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  1. #CLCamp26 Erlebnisse und Erkenntnisse

    Auf der Heimfahrt vom diesjährigen #CLCamp26 war ich so überwältigt vom Barcamp-Erlebnis vor Ort, dass ich, anstatt die sich schon verflüchtigenden Erinnerungen an meine eigenen Sessions zu notieren, ein schnelles Stimmungsbild tippte.

    Am Wochenende danach fühlte ich mich erschöpft. Zwei übervolle Tage zollen ihren Tribut. Mittlerweile hat mich der Arbeitalltag wieder, aber der Vibe meines Heimfahrt-Beitrags ist nicht verflogen. Gerade in der täglichen Arbeit bin ich umso dankbarer, dass es die Corporate Learning Community gibt … über die ich immer wieder behaupte, dass sie mir seit 2017 neue Perspektiven auf und deshalb Freude an meiner Profession gegeben hat. Es ist unbedingt notwendig, zumindest einmal im Jahr die täglichen Berufs-Konstellationen und das eigene berufliche Wirkfeld gemeinsam mit Mitwirkenden nicht aus direkter Projekt- oder Vertriebs-Perspektive zu betrachten, sondern sich gegenseitig mit Überzeugungen, Zweifeln, Einsichten oder nur lose verpackten Kritik zu konfrontieren, die das grundlegendere Verständnis für unsere Branche und deren Spielregeln weiten. (Mehr dazu schreibe ich in meinem CLC-Buchbeitrag „Eine Verteidigung der Corporate Learning Community“).

    Auch dieses Jahr wieder hatte ich Sorge, dass der zerstörerisch wütende „KI“-Bullshit die Sessions dominiert. Die Sorge war berechtigt. In jedem Slot gab es Sessions, in denen Grifter irgendwelche „KI“-Zaubertricks exerzierten. Dennoch schien es mir, dass der Begriff „KI“ in der individuellen Vorstellungsrunde deutlich weniger dominierte als noch letztes Jahr, und dass ich im direkten Gespräch Verbündete fand, die mit ähnlichem Entsetzen wie ich auf die Zerstörung blicken, die die gesellschaftlich-politischen „KI“-Narrative der Tech-Nationalist:innen, der LinkedIn-Bros aber auch der diese Narrative übernehmenden Anwender:innen weiterhin anrichten. „Ich hab mal die KI gefragt“ … diesen intellektuellen Offenbarungseid habe ich glücklicherweise seltener gehört als noch die letzten Tage. Und in den Pausengesprächen mit Community-Mitgliedern, die entsprechende Sessions besucht hatten und daraus berichteten, offenbarte sich, dass die Argumente der „KI“-Grifter immer fadenscheiniger und ihre Tricks immer durchschaubarer werden.

    Die Barcamp-Magie des Zwischen-den-Sessions und Drumherum

    Bevor ich einige der von mir besuchten Sessions rekapituliere, blicke ich auf meine Notizen, die ich zwischen den Sessions gemacht habe.

    Die Hashtags der Vorstellungsrunde schienen mir so sehr geprägt von zwischenmenschlichen Anliegen, wie schon lange nicht mehr. Sind viele von uns der „Digitalisierung“ und des „KI“-Theaters müde? Sehnen wir uns nach Erfahrungen des situativen Spielraums und der Begegnung? (Ja, vielleicht bin ich gerade auch beeindruckt von meiner Anreiselektüre: „Situation und Konstellation“ von Hartmut Rosa.)

    Drückt sich diese gefühlte Digital-Müdigkeit auch dadurch aus, dass die Vorort-Tickets des Barcamps endlich mal wieder ausverkauft waren und nicht annähernd so viele Online-Teilgebenden und -Sessions angeboten wurden wie vor Ort? Dass es einen beliebten „roten Raum“ ohne Technik gab, in dem ich mich so verbunden fühlte wie in manchen Sessions 2017 und 2018, die konsequent auf menschlich-körperlich-aufmerksames und ganz analoges Improvisieren setzten?


    Der Ruf nach ‚echten Begegnungen‘ mag abgestanden klingen und in der täglichen Arbeit liegt es mir völlig fern, ihn unreflektiert nachzuplappern. Ich schätze es, nicht mehr für eine einstündige Powerpoint-Präsentation morgens um 5 Uhr von Berlin nach München und nachmittags wieder zurück fliegen zu müssen (was haben wir damit jahrelang angerichtet?). Ich respektiere gut organisierte Online-Meetings und sowohl aus privaten als auch aus dienstlich-ökonomischen Gründen ist es mir ein Anliegen, nicht unnötig Kraft und Geld in vermeidbare Reisetätigkeit zu versenken, die besser in die gute Konzeption und Moderation von Online-Events investiert wäre. Gute Begegnungen sind online möglich und erstrebenswert. Hybrid-Meetings sind im geschäftlichen Kontext oft ein sinnvoller Kompromiss, insbesondere dann, wenn dadurch die Beteiligung diverser Interessensvertreter:innen ermöglicht und erhöht wird. Im Barcamp-Kontext sehe ich das anders. Wenn es uns möglich ist, Barcamps in regelmäßigen Abständen durchzuführen, plädiere ich vehement für einen Wechsel zwischen Onsite-only und Online-only. Barcamp-Hybrid ist für mich weiterhin ein schlechter Kompromiss, der uns unnötig belastet und einhegt und mir auch rein ökonomisch wenig sinnvoll scheint.

    Trotz oder gerade wegen meiner Hybrid-Skepsis bin ich begeistert, wie wir es diesmal das erste Mal seit dem Twitter-Aus geschafft haben, wieder einen lebendigen, begleitenden und das Barcamp erweiternden semi-synchronen Digital-Layer zu weben – im Fediverse! Das Orga-Team und mehrere Teilgebenden haben sich sehr ins Zeug gelegt, schon im Vorfeld die Aufmerksamkeit auf Mastodon und insbesondere unsere eigene colearn.social-Instanz zu lenken. Vor Ort gab es eine Mastowall, Simon und Karlheinz haben eine Mastodon-als-Lernbooster-Session angeboten, auf Flyern und in regelmäßigen Hinweisen wurde auf das Fediverse hingewiesen und es wurde ein Beitrags-Wettbewerb ausgelobt. Während der Veranstaltung haben sehr viele Community-Mitglieder neue Accounts angelegt und die Timeline mit dem #CLCamp26 Hashtag war während des Events und ist auch jetzt im Nachgang noch lebendig. Harald hatte sogar den Community-übergreifenden #colearn Hashtag in selbst gesägten Holzbuchstaben auf die Bühne gestellt. Während letztes Jahr mehr LinkedIn als Mastodon genutzt wurde, hat sich das dieses Jahr erfreulicherweise gewandelt und auf LinkedIn blieb es dafür vergleichsweise ruhig. Ich habe Hoffnung, dass wir mit dem diesjährigen Engagement den Wechsel ins Fediverse wirklich vollzogen haben. Und vielleicht haben auch die Community-Mitglieder, die die letzten Jahre noch sehr sporadisch auf Mastodon posteten, diesmal Gefallen daran gefunden? Ich hoffe sehr, dass das Engagement auch zwischen den Barcamps aufrechterhalten wird.

    Gute Veranstaltungen reichen über den eigentlichen Event-Zeitraum hinaus. Sie werden bereichert und bereichern die Vor- und Nachbereitung und alles, was sie ungeplant und unorganisiert anstoßen. Die Aufregung darüber im Netz, das kanalisierte Interesse der Teilgebenden schon lange im Vorfeld, die Inspiration, die sie den Teilgebenden für die Tage und Wochen danach mitgeben, das Sprechen darüber, die durch sie ausgelösten Begegnungen, all das, worüber ich hier schreibe (und dass ich überhaupt schreibe!). Der im letzten Abschnitt erwähnte digitale Layer trägt maßgeblich dazu bei.

    Als ich nach Gabrieles und meiner Session zu „Lernressourcen“ (mehr dazu weiter unten) meine Mastodon-Timeline aufrief, stellte ich erfreut fest, dass die Session, während sie lief, durch mehrere Teilgebende aufmerksam dokumentiert und kommentiert worden war. Wenn Teilgebende während Deiner Session auf ihre Handys starren, ist das in der Corporate Learning Community ein gutes Zeichen! Eine Reihe an Beiträgen stach heraus: Markus Metz, der online zugeschaltet war und sich während der Session im Hintergrund hielt, hatte den Austausch aufmerksam verfolgt und ihn in der ihm eigenen kurzen, prägnanten und reflektierten Art in mehreren Beiträgen zusammengefasst und weitergesponnen.

    Ebenfalls über Mastodon organisiert fanden sich Frauke, Christian Kaiser, Felix Harling und ich zu einem Austausch über Art of Hosting zusammen. Ich hatte Fraukes „Art of Hosting“-Erwähnung in der Vorstellungsrunde mitbekommen und dann auf ihrem Mastodon-Profil wiederentdeckt … und ein paar Nachrichten später hatte sich unsere kleine spontane Austauschgruppe gefunden. So funktioniert Peermatching im Fediverse! Und schon zu Beginn des Camps kam Felix auf mich zu: Er hatte mitbekommen, dass ich mich im Sommer für das Art of Hosting Training in Bad Boll angemeldet hatte … so wie er auch. Dort werden wir uns also wiedersehen. Ich freue mich schon jetzt darauf!

    Kein Matching benötigte der Austausch mit Johanna Brühl. Ihre damals auf dem CLC19-Barcamp in Koblenz eingebrachte „Wandelgang“-Session hatte ich noch in guter Erinnerung … obwohl ich sie damals wegen einer parallel stattfindenden Session gar nicht besuchen konnte. Schon damals hatten wir uns zum Lernen beim Spazierengehen ausgetauscht, einer Leidenschaft, die ich mit ihr und anderen Mitgliedern der CLC teile. Sechs Jahre und eine spaziergangreiche Pandemie später konnten wir nahtlos daran anschließen. Besonders resonierte Johannas derzeitige Auseinandersetzung mit der „Lernenden Stadt“ in mir. Über (auch physische) Lernräume und -orte spreche ich z. B. regelmäßig mit Peter Überfeldt. Johannas Begriff „Lernende Stadt“ deute ich für mich einfach mal als antikapitalistische, psychogeographische Ausdehnung der „Lerndenden Organisation“ auf unsere Habitate in der Klimakrise … und weil ich den Begriff von Johanna im Zusammenhang mit Persönlichem Wissensmanagement hörte, packe ich mir gleich einen ganzen Rucksack weiterer Assoziationen hinein, über die ich nachdenken möchte: Kollektives Gedächtnis und kollektive Intelligenz, Stadt als Geschichtsschreibung und Museum, architektonische Wissensanker etc … . Ganz unabhängig von diesen Ideen, die der Austausch mit Johanna in mir angestoßen hat, haben wir uns zur Gründung eines Sketchnoting-lernOS-Lernzirkels verabredet. (Und mittlerweile habe ich einige dieser Gedanken auch in meinen regelmäßigen Austausch mit Peter übernommen … verbreite die Ideen aus dem #CLCamp26 also weiter …).

    Am Wochenende nach dem Barcamp überraschte und erfreute Heidi Milke-Erlwein auf LinkedIn mit einer Sketchnote, in der sie die von ihr besuchten Sessions (unter anderem meine Sessions zu Lernressourcen und Informelle Lernräume) prägnant zusammengefasst und ebenfalls weiter verarbeitet hatte. Diese Sketchnote ist ein Fundgrube, die ich ebenfalls noch weiter erschließen möchte, sobald ich die Zeit dazu finde.

    Und am folgenden Montag schrieb Stephanie Reiner ebenfalls auf LinkedIn eine Verarbeitung ihrer Inspirationen aus unserer Lernressourcen-Session mit umfassenden Hinweisen zum Weiterforschen. Bisher waren Gabriele und ich ja ganz hemdärmelig unterwegs gewesen, während Stephanie zum Thema promoviert. Schon direkt nach der Session hatte sie wertvolle Quellenhinweise auf unserem Etherpad platziert, die sie nun im LinkedIn-Beitrag sortiert, aufbereitet und kommentiert hat.

    Auf diesem #CLCamp26 ist meine Art, Notizen zu machen, völlig aus dem Ruder gelaufen. Ich manchen Sessions habe ich meine Notizen direkt auf Mastodon gepostet, in anderen in meine Notizen-App getippt, wieder andere als Sprachnotiz eingesprochen. Es ist ein Chaos, das es entdeckend zu ordnen gilt. Nein, keine „KI“ wird mir das abnehmen und ich freue mich darauf, auch wenn es vielleicht noch Wochen dauern wird.

    Da meine Kolleg:innen Katharina Vögl-Duschek und Johannes Wendt mir mir an diesen Freitag in einem internen „Fridays for Learning“ unsere #CLCamp26-Eindrücke mit anderen Kolleg:innen teilen werden, dient mir dieser Blogbeitrag als Start, die von mir besuchten Sessions zumindest flüchtig zu rekapitulieren und festzuhalten. Wir gehen rein.

    Die 16 Stellhebel erfolgreicher Learning Circles (Nele Graf und Carla Rockenstein)

    Der Raum war überfüllt. Lernzirkel – ein alter Hut? Nicht für die Teilgebenden! Die Vorerfahrungen waren unterschiedlich. Einige Teilgebende waren mit Lernzirkeln noch überhaupt nicht vertraut, andere sind WOL-Pioniere der ersten Stunde oder bilden selbst Lernzirkel-Coaches aus. Nele und Carla gaben eine kurze Einführung in das Format und legten dabei passend zum CLC-Kontext besonderen Wert auf die Planung und Durchführung interner Lernzirkel in Unternehmen. Ihre Aussage, dass Lernzirkel viele Probleme anderer Formate lösen, kann ich besonders gut nachvollziehen … insbesondere dann, wenn sie integrativ in umfassende Lernkonzepte eingebunden sind und darüber z. B. eine zeitliche Struktur in den Lernprozess bringen und Austausch- und Reflexionsräume schaffen. Nele kritisierte, dass viele Lernansätze immer noch viel zu sehr alleinstehend konzipiert und angeboten werden. Gerade in der Verschränkung klassischer Angebote mit Zirkeln liegt die Musik!

    Christian Kaiser betonte, dass Boxenstopps, in der die einzelnen Lernzirkel zusammenkommen und sich synchronisieren, bei der Organisation des selbstorganisierten Lernens helfen können … gerade dann, wenn das anwendende Unternehmen damit noch nicht vertraut ist. Aber zum Selbstläufer würden Lernzirkel dadurch leider noch nicht – dazu braucht es aktive Unterstützung.

    Auf die Frage einer Teilgebenden, wer Lernzirkel leite, weist Nele hin: Facilitator sollten sich möglichst schnell überflüssig machen. Es gibt viele Möglichkeiten, Guidance zu geben … zu Beginn vielleicht noch über unterstützende Personen, später dann nur noch über den Lernzirkel-Leitfaden. Die Freiheitsgrade können immer weiter gesteigert werden.

    Nele bestätigte viele Aspekte, die Claudia Schütze und ich in unserer LERNLUST-Podcastfolge #51 // Willst Du mit mir zirkeln? bereits besprochen hatten – z. B. dass ein überschaubarer Gesamtzeitraum von z. B. sechs Treffen in vielen Unternehmen passender ist als die vollen 12 Wochen, die meist für Verstetigung von Verhalten empfohlen wird. Bedenkenswert ist in diesem Zusammenhang auch Neles Hinweis, dass je nach Thema und Gruppe die Taktung der Zirkeltreffen unterschiedlich sein sollte: Für manche Themen und Gruppen sollte die Regelmäßigkeit der wöchentlichen Treffen beachtet werden, andere Themen und Gruppen benötigen ggf. längere Abstände zwischen den Treffen, um dazwischen praktische Erfahrungen zu sammeln.

    Es gibt Lernzirkel, deren Mitglieder sich auch nach Ende des Zirkels als Freunde jahrelang regelmäßig weiter treffen und nie wieder mit Lernzirkeln aufhören. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Dennoch sei es für Lernzirkel gerade innerhalb von Unternehmen schwer, sich zu verstetigen, weil das Format leider immer noch dem verbreiteten Bild von „Arbeit“ entgegenstehe, berichtet Christian.

    Bei Lernzirkel-Initiativen, die einen unternehmensübergreifenden Austausch anstreben (für mich einer der wertvollsten Aspekte des Zirkelns!), springt die Bedenkenträgerei leider noch viel schneller an. Die Vorstellung, dass sich Mitarbeitende aus ggf. formal im Wettbewerb zueinander stehenden Unternehmen vertrauensvoll treffen, scheint für viele Führungspersonen Geheimnisverrat gleichzukommen Auch fehle es an offenen Möglichkeiten, Mitzirkelnde zu finden, wird beklagt. Leonid Letzner hat den Peerfinder ja leider eingestellt. Wie könnten wir das Fediverse dafür nutzen, Lernzirkelwillige zusammenzubringen?

    Volkmar Langer berichtete, dass sein Unternehmen bei einer großen Behörde Lernzirkel-Coaches ausbildet und Lernzirkel-Initiativen begleitet.

    Es war ermutigend, in der Session so viele Stimmen und Praxisbeispiele aus Unternehmen zu hören, die Lernzirkel im Einsatz haben oder Interesse daran zeigen. In den vergangenen Jahren hatte ich hin und wieder die Befürchtung, dass das Format an Attraktivität verlöre. Zumindest in der Session war davon nichts zu spüren. Ich freue mich, dass auch meine Kolleg:innen und ich weiterhin entsprechende Initiativen bei Kunden und intern haben … und für demnächst planen wir auch, uns in einem „Fridays for Learning“ tief in Neles Buch „Die Kraft der Learning Circle“ zu vergraben … denn das ist ein wirklich umfassendes Manual!

    Das CLC Buch: Was geht noch? (Jochen Robes)

    Auf diese Session freute ich mich besonders, denn hier wollten wir ein Thema zum Abschluss und gleich in eine zweite Runde bringen, das mein vergangenes Jahr prägte: Unser 15-Jahre-CLC-Buch „Gemeinsam lernen, gemeinsam wachsen“. Vor einem Jahr auf dem #clc25 kamen wir zusammen, beschlossen das gemeinsame Schreiben eines Buches, arbeiten über das Jahr daran … und waren pünktlich zum nächsten Barcamp damit fertig.

    Schon auf der Anreise zum #CLCamp26 verfolgte ich auf Mastodon, wie die Teilgebenden das Buch als Anreiselektüre im Gepäck hatten und darin lasen:

    Zum Aufbau der Initiative an sich wie auch zu Arten, das Ergebnis multimedial weiter zu erschließen, habe ich so viele Ideen, dass ich ihnen einen eigenen Beitrag widmen möchte. Jochen Robes und ich haben dazu vor kurzem auch einen Beitrag für die Zeitschrift „Das kuratierte Dossier“ (Schwerpunktthema „Knowledge and Co-Creation“) der Gesellschaft für Wissensmanagement eingereicht, der Anfang Mai erscheinen wird.

    Christian Kaiser meinte, ein bekannter Vorwurf gegenüber Barcamps sei, dass diese sich oft in Gequatsche ohne Ergebnis erschöpfen würden. Das Buch sei Beweis für das Gegenteil. Jochen meinte, Barcamp-Sessions sollten schon versuchen, mit einem Ergebnis zu schließen … warum das dann im Anschluss nicht aufgreifen und weiter daran arbeiten? Ich schließe mich Christian und Jochen an: Für mich ist so ein Buchprojekt ein Prototyp dafür, wie sich Wissensarbeit als Gruppenprozess zwischen zwei Fix-Terminen selbstorganisieren kann: Wenn wir uns in einer Barcamp-Session (oder einem anderen Veranstaltungsformat) sortieren und wissen, dass wir uns in einem Jahr wiedertreffen, lohnt es sich, die Zeit dazwischen zu planen. Wenn jeder auch nur einen Beitrag als ‚Zwischenbericht‘ und eigener Weiterverarbeitung schreibt, auf Video aufnimmt oder anderweitig veröffentlicht, lässt sich daraus ein gemeinsames, die Gruppe stärkendes, neue Beziehungen, Debatten oder Verbindungen schaffendes Ergebnis wie unser Buch erstellen. Damit wird aus unserem Buchprojekt eigentlich ein neues Großgruppenformat … eine Art Mischung aus Open Space, Barcamp und Community of Practice vielleicht? (Christian brachte auch noch das „Harvesting“ aus Art of Hosting ein … die gemeinsame Ernte aus dem Gruppenprozess. Darüber werde ich im Sommer in meinem Training mehr erfahren …)
    Wie könnten wir diesen Charakter der gemeinsamen, aber asynchronen Arbeit zwischen zwei Synchronevents auf andere Lernansätze übertragen? Das interessiert mich sehr, darüber möchte ich weiter nachdenken!

    Was machen wir jetzt mit dem Buch-Ergebnis? Ideen haben wir genug. Tanja Laub schlug eine Art Community-Stammtisch vor, in dessen Rahmen die Autor:innen ihre Beiträge vorstellen. Stef Halimi betonte, dass wir die ursprünglich im Rahmen unseres Online-Booklaunch geplanten Kurzpräsentationen unserer Beiträge noch durchführen sollten (eigentlich wollte ich dazu ein kurzes Video aufnehmen … vielleicht mache ich das noch?). Ich würde gerne vertiefende Podcast-Episoden mit den Autor:innen aufnehmen, um ihnen ausreichend Raum zu geben, die Geschichten hinter ihren Beiträgen hörbar zu machen.

    Im zweiten Teil der Session stellte Jochen seine Idee für das nächste Projekt vor: Ein Buch über persönliches Wissensmanagement. Dazu hat er mittlerweile auch einen Aufruf auf das Blog der Corporate Learning Community gesetzt. Natürlich werde ich wieder mitmachen und kann es kaum erwarten, mit der Arbeit loszulegen! Meine Ideen und Ansprüche sind wieder übervoll. Gerne würde ich diesmal auch mehr Energie in die Gestaltung stecken, als mir dies beim letzten Mal möglich war (ich bin immer noch beeindruckt von Buchkunstwerken, die ich auf der Leipziger Buchmesse in den Händen hielt …).
    Jochen schlug vor, den Schreibprozess eventuell über konkrete Leitfragen zu strukturieren. Ich könnte mir auch eine Art Blogparade vorstellen (eine Idee, die ich schon das letzte Mal eingebracht hatte). Jochen verwies außerdem darauf, dass sich das Thema ideal eigne, um mehrere Communities zusammenzubringen – z. B. die gfwm und die loscon, die sich ja ebenfalls intensiv mit Wissensmanagement auseinandersetzen.

    Herwig Kummer brachte die berechtige Frage ein, wieso sich eine Community, die ja gerade vom Austausch und dem Wissen-Teilen lebt, ein Buch über persönliches und damit zunächst individuelles Wissensmanagement schreiben sollte. Jochen antwortete, dass gerade in Communities wie der unseren das individuelle, selbstorganisierte Lernen und Wissensmanagement eng verbunden sei mit dem Community-Lernen und -Wissensmanagement. Ich teile diese Idee … und denke zurück an meine zeitweilige tiefere Beschäftigung mit PKM-Ansätzen wie Zettelkasten etc., bei der mich gerade der Aspekt reizte, wie wir unser eigenes Wissensmanagement nicht nur nach außen transparent einsehbar machen, sondern wirklich öffnen und zu einem gemeinsamen Wissensmanagement machen können. Simon Dückert erwähnte die Verbindungen zum Personal Learning Environment (PLE) und Personal Learning Networks (PLN). Mir fällt die LERNLUST-Folge #40 ein, die ich mit Christian Huber und Claudia Schütze zu dem Thema aufgenommen hatte. Und mit Johanna Brühl sprach ich über ihre Themen „Lernende Stadt“ und Communities of Practice, und welche Beziehungen beides zum Persönlichen Wissensmanagement habe. Ich bin mir sicher, dass Rahmenthema unseres nächsten Buches ist wieder so konkret und offen zugleich, dass es einen produktiven Rahmen für unsere Autor:innen in 2026 schafft. So viele Ideen, wann legen wir los? Erste Session für das #CLCamp27 steht bereits … 😉

    Lern-Ressourcen: Was verstehen wir darunter und wie erschließen wir sie? (Gabriele Schobeß, Johannes Starke)

    Unsere eigene Session, radikal hybrid, wie Harald Schirmer bereits beim Pitch feststellte: Gabriele im Online-Raum, ich vor Ort. Eigentlich begann unsere Session schon im Vorfeld in unserem kooperativen Schreibprozess, der in unserem gemeinsamen Artikel mündete.

    In der Session tauschten wir uns aus: Was sind Lern-Ressourcen? Welche gibt es? Wie können sie auf- und ausgebaut werden? Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?

    Online dokumentierte und reflektierte Markus Metz sehr aufmerksam und präzise in kurzen Mastodon-Beiträgen mit. Im Raum entwickelten die Teilgebenden konstruktiv aufeinander aufbauende Sichtweisen auf das Thema und brachten viele Beiträge ein, die ich leider nicht mehr alle aus dem Gedächtnis rekonstruieren kann, die aber die enorme Vielfältigkeit und das Potenzial des Themas greifbar machten.

    Wir sprachen über Infrastrukturen, die aufgebaut werden und die Lernressourcen erschließen lassen und selbst Ressource sind … die aber auch davon bedroht sind, zu veröden, wenn sie nicht mehr aktiv gepflegt werden … im Unterschied zu einer Art Perpetuum Mobile des Lernens, das sich selbst Lernressourcen nutzend und dabei neue generierend antreibt und verstetigt.

    Wie pflanzen wir Samen, die weiter und weiter wachsen, auch wenn wir selbst nicht mehr aktiv das Wachstum unterstützen? Ist das möglich .. und erstrebenswert? (Erinnerung an Neles Lernzirkel-Session, in der bemerkt wurde, dass Lernzirkel nicht von alleine viral gehen …).

    Wir sprachen über Knappheit und über Verschwendung von Lernressourcen. Gerade die Verschwendung kann in Zeiten eines Überangebots an manchen Lernressourcen auch bewusst oder sogar lustvoll sein. Teilgebende berichteten aber auch davon, dass äußere Rahmenbedingungen (z. B. befristete Stellen) auch dazu führen, dass Lernressourcen nicht sinnvoll eingesetzt werden können.

    Wir sprachen über gegenseitige Unterstützung, die Ressourcenvermehrung durch menschliche Beziehungen und den Möglichkeiten, auf diesen Beziehungen aufzubauen. In gewisser Spannung dazu stehen mögliche Expert:innen-Zuschreibungen, die Gabriele und ich anfangs spürten, die wir aber schnell auflösen und in das gemeinsame und miteinander stattfindende Erkunden des Themas überführen konnten.

    Über Rückmeldungen z. B. auf Social Media (und sei es nur ein Sternchen …) als Ressourcen hatten Gabriele und ich bisher noch gar nicht nachgedacht. Thematisiert wurden auch die Bedingungen, unter denen bestimmte Ressourcen entstehen/aufgebaut werden: Welche Ressourcen stehen hinter den Ressourcen? Aufgeworfen wurde die Frage von Relevanz … ob Ressourcen dauerhaft bestehen bleiben sollten oder ob es auch gut sein kann, wenn Ressourcen vergehen.

    Sehr viele weitere Ideen brachte Stephanie Reiner ein, die in ihrer Promotion eine Ressourcentaxononie entwickelt hat. Ich zitiere aus dem Text, den sie auf unser Session-Etherpad gestellt hat:

    „Ich habe in meinem Promotionsprojekt eine Ressourcentaxonomie für den digitalen Arbeitskontext entwickelt, basierend auf der Literatur der Job Demands-Resources Modell/Theorie. Eine Ressourcentaxonomie ist ein Klassifizierungssystem (eine Art Ressourcenmodell), das dazu betragen soll, die Variation der Ressourcenausstattung übersichtlich darzustellen. Eine Ressourcentaxonomie findet insbesondere Anwendung (oder ist hilfreich) zum Erkennen und Aktivieren von Ressourcen (z.B. im Psychotherapeutischen Kontext, in der sozialpädagogischen Praxis oder im Coachingbereich). 
    Die entwickelte Ressourcentaxonomie umfasst folgende Ressourcendimensionen:

    • Personenbezogene Ressourcen (z.B. psychologisches Kapitel wie Hoffnung, Resilienz, Selbstwirksamkeit und Optimismus, aber auch Humankapitalressourcen, wie Fähigkeiten und Berufserfahrung)
    • Arbeitsplatzbezogenen Ressourcen (z.B. lernförderliche Arbeitsgestaltung, wie Autonomie, Anforderungsvielfalt (Job Characteristic Model), aber auch Stärkeneinsatz und Ergonomie)
    • Soziale Ressourcen (z.B. Ressourcenquellen, wie Führungskraft, Kolleg/innen, Freunde; Form der soziale Unterstützung, wie instrumenteller Unterstützung, informationaler Unterstützung, emotionaler Unterstützung)
    • Organisatorische Ressourcen (z.B. Lernkultur, HR-Services, IT-Services, betriebliche Sozialberatung)
    • Technische Ressourcen (z. B. Verfügbarkeit von digitalen Technologien und anderen arbeitsplatzbezogenen Werkzeuge, Datenschutz, Nützlichkeit der digitalen Technologien)“

    Im Nachgang zur Session hat Stephanie ihre äußerst hilfreichen Hinweise in einem LinkedIn-Beitrag mit ausführlichen Hinweisen zu wissenschaftlichen Perspektiven ergänzt. Was für ein Geschenk! Tausend Dank auch an dieser Stelle, liebe Stephanie! Ich freue mich sehr, auch zukünftig weiter mit Dir und Gabriele an dem Thema zu arbeiten und werde mich bei Dir melden!

    Ganz besonders interessiert mich der von Stephanie mit zwei Quellen-Hinweisen versehen Ressourcen-Kreislauf (oben bereits angesprochen), denn im klassischen Corporate Learning denken wir oft in Einbahnstraßen: Konsumieren gegebener externer Lernressourcen in Form von Lernmaterialien, die zum internen Aufbau von Wissen führen. Dabei können wir doch weiter handeln (z. B. während und auch nach dem Besuch externer Veranstaltungen das Reflektierte und Gelernte in einem eigenen Beitrag weitergeben, ganz nach dem Vorbild von Stephanie oder nach Seek>Sense>Share von Harold Jarche.)

    Im letzten Absatz ihres LinkedIn-Beitrags schreibt Stephanie: „Lernressourcen verändern sich über Lebensphasen hinweg (z.B. verfügbarer Zeit). Soweit mir bekannt ist, fehlt hierzu bislang ein systematischer Überblick in der Literatur. Daher möchte ich die im Rahmen meines Promotionsprojekts entwickelte Ressourcentaxonomie nach Abschluss um lebensphasenbezogene Perspektiven erweitern.“ Hier denke ich an viele Hinweise, die ich mir vor Jahren beim Lesen von Teresa Bückers prägendem Buch „Alle Zeit“ notiert hatte, zuvorderst an die darin mehrfach erwähnte 4-in-1-Perspektive von Frigga Haug, aber auch weniger auf gesellschaftlicher Ebene, sonder deutlich konkreter am Arbeitsalltag in Unternehmen die Löffel-Theorie und damit verbunden das oft viel zu eng auf WCAG-Kriterien und gesetzliche Anforderungen reduzierte Thema Barrierefreiheit. Damit möchte ich auch weiterarbeiten …

    Vor kurzem habe ich mich mit Gabriele abgestimmt. Gabriele hat bereits ein Workshopkonzept entwickelt, über das sich Teilnehmende ihrer individuellen Ressourcen bewusst(er) werden und diese sichtbar machen können. Ich habe vor, das Thema aus organisational-struktureller Perspektive weiterzudenken und in einer Art Landkarte darzustellen, die die Analyse unterstützt (vielleicht berührt das dann auch Stephanies Taxonomie und ich stimme mich dazu mit ihr ab?) Und wenn wir dann beide an einem bestimmten Punkt sind, wollen wir unsere beiden Perspektiven wieder zusammenführen und … wer weiß … vielleicht in einer Nachfolgesession oder einem nächsten kooperativen Schreibprozess miteinander sprechen lassen?

    Twin-Transformation als Default für zukunftsfähige  und resiliente Bildungskonzepte (Henning Klaffke)

    In dieser Session gab Henning einen Einblick in das Forschungsprojekt „Nachhaltige Bildung in der IT-Aus- und Weiterbildung (NABIT)“ zum Aufbau von Nachhaltigkeitskompetenz in der Lehre. Er berichtete von den drei Forschungszielen:

    1. Beratungskonzept für KMA: Praxisnahe Hilfe zur Selbsthilfe der Twin Transformation
    2. Kompetenzprofile entwickeln: Was muss IT-Fachkraft können, um nachhaltig zu handeln?
    3. Modulare OER-Bausteine erstellen: Freie Bildungsmaterialien für Berufsschulen und Betriebe

    Harald Schirmer legte m. E. mit seiner Frage einen Finger in die Wunde der klassischen BWL-Ausbildung: Wie lehrt die Hochschule das Thema Twin Transformation, wenn Ressourcenverschwendung so grundlegend im BWL-Lehrplan verankert ist?

    Mich lies die Session ernüchtert zurück. Die beiden grün-kapitalistischen Betrachtungsfelder „Green IT“ und „Green IS“ sind mir viel zu klein und zu isoliert betrachtet:

    Applied Improv – ein Multitool für Embodied Learning (Frederic Gülbeyaz)

    Meine schönsten Erinnerungen an vergangene Barcamps sind die, in denen wir unsere Körper zum Lernen einsetzten – denn unsere Körper sind eine Lernressource, die wir in der Wissensarbeit vielleicht besonders stark vernachlässigen? Ich schrieb darüber an vielen anderen Stellen ausführlich, z. B. hier. Durch das Hybrid-Setup ist Embodied Learning in den letzten Jahren vernachlässigt worden – aber diesmal hatten wir ja den roten Raum ohne Technik und mit der Möglichkeit, ihn ganz mit unseren Körpern zu bespielen … ohne Kamera.

    In unserer Improtheater-Session ging es um das spielerische Feiern unerwarteter Entwicklungen, Ausprobieren neuer Handlungsweisen und Sich-Auffangen-Lassen in der Gruppe … im „Improtheater, das fremd geht“ AKA „Unternehmenstheater“ oder „Applied Improv“. „Raus mit den Ideen. als Gegenprinzip zur Scham“ – dazu ludt uns Frederic in seiner Session ein, die mir in Erinnerung ein Lächeln der Zuversicht für zukünftige Dramatisierungskompetenz auf die Lippen legt.

    (Foto von Frederic Gülbeyaz)

    CLC goes Podcast (Giovanna Lo Presti, Katrin Zinke und Nicole Reese)

    Der Podcast der CLC war in den letzten Jahren nicht mehr sonderlich lebendig. Zu den Barcamps erschienen viele Episoden mit Session-Reflexionen … ansonsten passierte nicht mehr so viel, wie in früheren Zeiten. Es gäbe doch so viele Möglichkeiten, die Wissens- und Erfahrungsvielfalt der Community hier hörbar zu machen! Ein gutes Podcastgespräch hat so viele Ähnlichkeiten mit einer guten Barcamp-Session, ermöglicht es, Menschen beim Denken zuzuhören und eignet sich einfach sehr gut als Lern- und Entwicklungsinstrument in Unternehmen, wie ich in diesem Blogbeitrag ausführlich beschrieben habe.

    Deshalb möchte ich gerne zukünftig dazu beitragen, die Möglichkeiten des CLC-Podcasts experimentell zu entdecken, denn die Startchancen könnten für einen ‚offiziellen‘ Community-Podcast kaum besser sein.

    In der Session gaben Giovanna, Katrin und Nicole einen Überblick über ihre Ideen für die zukünftige Ausgestaltung des Podcasts (z. B. mit Event-Begleitung/Auswertung, Interviews, Beiträgen aus den Regionalgruppen, Lernimpulsen oder Buch-Reviews) und befragten die Teilgebenden nach ihren Erfahrungen mit Podcasts. Viel interessanter als die formalen Fragen waren jedoch die kontroversen Debatten in der Session, was ein CLC-Podcast sein soll und welche Funktionen er erfüllen könnte.

    Genannt wurden u. a.: Agendasetting und Reichweite (für unsere Themen austehen und ‚hörbar‘ werden), Lernmedium und Experimentierraum, Stimmen- und Expertise-Bibliothek, niedrigschwellige Dokumentation.

    Besonders heiß debattiert wurde das Thema „Zielgruppe“. Hier gibt es stark auseinanderlaufende Sichtweisen, was ein Community-Format sein und liefern soll. Diese Diskussion hatten wir bereits beim CLC-Buchprojekt. Manche Teilgebenden plädieren für eine konsequentere Definition unserer Zielgruppen und bewusstere Ausrichtung an deren Bedarfen. Ich bin da ganz anderer Ansicht und stimme mit Karlheinz Pape überein, der die Grundidee der CLC betont: Teilen, nicht Senden! Wir sollten uns deshalb ganz bewusst nicht um Zielgruppen kümmern, sondern das, was uns in der Community beschäftigt und was wir erarbeiten, zur Verfügung stellen. Falls es außerhalb der Community Hörer:innen (oder Leser:innen) gibt, die das interessant finden, werden sie zu uns kommen. Wenn nicht, ist das auch ok.

    Diese Haltung bestimmt auch die weitere „Formatierung“: Sobald wir unsere Medien als Medien des Teilens und nicht des Sendens begreifen, betrifft die Frage der „Taktung“ nicht mehr das ‚bedienen‘ einer Zielgruppe, sondern wird zu einer Hilfestellung für uns selbst … z. B. um uns regelmäßig daran zu erinnern, selbst an unseren Themen weiter zu arbeiten. Mir ist es völlig egal, welche Taktung Hörer:innen von uns erwarten: Wenn -wie im Nachgang zu einem Barcamp- in schneller Folge ein ganzer Haufen an Kurzepisoden erscheint und dann mehrere Wochen nichts, ist das völlig in Ordnung. Ich schätze viele Podcasts als eine Art „Bibliothek der Stimmen“, aus der ich mich gerade interessierende Themen oder Perspektiven auswähle und mich hineinhören kann, ganz unabhängig davon, wann die Episode ursprünglich erschienen ist. Auch ergänzend zu unserem Buch könnte ich mir vorstellen, dass wir parallel zu fast allen Beiträgen begleitende und vertiefende, Hintergrund schaffende Gespräche mit den Autor:innen aufnehmen und diese auf einen Schlag oder innerhalb kurzer Zeit veröffentlichen … Hauptsache ist, sind stehen online und können bei Bedarf parallel zur Lektüre aufgerufen werden.

    Karlheinz, ich und weitere Teilgebende haben sich auch dafür eingesetzt, ohne zu große Überformatierung zu podcasten. „Einfach machen“, diese oft missbrauchte Forderung, ist im Podcast sehr zuträglich. Ein Handy reicht im Zweifel aus, geschnitten werden muss kaum. Es braucht m. E. keinen Jingle und keinen kreativen Titel, keinen Redaktionsplan, kein Zielgruppenbewusstsein, keine Längenvorgaben, keine allzu lange Vorbereitung. Eine kurze Vorabstimmung oder auch ein spontanes Gespräch sind genau richtig. Unsere Hörer:innen können ja selbst wählen, in welche Stimmen sie sich hineinhören möchten und was sie skippen. Jedes Ähm, jede Pause transportiert wertvolle Informationen, die erhalten bleiben sollten und die ein Transkript nicht enthält. Podcasts sind ein Medium, um Sprechdenken zu fördern und in Lernartefakte zu bringen. Lasst uns unseren Podcast als echtes Lernmedium nutzen, „Unfertiges“ teilen, mit seinen Möglichkeiten spielen!

    In der Session wandert die Debatte leider immer wieder zu der Frage zurück, wie Zuhörer:innen gewonnen werden könnten. Diese Frage langweilt mich. Und selbst wenn wir den Podcast ausschließlich für uns machen sollten und keine Zuhörerschaft außer uns selbst haben: Das ist völlig in Ordnung! Diese Haltung versuche ich, mir auch für meinen Blog hier zu bewahren: Schön, wenn Du das gerade liest. Danke für Deinen Rückmeldung. Aber eigentlich ist es mir egal. Ich habe sämtliche Logs ganz bewusst abgeschaltet und nicht die geringste Ahnung, ob sich irgendjemand auf diesen Blog verirrt. Ich schreibe das hier, um meine eigenen Gedanken in eine für mich passende Ordnung zu bringen und einen Anlass zu haben, die vielen Ideen, Begegnungen und Notizen aus dem #CLCamp26 für mich zu rekapitulieren. Allein das Wissen, dass es jemand lesen KÖNNTE, gibt mir die nötige Disziplin, es zu tun. Allein das Wissen, dass mir jemand zuhören KÖNNTE, gibt mir die Disziplin, ganze Sätze zu formulieren (ich habe gemerkt, wie ungleich schwerer es mir fällt, meine Notizen zu einer Session im Nachgang als Sprachnachricht einzusprechen, als einfach kurz mit Gabriele zu telefonieren und sie gemeinsam Revue passieren zu lassen. Leider haben Gabriele und ich unser Telefonat nach unserer Session nicht aufgezeichnet … das wäre für meine Rekapitulation viel hilfreicher gewesen als meine eigenen Sprachnotizen.)

    Die Vorteile des Sprechdenkens im Dialog mit einer Gesprächsperson betonte auch Sabine Stock und brachte ein, dass in Podcast-Gesprächen produktive Reibung entstehen darf. (Das Thema Konflikt und Reibung als Lernressourcen hatten wir auch in unserer Lernressourcen-Session besprochen!)

    Bei einem geäußerten Ideenkomplex von zwei Teilgebenden hatte ich den Bedarf, ganz klar meine eigene Position auszudrücken: Es kamen die Vorschläge, „Dialoge“ mit KI-Bots zu führen bzw. aufgenommene Episoden in NotebookLM „weiterzuverarbeiten“. Falls der Podcast irgend einen dieser Wege einschlagen sollte, und sei es nur als „Experiment, wäre ich definitiv nicht mehr beteiligt. Besonders irritert hat mich der Einwurf einer Teilgebenden, das Einspeisen von Folgen in NotebookLM könne ich sowieso nicht verhindern. Ich nehme das als Ausdruck vulgärer Machtdemonstration, dieses Silicon-Valley-„We don’t care“, die über das „KI“-Narrativ immer mehr Verbreitung findet (und die z. B. Jürgen Geuter hier sehr gut beschrieben hat). Leider wurden auf dem #CLCamp26 auch die Artikel aus unserem Buchprojekt entsprechend ‚verwertet‘. Als ich im Vorfeld meinen Protest äußerte, hat Simon Dückert immerhin meinen eigenen Beitrag aus seiner Web-Version des Buches entfernt und dementsprechend aus dem Datensatz, der in seiner Session verwendet wurde. Deshalb ist mein Beitrag also nur noch im Buch selbst, in der eBook-Variante und separat hier auf meinem Blog zugänglich. Durch das „KI“-Narrativ wird die ganze Welt nur noch auf Trainingsdaten für LLMs eingeengt. Die Achtung von menschlicher Ausdrucksweise, kreativem Schaffen, kulturellem Kontext und Entstehungsprozessen wird geschleift … und auch unsere Community trägt leider dazu bei. Ja, ich „kann das nicht verhindern“ … aber ich kann immer wieder dafür eintreten, dass wir einander mit Achtung vor unserer Arbeit (und ihrer Integrität) begegnen, und selbst wenn das ein Kampf gegen Windmühlen sein und bleiben sollte.

    Nach der Session konnte ich nicht umhin, direkt ein paar Gedanken zur Session in einer Mini-Podcast-Aufnahme zu verarbeiten, zu der mich Ernst einludt. Bin gespannt, wann sie erscheint!

    (Foto von Frederic Gülbeyaz)

    Vom Käfig zum Kompass (Felix Harling)

    „Beyond Teaching ist einfach gesagt. Aber die Sinnkrise der Wissensarbeiter:innen ist real, auch unter uns, oder? Was passiert, wenn du nicht nur deine Formate, sondern dich selbst hinterfragst? Eine Session über Irritation als Wegweiser und das, was Brüche lehren, wenn man sie lässt.“ Schon diese Sessionankündigung von Felix hat stark in mir resoniert (aus vielerlei Gründen, die vielleicht auch hier in diesem Beitrag oder auch sonst in meinem Blog immer wieder anklingen?) … und umso mehr die Art, wie ich Felix schon vor seiner Session in unseren Pausengesprächen kennenlernte. Zudem fand die Session im geliebten ‚Roten Raum‘ ohne Technik statt .. also ein Pflichttermin für mich!

    In keiner anderen Session habe ich so wertvolle Gespräche über unsere Professionen, unsere beruflichen Situationen und unsere Positionierungen gegenüber Branchenentwicklungen führen können. Auch methodisch war das schnell getaktete Vorgehen inspirierend und für mich ein kleiner Ausblick auf das, was ich im baldigen Art of Hosting Training erwarte.

    Aber nicht nur für meine persönliche Entwicklung, auch für meinen professionellen Wertbeitrag bei meinem Arbeitgeber war diese Session inspirierend … und lässt mich an manches Denken, was ich in meiner Selbstberatung im Rahmen meiner Ausbildung zum Systemischen Organisationsberater über meine Arbeit herausgearbeitet habe.

    Grob zusammengefasst (und damit all das ignorierend, was in den Brüchen und Zwischenräumen auch auf dieser Session wirklich stattgefunden hat), lässt sich Felix methodisches Vorgehen folgendermaßen zusammenfassen – und ich stütze mich hier auf das abfotografierte Flipchart:

    • Aufstellung im Raum mit zwei Polen: „Ich weiß, wo ich beruflich hinwill“ <> „Ich habe mehr Fragen als Antworten“
      • Stimmen im Raum zur eigenen Positionierung hörbar machen
    • Irritations-Landkarte: „Was irritiert Dich gerade am meisten an Deiner Arbeit / L&D-Rolle?“ (in Zweiergruppen)
      • Still schreiben > A erläutert, B hört zu > B stellt offene Rückfrage > A antwortet kurz > Rollenwechsel > abschließende Reflexion
    • Der Bruch, der lehrt: „Welchen Bruch in Deiner Tätigkeit hast Du in der Vergangenheit erfahren?“ (in Dreiergruppen)
      • A berichtet > B+C stellen das Gehörte pantomimisch dar (ohne Worte) > A reagiert ebenfalls pantomimisch > Rollenwechsel > abschließende Reflexion
    • Harvesting: Wie war die Erfahrung für Dich? Was hast Du über das, was Dich irritiert, gelernt? Wie lässt sich das anwenden?
    • Abschließender Austausch: Wie lässt sich das Erfahrene für die CLC anwenden?

    Informelle Lern-Räume im Rahmen von IT-Einführungen (Johannes Starke)

    Das Thema meiner zweiten Session, die ich selbst angeboten habe, beschäftigt mich beruflich gerade besonders intensiv. Gerade im Rahmen von IT-Einführungen passiert in Unternehmen und durch deren Mitarbeitende, die sich mit neuen IT-Prozessen konfrontiert werden, sehr viel geplantes und ungeplantes (… oder passiert eben gerade sehr wenig, je nachdem aus welcher Perspektive man es betrachtet). Ich war zunächst untröstlich, dass parallel zu meiner Session Trainerinnen des ADAC ebenfalls eine Session zum IT-Trainingsvorgehen anboten, auf der ich gerne aufgebaut hätte – und umso erfreuter, dass sich eine dieser Trainerinnen dann in meiner Session befand und dort sehr aktiv teilgab. 🙂

    (Foto CC-BY von Martina Cervenkova)

    Die Idee und den Hintergrund zu meiner Session habe ich in diesem Blogbeitrag zusammengefasst, auf den ich bereits im Vorfeld erfreuliches Feedback erhielt. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit dem Session-Thema ein äußerst wichtiges (und für viele schmerzvolles) Feld angesprochen habe.

    Leider habe ich es als Sessionhost ohne zweite Person nicht geschafft, parallel Notizen zu machen, habe auch im Nachgang wenig Dokumentation zu meiner Session gefunden und mir zum Ende des Tages keine Zeit mehr genommen, meine Erinnerungen als Sprachnotiz aufzunehmen. Schade, da ist einiges verloren gegangen.

    In Erinnerung ist mir, dass wir ausführlich über Workarounds und Umgehungstaktiken gesprochen haben, die Mitarbeitende an den Tag legen, um neu-eingeführte Systeme nicht zu nutzen .. und primär über formale Mittel, dem Einhalt zu gebieten.

    Ein großes Thema war auch M365 und insbesondere die Einführung und Nutzung von Teams. Hier sprachen viele Teilgebenden ihre Erfahrungen an.

    Ein Teilgeber berichtete von erfolgreichen Floorwalker-Initiativen, die regelmäßig anstupsen/erinnern und auf Angebote aufmerksam machen, ohne diese und die Beteiligung daran zu stark zu formalisieren.

    Einigen konnten wir uns darauf, wie wichtig es ist, Balancen zwischen Formalität und Informalität herzustellen und auszuhalten … und dass diese Balancen in unterschiedlichen Bereichen immer wieder neu gefunden und hergestellt werden müssen. Es gibt keine Best Practice … und umso mehr motiviert mich diese Erkenntnis, auch zukünftig weiter intensiv an dem Thema zu arbeiten!

    Physische Lernreisen für Kleingruppen (Julia Methe)

    Diese ganz spontan zum Abschluss des Camps initiierte Session von Julia war für mich eins von vielen Highlights des Camps. Die spontanen Sessions sind oft die besten, weil sie nicht mit langen Präsentationen beeindrucken wollen, sondern eine Idee einbringen, die dann befragt, besprochen und weiterentwickelt wird.

    Julia berichtete von einem Ansatz, den sie und ihre Kolleg:innen im Rahmen der Neueinführung eines IT-Tools in einem bundeseigenen Betrieb initiiert hatten … und den sie für uns auf ein irgendwo in der Hochschule aufgetriebenes altes Metaplanpapier scribbelte.

    Der Ansatz bot einen Rahmen, um die neuen IT-Prozesse körperlich zu erfahren, erklärt zu bekommen und zu besprechen. Das lief ähnlich ab wie auf einer Schnitzeljagd: Kleingruppen von 4-5 Leuten wurden mit ausgedruckten Prozessbeschreibungen über den Betriebs-Campus geschickt. Die Prozessbeschreibung war gleichzeitig eine Wegbeschreibung. An bestimmten Stationen wurden die Gruppen von Mitarbeitenden empfangen, erhielten Instruktionen und Hilfestellung in der Beantwortung von Fragen auf dem Zettel. Die Gruppendynamik wurde u. a. durch wechselnde Verantwortung im Wegfinden und Fragenbeantworten aktiviert.

    Im Folgejahr wurde der Ansatz weiter genutzt. Statt eines IT-Prozesses wurden Unternehmensstrategie und -aufbau vermittelt. Außerdem wurde HR mit dem Ziel involviert, den Ansatz auch für das Onboarding zu übernehmen.

    Der Ansatz war eine Idee, die im Rahmen der „Campus Week“ eingebracht wurde. Jeder Bereich beteiligt sich dabei mit eigenen Beiträgen.

    Julias Vorstellung stieß auf großes Interesse. Mehrere Teilgebende offenbarten, dass sie selbst davon träumen, so etwas in ihrem eigenen Unternehmen umzusetzen. Ich bin einer davon 😉 Eine Mischung aus Schnitzeljagd, Gallery Walk, Prozess-Simulation und verkörperter Intervention … mit Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung, die im klasisschen Training ja oft in den Hintergrund treten. Grundsätzlich ließe sich das Vorgehen auch mit Action Bound oder Self-Service-Terminals umsetzten, würde dann aber einen anderen Charakter annehmen.


    #51 #CLC25 #CLCamp26 #CLCamp26Nutzt #CLCamp27 #colearn #LearningCircle #lernOS #Lernzirkel #Lernzirkeln #Peerfinder
  2. #CLCamp26 Erlebnisse und Erkenntnisse

    Auf der Heimfahrt vom diesjährigen #CLCamp26 war ich so überwältigt vom Barcamp-Erlebnis vor Ort, dass ich, anstatt die sich schon verflüchtigenden Erinnerungen an meine eigenen Sessions zu notieren, ein schnelles Stimmungsbild tippte.

    Am Wochenende danach fühlte ich mich erschöpft. Zwei übervolle Tage zollen ihren Tribut. Mittlerweile hat mich der Arbeitalltag wieder, aber der Vibe meines Heimfahrt-Beitrags ist nicht verflogen. Gerade in der täglichen Arbeit bin ich umso dankbarer, dass es die Corporate Learning Community gibt … über die ich immer wieder behaupte, dass sie mir seit 2017 neue Perspektiven auf und deshalb Freude an meiner Profession gegeben hat. Es ist unbedingt notwendig, zumindest einmal im Jahr die täglichen Berufs-Konstellationen und das eigene berufliche Wirkfeld gemeinsam mit Mitwirkenden nicht aus direkter Projekt- oder Vertriebs-Perspektive zu betrachten, sondern sich gegenseitig mit Überzeugungen, Zweifeln, Einsichten oder nur lose verpackten Kritik zu konfrontieren, die das grundlegendere Verständnis für unsere Branche und deren Spielregeln weiten. (Mehr dazu schreibe ich in meinem CLC-Buchbeitrag „Eine Verteidigung der Corporate Learning Community“).

    Auch dieses Jahr wieder hatte ich Sorge, dass der zerstörerisch wütende „KI“-Bullshit die Sessions dominiert. Die Sorge war berechtigt. In jedem Slot gab es Sessions, in denen Grifter irgendwelche „KI“-Zaubertricks exerzierten. Dennoch schien es mir, dass der Begriff „KI“ in der individuellen Vorstellungsrunde deutlich weniger dominierte als noch letztes Jahr, und dass ich im direkten Gespräch Verbündete fand, die mit ähnlichem Entsetzen wie ich auf die Zerstörung blicken, die die gesellschaftlich-politischen „KI“-Narrative der Tech-Nationalist:innen, der LinkedIn-Bros aber auch der diese Narrative übernehmenden Anwender:innen weiterhin anrichten. „Ich hab mal die KI gefragt“ … diesen intellektuellen Offenbarungseid habe ich glücklicherweise seltener gehört als noch die letzten Tage. Und in den Pausengesprächen mit Community-Mitgliedern, die entsprechende Sessions besucht hatten und daraus berichteten, offenbarte sich, dass die Argumente der „KI“-Grifter immer fadenscheiniger und ihre Tricks immer durchschaubarer werden.

    Die Barcamp-Magie des Zwischen-den-Sessions und Drumherum

    Bevor ich einige der von mir besuchten Sessions rekapituliere, blicke ich auf meine Notizen, die ich zwischen den Sessions gemacht habe.

    Die Hashtags der Vorstellungsrunde schienen mir so sehr geprägt von zwischenmenschlichen Anliegen, wie schon lange nicht mehr. Sind viele von uns der „Digitalisierung“ und des „KI“-Theaters müde? Sehnen wir uns nach Erfahrungen des situativen Spielraums und der Begegnung? (Ja, vielleicht bin ich gerade auch beeindruckt von meiner Anreiselektüre: „Situation und Konstellation“ von Hartmut Rosa.)

    Drückt sich diese gefühlte Digital-Müdigkeit auch dadurch aus, dass die Vorort-Tickets des Barcamps endlich mal wieder ausverkauft waren und nicht annähernd so viele Online-Teilgebenden und -Sessions angeboten wurden wie vor Ort? Dass es einen beliebten „roten Raum“ ohne Technik gab, in dem ich mich so verbunden fühlte wie in manchen Sessions 2017 und 2018, die konsequent auf menschlich-körperlich-aufmerksames und ganz analoges Improvisieren setzten?


    Der Ruf nach ‚echten Begegnungen‘ mag abgestanden klingen und in der täglichen Arbeit liegt es mir völlig fern, ihn unreflektiert nachzuplappern. Ich schätze es, nicht mehr für eine einstündige Powerpoint-Präsentation morgens um 5 Uhr von Berlin nach München und nachmittags wieder zurück fliegen zu müssen (was haben wir damit jahrelang angerichtet?). Ich respektiere gut organisierte Online-Meetings und sowohl aus privaten als auch aus dienstlich-ökonomischen Gründen ist es mir ein Anliegen, nicht unnötig Kraft und Geld in vermeidbare Reisetätigkeit zu versenken, die besser in die gute Konzeption und Moderation von Online-Events investiert wäre. Gute Begegnungen sind online möglich und erstrebenswert. Hybrid-Meetings sind im geschäftlichen Kontext oft ein sinnvoller Kompromiss, insbesondere dann, wenn dadurch die Beteiligung diverser Interessensvertreter:innen ermöglicht und erhöht wird. Im Barcamp-Kontext sehe ich das anders. Wenn es uns möglich ist, Barcamps in regelmäßigen Abständen durchzuführen, plädiere ich vehement für einen Wechsel zwischen Onsite-only und Online-only. Barcamp-Hybrid ist für mich weiterhin ein schlechter Kompromiss, der uns unnötig belastet und einhegt und mir auch rein ökonomisch wenig sinnvoll scheint.

    Trotz oder gerade wegen meiner Hybrid-Skepsis bin ich begeistert, wie wir es diesmal das erste Mal seit dem Twitter-Aus geschafft haben, wieder einen lebendigen, begleitenden und das Barcamp erweiternden semi-synchronen Digital-Layer zu weben – im Fediverse! Das Orga-Team und mehrere Teilgebenden haben sich sehr ins Zeug gelegt, schon im Vorfeld die Aufmerksamkeit auf Mastodon und insbesondere unsere eigene colearn.social-Instanz zu lenken. Vor Ort gab es eine Mastowall, Simon und Karlheinz haben eine Mastodon-als-Lernbooster-Session angeboten, auf Flyern und in regelmäßigen Hinweisen wurde auf das Fediverse hingewiesen und es wurde ein Beitrags-Wettbewerb ausgelobt. Während der Veranstaltung haben sehr viele Community-Mitglieder neue Accounts angelegt und die Timeline mit dem #CLCamp26 Hashtag war während des Events und ist auch jetzt im Nachgang noch lebendig. Harald hatte sogar den Community-übergreifenden #colearn Hashtag in selbst gesägten Holzbuchstaben auf die Bühne gestellt. Während letztes Jahr mehr LinkedIn als Mastodon genutzt wurde, hat sich das dieses Jahr erfreulicherweise gewandelt und auf LinkedIn blieb es dafür vergleichsweise ruhig. Ich habe Hoffnung, dass wir mit dem diesjährigen Engagement den Wechsel ins Fediverse wirklich vollzogen haben. Und vielleicht haben auch die Community-Mitglieder, die die letzten Jahre noch sehr sporadisch auf Mastodon posteten, diesmal Gefallen daran gefunden? Ich hoffe sehr, dass das Engagement auch zwischen den Barcamps aufrechterhalten wird.

    Gute Veranstaltungen reichen über den eigentlichen Event-Zeitraum hinaus. Sie werden bereichert und bereichern die Vor- und Nachbereitung und alles, was sie ungeplant und unorganisiert anstoßen. Die Aufregung darüber im Netz, das kanalisierte Interesse der Teilgebenden schon lange im Vorfeld, die Inspiration, die sie den Teilgebenden für die Tage und Wochen danach mitgeben, das Sprechen darüber, die durch sie ausgelösten Begegnungen, all das, worüber ich hier schreibe (und dass ich überhaupt schreibe!). Der im letzten Abschnitt erwähnte digitale Layer trägt maßgeblich dazu bei.

    Als ich nach Gabrieles und meiner Session zu „Lernressourcen“ (mehr dazu weiter unten) meine Mastodon-Timeline aufrief, stellte ich erfreut fest, dass die Session, während sie lief, durch mehrere Teilgebende aufmerksam dokumentiert und kommentiert worden war. Wenn Teilgebende während Deiner Session auf ihre Handys starren, ist das in der Corporate Learning Community ein gutes Zeichen! Eine Reihe an Beiträgen stach heraus: Markus Metz, der online zugeschaltet war und sich während der Session im Hintergrund hielt, hatte den Austausch aufmerksam verfolgt und ihn in der ihm eigenen kurzen, prägnanten und reflektierten Art in mehreren Beiträgen zusammengefasst und weitergesponnen.

    Ebenfalls über Mastodon organisiert fanden sich Frauke, Christian Kaiser, Felix Harling und ich zu einem Austausch über Art of Hosting zusammen. Ich hatte Fraukes „Art of Hosting“-Erwähnung in der Vorstellungsrunde mitbekommen und dann auf ihrem Mastodon-Profil wiederentdeckt … und ein paar Nachrichten später hatte sich unsere kleine spontane Austauschgruppe gefunden. So funktioniert Peermatching im Fediverse! Und schon zu Beginn des Camps kam Felix auf mich zu: Er hatte mitbekommen, dass ich mich im Sommer für das Art of Hosting Training in Bad Boll angemeldet hatte … so wie er auch. Dort werden wir uns also wiedersehen. Ich freue mich schon jetzt darauf!

    Kein Matching benötigte der Austausch mit Johanna Brühl. Ihre damals auf dem CLC19-Barcamp in Koblenz eingebrachte „Wandelgang“-Session hatte ich noch in guter Erinnerung … obwohl ich sie damals wegen einer parallel stattfindenden Session gar nicht besuchen konnte. Schon damals hatten wir uns zum Lernen beim Spazierengehen ausgetauscht, einer Leidenschaft, die ich mit ihr und anderen Mitgliedern der CLC teile. Sechs Jahre und eine spaziergangreiche Pandemie später konnten wir nahtlos daran anschließen. Besonders resonierte Johannas derzeitige Auseinandersetzung mit der „Lernenden Stadt“ in mir. Über (auch physische) Lernräume und -orte spreche ich z. B. regelmäßig mit Peter Überfeldt. Johannas Begriff „Lernende Stadt“ deute ich für mich einfach mal als antikapitalistische, psychogeographische Ausdehnung der „Lerndenden Organisation“ auf unsere Habitate in der Klimakrise … und weil ich den Begriff von Johanna im Zusammenhang mit Persönlichem Wissensmanagement hörte, packe ich mir gleich einen ganzen Rucksack weiterer Assoziationen hinein, über die ich nachdenken möchte: Kollektives Gedächtnis und kollektive Intelligenz, Stadt als Geschichtsschreibung und Museum, architektonische Wissensanker etc … . Ganz unabhängig von diesen Ideen, die der Austausch mit Johanna in mir angestoßen hat, haben wir uns zur Gründung eines Sketchnoting-lernOS-Lernzirkels verabredet. (Und mittlerweile habe ich einige dieser Gedanken auch in meinen regelmäßigen Austausch mit Peter übernommen … verbreite die Ideen aus dem #CLCamp26 also weiter …).

    Am Wochenende nach dem Barcamp überraschte und erfreute Heidi Milke-Erlwein auf LinkedIn mit einer Sketchnote, in der sie die von ihr besuchten Sessions (unter anderem meine Sessions zu Lernressourcen und Informelle Lernräume) prägnant zusammengefasst und ebenfalls weiter verarbeitet hatte. Diese Sketchnote ist ein Fundgrube, die ich ebenfalls noch weiter erschließen möchte, sobald ich die Zeit dazu finde.

    Und am folgenden Montag schrieb Stephanie Reiner ebenfalls auf LinkedIn eine Verarbeitung ihrer Inspirationen aus unserer Lernressourcen-Session mit umfassenden Hinweisen zum Weiterforschen. Bisher waren Gabriele und ich ja ganz hemdärmelig unterwegs gewesen, während Stephanie zum Thema promoviert. Schon direkt nach der Session hatte sie wertvolle Quellenhinweise auf unserem Etherpad platziert, die sie nun im LinkedIn-Beitrag sortiert, aufbereitet und kommentiert hat.

    Auf diesem #CLCamp26 ist meine Art, Notizen zu machen, völlig aus dem Ruder gelaufen. Ich manchen Sessions habe ich meine Notizen direkt auf Mastodon gepostet, in anderen in meine Notizen-App getippt, wieder andere als Sprachnotiz eingesprochen. Es ist ein Chaos, das es entdeckend zu ordnen gilt. Nein, keine „KI“ wird mir das abnehmen und ich freue mich darauf, auch wenn es vielleicht noch Wochen dauern wird.

    Da meine Kolleg:innen Katharina Vögl-Duschek und Johannes Wendt mir mir an diesen Freitag in einem internen „Fridays for Learning“ unsere #CLCamp26-Eindrücke mit anderen Kolleg:innen teilen werden, dient mir dieser Blogbeitrag als Start, die von mir besuchten Sessions zumindest flüchtig zu rekapitulieren und festzuhalten. Wir gehen rein.

    Die 16 Stellhebel erfolgreicher Learning Circles (Nele Graf und Carla Rockenstein)

    Der Raum war überfüllt. Lernzirkel – ein alter Hut? Nicht für die Teilgebenden! Die Vorerfahrungen waren unterschiedlich. Einige Teilgebende waren mit Lernzirkeln noch überhaupt nicht vertraut, andere sind WOL-Pioniere der ersten Stunde oder bilden selbst Lernzirkel-Coaches aus. Nele und Carla gaben eine kurze Einführung in das Format und legten dabei passend zum CLC-Kontext besonderen Wert auf die Planung und Durchführung interner Lernzirkel in Unternehmen. Ihre Aussage, dass Lernzirkel viele Probleme anderer Formate lösen, kann ich besonders gut nachvollziehen … insbesondere dann, wenn sie integrativ in umfassende Lernkonzepte eingebunden sind und darüber z. B. eine zeitliche Struktur in den Lernprozess bringen und Austausch- und Reflexionsräume schaffen. Nele kritisierte, dass viele Lernansätze immer noch viel zu sehr alleinstehend konzipiert und angeboten werden. Gerade in der Verschränkung klassischer Angebote mit Zirkeln liegt die Musik!

    Christian Kaiser betonte, dass Boxenstopps, in der die einzelnen Lernzirkel zusammenkommen und sich synchronisieren, bei der Organisation des selbstorganisierten Lernens helfen können … gerade dann, wenn das anwendende Unternehmen damit noch nicht vertraut ist. Aber zum Selbstläufer würden Lernzirkel dadurch leider noch nicht – dazu braucht es aktive Unterstützung.

    Auf die Frage einer Teilgebenden, wer Lernzirkel leite, weist Nele hin: Facilitator sollten sich möglichst schnell überflüssig machen. Es gibt viele Möglichkeiten, Guidance zu geben … zu Beginn vielleicht noch über unterstützende Personen, später dann nur noch über den Lernzirkel-Leitfaden. Die Freiheitsgrade können immer weiter gesteigert werden.

    Nele bestätigte viele Aspekte, die Claudia Schütze und ich in unserer LERNLUST-Podcastfolge #51 // Willst Du mit mir zirkeln? bereits besprochen hatten – z. B. dass ein überschaubarer Gesamtzeitraum von z. B. sechs Treffen in vielen Unternehmen passender ist als die vollen 12 Wochen, die meist für Verstetigung von Verhalten empfohlen wird. Bedenkenswert ist in diesem Zusammenhang auch Neles Hinweis, dass je nach Thema und Gruppe die Taktung der Zirkeltreffen unterschiedlich sein sollte: Für manche Themen und Gruppen sollte die Regelmäßigkeit der wöchentlichen Treffen beachtet werden, andere Themen und Gruppen benötigen ggf. längere Abstände zwischen den Treffen, um dazwischen praktische Erfahrungen zu sammeln.

    Es gibt Lernzirkel, deren Mitglieder sich auch nach Ende des Zirkels als Freunde jahrelang regelmäßig weiter treffen und nie wieder mit Lernzirkeln aufhören. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Dennoch sei es für Lernzirkel gerade innerhalb von Unternehmen schwer, sich zu verstetigen, weil das Format leider immer noch dem verbreiteten Bild von „Arbeit“ entgegenstehe, berichtet Christian.

    Bei Lernzirkel-Initiativen, die einen unternehmensübergreifenden Austausch anstreben (für mich einer der wertvollsten Aspekte des Zirkelns!), springt die Bedenkenträgerei leider noch viel schneller an. Die Vorstellung, dass sich Mitarbeitende aus ggf. formal im Wettbewerb zueinander stehenden Unternehmen vertrauensvoll treffen, scheint für viele Führungspersonen Geheimnisverrat gleichzukommen Auch fehle es an offenen Möglichkeiten, Mitzirkelnde zu finden, wird beklagt. Leonid Letzner hat den Peerfinder ja leider eingestellt. Wie könnten wir das Fediverse dafür nutzen, Lernzirkelwillige zusammenzubringen?

    Volkmar Langer berichtete, dass sein Unternehmen bei einer großen Behörde Lernzirkel-Coaches ausbildet und Lernzirkel-Initiativen begleitet.

    Es war ermutigend, in der Session so viele Stimmen und Praxisbeispiele aus Unternehmen zu hören, die Lernzirkel im Einsatz haben oder Interesse daran zeigen. In den vergangenen Jahren hatte ich hin und wieder die Befürchtung, dass das Format an Attraktivität verlöre. Zumindest in der Session war davon nichts zu spüren. Ich freue mich, dass auch meine Kolleg:innen und ich weiterhin entsprechende Initiativen bei Kunden und intern haben … und für demnächst planen wir auch, uns in einem „Fridays for Learning“ tief in Neles Buch „Die Kraft der Learning Circle“ zu vergraben … denn das ist ein wirklich umfassendes Manual!

    Das CLC Buch: Was geht noch? (Jochen Robes)

    Auf diese Session freute ich mich besonders, denn hier wollten wir ein Thema zum Abschluss und gleich in eine zweite Runde bringen, das mein vergangenes Jahr prägte: Unser 15-Jahre-CLC-Buch „Gemeinsam lernen, gemeinsam wachsen“. Vor einem Jahr auf dem #clc25 kamen wir zusammen, beschlossen das gemeinsame Schreiben eines Buches, arbeiten über das Jahr daran … und waren pünktlich zum nächsten Barcamp damit fertig.

    Schon auf der Anreise zum #CLCamp26 verfolgte ich auf Mastodon, wie die Teilgebenden das Buch als Anreiselektüre im Gepäck hatten und darin lasen:

    Zum Aufbau der Initiative an sich wie auch zu Arten, das Ergebnis multimedial weiter zu erschließen, habe ich so viele Ideen, dass ich ihnen einen eigenen Beitrag widmen möchte. Jochen Robes und ich haben dazu vor kurzem auch einen Beitrag für die Zeitschrift „Das kuratierte Dossier“ (Schwerpunktthema „Knowledge and Co-Creation“) der Gesellschaft für Wissensmanagement eingereicht, der Anfang Mai erscheinen wird.

    Christian Kaiser meinte, ein bekannter Vorwurf gegenüber Barcamps sei, dass diese sich oft in Gequatsche ohne Ergebnis erschöpfen würden. Das Buch sei Beweis für das Gegenteil. Jochen meinte, Barcamp-Sessions sollten schon versuchen, mit einem Ergebnis zu schließen … warum das dann im Anschluss nicht aufgreifen und weiter daran arbeiten? Ich schließe mich Christian und Jochen an: Für mich ist so ein Buchprojekt ein Prototyp dafür, wie sich Wissensarbeit als Gruppenprozess zwischen zwei Fix-Terminen selbstorganisieren kann: Wenn wir uns in einer Barcamp-Session (oder einem anderen Veranstaltungsformat) sortieren und wissen, dass wir uns in einem Jahr wiedertreffen, lohnt es sich, die Zeit dazwischen zu planen. Wenn jeder auch nur einen Beitrag als ‚Zwischenbericht‘ und eigener Weiterverarbeitung schreibt, auf Video aufnimmt oder anderweitig veröffentlicht, lässt sich daraus ein gemeinsames, die Gruppe stärkendes, neue Beziehungen, Debatten oder Verbindungen schaffendes Ergebnis wie unser Buch erstellen. Damit wird aus unserem Buchprojekt eigentlich ein neues Großgruppenformat … eine Art Mischung aus Open Space, Barcamp und Community of Practice vielleicht? (Christian brachte auch noch das „Harvesting“ aus Art of Hosting ein … die gemeinsame Ernte aus dem Gruppenprozess. Darüber werde ich im Sommer in meinem Training mehr erfahren …)
    Wie könnten wir diesen Charakter der gemeinsamen, aber asynchronen Arbeit zwischen zwei Synchronevents auf andere Lernansätze übertragen? Das interessiert mich sehr, darüber möchte ich weiter nachdenken!

    Was machen wir jetzt mit dem Buch-Ergebnis? Ideen haben wir genug. Tanja Laub schlug eine Art Community-Stammtisch vor, in dessen Rahmen die Autor:innen ihre Beiträge vorstellen. Stef Halimi betonte, dass wir die ursprünglich im Rahmen unseres Online-Booklaunch geplanten Kurzpräsentationen unserer Beiträge noch durchführen sollten (eigentlich wollte ich dazu ein kurzes Video aufnehmen … vielleicht mache ich das noch?). Ich würde gerne vertiefende Podcast-Episoden mit den Autor:innen aufnehmen, um ihnen ausreichend Raum zu geben, die Geschichten hinter ihren Beiträgen hörbar zu machen.

    Im zweiten Teil der Session stellte Jochen seine Idee für das nächste Projekt vor: Ein Buch über persönliches Wissensmanagement. Dazu hat er mittlerweile auch einen Aufruf auf das Blog der Corporate Learning Community gesetzt. Natürlich werde ich wieder mitmachen und kann es kaum erwarten, mit der Arbeit loszulegen! Meine Ideen und Ansprüche sind wieder übervoll. Gerne würde ich diesmal auch mehr Energie in die Gestaltung stecken, als mir dies beim letzten Mal möglich war (ich bin immer noch beeindruckt von Buchkunstwerken, die ich auf der Leipziger Buchmesse in den Händen hielt …).
    Jochen schlug vor, den Schreibprozess eventuell über konkrete Leitfragen zu strukturieren. Ich könnte mir auch eine Art Blogparade vorstellen (eine Idee, die ich schon das letzte Mal eingebracht hatte). Jochen verwies außerdem darauf, dass sich das Thema ideal eigne, um mehrere Communities zusammenzubringen – z. B. die gfwm und die loscon, die sich ja ebenfalls intensiv mit Wissensmanagement auseinandersetzen.

    Herwig Kummer brachte die berechtige Frage ein, wieso sich eine Community, die ja gerade vom Austausch und dem Wissen-Teilen lebt, ein Buch über persönliches und damit zunächst individuelles Wissensmanagement schreiben sollte. Jochen antwortete, dass gerade in Communities wie der unseren das individuelle, selbstorganisierte Lernen und Wissensmanagement eng verbunden sei mit dem Community-Lernen und -Wissensmanagement. Ich teile diese Idee … und denke zurück an meine zeitweilige tiefere Beschäftigung mit PKM-Ansätzen wie Zettelkasten etc., bei der mich gerade der Aspekt reizte, wie wir unser eigenes Wissensmanagement nicht nur nach außen transparent einsehbar machen, sondern wirklich öffnen und zu einem gemeinsamen Wissensmanagement machen können. Simon Dückert erwähnte die Verbindungen zum Personal Learning Environment (PLE) und Personal Learning Networks (PLN). Mir fällt die LERNLUST-Folge #40 ein, die ich mit Christian Huber und Claudia Schütze zu dem Thema aufgenommen hatte. Und mit Johanna Brühl sprach ich über ihre Themen „Lernende Stadt“ und Communities of Practice, und welche Beziehungen beides zum Persönlichen Wissensmanagement habe. Ich bin mir sicher, dass Rahmenthema unseres nächsten Buches ist wieder so konkret und offen zugleich, dass es einen produktiven Rahmen für unsere Autor:innen in 2026 schafft. So viele Ideen, wann legen wir los? Erste Session für das #CLCamp27 steht bereits … 😉

    Lern-Ressourcen: Was verstehen wir darunter und wie erschließen wir sie? (Gabriele Schobeß, Johannes Starke)

    Unsere eigene Session, radikal hybrid, wie Harald Schirmer bereits beim Pitch feststellte: Gabriele im Online-Raum, ich vor Ort. Eigentlich begann unsere Session schon im Vorfeld in unserem kooperativen Schreibprozess, der in unserem gemeinsamen Artikel mündete.

    In der Session tauschten wir uns aus: Was sind Lern-Ressourcen? Welche gibt es? Wie können sie auf- und ausgebaut werden? Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?

    Online dokumentierte und reflektierte Markus Metz sehr aufmerksam und präzise in kurzen Mastodon-Beiträgen mit. Im Raum entwickelten die Teilgebenden konstruktiv aufeinander aufbauende Sichtweisen auf das Thema und brachten viele Beiträge ein, die ich leider nicht mehr alle aus dem Gedächtnis rekonstruieren kann, die aber die enorme Vielfältigkeit und das Potenzial des Themas greifbar machten.

    Wir sprachen über Infrastrukturen, die aufgebaut werden und die Lernressourcen erschließen lassen und selbst Ressource sind … die aber auch davon bedroht sind, zu veröden, wenn sie nicht mehr aktiv gepflegt werden … im Unterschied zu einer Art Perpetuum Mobile des Lernens, das sich selbst Lernressourcen nutzend und dabei neue generierend antreibt und verstetigt.

    Wie pflanzen wir Samen, die weiter und weiter wachsen, auch wenn wir selbst nicht mehr aktiv das Wachstum unterstützen? Ist das möglich .. und erstrebenswert? (Erinnerung an Neles Lernzirkel-Session, in der bemerkt wurde, dass Lernzirkel nicht von alleine viral gehen …).

    Wir sprachen über Knappheit und über Verschwendung von Lernressourcen. Gerade die Verschwendung kann in Zeiten eines Überangebots an manchen Lernressourcen auch bewusst oder sogar lustvoll sein. Teilgebende berichteten aber auch davon, dass äußere Rahmenbedingungen (z. B. befristete Stellen) auch dazu führen, dass Lernressourcen nicht sinnvoll eingesetzt werden können.

    Wir sprachen über gegenseitige Unterstützung, die Ressourcenvermehrung durch menschliche Beziehungen und den Möglichkeiten, auf diesen Beziehungen aufzubauen. In gewisser Spannung dazu stehen mögliche Expert:innen-Zuschreibungen, die Gabriele und ich anfangs spürten, die wir aber schnell auflösen und in das gemeinsame und miteinander stattfindende Erkunden des Themas überführen konnten.

    Über Rückmeldungen z. B. auf Social Media (und sei es nur ein Sternchen …) als Ressourcen hatten Gabriele und ich bisher noch gar nicht nachgedacht. Thematisiert wurden auch die Bedingungen, unter denen bestimmte Ressourcen entstehen/aufgebaut werden: Welche Ressourcen stehen hinter den Ressourcen? Aufgeworfen wurde die Frage von Relevanz … ob Ressourcen dauerhaft bestehen bleiben sollten oder ob es auch gut sein kann, wenn Ressourcen vergehen.

    Sehr viele weitere Ideen brachte Stephanie Reiner ein, die in ihrer Promotion eine Ressourcentaxononie entwickelt hat. Ich zitiere aus dem Text, den sie auf unser Session-Etherpad gestellt hat:

    „Ich habe in meinem Promotionsprojekt eine Ressourcentaxonomie für den digitalen Arbeitskontext entwickelt, basierend auf der Literatur der Job Demands-Resources Modell/Theorie. Eine Ressourcentaxonomie ist ein Klassifizierungssystem (eine Art Ressourcenmodell), das dazu betragen soll, die Variation der Ressourcenausstattung übersichtlich darzustellen. Eine Ressourcentaxonomie findet insbesondere Anwendung (oder ist hilfreich) zum Erkennen und Aktivieren von Ressourcen (z.B. im Psychotherapeutischen Kontext, in der sozialpädagogischen Praxis oder im Coachingbereich). 
    Die entwickelte Ressourcentaxonomie umfasst folgende Ressourcendimensionen:

    • Personenbezogene Ressourcen (z.B. psychologisches Kapitel wie Hoffnung, Resilienz, Selbstwirksamkeit und Optimismus, aber auch Humankapitalressourcen, wie Fähigkeiten und Berufserfahrung)
    • Arbeitsplatzbezogenen Ressourcen (z.B. lernförderliche Arbeitsgestaltung, wie Autonomie, Anforderungsvielfalt (Job Characteristic Model), aber auch Stärkeneinsatz und Ergonomie)
    • Soziale Ressourcen (z.B. Ressourcenquellen, wie Führungskraft, Kolleg/innen, Freunde; Form der soziale Unterstützung, wie instrumenteller Unterstützung, informationaler Unterstützung, emotionaler Unterstützung)
    • Organisatorische Ressourcen (z.B. Lernkultur, HR-Services, IT-Services, betriebliche Sozialberatung)
    • Technische Ressourcen (z. B. Verfügbarkeit von digitalen Technologien und anderen arbeitsplatzbezogenen Werkzeuge, Datenschutz, Nützlichkeit der digitalen Technologien)“

    Im Nachgang zur Session hat Stephanie ihre äußerst hilfreichen Hinweise in einem LinkedIn-Beitrag mit ausführlichen Hinweisen zu wissenschaftlichen Perspektiven ergänzt. Was für ein Geschenk! Tausend Dank auch an dieser Stelle, liebe Stephanie! Ich freue mich sehr, auch zukünftig weiter mit Dir und Gabriele an dem Thema zu arbeiten und werde mich bei Dir melden!

    Ganz besonders interessiert mich der von Stephanie mit zwei Quellen-Hinweisen versehen Ressourcen-Kreislauf (oben bereits angesprochen), denn im klassischen Corporate Learning denken wir oft in Einbahnstraßen: Konsumieren gegebener externer Lernressourcen in Form von Lernmaterialien, die zum internen Aufbau von Wissen führen. Dabei können wir doch weiter handeln (z. B. während und auch nach dem Besuch externer Veranstaltungen das Reflektierte und Gelernte in einem eigenen Beitrag weitergeben, ganz nach dem Vorbild von Stephanie oder nach Seek>Sense>Share von Harold Jarche.)

    Im letzten Absatz ihres LinkedIn-Beitrags schreibt Stephanie: „Lernressourcen verändern sich über Lebensphasen hinweg (z.B. verfügbarer Zeit). Soweit mir bekannt ist, fehlt hierzu bislang ein systematischer Überblick in der Literatur. Daher möchte ich die im Rahmen meines Promotionsprojekts entwickelte Ressourcentaxonomie nach Abschluss um lebensphasenbezogene Perspektiven erweitern.“ Hier denke ich an viele Hinweise, die ich mir vor Jahren beim Lesen von Teresa Bückers prägendem Buch „Alle Zeit“ notiert hatte, zuvorderst an die darin mehrfach erwähnte 4-in-1-Perspektive von Frigga Haug, aber auch weniger auf gesellschaftlicher Ebene, sonder deutlich konkreter am Arbeitsalltag in Unternehmen die Löffel-Theorie und damit verbunden das oft viel zu eng auf WCAG-Kriterien und gesetzliche Anforderungen reduzierte Thema Barrierefreiheit. Damit möchte ich auch weiterarbeiten …

    Vor kurzem habe ich mich mit Gabriele abgestimmt. Gabriele hat bereits ein Workshopkonzept entwickelt, über das sich Teilnehmende ihrer individuellen Ressourcen bewusst(er) werden und diese sichtbar machen können. Ich habe vor, das Thema aus organisational-struktureller Perspektive weiterzudenken und in einer Art Landkarte darzustellen, die die Analyse unterstützt (vielleicht berührt das dann auch Stephanies Taxonomie und ich stimme mich dazu mit ihr ab?) Und wenn wir dann beide an einem bestimmten Punkt sind, wollen wir unsere beiden Perspektiven wieder zusammenführen und … wer weiß … vielleicht in einer Nachfolgesession oder einem nächsten kooperativen Schreibprozess miteinander sprechen lassen?

    Twin-Transformation als Default für zukunftsfähige  und resiliente Bildungskonzepte (Henning Klaffke)

    In dieser Session gab Henning einen Einblick in das Forschungsprojekt „Nachhaltige Bildung in der IT-Aus- und Weiterbildung (NABIT)“ zum Aufbau von Nachhaltigkeitskompetenz in der Lehre. Er berichtete von den drei Forschungszielen:

    1. Beratungskonzept für KMA: Praxisnahe Hilfe zur Selbsthilfe der Twin Transformation
    2. Kompetenzprofile entwickeln: Was muss IT-Fachkraft können, um nachhaltig zu handeln?
    3. Modulare OER-Bausteine erstellen: Freie Bildungsmaterialien für Berufsschulen und Betriebe

    Harald Schirmer legte m. E. mit seiner Frage einen Finger in die Wunde der klassischen BWL-Ausbildung: Wie lehrt die Hochschule das Thema Twin Transformation, wenn Ressourcenverschwendung so grundlegend im BWL-Lehrplan verankert ist?

    Mich lies die Session ernüchtert zurück. Die beiden grün-kapitalistischen Betrachtungsfelder „Green IT“ und „Green IS“ sind mir viel zu klein und zu isoliert betrachtet:

    Applied Improv – ein Multitool für Embodied Learning (Frederic Gülbeyaz)

    Meine schönsten Erinnerungen an vergangene Barcamps sind die, in denen wir unsere Körper zum Lernen einsetzten – denn unsere Körper sind eine Lernressource, die wir in der Wissensarbeit vielleicht besonders stark vernachlässigen? Ich schrieb darüber an vielen anderen Stellen ausführlich, z. B. hier. Durch das Hybrid-Setup ist Embodied Learning in den letzten Jahren vernachlässigt worden – aber diesmal hatten wir ja den roten Raum ohne Technik und mit der Möglichkeit, ihn ganz mit unseren Körpern zu bespielen … ohne Kamera.

    In unserer Improtheater-Session ging es um das spielerische Feiern unerwarteter Entwicklungen, Ausprobieren neuer Handlungsweisen und Sich-Auffangen-Lassen in der Gruppe … im „Improtheater, das fremd geht“ AKA „Unternehmenstheater“ oder „Applied Improv“. „Raus mit den Ideen. als Gegenprinzip zur Scham“ – dazu ludt uns Frederic in seiner Session ein, die mir in Erinnerung ein Lächeln der Zuversicht für zukünftige Dramatisierungskompetenz auf die Lippen legt.

    (Foto von Frederic Gülbeyaz)

    CLC goes Podcast (Giovanna Lo Presti, Katrin Zinke und Nicole Reese)

    Der Podcast der CLC war in den letzten Jahren nicht mehr sonderlich lebendig. Zu den Barcamps erschienen viele Episoden mit Session-Reflexionen … ansonsten passierte nicht mehr so viel, wie in früheren Zeiten. Es gäbe doch so viele Möglichkeiten, die Wissens- und Erfahrungsvielfalt der Community hier hörbar zu machen! Ein gutes Podcastgespräch hat so viele Ähnlichkeiten mit einer guten Barcamp-Session, ermöglicht es, Menschen beim Denken zuzuhören und eignet sich einfach sehr gut als Lern- und Entwicklungsinstrument in Unternehmen, wie ich in diesem Blogbeitrag ausführlich beschrieben habe.

    Deshalb möchte ich gerne zukünftig dazu beitragen, die Möglichkeiten des CLC-Podcasts experimentell zu entdecken, denn die Startchancen könnten für einen ‚offiziellen‘ Community-Podcast kaum besser sein.

    In der Session gaben Giovanna, Katrin und Nicole einen Überblick über ihre Ideen für die zukünftige Ausgestaltung des Podcasts (z. B. mit Event-Begleitung/Auswertung, Interviews, Beiträgen aus den Regionalgruppen, Lernimpulsen oder Buch-Reviews) und befragten die Teilgebenden nach ihren Erfahrungen mit Podcasts. Viel interessanter als die formalen Fragen waren jedoch die kontroversen Debatten in der Session, was ein CLC-Podcast sein soll und welche Funktionen er erfüllen könnte.

    Genannt wurden u. a.: Agendasetting und Reichweite (für unsere Themen austehen und ‚hörbar‘ werden), Lernmedium und Experimentierraum, Stimmen- und Expertise-Bibliothek, niedrigschwellige Dokumentation.

    Besonders heiß debattiert wurde das Thema „Zielgruppe“. Hier gibt es stark auseinanderlaufende Sichtweisen, was ein Community-Format sein und liefern soll. Diese Diskussion hatten wir bereits beim CLC-Buchprojekt. Manche Teilgebenden plädieren für eine konsequentere Definition unserer Zielgruppen und bewusstere Ausrichtung an deren Bedarfen. Ich bin da ganz anderer Ansicht und stimme mit Karlheinz Pape überein, der die Grundidee der CLC betont: Teilen, nicht Senden! Wir sollten uns deshalb ganz bewusst nicht um Zielgruppen kümmern, sondern das, was uns in der Community beschäftigt und was wir erarbeiten, zur Verfügung stellen. Falls es außerhalb der Community Hörer:innen (oder Leser:innen) gibt, die das interessant finden, werden sie zu uns kommen. Wenn nicht, ist das auch ok.

    Diese Haltung bestimmt auch die weitere „Formatierung“: Sobald wir unsere Medien als Medien des Teilens und nicht des Sendens begreifen, betrifft die Frage der „Taktung“ nicht mehr das ‚bedienen‘ einer Zielgruppe, sondern wird zu einer Hilfestellung für uns selbst … z. B. um uns regelmäßig daran zu erinnern, selbst an unseren Themen weiter zu arbeiten. Mir ist es völlig egal, welche Taktung Hörer:innen von uns erwarten: Wenn -wie im Nachgang zu einem Barcamp- in schneller Folge ein ganzer Haufen an Kurzepisoden erscheint und dann mehrere Wochen nichts, ist das völlig in Ordnung. Ich schätze viele Podcasts als eine Art „Bibliothek der Stimmen“, aus der ich mich gerade interessierende Themen oder Perspektiven auswähle und mich hineinhören kann, ganz unabhängig davon, wann die Episode ursprünglich erschienen ist. Auch ergänzend zu unserem Buch könnte ich mir vorstellen, dass wir parallel zu fast allen Beiträgen begleitende und vertiefende, Hintergrund schaffende Gespräche mit den Autor:innen aufnehmen und diese auf einen Schlag oder innerhalb kurzer Zeit veröffentlichen … Hauptsache ist, sind stehen online und können bei Bedarf parallel zur Lektüre aufgerufen werden.

    Karlheinz, ich und weitere Teilgebende haben sich auch dafür eingesetzt, ohne zu große Überformatierung zu podcasten. „Einfach machen“, diese oft missbrauchte Forderung, ist im Podcast sehr zuträglich. Ein Handy reicht im Zweifel aus, geschnitten werden muss kaum. Es braucht m. E. keinen Jingle und keinen kreativen Titel, keinen Redaktionsplan, kein Zielgruppenbewusstsein, keine Längenvorgaben, keine allzu lange Vorbereitung. Eine kurze Vorabstimmung oder auch ein spontanes Gespräch sind genau richtig. Unsere Hörer:innen können ja selbst wählen, in welche Stimmen sie sich hineinhören möchten und was sie skippen. Jedes Ähm, jede Pause transportiert wertvolle Informationen, die erhalten bleiben sollten und die ein Transkript nicht enthält. Podcasts sind ein Medium, um Sprechdenken zu fördern und in Lernartefakte zu bringen. Lasst uns unseren Podcast als echtes Lernmedium nutzen, „Unfertiges“ teilen, mit seinen Möglichkeiten spielen!

    In der Session wandert die Debatte leider immer wieder zu der Frage zurück, wie Zuhörer:innen gewonnen werden könnten. Diese Frage langweilt mich. Und selbst wenn wir den Podcast ausschließlich für uns machen sollten und keine Zuhörerschaft außer uns selbst haben: Das ist völlig in Ordnung! Diese Haltung versuche ich, mir auch für meinen Blog hier zu bewahren: Schön, wenn Du das gerade liest. Danke für Deinen Rückmeldung. Aber eigentlich ist es mir egal. Ich habe sämtliche Logs ganz bewusst abgeschaltet und nicht die geringste Ahnung, ob sich irgendjemand auf diesen Blog verirrt. Ich schreibe das hier, um meine eigenen Gedanken in eine für mich passende Ordnung zu bringen und einen Anlass zu haben, die vielen Ideen, Begegnungen und Notizen aus dem #CLCamp26 für mich zu rekapitulieren. Allein das Wissen, dass es jemand lesen KÖNNTE, gibt mir die nötige Disziplin, es zu tun. Allein das Wissen, dass mir jemand zuhören KÖNNTE, gibt mir die Disziplin, ganze Sätze zu formulieren (ich habe gemerkt, wie ungleich schwerer es mir fällt, meine Notizen zu einer Session im Nachgang als Sprachnachricht einzusprechen, als einfach kurz mit Gabriele zu telefonieren und sie gemeinsam Revue passieren zu lassen. Leider haben Gabriele und ich unser Telefonat nach unserer Session nicht aufgezeichnet … das wäre für meine Rekapitulation viel hilfreicher gewesen als meine eigenen Sprachnotizen.)

    Die Vorteile des Sprechdenkens im Dialog mit einer Gesprächsperson betonte auch Sabine Stock und brachte ein, dass in Podcast-Gesprächen produktive Reibung entstehen darf. (Das Thema Konflikt und Reibung als Lernressourcen hatten wir auch in unserer Lernressourcen-Session besprochen!)

    Bei einem geäußerten Ideenkomplex von zwei Teilgebenden hatte ich den Bedarf, ganz klar meine eigene Position auszudrücken: Es kamen die Vorschläge, „Dialoge“ mit KI-Bots zu führen bzw. aufgenommene Episoden in NotebookLM „weiterzuverarbeiten“. Falls der Podcast irgend einen dieser Wege einschlagen sollte, und sei es nur als „Experiment, wäre ich definitiv nicht mehr beteiligt. Besonders irritert hat mich der Einwurf einer Teilgebenden, das Einspeisen von Folgen in NotebookLM könne ich sowieso nicht verhindern. Ich nehme das als Ausdruck vulgärer Machtdemonstration, dieses Silicon-Valley-„We don’t care“, die über das „KI“-Narrativ immer mehr Verbreitung findet (und die z. B. Jürgen Geuter hier sehr gut beschrieben hat). Leider wurden auf dem #CLCamp26 auch die Artikel aus unserem Buchprojekt entsprechend ‚verwertet‘. Als ich im Vorfeld meinen Protest äußerte, hat Simon Dückert immerhin meinen eigenen Beitrag aus seiner Web-Version des Buches entfernt und dementsprechend aus dem Datensatz, der in seiner Session verwendet wurde. Deshalb ist mein Beitrag also nur noch im Buch selbst, in der eBook-Variante und separat hier auf meinem Blog zugänglich. Durch das „KI“-Narrativ wird die ganze Welt nur noch auf Trainingsdaten für LLMs eingeengt. Die Achtung von menschlicher Ausdrucksweise, kreativem Schaffen, kulturellem Kontext und Entstehungsprozessen wird geschleift … und auch unsere Community trägt leider dazu bei. Ja, ich „kann das nicht verhindern“ … aber ich kann immer wieder dafür eintreten, dass wir einander mit Achtung vor unserer Arbeit (und ihrer Integrität) begegnen, und selbst wenn das ein Kampf gegen Windmühlen sein und bleiben sollte.

    Nach der Session konnte ich nicht umhin, direkt ein paar Gedanken zur Session in einer Mini-Podcast-Aufnahme zu verarbeiten, zu der mich Ernst einludt. Bin gespannt, wann sie erscheint!

    (Foto von Frederic Gülbeyaz)

    Vom Käfig zum Kompass (Felix Harling)

    „Beyond Teaching ist einfach gesagt. Aber die Sinnkrise der Wissensarbeiter:innen ist real, auch unter uns, oder? Was passiert, wenn du nicht nur deine Formate, sondern dich selbst hinterfragst? Eine Session über Irritation als Wegweiser und das, was Brüche lehren, wenn man sie lässt.“ Schon diese Sessionankündigung von Felix hat stark in mir resoniert (aus vielerlei Gründen, die vielleicht auch hier in diesem Beitrag oder auch sonst in meinem Blog immer wieder anklingen?) … und umso mehr die Art, wie ich Felix schon vor seiner Session in unseren Pausengesprächen kennenlernte. Zudem fand die Session im geliebten ‚Roten Raum‘ ohne Technik statt .. also ein Pflichttermin für mich!

    In keiner anderen Session habe ich so wertvolle Gespräche über unsere Professionen, unsere beruflichen Situationen und unsere Positionierungen gegenüber Branchenentwicklungen führen können. Auch methodisch war das schnell getaktete Vorgehen inspirierend und für mich ein kleiner Ausblick auf das, was ich im baldigen Art of Hosting Training erwarte.

    Aber nicht nur für meine persönliche Entwicklung, auch für meinen professionellen Wertbeitrag bei meinem Arbeitgeber war diese Session inspirierend … und lässt mich an manches Denken, was ich in meiner Selbstberatung im Rahmen meiner Ausbildung zum Systemischen Organisationsberater über meine Arbeit herausgearbeitet habe.

    Grob zusammengefasst (und damit all das ignorierend, was in den Brüchen und Zwischenräumen auch auf dieser Session wirklich stattgefunden hat), lässt sich Felix methodisches Vorgehen folgendermaßen zusammenfassen – und ich stütze mich hier auf das abfotografierte Flipchart:

    • Aufstellung im Raum mit zwei Polen: „Ich weiß, wo ich beruflich hinwill“ <> „Ich habe mehr Fragen als Antworten“
      • Stimmen im Raum zur eigenen Positionierung hörbar machen
    • Irritations-Landkarte: „Was irritiert Dich gerade am meisten an Deiner Arbeit / L&D-Rolle?“ (in Zweiergruppen)
      • Still schreiben > A erläutert, B hört zu > B stellt offene Rückfrage > A antwortet kurz > Rollenwechsel > abschließende Reflexion
    • Der Bruch, der lehrt: „Welchen Bruch in Deiner Tätigkeit hast Du in der Vergangenheit erfahren?“ (in Dreiergruppen)
      • A berichtet > B+C stellen das Gehörte pantomimisch dar (ohne Worte) > A reagiert ebenfalls pantomimisch > Rollenwechsel > abschließende Reflexion
    • Harvesting: Wie war die Erfahrung für Dich? Was hast Du über das, was Dich irritiert, gelernt? Wie lässt sich das anwenden?
    • Abschließender Austausch: Wie lässt sich das Erfahrene für die CLC anwenden?

    Informelle Lern-Räume im Rahmen von IT-Einführungen (Johannes Starke)

    Das Thema meiner zweiten Session, die ich selbst angeboten habe, beschäftigt mich beruflich gerade besonders intensiv. Gerade im Rahmen von IT-Einführungen passiert in Unternehmen und durch deren Mitarbeitende, die sich mit neuen IT-Prozessen konfrontiert werden, sehr viel geplantes und ungeplantes (… oder passiert eben gerade sehr wenig, je nachdem aus welcher Perspektive man es betrachtet). Ich war zunächst untröstlich, dass parallel zu meiner Session Trainerinnen des ADAC ebenfalls eine Session zum IT-Trainingsvorgehen anboten, auf der ich gerne aufgebaut hätte – und umso erfreuter, dass sich eine dieser Trainerinnen dann in meiner Session befand und dort sehr aktiv teilgab. 🙂

    (Foto CC-BY von Martina Cervenkova)

    Die Idee und den Hintergrund zu meiner Session habe ich in diesem Blogbeitrag zusammengefasst, auf den ich bereits im Vorfeld erfreuliches Feedback erhielt. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit dem Session-Thema ein äußerst wichtiges (und für viele schmerzvolles) Feld angesprochen habe.

    Leider habe ich es als Sessionhost ohne zweite Person nicht geschafft, parallel Notizen zu machen, habe auch im Nachgang wenig Dokumentation zu meiner Session gefunden und mir zum Ende des Tages keine Zeit mehr genommen, meine Erinnerungen als Sprachnotiz aufzunehmen. Schade, da ist einiges verloren gegangen.

    In Erinnerung ist mir, dass wir ausführlich über Workarounds und Umgehungstaktiken gesprochen haben, die Mitarbeitende an den Tag legen, um neu-eingeführte Systeme nicht zu nutzen .. und primär über formale Mittel, dem Einhalt zu gebieten.

    Ein großes Thema war auch M365 und insbesondere die Einführung und Nutzung von Teams. Hier sprachen viele Teilgebenden ihre Erfahrungen an.

    Ein Teilgeber berichtete von erfolgreichen Floorwalker-Initiativen, die regelmäßig anstupsen/erinnern und auf Angebote aufmerksam machen, ohne diese und die Beteiligung daran zu stark zu formalisieren.

    Einigen konnten wir uns darauf, wie wichtig es ist, Balancen zwischen Formalität und Informalität herzustellen und auszuhalten … und dass diese Balancen in unterschiedlichen Bereichen immer wieder neu gefunden und hergestellt werden müssen. Es gibt keine Best Practice … und umso mehr motiviert mich diese Erkenntnis, auch zukünftig weiter intensiv an dem Thema zu arbeiten!

    Physische Lernreisen für Kleingruppen (Julia Methe)

    Diese ganz spontan zum Abschluss des Camps initiierte Session von Julia war für mich eins von vielen Highlights des Camps. Die spontanen Sessions sind oft die besten, weil sie nicht mit langen Präsentationen beeindrucken wollen, sondern eine Idee einbringen, die dann befragt, besprochen und weiterentwickelt wird.

    Julia berichtete von einem Ansatz, den sie und ihre Kolleg:innen im Rahmen der Neueinführung eines IT-Tools in einem bundeseigenen Betrieb initiiert hatten … und den sie für uns auf ein irgendwo in der Hochschule aufgetriebenes altes Metaplanpapier scribbelte.

    Der Ansatz bot einen Rahmen, um die neuen IT-Prozesse körperlich zu erfahren, erklärt zu bekommen und zu besprechen. Das lief ähnlich ab wie auf einer Schnitzeljagd: Kleingruppen von 4-5 Leuten wurden mit ausgedruckten Prozessbeschreibungen über den Betriebs-Campus geschickt. Die Prozessbeschreibung war gleichzeitig eine Wegbeschreibung. An bestimmten Stationen wurden die Gruppen von Mitarbeitenden empfangen, erhielten Instruktionen und Hilfestellung in der Beantwortung von Fragen auf dem Zettel. Die Gruppendynamik wurde u. a. durch wechselnde Verantwortung im Wegfinden und Fragenbeantworten aktiviert.

    Im Folgejahr wurde der Ansatz weiter genutzt. Statt eines IT-Prozesses wurden Unternehmensstrategie und -aufbau vermittelt. Außerdem wurde HR mit dem Ziel involviert, den Ansatz auch für das Onboarding zu übernehmen.

    Der Ansatz war eine Idee, die im Rahmen der „Campus Week“ eingebracht wurde. Jeder Bereich beteiligt sich dabei mit eigenen Beiträgen.

    Julias Vorstellung stieß auf großes Interesse. Mehrere Teilgebende offenbarten, dass sie selbst davon träumen, so etwas in ihrem eigenen Unternehmen umzusetzen. Ich bin einer davon 😉 Eine Mischung aus Schnitzeljagd, Gallery Walk, Prozess-Simulation und verkörperter Intervention … mit Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung, die im klasisschen Training ja oft in den Hintergrund treten. Grundsätzlich ließe sich das Vorgehen auch mit Action Bound oder Self-Service-Terminals umsetzten, würde dann aber einen anderen Charakter annehmen.


    #51 #CLC25 #CLCamp26 #CLCamp26Nutzt #CLCamp27 #colearn #LearningCircle #lernOS #Lernzirkel #Lernzirkeln #Peerfinder
  3. CW: Horror, Gewalt, Wahnsinn, Cthulhu-Mythos. Für sensible Personen belastend. Alle Inhalte dieser Serie sind fiktional.
  4. Johannes Heimrath zählt zu den zentralen Figuren der deutschsprachigen Kulturwandel-Bewegung – beherzt, vielschichtig und mit einem langen Atem. Er hat Kulturunternehmen gegründet, Bildungs- und Medienprojekte angestoßen, ein Grundsatzurteil zur #Bildungsfreiheit erstritten (bis heute der einzige Freispruch wegen Schulverweigerung in Deutschland!) und Initiativen für eine enkeltaugliche Landnutzung entwickelt.

    summit.pioneersofchange.org/sp

    #pioneersofchange #nachhaltigkeit #resilienz #kinder #schule

  5. Johannes Heimrath zählt zu den zentralen Figuren der deutschsprachigen Kulturwandel-Bewegung – beherzt, vielschichtig und mit einem langen Atem. Er hat Kulturunternehmen gegründet, Bildungs- und Medienprojekte angestoßen, ein Grundsatzurteil zur #Bildungsfreiheit erstritten (bis heute der einzige Freispruch wegen Schulverweigerung in Deutschland!) und Initiativen für eine enkeltaugliche Landnutzung entwickelt.

    summit.pioneersofchange.org/sp

    #pioneersofchange #nachhaltigkeit #resilienz #kinder #schule

  6. Hos mina föräldrar i Finland, vi har varit strömlösa i ca 14 timmar nu and counting. Stearinljus, vevljus, stormlykta, gaskök, gasgrill, powerbank, ullkläder. Väntar på mer dagsljus för att inspektera hur mycket träd som fällts under natten i stormen #johannes eller #hannes spår

  7. @susamishin は Chopin: Nocturne No. 20 in C-Sharp Minor, Op. Posth. (Rousseau Felt Piano Version) - #Johannes Helmer Pedersen をいま聴いているよ!
    #NowPlaying
    #YouTubeMusic t.co/Wjf74CjvZ8

  8. "Bereite dich, Zion, mit zärtlichen Trieben, den Schönsten, den Liebsten bald bei dir zu sehn!" . Noch hält uns das Dunkel umfangen - aber der Bote bereitet den Weg! #Advent #Johannes Euch allen da draußen einen gesegneten 3. Advent!

  9. I am convinced the broken window theory is applicable in many cases.

    Therefore I am very happy to see that #Transnet finally fixed their logo lighting and now I am even cautiously optimistic that this might mean the new management could actually care about details and implementation…

    The left photo is from a few weeks ago, the right one is current.

    #SouthAfrica #Johannesburg

  10. Johannes #Hillje
    ‪@jhillje.bsky.social‬
    “So, Donald Trump, since I know you're watching, I have four words for you: Turn the volume up […] #NewYork will remain a city of #immigrants, a city built by immigrants, powered by immigrants, and as of tonight, led by an immigrant.” #Mamdami #fuckTrump #USA

    bsky.app/profile/jhillje.bsky.

  11. Lernressourcen

    Wir, Gabriele und Johannes, wollen auf dem #CLCamp26 eine gemeinsame Session zu „Lernressourcen“ anbieten.

    Den Start in die Vorbereitung machen wir mit diesem Blogbeitrag … der vielleicht auf die Session neugierig macht, vielleicht Einstiegs- oder Anknüpfungspunkte setzt, vielleicht zu Widersprüchen aufruft und hoffentlich – zuerst einmal durch das Schreiben für uns beide – das Feld weitet für das, was „Lernressourcen“ alles sein könnten.

    Als wir beschlossen, die Session anzubieten und dazu mit einem kooperativem, gemeinsamem, ineinandergreifenden und aufeinander Bezug nehmendem Schreibprozess zu starten, notierten wir uns die folgenden Fragen, die auch zu Beginn unserer Session stehen könnten:

    • Was bedeuten Lern-Ressourcen?
    • Wie können auf Lern-Ressourcen aufgebaut werden, wie können diese ausgebaut werden?
    • Wann weiß ich, welche Lern-Ressource ich in welchem Umfang zum Einsatz bringe?
    • Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
    • Welche Arten von Lern-Ressourcen gibt es überhaupt?

    Und vielleicht leiten sich aus unserem folgenden schriftlichen Austausch vorab für uns und für Session-Teilgebende weitere Fragen und Ideen ab?

    Aus welchen Perspektiven blicken wir jeweils auf den Begriff „Lernressourcen“?

    Diesen Beitrag schreiben wir kooperativ. Jede:r von uns ergänzt Ideen, die wir dann gemeinsam in einen Fluss bringen. Daraus entsteht im Schreibprozess ein inspirierendes Ping-Pong auf einem gemeinsam beschriebenen Collabora Online Dokument auf Gabrieles Nextcloud. Wir schreiben uns gegenseitig in die Texte, lesen immer und immer wieder und ergänzen. Ich habe das Gefühl, wir könnten endlos so weitermachen, aber irgendwann, am 2. März um 18 Uhr, setzen wir uns einen Schlusspunkt, kopieren den kooperativ geschriebenen Text als Sessionankündigung in unsere jeweiligen Blogs (und werden dabei sicher weitere Stellen finden, die wir überarbeiten … denn der Text bleibt lebendig und beschreibbar).

    So haben wir es heute besprochen: und um 18:00 Uhr ist also Schluß für heute und für den aktuellen Stand unseres Schreibgesprächs. Das wird spannend, da es für die Zukunft gesehen zwei Versionen geben wird, da sich unsere beiden Blogs ja nur von der Ferne her kennen und sich nicht synchronisieren.

    Aber sie pingen sich gegenseitig an. Die gute alte Pingback-Tradition der Webblogs. Oder kann Dein Blog das nicht, Gabriele? 😛 Ich hab noch fünf Minuten, dann ist Schluss mit Tippen und wir veröffentlichen ….

    Ich, Gabriele, gebe hier einen persönlichen Einblick zu meiner Lernerfahrung. Meine eigene Lernerfahrung basiert vor allem auf der Erkenntnis, dass die meisten Organisationen in denen ich beschäftigt war, mein zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erkannten und/oder fördern konnten oder wollten. So habe ich mich immer selbst auf den Weg gemacht, gelernt, verworfen, aufgebaut, aufgefrischt, neu gelernt … . Seit ich Menschen wie Johannes kenne und in einen regelmäßigen Austausch zu selbstgewählten Themen gehe, verstehe ich, wie Lernen mit anderen funktionieren kann und was es für mich bedeutet, in den Austausch mit anderen gehen zu dürfen. Auch dann, wenn ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin. Keine Grenzen. Manche Bedarfe entstehen erst durch das darüber sprechen. Manche Gedanken werden zu Ideen, Konzepten oder führen zu Erkenntnissen, wenn man sie das erste Mal mit anderen teilt. Das hat mich mutig gemacht die letzten Jahre und so lerne ich als Soloselbständige so vor mich hin, lass mich treiben und mäandere mich gemächlich durch die unterschiedlichsten Wissensgebiete. Meine Neugier sucht sich wie ein Fluß ihren Weg. Was ich mache? Das ändert sich ständig. Gerade mache ich mal wieder eine Ausbildung. Und überhaupt denke ich gerade: Vielleicht sollte mich mal mit dem Thema Flüße beschäftigen?

    Jedenfalls empfinde ich den Austausch mit Johannes immer als sehr gewinnbringend.

    Das beruht auf Gegenseitigkeit, Gabriele. Sonst hätten wir das hier nicht gestartet.

    Ich, Johannes, erschließe mir die Vielfalt von „Lernressourcen“ ebenfalls aus unterschiedlichen Richtungen und Zugängen … wie Du, Gabriele, und jetzt im Miteinander, der wichtigsten Lernressource – aber ich möchte nicht vorgreifen.

    Da ist meine berufliche Perspektive als Corporate Learning Berater auf die Vielfalt von Lern-Ressourcen. Hier mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass Lernangebote oft wenig bewirken, wenn sie isoliert und ohne die konzeptionelle Einbeziehung des systemischen Umfelds betrachtet werden. Mitarbeitende nutzen die Angebote nicht, Aufwände verpuffen, Lernen wird als Hürde empfunden oder Lernbedarfe werden nicht einmal erkannt. Mein Motto aus IT-Qualifizierungen ist „Die User sind nie schuld“, denn so gut wie nie „sitzt das Problem vor dem Bildschirm“ (wie ich diesen despektierlichen Spruch verabscheue!), sondern fast immer werden Bedarfe und deren Ursprünge zu isoliert betrachtet, wird Blaming geübt statt wertvolle Hinweise auf u. a. Ressourcenbedarfe zu erkennen.

    Und dann ist da der Blick auf Ressourcen, mit dem ich an Gabrieles Einstieg anknüpfen möchte: Das Erkennen, Erkunden und Erfahren der Möglichkeiten, die uns menschlich ausmachen, die uns zusammenbringen und uns gemeinsam gegen Widrigkeiten angehen lassen. Das, was eigentlich in uns steckt, und sich so oder so seinen Weg bahnt. Flüsse sind ein Bild, das mir gefällt, Gabriele! Flüsse bahnen sich ihren Weg, prägen Territorien und werden zu Grenzziehungen missbraucht, sind Lebensadern und können zerstörerisch sein. Manche sind wild, manche betoniert-eingehegt. Vielleicht irgendwann mal eine Session zu „Lernflüssen“? Heute aber erst einmal Ressourcen!

    Unsere gemeinsame Lern-Historie

    Nein, den Start in die Vorbereitung unserer Session machen wir natürlich nicht mit diesem Blogbeitrag, sondern schon viel früher: Seit langer Zeit denken, recherchieren, reden und schreiben Gabriele, Gratian, Silvia und ich gemeinsam mit einer weiteren Mitwirkenden an einem lernOS-Leitfaden zum Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“. In einer geplanten Woche dieses Leitfadens gilt es, sich der Ressourcen bewusst zu werden, die in das eigene Engagement eingebracht werden können.

    In diesem Zusammenhang begannen wir, uns intensiver mit dem Begriff „Ressourcen“ auseinanderzusetzen … denn zu Beginn stand ein produktives Missverständnis*, weil wir jeweils an ganz andere Begriffsbedeutungen dachten.

    *genau! Ich verstehe jetzt was Johannes mit Ressourcen meinte (meine Weiterbildung klopft gerade an). Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber die Ressource „Zeit“ dicht gefolgt von „Energie“. Wann habe ich überhaupt Zeit und dann auch noch Energie um mich mit Themen zu beschäftigen. Im Hintergrund stand bei mir der Gedanken, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen, die mir lernen oder Beteiligung ermöglichen. Ich werde es weiter unten nochmals thematisieren.

    (Spoiler: Zeit, Energie, Lebensphasen, Beteiligung … das schält sich, wenn ich diesen Text gerade kurz vor dem Publizieren noch einmal durchlese, doch als brauchbarer Rahmen für das meiste heraus, das wir betrachten und zum Ende hin abbinden. Deine erste Intuition war also ziemlich treffend, Gabriele!)

    Und noch früher dachten, recherchierten, redeten und schrieben Gabriele und ich um das Thema „Feministische Lernpolitik“ herum … in einem Social Learning Space, der wiederum aus einer Session von Gabriele auf dem #CLC23 Barcamp der Corporate Learning Community entstand und uns viele Monate regelmäßig zusammenbrachte, bis wir sie wieder auflösten. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Material- und Ideensammlung auf unserem Online-Whiteboard, auf die ich heute immer noch zugreife. Auch das Whiteboard für unser lernOS-Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“ ist weit über den Bildschirmrand befüllt mit gegenseitigen Empfehlungen, PDF-Dokumenten, Skizzen und Kata-Beschreibungen. Eine brauchbare Sammlung an (wild zusammengetragenen, wenig geordneten) Lernressourcen.

    Die Betrachtung unserer Lernressourcen hat für mich u. a. mit der Untersuchung folgender Fragen zu tun: Was uns im bereits zurückliegenden Lernprozess …

    • grundsätzlich die Möglichkeit verschafft, uns zusammenzufinden und uns einem gemeinsamen Thema zu widmen … und nach den ersten Schritte auch weiter zu machen,
    • unser Wirkungsfeld geöffnet und gehalten,
    • Energie im Prozess geschenkt,
    • das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung vermittelt (nicht auf der Stelle treten, sondern immer neue Quellen, Zugänge, Ideen und Wirkungsfelder zu betreten)?

    Und was hat dazu geführt, dass wir unser gemeinsames, in der Gruppe stattfindendes Engagement zum Thema „Feministische Lernpolitik“ nach einigen Monaten beendeten … und dass unsere lernOS-Entwicklungsgruppe nicht mehr so viele regelmäßig aktive Mitglieder umfasst wie zu Beginn?

    Ich vermute, all diese Fragen – und viele mehr, die wir auf unserer Barcamp-Session im Ressourcen-generierenden Austausch mit den Teilgebenden finden werden – haben mit (Lern-)ressourcen zu tun.

    Zukünftig möchte ich mich auch durch weitere Recherche damit auseinandersetzten, welche Verständnisse von „Lern-Ressourcen“ in Lerntheorien und Didaktik gängig sind. In diesem Einstieg, in dem wir uns die assoziativen Bälle zuwerfen, haben wir bewusst auf den Verweis auf Theorie verzichtet.

    Ich sowieso. Theorie ist wichtig, aber ich bin bekennende Frau praktischer Anwendungen. Habt ihr vielleicht schon gemerkt. Ich lerne durch ausprobieren. So bin ich übrigens auch eine phantastische Köchin geworden.

    Und auch beim Kochen braucht es gute Zutaten, Gabriele ….

    Inhalte / Materielles

    In meiner täglichen Arbeit wird unter (Lern-)ressourcen meist Materielles verstanden, speziell „Content“: Die Rohstoffe in der Produktion, die weiter verwertet werden, als auch die Lerninhalte, die wir als Lernende rezipieren, verarbeiten und darüber intern unser Wissen aufbauen. Texte, Videos, e-Learning-Inhalte, Folien, Podcasts … . Unsere digitale und auch analoge Welt ist übervoll mit Lernressourcen dieser Art. Das Internet als (noch, wenn auch durch AI-Slop und Plattformkapitalismus bedrohte) unerschöpfliche Quelle für Lernressourcen, die (ebenfalls durch Austeritätspolitik bedrohten) Stadtbibliothek, Museen und weitere Kulturorte. Inhalte können teuer produziert oder gekauft werden oder als Commons frei verfügbar sein. Letzteres wird im Corporate Learning oft ignoriert. Tauglich sei’s, wenn’s für Geld eingekauft und als Eigentum ins Lernmanagementsystem eingeschlossen und als Lernmaßnahme ausgehandelt dort zugewiesen wurde. Die unendlichen Möglichkeiten, kontinuierlich mit frei verfügbaren und sich permanent durch die Nutzung und Anreicherung im Lernkontext anreichernden Inhalten zu lernen, die durch das Engagement von Freiwilligen bereitgestellt werden, werden ignoriert.

    Ach spannend. Also jetzt haben wir schon drei verschiedene Dimensionen des Begriffs Ressource: Der Lern-Inhalt (Content), die Lern-Verfügbarkeit (zeitliche, räumliche, finanzielle) und der persönlichen Ressourcen (Neugier, Offenheit, Quelle …).

    Aber diese begriffliche Einengung von „Lernressourcen“ ist natürlich bei weitem nicht ausreichend.

    In meinen eingangs beschriebenen Lernerfahrungen sind mir beispielsweise die Gespräche mit meinen Mitlernenden, das geteilte und Energie schenkende Gefühl, ein gemeinsames, von uns allen als sinnvoll empfundenes Ziel zu verfolgen und die dadurch längerfristig gestärkten Beziehungen viel wichtiger als die Quellen und Buchtipps, die wir auf unseren Online-Whiteboards zusammengetragen haben.

    Jetzt hake ich wieder ein. Ja, wir haben Whiteboards bis an die Kante befüllt und auch für mich sind diese gemeinsam mit anderen entstandenen Whiteboards immer wieder Quelle der Rückkehr und des wieder treiben lassens. Schon wieder drängt sich das Flußbild auf … . Statt Whiteboard sollte es nun ein kollaborativer Text sein, in dessen Mitte wir uns nun eben befinden. Beide schreiben wir parallel über unsere Lernressourcen.

    (Ich behaupte ja immer, und hatte dazu vor Jahren auch mal eine Barcamp-Session initiiert, dass ich durch Schreiben lerne. Schreibend schöpfen wir gerade von überall her aus unseren verschiedenen Lernressourcen und schreiben sie fort und größer … und schon trägt mich Dein Fluss-Bild mit …)

    Und gestern haben wir uns getroffen und fast wäre es passiert, dass wir wieder in ein anderes großes Thema abgedriftet wären. Zu Beginn des Textes habe ich mir die Frage gestellt, was meine persönlichen Lernressourcen sind und eine die vielleicht euch und auch mich selbst überrascht hat, ist die hier im Anschluß folgende:

    Popkultur/Subkultur

    Neues hören, neues sehen, warum hören Menschen jahrzehntelange die gleiche Musik? Musik ist mein „Mitgestalter“. Kunst und Literatur auch, aber Musik am meisten. Ich stehe auf die Ressource Subkultur und Popkultur. Sie taugt mir für alles: Kreativität, Menschen die sich verbinden, bewegen. Pop- und Sub-kulturelle Begegnungsstätten in Form von Clubs, Vereinen, Bewegungen verbinden Menschen und Gedanken. Werden zu Strömungen und können niedrigschwellig Inhalte vermitteln. Vielleicht ist Pop-/Subkultur das „kulturelle“ Gegenstück zum schmutzigen Populismus rechter Parteien. Ich schweife ab. Jedenfalls bietet zumindest die Subkultur Schutzräume in denen ich mit anderen, die sich im selben Kultur-Raum befinden Möglichkeiten des Austauschs, Betrachtens des Lebens durch eine andere Brille. Mich ausprobieren kann. Abgrenzung ist eine der Lernerfahrungen und Ressourcen die darin schlummert. Ich muss nicht immer so sein, wie es andere von mir erwarten. Aber auch, bei der Popkultur, Teil einer größeren Bewegung zu sein. So ganz genau weiß ich noch nicht was ich damit sagen will, vielleicht ist das eine der „Quellen“ der persönlichen Ressource (siehe oben). Ich baue an dieser Stelle auf Johannes und übergebe in seine analytische Gedankenwelt 🙂

    Wenn ich Deinen hymnischen Einstieg lese, möchte ich vielleicht gar nicht analytisch werden, sondern ebenfalls an Selbst-Erlebtes anknüpfen. Pop- und Subkultur scheint mir eine wichtige, biografisch geprägte Lernressource zu sein (und auch hier freue ich mich auf eine in der Session fortgeführte Vertiefung … denn die Betrachtung dieses Ressourcenfelds wird umso greifbarer, je vielfältiger und durch eigenes Erleben geprägter die Stimmen dazu sind). Mit vielen von dem, was ich heute kann, auf dem ich mit meinen Kompetenzen aufbaue, was mir wichtig ist, was mich „resilient“ macht (sorry für die Verwendung dieses oft so problematisch missbrauchten Wortes) und was mir mein soziales Netzwerk erschließt, hat Ursprung in Subkulturen, in denen ich als Jugendlicher Zugang fand oder die ich mir jetzt erst mit Mitte 40 erschließe. Subkulturen, Popkulturen, Gegenkulturen schaffen uns ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten, öffnen Arenen der inspirierenden Imitation, erweitern unseren Werkzeugkasten, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und stärken uns im Miteinander. „Each one teach one“, eine der wichtigsten Lernressourcen.

    Der Begriff der Gegenkultur ist hier noch wichtig! Danke für’s einbringen Johannes. Den Subkultur speist sich auch aus Widerstand. Das ungesagte das unfassbare sichtbar machen und sich dagegen wehren. Gegenwehr gegen Systeme, die beschränken. In meiner Generation die Haltung der 50-60er Jahre, die einen bestimmten Weg für junge Frauen vorgeschrieben haben: Heiraten, Kinder bekommen und bloß nicht zu viel Bildung. Hier in eine Anti-Haltung zu gehen, ist nicht unbedingt der einfachste Weg, wenn du jung bist. Den es bedeutet auch Einsamkeit, Unverständnis, Bestrafung, Ausgrenzung, Verzweiflung sowie ungefragte Tipps und Empfehlungen von Außenstehenden („mach es dir doch nicht so schwer“, „wie du wieder aussiehst … ist doch kein Wunder dass ….“) und nicht zuletzt auch schlechte Noten. Ich weiß wovon ich spreche. Aber am Ende bin ich doch daran gewachsen, da es immer einige wenige Mitstreiter:innen gab. Und daran schließt jetzt wunderbar das folgende Thema an, dass von Johannes eingeleitet wird.

    Netzwerke, Freundschaften, Bekanntschaften und Vorbilder

    Wir lernen zuallererst durch unser Streben nach Sozialisation … auch wenn uns im Corporate Learning immer wieder etwas anderes verkauft werden soll. In Interaktion mit Menschen lernen wir wie nebenher, auch auch durch die im vorherigen Abschnitt schon angesprochene Imitation. Unsere Lern- und Netzwerkpartner:innen öffnen und halten einen Resonanzraum für unsere Kompetenzen und nehmen unseren sozialen Entfaltungsdrang auf. Sie inspirieren uns als Vorbilder immer wieder. Sie sind die Ressourcen, die Lernen lebendig und erfahrbar machen und katalysieren … und es gleichzeitig ermöglichen, Ressourcenknappheit zu überwinden und formale Einhegungen/Beschränkungen zu unterlaufen. Lern-Netzwerke ermöglichen einen Aufstand gegen verordnetes Nicht-Lernen! … und schaffen damit die Grundlage für das, was Gabriele und ich hier tun. Und insbesondere ermöglichen uns Lern-Netzwerke Zugang zu Entwicklungen, die uns bisher verborgen blieben, nicht nur über den oft erwähnten „Flurfunk“ oder den Gerüchte-Handel „in der Kaffeeküche“.

    Neugier

    Ich war letzte Woche auf der Beerdigung einer guten Freundin von früher. Alles sehr traurig. Was hat das mit meinen Lern-Ressourcen zu tun? Ich habe Feststellungen gemacht an diesem Tag. Meine Freundin war aus einem intellektuellen Haus und ich weiß nun, was ich ihr zu verdanken habe und welche Türen sie mir öffnete. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon eine Leseratte und habe verschlungen was es gab. Im Bücherbund (die älteren unter uns wissen noch – Schallplatten gab es da auch) kaufte meine Mutter für mich Bücher, die für sie selbst sonderbar klangen und keinen Sinn ergaben. Dennoch war es diese Freundin, die meinen Hunger nach neuem bediente und erfüllte, Politik, Kunst, Literatur – Musik brachte ich als Element ein. Und damit bin ich bei der ersten persönlichen Lernressource: Neugier und Bereitschaft. Und ich frage mich, sind wir nicht alle von Geburt an neugierig? Wollen in Erfahrung bringen wie man laufen kann, sprechen kann? Und ich frage mich auch, wann und wo versiegt die Neugier bei so vielen Menschen?

    Da bin ich optimistisch. Unsere Neugier versiegt nie, bei keinem Menschen. Leider wird sie durch äußere Gewalt oft so unterdrückt, dass sie kaum wahrnehmbar scheint. (Allerdings bevorzuge ich seit einiger Zeit den Begriff „Lernlust“ mit seinem bewusst lustvollem Klang, denn die „Gier nach Neuem“ hat mir die Neugier in Zeiten von turbokapitalistisch getriebenem Wachstumsdrang nach leerer „Innovation“ im Klang etwas dissonant werden lassen.)

    Außerdem merke ich, auch in Zusammenhang mit anderen, dass sich leider teilweise ein bißchen Arroganz/Ärger/Unverständnis/Unmut bei mir einschleicht, wenn ich verstehe das jemand eben irgendwie stehengeblieben ist vor 30 Jahren. Oft fragen genau die mich dann: „wie bist Duuu den da hingekommen wo du jetzt bist?“ In dem langgezogenen „Du“ und dem darauffolgenden fragenden „da“ schwingt oft eine kleine Ungläubigkeit mit, da ich ja nicht einmal Abi habe und keine akademische Ausbildung (wobei ich hier immer gerne einfüge, dass ich an 2 Kunstakademien über die Begabtenprüfung aufgenommen wurde). Oder das jemand stehen bleiben wird die nächsten Jahre: „die (hier eine Zahl einfügen) Jahre sitze ich noch ab in dem Unternehmen XY, auch wenn mein Job langweilig ist“. Die Hybris der Viel-Interessierten. Geht das nur mir so?

    Hmmm …. beschleichen mich da eher Traurigkeit und Ärger gegenüber den Strukturen, die das Lernen und die Lernressourcen von Menschen so verschleiern können, und den verinnerlichten Bewertungsmechanismen, die oft dahinterstecken? Wie gesagt, ich bin optimistisch (und umso wütender, wenn uns irgendwelche KI-Grifter einreden wollen, unsere menschlichen Lernressourcen hätten im unsäglichen Vergleich mit irgendwelchen Bullshit-Automaten nun nicht mehr die Kraft und Möglichkeit, die sie haben und immer haben werden.)

    Zu Ärger, Hybris und Wut – auch diese Begriffe möchte ich auf meinen Merkzettel für die #CLCamp26-Session setzen: Ungesteuert und ziellos lähmt sie und lässt unsere Lernressourcen versiegen. Zielgerichtet eingesetzt kann sie uns ungeahnte Kraft und regelrechte Gier nach Lernen spüren lassen. Es gibt Themen, zu denen ich alles in mich aufsauge, was ich finden kann – um argumentativ gewappnet zu sein und Gegen-/Verteidigungsmaßnahmen parat zu haben. Negative Emotionen können Lernressourcen sein.

    Da hast du Recht! Eine Ressource die man zuerst gar nicht so recht anschauen möchte, aber auf den zweiten Blick eine neue Welt öffnet. Einmal aus dem von dir aufgeführten Blick der Verteidigung, aber auch aus dem Widerstand der sich in einem regt, wenn andere wenig Zutrauen zu dir in einer Sache habe. Und den Neid* möchte man hier an dieser Stelle der unangenehmen Seite der Lernressourcen nicht missen wollen, oder?

    *Erinnert mich daran, dass mir immer noch eine neutral klingende Alternative für den Begriff „Neid“ fehlt. Oder brauche ich den gar nicht? Könnte „Lern-Neid“ auch eine positiv-inspirierende Lernressource sein?

    Vielleicht greift im Lernkontext auch der Begriff FOMO auch wenn schon alt und abgedroschen besser wie Neid. Was meinst du Johannes, hast du schon mal erlebt das irgendjemand auf LinkedIN eine abgeschlossene Ausbildung oder ein cooles Event postet und du dabei gedacht hast: „Warum zur Hölle ist mir das nicht eingefallen? / Habe ich das nicht gemacht!“. Dann gibt es zwei Optionen: Erkennen, dass das genau das ist was man jetzt tun möchte und man tut es ODER ein paar Tage später feststellen, dass es nicht wichtig für die eigene Weiterentwicklung ist.

    Jedenfalls, wenn man die dunkle Seite aus dieser Blickrichtung erkundet und reinhüpft in unbekannte Gewässer, vermeindlich dunkel und voller Gefahren, einfach weil du es jetzt genau so tun musst. Du erkundest das Feld und bekommst Sicherheit. Und jetzt kommt auch noch der Mut* ins Spiel, wieder als positives Element sozusagen. Als Gegengewicht zu Wut, Widerstand, Neid. Das braucht es dafür auch. Sich den Dingen und den Themen stellen, neue Wege gehen zu wollen. Notfalls auch erst einmal alleine, den negative Gefühle zu teilen, ist gar nicht einfach und werden deswegen oftmals erst mit sich selbst ausgehandelt und erst dann wieder geteilt, wenn eine vertretbare Basis für Austausch vorhanden ist. So ist es zumindest bei mir.

    *Mut ist ein zweischneidiger, teils übergriffiger Begriff, wenn er eingefordert wird – wie so oft im Corporate Learning. Ich möchte von niemandem, der abhängig angestellt ist, erwarten, beim Lernen „mutig“ sein zu müssen. Ich möchte Sicherheit verspüren, Vertrauen in mitlernende Kolleg:innen haben können und die Regeln und Verträge, innerhalb derer wir agieren, kennen und sie anwenden. Und ich weiß natürlich, dass Du auf eine andere Art von Mut anspielst, Gabriele … den Mut, der aus starker emotionaler Verbundenheit zu etwas erwächst, richtig?

    Ja, aus der Sicht von abhängig angestellten, ist das nachvollziehbar. Und ich meine aber trotzdem den Mut, etwas zu wagen. Auch mal was zu lernen, was im Moment vielleicht nicht passend ist und nicht auf deinen Karrierepfad einzahlt.

    Offenheit

    Voilá. Braucht es noch einen Überleitung zur Offenheit fragte Johannes im Text und hier ist sie: meine spontane und mal wieder intuitive Eingebung zu Offenheit. Übrigens auch als sehr guten Anschluss zum Thema „Mut haben, sich den Dingen zu stellen“. Ich verspüre bei uns beiden eine gewisse MüdiKIte und das mit Recht. Also wir mit unserer menschlichen und erfahrungsbasierten LLM haben doch hier einen Text erarbeitet, der so mit egal welcher KI nicht entstanden wäre. Und Spaß machte es auch. Zu verdanken ist das doch unserer Offenheit und dem loslassen können. Der Lust gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen. Und unbedingt auch dem gegenseitigen Vertrauen, dass wir uns entgegen bringen, einen solchen Text gemeinsam zu erstellen. Das ist nicht in jeder Konstellation möglich.

    Ja, das gemeinsame Schreiben mit Dir erschließt mir mehr von dem, was nicht im Text selbst steht, als die Buchstaben, Wörter und Sätze, die auf dem Bildschirm erscheinen. Wir schreiben in unseren gemeinsamen Kontext, in unser Vertrauen zueinander und in die zukünftige Barcamp-Session hinein. Das ist viel mehr als der Blogpost selbst. Lernressource „Kontext“? Lernressource „Das, was drumherum passiert“? Lernressource, sich Orientierung zu verschaffen, in alle Richtungen zu blicken, gedanklich auf die Reise gehen zu können?

    Reisen bildet. Ich möchte aber sagen nicht jede Art von Reisen bildet. Ich kenne Menschen die waren schon auf der ganzen Welt. Wenn du dich dann aber innerhalb eines abgeschlossenen Ressorts bewegst, dann – keine Bildung. Reisen ist kein Ort, du kannst auch auf einem Quadratmeter Erde auf Reisen gehen. Alles nur in ganz klein und fast nicht sichtbar. Moose, Flechten und Pilze sind so ein Ort, den es in keinem Reisebüro zu buchen gibt. Vielleicht ist die wichtigste Lern-Ressource in diesem Zusammenhang, dass nicht nur das vermeintlich wichtige einen zum Ziel bringt, sondern auch die Seitenzweige und Themen, die im ersten Moment nicht als wichtig erscheinen, aber in anderem Kontext auf einmal Sinn ergeben. Pilze zum Beispiel. Von Pilzen kann man viel über Vernetzung und Kommunikation lernen.

    Pilze sind ein faszinierendes Thema, Gabriele, bei dem es mich sofort juckt, zum Bücherregal zu treten und ein paar Beispiele literarischer Verarbeitung zu suchen. Lass uns das später nachreichen …

    Aber auch Deine Worte zum Reisen. Zwei Deiner Sätze widersprechen sich nach meinem Verständnis. Ich behaupte – und unterstelle Dir aufgrund des direkt anschließenden Satzes – dass Du das auch so siehst: Auf jedem noch so kleinen und abgeschlossenen Areal, auch im Liegestuhl des Ressorts, lässt sich Bildung erfahren. Es kommt auf den eigenen Blick und Fokus an. In einem unserer ersten persönlichen Gespräche (auf der re:publica …. 22?) erwähnte ich die Situationistische Internationale, die Meisterschaft darin entwickelten, alltäglich Vertraute und durch das „Spektakel“ völlig vereinnahmte Orte zu Lernorten umzugestalten – durch Praktiken des Dérive oder Détournement (Schreck! Das hast du doch so nicht gesagt! Jetzt muss ich hier mittem im Text noch Ecoisa befragen!), die sich als ein bewusstes „Auf-die-Reise-gehen“ sehen und Situationen schaffen beschreiben lassen können. Situationen, um kreativ und kraftvoll Unterdrückung sichtbar zu machen und Veränderung einzuleiten … auch wenn es nur eine temporäre kreative Umdeutung ist.

    Da hast du mich ertappt. Da ergieße ich mich einfach mal kurz sehr populistisch zu meinen Vorbehalten gegenüber Pauschalreisenden, die sich überwiegend in abgeschotteten Ressorts oder auf Kreuzfahrtschiffen bewegen und möglicherweise sind tatsächlich 1-2 darunter, die sich rein zu antrophologischen Studien dort bewegen und somit also mit einem Bildungsauftrag unterwegs sind. Eventuell bin ich auch einfach nur ein bißchen neidisch auf diejenigen, die mal kurz dahin und dorthin reisen, während meine Reisen überwiegend mit meiner riesigen internationalen Kochbuch-Sammlung stattfinden. Da behindert manchmal mein Schubladen-Denken und meine Arroganz, meine Kreativität beflügeln sie gleichzeitig, zumindest in meinem Schreib-Prozess gehören spitze und übertriebene Seitenhiebe stilistisch für mich dazu. Beim Schreiben wurde mir übrigens auch sehr frühzeitig Kreativität diagnostiziert. Und während ich also vor meinem inneren Auge als Antrophologin mit Klemmbrett und Bleistift auf einem Kreuzschiff Feldbeobachtungen mache, schiebt sich die nächste Ressource ins Blickfeld.

    Kreativität

    Manchmal erschließen sich zwischen den Werkzeugen und Wissensinseln Verbindungen und es werden Verknüpfungen sichtbar, die dann wie ein klarer Weg vor einem liegen und sich verbinden, wie zwei ineinander fließende Flüße. Vielleicht ist das der Übergang zu der beschworenen Serendipity – übrigens ein Wort das ich zum ersten Mal von Johannes hörte. Jedenfalls je umfangreicher das zusammengesammelte, umso klarer das Gesamtbild. Und zum Weg passt die Bewegung im Raum.

    Bewegung

    Lernen beim Gehen im Wald, meinem dritten Raum. Bewegung als Zündstoff für neue Ideen und Verbindungen. Richtungswechsel und Perspektivenwechsel beim Gehen als Impuls die Denkrichtung zu verändern. Manche Ideen können nicht zu dir kommen und entstehen nur dann, wenn du dich auf sie zu bewegst. Und das darf jetzt auch gerne wieder auf die Meta-Ebene gehoben werden. Ich übergebe an Johannes.

    Das Recht auf Spazierengehen ist für mich tatsächlich eine mir persönlich wichtige Lernressource. Aus genau den Gründen, die Du bereits erwähnt hast. Weiterhin finde ich faszinierend, wie beim Durchgehen durch Orte Erinnerungsanker gesetzt werden. Ich erinnere mich auch Jahre später noch an bestimmte Podcast-Fragmente, die ich an einer bestimmten Hausecke, einem bestimmten Baum … irgendwann einmal hörte. An Telefonate, die ich spazierengehend führte. Emotionen, die ich durchlebte, Gedanken, die ich trug.

    Orte

    Deshalb bin ich auch überzeugt: Lernen braucht Orte. Ob der Raum wirklich „der dritte Pädagoge“ ist können wir an anderer Stelle diskutieren. Klar scheint mir: Orte prägen das Lernen. Sei es der Klassenraum mit Möblierung für den Frontalunterricht, der Kreativraum in hippen Startups oder die Street-smartness fördernde „Straße“ in ihrer schillernden Ausprägungsvielfalt.

    Haben wir einen Ort irgendwann fertig entdeckt … so detailliert erkundet, dass es nichts neues mehr zu entdecken, keine neue Perspektive mehr einzunehmen, keine Umgestaltung mehr vorzunehmen gibt? Ich vermute nicht. Eine meiner intensivsten Lernerfahrungen der letzten Jahre fand in einem fast völlig leeren Theater-Probenraum statt, der von uns beliebig und immer wieder neu mit Bedeutungen befüllt werden konnte. Fast nichts war ‚vorgebaut‘, alles war möglich auf dieser leeren, aber für uns gegen außen geschützten Bühne.

    Werkzeugkasten

    Ich weiß von mir, dass mein Interesse versiegt, wenn ich etwas „ergründet“ habe. Wenn ich den Kern erfasst habe, also ca. 20-60%. Dann zieht es mich weiter zur nächsten Wissensinsel. Das zu verstehen, und das ich irgendwann mal den Begriff „Scanner“ Persönlichkeit geschenkt bekommen habe, ist ein weiterer Baustein meiner Lernressource. Heute erlaube ich mir weiterzuziehen. Früher habe ich an meinem Durchhalten gezweifelt. Das ich an nichts dranbleiben kann. Heute habe ich meinen Werkzeugkasten, der ist zwar umfangreich, bei manchen Werkzeugen weiß ich noch nicht ganz genau wie sie funktionieren, aber ich weiß wo ich es finde und um es anzuwenden, darf ich mich nochmal damit beschäftigen.

    Was ich gerade nicht beantworten kann, ist die Frage wie ich auf diese Ressourcen zugreife. Hier muss ich leider gestehen, dass ich bei bestimmten Themen in eine Art „Flow“ komme. Dann ist es ein Selbstläufer und was ich erarbeiten will, was ich mir neu erschließen möchte, entsteht fast von alleine.

    Oftmals in tagelangen (und leider auch nächtelangen) Denkprozessen entstehen meine Texte und Ideen. Ich bin die Texterin und Konzeptionerin der Dunkelheit. Wenn alle anderen schlafen bilden sich in meinem Kopf Worte, Sätze, Blogbeiträge, Headlines, entstehen Workshop-Landschaften und – Lernformate.

    Mir scheint, Du hast einen für dich gut funktionierenden Zugang zu Deinen Ressourcen gefunden? In manchem, was ich lese, finde ich mich selbst wieder (das Umherhüpfen zwischen Themen und die Qual bei der Vorstellung, mich mehrere Jahre intensiv und fokussiert mit genau einer Fragestellung beschäftigen zu sollen). Früher, als Student, habe ich selbst in der Nacht geschrieben. Das funktioniert seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr, weil sich meine Tagesroutinen und die (externen) Anforderungen an meinen Tag-Nacht-Rhythmus geändert haben.

    Ja, das stimmt. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich weiß, dass ich auch 5 vor 12 noch eine Idee, einen Geistesblitz haben werde, der funktioniert. Hätte nur gerne weniger Spontanität drin und ein System, dass ich mit anderen teilen kann. Schreiben tu ich nicht in der Nacht. Nur wenn mir ein wirklich geniale Idee einfällt für einen Kunden. Dann stehe ich auf, schreib die Idee auf ein Board und buche die Anzahl Stunden auf das Kundenkonto, die dem Wert der Idee entsprechen und das fühlt sich gut an.

    … was verdeutlicht, wie relativ und flexibel Zeit gehandhabt werden könnte, als Arbeits- und als Lernressource. Wird es im Corporate Learning selten, wenn mit „Lernzeitbudgets“ etc. hantiert wird.

    Zeit

    Denn was Lernen neben sozialen Resonanzräumen und Gesundheit (dazu weiter unten mehr) besonders benötigt, ist Zeit. Ist Lern-Zeit die Grund-Ressource, ohne die alle anderen Ressourcen nichts sind? Gleichzeitig ist Lern-Zeit konstant rar. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass kaum Zeit für bewusst selbst-organisiertes und -gestaltetes Lernen bleibt. Lernzeit ist notorisch fremdbestimmt (in der Regelschule, der Ausbildung oder Bologna-geprägten Universität, in verordneten Seminaren, Weiterbildungen oder Umschulungen). Andere bestimmen für uns, WANN wir Lernen sollen, dürfen oder angeblich sogar müssen – egal, ob uns die Zeit dafür gerade passend erscheint und wir Lernlust spüren. Lernzeit ist die Zeit im Seminar. Lernzeit ist geblockt im Kalender. Lernzeit wird eben nicht als die Zeit gesehen, in der Du in der Nacht aufstehst und eine Idee notierst … oder wachliegst und Gedanken wälzt. Und Lernzeit wäre … zumindest für mich … auch sehr oft die Zeit, die gerade nicht verfügbar ist, weil dies und das und jenes erledigt werden muss.

    Ich stelle für mich selbst fest, dass meine Lernlust regelrecht aufblüht, wenn ich längere Zeit am Stück für mich habe. Auch deshalb nehme ich mir jeden Sommer den Luxus der ganzen großen Ferien. Damit habe ich nicht nur die gesamten sechs Wochen mit meiner Familie, sondern spüre auch, wie meine Lernressourcen wieder wachsen. Ich entdecke im Alltag verschüttete Interessen, spüre meine Selbstwirksamkeit und nehme mir unendlich viele Lernprojekte vor … die dann erwartungsgemäß im Herbst zwar meist wieder einschlafen, aber allein die Erkenntnis, dass sie in mir als Lernressource schlummern und durch mehr verfügbare Zeit spürbar werden, ist sehr beruhigend.

    Allerdings kann diese Sehnsucht nach Lernzeit auch ausgenutzt werden. Wie oft nehme ich war, dass das Versprechen von Lernzeit in Unternehmen missbraucht wird – als Pflaster über disfunktionaler Planung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überlast. Lernzeit wird dann zur zermürbenden Möhre-vor-der-Nase, die nie erreicht wird, aber immer ergriffen werden könnte, wenn denn die Arbeitsdisziplin stimme. Und selbst wenn sie im Kalender steht, gnädig gewährt, steht da doch immer noch die nicht erledigte Tätigkeit in Konkurrenz, die noch schnell fertig gestellt wird, unter dem Schutzmantel des ‚Nicht stören, hier wird gelernt’.

    Wenn der Tag zu viel Inhalt hat, aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und einem kleinen Rest Selbstfürsorge – oder nennen wir es kleine Pause, da ist Lernen nicht machbar. Ich erinnere mich an Zeiten, als diese Kombination es lediglich ermöglichte seufzend und traurig die Decke anzustarren. Dies ist die Realität von vielen, vermute ich. Und in der Lebensphase in der Johannes steckt, ist es wirklich schwierig ungeplante spontane Lernzeiten unterzubringen. Möchte jetzt gerne schreiben, dass das besser wird. Aber leider, leider, erst mal Nein. Deswegen finde ich es sehr inspirierend was Johannes dazu schreibt. Sich gezielt die Lernzeiten-Fenster zu schaffen und zwar nicht als „festes Fenster“ sonder so, dass Selbstwirksamkeit erfolgen kann und die freigeschaufelte Zeit nicht zugeschüttet wird mit anderen Todos, die darauf warteten erledigt zu werden (Aufräumen, Einkaufen, Räder wechseln, …). Es ist jetzt 11:30 Uhr und ich werde jetzt eine Runde durch den Wald drehen, diesen Beitrag im Kopf haben und später wieder anschließen.

    „Wie schaffen wir unseren Mitarbeitenden Lern-Zeit?“ ist die Frage, die mir (neben der zur ominösen „Lern-Kultur“, auf die ich noch eingehen werde) in Beratungssituationen am häufigsten gestellt wird.

    Die Zeitfrage ist in Betracht auf die „Teppich-Etage“ noch relativ einfach finde ich. Schwierig wird es bei den Beschäftigen auf dem „Hallenboden“ oder die mobil unterwegs sind. Hier müssten Einschnitte gemacht werden in die „Produktivitätszeit“, was bei heutigen Auslastungen und Effektivitäts-Steigerungen schwer zu handhaben und zu vertreten ist. Am Ende ist es doch auch hauptsächlich Vertrauen, auf das gebaut werden muss. „Ich stelle Lebenszeit und Arbeitskraft zur Verfügung und werde diese optimal für dich liebes Unternehmen zum Einsatz bringen“ steht da im krassen Konflikt zu „ … und am Ende wird beim Homeoffice womöglich auch noch nebenher Wäsche gewaschen!?!“.

    Ja, wir betreten hier ein neues Konfliktfeld, in dem das oft postulierte Mantra „Lernzeit = Arbeitszeit“ wie ein fernes Echo aus dem Elfenbeinturm wirkt. Natürlich bemüßigen sich alle, auch die Arbeit auf dem „Hallenboden“ lern-reich zu gestalten. Als Lippenbekenntnis. Die Realität sieht oft anders aus, und „Lernzeit“ wird in Pausenzeiten oder die Freizeit versteckt (natürlich nicht offiziell). Wie erkämpfen wir uns Lern-Zeit?

    Gesundheit(en)

    Neben der zur Verfügung stehenden Zeit und dem sozialen Netzwerk ist Gesundheit (oder sind „Gesundheiten“ … ich möchte mich, ähnlich wie mit „Zukünften“, auch mehr mit der bewussten Verwendung des Begriffs Gesundheit im Plural auseinandersetzen, um die problematische Binarität Krank – Gesund zu hinterfragen) die dritte ganz zentrale Lernressource – und diejenige, die in den meisten Lernkontexten krass ignoriert wird. Die körperliche und seelische Verfassung, die wir in Lernprozesse einbringen, ist darauf so prägend wie fast nichts anderes.

    Das sind Barrieren, die uns den Zugang zu Lernsettings verwehren. Das ist unsere menschliche Neurodiversität, die ignoriert wird. Das ist das unterschiedliche Maß an Kräften, die wir insgesamt einbringen und auf unsere unterschiedlichen Anforderungen im Alltag verteilen können.

    All das wird in vielen konventionellen Lernsettings oft ignoriert oder als Nice-to-have betrachtet, dabei sollten alle Betrachtungen hier starten.

    Gesundheit ist aber ein wesentlicher Bestandteil. Wer im Burnout steckt, Depressionen hat, oder in einem Suchtverhalten steckt, kann nicht lernen. Jedenfalls nicht gut.

    Ich denke, doch, auch aus solchen Situationen erwächst Lernen. Nur ein gänzlich anderes, das eine eigene Betrachtung verdient – denn mir liegt es fern, Lernen aus Leid irgendwie faschistoid zu glorifizieren.

    Finanzielles

    Am Ende sind wir also bei den Elefanten angelangt. Zeit, Gesundheit … und das liebe Geld. Dass Lernen durch finanzielle Ausstattung gefördert oder durch Einsparung stark erschwert werden kann, scheint intuitiv einleuchtend. An dem Punkt waren wir schon zu Beginn, im Abschnitt „Inhalte / Materielles“. Im Corporate Learning taugt das, was etwas kostet und sich in einem definierten Zeitraum messen und bewerten lässt … die Return-on-Investment-Logik. Ebenso bekannt, dass wir lebenslang unterschiedlich finanziell begütert mit entsprechend unterschiedlichen Zugängen zu anderen Lern-Ressourcen (Zeit, Gesundheiten, Inhalte etc etc ….) durch die Welt laufen.

    Wir sollten uns stark dafür machen, Lernen gebührend finanziell auszustatten. In der Schule, in außerschulischen Realitäten von Kindern und Jugendlichen, während des Aufwachsens, am Arbeitsplatz und außerhalb der Erwerbsarbeit, im sozialen Miteinander, im politischen Gefüge und in Situationen, in denen wir ganz besonders auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Ja, es mag abgegriffen sein und aufgrund seiner Verwurzelung in einer neoliberalen Verwertungslogik auch angreifbar, gehört im Rahmen dieser Logik aber immer wieder betont: Investitionen in Bildung rechnen sich!

    Ich mag hier gerne noch die Brille der Soloselbständigen reinbringen. Was für außenstehende leicht aussieht, wenn ich im Erstgespräch gute Ideen einbringe und relativ schnell ein Grobkonzept erstelle, ist das Ergebnis vorab geleisteter Lerneinheiten, die mir in Gänze niemals gezahlt werden können. Deswegen erlaube ich mir, diese bei Beauftragung anteilig in Rechnung zu stellen. Nach eigenem ermessen, aber so dass meine Vorableistung unabhängig vom Auftrag honoriert wird.

    Feminismus

    Feministischer Blick auf die Ressource, als Auszug unserer Feministischen Lernpolitik? Was braucht es um Lernen gut zu gestalten aus der Blickrichtung Feminismus?

    Hinweis in eigener Sache. Das endet jetzt hier sehr plötzlich.

    Ach ne, das war ein fulminanter Start, der noch lange nicht zuende ist, sondern doch nur als Auftakt für unsere Session geplant ist, Gabriele. In unserer Session öffnen wir den Lernraum mit allen Teilgebenden. Vielleicht schreiben ja einige davon auch im Nachgang noch weiter, so wie wir? 🙂

    Eigentlich sollte ich hier einen Abbinder schreiben, der sich mit der Ressource Feminismus beschäftigt und unser Thema Lernressourcen abrundet. Ich mag aber viel lieber erzählen, wie wir zwischendurch auf Literatur gekommen sind und ich fand, dass unser Austausch mich an Stephanie Sargnagels Buch „Iowa“ erinnert mit den Fußnoten von Christiane Rösinger. Johannes lacht und sagt „das Buch war super witzig!“. Fand ich auch. Und vielleicht ist es doch ein bißchen die feministische Klammer, die unseren Austausch wieder schließt. Beim Erstellen dieser letzten Zeilen kam mir noch in den Kopf: Lernressource Humor? Scherz beiseite. Humor ist zumindest ein verbindendes Element und macht gemeinsames Lernen zu einem Erlebnis. Jedenfalls zwischen mir und Johannes, wie wir es hier beim gemeinsamen Schreiben und Denken erlebt haben.

    #CLC23 #CLCamp26 #eine
  12. Lernressourcen

    Wir, Gabriele und Johannes, wollen auf dem #CLCamp26 eine gemeinsame Session zu „Lernressourcen“ anbieten.

    Den Start in die Vorbereitung machen wir mit diesem Blogbeitrag … der vielleicht auf die Session neugierig macht, vielleicht Einstiegs- oder Anknüpfungspunkte setzt, vielleicht zu Widersprüchen aufruft und hoffentlich – zuerst einmal durch das Schreiben für uns beide – das Feld weitet für das, was „Lernressourcen“ alles sein könnten.

    Als wir beschlossen, die Session anzubieten und dazu mit einem kooperativem, gemeinsamem, ineinandergreifenden und aufeinander Bezug nehmendem Schreibprozess zu starten, notierten wir uns die folgenden Fragen, die auch zu Beginn unserer Session stehen könnten:

    • Was bedeuten Lern-Ressourcen?
    • Wie können auf Lern-Ressourcen aufgebaut werden, wie können diese ausgebaut werden?
    • Wann weiß ich, welche Lern-Ressource ich in welchem Umfang zum Einsatz bringe?
    • Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
    • Welche Arten von Lern-Ressourcen gibt es überhaupt?

    Und vielleicht leiten sich aus unserem folgenden schriftlichen Austausch vorab für uns und für Session-Teilgebende weitere Fragen und Ideen ab?

    Aus welchen Perspektiven blicken wir jeweils auf den Begriff „Lernressourcen“?

    Diesen Beitrag schreiben wir kooperativ. Jede:r von uns ergänzt Ideen, die wir dann gemeinsam in einen Fluss bringen. Daraus entsteht im Schreibprozess ein inspirierendes Ping-Pong auf einem gemeinsam beschriebenen Collabora Online Dokument auf Gabrieles Nextcloud. Wir schreiben uns gegenseitig in die Texte, lesen immer und immer wieder und ergänzen. Ich habe das Gefühl, wir könnten endlos so weitermachen, aber irgendwann, am 2. März um 18 Uhr, setzen wir uns einen Schlusspunkt, kopieren den kooperativ geschriebenen Text als Sessionankündigung in unsere jeweiligen Blogs (und werden dabei sicher weitere Stellen finden, die wir überarbeiten … denn der Text bleibt lebendig und beschreibbar).

    So haben wir es heute besprochen: und um 18:00 Uhr ist also Schluß für heute und für den aktuellen Stand unseres Schreibgesprächs. Das wird spannend, da es für die Zukunft gesehen zwei Versionen geben wird, da sich unsere beiden Blogs ja nur von der Ferne her kennen und sich nicht synchronisieren.

    Aber sie pingen sich gegenseitig an. Die gute alte Pingback-Tradition der Webblogs. Oder kann Dein Blog das nicht, Gabriele? 😛 Ich hab noch fünf Minuten, dann ist Schluss mit Tippen und wir veröffentlichen ….

    Ich, Gabriele, gebe hier einen persönlichen Einblick zu meiner Lernerfahrung. Meine eigene Lernerfahrung basiert vor allem auf der Erkenntnis, dass die meisten Organisationen in denen ich beschäftigt war, mein zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erkannten und/oder fördern konnten oder wollten. So habe ich mich immer selbst auf den Weg gemacht, gelernt, verworfen, aufgebaut, aufgefrischt, neu gelernt … . Seit ich Menschen wie Johannes kenne und in einen regelmäßigen Austausch zu selbstgewählten Themen gehe, verstehe ich, wie Lernen mit anderen funktionieren kann und was es für mich bedeutet, in den Austausch mit anderen gehen zu dürfen. Auch dann, wenn ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin. Keine Grenzen. Manche Bedarfe entstehen erst durch das darüber sprechen. Manche Gedanken werden zu Ideen, Konzepten oder führen zu Erkenntnissen, wenn man sie das erste Mal mit anderen teilt. Das hat mich mutig gemacht die letzten Jahre und so lerne ich als Soloselbständige so vor mich hin, lass mich treiben und mäandere mich gemächlich durch die unterschiedlichsten Wissensgebiete. Meine Neugier sucht sich wie ein Fluß ihren Weg. Was ich mache? Das ändert sich ständig. Gerade mache ich mal wieder eine Ausbildung. Und überhaupt denke ich gerade: Vielleicht sollte mich mal mit dem Thema Flüße beschäftigen?

    Jedenfalls empfinde ich den Austausch mit Johannes immer als sehr gewinnbringend.

    Das beruht auf Gegenseitigkeit, Gabriele. Sonst hätten wir das hier nicht gestartet.

    Ich, Johannes, erschließe mir die Vielfalt von „Lernressourcen“ ebenfalls aus unterschiedlichen Richtungen und Zugängen … wie Du, Gabriele, und jetzt im Miteinander, der wichtigsten Lernressource – aber ich möchte nicht vorgreifen.

    Da ist meine berufliche Perspektive als Corporate Learning Berater auf die Vielfalt von Lern-Ressourcen. Hier mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass Lernangebote oft wenig bewirken, wenn sie isoliert und ohne die konzeptionelle Einbeziehung des systemischen Umfelds betrachtet werden. Mitarbeitende nutzen die Angebote nicht, Aufwände verpuffen, Lernen wird als Hürde empfunden oder Lernbedarfe werden nicht einmal erkannt. Mein Motto aus IT-Qualifizierungen ist „Die User sind nie schuld“, denn so gut wie nie „sitzt das Problem vor dem Bildschirm“ (wie ich diesen despektierlichen Spruch verabscheue!), sondern fast immer werden Bedarfe und deren Ursprünge zu isoliert betrachtet, wird Blaming geübt statt wertvolle Hinweise auf u. a. Ressourcenbedarfe zu erkennen.

    Und dann ist da der Blick auf Ressourcen, mit dem ich an Gabrieles Einstieg anknüpfen möchte: Das Erkennen, Erkunden und Erfahren der Möglichkeiten, die uns menschlich ausmachen, die uns zusammenbringen und uns gemeinsam gegen Widrigkeiten angehen lassen. Das, was eigentlich in uns steckt, und sich so oder so seinen Weg bahnt. Flüsse sind ein Bild, das mir gefällt, Gabriele! Flüsse bahnen sich ihren Weg, prägen Territorien und werden zu Grenzziehungen missbraucht, sind Lebensadern und können zerstörerisch sein. Manche sind wild, manche betoniert-eingehegt. Vielleicht irgendwann mal eine Session zu „Lernflüssen“? Heute aber erst einmal Ressourcen!

    Unsere gemeinsame Lern-Historie

    Nein, den Start in die Vorbereitung unserer Session machen wir natürlich nicht mit diesem Blogbeitrag, sondern schon viel früher: Seit langer Zeit denken, recherchieren, reden und schreiben Gabriele, Gratian, Silvia und ich gemeinsam mit einer weiteren Mitwirkenden an einem lernOS-Leitfaden zum Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“. In einer geplanten Woche dieses Leitfadens gilt es, sich der Ressourcen bewusst zu werden, die in das eigene Engagement eingebracht werden können.

    In diesem Zusammenhang begannen wir, uns intensiver mit dem Begriff „Ressourcen“ auseinanderzusetzen … denn zu Beginn stand ein produktives Missverständnis*, weil wir jeweils an ganz andere Begriffsbedeutungen dachten.

    *genau! Ich verstehe jetzt was Johannes mit Ressourcen meinte (meine Weiterbildung klopft gerade an). Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber die Ressource „Zeit“ dicht gefolgt von „Energie“. Wann habe ich überhaupt Zeit und dann auch noch Energie um mich mit Themen zu beschäftigen. Im Hintergrund stand bei mir der Gedanken, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen, die mir lernen oder Beteiligung ermöglichen. Ich werde es weiter unten nochmals thematisieren.

    (Spoiler: Zeit, Energie, Lebensphasen, Beteiligung … das schält sich, wenn ich diesen Text gerade kurz vor dem Publizieren noch einmal durchlese, doch als brauchbarer Rahmen für das meiste heraus, das wir betrachten und zum Ende hin abbinden. Deine erste Intuition war also ziemlich treffend, Gabriele!)

    Und noch früher dachten, recherchierten, redeten und schrieben Gabriele und ich um das Thema „Feministische Lernpolitik“ herum … in einem Social Learning Space, der wiederum aus einer Session von Gabriele auf dem #CLC23 Barcamp der Corporate Learning Community entstand und uns viele Monate regelmäßig zusammenbrachte, bis wir sie wieder auflösten. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Material- und Ideensammlung auf unserem Online-Whiteboard, auf die ich heute immer noch zugreife. Auch das Whiteboard für unser lernOS-Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“ ist weit über den Bildschirmrand befüllt mit gegenseitigen Empfehlungen, PDF-Dokumenten, Skizzen und Kata-Beschreibungen. Eine brauchbare Sammlung an (wild zusammengetragenen, wenig geordneten) Lernressourcen.

    Die Betrachtung unserer Lernressourcen hat für mich u. a. mit der Untersuchung folgender Fragen zu tun: Was uns im bereits zurückliegenden Lernprozess …

    • grundsätzlich die Möglichkeit verschafft, uns zusammenzufinden und uns einem gemeinsamen Thema zu widmen … und nach den ersten Schritte auch weiter zu machen,
    • unser Wirkungsfeld geöffnet und gehalten,
    • Energie im Prozess geschenkt,
    • das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung vermittelt (nicht auf der Stelle treten, sondern immer neue Quellen, Zugänge, Ideen und Wirkungsfelder zu betreten)?

    Und was hat dazu geführt, dass wir unser gemeinsames, in der Gruppe stattfindendes Engagement zum Thema „Feministische Lernpolitik“ nach einigen Monaten beendeten … und dass unsere lernOS-Entwicklungsgruppe nicht mehr so viele regelmäßig aktive Mitglieder umfasst wie zu Beginn?

    Ich vermute, all diese Fragen – und viele mehr, die wir auf unserer Barcamp-Session im Ressourcen-generierenden Austausch mit den Teilgebenden finden werden – haben mit (Lern-)ressourcen zu tun.

    Zukünftig möchte ich mich auch durch weitere Recherche damit auseinandersetzten, welche Verständnisse von „Lern-Ressourcen“ in Lerntheorien und Didaktik gängig sind. In diesem Einstieg, in dem wir uns die assoziativen Bälle zuwerfen, haben wir bewusst auf den Verweis auf Theorie verzichtet.

    Ich sowieso. Theorie ist wichtig, aber ich bin bekennende Frau praktischer Anwendungen. Habt ihr vielleicht schon gemerkt. Ich lerne durch ausprobieren. So bin ich übrigens auch eine phantastische Köchin geworden.

    Und auch beim Kochen braucht es gute Zutaten, Gabriele ….

    Inhalte / Materielles

    In meiner täglichen Arbeit wird unter (Lern-)ressourcen meist Materielles verstanden, speziell „Content“: Die Rohstoffe in der Produktion, die weiter verwertet werden, als auch die Lerninhalte, die wir als Lernende rezipieren, verarbeiten und darüber intern unser Wissen aufbauen. Texte, Videos, e-Learning-Inhalte, Folien, Podcasts … . Unsere digitale und auch analoge Welt ist übervoll mit Lernressourcen dieser Art. Das Internet als (noch, wenn auch durch AI-Slop und Plattformkapitalismus bedrohte) unerschöpfliche Quelle für Lernressourcen, die (ebenfalls durch Austeritätspolitik bedrohten) Stadtbibliothek, Museen und weitere Kulturorte. Inhalte können teuer produziert oder gekauft werden oder als Commons frei verfügbar sein. Letzteres wird im Corporate Learning oft ignoriert. Tauglich sei’s, wenn’s für Geld eingekauft und als Eigentum ins Lernmanagementsystem eingeschlossen und als Lernmaßnahme ausgehandelt dort zugewiesen wurde. Die unendlichen Möglichkeiten, kontinuierlich mit frei verfügbaren und sich permanent durch die Nutzung und Anreicherung im Lernkontext anreichernden Inhalten zu lernen, die durch das Engagement von Freiwilligen bereitgestellt werden, werden ignoriert.

    Ach spannend. Also jetzt haben wir schon drei verschiedene Dimensionen des Begriffs Ressource: Der Lern-Inhalt (Content), die Lern-Verfügbarkeit (zeitliche, räumliche, finanzielle) und der persönlichen Ressourcen (Neugier, Offenheit, Quelle …).

    Aber diese begriffliche Einengung von „Lernressourcen“ ist natürlich bei weitem nicht ausreichend.

    In meinen eingangs beschriebenen Lernerfahrungen sind mir beispielsweise die Gespräche mit meinen Mitlernenden, das geteilte und Energie schenkende Gefühl, ein gemeinsames, von uns allen als sinnvoll empfundenes Ziel zu verfolgen und die dadurch längerfristig gestärkten Beziehungen viel wichtiger als die Quellen und Buchtipps, die wir auf unseren Online-Whiteboards zusammengetragen haben.

    Jetzt hake ich wieder ein. Ja, wir haben Whiteboards bis an die Kante befüllt und auch für mich sind diese gemeinsam mit anderen entstandenen Whiteboards immer wieder Quelle der Rückkehr und des wieder treiben lassens. Schon wieder drängt sich das Flußbild auf … . Statt Whiteboard sollte es nun ein kollaborativer Text sein, in dessen Mitte wir uns nun eben befinden. Beide schreiben wir parallel über unsere Lernressourcen.

    (Ich behaupte ja immer, und hatte dazu vor Jahren auch mal eine Barcamp-Session initiiert, dass ich durch Schreiben lerne. Schreibend schöpfen wir gerade von überall her aus unseren verschiedenen Lernressourcen und schreiben sie fort und größer … und schon trägt mich Dein Fluss-Bild mit …)

    Und gestern haben wir uns getroffen und fast wäre es passiert, dass wir wieder in ein anderes großes Thema abgedriftet wären. Zu Beginn des Textes habe ich mir die Frage gestellt, was meine persönlichen Lernressourcen sind und eine die vielleicht euch und auch mich selbst überrascht hat, ist die hier im Anschluß folgende:

    Popkultur/Subkultur

    Neues hören, neues sehen, warum hören Menschen jahrzehntelange die gleiche Musik? Musik ist mein „Mitgestalter“. Kunst und Literatur auch, aber Musik am meisten. Ich stehe auf die Ressource Subkultur und Popkultur. Sie taugt mir für alles: Kreativität, Menschen die sich verbinden, bewegen. Pop- und Sub-kulturelle Begegnungsstätten in Form von Clubs, Vereinen, Bewegungen verbinden Menschen und Gedanken. Werden zu Strömungen und können niedrigschwellig Inhalte vermitteln. Vielleicht ist Pop-/Subkultur das „kulturelle“ Gegenstück zum schmutzigen Populismus rechter Parteien. Ich schweife ab. Jedenfalls bietet zumindest die Subkultur Schutzräume in denen ich mit anderen, die sich im selben Kultur-Raum befinden Möglichkeiten des Austauschs, Betrachtens des Lebens durch eine andere Brille. Mich ausprobieren kann. Abgrenzung ist eine der Lernerfahrungen und Ressourcen die darin schlummert. Ich muss nicht immer so sein, wie es andere von mir erwarten. Aber auch, bei der Popkultur, Teil einer größeren Bewegung zu sein. So ganz genau weiß ich noch nicht was ich damit sagen will, vielleicht ist das eine der „Quellen“ der persönlichen Ressource (siehe oben). Ich baue an dieser Stelle auf Johannes und übergebe in seine analytische Gedankenwelt 🙂

    Wenn ich Deinen hymnischen Einstieg lese, möchte ich vielleicht gar nicht analytisch werden, sondern ebenfalls an Selbst-Erlebtes anknüpfen. Pop- und Subkultur scheint mir eine wichtige, biografisch geprägte Lernressource zu sein (und auch hier freue ich mich auf eine in der Session fortgeführte Vertiefung … denn die Betrachtung dieses Ressourcenfelds wird umso greifbarer, je vielfältiger und durch eigenes Erleben geprägter die Stimmen dazu sind). Mit vielen von dem, was ich heute kann, auf dem ich mit meinen Kompetenzen aufbaue, was mir wichtig ist, was mich „resilient“ macht (sorry für die Verwendung dieses oft so problematisch missbrauchten Wortes) und was mir mein soziales Netzwerk erschließt, hat Ursprung in Subkulturen, in denen ich als Jugendlicher Zugang fand oder die ich mir jetzt erst mit Mitte 40 erschließe. Subkulturen, Popkulturen, Gegenkulturen schaffen uns ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten, öffnen Arenen der inspirierenden Imitation, erweitern unseren Werkzeugkasten, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und stärken uns im Miteinander. „Each one teach one“, eine der wichtigsten Lernressourcen.

    Der Begriff der Gegenkultur ist hier noch wichtig! Danke für’s einbringen Johannes. Den Subkultur speist sich auch aus Widerstand. Das ungesagte das unfassbare sichtbar machen und sich dagegen wehren. Gegenwehr gegen Systeme, die beschränken. In meiner Generation die Haltung der 50-60er Jahre, die einen bestimmten Weg für junge Frauen vorgeschrieben haben: Heiraten, Kinder bekommen und bloß nicht zu viel Bildung. Hier in eine Anti-Haltung zu gehen, ist nicht unbedingt der einfachste Weg, wenn du jung bist. Den es bedeutet auch Einsamkeit, Unverständnis, Bestrafung, Ausgrenzung, Verzweiflung sowie ungefragte Tipps und Empfehlungen von Außenstehenden („mach es dir doch nicht so schwer“, „wie du wieder aussiehst … ist doch kein Wunder dass ….“) und nicht zuletzt auch schlechte Noten. Ich weiß wovon ich spreche. Aber am Ende bin ich doch daran gewachsen, da es immer einige wenige Mitstreiter:innen gab. Und daran schließt jetzt wunderbar das folgende Thema an, dass von Johannes eingeleitet wird.

    Netzwerke, Freundschaften, Bekanntschaften und Vorbilder

    Wir lernen zuallererst durch unser Streben nach Sozialisation … auch wenn uns im Corporate Learning immer wieder etwas anderes verkauft werden soll. In Interaktion mit Menschen lernen wir wie nebenher, auch auch durch die im vorherigen Abschnitt schon angesprochene Imitation. Unsere Lern- und Netzwerkpartner:innen öffnen und halten einen Resonanzraum für unsere Kompetenzen und nehmen unseren sozialen Entfaltungsdrang auf. Sie inspirieren uns als Vorbilder immer wieder. Sie sind die Ressourcen, die Lernen lebendig und erfahrbar machen und katalysieren … und es gleichzeitig ermöglichen, Ressourcenknappheit zu überwinden und formale Einhegungen/Beschränkungen zu unterlaufen. Lern-Netzwerke ermöglichen einen Aufstand gegen verordnetes Nicht-Lernen! … und schaffen damit die Grundlage für das, was Gabriele und ich hier tun. Und insbesondere ermöglichen uns Lern-Netzwerke Zugang zu Entwicklungen, die uns bisher verborgen blieben, nicht nur über den oft erwähnten „Flurfunk“ oder den Gerüchte-Handel „in der Kaffeeküche“.

    Neugier

    Ich war letzte Woche auf der Beerdigung einer guten Freundin von früher. Alles sehr traurig. Was hat das mit meinen Lern-Ressourcen zu tun? Ich habe Feststellungen gemacht an diesem Tag. Meine Freundin war aus einem intellektuellen Haus und ich weiß nun, was ich ihr zu verdanken habe und welche Türen sie mir öffnete. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon eine Leseratte und habe verschlungen was es gab. Im Bücherbund (die älteren unter uns wissen noch – Schallplatten gab es da auch) kaufte meine Mutter für mich Bücher, die für sie selbst sonderbar klangen und keinen Sinn ergaben. Dennoch war es diese Freundin, die meinen Hunger nach neuem bediente und erfüllte, Politik, Kunst, Literatur – Musik brachte ich als Element ein. Und damit bin ich bei der ersten persönlichen Lernressource: Neugier und Bereitschaft. Und ich frage mich, sind wir nicht alle von Geburt an neugierig? Wollen in Erfahrung bringen wie man laufen kann, sprechen kann? Und ich frage mich auch, wann und wo versiegt die Neugier bei so vielen Menschen?

    Da bin ich optimistisch. Unsere Neugier versiegt nie, bei keinem Menschen. Leider wird sie durch äußere Gewalt oft so unterdrückt, dass sie kaum wahrnehmbar scheint. (Allerdings bevorzuge ich seit einiger Zeit den Begriff „Lernlust“ mit seinem bewusst lustvollem Klang, denn die „Gier nach Neuem“ hat mir die Neugier in Zeiten von turbokapitalistisch getriebenem Wachstumsdrang nach leerer „Innovation“ im Klang etwas dissonant werden lassen.)

    Außerdem merke ich, auch in Zusammenhang mit anderen, dass sich leider teilweise ein bißchen Arroganz/Ärger/Unverständnis/Unmut bei mir einschleicht, wenn ich verstehe das jemand eben irgendwie stehengeblieben ist vor 30 Jahren. Oft fragen genau die mich dann: „wie bist Duuu den da hingekommen wo du jetzt bist?“ In dem langgezogenen „Du“ und dem darauffolgenden fragenden „da“ schwingt oft eine kleine Ungläubigkeit mit, da ich ja nicht einmal Abi habe und keine akademische Ausbildung (wobei ich hier immer gerne einfüge, dass ich an 2 Kunstakademien über die Begabtenprüfung aufgenommen wurde). Oder das jemand stehen bleiben wird die nächsten Jahre: „die (hier eine Zahl einfügen) Jahre sitze ich noch ab in dem Unternehmen XY, auch wenn mein Job langweilig ist“. Die Hybris der Viel-Interessierten. Geht das nur mir so?

    Hmmm …. beschleichen mich da eher Traurigkeit und Ärger gegenüber den Strukturen, die das Lernen und die Lernressourcen von Menschen so verschleiern können, und den verinnerlichten Bewertungsmechanismen, die oft dahinterstecken? Wie gesagt, ich bin optimistisch (und umso wütender, wenn uns irgendwelche KI-Grifter einreden wollen, unsere menschlichen Lernressourcen hätten im unsäglichen Vergleich mit irgendwelchen Bullshit-Automaten nun nicht mehr die Kraft und Möglichkeit, die sie haben und immer haben werden.)

    Zu Ärger, Hybris und Wut – auch diese Begriffe möchte ich auf meinen Merkzettel für die #CLCamp26-Session setzen: Ungesteuert und ziellos lähmt sie und lässt unsere Lernressourcen versiegen. Zielgerichtet eingesetzt kann sie uns ungeahnte Kraft und regelrechte Gier nach Lernen spüren lassen. Es gibt Themen, zu denen ich alles in mich aufsauge, was ich finden kann – um argumentativ gewappnet zu sein und Gegen-/Verteidigungsmaßnahmen parat zu haben. Negative Emotionen können Lernressourcen sein.

    Da hast du Recht! Eine Ressource die man zuerst gar nicht so recht anschauen möchte, aber auf den zweiten Blick eine neue Welt öffnet. Einmal aus dem von dir aufgeführten Blick der Verteidigung, aber auch aus dem Widerstand der sich in einem regt, wenn andere wenig Zutrauen zu dir in einer Sache habe. Und den Neid* möchte man hier an dieser Stelle der unangenehmen Seite der Lernressourcen nicht missen wollen, oder?

    *Erinnert mich daran, dass mir immer noch eine neutral klingende Alternative für den Begriff „Neid“ fehlt. Oder brauche ich den gar nicht? Könnte „Lern-Neid“ auch eine positiv-inspirierende Lernressource sein?

    Vielleicht greift im Lernkontext auch der Begriff FOMO auch wenn schon alt und abgedroschen besser wie Neid. Was meinst du Johannes, hast du schon mal erlebt das irgendjemand auf LinkedIN eine abgeschlossene Ausbildung oder ein cooles Event postet und du dabei gedacht hast: „Warum zur Hölle ist mir das nicht eingefallen? / Habe ich das nicht gemacht!“. Dann gibt es zwei Optionen: Erkennen, dass das genau das ist was man jetzt tun möchte und man tut es ODER ein paar Tage später feststellen, dass es nicht wichtig für die eigene Weiterentwicklung ist.

    Jedenfalls, wenn man die dunkle Seite aus dieser Blickrichtung erkundet und reinhüpft in unbekannte Gewässer, vermeindlich dunkel und voller Gefahren, einfach weil du es jetzt genau so tun musst. Du erkundest das Feld und bekommst Sicherheit. Und jetzt kommt auch noch der Mut* ins Spiel, wieder als positives Element sozusagen. Als Gegengewicht zu Wut, Widerstand, Neid. Das braucht es dafür auch. Sich den Dingen und den Themen stellen, neue Wege gehen zu wollen. Notfalls auch erst einmal alleine, den negative Gefühle zu teilen, ist gar nicht einfach und werden deswegen oftmals erst mit sich selbst ausgehandelt und erst dann wieder geteilt, wenn eine vertretbare Basis für Austausch vorhanden ist. So ist es zumindest bei mir.

    *Mut ist ein zweischneidiger, teils übergriffiger Begriff, wenn er eingefordert wird – wie so oft im Corporate Learning. Ich möchte von niemandem, der abhängig angestellt ist, erwarten, beim Lernen „mutig“ sein zu müssen. Ich möchte Sicherheit verspüren, Vertrauen in mitlernende Kolleg:innen haben können und die Regeln und Verträge, innerhalb derer wir agieren, kennen und sie anwenden. Und ich weiß natürlich, dass Du auf eine andere Art von Mut anspielst, Gabriele … den Mut, der aus starker emotionaler Verbundenheit zu etwas erwächst, richtig?

    Ja, aus der Sicht von abhängig angestellten, ist das nachvollziehbar. Und ich meine aber trotzdem den Mut, etwas zu wagen. Auch mal was zu lernen, was im Moment vielleicht nicht passend ist und nicht auf deinen Karrierepfad einzahlt.

    Offenheit

    Voilá. Braucht es noch einen Überleitung zur Offenheit fragte Johannes im Text und hier ist sie: meine spontane und mal wieder intuitive Eingebung zu Offenheit. Übrigens auch als sehr guten Anschluss zum Thema „Mut haben, sich den Dingen zu stellen“. Ich verspüre bei uns beiden eine gewisse MüdiKIte und das mit Recht. Also wir mit unserer menschlichen und erfahrungsbasierten LLM haben doch hier einen Text erarbeitet, der so mit egal welcher KI nicht entstanden wäre. Und Spaß machte es auch. Zu verdanken ist das doch unserer Offenheit und dem loslassen können. Der Lust gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen. Und unbedingt auch dem gegenseitigen Vertrauen, dass wir uns entgegen bringen, einen solchen Text gemeinsam zu erstellen. Das ist nicht in jeder Konstellation möglich.

    Ja, das gemeinsame Schreiben mit Dir erschließt mir mehr von dem, was nicht im Text selbst steht, als die Buchstaben, Wörter und Sätze, die auf dem Bildschirm erscheinen. Wir schreiben in unseren gemeinsamen Kontext, in unser Vertrauen zueinander und in die zukünftige Barcamp-Session hinein. Das ist viel mehr als der Blogpost selbst. Lernressource „Kontext“? Lernressource „Das, was drumherum passiert“? Lernressource, sich Orientierung zu verschaffen, in alle Richtungen zu blicken, gedanklich auf die Reise gehen zu können?

    Reisen bildet. Ich möchte aber sagen nicht jede Art von Reisen bildet. Ich kenne Menschen die waren schon auf der ganzen Welt. Wenn du dich dann aber innerhalb eines abgeschlossenen Ressorts bewegst, dann – keine Bildung. Reisen ist kein Ort, du kannst auch auf einem Quadratmeter Erde auf Reisen gehen. Alles nur in ganz klein und fast nicht sichtbar. Moose, Flechten und Pilze sind so ein Ort, den es in keinem Reisebüro zu buchen gibt. Vielleicht ist die wichtigste Lern-Ressource in diesem Zusammenhang, dass nicht nur das vermeintlich wichtige einen zum Ziel bringt, sondern auch die Seitenzweige und Themen, die im ersten Moment nicht als wichtig erscheinen, aber in anderem Kontext auf einmal Sinn ergeben. Pilze zum Beispiel. Von Pilzen kann man viel über Vernetzung und Kommunikation lernen.

    Pilze sind ein faszinierendes Thema, Gabriele, bei dem es mich sofort juckt, zum Bücherregal zu treten und ein paar Beispiele literarischer Verarbeitung zu suchen. Lass uns das später nachreichen …

    Aber auch Deine Worte zum Reisen. Zwei Deiner Sätze widersprechen sich nach meinem Verständnis. Ich behaupte – und unterstelle Dir aufgrund des direkt anschließenden Satzes – dass Du das auch so siehst: Auf jedem noch so kleinen und abgeschlossenen Areal, auch im Liegestuhl des Ressorts, lässt sich Bildung erfahren. Es kommt auf den eigenen Blick und Fokus an. In einem unserer ersten persönlichen Gespräche (auf der re:publica …. 22?) erwähnte ich die Situationistische Internationale, die Meisterschaft darin entwickelten, alltäglich Vertraute und durch das „Spektakel“ völlig vereinnahmte Orte zu Lernorten umzugestalten – durch Praktiken des Dérive oder Détournement (Schreck! Das hast du doch so nicht gesagt! Jetzt muss ich hier mittem im Text noch Ecoisa befragen!), die sich als ein bewusstes „Auf-die-Reise-gehen“ sehen und Situationen schaffen beschreiben lassen können. Situationen, um kreativ und kraftvoll Unterdrückung sichtbar zu machen und Veränderung einzuleiten … auch wenn es nur eine temporäre kreative Umdeutung ist.

    Da hast du mich ertappt. Da ergieße ich mich einfach mal kurz sehr populistisch zu meinen Vorbehalten gegenüber Pauschalreisenden, die sich überwiegend in abgeschotteten Ressorts oder auf Kreuzfahrtschiffen bewegen und möglicherweise sind tatsächlich 1-2 darunter, die sich rein zu antrophologischen Studien dort bewegen und somit also mit einem Bildungsauftrag unterwegs sind. Eventuell bin ich auch einfach nur ein bißchen neidisch auf diejenigen, die mal kurz dahin und dorthin reisen, während meine Reisen überwiegend mit meiner riesigen internationalen Kochbuch-Sammlung stattfinden. Da behindert manchmal mein Schubladen-Denken und meine Arroganz, meine Kreativität beflügeln sie gleichzeitig, zumindest in meinem Schreib-Prozess gehören spitze und übertriebene Seitenhiebe stilistisch für mich dazu. Beim Schreiben wurde mir übrigens auch sehr frühzeitig Kreativität diagnostiziert. Und während ich also vor meinem inneren Auge als Antrophologin mit Klemmbrett und Bleistift auf einem Kreuzschiff Feldbeobachtungen mache, schiebt sich die nächste Ressource ins Blickfeld.

    Kreativität

    Manchmal erschließen sich zwischen den Werkzeugen und Wissensinseln Verbindungen und es werden Verknüpfungen sichtbar, die dann wie ein klarer Weg vor einem liegen und sich verbinden, wie zwei ineinander fließende Flüße. Vielleicht ist das der Übergang zu der beschworenen Serendipity – übrigens ein Wort das ich zum ersten Mal von Johannes hörte. Jedenfalls je umfangreicher das zusammengesammelte, umso klarer das Gesamtbild. Und zum Weg passt die Bewegung im Raum.

    Bewegung

    Lernen beim Gehen im Wald, meinem dritten Raum. Bewegung als Zündstoff für neue Ideen und Verbindungen. Richtungswechsel und Perspektivenwechsel beim Gehen als Impuls die Denkrichtung zu verändern. Manche Ideen können nicht zu dir kommen und entstehen nur dann, wenn du dich auf sie zu bewegst. Und das darf jetzt auch gerne wieder auf die Meta-Ebene gehoben werden. Ich übergebe an Johannes.

    Das Recht auf Spazierengehen ist für mich tatsächlich eine mir persönlich wichtige Lernressource. Aus genau den Gründen, die Du bereits erwähnt hast. Weiterhin finde ich faszinierend, wie beim Durchgehen durch Orte Erinnerungsanker gesetzt werden. Ich erinnere mich auch Jahre später noch an bestimmte Podcast-Fragmente, die ich an einer bestimmten Hausecke, einem bestimmten Baum … irgendwann einmal hörte. An Telefonate, die ich spazierengehend führte. Emotionen, die ich durchlebte, Gedanken, die ich trug.

    Orte

    Deshalb bin ich auch überzeugt: Lernen braucht Orte. Ob der Raum wirklich „der dritte Pädagoge“ ist können wir an anderer Stelle diskutieren. Klar scheint mir: Orte prägen das Lernen. Sei es der Klassenraum mit Möblierung für den Frontalunterricht, der Kreativraum in hippen Startups oder die Street-smartness fördernde „Straße“ in ihrer schillernden Ausprägungsvielfalt.

    Haben wir einen Ort irgendwann fertig entdeckt … so detailliert erkundet, dass es nichts neues mehr zu entdecken, keine neue Perspektive mehr einzunehmen, keine Umgestaltung mehr vorzunehmen gibt? Ich vermute nicht. Eine meiner intensivsten Lernerfahrungen der letzten Jahre fand in einem fast völlig leeren Theater-Probenraum statt, der von uns beliebig und immer wieder neu mit Bedeutungen befüllt werden konnte. Fast nichts war ‚vorgebaut‘, alles war möglich auf dieser leeren, aber für uns gegen außen geschützten Bühne.

    Werkzeugkasten

    Ich weiß von mir, dass mein Interesse versiegt, wenn ich etwas „ergründet“ habe. Wenn ich den Kern erfasst habe, also ca. 20-60%. Dann zieht es mich weiter zur nächsten Wissensinsel. Das zu verstehen, und das ich irgendwann mal den Begriff „Scanner“ Persönlichkeit geschenkt bekommen habe, ist ein weiterer Baustein meiner Lernressource. Heute erlaube ich mir weiterzuziehen. Früher habe ich an meinem Durchhalten gezweifelt. Das ich an nichts dranbleiben kann. Heute habe ich meinen Werkzeugkasten, der ist zwar umfangreich, bei manchen Werkzeugen weiß ich noch nicht ganz genau wie sie funktionieren, aber ich weiß wo ich es finde und um es anzuwenden, darf ich mich nochmal damit beschäftigen.

    Was ich gerade nicht beantworten kann, ist die Frage wie ich auf diese Ressourcen zugreife. Hier muss ich leider gestehen, dass ich bei bestimmten Themen in eine Art „Flow“ komme. Dann ist es ein Selbstläufer und was ich erarbeiten will, was ich mir neu erschließen möchte, entsteht fast von alleine.

    Oftmals in tagelangen (und leider auch nächtelangen) Denkprozessen entstehen meine Texte und Ideen. Ich bin die Texterin und Konzeptionerin der Dunkelheit. Wenn alle anderen schlafen bilden sich in meinem Kopf Worte, Sätze, Blogbeiträge, Headlines, entstehen Workshop-Landschaften und – Lernformate.

    Mir scheint, Du hast einen für dich gut funktionierenden Zugang zu Deinen Ressourcen gefunden? In manchem, was ich lese, finde ich mich selbst wieder (das Umherhüpfen zwischen Themen und die Qual bei der Vorstellung, mich mehrere Jahre intensiv und fokussiert mit genau einer Fragestellung beschäftigen zu sollen). Früher, als Student, habe ich selbst in der Nacht geschrieben. Das funktioniert seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr, weil sich meine Tagesroutinen und die (externen) Anforderungen an meinen Tag-Nacht-Rhythmus geändert haben.

    Ja, das stimmt. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich weiß, dass ich auch 5 vor 12 noch eine Idee, einen Geistesblitz haben werde, der funktioniert. Hätte nur gerne weniger Spontanität drin und ein System, dass ich mit anderen teilen kann. Schreiben tu ich nicht in der Nacht. Nur wenn mir ein wirklich geniale Idee einfällt für einen Kunden. Dann stehe ich auf, schreib die Idee auf ein Board und buche die Anzahl Stunden auf das Kundenkonto, die dem Wert der Idee entsprechen und das fühlt sich gut an.

    … was verdeutlicht, wie relativ und flexibel Zeit gehandhabt werden könnte, als Arbeits- und als Lernressource. Wird es im Corporate Learning selten, wenn mit „Lernzeitbudgets“ etc. hantiert wird.

    Zeit

    Denn was Lernen neben sozialen Resonanzräumen und Gesundheit (dazu weiter unten mehr) besonders benötigt, ist Zeit. Ist Lern-Zeit die Grund-Ressource, ohne die alle anderen Ressourcen nichts sind? Gleichzeitig ist Lern-Zeit konstant rar. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass kaum Zeit für bewusst selbst-organisiertes und -gestaltetes Lernen bleibt. Lernzeit ist notorisch fremdbestimmt (in der Regelschule, der Ausbildung oder Bologna-geprägten Universität, in verordneten Seminaren, Weiterbildungen oder Umschulungen). Andere bestimmen für uns, WANN wir Lernen sollen, dürfen oder angeblich sogar müssen – egal, ob uns die Zeit dafür gerade passend erscheint und wir Lernlust spüren. Lernzeit ist die Zeit im Seminar. Lernzeit ist geblockt im Kalender. Lernzeit wird eben nicht als die Zeit gesehen, in der Du in der Nacht aufstehst und eine Idee notierst … oder wachliegst und Gedanken wälzt. Und Lernzeit wäre … zumindest für mich … auch sehr oft die Zeit, die gerade nicht verfügbar ist, weil dies und das und jenes erledigt werden muss.

    Ich stelle für mich selbst fest, dass meine Lernlust regelrecht aufblüht, wenn ich längere Zeit am Stück für mich habe. Auch deshalb nehme ich mir jeden Sommer den Luxus der ganzen großen Ferien. Damit habe ich nicht nur die gesamten sechs Wochen mit meiner Familie, sondern spüre auch, wie meine Lernressourcen wieder wachsen. Ich entdecke im Alltag verschüttete Interessen, spüre meine Selbstwirksamkeit und nehme mir unendlich viele Lernprojekte vor … die dann erwartungsgemäß im Herbst zwar meist wieder einschlafen, aber allein die Erkenntnis, dass sie in mir als Lernressource schlummern und durch mehr verfügbare Zeit spürbar werden, ist sehr beruhigend.

    Allerdings kann diese Sehnsucht nach Lernzeit auch ausgenutzt werden. Wie oft nehme ich war, dass das Versprechen von Lernzeit in Unternehmen missbraucht wird – als Pflaster über disfunktionaler Planung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überlast. Lernzeit wird dann zur zermürbenden Möhre-vor-der-Nase, die nie erreicht wird, aber immer ergriffen werden könnte, wenn denn die Arbeitsdisziplin stimme. Und selbst wenn sie im Kalender steht, gnädig gewährt, steht da doch immer noch die nicht erledigte Tätigkeit in Konkurrenz, die noch schnell fertig gestellt wird, unter dem Schutzmantel des ‚Nicht stören, hier wird gelernt’.

    Wenn der Tag zu viel Inhalt hat, aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und einem kleinen Rest Selbstfürsorge – oder nennen wir es kleine Pause, da ist Lernen nicht machbar. Ich erinnere mich an Zeiten, als diese Kombination es lediglich ermöglichte seufzend und traurig die Decke anzustarren. Dies ist die Realität von vielen, vermute ich. Und in der Lebensphase in der Johannes steckt, ist es wirklich schwierig ungeplante spontane Lernzeiten unterzubringen. Möchte jetzt gerne schreiben, dass das besser wird. Aber leider, leider, erst mal Nein. Deswegen finde ich es sehr inspirierend was Johannes dazu schreibt. Sich gezielt die Lernzeiten-Fenster zu schaffen und zwar nicht als „festes Fenster“ sonder so, dass Selbstwirksamkeit erfolgen kann und die freigeschaufelte Zeit nicht zugeschüttet wird mit anderen Todos, die darauf warteten erledigt zu werden (Aufräumen, Einkaufen, Räder wechseln, …). Es ist jetzt 11:30 Uhr und ich werde jetzt eine Runde durch den Wald drehen, diesen Beitrag im Kopf haben und später wieder anschließen.

    „Wie schaffen wir unseren Mitarbeitenden Lern-Zeit?“ ist die Frage, die mir (neben der zur ominösen „Lern-Kultur“, auf die ich noch eingehen werde) in Beratungssituationen am häufigsten gestellt wird.

    Die Zeitfrage ist in Betracht auf die „Teppich-Etage“ noch relativ einfach finde ich. Schwierig wird es bei den Beschäftigen auf dem „Hallenboden“ oder die mobil unterwegs sind. Hier müssten Einschnitte gemacht werden in die „Produktivitätszeit“, was bei heutigen Auslastungen und Effektivitäts-Steigerungen schwer zu handhaben und zu vertreten ist. Am Ende ist es doch auch hauptsächlich Vertrauen, auf das gebaut werden muss. „Ich stelle Lebenszeit und Arbeitskraft zur Verfügung und werde diese optimal für dich liebes Unternehmen zum Einsatz bringen“ steht da im krassen Konflikt zu „ … und am Ende wird beim Homeoffice womöglich auch noch nebenher Wäsche gewaschen!?!“.

    Ja, wir betreten hier ein neues Konfliktfeld, in dem das oft postulierte Mantra „Lernzeit = Arbeitszeit“ wie ein fernes Echo aus dem Elfenbeinturm wirkt. Natürlich bemüßigen sich alle, auch die Arbeit auf dem „Hallenboden“ lern-reich zu gestalten. Als Lippenbekenntnis. Die Realität sieht oft anders aus, und „Lernzeit“ wird in Pausenzeiten oder die Freizeit versteckt (natürlich nicht offiziell). Wie erkämpfen wir uns Lern-Zeit?

    Gesundheit(en)

    Neben der zur Verfügung stehenden Zeit und dem sozialen Netzwerk ist Gesundheit (oder sind „Gesundheiten“ … ich möchte mich, ähnlich wie mit „Zukünften“, auch mehr mit der bewussten Verwendung des Begriffs Gesundheit im Plural auseinandersetzen, um die problematische Binarität Krank – Gesund zu hinterfragen) die dritte ganz zentrale Lernressource – und diejenige, die in den meisten Lernkontexten krass ignoriert wird. Die körperliche und seelische Verfassung, die wir in Lernprozesse einbringen, ist darauf so prägend wie fast nichts anderes.

    Das sind Barrieren, die uns den Zugang zu Lernsettings verwehren. Das ist unsere menschliche Neurodiversität, die ignoriert wird. Das ist das unterschiedliche Maß an Kräften, die wir insgesamt einbringen und auf unsere unterschiedlichen Anforderungen im Alltag verteilen können.

    All das wird in vielen konventionellen Lernsettings oft ignoriert oder als Nice-to-have betrachtet, dabei sollten alle Betrachtungen hier starten.

    Gesundheit ist aber ein wesentlicher Bestandteil. Wer im Burnout steckt, Depressionen hat, oder in einem Suchtverhalten steckt, kann nicht lernen. Jedenfalls nicht gut.

    Ich denke, doch, auch aus solchen Situationen erwächst Lernen. Nur ein gänzlich anderes, das eine eigene Betrachtung verdient – denn mir liegt es fern, Lernen aus Leid irgendwie faschistoid zu glorifizieren.

    Finanzielles

    Am Ende sind wir also bei den Elefanten angelangt. Zeit, Gesundheit … und das liebe Geld. Dass Lernen durch finanzielle Ausstattung gefördert oder durch Einsparung stark erschwert werden kann, scheint intuitiv einleuchtend. An dem Punkt waren wir schon zu Beginn, im Abschnitt „Inhalte / Materielles“. Im Corporate Learning taugt das, was etwas kostet und sich in einem definierten Zeitraum messen und bewerten lässt … die Return-on-Investment-Logik. Ebenso bekannt, dass wir lebenslang unterschiedlich finanziell begütert mit entsprechend unterschiedlichen Zugängen zu anderen Lern-Ressourcen (Zeit, Gesundheiten, Inhalte etc etc ….) durch die Welt laufen.

    Wir sollten uns stark dafür machen, Lernen gebührend finanziell auszustatten. In der Schule, in außerschulischen Realitäten von Kindern und Jugendlichen, während des Aufwachsens, am Arbeitsplatz und außerhalb der Erwerbsarbeit, im sozialen Miteinander, im politischen Gefüge und in Situationen, in denen wir ganz besonders auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Ja, es mag abgegriffen sein und aufgrund seiner Verwurzelung in einer neoliberalen Verwertungslogik auch angreifbar, gehört im Rahmen dieser Logik aber immer wieder betont: Investitionen in Bildung rechnen sich!

    Ich mag hier gerne noch die Brille der Soloselbständigen reinbringen. Was für außenstehende leicht aussieht, wenn ich im Erstgespräch gute Ideen einbringe und relativ schnell ein Grobkonzept erstelle, ist das Ergebnis vorab geleisteter Lerneinheiten, die mir in Gänze niemals gezahlt werden können. Deswegen erlaube ich mir, diese bei Beauftragung anteilig in Rechnung zu stellen. Nach eigenem ermessen, aber so dass meine Vorableistung unabhängig vom Auftrag honoriert wird.

    Feminismus

    Feministischer Blick auf die Ressource, als Auszug unserer Feministischen Lernpolitik? Was braucht es um Lernen gut zu gestalten aus der Blickrichtung Feminismus?

    Hinweis in eigener Sache. Das endet jetzt hier sehr plötzlich.

    Ach ne, das war ein fulminanter Start, der noch lange nicht zuende ist, sondern doch nur als Auftakt für unsere Session geplant ist, Gabriele. In unserer Session öffnen wir den Lernraum mit allen Teilgebenden. Vielleicht schreiben ja einige davon auch im Nachgang noch weiter, so wie wir? 🙂

    Eigentlich sollte ich hier einen Abbinder schreiben, der sich mit der Ressource Feminismus beschäftigt und unser Thema Lernressourcen abrundet. Ich mag aber viel lieber erzählen, wie wir zwischendurch auf Literatur gekommen sind und ich fand, dass unser Austausch mich an Stephanie Sargnagels Buch „Iowa“ erinnert mit den Fußnoten von Christiane Rösinger. Johannes lacht und sagt „das Buch war super witzig!“. Fand ich auch. Und vielleicht ist es doch ein bißchen die feministische Klammer, die unseren Austausch wieder schließt. Beim Erstellen dieser letzten Zeilen kam mir noch in den Kopf: Lernressource Humor? Scherz beiseite. Humor ist zumindest ein verbindendes Element und macht gemeinsames Lernen zu einem Erlebnis. Jedenfalls zwischen mir und Johannes, wie wir es hier beim gemeinsamen Schreiben und Denken erlebt haben.

    #CLC23 #CLCamp26 #eine
  13. Lernressourcen

    Wir, Gabriele und Johannes, wollen auf dem #CLCamp26 eine gemeinsame Session zu „Lernressourcen“ anbieten.

    Den Start in die Vorbereitung machen wir mit diesem Blogbeitrag … der vielleicht auf die Session neugierig macht, vielleicht Einstiegs- oder Anknüpfungspunkte setzt, vielleicht zu Widersprüchen aufruft und hoffentlich – zuerst einmal durch das Schreiben für uns beide – das Feld weitet für das, was „Lernressourcen“ alles sein könnten.

    Als wir beschlossen, die Session anzubieten und dazu mit einem kooperativem, gemeinsamem, ineinandergreifenden und aufeinander Bezug nehmendem Schreibprozess zu starten, notierten wir uns die folgenden Fragen, die auch zu Beginn unserer Session stehen könnten:

    • Was bedeuten Lern-Ressourcen?
    • Wie können auf Lern-Ressourcen aufgebaut werden, wie können diese ausgebaut werden?
    • Wann weiß ich, welche Lern-Ressource ich in welchem Umfang zum Einsatz bringe?
    • Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
    • Welche Arten von Lern-Ressourcen gibt es überhaupt?

    Und vielleicht leiten sich aus unserem folgenden schriftlichen Austausch vorab für uns und für Session-Teilgebende weitere Fragen und Ideen ab?

    Aus welchen Perspektiven blicken wir jeweils auf den Begriff „Lernressourcen“?

    Diesen Beitrag schreiben wir kooperativ. Jede:r von uns ergänzt Ideen, die wir dann gemeinsam in einen Fluss bringen. Daraus entsteht im Schreibprozess ein inspirierendes Ping-Pong auf einem gemeinsam beschriebenen Collabora Online Dokument auf Gabrieles Nextcloud. Wir schreiben uns gegenseitig in die Texte, lesen immer und immer wieder und ergänzen. Ich habe das Gefühl, wir könnten endlos so weitermachen, aber irgendwann, am 2. März um 18 Uhr, setzen wir uns einen Schlusspunkt, kopieren den kooperativ geschriebenen Text als Sessionankündigung in unsere jeweiligen Blogs (und werden dabei sicher weitere Stellen finden, die wir überarbeiten … denn der Text bleibt lebendig und beschreibbar).

    So haben wir es heute besprochen: und um 18:00 Uhr ist also Schluß für heute und für den aktuellen Stand unseres Schreibgesprächs. Das wird spannend, da es für die Zukunft gesehen zwei Versionen geben wird, da sich unsere beiden Blogs ja nur von der Ferne her kennen und sich nicht synchronisieren.

    Aber sie pingen sich gegenseitig an. Die gute alte Pingback-Tradition der Webblogs. Oder kann Dein Blog das nicht, Gabriele? 😛 Ich hab noch fünf Minuten, dann ist Schluss mit Tippen und wir veröffentlichen ….

    Ich, Gabriele, gebe hier einen persönlichen Einblick zu meiner Lernerfahrung. Meine eigene Lernerfahrung basiert vor allem auf der Erkenntnis, dass die meisten Organisationen in denen ich beschäftigt war, mein zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erkannten und/oder fördern konnten oder wollten. So habe ich mich immer selbst auf den Weg gemacht, gelernt, verworfen, aufgebaut, aufgefrischt, neu gelernt … . Seit ich Menschen wie Johannes kenne und in einen regelmäßigen Austausch zu selbstgewählten Themen gehe, verstehe ich, wie Lernen mit anderen funktionieren kann und was es für mich bedeutet, in den Austausch mit anderen gehen zu dürfen. Auch dann, wenn ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin. Keine Grenzen. Manche Bedarfe entstehen erst durch das darüber sprechen. Manche Gedanken werden zu Ideen, Konzepten oder führen zu Erkenntnissen, wenn man sie das erste Mal mit anderen teilt. Das hat mich mutig gemacht die letzten Jahre und so lerne ich als Soloselbständige so vor mich hin, lass mich treiben und mäandere mich gemächlich durch die unterschiedlichsten Wissensgebiete. Meine Neugier sucht sich wie ein Fluß ihren Weg. Was ich mache? Das ändert sich ständig. Gerade mache ich mal wieder eine Ausbildung. Und überhaupt denke ich gerade: Vielleicht sollte mich mal mit dem Thema Flüße beschäftigen?

    Jedenfalls empfinde ich den Austausch mit Johannes immer als sehr gewinnbringend.

    Das beruht auf Gegenseitigkeit, Gabriele. Sonst hätten wir das hier nicht gestartet.

    Ich, Johannes, erschließe mir die Vielfalt von „Lernressourcen“ ebenfalls aus unterschiedlichen Richtungen und Zugängen … wie Du, Gabriele, und jetzt im Miteinander, der wichtigsten Lernressource – aber ich möchte nicht vorgreifen.

    Da ist meine berufliche Perspektive als Corporate Learning Berater auf die Vielfalt von Lern-Ressourcen. Hier mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass Lernangebote oft wenig bewirken, wenn sie isoliert und ohne die konzeptionelle Einbeziehung des systemischen Umfelds betrachtet werden. Mitarbeitende nutzen die Angebote nicht, Aufwände verpuffen, Lernen wird als Hürde empfunden oder Lernbedarfe werden nicht einmal erkannt. Mein Motto aus IT-Qualifizierungen ist „Die User sind nie schuld“, denn so gut wie nie „sitzt das Problem vor dem Bildschirm“ (wie ich diesen despektierlichen Spruch verabscheue!), sondern fast immer werden Bedarfe und deren Ursprünge zu isoliert betrachtet, wird Blaming geübt statt wertvolle Hinweise auf u. a. Ressourcenbedarfe zu erkennen.

    Und dann ist da der Blick auf Ressourcen, mit dem ich an Gabrieles Einstieg anknüpfen möchte: Das Erkennen, Erkunden und Erfahren der Möglichkeiten, die uns menschlich ausmachen, die uns zusammenbringen und uns gemeinsam gegen Widrigkeiten angehen lassen. Das, was eigentlich in uns steckt, und sich so oder so seinen Weg bahnt. Flüsse sind ein Bild, das mir gefällt, Gabriele! Flüsse bahnen sich ihren Weg, prägen Territorien und werden zu Grenzziehungen missbraucht, sind Lebensadern und können zerstörerisch sein. Manche sind wild, manche betoniert-eingehegt. Vielleicht irgendwann mal eine Session zu „Lernflüssen“? Heute aber erst einmal Ressourcen!

    Unsere gemeinsame Lern-Historie

    Nein, den Start in die Vorbereitung unserer Session machen wir natürlich nicht mit diesem Blogbeitrag, sondern schon viel früher: Seit langer Zeit denken, recherchieren, reden und schreiben Gabriele, Gratian, Silvia und ich gemeinsam mit einer weiteren Mitwirkenden an einem lernOS-Leitfaden zum Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“. In einer geplanten Woche dieses Leitfadens gilt es, sich der Ressourcen bewusst zu werden, die in das eigene Engagement eingebracht werden können.

    In diesem Zusammenhang begannen wir, uns intensiver mit dem Begriff „Ressourcen“ auseinanderzusetzen … denn zu Beginn stand ein produktives Missverständnis*, weil wir jeweils an ganz andere Begriffsbedeutungen dachten.

    *genau! Ich verstehe jetzt was Johannes mit Ressourcen meinte (meine Weiterbildung klopft gerade an). Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber die Ressource „Zeit“ dicht gefolgt von „Energie“. Wann habe ich überhaupt Zeit und dann auch noch Energie um mich mit Themen zu beschäftigen. Im Hintergrund stand bei mir der Gedanken, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen, die mir lernen oder Beteiligung ermöglichen. Ich werde es weiter unten nochmals thematisieren.

    (Spoiler: Zeit, Energie, Lebensphasen, Beteiligung … das schält sich, wenn ich diesen Text gerade kurz vor dem Publizieren noch einmal durchlese, doch als brauchbarer Rahmen für das meiste heraus, das wir betrachten und zum Ende hin abbinden. Deine erste Intuition war also ziemlich treffend, Gabriele!)

    Und noch früher dachten, recherchierten, redeten und schrieben Gabriele und ich um das Thema „Feministische Lernpolitik“ herum … in einem Social Learning Space, der wiederum aus einer Session von Gabriele auf dem #CLC23 Barcamp der Corporate Learning Community entstand und uns viele Monate regelmäßig zusammenbrachte, bis wir sie wieder auflösten. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Material- und Ideensammlung auf unserem Online-Whiteboard, auf die ich heute immer noch zugreife. Auch das Whiteboard für unser lernOS-Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“ ist weit über den Bildschirmrand befüllt mit gegenseitigen Empfehlungen, PDF-Dokumenten, Skizzen und Kata-Beschreibungen. Eine brauchbare Sammlung an (wild zusammengetragenen, wenig geordneten) Lernressourcen.

    Die Betrachtung unserer Lernressourcen hat für mich u. a. mit der Untersuchung folgender Fragen zu tun: Was uns im bereits zurückliegenden Lernprozess …

    • grundsätzlich die Möglichkeit verschafft, uns zusammenzufinden und uns einem gemeinsamen Thema zu widmen … und nach den ersten Schritte auch weiter zu machen,
    • unser Wirkungsfeld geöffnet und gehalten,
    • Energie im Prozess geschenkt,
    • das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung vermittelt (nicht auf der Stelle treten, sondern immer neue Quellen, Zugänge, Ideen und Wirkungsfelder zu betreten)?

    Und was hat dazu geführt, dass wir unser gemeinsames, in der Gruppe stattfindendes Engagement zum Thema „Feministische Lernpolitik“ nach einigen Monaten beendeten … und dass unsere lernOS-Entwicklungsgruppe nicht mehr so viele regelmäßig aktive Mitglieder umfasst wie zu Beginn?

    Ich vermute, all diese Fragen – und viele mehr, die wir auf unserer Barcamp-Session im Ressourcen-generierenden Austausch mit den Teilgebenden finden werden – haben mit (Lern-)ressourcen zu tun.

    Zukünftig möchte ich mich auch durch weitere Recherche damit auseinandersetzten, welche Verständnisse von „Lern-Ressourcen“ in Lerntheorien und Didaktik gängig sind. In diesem Einstieg, in dem wir uns die assoziativen Bälle zuwerfen, haben wir bewusst auf den Verweis auf Theorie verzichtet.

    Ich sowieso. Theorie ist wichtig, aber ich bin bekennende Frau praktischer Anwendungen. Habt ihr vielleicht schon gemerkt. Ich lerne durch ausprobieren. So bin ich übrigens auch eine phantastische Köchin geworden.

    Und auch beim Kochen braucht es gute Zutaten, Gabriele ….

    Inhalte / Materielles

    In meiner täglichen Arbeit wird unter (Lern-)ressourcen meist Materielles verstanden, speziell „Content“: Die Rohstoffe in der Produktion, die weiter verwertet werden, als auch die Lerninhalte, die wir als Lernende rezipieren, verarbeiten und darüber intern unser Wissen aufbauen. Texte, Videos, e-Learning-Inhalte, Folien, Podcasts … . Unsere digitale und auch analoge Welt ist übervoll mit Lernressourcen dieser Art. Das Internet als (noch, wenn auch durch AI-Slop und Plattformkapitalismus bedrohte) unerschöpfliche Quelle für Lernressourcen, die (ebenfalls durch Austeritätspolitik bedrohten) Stadtbibliothek, Museen und weitere Kulturorte. Inhalte können teuer produziert oder gekauft werden oder als Commons frei verfügbar sein. Letzteres wird im Corporate Learning oft ignoriert. Tauglich sei’s, wenn’s für Geld eingekauft und als Eigentum ins Lernmanagementsystem eingeschlossen und als Lernmaßnahme ausgehandelt dort zugewiesen wurde. Die unendlichen Möglichkeiten, kontinuierlich mit frei verfügbaren und sich permanent durch die Nutzung und Anreicherung im Lernkontext anreichernden Inhalten zu lernen, die durch das Engagement von Freiwilligen bereitgestellt werden, werden ignoriert.

    Ach spannend. Also jetzt haben wir schon drei verschiedene Dimensionen des Begriffs Ressource: Der Lern-Inhalt (Content), die Lern-Verfügbarkeit (zeitliche, räumliche, finanzielle) und der persönlichen Ressourcen (Neugier, Offenheit, Quelle …).

    Aber diese begriffliche Einengung von „Lernressourcen“ ist natürlich bei weitem nicht ausreichend.

    In meinen eingangs beschriebenen Lernerfahrungen sind mir beispielsweise die Gespräche mit meinen Mitlernenden, das geteilte und Energie schenkende Gefühl, ein gemeinsames, von uns allen als sinnvoll empfundenes Ziel zu verfolgen und die dadurch längerfristig gestärkten Beziehungen viel wichtiger als die Quellen und Buchtipps, die wir auf unseren Online-Whiteboards zusammengetragen haben.

    Jetzt hake ich wieder ein. Ja, wir haben Whiteboards bis an die Kante befüllt und auch für mich sind diese gemeinsam mit anderen entstandenen Whiteboards immer wieder Quelle der Rückkehr und des wieder treiben lassens. Schon wieder drängt sich das Flußbild auf … . Statt Whiteboard sollte es nun ein kollaborativer Text sein, in dessen Mitte wir uns nun eben befinden. Beide schreiben wir parallel über unsere Lernressourcen.

    (Ich behaupte ja immer, und hatte dazu vor Jahren auch mal eine Barcamp-Session initiiert, dass ich durch Schreiben lerne. Schreibend schöpfen wir gerade von überall her aus unseren verschiedenen Lernressourcen und schreiben sie fort und größer … und schon trägt mich Dein Fluss-Bild mit …)

    Und gestern haben wir uns getroffen und fast wäre es passiert, dass wir wieder in ein anderes großes Thema abgedriftet wären. Zu Beginn des Textes habe ich mir die Frage gestellt, was meine persönlichen Lernressourcen sind und eine die vielleicht euch und auch mich selbst überrascht hat, ist die hier im Anschluß folgende:

    Popkultur/Subkultur

    Neues hören, neues sehen, warum hören Menschen jahrzehntelange die gleiche Musik? Musik ist mein „Mitgestalter“. Kunst und Literatur auch, aber Musik am meisten. Ich stehe auf die Ressource Subkultur und Popkultur. Sie taugt mir für alles: Kreativität, Menschen die sich verbinden, bewegen. Pop- und Sub-kulturelle Begegnungsstätten in Form von Clubs, Vereinen, Bewegungen verbinden Menschen und Gedanken. Werden zu Strömungen und können niedrigschwellig Inhalte vermitteln. Vielleicht ist Pop-/Subkultur das „kulturelle“ Gegenstück zum schmutzigen Populismus rechter Parteien. Ich schweife ab. Jedenfalls bietet zumindest die Subkultur Schutzräume in denen ich mit anderen, die sich im selben Kultur-Raum befinden Möglichkeiten des Austauschs, Betrachtens des Lebens durch eine andere Brille. Mich ausprobieren kann. Abgrenzung ist eine der Lernerfahrungen und Ressourcen die darin schlummert. Ich muss nicht immer so sein, wie es andere von mir erwarten. Aber auch, bei der Popkultur, Teil einer größeren Bewegung zu sein. So ganz genau weiß ich noch nicht was ich damit sagen will, vielleicht ist das eine der „Quellen“ der persönlichen Ressource (siehe oben). Ich baue an dieser Stelle auf Johannes und übergebe in seine analytische Gedankenwelt 🙂

    Wenn ich Deinen hymnischen Einstieg lese, möchte ich vielleicht gar nicht analytisch werden, sondern ebenfalls an Selbst-Erlebtes anknüpfen. Pop- und Subkultur scheint mir eine wichtige, biografisch geprägte Lernressource zu sein (und auch hier freue ich mich auf eine in der Session fortgeführte Vertiefung … denn die Betrachtung dieses Ressourcenfelds wird umso greifbarer, je vielfältiger und durch eigenes Erleben geprägter die Stimmen dazu sind). Mit vielen von dem, was ich heute kann, auf dem ich mit meinen Kompetenzen aufbaue, was mir wichtig ist, was mich „resilient“ macht (sorry für die Verwendung dieses oft so problematisch missbrauchten Wortes) und was mir mein soziales Netzwerk erschließt, hat Ursprung in Subkulturen, in denen ich als Jugendlicher Zugang fand oder die ich mir jetzt erst mit Mitte 40 erschließe. Subkulturen, Popkulturen, Gegenkulturen schaffen uns ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten, öffnen Arenen der inspirierenden Imitation, erweitern unseren Werkzeugkasten, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und stärken uns im Miteinander. „Each one teach one“, eine der wichtigsten Lernressourcen.

    Der Begriff der Gegenkultur ist hier noch wichtig! Danke für’s einbringen Johannes. Den Subkultur speist sich auch aus Widerstand. Das ungesagte das unfassbare sichtbar machen und sich dagegen wehren. Gegenwehr gegen Systeme, die beschränken. In meiner Generation die Haltung der 50-60er Jahre, die einen bestimmten Weg für junge Frauen vorgeschrieben haben: Heiraten, Kinder bekommen und bloß nicht zu viel Bildung. Hier in eine Anti-Haltung zu gehen, ist nicht unbedingt der einfachste Weg, wenn du jung bist. Den es bedeutet auch Einsamkeit, Unverständnis, Bestrafung, Ausgrenzung, Verzweiflung sowie ungefragte Tipps und Empfehlungen von Außenstehenden („mach es dir doch nicht so schwer“, „wie du wieder aussiehst … ist doch kein Wunder dass ….“) und nicht zuletzt auch schlechte Noten. Ich weiß wovon ich spreche. Aber am Ende bin ich doch daran gewachsen, da es immer einige wenige Mitstreiter:innen gab. Und daran schließt jetzt wunderbar das folgende Thema an, dass von Johannes eingeleitet wird.

    Netzwerke, Freundschaften, Bekanntschaften und Vorbilder

    Wir lernen zuallererst durch unser Streben nach Sozialisation … auch wenn uns im Corporate Learning immer wieder etwas anderes verkauft werden soll. In Interaktion mit Menschen lernen wir wie nebenher, auch auch durch die im vorherigen Abschnitt schon angesprochene Imitation. Unsere Lern- und Netzwerkpartner:innen öffnen und halten einen Resonanzraum für unsere Kompetenzen und nehmen unseren sozialen Entfaltungsdrang auf. Sie inspirieren uns als Vorbilder immer wieder. Sie sind die Ressourcen, die Lernen lebendig und erfahrbar machen und katalysieren … und es gleichzeitig ermöglichen, Ressourcenknappheit zu überwinden und formale Einhegungen/Beschränkungen zu unterlaufen. Lern-Netzwerke ermöglichen einen Aufstand gegen verordnetes Nicht-Lernen! … und schaffen damit die Grundlage für das, was Gabriele und ich hier tun. Und insbesondere ermöglichen uns Lern-Netzwerke Zugang zu Entwicklungen, die uns bisher verborgen blieben, nicht nur über den oft erwähnten „Flurfunk“ oder den Gerüchte-Handel „in der Kaffeeküche“.

    Neugier

    Ich war letzte Woche auf der Beerdigung einer guten Freundin von früher. Alles sehr traurig. Was hat das mit meinen Lern-Ressourcen zu tun? Ich habe Feststellungen gemacht an diesem Tag. Meine Freundin war aus einem intellektuellen Haus und ich weiß nun, was ich ihr zu verdanken habe und welche Türen sie mir öffnete. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon eine Leseratte und habe verschlungen was es gab. Im Bücherbund (die älteren unter uns wissen noch – Schallplatten gab es da auch) kaufte meine Mutter für mich Bücher, die für sie selbst sonderbar klangen und keinen Sinn ergaben. Dennoch war es diese Freundin, die meinen Hunger nach neuem bediente und erfüllte, Politik, Kunst, Literatur – Musik brachte ich als Element ein. Und damit bin ich bei der ersten persönlichen Lernressource: Neugier und Bereitschaft. Und ich frage mich, sind wir nicht alle von Geburt an neugierig? Wollen in Erfahrung bringen wie man laufen kann, sprechen kann? Und ich frage mich auch, wann und wo versiegt die Neugier bei so vielen Menschen?

    Da bin ich optimistisch. Unsere Neugier versiegt nie, bei keinem Menschen. Leider wird sie durch äußere Gewalt oft so unterdrückt, dass sie kaum wahrnehmbar scheint. (Allerdings bevorzuge ich seit einiger Zeit den Begriff „Lernlust“ mit seinem bewusst lustvollem Klang, denn die „Gier nach Neuem“ hat mir die Neugier in Zeiten von turbokapitalistisch getriebenem Wachstumsdrang nach leerer „Innovation“ im Klang etwas dissonant werden lassen.)

    Außerdem merke ich, auch in Zusammenhang mit anderen, dass sich leider teilweise ein bißchen Arroganz/Ärger/Unverständnis/Unmut bei mir einschleicht, wenn ich verstehe das jemand eben irgendwie stehengeblieben ist vor 30 Jahren. Oft fragen genau die mich dann: „wie bist Duuu den da hingekommen wo du jetzt bist?“ In dem langgezogenen „Du“ und dem darauffolgenden fragenden „da“ schwingt oft eine kleine Ungläubigkeit mit, da ich ja nicht einmal Abi habe und keine akademische Ausbildung (wobei ich hier immer gerne einfüge, dass ich an 2 Kunstakademien über die Begabtenprüfung aufgenommen wurde). Oder das jemand stehen bleiben wird die nächsten Jahre: „die (hier eine Zahl einfügen) Jahre sitze ich noch ab in dem Unternehmen XY, auch wenn mein Job langweilig ist“. Die Hybris der Viel-Interessierten. Geht das nur mir so?

    Hmmm …. beschleichen mich da eher Traurigkeit und Ärger gegenüber den Strukturen, die das Lernen und die Lernressourcen von Menschen so verschleiern können, und den verinnerlichten Bewertungsmechanismen, die oft dahinterstecken? Wie gesagt, ich bin optimistisch (und umso wütender, wenn uns irgendwelche KI-Grifter einreden wollen, unsere menschlichen Lernressourcen hätten im unsäglichen Vergleich mit irgendwelchen Bullshit-Automaten nun nicht mehr die Kraft und Möglichkeit, die sie haben und immer haben werden.)

    Zu Ärger, Hybris und Wut – auch diese Begriffe möchte ich auf meinen Merkzettel für die #CLCamp26-Session setzen: Ungesteuert und ziellos lähmt sie und lässt unsere Lernressourcen versiegen. Zielgerichtet eingesetzt kann sie uns ungeahnte Kraft und regelrechte Gier nach Lernen spüren lassen. Es gibt Themen, zu denen ich alles in mich aufsauge, was ich finden kann – um argumentativ gewappnet zu sein und Gegen-/Verteidigungsmaßnahmen parat zu haben. Negative Emotionen können Lernressourcen sein.

    Da hast du Recht! Eine Ressource die man zuerst gar nicht so recht anschauen möchte, aber auf den zweiten Blick eine neue Welt öffnet. Einmal aus dem von dir aufgeführten Blick der Verteidigung, aber auch aus dem Widerstand der sich in einem regt, wenn andere wenig Zutrauen zu dir in einer Sache habe. Und den Neid* möchte man hier an dieser Stelle der unangenehmen Seite der Lernressourcen nicht missen wollen, oder?

    *Erinnert mich daran, dass mir immer noch eine neutral klingende Alternative für den Begriff „Neid“ fehlt. Oder brauche ich den gar nicht? Könnte „Lern-Neid“ auch eine positiv-inspirierende Lernressource sein?

    Vielleicht greift im Lernkontext auch der Begriff FOMO auch wenn schon alt und abgedroschen besser wie Neid. Was meinst du Johannes, hast du schon mal erlebt das irgendjemand auf LinkedIN eine abgeschlossene Ausbildung oder ein cooles Event postet und du dabei gedacht hast: „Warum zur Hölle ist mir das nicht eingefallen? / Habe ich das nicht gemacht!“. Dann gibt es zwei Optionen: Erkennen, dass das genau das ist was man jetzt tun möchte und man tut es ODER ein paar Tage später feststellen, dass es nicht wichtig für die eigene Weiterentwicklung ist.

    Jedenfalls, wenn man die dunkle Seite aus dieser Blickrichtung erkundet und reinhüpft in unbekannte Gewässer, vermeindlich dunkel und voller Gefahren, einfach weil du es jetzt genau so tun musst. Du erkundest das Feld und bekommst Sicherheit. Und jetzt kommt auch noch der Mut* ins Spiel, wieder als positives Element sozusagen. Als Gegengewicht zu Wut, Widerstand, Neid. Das braucht es dafür auch. Sich den Dingen und den Themen stellen, neue Wege gehen zu wollen. Notfalls auch erst einmal alleine, den negative Gefühle zu teilen, ist gar nicht einfach und werden deswegen oftmals erst mit sich selbst ausgehandelt und erst dann wieder geteilt, wenn eine vertretbare Basis für Austausch vorhanden ist. So ist es zumindest bei mir.

    *Mut ist ein zweischneidiger, teils übergriffiger Begriff, wenn er eingefordert wird – wie so oft im Corporate Learning. Ich möchte von niemandem, der abhängig angestellt ist, erwarten, beim Lernen „mutig“ sein zu müssen. Ich möchte Sicherheit verspüren, Vertrauen in mitlernende Kolleg:innen haben können und die Regeln und Verträge, innerhalb derer wir agieren, kennen und sie anwenden. Und ich weiß natürlich, dass Du auf eine andere Art von Mut anspielst, Gabriele … den Mut, der aus starker emotionaler Verbundenheit zu etwas erwächst, richtig?

    Ja, aus der Sicht von abhängig angestellten, ist das nachvollziehbar. Und ich meine aber trotzdem den Mut, etwas zu wagen. Auch mal was zu lernen, was im Moment vielleicht nicht passend ist und nicht auf deinen Karrierepfad einzahlt.

    Offenheit

    Voilá. Braucht es noch einen Überleitung zur Offenheit fragte Johannes im Text und hier ist sie: meine spontane und mal wieder intuitive Eingebung zu Offenheit. Übrigens auch als sehr guten Anschluss zum Thema „Mut haben, sich den Dingen zu stellen“. Ich verspüre bei uns beiden eine gewisse MüdiKIte und das mit Recht. Also wir mit unserer menschlichen und erfahrungsbasierten LLM haben doch hier einen Text erarbeitet, der so mit egal welcher KI nicht entstanden wäre. Und Spaß machte es auch. Zu verdanken ist das doch unserer Offenheit und dem loslassen können. Der Lust gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen. Und unbedingt auch dem gegenseitigen Vertrauen, dass wir uns entgegen bringen, einen solchen Text gemeinsam zu erstellen. Das ist nicht in jeder Konstellation möglich.

    Ja, das gemeinsame Schreiben mit Dir erschließt mir mehr von dem, was nicht im Text selbst steht, als die Buchstaben, Wörter und Sätze, die auf dem Bildschirm erscheinen. Wir schreiben in unseren gemeinsamen Kontext, in unser Vertrauen zueinander und in die zukünftige Barcamp-Session hinein. Das ist viel mehr als der Blogpost selbst. Lernressource „Kontext“? Lernressource „Das, was drumherum passiert“? Lernressource, sich Orientierung zu verschaffen, in alle Richtungen zu blicken, gedanklich auf die Reise gehen zu können?

    Reisen bildet. Ich möchte aber sagen nicht jede Art von Reisen bildet. Ich kenne Menschen die waren schon auf der ganzen Welt. Wenn du dich dann aber innerhalb eines abgeschlossenen Ressorts bewegst, dann – keine Bildung. Reisen ist kein Ort, du kannst auch auf einem Quadratmeter Erde auf Reisen gehen. Alles nur in ganz klein und fast nicht sichtbar. Moose, Flechten und Pilze sind so ein Ort, den es in keinem Reisebüro zu buchen gibt. Vielleicht ist die wichtigste Lern-Ressource in diesem Zusammenhang, dass nicht nur das vermeintlich wichtige einen zum Ziel bringt, sondern auch die Seitenzweige und Themen, die im ersten Moment nicht als wichtig erscheinen, aber in anderem Kontext auf einmal Sinn ergeben. Pilze zum Beispiel. Von Pilzen kann man viel über Vernetzung und Kommunikation lernen.

    Pilze sind ein faszinierendes Thema, Gabriele, bei dem es mich sofort juckt, zum Bücherregal zu treten und ein paar Beispiele literarischer Verarbeitung zu suchen. Lass uns das später nachreichen …

    Aber auch Deine Worte zum Reisen. Zwei Deiner Sätze widersprechen sich nach meinem Verständnis. Ich behaupte – und unterstelle Dir aufgrund des direkt anschließenden Satzes – dass Du das auch so siehst: Auf jedem noch so kleinen und abgeschlossenen Areal, auch im Liegestuhl des Ressorts, lässt sich Bildung erfahren. Es kommt auf den eigenen Blick und Fokus an. In einem unserer ersten persönlichen Gespräche (auf der re:publica …. 22?) erwähnte ich die Situationistische Internationale, die Meisterschaft darin entwickelten, alltäglich Vertraute und durch das „Spektakel“ völlig vereinnahmte Orte zu Lernorten umzugestalten – durch Praktiken des Dérive oder Détournement (Schreck! Das hast du doch so nicht gesagt! Jetzt muss ich hier mittem im Text noch Ecoisa befragen!), die sich als ein bewusstes „Auf-die-Reise-gehen“ sehen und Situationen schaffen beschreiben lassen können. Situationen, um kreativ und kraftvoll Unterdrückung sichtbar zu machen und Veränderung einzuleiten … auch wenn es nur eine temporäre kreative Umdeutung ist.

    Da hast du mich ertappt. Da ergieße ich mich einfach mal kurz sehr populistisch zu meinen Vorbehalten gegenüber Pauschalreisenden, die sich überwiegend in abgeschotteten Ressorts oder auf Kreuzfahrtschiffen bewegen und möglicherweise sind tatsächlich 1-2 darunter, die sich rein zu antrophologischen Studien dort bewegen und somit also mit einem Bildungsauftrag unterwegs sind. Eventuell bin ich auch einfach nur ein bißchen neidisch auf diejenigen, die mal kurz dahin und dorthin reisen, während meine Reisen überwiegend mit meiner riesigen internationalen Kochbuch-Sammlung stattfinden. Da behindert manchmal mein Schubladen-Denken und meine Arroganz, meine Kreativität beflügeln sie gleichzeitig, zumindest in meinem Schreib-Prozess gehören spitze und übertriebene Seitenhiebe stilistisch für mich dazu. Beim Schreiben wurde mir übrigens auch sehr frühzeitig Kreativität diagnostiziert. Und während ich also vor meinem inneren Auge als Antrophologin mit Klemmbrett und Bleistift auf einem Kreuzschiff Feldbeobachtungen mache, schiebt sich die nächste Ressource ins Blickfeld.

    Kreativität

    Manchmal erschließen sich zwischen den Werkzeugen und Wissensinseln Verbindungen und es werden Verknüpfungen sichtbar, die dann wie ein klarer Weg vor einem liegen und sich verbinden, wie zwei ineinander fließende Flüße. Vielleicht ist das der Übergang zu der beschworenen Serendipity – übrigens ein Wort das ich zum ersten Mal von Johannes hörte. Jedenfalls je umfangreicher das zusammengesammelte, umso klarer das Gesamtbild. Und zum Weg passt die Bewegung im Raum.

    Bewegung

    Lernen beim Gehen im Wald, meinem dritten Raum. Bewegung als Zündstoff für neue Ideen und Verbindungen. Richtungswechsel und Perspektivenwechsel beim Gehen als Impuls die Denkrichtung zu verändern. Manche Ideen können nicht zu dir kommen und entstehen nur dann, wenn du dich auf sie zu bewegst. Und das darf jetzt auch gerne wieder auf die Meta-Ebene gehoben werden. Ich übergebe an Johannes.

    Das Recht auf Spazierengehen ist für mich tatsächlich eine mir persönlich wichtige Lernressource. Aus genau den Gründen, die Du bereits erwähnt hast. Weiterhin finde ich faszinierend, wie beim Durchgehen durch Orte Erinnerungsanker gesetzt werden. Ich erinnere mich auch Jahre später noch an bestimmte Podcast-Fragmente, die ich an einer bestimmten Hausecke, einem bestimmten Baum … irgendwann einmal hörte. An Telefonate, die ich spazierengehend führte. Emotionen, die ich durchlebte, Gedanken, die ich trug.

    Orte

    Deshalb bin ich auch überzeugt: Lernen braucht Orte. Ob der Raum wirklich „der dritte Pädagoge“ ist können wir an anderer Stelle diskutieren. Klar scheint mir: Orte prägen das Lernen. Sei es der Klassenraum mit Möblierung für den Frontalunterricht, der Kreativraum in hippen Startups oder die Street-smartness fördernde „Straße“ in ihrer schillernden Ausprägungsvielfalt.

    Haben wir einen Ort irgendwann fertig entdeckt … so detailliert erkundet, dass es nichts neues mehr zu entdecken, keine neue Perspektive mehr einzunehmen, keine Umgestaltung mehr vorzunehmen gibt? Ich vermute nicht. Eine meiner intensivsten Lernerfahrungen der letzten Jahre fand in einem fast völlig leeren Theater-Probenraum statt, der von uns beliebig und immer wieder neu mit Bedeutungen befüllt werden konnte. Fast nichts war ‚vorgebaut‘, alles war möglich auf dieser leeren, aber für uns gegen außen geschützten Bühne.

    Werkzeugkasten

    Ich weiß von mir, dass mein Interesse versiegt, wenn ich etwas „ergründet“ habe. Wenn ich den Kern erfasst habe, also ca. 20-60%. Dann zieht es mich weiter zur nächsten Wissensinsel. Das zu verstehen, und das ich irgendwann mal den Begriff „Scanner“ Persönlichkeit geschenkt bekommen habe, ist ein weiterer Baustein meiner Lernressource. Heute erlaube ich mir weiterzuziehen. Früher habe ich an meinem Durchhalten gezweifelt. Das ich an nichts dranbleiben kann. Heute habe ich meinen Werkzeugkasten, der ist zwar umfangreich, bei manchen Werkzeugen weiß ich noch nicht ganz genau wie sie funktionieren, aber ich weiß wo ich es finde und um es anzuwenden, darf ich mich nochmal damit beschäftigen.

    Was ich gerade nicht beantworten kann, ist die Frage wie ich auf diese Ressourcen zugreife. Hier muss ich leider gestehen, dass ich bei bestimmten Themen in eine Art „Flow“ komme. Dann ist es ein Selbstläufer und was ich erarbeiten will, was ich mir neu erschließen möchte, entsteht fast von alleine.

    Oftmals in tagelangen (und leider auch nächtelangen) Denkprozessen entstehen meine Texte und Ideen. Ich bin die Texterin und Konzeptionerin der Dunkelheit. Wenn alle anderen schlafen bilden sich in meinem Kopf Worte, Sätze, Blogbeiträge, Headlines, entstehen Workshop-Landschaften und – Lernformate.

    Mir scheint, Du hast einen für dich gut funktionierenden Zugang zu Deinen Ressourcen gefunden? In manchem, was ich lese, finde ich mich selbst wieder (das Umherhüpfen zwischen Themen und die Qual bei der Vorstellung, mich mehrere Jahre intensiv und fokussiert mit genau einer Fragestellung beschäftigen zu sollen). Früher, als Student, habe ich selbst in der Nacht geschrieben. Das funktioniert seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr, weil sich meine Tagesroutinen und die (externen) Anforderungen an meinen Tag-Nacht-Rhythmus geändert haben.

    Ja, das stimmt. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich weiß, dass ich auch 5 vor 12 noch eine Idee, einen Geistesblitz haben werde, der funktioniert. Hätte nur gerne weniger Spontanität drin und ein System, dass ich mit anderen teilen kann. Schreiben tu ich nicht in der Nacht. Nur wenn mir ein wirklich geniale Idee einfällt für einen Kunden. Dann stehe ich auf, schreib die Idee auf ein Board und buche die Anzahl Stunden auf das Kundenkonto, die dem Wert der Idee entsprechen und das fühlt sich gut an.

    … was verdeutlicht, wie relativ und flexibel Zeit gehandhabt werden könnte, als Arbeits- und als Lernressource. Wird es im Corporate Learning selten, wenn mit „Lernzeitbudgets“ etc. hantiert wird.

    Zeit

    Denn was Lernen neben sozialen Resonanzräumen und Gesundheit (dazu weiter unten mehr) besonders benötigt, ist Zeit. Ist Lern-Zeit die Grund-Ressource, ohne die alle anderen Ressourcen nichts sind? Gleichzeitig ist Lern-Zeit konstant rar. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass kaum Zeit für bewusst selbst-organisiertes und -gestaltetes Lernen bleibt. Lernzeit ist notorisch fremdbestimmt (in der Regelschule, der Ausbildung oder Bologna-geprägten Universität, in verordneten Seminaren, Weiterbildungen oder Umschulungen). Andere bestimmen für uns, WANN wir Lernen sollen, dürfen oder angeblich sogar müssen – egal, ob uns die Zeit dafür gerade passend erscheint und wir Lernlust spüren. Lernzeit ist die Zeit im Seminar. Lernzeit ist geblockt im Kalender. Lernzeit wird eben nicht als die Zeit gesehen, in der Du in der Nacht aufstehst und eine Idee notierst … oder wachliegst und Gedanken wälzt. Und Lernzeit wäre … zumindest für mich … auch sehr oft die Zeit, die gerade nicht verfügbar ist, weil dies und das und jenes erledigt werden muss.

    Ich stelle für mich selbst fest, dass meine Lernlust regelrecht aufblüht, wenn ich längere Zeit am Stück für mich habe. Auch deshalb nehme ich mir jeden Sommer den Luxus der ganzen großen Ferien. Damit habe ich nicht nur die gesamten sechs Wochen mit meiner Familie, sondern spüre auch, wie meine Lernressourcen wieder wachsen. Ich entdecke im Alltag verschüttete Interessen, spüre meine Selbstwirksamkeit und nehme mir unendlich viele Lernprojekte vor … die dann erwartungsgemäß im Herbst zwar meist wieder einschlafen, aber allein die Erkenntnis, dass sie in mir als Lernressource schlummern und durch mehr verfügbare Zeit spürbar werden, ist sehr beruhigend.

    Allerdings kann diese Sehnsucht nach Lernzeit auch ausgenutzt werden. Wie oft nehme ich war, dass das Versprechen von Lernzeit in Unternehmen missbraucht wird – als Pflaster über disfunktionaler Planung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überlast. Lernzeit wird dann zur zermürbenden Möhre-vor-der-Nase, die nie erreicht wird, aber immer ergriffen werden könnte, wenn denn die Arbeitsdisziplin stimme. Und selbst wenn sie im Kalender steht, gnädig gewährt, steht da doch immer noch die nicht erledigte Tätigkeit in Konkurrenz, die noch schnell fertig gestellt wird, unter dem Schutzmantel des ‚Nicht stören, hier wird gelernt’.

    Wenn der Tag zu viel Inhalt hat, aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und einem kleinen Rest Selbstfürsorge – oder nennen wir es kleine Pause, da ist Lernen nicht machbar. Ich erinnere mich an Zeiten, als diese Kombination es lediglich ermöglichte seufzend und traurig die Decke anzustarren. Dies ist die Realität von vielen, vermute ich. Und in der Lebensphase in der Johannes steckt, ist es wirklich schwierig ungeplante spontane Lernzeiten unterzubringen. Möchte jetzt gerne schreiben, dass das besser wird. Aber leider, leider, erst mal Nein. Deswegen finde ich es sehr inspirierend was Johannes dazu schreibt. Sich gezielt die Lernzeiten-Fenster zu schaffen und zwar nicht als „festes Fenster“ sonder so, dass Selbstwirksamkeit erfolgen kann und die freigeschaufelte Zeit nicht zugeschüttet wird mit anderen Todos, die darauf warteten erledigt zu werden (Aufräumen, Einkaufen, Räder wechseln, …). Es ist jetzt 11:30 Uhr und ich werde jetzt eine Runde durch den Wald drehen, diesen Beitrag im Kopf haben und später wieder anschließen.

    „Wie schaffen wir unseren Mitarbeitenden Lern-Zeit?“ ist die Frage, die mir (neben der zur ominösen „Lern-Kultur“, auf die ich noch eingehen werde) in Beratungssituationen am häufigsten gestellt wird.

    Die Zeitfrage ist in Betracht auf die „Teppich-Etage“ noch relativ einfach finde ich. Schwierig wird es bei den Beschäftigen auf dem „Hallenboden“ oder die mobil unterwegs sind. Hier müssten Einschnitte gemacht werden in die „Produktivitätszeit“, was bei heutigen Auslastungen und Effektivitäts-Steigerungen schwer zu handhaben und zu vertreten ist. Am Ende ist es doch auch hauptsächlich Vertrauen, auf das gebaut werden muss. „Ich stelle Lebenszeit und Arbeitskraft zur Verfügung und werde diese optimal für dich liebes Unternehmen zum Einsatz bringen“ steht da im krassen Konflikt zu „ … und am Ende wird beim Homeoffice womöglich auch noch nebenher Wäsche gewaschen!?!“.

    Ja, wir betreten hier ein neues Konfliktfeld, in dem das oft postulierte Mantra „Lernzeit = Arbeitszeit“ wie ein fernes Echo aus dem Elfenbeinturm wirkt. Natürlich bemüßigen sich alle, auch die Arbeit auf dem „Hallenboden“ lern-reich zu gestalten. Als Lippenbekenntnis. Die Realität sieht oft anders aus, und „Lernzeit“ wird in Pausenzeiten oder die Freizeit versteckt (natürlich nicht offiziell). Wie erkämpfen wir uns Lern-Zeit?

    Gesundheit(en)

    Neben der zur Verfügung stehenden Zeit und dem sozialen Netzwerk ist Gesundheit (oder sind „Gesundheiten“ … ich möchte mich, ähnlich wie mit „Zukünften“, auch mehr mit der bewussten Verwendung des Begriffs Gesundheit im Plural auseinandersetzen, um die problematische Binarität Krank – Gesund zu hinterfragen) die dritte ganz zentrale Lernressource – und diejenige, die in den meisten Lernkontexten krass ignoriert wird. Die körperliche und seelische Verfassung, die wir in Lernprozesse einbringen, ist darauf so prägend wie fast nichts anderes.

    Das sind Barrieren, die uns den Zugang zu Lernsettings verwehren. Das ist unsere menschliche Neurodiversität, die ignoriert wird. Das ist das unterschiedliche Maß an Kräften, die wir insgesamt einbringen und auf unsere unterschiedlichen Anforderungen im Alltag verteilen können.

    All das wird in vielen konventionellen Lernsettings oft ignoriert oder als Nice-to-have betrachtet, dabei sollten alle Betrachtungen hier starten.

    Gesundheit ist aber ein wesentlicher Bestandteil. Wer im Burnout steckt, Depressionen hat, oder in einem Suchtverhalten steckt, kann nicht lernen. Jedenfalls nicht gut.

    Ich denke, doch, auch aus solchen Situationen erwächst Lernen. Nur ein gänzlich anderes, das eine eigene Betrachtung verdient – denn mir liegt es fern, Lernen aus Leid irgendwie faschistoid zu glorifizieren.

    Finanzielles

    Am Ende sind wir also bei den Elefanten angelangt. Zeit, Gesundheit … und das liebe Geld. Dass Lernen durch finanzielle Ausstattung gefördert oder durch Einsparung stark erschwert werden kann, scheint intuitiv einleuchtend. An dem Punkt waren wir schon zu Beginn, im Abschnitt „Inhalte / Materielles“. Im Corporate Learning taugt das, was etwas kostet und sich in einem definierten Zeitraum messen und bewerten lässt … die Return-on-Investment-Logik. Ebenso bekannt, dass wir lebenslang unterschiedlich finanziell begütert mit entsprechend unterschiedlichen Zugängen zu anderen Lern-Ressourcen (Zeit, Gesundheiten, Inhalte etc etc ….) durch die Welt laufen.

    Wir sollten uns stark dafür machen, Lernen gebührend finanziell auszustatten. In der Schule, in außerschulischen Realitäten von Kindern und Jugendlichen, während des Aufwachsens, am Arbeitsplatz und außerhalb der Erwerbsarbeit, im sozialen Miteinander, im politischen Gefüge und in Situationen, in denen wir ganz besonders auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Ja, es mag abgegriffen sein und aufgrund seiner Verwurzelung in einer neoliberalen Verwertungslogik auch angreifbar, gehört im Rahmen dieser Logik aber immer wieder betont: Investitionen in Bildung rechnen sich!

    Ich mag hier gerne noch die Brille der Soloselbständigen reinbringen. Was für außenstehende leicht aussieht, wenn ich im Erstgespräch gute Ideen einbringe und relativ schnell ein Grobkonzept erstelle, ist das Ergebnis vorab geleisteter Lerneinheiten, die mir in Gänze niemals gezahlt werden können. Deswegen erlaube ich mir, diese bei Beauftragung anteilig in Rechnung zu stellen. Nach eigenem ermessen, aber so dass meine Vorableistung unabhängig vom Auftrag honoriert wird.

    Feminismus

    Feministischer Blick auf die Ressource, als Auszug unserer Feministischen Lernpolitik? Was braucht es um Lernen gut zu gestalten aus der Blickrichtung Feminismus?

    Hinweis in eigener Sache. Das endet jetzt hier sehr plötzlich.

    Ach ne, das war ein fulminanter Start, der noch lange nicht zuende ist, sondern doch nur als Auftakt für unsere Session geplant ist, Gabriele. In unserer Session öffnen wir den Lernraum mit allen Teilgebenden. Vielleicht schreiben ja einige davon auch im Nachgang noch weiter, so wie wir? 🙂

    Eigentlich sollte ich hier einen Abbinder schreiben, der sich mit der Ressource Feminismus beschäftigt und unser Thema Lernressourcen abrundet. Ich mag aber viel lieber erzählen, wie wir zwischendurch auf Literatur gekommen sind und ich fand, dass unser Austausch mich an Stephanie Sargnagels Buch „Iowa“ erinnert mit den Fußnoten von Christiane Rösinger. Johannes lacht und sagt „das Buch war super witzig!“. Fand ich auch. Und vielleicht ist es doch ein bißchen die feministische Klammer, die unseren Austausch wieder schließt. Beim Erstellen dieser letzten Zeilen kam mir noch in den Kopf: Lernressource Humor? Scherz beiseite. Humor ist zumindest ein verbindendes Element und macht gemeinsames Lernen zu einem Erlebnis. Jedenfalls zwischen mir und Johannes, wie wir es hier beim gemeinsamen Schreiben und Denken erlebt haben.

    #CLC23 #CLCamp26 #eine
  14. Lernressourcen

    Wir, Gabriele und Johannes, wollen auf dem #CLCamp26 eine gemeinsame Session zu „Lernressourcen“ anbieten.

    Den Start in die Vorbereitung machen wir mit diesem Blogbeitrag … der vielleicht auf die Session neugierig macht, vielleicht Einstiegs- oder Anknüpfungspunkte setzt, vielleicht zu Widersprüchen aufruft und hoffentlich – zuerst einmal durch das Schreiben für uns beide – das Feld weitet für das, was „Lernressourcen“ alles sein könnten.

    Als wir beschlossen, die Session anzubieten und dazu mit einem kooperativem, gemeinsamem, ineinandergreifenden und aufeinander Bezug nehmendem Schreibprozess zu starten, notierten wir uns die folgenden Fragen, die auch zu Beginn unserer Session stehen könnten:

    • Was bedeuten Lern-Ressourcen?
    • Wie können auf Lern-Ressourcen aufgebaut werden, wie können diese ausgebaut werden?
    • Wann weiß ich, welche Lern-Ressource ich in welchem Umfang zum Einsatz bringe?
    • Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
    • Welche Arten von Lern-Ressourcen gibt es überhaupt?

    Und vielleicht leiten sich aus unserem folgenden schriftlichen Austausch vorab für uns und für Session-Teilgebende weitere Fragen und Ideen ab?

    Aus welchen Perspektiven blicken wir jeweils auf den Begriff „Lernressourcen“?

    Diesen Beitrag schreiben wir kooperativ. Jede:r von uns ergänzt Ideen, die wir dann gemeinsam in einen Fluss bringen. Daraus entsteht im Schreibprozess ein inspirierendes Ping-Pong auf einem gemeinsam beschriebenen Collabora Online Dokument auf Gabrieles Nextcloud. Wir schreiben uns gegenseitig in die Texte, lesen immer und immer wieder und ergänzen. Ich habe das Gefühl, wir könnten endlos so weitermachen, aber irgendwann, am 2. März um 18 Uhr, setzen wir uns einen Schlusspunkt, kopieren den kooperativ geschriebenen Text als Sessionankündigung in unsere jeweiligen Blogs (und werden dabei sicher weitere Stellen finden, die wir überarbeiten … denn der Text bleibt lebendig und beschreibbar).

    So haben wir es heute besprochen: und um 18:00 Uhr ist also Schluß für heute und für den aktuellen Stand unseres Schreibgesprächs. Das wird spannend, da es für die Zukunft gesehen zwei Versionen geben wird, da sich unsere beiden Blogs ja nur von der Ferne her kennen und sich nicht synchronisieren.

    Aber sie pingen sich gegenseitig an. Die gute alte Pingback-Tradition der Webblogs. Oder kann Dein Blog das nicht, Gabriele? 😛 Ich hab noch fünf Minuten, dann ist Schluss mit Tippen und wir veröffentlichen ….

    Ich, Gabriele, gebe hier einen persönlichen Einblick zu meiner Lernerfahrung. Meine eigene Lernerfahrung basiert vor allem auf der Erkenntnis, dass die meisten Organisationen in denen ich beschäftigt war, mein zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erkannten und/oder fördern konnten oder wollten. So habe ich mich immer selbst auf den Weg gemacht, gelernt, verworfen, aufgebaut, aufgefrischt, neu gelernt … . Seit ich Menschen wie Johannes kenne und in einen regelmäßigen Austausch zu selbstgewählten Themen gehe, verstehe ich, wie Lernen mit anderen funktionieren kann und was es für mich bedeutet, in den Austausch mit anderen gehen zu dürfen. Auch dann, wenn ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin. Keine Grenzen. Manche Bedarfe entstehen erst durch das darüber sprechen. Manche Gedanken werden zu Ideen, Konzepten oder führen zu Erkenntnissen, wenn man sie das erste Mal mit anderen teilt. Das hat mich mutig gemacht die letzten Jahre und so lerne ich als Soloselbständige so vor mich hin, lass mich treiben und mäandere mich gemächlich durch die unterschiedlichsten Wissensgebiete. Meine Neugier sucht sich wie ein Fluß ihren Weg. Was ich mache? Das ändert sich ständig. Gerade mache ich mal wieder eine Ausbildung. Und überhaupt denke ich gerade: Vielleicht sollte mich mal mit dem Thema Flüße beschäftigen?

    Jedenfalls empfinde ich den Austausch mit Johannes immer als sehr gewinnbringend.

    Das beruht auf Gegenseitigkeit, Gabriele. Sonst hätten wir das hier nicht gestartet.

    Ich, Johannes, erschließe mir die Vielfalt von „Lernressourcen“ ebenfalls aus unterschiedlichen Richtungen und Zugängen … wie Du, Gabriele, und jetzt im Miteinander, der wichtigsten Lernressource – aber ich möchte nicht vorgreifen.

    Da ist meine berufliche Perspektive als Corporate Learning Berater auf die Vielfalt von Lern-Ressourcen. Hier mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass Lernangebote oft wenig bewirken, wenn sie isoliert und ohne die konzeptionelle Einbeziehung des systemischen Umfelds betrachtet werden. Mitarbeitende nutzen die Angebote nicht, Aufwände verpuffen, Lernen wird als Hürde empfunden oder Lernbedarfe werden nicht einmal erkannt. Mein Motto aus IT-Qualifizierungen ist „Die User sind nie schuld“, denn so gut wie nie „sitzt das Problem vor dem Bildschirm“ (wie ich diesen despektierlichen Spruch verabscheue!), sondern fast immer werden Bedarfe und deren Ursprünge zu isoliert betrachtet, wird Blaming geübt statt wertvolle Hinweise auf u. a. Ressourcenbedarfe zu erkennen.

    Und dann ist da der Blick auf Ressourcen, mit dem ich an Gabrieles Einstieg anknüpfen möchte: Das Erkennen, Erkunden und Erfahren der Möglichkeiten, die uns menschlich ausmachen, die uns zusammenbringen und uns gemeinsam gegen Widrigkeiten angehen lassen. Das, was eigentlich in uns steckt, und sich so oder so seinen Weg bahnt. Flüsse sind ein Bild, das mir gefällt, Gabriele! Flüsse bahnen sich ihren Weg, prägen Territorien und werden zu Grenzziehungen missbraucht, sind Lebensadern und können zerstörerisch sein. Manche sind wild, manche betoniert-eingehegt. Vielleicht irgendwann mal eine Session zu „Lernflüssen“? Heute aber erst einmal Ressourcen!

    Unsere gemeinsame Lern-Historie

    Nein, den Start in die Vorbereitung unserer Session machen wir natürlich nicht mit diesem Blogbeitrag, sondern schon viel früher: Seit langer Zeit denken, recherchieren, reden und schreiben Gabriele, Gratian, Silvia und ich gemeinsam mit einer weiteren Mitwirkenden an einem lernOS-Leitfaden zum Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“. In einer geplanten Woche dieses Leitfadens gilt es, sich der Ressourcen bewusst zu werden, die in das eigene Engagement eingebracht werden können.

    In diesem Zusammenhang begannen wir, uns intensiver mit dem Begriff „Ressourcen“ auseinanderzusetzen … denn zu Beginn stand ein produktives Missverständnis*, weil wir jeweils an ganz andere Begriffsbedeutungen dachten.

    *genau! Ich verstehe jetzt was Johannes mit Ressourcen meinte (meine Weiterbildung klopft gerade an). Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber die Ressource „Zeit“ dicht gefolgt von „Energie“. Wann habe ich überhaupt Zeit und dann auch noch Energie um mich mit Themen zu beschäftigen. Im Hintergrund stand bei mir der Gedanken, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen, die mir lernen oder Beteiligung ermöglichen. Ich werde es weiter unten nochmals thematisieren.

    (Spoiler: Zeit, Energie, Lebensphasen, Beteiligung … das schält sich, wenn ich diesen Text gerade kurz vor dem Publizieren noch einmal durchlese, doch als brauchbarer Rahmen für das meiste heraus, das wir betrachten und zum Ende hin abbinden. Deine erste Intuition war also ziemlich treffend, Gabriele!)

    Und noch früher dachten, recherchierten, redeten und schrieben Gabriele und ich um das Thema „Feministische Lernpolitik“ herum … in einem Social Learning Space, der wiederum aus einer Session von Gabriele auf dem #CLC23 Barcamp der Corporate Learning Community entstand und uns viele Monate regelmäßig zusammenbrachte, bis wir sie wieder auflösten. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Material- und Ideensammlung auf unserem Online-Whiteboard, auf die ich heute immer noch zugreife. Auch das Whiteboard für unser lernOS-Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“ ist weit über den Bildschirmrand befüllt mit gegenseitigen Empfehlungen, PDF-Dokumenten, Skizzen und Kata-Beschreibungen. Eine brauchbare Sammlung an (wild zusammengetragenen, wenig geordneten) Lernressourcen.

    Die Betrachtung unserer Lernressourcen hat für mich u. a. mit der Untersuchung folgender Fragen zu tun: Was uns im bereits zurückliegenden Lernprozess …

    • grundsätzlich die Möglichkeit verschafft, uns zusammenzufinden und uns einem gemeinsamen Thema zu widmen … und nach den ersten Schritte auch weiter zu machen,
    • unser Wirkungsfeld geöffnet und gehalten,
    • Energie im Prozess geschenkt,
    • das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung vermittelt (nicht auf der Stelle treten, sondern immer neue Quellen, Zugänge, Ideen und Wirkungsfelder zu betreten)?

    Und was hat dazu geführt, dass wir unser gemeinsames, in der Gruppe stattfindendes Engagement zum Thema „Feministische Lernpolitik“ nach einigen Monaten beendeten … und dass unsere lernOS-Entwicklungsgruppe nicht mehr so viele regelmäßig aktive Mitglieder umfasst wie zu Beginn?

    Ich vermute, all diese Fragen – und viele mehr, die wir auf unserer Barcamp-Session im Ressourcen-generierenden Austausch mit den Teilgebenden finden werden – haben mit (Lern-)ressourcen zu tun.

    Zukünftig möchte ich mich auch durch weitere Recherche damit auseinandersetzten, welche Verständnisse von „Lern-Ressourcen“ in Lerntheorien und Didaktik gängig sind. In diesem Einstieg, in dem wir uns die assoziativen Bälle zuwerfen, haben wir bewusst auf den Verweis auf Theorie verzichtet.

    Ich sowieso. Theorie ist wichtig, aber ich bin bekennende Frau praktischer Anwendungen. Habt ihr vielleicht schon gemerkt. Ich lerne durch ausprobieren. So bin ich übrigens auch eine phantastische Köchin geworden.

    Und auch beim Kochen braucht es gute Zutaten, Gabriele ….

    Inhalte / Materielles

    In meiner täglichen Arbeit wird unter (Lern-)ressourcen meist Materielles verstanden, speziell „Content“: Die Rohstoffe in der Produktion, die weiter verwertet werden, als auch die Lerninhalte, die wir als Lernende rezipieren, verarbeiten und darüber intern unser Wissen aufbauen. Texte, Videos, e-Learning-Inhalte, Folien, Podcasts … . Unsere digitale und auch analoge Welt ist übervoll mit Lernressourcen dieser Art. Das Internet als (noch, wenn auch durch AI-Slop und Plattformkapitalismus bedrohte) unerschöpfliche Quelle für Lernressourcen, die (ebenfalls durch Austeritätspolitik bedrohten) Stadtbibliothek, Museen und weitere Kulturorte. Inhalte können teuer produziert oder gekauft werden oder als Commons frei verfügbar sein. Letzteres wird im Corporate Learning oft ignoriert. Tauglich sei’s, wenn’s für Geld eingekauft und als Eigentum ins Lernmanagementsystem eingeschlossen und als Lernmaßnahme ausgehandelt dort zugewiesen wurde. Die unendlichen Möglichkeiten, kontinuierlich mit frei verfügbaren und sich permanent durch die Nutzung und Anreicherung im Lernkontext anreichernden Inhalten zu lernen, die durch das Engagement von Freiwilligen bereitgestellt werden, werden ignoriert.

    Ach spannend. Also jetzt haben wir schon drei verschiedene Dimensionen des Begriffs Ressource: Der Lern-Inhalt (Content), die Lern-Verfügbarkeit (zeitliche, räumliche, finanzielle) und der persönlichen Ressourcen (Neugier, Offenheit, Quelle …).

    Aber diese begriffliche Einengung von „Lernressourcen“ ist natürlich bei weitem nicht ausreichend.

    In meinen eingangs beschriebenen Lernerfahrungen sind mir beispielsweise die Gespräche mit meinen Mitlernenden, das geteilte und Energie schenkende Gefühl, ein gemeinsames, von uns allen als sinnvoll empfundenes Ziel zu verfolgen und die dadurch längerfristig gestärkten Beziehungen viel wichtiger als die Quellen und Buchtipps, die wir auf unseren Online-Whiteboards zusammengetragen haben.

    Jetzt hake ich wieder ein. Ja, wir haben Whiteboards bis an die Kante befüllt und auch für mich sind diese gemeinsam mit anderen entstandenen Whiteboards immer wieder Quelle der Rückkehr und des wieder treiben lassens. Schon wieder drängt sich das Flußbild auf … . Statt Whiteboard sollte es nun ein kollaborativer Text sein, in dessen Mitte wir uns nun eben befinden. Beide schreiben wir parallel über unsere Lernressourcen.

    (Ich behaupte ja immer, und hatte dazu vor Jahren auch mal eine Barcamp-Session initiiert, dass ich durch Schreiben lerne. Schreibend schöpfen wir gerade von überall her aus unseren verschiedenen Lernressourcen und schreiben sie fort und größer … und schon trägt mich Dein Fluss-Bild mit …)

    Und gestern haben wir uns getroffen und fast wäre es passiert, dass wir wieder in ein anderes großes Thema abgedriftet wären. Zu Beginn des Textes habe ich mir die Frage gestellt, was meine persönlichen Lernressourcen sind und eine die vielleicht euch und auch mich selbst überrascht hat, ist die hier im Anschluß folgende:

    Popkultur/Subkultur

    Neues hören, neues sehen, warum hören Menschen jahrzehntelange die gleiche Musik? Musik ist mein „Mitgestalter“. Kunst und Literatur auch, aber Musik am meisten. Ich stehe auf die Ressource Subkultur und Popkultur. Sie taugt mir für alles: Kreativität, Menschen die sich verbinden, bewegen. Pop- und Sub-kulturelle Begegnungsstätten in Form von Clubs, Vereinen, Bewegungen verbinden Menschen und Gedanken. Werden zu Strömungen und können niedrigschwellig Inhalte vermitteln. Vielleicht ist Pop-/Subkultur das „kulturelle“ Gegenstück zum schmutzigen Populismus rechter Parteien. Ich schweife ab. Jedenfalls bietet zumindest die Subkultur Schutzräume in denen ich mit anderen, die sich im selben Kultur-Raum befinden Möglichkeiten des Austauschs, Betrachtens des Lebens durch eine andere Brille. Mich ausprobieren kann. Abgrenzung ist eine der Lernerfahrungen und Ressourcen die darin schlummert. Ich muss nicht immer so sein, wie es andere von mir erwarten. Aber auch, bei der Popkultur, Teil einer größeren Bewegung zu sein. So ganz genau weiß ich noch nicht was ich damit sagen will, vielleicht ist das eine der „Quellen“ der persönlichen Ressource (siehe oben). Ich baue an dieser Stelle auf Johannes und übergebe in seine analytische Gedankenwelt 🙂

    Wenn ich Deinen hymnischen Einstieg lese, möchte ich vielleicht gar nicht analytisch werden, sondern ebenfalls an Selbst-Erlebtes anknüpfen. Pop- und Subkultur scheint mir eine wichtige, biografisch geprägte Lernressource zu sein (und auch hier freue ich mich auf eine in der Session fortgeführte Vertiefung … denn die Betrachtung dieses Ressourcenfelds wird umso greifbarer, je vielfältiger und durch eigenes Erleben geprägter die Stimmen dazu sind). Mit vielen von dem, was ich heute kann, auf dem ich mit meinen Kompetenzen aufbaue, was mir wichtig ist, was mich „resilient“ macht (sorry für die Verwendung dieses oft so problematisch missbrauchten Wortes) und was mir mein soziales Netzwerk erschließt, hat Ursprung in Subkulturen, in denen ich als Jugendlicher Zugang fand oder die ich mir jetzt erst mit Mitte 40 erschließe. Subkulturen, Popkulturen, Gegenkulturen schaffen uns ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten, öffnen Arenen der inspirierenden Imitation, erweitern unseren Werkzeugkasten, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und stärken uns im Miteinander. „Each one teach one“, eine der wichtigsten Lernressourcen.

    Der Begriff der Gegenkultur ist hier noch wichtig! Danke für’s einbringen Johannes. Den Subkultur speist sich auch aus Widerstand. Das ungesagte das unfassbare sichtbar machen und sich dagegen wehren. Gegenwehr gegen Systeme, die beschränken. In meiner Generation die Haltung der 50-60er Jahre, die einen bestimmten Weg für junge Frauen vorgeschrieben haben: Heiraten, Kinder bekommen und bloß nicht zu viel Bildung. Hier in eine Anti-Haltung zu gehen, ist nicht unbedingt der einfachste Weg, wenn du jung bist. Den es bedeutet auch Einsamkeit, Unverständnis, Bestrafung, Ausgrenzung, Verzweiflung sowie ungefragte Tipps und Empfehlungen von Außenstehenden („mach es dir doch nicht so schwer“, „wie du wieder aussiehst … ist doch kein Wunder dass ….“) und nicht zuletzt auch schlechte Noten. Ich weiß wovon ich spreche. Aber am Ende bin ich doch daran gewachsen, da es immer einige wenige Mitstreiter:innen gab. Und daran schließt jetzt wunderbar das folgende Thema an, dass von Johannes eingeleitet wird.

    Netzwerke, Freundschaften, Bekanntschaften und Vorbilder

    Wir lernen zuallererst durch unser Streben nach Sozialisation … auch wenn uns im Corporate Learning immer wieder etwas anderes verkauft werden soll. In Interaktion mit Menschen lernen wir wie nebenher, auch auch durch die im vorherigen Abschnitt schon angesprochene Imitation. Unsere Lern- und Netzwerkpartner:innen öffnen und halten einen Resonanzraum für unsere Kompetenzen und nehmen unseren sozialen Entfaltungsdrang auf. Sie inspirieren uns als Vorbilder immer wieder. Sie sind die Ressourcen, die Lernen lebendig und erfahrbar machen und katalysieren … und es gleichzeitig ermöglichen, Ressourcenknappheit zu überwinden und formale Einhegungen/Beschränkungen zu unterlaufen. Lern-Netzwerke ermöglichen einen Aufstand gegen verordnetes Nicht-Lernen! … und schaffen damit die Grundlage für das, was Gabriele und ich hier tun. Und insbesondere ermöglichen uns Lern-Netzwerke Zugang zu Entwicklungen, die uns bisher verborgen blieben, nicht nur über den oft erwähnten „Flurfunk“ oder den Gerüchte-Handel „in der Kaffeeküche“.

    Neugier

    Ich war letzte Woche auf der Beerdigung einer guten Freundin von früher. Alles sehr traurig. Was hat das mit meinen Lern-Ressourcen zu tun? Ich habe Feststellungen gemacht an diesem Tag. Meine Freundin war aus einem intellektuellen Haus und ich weiß nun, was ich ihr zu verdanken habe und welche Türen sie mir öffnete. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon eine Leseratte und habe verschlungen was es gab. Im Bücherbund (die älteren unter uns wissen noch – Schallplatten gab es da auch) kaufte meine Mutter für mich Bücher, die für sie selbst sonderbar klangen und keinen Sinn ergaben. Dennoch war es diese Freundin, die meinen Hunger nach neuem bediente und erfüllte, Politik, Kunst, Literatur – Musik brachte ich als Element ein. Und damit bin ich bei der ersten persönlichen Lernressource: Neugier und Bereitschaft. Und ich frage mich, sind wir nicht alle von Geburt an neugierig? Wollen in Erfahrung bringen wie man laufen kann, sprechen kann? Und ich frage mich auch, wann und wo versiegt die Neugier bei so vielen Menschen?

    Da bin ich optimistisch. Unsere Neugier versiegt nie, bei keinem Menschen. Leider wird sie durch äußere Gewalt oft so unterdrückt, dass sie kaum wahrnehmbar scheint. (Allerdings bevorzuge ich seit einiger Zeit den Begriff „Lernlust“ mit seinem bewusst lustvollem Klang, denn die „Gier nach Neuem“ hat mir die Neugier in Zeiten von turbokapitalistisch getriebenem Wachstumsdrang nach leerer „Innovation“ im Klang etwas dissonant werden lassen.)

    Außerdem merke ich, auch in Zusammenhang mit anderen, dass sich leider teilweise ein bißchen Arroganz/Ärger/Unverständnis/Unmut bei mir einschleicht, wenn ich verstehe das jemand eben irgendwie stehengeblieben ist vor 30 Jahren. Oft fragen genau die mich dann: „wie bist Duuu den da hingekommen wo du jetzt bist?“ In dem langgezogenen „Du“ und dem darauffolgenden fragenden „da“ schwingt oft eine kleine Ungläubigkeit mit, da ich ja nicht einmal Abi habe und keine akademische Ausbildung (wobei ich hier immer gerne einfüge, dass ich an 2 Kunstakademien über die Begabtenprüfung aufgenommen wurde). Oder das jemand stehen bleiben wird die nächsten Jahre: „die (hier eine Zahl einfügen) Jahre sitze ich noch ab in dem Unternehmen XY, auch wenn mein Job langweilig ist“. Die Hybris der Viel-Interessierten. Geht das nur mir so?

    Hmmm …. beschleichen mich da eher Traurigkeit und Ärger gegenüber den Strukturen, die das Lernen und die Lernressourcen von Menschen so verschleiern können, und den verinnerlichten Bewertungsmechanismen, die oft dahinterstecken? Wie gesagt, ich bin optimistisch (und umso wütender, wenn uns irgendwelche KI-Grifter einreden wollen, unsere menschlichen Lernressourcen hätten im unsäglichen Vergleich mit irgendwelchen Bullshit-Automaten nun nicht mehr die Kraft und Möglichkeit, die sie haben und immer haben werden.)

    Zu Ärger, Hybris und Wut – auch diese Begriffe möchte ich auf meinen Merkzettel für die #CLCamp26-Session setzen: Ungesteuert und ziellos lähmt sie und lässt unsere Lernressourcen versiegen. Zielgerichtet eingesetzt kann sie uns ungeahnte Kraft und regelrechte Gier nach Lernen spüren lassen. Es gibt Themen, zu denen ich alles in mich aufsauge, was ich finden kann – um argumentativ gewappnet zu sein und Gegen-/Verteidigungsmaßnahmen parat zu haben. Negative Emotionen können Lernressourcen sein.

    Da hast du Recht! Eine Ressource die man zuerst gar nicht so recht anschauen möchte, aber auf den zweiten Blick eine neue Welt öffnet. Einmal aus dem von dir aufgeführten Blick der Verteidigung, aber auch aus dem Widerstand der sich in einem regt, wenn andere wenig Zutrauen zu dir in einer Sache habe. Und den Neid* möchte man hier an dieser Stelle der unangenehmen Seite der Lernressourcen nicht missen wollen, oder?

    *Erinnert mich daran, dass mir immer noch eine neutral klingende Alternative für den Begriff „Neid“ fehlt. Oder brauche ich den gar nicht? Könnte „Lern-Neid“ auch eine positiv-inspirierende Lernressource sein?

    Vielleicht greift im Lernkontext auch der Begriff FOMO auch wenn schon alt und abgedroschen besser wie Neid. Was meinst du Johannes, hast du schon mal erlebt das irgendjemand auf LinkedIN eine abgeschlossene Ausbildung oder ein cooles Event postet und du dabei gedacht hast: „Warum zur Hölle ist mir das nicht eingefallen? / Habe ich das nicht gemacht!“. Dann gibt es zwei Optionen: Erkennen, dass das genau das ist was man jetzt tun möchte und man tut es ODER ein paar Tage später feststellen, dass es nicht wichtig für die eigene Weiterentwicklung ist.

    Jedenfalls, wenn man die dunkle Seite aus dieser Blickrichtung erkundet und reinhüpft in unbekannte Gewässer, vermeindlich dunkel und voller Gefahren, einfach weil du es jetzt genau so tun musst. Du erkundest das Feld und bekommst Sicherheit. Und jetzt kommt auch noch der Mut* ins Spiel, wieder als positives Element sozusagen. Als Gegengewicht zu Wut, Widerstand, Neid. Das braucht es dafür auch. Sich den Dingen und den Themen stellen, neue Wege gehen zu wollen. Notfalls auch erst einmal alleine, den negative Gefühle zu teilen, ist gar nicht einfach und werden deswegen oftmals erst mit sich selbst ausgehandelt und erst dann wieder geteilt, wenn eine vertretbare Basis für Austausch vorhanden ist. So ist es zumindest bei mir.

    *Mut ist ein zweischneidiger, teils übergriffiger Begriff, wenn er eingefordert wird – wie so oft im Corporate Learning. Ich möchte von niemandem, der abhängig angestellt ist, erwarten, beim Lernen „mutig“ sein zu müssen. Ich möchte Sicherheit verspüren, Vertrauen in mitlernende Kolleg:innen haben können und die Regeln und Verträge, innerhalb derer wir agieren, kennen und sie anwenden. Und ich weiß natürlich, dass Du auf eine andere Art von Mut anspielst, Gabriele … den Mut, der aus starker emotionaler Verbundenheit zu etwas erwächst, richtig?

    Ja, aus der Sicht von abhängig angestellten, ist das nachvollziehbar. Und ich meine aber trotzdem den Mut, etwas zu wagen. Auch mal was zu lernen, was im Moment vielleicht nicht passend ist und nicht auf deinen Karrierepfad einzahlt.

    Offenheit

    Voilá. Braucht es noch einen Überleitung zur Offenheit fragte Johannes im Text und hier ist sie: meine spontane und mal wieder intuitive Eingebung zu Offenheit. Übrigens auch als sehr guten Anschluss zum Thema „Mut haben, sich den Dingen zu stellen“. Ich verspüre bei uns beiden eine gewisse MüdiKIte und das mit Recht. Also wir mit unserer menschlichen und erfahrungsbasierten LLM haben doch hier einen Text erarbeitet, der so mit egal welcher KI nicht entstanden wäre. Und Spaß machte es auch. Zu verdanken ist das doch unserer Offenheit und dem loslassen können. Der Lust gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen. Und unbedingt auch dem gegenseitigen Vertrauen, dass wir uns entgegen bringen, einen solchen Text gemeinsam zu erstellen. Das ist nicht in jeder Konstellation möglich.

    Ja, das gemeinsame Schreiben mit Dir erschließt mir mehr von dem, was nicht im Text selbst steht, als die Buchstaben, Wörter und Sätze, die auf dem Bildschirm erscheinen. Wir schreiben in unseren gemeinsamen Kontext, in unser Vertrauen zueinander und in die zukünftige Barcamp-Session hinein. Das ist viel mehr als der Blogpost selbst. Lernressource „Kontext“? Lernressource „Das, was drumherum passiert“? Lernressource, sich Orientierung zu verschaffen, in alle Richtungen zu blicken, gedanklich auf die Reise gehen zu können?

    Reisen bildet. Ich möchte aber sagen nicht jede Art von Reisen bildet. Ich kenne Menschen die waren schon auf der ganzen Welt. Wenn du dich dann aber innerhalb eines abgeschlossenen Ressorts bewegst, dann – keine Bildung. Reisen ist kein Ort, du kannst auch auf einem Quadratmeter Erde auf Reisen gehen. Alles nur in ganz klein und fast nicht sichtbar. Moose, Flechten und Pilze sind so ein Ort, den es in keinem Reisebüro zu buchen gibt. Vielleicht ist die wichtigste Lern-Ressource in diesem Zusammenhang, dass nicht nur das vermeintlich wichtige einen zum Ziel bringt, sondern auch die Seitenzweige und Themen, die im ersten Moment nicht als wichtig erscheinen, aber in anderem Kontext auf einmal Sinn ergeben. Pilze zum Beispiel. Von Pilzen kann man viel über Vernetzung und Kommunikation lernen.

    Pilze sind ein faszinierendes Thema, Gabriele, bei dem es mich sofort juckt, zum Bücherregal zu treten und ein paar Beispiele literarischer Verarbeitung zu suchen. Lass uns das später nachreichen …

    Aber auch Deine Worte zum Reisen. Zwei Deiner Sätze widersprechen sich nach meinem Verständnis. Ich behaupte – und unterstelle Dir aufgrund des direkt anschließenden Satzes – dass Du das auch so siehst: Auf jedem noch so kleinen und abgeschlossenen Areal, auch im Liegestuhl des Ressorts, lässt sich Bildung erfahren. Es kommt auf den eigenen Blick und Fokus an. In einem unserer ersten persönlichen Gespräche (auf der re:publica …. 22?) erwähnte ich die Situationistische Internationale, die Meisterschaft darin entwickelten, alltäglich Vertraute und durch das „Spektakel“ völlig vereinnahmte Orte zu Lernorten umzugestalten – durch Praktiken des Dérive oder Détournement (Schreck! Das hast du doch so nicht gesagt! Jetzt muss ich hier mittem im Text noch Ecoisa befragen!), die sich als ein bewusstes „Auf-die-Reise-gehen“ sehen und Situationen schaffen beschreiben lassen können. Situationen, um kreativ und kraftvoll Unterdrückung sichtbar zu machen und Veränderung einzuleiten … auch wenn es nur eine temporäre kreative Umdeutung ist.

    Da hast du mich ertappt. Da ergieße ich mich einfach mal kurz sehr populistisch zu meinen Vorbehalten gegenüber Pauschalreisenden, die sich überwiegend in abgeschotteten Ressorts oder auf Kreuzfahrtschiffen bewegen und möglicherweise sind tatsächlich 1-2 darunter, die sich rein zu antrophologischen Studien dort bewegen und somit also mit einem Bildungsauftrag unterwegs sind. Eventuell bin ich auch einfach nur ein bißchen neidisch auf diejenigen, die mal kurz dahin und dorthin reisen, während meine Reisen überwiegend mit meiner riesigen internationalen Kochbuch-Sammlung stattfinden. Da behindert manchmal mein Schubladen-Denken und meine Arroganz, meine Kreativität beflügeln sie gleichzeitig, zumindest in meinem Schreib-Prozess gehören spitze und übertriebene Seitenhiebe stilistisch für mich dazu. Beim Schreiben wurde mir übrigens auch sehr frühzeitig Kreativität diagnostiziert. Und während ich also vor meinem inneren Auge als Antrophologin mit Klemmbrett und Bleistift auf einem Kreuzschiff Feldbeobachtungen mache, schiebt sich die nächste Ressource ins Blickfeld.

    Kreativität

    Manchmal erschließen sich zwischen den Werkzeugen und Wissensinseln Verbindungen und es werden Verknüpfungen sichtbar, die dann wie ein klarer Weg vor einem liegen und sich verbinden, wie zwei ineinander fließende Flüße. Vielleicht ist das der Übergang zu der beschworenen Serendipity – übrigens ein Wort das ich zum ersten Mal von Johannes hörte. Jedenfalls je umfangreicher das zusammengesammelte, umso klarer das Gesamtbild. Und zum Weg passt die Bewegung im Raum.

    Bewegung

    Lernen beim Gehen im Wald, meinem dritten Raum. Bewegung als Zündstoff für neue Ideen und Verbindungen. Richtungswechsel und Perspektivenwechsel beim Gehen als Impuls die Denkrichtung zu verändern. Manche Ideen können nicht zu dir kommen und entstehen nur dann, wenn du dich auf sie zu bewegst. Und das darf jetzt auch gerne wieder auf die Meta-Ebene gehoben werden. Ich übergebe an Johannes.

    Das Recht auf Spazierengehen ist für mich tatsächlich eine mir persönlich wichtige Lernressource. Aus genau den Gründen, die Du bereits erwähnt hast. Weiterhin finde ich faszinierend, wie beim Durchgehen durch Orte Erinnerungsanker gesetzt werden. Ich erinnere mich auch Jahre später noch an bestimmte Podcast-Fragmente, die ich an einer bestimmten Hausecke, einem bestimmten Baum … irgendwann einmal hörte. An Telefonate, die ich spazierengehend führte. Emotionen, die ich durchlebte, Gedanken, die ich trug.

    Orte

    Deshalb bin ich auch überzeugt: Lernen braucht Orte. Ob der Raum wirklich „der dritte Pädagoge“ ist können wir an anderer Stelle diskutieren. Klar scheint mir: Orte prägen das Lernen. Sei es der Klassenraum mit Möblierung für den Frontalunterricht, der Kreativraum in hippen Startups oder die Street-smartness fördernde „Straße“ in ihrer schillernden Ausprägungsvielfalt.

    Haben wir einen Ort irgendwann fertig entdeckt … so detailliert erkundet, dass es nichts neues mehr zu entdecken, keine neue Perspektive mehr einzunehmen, keine Umgestaltung mehr vorzunehmen gibt? Ich vermute nicht. Eine meiner intensivsten Lernerfahrungen der letzten Jahre fand in einem fast völlig leeren Theater-Probenraum statt, der von uns beliebig und immer wieder neu mit Bedeutungen befüllt werden konnte. Fast nichts war ‚vorgebaut‘, alles war möglich auf dieser leeren, aber für uns gegen außen geschützten Bühne.

    Werkzeugkasten

    Ich weiß von mir, dass mein Interesse versiegt, wenn ich etwas „ergründet“ habe. Wenn ich den Kern erfasst habe, also ca. 20-60%. Dann zieht es mich weiter zur nächsten Wissensinsel. Das zu verstehen, und das ich irgendwann mal den Begriff „Scanner“ Persönlichkeit geschenkt bekommen habe, ist ein weiterer Baustein meiner Lernressource. Heute erlaube ich mir weiterzuziehen. Früher habe ich an meinem Durchhalten gezweifelt. Das ich an nichts dranbleiben kann. Heute habe ich meinen Werkzeugkasten, der ist zwar umfangreich, bei manchen Werkzeugen weiß ich noch nicht ganz genau wie sie funktionieren, aber ich weiß wo ich es finde und um es anzuwenden, darf ich mich nochmal damit beschäftigen.

    Was ich gerade nicht beantworten kann, ist die Frage wie ich auf diese Ressourcen zugreife. Hier muss ich leider gestehen, dass ich bei bestimmten Themen in eine Art „Flow“ komme. Dann ist es ein Selbstläufer und was ich erarbeiten will, was ich mir neu erschließen möchte, entsteht fast von alleine.

    Oftmals in tagelangen (und leider auch nächtelangen) Denkprozessen entstehen meine Texte und Ideen. Ich bin die Texterin und Konzeptionerin der Dunkelheit. Wenn alle anderen schlafen bilden sich in meinem Kopf Worte, Sätze, Blogbeiträge, Headlines, entstehen Workshop-Landschaften und – Lernformate.

    Mir scheint, Du hast einen für dich gut funktionierenden Zugang zu Deinen Ressourcen gefunden? In manchem, was ich lese, finde ich mich selbst wieder (das Umherhüpfen zwischen Themen und die Qual bei der Vorstellung, mich mehrere Jahre intensiv und fokussiert mit genau einer Fragestellung beschäftigen zu sollen). Früher, als Student, habe ich selbst in der Nacht geschrieben. Das funktioniert seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr, weil sich meine Tagesroutinen und die (externen) Anforderungen an meinen Tag-Nacht-Rhythmus geändert haben.

    Ja, das stimmt. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich weiß, dass ich auch 5 vor 12 noch eine Idee, einen Geistesblitz haben werde, der funktioniert. Hätte nur gerne weniger Spontanität drin und ein System, dass ich mit anderen teilen kann. Schreiben tu ich nicht in der Nacht. Nur wenn mir ein wirklich geniale Idee einfällt für einen Kunden. Dann stehe ich auf, schreib die Idee auf ein Board und buche die Anzahl Stunden auf das Kundenkonto, die dem Wert der Idee entsprechen und das fühlt sich gut an.

    … was verdeutlicht, wie relativ und flexibel Zeit gehandhabt werden könnte, als Arbeits- und als Lernressource. Wird es im Corporate Learning selten, wenn mit „Lernzeitbudgets“ etc. hantiert wird.

    Zeit

    Denn was Lernen neben sozialen Resonanzräumen und Gesundheit (dazu weiter unten mehr) besonders benötigt, ist Zeit. Ist Lern-Zeit die Grund-Ressource, ohne die alle anderen Ressourcen nichts sind? Gleichzeitig ist Lern-Zeit konstant rar. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass kaum Zeit für bewusst selbst-organisiertes und -gestaltetes Lernen bleibt. Lernzeit ist notorisch fremdbestimmt (in der Regelschule, der Ausbildung oder Bologna-geprägten Universität, in verordneten Seminaren, Weiterbildungen oder Umschulungen). Andere bestimmen für uns, WANN wir Lernen sollen, dürfen oder angeblich sogar müssen – egal, ob uns die Zeit dafür gerade passend erscheint und wir Lernlust spüren. Lernzeit ist die Zeit im Seminar. Lernzeit ist geblockt im Kalender. Lernzeit wird eben nicht als die Zeit gesehen, in der Du in der Nacht aufstehst und eine Idee notierst … oder wachliegst und Gedanken wälzt. Und Lernzeit wäre … zumindest für mich … auch sehr oft die Zeit, die gerade nicht verfügbar ist, weil dies und das und jenes erledigt werden muss.

    Ich stelle für mich selbst fest, dass meine Lernlust regelrecht aufblüht, wenn ich längere Zeit am Stück für mich habe. Auch deshalb nehme ich mir jeden Sommer den Luxus der ganzen großen Ferien. Damit habe ich nicht nur die gesamten sechs Wochen mit meiner Familie, sondern spüre auch, wie meine Lernressourcen wieder wachsen. Ich entdecke im Alltag verschüttete Interessen, spüre meine Selbstwirksamkeit und nehme mir unendlich viele Lernprojekte vor … die dann erwartungsgemäß im Herbst zwar meist wieder einschlafen, aber allein die Erkenntnis, dass sie in mir als Lernressource schlummern und durch mehr verfügbare Zeit spürbar werden, ist sehr beruhigend.

    Allerdings kann diese Sehnsucht nach Lernzeit auch ausgenutzt werden. Wie oft nehme ich war, dass das Versprechen von Lernzeit in Unternehmen missbraucht wird – als Pflaster über disfunktionaler Planung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überlast. Lernzeit wird dann zur zermürbenden Möhre-vor-der-Nase, die nie erreicht wird, aber immer ergriffen werden könnte, wenn denn die Arbeitsdisziplin stimme. Und selbst wenn sie im Kalender steht, gnädig gewährt, steht da doch immer noch die nicht erledigte Tätigkeit in Konkurrenz, die noch schnell fertig gestellt wird, unter dem Schutzmantel des ‚Nicht stören, hier wird gelernt’.

    Wenn der Tag zu viel Inhalt hat, aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und einem kleinen Rest Selbstfürsorge – oder nennen wir es kleine Pause, da ist Lernen nicht machbar. Ich erinnere mich an Zeiten, als diese Kombination es lediglich ermöglichte seufzend und traurig die Decke anzustarren. Dies ist die Realität von vielen, vermute ich. Und in der Lebensphase in der Johannes steckt, ist es wirklich schwierig ungeplante spontane Lernzeiten unterzubringen. Möchte jetzt gerne schreiben, dass das besser wird. Aber leider, leider, erst mal Nein. Deswegen finde ich es sehr inspirierend was Johannes dazu schreibt. Sich gezielt die Lernzeiten-Fenster zu schaffen und zwar nicht als „festes Fenster“ sonder so, dass Selbstwirksamkeit erfolgen kann und die freigeschaufelte Zeit nicht zugeschüttet wird mit anderen Todos, die darauf warteten erledigt zu werden (Aufräumen, Einkaufen, Räder wechseln, …). Es ist jetzt 11:30 Uhr und ich werde jetzt eine Runde durch den Wald drehen, diesen Beitrag im Kopf haben und später wieder anschließen.

    „Wie schaffen wir unseren Mitarbeitenden Lern-Zeit?“ ist die Frage, die mir (neben der zur ominösen „Lern-Kultur“, auf die ich noch eingehen werde) in Beratungssituationen am häufigsten gestellt wird.

    Die Zeitfrage ist in Betracht auf die „Teppich-Etage“ noch relativ einfach finde ich. Schwierig wird es bei den Beschäftigen auf dem „Hallenboden“ oder die mobil unterwegs sind. Hier müssten Einschnitte gemacht werden in die „Produktivitätszeit“, was bei heutigen Auslastungen und Effektivitäts-Steigerungen schwer zu handhaben und zu vertreten ist. Am Ende ist es doch auch hauptsächlich Vertrauen, auf das gebaut werden muss. „Ich stelle Lebenszeit und Arbeitskraft zur Verfügung und werde diese optimal für dich liebes Unternehmen zum Einsatz bringen“ steht da im krassen Konflikt zu „ … und am Ende wird beim Homeoffice womöglich auch noch nebenher Wäsche gewaschen!?!“.

    Ja, wir betreten hier ein neues Konfliktfeld, in dem das oft postulierte Mantra „Lernzeit = Arbeitszeit“ wie ein fernes Echo aus dem Elfenbeinturm wirkt. Natürlich bemüßigen sich alle, auch die Arbeit auf dem „Hallenboden“ lern-reich zu gestalten. Als Lippenbekenntnis. Die Realität sieht oft anders aus, und „Lernzeit“ wird in Pausenzeiten oder die Freizeit versteckt (natürlich nicht offiziell). Wie erkämpfen wir uns Lern-Zeit?

    Gesundheit(en)

    Neben der zur Verfügung stehenden Zeit und dem sozialen Netzwerk ist Gesundheit (oder sind „Gesundheiten“ … ich möchte mich, ähnlich wie mit „Zukünften“, auch mehr mit der bewussten Verwendung des Begriffs Gesundheit im Plural auseinandersetzen, um die problematische Binarität Krank – Gesund zu hinterfragen) die dritte ganz zentrale Lernressource – und diejenige, die in den meisten Lernkontexten krass ignoriert wird. Die körperliche und seelische Verfassung, die wir in Lernprozesse einbringen, ist darauf so prägend wie fast nichts anderes.

    Das sind Barrieren, die uns den Zugang zu Lernsettings verwehren. Das ist unsere menschliche Neurodiversität, die ignoriert wird. Das ist das unterschiedliche Maß an Kräften, die wir insgesamt einbringen und auf unsere unterschiedlichen Anforderungen im Alltag verteilen können.

    All das wird in vielen konventionellen Lernsettings oft ignoriert oder als Nice-to-have betrachtet, dabei sollten alle Betrachtungen hier starten.

    Gesundheit ist aber ein wesentlicher Bestandteil. Wer im Burnout steckt, Depressionen hat, oder in einem Suchtverhalten steckt, kann nicht lernen. Jedenfalls nicht gut.

    Ich denke, doch, auch aus solchen Situationen erwächst Lernen. Nur ein gänzlich anderes, das eine eigene Betrachtung verdient – denn mir liegt es fern, Lernen aus Leid irgendwie faschistoid zu glorifizieren.

    Finanzielles

    Am Ende sind wir also bei den Elefanten angelangt. Zeit, Gesundheit … und das liebe Geld. Dass Lernen durch finanzielle Ausstattung gefördert oder durch Einsparung stark erschwert werden kann, scheint intuitiv einleuchtend. An dem Punkt waren wir schon zu Beginn, im Abschnitt „Inhalte / Materielles“. Im Corporate Learning taugt das, was etwas kostet und sich in einem definierten Zeitraum messen und bewerten lässt … die Return-on-Investment-Logik. Ebenso bekannt, dass wir lebenslang unterschiedlich finanziell begütert mit entsprechend unterschiedlichen Zugängen zu anderen Lern-Ressourcen (Zeit, Gesundheiten, Inhalte etc etc ….) durch die Welt laufen.

    Wir sollten uns stark dafür machen, Lernen gebührend finanziell auszustatten. In der Schule, in außerschulischen Realitäten von Kindern und Jugendlichen, während des Aufwachsens, am Arbeitsplatz und außerhalb der Erwerbsarbeit, im sozialen Miteinander, im politischen Gefüge und in Situationen, in denen wir ganz besonders auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Ja, es mag abgegriffen sein und aufgrund seiner Verwurzelung in einer neoliberalen Verwertungslogik auch angreifbar, gehört im Rahmen dieser Logik aber immer wieder betont: Investitionen in Bildung rechnen sich!

    Ich mag hier gerne noch die Brille der Soloselbständigen reinbringen. Was für außenstehende leicht aussieht, wenn ich im Erstgespräch gute Ideen einbringe und relativ schnell ein Grobkonzept erstelle, ist das Ergebnis vorab geleisteter Lerneinheiten, die mir in Gänze niemals gezahlt werden können. Deswegen erlaube ich mir, diese bei Beauftragung anteilig in Rechnung zu stellen. Nach eigenem ermessen, aber so dass meine Vorableistung unabhängig vom Auftrag honoriert wird.

    Feminismus

    Feministischer Blick auf die Ressource, als Auszug unserer Feministischen Lernpolitik? Was braucht es um Lernen gut zu gestalten aus der Blickrichtung Feminismus?

    Hinweis in eigener Sache. Das endet jetzt hier sehr plötzlich.

    Ach ne, das war ein fulminanter Start, der noch lange nicht zuende ist, sondern doch nur als Auftakt für unsere Session geplant ist, Gabriele. In unserer Session öffnen wir den Lernraum mit allen Teilgebenden. Vielleicht schreiben ja einige davon auch im Nachgang noch weiter, so wie wir? 🙂

    Eigentlich sollte ich hier einen Abbinder schreiben, der sich mit der Ressource Feminismus beschäftigt und unser Thema Lernressourcen abrundet. Ich mag aber viel lieber erzählen, wie wir zwischendurch auf Literatur gekommen sind und ich fand, dass unser Austausch mich an Stephanie Sargnagels Buch „Iowa“ erinnert mit den Fußnoten von Christiane Rösinger. Johannes lacht und sagt „das Buch war super witzig!“. Fand ich auch. Und vielleicht ist es doch ein bißchen die feministische Klammer, die unseren Austausch wieder schließt. Beim Erstellen dieser letzten Zeilen kam mir noch in den Kopf: Lernressource Humor? Scherz beiseite. Humor ist zumindest ein verbindendes Element und macht gemeinsames Lernen zu einem Erlebnis. Jedenfalls zwischen mir und Johannes, wie wir es hier beim gemeinsamen Schreiben und Denken erlebt haben.

    #CLC23 #CLCamp26 #eine
  15. Vielen Dank, an alle, die gestern im @publix zu dem Mastodon-Vortrag mit Workshop-Charakter von @zoraxzora und mir gekommen sind. Mindestens 10 Personen haben sich neu angemeldet und zugleich vernetzt. Hier sind unsere Slides: johannesfilter.com/talks/2025_ #publix #48hnk

  16. Johannes Weber hat mit mir in seinem Podcast über DNS allgemein und DNS-over-HTTPS im Speziellen gesprochen. Das Ergebnis hört ihr hier securityasapodcast.de/podcast/

    #podcast #DNS #DoH #dnsoverhttps