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#rolfmutzenich — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #rolfmutzenich, aggregated by home.social.

  1. Aachen: Armin Laschet kritisiert FDP-Politikerin scharf

    Streit über US-Truppenabzüge „An Niedertracht nicht zu überbieten“: Armin Laschet teilt aus 05.05.2026 – 11:05 UhrLesedauer: 2 Min.…
    #Aachen #Deutschland #Deutsch #DE #Schlagzeilen #Headlines #Nachrichten #News #Europe #Europa #EU #100791428 #ArminLaschet #CDU #FDP #Germany #Marie-AgnesStrack-Zimmermann #Mützenich #Niedertracht #Nordrhein-Westfalen #RolfMützenich #Russland #SPD #T-Online
    europesays.com/de/995884/

  2. Für seine Äußerungen zum Irankrieg erntete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier scharfe Kritik aus der Union. SPD-Politiker stellen sich jetzt hinter ihn. Und auch Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer springt dem Staatschef bei.#Politik #Deutschland #KriegzwischenIsraelundIran #Iran #SPD #RolfMützenich #FriedrichMerz #JensSpahn
    (S+) SPD nimmt Bundespräsident Steinmeier gegen Angriffe aus der Union in Schutz (Kopie)
  3. Die Äußerungen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Irankrieg sorgen für Zwist in der Koalition. Die Union kritisierte den Staatschef scharf, SPD-Politiker stellen sich jetzt hinter ihn.#Politik #Deutschland #KriegzwischenIsraelundIran #Iran #SPD #RolfMützenich #FriedrichMerz #JensSpahn
    (S+) SPD nimmt Bundespräsident Steinmeier gegen Angriffe aus der Union in Schutz
  4. Der Kreml freut sich über den Kriegsausbruch im Nahen Osten, ist sich Andrij Melnyk sicher. Dafür gebe es mehrere Gründe, sagt Kiews ehemaliger Botschafter in Deutschland. Auch zu früheren Äußerungen, die als undiplomatisch kritisiert wurden, nimmt er Stellung.#Politik #Russland #RolfMützenich #AndrijMelnyk #AngriffaufdieUkraine #Iran #Nahost-Konflikt #Interviews #OlafScholz #Ukraine
    "Wahre Hiobsbotschaft": Melnyk: Konkurrieren bei Waffenkäufen plötzlich mit reichen Golfstaaten
  5. Der Kreml freut sich über den Kriegsausbruch im Nahen Osten, ist sich Andrij Melnyk sicher. Dafür gebe es mehrere Gründe, sagt Kiews ehemaliger Botschafter in Deutschland. Auch zu früheren Äußerungen, die als undiplomatisch kritisiert wurden, nimmt er Stellung.#Politik #Russland #RolfMützenich #AndrijMelnyk #AngriffaufdieUkraine #Iran #Nahost-Konflikt #Interviews #OlafScholz #Ukraine
    "Wahre Hiobsbotschaft": Melnyk: Konkurrieren bei Waffenkäufen plötzlich mit reichen Golfstaaten
  6. Journalismus ist möglich II

    Sogar im Frühprogramm des Deutschlandfunks – meine Vorschläge zum Nachhören

    Ich weiss ja nicht, ob Sies schon wussten, aber es gibt mehr als einen Krieg, in dem massenhaft Unschuldige bombardiert werden. Als Extradienst-Leser*in wissen Sie: hier wird Ihnen jeder Ausweg des Vergessens und des habbichnichgewusst verstellt. Das vorausgeschickt, hier die Klicktipps zum Krieg, über den sich hierzulande alle Medien verbreiten. Nicht alles ist Trash.

    Wie Sie vermutlich auch, habe ich noch fest geschlafen, aber wofür ist dieses Internet denn erfunden worden?

    Gudula Geuther/DLF: UN-Charta: Der Angriff auf den Iran ist nicht durch Völkerrecht gedeckt – Israel und die USA haben ihren Angriff auf den Iran mit dem Recht auf Selbstverteidigung begründet. Artikel 51 der UN-Charta. Ein Argument: Ein Angriff durch den Iran sei zu erwarten gewesen. Doch diese Voraussetzung ist nicht gegeben.” Audio 5min.

    Tobias Armbrüster (Interview)/DLF: SPD-Politiker Mützenich: Merz muss mit Trump über Feuerpause sprechen – Kanzler Friedrich Merz trifft US-Präsident Donald Trump in Washington. Bei den Gesprächen müsse er Fragen des Völkerrechts ansprechen, sagt SPD-Politiker Rolf Mützenich. Insbesondere solle Merz aber eine Feuerpause anregen.” Audio 12min.

    Und als humanistisch-intellektueller Höhepunkt

    Tobias Armbrüster (Interview)/DLF: Revolutionsgarden: Navid Kermani fürchtet brutales Vorgehen gegen iranisches Volk – Schriftsteller Navid Kermani kritisiert, dass friedliche Mittel gegen den Iran nicht ausgeschöpft wurden. Stattdessen werde nun blind bombardiert. Der Orientalist fürchtet, dass das Regime künftig brutal gegen die eigene Bevölkerung vorgehen wird.” Audio 10min

    Wenn Sie sich entschliessen könnten, eines Tages mal eine medienkompetente Landesregierung zu wählen, dann würde sich der feige Deutschlandfunk vielleicht auch (wieder) trauen, seine Interviews zu transkribieren und nachlesbar online zu stellen.

    WM

    Die unter Ihnen, die sich für Fussball interessieren (alternativ: Weltpolitik) bekommen hier noch einen Bonus:

    Kicker/sid: Spitze gegen Neuendorf: Göttlich legt in WM-Debatte nach und fordert DFB-Positionierung – Oke Göttlich fordert angesichts der aktuellen Kriege und Krisen eine Positionierung des DFB im Hinblick auf die WM 2026 – und erlaubt sich eine Spitze gegen seinen Präsidenten.”

    Wann, wenn nicht jetzt, will der sozialdemokratisch-bräsig geführte DFB diese Debatte denn führen?

  7. Journalismus ist möglich II

    Sogar im Frühprogramm des Deutschlandfunks – meine Vorschläge zum Nachhören

    Ich weiss ja nicht, ob Sies schon wussten, aber es gibt mehr als einen Krieg, in dem massenhaft Unschuldige bombardiert werden. Als Extradienst-Leser*in wissen Sie: hier wird Ihnen jeder Ausweg des Vergessens und des habbichnichgewusst verstellt. Das vorausgeschickt, hier die Klicktipps zum Krieg, über den sich hierzulande alle Medien verbreiten. Nicht alles ist Trash.

    Wie Sie vermutlich auch, habe ich noch fest geschlafen, aber wofür ist dieses Internet denn erfunden worden?

    Gudula Geuther/DLF: UN-Charta: Der Angriff auf den Iran ist nicht durch Völkerrecht gedeckt – Israel und die USA haben ihren Angriff auf den Iran mit dem Recht auf Selbstverteidigung begründet. Artikel 51 der UN-Charta. Ein Argument: Ein Angriff durch den Iran sei zu erwarten gewesen. Doch diese Voraussetzung ist nicht gegeben.” Audio 5min.

    Tobias Armbrüster (Interview)/DLF: SPD-Politiker Mützenich: Merz muss mit Trump über Feuerpause sprechen – Kanzler Friedrich Merz trifft US-Präsident Donald Trump in Washington. Bei den Gesprächen müsse er Fragen des Völkerrechts ansprechen, sagt SPD-Politiker Rolf Mützenich. Insbesondere solle Merz aber eine Feuerpause anregen.” Audio 12min.

    Und als humanistisch-intellektueller Höhepunkt

    Tobias Armbrüster (Interview)/DLF: Revolutionsgarden: Navid Kermani fürchtet brutales Vorgehen gegen iranisches Volk – Schriftsteller Navid Kermani kritisiert, dass friedliche Mittel gegen den Iran nicht ausgeschöpft wurden. Stattdessen werde nun blind bombardiert. Der Orientalist fürchtet, dass das Regime künftig brutal gegen die eigene Bevölkerung vorgehen wird.” Audio 10min

    Wenn Sie sich entschliessen könnten, eines Tages mal eine medienkompetente Landesregierung zu wählen, dann würde sich der feige Deutschlandfunk vielleicht auch (wieder) trauen, seine Interviews zu transkribieren und nachlesbar online zu stellen.

    WM

    Die unter Ihnen, die sich für Fussball interessieren (alternativ: Weltpolitik) bekommen hier noch einen Bonus:

    Kicker/sid: Spitze gegen Neuendorf: Göttlich legt in WM-Debatte nach und fordert DFB-Positionierung – Oke Göttlich fordert angesichts der aktuellen Kriege und Krisen eine Positionierung des DFB im Hinblick auf die WM 2026 – und erlaubt sich eine Spitze gegen seinen Präsidenten.”

    Wann, wenn nicht jetzt, will der sozialdemokratisch-bräsig geführte DFB diese Debatte denn führen?

  8. Macht

    Ein Appell an den Genossen Klingbeil? – Und wo die MedienMacht herkommt und heute sitzt

    Der von mir sehr, sehr geschätzte Genosse Mützenich setzte sich soeben mit dem Begriff der Macht auseinander, wie ihn möglichweise der Bundeskanzler versteht, und wie ihn sinnvollerweise Demokrat*inn*en in Deutschland und der EU verstehen sollten. In meinen Augen tut er das – mal wieder – sehr instruktiv:

    Rolf Mützenich/IPG-Journal: Rückkehr der Machtpolitik – Sozialdemokratische Außenpolitik darf sich nicht auf militärische Stärke verengen – Macht entsteht auch durch Regeln, Institutionen und Kooperation.”

    Um es für verbohrte “Marktwirtschaftler*innen” verständlich zu machen: der Autor beschreibt eine speerangelweite Lücke auf dem Weltmarkt, die die Despoten und Autokraten dieser Welt der*dem zu Füssen legen, die*der weiss damit umzugehen und sie mit politischem Inhalt (und Diplomatie!) zu füllen. Wer beherrscht dieses Handwerk heute noch? Lars Klingbeil? Bärbel Bas? Ich weisses nicht. Und wünsche Rolf Mützenich viel Erfolg bei der Suche.

    Kompakte Geschichte der MedienMacht

    Ich rätsele schon länger, wer sich hinter der Autorenbezeichnung “Danny Patrick Rose” verbirgt. Schreiben kann er (wenn er ein Mann ist). Wenn er eine Frau ist, ist es mir auch recht. Eva C. Schweitzer wird es ja wohl nicht sein, oder? Seiner Fantasie-Biografie glaube ich jedenfalls nur in Teilen.

    Danny Patrick Rose/overton: Die Ellisons und die amerikanischen Medien – Von einem 16-jährigen jüdischen Einwanderer auf Ellis Island bis zum milliardenschweren Medienmogul David Ellison – einem Mann mit direktem Draht ins Weiße Haus.”

    Ein kleines aber relevantes Detail fehlt bei ihm, wahrscheinlich weil er sich wie so viele “nicht für Fussball interessiert”. Der Paramount-Konzern des trumpfreundlichen Ellison-Clans hat sich für die nächsten vier Jahre die wertvollsten TV-Rechte des Profifussballs (der Herren) bei der Uefa-Mafia gesichert: die Champions League. Damit sind sie ein Elefant auf dem europäischen Medienmarkt. Niemand wird sich trauen, den zu jagen.

    Oder doch? Bitte melden, bitte aus der Deckung kommen und sich zeigen. Gegen diese Gangster hilft nur harter Widerstand. “WM-Boykott” ist dagegen wie Kinderzimmer.

  9. Macht

    Ein Appell an den Genossen Klingbeil? – Und wo die MedienMacht herkommt und heute sitzt

    Der von mir sehr, sehr geschätzte Genosse Mützenich setzte sich soeben mit dem Begriff der Macht auseinander, wie ihn möglichweise der Bundeskanzler versteht, und wie ihn sinnvollerweise Demokrat*inn*en in Deutschland und der EU verstehen sollten. In meinen Augen tut er das – mal wieder – sehr instruktiv:

    Rolf Mützenich/IPG-Journal: Rückkehr der Machtpolitik – Sozialdemokratische Außenpolitik darf sich nicht auf militärische Stärke verengen – Macht entsteht auch durch Regeln, Institutionen und Kooperation.”

    Um es für verbohrte “Marktwirtschaftler*innen” verständlich zu machen: der Autor beschreibt eine speerangelweite Lücke auf dem Weltmarkt, die die Despoten und Autokraten dieser Welt der*dem zu Füssen legen, die*der weiss damit umzugehen und sie mit politischem Inhalt (und Diplomatie!) zu füllen. Wer beherrscht dieses Handwerk heute noch? Lars Klingbeil? Bärbel Bas? Ich weisses nicht. Und wünsche Rolf Mützenich viel Erfolg bei der Suche.

    Kompakte Geschichte der MedienMacht

    Ich rätsele schon länger, wer sich hinter der Autorenbezeichnung “Danny Patrick Rose” verbirgt. Schreiben kann er (wenn er ein Mann ist). Wenn er eine Frau ist, ist es mir auch recht. Eva C. Schweitzer wird es ja wohl nicht sein, oder? Seiner Fantasie-Biografie glaube ich jedenfalls nur in Teilen.

    Danny Patrick Rose/overton: Die Ellisons und die amerikanischen Medien – Von einem 16-jährigen jüdischen Einwanderer auf Ellis Island bis zum milliardenschweren Medienmogul David Ellison – einem Mann mit direktem Draht ins Weiße Haus.”

    Ein kleines aber relevantes Detail fehlt bei ihm, wahrscheinlich weil er sich wie so viele “nicht für Fussball interessiert”. Der Paramount-Konzern des trumpfreundlichen Ellison-Clans hat sich für die nächsten vier Jahre die wertvollsten TV-Rechte des Profifussballs (der Herren) bei der Uefa-Mafia gesichert: die Champions League. Damit sind sie ein Elefant auf dem europäischen Medienmarkt. Niemand wird sich trauen, den zu jagen.

    Oder doch? Bitte melden, bitte aus der Deckung kommen und sich zeigen. Gegen diese Gangster hilft nur harter Widerstand. “WM-Boykott” ist dagegen wie Kinderzimmer.

  10. Trump-Astrologie oder Analyse?

    Entscheiden Sie selbst – Lesenswertes von den Sozis, und über sie

    Leuten wie mir ist die Irrläuferei der SPD eine olle Kamelle. Der SPD im Ruhrgebiet sowieso. So viel Lernresistenz haben ich noch von keinem anderen menschlichen Organismus erlebt. Insofern reissen mich die Erkenntnisse von Antonia Groß/MDR-Altpapier von keinem Hocker mehr, entlocken mir allenfalls ein “Siehste!”. Aber Recht hat sie.

    Vom Verweigerer zum Straftäter? – Die Stigmatisierung von Sozialgeldbeziehern hat viele Facetten. Wurden sie kürzlich noch als sogenannte Totalverweigerer inszeniert, wird eine ganze Gruppe jetzt mit Betrug assoziiert. Im Kontext der “Stadtbild”-Debatte ist das fatal.”

    Ebenso Recht hat ein bis vor kurzem noch führender Sozi, der das gegenwärtige kleine Einmaleins der Atomkriegsgefahren präsentiert, die nach meinem Gefühl den meisten Jüngeren in den demokratischen Parteien gedanklich nicht mehr wirklich präsent sind: Rolf Mützenich/IPG-Journal: Das neue nukleare Zeitalter – Atomwaffen erleben ein gefährliches Comeback. Ohne neue Rüstungskontrolle droht der Welt ein atomares Armageddon.”

    Zur Überschrift veranlasst haben mich die folgenden beiden Texte.

    Christos Katsioulis/IPG-Journal: Zweite Geige, eigener Einsatz – Europa muss für einen Ukraine-Friedensdeal eine aktivere Rolle finden – und Trump am Ende doch die Bühne überlassen.”

    Marco Bitschnau/IPG-Journal: Heute hü, morgen hott – Trumps Außenpolitik wirkt erratisch, folgt aber klaren Interessen. Sein Verhandlungsansatz öffnet Türen, an denen klassische Diplomatie oft scheitert.”

    Beiden muss mann nicht zustimmen. Tatsache ist aber, dass sie auch nur das kleine Einmaleins des (aussen-)politischen Handwerks behandeln, das hierzulande vom Aussterben bedroht ist. Daran ist die SPD so wenig unschuldig, wie meine eigene Partei. Und mein Wohlbefinden attackiert das weit mehr, als das bösartige Agieren der politischen Gegner*innen, denen so freie Bahnen gewährt werden.

  11. Trump-Astrologie oder Analyse?

    Entscheiden Sie selbst – Lesenswertes von den Sozis, und über sie

    Leuten wie mir ist die Irrläuferei der SPD eine olle Kamelle. Der SPD im Ruhrgebiet sowieso. So viel Lernresistenz haben ich noch von keinem anderen menschlichen Organismus erlebt. Insofern reissen mich die Erkenntnisse von Antonia Groß/MDR-Altpapier von keinem Hocker mehr, entlocken mir allenfalls ein “Siehste!”. Aber Recht hat sie.

    Vom Verweigerer zum Straftäter? – Die Stigmatisierung von Sozialgeldbeziehern hat viele Facetten. Wurden sie kürzlich noch als sogenannte Totalverweigerer inszeniert, wird eine ganze Gruppe jetzt mit Betrug assoziiert. Im Kontext der “Stadtbild”-Debatte ist das fatal.”

    Ebenso Recht hat ein bis vor kurzem noch führender Sozi, der das gegenwärtige kleine Einmaleins der Atomkriegsgefahren präsentiert, die nach meinem Gefühl den meisten Jüngeren in den demokratischen Parteien gedanklich nicht mehr wirklich präsent sind: Rolf Mützenich/IPG-Journal: Das neue nukleare Zeitalter – Atomwaffen erleben ein gefährliches Comeback. Ohne neue Rüstungskontrolle droht der Welt ein atomares Armageddon.”

    Zur Überschrift veranlasst haben mich die folgenden beiden Texte.

    Christos Katsioulis/IPG-Journal: Zweite Geige, eigener Einsatz – Europa muss für einen Ukraine-Friedensdeal eine aktivere Rolle finden – und Trump am Ende doch die Bühne überlassen.”

    Marco Bitschnau/IPG-Journal: Heute hü, morgen hott – Trumps Außenpolitik wirkt erratisch, folgt aber klaren Interessen. Sein Verhandlungsansatz öffnet Türen, an denen klassische Diplomatie oft scheitert.”

    Beiden muss mann nicht zustimmen. Tatsache ist aber, dass sie auch nur das kleine Einmaleins des (aussen-)politischen Handwerks behandeln, das hierzulande vom Aussterben bedroht ist. Daran ist die SPD so wenig unschuldig, wie meine eigene Partei. Und mein Wohlbefinden attackiert das weit mehr, als das bösartige Agieren der politischen Gegner*innen, denen so freie Bahnen gewährt werden.

  12. “Geisterdebatte”

    Die „Geisterdebatte“ um Sicherheitsgarantien für die Ukraine

    Es war Wolodymyr Selenskyi, der auf dem Treffen „der Willigen“ mit US-Präsident Trump im Weißen Haus in Washington am 18. September 2025 das Thema „Sicherheitsgarantien“ ins Gespräch brachte. Der Selenskyi-Begleitschutz der Europäer sekundierte ihm. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprachen bei den Sicherheitsgarantien von „Artikel 5 (Nato-Vertrag) ähnlichem“ Beistand. Der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der Trump am meisten schmeichelt, soll – um vom heiklen Gespräch über Gebietsabtretungen abzulenken – gleichfalls diese Option angesprochen haben. Der französische Präsident Emmanuel Macron stellt „Rückversicherungskräfte“ nicht an der Front, sondern zur See, in der Luft und an Land in Aussicht. Der englische Premier Keir Starmer hatte schon anfangs des Jahres seine Bereitschaft erklärt, „eigene Truppen“ in der Ukraine einzusetzen.

    Auf die Frage welche Garantien sein Land haben müsse, soll Selenskyi knapp geantwortet haben „alles“.

    In einer Randbemerkung von US-Präsident Donald Trump in der Runde soll dieser die Entsendung von US-Bodentruppen nicht ausgeschlossen haben. Damit hatte er die große Hoffnung der Europäer zunächst erfüllt, der britische Premier Keir Starmer sprach sogar von einem „Durchbruch“ und der NATO-Generalsekretär Mark Rutte war – wie üblich – über Trump regelrecht begeistert und nannte es einen „großen Schritt“.

    Allerdings ruderte Trump kurz nach dem Treffen auf seiner Plattform Truth Social wieder zurück, schloss Bodentruppen aus und schrieb, dass er vor allem die Europäer in der Pflicht sehe und diese „in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten“ handeln werden. Europa müsse den „größten Teil“ schultern (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13) – allenfalls aus der Luft könnten die Amerikaner helfen und in seiner großmäuligen Art fügte er hinzu, niemand in Europa verfüge ja über eine solche Ausrüstung wie die USA. „Putin ist kriegsmüde“ urteilte der amerikanische Präsident. Außenminister Marco Rubio solle die Details ausarbeiten und mit den Sicherheitsberatern aus Berlin, London und Paris konkrete Vorschläge für Sicherheitsgarantien ausarbeiten. Solche Gespräche wurden inzwischen im Nordatlantikrat aufgenommen.

    Beim US-Sender Fox News meinte Trump schließlich, insbesondere Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollten Bodentruppen – oder wie es beschönigend heißt: „boots on the ground“ – entsenden. Schon im Februar dieses Jahres ließ der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei seinen NATO-Kollegen anfragen: „Wäre ihr Land bereit, eigene Truppen in der Ukraine einzusetzen?

    Damals hatte die Bundesregierung den Fragebogen nicht ausgefüllt.

    Wie reagierten der Kanzler und die Bundesregierung?

    Während Friedrich Merz noch als Oppositionsführer Spekulationen über die Entsendung von Bundeswehrsoldaten als „unverantwortlich“ kritisierte, soll er nun als Kanzler, der ja eine Führungsrolle in Europa beansprucht und um das Wohlgefallen Trumps nicht zu gefährden, in Washington zum Thema Sicherheitsgarantien angemerkt haben, dass diese „eine sehr lange und intensive Diskussion erfordert“ hätten. Merz fügte hinzu: „Völlig klar ist, dass sich ganz Europa daran beteiligen sollte“ und Deutschland dabei „ein hohes Interesse und eine hohe Verantwortung“ trage. In welchem Umfang, das müsse man in Europa besprechen und das werde er natürlich auch mit der Koalition in Berlin zu beraten haben.

    Eine eher beiläufige Bemerkung des Kanzlers vor der Presse – nach dem Treffen im Weißen Haus – löste zumal in Deutschland eine heftige Debatte über die Entsendung deutscher Soldaten in die Ukraine aus. Als Teil von solchen Sicherheitsgarantien nach einem Ende der Kämpfe wolle er nun einen bewaffneten Einsatz „bis hin zu der Frage, ob wir hier möglicherweise mandatspflichtige Beschlüsse zu fassen haben“.  „Mandatspflichtig“ heißt konkret, da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, dass der Bundestag einem bewaffneten Einsatz deutscher Streitkräfte außerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzes zustimmen müsste. (§ 1 Abs. 2 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes v. 18. März 2005)

    Der Regensburger Politikwissenschaftler Stephan Bierlin geht da noch einen Schritt weiter als der Kanzler und meinte, wir Deutschen hätten uns mit dem Parlamentsvorbehalt selbst ein Korsett angelegt. Da es sich um eine kollektive Friedenssicherungsmission handeln könne, wäre ein Bundestagsmandat nicht unbedingt erforderlich. (Im Interview mit der Welt v. 21.08.2025, S. 3)

    Der Kanzler stellte also einen bewaffneten Einsatz in den Raum und gerade so als hätten alle auf das Stichwort „bewaffneter Einsatz“ gewartet, hat er damit eine heftige innenpolitische Diskussion losgetreten.

    Präsident Trump: „Es gibt keinen Deal, bevor der Deal nicht fertig ist“ (Tagesschau, 16.8.25)

    Dabei weiß derzeit niemand, ob es überhaupt zu einem von Trump angestoßenen bilateralen Treffen von Selenskyi und Putin kommt. Lawrow sagte, es sei noch gar kein Termin geplant (Berliner Zeitung v. 23./24.08.2025, S. 2) und man brauche eine solide Vorbereitung.

    Noch ungewisser ist, ob danach noch ein Dreiertreffen mit Trump stattfinden wird.

    Reine Spekulation ist, ob sich Putin bei diesen Verhandlungen auf ein Friedensabkommen einlassen wird.

    Unbestritten ist, dass sich die Frage nach Sicherheitsgarantien erst stellt, wenn überhaupt eine Aussicht wenigstens auf einen Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen besteht. Laut „Trendbarometer“ von RTL/ntv rechnen 81 Prozent der Befragten nicht mit einem baldigen Friedensabkommen. Sicher scheint nur zu sein, dass es ohne Sicherheitsgarantien für die Ukraine, ohne dass diese kapitulieren müsste, kein Ende des Krieges geben wird.

    Sicherheitsgarantien wären nach Gebietsabtretungen wohl die am schwierigsten zu lösenden Probleme eines Friedensabkommens. Ob es dann zu einer Stationierung von fremden Truppen kommt oder kommen kann ist somit völlig offen.

    Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten, wie Sicherheitsgarantien aussehen sollten

    Am einfachsten wären Garantien von Seiten der russischen Regierung, mit denen die ukrainische Souveränität als gesichert erklärt wird. Trumps früherer Kumpel als Immobilieninvestor und nunmehr sein Sondergesandter brachte aus Moskau unlängst die überraschende Botschaft mit, Russland wäre bereit, per Gesetz einen erneuten Überfall auf die Ukraine zu verbieten.

    Für Selenskyi und zumindest für die Europäer dürften solche Zusagen wie Hohn klingen. Denn Russland hat mit dem Einmarsch vor mehr als drei Jahren das sog. Budapester Memorandum 1994brutal gebrochen. Darin hatte das Vereinigte Königreich und die USA gemeinsam gegenüber der Ukraine Sicherheitsgarantien als deren Entgegenkommen für einen Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag und als Gegenleistung für die Beseitigung aller Nuklearwaffen auf ihren Territorien gegeben haben. Diese Sicherheitsgarantien haben sich spätestens mit der Annexion der Krim 2014 als leere Versprechen erwiesen. Russland hat dazuhin auch noch den Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine, nachdem ihn die Ukraine schon 2019 aufgekündigt hatte, endgültig militärisch niedergewalzt.

    Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages oder nach einer „ähnlichen“ Regelung?

    Wenngleich Selenskyi stets eine Aufnahme in die NAT0 reklamiert, könnte dieses Misstrauen – wie bei der Sicherheitsgarantie des Budapester Memorandums – auch gegen die Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages durchschlagen. Denn der Beistand muss nicht zwingend militärisch sein, die Bündnisverpflichtung ist vage und nach Abs. 2 an den UN-Sicherheitsrat gebunden, in dem Russland ein Vetorecht hat. Abgesehen davon, haben die USA nach der Amtsübername von Präsident Trump einem NATO-Beitritt einen Riegel vorgeschoben.

    Für eine von Giorgia Meloni, Ursula von der Leyen und Trumps Sondergesandten Steve Wittkoff  ins Gespräch gebrachte dem Art. 5 des NATO-Vertrages „ähnliche“ Regelung, ohne dass die Ukraine vorher in der NATO aufgenommen werden müsste, dagegen dürften auch ähnliche Vorbehalte gelten, wie bei einer formellen Mitgliedschaft.

    Gegen Witkoffs Aussage, dass die russische Regierung einem solchen Kompromiss zugestimmt habe, sprechen die offiziellen Stellungnahmen aus Moskau. Einen solchen NATO-Beitritt „durch die Hintertür“ (wie Johannes Varwick das nennt, siehe der Freitag v. 21.08.2025, S. 1) dürfte Putin, der ja als einen der wichtigsten Gründe für den völkerrechtswidrigen militärischen Angriff auf die Ukraine nannte, nämlich das Vorrücken der NATO bis an russische Grenzen, schon um seiner Gesichtswahrung willen niemals akzeptieren.

    Sicherheitsgarantie aus einer EU-Mitgliedschaft der Ukraine?

    Auch über eine EU-Mitgliedschaft und die im Vertrag von Maastricht beschlossene „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik” (GASP) als mögliche Sicherheitsgarantie wird diskutiert. Ein solcher Beitritt liegt jedoch in weiter Ferne und einige EU-Mitglieder würden sich derzeit auch dagegen sperren, selbst wenn – wie Bloomberg wissen will – Trump den ungarischen Präsidenten Orbán dazu überreden sollte.

    Die Europäer, die nun seit über drei Jahren die Ukraine mit Waffen beliefern und damit eindeutig Partei ergriffen haben, sind aus russischer Sicht als „Friedenswächter“ ohnehin nicht mehr glaubwürdig.

    Alternativen zur Truppenstationierung

    Zur Absicherung der Sicherheit könnten andere Hilfen als die Stationierung von Truppen in Frage kommen, etwa

    • die Bereitstellung von Aufklärungsdaten und Geheimdienstinformationen,
    • weitere Waffenlieferungen an die Ukraine „ohne Einschränkungen“ (wie der neue Regierungssprecher Stefan Kornelius dem Spiegel sagte) oder
    • die Ausbildung ihrer Soldaten in noch größerem Umfang als schon jetzt. (Siehe zum Umfang der bisherigen Zusammenarbeit „Die Partnerschaft: Die geheime Geschichte des Krieges in der Ukraine“.)

    Ein Weg zu mehr Sicherheit für die Ukraine wäre auch der „Stachelschwein-Effekt“, nämlich deren Einheiten an der Front so hochzurüsten, dass Putin vor einem neuen Angriff zurückschreckt.

    Bei seinem Besuch im Weißen Haus schlug Wolodymyr Selenskyj vor, US-Waffen im Wert von 100 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Bezahlen sollen das die Europäer, schreibt die Financial Times unter Verweis auf ein internes Dokument.

    Wer sollte die notwendigen Soldaten und Soldatinnen an der Frontlinie stellen?

    Wenn Truppen, also „Reasurance Forces“, zur Überwachung eines Waffenstillstands in die Ukraine entsandt werden sollten, würden sie dann entlang der Waffenstillstandslinie stationiert werden? Die Ukraine hat eine Frontlinie von 1.200 Kilometer zu verteidigen, um diese zu sichern würden – geschätzt – bis zu 150.000 Soldaten gebraucht. (S. 11 der Studie Modelle zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstandes in der Ukraine, Claudia Major, Aldo Kleemann, so auch die Cindy Wittke-Hohlfeld, Leiterin der Forschungsgruppe Osteuropa des Leibniz-Instituts in Regensburg) Eine derart „gigantische“ Friedenstruppe hält Constanze Stelzenmüller von der Brookings Institution in Washington für eine „Illusion“.

    Es dürfe nicht sein, „immer mehr Aufträge anzunehmen und den Personalkörper (der Bundeswehr) nicht zu stärken“, meint der Wehrbeauftragte.

    Wo so viele Soldatinnen und Soldaten herkommen sollen, ist völlig unklar. Laut „Wall Street Journal“ wäre Frankreich bereit, rund 5.000 Mann zu stellen, und die „Times“ schreibt, dass Großbritannien 3.000 bis 5.000 Soldaten schicken wolle, die allerdings die ukrainische Armee nur ausbilden und nicht als Sicherungstruppe dienen sollen.

    Die Bundeswehr braucht ja schon für Stationierung einer Brigade von 5.000 Bundeswehrangehörigen in Litauen vier Jahre – nämlich von 2023 bis 2027 -, wie sollte ein vergleichbarer Aufbau in einem noch kürzeren Zeitraum gelingen und das in einem Kriegsgebiet?

    Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat Deutschland für die zivile Unterstützung rund 34 Milliarden Euro und für die militärische rund 38 Milliarden Euro geleistet oder für die Zukunft bereitgestellt. Kämen neue langfristige Garantieverpflichtungen noch dazu, dürfte sich dieser Betrag noch vervielfachen. (Berliner Zeitung, v. 21.08.2025 S. 13)

    Truppenkontingente im Hinterland

    Ausländische Truppenkontingente könnten aber auch tiefer im Hinterland gestaffelt sein oder sie kämen nur als Überwacher eines Waffenstillstands ins Land. (So im Leitartikel von Marina Kormbaki, Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 6)

    Wäre Regierung bereit, dass ihre entsendeten Truppen gegen Russland in den Krieg zu ziehen?

    Die Kernfrage, die sich bei jeder Art der Entsendung von Truppen in die Ukraine stellt, wird in der öffentlichen und der politischen Diskussion wohlweislich ausgeklammert, nämlich: Wären die entsendenden Regierungen bereit, für die Ukraine in den Krieg mit Russland zu ziehen?

    Die Antwort in der Bevölkerung dürfte negativ ausfallen. Nach einer aktuellen „Civey“-Umfrage lehnen 51 Prozent der Deutschen eine Beteiligung der Bundeswehr an einer Mission zur Sicherung des Friedens in der Ukraine ab und 42 Prozent halten diese Idee für „eindeutig falsch“. Jedenfalls würde ein öffentlicher Streit ausbrechen, gegen den die Proteste gegen die jeweiligen Waffenlieferungen in die Ukraine nur ein laues Windchen sein würden.

    Würde Putin europäische Truppen akzeptieren?

    Wenn sich Putin überhaupt auf ein Friedensabkommen einlassen sollte, würde er akzeptieren, dass europäische oder Truppen von NATO-Staaten auf dem Territorium der Ukraine stationiert würden?  Das würde all seinen Begründungen für seinen militärischen Angriff widersprechen. Hat er doch gerade das Heranrücken der NATO-Staaten an Russland und die Verhinderung der Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO als wesentliche Gründe für seine „Spezialoperation“ genannt.

    Eine Entsendung von Nato-Truppen könne zu „einer unkontrollierbaren Eskalation des Konflikts mit unvorhersehbaren Folgen führen“, warnte denn auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa schon jetzt. (Siehe dazu Paul-Anton Krüger, Christoph Schult Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 14f.) Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte apodiktisch, „die Präsenz von Truppen aus Nato-Staaten auf ukrainischem Gebiet – unter welcher Flagge auch immer, einschließlich sogenannter Peacekeeper – stellt eine Bedrohung für Russland dar.“ (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13). Lawrow hält „ausländische Interventionen in Teilen der Ukraine“ für „völlig inakzeptabel“. Er verlangt darüberhinaus, dass Sicherheitsvereinbarungen nicht ohne Moskaus Beteiligung ausgearbeitet werden dürften. Verhandlungen ohne Russland führten auf einen „Pfad ins Nirgendwo“.

    Die Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine ist eine „Geisterdebatte“

    Aus vielen Gründen hält der frühere Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, eine Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine für „abwegig“ und „kontraproduktiv“, kurz: für eine „Geisterdebatte“. Die Stationierung westlicher Truppen in der Ukraine sei „aus russischer Sicht mit der Nato-Mitgliedschaft der Ukraine“ gleichzusetzen. Damit würde eine rote Linie Moskaus überschritten. Die Ukraine müsse vielmehr ein „Stachelschwein“ werden, sodass Angriffe für Russland schmerzhaft seien.

    Andererseits will Selenskyi einem Friedensabkommen nur zustimmen (können), wenn er für sein Land Sicherheitsgarantien bekommt.

    Die üblichen Bellizisten sprangen auf das Thema Bodentruppen in die Ukraine natürlich sofort an

    Der überall als Militärexperte gefragte Carlo Masala, der Russlands Angriff auf Estland für den  27. März 2028 vorhersieht, plädierte sofort für „harte Sicherheitsgarantien“ und sagte: „Wenn du, Wladimir Putin, oder dein Nachfolger, es wagt, die Ukraine nochmals anzugreifen, dann befindest du dich im Krieg mit uns.“ Man könne sich nicht damit rühmen, dass man der wichtigste Unterstützer der Ukraine ist und dann in dieser entscheidenden Frage sagen: „Aber daran werden wir uns nicht aktiv in der Ukraine beteiligen. Das ist ein Widerspruch. Den können Sie weder der Ukraine noch dem Rest Europas erklären“.

    Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht Deutschland in einer Führungsrolle, wenn europäische Truppen in der Ukraine stationiert werden, „um Putin die Lust zu nehmen, nach ein paar Jahren Luft holen erneut angreifen zu lassen“.

    Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), sagte dem WDR: „Es geht schon darum, der Ukraine verbindlich zuzusichern und auch militärisch abzusichern, dass für den Fall eines erneuten Angriffs durch Russland die Europäer gemeinsam mit den Truppen der Amerikaner auch bereit sind, einen Angriff zurückzuschlagen… Das bedeutet auch, dass deutsche Soldatinnen und Soldaten nach einem Friedensschluss dazu beitragen müssen, den Frieden langfristig zu sichern“. Die Bundeswehr verfüge über ein breites Spektrum militärischer Fähigkeiten, die zur dauerhaften Stabilisierung des Friedens in der Ukraine beitragen können.

    Auch der Oberst a.D. und CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter setzt einmal mehr aufs Militär und spricht sich für eine Teilnahme der Bundeswehr an einer möglichen Friedensmission in der Ukraine ein: „Dafür ist die Bundeswehr da“ sagte er der Kölnischen Rundschau und fügte hinzu: „Selbstverständlich müsste Deutschland als politisch und wirtschaftlich stärkstes Land in Europa ebenfalls einen Beitrag leisten.“ Allerdings brauche die Bundeswehr wesentlich mehr Personal. Deshalb müsse die Wehrpflicht wieder eingesetzt werden.

    Während die damalige Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen schon Ende letzten Jahres auf einem NATO-Außenministertreffen ohne Not für eine Beteiligung der Bundeswehr in der Ukraine  ansprach, durfte Anton Hofreiter von den Grünen natürlich bei den „Kriegstüchtigen“ nicht fehlen „Europa muss sich darauf vorbereiten, harte Sicherheitsgarantien zu gewährleisten“, sagte er.

    Regierungspolitiker reden um den heißen Brei

    Während der Kanzler einen bewaffneten Einsatz in den Raum stellte, stiftete der CDU-Außenminister Johann Wadephul mit einer Äußerung während seiner Japanreise zunächst Verwirrung: Neben einer Bundeswehrbrigade in Litauen „zusätzlich noch Truppen in der Ukraine stationieren würde uns voraussichtlich überfordern“. Er rückte damit vom Kanzler ab, um dann aber gleich wieder klein beizugeben: Er und die Bundesregierung hätten wiederholt deutlich gemacht, dass robuste Sicherheitsgarantien für die Ukraine gebraucht würden und dass Deutschland dazu Beiträge liefern und Verantwortung übernehmen müsse. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt offen, ob man deutsche Truppen entsenden werde. „Das muss wirklich verhandelt werden“. Letztlich würden Sicherheitsgarantien bedeuten, dass man nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten an der Seite der Ukraine stehe. Dafür schob er die Verantwortung dem Verteidigungsminister zu: Das Weitere müsse Pistorius beantworten.

    Boris Pistorius von der SPD schloss eine Beteiligung der Bundeswehr nicht aus: „Wie ein deutscher Beitrag zu den Sicherheitsgarantien aussehen wird, steht derzeit noch nicht fest…Wir berücksichtigen dabei erst den Verlauf der Verhandlungen, zweitens einen möglichen Beitrag der USA und drittens die Abstimmung mit unseren engsten Partnern“.

    Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil blieb im ZDF-Sommerinterview im Unverbindlichen: „Natürlich müssen wir auch eine Verantwortung übernehmen als Europäer, wenn es um Sicherheitsgarantien geht. (…) Wir sind Europäer und wir sind ein Land, das massiv vorangeht, gerade in Europa. Das ist richtig. Und deswegen auch wir als Deutsche – aber ob das, das ist, was Sie beschrieben haben, ob es darum geht, dass wir die ukrainische Armee ausbilden, ob es um finanzielle Hilfen geht, ob es um andere Fragen geht, das muss dann alles jetzt in den nächsten Tagen geklärt werden“.

    Wer vom Spiegel Kritisches erwartet hatte, wurde wieder einmal enttäuscht, die Leitartiklerin Marina Kormbaki hält es für „richtig, dass Deutschland einen Frieden in der Ukraine auch militärisch absichern müsse…Truppen in der Ukraine wären das stärkste Schutzversprechen des Westens an Kyjiw“. Es sei im deutschen Interesse, sich stark und entschlossen zu zeigen – vor Putin und vor Trump. (Spiegel, v.22.08.2025, S.6)

    Widerstand aus der CDU

    Nur Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich gegen deutsche Bodentruppen in der Ukraine ausgesprochen. „Dass deutsche Soldaten in der Ukraine kämpfen, darf kein Thema sein… Dafür fehlen der Bundeswehr die Voraussetzungen. Man sollte nur so stark auftreten wie man ist“, sagte der CDU-Politiker dem SPIEGEL.

    Viele Aussagen von CDU und Grünen klingen allerdings so, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis deutsche Soldaten in der Ukraine dienen und möglicherweise kämpfen müssen.

    Kritik von der Linken und dem BSW und Demagogie von der AfD

    „Ich halte das für sehr gefährlich, wenn Nato-Truppen und russische Truppen sich an der russisch-ukrainischen Grenze gegenüberstehen“, sagte verteidigungspolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, Ulrich Thoden.

    Der Linken-Chef Jan van Aken, der sich kategorisch gegen einen NATO-Einsatz in der Ukraine ausgesprochen hat, weil er die Gefahr eines „ganz großen Krieges“ sieht. Er brachte stattdessen eine UN-Blauhelmmission ins Gespräch. Er sprach von einer möglichen Beobachtermission im Umfang von 30.000 bis 40.000 Soldaten. Wichtig dabei wäre seiner Ansicht nach, dass sich China beteilige, denn russische Soldaten würden nicht auf chinesische schießen. China würde ein solches UN-Mandat angeblich annehmen. (Siehe Welt am Sonntag v. 24.08.2025 S. 2) Gegen Blauhelmsoldaten spricht allerdings, dass über Einsätze zur Friedenssicherung der UN-Sicherheitsrat entscheiden müsste und dort hat Russland ein Vetorecht.

    Da alle anderen Parteien sich mehr oder weniger mehrdeutig äußern, nutzen BSW und die AfD einmal mehr das offene friedenspolitische Feld für sich. Sahra Wagenknecht schreibt in ihrem neuesten Newsletter: „Deutsche Soldaten an der ukrainisch-russischen Frontlinie? Das wäre nicht nur vollkommen geschichtsvergessen, sondern brandgefährlich! Sollte der Konflikt erneut ausbrechen, wäre Deutschland damit sofort Kriegspartei.“ Wenn man schon die Geschichte bemüht und auf die schlimme Erinnerung an die Invasion der Wehrmacht auch in die Ukraine anspielt, sollte man allerdings nicht übersehen, dass derzeit Russland der Aggressor ist und nicht umgekehrt deutsche Soldaten, wie das während der Nazi-Herrschaft der Fall war.

    Die schon immer russlandfreundliche AfD versucht Jugendliche zu erreichen, die zu 52% gegen die Wehrpflicht sind und veröffentlicht eine demagogisch aufgemachte Fotomontage mit einem verdunkelten Gesicht des Kanzlers und dem Slogan: „Merz will Dich in die Ukraine schicken? Wir nicht!“

    Unterschiedliche und skeptische Stimmen aus der SPD-Fraktion

    Der neue außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Adis Ahmetović meinte vielsagend: „Gleichzeitig sollten wir weder kategorische Zusagen noch Absagen machen. Jede Entscheidung über ein mögliches internationales Engagement muss im Einklang mit unseren Partnern getroffen werden“.

     Ausweichend äußert sich auch der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, bevor über konkrete deutsche Beiträge für Sicherheitsgarantien gesprochen werden könne, sollte man abwarten, ob überhaupt ernst zu nehmende Verhandlungsbereitschaft Russlands bestehe. (Die Welt v. 21.08,2025 S. 1)

    Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch, hält zwar eine militärische Mission für möglich. „Ich werde hier jetzt nichts ausschließen, aber auch nicht in irgendeiner Form sagen: So und so muss es aussehen“, „essentielle“ Voraussetzung für einen Bundewehreinsatz in der Ukraine sei jedoch die Beteiligung der Amerikaner. „Wenn es in irgendeiner Form zu Sicherheitsgarantien kommt, dann ist zentral, dass die Vereinigten Staaten von Amerika dabei sind„.

    Ob für eine solche Beteiligung der USA die von Trump zugesagte Hilfe aus der Luft ausreicht, bleibt eine offene Frage.

    Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich bedauerte, dass es US-Präsident Donald Trump war, der einen diplomatischen Prozess überhaupt erst in Gang gebracht habe und nicht die Europäer. Mützenich plädiert wie der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner für eine verstärkte Einbindung der Vereinten Nationen und wenigstens der OSZE für die Suche nach einer Friedenslösung für die Ukraine bevor man über militärische Beteiligung rede. Hierbei hob Mützenich im Interview mit dem Deutschlandfunk die Bedeutung multilateraler Ansätze hervor, insbesondere nach dem Ukraine-Gipfel in Washington. Er fordert transparente Sicherheitsgarantien und eine parlamentarische Zustimmung für derartige Missionen. „Sie werden ja nicht das Parlament dafür gewinnen können, wenn das Parlament gar nicht weiß, was soll denn letztlich auch die Aufgabe sein“. Natürlich müsse es Sicherheitsgarantien geben, dass sich die Ukraine weiterhin erwehren kann gegen möglicherweise weitere Angriffe Russlands.

    Warum wird eigentlich immer nur über militärische Sicherheitsgarantien diskutiert, warum nimmt man nicht eine Sicherheitsordnung in Europa oder gar in der Welt insgesamt in den Blick?

    Europa hat es bisher sträflich vernachlässigt, eigene Friedensinitiativen zu entwickeln, nun müssen sie dem Wankelmut des US-Präsidenten auch in seiner Politik gegenüber Russland hinterherlaufen. Zwar hatten die Ergebnisse des symbolischen Zusammentreffens in Anchorage zwischen dem amerikanischen und russischen Präsidenten keine konkrete Substanz, aber wenn die Koalition der Willigen schon in jeder Redewendung einen Rettungsanker sucht, warum greift man dann die vagen Ankündigungen Putins über eine „tolle Zusammenarbeit“ und möglicherweise sogar über Rüstungskontrolle nicht auf?

    Rolf Mützenich und Ralf Stegner haben doch recht, wenn sie die Vereinten Nationen oder die OSZE für einen Friedensprozess ins Blickfeld nehmen. Sicherlich herrscht heute ein völlig anderer Geist als zu den Zeiten als im Jahre 1975 die Staats- und Regierungschefs von 35 Ländern in Helsinki die Schlussakte der „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) unterzeichneten.

    Damals wollte die russische UdSSR den Status Quo absichern, während Russland heute eine imperiale Expansion betreibt. Doch die Grundprinzipien der KSZE-Schlussakte und danach der von der OSZE ausgehenden Prozess, nämlich eine Erweiterung des Sicherheitsbegriffs auf Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sowie der schrittweise Aufbau von Vertrauen und der Aufbau eines sicherheitspolitischen Instrumentenkasten, der über das rein Militärische hinausreicht (Oliver Bange, Antagonistische Kooperation, KSZE APuZ v. 12. Juli 2925, S. 09 (17)) bleiben auch heute noch richtig.

    Es müsste dieser erweiterte Sicherheitsbegriff wieder in die internationale Politik Einkehr finden, nämlich dass langfristig Kooperation für alle Staaten vorteilhafter ist, als Unsicherheit und militärische Konfrontation.

    Statt in einer Welt zu leben, in der Macht über dem Recht steht und Bürger und Staaten dem Großmachtspiel von Autokraten ausgesetzt sind, sollte es um kooperative Sicherheit gehen.

    Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat doch nicht unrecht, wenn er eine „europäische Sicherheitsarchitektur“ statt deutscher Soldaten in der Ukraine fordert. Und es ist gewiss nicht falsch, wenn der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn an seine Fraktionsmitglieder schrieb: Bei einem möglichen Friedensabkommen geht es nicht ´nur` um die Ukraine, sondern um die künftige Sicherheitsordnung in Europa“. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen von der CDU pflichtet ihm bei. (Die Welt v. 21.08.2025 S. 3) Solche Ideen scheinen jedoch beim Kanzler und beim Außenminister nicht angekommen zu sein.

    Doch das wäre eine Aufgabe gerade für die Europäer angesichts des Dominanzgebarens von Putin und Trump. (Siehe dazu das Friedensgutachten „Frieden retten“ der Friedensforschungsinstitute 2025) Die Realität war vor dem Beginn des KSZE-Prozesses 1975 von kooperativem Denken genauso weit entfernt wie heute.

    Die Ukraine wird letztlich nur dann sicher sein, wenn es zu einer europäischen Sicherheitsordnung kommt, bei der auch keine Stellvertreter-Kriege mehr geführt werden müssen.

    Wolfgang Lieb ist ein deutscher Jurist und Publizist. Nach dem Studium der Politik und Rechtswissenschaften an der FU Berlin, in Bonn und in Köln arbeitete er in der Planungsabteilung des Kanzleramtes in Bonn(Helmut Schmidt war Kanzler), wechselte als Leiter in das Grundsatzreferat der Landesvertretung NRW in Bonn, war Regierungssprecher des Ministerpräsidenten Johannes Rau und Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium. Zusammen mit Albrecht Müller war Lieb Mitherausgeber und Autor der politischen Website “NachDenkSeiten” und wurde mit dem Alternativen Medienpreis ausgezeichnet. 2015 gab er seine Mitherausgeberschaft wegen unüberbrückbarer Meinungsdifferenzen mit Müller über die redaktionelle Linie des Blogs auf. Heute arbeitet Wolfgang Lieb als freier Autor. Dieser Beitrag erschien zuerst im “Blog der Republik”, hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

    Über Wolfgang Lieb:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  13. “Geisterdebatte”

    Die „Geisterdebatte“ um Sicherheitsgarantien für die Ukraine

    Es war Wolodymyr Selenskyi, der auf dem Treffen „der Willigen“ mit US-Präsident Trump im Weißen Haus in Washington am 18. September 2025 das Thema „Sicherheitsgarantien“ ins Gespräch brachte. Der Selenskyi-Begleitschutz der Europäer sekundierte ihm. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprachen bei den Sicherheitsgarantien von „Artikel 5 (Nato-Vertrag) ähnlichem“ Beistand. Der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der Trump am meisten schmeichelt, soll – um vom heiklen Gespräch über Gebietsabtretungen abzulenken – gleichfalls diese Option angesprochen haben. Der französische Präsident Emmanuel Macron stellt „Rückversicherungskräfte“ nicht an der Front, sondern zur See, in der Luft und an Land in Aussicht. Der englische Premier Keir Starmer hatte schon anfangs des Jahres seine Bereitschaft erklärt, „eigene Truppen“ in der Ukraine einzusetzen.

    Auf die Frage welche Garantien sein Land haben müsse, soll Selenskyi knapp geantwortet haben „alles“.

    In einer Randbemerkung von US-Präsident Donald Trump in der Runde soll dieser die Entsendung von US-Bodentruppen nicht ausgeschlossen haben. Damit hatte er die große Hoffnung der Europäer zunächst erfüllt, der britische Premier Keir Starmer sprach sogar von einem „Durchbruch“ und der NATO-Generalsekretär Mark Rutte war – wie üblich – über Trump regelrecht begeistert und nannte es einen „großen Schritt“.

    Allerdings ruderte Trump kurz nach dem Treffen auf seiner Plattform Truth Social wieder zurück, schloss Bodentruppen aus und schrieb, dass er vor allem die Europäer in der Pflicht sehe und diese „in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten“ handeln werden. Europa müsse den „größten Teil“ schultern (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13) – allenfalls aus der Luft könnten die Amerikaner helfen und in seiner großmäuligen Art fügte er hinzu, niemand in Europa verfüge ja über eine solche Ausrüstung wie die USA. „Putin ist kriegsmüde“ urteilte der amerikanische Präsident. Außenminister Marco Rubio solle die Details ausarbeiten und mit den Sicherheitsberatern aus Berlin, London und Paris konkrete Vorschläge für Sicherheitsgarantien ausarbeiten. Solche Gespräche wurden inzwischen im Nordatlantikrat aufgenommen.

    Beim US-Sender Fox News meinte Trump schließlich, insbesondere Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollten Bodentruppen – oder wie es beschönigend heißt: „boots on the ground“ – entsenden. Schon im Februar dieses Jahres ließ der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei seinen NATO-Kollegen anfragen: „Wäre ihr Land bereit, eigene Truppen in der Ukraine einzusetzen?

    Damals hatte die Bundesregierung den Fragebogen nicht ausgefüllt.

    Wie reagierten der Kanzler und die Bundesregierung?

    Während Friedrich Merz noch als Oppositionsführer Spekulationen über die Entsendung von Bundeswehrsoldaten als „unverantwortlich“ kritisierte, soll er nun als Kanzler, der ja eine Führungsrolle in Europa beansprucht und um das Wohlgefallen Trumps nicht zu gefährden, in Washington zum Thema Sicherheitsgarantien angemerkt haben, dass diese „eine sehr lange und intensive Diskussion erfordert“ hätten. Merz fügte hinzu: „Völlig klar ist, dass sich ganz Europa daran beteiligen sollte“ und Deutschland dabei „ein hohes Interesse und eine hohe Verantwortung“ trage. In welchem Umfang, das müsse man in Europa besprechen und das werde er natürlich auch mit der Koalition in Berlin zu beraten haben.

    Eine eher beiläufige Bemerkung des Kanzlers vor der Presse – nach dem Treffen im Weißen Haus – löste zumal in Deutschland eine heftige Debatte über die Entsendung deutscher Soldaten in die Ukraine aus. Als Teil von solchen Sicherheitsgarantien nach einem Ende der Kämpfe wolle er nun einen bewaffneten Einsatz „bis hin zu der Frage, ob wir hier möglicherweise mandatspflichtige Beschlüsse zu fassen haben“.  „Mandatspflichtig“ heißt konkret, da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, dass der Bundestag einem bewaffneten Einsatz deutscher Streitkräfte außerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzes zustimmen müsste. (§ 1 Abs. 2 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes v. 18. März 2005)

    Der Regensburger Politikwissenschaftler Stephan Bierlin geht da noch einen Schritt weiter als der Kanzler und meinte, wir Deutschen hätten uns mit dem Parlamentsvorbehalt selbst ein Korsett angelegt. Da es sich um eine kollektive Friedenssicherungsmission handeln könne, wäre ein Bundestagsmandat nicht unbedingt erforderlich. (Im Interview mit der Welt v. 21.08.2025, S. 3)

    Der Kanzler stellte also einen bewaffneten Einsatz in den Raum und gerade so als hätten alle auf das Stichwort „bewaffneter Einsatz“ gewartet, hat er damit eine heftige innenpolitische Diskussion losgetreten.

    Präsident Trump: „Es gibt keinen Deal, bevor der Deal nicht fertig ist“ (Tagesschau, 16.8.25)

    Dabei weiß derzeit niemand, ob es überhaupt zu einem von Trump angestoßenen bilateralen Treffen von Selenskyi und Putin kommt. Lawrow sagte, es sei noch gar kein Termin geplant (Berliner Zeitung v. 23./24.08.2025, S. 2) und man brauche eine solide Vorbereitung.

    Noch ungewisser ist, ob danach noch ein Dreiertreffen mit Trump stattfinden wird.

    Reine Spekulation ist, ob sich Putin bei diesen Verhandlungen auf ein Friedensabkommen einlassen wird.

    Unbestritten ist, dass sich die Frage nach Sicherheitsgarantien erst stellt, wenn überhaupt eine Aussicht wenigstens auf einen Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen besteht. Laut „Trendbarometer“ von RTL/ntv rechnen 81 Prozent der Befragten nicht mit einem baldigen Friedensabkommen. Sicher scheint nur zu sein, dass es ohne Sicherheitsgarantien für die Ukraine, ohne dass diese kapitulieren müsste, kein Ende des Krieges geben wird.

    Sicherheitsgarantien wären nach Gebietsabtretungen wohl die am schwierigsten zu lösenden Probleme eines Friedensabkommens. Ob es dann zu einer Stationierung von fremden Truppen kommt oder kommen kann ist somit völlig offen.

    Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten, wie Sicherheitsgarantien aussehen sollten

    Am einfachsten wären Garantien von Seiten der russischen Regierung, mit denen die ukrainische Souveränität als gesichert erklärt wird. Trumps früherer Kumpel als Immobilieninvestor und nunmehr sein Sondergesandter brachte aus Moskau unlängst die überraschende Botschaft mit, Russland wäre bereit, per Gesetz einen erneuten Überfall auf die Ukraine zu verbieten.

    Für Selenskyi und zumindest für die Europäer dürften solche Zusagen wie Hohn klingen. Denn Russland hat mit dem Einmarsch vor mehr als drei Jahren das sog. Budapester Memorandum 1994brutal gebrochen. Darin hatte das Vereinigte Königreich und die USA gemeinsam gegenüber der Ukraine Sicherheitsgarantien als deren Entgegenkommen für einen Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag und als Gegenleistung für die Beseitigung aller Nuklearwaffen auf ihren Territorien gegeben haben. Diese Sicherheitsgarantien haben sich spätestens mit der Annexion der Krim 2014 als leere Versprechen erwiesen. Russland hat dazuhin auch noch den Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine, nachdem ihn die Ukraine schon 2019 aufgekündigt hatte, endgültig militärisch niedergewalzt.

    Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages oder nach einer „ähnlichen“ Regelung?

    Wenngleich Selenskyi stets eine Aufnahme in die NAT0 reklamiert, könnte dieses Misstrauen – wie bei der Sicherheitsgarantie des Budapester Memorandums – auch gegen die Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages durchschlagen. Denn der Beistand muss nicht zwingend militärisch sein, die Bündnisverpflichtung ist vage und nach Abs. 2 an den UN-Sicherheitsrat gebunden, in dem Russland ein Vetorecht hat. Abgesehen davon, haben die USA nach der Amtsübername von Präsident Trump einem NATO-Beitritt einen Riegel vorgeschoben.

    Für eine von Giorgia Meloni, Ursula von der Leyen und Trumps Sondergesandten Steve Wittkoff  ins Gespräch gebrachte dem Art. 5 des NATO-Vertrages „ähnliche“ Regelung, ohne dass die Ukraine vorher in der NATO aufgenommen werden müsste, dagegen dürften auch ähnliche Vorbehalte gelten, wie bei einer formellen Mitgliedschaft.

    Gegen Witkoffs Aussage, dass die russische Regierung einem solchen Kompromiss zugestimmt habe, sprechen die offiziellen Stellungnahmen aus Moskau. Einen solchen NATO-Beitritt „durch die Hintertür“ (wie Johannes Varwick das nennt, siehe der Freitag v. 21.08.2025, S. 1) dürfte Putin, der ja als einen der wichtigsten Gründe für den völkerrechtswidrigen militärischen Angriff auf die Ukraine nannte, nämlich das Vorrücken der NATO bis an russische Grenzen, schon um seiner Gesichtswahrung willen niemals akzeptieren.

    Sicherheitsgarantie aus einer EU-Mitgliedschaft der Ukraine?

    Auch über eine EU-Mitgliedschaft und die im Vertrag von Maastricht beschlossene „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik” (GASP) als mögliche Sicherheitsgarantie wird diskutiert. Ein solcher Beitritt liegt jedoch in weiter Ferne und einige EU-Mitglieder würden sich derzeit auch dagegen sperren, selbst wenn – wie Bloomberg wissen will – Trump den ungarischen Präsidenten Orbán dazu überreden sollte.

    Die Europäer, die nun seit über drei Jahren die Ukraine mit Waffen beliefern und damit eindeutig Partei ergriffen haben, sind aus russischer Sicht als „Friedenswächter“ ohnehin nicht mehr glaubwürdig.

    Alternativen zur Truppenstationierung

    Zur Absicherung der Sicherheit könnten andere Hilfen als die Stationierung von Truppen in Frage kommen, etwa

    • die Bereitstellung von Aufklärungsdaten und Geheimdienstinformationen,
    • weitere Waffenlieferungen an die Ukraine „ohne Einschränkungen“ (wie der neue Regierungssprecher Stefan Kornelius dem Spiegel sagte) oder
    • die Ausbildung ihrer Soldaten in noch größerem Umfang als schon jetzt. (Siehe zum Umfang der bisherigen Zusammenarbeit „Die Partnerschaft: Die geheime Geschichte des Krieges in der Ukraine“.)

    Ein Weg zu mehr Sicherheit für die Ukraine wäre auch der „Stachelschwein-Effekt“, nämlich deren Einheiten an der Front so hochzurüsten, dass Putin vor einem neuen Angriff zurückschreckt.

    Bei seinem Besuch im Weißen Haus schlug Wolodymyr Selenskyj vor, US-Waffen im Wert von 100 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Bezahlen sollen das die Europäer, schreibt die Financial Times unter Verweis auf ein internes Dokument.

    Wer sollte die notwendigen Soldaten und Soldatinnen an der Frontlinie stellen?

    Wenn Truppen, also „Reasurance Forces“, zur Überwachung eines Waffenstillstands in die Ukraine entsandt werden sollten, würden sie dann entlang der Waffenstillstandslinie stationiert werden? Die Ukraine hat eine Frontlinie von 1.200 Kilometer zu verteidigen, um diese zu sichern würden – geschätzt – bis zu 150.000 Soldaten gebraucht. (S. 11 der Studie Modelle zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstandes in der Ukraine, Claudia Major, Aldo Kleemann, so auch die Cindy Wittke-Hohlfeld, Leiterin der Forschungsgruppe Osteuropa des Leibniz-Instituts in Regensburg) Eine derart „gigantische“ Friedenstruppe hält Constanze Stelzenmüller von der Brookings Institution in Washington für eine „Illusion“.

    Es dürfe nicht sein, „immer mehr Aufträge anzunehmen und den Personalkörper (der Bundeswehr) nicht zu stärken“, meint der Wehrbeauftragte.

    Wo so viele Soldatinnen und Soldaten herkommen sollen, ist völlig unklar. Laut „Wall Street Journal“ wäre Frankreich bereit, rund 5.000 Mann zu stellen, und die „Times“ schreibt, dass Großbritannien 3.000 bis 5.000 Soldaten schicken wolle, die allerdings die ukrainische Armee nur ausbilden und nicht als Sicherungstruppe dienen sollen.

    Die Bundeswehr braucht ja schon für Stationierung einer Brigade von 5.000 Bundeswehrangehörigen in Litauen vier Jahre – nämlich von 2023 bis 2027 -, wie sollte ein vergleichbarer Aufbau in einem noch kürzeren Zeitraum gelingen und das in einem Kriegsgebiet?

    Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat Deutschland für die zivile Unterstützung rund 34 Milliarden Euro und für die militärische rund 38 Milliarden Euro geleistet oder für die Zukunft bereitgestellt. Kämen neue langfristige Garantieverpflichtungen noch dazu, dürfte sich dieser Betrag noch vervielfachen. (Berliner Zeitung, v. 21.08.2025 S. 13)

    Truppenkontingente im Hinterland

    Ausländische Truppenkontingente könnten aber auch tiefer im Hinterland gestaffelt sein oder sie kämen nur als Überwacher eines Waffenstillstands ins Land. (So im Leitartikel von Marina Kormbaki, Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 6)

    Wäre Regierung bereit, dass ihre entsendeten Truppen gegen Russland in den Krieg zu ziehen?

    Die Kernfrage, die sich bei jeder Art der Entsendung von Truppen in die Ukraine stellt, wird in der öffentlichen und der politischen Diskussion wohlweislich ausgeklammert, nämlich: Wären die entsendenden Regierungen bereit, für die Ukraine in den Krieg mit Russland zu ziehen?

    Die Antwort in der Bevölkerung dürfte negativ ausfallen. Nach einer aktuellen „Civey“-Umfrage lehnen 51 Prozent der Deutschen eine Beteiligung der Bundeswehr an einer Mission zur Sicherung des Friedens in der Ukraine ab und 42 Prozent halten diese Idee für „eindeutig falsch“. Jedenfalls würde ein öffentlicher Streit ausbrechen, gegen den die Proteste gegen die jeweiligen Waffenlieferungen in die Ukraine nur ein laues Windchen sein würden.

    Würde Putin europäische Truppen akzeptieren?

    Wenn sich Putin überhaupt auf ein Friedensabkommen einlassen sollte, würde er akzeptieren, dass europäische oder Truppen von NATO-Staaten auf dem Territorium der Ukraine stationiert würden?  Das würde all seinen Begründungen für seinen militärischen Angriff widersprechen. Hat er doch gerade das Heranrücken der NATO-Staaten an Russland und die Verhinderung der Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO als wesentliche Gründe für seine „Spezialoperation“ genannt.

    Eine Entsendung von Nato-Truppen könne zu „einer unkontrollierbaren Eskalation des Konflikts mit unvorhersehbaren Folgen führen“, warnte denn auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa schon jetzt. (Siehe dazu Paul-Anton Krüger, Christoph Schult Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 14f.) Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte apodiktisch, „die Präsenz von Truppen aus Nato-Staaten auf ukrainischem Gebiet – unter welcher Flagge auch immer, einschließlich sogenannter Peacekeeper – stellt eine Bedrohung für Russland dar.“ (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13). Lawrow hält „ausländische Interventionen in Teilen der Ukraine“ für „völlig inakzeptabel“. Er verlangt darüberhinaus, dass Sicherheitsvereinbarungen nicht ohne Moskaus Beteiligung ausgearbeitet werden dürften. Verhandlungen ohne Russland führten auf einen „Pfad ins Nirgendwo“.

    Die Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine ist eine „Geisterdebatte“

    Aus vielen Gründen hält der frühere Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, eine Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine für „abwegig“ und „kontraproduktiv“, kurz: für eine „Geisterdebatte“. Die Stationierung westlicher Truppen in der Ukraine sei „aus russischer Sicht mit der Nato-Mitgliedschaft der Ukraine“ gleichzusetzen. Damit würde eine rote Linie Moskaus überschritten. Die Ukraine müsse vielmehr ein „Stachelschwein“ werden, sodass Angriffe für Russland schmerzhaft seien.

    Andererseits will Selenskyi einem Friedensabkommen nur zustimmen (können), wenn er für sein Land Sicherheitsgarantien bekommt.

    Die üblichen Bellizisten sprangen auf das Thema Bodentruppen in die Ukraine natürlich sofort an

    Der überall als Militärexperte gefragte Carlo Masala, der Russlands Angriff auf Estland für den  27. März 2028 vorhersieht, plädierte sofort für „harte Sicherheitsgarantien“ und sagte: „Wenn du, Wladimir Putin, oder dein Nachfolger, es wagt, die Ukraine nochmals anzugreifen, dann befindest du dich im Krieg mit uns.“ Man könne sich nicht damit rühmen, dass man der wichtigste Unterstützer der Ukraine ist und dann in dieser entscheidenden Frage sagen: „Aber daran werden wir uns nicht aktiv in der Ukraine beteiligen. Das ist ein Widerspruch. Den können Sie weder der Ukraine noch dem Rest Europas erklären“.

    Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht Deutschland in einer Führungsrolle, wenn europäische Truppen in der Ukraine stationiert werden, „um Putin die Lust zu nehmen, nach ein paar Jahren Luft holen erneut angreifen zu lassen“.

    Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), sagte dem WDR: „Es geht schon darum, der Ukraine verbindlich zuzusichern und auch militärisch abzusichern, dass für den Fall eines erneuten Angriffs durch Russland die Europäer gemeinsam mit den Truppen der Amerikaner auch bereit sind, einen Angriff zurückzuschlagen… Das bedeutet auch, dass deutsche Soldatinnen und Soldaten nach einem Friedensschluss dazu beitragen müssen, den Frieden langfristig zu sichern“. Die Bundeswehr verfüge über ein breites Spektrum militärischer Fähigkeiten, die zur dauerhaften Stabilisierung des Friedens in der Ukraine beitragen können.

    Auch der Oberst a.D. und CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter setzt einmal mehr aufs Militär und spricht sich für eine Teilnahme der Bundeswehr an einer möglichen Friedensmission in der Ukraine ein: „Dafür ist die Bundeswehr da“ sagte er der Kölnischen Rundschau und fügte hinzu: „Selbstverständlich müsste Deutschland als politisch und wirtschaftlich stärkstes Land in Europa ebenfalls einen Beitrag leisten.“ Allerdings brauche die Bundeswehr wesentlich mehr Personal. Deshalb müsse die Wehrpflicht wieder eingesetzt werden.

    Während die damalige Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen schon Ende letzten Jahres auf einem NATO-Außenministertreffen ohne Not für eine Beteiligung der Bundeswehr in der Ukraine  ansprach, durfte Anton Hofreiter von den Grünen natürlich bei den „Kriegstüchtigen“ nicht fehlen „Europa muss sich darauf vorbereiten, harte Sicherheitsgarantien zu gewährleisten“, sagte er.

    Regierungspolitiker reden um den heißen Brei

    Während der Kanzler einen bewaffneten Einsatz in den Raum stellte, stiftete der CDU-Außenminister Johann Wadephul mit einer Äußerung während seiner Japanreise zunächst Verwirrung: Neben einer Bundeswehrbrigade in Litauen „zusätzlich noch Truppen in der Ukraine stationieren würde uns voraussichtlich überfordern“. Er rückte damit vom Kanzler ab, um dann aber gleich wieder klein beizugeben: Er und die Bundesregierung hätten wiederholt deutlich gemacht, dass robuste Sicherheitsgarantien für die Ukraine gebraucht würden und dass Deutschland dazu Beiträge liefern und Verantwortung übernehmen müsse. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt offen, ob man deutsche Truppen entsenden werde. „Das muss wirklich verhandelt werden“. Letztlich würden Sicherheitsgarantien bedeuten, dass man nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten an der Seite der Ukraine stehe. Dafür schob er die Verantwortung dem Verteidigungsminister zu: Das Weitere müsse Pistorius beantworten.

    Boris Pistorius von der SPD schloss eine Beteiligung der Bundeswehr nicht aus: „Wie ein deutscher Beitrag zu den Sicherheitsgarantien aussehen wird, steht derzeit noch nicht fest…Wir berücksichtigen dabei erst den Verlauf der Verhandlungen, zweitens einen möglichen Beitrag der USA und drittens die Abstimmung mit unseren engsten Partnern“.

    Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil blieb im ZDF-Sommerinterview im Unverbindlichen: „Natürlich müssen wir auch eine Verantwortung übernehmen als Europäer, wenn es um Sicherheitsgarantien geht. (…) Wir sind Europäer und wir sind ein Land, das massiv vorangeht, gerade in Europa. Das ist richtig. Und deswegen auch wir als Deutsche – aber ob das, das ist, was Sie beschrieben haben, ob es darum geht, dass wir die ukrainische Armee ausbilden, ob es um finanzielle Hilfen geht, ob es um andere Fragen geht, das muss dann alles jetzt in den nächsten Tagen geklärt werden“.

    Wer vom Spiegel Kritisches erwartet hatte, wurde wieder einmal enttäuscht, die Leitartiklerin Marina Kormbaki hält es für „richtig, dass Deutschland einen Frieden in der Ukraine auch militärisch absichern müsse…Truppen in der Ukraine wären das stärkste Schutzversprechen des Westens an Kyjiw“. Es sei im deutschen Interesse, sich stark und entschlossen zu zeigen – vor Putin und vor Trump. (Spiegel, v.22.08.2025, S.6)

    Widerstand aus der CDU

    Nur Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich gegen deutsche Bodentruppen in der Ukraine ausgesprochen. „Dass deutsche Soldaten in der Ukraine kämpfen, darf kein Thema sein… Dafür fehlen der Bundeswehr die Voraussetzungen. Man sollte nur so stark auftreten wie man ist“, sagte der CDU-Politiker dem SPIEGEL.

    Viele Aussagen von CDU und Grünen klingen allerdings so, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis deutsche Soldaten in der Ukraine dienen und möglicherweise kämpfen müssen.

    Kritik von der Linken und dem BSW und Demagogie von der AfD

    „Ich halte das für sehr gefährlich, wenn Nato-Truppen und russische Truppen sich an der russisch-ukrainischen Grenze gegenüberstehen“, sagte verteidigungspolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, Ulrich Thoden.

    Der Linken-Chef Jan van Aken, der sich kategorisch gegen einen NATO-Einsatz in der Ukraine ausgesprochen hat, weil er die Gefahr eines „ganz großen Krieges“ sieht. Er brachte stattdessen eine UN-Blauhelmmission ins Gespräch. Er sprach von einer möglichen Beobachtermission im Umfang von 30.000 bis 40.000 Soldaten. Wichtig dabei wäre seiner Ansicht nach, dass sich China beteilige, denn russische Soldaten würden nicht auf chinesische schießen. China würde ein solches UN-Mandat angeblich annehmen. (Siehe Welt am Sonntag v. 24.08.2025 S. 2) Gegen Blauhelmsoldaten spricht allerdings, dass über Einsätze zur Friedenssicherung der UN-Sicherheitsrat entscheiden müsste und dort hat Russland ein Vetorecht.

    Da alle anderen Parteien sich mehr oder weniger mehrdeutig äußern, nutzen BSW und die AfD einmal mehr das offene friedenspolitische Feld für sich. Sahra Wagenknecht schreibt in ihrem neuesten Newsletter: „Deutsche Soldaten an der ukrainisch-russischen Frontlinie? Das wäre nicht nur vollkommen geschichtsvergessen, sondern brandgefährlich! Sollte der Konflikt erneut ausbrechen, wäre Deutschland damit sofort Kriegspartei.“ Wenn man schon die Geschichte bemüht und auf die schlimme Erinnerung an die Invasion der Wehrmacht auch in die Ukraine anspielt, sollte man allerdings nicht übersehen, dass derzeit Russland der Aggressor ist und nicht umgekehrt deutsche Soldaten, wie das während der Nazi-Herrschaft der Fall war.

    Die schon immer russlandfreundliche AfD versucht Jugendliche zu erreichen, die zu 52% gegen die Wehrpflicht sind und veröffentlicht eine demagogisch aufgemachte Fotomontage mit einem verdunkelten Gesicht des Kanzlers und dem Slogan: „Merz will Dich in die Ukraine schicken? Wir nicht!“

    Unterschiedliche und skeptische Stimmen aus der SPD-Fraktion

    Der neue außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Adis Ahmetović meinte vielsagend: „Gleichzeitig sollten wir weder kategorische Zusagen noch Absagen machen. Jede Entscheidung über ein mögliches internationales Engagement muss im Einklang mit unseren Partnern getroffen werden“.

     Ausweichend äußert sich auch der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, bevor über konkrete deutsche Beiträge für Sicherheitsgarantien gesprochen werden könne, sollte man abwarten, ob überhaupt ernst zu nehmende Verhandlungsbereitschaft Russlands bestehe. (Die Welt v. 21.08,2025 S. 1)

    Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch, hält zwar eine militärische Mission für möglich. „Ich werde hier jetzt nichts ausschließen, aber auch nicht in irgendeiner Form sagen: So und so muss es aussehen“, „essentielle“ Voraussetzung für einen Bundewehreinsatz in der Ukraine sei jedoch die Beteiligung der Amerikaner. „Wenn es in irgendeiner Form zu Sicherheitsgarantien kommt, dann ist zentral, dass die Vereinigten Staaten von Amerika dabei sind„.

    Ob für eine solche Beteiligung der USA die von Trump zugesagte Hilfe aus der Luft ausreicht, bleibt eine offene Frage.

    Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich bedauerte, dass es US-Präsident Donald Trump war, der einen diplomatischen Prozess überhaupt erst in Gang gebracht habe und nicht die Europäer. Mützenich plädiert wie der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner für eine verstärkte Einbindung der Vereinten Nationen und wenigstens der OSZE für die Suche nach einer Friedenslösung für die Ukraine bevor man über militärische Beteiligung rede. Hierbei hob Mützenich im Interview mit dem Deutschlandfunk die Bedeutung multilateraler Ansätze hervor, insbesondere nach dem Ukraine-Gipfel in Washington. Er fordert transparente Sicherheitsgarantien und eine parlamentarische Zustimmung für derartige Missionen. „Sie werden ja nicht das Parlament dafür gewinnen können, wenn das Parlament gar nicht weiß, was soll denn letztlich auch die Aufgabe sein“. Natürlich müsse es Sicherheitsgarantien geben, dass sich die Ukraine weiterhin erwehren kann gegen möglicherweise weitere Angriffe Russlands.

    Warum wird eigentlich immer nur über militärische Sicherheitsgarantien diskutiert, warum nimmt man nicht eine Sicherheitsordnung in Europa oder gar in der Welt insgesamt in den Blick?

    Europa hat es bisher sträflich vernachlässigt, eigene Friedensinitiativen zu entwickeln, nun müssen sie dem Wankelmut des US-Präsidenten auch in seiner Politik gegenüber Russland hinterherlaufen. Zwar hatten die Ergebnisse des symbolischen Zusammentreffens in Anchorage zwischen dem amerikanischen und russischen Präsidenten keine konkrete Substanz, aber wenn die Koalition der Willigen schon in jeder Redewendung einen Rettungsanker sucht, warum greift man dann die vagen Ankündigungen Putins über eine „tolle Zusammenarbeit“ und möglicherweise sogar über Rüstungskontrolle nicht auf?

    Rolf Mützenich und Ralf Stegner haben doch recht, wenn sie die Vereinten Nationen oder die OSZE für einen Friedensprozess ins Blickfeld nehmen. Sicherlich herrscht heute ein völlig anderer Geist als zu den Zeiten als im Jahre 1975 die Staats- und Regierungschefs von 35 Ländern in Helsinki die Schlussakte der „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) unterzeichneten.

    Damals wollte die russische UdSSR den Status Quo absichern, während Russland heute eine imperiale Expansion betreibt. Doch die Grundprinzipien der KSZE-Schlussakte und danach der von der OSZE ausgehenden Prozess, nämlich eine Erweiterung des Sicherheitsbegriffs auf Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sowie der schrittweise Aufbau von Vertrauen und der Aufbau eines sicherheitspolitischen Instrumentenkasten, der über das rein Militärische hinausreicht (Oliver Bange, Antagonistische Kooperation, KSZE APuZ v. 12. Juli 2925, S. 09 (17)) bleiben auch heute noch richtig.

    Es müsste dieser erweiterte Sicherheitsbegriff wieder in die internationale Politik Einkehr finden, nämlich dass langfristig Kooperation für alle Staaten vorteilhafter ist, als Unsicherheit und militärische Konfrontation.

    Statt in einer Welt zu leben, in der Macht über dem Recht steht und Bürger und Staaten dem Großmachtspiel von Autokraten ausgesetzt sind, sollte es um kooperative Sicherheit gehen.

    Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat doch nicht unrecht, wenn er eine „europäische Sicherheitsarchitektur“ statt deutscher Soldaten in der Ukraine fordert. Und es ist gewiss nicht falsch, wenn der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn an seine Fraktionsmitglieder schrieb: Bei einem möglichen Friedensabkommen geht es nicht ´nur` um die Ukraine, sondern um die künftige Sicherheitsordnung in Europa“. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen von der CDU pflichtet ihm bei. (Die Welt v. 21.08.2025 S. 3) Solche Ideen scheinen jedoch beim Kanzler und beim Außenminister nicht angekommen zu sein.

    Doch das wäre eine Aufgabe gerade für die Europäer angesichts des Dominanzgebarens von Putin und Trump. (Siehe dazu das Friedensgutachten „Frieden retten“ der Friedensforschungsinstitute 2025) Die Realität war vor dem Beginn des KSZE-Prozesses 1975 von kooperativem Denken genauso weit entfernt wie heute.

    Die Ukraine wird letztlich nur dann sicher sein, wenn es zu einer europäischen Sicherheitsordnung kommt, bei der auch keine Stellvertreter-Kriege mehr geführt werden müssen.

    Wolfgang Lieb ist ein deutscher Jurist und Publizist. Nach dem Studium der Politik und Rechtswissenschaften an der FU Berlin, in Bonn und in Köln arbeitete er in der Planungsabteilung des Kanzleramtes in Bonn(Helmut Schmidt war Kanzler), wechselte als Leiter in das Grundsatzreferat der Landesvertretung NRW in Bonn, war Regierungssprecher des Ministerpräsidenten Johannes Rau und Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium. Zusammen mit Albrecht Müller war Lieb Mitherausgeber und Autor der politischen Website “NachDenkSeiten” und wurde mit dem Alternativen Medienpreis ausgezeichnet. 2015 gab er seine Mitherausgeberschaft wegen unüberbrückbarer Meinungsdifferenzen mit Müller über die redaktionelle Linie des Blogs auf. Heute arbeitet Wolfgang Lieb als freier Autor. Dieser Beitrag erschien zuerst im “Blog der Republik”, hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

    Über Wolfgang Lieb:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  14. “Geisterdebatte”

    Die „Geisterdebatte“ um Sicherheitsgarantien für die Ukraine

    Es war Wolodymyr Selenskyi, der auf dem Treffen „der Willigen“ mit US-Präsident Trump im Weißen Haus in Washington am 18. September 2025 das Thema „Sicherheitsgarantien“ ins Gespräch brachte. Der Selenskyi-Begleitschutz der Europäer sekundierte ihm. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprachen bei den Sicherheitsgarantien von „Artikel 5 (Nato-Vertrag) ähnlichem“ Beistand. Der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der Trump am meisten schmeichelt, soll – um vom heiklen Gespräch über Gebietsabtretungen abzulenken – gleichfalls diese Option angesprochen haben. Der französische Präsident Emmanuel Macron stellt „Rückversicherungskräfte“ nicht an der Front, sondern zur See, in der Luft und an Land in Aussicht. Der englische Premier Keir Starmer hatte schon anfangs des Jahres seine Bereitschaft erklärt, „eigene Truppen“ in der Ukraine einzusetzen.

    Auf die Frage welche Garantien sein Land haben müsse, soll Selenskyi knapp geantwortet haben „alles“.

    In einer Randbemerkung von US-Präsident Donald Trump in der Runde soll dieser die Entsendung von US-Bodentruppen nicht ausgeschlossen haben. Damit hatte er die große Hoffnung der Europäer zunächst erfüllt, der britische Premier Keir Starmer sprach sogar von einem „Durchbruch“ und der NATO-Generalsekretär Mark Rutte war – wie üblich – über Trump regelrecht begeistert und nannte es einen „großen Schritt“.

    Allerdings ruderte Trump kurz nach dem Treffen auf seiner Plattform Truth Social wieder zurück, schloss Bodentruppen aus und schrieb, dass er vor allem die Europäer in der Pflicht sehe und diese „in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten“ handeln werden. Europa müsse den „größten Teil“ schultern (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13) – allenfalls aus der Luft könnten die Amerikaner helfen und in seiner großmäuligen Art fügte er hinzu, niemand in Europa verfüge ja über eine solche Ausrüstung wie die USA. „Putin ist kriegsmüde“ urteilte der amerikanische Präsident. Außenminister Marco Rubio solle die Details ausarbeiten und mit den Sicherheitsberatern aus Berlin, London und Paris konkrete Vorschläge für Sicherheitsgarantien ausarbeiten. Solche Gespräche wurden inzwischen im Nordatlantikrat aufgenommen.

    Beim US-Sender Fox News meinte Trump schließlich, insbesondere Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollten Bodentruppen – oder wie es beschönigend heißt: „boots on the ground“ – entsenden. Schon im Februar dieses Jahres ließ der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei seinen NATO-Kollegen anfragen: „Wäre ihr Land bereit, eigene Truppen in der Ukraine einzusetzen?

    Damals hatte die Bundesregierung den Fragebogen nicht ausgefüllt.

    Wie reagierten der Kanzler und die Bundesregierung?

    Während Friedrich Merz noch als Oppositionsführer Spekulationen über die Entsendung von Bundeswehrsoldaten als „unverantwortlich“ kritisierte, soll er nun als Kanzler, der ja eine Führungsrolle in Europa beansprucht und um das Wohlgefallen Trumps nicht zu gefährden, in Washington zum Thema Sicherheitsgarantien angemerkt haben, dass diese „eine sehr lange und intensive Diskussion erfordert“ hätten. Merz fügte hinzu: „Völlig klar ist, dass sich ganz Europa daran beteiligen sollte“ und Deutschland dabei „ein hohes Interesse und eine hohe Verantwortung“ trage. In welchem Umfang, das müsse man in Europa besprechen und das werde er natürlich auch mit der Koalition in Berlin zu beraten haben.

    Eine eher beiläufige Bemerkung des Kanzlers vor der Presse – nach dem Treffen im Weißen Haus – löste zumal in Deutschland eine heftige Debatte über die Entsendung deutscher Soldaten in die Ukraine aus. Als Teil von solchen Sicherheitsgarantien nach einem Ende der Kämpfe wolle er nun einen bewaffneten Einsatz „bis hin zu der Frage, ob wir hier möglicherweise mandatspflichtige Beschlüsse zu fassen haben“.  „Mandatspflichtig“ heißt konkret, da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, dass der Bundestag einem bewaffneten Einsatz deutscher Streitkräfte außerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzes zustimmen müsste. (§ 1 Abs. 2 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes v. 18. März 2005)

    Der Regensburger Politikwissenschaftler Stephan Bierlin geht da noch einen Schritt weiter als der Kanzler und meinte, wir Deutschen hätten uns mit dem Parlamentsvorbehalt selbst ein Korsett angelegt. Da es sich um eine kollektive Friedenssicherungsmission handeln könne, wäre ein Bundestagsmandat nicht unbedingt erforderlich. (Im Interview mit der Welt v. 21.08.2025, S. 3)

    Der Kanzler stellte also einen bewaffneten Einsatz in den Raum und gerade so als hätten alle auf das Stichwort „bewaffneter Einsatz“ gewartet, hat er damit eine heftige innenpolitische Diskussion losgetreten.

    Präsident Trump: „Es gibt keinen Deal, bevor der Deal nicht fertig ist“ (Tagesschau, 16.8.25)

    Dabei weiß derzeit niemand, ob es überhaupt zu einem von Trump angestoßenen bilateralen Treffen von Selenskyi und Putin kommt. Lawrow sagte, es sei noch gar kein Termin geplant (Berliner Zeitung v. 23./24.08.2025, S. 2) und man brauche eine solide Vorbereitung.

    Noch ungewisser ist, ob danach noch ein Dreiertreffen mit Trump stattfinden wird.

    Reine Spekulation ist, ob sich Putin bei diesen Verhandlungen auf ein Friedensabkommen einlassen wird.

    Unbestritten ist, dass sich die Frage nach Sicherheitsgarantien erst stellt, wenn überhaupt eine Aussicht wenigstens auf einen Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen besteht. Laut „Trendbarometer“ von RTL/ntv rechnen 81 Prozent der Befragten nicht mit einem baldigen Friedensabkommen. Sicher scheint nur zu sein, dass es ohne Sicherheitsgarantien für die Ukraine, ohne dass diese kapitulieren müsste, kein Ende des Krieges geben wird.

    Sicherheitsgarantien wären nach Gebietsabtretungen wohl die am schwierigsten zu lösenden Probleme eines Friedensabkommens. Ob es dann zu einer Stationierung von fremden Truppen kommt oder kommen kann ist somit völlig offen.

    Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten, wie Sicherheitsgarantien aussehen sollten

    Am einfachsten wären Garantien von Seiten der russischen Regierung, mit denen die ukrainische Souveränität als gesichert erklärt wird. Trumps früherer Kumpel als Immobilieninvestor und nunmehr sein Sondergesandter brachte aus Moskau unlängst die überraschende Botschaft mit, Russland wäre bereit, per Gesetz einen erneuten Überfall auf die Ukraine zu verbieten.

    Für Selenskyi und zumindest für die Europäer dürften solche Zusagen wie Hohn klingen. Denn Russland hat mit dem Einmarsch vor mehr als drei Jahren das sog. Budapester Memorandum 1994brutal gebrochen. Darin hatte das Vereinigte Königreich und die USA gemeinsam gegenüber der Ukraine Sicherheitsgarantien als deren Entgegenkommen für einen Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag und als Gegenleistung für die Beseitigung aller Nuklearwaffen auf ihren Territorien gegeben haben. Diese Sicherheitsgarantien haben sich spätestens mit der Annexion der Krim 2014 als leere Versprechen erwiesen. Russland hat dazuhin auch noch den Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine, nachdem ihn die Ukraine schon 2019 aufgekündigt hatte, endgültig militärisch niedergewalzt.

    Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages oder nach einer „ähnlichen“ Regelung?

    Wenngleich Selenskyi stets eine Aufnahme in die NAT0 reklamiert, könnte dieses Misstrauen – wie bei der Sicherheitsgarantie des Budapester Memorandums – auch gegen die Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages durchschlagen. Denn der Beistand muss nicht zwingend militärisch sein, die Bündnisverpflichtung ist vage und nach Abs. 2 an den UN-Sicherheitsrat gebunden, in dem Russland ein Vetorecht hat. Abgesehen davon, haben die USA nach der Amtsübername von Präsident Trump einem NATO-Beitritt einen Riegel vorgeschoben.

    Für eine von Giorgia Meloni, Ursula von der Leyen und Trumps Sondergesandten Steve Wittkoff  ins Gespräch gebrachte dem Art. 5 des NATO-Vertrages „ähnliche“ Regelung, ohne dass die Ukraine vorher in der NATO aufgenommen werden müsste, dagegen dürften auch ähnliche Vorbehalte gelten, wie bei einer formellen Mitgliedschaft.

    Gegen Witkoffs Aussage, dass die russische Regierung einem solchen Kompromiss zugestimmt habe, sprechen die offiziellen Stellungnahmen aus Moskau. Einen solchen NATO-Beitritt „durch die Hintertür“ (wie Johannes Varwick das nennt, siehe der Freitag v. 21.08.2025, S. 1) dürfte Putin, der ja als einen der wichtigsten Gründe für den völkerrechtswidrigen militärischen Angriff auf die Ukraine nannte, nämlich das Vorrücken der NATO bis an russische Grenzen, schon um seiner Gesichtswahrung willen niemals akzeptieren.

    Sicherheitsgarantie aus einer EU-Mitgliedschaft der Ukraine?

    Auch über eine EU-Mitgliedschaft und die im Vertrag von Maastricht beschlossene „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik” (GASP) als mögliche Sicherheitsgarantie wird diskutiert. Ein solcher Beitritt liegt jedoch in weiter Ferne und einige EU-Mitglieder würden sich derzeit auch dagegen sperren, selbst wenn – wie Bloomberg wissen will – Trump den ungarischen Präsidenten Orbán dazu überreden sollte.

    Die Europäer, die nun seit über drei Jahren die Ukraine mit Waffen beliefern und damit eindeutig Partei ergriffen haben, sind aus russischer Sicht als „Friedenswächter“ ohnehin nicht mehr glaubwürdig.

    Alternativen zur Truppenstationierung

    Zur Absicherung der Sicherheit könnten andere Hilfen als die Stationierung von Truppen in Frage kommen, etwa

    • die Bereitstellung von Aufklärungsdaten und Geheimdienstinformationen,
    • weitere Waffenlieferungen an die Ukraine „ohne Einschränkungen“ (wie der neue Regierungssprecher Stefan Kornelius dem Spiegel sagte) oder
    • die Ausbildung ihrer Soldaten in noch größerem Umfang als schon jetzt. (Siehe zum Umfang der bisherigen Zusammenarbeit „Die Partnerschaft: Die geheime Geschichte des Krieges in der Ukraine“.)

    Ein Weg zu mehr Sicherheit für die Ukraine wäre auch der „Stachelschwein-Effekt“, nämlich deren Einheiten an der Front so hochzurüsten, dass Putin vor einem neuen Angriff zurückschreckt.

    Bei seinem Besuch im Weißen Haus schlug Wolodymyr Selenskyj vor, US-Waffen im Wert von 100 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Bezahlen sollen das die Europäer, schreibt die Financial Times unter Verweis auf ein internes Dokument.

    Wer sollte die notwendigen Soldaten und Soldatinnen an der Frontlinie stellen?

    Wenn Truppen, also „Reasurance Forces“, zur Überwachung eines Waffenstillstands in die Ukraine entsandt werden sollten, würden sie dann entlang der Waffenstillstandslinie stationiert werden? Die Ukraine hat eine Frontlinie von 1.200 Kilometer zu verteidigen, um diese zu sichern würden – geschätzt – bis zu 150.000 Soldaten gebraucht. (S. 11 der Studie Modelle zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstandes in der Ukraine, Claudia Major, Aldo Kleemann, so auch die Cindy Wittke-Hohlfeld, Leiterin der Forschungsgruppe Osteuropa des Leibniz-Instituts in Regensburg) Eine derart „gigantische“ Friedenstruppe hält Constanze Stelzenmüller von der Brookings Institution in Washington für eine „Illusion“.

    Es dürfe nicht sein, „immer mehr Aufträge anzunehmen und den Personalkörper (der Bundeswehr) nicht zu stärken“, meint der Wehrbeauftragte.

    Wo so viele Soldatinnen und Soldaten herkommen sollen, ist völlig unklar. Laut „Wall Street Journal“ wäre Frankreich bereit, rund 5.000 Mann zu stellen, und die „Times“ schreibt, dass Großbritannien 3.000 bis 5.000 Soldaten schicken wolle, die allerdings die ukrainische Armee nur ausbilden und nicht als Sicherungstruppe dienen sollen.

    Die Bundeswehr braucht ja schon für Stationierung einer Brigade von 5.000 Bundeswehrangehörigen in Litauen vier Jahre – nämlich von 2023 bis 2027 -, wie sollte ein vergleichbarer Aufbau in einem noch kürzeren Zeitraum gelingen und das in einem Kriegsgebiet?

    Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat Deutschland für die zivile Unterstützung rund 34 Milliarden Euro und für die militärische rund 38 Milliarden Euro geleistet oder für die Zukunft bereitgestellt. Kämen neue langfristige Garantieverpflichtungen noch dazu, dürfte sich dieser Betrag noch vervielfachen. (Berliner Zeitung, v. 21.08.2025 S. 13)

    Truppenkontingente im Hinterland

    Ausländische Truppenkontingente könnten aber auch tiefer im Hinterland gestaffelt sein oder sie kämen nur als Überwacher eines Waffenstillstands ins Land. (So im Leitartikel von Marina Kormbaki, Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 6)

    Wäre Regierung bereit, dass ihre entsendeten Truppen gegen Russland in den Krieg zu ziehen?

    Die Kernfrage, die sich bei jeder Art der Entsendung von Truppen in die Ukraine stellt, wird in der öffentlichen und der politischen Diskussion wohlweislich ausgeklammert, nämlich: Wären die entsendenden Regierungen bereit, für die Ukraine in den Krieg mit Russland zu ziehen?

    Die Antwort in der Bevölkerung dürfte negativ ausfallen. Nach einer aktuellen „Civey“-Umfrage lehnen 51 Prozent der Deutschen eine Beteiligung der Bundeswehr an einer Mission zur Sicherung des Friedens in der Ukraine ab und 42 Prozent halten diese Idee für „eindeutig falsch“. Jedenfalls würde ein öffentlicher Streit ausbrechen, gegen den die Proteste gegen die jeweiligen Waffenlieferungen in die Ukraine nur ein laues Windchen sein würden.

    Würde Putin europäische Truppen akzeptieren?

    Wenn sich Putin überhaupt auf ein Friedensabkommen einlassen sollte, würde er akzeptieren, dass europäische oder Truppen von NATO-Staaten auf dem Territorium der Ukraine stationiert würden?  Das würde all seinen Begründungen für seinen militärischen Angriff widersprechen. Hat er doch gerade das Heranrücken der NATO-Staaten an Russland und die Verhinderung der Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO als wesentliche Gründe für seine „Spezialoperation“ genannt.

    Eine Entsendung von Nato-Truppen könne zu „einer unkontrollierbaren Eskalation des Konflikts mit unvorhersehbaren Folgen führen“, warnte denn auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa schon jetzt. (Siehe dazu Paul-Anton Krüger, Christoph Schult Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 14f.) Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte apodiktisch, „die Präsenz von Truppen aus Nato-Staaten auf ukrainischem Gebiet – unter welcher Flagge auch immer, einschließlich sogenannter Peacekeeper – stellt eine Bedrohung für Russland dar.“ (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13). Lawrow hält „ausländische Interventionen in Teilen der Ukraine“ für „völlig inakzeptabel“. Er verlangt darüberhinaus, dass Sicherheitsvereinbarungen nicht ohne Moskaus Beteiligung ausgearbeitet werden dürften. Verhandlungen ohne Russland führten auf einen „Pfad ins Nirgendwo“.

    Die Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine ist eine „Geisterdebatte“

    Aus vielen Gründen hält der frühere Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, eine Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine für „abwegig“ und „kontraproduktiv“, kurz: für eine „Geisterdebatte“. Die Stationierung westlicher Truppen in der Ukraine sei „aus russischer Sicht mit der Nato-Mitgliedschaft der Ukraine“ gleichzusetzen. Damit würde eine rote Linie Moskaus überschritten. Die Ukraine müsse vielmehr ein „Stachelschwein“ werden, sodass Angriffe für Russland schmerzhaft seien.

    Andererseits will Selenskyi einem Friedensabkommen nur zustimmen (können), wenn er für sein Land Sicherheitsgarantien bekommt.

    Die üblichen Bellizisten sprangen auf das Thema Bodentruppen in die Ukraine natürlich sofort an

    Der überall als Militärexperte gefragte Carlo Masala, der Russlands Angriff auf Estland für den  27. März 2028 vorhersieht, plädierte sofort für „harte Sicherheitsgarantien“ und sagte: „Wenn du, Wladimir Putin, oder dein Nachfolger, es wagt, die Ukraine nochmals anzugreifen, dann befindest du dich im Krieg mit uns.“ Man könne sich nicht damit rühmen, dass man der wichtigste Unterstützer der Ukraine ist und dann in dieser entscheidenden Frage sagen: „Aber daran werden wir uns nicht aktiv in der Ukraine beteiligen. Das ist ein Widerspruch. Den können Sie weder der Ukraine noch dem Rest Europas erklären“.

    Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht Deutschland in einer Führungsrolle, wenn europäische Truppen in der Ukraine stationiert werden, „um Putin die Lust zu nehmen, nach ein paar Jahren Luft holen erneut angreifen zu lassen“.

    Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), sagte dem WDR: „Es geht schon darum, der Ukraine verbindlich zuzusichern und auch militärisch abzusichern, dass für den Fall eines erneuten Angriffs durch Russland die Europäer gemeinsam mit den Truppen der Amerikaner auch bereit sind, einen Angriff zurückzuschlagen… Das bedeutet auch, dass deutsche Soldatinnen und Soldaten nach einem Friedensschluss dazu beitragen müssen, den Frieden langfristig zu sichern“. Die Bundeswehr verfüge über ein breites Spektrum militärischer Fähigkeiten, die zur dauerhaften Stabilisierung des Friedens in der Ukraine beitragen können.

    Auch der Oberst a.D. und CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter setzt einmal mehr aufs Militär und spricht sich für eine Teilnahme der Bundeswehr an einer möglichen Friedensmission in der Ukraine ein: „Dafür ist die Bundeswehr da“ sagte er der Kölnischen Rundschau und fügte hinzu: „Selbstverständlich müsste Deutschland als politisch und wirtschaftlich stärkstes Land in Europa ebenfalls einen Beitrag leisten.“ Allerdings brauche die Bundeswehr wesentlich mehr Personal. Deshalb müsse die Wehrpflicht wieder eingesetzt werden.

    Während die damalige Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen schon Ende letzten Jahres auf einem NATO-Außenministertreffen ohne Not für eine Beteiligung der Bundeswehr in der Ukraine  ansprach, durfte Anton Hofreiter von den Grünen natürlich bei den „Kriegstüchtigen“ nicht fehlen „Europa muss sich darauf vorbereiten, harte Sicherheitsgarantien zu gewährleisten“, sagte er.

    Regierungspolitiker reden um den heißen Brei

    Während der Kanzler einen bewaffneten Einsatz in den Raum stellte, stiftete der CDU-Außenminister Johann Wadephul mit einer Äußerung während seiner Japanreise zunächst Verwirrung: Neben einer Bundeswehrbrigade in Litauen „zusätzlich noch Truppen in der Ukraine stationieren würde uns voraussichtlich überfordern“. Er rückte damit vom Kanzler ab, um dann aber gleich wieder klein beizugeben: Er und die Bundesregierung hätten wiederholt deutlich gemacht, dass robuste Sicherheitsgarantien für die Ukraine gebraucht würden und dass Deutschland dazu Beiträge liefern und Verantwortung übernehmen müsse. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt offen, ob man deutsche Truppen entsenden werde. „Das muss wirklich verhandelt werden“. Letztlich würden Sicherheitsgarantien bedeuten, dass man nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten an der Seite der Ukraine stehe. Dafür schob er die Verantwortung dem Verteidigungsminister zu: Das Weitere müsse Pistorius beantworten.

    Boris Pistorius von der SPD schloss eine Beteiligung der Bundeswehr nicht aus: „Wie ein deutscher Beitrag zu den Sicherheitsgarantien aussehen wird, steht derzeit noch nicht fest…Wir berücksichtigen dabei erst den Verlauf der Verhandlungen, zweitens einen möglichen Beitrag der USA und drittens die Abstimmung mit unseren engsten Partnern“.

    Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil blieb im ZDF-Sommerinterview im Unverbindlichen: „Natürlich müssen wir auch eine Verantwortung übernehmen als Europäer, wenn es um Sicherheitsgarantien geht. (…) Wir sind Europäer und wir sind ein Land, das massiv vorangeht, gerade in Europa. Das ist richtig. Und deswegen auch wir als Deutsche – aber ob das, das ist, was Sie beschrieben haben, ob es darum geht, dass wir die ukrainische Armee ausbilden, ob es um finanzielle Hilfen geht, ob es um andere Fragen geht, das muss dann alles jetzt in den nächsten Tagen geklärt werden“.

    Wer vom Spiegel Kritisches erwartet hatte, wurde wieder einmal enttäuscht, die Leitartiklerin Marina Kormbaki hält es für „richtig, dass Deutschland einen Frieden in der Ukraine auch militärisch absichern müsse…Truppen in der Ukraine wären das stärkste Schutzversprechen des Westens an Kyjiw“. Es sei im deutschen Interesse, sich stark und entschlossen zu zeigen – vor Putin und vor Trump. (Spiegel, v.22.08.2025, S.6)

    Widerstand aus der CDU

    Nur Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich gegen deutsche Bodentruppen in der Ukraine ausgesprochen. „Dass deutsche Soldaten in der Ukraine kämpfen, darf kein Thema sein… Dafür fehlen der Bundeswehr die Voraussetzungen. Man sollte nur so stark auftreten wie man ist“, sagte der CDU-Politiker dem SPIEGEL.

    Viele Aussagen von CDU und Grünen klingen allerdings so, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis deutsche Soldaten in der Ukraine dienen und möglicherweise kämpfen müssen.

    Kritik von der Linken und dem BSW und Demagogie von der AfD

    „Ich halte das für sehr gefährlich, wenn Nato-Truppen und russische Truppen sich an der russisch-ukrainischen Grenze gegenüberstehen“, sagte verteidigungspolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, Ulrich Thoden.

    Der Linken-Chef Jan van Aken, der sich kategorisch gegen einen NATO-Einsatz in der Ukraine ausgesprochen hat, weil er die Gefahr eines „ganz großen Krieges“ sieht. Er brachte stattdessen eine UN-Blauhelmmission ins Gespräch. Er sprach von einer möglichen Beobachtermission im Umfang von 30.000 bis 40.000 Soldaten. Wichtig dabei wäre seiner Ansicht nach, dass sich China beteilige, denn russische Soldaten würden nicht auf chinesische schießen. China würde ein solches UN-Mandat angeblich annehmen. (Siehe Welt am Sonntag v. 24.08.2025 S. 2) Gegen Blauhelmsoldaten spricht allerdings, dass über Einsätze zur Friedenssicherung der UN-Sicherheitsrat entscheiden müsste und dort hat Russland ein Vetorecht.

    Da alle anderen Parteien sich mehr oder weniger mehrdeutig äußern, nutzen BSW und die AfD einmal mehr das offene friedenspolitische Feld für sich. Sahra Wagenknecht schreibt in ihrem neuesten Newsletter: „Deutsche Soldaten an der ukrainisch-russischen Frontlinie? Das wäre nicht nur vollkommen geschichtsvergessen, sondern brandgefährlich! Sollte der Konflikt erneut ausbrechen, wäre Deutschland damit sofort Kriegspartei.“ Wenn man schon die Geschichte bemüht und auf die schlimme Erinnerung an die Invasion der Wehrmacht auch in die Ukraine anspielt, sollte man allerdings nicht übersehen, dass derzeit Russland der Aggressor ist und nicht umgekehrt deutsche Soldaten, wie das während der Nazi-Herrschaft der Fall war.

    Die schon immer russlandfreundliche AfD versucht Jugendliche zu erreichen, die zu 52% gegen die Wehrpflicht sind und veröffentlicht eine demagogisch aufgemachte Fotomontage mit einem verdunkelten Gesicht des Kanzlers und dem Slogan: „Merz will Dich in die Ukraine schicken? Wir nicht!“

    Unterschiedliche und skeptische Stimmen aus der SPD-Fraktion

    Der neue außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Adis Ahmetović meinte vielsagend: „Gleichzeitig sollten wir weder kategorische Zusagen noch Absagen machen. Jede Entscheidung über ein mögliches internationales Engagement muss im Einklang mit unseren Partnern getroffen werden“.

     Ausweichend äußert sich auch der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, bevor über konkrete deutsche Beiträge für Sicherheitsgarantien gesprochen werden könne, sollte man abwarten, ob überhaupt ernst zu nehmende Verhandlungsbereitschaft Russlands bestehe. (Die Welt v. 21.08,2025 S. 1)

    Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch, hält zwar eine militärische Mission für möglich. „Ich werde hier jetzt nichts ausschließen, aber auch nicht in irgendeiner Form sagen: So und so muss es aussehen“, „essentielle“ Voraussetzung für einen Bundewehreinsatz in der Ukraine sei jedoch die Beteiligung der Amerikaner. „Wenn es in irgendeiner Form zu Sicherheitsgarantien kommt, dann ist zentral, dass die Vereinigten Staaten von Amerika dabei sind„.

    Ob für eine solche Beteiligung der USA die von Trump zugesagte Hilfe aus der Luft ausreicht, bleibt eine offene Frage.

    Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich bedauerte, dass es US-Präsident Donald Trump war, der einen diplomatischen Prozess überhaupt erst in Gang gebracht habe und nicht die Europäer. Mützenich plädiert wie der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner für eine verstärkte Einbindung der Vereinten Nationen und wenigstens der OSZE für die Suche nach einer Friedenslösung für die Ukraine bevor man über militärische Beteiligung rede. Hierbei hob Mützenich im Interview mit dem Deutschlandfunk die Bedeutung multilateraler Ansätze hervor, insbesondere nach dem Ukraine-Gipfel in Washington. Er fordert transparente Sicherheitsgarantien und eine parlamentarische Zustimmung für derartige Missionen. „Sie werden ja nicht das Parlament dafür gewinnen können, wenn das Parlament gar nicht weiß, was soll denn letztlich auch die Aufgabe sein“. Natürlich müsse es Sicherheitsgarantien geben, dass sich die Ukraine weiterhin erwehren kann gegen möglicherweise weitere Angriffe Russlands.

    Warum wird eigentlich immer nur über militärische Sicherheitsgarantien diskutiert, warum nimmt man nicht eine Sicherheitsordnung in Europa oder gar in der Welt insgesamt in den Blick?

    Europa hat es bisher sträflich vernachlässigt, eigene Friedensinitiativen zu entwickeln, nun müssen sie dem Wankelmut des US-Präsidenten auch in seiner Politik gegenüber Russland hinterherlaufen. Zwar hatten die Ergebnisse des symbolischen Zusammentreffens in Anchorage zwischen dem amerikanischen und russischen Präsidenten keine konkrete Substanz, aber wenn die Koalition der Willigen schon in jeder Redewendung einen Rettungsanker sucht, warum greift man dann die vagen Ankündigungen Putins über eine „tolle Zusammenarbeit“ und möglicherweise sogar über Rüstungskontrolle nicht auf?

    Rolf Mützenich und Ralf Stegner haben doch recht, wenn sie die Vereinten Nationen oder die OSZE für einen Friedensprozess ins Blickfeld nehmen. Sicherlich herrscht heute ein völlig anderer Geist als zu den Zeiten als im Jahre 1975 die Staats- und Regierungschefs von 35 Ländern in Helsinki die Schlussakte der „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) unterzeichneten.

    Damals wollte die russische UdSSR den Status Quo absichern, während Russland heute eine imperiale Expansion betreibt. Doch die Grundprinzipien der KSZE-Schlussakte und danach der von der OSZE ausgehenden Prozess, nämlich eine Erweiterung des Sicherheitsbegriffs auf Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sowie der schrittweise Aufbau von Vertrauen und der Aufbau eines sicherheitspolitischen Instrumentenkasten, der über das rein Militärische hinausreicht (Oliver Bange, Antagonistische Kooperation, KSZE APuZ v. 12. Juli 2925, S. 09 (17)) bleiben auch heute noch richtig.

    Es müsste dieser erweiterte Sicherheitsbegriff wieder in die internationale Politik Einkehr finden, nämlich dass langfristig Kooperation für alle Staaten vorteilhafter ist, als Unsicherheit und militärische Konfrontation.

    Statt in einer Welt zu leben, in der Macht über dem Recht steht und Bürger und Staaten dem Großmachtspiel von Autokraten ausgesetzt sind, sollte es um kooperative Sicherheit gehen.

    Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat doch nicht unrecht, wenn er eine „europäische Sicherheitsarchitektur“ statt deutscher Soldaten in der Ukraine fordert. Und es ist gewiss nicht falsch, wenn der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn an seine Fraktionsmitglieder schrieb: Bei einem möglichen Friedensabkommen geht es nicht ´nur` um die Ukraine, sondern um die künftige Sicherheitsordnung in Europa“. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen von der CDU pflichtet ihm bei. (Die Welt v. 21.08.2025 S. 3) Solche Ideen scheinen jedoch beim Kanzler und beim Außenminister nicht angekommen zu sein.

    Doch das wäre eine Aufgabe gerade für die Europäer angesichts des Dominanzgebarens von Putin und Trump. (Siehe dazu das Friedensgutachten „Frieden retten“ der Friedensforschungsinstitute 2025) Die Realität war vor dem Beginn des KSZE-Prozesses 1975 von kooperativem Denken genauso weit entfernt wie heute.

    Die Ukraine wird letztlich nur dann sicher sein, wenn es zu einer europäischen Sicherheitsordnung kommt, bei der auch keine Stellvertreter-Kriege mehr geführt werden müssen.

    Wolfgang Lieb ist ein deutscher Jurist und Publizist. Nach dem Studium der Politik und Rechtswissenschaften an der FU Berlin, in Bonn und in Köln arbeitete er in der Planungsabteilung des Kanzleramtes in Bonn(Helmut Schmidt war Kanzler), wechselte als Leiter in das Grundsatzreferat der Landesvertretung NRW in Bonn, war Regierungssprecher des Ministerpräsidenten Johannes Rau und Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium. Zusammen mit Albrecht Müller war Lieb Mitherausgeber und Autor der politischen Website “NachDenkSeiten” und wurde mit dem Alternativen Medienpreis ausgezeichnet. 2015 gab er seine Mitherausgeberschaft wegen unüberbrückbarer Meinungsdifferenzen mit Müller über die redaktionelle Linie des Blogs auf. Heute arbeitet Wolfgang Lieb als freier Autor. Dieser Beitrag erschien zuerst im “Blog der Republik”, hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

    Über Wolfgang Lieb:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  15. “Geisterdebatte”

    Die „Geisterdebatte“ um Sicherheitsgarantien für die Ukraine

    Es war Wolodymyr Selenskyi, der auf dem Treffen „der Willigen“ mit US-Präsident Trump im Weißen Haus in Washington am 18. September 2025 das Thema „Sicherheitsgarantien“ ins Gespräch brachte. Der Selenskyi-Begleitschutz der Europäer sekundierte ihm. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprachen bei den Sicherheitsgarantien von „Artikel 5 (Nato-Vertrag) ähnlichem“ Beistand. Der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der Trump am meisten schmeichelt, soll – um vom heiklen Gespräch über Gebietsabtretungen abzulenken – gleichfalls diese Option angesprochen haben. Der französische Präsident Emmanuel Macron stellt „Rückversicherungskräfte“ nicht an der Front, sondern zur See, in der Luft und an Land in Aussicht. Der englische Premier Keir Starmer hatte schon anfangs des Jahres seine Bereitschaft erklärt, „eigene Truppen“ in der Ukraine einzusetzen.

    Auf die Frage welche Garantien sein Land haben müsse, soll Selenskyi knapp geantwortet haben „alles“.

    In einer Randbemerkung von US-Präsident Donald Trump in der Runde soll dieser die Entsendung von US-Bodentruppen nicht ausgeschlossen haben. Damit hatte er die große Hoffnung der Europäer zunächst erfüllt, der britische Premier Keir Starmer sprach sogar von einem „Durchbruch“ und der NATO-Generalsekretär Mark Rutte war – wie üblich – über Trump regelrecht begeistert und nannte es einen „großen Schritt“.

    Allerdings ruderte Trump kurz nach dem Treffen auf seiner Plattform Truth Social wieder zurück, schloss Bodentruppen aus und schrieb, dass er vor allem die Europäer in der Pflicht sehe und diese „in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten“ handeln werden. Europa müsse den „größten Teil“ schultern (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13) – allenfalls aus der Luft könnten die Amerikaner helfen und in seiner großmäuligen Art fügte er hinzu, niemand in Europa verfüge ja über eine solche Ausrüstung wie die USA. „Putin ist kriegsmüde“ urteilte der amerikanische Präsident. Außenminister Marco Rubio solle die Details ausarbeiten und mit den Sicherheitsberatern aus Berlin, London und Paris konkrete Vorschläge für Sicherheitsgarantien ausarbeiten. Solche Gespräche wurden inzwischen im Nordatlantikrat aufgenommen.

    Beim US-Sender Fox News meinte Trump schließlich, insbesondere Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollten Bodentruppen – oder wie es beschönigend heißt: „boots on the ground“ – entsenden. Schon im Februar dieses Jahres ließ der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei seinen NATO-Kollegen anfragen: „Wäre ihr Land bereit, eigene Truppen in der Ukraine einzusetzen?

    Damals hatte die Bundesregierung den Fragebogen nicht ausgefüllt.

    Wie reagierten der Kanzler und die Bundesregierung?

    Während Friedrich Merz noch als Oppositionsführer Spekulationen über die Entsendung von Bundeswehrsoldaten als „unverantwortlich“ kritisierte, soll er nun als Kanzler, der ja eine Führungsrolle in Europa beansprucht und um das Wohlgefallen Trumps nicht zu gefährden, in Washington zum Thema Sicherheitsgarantien angemerkt haben, dass diese „eine sehr lange und intensive Diskussion erfordert“ hätten. Merz fügte hinzu: „Völlig klar ist, dass sich ganz Europa daran beteiligen sollte“ und Deutschland dabei „ein hohes Interesse und eine hohe Verantwortung“ trage. In welchem Umfang, das müsse man in Europa besprechen und das werde er natürlich auch mit der Koalition in Berlin zu beraten haben.

    Eine eher beiläufige Bemerkung des Kanzlers vor der Presse – nach dem Treffen im Weißen Haus – löste zumal in Deutschland eine heftige Debatte über die Entsendung deutscher Soldaten in die Ukraine aus. Als Teil von solchen Sicherheitsgarantien nach einem Ende der Kämpfe wolle er nun einen bewaffneten Einsatz „bis hin zu der Frage, ob wir hier möglicherweise mandatspflichtige Beschlüsse zu fassen haben“.  „Mandatspflichtig“ heißt konkret, da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, dass der Bundestag einem bewaffneten Einsatz deutscher Streitkräfte außerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzes zustimmen müsste. (§ 1 Abs. 2 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes v. 18. März 2005)

    Der Regensburger Politikwissenschaftler Stephan Bierlin geht da noch einen Schritt weiter als der Kanzler und meinte, wir Deutschen hätten uns mit dem Parlamentsvorbehalt selbst ein Korsett angelegt. Da es sich um eine kollektive Friedenssicherungsmission handeln könne, wäre ein Bundestagsmandat nicht unbedingt erforderlich. (Im Interview mit der Welt v. 21.08.2025, S. 3)

    Der Kanzler stellte also einen bewaffneten Einsatz in den Raum und gerade so als hätten alle auf das Stichwort „bewaffneter Einsatz“ gewartet, hat er damit eine heftige innenpolitische Diskussion losgetreten.

    Präsident Trump: „Es gibt keinen Deal, bevor der Deal nicht fertig ist“ (Tagesschau, 16.8.25)

    Dabei weiß derzeit niemand, ob es überhaupt zu einem von Trump angestoßenen bilateralen Treffen von Selenskyi und Putin kommt. Lawrow sagte, es sei noch gar kein Termin geplant (Berliner Zeitung v. 23./24.08.2025, S. 2) und man brauche eine solide Vorbereitung.

    Noch ungewisser ist, ob danach noch ein Dreiertreffen mit Trump stattfinden wird.

    Reine Spekulation ist, ob sich Putin bei diesen Verhandlungen auf ein Friedensabkommen einlassen wird.

    Unbestritten ist, dass sich die Frage nach Sicherheitsgarantien erst stellt, wenn überhaupt eine Aussicht wenigstens auf einen Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen besteht. Laut „Trendbarometer“ von RTL/ntv rechnen 81 Prozent der Befragten nicht mit einem baldigen Friedensabkommen. Sicher scheint nur zu sein, dass es ohne Sicherheitsgarantien für die Ukraine, ohne dass diese kapitulieren müsste, kein Ende des Krieges geben wird.

    Sicherheitsgarantien wären nach Gebietsabtretungen wohl die am schwierigsten zu lösenden Probleme eines Friedensabkommens. Ob es dann zu einer Stationierung von fremden Truppen kommt oder kommen kann ist somit völlig offen.

    Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten, wie Sicherheitsgarantien aussehen sollten

    Am einfachsten wären Garantien von Seiten der russischen Regierung, mit denen die ukrainische Souveränität als gesichert erklärt wird. Trumps früherer Kumpel als Immobilieninvestor und nunmehr sein Sondergesandter brachte aus Moskau unlängst die überraschende Botschaft mit, Russland wäre bereit, per Gesetz einen erneuten Überfall auf die Ukraine zu verbieten.

    Für Selenskyi und zumindest für die Europäer dürften solche Zusagen wie Hohn klingen. Denn Russland hat mit dem Einmarsch vor mehr als drei Jahren das sog. Budapester Memorandum 1994brutal gebrochen. Darin hatte das Vereinigte Königreich und die USA gemeinsam gegenüber der Ukraine Sicherheitsgarantien als deren Entgegenkommen für einen Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag und als Gegenleistung für die Beseitigung aller Nuklearwaffen auf ihren Territorien gegeben haben. Diese Sicherheitsgarantien haben sich spätestens mit der Annexion der Krim 2014 als leere Versprechen erwiesen. Russland hat dazuhin auch noch den Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine, nachdem ihn die Ukraine schon 2019 aufgekündigt hatte, endgültig militärisch niedergewalzt.

    Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages oder nach einer „ähnlichen“ Regelung?

    Wenngleich Selenskyi stets eine Aufnahme in die NAT0 reklamiert, könnte dieses Misstrauen – wie bei der Sicherheitsgarantie des Budapester Memorandums – auch gegen die Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages durchschlagen. Denn der Beistand muss nicht zwingend militärisch sein, die Bündnisverpflichtung ist vage und nach Abs. 2 an den UN-Sicherheitsrat gebunden, in dem Russland ein Vetorecht hat. Abgesehen davon, haben die USA nach der Amtsübername von Präsident Trump einem NATO-Beitritt einen Riegel vorgeschoben.

    Für eine von Giorgia Meloni, Ursula von der Leyen und Trumps Sondergesandten Steve Wittkoff  ins Gespräch gebrachte dem Art. 5 des NATO-Vertrages „ähnliche“ Regelung, ohne dass die Ukraine vorher in der NATO aufgenommen werden müsste, dagegen dürften auch ähnliche Vorbehalte gelten, wie bei einer formellen Mitgliedschaft.

    Gegen Witkoffs Aussage, dass die russische Regierung einem solchen Kompromiss zugestimmt habe, sprechen die offiziellen Stellungnahmen aus Moskau. Einen solchen NATO-Beitritt „durch die Hintertür“ (wie Johannes Varwick das nennt, siehe der Freitag v. 21.08.2025, S. 1) dürfte Putin, der ja als einen der wichtigsten Gründe für den völkerrechtswidrigen militärischen Angriff auf die Ukraine nannte, nämlich das Vorrücken der NATO bis an russische Grenzen, schon um seiner Gesichtswahrung willen niemals akzeptieren.

    Sicherheitsgarantie aus einer EU-Mitgliedschaft der Ukraine?

    Auch über eine EU-Mitgliedschaft und die im Vertrag von Maastricht beschlossene „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik” (GASP) als mögliche Sicherheitsgarantie wird diskutiert. Ein solcher Beitritt liegt jedoch in weiter Ferne und einige EU-Mitglieder würden sich derzeit auch dagegen sperren, selbst wenn – wie Bloomberg wissen will – Trump den ungarischen Präsidenten Orbán dazu überreden sollte.

    Die Europäer, die nun seit über drei Jahren die Ukraine mit Waffen beliefern und damit eindeutig Partei ergriffen haben, sind aus russischer Sicht als „Friedenswächter“ ohnehin nicht mehr glaubwürdig.

    Alternativen zur Truppenstationierung

    Zur Absicherung der Sicherheit könnten andere Hilfen als die Stationierung von Truppen in Frage kommen, etwa

    • die Bereitstellung von Aufklärungsdaten und Geheimdienstinformationen,
    • weitere Waffenlieferungen an die Ukraine „ohne Einschränkungen“ (wie der neue Regierungssprecher Stefan Kornelius dem Spiegel sagte) oder
    • die Ausbildung ihrer Soldaten in noch größerem Umfang als schon jetzt. (Siehe zum Umfang der bisherigen Zusammenarbeit „Die Partnerschaft: Die geheime Geschichte des Krieges in der Ukraine“.)

    Ein Weg zu mehr Sicherheit für die Ukraine wäre auch der „Stachelschwein-Effekt“, nämlich deren Einheiten an der Front so hochzurüsten, dass Putin vor einem neuen Angriff zurückschreckt.

    Bei seinem Besuch im Weißen Haus schlug Wolodymyr Selenskyj vor, US-Waffen im Wert von 100 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Bezahlen sollen das die Europäer, schreibt die Financial Times unter Verweis auf ein internes Dokument.

    Wer sollte die notwendigen Soldaten und Soldatinnen an der Frontlinie stellen?

    Wenn Truppen, also „Reasurance Forces“, zur Überwachung eines Waffenstillstands in die Ukraine entsandt werden sollten, würden sie dann entlang der Waffenstillstandslinie stationiert werden? Die Ukraine hat eine Frontlinie von 1.200 Kilometer zu verteidigen, um diese zu sichern würden – geschätzt – bis zu 150.000 Soldaten gebraucht. (S. 11 der Studie Modelle zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstandes in der Ukraine, Claudia Major, Aldo Kleemann, so auch die Cindy Wittke-Hohlfeld, Leiterin der Forschungsgruppe Osteuropa des Leibniz-Instituts in Regensburg) Eine derart „gigantische“ Friedenstruppe hält Constanze Stelzenmüller von der Brookings Institution in Washington für eine „Illusion“.

    Es dürfe nicht sein, „immer mehr Aufträge anzunehmen und den Personalkörper (der Bundeswehr) nicht zu stärken“, meint der Wehrbeauftragte.

    Wo so viele Soldatinnen und Soldaten herkommen sollen, ist völlig unklar. Laut „Wall Street Journal“ wäre Frankreich bereit, rund 5.000 Mann zu stellen, und die „Times“ schreibt, dass Großbritannien 3.000 bis 5.000 Soldaten schicken wolle, die allerdings die ukrainische Armee nur ausbilden und nicht als Sicherungstruppe dienen sollen.

    Die Bundeswehr braucht ja schon für Stationierung einer Brigade von 5.000 Bundeswehrangehörigen in Litauen vier Jahre – nämlich von 2023 bis 2027 -, wie sollte ein vergleichbarer Aufbau in einem noch kürzeren Zeitraum gelingen und das in einem Kriegsgebiet?

    Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat Deutschland für die zivile Unterstützung rund 34 Milliarden Euro und für die militärische rund 38 Milliarden Euro geleistet oder für die Zukunft bereitgestellt. Kämen neue langfristige Garantieverpflichtungen noch dazu, dürfte sich dieser Betrag noch vervielfachen. (Berliner Zeitung, v. 21.08.2025 S. 13)

    Truppenkontingente im Hinterland

    Ausländische Truppenkontingente könnten aber auch tiefer im Hinterland gestaffelt sein oder sie kämen nur als Überwacher eines Waffenstillstands ins Land. (So im Leitartikel von Marina Kormbaki, Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 6)

    Wäre Regierung bereit, dass ihre entsendeten Truppen gegen Russland in den Krieg zu ziehen?

    Die Kernfrage, die sich bei jeder Art der Entsendung von Truppen in die Ukraine stellt, wird in der öffentlichen und der politischen Diskussion wohlweislich ausgeklammert, nämlich: Wären die entsendenden Regierungen bereit, für die Ukraine in den Krieg mit Russland zu ziehen?

    Die Antwort in der Bevölkerung dürfte negativ ausfallen. Nach einer aktuellen „Civey“-Umfrage lehnen 51 Prozent der Deutschen eine Beteiligung der Bundeswehr an einer Mission zur Sicherung des Friedens in der Ukraine ab und 42 Prozent halten diese Idee für „eindeutig falsch“. Jedenfalls würde ein öffentlicher Streit ausbrechen, gegen den die Proteste gegen die jeweiligen Waffenlieferungen in die Ukraine nur ein laues Windchen sein würden.

    Würde Putin europäische Truppen akzeptieren?

    Wenn sich Putin überhaupt auf ein Friedensabkommen einlassen sollte, würde er akzeptieren, dass europäische oder Truppen von NATO-Staaten auf dem Territorium der Ukraine stationiert würden?  Das würde all seinen Begründungen für seinen militärischen Angriff widersprechen. Hat er doch gerade das Heranrücken der NATO-Staaten an Russland und die Verhinderung der Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO als wesentliche Gründe für seine „Spezialoperation“ genannt.

    Eine Entsendung von Nato-Truppen könne zu „einer unkontrollierbaren Eskalation des Konflikts mit unvorhersehbaren Folgen führen“, warnte denn auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa schon jetzt. (Siehe dazu Paul-Anton Krüger, Christoph Schult Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 14f.) Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte apodiktisch, „die Präsenz von Truppen aus Nato-Staaten auf ukrainischem Gebiet – unter welcher Flagge auch immer, einschließlich sogenannter Peacekeeper – stellt eine Bedrohung für Russland dar.“ (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13). Lawrow hält „ausländische Interventionen in Teilen der Ukraine“ für „völlig inakzeptabel“. Er verlangt darüberhinaus, dass Sicherheitsvereinbarungen nicht ohne Moskaus Beteiligung ausgearbeitet werden dürften. Verhandlungen ohne Russland führten auf einen „Pfad ins Nirgendwo“.

    Die Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine ist eine „Geisterdebatte“

    Aus vielen Gründen hält der frühere Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, eine Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine für „abwegig“ und „kontraproduktiv“, kurz: für eine „Geisterdebatte“. Die Stationierung westlicher Truppen in der Ukraine sei „aus russischer Sicht mit der Nato-Mitgliedschaft der Ukraine“ gleichzusetzen. Damit würde eine rote Linie Moskaus überschritten. Die Ukraine müsse vielmehr ein „Stachelschwein“ werden, sodass Angriffe für Russland schmerzhaft seien.

    Andererseits will Selenskyi einem Friedensabkommen nur zustimmen (können), wenn er für sein Land Sicherheitsgarantien bekommt.

    Die üblichen Bellizisten sprangen auf das Thema Bodentruppen in die Ukraine natürlich sofort an

    Der überall als Militärexperte gefragte Carlo Masala, der Russlands Angriff auf Estland für den  27. März 2028 vorhersieht, plädierte sofort für „harte Sicherheitsgarantien“ und sagte: „Wenn du, Wladimir Putin, oder dein Nachfolger, es wagt, die Ukraine nochmals anzugreifen, dann befindest du dich im Krieg mit uns.“ Man könne sich nicht damit rühmen, dass man der wichtigste Unterstützer der Ukraine ist und dann in dieser entscheidenden Frage sagen: „Aber daran werden wir uns nicht aktiv in der Ukraine beteiligen. Das ist ein Widerspruch. Den können Sie weder der Ukraine noch dem Rest Europas erklären“.

    Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht Deutschland in einer Führungsrolle, wenn europäische Truppen in der Ukraine stationiert werden, „um Putin die Lust zu nehmen, nach ein paar Jahren Luft holen erneut angreifen zu lassen“.

    Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), sagte dem WDR: „Es geht schon darum, der Ukraine verbindlich zuzusichern und auch militärisch abzusichern, dass für den Fall eines erneuten Angriffs durch Russland die Europäer gemeinsam mit den Truppen der Amerikaner auch bereit sind, einen Angriff zurückzuschlagen… Das bedeutet auch, dass deutsche Soldatinnen und Soldaten nach einem Friedensschluss dazu beitragen müssen, den Frieden langfristig zu sichern“. Die Bundeswehr verfüge über ein breites Spektrum militärischer Fähigkeiten, die zur dauerhaften Stabilisierung des Friedens in der Ukraine beitragen können.

    Auch der Oberst a.D. und CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter setzt einmal mehr aufs Militär und spricht sich für eine Teilnahme der Bundeswehr an einer möglichen Friedensmission in der Ukraine ein: „Dafür ist die Bundeswehr da“ sagte er der Kölnischen Rundschau und fügte hinzu: „Selbstverständlich müsste Deutschland als politisch und wirtschaftlich stärkstes Land in Europa ebenfalls einen Beitrag leisten.“ Allerdings brauche die Bundeswehr wesentlich mehr Personal. Deshalb müsse die Wehrpflicht wieder eingesetzt werden.

    Während die damalige Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen schon Ende letzten Jahres auf einem NATO-Außenministertreffen ohne Not für eine Beteiligung der Bundeswehr in der Ukraine  ansprach, durfte Anton Hofreiter von den Grünen natürlich bei den „Kriegstüchtigen“ nicht fehlen „Europa muss sich darauf vorbereiten, harte Sicherheitsgarantien zu gewährleisten“, sagte er.

    Regierungspolitiker reden um den heißen Brei

    Während der Kanzler einen bewaffneten Einsatz in den Raum stellte, stiftete der CDU-Außenminister Johann Wadephul mit einer Äußerung während seiner Japanreise zunächst Verwirrung: Neben einer Bundeswehrbrigade in Litauen „zusätzlich noch Truppen in der Ukraine stationieren würde uns voraussichtlich überfordern“. Er rückte damit vom Kanzler ab, um dann aber gleich wieder klein beizugeben: Er und die Bundesregierung hätten wiederholt deutlich gemacht, dass robuste Sicherheitsgarantien für die Ukraine gebraucht würden und dass Deutschland dazu Beiträge liefern und Verantwortung übernehmen müsse. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt offen, ob man deutsche Truppen entsenden werde. „Das muss wirklich verhandelt werden“. Letztlich würden Sicherheitsgarantien bedeuten, dass man nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten an der Seite der Ukraine stehe. Dafür schob er die Verantwortung dem Verteidigungsminister zu: Das Weitere müsse Pistorius beantworten.

    Boris Pistorius von der SPD schloss eine Beteiligung der Bundeswehr nicht aus: „Wie ein deutscher Beitrag zu den Sicherheitsgarantien aussehen wird, steht derzeit noch nicht fest…Wir berücksichtigen dabei erst den Verlauf der Verhandlungen, zweitens einen möglichen Beitrag der USA und drittens die Abstimmung mit unseren engsten Partnern“.

    Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil blieb im ZDF-Sommerinterview im Unverbindlichen: „Natürlich müssen wir auch eine Verantwortung übernehmen als Europäer, wenn es um Sicherheitsgarantien geht. (…) Wir sind Europäer und wir sind ein Land, das massiv vorangeht, gerade in Europa. Das ist richtig. Und deswegen auch wir als Deutsche – aber ob das, das ist, was Sie beschrieben haben, ob es darum geht, dass wir die ukrainische Armee ausbilden, ob es um finanzielle Hilfen geht, ob es um andere Fragen geht, das muss dann alles jetzt in den nächsten Tagen geklärt werden“.

    Wer vom Spiegel Kritisches erwartet hatte, wurde wieder einmal enttäuscht, die Leitartiklerin Marina Kormbaki hält es für „richtig, dass Deutschland einen Frieden in der Ukraine auch militärisch absichern müsse…Truppen in der Ukraine wären das stärkste Schutzversprechen des Westens an Kyjiw“. Es sei im deutschen Interesse, sich stark und entschlossen zu zeigen – vor Putin und vor Trump. (Spiegel, v.22.08.2025, S.6)

    Widerstand aus der CDU

    Nur Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich gegen deutsche Bodentruppen in der Ukraine ausgesprochen. „Dass deutsche Soldaten in der Ukraine kämpfen, darf kein Thema sein… Dafür fehlen der Bundeswehr die Voraussetzungen. Man sollte nur so stark auftreten wie man ist“, sagte der CDU-Politiker dem SPIEGEL.

    Viele Aussagen von CDU und Grünen klingen allerdings so, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis deutsche Soldaten in der Ukraine dienen und möglicherweise kämpfen müssen.

    Kritik von der Linken und dem BSW und Demagogie von der AfD

    „Ich halte das für sehr gefährlich, wenn Nato-Truppen und russische Truppen sich an der russisch-ukrainischen Grenze gegenüberstehen“, sagte verteidigungspolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, Ulrich Thoden.

    Der Linken-Chef Jan van Aken, der sich kategorisch gegen einen NATO-Einsatz in der Ukraine ausgesprochen hat, weil er die Gefahr eines „ganz großen Krieges“ sieht. Er brachte stattdessen eine UN-Blauhelmmission ins Gespräch. Er sprach von einer möglichen Beobachtermission im Umfang von 30.000 bis 40.000 Soldaten. Wichtig dabei wäre seiner Ansicht nach, dass sich China beteilige, denn russische Soldaten würden nicht auf chinesische schießen. China würde ein solches UN-Mandat angeblich annehmen. (Siehe Welt am Sonntag v. 24.08.2025 S. 2) Gegen Blauhelmsoldaten spricht allerdings, dass über Einsätze zur Friedenssicherung der UN-Sicherheitsrat entscheiden müsste und dort hat Russland ein Vetorecht.

    Da alle anderen Parteien sich mehr oder weniger mehrdeutig äußern, nutzen BSW und die AfD einmal mehr das offene friedenspolitische Feld für sich. Sahra Wagenknecht schreibt in ihrem neuesten Newsletter: „Deutsche Soldaten an der ukrainisch-russischen Frontlinie? Das wäre nicht nur vollkommen geschichtsvergessen, sondern brandgefährlich! Sollte der Konflikt erneut ausbrechen, wäre Deutschland damit sofort Kriegspartei.“ Wenn man schon die Geschichte bemüht und auf die schlimme Erinnerung an die Invasion der Wehrmacht auch in die Ukraine anspielt, sollte man allerdings nicht übersehen, dass derzeit Russland der Aggressor ist und nicht umgekehrt deutsche Soldaten, wie das während der Nazi-Herrschaft der Fall war.

    Die schon immer russlandfreundliche AfD versucht Jugendliche zu erreichen, die zu 52% gegen die Wehrpflicht sind und veröffentlicht eine demagogisch aufgemachte Fotomontage mit einem verdunkelten Gesicht des Kanzlers und dem Slogan: „Merz will Dich in die Ukraine schicken? Wir nicht!“

    Unterschiedliche und skeptische Stimmen aus der SPD-Fraktion

    Der neue außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Adis Ahmetović meinte vielsagend: „Gleichzeitig sollten wir weder kategorische Zusagen noch Absagen machen. Jede Entscheidung über ein mögliches internationales Engagement muss im Einklang mit unseren Partnern getroffen werden“.

     Ausweichend äußert sich auch der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, bevor über konkrete deutsche Beiträge für Sicherheitsgarantien gesprochen werden könne, sollte man abwarten, ob überhaupt ernst zu nehmende Verhandlungsbereitschaft Russlands bestehe. (Die Welt v. 21.08,2025 S. 1)

    Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch, hält zwar eine militärische Mission für möglich. „Ich werde hier jetzt nichts ausschließen, aber auch nicht in irgendeiner Form sagen: So und so muss es aussehen“, „essentielle“ Voraussetzung für einen Bundewehreinsatz in der Ukraine sei jedoch die Beteiligung der Amerikaner. „Wenn es in irgendeiner Form zu Sicherheitsgarantien kommt, dann ist zentral, dass die Vereinigten Staaten von Amerika dabei sind„.

    Ob für eine solche Beteiligung der USA die von Trump zugesagte Hilfe aus der Luft ausreicht, bleibt eine offene Frage.

    Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich bedauerte, dass es US-Präsident Donald Trump war, der einen diplomatischen Prozess überhaupt erst in Gang gebracht habe und nicht die Europäer. Mützenich plädiert wie der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner für eine verstärkte Einbindung der Vereinten Nationen und wenigstens der OSZE für die Suche nach einer Friedenslösung für die Ukraine bevor man über militärische Beteiligung rede. Hierbei hob Mützenich im Interview mit dem Deutschlandfunk die Bedeutung multilateraler Ansätze hervor, insbesondere nach dem Ukraine-Gipfel in Washington. Er fordert transparente Sicherheitsgarantien und eine parlamentarische Zustimmung für derartige Missionen. „Sie werden ja nicht das Parlament dafür gewinnen können, wenn das Parlament gar nicht weiß, was soll denn letztlich auch die Aufgabe sein“. Natürlich müsse es Sicherheitsgarantien geben, dass sich die Ukraine weiterhin erwehren kann gegen möglicherweise weitere Angriffe Russlands.

    Warum wird eigentlich immer nur über militärische Sicherheitsgarantien diskutiert, warum nimmt man nicht eine Sicherheitsordnung in Europa oder gar in der Welt insgesamt in den Blick?

    Europa hat es bisher sträflich vernachlässigt, eigene Friedensinitiativen zu entwickeln, nun müssen sie dem Wankelmut des US-Präsidenten auch in seiner Politik gegenüber Russland hinterherlaufen. Zwar hatten die Ergebnisse des symbolischen Zusammentreffens in Anchorage zwischen dem amerikanischen und russischen Präsidenten keine konkrete Substanz, aber wenn die Koalition der Willigen schon in jeder Redewendung einen Rettungsanker sucht, warum greift man dann die vagen Ankündigungen Putins über eine „tolle Zusammenarbeit“ und möglicherweise sogar über Rüstungskontrolle nicht auf?

    Rolf Mützenich und Ralf Stegner haben doch recht, wenn sie die Vereinten Nationen oder die OSZE für einen Friedensprozess ins Blickfeld nehmen. Sicherlich herrscht heute ein völlig anderer Geist als zu den Zeiten als im Jahre 1975 die Staats- und Regierungschefs von 35 Ländern in Helsinki die Schlussakte der „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) unterzeichneten.

    Damals wollte die russische UdSSR den Status Quo absichern, während Russland heute eine imperiale Expansion betreibt. Doch die Grundprinzipien der KSZE-Schlussakte und danach der von der OSZE ausgehenden Prozess, nämlich eine Erweiterung des Sicherheitsbegriffs auf Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sowie der schrittweise Aufbau von Vertrauen und der Aufbau eines sicherheitspolitischen Instrumentenkasten, der über das rein Militärische hinausreicht (Oliver Bange, Antagonistische Kooperation, KSZE APuZ v. 12. Juli 2925, S. 09 (17)) bleiben auch heute noch richtig.

    Es müsste dieser erweiterte Sicherheitsbegriff wieder in die internationale Politik Einkehr finden, nämlich dass langfristig Kooperation für alle Staaten vorteilhafter ist, als Unsicherheit und militärische Konfrontation.

    Statt in einer Welt zu leben, in der Macht über dem Recht steht und Bürger und Staaten dem Großmachtspiel von Autokraten ausgesetzt sind, sollte es um kooperative Sicherheit gehen.

    Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat doch nicht unrecht, wenn er eine „europäische Sicherheitsarchitektur“ statt deutscher Soldaten in der Ukraine fordert. Und es ist gewiss nicht falsch, wenn der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn an seine Fraktionsmitglieder schrieb: Bei einem möglichen Friedensabkommen geht es nicht ´nur` um die Ukraine, sondern um die künftige Sicherheitsordnung in Europa“. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen von der CDU pflichtet ihm bei. (Die Welt v. 21.08.2025 S. 3) Solche Ideen scheinen jedoch beim Kanzler und beim Außenminister nicht angekommen zu sein.

    Doch das wäre eine Aufgabe gerade für die Europäer angesichts des Dominanzgebarens von Putin und Trump. (Siehe dazu das Friedensgutachten „Frieden retten“ der Friedensforschungsinstitute 2025) Die Realität war vor dem Beginn des KSZE-Prozesses 1975 von kooperativem Denken genauso weit entfernt wie heute.

    Die Ukraine wird letztlich nur dann sicher sein, wenn es zu einer europäischen Sicherheitsordnung kommt, bei der auch keine Stellvertreter-Kriege mehr geführt werden müssen.

    Wolfgang Lieb ist ein deutscher Jurist und Publizist. Nach dem Studium der Politik und Rechtswissenschaften an der FU Berlin, in Bonn und in Köln arbeitete er in der Planungsabteilung des Kanzleramtes in Bonn(Helmut Schmidt war Kanzler), wechselte als Leiter in das Grundsatzreferat der Landesvertretung NRW in Bonn, war Regierungssprecher des Ministerpräsidenten Johannes Rau und Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium. Zusammen mit Albrecht Müller war Lieb Mitherausgeber und Autor der politischen Website “NachDenkSeiten” und wurde mit dem Alternativen Medienpreis ausgezeichnet. 2015 gab er seine Mitherausgeberschaft wegen unüberbrückbarer Meinungsdifferenzen mit Müller über die redaktionelle Linie des Blogs auf. Heute arbeitet Wolfgang Lieb als freier Autor. Dieser Beitrag erschien zuerst im “Blog der Republik”, hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

    Über Wolfgang Lieb:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  16. “Geisterdebatte”

    Die „Geisterdebatte“ um Sicherheitsgarantien für die Ukraine

    Es war Wolodymyr Selenskyi, der auf dem Treffen „der Willigen“ mit US-Präsident Trump im Weißen Haus in Washington am 18. September 2025 das Thema „Sicherheitsgarantien“ ins Gespräch brachte. Der Selenskyi-Begleitschutz der Europäer sekundierte ihm. Die italienische Regierungschefin Giorgia Meloni und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprachen bei den Sicherheitsgarantien von „Artikel 5 (Nato-Vertrag) ähnlichem“ Beistand. Der NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der Trump am meisten schmeichelt, soll – um vom heiklen Gespräch über Gebietsabtretungen abzulenken – gleichfalls diese Option angesprochen haben. Der französische Präsident Emmanuel Macron stellt „Rückversicherungskräfte“ nicht an der Front, sondern zur See, in der Luft und an Land in Aussicht. Der englische Premier Keir Starmer hatte schon anfangs des Jahres seine Bereitschaft erklärt, „eigene Truppen“ in der Ukraine einzusetzen.

    Auf die Frage welche Garantien sein Land haben müsse, soll Selenskyi knapp geantwortet haben „alles“.

    In einer Randbemerkung von US-Präsident Donald Trump in der Runde soll dieser die Entsendung von US-Bodentruppen nicht ausgeschlossen haben. Damit hatte er die große Hoffnung der Europäer zunächst erfüllt, der britische Premier Keir Starmer sprach sogar von einem „Durchbruch“ und der NATO-Generalsekretär Mark Rutte war – wie üblich – über Trump regelrecht begeistert und nannte es einen „großen Schritt“.

    Allerdings ruderte Trump kurz nach dem Treffen auf seiner Plattform Truth Social wieder zurück, schloss Bodentruppen aus und schrieb, dass er vor allem die Europäer in der Pflicht sehe und diese „in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten“ handeln werden. Europa müsse den „größten Teil“ schultern (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13) – allenfalls aus der Luft könnten die Amerikaner helfen und in seiner großmäuligen Art fügte er hinzu, niemand in Europa verfüge ja über eine solche Ausrüstung wie die USA. „Putin ist kriegsmüde“ urteilte der amerikanische Präsident. Außenminister Marco Rubio solle die Details ausarbeiten und mit den Sicherheitsberatern aus Berlin, London und Paris konkrete Vorschläge für Sicherheitsgarantien ausarbeiten. Solche Gespräche wurden inzwischen im Nordatlantikrat aufgenommen.

    Beim US-Sender Fox News meinte Trump schließlich, insbesondere Deutschland, Frankreich und Großbritannien wollten Bodentruppen – oder wie es beschönigend heißt: „boots on the ground“ – entsenden. Schon im Februar dieses Jahres ließ der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei seinen NATO-Kollegen anfragen: „Wäre ihr Land bereit, eigene Truppen in der Ukraine einzusetzen?

    Damals hatte die Bundesregierung den Fragebogen nicht ausgefüllt.

    Wie reagierten der Kanzler und die Bundesregierung?

    Während Friedrich Merz noch als Oppositionsführer Spekulationen über die Entsendung von Bundeswehrsoldaten als „unverantwortlich“ kritisierte, soll er nun als Kanzler, der ja eine Führungsrolle in Europa beansprucht und um das Wohlgefallen Trumps nicht zu gefährden, in Washington zum Thema Sicherheitsgarantien angemerkt haben, dass diese „eine sehr lange und intensive Diskussion erfordert“ hätten. Merz fügte hinzu: „Völlig klar ist, dass sich ganz Europa daran beteiligen sollte“ und Deutschland dabei „ein hohes Interesse und eine hohe Verantwortung“ trage. In welchem Umfang, das müsse man in Europa besprechen und das werde er natürlich auch mit der Koalition in Berlin zu beraten haben.

    Eine eher beiläufige Bemerkung des Kanzlers vor der Presse – nach dem Treffen im Weißen Haus – löste zumal in Deutschland eine heftige Debatte über die Entsendung deutscher Soldaten in die Ukraine aus. Als Teil von solchen Sicherheitsgarantien nach einem Ende der Kämpfe wolle er nun einen bewaffneten Einsatz „bis hin zu der Frage, ob wir hier möglicherweise mandatspflichtige Beschlüsse zu fassen haben“.  „Mandatspflichtig“ heißt konkret, da die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist, dass der Bundestag einem bewaffneten Einsatz deutscher Streitkräfte außerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzes zustimmen müsste. (§ 1 Abs. 2 des Parlamentsbeteiligungsgesetzes v. 18. März 2005)

    Der Regensburger Politikwissenschaftler Stephan Bierlin geht da noch einen Schritt weiter als der Kanzler und meinte, wir Deutschen hätten uns mit dem Parlamentsvorbehalt selbst ein Korsett angelegt. Da es sich um eine kollektive Friedenssicherungsmission handeln könne, wäre ein Bundestagsmandat nicht unbedingt erforderlich. (Im Interview mit der Welt v. 21.08.2025, S. 3)

    Der Kanzler stellte also einen bewaffneten Einsatz in den Raum und gerade so als hätten alle auf das Stichwort „bewaffneter Einsatz“ gewartet, hat er damit eine heftige innenpolitische Diskussion losgetreten.

    Präsident Trump: „Es gibt keinen Deal, bevor der Deal nicht fertig ist“ (Tagesschau, 16.8.25)

    Dabei weiß derzeit niemand, ob es überhaupt zu einem von Trump angestoßenen bilateralen Treffen von Selenskyi und Putin kommt. Lawrow sagte, es sei noch gar kein Termin geplant (Berliner Zeitung v. 23./24.08.2025, S. 2) und man brauche eine solide Vorbereitung.

    Noch ungewisser ist, ob danach noch ein Dreiertreffen mit Trump stattfinden wird.

    Reine Spekulation ist, ob sich Putin bei diesen Verhandlungen auf ein Friedensabkommen einlassen wird.

    Unbestritten ist, dass sich die Frage nach Sicherheitsgarantien erst stellt, wenn überhaupt eine Aussicht wenigstens auf einen Waffenstillstand oder ein Friedensabkommen besteht. Laut „Trendbarometer“ von RTL/ntv rechnen 81 Prozent der Befragten nicht mit einem baldigen Friedensabkommen. Sicher scheint nur zu sein, dass es ohne Sicherheitsgarantien für die Ukraine, ohne dass diese kapitulieren müsste, kein Ende des Krieges geben wird.

    Sicherheitsgarantien wären nach Gebietsabtretungen wohl die am schwierigsten zu lösenden Probleme eines Friedensabkommens. Ob es dann zu einer Stationierung von fremden Truppen kommt oder kommen kann ist somit völlig offen.

    Derzeit gibt es mehr Fragen als Antworten, wie Sicherheitsgarantien aussehen sollten

    Am einfachsten wären Garantien von Seiten der russischen Regierung, mit denen die ukrainische Souveränität als gesichert erklärt wird. Trumps früherer Kumpel als Immobilieninvestor und nunmehr sein Sondergesandter brachte aus Moskau unlängst die überraschende Botschaft mit, Russland wäre bereit, per Gesetz einen erneuten Überfall auf die Ukraine zu verbieten.

    Für Selenskyi und zumindest für die Europäer dürften solche Zusagen wie Hohn klingen. Denn Russland hat mit dem Einmarsch vor mehr als drei Jahren das sog. Budapester Memorandum 1994brutal gebrochen. Darin hatte das Vereinigte Königreich und die USA gemeinsam gegenüber der Ukraine Sicherheitsgarantien als deren Entgegenkommen für einen Beitritt zum Atomwaffensperrvertrag und als Gegenleistung für die Beseitigung aller Nuklearwaffen auf ihren Territorien gegeben haben. Diese Sicherheitsgarantien haben sich spätestens mit der Annexion der Krim 2014 als leere Versprechen erwiesen. Russland hat dazuhin auch noch den Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine, nachdem ihn die Ukraine schon 2019 aufgekündigt hatte, endgültig militärisch niedergewalzt.

    Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages oder nach einer „ähnlichen“ Regelung?

    Wenngleich Selenskyi stets eine Aufnahme in die NAT0 reklamiert, könnte dieses Misstrauen – wie bei der Sicherheitsgarantie des Budapester Memorandums – auch gegen die Beistandspflicht nach Art. 5 des NATO-Vertrages durchschlagen. Denn der Beistand muss nicht zwingend militärisch sein, die Bündnisverpflichtung ist vage und nach Abs. 2 an den UN-Sicherheitsrat gebunden, in dem Russland ein Vetorecht hat. Abgesehen davon, haben die USA nach der Amtsübername von Präsident Trump einem NATO-Beitritt einen Riegel vorgeschoben.

    Für eine von Giorgia Meloni, Ursula von der Leyen und Trumps Sondergesandten Steve Wittkoff  ins Gespräch gebrachte dem Art. 5 des NATO-Vertrages „ähnliche“ Regelung, ohne dass die Ukraine vorher in der NATO aufgenommen werden müsste, dagegen dürften auch ähnliche Vorbehalte gelten, wie bei einer formellen Mitgliedschaft.

    Gegen Witkoffs Aussage, dass die russische Regierung einem solchen Kompromiss zugestimmt habe, sprechen die offiziellen Stellungnahmen aus Moskau. Einen solchen NATO-Beitritt „durch die Hintertür“ (wie Johannes Varwick das nennt, siehe der Freitag v. 21.08.2025, S. 1) dürfte Putin, der ja als einen der wichtigsten Gründe für den völkerrechtswidrigen militärischen Angriff auf die Ukraine nannte, nämlich das Vorrücken der NATO bis an russische Grenzen, schon um seiner Gesichtswahrung willen niemals akzeptieren.

    Sicherheitsgarantie aus einer EU-Mitgliedschaft der Ukraine?

    Auch über eine EU-Mitgliedschaft und die im Vertrag von Maastricht beschlossene „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik” (GASP) als mögliche Sicherheitsgarantie wird diskutiert. Ein solcher Beitritt liegt jedoch in weiter Ferne und einige EU-Mitglieder würden sich derzeit auch dagegen sperren, selbst wenn – wie Bloomberg wissen will – Trump den ungarischen Präsidenten Orbán dazu überreden sollte.

    Die Europäer, die nun seit über drei Jahren die Ukraine mit Waffen beliefern und damit eindeutig Partei ergriffen haben, sind aus russischer Sicht als „Friedenswächter“ ohnehin nicht mehr glaubwürdig.

    Alternativen zur Truppenstationierung

    Zur Absicherung der Sicherheit könnten andere Hilfen als die Stationierung von Truppen in Frage kommen, etwa

    • die Bereitstellung von Aufklärungsdaten und Geheimdienstinformationen,
    • weitere Waffenlieferungen an die Ukraine „ohne Einschränkungen“ (wie der neue Regierungssprecher Stefan Kornelius dem Spiegel sagte) oder
    • die Ausbildung ihrer Soldaten in noch größerem Umfang als schon jetzt. (Siehe zum Umfang der bisherigen Zusammenarbeit „Die Partnerschaft: Die geheime Geschichte des Krieges in der Ukraine“.)

    Ein Weg zu mehr Sicherheit für die Ukraine wäre auch der „Stachelschwein-Effekt“, nämlich deren Einheiten an der Front so hochzurüsten, dass Putin vor einem neuen Angriff zurückschreckt.

    Bei seinem Besuch im Weißen Haus schlug Wolodymyr Selenskyj vor, US-Waffen im Wert von 100 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Bezahlen sollen das die Europäer, schreibt die Financial Times unter Verweis auf ein internes Dokument.

    Wer sollte die notwendigen Soldaten und Soldatinnen an der Frontlinie stellen?

    Wenn Truppen, also „Reasurance Forces“, zur Überwachung eines Waffenstillstands in die Ukraine entsandt werden sollten, würden sie dann entlang der Waffenstillstandslinie stationiert werden? Die Ukraine hat eine Frontlinie von 1.200 Kilometer zu verteidigen, um diese zu sichern würden – geschätzt – bis zu 150.000 Soldaten gebraucht. (S. 11 der Studie Modelle zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstandes in der Ukraine, Claudia Major, Aldo Kleemann, so auch die Cindy Wittke-Hohlfeld, Leiterin der Forschungsgruppe Osteuropa des Leibniz-Instituts in Regensburg) Eine derart „gigantische“ Friedenstruppe hält Constanze Stelzenmüller von der Brookings Institution in Washington für eine „Illusion“.

    Es dürfe nicht sein, „immer mehr Aufträge anzunehmen und den Personalkörper (der Bundeswehr) nicht zu stärken“, meint der Wehrbeauftragte.

    Wo so viele Soldatinnen und Soldaten herkommen sollen, ist völlig unklar. Laut „Wall Street Journal“ wäre Frankreich bereit, rund 5.000 Mann zu stellen, und die „Times“ schreibt, dass Großbritannien 3.000 bis 5.000 Soldaten schicken wolle, die allerdings die ukrainische Armee nur ausbilden und nicht als Sicherungstruppe dienen sollen.

    Die Bundeswehr braucht ja schon für Stationierung einer Brigade von 5.000 Bundeswehrangehörigen in Litauen vier Jahre – nämlich von 2023 bis 2027 -, wie sollte ein vergleichbarer Aufbau in einem noch kürzeren Zeitraum gelingen und das in einem Kriegsgebiet?

    Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine hat Deutschland für die zivile Unterstützung rund 34 Milliarden Euro und für die militärische rund 38 Milliarden Euro geleistet oder für die Zukunft bereitgestellt. Kämen neue langfristige Garantieverpflichtungen noch dazu, dürfte sich dieser Betrag noch vervielfachen. (Berliner Zeitung, v. 21.08.2025 S. 13)

    Truppenkontingente im Hinterland

    Ausländische Truppenkontingente könnten aber auch tiefer im Hinterland gestaffelt sein oder sie kämen nur als Überwacher eines Waffenstillstands ins Land. (So im Leitartikel von Marina Kormbaki, Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 6)

    Wäre Regierung bereit, dass ihre entsendeten Truppen gegen Russland in den Krieg zu ziehen?

    Die Kernfrage, die sich bei jeder Art der Entsendung von Truppen in die Ukraine stellt, wird in der öffentlichen und der politischen Diskussion wohlweislich ausgeklammert, nämlich: Wären die entsendenden Regierungen bereit, für die Ukraine in den Krieg mit Russland zu ziehen?

    Die Antwort in der Bevölkerung dürfte negativ ausfallen. Nach einer aktuellen „Civey“-Umfrage lehnen 51 Prozent der Deutschen eine Beteiligung der Bundeswehr an einer Mission zur Sicherung des Friedens in der Ukraine ab und 42 Prozent halten diese Idee für „eindeutig falsch“. Jedenfalls würde ein öffentlicher Streit ausbrechen, gegen den die Proteste gegen die jeweiligen Waffenlieferungen in die Ukraine nur ein laues Windchen sein würden.

    Würde Putin europäische Truppen akzeptieren?

    Wenn sich Putin überhaupt auf ein Friedensabkommen einlassen sollte, würde er akzeptieren, dass europäische oder Truppen von NATO-Staaten auf dem Territorium der Ukraine stationiert würden?  Das würde all seinen Begründungen für seinen militärischen Angriff widersprechen. Hat er doch gerade das Heranrücken der NATO-Staaten an Russland und die Verhinderung der Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO als wesentliche Gründe für seine „Spezialoperation“ genannt.

    Eine Entsendung von Nato-Truppen könne zu „einer unkontrollierbaren Eskalation des Konflikts mit unvorhersehbaren Folgen führen“, warnte denn auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa schon jetzt. (Siehe dazu Paul-Anton Krüger, Christoph Schult Der Spiegel v. 22.08.2025 S. 14f.) Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte apodiktisch, „die Präsenz von Truppen aus Nato-Staaten auf ukrainischem Gebiet – unter welcher Flagge auch immer, einschließlich sogenannter Peacekeeper – stellt eine Bedrohung für Russland dar.“ (Berliner Zeitung v. 21.08.2025 S. 13). Lawrow hält „ausländische Interventionen in Teilen der Ukraine“ für „völlig inakzeptabel“. Er verlangt darüberhinaus, dass Sicherheitsvereinbarungen nicht ohne Moskaus Beteiligung ausgearbeitet werden dürften. Verhandlungen ohne Russland führten auf einen „Pfad ins Nirgendwo“.

    Die Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine ist eine „Geisterdebatte“

    Aus vielen Gründen hält der frühere Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, eine Debatte über Bundeswehrsoldaten in der Ukraine für „abwegig“ und „kontraproduktiv“, kurz: für eine „Geisterdebatte“. Die Stationierung westlicher Truppen in der Ukraine sei „aus russischer Sicht mit der Nato-Mitgliedschaft der Ukraine“ gleichzusetzen. Damit würde eine rote Linie Moskaus überschritten. Die Ukraine müsse vielmehr ein „Stachelschwein“ werden, sodass Angriffe für Russland schmerzhaft seien.

    Andererseits will Selenskyi einem Friedensabkommen nur zustimmen (können), wenn er für sein Land Sicherheitsgarantien bekommt.

    Die üblichen Bellizisten sprangen auf das Thema Bodentruppen in die Ukraine natürlich sofort an

    Der überall als Militärexperte gefragte Carlo Masala, der Russlands Angriff auf Estland für den  27. März 2028 vorhersieht, plädierte sofort für „harte Sicherheitsgarantien“ und sagte: „Wenn du, Wladimir Putin, oder dein Nachfolger, es wagt, die Ukraine nochmals anzugreifen, dann befindest du dich im Krieg mit uns.“ Man könne sich nicht damit rühmen, dass man der wichtigste Unterstützer der Ukraine ist und dann in dieser entscheidenden Frage sagen: „Aber daran werden wir uns nicht aktiv in der Ukraine beteiligen. Das ist ein Widerspruch. Den können Sie weder der Ukraine noch dem Rest Europas erklären“.

    Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sieht Deutschland in einer Führungsrolle, wenn europäische Truppen in der Ukraine stationiert werden, „um Putin die Lust zu nehmen, nach ein paar Jahren Luft holen erneut angreifen zu lassen“.

    Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), sagte dem WDR: „Es geht schon darum, der Ukraine verbindlich zuzusichern und auch militärisch abzusichern, dass für den Fall eines erneuten Angriffs durch Russland die Europäer gemeinsam mit den Truppen der Amerikaner auch bereit sind, einen Angriff zurückzuschlagen… Das bedeutet auch, dass deutsche Soldatinnen und Soldaten nach einem Friedensschluss dazu beitragen müssen, den Frieden langfristig zu sichern“. Die Bundeswehr verfüge über ein breites Spektrum militärischer Fähigkeiten, die zur dauerhaften Stabilisierung des Friedens in der Ukraine beitragen können.

    Auch der Oberst a.D. und CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter setzt einmal mehr aufs Militär und spricht sich für eine Teilnahme der Bundeswehr an einer möglichen Friedensmission in der Ukraine ein: „Dafür ist die Bundeswehr da“ sagte er der Kölnischen Rundschau und fügte hinzu: „Selbstverständlich müsste Deutschland als politisch und wirtschaftlich stärkstes Land in Europa ebenfalls einen Beitrag leisten.“ Allerdings brauche die Bundeswehr wesentlich mehr Personal. Deshalb müsse die Wehrpflicht wieder eingesetzt werden.

    Während die damalige Außenministerin Annalena Baerbock von den Grünen schon Ende letzten Jahres auf einem NATO-Außenministertreffen ohne Not für eine Beteiligung der Bundeswehr in der Ukraine  ansprach, durfte Anton Hofreiter von den Grünen natürlich bei den „Kriegstüchtigen“ nicht fehlen „Europa muss sich darauf vorbereiten, harte Sicherheitsgarantien zu gewährleisten“, sagte er.

    Regierungspolitiker reden um den heißen Brei

    Während der Kanzler einen bewaffneten Einsatz in den Raum stellte, stiftete der CDU-Außenminister Johann Wadephul mit einer Äußerung während seiner Japanreise zunächst Verwirrung: Neben einer Bundeswehrbrigade in Litauen „zusätzlich noch Truppen in der Ukraine stationieren würde uns voraussichtlich überfordern“. Er rückte damit vom Kanzler ab, um dann aber gleich wieder klein beizugeben: Er und die Bundesregierung hätten wiederholt deutlich gemacht, dass robuste Sicherheitsgarantien für die Ukraine gebraucht würden und dass Deutschland dazu Beiträge liefern und Verantwortung übernehmen müsse. Es sei zum jetzigen Zeitpunkt offen, ob man deutsche Truppen entsenden werde. „Das muss wirklich verhandelt werden“. Letztlich würden Sicherheitsgarantien bedeuten, dass man nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten an der Seite der Ukraine stehe. Dafür schob er die Verantwortung dem Verteidigungsminister zu: Das Weitere müsse Pistorius beantworten.

    Boris Pistorius von der SPD schloss eine Beteiligung der Bundeswehr nicht aus: „Wie ein deutscher Beitrag zu den Sicherheitsgarantien aussehen wird, steht derzeit noch nicht fest…Wir berücksichtigen dabei erst den Verlauf der Verhandlungen, zweitens einen möglichen Beitrag der USA und drittens die Abstimmung mit unseren engsten Partnern“.

    Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Lars Klingbeil blieb im ZDF-Sommerinterview im Unverbindlichen: „Natürlich müssen wir auch eine Verantwortung übernehmen als Europäer, wenn es um Sicherheitsgarantien geht. (…) Wir sind Europäer und wir sind ein Land, das massiv vorangeht, gerade in Europa. Das ist richtig. Und deswegen auch wir als Deutsche – aber ob das, das ist, was Sie beschrieben haben, ob es darum geht, dass wir die ukrainische Armee ausbilden, ob es um finanzielle Hilfen geht, ob es um andere Fragen geht, das muss dann alles jetzt in den nächsten Tagen geklärt werden“.

    Wer vom Spiegel Kritisches erwartet hatte, wurde wieder einmal enttäuscht, die Leitartiklerin Marina Kormbaki hält es für „richtig, dass Deutschland einen Frieden in der Ukraine auch militärisch absichern müsse…Truppen in der Ukraine wären das stärkste Schutzversprechen des Westens an Kyjiw“. Es sei im deutschen Interesse, sich stark und entschlossen zu zeigen – vor Putin und vor Trump. (Spiegel, v.22.08.2025, S.6)

    Widerstand aus der CDU

    Nur Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer hat sich gegen deutsche Bodentruppen in der Ukraine ausgesprochen. „Dass deutsche Soldaten in der Ukraine kämpfen, darf kein Thema sein… Dafür fehlen der Bundeswehr die Voraussetzungen. Man sollte nur so stark auftreten wie man ist“, sagte der CDU-Politiker dem SPIEGEL.

    Viele Aussagen von CDU und Grünen klingen allerdings so, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis deutsche Soldaten in der Ukraine dienen und möglicherweise kämpfen müssen.

    Kritik von der Linken und dem BSW und Demagogie von der AfD

    „Ich halte das für sehr gefährlich, wenn Nato-Truppen und russische Truppen sich an der russisch-ukrainischen Grenze gegenüberstehen“, sagte verteidigungspolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, Ulrich Thoden.

    Der Linken-Chef Jan van Aken, der sich kategorisch gegen einen NATO-Einsatz in der Ukraine ausgesprochen hat, weil er die Gefahr eines „ganz großen Krieges“ sieht. Er brachte stattdessen eine UN-Blauhelmmission ins Gespräch. Er sprach von einer möglichen Beobachtermission im Umfang von 30.000 bis 40.000 Soldaten. Wichtig dabei wäre seiner Ansicht nach, dass sich China beteilige, denn russische Soldaten würden nicht auf chinesische schießen. China würde ein solches UN-Mandat angeblich annehmen. (Siehe Welt am Sonntag v. 24.08.2025 S. 2) Gegen Blauhelmsoldaten spricht allerdings, dass über Einsätze zur Friedenssicherung der UN-Sicherheitsrat entscheiden müsste und dort hat Russland ein Vetorecht.

    Da alle anderen Parteien sich mehr oder weniger mehrdeutig äußern, nutzen BSW und die AfD einmal mehr das offene friedenspolitische Feld für sich. Sahra Wagenknecht schreibt in ihrem neuesten Newsletter: „Deutsche Soldaten an der ukrainisch-russischen Frontlinie? Das wäre nicht nur vollkommen geschichtsvergessen, sondern brandgefährlich! Sollte der Konflikt erneut ausbrechen, wäre Deutschland damit sofort Kriegspartei.“ Wenn man schon die Geschichte bemüht und auf die schlimme Erinnerung an die Invasion der Wehrmacht auch in die Ukraine anspielt, sollte man allerdings nicht übersehen, dass derzeit Russland der Aggressor ist und nicht umgekehrt deutsche Soldaten, wie das während der Nazi-Herrschaft der Fall war.

    Die schon immer russlandfreundliche AfD versucht Jugendliche zu erreichen, die zu 52% gegen die Wehrpflicht sind und veröffentlicht eine demagogisch aufgemachte Fotomontage mit einem verdunkelten Gesicht des Kanzlers und dem Slogan: „Merz will Dich in die Ukraine schicken? Wir nicht!“

    Unterschiedliche und skeptische Stimmen aus der SPD-Fraktion

    Der neue außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Adis Ahmetović meinte vielsagend: „Gleichzeitig sollten wir weder kategorische Zusagen noch Absagen machen. Jede Entscheidung über ein mögliches internationales Engagement muss im Einklang mit unseren Partnern getroffen werden“.

     Ausweichend äußert sich auch der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, bevor über konkrete deutsche Beiträge für Sicherheitsgarantien gesprochen werden könne, sollte man abwarten, ob überhaupt ernst zu nehmende Verhandlungsbereitschaft Russlands bestehe. (Die Welt v. 21.08,2025 S. 1)

    Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch, hält zwar eine militärische Mission für möglich. „Ich werde hier jetzt nichts ausschließen, aber auch nicht in irgendeiner Form sagen: So und so muss es aussehen“, „essentielle“ Voraussetzung für einen Bundewehreinsatz in der Ukraine sei jedoch die Beteiligung der Amerikaner. „Wenn es in irgendeiner Form zu Sicherheitsgarantien kommt, dann ist zentral, dass die Vereinigten Staaten von Amerika dabei sind„.

    Ob für eine solche Beteiligung der USA die von Trump zugesagte Hilfe aus der Luft ausreicht, bleibt eine offene Frage.

    Der frühere SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich bedauerte, dass es US-Präsident Donald Trump war, der einen diplomatischen Prozess überhaupt erst in Gang gebracht habe und nicht die Europäer. Mützenich plädiert wie der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner für eine verstärkte Einbindung der Vereinten Nationen und wenigstens der OSZE für die Suche nach einer Friedenslösung für die Ukraine bevor man über militärische Beteiligung rede. Hierbei hob Mützenich im Interview mit dem Deutschlandfunk die Bedeutung multilateraler Ansätze hervor, insbesondere nach dem Ukraine-Gipfel in Washington. Er fordert transparente Sicherheitsgarantien und eine parlamentarische Zustimmung für derartige Missionen. „Sie werden ja nicht das Parlament dafür gewinnen können, wenn das Parlament gar nicht weiß, was soll denn letztlich auch die Aufgabe sein“. Natürlich müsse es Sicherheitsgarantien geben, dass sich die Ukraine weiterhin erwehren kann gegen möglicherweise weitere Angriffe Russlands.

    Warum wird eigentlich immer nur über militärische Sicherheitsgarantien diskutiert, warum nimmt man nicht eine Sicherheitsordnung in Europa oder gar in der Welt insgesamt in den Blick?

    Europa hat es bisher sträflich vernachlässigt, eigene Friedensinitiativen zu entwickeln, nun müssen sie dem Wankelmut des US-Präsidenten auch in seiner Politik gegenüber Russland hinterherlaufen. Zwar hatten die Ergebnisse des symbolischen Zusammentreffens in Anchorage zwischen dem amerikanischen und russischen Präsidenten keine konkrete Substanz, aber wenn die Koalition der Willigen schon in jeder Redewendung einen Rettungsanker sucht, warum greift man dann die vagen Ankündigungen Putins über eine „tolle Zusammenarbeit“ und möglicherweise sogar über Rüstungskontrolle nicht auf?

    Rolf Mützenich und Ralf Stegner haben doch recht, wenn sie die Vereinten Nationen oder die OSZE für einen Friedensprozess ins Blickfeld nehmen. Sicherlich herrscht heute ein völlig anderer Geist als zu den Zeiten als im Jahre 1975 die Staats- und Regierungschefs von 35 Ländern in Helsinki die Schlussakte der „Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (KSZE) unterzeichneten.

    Damals wollte die russische UdSSR den Status Quo absichern, während Russland heute eine imperiale Expansion betreibt. Doch die Grundprinzipien der KSZE-Schlussakte und danach der von der OSZE ausgehenden Prozess, nämlich eine Erweiterung des Sicherheitsbegriffs auf Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sowie der schrittweise Aufbau von Vertrauen und der Aufbau eines sicherheitspolitischen Instrumentenkasten, der über das rein Militärische hinausreicht (Oliver Bange, Antagonistische Kooperation, KSZE APuZ v. 12. Juli 2925, S. 09 (17)) bleiben auch heute noch richtig.

    Es müsste dieser erweiterte Sicherheitsbegriff wieder in die internationale Politik Einkehr finden, nämlich dass langfristig Kooperation für alle Staaten vorteilhafter ist, als Unsicherheit und militärische Konfrontation.

    Statt in einer Welt zu leben, in der Macht über dem Recht steht und Bürger und Staaten dem Großmachtspiel von Autokraten ausgesetzt sind, sollte es um kooperative Sicherheit gehen.

    Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer hat doch nicht unrecht, wenn er eine „europäische Sicherheitsarchitektur“ statt deutscher Soldaten in der Ukraine fordert. Und es ist gewiss nicht falsch, wenn der CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn an seine Fraktionsmitglieder schrieb: Bei einem möglichen Friedensabkommen geht es nicht ´nur` um die Ukraine, sondern um die künftige Sicherheitsordnung in Europa“. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen von der CDU pflichtet ihm bei. (Die Welt v. 21.08.2025 S. 3) Solche Ideen scheinen jedoch beim Kanzler und beim Außenminister nicht angekommen zu sein.

    Doch das wäre eine Aufgabe gerade für die Europäer angesichts des Dominanzgebarens von Putin und Trump. (Siehe dazu das Friedensgutachten „Frieden retten“ der Friedensforschungsinstitute 2025) Die Realität war vor dem Beginn des KSZE-Prozesses 1975 von kooperativem Denken genauso weit entfernt wie heute.

    Die Ukraine wird letztlich nur dann sicher sein, wenn es zu einer europäischen Sicherheitsordnung kommt, bei der auch keine Stellvertreter-Kriege mehr geführt werden müssen.

    Wolfgang Lieb ist ein deutscher Jurist und Publizist. Nach dem Studium der Politik und Rechtswissenschaften an der FU Berlin, in Bonn und in Köln arbeitete er in der Planungsabteilung des Kanzleramtes in Bonn(Helmut Schmidt war Kanzler), wechselte als Leiter in das Grundsatzreferat der Landesvertretung NRW in Bonn, war Regierungssprecher des Ministerpräsidenten Johannes Rau und Staatssekretär im NRW-Wissenschaftsministerium. Zusammen mit Albrecht Müller war Lieb Mitherausgeber und Autor der politischen Website “NachDenkSeiten” und wurde mit dem Alternativen Medienpreis ausgezeichnet. 2015 gab er seine Mitherausgeberschaft wegen unüberbrückbarer Meinungsdifferenzen mit Müller über die redaktionelle Linie des Blogs auf. Heute arbeitet Wolfgang Lieb als freier Autor. Dieser Beitrag erschien zuerst im “Blog der Republik”, hier mit freundlicher Genehmigung des Autors.

    Über Wolfgang Lieb:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  17. Der fliegende Sauerländer


    Nicht nur seine #Diamond DA62 nutzt #Fraktionsvorstzender #Merz für Touren durchs Land deutschlandfunknova.de/beitrag . Auch die #Flugbereitschaft der Bundeswehr steht ihm regulär zu, insbesondere für internationale (Dienst-)Reisen - da sagt er nicht nein, elfmal in den vergangenen zwölf Monaten tagesspiegel.de/politik/reisen . Sein Counterpart SPD-Fraktionschef #RolfMützenich nutzte die Flugbereitschaft ganze EINMAL für eine Ukraine-Reise, aber nur bis Rzeszów in Ostpolen.


    Merz' Heimatflugplatz könnte Arnsberg-Menden flugplatz-arnsberg-menden.de/ sein, etwa 15km von seinem Zuhause entfernt.

    Wie alle Bundestagsabgeordneten besitzt Merz natürlich auch eine #Bahncard100 für die 1. Klasse bahn.de/angebot/bahncard/bahnc . (Fantastisch! Die hätte ich auch gern...)

    Wäre Merz UNGEWÖHNLICH #ökologisch drauf, sähe sein normaler #Arbeitsweg vom eigenen Heim zum #Bundestag etwa so aus:

    --- #Radfahrt vom Stadtteil #Niedereimer zum Bahnhof #Arnsberg Hbf, Dauer geschätzt 15-20 Minuten. Wo das Rad sicher abgestellt werden kann, müßte er selber rauskriegen. Alternativ wäre es nicht blöd, das #Klapprad zu nehmen bahn.de/faq/16was-muss-ich-bei .

    --- RE 57 ab Arnsberg Hbf 22:34 Uhr nach #Dortmund Hbf, an 23:29 Uhr

    --- ICE 100 um 0:36 Uhr nach #Berlin Hbf, an 5:36 Uhr

    --- ein paar Hundert Meter zum #Bundestag oder #Bundeskanzleramt laufen oder mit dem Klapprad fahren.


    Eine Alternativroute ginge über #Hagen Hbf:

    --- Arnsberg ab 4:59 Uhr mit RE17, Hagen an 5:42 Uhr

    --- Hagen ab 6:32 mit ICE853, Berlin an 10:16 Uhr


    Für einen eingefleischten Rad- und Öffifahrer mit einschlägigen Erfahrungen (Entfernung zum Bahnhof, Verspätungen, Zugausfälle, #ICE !) ist das eine nahezu traumhafte Verbindung;
    für einen angehenden #Bundeskanzler aber wohl nicht der Rede wert, weil er seine #Bodyguards auch irgendwo unterbringen muß.

    Einfach mal für einen #Skatabend nach Hause fahren könnte er mit dem Zug nicht. Dafür bräuchte er wieder die Diamond diamondaircraft.com/en/private .

  18. Der fliegende Sauerländer


    Nicht nur seine #Diamond DA62 nutzt #Fraktionsvorstzender #Merz für Touren durchs Land deutschlandfunknova.de/beitrag . Auch die #Flugbereitschaft der Bundeswehr steht ihm regulär zu, insbesondere für internationale (Dienst-)Reisen - da sagt er nicht nein, elfmal in den vergangenen zwölf Monaten tagesspiegel.de/politik/reisen . Sein Counterpart SPD-Fraktionschef #RolfMützenich nutzte die Flugbereitschaft ganze EINMAL für eine Ukraine-Reise, aber nur bis Rzeszów in Ostpolen.


    Merz' Heimatflugplatz könnte Arnsberg-Menden flugplatz-arnsberg-menden.de/ sein, etwa 15km von seinem Zuhause entfernt.

    Wie alle Bundestagsabgeordneten besitzt Merz natürlich auch eine #Bahncard100 für die 1. Klasse bahn.de/angebot/bahncard/bahnc . (Fantastisch! Die hätte ich auch gern...)

    Wäre Merz UNGEWÖHNLICH #ökologisch drauf, sähe sein normaler #Arbeitsweg vom eigenen Heim zum #Bundestag etwa so aus:

    --- #Radfahrt vom Stadtteil #Niedereimer zum Bahnhof #Arnsberg Hbf, Dauer geschätzt 15-20 Minuten. Wo das Rad sicher abgestellt werden kann, müßte er selber rauskriegen. Alternativ wäre es nicht blöd, das #Klapprad zu nehmen bahn.de/faq/16was-muss-ich-bei .

    --- RE 57 ab Arnsberg Hbf 22:34 Uhr nach #Dortmund Hbf, an 23:29 Uhr

    --- ICE 100 um 0:36 Uhr nach #Berlin Hbf, an 5:36 Uhr

    --- ein paar Hundert Meter zum #Bundestag oder #Bundeskanzleramt laufen oder mit dem Klapprad fahren.


    Eine Alternativroute ginge über #Hagen Hbf:

    --- Arnsberg ab 4:59 Uhr mit RE17, Hagen an 5:42 Uhr

    --- Hagen ab 6:32 mit ICE853, Berlin an 10:16 Uhr


    Für einen eingefleischten Rad- und Öffifahrer mit einschlägigen Erfahrungen (Entfernung zum Bahnhof, Verspätungen, Zugausfälle, #ICE !) ist das eine nahezu traumhafte Verbindung;
    für einen angehenden #Bundeskanzler aber wohl nicht der Rede wert, weil er seine #Bodyguards auch irgendwo unterbringen muß.

    Einfach mal für einen #Skatabend nach Hause fahren könnte er mit dem Zug nicht. Dafür bräuchte er wieder die Diamond diamondaircraft.com/en/private .

  19. Der fliegende Sauerländer


    Nicht nur seine #Diamond DA62 nutzt #Fraktionsvorstzender #Merz für Touren durchs Land deutschlandfunknova.de/beitrag . Auch die #Flugbereitschaft der Bundeswehr steht ihm regulär zu, insbesondere für internationale (Dienst-)Reisen - da sagt er nicht nein, elfmal in den vergangenen zwölf Monaten tagesspiegel.de/politik/reisen . Sein Counterpart SPD-Fraktionschef #RolfMützenich nutzte die Flugbereitschaft ganze EINMAL für eine Ukraine-Reise, aber nur bis Rzeszów in Ostpolen.


    Merz' Heimatflugplatz könnte Arnsberg-Menden flugplatz-arnsberg-menden.de/ sein, etwa 15km von seinem Zuhause entfernt.

    Wie alle Bundestagsabgeordneten besitzt Merz natürlich auch eine #Bahncard100 für die 1. Klasse bahn.de/angebot/bahncard/bahnc . (Fantastisch! Die hätte ich auch gern...)

    Wäre Merz UNGEWÖHNLICH #ökologisch drauf, sähe sein normaler #Arbeitsweg vom eigenen Heim zum #Bundestag etwa so aus:

    --- #Radfahrt vom Stadtteil #Niedereimer zum Bahnhof #Arnsberg Hbf, Dauer geschätzt 15-20 Minuten. Wo das Rad sicher abgestellt werden kann, müßte er selber rauskriegen. Alternativ wäre es nicht blöd, das #Klapprad zu nehmen bahn.de/faq/16was-muss-ich-bei .

    --- RE 57 ab Arnsberg Hbf 22:34 Uhr nach #Dortmund Hbf, an 23:29 Uhr

    --- ICE 100 um 0:36 Uhr nach #Berlin Hbf, an 5:36 Uhr

    --- ein paar Hundert Meter zum #Bundestag oder #Bundeskanzleramt laufen oder mit dem Klapprad fahren.


    Eine Alternativroute ginge über #Hagen Hbf:

    --- Arnsberg ab 4:59 Uhr mit RE17, Hagen an 5:42 Uhr

    --- Hagen ab 6:32 mit ICE853, Berlin an 10:16 Uhr


    Für einen eingefleischten Rad- und Öffifahrer mit einschlägigen Erfahrungen (Entfernung zum Bahnhof, Verspätungen, Zugausfälle, #ICE !) ist das eine nahezu traumhafte Verbindung;
    für einen angehenden #Bundeskanzler aber wohl nicht der Rede wert, weil er seine #Bodyguards auch irgendwo unterbringen muß.

    Einfach mal für einen #Skatabend nach Hause fahren könnte er mit dem Zug nicht. Dafür bräuchte er wieder die Diamond diamondaircraft.com/en/private .

  20. Der fliegende Sauerländer


    Nicht nur seine #Diamond DA62 nutzt #Fraktionsvorstzender #Merz für Touren durchs Land deutschlandfunknova.de/beitrag . Auch die #Flugbereitschaft der Bundeswehr steht ihm regulär zu, insbesondere für internationale (Dienst-)Reisen - da sagt er nicht nein, elfmal in den vergangenen zwölf Monaten tagesspiegel.de/politik/reisen . Sein Counterpart SPD-Fraktionschef #RolfMützenich nutzte die Flugbereitschaft ganze EINMAL für eine Ukraine-Reise, aber nur bis Rzeszów in Ostpolen.


    Merz' Heimatflugplatz könnte Arnsberg-Menden flugplatz-arnsberg-menden.de/ sein, etwa 15km von seinem Zuhause entfernt.

    Wie alle Bundestagsabgeordneten besitzt Merz natürlich auch eine #Bahncard100 für die 1. Klasse bahn.de/angebot/bahncard/bahnc . (Fantastisch! Die hätte ich auch gern...)

    Wäre Merz UNGEWÖHNLICH #ökologisch drauf, sähe sein normaler #Arbeitsweg vom eigenen Heim zum #Bundestag etwa so aus:

    --- #Radfahrt vom Stadtteil #Niedereimer zum Bahnhof #Arnsberg Hbf, Dauer geschätzt 15-20 Minuten. Wo das Rad sicher abgestellt werden kann, müßte er selber rauskriegen. Alternativ wäre es nicht blöd, das #Klapprad zu nehmen bahn.de/faq/16was-muss-ich-bei .

    --- RE 57 ab Arnsberg Hbf 22:34 Uhr nach #Dortmund Hbf, an 23:29 Uhr

    --- ICE 100 um 0:36 Uhr nach #Berlin Hbf, an 5:36 Uhr

    --- ein paar Hundert Meter zum #Bundestag oder #Bundeskanzleramt laufen oder mit dem Klapprad fahren.


    Eine Alternativroute ginge über #Hagen Hbf:

    --- Arnsberg ab 4:59 Uhr mit RE17, Hagen an 5:42 Uhr

    --- Hagen ab 6:32 mit ICE853, Berlin an 10:16 Uhr


    Für einen eingefleischten Rad- und Öffifahrer mit einschlägigen Erfahrungen (Entfernung zum Bahnhof, Verspätungen, Zugausfälle, #ICE !) ist das eine nahezu traumhafte Verbindung;
    für einen angehenden #Bundeskanzler aber wohl nicht der Rede wert, weil er seine #Bodyguards auch irgendwo unterbringen muß.

    Einfach mal für einen #Skatabend nach Hause fahren könnte er mit dem Zug nicht. Dafür bräuchte er wieder die Diamond diamondaircraft.com/en/private .

  21. Der fliegende Sauerländer


    Nicht nur seine #Diamond DA62 nutzt #Fraktionsvorstzender #Merz für Touren durchs Land deutschlandfunknova.de/beitrag . Auch die #Flugbereitschaft der Bundeswehr steht ihm regulär zu, insbesondere für internationale (Dienst-)Reisen - da sagt er nicht nein, elfmal in den vergangenen zwölf Monaten tagesspiegel.de/politik/reisen . Sein Counterpart SPD-Fraktionschef #RolfMützenich nutzte die Flugbereitschaft ganze EINMAL für eine Ukraine-Reise, aber nur bis Rzeszów in Ostpolen.


    Merz' Heimatflugplatz könnte Arnsberg-Menden flugplatz-arnsberg-menden.de/ sein, etwa 15km von seinem Zuhause entfernt.

    Wie alle Bundestagsabgeordneten besitzt Merz natürlich auch eine #Bahncard100 für die 1. Klasse bahn.de/angebot/bahncard/bahnc . (Fantastisch! Die hätte ich auch gern...)

    Wäre Merz UNGEWÖHNLICH #ökologisch drauf, sähe sein normaler #Arbeitsweg vom eigenen Heim zum #Bundestag etwa so aus:

    --- #Radfahrt vom Stadtteil #Niedereimer zum Bahnhof #Arnsberg Hbf, Dauer geschätzt 15-20 Minuten. Wo das Rad sicher abgestellt werden kann, müßte er selber rauskriegen. Alternativ wäre es nicht blöd, das #Klapprad zu nehmen bahn.de/faq/16was-muss-ich-bei .

    --- RE 57 ab Arnsberg Hbf 22:34 Uhr nach #Dortmund Hbf, an 23:29 Uhr

    --- ICE 100 um 0:36 Uhr nach #Berlin Hbf, an 5:36 Uhr

    --- ein paar Hundert Meter zum #Bundestag oder #Bundeskanzleramt laufen oder mit dem Klapprad fahren.


    Eine Alternativroute ginge über #Hagen Hbf:

    --- Arnsberg ab 4:59 Uhr mit RE17, Hagen an 5:42 Uhr

    --- Hagen ab 6:32 mit ICE853, Berlin an 10:16 Uhr


    Für einen eingefleischten Rad- und Öffifahrer mit einschlägigen Erfahrungen (Entfernung zum Bahnhof, Verspätungen, Zugausfälle, #ICE !) ist das eine nahezu traumhafte Verbindung;
    für einen angehenden #Bundeskanzler aber wohl nicht der Rede wert, weil er seine #Bodyguards auch irgendwo unterbringen muß.

    Einfach mal für einen #Skatabend nach Hause fahren könnte er mit dem Zug nicht. Dafür bräuchte er wieder die Diamond diamondaircraft.com/en/private .