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#psychoanalyse — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #psychoanalyse, aggregated by home.social.

  1. Massenpsychologie?

    Massenpsychologie gibt es auch ohne Faschismus, und unsere Unterhaltungsindustrie gehört dazu, in ihrem Starrummel und der verwirrenden und zerlegenden Vielfalt …

    Wilhelm Reich war einer der frühen Musterschüler von Sigmund Freud in der Psychoanalyse, die allesamt wegen eigener Theorien abserviert wurden, er vor allem wegen seiner marxistischen Grundlagen und politischen Vorstellungen, den Faschismus psychologisch zu verstehen und aus der autoritären Sexualerziehung zu verstehen,

    seine tragische Geschichte in den USA von der zweiten Bücherverbrennung dort und seinem Ende im Gefängnis, nach wohl verhängnisvollen Zusammenarbeiten mit den Atombehörden, die für die Auslöschung seiner öffentlichen Geschichte sorgten …

    Der Ur-Faschismus

    ist immer noch um uns, manchmal sehr unscheinbar gewandet. Es wäre für uns so viel leichter, träte jemand vor und verkündete: „Ich will ein zweites Auschwitz, ich will, daß die Braunhemden wieder durch unsere Städte marschieren.“ Das Leben ist nicht so einfach.

    Der Ur-Faschismus kann in der unschuldigsten Verkleidung wieder auftreten. Wir haben die Pflicht, ihn zu entlarven und jedes seiner neueren Beispiele kenntlich zu machen.“pressenza.com/de/2017/10/14-merkmale-des-ur-faschismus-nach-umberto-eco

    Die Psychoanalyse hat sich weiter entwickelt

    und zusammen mit den neueren Psychotherapien wie Gestalt auch neue Entwicklungen und Erkenntnisse veröffentlicht, doch fehlt ihre Stimme in der Öffentlichkeit:

    Kritische Psychologie entstand, vereinfacht gesagt, aus der Frage, was ist ein gesunder Mensch, als die Ansammlungen von psychischen Befindlichkeiten, Begriffen und Krankheitszuschreibungen mit all ihren statistischen Wahrscheinlichkeiten all zu schwammig wurden … und was ist das Menschenbild außerhalb der Statistik?

    Die Kritische Theorie wird in Täuschland in unserer nationalen Verkürzung oft auch als Frankfurter Schule aus den 1920er Jahren bezeichnet, mit Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal und Erich Fromm, emigrierte in die USA und wurde von den etablierten ärztlichen Kreisen in Deutschland weitgehend ignoriert.

    Die internationalen Bewegungen beziehen sich mehr auf den Begriff aus der Reflexion von Marxismus und Psychoanalyse, wie er sich auch in der Pädagogik und anderen Therapieformen weiter entwickelte.

    https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/kritische-theorie/8347

    Seit den Veröffentlichungen der Mitscherlichs und Horst Eberhard Richter fehlt eine breiter verständliche gesellschaftliche Analyse der gegenwärtigen Entwicklungen zwischen der Macht des großen Geldes, das von Jachten aus handelt und regiert, unsere Systeme abkassiert und Ängste verbreitet:

    „Wir glauben, was wir mögen“

    und was wir nicht mögen, versuchen wir, auszublenden.

    Prof. Dr. Stephanie Heinecke, Professorin für Kommunikationswissenschaft am 4.5.26 im Presseclub München zum Tag der Pressefreiheit 2026: Was ist wahr?

    In der Vielfalt der Möglichkeiten wählen wir, was uns gefällt, so hat uns der Konsumismus erzogen.

    Verdrängung als kollektives Verhalten beschrieben die beiden Mitscherlichs in den 1960ern und stießen in der dt. Öffentlichkeit als „Exilanten“, wie viele andere Rückkehrende auf mächtige Widerstände

    Die „Unfähigkeit zu trauern“ der beiden PsychoanalytikerInnen Mitscherlich ist zu einem deutschen Charakter des unbewältigten Postfaschismus der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik – und im verzerrten / verzogenen Spiegel natürlich auch der DDR – geworden, dort mit der aktuellen Besatzungs-Erfahrung auf dem alten Trauma durch den Kapitalismus.

    Psychoanalyse-Klassiker mit bestürzender Aktualität nach 87 Jahren wieder veröffentlicht

    „Psychoanalytiker wie Stalinisten fanden 1933, gleichermaßen verblendet, auf Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus keine andere Antwort, als diesen Autor zu ächten. Acht Jahrzehnte später taucht nun der lang verdrängte ’nationalsozialistische Untergrund‘ vor unseren Augen gespenstisch wieder auf. Da wird Reichs legendärer Originaltext von 1933 wieder gebraucht.“ Helmut Dahmer

    Am 13. Januar 2020 ist im Psychosozial-Verlag Gießen die ursprüngliche Version von Wilhelm Reichs sozialwissenschaftlichem Hauptwerk erschienen – redigiert und mit einem umfangreichen Anhang versehen.

    Reichs Buch ist zugleich ein Zeitzeugenbericht:

    Ein marxistischer Psychoanalytiker jüdischer Herkunft erlebt, kommentiert und analysiert das Ende der Weimarer Republik und den Siegeszug des Nationalsozialismus. Darüber hinaus deckte Reich psychosoziale Grundzüge des internationalen Faschismus auf, die bis heute nichts an Brisanz verloren haben.

    Informationen zum Buch: https://www.psychosozial-verlag.de/2940

    „Bei der Rassentheorie komme es »nicht auf ihren rationalen Gehalt an«. Man könne »keinen Faschisten, der von der überragenden Wertigkeit seines Germanentums narzisstisch überzeugt ist, mit Argumenten beikommen«.

    Dies schrieb der psychoanalytisches und marxistisches Denken verbindende Psychoanalytiker Wilhelm Reich im Sommer 1933. Seine unter den Bedingungen der existenziellen Bedrohung entstandene Studie überschrieb der Aktivist mit Massenpsychologie des Faschismus. Nun ist das Werk erstmals wieder in der Originalausgabe erschienen.“ https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/einer-gegen-alle-3

    »Die deutsche Arbeiterklasse hat eine schwere Niederlage erlitten. Der Faschismus hat gesiegt und baut seine Positionen mit allen verfügbaren Mitteln, in erster Reihe durch kriegerische Umbildung der Jugend, stündlich aus.«

    Der Nationalsozialismus sei »unser Todfeind, aber wir können ihn nur schlagen, wenn wir seine Stärken richtig einschätzen und dies auch mutig aussprechen«, schreibt Reich.

    In den 1960er Jahren gab es das Buch nur als „Raubdruck“ …

    Unter der Überschrift „Anatomie des Wahns“ ist hier eine kurze Einführung gewesen …

    Auf youtube sind große Auszüge anzuhören, wenn du die Geduld hast: https://www.youtube.com/watch?v=arim0U94oTA

    Bei der Rosa Luxemburg-Stiftung im Gespräch: https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2547

    Was die Massen zum Faschismus treibt: jacobin.de/artikel/wilhelm-reich-massenpsychologie-faschismus

    Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus (1933)

    ist eine tiefgründige Untersuchung der psychosozialen Hintergründe des deutschen und internationalen Faschismus. Zugleich ist es ein Zeitzeugenbericht: Ein marxistischer Psychoanalytiker jüdischer Herkunft erlebt, kommentiert und analysiert das Ende der Weimarer Republik und den Siegeszug des Nationalsozialismus. Die hier dargestellte Sichtweise ist so nur noch in Reichs eigener späterer Version der Massenpsychologie (1946) nachzulesen – allerdings deutlich verändert, teils weniger klar formuliert, auf jeden Fall: weniger psychoanalytisch.

    Reichs Originaltext von 1933 erscheint hier ergänzt um das Nachwort der zweiten Auflage von 1934 sowie versehen mit einem Glossar und einer biografisch-zeitgeschichtlichen Einordnung von Andreas Peglau.

    Bestellen Sie direkt beim Verlag –
    am besten und für Sie versandkostenfrei über unseren Onlineshop auf www.psychosozial-verlag.de.
    Bestellungen sind auch möglich per:
    ❚ E-Mail: [email protected]
    ❚ Telefon: +49-641-969978-18 – ❚ Fax: +49-641-969978-19
    ❚ Post: Psychosozial-Verlag, Walltorstr. 10, 35390 Gießen

    Im Kontext heutiger Bücher

    neben der Flut der Forschungen und Schriften der Kritische Psychologie

    Ein lüderliches Leben Portrait eines Unangepassten hg. Sigrid Standow Ernest Borneman

    Anfänge von David Graeber und David Wengrow

    #Faschismus #Sexualpädagogik #Psychoanalyse
  2. Massenpsychologie?

    Massenpsychologie gibt es auch ohne Faschismus, und unsere Unterhaltungsindustrie gehört dazu, in ihrem Starrummel und der verwirrenden und zerlegenden Vielfalt …

    Wilhelm Reich war einer der frühen Musterschüler von Sigmund Freud in der Psychoanalyse, die allesamt wegen eigener Theorien abserviert wurden, er vor allem wegen seiner marxistischen Grundlagen und politischen Vorstellungen, den Faschismus psychologisch zu verstehen und aus der autoritären Sexualerziehung zu verstehen,

    seine tragische Geschichte in den USA von der zweiten Bücherverbrennung dort und seinem Ende im Gefängnis, nach wohl verhängnisvollen Zusammenarbeiten mit den Atombehörden, die für die Auslöschung seiner öffentlichen Geschichte sorgten …

    Der Ur-Faschismus

    ist immer noch um uns, manchmal sehr unscheinbar gewandet. Es wäre für uns so viel leichter, träte jemand vor und verkündete: „Ich will ein zweites Auschwitz, ich will, daß die Braunhemden wieder durch unsere Städte marschieren.“ Das Leben ist nicht so einfach.

    Der Ur-Faschismus kann in der unschuldigsten Verkleidung wieder auftreten. Wir haben die Pflicht, ihn zu entlarven und jedes seiner neueren Beispiele kenntlich zu machen.“pressenza.com/de/2017/10/14-merkmale-des-ur-faschismus-nach-umberto-eco

    Die Psychoanalyse hat sich weiter entwickelt

    und zusammen mit den neueren Psychotherapien wie Gestalt auch neue Entwicklungen und Erkenntnisse veröffentlicht, doch fehlt ihre Stimme in der Öffentlichkeit:

    Kritische Psychologie entstand, vereinfacht gesagt, aus der Frage, was ist ein gesunder Mensch, als die Ansammlungen von psychischen Befindlichkeiten, Begriffen und Krankheitszuschreibungen mit all ihren statistischen Wahrscheinlichkeiten all zu schwammig wurden … und was ist das Menschenbild außerhalb der Statistik?

    Die Kritische Theorie wird in Täuschland in unserer nationalen Verkürzung oft auch als Frankfurter Schule aus den 1920er Jahren bezeichnet, mit Max Horkheimer, Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Leo Löwenthal und Erich Fromm, emigrierte in die USA und wurde von den etablierten ärztlichen Kreisen in Deutschland weitgehend ignoriert.

    Die internationalen Bewegungen beziehen sich mehr auf den Begriff aus der Reflexion von Marxismus und Psychoanalyse, wie er sich auch in der Pädagogik und anderen Therapieformen weiter entwickelte.

    https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/kritische-theorie/8347

    Seit den Veröffentlichungen der Mitscherlichs und Horst Eberhard Richter fehlt eine breiter verständliche gesellschaftliche Analyse der gegenwärtigen Entwicklungen zwischen der Macht des großen Geldes, das von Jachten aus handelt und regiert, unsere Systeme abkassiert und Ängste verbreitet:

    „Wir glauben, was wir mögen“

    und was wir nicht mögen, versuchen wir, auszublenden.

    Prof. Dr. Stephanie Heinecke, Professorin für Kommunikationswissenschaft am 4.5.26 im Presseclub München zum Tag der Pressefreiheit 2026: Was ist wahr?

    In der Vielfalt der Möglichkeiten wählen wir, was uns gefällt, so hat uns der Konsumismus erzogen.

    Verdrängung als kollektives Verhalten beschrieben die beiden Mitscherlichs in den 1960ern und stießen in der dt. Öffentlichkeit als „Exilanten“, wie viele andere Rückkehrende auf mächtige Widerstände

    Die „Unfähigkeit zu trauern“ der beiden PsychoanalytikerInnen Mitscherlich ist zu einem deutschen Charakter des unbewältigten Postfaschismus der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik – und im verzerrten / verzogenen Spiegel natürlich auch der DDR – geworden, dort mit der aktuellen Besatzungs-Erfahrung auf dem alten Trauma durch den Kapitalismus.

    Psychoanalyse-Klassiker mit bestürzender Aktualität nach 87 Jahren wieder veröffentlicht

    „Psychoanalytiker wie Stalinisten fanden 1933, gleichermaßen verblendet, auf Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus keine andere Antwort, als diesen Autor zu ächten. Acht Jahrzehnte später taucht nun der lang verdrängte ’nationalsozialistische Untergrund‘ vor unseren Augen gespenstisch wieder auf. Da wird Reichs legendärer Originaltext von 1933 wieder gebraucht.“ Helmut Dahmer

    Am 13. Januar 2020 ist im Psychosozial-Verlag Gießen die ursprüngliche Version von Wilhelm Reichs sozialwissenschaftlichem Hauptwerk erschienen – redigiert und mit einem umfangreichen Anhang versehen.

    Reichs Buch ist zugleich ein Zeitzeugenbericht:

    Ein marxistischer Psychoanalytiker jüdischer Herkunft erlebt, kommentiert und analysiert das Ende der Weimarer Republik und den Siegeszug des Nationalsozialismus. Darüber hinaus deckte Reich psychosoziale Grundzüge des internationalen Faschismus auf, die bis heute nichts an Brisanz verloren haben.

    Informationen zum Buch: https://www.psychosozial-verlag.de/2940

    „Bei der Rassentheorie komme es »nicht auf ihren rationalen Gehalt an«. Man könne »keinen Faschisten, der von der überragenden Wertigkeit seines Germanentums narzisstisch überzeugt ist, mit Argumenten beikommen«.

    Dies schrieb der psychoanalytisches und marxistisches Denken verbindende Psychoanalytiker Wilhelm Reich im Sommer 1933. Seine unter den Bedingungen der existenziellen Bedrohung entstandene Studie überschrieb der Aktivist mit Massenpsychologie des Faschismus. Nun ist das Werk erstmals wieder in der Originalausgabe erschienen.“ https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/einer-gegen-alle-3

    »Die deutsche Arbeiterklasse hat eine schwere Niederlage erlitten. Der Faschismus hat gesiegt und baut seine Positionen mit allen verfügbaren Mitteln, in erster Reihe durch kriegerische Umbildung der Jugend, stündlich aus.«

    Der Nationalsozialismus sei »unser Todfeind, aber wir können ihn nur schlagen, wenn wir seine Stärken richtig einschätzen und dies auch mutig aussprechen«, schreibt Reich.

    In den 1960er Jahren gab es das Buch nur als „Raubdruck“ …

    Unter der Überschrift „Anatomie des Wahns“ ist hier eine kurze Einführung gewesen …

    Auf youtube sind große Auszüge anzuhören, wenn du die Geduld hast: https://www.youtube.com/watch?v=arim0U94oTA

    Bei der Rosa Luxemburg-Stiftung im Gespräch: https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2547

    Was die Massen zum Faschismus treibt: jacobin.de/artikel/wilhelm-reich-massenpsychologie-faschismus

    Wilhelm Reichs Massenpsychologie des Faschismus (1933)

    ist eine tiefgründige Untersuchung der psychosozialen Hintergründe des deutschen und internationalen Faschismus. Zugleich ist es ein Zeitzeugenbericht: Ein marxistischer Psychoanalytiker jüdischer Herkunft erlebt, kommentiert und analysiert das Ende der Weimarer Republik und den Siegeszug des Nationalsozialismus. Die hier dargestellte Sichtweise ist so nur noch in Reichs eigener späterer Version der Massenpsychologie (1946) nachzulesen – allerdings deutlich verändert, teils weniger klar formuliert, auf jeden Fall: weniger psychoanalytisch.

    Reichs Originaltext von 1933 erscheint hier ergänzt um das Nachwort der zweiten Auflage von 1934 sowie versehen mit einem Glossar und einer biografisch-zeitgeschichtlichen Einordnung von Andreas Peglau.

    Bestellen Sie direkt beim Verlag –
    am besten und für Sie versandkostenfrei über unseren Onlineshop auf www.psychosozial-verlag.de.
    Bestellungen sind auch möglich per:
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    ❚ Telefon: +49-641-969978-18 – ❚ Fax: +49-641-969978-19
    ❚ Post: Psychosozial-Verlag, Walltorstr. 10, 35390 Gießen

    Im Kontext heutiger Bücher

    neben der Flut der Forschungen und Schriften der Kritische Psychologie

    Ein lüderliches Leben Portrait eines Unangepassten hg. Sigrid Standow Ernest Borneman

    Anfänge von David Graeber und David Wengrow

    #Faschismus #Sexualpädagogik #Psychoanalyse
  3. #CfP für die "'Große Tagung' des Freiburger Arbeitskreises #Literatur und #Psychoanalyse", die am 22. und 23. Januar 2027 in Freiburg zum Thema "Apokalypse - Zeitenende oder Zeitenwende?" stattfinden wird.

    🗓️Deadline für Abstracts: 31. März 2026

    📌Further information:
    avldigital.de/de/vernetzen/fac #avldigitalnews @litstudies @germanistik @italianstudies #LiteraturePsychoanalysis

  4. #CfP für die "'Große Tagung' des Freiburger Arbeitskreises #Literatur und #Psychoanalyse", die am 22. und 23. Januar 2027 in Freiburg zum Thema "Apokalypse - Zeitenende oder Zeitenwende?" stattfinden wird.

    🗓️Deadline für Abstracts: 31. März 2026

    📌Further information:
    avldigital.de/de/vernetzen/fac #avldigitalnews @litstudies @germanistik @italianstudies #LiteraturePsychoanalysis

  5. #CfP für die "'Große Tagung' des Freiburger Arbeitskreises #Literatur und #Psychoanalyse", die am 22. und 23. Januar 2027 in Freiburg zum Thema "Apokalypse - Zeitenende oder Zeitenwende?" stattfinden wird.

    🗓️Deadline für Abstracts: 31. März 2026

    📌Further information:
    avldigital.de/de/vernetzen/fac #avldigitalnews @litstudies @germanistik @italianstudies #LiteraturePsychoanalysis

  6. #CfP für die "'Große Tagung' des Freiburger Arbeitskreises #Literatur und #Psychoanalyse", die am 22. und 23. Januar 2027 in Freiburg zum Thema "Apokalypse - Zeitenende oder Zeitenwende?" stattfinden wird.

    🗓️Deadline für Abstracts: 31. März 2026

    📌Further information:
    avldigital.de/de/vernetzen/fac #avldigitalnews @litstudies @germanistik @italianstudies #LiteraturePsychoanalysis

  7. Erich #Fromm erläutert im Gespräch mit Renate Schneider-Sittel sein Verständnis eines autoritären Charakters. Diesen bezeichnet er als den „sadistisch-masochistischen“ Charakter. #ErichFromm #Psychoanalyse

    #Psychoanalyse des #Faschismus. Über Faschismus und #autoritärenCharakter
    Sendereihe Doppelpunkt 1975. Produktion des Südwestfunks (SWR-SWF) Baden-Baden.
    youtu.be/crr7NAo4kdM?si=HGRd73

  8. Erich #Fromm erläutert im Gespräch mit Renate Schneider-Sittel sein Verständnis eines autoritären Charakters. Diesen bezeichnet er als den „sadistisch-masochistischen“ Charakter. #ErichFromm #Psychoanalyse

    #Psychoanalyse des #Faschismus. Über Faschismus und #autoritärenCharakter
    Sendereihe Doppelpunkt 1975. Produktion des Südwestfunks (SWR-SWF) Baden-Baden.
    youtu.be/crr7NAo4kdM?si=HGRd73

  9. Erich #Fromm erläutert im Gespräch mit Renate Schneider-Sittel sein Verständnis eines autoritären Charakters. Diesen bezeichnet er als den „sadistisch-masochistischen“ Charakter. #ErichFromm #Psychoanalyse

    #Psychoanalyse des #Faschismus. Über Faschismus und #autoritärenCharakter
    Sendereihe Doppelpunkt 1975. Produktion des Südwestfunks (SWR-SWF) Baden-Baden.
    youtu.be/crr7NAo4kdM?si=HGRd73

  10. Erich #Fromm erläutert im Gespräch mit Renate Schneider-Sittel sein Verständnis eines autoritären Charakters. Diesen bezeichnet er als den „sadistisch-masochistischen“ Charakter. #ErichFromm #Psychoanalyse

    #Psychoanalyse des #Faschismus. Über Faschismus und #autoritärenCharakter
    Sendereihe Doppelpunkt 1975. Produktion des Südwestfunks (SWR-SWF) Baden-Baden.
    youtu.be/crr7NAo4kdM?si=HGRd73

  11. Erich #Fromm erläutert im Gespräch mit Renate Schneider-Sittel sein Verständnis eines autoritären Charakters. Diesen bezeichnet er als den „sadistisch-masochistischen“ Charakter. #ErichFromm #Psychoanalyse

    #Psychoanalyse des #Faschismus. Über Faschismus und #autoritärenCharakter
    Sendereihe Doppelpunkt 1975. Produktion des Südwestfunks (SWR-SWF) Baden-Baden.
    youtu.be/crr7NAo4kdM?si=HGRd73

  12. Nu in de boekwinkel!
    Maya Schepers deed onderzoek naar Maria Moltzer.
    Maria Moltzer pionierde mee met psychoanalyticus C.G.Jung in de beginjaren van de analytische psychologie zonder daar later de credits voor te krijgen. Deze biografie brengt hier verandering in.
    Ik las met stijgende verbazing
    ... zie verder Alt.

    vrouwenbibliotheek.nl/2025/12/
    #mariamoltzer #mayaschepers #querido
    #bestebiografie2025 #psychoanalyse #jung
    #biografieportaal .nl

  13. Nu in de boekwinkel!
    Maya Schepers deed onderzoek naar Maria Moltzer.
    Maria Moltzer pionierde mee met psychoanalyticus C.G.Jung in de beginjaren van de analytische psychologie zonder daar later de credits voor te krijgen. Deze biografie brengt hier verandering in.
    Ik las met stijgende verbazing
    ... zie verder Alt.

    vrouwenbibliotheek.nl/2025/12/
    #mariamoltzer #mayaschepers #querido
    #bestebiografie2025 #psychoanalyse #jung
    #biografieportaal .nl

  14. Die Reihe *Geniale Frauen* von #arte ist einfach immer sensationell anzusehen. So wie diese Folge etwa über Sabina Spielrein, die heute vor 140 Jahren geboren wurde:

    arte.tv/de/videos/090626-022-A

    #tv #Fernsehen #Frauen #Psychoanalyse #Medizin #Patriarchat #GenialeFrauen #botd #hbd #Kultur #Doku #SabinaSpielrein

  15. Die Reihe *Geniale Frauen* von #arte ist einfach immer sensationell anzusehen. So wie diese Folge etwa über Sabina Spielrein, die heute vor 140 Jahren geboren wurde:

    arte.tv/de/videos/090626-022-A

    #tv #Fernsehen #Frauen #Psychoanalyse #Medizin #Patriarchat #GenialeFrauen #botd #hbd #Kultur #Doku #SabinaSpielrein

  16. Die Reihe *Geniale Frauen* von #arte ist einfach immer sensationell anzusehen. So wie diese Folge etwa über Sabina Spielrein, die heute vor 140 Jahren geboren wurde:

    arte.tv/de/videos/090626-022-A

    #tv #Fernsehen #Frauen #Psychoanalyse #Medizin #Patriarchat #GenialeFrauen #botd #hbd #Kultur #Doku #SabinaSpielrein

  17. Die Reihe *Geniale Frauen* von #arte ist einfach immer sensationell anzusehen. So wie diese Folge etwa über Sabina Spielrein, die heute vor 140 Jahren geboren wurde:

    arte.tv/de/videos/090626-022-A

    #tv #Fernsehen #Frauen #Psychoanalyse #Medizin #Patriarchat #GenialeFrauen #botd #hbd #Kultur #Doku #SabinaSpielrein

  18. Die Reihe *Geniale Frauen* von #arte ist einfach immer sensationell anzusehen. So wie diese Folge etwa über Sabina Spielrein, die heute vor 140 Jahren geboren wurde:

    arte.tv/de/videos/090626-022-A

    #tv #Fernsehen #Frauen #Psychoanalyse #Medizin #Patriarchat #GenialeFrauen #botd #hbd #Kultur #Doku #SabinaSpielrein

  19. Um das herauszufinden, haben wir Klaus Theweleit besucht und uns mit ihm über Rhizomatik, Wunsch- und Überlaufmaschinen, die Entstehung des Ichs und Schleswig-Holstein unterhalten. Ein Beitrag nicht nur zum Hören, sondern auch zum Miterleben.

    freie-radios.net/138262

    #WüsteWelle #WuesteWelle #Programmaustausch #Männerfantasien #Psychoanalyse

    🧵3/3

  20. Um das herauszufinden, haben wir Klaus Theweleit besucht und uns mit ihm über Rhizomatik, Wunsch- und Überlaufmaschinen, die Entstehung des Ichs und Schleswig-Holstein unterhalten. Ein Beitrag nicht nur zum Hören, sondern auch zum Miterleben.

    freie-radios.net/138262

    #WüsteWelle #WuesteWelle #Programmaustausch #Männerfantasien #Psychoanalyse

    🧵3/3

  21. Um das herauszufinden, haben wir Klaus Theweleit besucht und uns mit ihm über Rhizomatik, Wunsch- und Überlaufmaschinen, die Entstehung des Ichs und Schleswig-Holstein unterhalten. Ein Beitrag nicht nur zum Hören, sondern auch zum Miterleben.

    freie-radios.net/138262

    #WüsteWelle #WuesteWelle #Programmaustausch #Männerfantasien #Psychoanalyse

    🧵3/3

  22. Darin entwirft er auf Basis psychoanalytischer Ansätze eine Theorie des Faschismus. Einer seiner Bezugspunkte darin: Anti-Ödipus von Gilles Deleuze und Félix Guattari. Doch was hat es mit den dort beschriebenen Wunschmaschinen und dem Rhizom auf sich?

    freie-radios.net/138262

    #WüsteWelle #WuesteWelle #Programmaustausch #Männerfantasien #Psychoanalyse

    🧵2/3

  23. Darin entwirft er auf Basis psychoanalytischer Ansätze eine Theorie des Faschismus. Einer seiner Bezugspunkte darin: Anti-Ödipus von Gilles Deleuze und Félix Guattari. Doch was hat es mit den dort beschriebenen Wunschmaschinen und dem Rhizom auf sich?

    freie-radios.net/138262

    #WüsteWelle #WuesteWelle #Programmaustausch #Männerfantasien #Psychoanalyse

    🧵2/3

  24. Darin entwirft er auf Basis psychoanalytischer Ansätze eine Theorie des Faschismus. Einer seiner Bezugspunkte darin: Anti-Ödipus von Gilles Deleuze und Félix Guattari. Doch was hat es mit den dort beschriebenen Wunschmaschinen und dem Rhizom auf sich?

    freie-radios.net/138262

    #WüsteWelle #WuesteWelle #Programmaustausch #Männerfantasien #Psychoanalyse

    🧵2/3

  25. Heute um 14:00 Uhr auf UKW 96,6 MHz (Link zum Livestream im Profil)
    Austauschsendung von @radioblau (Leipzig): Das entfesselte Denken. Sendung mit Klaus Theweleit über Psychoanalyse, ,Männerphantasien’ und die Linke

    Klaus Theweleit ist einer der einflussreichsten und originellsten Kulturtheoretiker unserer Gegenwart, bekannt vor allem durch sein Werk ,Männerphantasien’.

    freie-radios.net/138262

    #WüsteWelle #WuesteWelle #Programmaustausch #Männerfantasien #Psychoanalyse

    🧵1/3

  26. Heute um 14:00 Uhr auf UKW 96,6 MHz (Link zum Livestream im Profil)
    Austauschsendung von @radioblau (Leipzig): Das entfesselte Denken. Sendung mit Klaus Theweleit über Psychoanalyse, ,Männerphantasien’ und die Linke

    Klaus Theweleit ist einer der einflussreichsten und originellsten Kulturtheoretiker unserer Gegenwart, bekannt vor allem durch sein Werk ,Männerphantasien’.

    freie-radios.net/138262

    #WüsteWelle #WuesteWelle #Programmaustausch #Männerfantasien #Psychoanalyse

    🧵1/3

  27. Heute um 14:00 Uhr auf UKW 96,6 MHz (Link zum Livestream im Profil)
    Austauschsendung von @radioblau (Leipzig): Das entfesselte Denken. Sendung mit Klaus Theweleit über Psychoanalyse, ,Männerphantasien’ und die Linke

    Klaus Theweleit ist einer der einflussreichsten und originellsten Kulturtheoretiker unserer Gegenwart, bekannt vor allem durch sein Werk ,Männerphantasien’.

    freie-radios.net/138262

    #WüsteWelle #WuesteWelle #Programmaustausch #Männerfantasien #Psychoanalyse

    🧵1/3

  28. Die Rolle der Trauma-Bindung in Beziehungen zwischen Menschen mit Borderline-Muster und narzisstischen Mustern

    "Was Trauma-Bonding ist, wie es entsteht – und wie der Ausstieg gelingen kann"

    lautfunk.uber.space/die-rolle-

  29. Die Rolle der Trauma-Bindung in Beziehungen zwischen Menschen mit Borderline-Muster und narzisstischen Mustern

    "Was Trauma-Bonding ist, wie es entsteht – und wie der Ausstieg gelingen kann"

    lautfunk.uber.space/die-rolle-

  30. Die Rolle der Trauma-Bindung in Beziehungen zwischen Menschen mit Borderline-Muster und narzisstischen Mustern

    "Was Trauma-Bonding ist, wie es entsteht – und wie der Ausstieg gelingen kann"

    lautfunk.uber.space/die-rolle-

  31. Die Rolle der Trauma-Bindung in Beziehungen zwischen Menschen mit Borderline-Muster und narzisstischen Mustern

    "Was Trauma-Bonding ist, wie es entsteht – und wie der Ausstieg gelingen kann"

    lautfunk.uber.space/die-rolle-

  32. Die Rolle der Trauma-Bindung in Beziehungen zwischen Menschen mit Borderline-Muster und narzisstischen Mustern

    "Was Trauma-Bonding ist, wie es entsteht – und wie der Ausstieg gelingen kann"

    lautfunk.uber.space/die-rolle-

  33. Verbietet das Handy in Altersheimen!

    Wieder, wie alle Jahre zuvor, war ich zu spät gekommen. Vielleicht, weil ich mir jedesmal unschlüssig war, ob ich überhaupt kommen wolle. Diesmal allerdings war ich mir sicher: „70 Jahre Abitur“, das war wohl die letzte Gelegenheit, noch einmal alle zu sehen.

    Alle? An der langen gedeckten Tafel, an der sich einst fünfundvierzig drängten, empfingen mich noch sieben. Trüben Blicks. Ob sie mir die Verspätung übel nahmen? Nein. So sichtlich waren sie erleichtert, dass wenigstens noch ein achter kam. Vielleicht deshalb hatten sie mir den rhetorisch interessantesten Platz am Tisch freigehalten: links der berühmte Psychoanalytiker – rechts ein Tiefbau-Ingenieur, berühmt auch er durch einen Staudamm, den er in Anatolien gebaut hat.

    Ich rückte meinen Stuhl unmissverständlich von dem Psychoanalytiker weg und zu dem Tiefbau-Ingenieur hin. Warum? Psychoanalyse halte ich für eine besonders tiefe Form von Tiefsinn. Es gibt aber einen Glauben, einen einzigen, den ich seit früher Jugend nicht verloren habe. Ich glaube, dass Tiefsinn das gleiche ist wie Unsinn. Nichts dagegen scheint mir gegen Tiefsinn so gefeit wie ein Staudamm in Anatolien.

    Zu meiner Überraschung schob der Tiefbau-Ingenieur das Thema Anatolien mit einer Handbewegung beiseite. Er habe noch einen zweiten Staudamm gebaut, und zwar in Brasilien. Der habe ihm nicht soviel Ruhm gebracht wie der Staudamm in Anatolien, aber dafür mehr Geld. Soviel Geld, dass er sich in den hellen Hügeln hinter Rio de Janeiro ein märchenhaftes Landhaus bauen konnte. Doch eben dieses Glück sei ihm zum Unglück geworden. Eines schönen Morgens, als er im Morgenrock glücklich draussen auf der Terrasse sass, kamen an die zwanzig schwarz vermummte Gestalten in seine Villa gestürmt. „Hau ab!“ schrien sie im Chor. „Der Herr hat uns dein Haus geschenkt.“ O Gott, eine protestantische Sekte! In einem nahen Franziskanerkloster habe er Zuflucht gefunden. Und auch Trost. Aber keine Hilfe.

    Mir war es in Brasilien nicht so schlimm ergangen. Auf der Ilha paradisiaca von Morro de Saô Paulo hatte ich es mit einem italienischen Yacht-Club zu tun bekommen. Ich floh in die nahe Grosstadt Salvador de Bahia. Dort gibt es auch einen wunderschön barocken Convento de San Francisco. Statt dessen wagte ich mich todesmutig in eine der berüchtigtsten Favelas von Salvador. Trost fand ich dort nicht, dafür Hilfe. Teure Hilfe allerdings bei einer kriminellen Bande, die bereit war, sich sogar eines italienischen Yacht-Clubs anzunehmen. Eine protestantische Sekte dürfte aber kein schlimmeres Problem sein als ein italienischer Yacht-Club, meine ich jedenfalls.

    Jetzt sah mir mein Jugendfreund, der Tiefbau-Ingenieur, ins Auge. Misstrauen sprach aus seinem tiefen Blick, ja Entsetzen. In seine Tasche griff er und zum Handy. Zur Künstlichen Intelligenz griff er. Im Nu lieferte sie ihm acht Bilder von mir sowie eine kurze Fassung meines verworrenen Lebensweges. Der neben ihm sass, war ich, sein Jugendfreund. Die Künstliche Intelligenz hatte es ihm bestätigt.

    Die psychoanalytische Diskussion links von mir hatte ich nicht verfolgt, auch nicht mit halbem Ohr. Jetzt aber blickte ich forschend hinüber: Alle hatten sie ihr Handy schon links an den Teller gelegt, säuberlich neben die Gabel. Und je tiefer der tiefenpsychologische Tiefsinn sich vertiefte, desto häufiger griffen sie, einer nach dem andern, zum Handy. Bis schliesslich die psychoanalytische Konversation ganz erstarb. Sei es, weil die Künstliche Intelligenz auch nicht mehr tiefer konnte, sei es, weil der Nachtisch serviert wurde. Und der war, wie in manchen Wirtshäusern, besser als das Hauptgericht.

    Missmutig schlang ich ihn hinunter. Zu sehr lag mir Jens Spahn auf dem Magen. Eben noch hat er ganz Deutschland verrückt gemacht mit der „wissenschaftlichen“ Erkenntnis, dass Tiktok bei Teenagern das noch wachsende Gehirn so irreparabel schädigen könne wie Heroin. Das Handy sei deshalb Minderjährigen zu verbieten wie Alkohol und Nikotin. Wie Heroin sowieso.

    Hier irrt Jens Spahn. Wie gern hätte ich als Zehnjähriger ein Handy gehabt. So gern gönne ich den Knaben heute ihr Handy. Unbeaufsichtigt, unbetreut verschafft es ihnen Zugang zu allen Welten des Wissbaren, Sagbaren, Machbaren. Jenen grenzenlosen Horizont verschafft es ihnen, nach dem alle Knaben aller Generationen sich zuvor nur gesehnt haben.

    Jetzt den Teenagern das Handy verbieten? In den achtziger Jahren geschah in Frankreich etwas Unerhörtes: die patriarchalische Struktur der französischen Familie brach zusammen. Wohlgemerkt hundert Jahre erst nach der Französischen Revolution. Woran lag das?

    Frankreichs beste Soziologen haben es herausgefunden: es war das Moped! Sobald das Moped erfunden war, wusste der französische Familienvater nicht mehr, wo sein Knabe abends herumkurvte. Mit einem letzten Kopfschütteln gab er den verwirkten Kontrollanspruch auf.

    Das Moped verbieten? Gallische Weisheit war es, das nicht zu tun. Es hätte wohl eine zweite Französische Revolution ausgelöst. So wie jetzt, ein halbes Jahrhundert später, bei uns ein Handy-Verbot für Teenager das auslösen könnte, was Lenin noch für unmöglich hielt: eine deutsche Revolution.

    Doch es ist wie immer bei Jens Spahn. Wenn er irrt, dann schrammt er ganz nahe an der Wahrheit vorbei. Tatsächlich ist ein Handy-Verbot dringend notwendig und vielleicht sogar machbar. Aber nicht für Knaben, sondern für Greise. Und nicht nur für Greise auf 70-Jahre-Abitur-Feiern, nicht nur für Bischofskonferenzen und nicht nur für Ostfront-Veteranen-Treffen. Ursula von der Leyen ist persönlich gefordert. Was wir brauchen, ist ein strenges Handy-Verbot für alle Altersheime der gesamten Europäischen Union.

    Gelingen wird das nur in enger Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Kommission in Brüssel und der Unesco in Paris. Die muss jetzt sofort Europas Altersheime als handyfreie Zonen zum Weltkulturerbe erklären. Damit in diesem barbarischen Zeitalter der Vielwisserei, der Besserwisserei, ja der gottverdammten elektronischen Alleswisserei wenigstens noch die Altersheime ein Schutzraum bleiben für das älteste Wissen europäischer Kultur:

    Ich weiss, dass ich nichts weiss.

    Scio me nescire.

    Οἶδα οὐκ εἰδώς.

    Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner überaus freundlichen Genehmigung.

    Über Hans Conrad Zander:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  34. Verbietet das Handy in Altersheimen!

    Wieder, wie alle Jahre zuvor, war ich zu spät gekommen. Vielleicht, weil ich mir jedesmal unschlüssig war, ob ich überhaupt kommen wolle. Diesmal allerdings war ich mir sicher: „70 Jahre Abitur“, das war wohl die letzte Gelegenheit, noch einmal alle zu sehen.

    Alle? An der langen gedeckten Tafel, an der sich einst fünfundvierzig drängten, empfingen mich noch sieben. Trüben Blicks. Ob sie mir die Verspätung übel nahmen? Nein. So sichtlich waren sie erleichtert, dass wenigstens noch ein achter kam. Vielleicht deshalb hatten sie mir den rhetorisch interessantesten Platz am Tisch freigehalten: links der berühmte Psychoanalytiker – rechts ein Tiefbau-Ingenieur, berühmt auch er durch einen Staudamm, den er in Anatolien gebaut hat.

    Ich rückte meinen Stuhl unmissverständlich von dem Psychoanalytiker weg und zu dem Tiefbau-Ingenieur hin. Warum? Psychoanalyse halte ich für eine besonders tiefe Form von Tiefsinn. Es gibt aber einen Glauben, einen einzigen, den ich seit früher Jugend nicht verloren habe. Ich glaube, dass Tiefsinn das gleiche ist wie Unsinn. Nichts dagegen scheint mir gegen Tiefsinn so gefeit wie ein Staudamm in Anatolien.

    Zu meiner Überraschung schob der Tiefbau-Ingenieur das Thema Anatolien mit einer Handbewegung beiseite. Er habe noch einen zweiten Staudamm gebaut, und zwar in Brasilien. Der habe ihm nicht soviel Ruhm gebracht wie der Staudamm in Anatolien, aber dafür mehr Geld. Soviel Geld, dass er sich in den hellen Hügeln hinter Rio de Janeiro ein märchenhaftes Landhaus bauen konnte. Doch eben dieses Glück sei ihm zum Unglück geworden. Eines schönen Morgens, als er im Morgenrock glücklich draussen auf der Terrasse sass, kamen an die zwanzig schwarz vermummte Gestalten in seine Villa gestürmt. „Hau ab!“ schrien sie im Chor. „Der Herr hat uns dein Haus geschenkt.“ O Gott, eine protestantische Sekte! In einem nahen Franziskanerkloster habe er Zuflucht gefunden. Und auch Trost. Aber keine Hilfe.

    Mir war es in Brasilien nicht so schlimm ergangen. Auf der Ilha paradisiaca von Morro de Saô Paulo hatte ich es mit einem italienischen Yacht-Club zu tun bekommen. Ich floh in die nahe Grosstadt Salvador de Bahia. Dort gibt es auch einen wunderschön barocken Convento de San Francisco. Statt dessen wagte ich mich todesmutig in eine der berüchtigtsten Favelas von Salvador. Trost fand ich dort nicht, dafür Hilfe. Teure Hilfe allerdings bei einer kriminellen Bande, die bereit war, sich sogar eines italienischen Yacht-Clubs anzunehmen. Eine protestantische Sekte dürfte aber kein schlimmeres Problem sein als ein italienischer Yacht-Club, meine ich jedenfalls.

    Jetzt sah mir mein Jugendfreund, der Tiefbau-Ingenieur, ins Auge. Misstrauen sprach aus seinem tiefen Blick, ja Entsetzen. In seine Tasche griff er und zum Handy. Zur Künstlichen Intelligenz griff er. Im Nu lieferte sie ihm acht Bilder von mir sowie eine kurze Fassung meines verworrenen Lebensweges. Der neben ihm sass, war ich, sein Jugendfreund. Die Künstliche Intelligenz hatte es ihm bestätigt.

    Die psychoanalytische Diskussion links von mir hatte ich nicht verfolgt, auch nicht mit halbem Ohr. Jetzt aber blickte ich forschend hinüber: Alle hatten sie ihr Handy schon links an den Teller gelegt, säuberlich neben die Gabel. Und je tiefer der tiefenpsychologische Tiefsinn sich vertiefte, desto häufiger griffen sie, einer nach dem andern, zum Handy. Bis schliesslich die psychoanalytische Konversation ganz erstarb. Sei es, weil die Künstliche Intelligenz auch nicht mehr tiefer konnte, sei es, weil der Nachtisch serviert wurde. Und der war, wie in manchen Wirtshäusern, besser als das Hauptgericht.

    Missmutig schlang ich ihn hinunter. Zu sehr lag mir Jens Spahn auf dem Magen. Eben noch hat er ganz Deutschland verrückt gemacht mit der „wissenschaftlichen“ Erkenntnis, dass Tiktok bei Teenagern das noch wachsende Gehirn so irreparabel schädigen könne wie Heroin. Das Handy sei deshalb Minderjährigen zu verbieten wie Alkohol und Nikotin. Wie Heroin sowieso.

    Hier irrt Jens Spahn. Wie gern hätte ich als Zehnjähriger ein Handy gehabt. So gern gönne ich den Knaben heute ihr Handy. Unbeaufsichtigt, unbetreut verschafft es ihnen Zugang zu allen Welten des Wissbaren, Sagbaren, Machbaren. Jenen grenzenlosen Horizont verschafft es ihnen, nach dem alle Knaben aller Generationen sich zuvor nur gesehnt haben.

    Jetzt den Teenagern das Handy verbieten? In den achtziger Jahren geschah in Frankreich etwas Unerhörtes: die patriarchalische Struktur der französischen Familie brach zusammen. Wohlgemerkt hundert Jahre erst nach der Französischen Revolution. Woran lag das?

    Frankreichs beste Soziologen haben es herausgefunden: es war das Moped! Sobald das Moped erfunden war, wusste der französische Familienvater nicht mehr, wo sein Knabe abends herumkurvte. Mit einem letzten Kopfschütteln gab er den verwirkten Kontrollanspruch auf.

    Das Moped verbieten? Gallische Weisheit war es, das nicht zu tun. Es hätte wohl eine zweite Französische Revolution ausgelöst. So wie jetzt, ein halbes Jahrhundert später, bei uns ein Handy-Verbot für Teenager das auslösen könnte, was Lenin noch für unmöglich hielt: eine deutsche Revolution.

    Doch es ist wie immer bei Jens Spahn. Wenn er irrt, dann schrammt er ganz nahe an der Wahrheit vorbei. Tatsächlich ist ein Handy-Verbot dringend notwendig und vielleicht sogar machbar. Aber nicht für Knaben, sondern für Greise. Und nicht nur für Greise auf 70-Jahre-Abitur-Feiern, nicht nur für Bischofskonferenzen und nicht nur für Ostfront-Veteranen-Treffen. Ursula von der Leyen ist persönlich gefordert. Was wir brauchen, ist ein strenges Handy-Verbot für alle Altersheime der gesamten Europäischen Union.

    Gelingen wird das nur in enger Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Kommission in Brüssel und der Unesco in Paris. Die muss jetzt sofort Europas Altersheime als handyfreie Zonen zum Weltkulturerbe erklären. Damit in diesem barbarischen Zeitalter der Vielwisserei, der Besserwisserei, ja der gottverdammten elektronischen Alleswisserei wenigstens noch die Altersheime ein Schutzraum bleiben für das älteste Wissen europäischer Kultur:

    Ich weiss, dass ich nichts weiss.

    Scio me nescire.

    Οἶδα οὐκ εἰδώς.

    Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner überaus freundlichen Genehmigung.

    Über Hans Conrad Zander:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  35. Verbietet das Handy in Altersheimen!

    Wieder, wie alle Jahre zuvor, war ich zu spät gekommen. Vielleicht, weil ich mir jedesmal unschlüssig war, ob ich überhaupt kommen wolle. Diesmal allerdings war ich mir sicher: „70 Jahre Abitur“, das war wohl die letzte Gelegenheit, noch einmal alle zu sehen.

    Alle? An der langen gedeckten Tafel, an der sich einst fünfundvierzig drängten, empfingen mich noch sieben. Trüben Blicks. Ob sie mir die Verspätung übel nahmen? Nein. So sichtlich waren sie erleichtert, dass wenigstens noch ein achter kam. Vielleicht deshalb hatten sie mir den rhetorisch interessantesten Platz am Tisch freigehalten: links der berühmte Psychoanalytiker – rechts ein Tiefbau-Ingenieur, berühmt auch er durch einen Staudamm, den er in Anatolien gebaut hat.

    Ich rückte meinen Stuhl unmissverständlich von dem Psychoanalytiker weg und zu dem Tiefbau-Ingenieur hin. Warum? Psychoanalyse halte ich für eine besonders tiefe Form von Tiefsinn. Es gibt aber einen Glauben, einen einzigen, den ich seit früher Jugend nicht verloren habe. Ich glaube, dass Tiefsinn das gleiche ist wie Unsinn. Nichts dagegen scheint mir gegen Tiefsinn so gefeit wie ein Staudamm in Anatolien.

    Zu meiner Überraschung schob der Tiefbau-Ingenieur das Thema Anatolien mit einer Handbewegung beiseite. Er habe noch einen zweiten Staudamm gebaut, und zwar in Brasilien. Der habe ihm nicht soviel Ruhm gebracht wie der Staudamm in Anatolien, aber dafür mehr Geld. Soviel Geld, dass er sich in den hellen Hügeln hinter Rio de Janeiro ein märchenhaftes Landhaus bauen konnte. Doch eben dieses Glück sei ihm zum Unglück geworden. Eines schönen Morgens, als er im Morgenrock glücklich draussen auf der Terrasse sass, kamen an die zwanzig schwarz vermummte Gestalten in seine Villa gestürmt. „Hau ab!“ schrien sie im Chor. „Der Herr hat uns dein Haus geschenkt.“ O Gott, eine protestantische Sekte! In einem nahen Franziskanerkloster habe er Zuflucht gefunden. Und auch Trost. Aber keine Hilfe.

    Mir war es in Brasilien nicht so schlimm ergangen. Auf der Ilha paradisiaca von Morro de Saô Paulo hatte ich es mit einem italienischen Yacht-Club zu tun bekommen. Ich floh in die nahe Grosstadt Salvador de Bahia. Dort gibt es auch einen wunderschön barocken Convento de San Francisco. Statt dessen wagte ich mich todesmutig in eine der berüchtigtsten Favelas von Salvador. Trost fand ich dort nicht, dafür Hilfe. Teure Hilfe allerdings bei einer kriminellen Bande, die bereit war, sich sogar eines italienischen Yacht-Clubs anzunehmen. Eine protestantische Sekte dürfte aber kein schlimmeres Problem sein als ein italienischer Yacht-Club, meine ich jedenfalls.

    Jetzt sah mir mein Jugendfreund, der Tiefbau-Ingenieur, ins Auge. Misstrauen sprach aus seinem tiefen Blick, ja Entsetzen. In seine Tasche griff er und zum Handy. Zur Künstlichen Intelligenz griff er. Im Nu lieferte sie ihm acht Bilder von mir sowie eine kurze Fassung meines verworrenen Lebensweges. Der neben ihm sass, war ich, sein Jugendfreund. Die Künstliche Intelligenz hatte es ihm bestätigt.

    Die psychoanalytische Diskussion links von mir hatte ich nicht verfolgt, auch nicht mit halbem Ohr. Jetzt aber blickte ich forschend hinüber: Alle hatten sie ihr Handy schon links an den Teller gelegt, säuberlich neben die Gabel. Und je tiefer der tiefenpsychologische Tiefsinn sich vertiefte, desto häufiger griffen sie, einer nach dem andern, zum Handy. Bis schliesslich die psychoanalytische Konversation ganz erstarb. Sei es, weil die Künstliche Intelligenz auch nicht mehr tiefer konnte, sei es, weil der Nachtisch serviert wurde. Und der war, wie in manchen Wirtshäusern, besser als das Hauptgericht.

    Missmutig schlang ich ihn hinunter. Zu sehr lag mir Jens Spahn auf dem Magen. Eben noch hat er ganz Deutschland verrückt gemacht mit der „wissenschaftlichen“ Erkenntnis, dass Tiktok bei Teenagern das noch wachsende Gehirn so irreparabel schädigen könne wie Heroin. Das Handy sei deshalb Minderjährigen zu verbieten wie Alkohol und Nikotin. Wie Heroin sowieso.

    Hier irrt Jens Spahn. Wie gern hätte ich als Zehnjähriger ein Handy gehabt. So gern gönne ich den Knaben heute ihr Handy. Unbeaufsichtigt, unbetreut verschafft es ihnen Zugang zu allen Welten des Wissbaren, Sagbaren, Machbaren. Jenen grenzenlosen Horizont verschafft es ihnen, nach dem alle Knaben aller Generationen sich zuvor nur gesehnt haben.

    Jetzt den Teenagern das Handy verbieten? In den achtziger Jahren geschah in Frankreich etwas Unerhörtes: die patriarchalische Struktur der französischen Familie brach zusammen. Wohlgemerkt hundert Jahre erst nach der Französischen Revolution. Woran lag das?

    Frankreichs beste Soziologen haben es herausgefunden: es war das Moped! Sobald das Moped erfunden war, wusste der französische Familienvater nicht mehr, wo sein Knabe abends herumkurvte. Mit einem letzten Kopfschütteln gab er den verwirkten Kontrollanspruch auf.

    Das Moped verbieten? Gallische Weisheit war es, das nicht zu tun. Es hätte wohl eine zweite Französische Revolution ausgelöst. So wie jetzt, ein halbes Jahrhundert später, bei uns ein Handy-Verbot für Teenager das auslösen könnte, was Lenin noch für unmöglich hielt: eine deutsche Revolution.

    Doch es ist wie immer bei Jens Spahn. Wenn er irrt, dann schrammt er ganz nahe an der Wahrheit vorbei. Tatsächlich ist ein Handy-Verbot dringend notwendig und vielleicht sogar machbar. Aber nicht für Knaben, sondern für Greise. Und nicht nur für Greise auf 70-Jahre-Abitur-Feiern, nicht nur für Bischofskonferenzen und nicht nur für Ostfront-Veteranen-Treffen. Ursula von der Leyen ist persönlich gefordert. Was wir brauchen, ist ein strenges Handy-Verbot für alle Altersheime der gesamten Europäischen Union.

    Gelingen wird das nur in enger Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Kommission in Brüssel und der Unesco in Paris. Die muss jetzt sofort Europas Altersheime als handyfreie Zonen zum Weltkulturerbe erklären. Damit in diesem barbarischen Zeitalter der Vielwisserei, der Besserwisserei, ja der gottverdammten elektronischen Alleswisserei wenigstens noch die Altersheime ein Schutzraum bleiben für das älteste Wissen europäischer Kultur:

    Ich weiss, dass ich nichts weiss.

    Scio me nescire.

    Οἶδα οὐκ εἰδώς.

    Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner überaus freundlichen Genehmigung.

    Über Hans Conrad Zander:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  36. Verbietet das Handy in Altersheimen!

    Wieder, wie alle Jahre zuvor, war ich zu spät gekommen. Vielleicht, weil ich mir jedesmal unschlüssig war, ob ich überhaupt kommen wolle. Diesmal allerdings war ich mir sicher: „70 Jahre Abitur“, das war wohl die letzte Gelegenheit, noch einmal alle zu sehen.

    Alle? An der langen gedeckten Tafel, an der sich einst fünfundvierzig drängten, empfingen mich noch sieben. Trüben Blicks. Ob sie mir die Verspätung übel nahmen? Nein. So sichtlich waren sie erleichtert, dass wenigstens noch ein achter kam. Vielleicht deshalb hatten sie mir den rhetorisch interessantesten Platz am Tisch freigehalten: links der berühmte Psychoanalytiker – rechts ein Tiefbau-Ingenieur, berühmt auch er durch einen Staudamm, den er in Anatolien gebaut hat.

    Ich rückte meinen Stuhl unmissverständlich von dem Psychoanalytiker weg und zu dem Tiefbau-Ingenieur hin. Warum? Psychoanalyse halte ich für eine besonders tiefe Form von Tiefsinn. Es gibt aber einen Glauben, einen einzigen, den ich seit früher Jugend nicht verloren habe. Ich glaube, dass Tiefsinn das gleiche ist wie Unsinn. Nichts dagegen scheint mir gegen Tiefsinn so gefeit wie ein Staudamm in Anatolien.

    Zu meiner Überraschung schob der Tiefbau-Ingenieur das Thema Anatolien mit einer Handbewegung beiseite. Er habe noch einen zweiten Staudamm gebaut, und zwar in Brasilien. Der habe ihm nicht soviel Ruhm gebracht wie der Staudamm in Anatolien, aber dafür mehr Geld. Soviel Geld, dass er sich in den hellen Hügeln hinter Rio de Janeiro ein märchenhaftes Landhaus bauen konnte. Doch eben dieses Glück sei ihm zum Unglück geworden. Eines schönen Morgens, als er im Morgenrock glücklich draussen auf der Terrasse sass, kamen an die zwanzig schwarz vermummte Gestalten in seine Villa gestürmt. „Hau ab!“ schrien sie im Chor. „Der Herr hat uns dein Haus geschenkt.“ O Gott, eine protestantische Sekte! In einem nahen Franziskanerkloster habe er Zuflucht gefunden. Und auch Trost. Aber keine Hilfe.

    Mir war es in Brasilien nicht so schlimm ergangen. Auf der Ilha paradisiaca von Morro de Saô Paulo hatte ich es mit einem italienischen Yacht-Club zu tun bekommen. Ich floh in die nahe Grosstadt Salvador de Bahia. Dort gibt es auch einen wunderschön barocken Convento de San Francisco. Statt dessen wagte ich mich todesmutig in eine der berüchtigtsten Favelas von Salvador. Trost fand ich dort nicht, dafür Hilfe. Teure Hilfe allerdings bei einer kriminellen Bande, die bereit war, sich sogar eines italienischen Yacht-Clubs anzunehmen. Eine protestantische Sekte dürfte aber kein schlimmeres Problem sein als ein italienischer Yacht-Club, meine ich jedenfalls.

    Jetzt sah mir mein Jugendfreund, der Tiefbau-Ingenieur, ins Auge. Misstrauen sprach aus seinem tiefen Blick, ja Entsetzen. In seine Tasche griff er und zum Handy. Zur Künstlichen Intelligenz griff er. Im Nu lieferte sie ihm acht Bilder von mir sowie eine kurze Fassung meines verworrenen Lebensweges. Der neben ihm sass, war ich, sein Jugendfreund. Die Künstliche Intelligenz hatte es ihm bestätigt.

    Die psychoanalytische Diskussion links von mir hatte ich nicht verfolgt, auch nicht mit halbem Ohr. Jetzt aber blickte ich forschend hinüber: Alle hatten sie ihr Handy schon links an den Teller gelegt, säuberlich neben die Gabel. Und je tiefer der tiefenpsychologische Tiefsinn sich vertiefte, desto häufiger griffen sie, einer nach dem andern, zum Handy. Bis schliesslich die psychoanalytische Konversation ganz erstarb. Sei es, weil die Künstliche Intelligenz auch nicht mehr tiefer konnte, sei es, weil der Nachtisch serviert wurde. Und der war, wie in manchen Wirtshäusern, besser als das Hauptgericht.

    Missmutig schlang ich ihn hinunter. Zu sehr lag mir Jens Spahn auf dem Magen. Eben noch hat er ganz Deutschland verrückt gemacht mit der „wissenschaftlichen“ Erkenntnis, dass Tiktok bei Teenagern das noch wachsende Gehirn so irreparabel schädigen könne wie Heroin. Das Handy sei deshalb Minderjährigen zu verbieten wie Alkohol und Nikotin. Wie Heroin sowieso.

    Hier irrt Jens Spahn. Wie gern hätte ich als Zehnjähriger ein Handy gehabt. So gern gönne ich den Knaben heute ihr Handy. Unbeaufsichtigt, unbetreut verschafft es ihnen Zugang zu allen Welten des Wissbaren, Sagbaren, Machbaren. Jenen grenzenlosen Horizont verschafft es ihnen, nach dem alle Knaben aller Generationen sich zuvor nur gesehnt haben.

    Jetzt den Teenagern das Handy verbieten? In den achtziger Jahren geschah in Frankreich etwas Unerhörtes: die patriarchalische Struktur der französischen Familie brach zusammen. Wohlgemerkt hundert Jahre erst nach der Französischen Revolution. Woran lag das?

    Frankreichs beste Soziologen haben es herausgefunden: es war das Moped! Sobald das Moped erfunden war, wusste der französische Familienvater nicht mehr, wo sein Knabe abends herumkurvte. Mit einem letzten Kopfschütteln gab er den verwirkten Kontrollanspruch auf.

    Das Moped verbieten? Gallische Weisheit war es, das nicht zu tun. Es hätte wohl eine zweite Französische Revolution ausgelöst. So wie jetzt, ein halbes Jahrhundert später, bei uns ein Handy-Verbot für Teenager das auslösen könnte, was Lenin noch für unmöglich hielt: eine deutsche Revolution.

    Doch es ist wie immer bei Jens Spahn. Wenn er irrt, dann schrammt er ganz nahe an der Wahrheit vorbei. Tatsächlich ist ein Handy-Verbot dringend notwendig und vielleicht sogar machbar. Aber nicht für Knaben, sondern für Greise. Und nicht nur für Greise auf 70-Jahre-Abitur-Feiern, nicht nur für Bischofskonferenzen und nicht nur für Ostfront-Veteranen-Treffen. Ursula von der Leyen ist persönlich gefordert. Was wir brauchen, ist ein strenges Handy-Verbot für alle Altersheime der gesamten Europäischen Union.

    Gelingen wird das nur in enger Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Kommission in Brüssel und der Unesco in Paris. Die muss jetzt sofort Europas Altersheime als handyfreie Zonen zum Weltkulturerbe erklären. Damit in diesem barbarischen Zeitalter der Vielwisserei, der Besserwisserei, ja der gottverdammten elektronischen Alleswisserei wenigstens noch die Altersheime ein Schutzraum bleiben für das älteste Wissen europäischer Kultur:

    Ich weiss, dass ich nichts weiss.

    Scio me nescire.

    Οἶδα οὐκ εἰδώς.

    Dieser Beitrag ist eine Übernahme aus dem Blog des Autors, mit seiner überaus freundlichen Genehmigung.

    Über Hans Conrad Zander:

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  37. "Das Unbewusste in multiprofessioneller Zusammenarbeit. Psychoanalytisch-pädagogisches Arbeiten mit Bezugs- und Fachpersonen." Herbsttagung der @DGfE_eV Kommission Psychoanalytische Pädagogik an der PH Freiburg in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Luzern und der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich stattfinden - am 10./11. Oktober Tagungsprogramm: dgfe.de/fileadmin/OrdnerRedakt
    #Psychoanalyse #Pädagogik #erziehungswissenschaft

  38. "Das Unbewusste in multiprofessioneller Zusammenarbeit. Psychoanalytisch-pädagogisches Arbeiten mit Bezugs- und Fachpersonen." Herbsttagung der @DGfE_eV Kommission Psychoanalytische Pädagogik an der PH Freiburg in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Luzern und der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich stattfinden - am 10./11. Oktober Tagungsprogramm: dgfe.de/fileadmin/OrdnerRedakt
    #Psychoanalyse #Pädagogik #erziehungswissenschaft

  39. "Das Unbewusste in multiprofessioneller Zusammenarbeit. Psychoanalytisch-pädagogisches Arbeiten mit Bezugs- und Fachpersonen." Herbsttagung der @DGfE_eV Kommission Psychoanalytische Pädagogik an der PH Freiburg in Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Luzern und der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich stattfinden - am 10./11. Oktober Tagungsprogramm: dgfe.de/fileadmin/OrdnerRedakt
    #Psychoanalyse #Pädagogik #erziehungswissenschaft