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#klauslang — Public Fediverse posts

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  1. Abstiegskampf

    Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.

    Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.

    In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.

    Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:

    Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.

    Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:

    “Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.

    Und in einem sozialdemokratischen Medium

    Marcus Schneider/IPG-Journal: Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”

    Was tun?

    Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.

    Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:

    “All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”

    Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:

    Ralf Heimann/MDR-Altpapier: Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”

    In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.

    Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?

    Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador

    Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:

    Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.

    Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.

  2. Abstiegskampf

    Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.

    Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.

    In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.

    Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:

    Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.

    Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:

    “Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.

    Und in einem sozialdemokratischen Medium

    Marcus Schneider/IPG-Journal: Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”

    Was tun?

    Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.

    Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:

    “All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”

    Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:

    Ralf Heimann/MDR-Altpapier: Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”

    In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.

    Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?

    Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador

    Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:

    Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.

    Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  3. Abstiegskampf

    Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.

    Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.

    In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.

    Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:

    Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.

    Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:

    “Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.

    Und in einem sozialdemokratischen Medium

    Marcus Schneider/IPG-Journal: Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”

    Was tun?

    Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.

    Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:

    “All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”

    Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:

    Ralf Heimann/MDR-Altpapier: Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”

    In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.

    Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?

    Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador

    Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:

    Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.

    Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.

  4. Abstiegskampf

    Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.

    Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.

    In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.

    Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:

    Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.

    Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:

    “Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.

    Und in einem sozialdemokratischen Medium

    Marcus Schneider/IPG-Journal: Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”

    Was tun?

    Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.

    Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:

    “All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”

    Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:

    Ralf Heimann/MDR-Altpapier: Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”

    In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.

    Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?

    Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador

    Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:

    Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.

    Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  5. Nachruf auf die Republik

    mit Update nachmittags

    Hartmut Palmer spielte bei meiner jugendlichen Politisierung in den 70er Jahren eine Schlüsselrolle. Im damals noch aufregend hörenswerten WDR, nach meiner Erinnerung war es das Kritische Tagebuch, hörte ich einen Kommentar von ihm zum faschistischen Militärputsch in Chile 1973. Darin verschonte er auch die damalige sozialliberale Bundesregierung von Willy Brandt nicht mit Kritik. Ich nahm das Thema in die damals von mir redigierte Schülerzeitung der Essener Jungdemokraten auf. Palmers Laufbahn von der Süddeutschen zum Spiegel verfolgte ich mit Interesse. Und also auch seinen aktuellen Nachruf auf seinen Spiegel-Kollegen Koch im “Blog der Republik” von Alfons Pieper.

    Meine Informationen über den “Spiegel” bezog ich damals schon von seinem gefeuerten Redakteur und konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza. Der liess an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Und es deckte sich mit den Erfahrungen, die wir als Jungdemokraten mit diesem Medium gemacht hatten. Im Zweifel liessen sich die Spiegel-Kollegen (Gendern unnötig) immer von der FDP instruieren, die wir 1982 kollektiv verlassen hatten.

    Darum pflegten wir eine skeptische Distanz, als wir in den Jahren 1985-87 unser Mittagspausenlokal mit der Bonner Spiegel-Redaktion teilten. In der “Laterne” in der Ermekeilstrasse sassen wir Tisch an Tisch. Während wir, Harald Jansen, Georg Hundt, Reiner Rosner und ich zum Nachtisch noch eine Runde flipperten, mussten die Spiegel-Fuzzis wieder arbeiten gehen. Die einstige “Schumann-Klause” (Ecke Schumann-/Weberstrasse) hatte sich in “Laterne” und “Südbahnhof” gespalten.

    An die Herren Koch und Wirtgen, beide in Palmers Nachruf namentlich erwähnt, kann ich mich noch gut erinnern. Tragisch, dass Koch in seinem Lebenskampf gegen Kohl politisch verloren hat. Immerhin hat er ihn deutlich überlebt, und diese Jahre hoffentlich genossen.

    Ich will den Kollegen nicht zu nahe treten. Sie haben zweifellos ihre politischen und journalistischen Verdienste. Die wichtigsten sind in Palmers Nachruf benannt.

    Aber was ist an Substanz geblieben?

    Update nachmittags
    Lesen Sie dazu zunächst das Gespräch zweier vernünftiger alter weisser Männer, Wolfgang Storz und Klaus Lang/bruchstuecke: “Die Brandmauer steht oder die Union geht unter”. Darin rufen sie dazu auf, “die jetzige Regierung daran zu erinnern, dass es ihre verdammte Verantwortung ist, in Stil und Inhalt gut zu regieren und damit der AfD den Boden zu entziehen.” Gute Idee, aber ein bisschen spät, oder? Update Ende.

    Diese Frage warf René Martens/MDR-Altpapier, den ich in den 90ern bei einem Fussball-Fantreffen in Erkenschwick kennenlernte, wo Dieter Bott ihn mir vorstellte, als der ebenfalls noch für Gremlizas konkret schrieb, gestern völlig zurecht auf:

    Wachen wir noch rechtzeitig auf? – 2026 könnte das ‘Schicksalsjahr’ des Journalismus werden. Soll sich das ‘Schicksal’ zum Guten wenden, müssten Redaktionen ihre Berichterstattung über Klima, Umwelt und Trump ändern.”

    Ich wage eine Vorhersage: sie werden es nicht tun.

  6. Nachruf auf die Republik

    mit Update nachmittags

    Hartmut Palmer spielte bei meiner jugendlichen Politisierung in den 70er Jahren eine Schlüsselrolle. Im damals noch aufregend hörenswerten WDR, nach meiner Erinnerung war es das Kritische Tagebuch, hörte ich einen Kommentar von ihm zum faschistischen Militärputsch in Chile 1973. Darin verschonte er auch die damalige sozialliberale Bundesregierung von Willy Brandt nicht mit Kritik. Ich nahm das Thema in die damals von mir redigierte Schülerzeitung der Essener Jungdemokraten auf. Palmers Laufbahn von der Süddeutschen zum Spiegel verfolgte ich mit Interesse. Und also auch seinen aktuellen Nachruf auf seinen Spiegel-Kollegen Koch im “Blog der Republik” von Alfons Pieper.

    Meine Informationen über den “Spiegel” bezog ich damals schon von seinem gefeuerten Redakteur und konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza. Der liess an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Und es deckte sich mit den Erfahrungen, die wir als Jungdemokraten mit diesem Medium gemacht hatten. Im Zweifel liessen sich die Spiegel-Kollegen (Gendern unnötig) immer von der FDP instruieren, die wir 1982 kollektiv verlassen hatten.

    Darum pflegten wir eine skeptische Distanz, als wir in den Jahren 1985-87 unser Mittagspausenlokal mit der Bonner Spiegel-Redaktion teilten. In der “Laterne” in der Ermekeilstrasse sassen wir Tisch an Tisch. Während wir, Harald Jansen, Georg Hundt, Reiner Rosner und ich zum Nachtisch noch eine Runde flipperten, mussten die Spiegel-Fuzzis wieder arbeiten gehen. Die einstige “Schumann-Klause” (Ecke Schumann-/Weberstrasse) hatte sich in “Laterne” und “Südbahnhof” gespalten.

    An die Herren Koch und Wirtgen, beide in Palmers Nachruf namentlich erwähnt, kann ich mich noch gut erinnern. Tragisch, dass Koch in seinem Lebenskampf gegen Kohl politisch verloren hat. Immerhin hat er ihn deutlich überlebt, und diese Jahre hoffentlich genossen.

    Ich will den Kollegen nicht zu nahe treten. Sie haben zweifellos ihre politischen und journalistischen Verdienste. Die wichtigsten sind in Palmers Nachruf benannt.

    Aber was ist an Substanz geblieben?

    Update nachmittags
    Lesen Sie dazu zunächst das Gespräch zweier vernünftiger alter weisser Männer, Wolfgang Storz und Klaus Lang/bruchstuecke: “Die Brandmauer steht oder die Union geht unter”. Darin rufen sie dazu auf, “die jetzige Regierung daran zu erinnern, dass es ihre verdammte Verantwortung ist, in Stil und Inhalt gut zu regieren und damit der AfD den Boden zu entziehen.” Gute Idee, aber ein bisschen spät, oder? Update Ende.

    Diese Frage warf René Martens/MDR-Altpapier, den ich in den 90ern bei einem Fussball-Fantreffen in Erkenschwick kennenlernte, wo Dieter Bott ihn mir vorstellte, als der ebenfalls noch für Gremlizas konkret schrieb, gestern völlig zurecht auf:

    Wachen wir noch rechtzeitig auf? – 2026 könnte das ‘Schicksalsjahr’ des Journalismus werden. Soll sich das ‘Schicksal’ zum Guten wenden, müssten Redaktionen ihre Berichterstattung über Klima, Umwelt und Trump ändern.”

    Ich wage eine Vorhersage: sie werden es nicht tun.

  7. Best of 28. Februar 2023

    Spiegel veräppelt Schwarzer/Wagenknecht / Chomsky / Mali / Klima / Spanien / Gewerkschaften / Murdoch vor Gericht

    Alice Schwarzer beschwert sich über den Spiegel. Ob sie daraus gelernt hat, wie sie von ihm behandelt wurde? Ihr Doppelinterview mit Sahra Wagenknecht war nur online erschienen, und wenn ich mich richtig erinnere, dort auch nur hinter […]

    https://extradienst.net/2023/03/01/best-of-28-februar-2023/

  8. Best of 28. Februar 2023

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    Alice Schwarzer beschwert sich über den Spiegel. Ob sie daraus gelernt hat, wie sie von ihm behandelt wurde? Ihr Doppelinterview mit Sahra Wagenknecht war nur online erschienen, und wenn ich mich richtig erinnere, dort auch nur hinter […]

    https://extradienst.net/2023/03/01/best-of-28-februar-2023/