#openaccessweek2025 — Public Fediverse posts
Live and recent posts from across the Fediverse tagged #openaccessweek2025, aggregated by home.social.
-
Open Access und andere „O’s“ – Ein Thema für die Lehre!
read this article in English
Open Access wird meist im Zusammenhang mit der Publikation von Forschungsergebnissen diskutiert. Doch auch über das Publizieren hinaus ist Open Access in der Hochschullehre ein relevantes Thema. Ein neues Beratungsangebot an der TIB versteht Openness als umfassendes Prinzip wissenschaftlichen Arbeitens und zeigt die Möglichkeiten von Open-Access-Materialien in der (internationalisierten) Lehre auf.
Openness meint freien, uneingeschränkten Zugang zu Wissen sowie kollaboratives Arbeiten und wird im Lehrkontext unter dem Begriff Open Education diskutiert (Bossu & Heck 2020). Seit den frühen 2000ern haben digitale Technologien und Lizenzmodelle wie Creative Commons die Nutzung von Lehrmaterialien grundlegend verändert. Open Education geht über rechtliche Fragen hinaus und steht für einen Kulturwandel im akademischen Selbstverständnis: Forschung und Lehre werden enger zusammen gedacht, demokratische Werte wie Transparenz, Gleichheit, kritisches Denken und Offenheit gezielt an Studierende vermittelt (de Knecht et al. 2021).
Ein Manifest der Universität Utrecht in den Niederlanden benennt vier Dimensionen von Open Education: 1. Open Educational Resources, 2. Open-Science-Kompetenzen, 3. eine offene Wissenschaftsmentalität und 4. Anreize zur Umsetzung und Anerkennung. Im Folgenden zeige ich anhand meiner Beratungserfahrungen im Kontext der europäischen Hochschulallianz EULiST, wie ein solcher Wandel wertebasiert und zugleich pragmatisch gelingen kann.
1. Materialien für Openness: OER
Open Educational Ressources (OER), d.h. frei lizenzierte und damit problemlos nachnutzbare Lehrmaterialien sind ein wichtiger Aspekt der Umgestaltung von Hochschullehre im Sinne von Openness. Sie umfassen Videos, Lehrbücher oder ganze (Selbstlern)Kurse. In der Lehrpraxis werden, je nach Disziplin, auch wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften oder Konferenzbeiträge als Lehrmaterial verwendet, wie die Visualisierung zeigt (Björn/Dölle 2021). Das heißt, bei Lehrmaterialien hängt es allein vom entsprechenden Einsatz und nicht der Form ab, ob sie “educational” sind (Rzadkowski 2025).
Auch aus meiner eigenen Perspektive als Lehrende in der Soziologie verschwimmt der Unterschied zwischen Open Access und OER in der Lehrpraxis. Das an der LUH situierte Projekt VeStor zeigt dass rechtswissenschaftliche Lehrbücher, die im Open Access zur Verfügung stehen, in der Lehre als OER Verwendung finden, ebenso wie in der Rechtspraxis als Open Access Nachschlagewerk.
2. Kompetenzen für Openness: Die „O’s“ von Open Science
Open Science umfasst den freien Zugang zu Publikationen (Open Access), Daten (Open Data), Bildungsmaterialien (OER), Software und Hardware, aber auch Verfahren wie offene Begutachtung (Open Peer Review) und Citizen Science. Alle diese Aspekte können in der Lehre relevant werden und erfordern entsprechende Kompetenzen bei Lehrenden. In projekt- oder forschungsorientierten Kursen dienen Forschungsdaten als Lernmaterial. In flipped-classroom-Formaten oder hybrider Lehre ist frei lizenzierte Software etwa für kollaboratives Arbeiten hilfreich. In MOOCs sind Open-Access-Materialien sogar essenziell (Gadd et al. 2019).
Studierende sollten daher bereits mit Open-Science-Prinzipien vertraut gemacht werden – etwa im Rahmen von Maßnahmen zu allgemeiner Informationskompetenz. So lernen sie, wie sie etwa mit Paywalls umgehen oder Manuskriptversionen von Artikeln nutzen können. Müssen sie im Seminar eigene Materialien, wie Videos produzieren, bietet Open-Source-Software sowie frei lizenziertes Material rechtssichere und kostenlose Möglichkeiten zur Umsetzung.
3. Openness als Teil des Selbstverständnisses
Open Access und andere Open-Science-Praktiken sind kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zur Lösung konkreter didaktischer und rechtlicher Herausforderungen. Lehrende verfolgen Prinzipien der Offenheit nicht vorrangig aus institutioneller Pflicht, sondern im Einklang mit ihren Zielen und ihrem Selbstverständnis als Lehrende. So kann etwa ein Kurs barriereärmer werden, wenn Vorträge aufgezeichnet und als OER bereitgestellt werden, sodass Studierende im eigenen Tempo lernen können. Open-Access-Publikationen ermöglichen eine rechtssichere Nutzung ganzer Bücher – etwa in Lektürekursen – und fördern so einen tiefgründigen und nicht vom Geldbeutel abhängigen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur.
Dies ist ein Weg, um eine offene Wissenschaftsmentalität als Lehrende zu entwickeln und, im Sinne der Autorinnen des Utrechter Manifests auch an Studierende weiterzugeben. Diese können in der Diskussion über Open Science Wissen über die praktischen Arbeitsbedingungen im akademischen System erwerben. Die kritische Reflexion über die Rolle von Wissenschaft und Wissenschaftler*innen in der Gesellschaft, die damit einhergeht, ist dann stärker in die Lehre integriert – ein Aspekt, der in Hochschulcurricula bislang bislang oft nur eine untergeordnete Rolle spielt. Der Vortrag „Das Geschäft mit wissenschaftlichen Informationen“ der am 7. November im Rahmen der Erstsemesterveranstaltungen des Allgemeinen Studierendenausschuss der LUH stattfindet versucht ebenfalls diese Lücke zu füllen.
4. Anerkennung von Openness: Internationalisierung der Lehre als Chance
Im Vergleich zum Publizieren in Open Access erhält der Einsatz offener Praktiken in der Lehre bisher wenig Aufmerksamkeit und Anerkennung durch das Wissenschaftssystem. Dabei zeigt sich im Kontext internationaler Hochschulkooperationen wie der Europäischen Hochschulallianz EULiST ihr konkreter Nutzen: Studierende sollen europaweit flexibel Kurse belegen können – auch ohne formale Einschreibung an der jeweiligen Universität. Doch Zugänge zu Literatur, Lernplattformen oder Kursmaterialien scheitern oft an rechtlichen und infrastrukturellen Hürden, die das Closed-Access-Publizieren mit sich bringt.
Offene Bildungsressourcen (OER) und Open-Access-Materialien bieten hier eine Lösung, da sie ortsunabhängig, rechtssicher und frei zugänglich sind. So lassen sich auch strukturelle Ungleichheiten zwischen Partnerhochschulen reduzieren. Openness kann zudem Ressourcen sparen, etwa wenn Weiterbildungsangebote hochschulübergreifend wiederverwendet werden. Ein Beispiel: Der Kurs „Navigating the World of Open Access Publishing“, angeboten von der TU Wien und der LUH, steht Early-Career Researchers aller EULiST-Partner offen – unkompliziert und ohne Barrieren. Entsprechend positiv wurde auch das Beratungsangebot zu Openness in der Lehre im EULiST Projekt angenommen – ein erster Schritt zu mehr institutioneller Anerkennung für Open Education.
Ein flexibles und individuelles Beratungsangebot
Das Beratungsangebot zu Openness in der Lehre an der TIB verfolgt einen breiten und individuellen Ansatz, so wie hier skizziert. Zunächst wird gemeinsam mit den Lehrenden erarbeitet, in welche Richtung die eigene Lehrveranstaltung weiterentwickelt werden soll. Ausgehend davon werden konkrete Vorschläge unterbreitet, wie Openness als Thema in der eigenen Lehre unterzubringen und/oder frei lizenzierte Lehrmaterialien zu verwenden. Dabei greife ich auf die breite Landschaft an existierenden Angeboten und Services der TIB zum Thema OER (twillo) und Open Access zurück (B!SON, AV Portal, Repositorien). So zeigt sich, dass Openness in der Lehre als Mittel zum Zweck undogmatisch und pragmatisch in der Weiterentwicklung von digitaler und internationaler Hochschullehre eine Rolle spielen kann. DIe TIB trägt mit Beratungsangeboten zu diesem Kulturwandel bei.
Referenzen:
Bossu, Carina, und Tamara Heck. 2020. „Special Issue: Engaging with Open Science in Learning and Teaching“. Education for Information 36 (3): 211–25. https://doi.org/10.3233/EFI-200386.
Gadd, Elizabeth, Chris Morrison, und Jane Secker. 2019. „The Impact of Open Access on Teaching—How Far Have We Come?“ Publications 7 (3): 56. https://doi.org/10.3390/publications7030056.
Knecht, Sicco de, Martijn van der Meer, Loek Brinkman, Manon Kluijtmans, und Frank Miedema. 2021. „RESHAPING THE ACADEMIC SELF CONNECTING EDUCATION & OPEN SCIENCE“. Utrecht University. https://doi.org/10.5281/zenodo.5345573
Rzadkowski, Nora. 2025. „Same Same or Different? OER und juristische Fachdidaktik“. In Von Open Access zu Open Science, herausgegeben von Nikolas Eisentraut und Maximilian Petras. Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG. https://doi.org/10.5771/9783748950318-89.
Beitragsbild: Curriculum Development by Nick Youngson CC BY-SA 3.0 Alpha Stock Images
#LizenzCCBY40INT #OpenEducationalResources #Hochschullehre #EULiST #openness #OpenAccessWeek2025 #OpenAccess
-
Recommendations for Scholarly Publishers and Journal Editors to Mitigate Barriers to Open Access Publishing for Researchers with Weak Institutional Ties
Academic careers are not always linear or predictable. The ideal path, which begins with earning a PhD, followed by a postdoc, and then a smooth transition into a professorship to pursue one’s research interests, is more the exception than the rule. Life circumstances often disrupt academic trajectories. Researchers may experience career brackets due to prolonged parental leave, caring responsibilities, or relocation, including situations where they are forced to move as refugees or displaced scholars. Yet, being not affiliated with a strong institution does not mean they stop conducting and disseminating their research through scholarly journals.
On the other hand, becoming an independent researcher or scholar can be a well-considered choice for some academics, too. Retired researchers may wish to continue their endeavour, while others might find fulfillment as citizen scientists, independent consultants, or researchers contributing to civil society organizations and non-profit institutions.
Regardless of the reasons, it is a fact that rigorous, ethical, and timely research is being conducted outside the walls of traditional universities and research institutions – and it deserves opportunities for dissemination. Yet affiliation-specific barriers often stand in the way.
Affiliation specific barriers to OA publishing for researchers with weak institutional ties
Researchers with weak institutional ties face a range of affiliation-specific barriers, as revealed by the IDAHO project study, conducted by TIB – Leibniz Information Centre for Science and Technology and funded by the Federal Ministry of Research, Technology and Space (BMFTR).
Weakly affiliated researchers/researchers with weak institutional ties – an umbrella term that encompasses a diverse group of individuals who are not affiliated with universities or research institutions, or who choose not to use an affiliation when publishing research articles. This group may include retired researchers, refugee researchers, citizen scientists, researchers conducting studies for civil societies or non-profit organizations, self-employed consultants, writers, as well as independent researchers or scholars who do not identify with the aforementioned categories.
One such barrier occurs when publishers rely on preregistered affiliation databases in their submission systems, which does not allow entering a custom affiliations. For many, this simple restriction can block them from submitting their paper altogether. Another barrier is financial. Independent researchers often cannot access funding, and a lot of citizen science projects receive grants, making article processing charges (APC) a significant obstacle. While APC waivers offered by major publishers might seem like a solution, in practice, researchers with weak institutional ties are frequently excluded from this type of support. These waiver policies are usually tied to a country’s economic status, which means that an independent researcher from Germany, for example, would not be eligible to apply. With the growing number of diamond open access journals, publishing in those would be a viable solution.
Reflecting on those barriers, a set of recommendations for academic publishers and journal editors to mitigate barriers to OA publishing for researchers with weak institutional ties has been developed.
Recommendations for academic publishers and journal editors to mitigate barriers to OA publishing for researchers with weak institutional ties
Recommendation 1. Remove or decrease financial burdens for authors
Publishers and journals should work to remove publishing fees by expanding diamond open access models. Alternatively, they could introduce a tiered or sliding-scale APCs or provide clear, automatic waiver policies. In particular, publishers should ensure that independent researchers have access to fee waivers, regardless of their country of residence
Recommendation 2. Accept and recognize diverse affiliation types
Journals should recognize and accept diverse affiliation types by allowing “independent researcher” and similar options in submission systems.
Recommendation 3. Enhance Multilingual Author Support Systems
Journals should enhance support for authors by offering multilingual submission platforms and professional language editing, making it easier for non-native English speakers to publish. They should also accommodate diverse research outputs, including Indigenous knowledge, oral histories, bilingual texts, and other non-traditional formats.
Recommendation 4. Strengthen Trust, Quality, and Editorial Standards
Journals should train editorial teams to recognize and avoid biases based on institution, geography, language, ensuring independent and lesser-known researchers are evaluated fairly. They should also promote robust peer review, increase transparency by publishing reviewer reports.
Recommendation 5. Streamline and Simplify Submission Workflows
Journals should simplify submission workflows by providing low-bandwidth and mobile-friendly platforms, as well as offline submission options to accommodate researchers with limited internet access. They should also offer author-friendly measures, such as emergency submissions via email, to reduce location-related barriers.
Please find the full recommendations here.
#OpenAccessWeek2025 #IndependentResearchers #OpenAccess #LizenzCCBY40INT #scholarlyCommunication #scholarlyPublishing
-
Open Access in der Quantenphysik
In den 100 Jahren ihres Bestehens hat die Quantenphysik kleinere, größere und bahnbrechende Ergebnisse hervorgebracht, dokumentiert in unzähligen Publikationen. Auch wenn viele davon vermutlich nur einem eher kleinen Kreis verständlich sind, ist es gut und wichtig, wenn diese – sei es für die Öffentlichkeit, sei es für Forschende an finanzschwachen Einrichtungen – frei zugänglich und nachnutzbar sind.
Open Access
Wie hoch ist nun der Open-Access-Anteil der Publikationen aus der Quantenphysik? Eine Suche nach den Topics „Quantum Mechanics and Applications“, „Quantum many-body systems“, „Quantum optics and atomic interactions“, „Quantum Computing Algorithms and Architecture“, „Quantum Information and Cryptography“ und „Quantum chaos and dynamical systems“ in der bibliografischen Datenbank OpenAlex ergibt 406.500 Publikationen, davon sind 41,9 % Open Access. Wenn man den Zeitraum auf die Jahre 2015 bis 2025 einschränkt, beträgt der Open-Access-Anteil 56,5 %. Das ist deutlich höher als der Durchschnitt (23 % bzw. 37,5 %). Was die Verteilung nach Open-Access-„Farben“ betrifft, sind laut OpenAlex 66 % der Open-Access-Publikationen im grünen Weg (als Zweitveröffentlichung oder Preprint) erschienen, 15 % im Gold Open Access, also also frei zugängliche Erstveröffentlichung, der Rest wird einem der anderen Wege (Bronze, Hybrid, Diamond) zugeordnet.
Grün …
Der hohe Anteil des grünen Open Access ist kein Zufall, wie in anderen Gebieten der Physik spielt der Preprint-Server arXiv eine zentrale Rolle. Der Bereich Quantum Physics (quant-ph) auf arXiv existiert seit Dezember 1994. Waren es im gesamten Jahr 1995 gerade einmal 332 Dokumente, werden inzwischen monatlich über 1.000 Preprints hochgeladen, im September 2025 wurde der bisherige Höchststand mit 1432 Dokumenten erreicht.
Die Entwicklung der Uploads in quant-ph von 2022 bis 2025 (Quelle: arXiv)… und Gold
Auch der goldene Weg wird in der Quantenphysik zunehmend beschritten, der Anteil an Gold Open Access am gesamten Publikationsaufkommen ist von 8 % im Jahr 2015 auf 20 % im Jahr 2024 gestiegen. Das Directory of Open Access Journals (DOAJ) findet mit dem Schlagwort „quantum“ genau 50 Zeitschriften. Ein positiv hervorzuhebendes Beispiel ist die seit 2017 erscheinende Zeitschrift Quantum. Diese wurde aus der Community heraus gegründet aufgrund der Unzufriedenheit mit traditionellen, gewinnorientierten und auf den Impact Factor fokussierten Publikationsmodellen. Quantum ist ein arXiv-Overlay-Journal, das die Infrastruktur von arXiv für die Einreichung nutzt und damit einfach und kostengünstig ist. Quantum verlangt Gebühren (APCs), diese sind aber deutlich niedriger als bei anderen Zeitschriften und die Zeitschrift ist sehr transparent bezüglich ihrer Finanzen. Quantum hat im übrigen mittlerweile einen relativ hohen Impact factor, die Zeitschrift wirbt damit aber nicht auf ihrer Website.
OA und der Nobelpreis für Physik 2025
Aus aktuellem Anlass, der Bekanntgabe der Preisträger des Nobelpreises für Physik 2025, der an John Clarke, Michel H. Devoret und John M. Martinis „for the discovery of macroscopic quantum mechanical tunnelling and energy quantisation in an electric circuit“ geht, hier noch eine Auswertung der OA-Affinität dieser drei Quantenphysiker: OpenAlex liefert für die Paper der Autoren einen Open-Access-Anteil von (leider nur) 30% plus minus über alle Jahre, für die neueren Publikationen (seit 2021) steigt er aber auf über 60%. Interessant ist die Analyse der am häufigsten zitierten Artikel: Sowohl bei Michel H. Devoret (mit mehr als 3.000 Zitierungen) als auch bei John M. Martinis (über 2800 Zitierungen) sind diese auch im Open Access verfügbar. Nur bei John Clarke (mehr als 1.900 Zitierungen) ist dieser Artikel Closed. Ob hier der Open-Access-Status eine Einfluss auf die Zahlen hat, ist wahrscheinlich Auslegungssache, dennoch ist es eine interessante Beobachtung.
Beitragsbild: Gerd Altmann CC0, via publicdomainpictures.net
#OpenAccess #arXiv #Quantenphysik #Quantenjahr2025 #OpenAccessJournals #OpenAccessWeek2025 #LizenzCCBY30DE -
Im Rahmen der #OpenAccessWeek2025 spricht heute 17 Uhr Lukasz Dominiak von der Nicolaus Copernicus University über das Thema „Rethinking Ownership“.
Er beleuchtet nicht-kommerzielle Modelle des wissenschaftlichen Publizierens und die Rolle von Open Journal Systems an der NCU. Diese Coffee Lecture ist in Englisch.
Weitere Informationen und den Zoom-Link finden sich hier: https://www.suub.uni-bremen.de/ueber-uns/neues-aus-der-suub/themenwoche-open-access-vom-20-bis-26-oktober-2025/
-
"Who owns our knowledge?" Unter diesem Motto findet vom 20. bis 26. Oktober findet die #Openaccessweek2025 statt. In täglichen virtuellen Coffee Lectures wird eine breiten Themenpalette vorgestellt:
https://www.suub.uni-bremen.de/ueber-uns/neues-aus-der-suub/themenwoche-open-access-vom-20-bis-26-oktober-2025/Gerade referiert Dr. Marcel Wrzesinski von der Charite Berlin zur Thematik "Forschungsevaluation auf dem Prüfstand: Einige Probleme und Alternativen".
-
„Wem gehört unser Wissen?“ – Reflexionen zum Thema der Open Access Week 2025
Das Thema der Open Access Week 2025 lautet „Wem gehört unser Wissen?“ Eine zentrale Frage aus dem Ankündigungstext ist, wie Communities die Kontrolle über das von ihnen produzierte Wissen zurückgewinnen können. Dies beinhaltet auch die Fragen: Wer hat überhaupt Zugang zu Bildung und Forschung? Wer „schafft“ Wissen? Und: Wer (und wer nicht) wird gehört? Auch die zunehmende Rolle von generativen KI-Modellen und ihr Einfluss auf die Generierung und Evaluation von Inhalten werden hier erwähnt.
Folgerichtig war das Motto der Open Access Week auch Thema auf der diesjährigen OASPA Conference, der Jahrestagung der Open Access Scholarly Publishing Association, einer Organisation von Zeitschriften, Verlagen, Infrastrukturen und anderen Stakeholdern, deren Ziel es ist, dass Open Access das vorherrschende Publikationsmodell wird. Hier wurde darüber diskutiert, dass – idealerweise – das Wissen der gesamten Menschheit gehören sollte, und dass Wissenschaftler:innen die „Ingeneur:innen“ dieses Wissens sein könnten. Es wurde aber gleichzeitig festgestellt, dass dieses Ideal den Abgleich mit der Realität nicht standhält: Nicht alle Menschen verfügen über die nötigen Ressourcen bzw. das soziale, kulturelle und ökonomische Kapital, das vorhandene Wissen zu nutzen oder neues Wissen zu schaffen. Diese (globalen) Ungerechtigkeiten (inequities) sind auch Thema eines Reports, den die OASPA bereits Ende 2024 veröffentlicht hat. Allerdings muss in diesem Zusammenhang auch gesagt werden, dass der Anteil an Publikationen die nicht aus dem „globalen Norden“ bzw. „Westen“ stammen, beständig wächst, wie Prof. Wei Yang in seiner Keynote „Enabling 100% open access globally: who has the power and responsibility?“ verdeutlichte (siehe hierzu auch Yang, Wei et al., The Innovation, Volume 6, Issue 3, 100799, https://doi.org/10.1016/j.xinn.2025.100799).
Eine weitere Erkenntnis auf der Konferenz war, dass der globale Norden sich gerade mit neuen disruptions (in Sinne von Änderungen politischer „Gewissheiten“) auseinandersetzen muss, der globale Süden aber zusätzlich zu dieser globalen Dimension oftmals mit ganz direkten Störungen wie dem Nichtvorhandensein von Strom oder Internet konfrontiert ist. Auch das Spannungsverhältnis zwischen Zuschreibung (attribution) und Herkunft (provenance) von Wissen kam zur Sprache. Ganz plakativ: Gehört das Wissen den Forschenden oder den Beforschten? Sollte indigenes Wissen auch offen verfügbar sein oder ist das Risiko einer Kommerzialisierung für diese Gemeinschaften zu groß? Weltweit steht das Konzept „geistiges Eigentum“ aber besonders durch den Einsatz von generativen KI-Modellen vor großen Herausforderungen. Aber auch ganz praktisch stellen KI-Zugriffe technische Herausforderungen für offene Infrastrukturen wie Repositorien dar.
Auch ohne KI-generierte Inhalt steigt das Volumen publizierter Artikel ständig weiter. Aber bedeutet das auch einen Zuwachs an Wissen? Nicht unbedingt. Das Paradigma „Publish or Perish“ gehört weiterhin zum festen Kanon des Wissenschaftsbetriebs und der Publikationsdruck wirkt sich oftmals eher nachteilig auf die Integrität aus, Paper Mills sind z.B. ein wachsendes Problem. So wurde auf der OASPA Conference auch festgehalten, dass Publizieren in mancher Hinsicht zum Selbstzweck geworden ist und dass wissenschaftliche Zeitschriften teils nur noch zum Publizieren und nicht mehr zum Lesen existieren.
Man könnte nun also die „ketzerische“ Frage stellen, ob die Kontrolle über Publikationen jemals in der Hand der wissenschaftlichen Communities lag oder – zumindest in den letzten Jahrzehnten – nicht eher in der Hand derer, die wissenschaftlichen Output bewerten. So ist dann „Research Assessment“ auch ein wiederkehrendes Thema auf jeder Tagung, die sich mit dem wissenschaftlichen Publizieren auseinandersetzt. Seit Jahren. Aktuell beststeht allerdings Hoffnung, dass sich durch das Engagement verschiedener Stakeholder in der Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) in diesem Feld mehr bewegt als durch ältere Initiativen wie z.B. DORA.
Der „Impact“ von Publikationsorganen spielte dieses Jahr aber auch in einem ganz anderen Rahmen eine Rolle – beim Vorschlag der Leopoldina zur direkten Finanzierung und Evaluation wissenschaftlicher Zeitschriften. Hierzu verweist die Fokusgruppe scholar-led.network des open-access.network in ihrer Replik zum Diskussionspapier allerdings zurecht darauf, dass die Art von „Impact“ die zur Evaluation dienen soll, nicht alle Disziplinen gleichermaßen betrifft. Womit wir vielleicht doch wieder bei der Kontrolle durch wissenschaftliche Communities angelangt wären.
Die OASPA Conference fand dieses Jahr in Leuven statt. Die Universität Leuven feiert dieses Jahr ihr 600-jähriges Bestehen und blickt somit auf eine lange Geschichte der Wissensvermittlung und -generierung zurück. Die Bibliothek der Uni Leuven spielt mit ihrem FAIR Open Access Fund eine Vorreiterrolle in Bezug auf Open-Access-Finanzierung: Die Finanzierung von Article Processing Charges ist ausgeschlossen, Book Processing Charges werden nur unter bestimmten Bedingungen übernommen. Auch nimmt die Bibliothek nicht an sogenannten Transformative Agreements teil, sondern beteiligt sich an konsortialer Finanzierung von Diamond-Open-Access-Zeitschriften und Infrastrukturen.
Zum Abschluss noch die Frage: Was ist eigentlich Wissen? Sicherlich nicht nur die in wissenschaftlichen Artikel beschriebene Forschung, sondern auch Inhalt von Daten, Software, Instrumenten, Protokollen, Gutachten usw. Der Anteil an Open-Access-Artikeln mag mittlerweile bei über 50% liegen, und das ist eine tolle Errungenschaft, der Zugang zu Wissen im Sinne von Open Science dürfte leider noch weit darunterliegen. Es bleibt also weiterhin viel zu tun, unabhängig davon wem das Wissen gehört.
-
Open Access Week is nearly here! 🕙 We're excited to be participating with fellow @oipassoc.bsky.social members in the upcoming OIPA symposium as part of this year's #OpenAccessWeek2025. 🎟️ Tues 21 Oct | 13:30-16:00 BST | Online oipauk.org/news-events-... #OpenAccess #OAWeek #AcademicPublishing
Event: OIPA Symposium 2025