#marcusschneider — Public Fediverse posts
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Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.
Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.
In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.
Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:
“Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.
Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:
“Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.
Und in einem sozialdemokratischen Medium
Marcus Schneider/IPG-Journal: “Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”
Was tun?
Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.
Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:
“All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”
Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:
Ralf Heimann/MDR-Altpapier: “Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”
In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.
Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?
Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador
Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:
Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: “Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.
Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.
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Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.
Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.
In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.
Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:
“Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.
Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:
“Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.
Und in einem sozialdemokratischen Medium
Marcus Schneider/IPG-Journal: “Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”
Was tun?
Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.
Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:
“All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”
Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:
Ralf Heimann/MDR-Altpapier: “Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”
In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.
Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?
Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador
Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:
Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: “Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.
Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.
Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.
In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.
Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:
“Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.
Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:
“Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.
Und in einem sozialdemokratischen Medium
Marcus Schneider/IPG-Journal: “Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”
Was tun?
Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.
Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:
“All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”
Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:
Ralf Heimann/MDR-Altpapier: “Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”
In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.
Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?
Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador
Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:
Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: “Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.
Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.
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Wer wie ich Borussia-Mönchengladbach-Fan ist, muss sich darin auskennen. Was braucht mann dafür? Im optimalen Fall wird mann aus dem thüringischen Osten mit einem allseitig gebildeten Kerl wie Hans Meyer beschenkt. Sein Geburtsort im heutigen Tschechien wurde abgebaggert. Seine allseitige Bildung ermöglichte ihm, das System, in dem er sich nach 1990 als Fussballlehrer durchbeissen musste, besser verstand, als die meisten, die in ihm aufgewachsen waren. Insbesondere durchschaute er das profitorientierte und an billigen Formeln mehr als an Fachwissen orientierte Mediensystem. Und spielte fortan intelligenter auf diesem Klavier, als die meisten seines Berufsstandes. Später wurde er in dieser Disziplin nur von Jürgen Klopp übertroffen, der sich aber seitdem für weit billigere Werbung hergibt als der kluge Hans.
Meyer hatte erkannt, dass die Skills, die er sich in der DDR aneignen musste, um gut arbeiten zu können, im real existierenden Kapitalismus etliche Vorteile hatten. Ich habe in meinem Freundinnenkreis eine selbstständige Unternehmerin in Köln, der das im was-mit-Medien-Betrieb ähnlich gut gelang; sie besitzt ein schickes Haus in Zollstock, und ihre Steuerberaterin sucht beständig für sie nach Gelegenheiten der steuermindernden Kapitalanlage … Gelernt hatte sie beim damaligen Zentralorgan der FDJ, der “Jungen Welt”. Es war ganz offenbar nicht vergeblich.
In wenigen Tagen erscheint beim MDR eine neue Dokumentation über den weisen Mann Hans Meyer, der ich mit Spannung entgegensehe. Er wusste mit Richtlinienkompetenz umzugehen, ein strategisch kluger Kopf.
Und nun sehen Sie nur, wen die hiesige bürgerliche Demokratie mit Richtlinienkompetenz ausgestattet hat. Das ist kein Scherz, sondern ein Drama. Der Kollege Fabian Scheidler ist ein weit jüngerer kluger Kopf, der schreibt darüber so:
“Deutschland auf dem Weg in den Kriegsstaat – Wie die entfesselte Militarisierung zum Schlüsselprojekt Deutschlands und der Europäischen Union in der Polykrise wurde”.
Es geht auch gemässigter im Ton, bei Klaus Lang/bruchstuecke, IG-Metaller im Ruhestand, und berufsbedingt pragmatisch geschult:
“Schreiben gegen den Wind, auch wenn er nicht lesen kann”.
Und in einem sozialdemokratischen Medium
Marcus Schneider/IPG-Journal: “Mehr als ein bisschen Schnee – Trumps Griff nach Grönland sprengt den Nachkriegskonsens. Will Europa dem US-Präsidenten Paroli bieten, muss es endlich die Sprache der Macht lernen.”
Was tun?
Der weise Hans Meyer wusste besser als die vielen Medienfuzzys, mit denen er sich berufsbedingt beschäftigen musste, dass Fussball ein Teamsport ist. Millionen TV-Glotzer*innen haben längst mitbekommen, dass die Frauen das besser begriffen haben als die dummen Jungs. Aus eigener Berufserfahrung kann ich Ihnen versichern: in demokratischer Politik und ihren Medien funktioniert das genauso.
Den Schwierigkeitsgrad des deutschen Abstiegskampfes beschreibt der Kollege Scheidler – in meinen Augen zutreffend – so:
“All dies trägt zur Frustration eines großen Teils der Bevölkerung bei, der nicht nur das Vertrauen in diese oder jene bestimmte Regierung verliert, sondern in das politische System insgesamt. Umfragen zeigen, dass nur noch 21% der Deutschen Vertrauen in die Regierung haben, während der Wert für politische Parteien bei nur 13% liegt. Darüber hinaus wird der soziale und wirtschaftliche Niedergang als Teil einer schier endlosen Kette von schlechten Nachrichten und Katastrophen wahrgenommen, auf die die Politik nicht nur keine Antworten hat, sondern die sie sogar noch verschlimmert.”
Parallel dazu der Abstiegskampf deutscher Medien:
Ralf Heimann/MDR-Altpapier: “Abgedreht – In den USA schaltet sich die ausgetrocknete Rundfunkförderung selbst ab. Was bedeutet das? Und was heißt das für die deutsche Debatte?”
In Mönchengladbach haben wir gegen diese Krise Eugen Polanski. Er hat aus den gleichen schlechten Spielern – die besten sind sogar verletzt – ein besseres Team gemacht. Die Fans, die den Borussia-Park regelmässig vollmachen, stehen hinter ihm. Derzeit. Es ist also möglich. Aber nicht sicher.
Wer also macht nun den deutschen Wahlberechtigten ein seriöseres Angebot?
Ganz unten: Trumps Mordbrüder in Ecuador
Ganz unten ist, wenn die Katholische Kirche die letzte revolutionäre Organisation ist. Das war mein erster Gedanke beim Ansehen dieser Dokumentation. Mein zweiter: warum wurde nicht auf die furchtbare Musiksauce verzichtet? Ohne sie wäre diese Dokumentation der sachgerechte Hammer:
Marcel Mettelsiefen/Arte/ZDF: “Drogenkrieg in Ecuador – Einst galt Ecuador als eines der friedlichsten Länder Lateinamerikas – heute zählt es zu den gewalttätigsten der Welt. Drogenkartelle beherrschen ganze Regionen, das Militär antwortet mit brutaler Härte. Im Mittelpunkt stehen drei Menschen, deren Schicksale sich kreuzen: ein Priester, ein Gouverneur und ein Vater, der für die Wahrheit über den Tod seines Sohnes kämpft.” Video 53 min. Verfügbar bis 5.4.
Eine Analyse, wie es politisch in Ecuador so weit kommen konnte, finden Sie hier.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Persönlich bin ich der Meinung, die Welt ist nicht schlimmer als in meiner Kindheit (Schwarz-Weiss-Fernsehen, Kennedy-Ermordung, Vietnamkrieg etc.). Wir wissen nur mehr als damals. “Wir” meint nicht die Geheimnisträger*innen von gestern und heute, sondern die frei Wählenden in Ländern, die freie, gleiche und geheime Wahlen abhalten. Damals wie heute ist die Medienmacht nicht so ausgestaltet, wie freie Wahlen, sondern entsprechend den Kriterien ökonomischer und politischer Macht. Das galt damals wie heute. Allerdings hat die Quantität von Information ein Menschen erschlagendes Ausmass angenommen, die nur kleine Minderheiten in der Lage sind qualitativ für sich selbst (oder gar andere) zu sortieren.
Das als Vorspruch zu den aktuellen Grossgefahren, die in den folgenden Texten beschrieben sind.
Harald Neuber/telepolis: “Hat dieser CDU-Politiker den geheimen Grund für den Ukraine-Krieg verraten? – Kiesewetter provoziert heftige Kritik im Netz. Der Grund: Er hat eine Motivation für die Waffenhilfe genannt. Dabei war das unbedacht – und doch richtig.” Für mich ist daran nichts “geheim”. Lesen hilft. Mir tut nur diese Namensgleichheit immer noch furchtbar leid für den guten Knut Kiesewetter. Hier ab Minute 32 einer seiner letzten öffentlichen Auftritte.
Wolfgang Sporrer/Jacobin: “Ohne Frieden sind alle Werte wertlos – Wir brauchen keine »wertegeleitete«, sondern eine friedensgeleitete Außenpolitik.” Der Autor hat zeitweise als Konfliktforscher für die OSZE in Kiew gearbeitet. Ich stimme ihm vollständig zu.
Marcus Schneider/ipg-journal: “Anschwellendes Kriegsgeschrei – Bislang konnte ein Übergreifen des Gaza-Kriegs auf den Libanon verhindert werden. Zwei fatale Fehlkalküle könnten jedoch zur Eskalation führen.”
Mitchell Plitnick/ipg-journal: “Bidens Versagen in Nahost – Die bedingungslose Rückendeckung für Israel fällt dem Präsidenten nun auf die Füße. Sogar seine eigenen Mitarbeiter protestieren gegen seine Politik.”
Ich wiederhole meine Befürchtung für das neue Jahr: die am 9.6. bei der EU-Parlamentswahl weit nach rechts rückende EU wird innerlich zerfallen. Nach der US-Präsidentschaftswahl, die die US-Republikaner gewinnen werden – mit wem auch immer – wird die Aufrüstung so ruinös auf die EU-Mitglieder verlagert, dass sie sich und ihre eigenen Strukturen selbst ruinieren. Und kein einziger Schwarzer muss – wovor sich die sich einmauernde EU am meisten fürchtet – dafür einwandern … Die USA werden unter diesen Bedingungen jeden Wettlauf mit China verlieren, und behalten als letztes Drohpotenzial, alles menschliche Leben vernichten und die Apokalypse-Sehnsüchte des Faschismus erfüllen zu können. So könnte der kleine dumme Donald mit seinen Freunden Peter Thiel, Elon Musk, Mohammed Bin Salman in die Geschichte unseres Sonnensystems für immer eingehen. Aber wer wird sich danach noch an ihn erinnern?
Diese Österreicher – immerhin aus einem weltweiten Hotspot des Faschismus – teilen Trumps Sehnsüchte als Repräsentanten des “Feschismus”. Er kann sie als seine Enkelkinder betrachten, jedoch werden sie nie so gross wie er. Barbara Tóth/ipg-journal: “Die Alpen-Wannabes – René Benko, Sebastian Kurz oder Jan Marsalek: Warum gedeiht der Größenwahn in Österreich besser als anderswo?” In den Empfehlungen der belesenen Autorin vermisse ich Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. (Warnhinweis für die, die das noch nicht gelesen haben: lesen Sie das nur in gefestigter persönlicher Verfassung. Aber drücken Sie sich auch nicht davor – der Autor mit einem tollen Wikipedia-Eintrag war leider ein weiser Mann,)
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Persönlich bin ich der Meinung, die Welt ist nicht schlimmer als in meiner Kindheit (Schwarz-Weiss-Fernsehen, Kennedy-Ermordung, Vietnamkrieg etc.). Wir wissen nur mehr als damals. “Wir” meint nicht die Geheimnisträger*innen von gestern und heute, sondern die frei Wählenden in Ländern, die freie, gleiche und geheime Wahlen abhalten. Damals wie heute ist die Medienmacht nicht so ausgestaltet, wie freie Wahlen, sondern entsprechend den Kriterien ökonomischer und politischer Macht. Das galt damals wie heute. Allerdings hat die Quantität von Information ein Menschen erschlagendes Ausmass angenommen, die nur kleine Minderheiten in der Lage sind qualitativ für sich selbst (oder gar andere) zu sortieren.
Das als Vorspruch zu den aktuellen Grossgefahren, die in den folgenden Texten beschrieben sind.
Harald Neuber/telepolis: “Hat dieser CDU-Politiker den geheimen Grund für den Ukraine-Krieg verraten? – Kiesewetter provoziert heftige Kritik im Netz. Der Grund: Er hat eine Motivation für die Waffenhilfe genannt. Dabei war das unbedacht – und doch richtig.” Für mich ist daran nichts “geheim”. Lesen hilft. Mir tut nur diese Namensgleichheit immer noch furchtbar leid für den guten Knut Kiesewetter. Hier ab Minute 32 einer seiner letzten öffentlichen Auftritte.
Wolfgang Sporrer/Jacobin: “Ohne Frieden sind alle Werte wertlos – Wir brauchen keine »wertegeleitete«, sondern eine friedensgeleitete Außenpolitik.” Der Autor hat zeitweise als Konfliktforscher für die OSZE in Kiew gearbeitet. Ich stimme ihm vollständig zu.
Marcus Schneider/ipg-journal: “Anschwellendes Kriegsgeschrei – Bislang konnte ein Übergreifen des Gaza-Kriegs auf den Libanon verhindert werden. Zwei fatale Fehlkalküle könnten jedoch zur Eskalation führen.”
Mitchell Plitnick/ipg-journal: “Bidens Versagen in Nahost – Die bedingungslose Rückendeckung für Israel fällt dem Präsidenten nun auf die Füße. Sogar seine eigenen Mitarbeiter protestieren gegen seine Politik.”
Ich wiederhole meine Befürchtung für das neue Jahr: die am 9.6. bei der EU-Parlamentswahl weit nach rechts rückende EU wird innerlich zerfallen. Nach der US-Präsidentschaftswahl, die die US-Republikaner gewinnen werden – mit wem auch immer – wird die Aufrüstung so ruinös auf die EU-Mitglieder verlagert, dass sie sich und ihre eigenen Strukturen selbst ruinieren. Und kein einziger Schwarzer muss – wovor sich die sich einmauernde EU am meisten fürchtet – dafür einwandern … Die USA werden unter diesen Bedingungen jeden Wettlauf mit China verlieren, und behalten als letztes Drohpotenzial, alles menschliche Leben vernichten und die Apokalypse-Sehnsüchte des Faschismus erfüllen zu können. So könnte der kleine dumme Donald mit seinen Freunden Peter Thiel, Elon Musk, Mohammed Bin Salman in die Geschichte unseres Sonnensystems für immer eingehen. Aber wer wird sich danach noch an ihn erinnern?
Diese Österreicher – immerhin aus einem weltweiten Hotspot des Faschismus – teilen Trumps Sehnsüchte als Repräsentanten des “Feschismus”. Er kann sie als seine Enkelkinder betrachten, jedoch werden sie nie so gross wie er. Barbara Tóth/ipg-journal: “Die Alpen-Wannabes – René Benko, Sebastian Kurz oder Jan Marsalek: Warum gedeiht der Größenwahn in Österreich besser als anderswo?” In den Empfehlungen der belesenen Autorin vermisse ich Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. (Warnhinweis für die, die das noch nicht gelesen haben: lesen Sie das nur in gefestigter persönlicher Verfassung. Aber drücken Sie sich auch nicht davor – der Autor mit einem tollen Wikipedia-Eintrag war leider ein weiser Mann,)