra Klein in der New York Times. „Er tauchte an Universitäten auf und sprach mit jedem, der mit ihm reden wollte.“

    In Deutschland kam es zu ähnlichen Trauerbekundungen. Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, lobte Kirks „Einsatz für Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschlichkeit“. Und die CDU-Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach beschrieb Kirk auf Instagram als „Kämpfer für westliche Werte“, mit ihm sterbe „eine der einflussreichsten jungen konservativen Stimmen weltweit“. Den Post hat die Politikerin nach vielfacher Kritik inzwischen gelöscht.

    Bereits unmittelbar nach der Tat hatte US-Präsident Donald Trump die „radikale Linke“ für den Tod seines Unterstützers Kirk verantwortlich gemacht und landesweit Trauerbeflaggung angeordnet. Elon Musk schrieb auf X: „The Left is the party of murder.“ Etliche weitere Stimmen sahen in dem Anschlag einen Aufruf „der Linken“ zum Bürgerkrieg.

    Seit Donnerstagabend sitzt der 22-jährige Tatverdächtige Tyler R. in Untersuchungshaft. Er stammt aus dem Bundesstaat Utah und gehört offenbar einer Familie von Trump-Anhänger:innen an. Ehemalige Mitschüler:innen beschreiben ihn als zurückhaltend und online sehr aktiv.

    Wir haben mit Berit Glanz über den Fall und seine mediale Deutung gesprochen. Sie ist Schriftstellerin und Essayistin, lebt in Island und veröffentlicht regelmäßig den Newsletter Phoneurie, in dem es um die „allgegenwärtige Verzahnung von virtuellem und realem Raum“ geht.

    Medien und Missverständnisse

    Nach dem Attentat auf Charlie Kirk veröffentlichten mehrere etablierte Medien Nachrufe, die den rechtsradikalen Influencer als eine Art Märtyrer der Redefreiheit darstellen. Wie kommt es dazu?

    Berit Glanz: Ich glaube, dass Kirk eine Projektionsfläche ist. Es geht überhaupt nicht darum, was er gesagt hat, wer er als Person ist und was seine Geschichte im Internet ist. Sondern es geht einfach nur darum, wie man diesen Mord für eigene politische Ziele stilisieren kann.

    Etwas Ähnliches passierte nach der mutmaßlichen Tat von Luigi Mangione, …

    … der im vergangenen Dezember Brian Thompson erschossen haben soll, den damaligen CEO von UnitedHealthcare.

    Berit Glanz: Auch dieser Mord wurde umgehend dazu verwendet, um eine bestimmte politische Agenda zu pushen. Und zwar von vielen Seiten.

    Das Gleiche ist jetzt bei Kirk passiert. Rechte nutzen das Attentat, um eine Machtposition im Diskurs zu gewinnen. Sie behaupten dann etwa, dass ihre Positionen so gefährlich seien, dass sie dafür ermordet würden. Im aktuellen Fall und bei Luigi Mangione sehen wir also einen sehr unehrlichen Diskurs, in dem die Gewalttat so genutzt wird, dass sie dem jeweiligen Milieu den maximalen politischen Nutzen bringt.

    Erkennen Sie auch Parallelen, wenn Sie die Debatte in den sozialen Medien verfolgen?

    Berit Glanz: Im Internet wird die Debatte teilweise besser geführt. Dort gibt es eine größere Kompetenz bei der Einordnung von Personen und es werden sehr viel mehr Originalquellen verlinkt. So können alle gut nachverfolgen, wie bestimmte Behauptungen zustandekommen.

    Ich habe außerdem den Eindruck, dass es auf Reddit und Blue Sky, teilweise sogar auf Twitter eine größere Kenntnis darüber gibt, wer die Person Charlie Kirk gewesen ist. Besonders auffällig war das auf TikTok. Dort wurden sehr viel Clips von Charlie Kirk geteilt, also O-Töne von ihm als rechten Influencer. Wer sich die Aufnahmen anschaut, erkennt schnell, dass vor wenigen Tagen kein friedlicher Debattierer ermordet wurde. Sondern dass Kirk eine massiv toxische Person war, die eine überaus gefährliche Rolle im öffentlichen Diskurs gespielt hat.

    Kirk war auch eine öffentliche Person. Man kennt seine Aussagen. Das unterscheidet ihn auch von Luigi Mangione, oder?

    Berit Glanz: Ja, und zugleich kannten viele Leute seine Aussagen offenkundig nicht. Das finde ich so faszinierend: Da ist ein Mensch gestorben, der vielen Leuten, die sich aktiv im Internet aufhalten, klar ein Begriff ist. Andere wiederum hörten seinen Namen das erste Mal und mussten ihre 15-jährigen Kinder fragen, wer das ist.

    Dabei hat Charlie Kirk eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Und dennoch ist er einer bestimmten Generation, die sich nicht auf diesen Plattformen aufhält, schlichtweg unbekannt.

    Es gibt also offenkundig eine große Informationslücke über Influencer, die einen Diskurs bestimmen, die radikalisieren und die eine aufpeitschende Wirkung haben.

    Memes als Botschaften

    Im Laufe der vergangenen Tage taten sich dann weitere Informationslücken auf. Nämlich als bekannt wurde, dass auf den Patronen, die der Attentäter verwendete, kryptisch anmutende Sätze eingestanzt waren. Haben diese Botschaften Sie überrascht?

    Berit Glanz: Beschrifteten Patronen zählen fast schon zum Standard bei solchen Gewalttaten. Die Patronen, mit denen der CEO Thompson getötet wurde, trugen die Worte „deny“, „defend“ und „depose“, wahrscheinlich ein Verweis auf die Geschäftspraktiken von US-Versicherungen. Dieses Mal waren es die Sätze wie „Hey fascist! Catch!“, „Oh bella ciao bella ciao bella ciao ciao ciao“ und „If you read this, you are gay lmao“.

    Es bereitet den Tätern wohl eine Freude, wenn alle versuchen, in diese Botschaften etwas hinein zu interpretieren. Dieser hermeneutische Akt wird dann selbst zu einem essenziellen Teil ihrer Gewalttaten.

    Bei Kirks Ermordung waren die Sprüche bekannt, bevor der Name des Verdächtigen kursierte. Prompt wurden die Botschaften als angeblich transideologisch identifiziert und der Täter einem bestimmten Milieu zugeordnet. Auch das war Teil der politischen Instrumentalisierung. Sind solche Vermutungen erst einmal in den Timelines und in der Welt, kriegt man sie nur noch sehr schwer wieder eingefangen.

    Warum nutzen Attentäter eine so große Bühne und greifen dann auf derart kryptischen Botschaften zurück, die fast unweigerlich für Missverständnisse sorgen?

    Berit Glanz: Es wäre naheliegend und würde die Dinge auch sehr vereinfachen, wenn es ein klassisches Bekenntnisschreiben gäbe, das eine klare Ideologie ausformuliert. Aber das Internet funktioniert so halt nicht.

    Der Mord an Kirk entstammt einer Trollkultur. Und da geht es immer auch darum, sich über die Ratlosigkeit anderer lustig zu machen. Es gibt einen Wissensvorsprung, bestimmte Eingeweihte können die Botschaften leicht dechiffrieren und daraus entsteht dann ein eigener Trollhumor. Bei allen anderen herrscht massive Verwirrung oder sie verirren sich in vorschnelle, aber falsche Annahmen.

    Ist die tödliche Gewalt dann ebenfalls Teil der Trollerei?

    Berit Glanz: Wir sprechen seit mehr als zehn Jahren – also mindestens seit Gamergate – darüber, dass Minderheiten im Internet Trollkultur als Gewalt erleben. Dafür sind die Betroffenen eine Dekade lang belächelt worden. Das sei Hysterie oder sie seien zu empfindlich, war meist die Antwort.

    Und dann bricht sich diese Gewalt ihren Weg in die Realität. Und es zeigt sich: Das ist eine reale Gewalt – im Internet und in der analogen Welt. Das jetzt Menschen sterben, zeigt jenen Menschen, die diese Gewalt lange ignoriert oder als irrelevant abgetan haben, dass diese da ist und mitunter tödliche Auswirkungen hat. Und diese Entwicklung wird sich mit dem Zusammengehen von Online und Offline, das wir seit einigen Jahren beobachten können, weiter verschärfen.

    Schon jetzt gibt es keine klare Grenze mehr zwischen Online und Offline. Und die Gewalt, die es im Internet bereits seit Jahren gegeben hat, bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt.

    Und dass Memes in gewaltvollen Konflikten eine zentrale Rolle spielen, sehen wir nicht nur bei solchen Attentaten. Sondern das gibt es auch als Strategie im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das ist ebenfalls ein Memewar – ein Krieg der Memes –, in dem beide Seiten Formen der Internetkommunikation einsetzen und damit versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

    Wie erklären Sie sich, dass das in den etablierten Medien noch immer so eine geringe Rolle spielt? Ist das ein Generationenproblem?

    Berit Glanz: Es ist natürlich naheliegend, darin ein Altersproblem zu sehen. Das ist es aber nicht unbedingt. Was es vor allem braucht, ist eine Anerkennung von Gewalt und spezifischen Kommunikationsstrukturen im Internet. Und die sind nicht auf den Computer beschränkt oder auf ein paar merkwürdige Leute, die ihre Handys viel nutzen. Sondern das ist etwas, was in unser aller Welt hineinfließt und diese verändert.

    Und das Bewusstsein dafür, dass es da etwas gibt, was man eventuell nicht versteht, muss jetzt entstehen. Vor allem Menschen in institutionellen Machtpositionen sollten zur Kenntnis nehmen, dass sie dieses Wissen erwerben müssen.

    In der öffentlichen Debatte sprechen wir viel über Social-Media- oder Gaming-Sucht und über Alterskontrollen und Handyverbote. Diskutieren wir also an entscheidenden Themen vorbei?

    Berit Glanz: Ja, und zwar auf zwei Ebenen. Der Diskurs ist zum einen oftmals sehr alarmistisch. Und zum anderen ignoriert er, warum wir eigentlich im Internet sind.

    Die meisten Menschen verbringen sehr viel Zeit im Netz und das hat Gründe. Weil es halt Spaß macht, weil wir da in sozialen Austausch gehen, weil wir dort einer besonderen Form von Humor begegnen. Das wird alles komplett ausgeblendet.

    Und gleichzeitig gibt es die dunkle Seite von Radikalisierung durch Internetkultur, besonders bei Memes mit ihren mehrdeutigen Anspielungen. Diese Entwicklung wird in öffentlichen Debatten häufig nicht angeschaut. Stattdessen geht es sehr viel um Regulierung und ob man Teenagern das Handy verbieten soll. Ich glaube nicht, dass dieser Ansatz etwas bringt.

    Rechtsradikaler Nihilismus

    Es scheint sich abzuzeichnen, dass der mutmaßliche Attentäter von Charlie Kirk der rechtsradikalen Szene entstammt. Ein Motiv für den Mord könnte demnach in den Groyper Wars liegen. Was hat es damit auf sich?

    Berit Glanz: Die Rechte im Internet ist fragmentiert. Es gibt unterschiedliche Fraktionen, die sich seit Jahren bekriegen. Zu den Streitfragen zählen etwa der Umgang mit Israel, mit Antisemitismus oder bestimmte Vorstellungen von ideologischer Reinheit.

    Zwei Fraktionen in der US-amerikanischen Rechten sind hier besonders einflussreich. Die eine scharrt sich um den rechten Influencer Nick Fuentes, die andere um Charlie Kirk. Daher haben viele, die sich gut im Internet auskennen, nach dem Attentat auch umgehend eine Verbindung zu diesem Konflikt gezogen. [Anm. d. Red.: Sogenannten Groypern sind Kirk oder Trump nicht rechtsextrem genug.]

    Das größere gesellschaftliche Problem sind aber die Gemeinschaften junger Männer im Internet, die sich antisozial gebärden. Das können Fan-Communitys sein, teilweise sind das auch Gaming-Subkulturen. Dieses Problem bekommt man nicht in den Griff, wenn man jetzt nur auf die Groyper Wars blickt. Stattdessen müssen wir untersuchen, in welche Radikalisierungskanäle junge Männer gelangen. Dazu gehören Incel-Culture und Andrew Tate, aber auch bestimmte Formen von Sport- und Körperkult, die etwa auf TikTok oft ein Einstieg sind in rechtes und maskulinistisches Denken.

    Diese Foren müssen wir uns gründlich anschauen. Und wir müssen darüber nachdenken, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Das ist für mich die eigentliche Antwort, die wir auf den Mord an Charlie Kirk geben sollten.

    Daniel Leisegang ist Politikwissenschaftler und Co-Chefredakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Gesundheitsdigitalisierung, Digital Public Infrastructure und die sogenannte Künstliche Intelligenz. Daniel war einst Redakteur bei den »Blättern für deutsche und internationale Politik«. 2014 erschien von ihm das Buch »Amazon – Das Buch als Beute«; 2016 erhielt er den Alternativen Medienpreis in der Rubrik »Medienkritik«. Er gehört dem Board of Trustees von Eurozine an. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, Threema ENU3SC7K, Telefon: +49-‭30-5771482-28‬ (Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 18 Uhr). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

    Über Daniel Leisegang Interview - netzpolitik:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  19. Gewalt – online und offline

    „Die Gewalt bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt“

    Nach dem Attentat auf den rechtsradikalen Influencer Charlie Kirk gerät in den Medien einiges durcheinander und aus dem Blick. Wir haben mit der Autorin Berit Glanz über Online-Kultur und Offline-Gewalt, kryptische Memes und Nihilismus gesprochen.

    Am vergangenen Mittwoch wurde der rechtsradikale Influencer Charlie Kirk erschossen. Obwohl er sich immer wieder klar antisemitisch, rassistisch und LGBTQI+-feindlich geäußert hatte, erklärten ihn einige etablierte Medien posthum zum Kämpfer der Redefreiheit. „Kirk hat Politik auf genau die richtige Weise praktiziert“, schrieb etwa Ezra Klein in der New York Times. „Er tauchte an Universitäten auf und sprach mit jedem, der mit ihm reden wollte.“

    In Deutschland kam es zu ähnlichen Trauerbekundungen. Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, lobte Kirks „Einsatz für Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschlichkeit“. Und die CDU-Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach beschrieb Kirk auf Instagram als „Kämpfer für westliche Werte“, mit ihm sterbe „eine der einflussreichsten jungen konservativen Stimmen weltweit“. Den Post hat die Politikerin nach vielfacher Kritik inzwischen gelöscht.

    Bereits unmittelbar nach der Tat hatte US-Präsident Donald Trump die „radikale Linke“ für den Tod seines Unterstützers Kirk verantwortlich gemacht und landesweit Trauerbeflaggung angeordnet. Elon Musk schrieb auf X: „The Left is the party of murder.“ Etliche weitere Stimmen sahen in dem Anschlag einen Aufruf „der Linken“ zum Bürgerkrieg.

    Seit Donnerstagabend sitzt der 22-jährige Tatverdächtige Tyler R. in Untersuchungshaft. Er stammt aus dem Bundesstaat Utah und gehört offenbar einer Familie von Trump-Anhänger:innen an. Ehemalige Mitschüler:innen beschreiben ihn als zurückhaltend und online sehr aktiv.

    Wir haben mit Berit Glanz über den Fall und seine mediale Deutung gesprochen. Sie ist Schriftstellerin und Essayistin, lebt in Island und veröffentlicht regelmäßig den Newsletter Phoneurie, in dem es um die „allgegenwärtige Verzahnung von virtuellem und realem Raum“ geht.

    Medien und Missverständnisse

    Nach dem Attentat auf Charlie Kirk veröffentlichten mehrere etablierte Medien Nachrufe, die den rechtsradikalen Influencer als eine Art Märtyrer der Redefreiheit darstellen. Wie kommt es dazu?

    Berit Glanz: Ich glaube, dass Kirk eine Projektionsfläche ist. Es geht überhaupt nicht darum, was er gesagt hat, wer er als Person ist und was seine Geschichte im Internet ist. Sondern es geht einfach nur darum, wie man diesen Mord für eigene politische Ziele stilisieren kann.

    Etwas Ähnliches passierte nach der mutmaßlichen Tat von Luigi Mangione, …

    … der im vergangenen Dezember Brian Thompson erschossen haben soll, den damaligen CEO von UnitedHealthcare.

    Berit Glanz: Auch dieser Mord wurde umgehend dazu verwendet, um eine bestimmte politische Agenda zu pushen. Und zwar von vielen Seiten.

    Das Gleiche ist jetzt bei Kirk passiert. Rechte nutzen das Attentat, um eine Machtposition im Diskurs zu gewinnen. Sie behaupten dann etwa, dass ihre Positionen so gefährlich seien, dass sie dafür ermordet würden. Im aktuellen Fall und bei Luigi Mangione sehen wir also einen sehr unehrlichen Diskurs, in dem die Gewalttat so genutzt wird, dass sie dem jeweiligen Milieu den maximalen politischen Nutzen bringt.

    Erkennen Sie auch Parallelen, wenn Sie die Debatte in den sozialen Medien verfolgen?

    Berit Glanz: Im Internet wird die Debatte teilweise besser geführt. Dort gibt es eine größere Kompetenz bei der Einordnung von Personen und es werden sehr viel mehr Originalquellen verlinkt. So können alle gut nachverfolgen, wie bestimmte Behauptungen zustandekommen.

    Ich habe außerdem den Eindruck, dass es auf Reddit und Blue Sky, teilweise sogar auf Twitter eine größere Kenntnis darüber gibt, wer die Person Charlie Kirk gewesen ist. Besonders auffällig war das auf TikTok. Dort wurden sehr viel Clips von Charlie Kirk geteilt, also O-Töne von ihm als rechten Influencer. Wer sich die Aufnahmen anschaut, erkennt schnell, dass vor wenigen Tagen kein friedlicher Debattierer ermordet wurde. Sondern dass Kirk eine massiv toxische Person war, die eine überaus gefährliche Rolle im öffentlichen Diskurs gespielt hat.

    Kirk war auch eine öffentliche Person. Man kennt seine Aussagen. Das unterscheidet ihn auch von Luigi Mangione, oder?

    Berit Glanz: Ja, und zugleich kannten viele Leute seine Aussagen offenkundig nicht. Das finde ich so faszinierend: Da ist ein Mensch gestorben, der vielen Leuten, die sich aktiv im Internet aufhalten, klar ein Begriff ist. Andere wiederum hörten seinen Namen das erste Mal und mussten ihre 15-jährigen Kinder fragen, wer das ist.

    Dabei hat Charlie Kirk eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Und dennoch ist er einer bestimmten Generation, die sich nicht auf diesen Plattformen aufhält, schlichtweg unbekannt.

    Es gibt also offenkundig eine große Informationslücke über Influencer, die einen Diskurs bestimmen, die radikalisieren und die eine aufpeitschende Wirkung haben.

    Memes als Botschaften

    Im Laufe der vergangenen Tage taten sich dann weitere Informationslücken auf. Nämlich als bekannt wurde, dass auf den Patronen, die der Attentäter verwendete, kryptisch anmutende Sätze eingestanzt waren. Haben diese Botschaften Sie überrascht?

    Berit Glanz: Beschrifteten Patronen zählen fast schon zum Standard bei solchen Gewalttaten. Die Patronen, mit denen der CEO Thompson getötet wurde, trugen die Worte „deny“, „defend“ und „depose“, wahrscheinlich ein Verweis auf die Geschäftspraktiken von US-Versicherungen. Dieses Mal waren es die Sätze wie „Hey fascist! Catch!“, „Oh bella ciao bella ciao bella ciao ciao ciao“ und „If you read this, you are gay lmao“.

    Es bereitet den Tätern wohl eine Freude, wenn alle versuchen, in diese Botschaften etwas hinein zu interpretieren. Dieser hermeneutische Akt wird dann selbst zu einem essenziellen Teil ihrer Gewalttaten.

    Bei Kirks Ermordung waren die Sprüche bekannt, bevor der Name des Verdächtigen kursierte. Prompt wurden die Botschaften als angeblich transideologisch identifiziert und der Täter einem bestimmten Milieu zugeordnet. Auch das war Teil der politischen Instrumentalisierung. Sind solche Vermutungen erst einmal in den Timelines und in der Welt, kriegt man sie nur noch sehr schwer wieder eingefangen.

    Warum nutzen Attentäter eine so große Bühne und greifen dann auf derart kryptischen Botschaften zurück, die fast unweigerlich für Missverständnisse sorgen?

    Berit Glanz: Es wäre naheliegend und würde die Dinge auch sehr vereinfachen, wenn es ein klassisches Bekenntnisschreiben gäbe, das eine klare Ideologie ausformuliert. Aber das Internet funktioniert so halt nicht.

    Der Mord an Kirk entstammt einer Trollkultur. Und da geht es immer auch darum, sich über die Ratlosigkeit anderer lustig zu machen. Es gibt einen Wissensvorsprung, bestimmte Eingeweihte können die Botschaften leicht dechiffrieren und daraus entsteht dann ein eigener Trollhumor. Bei allen anderen herrscht massive Verwirrung oder sie verirren sich in vorschnelle, aber falsche Annahmen.

    Ist die tödliche Gewalt dann ebenfalls Teil der Trollerei?

    Berit Glanz: Wir sprechen seit mehr als zehn Jahren – also mindestens seit Gamergate – darüber, dass Minderheiten im Internet Trollkultur als Gewalt erleben. Dafür sind die Betroffenen eine Dekade lang belächelt worden. Das sei Hysterie oder sie seien zu empfindlich, war meist die Antwort.

    Und dann bricht sich diese Gewalt ihren Weg in die Realität. Und es zeigt sich: Das ist eine reale Gewalt – im Internet und in der analogen Welt. Das jetzt Menschen sterben, zeigt jenen Menschen, die diese Gewalt lange ignoriert oder als irrelevant abgetan haben, dass diese da ist und mitunter tödliche Auswirkungen hat. Und diese Entwicklung wird sich mit dem Zusammengehen von Online und Offline, das wir seit einigen Jahren beobachten können, weiter verschärfen.

    Schon jetzt gibt es keine klare Grenze mehr zwischen Online und Offline. Und die Gewalt, die es im Internet bereits seit Jahren gegeben hat, bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt.

    Und dass Memes in gewaltvollen Konflikten eine zentrale Rolle spielen, sehen wir nicht nur bei solchen Attentaten. Sondern das gibt es auch als Strategie im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das ist ebenfalls ein Memewar – ein Krieg der Memes –, in dem beide Seiten Formen der Internetkommunikation einsetzen und damit versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

    Wie erklären Sie sich, dass das in den etablierten Medien noch immer so eine geringe Rolle spielt? Ist das ein Generationenproblem?

    Berit Glanz: Es ist natürlich naheliegend, darin ein Altersproblem zu sehen. Das ist es aber nicht unbedingt. Was es vor allem braucht, ist eine Anerkennung von Gewalt und spezifischen Kommunikationsstrukturen im Internet. Und die sind nicht auf den Computer beschränkt oder auf ein paar merkwürdige Leute, die ihre Handys viel nutzen. Sondern das ist etwas, was in unser aller Welt hineinfließt und diese verändert.

    Und das Bewusstsein dafür, dass es da etwas gibt, was man eventuell nicht versteht, muss jetzt entstehen. Vor allem Menschen in institutionellen Machtpositionen sollten zur Kenntnis nehmen, dass sie dieses Wissen erwerben müssen.

    In der öffentlichen Debatte sprechen wir viel über Social-Media- oder Gaming-Sucht und über Alterskontrollen und Handyverbote. Diskutieren wir also an entscheidenden Themen vorbei?

    Berit Glanz: Ja, und zwar auf zwei Ebenen. Der Diskurs ist zum einen oftmals sehr alarmistisch. Und zum anderen ignoriert er, warum wir eigentlich im Internet sind.

    Die meisten Menschen verbringen sehr viel Zeit im Netz und das hat Gründe. Weil es halt Spaß macht, weil wir da in sozialen Austausch gehen, weil wir dort einer besonderen Form von Humor begegnen. Das wird alles komplett ausgeblendet.

    Und gleichzeitig gibt es die dunkle Seite von Radikalisierung durch Internetkultur, besonders bei Memes mit ihren mehrdeutigen Anspielungen. Diese Entwicklung wird in öffentlichen Debatten häufig nicht angeschaut. Stattdessen geht es sehr viel um Regulierung und ob man Teenagern das Handy verbieten soll. Ich glaube nicht, dass dieser Ansatz etwas bringt.

    Rechtsradikaler Nihilismus

    Es scheint sich abzuzeichnen, dass der mutmaßliche Attentäter von Charlie Kirk der rechtsradikalen Szene entstammt. Ein Motiv für den Mord könnte demnach in den Groyper Wars liegen. Was hat es damit auf sich?

    Berit Glanz: Die Rechte im Internet ist fragmentiert. Es gibt unterschiedliche Fraktionen, die sich seit Jahren bekriegen. Zu den Streitfragen zählen etwa der Umgang mit Israel, mit Antisemitismus oder bestimmte Vorstellungen von ideologischer Reinheit.

    Zwei Fraktionen in der US-amerikanischen Rechten sind hier besonders einflussreich. Die eine scharrt sich um den rechten Influencer Nick Fuentes, die andere um Charlie Kirk. Daher haben viele, die sich gut im Internet auskennen, nach dem Attentat auch umgehend eine Verbindung zu diesem Konflikt gezogen. [Anm. d. Red.: Sogenannten Groypern sind Kirk oder Trump nicht rechtsextrem genug.]

    Das größere gesellschaftliche Problem sind aber die Gemeinschaften junger Männer im Internet, die sich antisozial gebärden. Das können Fan-Communitys sein, teilweise sind das auch Gaming-Subkulturen. Dieses Problem bekommt man nicht in den Griff, wenn man jetzt nur auf die Groyper Wars blickt. Stattdessen müssen wir untersuchen, in welche Radikalisierungskanäle junge Männer gelangen. Dazu gehören Incel-Culture und Andrew Tate, aber auch bestimmte Formen von Sport- und Körperkult, die etwa auf TikTok oft ein Einstieg sind in rechtes und maskulinistisches Denken.

    Diese Foren müssen wir uns gründlich anschauen. Und wir müssen darüber nachdenken, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Das ist für mich die eigentliche Antwort, die wir auf den Mord an Charlie Kirk geben sollten.

    Daniel Leisegang ist Politikwissenschaftler und Co-Chefredakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Gesundheitsdigitalisierung, Digital Public Infrastructure und die sogenannte Künstliche Intelligenz. Daniel war einst Redakteur bei den »Blättern für deutsche und internationale Politik«. 2014 erschien von ihm das Buch »Amazon – Das Buch als Beute«; 2016 erhielt er den Alternativen Medienpreis in der Rubrik »Medienkritik«. Er gehört dem Board of Trustees von Eurozine an. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, Threema ENU3SC7K, Telefon: +49-‭30-5771482-28‬ (Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 18 Uhr). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

    Über Daniel Leisegang Interview - netzpolitik:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  20. Gewalt – online und offline

    „Die Gewalt bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt“

    Nach dem Attentat auf den rechtsradikalen Influencer Charlie Kirk gerät in den Medien einiges durcheinander und aus dem Blick. Wir haben mit der Autorin Berit Glanz über Online-Kultur und Offline-Gewalt, kryptische Memes und Nihilismus gesprochen.

    Am vergangenen Mittwoch wurde der rechtsradikale Influencer Charlie Kirk erschossen. Obwohl er sich immer wieder klar antisemitisch, rassistisch und LGBTQI+-feindlich geäußert hatte, erklärten ihn einige etablierte Medien posthum zum Kämpfer der Redefreiheit. „Kirk hat Politik auf genau die richtige Weise praktiziert“, schrieb etwa Ezra Klein in der New York Times. „Er tauchte an Universitäten auf und sprach mit jedem, der mit ihm reden wollte.“

    In Deutschland kam es zu ähnlichen Trauerbekundungen. Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, lobte Kirks „Einsatz für Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschlichkeit“. Und die CDU-Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach beschrieb Kirk auf Instagram als „Kämpfer für westliche Werte“, mit ihm sterbe „eine der einflussreichsten jungen konservativen Stimmen weltweit“. Den Post hat die Politikerin nach vielfacher Kritik inzwischen gelöscht.

    Bereits unmittelbar nach der Tat hatte US-Präsident Donald Trump die „radikale Linke“ für den Tod seines Unterstützers Kirk verantwortlich gemacht und landesweit Trauerbeflaggung angeordnet. Elon Musk schrieb auf X: „The Left is the party of murder.“ Etliche weitere Stimmen sahen in dem Anschlag einen Aufruf „der Linken“ zum Bürgerkrieg.

    Seit Donnerstagabend sitzt der 22-jährige Tatverdächtige Tyler R. in Untersuchungshaft. Er stammt aus dem Bundesstaat Utah und gehört offenbar einer Familie von Trump-Anhänger:innen an. Ehemalige Mitschüler:innen beschreiben ihn als zurückhaltend und online sehr aktiv.

    Wir haben mit Berit Glanz über den Fall und seine mediale Deutung gesprochen. Sie ist Schriftstellerin und Essayistin, lebt in Island und veröffentlicht regelmäßig den Newsletter Phoneurie, in dem es um die „allgegenwärtige Verzahnung von virtuellem und realem Raum“ geht.

    Medien und Missverständnisse

    Nach dem Attentat auf Charlie Kirk veröffentlichten mehrere etablierte Medien Nachrufe, die den rechtsradikalen Influencer als eine Art Märtyrer der Redefreiheit darstellen. Wie kommt es dazu?

    Berit Glanz: Ich glaube, dass Kirk eine Projektionsfläche ist. Es geht überhaupt nicht darum, was er gesagt hat, wer er als Person ist und was seine Geschichte im Internet ist. Sondern es geht einfach nur darum, wie man diesen Mord für eigene politische Ziele stilisieren kann.

    Etwas Ähnliches passierte nach der mutmaßlichen Tat von Luigi Mangione, …

    … der im vergangenen Dezember Brian Thompson erschossen haben soll, den damaligen CEO von UnitedHealthcare.

    Berit Glanz: Auch dieser Mord wurde umgehend dazu verwendet, um eine bestimmte politische Agenda zu pushen. Und zwar von vielen Seiten.

    Das Gleiche ist jetzt bei Kirk passiert. Rechte nutzen das Attentat, um eine Machtposition im Diskurs zu gewinnen. Sie behaupten dann etwa, dass ihre Positionen so gefährlich seien, dass sie dafür ermordet würden. Im aktuellen Fall und bei Luigi Mangione sehen wir also einen sehr unehrlichen Diskurs, in dem die Gewalttat so genutzt wird, dass sie dem jeweiligen Milieu den maximalen politischen Nutzen bringt.

    Erkennen Sie auch Parallelen, wenn Sie die Debatte in den sozialen Medien verfolgen?

    Berit Glanz: Im Internet wird die Debatte teilweise besser geführt. Dort gibt es eine größere Kompetenz bei der Einordnung von Personen und es werden sehr viel mehr Originalquellen verlinkt. So können alle gut nachverfolgen, wie bestimmte Behauptungen zustandekommen.

    Ich habe außerdem den Eindruck, dass es auf Reddit und Blue Sky, teilweise sogar auf Twitter eine größere Kenntnis darüber gibt, wer die Person Charlie Kirk gewesen ist. Besonders auffällig war das auf TikTok. Dort wurden sehr viel Clips von Charlie Kirk geteilt, also O-Töne von ihm als rechten Influencer. Wer sich die Aufnahmen anschaut, erkennt schnell, dass vor wenigen Tagen kein friedlicher Debattierer ermordet wurde. Sondern dass Kirk eine massiv toxische Person war, die eine überaus gefährliche Rolle im öffentlichen Diskurs gespielt hat.

    Kirk war auch eine öffentliche Person. Man kennt seine Aussagen. Das unterscheidet ihn auch von Luigi Mangione, oder?

    Berit Glanz: Ja, und zugleich kannten viele Leute seine Aussagen offenkundig nicht. Das finde ich so faszinierend: Da ist ein Mensch gestorben, der vielen Leuten, die sich aktiv im Internet aufhalten, klar ein Begriff ist. Andere wiederum hörten seinen Namen das erste Mal und mussten ihre 15-jährigen Kinder fragen, wer das ist.

    Dabei hat Charlie Kirk eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Und dennoch ist er einer bestimmten Generation, die sich nicht auf diesen Plattformen aufhält, schlichtweg unbekannt.

    Es gibt also offenkundig eine große Informationslücke über Influencer, die einen Diskurs bestimmen, die radikalisieren und die eine aufpeitschende Wirkung haben.

    Memes als Botschaften

    Im Laufe der vergangenen Tage taten sich dann weitere Informationslücken auf. Nämlich als bekannt wurde, dass auf den Patronen, die der Attentäter verwendete, kryptisch anmutende Sätze eingestanzt waren. Haben diese Botschaften Sie überrascht?

    Berit Glanz: Beschrifteten Patronen zählen fast schon zum Standard bei solchen Gewalttaten. Die Patronen, mit denen der CEO Thompson getötet wurde, trugen die Worte „deny“, „defend“ und „depose“, wahrscheinlich ein Verweis auf die Geschäftspraktiken von US-Versicherungen. Dieses Mal waren es die Sätze wie „Hey fascist! Catch!“, „Oh bella ciao bella ciao bella ciao ciao ciao“ und „If you read this, you are gay lmao“.

    Es bereitet den Tätern wohl eine Freude, wenn alle versuchen, in diese Botschaften etwas hinein zu interpretieren. Dieser hermeneutische Akt wird dann selbst zu einem essenziellen Teil ihrer Gewalttaten.

    Bei Kirks Ermordung waren die Sprüche bekannt, bevor der Name des Verdächtigen kursierte. Prompt wurden die Botschaften als angeblich transideologisch identifiziert und der Täter einem bestimmten Milieu zugeordnet. Auch das war Teil der politischen Instrumentalisierung. Sind solche Vermutungen erst einmal in den Timelines und in der Welt, kriegt man sie nur noch sehr schwer wieder eingefangen.

    Warum nutzen Attentäter eine so große Bühne und greifen dann auf derart kryptischen Botschaften zurück, die fast unweigerlich für Missverständnisse sorgen?

    Berit Glanz: Es wäre naheliegend und würde die Dinge auch sehr vereinfachen, wenn es ein klassisches Bekenntnisschreiben gäbe, das eine klare Ideologie ausformuliert. Aber das Internet funktioniert so halt nicht.

    Der Mord an Kirk entstammt einer Trollkultur. Und da geht es immer auch darum, sich über die Ratlosigkeit anderer lustig zu machen. Es gibt einen Wissensvorsprung, bestimmte Eingeweihte können die Botschaften leicht dechiffrieren und daraus entsteht dann ein eigener Trollhumor. Bei allen anderen herrscht massive Verwirrung oder sie verirren sich in vorschnelle, aber falsche Annahmen.

    Ist die tödliche Gewalt dann ebenfalls Teil der Trollerei?

    Berit Glanz: Wir sprechen seit mehr als zehn Jahren – also mindestens seit Gamergate – darüber, dass Minderheiten im Internet Trollkultur als Gewalt erleben. Dafür sind die Betroffenen eine Dekade lang belächelt worden. Das sei Hysterie oder sie seien zu empfindlich, war meist die Antwort.

    Und dann bricht sich diese Gewalt ihren Weg in die Realität. Und es zeigt sich: Das ist eine reale Gewalt – im Internet und in der analogen Welt. Das jetzt Menschen sterben, zeigt jenen Menschen, die diese Gewalt lange ignoriert oder als irrelevant abgetan haben, dass diese da ist und mitunter tödliche Auswirkungen hat. Und diese Entwicklung wird sich mit dem Zusammengehen von Online und Offline, das wir seit einigen Jahren beobachten können, weiter verschärfen.

    Schon jetzt gibt es keine klare Grenze mehr zwischen Online und Offline. Und die Gewalt, die es im Internet bereits seit Jahren gegeben hat, bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt.

    Und dass Memes in gewaltvollen Konflikten eine zentrale Rolle spielen, sehen wir nicht nur bei solchen Attentaten. Sondern das gibt es auch als Strategie im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das ist ebenfalls ein Memewar – ein Krieg der Memes –, in dem beide Seiten Formen der Internetkommunikation einsetzen und damit versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

    Wie erklären Sie sich, dass das in den etablierten Medien noch immer so eine geringe Rolle spielt? Ist das ein Generationenproblem?

    Berit Glanz: Es ist natürlich naheliegend, darin ein Altersproblem zu sehen. Das ist es aber nicht unbedingt. Was es vor allem braucht, ist eine Anerkennung von Gewalt und spezifischen Kommunikationsstrukturen im Internet. Und die sind nicht auf den Computer beschränkt oder auf ein paar merkwürdige Leute, die ihre Handys viel nutzen. Sondern das ist etwas, was in unser aller Welt hineinfließt und diese verändert.

    Und das Bewusstsein dafür, dass es da etwas gibt, was man eventuell nicht versteht, muss jetzt entstehen. Vor allem Menschen in institutionellen Machtpositionen sollten zur Kenntnis nehmen, dass sie dieses Wissen erwerben müssen.

    In der öffentlichen Debatte sprechen wir viel über Social-Media- oder Gaming-Sucht und über Alterskontrollen und Handyverbote. Diskutieren wir also an entscheidenden Themen vorbei?

    Berit Glanz: Ja, und zwar auf zwei Ebenen. Der Diskurs ist zum einen oftmals sehr alarmistisch. Und zum anderen ignoriert er, warum wir eigentlich im Internet sind.

    Die meisten Menschen verbringen sehr viel Zeit im Netz und das hat Gründe. Weil es halt Spaß macht, weil wir da in sozialen Austausch gehen, weil wir dort einer besonderen Form von Humor begegnen. Das wird alles komplett ausgeblendet.

    Und gleichzeitig gibt es die dunkle Seite von Radikalisierung durch Internetkultur, besonders bei Memes mit ihren mehrdeutigen Anspielungen. Diese Entwicklung wird in öffentlichen Debatten häufig nicht angeschaut. Stattdessen geht es sehr viel um Regulierung und ob man Teenagern das Handy verbieten soll. Ich glaube nicht, dass dieser Ansatz etwas bringt.

    Rechtsradikaler Nihilismus

    Es scheint sich abzuzeichnen, dass der mutmaßliche Attentäter von Charlie Kirk der rechtsradikalen Szene entstammt. Ein Motiv für den Mord könnte demnach in den Groyper Wars liegen. Was hat es damit auf sich?

    Berit Glanz: Die Rechte im Internet ist fragmentiert. Es gibt unterschiedliche Fraktionen, die sich seit Jahren bekriegen. Zu den Streitfragen zählen etwa der Umgang mit Israel, mit Antisemitismus oder bestimmte Vorstellungen von ideologischer Reinheit.

    Zwei Fraktionen in der US-amerikanischen Rechten sind hier besonders einflussreich. Die eine scharrt sich um den rechten Influencer Nick Fuentes, die andere um Charlie Kirk. Daher haben viele, die sich gut im Internet auskennen, nach dem Attentat auch umgehend eine Verbindung zu diesem Konflikt gezogen. [Anm. d. Red.: Sogenannten Groypern sind Kirk oder Trump nicht rechtsextrem genug.]

    Das größere gesellschaftliche Problem sind aber die Gemeinschaften junger Männer im Internet, die sich antisozial gebärden. Das können Fan-Communitys sein, teilweise sind das auch Gaming-Subkulturen. Dieses Problem bekommt man nicht in den Griff, wenn man jetzt nur auf die Groyper Wars blickt. Stattdessen müssen wir untersuchen, in welche Radikalisierungskanäle junge Männer gelangen. Dazu gehören Incel-Culture und Andrew Tate, aber auch bestimmte Formen von Sport- und Körperkult, die etwa auf TikTok oft ein Einstieg sind in rechtes und maskulinistisches Denken.

    Diese Foren müssen wir uns gründlich anschauen. Und wir müssen darüber nachdenken, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Das ist für mich die eigentliche Antwort, die wir auf den Mord an Charlie Kirk geben sollten.

    Daniel Leisegang ist Politikwissenschaftler und Co-Chefredakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Gesundheitsdigitalisierung, Digital Public Infrastructure und die sogenannte Künstliche Intelligenz. Daniel war einst Redakteur bei den »Blättern für deutsche und internationale Politik«. 2014 erschien von ihm das Buch »Amazon – Das Buch als Beute«; 2016 erhielt er den Alternativen Medienpreis in der Rubrik »Medienkritik«. Er gehört dem Board of Trustees von Eurozine an. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, Threema ENU3SC7K, Telefon: +49-‭30-5771482-28‬ (Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 18 Uhr). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

    Über Daniel Leisegang Interview - netzpolitik:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  21. Gewalt – online und offline

    „Die Gewalt bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt“

    Nach dem Attentat auf den rechtsradikalen Influencer Charlie Kirk gerät in den Medien einiges durcheinander und aus dem Blick. Wir haben mit der Autorin Berit Glanz über Online-Kultur und Offline-Gewalt, kryptische Memes und Nihilismus gesprochen.

    Am vergangenen Mittwoch wurde der rechtsradikale Influencer Charlie Kirk erschossen. Obwohl er sich immer wieder klar antisemitisch, rassistisch und LGBTQI+-feindlich geäußert hatte, erklärten ihn einige etablierte Medien posthum zum Kämpfer der Redefreiheit. „Kirk hat Politik auf genau die richtige Weise praktiziert“, schrieb etwa Ezra Klein in der New York Times. „Er tauchte an Universitäten auf und sprach mit jedem, der mit ihm reden wollte.“

    In Deutschland kam es zu ähnlichen Trauerbekundungen. Manuel Ostermann, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, lobte Kirks „Einsatz für Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschlichkeit“. Und die CDU-Bundestagsabgeordnete Caroline Bosbach beschrieb Kirk auf Instagram als „Kämpfer für westliche Werte“, mit ihm sterbe „eine der einflussreichsten jungen konservativen Stimmen weltweit“. Den Post hat die Politikerin nach vielfacher Kritik inzwischen gelöscht.

    Bereits unmittelbar nach der Tat hatte US-Präsident Donald Trump die „radikale Linke“ für den Tod seines Unterstützers Kirk verantwortlich gemacht und landesweit Trauerbeflaggung angeordnet. Elon Musk schrieb auf X: „The Left is the party of murder.“ Etliche weitere Stimmen sahen in dem Anschlag einen Aufruf „der Linken“ zum Bürgerkrieg.

    Seit Donnerstagabend sitzt der 22-jährige Tatverdächtige Tyler R. in Untersuchungshaft. Er stammt aus dem Bundesstaat Utah und gehört offenbar einer Familie von Trump-Anhänger:innen an. Ehemalige Mitschüler:innen beschreiben ihn als zurückhaltend und online sehr aktiv.

    Wir haben mit Berit Glanz über den Fall und seine mediale Deutung gesprochen. Sie ist Schriftstellerin und Essayistin, lebt in Island und veröffentlicht regelmäßig den Newsletter Phoneurie, in dem es um die „allgegenwärtige Verzahnung von virtuellem und realem Raum“ geht.

    Medien und Missverständnisse

    Nach dem Attentat auf Charlie Kirk veröffentlichten mehrere etablierte Medien Nachrufe, die den rechtsradikalen Influencer als eine Art Märtyrer der Redefreiheit darstellen. Wie kommt es dazu?

    Berit Glanz: Ich glaube, dass Kirk eine Projektionsfläche ist. Es geht überhaupt nicht darum, was er gesagt hat, wer er als Person ist und was seine Geschichte im Internet ist. Sondern es geht einfach nur darum, wie man diesen Mord für eigene politische Ziele stilisieren kann.

    Etwas Ähnliches passierte nach der mutmaßlichen Tat von Luigi Mangione, …

    … der im vergangenen Dezember Brian Thompson erschossen haben soll, den damaligen CEO von UnitedHealthcare.

    Berit Glanz: Auch dieser Mord wurde umgehend dazu verwendet, um eine bestimmte politische Agenda zu pushen. Und zwar von vielen Seiten.

    Das Gleiche ist jetzt bei Kirk passiert. Rechte nutzen das Attentat, um eine Machtposition im Diskurs zu gewinnen. Sie behaupten dann etwa, dass ihre Positionen so gefährlich seien, dass sie dafür ermordet würden. Im aktuellen Fall und bei Luigi Mangione sehen wir also einen sehr unehrlichen Diskurs, in dem die Gewalttat so genutzt wird, dass sie dem jeweiligen Milieu den maximalen politischen Nutzen bringt.

    Erkennen Sie auch Parallelen, wenn Sie die Debatte in den sozialen Medien verfolgen?

    Berit Glanz: Im Internet wird die Debatte teilweise besser geführt. Dort gibt es eine größere Kompetenz bei der Einordnung von Personen und es werden sehr viel mehr Originalquellen verlinkt. So können alle gut nachverfolgen, wie bestimmte Behauptungen zustandekommen.

    Ich habe außerdem den Eindruck, dass es auf Reddit und Blue Sky, teilweise sogar auf Twitter eine größere Kenntnis darüber gibt, wer die Person Charlie Kirk gewesen ist. Besonders auffällig war das auf TikTok. Dort wurden sehr viel Clips von Charlie Kirk geteilt, also O-Töne von ihm als rechten Influencer. Wer sich die Aufnahmen anschaut, erkennt schnell, dass vor wenigen Tagen kein friedlicher Debattierer ermordet wurde. Sondern dass Kirk eine massiv toxische Person war, die eine überaus gefährliche Rolle im öffentlichen Diskurs gespielt hat.

    Kirk war auch eine öffentliche Person. Man kennt seine Aussagen. Das unterscheidet ihn auch von Luigi Mangione, oder?

    Berit Glanz: Ja, und zugleich kannten viele Leute seine Aussagen offenkundig nicht. Das finde ich so faszinierend: Da ist ein Mensch gestorben, der vielen Leuten, die sich aktiv im Internet aufhalten, klar ein Begriff ist. Andere wiederum hörten seinen Namen das erste Mal und mussten ihre 15-jährigen Kinder fragen, wer das ist.

    Dabei hat Charlie Kirk eine wichtige Rolle dabei gespielt, dass Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hat. Und dennoch ist er einer bestimmten Generation, die sich nicht auf diesen Plattformen aufhält, schlichtweg unbekannt.

    Es gibt also offenkundig eine große Informationslücke über Influencer, die einen Diskurs bestimmen, die radikalisieren und die eine aufpeitschende Wirkung haben.

    Memes als Botschaften

    Im Laufe der vergangenen Tage taten sich dann weitere Informationslücken auf. Nämlich als bekannt wurde, dass auf den Patronen, die der Attentäter verwendete, kryptisch anmutende Sätze eingestanzt waren. Haben diese Botschaften Sie überrascht?

    Berit Glanz: Beschrifteten Patronen zählen fast schon zum Standard bei solchen Gewalttaten. Die Patronen, mit denen der CEO Thompson getötet wurde, trugen die Worte „deny“, „defend“ und „depose“, wahrscheinlich ein Verweis auf die Geschäftspraktiken von US-Versicherungen. Dieses Mal waren es die Sätze wie „Hey fascist! Catch!“, „Oh bella ciao bella ciao bella ciao ciao ciao“ und „If you read this, you are gay lmao“.

    Es bereitet den Tätern wohl eine Freude, wenn alle versuchen, in diese Botschaften etwas hinein zu interpretieren. Dieser hermeneutische Akt wird dann selbst zu einem essenziellen Teil ihrer Gewalttaten.

    Bei Kirks Ermordung waren die Sprüche bekannt, bevor der Name des Verdächtigen kursierte. Prompt wurden die Botschaften als angeblich transideologisch identifiziert und der Täter einem bestimmten Milieu zugeordnet. Auch das war Teil der politischen Instrumentalisierung. Sind solche Vermutungen erst einmal in den Timelines und in der Welt, kriegt man sie nur noch sehr schwer wieder eingefangen.

    Warum nutzen Attentäter eine so große Bühne und greifen dann auf derart kryptischen Botschaften zurück, die fast unweigerlich für Missverständnisse sorgen?

    Berit Glanz: Es wäre naheliegend und würde die Dinge auch sehr vereinfachen, wenn es ein klassisches Bekenntnisschreiben gäbe, das eine klare Ideologie ausformuliert. Aber das Internet funktioniert so halt nicht.

    Der Mord an Kirk entstammt einer Trollkultur. Und da geht es immer auch darum, sich über die Ratlosigkeit anderer lustig zu machen. Es gibt einen Wissensvorsprung, bestimmte Eingeweihte können die Botschaften leicht dechiffrieren und daraus entsteht dann ein eigener Trollhumor. Bei allen anderen herrscht massive Verwirrung oder sie verirren sich in vorschnelle, aber falsche Annahmen.

    Ist die tödliche Gewalt dann ebenfalls Teil der Trollerei?

    Berit Glanz: Wir sprechen seit mehr als zehn Jahren – also mindestens seit Gamergate – darüber, dass Minderheiten im Internet Trollkultur als Gewalt erleben. Dafür sind die Betroffenen eine Dekade lang belächelt worden. Das sei Hysterie oder sie seien zu empfindlich, war meist die Antwort.

    Und dann bricht sich diese Gewalt ihren Weg in die Realität. Und es zeigt sich: Das ist eine reale Gewalt – im Internet und in der analogen Welt. Das jetzt Menschen sterben, zeigt jenen Menschen, die diese Gewalt lange ignoriert oder als irrelevant abgetan haben, dass diese da ist und mitunter tödliche Auswirkungen hat. Und diese Entwicklung wird sich mit dem Zusammengehen von Online und Offline, das wir seit einigen Jahren beobachten können, weiter verschärfen.

    Schon jetzt gibt es keine klare Grenze mehr zwischen Online und Offline. Und die Gewalt, die es im Internet bereits seit Jahren gegeben hat, bahnt sich vermehrt ihren Weg in die Offline-Welt.

    Und dass Memes in gewaltvollen Konflikten eine zentrale Rolle spielen, sehen wir nicht nur bei solchen Attentaten. Sondern das gibt es auch als Strategie im russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Das ist ebenfalls ein Memewar – ein Krieg der Memes –, in dem beide Seiten Formen der Internetkommunikation einsetzen und damit versuchen, die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

    Wie erklären Sie sich, dass das in den etablierten Medien noch immer so eine geringe Rolle spielt? Ist das ein Generationenproblem?

    Berit Glanz: Es ist natürlich naheliegend, darin ein Altersproblem zu sehen. Das ist es aber nicht unbedingt. Was es vor allem braucht, ist eine Anerkennung von Gewalt und spezifischen Kommunikationsstrukturen im Internet. Und die sind nicht auf den Computer beschränkt oder auf ein paar merkwürdige Leute, die ihre Handys viel nutzen. Sondern das ist etwas, was in unser aller Welt hineinfließt und diese verändert.

    Und das Bewusstsein dafür, dass es da etwas gibt, was man eventuell nicht versteht, muss jetzt entstehen. Vor allem Menschen in institutionellen Machtpositionen sollten zur Kenntnis nehmen, dass sie dieses Wissen erwerben müssen.

    In der öffentlichen Debatte sprechen wir viel über Social-Media- oder Gaming-Sucht und über Alterskontrollen und Handyverbote. Diskutieren wir also an entscheidenden Themen vorbei?

    Berit Glanz: Ja, und zwar auf zwei Ebenen. Der Diskurs ist zum einen oftmals sehr alarmistisch. Und zum anderen ignoriert er, warum wir eigentlich im Internet sind.

    Die meisten Menschen verbringen sehr viel Zeit im Netz und das hat Gründe. Weil es halt Spaß macht, weil wir da in sozialen Austausch gehen, weil wir dort einer besonderen Form von Humor begegnen. Das wird alles komplett ausgeblendet.

    Und gleichzeitig gibt es die dunkle Seite von Radikalisierung durch Internetkultur, besonders bei Memes mit ihren mehrdeutigen Anspielungen. Diese Entwicklung wird in öffentlichen Debatten häufig nicht angeschaut. Stattdessen geht es sehr viel um Regulierung und ob man Teenagern das Handy verbieten soll. Ich glaube nicht, dass dieser Ansatz etwas bringt.

    Rechtsradikaler Nihilismus

    Es scheint sich abzuzeichnen, dass der mutmaßliche Attentäter von Charlie Kirk der rechtsradikalen Szene entstammt. Ein Motiv für den Mord könnte demnach in den Groyper Wars liegen. Was hat es damit auf sich?

    Berit Glanz: Die Rechte im Internet ist fragmentiert. Es gibt unterschiedliche Fraktionen, die sich seit Jahren bekriegen. Zu den Streitfragen zählen etwa der Umgang mit Israel, mit Antisemitismus oder bestimmte Vorstellungen von ideologischer Reinheit.

    Zwei Fraktionen in der US-amerikanischen Rechten sind hier besonders einflussreich. Die eine scharrt sich um den rechten Influencer Nick Fuentes, die andere um Charlie Kirk. Daher haben viele, die sich gut im Internet auskennen, nach dem Attentat auch umgehend eine Verbindung zu diesem Konflikt gezogen. [Anm. d. Red.: Sogenannten Groypern sind Kirk oder Trump nicht rechtsextrem genug.]

    Das größere gesellschaftliche Problem sind aber die Gemeinschaften junger Männer im Internet, die sich antisozial gebärden. Das können Fan-Communitys sein, teilweise sind das auch Gaming-Subkulturen. Dieses Problem bekommt man nicht in den Griff, wenn man jetzt nur auf die Groyper Wars blickt. Stattdessen müssen wir untersuchen, in welche Radikalisierungskanäle junge Männer gelangen. Dazu gehören Incel-Culture und Andrew Tate, aber auch bestimmte Formen von Sport- und Körperkult, die etwa auf TikTok oft ein Einstieg sind in rechtes und maskulinistisches Denken.

    Diese Foren müssen wir uns gründlich anschauen. Und wir müssen darüber nachdenken, wie wir als Gesellschaft damit umgehen. Das ist für mich die eigentliche Antwort, die wir auf den Mord an Charlie Kirk geben sollten.

    Daniel Leisegang ist Politikwissenschaftler und Co-Chefredakteur bei netzpolitik.org. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Gesundheitsdigitalisierung, Digital Public Infrastructure und die sogenannte Künstliche Intelligenz. Daniel war einst Redakteur bei den »Blättern für deutsche und internationale Politik«. 2014 erschien von ihm das Buch »Amazon – Das Buch als Beute«; 2016 erhielt er den Alternativen Medienpreis in der Rubrik »Medienkritik«. Er gehört dem Board of Trustees von Eurozine an. Kontakt: E-Mail (OpenPGP), Mastodon, Bluesky, Threema ENU3SC7K, Telefon: +49-‭30-5771482-28‬ (Montag bis Freitag, jeweils 8 bis 18 Uhr). Dieser Beitrag ist eine Übernahme von netzpolitik, gemäss Lizenz Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

    Über Daniel Leisegang Interview - netzpolitik:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  22. DiscogsDienstag: The Indie Scene 77 – 86 | The Story Of British Independent Music

    Dieser Artikel sollte ursprünglich ein Video werden, denn ich sehe in letzter Zeit häufiger kurze und lange Videos, in denen Tonträger in die Kamera gehalten werden. Allerdings fehlen mir dafür Erfahrung, Equipment und Mut. Ein weiterer Nachteil ist, dass ich aus urheberrechtlichen Beschränkungen keine Musik anspielen könnte. Also war die nächste Idee, ein GothDiscoInferno-Special zu machen, in dem ich über die Musik spreche und einige Lieder spiele. Allerdings fehlen mir dafür Erfahrung, Equipment und Mut. Also nutze ich den Dienstag, um über die Sampler Serie „The Indie Scene 77 – 86 | The Story Of British Independent Music“ zu schreiben, schließlich ist sie auch Teil meiner Sammlung.

    Die Sampler habe sich zum Teil seit 35 Jahren und die letzten fehlenden Teile habe ich erst kürzlich ergänzt, Discogs sei Dank. Die Serie beschreibt auf zehn CDs die Geschichte der britischen Independent-Musik von 1977 bis 1986 und damit den Weg vom Punk über Post-Punk zu den unterschiedlichen Entwicklungen. Los geht’s:

    The Indie Scene 77

    Es beginnt wie gesagt 1977, als der Punk-Rock dominierte und die britische Jugend zur „No Future“-Gereration machte. Ein Jahr zuvor hatten die Sex Pistols die Bühne betreten und viele junge Fans inspiriert, ebenfalls eine Punk-Band zu gründen. Ein prominentes Beispiel waren Bernhard Sumner und Peter Hook, die auf einen Konzert von Johnny Rotten und Co. beschlossen, auch Musik zu machen, was schlussendlich zu Joy Division und New Order führte (und noch weiteren Nebenprojekten). Auch andere bekannte Namen sind auf dem ersten Sampler zu finden, wenn auch noch nicht mit ihrer endgültigen Band, wie z. B. Joe Strummer, der vor The Clash bei The 101ers spielte und sang. Die erste Single Keys To My Heart wurde 1976 veröffentlicht, als Strummer bereits The Clash gegründet hatte.

    Weitere bekannte Namen sind Buzzcocks und The Stranglers, die beide erfolgreich den Post-Punk mitgestalteten und heute noch/wieder aktiv sind. Aus den USA kamen Bands wie die Ramones, The Heartbreakers mit Johnny Thunders (ex-New York Dolls) und Dead Boys mit Stiv Bators, der später The Lords Of The New Church gründete, auf die Insel. Interessant sind auch zwei Bands, die später andere musikalische Wege einschlugen, Johnny And The Self Abusers, die eine Single (Saints And Sinners) herausbrachten und dann zu Simple Minds wurden, und Tubeway Army, die zwar ihren Namen behielten, aber bald nach ihrem Punk-Debüt That’s Too Bad die Gitarren in Synthesizer eintauschten und Pioniere von New Wave und Synthie-Pop wurden.

    The Indie Scene 78

    Auf dem 78er-Sampler stechen für mich zwei Songs ganz klar heraus, weil sie zu den ersten Post-Punk-Klassikern gehörten: Teenage Kicks von The Undertones und Ever Fallen In Love von Buzzcocks. Hohe Bekanntheit hat auch das Lied Warm Leatherette von The Normal, hinter dem Daniel Miller stand, der Gründer des Indie-Labels Mute Records, das bis 2002 „independent“ blieb und von dem zahlreiche weitere Bands im Verlauf dieser Sampler-Reihe zu hören sind.

    Hier gibt es noch Joy Division mit Glass, das 1978 auf einem Factory Sampler veröffentlicht wurde, The Stranglers mit ihrer fünten Single 5 Minutes und Tubeway Army mit Bombers, ihrer auch noch punkigen zweiten Single, die schon den Numan-typischen Gesang hat. Mit The Fall, Lene Lovich und Teardrop Explodes sind auch noch weitere bekanntere Künstler dabei.

    The Indie Scene 79

    1979 war ein Jahr, das zumindest auf diesem Sampler sehr facettenreich war. Wir erleben Punk mit The Damned (Love Song), Post-Punk mit Joy Division (Novelty, B-Seite von Transmission) und The Teardrop Explodes, Synthwave mit Fad Gadget (Back To Nature) und Tubeway Army (Are ‚Friends‘ Electric?) sowie Ska/2-Tone mit Madness, The Beat und The Selecter. Auch Songs mit Funk-Elementen sind dabei, wie von The Regrets (7 Teen) und The Passions (Hunted).

    Herausragend sind noch Cabaret Voltaire mit Nag Nag Nag und The Go-Betweens, die aus Australien kommend die britische Indie-Szene mit ihrem melodisch-poppigen Post-Punk bereicherten.

    „Punk Is Dead“ scheint das Jahresfazit zu lauten, denn bis auf The Damned entwickelten alle Bands neue Spielarten, sei es melodisch, düster, elektronisch oder poppig. Es ist interessant, diese Transformation der Musik zu erleben.

    The Indie Scene 80

    The Indie Scene 80 kassiert mein Vorjahresfazit gleich wieder ein, denn es kamen die Dead Kennedys mit ihrer ersten Single Califonia Uber Alles in die britischen Indie-Charts und die sind ja definitiv noch Punk. Daneben sind einige Hochkaräter dabei, nämlich Echo & The Bunnymen (Pictures On My Wall), Joy Division (These Days, B-Seite von Love Will Tear Us Apart), Bauhaus (Dark Entries), Cabaret Voltaire, D.A.F. (Kebabträume), Fad Gadget (Ricky’s Hand) und The Fall (Totally Wired).

    Einige Musiker kamen erst später zu Ruhm und Ehre wie Pete Burns, hier mit Nightmares In Wax und deren einzigen Single Birth Of A Nation vertreten, wurde mit Dead Or Alive erfolgreich. Bei den Q Tips sang ein gewisser Paul Young, der unter eigenem Namen und unter anderem auch einer Coverversion von Love Will Teart Us Apart zu einem der Pop-Stars der Achtziger wurde. Genau wie der Sänger von den Frantic Elevators, Mick Hucknall, später als Simply Red bekannt.

    Eines meiner Highlights dieser Ausgabe ist Gathering Dust von Modern English, das 1983 auch von This Mortal Coil gecovert wurde. Und es bleibt die von Spizz Energi aufgeworfene Frage: Where’s Captain Kirk?

    The Indie Scene 81

    Wir machen einen Exkurs in die Gegenwart. Im Jahre 2022 brachte Netflix eine Serie über Wednesday Addams heraus. In Episode 4 wird eine Schulfeier (Raben-Tanz) gezeigt, auf der Jenna Ortega als Titelheldin zum Song Goo Goo Muck von The Cramps einen interessanten Tanz performte, zu dem sie u.a. Siouxsie Sioux, Lene Lovich und Archivmaterial von Goths in den Tanzclubs der 1980er-Jahre inspiriert hatten. Die Tanzszene ging bei TikTok viral, allerdings nicht mit der Originalmusik sondern mit einer Sped-Up-Version von Lady Gagas „Bloody Mary“. Goo Goo Muck bekam nach 41 Jahren trotzdem Beachtung, so stiegen z. B. die Streams alleine bei Spotify um 9.500%.

    Zurück ins Jahr 1981. Damals kam ein großer Hit aus der Indie-Szene, nämlich It’s My Party von Dave Stewart & Barbara Gaskin. Die Single wurde Platz 1 in England und Platz 3 in Deutschland und Österreich. Mit diesem Erfolg kann kein anderes Lied auf dieser Compilation mithalten, trotzdem finden wir einige interessante Songs. Is Vic There? von Department S erreichte immerhin Platz 22 in den britischen Single-Charts. In der deutschen Wikipedia wird ohne Quelle erwähnt, dass dieses Lied als Vorlage für Kaltes Klares Wasser von Malaria! gedient hätte. Eine gewisse Ähnlichkeit konnte ich feststellen, aber keine weiteren Belege finden.

    The Southern Death Cult ist mit Fatman vertreten. Die Gothic-Rock-Band um Sänger Ian Astbury ist vielleicht Rekordhalterin im Namenswechsel, denn die Nachfolgecombo nannt Astbury Death Cult, was kurz darauf auf The Cult verkürzt wurde. Angeblich, weil man mit dem „Death“ im Namen Probleme beim erwünschten Erfolg in den USA vermutete. The Southern Death Cult trat mit Bands wie Sex Gang Children, UK Decay und Bauhaus auf und trennte sich 1983.

    The Birthday Party mit Nick Cave konnten mit ihrer Goth-Hymne Release The Bats nur die Indie-Charts stürmen, die Fledermäuse landeten dort auf Platz 3. Die Australier waren 1980 nach England gekommen. Im selben Jahr hatte Pete Burns Nightmares In Wax in Dead Or Alive umbenannt und als erste Single unter diesem Namen I’m Falling veröffentlicht. A Flock Of Seagulls debütierten mit (It’s Not Me) Talking und der auffälligen Frisur ihres Sängern Mike Score, musikalisch besticht das Wave-Gitarrenspiel des damals 19-jährigen Paul Reynolds, das er später noch perfektionierte. Die Virgin Prunes sind mit einem Song ihrer zweiten EP vertrete, In The Greylight.

    The Indie Scene 82

    1982 war laut Booklet-Text für die Indie-Labels eine schwere Zeit, denn die großen Plattenfirmen erkannten das Potential auch und begannen, ihre eigenen „Indie-Labels“ zu gründen. Natürlich mit mehr Budget und den damit verbundenen besseren Vertriebsmöglichkeiten und Radioeinsätzen. Dennoch brachte das Jahr einige brilliante Indie-Produktionen hervor, wie Night & Day von Everything But The Girl, eine Coverversion der Cole Porter-Ballade (1932), das immerhin in den UK-Single-Charts auf Platz 92 kam. In den Indie-Charts auf Platz 1 landete New Order mit Temptation, das außerdem in den UK-Single-Charts auf Platz 29 stieg. Saturday Night Special, die fünfte Single von Fad Gadget, kam dagegen nur in den Indie-Charts aus Platz 22.

    Aus den USA kamen Wall Of Voodoo mit ihrer Single On Interstate 15. Sie bereicherten die Szene mit ihrem Cowpunk, einem Post-Punk mit Country-Elementen und waren damit vielleicht auch Inspiration für Fields Of The Nephilim. Ihr Sänger Stan Ridgeway verließ die Band 1983 und startete eine Solo-Karriere, die 1986 mit dem Hit Camouflage ihren Höhepnkt erreichte.

    Stiv Bators (The Dead Boys) hatte 1981 mit ehemaligen Mitgliedern von u. a. The Damned und Sham 69 die Supergroup The Lords Of The New Church gegründet. Mit Open Your Eyes veröffentlichten sie ihre zweite Single, die Platz 27 in den US-Billboard-Charts erreichte sowie Platz 7 in den UK-Indie-Charts. The Lords Of The New Church vereinten in ihren Songs Punk, Post-Punk, Garage- und Gothic-Rock und haben bis zur ihrer Trennung 1989 noch einige weitere Szene-Klassiker geschaffen.

    Aprospos „Szene-Klassiker“, der Pagan Lovesong von Virgin Prunes fällt auch in diese Kategorie und der bekannteste Song der Toy Dolls, Nellie The Elephant, die vielleicht den Fun-Punk erfunden haben. Das Lied ist übrigens eine Coverversion eine Kinderliedes aus dem Jahr 1956.

    The Indie Scene 83

    1983 wurde die Indie-Szene von einer Maxi-Single überstrahlt, die bis heute die erfolgreichste 12-Inch aller Zeiten ist: Blue Monday von New Order. Dabei hat ist die Plattenfirma Factory Records fast bankrott gegangen, weil das Cover in Form einer Floppy-Disk ausgeschnitten war, was sehr kostspielig war. In den Indie-Charts belegte Blue Monday natürlich den 1. Platz, in den UK-Single-Charts Platz 9. Ein weiterer Chartstürmer in diesem Jahr war Everything Counts von Depeche Mode, das in den UK-Single-Charts sogar auf Platz 6 kam, in Deutschland auf 23. Der ehemalige Depeche Mode-Mastermind Vince Clarke war gleich mit zwei Bands vertreten, Yazoo (Nobody’s Diary aus der Feder von Alison Moyet) und The Assembly (Never Never), seinem kurzlebigen Projekt mit Feargal Sharkey, dem ehemaligen Sänger von The Undertones. Nobody’s Diary schaffte Platz 3 in den UK-Single-Charts (Deutschland 18), Never Never lag jeweils einen Platz dahinter.

    Außerdem erwähnenswert finde ich das A-Capella-Stück It’s A Fine Day von Jane, einem One-Hit-Wonder. Das Lied wurde auch gecovert und remixed, das Original besteht aber wirklich nur aus der Stimme von Jane Lancaster, die ansonsten nicht musikalisch tätig war. Wall Of Voodoo hatten mit Mexican Radio ihren größten Hit, der ihnen auch den Status „One-Hit-Wonder“ einbrachte, weil er als einzige ihrer Singles in die US-Top100 kam.

    Great Expectations war die zweite Single von New Model Army, die als eine der wenigen Bands ihre Karriere bis heute fortgesetzt haben. Für The Birthday Party war dagegen kurz nach Veröffentlichung der EP The Bad Seed mit dem Song Sonny’s Burning Schluss, Nick Cave gründete u. a. mit Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten) Nick Cave And The Bad Seeds, andere Birthday Party-Mitglieder schufen Crime & The City Solution und These Immortal Souls.

    The Indie Scene 84

    New Model Army schafften es 1984 mit ihrer dritten Single The Price auf Platz 1 der UK-Indie-Charts und 98 der UK-Single-Charts. Nick Cave war 1983 nach West-Berlin und coverte 1984 In The Ghetto von Elvis Presley. Ob die Songauswahl mit seinem Wohnortwechsel zusammenhing? Sandy Shaw, die 1967 mit Puppet On A String den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewann und ihre Karriere eigentlich 1969 beendete, coverte Hand In Glove von The Smiths.

    Anne Clark schuf mit ihrer ersten Singleauskopplung Our Darkness in dem Jahr ebenso einen Synthie-Pop-Klassiker wie Depeche Mode mit Master & Servant. Mit ihrer zweiten Single Spiritwalker (aus dem Debütalbum Dreamtime) schafften The Cult einen Klassiker des Gothic-Rock.

    Ansonsten finden sich auf diesem Sampler unbekanntere Bands, z. B. die Folk-Punk-Band The Man They Could’t Hang mit The Green Fields of France (No Mans Land), einer Coverversion eines Anti-Kriegs-Liedes aus dem Jahr 1976 von Eric Bogle, der auch den bekannten Folksong And the Band Played Waltzing Matilda geschrieben hat, der u. a. von Joan Baez, The Dubliners und The Pogues gespielt wurde. Ein bekannter Name findet sich allerdings auch noch in einer der Bands, Float Up CP war eine der Bands in der Neneh Cherry sang, bevor sie ihre erfolgreiche Solo-Karriere startete. Leider ist der Song Joy’s Adress nur bei YouTube verfügbar. Der Song vereint Post-Punk mit Ska-, Jazz- und Soul-Elementen.

    The Indie Scene 85

    Die Indie-Szene im Jahr 1985 brachte einige meiner Lieblingslieder hervor, die damals in meiner Stammdisco (Baumgarten, Bistensee) regelmäßig gespielt wurden. Love And Rockets (Bauhaus ohne Peter Murphy) waren mit ihrer Coverversion von Ball Of Confusion (The Temptations) genauso dabei wie The Fall mit Cruiser’s Creek, Billy Bragg mit A New England und The Woodentops mit It Will Come. Hach, diese Erinnerungen.

    Und auch The Man They Couldn’t Hang sind wieder dabei mit Ironmasters, diesmal eine Eigenkomposition, sowie Sonic Youth feat. Lydia Lunch mit Death Valley ’69, einem Song über Charles Manson, und Johnny Thunders & Patti PaladiKittie Whiten mit der Coverversion Crawfish, im Original von Elvis Presley und Kittie White.

    The Indie Scene 86

    Im Jahre 1986 endet unsere Reise durch die britische Independent-Musik, nicht ohne noch ein paar Highlights zu liefern. Pulp ist eine Band, die viele mit der Brit-Pop-Ära in Verbindung bringen, tatsächlich wurde sie schon 1978 von dem damals 15-jährigen Jarvis Cocker und Peter Dalton gegründet. Übrigens war auch Simon Hinkler Mitglied bei Pulp, bevor er bei The Mission einstieg. Das war allerdings vor der Single Little Girl (With Blue Eyes).

    Billy Bragg wird nochmal berücksichtigt, mit seinem wunderschönen Song Levi Stubbs‘ Tears und auch Vince Clarke mit Sometimes von Erasure. The Primitives mochte ich damals auch gerne, ich war sogar ein wenig in Sängerin Tracy Tracy verschossen. Das war Really Stupid, schließlich ist sie blond. 😉

    All About Eve haben auch eine schöne weibliche Stimme zu bieten, Julianne Regan, die vorher Bassisten von Gene Loves Jezebel, Backgroundsängrin bei The Mission und auch mal mit der ehemaligen Schlagzeugerin von Xmal Deutschland, Manuela Zwingmann, in einer Band namens The Swarm war. Zusammen mit Tim Bricheno, der später zu The Sisters Of Mercy ging, gründete sie All About Eve. In The Clouds heißt ihr Beitrag auf dieser Compilation.

    Abschließend möchte ich noch Lee Remick von The Go-Betweens erwähnen, ein Re-Release ihrer ersten Single aus dem Jahr 1978 und Velveteen eine tolle Ballade der Gothic-Rock-Band The Rose Of Avalanche, die zu der Zeit Vorgruppe von The Mission waren und sich 2019 nach 27 Jahren Pause wieder zusammenfanden und 2026 in GB touren.

    Ich hoffe, dass dieser längere DiscogsDienstag interessant war, ich habe natürlich meine persönliche Brille aufgehabt, es waren noch viel mehr Bands und Lieder dabei, als ich hier erwähnt habe. In den Überschriften sind die Discogs-Seiten der CDs verlinkt, dort sind die vollständigen Tracklisten nachzulesen.

    Und falls die Frage aufkommt, warum einige wichtige Bands nicht vorkommen wie The Cure, Siouxsie And The Banshees oder The Sisters of Mercy, das liegt daran, dass die bei Major-Labels untergekommen sind. The Cure waren bei Fiction Records, einem Sub-Label von Polydor, Siouxsie And The Banshees wurden gleich von Polydor unter Vertrag genommen und Mercyful Release von The Sisters Of Mercy wurde zwar von Andrew Eldritch gegründet, aber 1984 von WEA übernommen. Hier hätten zumindest die ersten Singles berücksichtigt werden können, aber ich habe die Compilations schließlich nicht zusammengestellt. 😉

    #Compilation #DarkWave #Discogs #DiscogsDienstag #GothRock #IndiePop #PostPunk #Punk #Sampler
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    #ePA #NieMehrCDU #NieMehrCSU #FriedrichMerz

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  27. I'm listening to a Nick Drake playlist this morning and now I want to watch a Wes Anderson movie.