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1000 results for “franck_schneider”
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Dahner Felsenpfad wandern mit Genuss
Bereits 2024 wanderten Manuela und ich den Dahner Felsenpfad, der durch seine Sandfelsen, Wälder und Aussichten fasziniert. Eine Einkehr auf der Wanderung in der Pfälzerwaldhütte „Im Schneiderfeld“ und danach ein Entspannen bei Eis und Kuchen in „Blümchen & Beere“ steigern die Attraktivität der Wanderung zusätzlich.
https://derentspannen.de/dahner-felsenpfad-wandern-mit-genuss/
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Dahner Felsenpfad wandern mit Genuss
Bereits 2024 wanderten Manuela und ich den Dahner Felsenpfad, der durch seine Sandfelsen, Wälder und Aussichten fasziniert. Eine Einkehr auf der Wanderung in der Pfälzerwaldhütte „Im Schneiderfeld“ und danach ein Entspannen bei Eis und Kuchen in „Blümchen & Beere“ steigern die Attraktivität der Wanderung zusätzlich.
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Dahner Felsenpfad wandern mit Genuss
Bereits 2024 wanderten Manuela und ich den Dahner Felsenpfad, der durch seine Sandfelsen, Wälder und Aussichten fasziniert. Eine Einkehr auf der Wanderung in der Pfälzerwaldhütte „Im Schneiderfeld“ und danach ein Entspannen bei Eis und Kuchen in „Blümchen & Beere“ steigern die Attraktivität der Wanderung zusätzlich.
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Dahner Felsenpfad wandern mit Genuss
Bereits 2024 wanderten Manuela und ich den Dahner Felsenpfad, der durch seine Sandfelsen, Wälder und Aussichten fasziniert. Eine Einkehr auf der Wanderung in der Pfälzerwaldhütte „Im Schneiderfeld“ und danach ein Entspannen bei Eis und Kuchen in „Blümchen & Beere“ steigern die Attraktivität der Wanderung zusätzlich.
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Dahner Felsenpfad wandern mit Genuss
Bereits 2024 wanderten Manuela und ich den Dahner Felsenpfad, der durch seine Sandfelsen, Wälder und Aussichten fasziniert. Eine Einkehr auf der Wanderung in der Pfälzerwaldhütte „Im Schneiderfeld“ und danach ein Entspannen bei Eis und Kuchen in „Blümchen & Beere“ steigern die Attraktivität der Wanderung zusätzlich.
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Eine 30-Minuten-Recherche in den Tiefen der ARD-“Kultur”
Matthias Dell/DLF hat es Monate später immer noch keine Ruhe gelassen. “Was wurde eigentlich aus der Causa Thilo Mischke?” (4 min, nur Audio, danke Frau Teichmann!) Warum? Weil seine Schlussfrage mit einem klaren Nein beantwortet werden muss: “Die Frage ist nur, ob die Affäre damit vorbei ist.” Nein, viele weitere werden folgen. Denn in den Anstalten merken die nichts …
Gestern erst schrieb ich an meinen WDR: “Sehr geehrte Damen und Herren, beim Versuch, den Wetterbericht in Ihrer Sendung zu erwischen, der, wenn die ARD sich schon mit Händen und Füssen gegen ein ‘Klima vor 8’ wehrt, immerhin gelegentlich klimapolitische Fakten enthält, musste ich Ihrer Studiobesatzung dabei zusehen, wie die dabei zusah, wie der neue Vereinsvorsitzende der Katholischen Kirche in Rom präsentiert wurde. Die gleichen Bilder gabs ja nur – ich habe nur 13 öffentlich-rechtliche Programme (DVB-T2) – bei ARD, ZDF, 3sat, Phönix und Tagesschau24. Das reichte natürlich nicht aus. Für Katholik*inn*en. Ich weiss ja nicht, ob Sies schon wussten – wahrscheinlich hat es Ihnen wieder keine*r gesagt – aber: ‘Die Zahl der Kirchenmitglieder hat sich in den letzten fünfzig Jahren von über 90 auf 45% halbiert, während sich die Zahl der Konfessionsfreien von unter fünf auf fast 50% verzehnfacht hat. Laut Fowid lag der Anteil der größten Einzelgruppe, der Konfessionslosen, zum Jahresende 2023 bei 46,2% und Jahresende 2024 bei 47%.’ zit. Wikipedia (Zahlen für Deutschland). Haben Sie auch ein Programmangebot für die Mehrheit? Freundliche Grüße”
Es geht nicht um Mischke, auch nicht um den Papst – es geht um die Weltwahrnehmung. Die ist in “unseren” Anstalten schwerbeschädigt. Die, die noch drin sind, sind mit ihrem Hamsterrad ausgelastet.
Wie kam Dell darauf, den längst verfaulten Apfel “Fall Mischke” nochmal aufzuheben? Weil die Kollegin Annika Schneider/uebermedien anlässlich einer österlichen ARD-Pressemitteilung – ein merkwürdiges Phänomen im aufmerksamkeitsökonomischen Betrieb – hinterherrechiert hatte, und ihre Ergebnisse wiederum erst eine weitere Woche später paywallfrei wurden: “ARD-Castings laufen in Zukunft besser. Sagt die ARD. – Warum ausgerechnet Thilo Mischke Kulturmoderator bei ‘ttt’ werden sollte, brachte die ARD in Erklärungsnot. Jetzt stellt der Sender seine Moderatoren-Castings neu auf – angeblich. Denn was sich konkret ändert, behält die ARD lieber für sich.”
Ich weiss, es ist sinnlos. Es ist vergeblich. Aber das motivierte mich dazu, nach den Mitgliedern des Geheimbundes “ARD-Kulturchefs” zu suchen. Hier meine Ergebnisse. Ich lasse Sie live teilhaben.
Ich fange oben, im Norden, an, beim einst mächtigen, einst ernstgenommenen NDR. Ist das nicht der, der die alljährlichen deutschen ESC-Niederlagen verantwortet? Ich glaub’ ja. Denn ich stosse dort auf den NRW-Export Frank Beckmann. Der hat auch sonst schon einiges auf dem Kerbholz – aber ich vermute, der weiss zuviel.
Vom NDR umringt sind die Zwergenanstalten Radio Bremen und RBB. Gehen Sie davon aus, dass sich dort alle untereinander kennen. Das Gegenstück zu Beckmann ist in Bremen Jan Weyrauch. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Herren Direktoren gar keine Zeit hatten, noch selbst zu arbeiten. Sie werden also ihre Verantwortung abschieben auf irgendjemand in ihrem spannenden Organigramm.
So war das ja auch beim RBB in der Gelbhaar-Affäre. Im “Fall Mischke” ist Frau Martina Zöllner verdächtig. Aber natürlich auch nur, wenn sie Zeit hatte.
Da ist es beim nach wie vor mächtigen WDR einfacher zu verorten. Sie ist auch geständig, insofern, dass sie sich keiner Schuld bewusst ist: Andrea Schafarczyk. Aus den erregten WDR-Gremien weiss ich: Frau Schafarczyk hat alles richtig gemacht.
Beim Hessischen Rundfunk will Intendant Florian Hager neue “moderne” Saiten aufziehen. Transparenz gehört nicht dazu. Oder doch? Im HR-Organigramm ist eine “Kultur-Unit” auffindbar, ganz jung, chic und neu – aber ohne Namen derer, die die Arbeit machen. Vorgesetzt ist ihnen Programmdirektorin Krittian.
Wir nähern uns dem Kern des Problems. “ttt” war früher die Hessen-Ausgabe des “ARD-Kulturreports”. Weil mit letzterer Begrifflichkeit viele nichts anfangen konnten, wählten sie für wirkungsvolleres Branding “ttt”. Nun soll die Koordination für den Scherbenhaufen der MDR übernommen haben, dessen Intendant Ralf Ludwig unüberhörbare Probleme hat, in seinen Kontrollgremien den Personalvorschlag Jana Brandt noch irgendwo und irgendwie durchzubringen. Die soll nämlich in der ARD jetzt koordinieren, was im “Fall Mischke” alles schiefgegangen ist. Sollen wir wetten, wie es ausgeht?
SWR-Kulturchefin ist seit 2020 Bayern-Import Anke Mai. Nach meinem Eindruck ist die bisher clever in Deckung geblieben. Oder haben Sie was bemerkt?
Das gilt auch für Bayerns NDR-Import Björn Wilhelm. Aus seiner Wikipedia-Biografie geht hervor, dass das Chefsein ihm beim Studium im deutschen Machtzentrum Hannover in die Wiege seines Studiums gelegt wurde. Zu gutem Chefsein gehört auch Diskretion über das Ich. Bravo, das ist gelungen. Oder haben Sie einen anderen Eindruck?
Das letzte Machtzentrum deutscher Staatsgewalt ist das Saarland, kleiner als Köln, aber mehr als doppelt so einflussreich. Hier firmiert Ricarda Wackers als Kulturchefin. Ihr Vertrag wurde mitten in den “Mischke”-Wirren mit Begeisterung verlängert. Sie kann also ebenfalls nichts falsch gemacht haben. Oder was meinen Sie?
Also, wenn wir das so überblicken: ist diese ARD nicht töfte? Was machten wir nur ohne sie? Der Hessen-Hager ist übrigens derzeit auch “ARD-Vorsitzender”. Was wird er im Schilde führen? Und was davon wird ihm gelingen? Ich wüsste es tatsächlich gerne.
Für unsere Information. Für unsere Demokratie. Eine Übertreibung ist das nicht. Aber die merken ja nichts …
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Eine 30-Minuten-Recherche in den Tiefen der ARD-“Kultur”
Matthias Dell/DLF hat es Monate später immer noch keine Ruhe gelassen. “Was wurde eigentlich aus der Causa Thilo Mischke?” (4 min, nur Audio, danke Frau Teichmann!) Warum? Weil seine Schlussfrage mit einem klaren Nein beantwortet werden muss: “Die Frage ist nur, ob die Affäre damit vorbei ist.” Nein, viele weitere werden folgen. Denn in den Anstalten merken die nichts …
Gestern erst schrieb ich an meinen WDR: “Sehr geehrte Damen und Herren, beim Versuch, den Wetterbericht in Ihrer Sendung zu erwischen, der, wenn die ARD sich schon mit Händen und Füssen gegen ein ‘Klima vor 8’ wehrt, immerhin gelegentlich klimapolitische Fakten enthält, musste ich Ihrer Studiobesatzung dabei zusehen, wie die dabei zusah, wie der neue Vereinsvorsitzende der Katholischen Kirche in Rom präsentiert wurde. Die gleichen Bilder gabs ja nur – ich habe nur 13 öffentlich-rechtliche Programme (DVB-T2) – bei ARD, ZDF, 3sat, Phönix und Tagesschau24. Das reichte natürlich nicht aus. Für Katholik*inn*en. Ich weiss ja nicht, ob Sies schon wussten – wahrscheinlich hat es Ihnen wieder keine*r gesagt – aber: ‘Die Zahl der Kirchenmitglieder hat sich in den letzten fünfzig Jahren von über 90 auf 45% halbiert, während sich die Zahl der Konfessionsfreien von unter fünf auf fast 50% verzehnfacht hat. Laut Fowid lag der Anteil der größten Einzelgruppe, der Konfessionslosen, zum Jahresende 2023 bei 46,2% und Jahresende 2024 bei 47%.’ zit. Wikipedia (Zahlen für Deutschland). Haben Sie auch ein Programmangebot für die Mehrheit? Freundliche Grüße”
Es geht nicht um Mischke, auch nicht um den Papst – es geht um die Weltwahrnehmung. Die ist in “unseren” Anstalten schwerbeschädigt. Die, die noch drin sind, sind mit ihrem Hamsterrad ausgelastet.
Wie kam Dell darauf, den längst verfaulten Apfel “Fall Mischke” nochmal aufzuheben? Weil die Kollegin Annika Schneider/uebermedien anlässlich einer österlichen ARD-Pressemitteilung – ein merkwürdiges Phänomen im aufmerksamkeitsökonomischen Betrieb – hinterherrechiert hatte, und ihre Ergebnisse wiederum erst eine weitere Woche später paywallfrei wurden: “ARD-Castings laufen in Zukunft besser. Sagt die ARD. – Warum ausgerechnet Thilo Mischke Kulturmoderator bei ‘ttt’ werden sollte, brachte die ARD in Erklärungsnot. Jetzt stellt der Sender seine Moderatoren-Castings neu auf – angeblich. Denn was sich konkret ändert, behält die ARD lieber für sich.”
Ich weiss, es ist sinnlos. Es ist vergeblich. Aber das motivierte mich dazu, nach den Mitgliedern des Geheimbundes “ARD-Kulturchefs” zu suchen. Hier meine Ergebnisse. Ich lasse Sie live teilhaben.
Ich fange oben, im Norden, an, beim einst mächtigen, einst ernstgenommenen NDR. Ist das nicht der, der die alljährlichen deutschen ESC-Niederlagen verantwortet? Ich glaub’ ja. Denn ich stosse dort auf den NRW-Export Frank Beckmann. Der hat auch sonst schon einiges auf dem Kerbholz – aber ich vermute, der weiss zuviel.
Vom NDR umringt sind die Zwergenanstalten Radio Bremen und RBB. Gehen Sie davon aus, dass sich dort alle untereinander kennen. Das Gegenstück zu Beckmann ist in Bremen Jan Weyrauch. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Herren Direktoren gar keine Zeit hatten, noch selbst zu arbeiten. Sie werden also ihre Verantwortung abschieben auf irgendjemand in ihrem spannenden Organigramm.
So war das ja auch beim RBB in der Gelbhaar-Affäre. Im “Fall Mischke” ist Frau Martina Zöllner verdächtig. Aber natürlich auch nur, wenn sie Zeit hatte.
Da ist es beim nach wie vor mächtigen WDR einfacher zu verorten. Sie ist auch geständig, insofern, dass sie sich keiner Schuld bewusst ist: Andrea Schafarczyk. Aus den erregten WDR-Gremien weiss ich: Frau Schafarczyk hat alles richtig gemacht.
Beim Hessischen Rundfunk will Intendant Florian Hager neue “moderne” Saiten aufziehen. Transparenz gehört nicht dazu. Oder doch? Im HR-Organigramm ist eine “Kultur-Unit” auffindbar, ganz jung, chic und neu – aber ohne Namen derer, die die Arbeit machen. Vorgesetzt ist ihnen Programmdirektorin Krittian.
Wir nähern uns dem Kern des Problems. “ttt” war früher die Hessen-Ausgabe des “ARD-Kulturreports”. Weil mit letzterer Begrifflichkeit viele nichts anfangen konnten, wählten sie für wirkungsvolleres Branding “ttt”. Nun soll die Koordination für den Scherbenhaufen der MDR übernommen haben, dessen Intendant Ralf Ludwig unüberhörbare Probleme hat, in seinen Kontrollgremien den Personalvorschlag Jana Brandt noch irgendwo und irgendwie durchzubringen. Die soll nämlich in der ARD jetzt koordinieren, was im “Fall Mischke” alles schiefgegangen ist. Sollen wir wetten, wie es ausgeht?
SWR-Kulturchefin ist seit 2020 Bayern-Import Anke Mai. Nach meinem Eindruck ist die bisher clever in Deckung geblieben. Oder haben Sie was bemerkt?
Das gilt auch für Bayerns NDR-Import Björn Wilhelm. Aus seiner Wikipedia-Biografie geht hervor, dass das Chefsein ihm beim Studium im deutschen Machtzentrum Hannover in die Wiege seines Studiums gelegt wurde. Zu gutem Chefsein gehört auch Diskretion über das Ich. Bravo, das ist gelungen. Oder haben Sie einen anderen Eindruck?
Das letzte Machtzentrum deutscher Staatsgewalt ist das Saarland, kleiner als Köln, aber mehr als doppelt so einflussreich. Hier firmiert Ricarda Wackers als Kulturchefin. Ihr Vertrag wurde mitten in den “Mischke”-Wirren mit Begeisterung verlängert. Sie kann also ebenfalls nichts falsch gemacht haben. Oder was meinen Sie?
Also, wenn wir das so überblicken: ist diese ARD nicht töfte? Was machten wir nur ohne sie? Der Hessen-Hager ist übrigens derzeit auch “ARD-Vorsitzender”. Was wird er im Schilde führen? Und was davon wird ihm gelingen? Ich wüsste es tatsächlich gerne.
Für unsere Information. Für unsere Demokratie. Eine Übertreibung ist das nicht. Aber die merken ja nichts …
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So... fun fact: it turns out that our brand new apartment in #Paris was the set of a reasonably famous French film.
(Romy Schneider had a mental breakdown in our living room once. I just think that's... really cool.)
https://www.youtube.com/watch?v=d2RALZ18z88
#film #france #romyschneider #klauskinski #jacquesdutronc #cinema
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Gestern nahmen Zehntausende an Demos für eine schnellere Energiewende teil. In Rheinland-Pfalz hat Gordon Schnieder im Wahlkampf klar kommuniziert, dass Klima und Energiewende für ihn nicht nur keine Priorität haben, sondern dass er als Ministerpräsident mit der CDU zurückrudern will. Ich hoffe, dass es weitere bundesweite Demos gibt.
Was meint Ihr: Sollte es auch in Mainz eine Energiewende-Demo als klares Signal an Schnieder geben?
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/energiewende-proteste-100.html
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«La pauvre France est en droit de se faire conduire comme bon lui semble dans l’écriture de son histoire, mais le peuple algérien refuse d’emprunter ce même chemin tracé par Benjamin Stora, ses semblables et ses aïeux (...) à l’origine de la prise d’Alger, les Bacri et les Busnach – commerçants véreux convoitant l’immense trésor de la Régence pour leurs maîtres, les Rothschild, les Seillière et les Schneider.»
#Algérie : diatribe #antisémite contre #BenjaminStora
https://www.liberation.fr/politique/algerie-benjamin-stora-cible-par-une-diatribe-antisemite-au-vu-et-au-su-du-pouvoir-20230104_D5L23YZ2EBEA7CF3JXRCG6OLRI/ -
Demokratie braucht eine funktionierende Öffentlichkeit – und die verschwindet gerade
Für Euch kuratiert: Die demokratische Debatte verschiebt sich dorthin, wo sie sich selbst abschafft – auf Plattformen, die wenigen Männern gehören, die gerade dabei sind, die Spielregeln umzuschreiben. Ralf Heimann spricht im MDR-Altpapier vom „Feldzug gegen die liberale Demokratie“. Habermas warnte vor dem digitalen Feudalismus, Peter Sloterdijk beschreibt den heutigen Fürsten als Träger von Medien-, Affekt- und Aufmerksamkeitsmacht – das Cover seines neuen Buches zeigt passenderweise Donald Trump. Mark Zuckberg liefert gerade das Lehrstück, indem er das Wort „Antifa“ aus seinen asozialen Plattformen entfernen will – in devotem Gehorsam gegenüber Trump.
Gunnar Sohn beschreibt parallel, wie der professionelle Journalismus ökonomisch zwischen Paywall und Plattform aufgerieben wird. Und ine Allensbach-Umfrage im Auftrag der FAZ widmet sich dem Them „Zuhören“ – und muss natürlich im Titel ins Bashing gegenüber den Grünen einstimmen, die sich demnach noch vor der AfD mit anderen Meinungen schwer tun. Dabei gibt es ganz andere, viel interessantere Erkenntnisse. Dieser Beitrag sortiert, warum gepflegter Diskurs freie Plattformen braucht – und warum beides im Moment gleichzeitig verschwindet.
Feldzug gegen die Demokratie: Warum die Krise der Öffentlichkeit keine Medienkrise ist
Ralf Heimann formuliert im MDR-Altpapier einen Satz, der sich festsetzt: Was wir gerade erleben, ist kein Krieg gegen Medien – es ist ein Feldzug gegen die liberale Demokratie. Wer sich wie die BigTech-Mogule aus den USA immer mehr die Kontrolle über die Öffentlichkeit aneignet, sie vielleicht gar schon besitzt, eignet sich die Macht des Volkes, der Wählerinnen und Wähler an. So einfach und so brutal ist die Diagnose. Das geht weit über Stilfragen oder Etiketten im Netz hinaus.
Der Paderborner Medienwissenschaftler Christian Fuchs bringt es so auf den Punkt: Die Krise der Öffentlichkeit ist eine Krise des Kapitalismus, der in Globalisierung, Digitalisierung und ökonomischen Verwerfungen seine eigene Ordnung ins Rutschen gebracht hat. In diesem unwirtlichen Klima bietet der digitale Faschismus das, was den Menschen aus guten Gründen fehlt: Halt, Orientierung, eine klare Erzählung.
Nur dass diese Erzählung billig gekauft ist – Ängste und Wut werden auf konstruierte Sündenböcke umgelenkt, Identität wird als vermeintlich bedrohter Phantombesitz inszeniert, der nie real war. Das ist keine Randerscheinung einer sonst funktionierenden Demokratie, sondern ihr strukturelles Gegenmodell. Und es gedeiht präzise dort besonders gut, wo Aufmerksamkeit Ware ist, Empörung Währung und Zuspitzung der Motor: auf besagten großen Plattformen.
Der Fürst auf dem Marktplatz: Habermas, Sloterdijk und Metas „Antifa“-Regel
Jürgen Habermas hat noch zu Lebzeiten davor gewarnt, dass wir in eine Art digitalen Feudalismus zurückgleiten könnten. Das Bild ist präzise. Im Mittelalter gehörte der Marktplatz dem König oder der Kirche – dort wurde verhandelt, getauscht, gestritten, aber nach Regeln, die andere gesetzt hatten. Heute ist der Marktplatz die Plattform, und die Könige heißen Mark Zuckerberg und Elon Musk. Sie setzen die Regeln, sie ändern sie, sie räumen auf, wenn es ihnen politisch opportun erscheint.
Peter Sloterdijk hat diesen neuen Fürsten in seinem Buch „Der Fürst und seine Erben“ beschrieben – und das Cover zeigt, wohl kaum zufällig, Donald Trump. Im Gespräch mit dem ORF hat er den Gedanken zugespitzt: Der Fürst trägt heute keine Krone mehr. Er trägt Medienmacht, Affektmacht, Aufmerksamkeitsmacht. Die Macht, die früher durch Land, Erbe und militärische Gefolgschaft gesichert war, stützt sich heute auf das, was auf Bildschirmen sichtbar und klickbar ist. Und wer diese Sichtbarkeit kontrolliert, kontrolliert den politischen Möglichkeitsraum.
Dass Trump diese Rolle nicht zufällig besetzt, sich gar als Heilsbringer und Messias inszeniert, habe ich in diesem Blog schon mehrfach beschrieben. Nach dem berühmten Eklat mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office im Februar 2025, bei dem er den ukrainischen Präsidenten vor laufenden Kameras zusammenfaltete, sagte Trump den entlarvenden Satz: „This is going to be great television.“ Wer so spricht, regiert nicht. Er inszeniert.
Trump ist ein ehemaliger Reality-TV-Star, der die Präsidentschaft konsequent als Fortsetzung seiner Show mit anderen Mitteln betreibt – polarisierend, unterhaltsam, jede Grenzüberschreitung ein Quoten-Event, der davon ablenkt, wie er und seine Gefolgsleute inklusive der TechBros sich bereichern. Die Logik ist keine politische, sondern eine mediale: Das nächste Bild, die nächste Empörung, der nächste Auftritt. Genau das ist Sloterdijks Fürst: Er braucht kein Programm, er braucht Sendeplatz. Und die Plattformen liefern ihn rund um die Uhr, kostenlos, ungefiltert, vor allem algorithmisch durch Musks und Zuckersbergs asoziale Medien und TikTok verstärkt.
Wie nah das an der Gegenwart ist, zeigt ein Bericht, den Sam Biddle in dieser Woche für The Intercept veröffentlicht hat. Meta hat seine Community Standards still und leise so umgeschrieben, dass das Wort „Antifa“ künftig als potenzieller Regelverstoß gilt, sobald es in die Nähe eines „Threat Signals“ auftaucht – und was als Threat Signal zählt, ist weit ausgelegt: historische Gewaltereignisse, militärische Sprache, Bilder von Waffen.
Flankiert wird das von Trumps Verordnung, Antifa als „inländische Terrororganisation“ einzustufen – obwohl es diese Organisation schlicht nicht gibt. Meta liefert die technische Umsetzung zu Trumps politischem Wunsch. Das ist kein Kollateralschaden schludriger Moderation, das ist Sloterdijks Fürst in Aktion: Der Hausherr definiert, welches Vokabular auf seinem Marktplatz noch geduldet wird. In einem solchen Raum lässt sich vieles führen, aber kein freier demokratischer Diskurs.
Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht
Die andere Seite des digitalen Feudalismus beschreibt Gunnar Sohn in seinem Blog „ichsagmal.com“. Anlass ist die Schließung der Digitaleinheit von Bauer Media – 160 Stellen verschwinden, ein weiteres Symptom einer strukturellen Erosion. Gunnars Befund: Das alte Verlagsgeschäft war ein Bündel – Nachrichten, Kommentare, Stellenmarkt, Immobilien, Kleinanzeigen, lokale Präsenz. Das Bündel war wirtschaftlich stark, weil sich die Teile gegenseitig stützten.
Dieses Bündel hat sich aufgelöst. Autos wanderten zu Autoscout, Jobs zu Stepstone und LinkedIn, Wohnungen zu Immoplattformen. Zurück bleibt das teuerste, riskanteste Stück: der professionelle Inhalt. Ohne Quersubvention. Und ohne wirklich tragfähiges digitales Geschäftsmodell. Dass die Branche darauf mit Paywalls, Abooffensiven und immer neuen Bezahlschranken reagiert, ist keine Antwort. Es ist die digitale Variante des alten Kioskdenkens in einer Zeit, in der die Leserschaft längst on demand lebt.
Entscheidend wird sein zweiter Punkt: Die Verlage verlieren nicht nur Geld, sie verlieren ihre Stellung im Markt. Früher besaßen sie Produktion, Bündelung, Vertrieb und Vermarktung. Heute gehört ihnen oft nur noch die Redaktion – der Rest liegt bei Plattformen, Suchmaschinen, App-Stores und Adtech-Ketten. Wer nur noch den Inhalt besitzt, besitzt im digitalen Medienmarkt das riskanteste Glied.
Diese strukturelle Erosion zeigt sich nicht nur in den Verlagen, sondern trifft die gesamte Medienlandschaft. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt dieser Tage Vertreter von Lokalmedien im Schloss Bellevue – ein Signal der Wertschätzung für eine Branche, die unter einbrechendem Suchmaschinen-Traffic und hohem Kostendruck leidet. Wie Florian Harms im Tagesanbruch treffend formuliert: Mehr als die Hälfte des „Contents“ im digitalen Universum entstammt bereits der synthetischen Feder künstlicher Intelligenzen, Tendenz zunehmend. Das World Wide Web ist zu einem Spinnennetz mutiert, in dessen Fälschungsfäden sich sogar aufgeklärte Zeitgenossen verheddern.
Von Rogan zu KI-Bots: Wie Influencer die Demokratie kapern
Diese Entwicklung zeigt sich besonders drastisch in den USA, wo eine Studie des Jordan Center for Journalism Innovation die komplette Umkehr der Informationshierarchie dokumentiert. Knapp 70 Prozent der Amerikaner informieren sich online, nur noch 55 Prozent schauen Fernsehnachrichten, Zeitungen erreichen nur noch 25 Prozent. Der umstrittene Podcaster Joe Rogan führt das Ranking der einflussreichsten Nicht-Politiker an, gefolgt von Fox-News-Gesichtern und konservativen Kommentatoren.
Bei den Harris-Wählern dominieren Late-Night-Entertainer wie Jimmy Kimmel und Stephen Colbert als primäre Informationsquellen. Trump und andere Politiker umgehen die redaktionellen Filter komplett und kommunizieren direkt mit ihrer Basis – Influencer statt Journalisten, Unterhaltung statt demokratischer Öffentlichkeit.
Wie man diesen Verfall der professionellen Berichterstattung systematisch ausnutzt, zeigt eine Recherche der New York Times: Hunderte KI-generierte Pro-Trump-Influencer sind in den sozialen Medien aufgetaucht – Avatare, die wie echte Menschen aussehen, aber vollständig künstlich erstellt wurden. „If you support Trump, you just made a friend“, sagen sie alle mit derselben Botschaft.
Mindestens 304 solcher Accounts wurden allein auf TikTok identifiziert, einige mit über 35.000 Followern, manche Posts mit mehr als einer halben Million Aufrufen. Die Kosten pro Post: 1 bis 3 Dollar. „They’re trying to spread political messages and give an illusion of a consensus“, erklärt ein KI-Experte. Es ist der digitale Feudalismus in Perfektion: Wo echter Journalismus erodiert, füllen Fake-Influencer das Vakuum.
Inmitten dieser Auswüchse wirke der professionelle Journalismus fast wie ein Anachronismus, meint Florian Harms im T-Online Tagesanbruch. Professionelle Berichterstattung funktioniert anders: Sie hinterfragt, prüft, wägt ab, ordnet ein. Echte Journalisten rufen dazwischen, statt nachzuplappern. Sie erklären, statt zu predigen. Sie suchen das Gespräch mit ihren Lesern, statt Panik zu verbreiten. Und sie behalten (hoffentlich) einen klaren Kopf, während um sie herum die Influencer-Maschinerie hyperventiliert.
Von redaktioneller Verantwortung zu Algorithmus-Klickerei
Hier treffen sich die Linien. Wenn Meta den Diskursraum einhegt und parallel die publizistische Infrastruktur, die Gegenöffentlichkeit herstellen müsste, ökonomisch ausgezehrt wird, dann verschiebt sich Öffentlichkeit – wie Gunnar präzise schreibt – schleichend weg von redaktioneller Verantwortung, hin zu Plattformlogik, Personenkult und Erregungsökonomie. Nicht jede Zeitung muss gerettet werden, wie Gunnar richtig bemerkt. Aber der Journalismus schon. Und dafür braucht es eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur so ernst nimmt wie kulturelle oder wissenschaftliche Infrastruktur – und nicht als Nebensache neben Tankrabatt und Rentenpaket.
Die Dringlichkeit wird deutlich, wenn man das gemeinsame Positionspapier der Verlegerverbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Südtirol liest: „Wer den Informationsfluss kontrolliert, kontrolliert die Demokratie. Diese Kontrolle darf nicht bei digitalen Gatekeepern monopolisiert werden. Die Politik steht an einem historischen Scheideweg: Entweder sichert sie die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Basis unabhängiger Medien – oder sie überlässt die Grundlage der demokratischen Öffentlichkeit wenigen globalen Plattformkonzernen und KI-Anbietern.“ Präziser lässt sich das Dilemma kaum beschreiben.
Debattenkultur als Ablenkung: Die FAZ muss natürlich mit den Grünen aufmachen
Parallel zu alldem hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der FAZ eine Umfrage zum Thema Zuhören veröffentlicht, die einige wichtige Aussagen über Öffentlichkeit und Demokratie enthält. Diejenigen, die Meinungsfreiheit am lautesten einfordern, meinen damit oft nur die Freiheit der eigenen Meinung. Analoge Freundeskreise sind politisch homogener als digitale – die liebgewonnene Erzählung von der Filterblase im Netz, die einen sonst vielfältigen Offline-Austausch zerstört, hält den Ergebnissen von Allensbach nicht stand.
Problematisch wird es erst, wenn der Kontakt ganz abreißt – wenn man Andersdenkende nicht mehr im Umfeld hat, weil man sich von ihnen getrennt hat oder weil man sich so abgekapselt hat, dass man ihnen gar nicht mehr begegnet. Und genau das zeigte sich 2022 in einer einzigen Gruppe: Nur unter rechtsradikalen Befragten sagte die Mehrheit, in ihrem Umkreis gebe es solche Personen nicht. Die AfD-Sympathisanten leben also überwiegend in einem geschlossenen Milieu, in dem alle ähnlich ticken – nicht, weil sie von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sondern weil sie sich selbst aus ihr herausgezogen haben. Das ist die empirische Widerlegung des Opfer-Narrativs, das in diesen Kreisen so gern gepflegt wird.
Traurig ist, dass auch eine etablierte, seriöse Publikation wie die FAZ ins Grünen-Bashing einstimmen muss. Überschrift, Vorspann, Teaser: Grünen-Bashing. Sie muss natürlich mit der Zahl aufmachen, dass 28 Prozent der Grünen-Anhänger Probleme mit abweichenden Meinungen haben – knapp vor den AfD-Anhängern mit 24 Prozent. Das ist keine Ungeschicklichkeit, das ist eine bewusste redaktionelle Entscheidung. Schade.
Sie reiht sich ein in ein derzeit bekanntes Muster: Wo immer es sich so drehen lässt, dass die progressive Mitte als eigentliches Intoleranzproblem erscheint, wird es gedreht – bei der FAZ wohl des eigenen rechtskonservativ-demokratischen Selbstverständnisses. Nach dem Sieg von Maygar in Ungarn ist der feuchte Traum der FAZ-Redaktion (und mancher Konservativer inklusive der CDU/CSU) rechts schlägt rechts außen – Ungarn als Vorbild. wohl Dass dabei eine Partei, die ganze Bevölkerungsgruppen aus dem demokratischen Raum remigrieren will, bei diesem Narrativ auf Platz zwei der Sorgenkinder rutscht, wird offenen Auges in Kauf genommen.
Dass die beiden Zahlen inhaltlich nicht vergleichbar sind, weil Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen in einem Milieu, das die Meinungsfreiheit anderer programmatisch bestreitet, etwas völlig anderes bedeutet, ist keines einordnenden Satzes wert. Dass die Studie der Medienanstalten vom 10. April zeigt, dass sich ausgerechnet AfD-Affine in ihrer Meinungsäußerung eingeschränkt fühlen, während Grüne und Linke häufiger angeben, frei sprechen zu können – der eigentliche Hinweis auf eine verzerrte Meinungsfreiheitsdebatte – taucht in der FAZ-Geschichte nicht auf. Eine Zeitung, die den Feldzug gegen die liberale Demokratie ernst nimmt, würde solche Gedanken zumindest mit einfließen lassen.
Freie Räume statt fremder Höfe: Was jetzt zu tun wäre
Gepflegter demokratischer Diskurs braucht freie Räume. Das ist der Punkt, an dem alle Linien zusammenlaufen. Solange die Infrastruktur, auf der wir einander begegnen, privat, zentralisiert und profitorientiert organisiert ist, wird jeder Appell an bessere Umgangsformen zur Kosmetik.
Patrick Gensing formuliert das in seinem taz-Essay klar: Erst wenn Sichtbarkeit nicht mehr monopolisiert wird, können Fakten wieder als gemeinsame Bezugsebene wirken. Nicht als unfehlbare Wahrheit, sondern als Grundlage für Verständigung. Das ist der strukturelle Gegenentwurf zu Sloterdijks neuem Fürsten und Zuckerbergs Hausordnung.
Und hier kommt Heimanns wichtigste Pointe ins Spiel. Das Digitale, digitale Öffentlichkeitsräume, schreibt er, gelten weiterhin als Spezialthema von Nerds und Datenschützern – etwas, um das man sich neben den vermeintlich wichtigen Dingen wie Tankrabatt, Grenzkontrollen und Rentenpaket irgendwie auch kümmert, sofern Zeit ist. Die AfD sieht das ganz anders …
Irgendwann müsste mal durchdringen, dass an diesem vermeintlichen Spleen von komischen Nerds die Demokratie hängt. Plattformregulierung, Interoperabilität, digitale Souveränität, öffentlich-rechtliche digitale Räume, europäische Alternativen zu Meta und X, ein Fediverse, das nicht nur von einer engagierten Minderheit getragen wird, eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur als Infrastruktur begreift – das sind keine Orchideenthemen. Das sind die Versorgungsleitungen der Demokratie.
Wenn wir sie weiter an die Fürsten in Kalifornien auslagern, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Ton rauer und die Räume enger werden. Freie Räume entstehen nicht, weil wir höflicher werden. Sie entstehen, weil wir sie bauen, pflegen und politisch verteidigen. Und wenn wir sie haben – freie, unabhängige, demokratisch verfasste Räume –, dann wäre es wirklich schön, wenn wir einander darin auch zuhören. Nicht weil eine Umfrage es anmahnt. Sondern weil es die Grundlage ist, auf der Demokratie überhaupt möglich wird.
Quellen & Leseempfehlungen
- Ralf Heimann: Herrschaftszeiten – Das Altpapier vom 16. April 2026 (MDR)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, April 2026)
- Patrick Gensing: Fake News drohen das Rennen gegen Fakten zu gewinnen, was kann man dagegen tun? (taz)
- Christian Fuchs: Digitaler Faschismus und digitaler Kapitalismus (tripleC, Vol. 24 No. 1, 2026)
- Gunnar Sohn: Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht (ichsagmal.com)
- Gunnar Sohn: Der Fürst kehrt nicht zurück – er war nie fort: Das ORF-Gespräch mit Peter Sloterdijk als Bühne einer alten Wahrheit (ichsagmal.com)
- Thomas Gutschker: Ungarn als Vorbild? : Rechts schlägt rechts außen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.4.2026)
- Peter Sloterdijk: Der Fürst und seine Erben: Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute (Buch, 2026)
- Sam Biddle: Facebook and Instagram Tighten Censorship Rules for Saying „Antifa“ (The Intercept, 14. April 2026)
- Thomas Petersen: Allensbach-Umfrage: Grünen-Anhänger tun sich mit anderen Meinungen besonders schwer(FAZ)
- Denis Glismann: Studie der Medienanstalten: Debattenkultur im Netz erodiert (netzpolitik.org, 10. April 2026)
- die medienanstalten: Transparenz-Check – Digitale Diskussionsräume: Diskursqualität & Beteiligung unter journalistisch-redaktionellen Beiträgen in Sozialen Medien (2026)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, 21.4.2026)
- Jonas Schaible: Newsletter „beimwort“ (zitiert in Heimann, Altpapier)
- Verlegerverbände Deutschland/Österreich/Schweiz/Luxemburg/Südtirol: Gemeinsamer Aufruf für faire Rahmenbedingungen im digitalen Medienmarkt
- Stefan Krempl: Bye-bye TV-News: US-Wähler setzen auf Influencer statt auf Nachrichten (heise online, 18. April 2026)
- Tiffany Hsu: Hundreds of Fake Pro-Trump Avatars Emerge on Social Media (The New York Times, 17. April 2026)
- Stefan Pfeiffer: Late Night Shows & TikTok: Trump, der Puppenspieler – Wochenschau (StefanPfeiffer.Blog, 25. September 2025)
- Stefan Pfeiffer: Great Television statt Demokratie: Wie Trump die US-Politik TV-isisiert (StefanPfeiffer.Blog, 13. August 2025)
- Stefan Pfeiffer: Fakten allein retten keine Demokratie mehr – aber wir brauchen sie (StefanPfeiffer.Blog, 2. April 2026)
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Demokratie braucht eine funktionierende Öffentlichkeit – und die verschwindet gerade
Für Euch kuratiert: Die demokratische Debatte verschiebt sich dorthin, wo sie sich selbst abschafft – auf Plattformen, die wenigen Männern gehören, die gerade dabei sind, die Spielregeln umzuschreiben. Ralf Heimann spricht im MDR-Altpapier vom „Feldzug gegen die liberale Demokratie”. Habermas warnte vor dem digitalen Feudalismus, Peter Sloterdijk beschreibt den heutigen Fürsten als Träger von Medien-, Affekt- und Aufmerksamkeitsmacht – das Cover seines neuen Buches zeigt passenderweise Donald Trump. Mark Zuckberg liefert gerade das Lehrstück, indem er das Wort „Antifa” aus seinen asozialen Plattformen entfernen will – in devotem Gehorsam gegenüber Trump.
Gunnar Sohn beschreibt parallel, wie der professionelle Journalismus ökonomisch zwischen Paywall und Plattform aufgerieben wird. Und ine Allensbach-Umfrage im Auftrag der FAZ widmet sich dem Them “Zuhören” – und muss natürlich im Titel ins Bashing gegenüber den Grünen einstimmen, die sich demnach noch vor der AfD mit anderen Meinungen schwer tun. Dabei gibt es ganz andere, viel interessantere Erkenntnisse. Dieser Beitrag sortiert, warum gepflegter Diskurs freie Plattformen braucht – und warum beides im Moment gleichzeitig verschwindet.
Feldzug gegen die Demokratie: Warum die Krise der Öffentlichkeit keine Medienkrise ist
Ralf Heimann formuliert im MDR-Altpapier einen Satz, der sich festsetzt: Was wir gerade erleben, ist kein Krieg gegen Medien – es ist ein Feldzug gegen die liberale Demokratie. Wer sich wie die BigTech-Mogule aus den USA immer mehr die Kontrolle über die Öffentlichkeit aneignet, sie vielleicht gar schon besitzt, eignet sich die Macht des Volkes, der Wählerinnen und Wähler an. So einfach und so brutal ist die Diagnose. Das geht weit über Stilfragen oder Etiketten im Netz hinaus.
Der Paderborner Medienwissenschaftler Christian Fuchs bringt es so auf den Punkt: Die Krise der Öffentlichkeit ist eine Krise des Kapitalismus, der in Globalisierung, Digitalisierung und ökonomischen Verwerfungen seine eigene Ordnung ins Rutschen gebracht hat. In diesem unwirtlichen Klima bietet der digitale Faschismus das, was den Menschen aus guten Gründen fehlt: Halt, Orientierung, eine klare Erzählung.
Nur dass diese Erzählung billig gekauft ist – Ängste und Wut werden auf konstruierte Sündenböcke umgelenkt, Identität wird als vermeintlich bedrohter Phantombesitz inszeniert, der nie real war. Das ist keine Randerscheinung einer sonst funktionierenden Demokratie, sondern ihr strukturelles Gegenmodell. Und es gedeiht präzise dort besonders gut, wo Aufmerksamkeit Ware ist, Empörung Währung und Zuspitzung der Motor: auf besagten großen Plattformen.
Der Fürst auf dem Marktplatz: Habermas, Sloterdijk und Metas „Antifa”-Regel
Jürgen Habermas hat noch zu Lebzeiten davor gewarnt, dass wir in eine Art digitalen Feudalismus zurückgleiten könnten. Das Bild ist präzise. Im Mittelalter gehörte der Marktplatz dem König oder der Kirche – dort wurde verhandelt, getauscht, gestritten, aber nach Regeln, die andere gesetzt hatten. Heute ist der Marktplatz die Plattform, und die Könige heißen Mark Zuckerberg und Elon Musk. Sie setzen die Regeln, sie ändern sie, sie räumen auf, wenn es ihnen politisch opportun erscheint.
Peter Sloterdijk hat diesen neuen Fürsten in seinem Buch „Der Fürst und seine Erben” beschrieben – und das Cover zeigt, wohl kaum zufällig, Donald Trump. Im Gespräch mit dem ORF hat er den Gedanken zugespitzt: Der Fürst trägt heute keine Krone mehr. Er trägt Medienmacht, Affektmacht, Aufmerksamkeitsmacht. Die Macht, die früher durch Land, Erbe und militärische Gefolgschaft gesichert war, stützt sich heute auf das, was auf Bildschirmen sichtbar und klickbar ist. Und wer diese Sichtbarkeit kontrolliert, kontrolliert den politischen Möglichkeitsraum.
Dass Trump diese Rolle nicht zufällig besetzt, sich gar als Heilsbringer und Messias inszeniert, habe ich in diesem Blog schon mehrfach beschrieben. Nach dem berühmten Eklat mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office im Februar 2025, bei dem er den ukrainischen Präsidenten vor laufenden Kameras zusammenfaltete, sagte Trump den entlarvenden Satz: „This is going to be great television.” Wer so spricht, regiert nicht. Er inszeniert.
Trump ist ein ehemaliger Reality-TV-Star, der die Präsidentschaft konsequent als Fortsetzung seiner Show mit anderen Mitteln betreibt – polarisierend, unterhaltsam, jede Grenzüberschreitung ein Quoten-Event, der davon ablenkt, wie er und seine Gefolgsleute inklusive der TechBros sich bereichern. Die Logik ist keine politische, sondern eine mediale: Das nächste Bild, die nächste Empörung, der nächste Auftritt. Genau das ist Sloterdijks Fürst: Er braucht kein Programm, er braucht Sendeplatz. Und die Plattformen liefern ihn rund um die Uhr, kostenlos, ungefiltert, vor allem algorithmisch durch Musks und Zuckersbergs asoziale Medien und TikTok verstärkt.
Wie nah das an der Gegenwart ist, zeigt ein Bericht, den Sam Biddle in dieser Woche für The Intercept veröffentlicht hat. Meta hat seine Community Standards still und leise so umgeschrieben, dass das Wort „Antifa” künftig als potenzieller Regelverstoß gilt, sobald es in die Nähe eines „Threat Signals” auftaucht – und was als Threat Signal zählt, ist weit ausgelegt: historische Gewaltereignisse, militärische Sprache, Bilder von Waffen.
Flankiert wird das von Trumps Verordnung, Antifa als „inländische Terrororganisation” einzustufen – obwohl es diese Organisation schlicht nicht gibt. Meta liefert die technische Umsetzung zu Trumps politischem Wunsch. Das ist kein Kollateralschaden schludriger Moderation, das ist Sloterdijks Fürst in Aktion: Der Hausherr definiert, welches Vokabular auf seinem Marktplatz noch geduldet wird. In einem solchen Raum lässt sich vieles führen, aber kein freier demokratischer Diskurs.
Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht
Die andere Seite des digitalen Feudalismus beschreibt Gunnar Sohn in seinem Blog „ichsagmal.com”. Anlass ist die Schließung der Digitaleinheit von Bauer Media – 160 Stellen verschwinden, ein weiteres Symptom einer strukturellen Erosion. Gunnars Befund: Das alte Verlagsgeschäft war ein Bündel – Nachrichten, Kommentare, Stellenmarkt, Immobilien, Kleinanzeigen, lokale Präsenz. Das Bündel war wirtschaftlich stark, weil sich die Teile gegenseitig stützten.
Dieses Bündel hat sich aufgelöst. Autos wanderten zu Autoscout, Jobs zu Stepstone und LinkedIn, Wohnungen zu Immoplattformen. Zurück bleibt das teuerste, riskanteste Stück: der professionelle Inhalt. Ohne Quersubvention. Und ohne wirklich tragfähiges digitales Geschäftsmodell. Dass die Branche darauf mit Paywalls, Abooffensiven und immer neuen Bezahlschranken reagiert, ist keine Antwort. Es ist die digitale Variante des alten Kioskdenkens in einer Zeit, in der die Leserschaft längst on demand lebt.
Entscheidend wird sein zweiter Punkt: Die Verlage verlieren nicht nur Geld, sie verlieren ihre Stellung im Markt. Früher besaßen sie Produktion, Bündelung, Vertrieb und Vermarktung. Heute gehört ihnen oft nur noch die Redaktion – der Rest liegt bei Plattformen, Suchmaschinen, App-Stores und Adtech-Ketten. Wer nur noch den Inhalt besitzt, besitzt im digitalen Medienmarkt das riskanteste Glied.
Diese strukturelle Erosion zeigt sich nicht nur in den Verlagen, sondern trifft die gesamte Medienlandschaft. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt dieser Tage Vertreter von Lokalmedien im Schloss Bellevue – ein Signal der Wertschätzung für eine Branche, die unter einbrechendem Suchmaschinen-Traffic und hohem Kostendruck leidet. Wie Florian Harms im Tagesanbruch treffend formuliert: Mehr als die Hälfte des “Contents” im digitalen Universum entstammt bereits der synthetischen Feder künstlicher Intelligenzen, Tendenz zunehmend. Das World Wide Web ist zu einem Spinnennetz mutiert, in dessen Fälschungsfäden sich sogar aufgeklärte Zeitgenossen verheddern.
Von Rogan zu KI-Bots: Wie Influencer die Demokratie kapern
Diese Entwicklung zeigt sich besonders drastisch in den USA, wo eine Studie des Jordan Center for Journalism Innovation die komplette Umkehr der Informationshierarchie dokumentiert. Knapp 70 Prozent der Amerikaner informieren sich online, nur noch 55 Prozent schauen Fernsehnachrichten, Zeitungen erreichen nur noch 25 Prozent. Der umstrittene Podcaster Joe Rogan führt das Ranking der einflussreichsten Nicht-Politiker an, gefolgt von Fox-News-Gesichtern und konservativen Kommentatoren.
Bei den Harris-Wählern dominieren Late-Night-Entertainer wie Jimmy Kimmel und Stephen Colbert als primäre Informationsquellen. Trump und andere Politiker umgehen die redaktionellen Filter komplett und kommunizieren direkt mit ihrer Basis – Influencer statt Journalisten, Unterhaltung statt demokratischer Öffentlichkeit.
Wie man diesen Verfall der professionellen Berichterstattung systematisch ausnutzt, zeigt eine Recherche der New York Times: Hunderte KI-generierte Pro-Trump-Influencer sind in den sozialen Medien aufgetaucht – Avatare, die wie echte Menschen aussehen, aber vollständig künstlich erstellt wurden. “If you support Trump, you just made a friend”, sagen sie alle mit derselben Botschaft.
Mindestens 304 solcher Accounts wurden allein auf TikTok identifiziert, einige mit über 35.000 Followern, manche Posts mit mehr als einer halben Million Aufrufen. Die Kosten pro Post: 1 bis 3 Dollar. “They’re trying to spread political messages and give an illusion of a consensus”, erklärt ein KI-Experte. Es ist der digitale Feudalismus in Perfektion: Wo echter Journalismus erodiert, füllen Fake-Influencer das Vakuum.
Inmitten dieser Auswüchse wirke der professionelle Journalismus fast wie ein Anachronismus, meint Florian Harms im T-Online Tagesanbruch. Professionelle Berichterstattung funktioniert anders: Sie hinterfragt, prüft, wägt ab, ordnet ein. Echte Journalisten rufen dazwischen, statt nachzuplappern. Sie erklären, statt zu predigen. Sie suchen das Gespräch mit ihren Lesern, statt Panik zu verbreiten. Und sie behalten (hoffentlich) einen klaren Kopf, während um sie herum die Influencer-Maschinerie hyperventiliert.
Von redaktioneller Verantwortung zu Algorithmus-Klickerei
Hier treffen sich die Linien. Wenn Meta den Diskursraum einhegt und parallel die publizistische Infrastruktur, die Gegenöffentlichkeit herstellen müsste, ökonomisch ausgezehrt wird, dann verschiebt sich Öffentlichkeit – wie Gunnar präzise schreibt – schleichend weg von redaktioneller Verantwortung, hin zu Plattformlogik, Personenkult und Erregungsökonomie. Nicht jede Zeitung muss gerettet werden, wie Gunnar richtig bemerkt. Aber der Journalismus schon. Und dafür braucht es eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur so ernst nimmt wie kulturelle oder wissenschaftliche Infrastruktur – und nicht als Nebensache neben Tankrabatt und Rentenpaket.
Die Dringlichkeit wird deutlich, wenn man das gemeinsame Positionspapier der Verlegerverbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Südtirol liest: “Wer den Informationsfluss kontrolliert, kontrolliert die Demokratie. Diese Kontrolle darf nicht bei digitalen Gatekeepern monopolisiert werden. Die Politik steht an einem historischen Scheideweg: Entweder sichert sie die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Basis unabhängiger Medien – oder sie überlässt die Grundlage der demokratischen Öffentlichkeit wenigen globalen Plattformkonzernen und KI-Anbietern.” Präziser lässt sich das Dilemma kaum beschreiben.
Debattenkultur als Ablenkung: Die FAZ muss natürlich mit den Grünen aufmachen
Parallel zu alldem hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der FAZ eine Umfrage zum Thema Zuhören veröffentlicht, die einige wichtige Aussagen über Öffentlichkeit und Demokratie enthält. Diejenigen, die Meinungsfreiheit am lautesten einfordern, meinen damit oft nur die Freiheit der eigenen Meinung. Analoge Freundeskreise sind politisch homogener als digitale – die liebgewonnene Erzählung von der Filterblase im Netz, die einen sonst vielfältigen Offline-Austausch zerstört, hält den Ergebnissen von Allensbach nicht stand.
Problematisch wird es erst, wenn der Kontakt ganz abreißt – wenn man Andersdenkende nicht mehr im Umfeld hat, weil man sich von ihnen getrennt hat oder weil man sich so abgekapselt hat, dass man ihnen gar nicht mehr begegnet. Und genau das zeigte sich 2022 in einer einzigen Gruppe: Nur unter rechtsradikalen Befragten sagte die Mehrheit, in ihrem Umkreis gebe es solche Personen nicht. Die AfD-Sympathisanten leben also überwiegend in einem geschlossenen Milieu, in dem alle ähnlich ticken – nicht, weil sie von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sondern weil sie sich selbst aus ihr herausgezogen haben. Das ist die empirische Widerlegung des Opfer-Narrativs, das in diesen Kreisen so gern gepflegt wird.
Auch wenn ich das bei Grünen in unserem Bekanntenkreis manchmal beobachte: Traurig ist, dass auch eine etablierte, seriöse Publikation wie die FAZ ins Grünen-Bashing einstimmen muss. Überschrift, Vorspann, Teaser: Grünen-Bashing. Sie muss natürlich mit der Zahl aufmachen, dass 28 Prozent der Grünen-Anhänger Probleme mit abweichenden Meinungen haben – knapp vor den AfD-Anhängern mit 24 Prozent. Das ist keine Ungeschicklichkeit, das ist eine bewusste redaktionelle Entscheidung. Schade.
Sie reiht sich ein in ein derzeit bekanntes Muster: Wo immer es sich so drehen lässt, dass die progressive Mitte als eigentliches Intoleranzproblem erscheint, wird es gedreht – bei der FAZ wohl des eigenen rechtskonservativ-demokratischen Selbstverständnisses. Nach dem Sieg von Maygar in Ungarn ist der feuchte Traum der FAZ-Redaktion (und mancher Konservativer inklusive der CDU/CSU) rechts schlägt rechts außen – Ungarn als Vorbild. wohl Dass dabei eine Partei, die ganze Bevölkerungsgruppen aus dem demokratischen Raum remigrieren will, bei diesem Narrativ auf Platz zwei der Sorgenkinder rutscht, wird offenen Auges in Kauf genommen.
Dass die beiden Zahlen inhaltlich nicht vergleichbar sind, weil Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen in einem Milieu, das die Meinungsfreiheit anderer programmatisch bestreitet, etwas völlig anderes bedeutet, ist keines einordnenden Satzes wert. Dass die Studie der Medienanstalten vom 10. April zeigt, dass sich ausgerechnet AfD-Affine in ihrer Meinungsäußerung eingeschränkt fühlen, während Grüne und Linke häufiger angeben, frei sprechen zu können – der eigentliche Hinweis auf eine verzerrte Meinungsfreiheitsdebatte – taucht in der FAZ-Geschichte nicht auf. Eine Zeitung, die den Feldzug gegen die liberale Demokratie ernst nimmt, würde solche Gedanken zumindest mit einfließen lassen.
Freie Räume statt fremder Höfe: Was jetzt zu tun wäre
Gepflegter demokratischer Diskurs braucht freie Räume. Das ist der Punkt, an dem alle Linien zusammenlaufen. Solange die Infrastruktur, auf der wir einander begegnen, privat, zentralisiert und profitorientiert organisiert ist, wird jeder Appell an bessere Umgangsformen zur Kosmetik.
Patrick Gensing formuliert das in seinem taz-Essay klar: Erst wenn Sichtbarkeit nicht mehr monopolisiert wird, können Fakten wieder als gemeinsame Bezugsebene wirken. Nicht als unfehlbare Wahrheit, sondern als Grundlage für Verständigung. Das ist der strukturelle Gegenentwurf zu Sloterdijks neuem Fürsten und Zuckerbergs Hausordnung.
Und hier kommt Heimanns wichtigste Pointe ins Spiel. Das Digitale, digitale Öffentlichkeitsräume, schreibt er, gelten weiterhin als Spezialthema von Nerds und Datenschützern – etwas, um das man sich neben den vermeintlich wichtigen Dingen wie Tankrabatt, Grenzkontrollen und Rentenpaket irgendwie auch kümmert, sofern Zeit ist. Die AfD sieht das ganz anders …
Irgendwann müsste mal durchdringen, dass an diesem vermeintlichen Spleen von komischen Nerds die Demokratie hängt. Plattformregulierung, Interoperabilität, digitale Souveränität, öffentlich-rechtliche digitale Räume, europäische Alternativen zu Meta und X, ein Fediverse, das nicht nur von einer engagierten Minderheit getragen wird, eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur als Infrastruktur begreift – das sind keine Orchideenthemen. Das sind die Versorgungsleitungen der Demokratie.
Wenn wir sie weiter an die Fürsten in Kalifornien auslagern, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Ton rauer und die Räume enger werden. Freie Räume entstehen nicht, weil wir höflicher werden. Sie entstehen, weil wir sie bauen, pflegen und politisch verteidigen. Und wenn wir sie haben – freie, unabhängige, demokratisch verfasste Räume –, dann wäre es wirklich schön, wenn wir einander darin auch zuhören. Nicht weil eine Umfrage es anmahnt. Sondern weil es die Grundlage ist, auf der Demokratie überhaupt möglich wird.
Quellen & Leseempfehlungen
- Ralf Heimann: Herrschaftszeiten – Das Altpapier vom 16. April 2026 (MDR)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, April 2026)
- Patrick Gensing: Fake News drohen das Rennen gegen Fakten zu gewinnen, was kann man dagegen tun? (taz)
- Christian Fuchs: Digitaler Faschismus und digitaler Kapitalismus (tripleC, Vol. 24 No. 1, 2026)
- Gunnar Sohn: Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht (ichsagmal.com)
- Gunnar Sohn: Der Fürst kehrt nicht zurück – er war nie fort: Das ORF-Gespräch mit Peter Sloterdijk als Bühne einer alten Wahrheit (ichsagmal.com)
- Thomas Gutschker: Ungarn als Vorbild? : Rechts schlägt rechts außen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.4.2026)
- Peter Sloterdijk: Der Fürst und seine Erben: Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute (Buch, 2026)
- Sam Biddle: Facebook and Instagram Tighten Censorship Rules for Saying „Antifa” (The Intercept, 14. April 2026)
- Thomas Petersen: Allensbach-Umfrage: Grünen-Anhänger tun sich mit anderen Meinungen besonders schwer(FAZ)
- Denis Glismann: Studie der Medienanstalten: Debattenkultur im Netz erodiert (netzpolitik.org, 10. April 2026)
- die medienanstalten: Transparenz-Check – Digitale Diskussionsräume: Diskursqualität & Beteiligung unter journalistisch-redaktionellen Beiträgen in Sozialen Medien (2026)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, 21.4.2026)
- Jonas Schaible: Newsletter „beimwort” (zitiert in Heimann, Altpapier)
- Verlegerverbände Deutschland/Österreich/Schweiz/Luxemburg/Südtirol: Gemeinsamer Aufruf für faire Rahmenbedingungen im digitalen Medienmarkt
- Stefan Krempl: Bye-bye TV-News: US-Wähler setzen auf Influencer statt auf Nachrichten (heise online, 18. April 2026)
- Tiffany Hsu: Hundreds of Fake Pro-Trump Avatars Emerge on Social Media (The New York Times, 17. April 2026)
- Stefan Pfeiffer: Late Night Shows & TikTok: Trump, der Puppenspieler – Wochenschau (StefanPfeiffer.Blog, 25. September 2025)
- Stefan Pfeiffer: Great Television statt Demokratie: Wie Trump die US-Politik TV-isisiert (StefanPfeiffer.Blog, 13. August 2025)
- Stefan Pfeiffer: Fakten allein retten keine Demokratie mehr – aber wir brauchen sie (StefanPfeiffer.Blog, 2. April 2026)
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Demokratie braucht eine funktionierende Öffentlichkeit – und die verschwindet gerade
Für Euch kuratiert: Die demokratische Debatte verschiebt sich dorthin, wo sie sich selbst abschafft – auf Plattformen, die wenigen Männern gehören, die gerade dabei sind, die Spielregeln umzuschreiben. Ralf Heimann spricht im MDR-Altpapier vom „Feldzug gegen die liberale Demokratie“. Habermas warnte vor dem digitalen Feudalismus, Peter Sloterdijk beschreibt den heutigen Fürsten als Träger von Medien-, Affekt- und Aufmerksamkeitsmacht – das Cover seines neuen Buches zeigt passenderweise Donald Trump. Mark Zuckberg liefert gerade das Lehrstück, indem er das Wort „Antifa“ aus seinen asozialen Plattformen entfernen will – in devotem Gehorsam gegenüber Trump.
Gunnar Sohn beschreibt parallel, wie der professionelle Journalismus ökonomisch zwischen Paywall und Plattform aufgerieben wird. Und ine Allensbach-Umfrage im Auftrag der FAZ widmet sich dem Them „Zuhören“ – und muss natürlich im Titel ins Bashing gegenüber den Grünen einstimmen, die sich demnach noch vor der AfD mit anderen Meinungen schwer tun. Dabei gibt es ganz andere, viel interessantere Erkenntnisse. Dieser Beitrag sortiert, warum gepflegter Diskurs freie Plattformen braucht – und warum beides im Moment gleichzeitig verschwindet.
Feldzug gegen die Demokratie: Warum die Krise der Öffentlichkeit keine Medienkrise ist
Ralf Heimann formuliert im MDR-Altpapier einen Satz, der sich festsetzt: Was wir gerade erleben, ist kein Krieg gegen Medien – es ist ein Feldzug gegen die liberale Demokratie. Wer sich wie die BigTech-Mogule aus den USA immer mehr die Kontrolle über die Öffentlichkeit aneignet, sie vielleicht gar schon besitzt, eignet sich die Macht des Volkes, der Wählerinnen und Wähler an. So einfach und so brutal ist die Diagnose. Das geht weit über Stilfragen oder Etiketten im Netz hinaus.
Der Paderborner Medienwissenschaftler Christian Fuchs bringt es so auf den Punkt: Die Krise der Öffentlichkeit ist eine Krise des Kapitalismus, der in Globalisierung, Digitalisierung und ökonomischen Verwerfungen seine eigene Ordnung ins Rutschen gebracht hat. In diesem unwirtlichen Klima bietet der digitale Faschismus das, was den Menschen aus guten Gründen fehlt: Halt, Orientierung, eine klare Erzählung.
Nur dass diese Erzählung billig gekauft ist – Ängste und Wut werden auf konstruierte Sündenböcke umgelenkt, Identität wird als vermeintlich bedrohter Phantombesitz inszeniert, der nie real war. Das ist keine Randerscheinung einer sonst funktionierenden Demokratie, sondern ihr strukturelles Gegenmodell. Und es gedeiht präzise dort besonders gut, wo Aufmerksamkeit Ware ist, Empörung Währung und Zuspitzung der Motor: auf besagten großen Plattformen.
Der Fürst auf dem Marktplatz: Habermas, Sloterdijk und Metas „Antifa“-Regel
Jürgen Habermas hat noch zu Lebzeiten davor gewarnt, dass wir in eine Art digitalen Feudalismus zurückgleiten könnten. Das Bild ist präzise. Im Mittelalter gehörte der Marktplatz dem König oder der Kirche – dort wurde verhandelt, getauscht, gestritten, aber nach Regeln, die andere gesetzt hatten. Heute ist der Marktplatz die Plattform, und die Könige heißen Mark Zuckerberg und Elon Musk. Sie setzen die Regeln, sie ändern sie, sie räumen auf, wenn es ihnen politisch opportun erscheint.
Peter Sloterdijk hat diesen neuen Fürsten in seinem Buch „Der Fürst und seine Erben“ beschrieben – und das Cover zeigt, wohl kaum zufällig, Donald Trump. Im Gespräch mit dem ORF hat er den Gedanken zugespitzt: Der Fürst trägt heute keine Krone mehr. Er trägt Medienmacht, Affektmacht, Aufmerksamkeitsmacht. Die Macht, die früher durch Land, Erbe und militärische Gefolgschaft gesichert war, stützt sich heute auf das, was auf Bildschirmen sichtbar und klickbar ist. Und wer diese Sichtbarkeit kontrolliert, kontrolliert den politischen Möglichkeitsraum.
Dass Trump diese Rolle nicht zufällig besetzt, sich gar als Heilsbringer und Messias inszeniert, habe ich in diesem Blog schon mehrfach beschrieben. Nach dem berühmten Eklat mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office im Februar 2025, bei dem er den ukrainischen Präsidenten vor laufenden Kameras zusammenfaltete, sagte Trump den entlarvenden Satz: „This is going to be great television.“ Wer so spricht, regiert nicht. Er inszeniert.
Trump ist ein ehemaliger Reality-TV-Star, der die Präsidentschaft konsequent als Fortsetzung seiner Show mit anderen Mitteln betreibt – polarisierend, unterhaltsam, jede Grenzüberschreitung ein Quoten-Event, der davon ablenkt, wie er und seine Gefolgsleute inklusive der TechBros sich bereichern. Die Logik ist keine politische, sondern eine mediale: Das nächste Bild, die nächste Empörung, der nächste Auftritt. Genau das ist Sloterdijks Fürst: Er braucht kein Programm, er braucht Sendeplatz. Und die Plattformen liefern ihn rund um die Uhr, kostenlos, ungefiltert, vor allem algorithmisch durch Musks und Zuckersbergs asoziale Medien und TikTok verstärkt.
Wie nah das an der Gegenwart ist, zeigt ein Bericht, den Sam Biddle in dieser Woche für The Intercept veröffentlicht hat. Meta hat seine Community Standards still und leise so umgeschrieben, dass das Wort „Antifa“ künftig als potenzieller Regelverstoß gilt, sobald es in die Nähe eines „Threat Signals“ auftaucht – und was als Threat Signal zählt, ist weit ausgelegt: historische Gewaltereignisse, militärische Sprache, Bilder von Waffen.
Flankiert wird das von Trumps Verordnung, Antifa als „inländische Terrororganisation“ einzustufen – obwohl es diese Organisation schlicht nicht gibt. Meta liefert die technische Umsetzung zu Trumps politischem Wunsch. Das ist kein Kollateralschaden schludriger Moderation, das ist Sloterdijks Fürst in Aktion: Der Hausherr definiert, welches Vokabular auf seinem Marktplatz noch geduldet wird. In einem solchen Raum lässt sich vieles führen, aber kein freier demokratischer Diskurs.
Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht
Die andere Seite des digitalen Feudalismus beschreibt Gunnar Sohn in seinem Blog „ichsagmal.com“. Anlass ist die Schließung der Digitaleinheit von Bauer Media – 160 Stellen verschwinden, ein weiteres Symptom einer strukturellen Erosion. Gunnars Befund: Das alte Verlagsgeschäft war ein Bündel – Nachrichten, Kommentare, Stellenmarkt, Immobilien, Kleinanzeigen, lokale Präsenz. Das Bündel war wirtschaftlich stark, weil sich die Teile gegenseitig stützten.
Dieses Bündel hat sich aufgelöst. Autos wanderten zu Autoscout, Jobs zu Stepstone und LinkedIn, Wohnungen zu Immoplattformen. Zurück bleibt das teuerste, riskanteste Stück: der professionelle Inhalt. Ohne Quersubvention. Und ohne wirklich tragfähiges digitales Geschäftsmodell. Dass die Branche darauf mit Paywalls, Abooffensiven und immer neuen Bezahlschranken reagiert, ist keine Antwort. Es ist die digitale Variante des alten Kioskdenkens in einer Zeit, in der die Leserschaft längst on demand lebt.
Entscheidend wird sein zweiter Punkt: Die Verlage verlieren nicht nur Geld, sie verlieren ihre Stellung im Markt. Früher besaßen sie Produktion, Bündelung, Vertrieb und Vermarktung. Heute gehört ihnen oft nur noch die Redaktion – der Rest liegt bei Plattformen, Suchmaschinen, App-Stores und Adtech-Ketten. Wer nur noch den Inhalt besitzt, besitzt im digitalen Medienmarkt das riskanteste Glied.
Diese strukturelle Erosion zeigt sich nicht nur in den Verlagen, sondern trifft die gesamte Medienlandschaft. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt dieser Tage Vertreter von Lokalmedien im Schloss Bellevue – ein Signal der Wertschätzung für eine Branche, die unter einbrechendem Suchmaschinen-Traffic und hohem Kostendruck leidet. Wie Florian Harms im Tagesanbruch treffend formuliert: Mehr als die Hälfte des „Contents“ im digitalen Universum entstammt bereits der synthetischen Feder künstlicher Intelligenzen, Tendenz zunehmend. Das World Wide Web ist zu einem Spinnennetz mutiert, in dessen Fälschungsfäden sich sogar aufgeklärte Zeitgenossen verheddern.
Von Rogan zu KI-Bots: Wie Influencer die Demokratie kapern
Diese Entwicklung zeigt sich besonders drastisch in den USA, wo eine Studie des Jordan Center for Journalism Innovation die komplette Umkehr der Informationshierarchie dokumentiert. Knapp 70 Prozent der Amerikaner informieren sich online, nur noch 55 Prozent schauen Fernsehnachrichten, Zeitungen erreichen nur noch 25 Prozent. Der umstrittene Podcaster Joe Rogan führt das Ranking der einflussreichsten Nicht-Politiker an, gefolgt von Fox-News-Gesichtern und konservativen Kommentatoren.
Bei den Harris-Wählern dominieren Late-Night-Entertainer wie Jimmy Kimmel und Stephen Colbert als primäre Informationsquellen. Trump und andere Politiker umgehen die redaktionellen Filter komplett und kommunizieren direkt mit ihrer Basis – Influencer statt Journalisten, Unterhaltung statt demokratischer Öffentlichkeit.
Wie man diesen Verfall der professionellen Berichterstattung systematisch ausnutzt, zeigt eine Recherche der New York Times: Hunderte KI-generierte Pro-Trump-Influencer sind in den sozialen Medien aufgetaucht – Avatare, die wie echte Menschen aussehen, aber vollständig künstlich erstellt wurden. „If you support Trump, you just made a friend“, sagen sie alle mit derselben Botschaft.
Mindestens 304 solcher Accounts wurden allein auf TikTok identifiziert, einige mit über 35.000 Followern, manche Posts mit mehr als einer halben Million Aufrufen. Die Kosten pro Post: 1 bis 3 Dollar. „They’re trying to spread political messages and give an illusion of a consensus“, erklärt ein KI-Experte. Es ist der digitale Feudalismus in Perfektion: Wo echter Journalismus erodiert, füllen Fake-Influencer das Vakuum.
Inmitten dieser Auswüchse wirke der professionelle Journalismus fast wie ein Anachronismus, meint Florian Harms im T-Online Tagesanbruch. Professionelle Berichterstattung funktioniert anders: Sie hinterfragt, prüft, wägt ab, ordnet ein. Echte Journalisten rufen dazwischen, statt nachzuplappern. Sie erklären, statt zu predigen. Sie suchen das Gespräch mit ihren Lesern, statt Panik zu verbreiten. Und sie behalten (hoffentlich) einen klaren Kopf, während um sie herum die Influencer-Maschinerie hyperventiliert.
Von redaktioneller Verantwortung zu Algorithmus-Klickerei
Hier treffen sich die Linien. Wenn Meta den Diskursraum einhegt und parallel die publizistische Infrastruktur, die Gegenöffentlichkeit herstellen müsste, ökonomisch ausgezehrt wird, dann verschiebt sich Öffentlichkeit – wie Gunnar präzise schreibt – schleichend weg von redaktioneller Verantwortung, hin zu Plattformlogik, Personenkult und Erregungsökonomie. Nicht jede Zeitung muss gerettet werden, wie Gunnar richtig bemerkt. Aber der Journalismus schon. Und dafür braucht es eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur so ernst nimmt wie kulturelle oder wissenschaftliche Infrastruktur – und nicht als Nebensache neben Tankrabatt und Rentenpaket.
Die Dringlichkeit wird deutlich, wenn man das gemeinsame Positionspapier der Verlegerverbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Südtirol liest: „Wer den Informationsfluss kontrolliert, kontrolliert die Demokratie. Diese Kontrolle darf nicht bei digitalen Gatekeepern monopolisiert werden. Die Politik steht an einem historischen Scheideweg: Entweder sichert sie die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Basis unabhängiger Medien – oder sie überlässt die Grundlage der demokratischen Öffentlichkeit wenigen globalen Plattformkonzernen und KI-Anbietern.“ Präziser lässt sich das Dilemma kaum beschreiben.
Debattenkultur als Ablenkung: Die FAZ muss natürlich mit den Grünen aufmachen
Parallel zu alldem hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der FAZ eine Umfrage zum Thema Zuhören veröffentlicht, die einige wichtige Aussagen über Öffentlichkeit und Demokratie enthält. Diejenigen, die Meinungsfreiheit am lautesten einfordern, meinen damit oft nur die Freiheit der eigenen Meinung. Analoge Freundeskreise sind politisch homogener als digitale – die liebgewonnene Erzählung von der Filterblase im Netz, die einen sonst vielfältigen Offline-Austausch zerstört, hält den Ergebnissen von Allensbach nicht stand.
Problematisch wird es erst, wenn der Kontakt ganz abreißt – wenn man Andersdenkende nicht mehr im Umfeld hat, weil man sich von ihnen getrennt hat oder weil man sich so abgekapselt hat, dass man ihnen gar nicht mehr begegnet. Und genau das zeigte sich 2022 in einer einzigen Gruppe: Nur unter rechtsradikalen Befragten sagte die Mehrheit, in ihrem Umkreis gebe es solche Personen nicht. Die AfD-Sympathisanten leben also überwiegend in einem geschlossenen Milieu, in dem alle ähnlich ticken – nicht, weil sie von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sondern weil sie sich selbst aus ihr herausgezogen haben. Das ist die empirische Widerlegung des Opfer-Narrativs, das in diesen Kreisen so gern gepflegt wird.
Traurig ist, dass auch eine etablierte, seriöse Publikation wie die FAZ ins Grünen-Bashing einstimmen muss. Überschrift, Vorspann, Teaser: Grünen-Bashing. Sie muss natürlich mit der Zahl aufmachen, dass 28 Prozent der Grünen-Anhänger Probleme mit abweichenden Meinungen haben – knapp vor den AfD-Anhängern mit 24 Prozent. Das ist keine Ungeschicklichkeit, das ist eine bewusste redaktionelle Entscheidung. Schade.
Sie reiht sich ein in ein derzeit bekanntes Muster: Wo immer es sich so drehen lässt, dass die progressive Mitte als eigentliches Intoleranzproblem erscheint, wird es gedreht – bei der FAZ wohl des eigenen rechtskonservativ-demokratischen Selbstverständnisses. Nach dem Sieg von Maygar in Ungarn ist der feuchte Traum der FAZ-Redaktion (und mancher Konservativer inklusive der CDU/CSU) rechts schlägt rechts außen – Ungarn als Vorbild. wohl Dass dabei eine Partei, die ganze Bevölkerungsgruppen aus dem demokratischen Raum remigrieren will, bei diesem Narrativ auf Platz zwei der Sorgenkinder rutscht, wird offenen Auges in Kauf genommen.
Dass die beiden Zahlen inhaltlich nicht vergleichbar sind, weil Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen in einem Milieu, das die Meinungsfreiheit anderer programmatisch bestreitet, etwas völlig anderes bedeutet, ist keines einordnenden Satzes wert. Dass die Studie der Medienanstalten vom 10. April zeigt, dass sich ausgerechnet AfD-Affine in ihrer Meinungsäußerung eingeschränkt fühlen, während Grüne und Linke häufiger angeben, frei sprechen zu können – der eigentliche Hinweis auf eine verzerrte Meinungsfreiheitsdebatte – taucht in der FAZ-Geschichte nicht auf. Eine Zeitung, die den Feldzug gegen die liberale Demokratie ernst nimmt, würde solche Gedanken zumindest mit einfließen lassen.
Freie Räume statt fremder Höfe: Was jetzt zu tun wäre
Gepflegter demokratischer Diskurs braucht freie Räume. Das ist der Punkt, an dem alle Linien zusammenlaufen. Solange die Infrastruktur, auf der wir einander begegnen, privat, zentralisiert und profitorientiert organisiert ist, wird jeder Appell an bessere Umgangsformen zur Kosmetik.
Patrick Gensing formuliert das in seinem taz-Essay klar: Erst wenn Sichtbarkeit nicht mehr monopolisiert wird, können Fakten wieder als gemeinsame Bezugsebene wirken. Nicht als unfehlbare Wahrheit, sondern als Grundlage für Verständigung. Das ist der strukturelle Gegenentwurf zu Sloterdijks neuem Fürsten und Zuckerbergs Hausordnung.
Und hier kommt Heimanns wichtigste Pointe ins Spiel. Das Digitale, digitale Öffentlichkeitsräume, schreibt er, gelten weiterhin als Spezialthema von Nerds und Datenschützern – etwas, um das man sich neben den vermeintlich wichtigen Dingen wie Tankrabatt, Grenzkontrollen und Rentenpaket irgendwie auch kümmert, sofern Zeit ist. Die AfD sieht das ganz anders …
Irgendwann müsste mal durchdringen, dass an diesem vermeintlichen Spleen von komischen Nerds die Demokratie hängt. Plattformregulierung, Interoperabilität, digitale Souveränität, öffentlich-rechtliche digitale Räume, europäische Alternativen zu Meta und X, ein Fediverse, das nicht nur von einer engagierten Minderheit getragen wird, eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur als Infrastruktur begreift – das sind keine Orchideenthemen. Das sind die Versorgungsleitungen der Demokratie.
Wenn wir sie weiter an die Fürsten in Kalifornien auslagern, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Ton rauer und die Räume enger werden. Freie Räume entstehen nicht, weil wir höflicher werden. Sie entstehen, weil wir sie bauen, pflegen und politisch verteidigen. Und wenn wir sie haben – freie, unabhängige, demokratisch verfasste Räume –, dann wäre es wirklich schön, wenn wir einander darin auch zuhören. Nicht weil eine Umfrage es anmahnt. Sondern weil es die Grundlage ist, auf der Demokratie überhaupt möglich wird.
Quellen & Leseempfehlungen
- Ralf Heimann: Herrschaftszeiten – Das Altpapier vom 16. April 2026 (MDR)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, April 2026)
- Patrick Gensing: Fake News drohen das Rennen gegen Fakten zu gewinnen, was kann man dagegen tun? (taz)
- Christian Fuchs: Digitaler Faschismus und digitaler Kapitalismus (tripleC, Vol. 24 No. 1, 2026)
- Gunnar Sohn: Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht (ichsagmal.com)
- Gunnar Sohn: Der Fürst kehrt nicht zurück – er war nie fort: Das ORF-Gespräch mit Peter Sloterdijk als Bühne einer alten Wahrheit (ichsagmal.com)
- Thomas Gutschker: Ungarn als Vorbild? : Rechts schlägt rechts außen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.4.2026)
- Peter Sloterdijk: Der Fürst und seine Erben: Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute (Buch, 2026)
- Sam Biddle: Facebook and Instagram Tighten Censorship Rules for Saying „Antifa“ (The Intercept, 14. April 2026)
- Thomas Petersen: Allensbach-Umfrage: Grünen-Anhänger tun sich mit anderen Meinungen besonders schwer(FAZ)
- Denis Glismann: Studie der Medienanstalten: Debattenkultur im Netz erodiert (netzpolitik.org, 10. April 2026)
- die medienanstalten: Transparenz-Check – Digitale Diskussionsräume: Diskursqualität & Beteiligung unter journalistisch-redaktionellen Beiträgen in Sozialen Medien (2026)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, 21.4.2026)
- Jonas Schaible: Newsletter „beimwort“ (zitiert in Heimann, Altpapier)
- Verlegerverbände Deutschland/Österreich/Schweiz/Luxemburg/Südtirol: Gemeinsamer Aufruf für faire Rahmenbedingungen im digitalen Medienmarkt
- Stefan Krempl: Bye-bye TV-News: US-Wähler setzen auf Influencer statt auf Nachrichten (heise online, 18. April 2026)
- Tiffany Hsu: Hundreds of Fake Pro-Trump Avatars Emerge on Social Media (The New York Times, 17. April 2026)
- Stefan Pfeiffer: Late Night Shows & TikTok: Trump, der Puppenspieler – Wochenschau (StefanPfeiffer.Blog, 25. September 2025)
- Stefan Pfeiffer: Great Television statt Demokratie: Wie Trump die US-Politik TV-isisiert (StefanPfeiffer.Blog, 13. August 2025)
- Stefan Pfeiffer: Fakten allein retten keine Demokratie mehr – aber wir brauchen sie (StefanPfeiffer.Blog, 2. April 2026)
-
Demokratie braucht eine funktionierende Öffentlichkeit – und die verschwindet gerade
Für Euch kuratiert: Die demokratische Debatte verschiebt sich dorthin, wo sie sich selbst abschafft – auf Plattformen, die wenigen Männern gehören, die gerade dabei sind, die Spielregeln umzuschreiben. Ralf Heimann spricht im MDR-Altpapier vom „Feldzug gegen die liberale Demokratie”. Habermas warnte vor dem digitalen Feudalismus, Peter Sloterdijk beschreibt den heutigen Fürsten als Träger von Medien-, Affekt- und Aufmerksamkeitsmacht – das Cover seines neuen Buches zeigt passenderweise Donald Trump. Mark Zuckberg liefert gerade das Lehrstück, indem er das Wort „Antifa” aus seinen asozialen Plattformen entfernen will – in devotem Gehorsam gegenüber Trump.
Gunnar Sohn beschreibt parallel, wie der professionelle Journalismus ökonomisch zwischen Paywall und Plattform aufgerieben wird. Und ine Allensbach-Umfrage im Auftrag der FAZ widmet sich dem Them “Zuhören” – und muss natürlich im Titel ins Bashing gegenüber den Grünen einstimmen, die sich demnach noch vor der AfD mit anderen Meinungen schwer tun. Dabei gibt es ganz andere, viel interessantere Erkenntnisse. Dieser Beitrag sortiert, warum gepflegter Diskurs freie Plattformen braucht – und warum beides im Moment gleichzeitig verschwindet.
Feldzug gegen die Demokratie: Warum die Krise der Öffentlichkeit keine Medienkrise ist
Ralf Heimann formuliert im MDR-Altpapier einen Satz, der sich festsetzt: Was wir gerade erleben, ist kein Krieg gegen Medien – es ist ein Feldzug gegen die liberale Demokratie. Wer sich wie die BigTech-Mogule aus den USA immer mehr die Kontrolle über die Öffentlichkeit aneignet, sie vielleicht gar schon besitzt, eignet sich die Macht des Volkes, der Wählerinnen und Wähler an. So einfach und so brutal ist die Diagnose. Das geht weit über Stilfragen oder Etiketten im Netz hinaus.
Der Paderborner Medienwissenschaftler Christian Fuchs bringt es so auf den Punkt: Die Krise der Öffentlichkeit ist eine Krise des Kapitalismus, der in Globalisierung, Digitalisierung und ökonomischen Verwerfungen seine eigene Ordnung ins Rutschen gebracht hat. In diesem unwirtlichen Klima bietet der digitale Faschismus das, was den Menschen aus guten Gründen fehlt: Halt, Orientierung, eine klare Erzählung.
Nur dass diese Erzählung billig gekauft ist – Ängste und Wut werden auf konstruierte Sündenböcke umgelenkt, Identität wird als vermeintlich bedrohter Phantombesitz inszeniert, der nie real war. Das ist keine Randerscheinung einer sonst funktionierenden Demokratie, sondern ihr strukturelles Gegenmodell. Und es gedeiht präzise dort besonders gut, wo Aufmerksamkeit Ware ist, Empörung Währung und Zuspitzung der Motor: auf besagten großen Plattformen.
Der Fürst auf dem Marktplatz: Habermas, Sloterdijk und Metas „Antifa”-Regel
Jürgen Habermas hat noch zu Lebzeiten davor gewarnt, dass wir in eine Art digitalen Feudalismus zurückgleiten könnten. Das Bild ist präzise. Im Mittelalter gehörte der Marktplatz dem König oder der Kirche – dort wurde verhandelt, getauscht, gestritten, aber nach Regeln, die andere gesetzt hatten. Heute ist der Marktplatz die Plattform, und die Könige heißen Mark Zuckerberg und Elon Musk. Sie setzen die Regeln, sie ändern sie, sie räumen auf, wenn es ihnen politisch opportun erscheint.
Peter Sloterdijk hat diesen neuen Fürsten in seinem Buch „Der Fürst und seine Erben” beschrieben – und das Cover zeigt, wohl kaum zufällig, Donald Trump. Im Gespräch mit dem ORF hat er den Gedanken zugespitzt: Der Fürst trägt heute keine Krone mehr. Er trägt Medienmacht, Affektmacht, Aufmerksamkeitsmacht. Die Macht, die früher durch Land, Erbe und militärische Gefolgschaft gesichert war, stützt sich heute auf das, was auf Bildschirmen sichtbar und klickbar ist. Und wer diese Sichtbarkeit kontrolliert, kontrolliert den politischen Möglichkeitsraum.
Dass Trump diese Rolle nicht zufällig besetzt, sich gar als Heilsbringer und Messias inszeniert, habe ich in diesem Blog schon mehrfach beschrieben. Nach dem berühmten Eklat mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office im Februar 2025, bei dem er den ukrainischen Präsidenten vor laufenden Kameras zusammenfaltete, sagte Trump den entlarvenden Satz: „This is going to be great television.” Wer so spricht, regiert nicht. Er inszeniert.
Trump ist ein ehemaliger Reality-TV-Star, der die Präsidentschaft konsequent als Fortsetzung seiner Show mit anderen Mitteln betreibt – polarisierend, unterhaltsam, jede Grenzüberschreitung ein Quoten-Event, der davon ablenkt, wie er und seine Gefolgsleute inklusive der TechBros sich bereichern. Die Logik ist keine politische, sondern eine mediale: Das nächste Bild, die nächste Empörung, der nächste Auftritt. Genau das ist Sloterdijks Fürst: Er braucht kein Programm, er braucht Sendeplatz. Und die Plattformen liefern ihn rund um die Uhr, kostenlos, ungefiltert, vor allem algorithmisch durch Musks und Zuckersbergs asoziale Medien und TikTok verstärkt.
Wie nah das an der Gegenwart ist, zeigt ein Bericht, den Sam Biddle in dieser Woche für The Intercept veröffentlicht hat. Meta hat seine Community Standards still und leise so umgeschrieben, dass das Wort „Antifa” künftig als potenzieller Regelverstoß gilt, sobald es in die Nähe eines „Threat Signals” auftaucht – und was als Threat Signal zählt, ist weit ausgelegt: historische Gewaltereignisse, militärische Sprache, Bilder von Waffen.
Flankiert wird das von Trumps Verordnung, Antifa als „inländische Terrororganisation” einzustufen – obwohl es diese Organisation schlicht nicht gibt. Meta liefert die technische Umsetzung zu Trumps politischem Wunsch. Das ist kein Kollateralschaden schludriger Moderation, das ist Sloterdijks Fürst in Aktion: Der Hausherr definiert, welches Vokabular auf seinem Marktplatz noch geduldet wird. In einem solchen Raum lässt sich vieles führen, aber kein freier demokratischer Diskurs.
Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht
Die andere Seite des digitalen Feudalismus beschreibt Gunnar Sohn in seinem Blog „ichsagmal.com”. Anlass ist die Schließung der Digitaleinheit von Bauer Media – 160 Stellen verschwinden, ein weiteres Symptom einer strukturellen Erosion. Gunnars Befund: Das alte Verlagsgeschäft war ein Bündel – Nachrichten, Kommentare, Stellenmarkt, Immobilien, Kleinanzeigen, lokale Präsenz. Das Bündel war wirtschaftlich stark, weil sich die Teile gegenseitig stützten.
Dieses Bündel hat sich aufgelöst. Autos wanderten zu Autoscout, Jobs zu Stepstone und LinkedIn, Wohnungen zu Immoplattformen. Zurück bleibt das teuerste, riskanteste Stück: der professionelle Inhalt. Ohne Quersubvention. Und ohne wirklich tragfähiges digitales Geschäftsmodell. Dass die Branche darauf mit Paywalls, Abooffensiven und immer neuen Bezahlschranken reagiert, ist keine Antwort. Es ist die digitale Variante des alten Kioskdenkens in einer Zeit, in der die Leserschaft längst on demand lebt.
Entscheidend wird sein zweiter Punkt: Die Verlage verlieren nicht nur Geld, sie verlieren ihre Stellung im Markt. Früher besaßen sie Produktion, Bündelung, Vertrieb und Vermarktung. Heute gehört ihnen oft nur noch die Redaktion – der Rest liegt bei Plattformen, Suchmaschinen, App-Stores und Adtech-Ketten. Wer nur noch den Inhalt besitzt, besitzt im digitalen Medienmarkt das riskanteste Glied.
Diese strukturelle Erosion zeigt sich nicht nur in den Verlagen, sondern trifft die gesamte Medienlandschaft. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt dieser Tage Vertreter von Lokalmedien im Schloss Bellevue – ein Signal der Wertschätzung für eine Branche, die unter einbrechendem Suchmaschinen-Traffic und hohem Kostendruck leidet. Wie Florian Harms im Tagesanbruch treffend formuliert: Mehr als die Hälfte des “Contents” im digitalen Universum entstammt bereits der synthetischen Feder künstlicher Intelligenzen, Tendenz zunehmend. Das World Wide Web ist zu einem Spinnennetz mutiert, in dessen Fälschungsfäden sich sogar aufgeklärte Zeitgenossen verheddern.
Von Rogan zu KI-Bots: Wie Influencer die Demokratie kapern
Diese Entwicklung zeigt sich besonders drastisch in den USA, wo eine Studie des Jordan Center for Journalism Innovation die komplette Umkehr der Informationshierarchie dokumentiert. Knapp 70 Prozent der Amerikaner informieren sich online, nur noch 55 Prozent schauen Fernsehnachrichten, Zeitungen erreichen nur noch 25 Prozent. Der umstrittene Podcaster Joe Rogan führt das Ranking der einflussreichsten Nicht-Politiker an, gefolgt von Fox-News-Gesichtern und konservativen Kommentatoren.
Bei den Harris-Wählern dominieren Late-Night-Entertainer wie Jimmy Kimmel und Stephen Colbert als primäre Informationsquellen. Trump und andere Politiker umgehen die redaktionellen Filter komplett und kommunizieren direkt mit ihrer Basis – Influencer statt Journalisten, Unterhaltung statt demokratischer Öffentlichkeit.
Wie man diesen Verfall der professionellen Berichterstattung systematisch ausnutzt, zeigt eine Recherche der New York Times: Hunderte KI-generierte Pro-Trump-Influencer sind in den sozialen Medien aufgetaucht – Avatare, die wie echte Menschen aussehen, aber vollständig künstlich erstellt wurden. “If you support Trump, you just made a friend”, sagen sie alle mit derselben Botschaft.
Mindestens 304 solcher Accounts wurden allein auf TikTok identifiziert, einige mit über 35.000 Followern, manche Posts mit mehr als einer halben Million Aufrufen. Die Kosten pro Post: 1 bis 3 Dollar. “They’re trying to spread political messages and give an illusion of a consensus”, erklärt ein KI-Experte. Es ist der digitale Feudalismus in Perfektion: Wo echter Journalismus erodiert, füllen Fake-Influencer das Vakuum.
Inmitten dieser Auswüchse wirke der professionelle Journalismus fast wie ein Anachronismus, meint Florian Harms im T-Online Tagesanbruch. Professionelle Berichterstattung funktioniert anders: Sie hinterfragt, prüft, wägt ab, ordnet ein. Echte Journalisten rufen dazwischen, statt nachzuplappern. Sie erklären, statt zu predigen. Sie suchen das Gespräch mit ihren Lesern, statt Panik zu verbreiten. Und sie behalten (hoffentlich) einen klaren Kopf, während um sie herum die Influencer-Maschinerie hyperventiliert.
Von redaktioneller Verantwortung zu Algorithmus-Klickerei
Hier treffen sich die Linien. Wenn Meta den Diskursraum einhegt und parallel die publizistische Infrastruktur, die Gegenöffentlichkeit herstellen müsste, ökonomisch ausgezehrt wird, dann verschiebt sich Öffentlichkeit – wie Gunnar präzise schreibt – schleichend weg von redaktioneller Verantwortung, hin zu Plattformlogik, Personenkult und Erregungsökonomie. Nicht jede Zeitung muss gerettet werden, wie Gunnar richtig bemerkt. Aber der Journalismus schon. Und dafür braucht es eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur so ernst nimmt wie kulturelle oder wissenschaftliche Infrastruktur – und nicht als Nebensache neben Tankrabatt und Rentenpaket.
Die Dringlichkeit wird deutlich, wenn man das gemeinsame Positionspapier der Verlegerverbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Südtirol liest: “Wer den Informationsfluss kontrolliert, kontrolliert die Demokratie. Diese Kontrolle darf nicht bei digitalen Gatekeepern monopolisiert werden. Die Politik steht an einem historischen Scheideweg: Entweder sichert sie die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Basis unabhängiger Medien – oder sie überlässt die Grundlage der demokratischen Öffentlichkeit wenigen globalen Plattformkonzernen und KI-Anbietern.” Präziser lässt sich das Dilemma kaum beschreiben.
Debattenkultur als Ablenkung: Die FAZ muss natürlich mit den Grünen aufmachen
Parallel zu alldem hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der FAZ eine Umfrage zum Thema Zuhören veröffentlicht, die einige wichtige Aussagen über Öffentlichkeit und Demokratie enthält. Diejenigen, die Meinungsfreiheit am lautesten einfordern, meinen damit oft nur die Freiheit der eigenen Meinung. Analoge Freundeskreise sind politisch homogener als digitale – die liebgewonnene Erzählung von der Filterblase im Netz, die einen sonst vielfältigen Offline-Austausch zerstört, hält den Ergebnissen von Allensbach nicht stand.
Problematisch wird es erst, wenn der Kontakt ganz abreißt – wenn man Andersdenkende nicht mehr im Umfeld hat, weil man sich von ihnen getrennt hat oder weil man sich so abgekapselt hat, dass man ihnen gar nicht mehr begegnet. Und genau das zeigte sich 2022 in einer einzigen Gruppe: Nur unter rechtsradikalen Befragten sagte die Mehrheit, in ihrem Umkreis gebe es solche Personen nicht. Die AfD-Sympathisanten leben also überwiegend in einem geschlossenen Milieu, in dem alle ähnlich ticken – nicht, weil sie von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sondern weil sie sich selbst aus ihr herausgezogen haben. Das ist die empirische Widerlegung des Opfer-Narrativs, das in diesen Kreisen so gern gepflegt wird.
Auch wenn ich das bei Grünen in unserem Bekanntenkreis manchmal beobachte: Traurig ist, dass auch eine etablierte, seriöse Publikation wie die FAZ ins Grünen-Bashing einstimmen muss. Überschrift, Vorspann, Teaser: Grünen-Bashing. Sie muss natürlich mit der Zahl aufmachen, dass 28 Prozent der Grünen-Anhänger Probleme mit abweichenden Meinungen haben – knapp vor den AfD-Anhängern mit 24 Prozent. Das ist keine Ungeschicklichkeit, das ist eine bewusste redaktionelle Entscheidung. Schade.
Sie reiht sich ein in ein derzeit bekanntes Muster: Wo immer es sich so drehen lässt, dass die progressive Mitte als eigentliches Intoleranzproblem erscheint, wird es gedreht – bei der FAZ wohl des eigenen rechtskonservativ-demokratischen Selbstverständnisses. Nach dem Sieg von Maygar in Ungarn ist der feuchte Traum der FAZ-Redaktion (und mancher Konservativer inklusive der CDU/CSU) rechts schlägt rechts außen – Ungarn als Vorbild. wohl Dass dabei eine Partei, die ganze Bevölkerungsgruppen aus dem demokratischen Raum remigrieren will, bei diesem Narrativ auf Platz zwei der Sorgenkinder rutscht, wird offenen Auges in Kauf genommen.
Dass die beiden Zahlen inhaltlich nicht vergleichbar sind, weil Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen in einem Milieu, das die Meinungsfreiheit anderer programmatisch bestreitet, etwas völlig anderes bedeutet, ist keines einordnenden Satzes wert. Dass die Studie der Medienanstalten vom 10. April zeigt, dass sich ausgerechnet AfD-Affine in ihrer Meinungsäußerung eingeschränkt fühlen, während Grüne und Linke häufiger angeben, frei sprechen zu können – der eigentliche Hinweis auf eine verzerrte Meinungsfreiheitsdebatte – taucht in der FAZ-Geschichte nicht auf. Eine Zeitung, die den Feldzug gegen die liberale Demokratie ernst nimmt, würde solche Gedanken zumindest mit einfließen lassen.
Freie Räume statt fremder Höfe: Was jetzt zu tun wäre
Gepflegter demokratischer Diskurs braucht freie Räume. Das ist der Punkt, an dem alle Linien zusammenlaufen. Solange die Infrastruktur, auf der wir einander begegnen, privat, zentralisiert und profitorientiert organisiert ist, wird jeder Appell an bessere Umgangsformen zur Kosmetik.
Patrick Gensing formuliert das in seinem taz-Essay klar: Erst wenn Sichtbarkeit nicht mehr monopolisiert wird, können Fakten wieder als gemeinsame Bezugsebene wirken. Nicht als unfehlbare Wahrheit, sondern als Grundlage für Verständigung. Das ist der strukturelle Gegenentwurf zu Sloterdijks neuem Fürsten und Zuckerbergs Hausordnung.
Und hier kommt Heimanns wichtigste Pointe ins Spiel. Das Digitale, digitale Öffentlichkeitsräume, schreibt er, gelten weiterhin als Spezialthema von Nerds und Datenschützern – etwas, um das man sich neben den vermeintlich wichtigen Dingen wie Tankrabatt, Grenzkontrollen und Rentenpaket irgendwie auch kümmert, sofern Zeit ist. Die AfD sieht das ganz anders …
Irgendwann müsste mal durchdringen, dass an diesem vermeintlichen Spleen von komischen Nerds die Demokratie hängt. Plattformregulierung, Interoperabilität, digitale Souveränität, öffentlich-rechtliche digitale Räume, europäische Alternativen zu Meta und X, ein Fediverse, das nicht nur von einer engagierten Minderheit getragen wird, eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur als Infrastruktur begreift – das sind keine Orchideenthemen. Das sind die Versorgungsleitungen der Demokratie.
Wenn wir sie weiter an die Fürsten in Kalifornien auslagern, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Ton rauer und die Räume enger werden. Freie Räume entstehen nicht, weil wir höflicher werden. Sie entstehen, weil wir sie bauen, pflegen und politisch verteidigen. Und wenn wir sie haben – freie, unabhängige, demokratisch verfasste Räume –, dann wäre es wirklich schön, wenn wir einander darin auch zuhören. Nicht weil eine Umfrage es anmahnt. Sondern weil es die Grundlage ist, auf der Demokratie überhaupt möglich wird.
Quellen & Leseempfehlungen
- Ralf Heimann: Herrschaftszeiten – Das Altpapier vom 16. April 2026 (MDR)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, April 2026)
- Patrick Gensing: Fake News drohen das Rennen gegen Fakten zu gewinnen, was kann man dagegen tun? (taz)
- Christian Fuchs: Digitaler Faschismus und digitaler Kapitalismus (tripleC, Vol. 24 No. 1, 2026)
- Gunnar Sohn: Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht (ichsagmal.com)
- Gunnar Sohn: Der Fürst kehrt nicht zurück – er war nie fort: Das ORF-Gespräch mit Peter Sloterdijk als Bühne einer alten Wahrheit (ichsagmal.com)
- Thomas Gutschker: Ungarn als Vorbild? : Rechts schlägt rechts außen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.4.2026)
- Peter Sloterdijk: Der Fürst und seine Erben: Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute (Buch, 2026)
- Sam Biddle: Facebook and Instagram Tighten Censorship Rules for Saying „Antifa” (The Intercept, 14. April 2026)
- Thomas Petersen: Allensbach-Umfrage: Grünen-Anhänger tun sich mit anderen Meinungen besonders schwer(FAZ)
- Denis Glismann: Studie der Medienanstalten: Debattenkultur im Netz erodiert (netzpolitik.org, 10. April 2026)
- die medienanstalten: Transparenz-Check – Digitale Diskussionsräume: Diskursqualität & Beteiligung unter journalistisch-redaktionellen Beiträgen in Sozialen Medien (2026)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, 21.4.2026)
- Jonas Schaible: Newsletter „beimwort” (zitiert in Heimann, Altpapier)
- Verlegerverbände Deutschland/Österreich/Schweiz/Luxemburg/Südtirol: Gemeinsamer Aufruf für faire Rahmenbedingungen im digitalen Medienmarkt
- Stefan Krempl: Bye-bye TV-News: US-Wähler setzen auf Influencer statt auf Nachrichten (heise online, 18. April 2026)
- Tiffany Hsu: Hundreds of Fake Pro-Trump Avatars Emerge on Social Media (The New York Times, 17. April 2026)
- Stefan Pfeiffer: Late Night Shows & TikTok: Trump, der Puppenspieler – Wochenschau (StefanPfeiffer.Blog, 25. September 2025)
- Stefan Pfeiffer: Great Television statt Demokratie: Wie Trump die US-Politik TV-isisiert (StefanPfeiffer.Blog, 13. August 2025)
- Stefan Pfeiffer: Fakten allein retten keine Demokratie mehr – aber wir brauchen sie (StefanPfeiffer.Blog, 2. April 2026)
-
Demokratie braucht eine funktionierende Öffentlichkeit – und die verschwindet gerade
Für Euch kuratiert: Die demokratische Debatte verschiebt sich dorthin, wo sie sich selbst abschafft – auf Plattformen, die wenigen Männern gehören, die gerade dabei sind, die Spielregeln umzuschreiben. Ralf Heimann spricht im MDR-Altpapier vom „Feldzug gegen die liberale Demokratie“. Habermas warnte vor dem digitalen Feudalismus, Peter Sloterdijk beschreibt den heutigen Fürsten als Träger von Medien-, Affekt- und Aufmerksamkeitsmacht – das Cover seines neuen Buches zeigt passenderweise Donald Trump. Mark Zuckberg liefert gerade das Lehrstück, indem er das Wort „Antifa“ aus seinen asozialen Plattformen entfernen will – in devotem Gehorsam gegenüber Trump.
Gunnar Sohn beschreibt parallel, wie der professionelle Journalismus ökonomisch zwischen Paywall und Plattform aufgerieben wird. Und ine Allensbach-Umfrage im Auftrag der FAZ widmet sich dem Them „Zuhören“ – und muss natürlich im Titel ins Bashing gegenüber den Grünen einstimmen, die sich demnach noch vor der AfD mit anderen Meinungen schwer tun. Dabei gibt es ganz andere, viel interessantere Erkenntnisse. Dieser Beitrag sortiert, warum gepflegter Diskurs freie Plattformen braucht – und warum beides im Moment gleichzeitig verschwindet.
Feldzug gegen die Demokratie: Warum die Krise der Öffentlichkeit keine Medienkrise ist
Ralf Heimann formuliert im MDR-Altpapier einen Satz, der sich festsetzt: Was wir gerade erleben, ist kein Krieg gegen Medien – es ist ein Feldzug gegen die liberale Demokratie. Wer sich wie die BigTech-Mogule aus den USA immer mehr die Kontrolle über die Öffentlichkeit aneignet, sie vielleicht gar schon besitzt, eignet sich die Macht des Volkes, der Wählerinnen und Wähler an. So einfach und so brutal ist die Diagnose. Das geht weit über Stilfragen oder Etiketten im Netz hinaus.
Der Paderborner Medienwissenschaftler Christian Fuchs bringt es so auf den Punkt: Die Krise der Öffentlichkeit ist eine Krise des Kapitalismus, der in Globalisierung, Digitalisierung und ökonomischen Verwerfungen seine eigene Ordnung ins Rutschen gebracht hat. In diesem unwirtlichen Klima bietet der digitale Faschismus das, was den Menschen aus guten Gründen fehlt: Halt, Orientierung, eine klare Erzählung.
Nur dass diese Erzählung billig gekauft ist – Ängste und Wut werden auf konstruierte Sündenböcke umgelenkt, Identität wird als vermeintlich bedrohter Phantombesitz inszeniert, der nie real war. Das ist keine Randerscheinung einer sonst funktionierenden Demokratie, sondern ihr strukturelles Gegenmodell. Und es gedeiht präzise dort besonders gut, wo Aufmerksamkeit Ware ist, Empörung Währung und Zuspitzung der Motor: auf besagten großen Plattformen.
Der Fürst auf dem Marktplatz: Habermas, Sloterdijk und Metas „Antifa“-Regel
Jürgen Habermas hat noch zu Lebzeiten davor gewarnt, dass wir in eine Art digitalen Feudalismus zurückgleiten könnten. Das Bild ist präzise. Im Mittelalter gehörte der Marktplatz dem König oder der Kirche – dort wurde verhandelt, getauscht, gestritten, aber nach Regeln, die andere gesetzt hatten. Heute ist der Marktplatz die Plattform, und die Könige heißen Mark Zuckerberg und Elon Musk. Sie setzen die Regeln, sie ändern sie, sie räumen auf, wenn es ihnen politisch opportun erscheint.
Peter Sloterdijk hat diesen neuen Fürsten in seinem Buch „Der Fürst und seine Erben“ beschrieben – und das Cover zeigt, wohl kaum zufällig, Donald Trump. Im Gespräch mit dem ORF hat er den Gedanken zugespitzt: Der Fürst trägt heute keine Krone mehr. Er trägt Medienmacht, Affektmacht, Aufmerksamkeitsmacht. Die Macht, die früher durch Land, Erbe und militärische Gefolgschaft gesichert war, stützt sich heute auf das, was auf Bildschirmen sichtbar und klickbar ist. Und wer diese Sichtbarkeit kontrolliert, kontrolliert den politischen Möglichkeitsraum.
Dass Trump diese Rolle nicht zufällig besetzt, sich gar als Heilsbringer und Messias inszeniert, habe ich in diesem Blog schon mehrfach beschrieben. Nach dem berühmten Eklat mit Wolodymyr Selenskyj im Oval Office im Februar 2025, bei dem er den ukrainischen Präsidenten vor laufenden Kameras zusammenfaltete, sagte Trump den entlarvenden Satz: „This is going to be great television.“ Wer so spricht, regiert nicht. Er inszeniert.
Trump ist ein ehemaliger Reality-TV-Star, der die Präsidentschaft konsequent als Fortsetzung seiner Show mit anderen Mitteln betreibt – polarisierend, unterhaltsam, jede Grenzüberschreitung ein Quoten-Event, der davon ablenkt, wie er und seine Gefolgsleute inklusive der TechBros sich bereichern. Die Logik ist keine politische, sondern eine mediale: Das nächste Bild, die nächste Empörung, der nächste Auftritt. Genau das ist Sloterdijks Fürst: Er braucht kein Programm, er braucht Sendeplatz. Und die Plattformen liefern ihn rund um die Uhr, kostenlos, ungefiltert, vor allem algorithmisch durch Musks und Zuckersbergs asoziale Medien und TikTok verstärkt.
Wie nah das an der Gegenwart ist, zeigt ein Bericht, den Sam Biddle in dieser Woche für The Intercept veröffentlicht hat. Meta hat seine Community Standards still und leise so umgeschrieben, dass das Wort „Antifa“ künftig als potenzieller Regelverstoß gilt, sobald es in die Nähe eines „Threat Signals“ auftaucht – und was als Threat Signal zählt, ist weit ausgelegt: historische Gewaltereignisse, militärische Sprache, Bilder von Waffen.
Flankiert wird das von Trumps Verordnung, Antifa als „inländische Terrororganisation“ einzustufen – obwohl es diese Organisation schlicht nicht gibt. Meta liefert die technische Umsetzung zu Trumps politischem Wunsch. Das ist kein Kollateralschaden schludriger Moderation, das ist Sloterdijks Fürst in Aktion: Der Hausherr definiert, welches Vokabular auf seinem Marktplatz noch geduldet wird. In einem solchen Raum lässt sich vieles führen, aber kein freier demokratischer Diskurs.
Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht
Die andere Seite des digitalen Feudalismus beschreibt Gunnar Sohn in seinem Blog „ichsagmal.com“. Anlass ist die Schließung der Digitaleinheit von Bauer Media – 160 Stellen verschwinden, ein weiteres Symptom einer strukturellen Erosion. Gunnars Befund: Das alte Verlagsgeschäft war ein Bündel – Nachrichten, Kommentare, Stellenmarkt, Immobilien, Kleinanzeigen, lokale Präsenz. Das Bündel war wirtschaftlich stark, weil sich die Teile gegenseitig stützten.
Dieses Bündel hat sich aufgelöst. Autos wanderten zu Autoscout, Jobs zu Stepstone und LinkedIn, Wohnungen zu Immoplattformen. Zurück bleibt das teuerste, riskanteste Stück: der professionelle Inhalt. Ohne Quersubvention. Und ohne wirklich tragfähiges digitales Geschäftsmodell. Dass die Branche darauf mit Paywalls, Abooffensiven und immer neuen Bezahlschranken reagiert, ist keine Antwort. Es ist die digitale Variante des alten Kioskdenkens in einer Zeit, in der die Leserschaft längst on demand lebt.
Entscheidend wird sein zweiter Punkt: Die Verlage verlieren nicht nur Geld, sie verlieren ihre Stellung im Markt. Früher besaßen sie Produktion, Bündelung, Vertrieb und Vermarktung. Heute gehört ihnen oft nur noch die Redaktion – der Rest liegt bei Plattformen, Suchmaschinen, App-Stores und Adtech-Ketten. Wer nur noch den Inhalt besitzt, besitzt im digitalen Medienmarkt das riskanteste Glied.
Diese strukturelle Erosion zeigt sich nicht nur in den Verlagen, sondern trifft die gesamte Medienlandschaft. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfängt dieser Tage Vertreter von Lokalmedien im Schloss Bellevue – ein Signal der Wertschätzung für eine Branche, die unter einbrechendem Suchmaschinen-Traffic und hohem Kostendruck leidet. Wie Florian Harms im Tagesanbruch treffend formuliert: Mehr als die Hälfte des „Contents“ im digitalen Universum entstammt bereits der synthetischen Feder künstlicher Intelligenzen, Tendenz zunehmend. Das World Wide Web ist zu einem Spinnennetz mutiert, in dessen Fälschungsfäden sich sogar aufgeklärte Zeitgenossen verheddern.
Von Rogan zu KI-Bots: Wie Influencer die Demokratie kapern
Diese Entwicklung zeigt sich besonders drastisch in den USA, wo eine Studie des Jordan Center for Journalism Innovation die komplette Umkehr der Informationshierarchie dokumentiert. Knapp 70 Prozent der Amerikaner informieren sich online, nur noch 55 Prozent schauen Fernsehnachrichten, Zeitungen erreichen nur noch 25 Prozent. Der umstrittene Podcaster Joe Rogan führt das Ranking der einflussreichsten Nicht-Politiker an, gefolgt von Fox-News-Gesichtern und konservativen Kommentatoren.
Bei den Harris-Wählern dominieren Late-Night-Entertainer wie Jimmy Kimmel und Stephen Colbert als primäre Informationsquellen. Trump und andere Politiker umgehen die redaktionellen Filter komplett und kommunizieren direkt mit ihrer Basis – Influencer statt Journalisten, Unterhaltung statt demokratischer Öffentlichkeit.
Wie man diesen Verfall der professionellen Berichterstattung systematisch ausnutzt, zeigt eine Recherche der New York Times: Hunderte KI-generierte Pro-Trump-Influencer sind in den sozialen Medien aufgetaucht – Avatare, die wie echte Menschen aussehen, aber vollständig künstlich erstellt wurden. „If you support Trump, you just made a friend“, sagen sie alle mit derselben Botschaft.
Mindestens 304 solcher Accounts wurden allein auf TikTok identifiziert, einige mit über 35.000 Followern, manche Posts mit mehr als einer halben Million Aufrufen. Die Kosten pro Post: 1 bis 3 Dollar. „They’re trying to spread political messages and give an illusion of a consensus“, erklärt ein KI-Experte. Es ist der digitale Feudalismus in Perfektion: Wo echter Journalismus erodiert, füllen Fake-Influencer das Vakuum.
Inmitten dieser Auswüchse wirke der professionelle Journalismus fast wie ein Anachronismus, meint Florian Harms im T-Online Tagesanbruch. Professionelle Berichterstattung funktioniert anders: Sie hinterfragt, prüft, wägt ab, ordnet ein. Echte Journalisten rufen dazwischen, statt nachzuplappern. Sie erklären, statt zu predigen. Sie suchen das Gespräch mit ihren Lesern, statt Panik zu verbreiten. Und sie behalten (hoffentlich) einen klaren Kopf, während um sie herum die Influencer-Maschinerie hyperventiliert.
Von redaktioneller Verantwortung zu Algorithmus-Klickerei
Hier treffen sich die Linien. Wenn Meta den Diskursraum einhegt und parallel die publizistische Infrastruktur, die Gegenöffentlichkeit herstellen müsste, ökonomisch ausgezehrt wird, dann verschiebt sich Öffentlichkeit – wie Gunnar präzise schreibt – schleichend weg von redaktioneller Verantwortung, hin zu Plattformlogik, Personenkult und Erregungsökonomie. Nicht jede Zeitung muss gerettet werden, wie Gunnar richtig bemerkt. Aber der Journalismus schon. Und dafür braucht es eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur so ernst nimmt wie kulturelle oder wissenschaftliche Infrastruktur – und nicht als Nebensache neben Tankrabatt und Rentenpaket.
Die Dringlichkeit wird deutlich, wenn man das gemeinsame Positionspapier der Verlegerverbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Südtirol liest: „Wer den Informationsfluss kontrolliert, kontrolliert die Demokratie. Diese Kontrolle darf nicht bei digitalen Gatekeepern monopolisiert werden. Die Politik steht an einem historischen Scheideweg: Entweder sichert sie die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Basis unabhängiger Medien – oder sie überlässt die Grundlage der demokratischen Öffentlichkeit wenigen globalen Plattformkonzernen und KI-Anbietern.“ Präziser lässt sich das Dilemma kaum beschreiben.
Debattenkultur als Ablenkung: Die FAZ muss natürlich mit den Grünen aufmachen
Parallel zu alldem hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der FAZ eine Umfrage zum Thema Zuhören veröffentlicht, die einige wichtige Aussagen über Öffentlichkeit und Demokratie enthält. Diejenigen, die Meinungsfreiheit am lautesten einfordern, meinen damit oft nur die Freiheit der eigenen Meinung. Analoge Freundeskreise sind politisch homogener als digitale – die liebgewonnene Erzählung von der Filterblase im Netz, die einen sonst vielfältigen Offline-Austausch zerstört, hält den Ergebnissen von Allensbach nicht stand.
Problematisch wird es erst, wenn der Kontakt ganz abreißt – wenn man Andersdenkende nicht mehr im Umfeld hat, weil man sich von ihnen getrennt hat oder weil man sich so abgekapselt hat, dass man ihnen gar nicht mehr begegnet. Und genau das zeigte sich 2022 in einer einzigen Gruppe: Nur unter rechtsradikalen Befragten sagte die Mehrheit, in ihrem Umkreis gebe es solche Personen nicht. Die AfD-Sympathisanten leben also überwiegend in einem geschlossenen Milieu, in dem alle ähnlich ticken – nicht, weil sie von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, sondern weil sie sich selbst aus ihr herausgezogen haben. Das ist die empirische Widerlegung des Opfer-Narrativs, das in diesen Kreisen so gern gepflegt wird.
Traurig ist, dass auch eine etablierte, seriöse Publikation wie die FAZ ins Grünen-Bashing einstimmen muss. Überschrift, Vorspann, Teaser: Grünen-Bashing. Sie muss natürlich mit der Zahl aufmachen, dass 28 Prozent der Grünen-Anhänger Probleme mit abweichenden Meinungen haben – knapp vor den AfD-Anhängern mit 24 Prozent. Das ist keine Ungeschicklichkeit, das ist eine bewusste redaktionelle Entscheidung. Schade.
Sie reiht sich ein in ein derzeit bekanntes Muster: Wo immer es sich so drehen lässt, dass die progressive Mitte als eigentliches Intoleranzproblem erscheint, wird es gedreht – bei der FAZ wohl des eigenen rechtskonservativ-demokratischen Selbstverständnisses. Nach dem Sieg von Maygar in Ungarn ist der feuchte Traum der FAZ-Redaktion (und mancher Konservativer inklusive der CDU/CSU) rechts schlägt rechts außen – Ungarn als Vorbild. wohl Dass dabei eine Partei, die ganze Bevölkerungsgruppen aus dem demokratischen Raum remigrieren will, bei diesem Narrativ auf Platz zwei der Sorgenkinder rutscht, wird offenen Auges in Kauf genommen.
Dass die beiden Zahlen inhaltlich nicht vergleichbar sind, weil Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen in einem Milieu, das die Meinungsfreiheit anderer programmatisch bestreitet, etwas völlig anderes bedeutet, ist keines einordnenden Satzes wert. Dass die Studie der Medienanstalten vom 10. April zeigt, dass sich ausgerechnet AfD-Affine in ihrer Meinungsäußerung eingeschränkt fühlen, während Grüne und Linke häufiger angeben, frei sprechen zu können – der eigentliche Hinweis auf eine verzerrte Meinungsfreiheitsdebatte – taucht in der FAZ-Geschichte nicht auf. Eine Zeitung, die den Feldzug gegen die liberale Demokratie ernst nimmt, würde solche Gedanken zumindest mit einfließen lassen.
Freie Räume statt fremder Höfe: Was jetzt zu tun wäre
Gepflegter demokratischer Diskurs braucht freie Räume. Das ist der Punkt, an dem alle Linien zusammenlaufen. Solange die Infrastruktur, auf der wir einander begegnen, privat, zentralisiert und profitorientiert organisiert ist, wird jeder Appell an bessere Umgangsformen zur Kosmetik.
Patrick Gensing formuliert das in seinem taz-Essay klar: Erst wenn Sichtbarkeit nicht mehr monopolisiert wird, können Fakten wieder als gemeinsame Bezugsebene wirken. Nicht als unfehlbare Wahrheit, sondern als Grundlage für Verständigung. Das ist der strukturelle Gegenentwurf zu Sloterdijks neuem Fürsten und Zuckerbergs Hausordnung.
Und hier kommt Heimanns wichtigste Pointe ins Spiel. Das Digitale, digitale Öffentlichkeitsräume, schreibt er, gelten weiterhin als Spezialthema von Nerds und Datenschützern – etwas, um das man sich neben den vermeintlich wichtigen Dingen wie Tankrabatt, Grenzkontrollen und Rentenpaket irgendwie auch kümmert, sofern Zeit ist. Die AfD sieht das ganz anders …
Irgendwann müsste mal durchdringen, dass an diesem vermeintlichen Spleen von komischen Nerds die Demokratie hängt. Plattformregulierung, Interoperabilität, digitale Souveränität, öffentlich-rechtliche digitale Räume, europäische Alternativen zu Meta und X, ein Fediverse, das nicht nur von einer engagierten Minderheit getragen wird, eine Medienpolitik, die publizistische Infrastruktur als Infrastruktur begreift – das sind keine Orchideenthemen. Das sind die Versorgungsleitungen der Demokratie.
Wenn wir sie weiter an die Fürsten in Kalifornien auslagern, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Ton rauer und die Räume enger werden. Freie Räume entstehen nicht, weil wir höflicher werden. Sie entstehen, weil wir sie bauen, pflegen und politisch verteidigen. Und wenn wir sie haben – freie, unabhängige, demokratisch verfasste Räume –, dann wäre es wirklich schön, wenn wir einander darin auch zuhören. Nicht weil eine Umfrage es anmahnt. Sondern weil es die Grundlage ist, auf der Demokratie überhaupt möglich wird.
Quellen & Leseempfehlungen
- Ralf Heimann: Herrschaftszeiten – Das Altpapier vom 16. April 2026 (MDR)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, April 2026)
- Patrick Gensing: Fake News drohen das Rennen gegen Fakten zu gewinnen, was kann man dagegen tun? (taz)
- Christian Fuchs: Digitaler Faschismus und digitaler Kapitalismus (tripleC, Vol. 24 No. 1, 2026)
- Gunnar Sohn: Wenn der Journalismus allein an der Kasse steht (ichsagmal.com)
- Gunnar Sohn: Der Fürst kehrt nicht zurück – er war nie fort: Das ORF-Gespräch mit Peter Sloterdijk als Bühne einer alten Wahrheit (ichsagmal.com)
- Thomas Gutschker: Ungarn als Vorbild? : Rechts schlägt rechts außen (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 19.4.2026)
- Peter Sloterdijk: Der Fürst und seine Erben: Über große Männer im Zeitalter der gewöhnlichen Leute (Buch, 2026)
- Sam Biddle: Facebook and Instagram Tighten Censorship Rules for Saying „Antifa“ (The Intercept, 14. April 2026)
- Thomas Petersen: Allensbach-Umfrage: Grünen-Anhänger tun sich mit anderen Meinungen besonders schwer(FAZ)
- Denis Glismann: Studie der Medienanstalten: Debattenkultur im Netz erodiert (netzpolitik.org, 10. April 2026)
- die medienanstalten: Transparenz-Check – Digitale Diskussionsräume: Diskursqualität & Beteiligung unter journalistisch-redaktionellen Beiträgen in Sozialen Medien (2026)
- Florian Harms: Tagesanbruch Steinmeier setzt ein starkes Zeichen (t-online, 21.4.2026)
- Jonas Schaible: Newsletter „beimwort“ (zitiert in Heimann, Altpapier)
- Verlegerverbände Deutschland/Österreich/Schweiz/Luxemburg/Südtirol: Gemeinsamer Aufruf für faire Rahmenbedingungen im digitalen Medienmarkt
- Stefan Krempl: Bye-bye TV-News: US-Wähler setzen auf Influencer statt auf Nachrichten (heise online, 18. April 2026)
- Tiffany Hsu: Hundreds of Fake Pro-Trump Avatars Emerge on Social Media (The New York Times, 17. April 2026)
- Stefan Pfeiffer: Late Night Shows & TikTok: Trump, der Puppenspieler – Wochenschau (StefanPfeiffer.Blog, 25. September 2025)
- Stefan Pfeiffer: Great Television statt Demokratie: Wie Trump die US-Politik TV-isisiert (StefanPfeiffer.Blog, 13. August 2025)
- Stefan Pfeiffer: Fakten allein retten keine Demokratie mehr – aber wir brauchen sie (StefanPfeiffer.Blog, 2. April 2026)
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Une représentation graphique des données de qualité de l'eau en France.
https://dansmoneau.fr/
#pesticides #nitrates #LoiDuplomb -
• À Grenoble s’est tenu un cercle de silence co-organisé par les collectifs Alternatiba/ANV-COP21 Grenoble et Lutte et Contemplation pour protester contre l’implication de Schneider Electric dans le projet #EACOP de Total (oléoduc en Ouganda et Tanzanie), de sensibiliser et d’informer les passant·e·s.
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👁️ Levons le voile sur tous les soutiens au projet écocidaire EACOP (pipeline géant entre l'Ouganda et la Tanzanie) 👉 C'est ce qu'a fait alliance de @alternatibagre , @scirebfr & @xrgrenoble en pointant les liens entre Schneider Electric et ce grand projet destructeur qu'est #EACOP - détails sur cet article de @bastamedia 👇
https://basta.media/projet-petrolier-afrique-EACOP-entreprises-financeurs-francais-soutiennent-Total -
Le Conseil fédéral a répondu à la motion de M. Schneider et à à l'interpellation de C. Chollet sur la nécessité d'interdire les poulets de souche à croissance rapide. Pas de surprise dans ses arguments: ce sont les mêmes que la branche avicole. 🤬 Honte au gouvernement de ne pas saisir la chance de rendre une situation un peu moins catastrophique pour ces oiseaux, quand même un géant comme Burger King France s'y engage!
Le Parlement tranchera en décembre.
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Twitter a publié son algorithme de recommandation, mais c'est un leurre ! en verrouillant son API, Twitter limite les services tiers et les travaux de recherche. La loi européenne sur les services numériques obligera bientôt les plateformes à effectuer des audits tiers sur leurs algorithmes #DigitalServiceAct #socialmedia #codesource #régulation https://www.wired.com/story/twitters-open-source-algorithm-is-a-red-herring/
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Offener Brief: AfD auf Verfassungswidrigkeit prüfen
Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode fordern Menschen, die sich seit Jahren für Demokratie und gegen Rechtsextremismus engagieren, endlich ein Verbotsverfahren gegen die AfD anzustoßen.
Von Redaktion Belltower.News| 29. Januar 2025
Auf einer Demo gegen Rechtsextremismus fordern Teilnehmende ein Verbot der AfD.
(Quelle: picture alliance/dpa | Hannes P Albert)Angesichts der bevorstehenden Beratungen im Deutschen Bundestag in dieser Woche fordert ein breites Bündnis aus der ostdeutschen Zivilgesellschaft die demokratischen Abgeordneten des Bundestages auf, die Prüfung eines AfD-Verbotsverfahrens entschlossen voranzutreiben. Das Prüfverfahren sei ein klares Signal gegen die rechtsextreme Bedrohung, dazu fordern die Engagierten umfassendere Maßnahmen gegen Rassismus, Antisemitismus und Demokratiefeindlichkeit zu ergreifen.
Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, unterstreicht die Dringlichkeit: „Die Debatte über ein Verbot der AfD zeigt, wie unklar und unentschlossen viele Demokrat*innen agieren. Für zivilgesellschaftlich Engagierte und Minderheiten wirkt diese Diskussion wie ein Feigenblatt, um sich nicht mit den für sie unmittelbar gefährlichen Erzählungen der AfD auseinanderzusetzen. Doch genau diese Erzählungen prägen längst die politische Realität. Wir dürfen nicht zulassen, dass diese rechtsextreme Partei weiter demokratische Institutionen aushöhlt und ein Klima der Angst schafft. Ein Prüfverfahren ist ein wichtiges Signal, doch ohne eine umfassende Strategie gegen rechtsextreme Hetze und Gewalt bleibt es Stückwerk.“
Einschüchterungen und Angriffe gegen demokratisch Engagierte
Die Unterzeichnenden berichten von gezielten Einschüchterungen und Angriffen durch die AfD, die nicht nur Minderheiten und Geflüchtete, sondern auch demokratisch Engagierte treffen, insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern. Robert Kusche ehrenamtlicher VBRG-Vorstand betont: „Die AfD trägt aktiv zur Eskalation politischer Gewalt bei. Ihre Funktionär*innen beteiligen sich durch Rhetorik und Handlungen an der existenziellen Bedrohung ‚politischer Feinde‘ wie demokratisch Engagierten und Kommunalpolitiker*innen. Sie sendet Botschaften, die Gewalt gegen vulnerable Gruppen legitimieren. Für die Betroffenen bedeutet das eine ständige Bedrohung ihrer Sicherheit. Diese Entwicklung erfordert eine entschlossene Haltung aller Demokrat*innen, um die Werte einer offenen und sicheren Gesellschaft zu verteidigen.”
Kalkulierter Raubzug zum Abbau der Demokratie
Die zunehmende Vernetzung von AfD Mitgliedern mit Reichsbürger*innen und Rechtsextremen zum gewaltbereiten Angriff gegen Engagierte und Repräsentantinnen auf die Infrastruktur der Demokratie sind besorgniserregend und fordern zum Handeln auf, so Renate Sternatz, Vorsitzende von Mobit e.V. Thüringen. „Wir erleben vielerorts wiederholte Angriffe gegen die Menschenwürde auf Einzelpersonen und Gruppen, z. B. auf Menschen mit Migrationserfahrung, Journalist*innen, Gewerkschafter*innen und viele weitere demokratisch Engagierte. Die systematische Verunsicherung erfolgt in den Kommunen, in Vereinen, im Alltag, in den sozialen Netzwerken und auf der Straße. Die AfD zielt programmatisch auf die Abschaffung der freiheitlich demokratischen Grundordnung und sie missbraucht ihre parlamentarischen Mandate zur gezielten Einschüchterung der Zivilgesellschaft. In Thüringen hat die AfD zuletzt durch die Eröffnung des Landtagsparlaments ihre gefährliche Präsenz und symbolische Macht unter Beweis gestellt. Der kalkulierte Raubzug zum Abbau unserer demokratischen Prinzipien darf nicht länger toleriert werden.“
Verbotsverfahren darf nicht verschleppt werden
Die Engagierten fordern die Bundesregierung und die demokratischen Abgeordneten des Bundestages auf, ein klares Signal gegen die rechtsextreme Bedrohung zu setzen und die Prüfung eines Verbotsverfahrens aktiv auf die Tagesordnung zu bringen und nicht bis nach der Bundestagswahl zu verschleppen. Gleichzeitig sei es unerlässlich, umfassendere Strategien zu entwickeln, um die Demokratie gegen Angriffe von rechts zu schützen.
„Nie wieder ist jetzt“ – mit diesen Worten schließen die Verfasser*innen des Briefes und fordern von den Abgeordneten des Bundestages eine entschlossene Haltung und klare Maßnahmen gegen die AfD und die von ihr ausgehenden Gefahren.
Belltower.News dokumentiert den Brief im Wortlaut.
Offener Brief:
Sehr geehrte Abgeordnete des Deutschen Bundestags,
wir wenden uns an Sie als Vertreter*innen zahlreicher zivilgesellschaftlicher Initiativen, Organisationen und Gruppen aus Ostdeutschland, die sich tagtäglich für eine demokratische, weltoffene und pluralistische Gesellschaft einsetzen. Mit großer Sorge beobachten wir, wie die AfD ihre Position in kommunalen Gremien und Parlamenten missbraucht, um nicht nur jene zu attackieren, die vor Ort für das Gemeinwohl und den gesellschaftlichen Zusammenhalt eintreten, sondern auch die Grundwerte unseres Grundgesetzes. Sie fördert ein Klima der Angst und Spaltung und nutzt unsere Demokratie, um systematisch demokratische Prinzipien zu untergraben.
Wir erleben hautnah, wie die AfD gezielt gegen Minderheiten, Andersdenkende und demokratische Institutionen vorgeht. Ihre Hetze vergiftet nicht nur das gesellschaftliche Klima, sondern fällt auf fruchtbaren Boden und erzeugt reale Gewalt. Besonders betroffen sind hiervon viele Regionen in den ostdeutschen Bundesländern, in denen die AfD besonders stark ist und zugleich anderen rechtsextremen und neonazistischen Kräften Auftrieb verschafft. Der Hass und die Gewalt treffen die Schwächsten, Minderheiten, Geflüchtete, Frauen, aber auch Engagierte der demokratischen Zivilgesellschaft und in der Kommunalpolitik.
Neben der Verbreitung von offenem Antisemitismus, völkischem Rassismus und wahnhaften Verschwörungserzählungen richtet die AfD gezielte Angriffe auf die Erinnerungskultur an die Opfer des Nationalsozialismus. Führende Mitglieder der Partei sprechen von einem „Schuldkult“ und relativieren damit bewusst die größten Menschheitsverbrechen unserer Geschichte.
Wir, die Unterzeichnenden, wollen diese Entwicklungen nicht hinnehmen. Wir stellen uns daher täglich Antisemitismus, Rassismus und Geschichtsrevisionismus entgegen. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt wird die AfD bereits jetzt als gesichert rechtsextrem eingestuft. Sie hat sich von einer rechtspopulistischen Oppositionspartei zu einer system- und demokratiefeindlichen Kraft entwickelt, die gezielt das Vertrauen in Parlamente, Gerichte, Medien und zivilgesellschaftliche Strukturen untergräbt und diese offen angreift.
Tagtäglich erfahren wir, was es bedeutet, durch Rechtsextreme, Rassisten und Antisemiten beleidigt und bedroht zu werden. Daher fordern wir Sie auf, Ihren Beitrag im Kampf gegen Rechtsextremismus zu leisten: Leiten Sie ein Prüfverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht ein, um unabhängig festzustellen, ob die AfD auf dem Boden des Grundgesetzes steht. Lassen Sie uns gemeinsam entschlossen dafür eintreten, die demokratischen Werte unseres Landes zu schützen. Mehr denn je gilt: „Nie wieder ist jetzt.“ Unsere Verfassung gibt uns dieses Mittel zum Schutz der Demokratie an die Hand; wir sollten es nutzen.
Seit langem dokumentieren wir unsere Erfahrungen und Einschätzungen, um ein umfassendes Bild der Situation zu vermitteln. Wir laden Sie ein, mit uns zu diskutieren und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Drücken Sie sich nicht aus parteitaktischen Gründen vor Ihrer Verantwortung gegenüber der Demokratie und den Menschen – insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern.
Ja, ein mögliches Verbot der AfD wird das Problem mit Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus nicht lösen. Doch ein Prüf- und Verbotsverfahren wäre ein wichtiges Signal und ein Baustein, um auf die Bedeutung der AfD und die von ihr ausgehenden Gefahren zu reagieren. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir sind offen für weitere Ideen und Vorschläge.
Mit freundlichen Grüßen
Unterzeichner*innen in alphabetischer Reihenfolge:
Achim Radau-Krüger
Alex Schuster
Alexander Grau
Alexander Poesche
Alexandra Riha
Alma Flamm
Andrea Baldauf
Andrea Hübler
Andrea Krüger
Andrea Nienhuisen
Andrea Stiehler
Andreas Froese
Anett Wendler
Angela Giersch
Angela Keßler
Angela Koini
Angela Müller
Anita Resch
Anja Rammer
Anka Jahneke
Anna Groschwitz
Anna Heide-Konrad
Annabel Beckmann
Anne Grökel
Anne Nitschke
Anne Piotrowski
Anne Schmidt
Anne Wältken
Annett Taube
Antje Walter
Arnold Paduch
Astrid Förster
Barbara Freudenthal
Barbara Hansen
Barbara Koschatzky
Bastian Lämmler
Bayar Aziz
Beate Gütschow
Beate Schiewer
Bella Liebermann
Benno Baumbauer
Bernd Faller
Bernhard Otto
Bernhard Wanner
Bettina Pistor
Björn Schreiber
Carina Ludwig
Carl-Josef Virnich
Carola Nebe
Cathrin Kameni Monkam
Cherin Mahmoud
Christian Paul Schröer
Christian Wehner
Christian Torenz
Christina Brzynczek
Christina Lange
Christina Maria Grafe
Christine Wehner
Claudia Bamberg
Claudia Heise
Claudia Kostka
Claudia Salooja-Günz
Claudia Weier
Corinna Hägele
Corinna Züge
Cornelia Hülseberg
Cornelia Lotthammer
Cosima Santoro
Damian Koenig
Daniel Bahrmann
Daniel Bogenstahl
Daniel Kraut
Daniel Kurz
Daniel Steinbach
David Paraschiv
Denise Ney
Dennis Hanauer
Dennis Ries
Dennise Remmle
Diane Steinkrauß
Dirk Freudenthal
Dirk Kendziorczyk
Dirk Kotelmann
Dominik Schneider
Doritta Kolb-Unglaub
Dorothea Feuerbach
Dorothea Gintz
Dorothee Antos
Dr. Axel Salheiser
Dr. Greta Reeh
Dr. Harald Lamprecht
Dr. Hellena Horst
Dr. Silke Riekmann
Dr. Thorsten Hindrichs
Edeltraud Kotzanek
Edith Alef
Eleonore Lubitz
Elio Galen
Elisabeth Eschweiler
Elsbeth Hoeck
Ena Cumurovic
Erik Voß
Estera Sara Stan
Eva Bock
Evelyn Illgen
Evelyn Kranz
Fanny Klemm
Felica Körfgen
Florian Winkler
Franca Postel
Franz Zobel
Franz-Xaver Federhen
Franzi Böhm
Franziska Göpner
Franziska Marten
Franziska Herold
Friederike Theile
Gereon Leifeld
Giò Di Sera
Giulia Tonelli
Gregor Mennicken
Grit Klück
Grit Schedalke-Bree
Gudrun Winkler
Gundula Sell
Günter Burkhardt
Han Ostbomk
Hannes Stuwe
Heike Anders
Heike Horstmann
Helena Daniel
Helmut Thein
Henning Wötzel-Herber
Henriette Schreiber
Hiltrud Körfgen
Holger Joswig
Homa Moradi
Hubert Poell
Ibrahim Al-Wattar
Ina Gross-Bajohr
Ingrid Bergschmidt
Ingrid Kunkel
Ingrid Hansen
Jacqueline Georgius
Jan Stahlhut
Jana Rosenfeld
Jana Steiger
Jana Clemen
Janek Hesse
Janika Sebastian
Janina Baumbauer
Janine Busch
Janosch Salzl
Japheth Kohl
Jaromar von Bormann
Jasmin Dean
Jasmin Kröber
Jasper Pommerin
Jennifer Adler
Jenny Meyer
Jens Müller
Jessica Schumacher
Johanna Knote
Johanna Licht
Johanna Sprengel
Johannes Hartmann
John Venghaus
Jolanda Krok
Jona Schapira
Jonas Schlosser
Jonas Steinleitner
Jonas Thibaut
Jonathan Lübke
Jörg Finus
Jörg Kalensee
Jörn Krug
Judith Porath
Julia Härtel
Julia Sachs
Julia Seemann
Julia Wolfrum
Julian Matthias Adalberto Quispe Heider
Julian Petermann
Julian Wüster
Julius Grimmig
Julius Schulz
Jürgen Schmidt
Jutta Schultheiß
Jutta Simon-Karrenberg
Karin Forbrig
Karin Heino
Karla Marek
Karola Jaruczewski
Karola Kunkel
Karsten Wagner
Katarina Schröter
Katharina Grüttner
Katharina König-Preuss
Katharina Mühlhoff
Käthe Eisoldt
Katja Kinder
Katrin Hödl
Kerstin Fettweis
Kevin Zöller
Kira Ayyadi
Klaus Friedrich Schulz
Klaus Tröster
Kora Dust
Lars Repp
Lasse Charlier
Laura Meinen
Lea Nassim Tajbakhsh
Leah Carola Czollek
Lena Frenzel
Lena Marleaux
Lilly Hickisch
Lisa Glauche
Lisa Wiedemuth
Luca Schliemann
Lucia Milad
Lukas Pellio
Magdalena Otto
Magdalena Sankowska
Magnus Rembold
Maike Limprecht
Manuel Schabel
Manuel Schulz
Manuela Coker
Manuela Knopp
Marcel Loeb
Marco Förster
Margarete Wittner-Koester
Margret Gelzenleuchter
Maria Müller
Maria Nelz
Marianna Schmidt
Marie Heide
Marie Mechtild Gillissen
Marie Sommer
Marie-Theres Lämmler
Marieke Jahneke
Mario Geisen
Marion Wegner
Markus Spintig-Wehning
Markus Weber
Marlen Neumann
Marlene Schultz
Marlies Dietrich
Marta Marszewska
Martin Folz
Martin Kasprzak
Martin Langbecker
Martin Schmiedler
Martin Raue
Martina Backes
Mathias Birsens
Matthias Hoffmann
Maximilian Kalinsky
Maximilian Storch
Maya Liqokeli
Melanie Keller
Melanie Leykauf
Melanie Wündsch
Merline Bratenstein
Michael Forbrig
Michael Hohenadler
Michael Pettrup
Michael Reckordt
Michael Sexauer
Michael Thinius
Milena Otte
Mio Meyer
Nadine Höhn
Nadine Stiebitz
Najat Ibrahim
Nancy Meyer
Nassr Rahman
Nat Net
Natalie Brosch
Natalie Floreck
Nicole Hartmann
Niklas Amani Schäfer
Nils Huxoll
Nina Adams
Nina Gbur
Nora Oehmichen
Olaf Traute
Oliver Heise
Paola Carega
Pascal Kalensee
Patricia Mattes
Patrick Schuck
Paul Hirsch
Paul Obermeyer
Paula Gleißner
Paula Tusetschläger
Peter Gerwinat
Peter Grohmann
Peter Wolf
Petra Holldorf
Petra Meinzer
Prof. Dr. Thorsten Geisler-Wierwille
Rainer Lewe
Raja Goltz
Ralf Dietrich
Ralf Hron
Ramon Tausch
Rebecca Freyer
Reinhild Benfer
Renate Fippl
Renate Sternatz
Rene Attila Adiyaman
René Stich
Rita Rosenkranz
Robert Kusche
Robert Zenker
Roman Guski
Rudolf Müller
Sabine Boddien
Sabine Günscht
Sabrina Giesen
Sandra Karbowiak
Sandra Kendziorczyk
Sandra Lorbach
Sandrine Kuntzag
Sarah Annika Schiller
Sascha Siry
Saskia Körner
Saskia Mette
Sebastian Hammer
Sebastian Hofmann
Sebastian Mauer
Sebastian Strobl
Sharon Adler
Silke Mayer
Silvia Ribes
Silvia Schaak
Silvia Schürmann-Ebenfeld
Simone Mertsch
Sonja Taubert
Sophia Athié
Sophia Chimaoge Nelz
Sophia Wagenlehner
Sophia Nitsch
Stefan Demling
Stefan Diefenbach-Trommer
Stefanie Kalensee
Stefanie Wagner
Steffen Richter
Stephan Schoeneich
Stephane Lelarge
Stephanie Luther
Steve Beckmann
Susann Rüthrich
Sylke Fritzsche
Sylvia Zenz
Tabea Germo
Tahera Ameer
Teresa Suendermann
Theresa Steinhäuser
Thomas Gey
Thomas Häcker
Thomas Klisch
Thomas Postel
Till Thomas
Tim Carow
Tim Honscha
Timo Reinfrank
Tina Jana Wittrich
Tine Laufer
Tino Hain
Tobias Oertel
Tom Schaak
Toni Heise
Toni Marer
Udo Knickelmann
Ulrike Warncke
Ursula Böttcher
Ursula Laue
Ursula Pier
Ursula Schmidt
Ute Bach
Vanessa Fischer
Vanessa Pettrup
Veit Hannemann
Verena Haug
Veronika Patočková
Viktoria Heick
Vincent Seeberger
Virginia Zaccagnini
Vivien Buckendahl
Volker Vödisch
Walid Malik
Werner Philippi
Willy Vetter
Winkler Moritz
Wolfgang Länder
Wolfgang Rothe
Wolfram Kattanek
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Françoiz Breut – Vingt à Trente Mille Jours (2000, France)
[This guest post was written by @arratoon about number 912 on The List. The album was also submitted by @arratoon.]
The second album from French singer and illustrator was a sonic leap forward from her beguiling eponymous debut.
Written in the main by her then boyfriend, Dominique A, and his band, the songs bear the signature of the prolific songwriter and performer but are blessed by Françoiz’s elegant voice.
If, like me, you’re a sucker for sweeping strings then the addition of Budapest Symphony Orchestra will thrill you. The orchestrations are subtle but shimmering, and are used to their best effects on what has become her best-known song. “Si Tu Disais” starts with her barely audibly whispering the title, before hitting its stride. When the orchestra kicks in you’ll soar along with it. The track has been covered by Benjamin Biolay, and she’s performed it with fellow travellers Calexico, but this is the original and best version.
“L’Origine du Monde”, written by Katerine (most recently seen annoying Christians by appearing naked and painted blue as a Greek God in the Paris Olympics opening ceremony) kicks, buzzing guitars flying around like wasps.
The album features a languid version of Philippe Sarde’s “La Chanson d’Hélène”, originally from the soundtrack of Claude Sautet’s film Les Choses de La Vie, sung by Romy Schneider and Michel Piccoli. Here, Joey Burns from Calexico anglicises Piccoli’s lyrics. It’s a woozy delight. Françoiz also covers jazz standard “Sans Souci”. There’s more late-night languidity in Dominique A’s “La Nuit Repose”, shimmering guitars caressed by dark violins, before sailing away.
One of my favourites on this record is “Il n’y a pas d’Hommes dans les Coulisses”. Spare at first, her voice and a bass are joined by yearning strings and brushed drums, vibraphone and guitar adding mistral uplifts.
The record shows how much of an engaging performer she is, and how much of a great interpreter of people’s songs, seen recently on 2023’s Cover Songs in Inferno album she made with Don Nino. While Vingt… is beautifully moody and atmospheric, her most recent couple of albums, 2021’s Flux Flou de la Foule, and this year’s Vif!, are resplendent in their upbeat joyfulness, and both are uninhibited delights.
– Adrian Arratoon (@arratoon)
- Songlink: Françoiz Breut – Vingt à Trente Mille Jours
- Discogs: Françoiz Breut – Vingt à Trente Mille Jours
#1001OtherAlbums #2000s #BudapestSymphonyOrchestra #chanson #DominiqueA #FrançoizBreut #France #popRock #YannTiersen
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(13/14) ... conseil et 26 fois ministre (cf 1862 1905 1926 + 1933 1940) + réalisatrice #cinema Germaine Saisset-Schneider Dulac présidente de la section cinématographique #films du Conseil national et international des #femmes au sein de la Société des Nations et fonde/dirige le journal filmé hebdomadaire France-Actualités-Gaumont = cinéma #documentaire, scientifique #science et d'actualité #politique #histoire ...
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Sur France Inter et France Info : Manuel #Bompard, Alix #Bouilhaguet et les questions fake news - https://www.liberation.fr/idees-et-debats/opinions/sur-france-inter-et-france-info-manuel-bompard-alix-bouilhaguet-et-les-questions-fake-news-par-daniel-schneidermann-20251115_GIXN4DITUJA6XBWOMKKX63IWO4/
> Les lucides citoyens de ce pays ont à peu près compris que dans une interview politique audiovisuelle, les questions sont souvent plus intéressantes que les réponses. Sur un plateau de télévision, la question n’a pas pour but principal d’obtenir une réponse du questionné. Elle a pour but de signifier au public l’opinion du questionneur [...]
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.> Following the IAEA 1991 report that claimed "radiation from the Chernobyl accident had almost no effect on the local population", Takagi produced a paper estimating that 100,000-200,000 extra cancers in former USSR countries are a result of this accident. To follow up, CNIC was co-organiser, with the Belarus Academy of Sciences and a number of Japanese scientists, of the 1994 Belarus-Japan Symposium 'Acute and Late Consequences of Nuclear Catastrophes: Hiroshima, Nagasaki and Chernobyl'.
.> In 1991 Jinzaburo Takagi invited Mycle Schneider to Japan to participate in an International Plutonium Conference. The two men started working together on the issues of waste and plutonium shipment between their two countries, a collaboration which was recognised in 1997 by the bestowal of a joint Right Livelihood Award on the two men.
.> In December 1995, the prototype Japanese fast-breeder reactor (FBR) had a serious accident, which the authorities tried to cover up. Takagi and CNIC were constantly quoted in the press as the scientists who could be trusted. With Japan and France hosting the two remaining large-scale interests in plutonium use, and MOX (uranium-plutonium mixed oxide fuel) being the main use for plutonium outside fast breeder reactors (FBRs), Takagi started work with Schneider on a two-year intensive international research project on 'A Comprehensive Social Impact Assessment of MOX in Light Water Reactors'.
....> In 1997 France shut down its Superphénix FBR, and Schneider edited a 32-page brochure that highlighted France's increasing isolation on nuclear policy. In Japan there was another nuclear accident, this time at the Tokai waste disposal facility, and another abortive attempt at a cover-up. With the escalating costs of reprocessing, and a MITI-imposed moratorium on fast-breeder development, public confidence in the industry in Japan decreased dramatically.
.> With his RLA prize money, Takagi started the Takagi School, to educate people who aim to be citizen scientists. He was diagnosed with cancer, but continued his activity under medical treatment until he died in 2000. Following his last will, the Takagi Fund for Citizen Science was founded to encourage and support Japanese and Asian citizen scientists.
https://web.archive.org/web/20101130151500/http://rightlivelihood.org/takagi.html
#TakagiJinzaburo #JinzaburoTakagi #高木仁三郎 #RightLivelihood #NoNukes #MOX #Plutonium #France #Japan #NuclearWaste #NuclearAccidents -
Politische Gefühle – Macht #Ekel konservativ? - #podcast
Gerümpfte Nase, gekrauste Stirn, Mundwinkel nach unten - auf der ganzen Welt zeigt sich Ekel ähnlich.
Ekel im Populismus
#antisemitismus #linksgrünversifft "die Grünen wollen das wir alle Insekten essen."Norbert Lang diskutiert mit
Prof. Dr. Philipp Hübl, Philosoph und Publizist, Berlin
Prof. Dr. Uffa Jensen, Historiker und Antisemitismusforscher, TU Berlin
Dr. Franca Parianen, Neurowissenschaftlerin, Berlin @FparianenWas eklig ist und was nicht, darüber scheiden sich die Geister. Denn schließlich sind es meist die Gerichte, Gerüche oder Gewohnheiten der Anderen, der Fremden, der mit den anderen Kulturen die man als besonders eklig empfindet. Offene Menschen ekeln sich seltener, sagen Wissenschaftler.
Aber stimmt das wirklich? Ist Ekel konservativ? Und wird er erlernt oder angeboren?
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La Croix Rouge souhaite créer un nouvel emblème numérique pour indiquer aux militaires et aux pirates informatiques qu’ils entrent dans les systèmes informatiques d’hôpitaux ou de bureaux de la Croix-Rouge #cyberespace #humanitaire #CIRC #TechForGood
https://www.icrc.org/sites/default/files/topic/file_plus_list/icrc_digitalizing_the_rcrc_emblem_1.pdf