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891 results for “zauberfee”

  1. CW: Nicht alles, was unter „Weihnachtslied“ läuft, ist auch eins (CW: Weihnachten, Wham!)
    Es ist schon verrückt, was so alles unter „Weihnachtslied“ läuft. Vielfach halten die Leute ja knallhart daran fest: „Ja, das sind Weihnachtslieder, Punkt, Ende der Diskussion. Weil, is’ so.“

    Aber viele davon sind gar keine Weihnachtslieder. Das sollte man in den meisten Fällen mit einem gewissen Mindestgrad an Textverständnis bemerken. Nur wer versteht heutzutage Liedtexte?

    „Have Yourself A Merry Little Christmas“: kommt aus einem Film und wird da von Judy Garland gesungen – ihr kennt sie vielleicht auch als Dorothy in „Der Zauberer von Oz“. Weder im Filmkontext noch in dem Lied selbst geht es um Weihnachten, sondern ums Wiedersehen irgendwann mal. Zu so etwas wie einem Weihnachtslied wurde es erst nach einer Textänderung. Ja, Textänderung. Man höre sich mal das Original von Judy Garland an und lese parallel den Songtext.

    „Stop The Cavalry“ (Jona Lewie): kein Weihnachtslied, sondern ein Antikriegslied. Es erwähnt nur eben „Christmas“ im Text und enthält an zwei Stellen danach Schlittenglocken – wobei, wie ich weiter unten schreiben werde, auch Schlittenglocken nichts rein Weihnachtliches sind.

    „Last Christmas“ (Wham!): auch kein Weihnachtslied. Nein, wirklich nicht. Sondern ein Liebeslied.

    Wenn es danach ginge, wäre auch Stevie Wonders „I Just Called To Say I Love You“ ein Weihnachtslied, weil „Christmas“ im Text einer Strophe vorkommt.

    „The Power Of Love“ (Frankie Goes To Hollywood): noch sehr viel weniger ein Weihnachtslied, sondern auch ein Liebeslied. Ein etwaiger Weihnachtsbezug wurde durch die Darstellung der Geburt Jesu im Musikvideo konstruiert. Gerade dieses Lied kann man tatsächlich das ganze Jahr hören. Doch, tatsächlich.

    „Winter Wonderland“, „Frosty The Snowman“, „Suzy The Snowflake“ usw.: keine Weihnachtslieder, sondern Winterlieder. Selbst in den USA sind weiße Weihnachten eher die Ausnahme als die Regel – außer vielleicht in den Rocky Mountains, in der Sierra Nevada oder in Bundesstaaten wie Minnesota, North Dakota und South Dakota, wo es der Folklore nach das Fehlen von Schnee ist, das eher die Ausnahme als die Regel ist.

    „Jingle Bells“, „Sleigh Ride“, „Jingle Bell Rock“ usw.: auch keine Weihnachtslieder, sondern auch wieder Winterlieder, in denen es ums Schlittenfahren geht. Gerade im ach so populären „Jingle Bells“ hängen vor besagtem Schlitten obendrein nicht neun Rentiere, sondern ein einzelnes Pferd. Übrigens ist die Chance, mit einem Pferdeschlitten herumfahren zu können, im Februar sehr viel größer als um Weihnachten. Und auch im Februar kann man Schlittenglöckchen verwenden. Hat man früher tatsächlich als Warnsignal, weil ein Pferdeschlitten auf Pulverschnee annähernd lautlos ist, um den überhaupt hörbar zu machen.

    „Baby, It’s Cold Outside“: auch kein Weihnachtslied. Es glorifiziert nicht mal den Winter. Statt dessen nutzt ein Mann die tatsächliche oder vielleicht auch nur implizierte Winterkälte, um eine Frau am Gehen zu hindern.

    „Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“: auch kein Weihnachtslied. Es glorifiziert den Winter sogar noch viel weniger. Es stellt ihn auch nicht einfach nur als kalt und ungemütlich dar, sondern in Form eines handfesten Schneesturms. „The weather outside is frightful“ und so. Und dann geht dem Paar im Haus auch noch das Kaminfeuer aus, wahrscheinlich, weil das Feuerholz alle ist und keiner rausgehen will, um Nachschub zu holen. Sagen wir mal so: Ende 1978 hätte es nicht Weihnachten beschrieben, sondern die Schneekatastrophe, die direkt nach den Feiertagen losging. Weihnachten 1978 war übrigens auch nicht weiß.

    Das neueste Ding scheint jetzt zu sein, Weihnachtssampler mit Gospel aufzufüllen. Wohlgemerkt, Gospel, der nichts, aber auch gar nichts mit Weihnachten zu tun hat.

    #Weihnachten #Weihnachten 2025 #Weihnachtslied #Weihnachtslieder #Weihnachtsmusik #Stop The Cavalry #Last Christmas #Winter Wonderland #Jingle Bells #Winterlied #Winterlieder
  2. #WirSindDieDDB! 💪
    Die @stabi_berlin ist mit weit über 1 Million Einträge in unserem Portal vertreten. Im Blogartikel stellt sie sich vor und zeigt einige ihrer tollsten Objekte:
    deutsche-digitale-bibliothek.d

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    Bilder (Details):
    - Illustration in: Kosmologische Unterhaltungen für die Jugend, Bd. 3, 1780
    - Die Zauberflöte in Mozarts eigener Handschrift, 1791
    - Gutenbergbibel, 1445
    - Japanischer Holzschnitt, 1882 (digital von uns gefärbt)
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    @bmbf_bund

  3. Schlafenszeit: Basteln für süße Träume

    #Schlafritual #Basteln #Kinder #Schlafstörungen #DIY Entfessele die Fantasie deiner Kinder und zaubere ihnen mit selbstgemachten Schlafhelfern süße Träume! In "Schlafenszeit: Basteln für süße Träume" zeigen wir dir einfache DIY-Projekte für entspannende Abendrituale. Von beruhigenden Traumfängern...

    family-blog.at/schlafenszeit-b

  4. Die Opfer der #Hexenverfolgung sind Männer und Frauen gleichermaßen. Das Verhältnis ist ausgeglichen. Es gab keine „Frauenverfolgung“ weiser Frauen mit „Geheimwissen“, welches das Ziel von Verhütung und #Abtreibung hatte, wie Verschwörungstheorien oft behaupten. Vielmehr ging es darum, Menschen auszusondern, die angeblich durch Magie Schaden zufügten. Die Macht dazu stamme vom Teufel, so der Glaube des Volkes.

    Die katholische #Theologie hat den Volksglauben an Hexerei und Zauberei als Irr- und Aberglauben beschrieben. Schon im 10. Jahrhundert wird im „Canon episcopi“ Hexenglauben als dämonisch inspirierte Einbildung charakterisiert. Dämonenangst und die Wahnvorstellung von Zauberei waren in der Kirche chancenlos, wurden nicht ernst genommen oder gar verfolgt. Bei den heidnischen Germanen jedoch war dies anders: Dort gab es rituelle Verbrennungen von Zauberern. #Christentum und die Kirche beseitigten derartige Praktiken.
    #fedikirche #katholischekirche #glaubenswissen #geschichte

  5. Die Opfer der #Hexenverfolgung sind Männer und Frauen gleichermaßen, das Verhältnis ausgeglichen. Es gab keine „Frauenverfolgung“ weiser Frauen mit „Geheimwissen“, welches das Ziel von Verhütung und #Abtreibung hatte, wie heutige Verschwörungsmystik oft behauptet. Es ging vielmehr darum, Menschen auszusondern, die angeblich durch Magie Schaden zufügten. Die Macht dazu stamme vom Teufel, so der Glaube des Volkes.

    Die katholische Theologie hat den Volksglauben an Hexerei und Zauberei als Irr- und Aberglauben beschrieben. Schon im 10 Jahrhundert wird im „Canon episcopi“ Hexenglauben als dämonisch inspirierte Einbildung charakterisiert. Dämonenangst und die Wahnvorstellung von Zauberei waren in der Kirche chancenlos, wurden nicht ernst genommen oder gar verfolgt. Bei den heidnischen Germanen jedoch war dies anders: Dort gab es rituelle Verbrennungen von Zauberern. #Christentum und die Kirche beseitigten derartige Praktiken.
    #fedikirche #katholischekirche #katholisch #glaubenswissen

  6. Die Opfer der #Hexenverfolgung sind Männer und Frauen gleichermaßen, das Verhältnis ausgeglichen. Es gab keine „Frauenverfolgung“ weiser Frauen mit „Geheimwissen“, welches das Ziel von Verhütung und #Abtreibung hatte, wie heutige Verschwörungsmystik oft behauptet. Es ging vielmehr darum, Menschen auszusondern, die angeblich durch Magie Schaden zufügten. Die Macht dazu stamme vom Teufel, so der Glaube des Volkes.

    Die katholische Theologie hat den Volksglauben an Hexerei und Zauberei als Irr- und Aberglauben beschrieben. Schon im 10 Jahrhundert wird im „Canon episcopi“ Hexenglauben als dämonisch inspirierte Einbildung charakterisiert. Dämonenangst und die Wahnvorstellung von Zauberei waren in der Kirche chancenlos, wurden nicht ernst genommen oder gar verfolgt. Bei den heidnischen Germanen jedoch war dies anders: Dort gab es rituelle Verbrennungen von Zauberern. #Christentum und die Kirche beseitigten derartige Praktiken.
    #fedikirche #katholischekirche #katholisch #glaubenswissen

  7. Einige Brett- und Kartenspiele für #Japan-Fans kommen in den nächsten Monaten auf den Markt. Dann werden Spieler bei #Shinjuku zu Zug-Unternehmern, bei #Naishi zu Provinzfürsten im alten Japan und bei Wizards Cup zu duellierenden Zauberern. #bgg #wizardscup

    sumikai.com/japan-erleben/in-d

  8. Einmal jährlich, meist am Ende des Winters, findet im #Zirkus am Don-Bosco-Jugendwerk das Bamberger Zirkus-Varieté des gleichnamigen Vereins statt und wer zu der Zeit nach #Bamberg kommt oder eh schon dort wohnt, sollte das unter keinen Umständen verpassen, selbst wenn er oder sie überhaupt kein Interesse an #Artistik #Zauberei #Akrobatik oder #Jonglage hat.

    Danach hat er oder sie.

    Zweieinhalb Stunden Show, Schlag auf Schlag, keine Längen, umwerfend! Die Jüngste ist nach solchen Veranstaltungen immer voller Bewegungsdrang, so auch heute: Treppengeländer hinunter, Treppe hinauf, am Bordstein getänzelt, Rad schlagen, auch wenn's nass ist.
    Naja, Dienstag hat sie wieder Trampolin...

    Alle fünf Shows dieses Jahr ausverkauft, und das völlig zurecht. Also gleich fürs nächste Jahr vormerken!

  9. Einmal jährlich, meist am Ende des Winters, findet im #Zirkus am Don-Bosco-Jugendwerk das Bamberger Zirkus-Varieté des gleichnamigen Vereins statt und wer zu der Zeit nach #Bamberg kommt oder eh schon dort wohnt, sollte das unter keinen Umständen verpassen, selbst wenn er oder sie überhaupt kein Interesse an #Artistik #Zauberei #Akrobatik oder #Jonglage hat.

    Danach hat er oder sie.

    Zweieinhalb Stunden Show, Schlag auf Schlag, keine Längen, umwerfend! Die Jüngste ist nach solchen Veranstaltungen immer voller Bewegungsdrang, so auch heute: Treppengeländer hinunter, Treppe hinauf, am Bordstein getänzelt, Rad schlagen, auch wenn's nass ist.
    Naja, Dienstag hat sie wieder Trampolin...

    Alle fünf Shows dieses Jahr ausverkauft, und das völlig zurecht. Also gleich fürs nächste Jahr vormerken!

  10. Laudatio und Replik zum Bert-Donnepp-Preis

    Am 3. Februar wurde im Großen Saal des Adolf-Grimme-Instituts beim „Bergfest“  des 51. Grimme-Preises in Marl der Bert-Donnepp-Preis überreicht. Preisträgerin ist die Medienjournalistin Ulrike Simon. Der Autor dieses Blogs freut sich über die undotierte „Besondere Ehrung“. Hier die Begründung der Jury, die aus Thomas Lückerath, Peer Schader, Torsten Körner, Matthias Dell, Jürgen Büssow, Ulrich Spies bestand.

    Die Laudatio hielt das Jurymitglied Torsten Körner in freier Rede, in der er aus einer Email des leider verhinderten ehemaligen Hörspielleiters und HR2-Wellenchefs Christoph Buggert zitierte:

    Christoph Buggert

    Seit vielen Jahren ist Jochen Meißner nicht nur ein kreativ mitdenkender, präzise argumentierender, unabhängig urteilender Hörspiel-Kritiker.

    Fast noch mehr bewundere ich seine Fähigkeit, eine kenntnisreiche Nähe und zugleich einen kritischen Abstand zur modernen Medienwelt zu bewahren. Längst sind wir nicht nur Kunden oder Konsumenten der digitalen Realität, wir sind ihre Produkte. Jochen Meißner behält in dieser unübersichtlich gewordenen Entwicklung den Überblick, er ist Kenner und geschickter Nutzer der technischen Neuerungen des Medienzeitalters.

    Wo der im Quotendenken – und das heißt: in altmodischer Mainstream-Genügsamkeit – verharrende öffentlich-rechtliche Rundfunk den Anschluss an die Gegenwart verliert, beißt er unerschrocken zu. Letzteres auch dann, wenn das zu Verärgerungen führt (und jemandem, der zugleich vom Medien-Kuchen leben muss, schmerzhafte Auftragsverluste einbringen kann). Es ist zu kurz gesprungen, wenn wir in geistigem Gutmenschentum wieder und wieder an den gesetzlich verankerten Kulturauftrag appellieren.

    Jochen Meißner tut Sinnvolleres und Wichtigeres: Er erinnert – erstens – daran, dass das digitale Universum immense kreative und ästhetische Potentiale öffnet. Und er pocht – zweitens – darauf, dass nur eine Kultivierung des digitalen Universums davor schützt, dass der digitale Moloch seine Schöpfer und Erfinder frisst. Daraus ergibt sich ganz von selbst eine Einsicht, die den Entscheidern in den Medienhäusern mehr und mehr abhanden kommt: Einpegelung auf die statistisch abrufbaren Bedürfnisse des Publikums führt zu Verengung und mentaler Austrocknung. Unser Publikum will mehr: Es will diejenigen Potentiale in sich erfahren, die es noch nicht kennt, die zu Überraschung und Selbsterneuerung führen.

    Dasselbe noch einmal anders gesagt: Jochen Meißner erzählt dem Radio der Gegenwart, wie reich es sein könnte – in all seiner Armut und Selbstzufriedenheit. Diejenigen im Radio, die dem Radio eine lebendige und farbige Zukunft gönnen, lieben ihn dafür. Diejenigen, die leere Zahlen schon für Zukunft halten, fürchten ihn. Was kann man Besseres über einen Medienkritiker sagen?

    Hier noch eine Mail von Friedrich Knilli (*1930), Hörspieltheoretiker

    Lieber Jochen Meißner, dieser Preis spricht für die Jury. Denn Meißner (*1966) mit Donnepp (*1914) zu ehren,  braucht medienwissenschaftlichen Verstand. Man muß beide Herren sehr gut kennen, um zu ahnen und zu würdigen, was sie verbindet. Ich gratuliere herzlich. Friedrich Knilli

    … und hier eine von Frank Kaspar, Kulturjournalist

    Lieber Jochen,
    herzlichen Glückwunsch! Es freut mich sehr, das zu hören! Die „Besondere Ehrung“ hast Du Dir redlich verdient mit Deinem Jahrzehnte währenden Einsatz für’s Hörspiel, der ja jedes Mal ein Sonder-Einsatz ist, so wie Du Dich in jedes einzelne Stück rein denkst und rein schaffst, um Werk und Werkenden MINDESTENS auf Augenhöhe zu begegnen
    Toll, dass die Juroren das gesehen haben!
    Frank Kaspar

     

    Replik

    Bei Grimmes nennt man die Dankesrede ‚Replik‘. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Hier also meine Erwiderung, die die Hütte gerockt hat, die auf ein sehr dankbares Publikum gestoßen ist:

    Meine Damen und Herren,

    insgeheim hatte ich mir schon lange gewünscht, einmal den Bert-Donnepp-Preis zu bekommen.  Das ist mit dem heutigen Abend vorbei, denn dass ich nach der „Besonderen Ehrung“, für die ich mich artig bedanke, den richtigen Preis bekomme, ist doch eher unwahrscheinlich. Also gehe ich nicht über Los, ziehe keine 5000 ein und habe mich entschlossen Ihnen ein wenig „die Leviten langzuziehen“, wie es mir als kleiner Junge mein lieber Onkel Richard des Öfteren scherzhaft angedroht hat – wobei mir der Humor dieses schiefen Bildes natürlich erst sehr viel später aufgegangen ist

    Wer mit „Ihnen“ gemeint ist? Wer „Sie“ sind? Sie, das sind die Feuilletonredakteure, denen beim Thema Hörspiel nur „Kino-im-Kopf“ einfällt, was ein sicheres Indiz dafür ist, dass sie vom Medium so gar keine Ahnung haben. Sie, das sind die Medienredakteure, die – wie es Hans Hoff so eindrücklich beschrieben hat – unter „Beitrags-Tourette“ leiden und keine dreißig Zeilen schreiben können, ohne auf die Alimentierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hinzuweisen und schnapp-atmend die Wörter „Zwangsgebühr“, „8 Milliarden“ oder „Herres“ ausstoßen müssen. Jene Redakteure also, die, wenn sie von ihre eigenen Dschungelcamp-Berichterstattung gelangweilt sind, einmal im Jahr ein Hörspielthema ins Blatt heben – und dann bebildern sie es mit einem Radioempfänger aus den 50er Jahren.

    In den Jurybegründung heißt es, dass ich es mir, dem Hörspiel und meinen Lesern niemals leicht machen würde. Die kleine Gemeinheit am Schluss würde ich natürlich gerne als Kompliment nehmen, kann es aber leider nur teilweise. Anfang der 90er Jahre schrieb im Berliner Tagesspiegel Sibylle Wirsing immer völlig unverständliche Kritiken zu den Volksbühnen-Premieren von Frank Castorf. Hatte man die Stücke dann später selbst gesehen, ging einem zweierlei auf, nämlich, dass erstens ihrem Urteil in der Regel zu trauen war und dass zweitens ihre beschreibenden Sätze immer gestimmt haben. Vielleicht liegt dort die Ursache, dass ich in meine Radiofeatures gerne etwas kompliziertere, nicht radiophone Sätze einbaue. Denn es ist meine Überzeugung, dass man damit mehr Spannung und Aufmerksamkeit erzeugen kann als mit dem üblichen Subjekt-Prädikat-Objekt-Schema. Jenem Schema, das im Subtext immer nur brüllt: „Hör.Mir.Zu.Idiot.“ Denn im Kulturradio hält man sich gerne mal für intelligenter als seine Hörer. Welch ein Irrtum.

    Leider erreichen meine Texte das Ideal Wirsingscher Unverständlichkeit nur äußerst selten und das liegt an einem Redakteur, der eine Qualifikation besitzt, die unter Medienredakteuren nicht wirklich weit verbreitet ist: er kann lesen. Dieser Redakteur ist Dieter Anschlag von der Funkkorrespondenz, auch er ein Bert-Donnepp-Preisträger, ohne den ich nicht hier stände, weil er die gröbsten Missverständlichkeiten in meinen Texten beseitigt und weswegen ich gerne manche krude Eindeutigkeit ertrage. Also ängstigen Sie sich nicht, wenn sie mal zufällig über einen meiner Text stolpern sollten. Was Sie nicht verstehen, geht auf meine Kappe, was Sie langweilt auf seine. Ich bin mit diesem Arrangement sehr zufrieden.

    Der nächsten Absätze wurden aus Zeitgründen gestrichen und stehen hier exklusiv für hoerspielkritik.de-Leser:

    Ich würde „Kunstwerke ausloten, durchdringen, feiern und erden“, wird mir von der Jury attestiert. Nun ja, auch dieses Bild hängt schief, hat aber den Vorteil eine technische Metapher zu benutzen und Feuilletonisten lieben technische Metaphern – ich schließe mich da gerne mit ein.

    Den Hinweis „Vergessen Sie nicht ihre Antennen zu erden“ spielt Bert-Donnepp-Preisträger Jörg Wagner gerne in seinem Medienmagazin. Aber warum sollte man das tun? Ganz einfach, damit bei einem Gewitter der Blitz nicht durch die Antenne in den Hörer einschlägt und der Funke aus dem Äther nicht nur die Synapsen, sondern gleich das ganze Hirn zum Feuern anregt.

    Der Fachdienst für den ich schreibe trug bis vor kurzem den stolzen und melodiösen Namen „Funk-Korrespondenz“. Eine freudige Auftaktsilbe, deren Klang noch an den Übersprung der Funken vom „Sender“ zum „Empfänger“ erinnert, mit dem Heinrich Hertz die Existenz elektromagnetischen Wellen nachgewiesen hat. Oder an jene Höllenmaschinen namens „Knallfunkensender“ mit denen Anfang des letzten Jahrhunderts Telegraphie betrieben wurden und von denen man sagte: „Lautstärke gleich Reichweite“ – und die Reichweite eines Knallfunkensenders betrug 3000 Kilometer. Und nicht zuletzt stammt der Begriff „Rundfunk“ von diesen Funken ab. Ob es also so schlau war nach 62 Jahren einen so sexy Namen wie Funkkorrespondenz durch einen Irgendwas-mit-Medien-Titel zu ersetzen, wird sich erweisen. Mein Redakteur hat mir versichert das die Medienkorrespondenz jetzt nicht mehr für ein Organ von CB-Funkamateuren gehalten wird. Graviernder als die Umbenennung ist jedoch, dass das Blatt statt wie bisher wöchentlich nur noch alle 14 Tage erscheint, was zwangsläufig weniger Hörspielkritik bedeutet.

    Die Frage, die sich hier vor Ihnen, also der versammelten fernsehkritischen Intelligenz stellt, ist: Warum sollte Sie das Hörspiel interessieren? Und warum tut es das nicht?

    Die einfachste historische Antwort ist: weil das Radio und insbesondere seine Kunstform schon immer das Medium der Innovation war. Schon das erste deutsche Hörspiel überhaupt, Hans Fleschs „Zauberei auf dem Sender“ von 1924 war in seiner Form so selbstreflexiv, metafiktional, transmedial und interaktiv, das man alle seine Dimensionen erst mit den heutigen technischen Möglichkeit der digitalen Vernetzung realisieren könnte. Ein Kunstwerk, das auf sein Medium wartet. Von dem Filmer Walter Ruttmann ganz zu schweigen, der seine Hörspiel-Klang-Collage „Weekend“ auf Filmton realisiert.

    Aktuellere Gründe, warum Sie das Hörspiel interessieren sollte, sind: Ulrich Bassenge, Albrecht Kunze, Edgar Lipki und Andreas Bick. Namen, die Sie noch nie gehört haben und das ist nicht nur Ihre Schuld, das ist auch Ihr Verlust. Denn Ulrich Bassenge liefert mit seiner Vorliebe für den philippinischen Frauen-Gefängnis-Film nicht nur akustischen Trash vom Feinsten [in „Walk of Fame“], er hat die Geschichte künstlicher Stimmen nacherzählt [in „sprechmaschinenfest“] und er hat am entgegengesetzten Ende der Hochkulturskala den barocken britischen Gelehrten Sir Thomas Brown wiederentdeckt und einer interessierten Hörerschaft zugänglich gemacht [in „musaeum clausum“]. Der Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von Krieg und Clubkultur. Sein „ich auf der tretmine“ ist erstarrt in dem Moment zwischen Auslösung und Detonation auf einer verminten Tanzfläche und seine messerscharfen Sätze verraten eine genaue Kenntnis gegenwärtiger Kriegstheorien und ihrer territorialen Dimensionen.

    Kurze Abschweifung – schon 1971 hat Jürgen Becker, der Büchnerpreisträger nicht der Kabarettist, in seinem Hörspiel „Die Wirklichkeit der Landkartenzeichen“ das vorweggenommen, was man heute „augmented reality“ nennt, nämlich die Abbildung von (Kriegs-) Geschichte auf den Raum. – Ende der Abschweifung.

    Kommen wir zu Edgar Lipki, dessen an französischer Theorie geschulte Stücke immer so haarscharf neben meinen Präferenzen liegen, dass ich mich immer frage, ob der Typ wirklich so gut ist oder doch ein Hochstapler. Die Reibung an seinen Stücken erzeugt bei mir jedenfalls immer eine äußerst produktive Hitze. Schließlich ist da noch der Komponist, Klangkünstler und Feature-Autor Andreas Bick dessen Stück „</Pasted> Wir sind die Zukunft der Musik“ sich mit transformativen Werknutzungen, vulgo Remixes und Mashups, beschäftigt und dabei die Urheberrechtsdebatte so inszeniert, wie man sie noch nie gehört hat: nämlich dadurch, das er die Gegensätze mit den bestmöglichen Argumenten aufeinander krachen lässt. „</Pasted>“ gibt es übrigens nicht nur im linearen Radio, sondern als pasted-radio.de auch im Netz, wo man sich chronologisch, thematisch oder systematisch durch das Stück bewegen kann. Mit dem Radio über das Radio hinaus.

    Wem das jetzt zu männlich dominiert war, den verweise ich auf die Stücke von Anne Lepper, Nora Abdel-Maksoud, Ivana Sajko oder Kathrin Röggla und darauf, dass wohl keine Branche personell so durchgegendert ist wie das deutsche Hörspiel. Von elf Hörspielabteilungen werden sieben von Frauen geleitet. Die Namen auf meiner Liste habe ich nicht willkürlich zusammengestellt. Allen diesen Autorinnen und Autoren würde ich den Hörspielpreis der Kriegsblinden gönnen. Den kennen Sie, das ist der wichtigste deutsche Hörspielpreis mit dem komischen Namen, der ihnen einmal im Jahr eine dpa-Meldung wert ist, wenn überhaupt. Dass Andreas Ammer, der zusammen mit Denis Scheck im Fernsehen dieses crazy Literaturmagazin namens „Druckfrisch“ macht, als einziger Autor diesen Preis zweimal bekommen hat, das wissen Sie jetzt auch.

    Soviel zum formalen und ästhetischen Reichtum der Gattung Hörspiel, die allerdings auch innerhalb des Radios bedroht ist. Die mittelmäßigen Radio-Tatorte, die in allen Landesrundfunkanstalten wiederholt werden müssen, wie auch das senderübergreifende ARD-Radio-Feature sind massive Anschläge auf den Rundfunk-Förderalismus, der die einzigartige Vielfalt der radiophonen Formen in Deutschland erst ermöglicht hat. Von der unter dem vorsätzlich irreführenden Titel „Radiofestival“ genannten abendlichen Gleichschaltung der Kulturwellen im Sommer gar nicht zu reden. Und der Intendant des Saarländischen Rundfunk, der Anstalt, in der das Neue Hörspiel mit großem „N“ erfunden wurde, hat sich Anfang letzten Jahres in der Ankündigung der Zusammenarbeit mit dem Hörspiel des Deutschlandfunk gefreut, dass er dadurch „kostenintensive Investitionen in Technik [ergänze und Personal] vermeiden“ könnte. „8 Milliarden. Zwangsgebühr. Kleist.“

    Nun zur Armut der Gattung. Das Hörspiel ist unfassbar billig. Lassen Sie sich von den (Zitat:) „egomanen Strukturreformern und geistlosen Kostenoptimierern“ nicht in die Irre führen, die das Radio als „privilegierte Spielwiese“ betrachten, weil sie eigentlich lieber im Fernsehen „bella figura“ machen würden, wie Alexander Kissler im Cicero polemisiert hat. Und das ist nun wirklich kein Blatt, dem man eine besondere Sympathie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterstellen möchte.

    Als NDR-Intendant Lutz Marmor vor einiger Zeit die Minutenpreise für den Fernseh-Tatort veröffentlichte, rieb man sich als Radiohörer nur erstaunt die Augen. Eine Minute Tatort kostet soviel wie eine Stunde Hörspiel und eine Hörspielstunde sind sowieso nur 54:30. Konservativ gerechnet haben wir es also mit dem Faktor 50 zu tun oder anders gesagt: eine Hörspielminute kostet 2% einer Tatort-Minute. Eher weniger. Bei einer Jahresproduktion von etwa sechshundert Hörspielen inklusive Krimi und Kinderhörspiel können Sie sich nun leicht ausrechnen, wieviele Tatorte man vom Produktionsbudget des gesamten deutschen Hörspiels drehen könnte. Es sind 6,666.

    Näheres dazu können Sie morgen Abend [04.02.15, 21 Uhr] in meiner „Kleinen Mediengeschichte des Hörspiels in zehn Missverständnissen“ auf hr2 kultur hören.

    Nun, warum interessiert Sie als Medien- und Feuilleton-Redakteure das alles nicht? Ich habe eine starke Vermutung, wer daran schuld ist und, Sie ahnen es, das sind Sie selbst. Denn im Gegensatz zu Theater oder Film ist das Hörspiel aus dem kollektiven kulturellen Gedächtnis fast völlig verschwunden. Manche Tageszeitungen schmücken sich sehr zurecht mit ihren DVD-Reihen in denen sie die Schätze der Filmgeschichte verfügbar machen. Auf die Idee einen Kanon der, sagen wir mal, 100 bemerkenswertesten Hörspiele aus 90 Jahren Geschichte der Gattung herauszugeben, ist noch niemand gekommen. Aber auch im ganz normalen Tagesgeschäft gestalten Sie das kulturelle Gedächtnis dieser Gesellschaft mit. Der geringe Raum, den das Hörspiel in eben jenem kulturellen Gedächtnis einnimmt, liegt also auch daran, das Sie ihm den kritischen Resonanzraum verweigern. Jenen Resonanzraum, den jede Kunst braucht, um sich weiterzuentwickeln.

    Alexander Kissler hat in seiner Polemik „Eine Lobby für das Radio“ gefordert. Zu einer eigenen ständigen Radiokolumne im Cicero hat es aber nicht gereicht. Vielleicht denken Sie mal drüber nach.

    Vielen Dank.

     

    P.S. Dieser Beitrag ist im Altpapier vom 6. Februar freundlich erwähnt worden.

    #bertDonneppPreis #christophBuggert #frankKaspar #friedrichKnilli #jochenMeisner #torstenKoerner

  11. Laudatio und Replik zum Bert-Donnepp-Preis

    Am 3. Februar wurde im Großen Saal des Adolf-Grimme-Instituts beim „Bergfest“  des 51. Grimme-Preises in Marl der Bert-Donnepp-Preis überreicht. Preisträgerin ist die Medienjournalistin Ulrike Simon. Der Autor dieses Blogs freut sich über die undotierte „Besondere Ehrung“. Hier die Begründung der Jury, die aus Thomas Lückerath, Peer Schader, Torsten Körner, Matthias Dell, Jürgen Büssow, Ulrich Spies bestand.

    Die Laudatio hielt das Jurymitglied Torsten Körner in freier Rede, in der er aus einer Email des leider verhinderten ehemaligen Hörspielleiters und HR2-Wellenchefs Christoph Buggert zitierte:

    Christoph Buggert

    Seit vielen Jahren ist Jochen Meißner nicht nur ein kreativ mitdenkender, präzise argumentierender, unabhängig urteilender Hörspiel-Kritiker.

    Fast noch mehr bewundere ich seine Fähigkeit, eine kenntnisreiche Nähe und zugleich einen kritischen Abstand zur modernen Medienwelt zu bewahren. Längst sind wir nicht nur Kunden oder Konsumenten der digitalen Realität, wir sind ihre Produkte. Jochen Meißner behält in dieser unübersichtlich gewordenen Entwicklung den Überblick, er ist Kenner und geschickter Nutzer der technischen Neuerungen des Medienzeitalters.

    Wo der im Quotendenken – und das heißt: in altmodischer Mainstream-Genügsamkeit – verharrende öffentlich-rechtliche Rundfunk den Anschluss an die Gegenwart verliert, beißt er unerschrocken zu. Letzteres auch dann, wenn das zu Verärgerungen führt (und jemandem, der zugleich vom Medien-Kuchen leben muss, schmerzhafte Auftragsverluste einbringen kann). Es ist zu kurz gesprungen, wenn wir in geistigem Gutmenschentum wieder und wieder an den gesetzlich verankerten Kulturauftrag appellieren.

    Jochen Meißner tut Sinnvolleres und Wichtigeres: Er erinnert – erstens – daran, dass das digitale Universum immense kreative und ästhetische Potentiale öffnet. Und er pocht – zweitens – darauf, dass nur eine Kultivierung des digitalen Universums davor schützt, dass der digitale Moloch seine Schöpfer und Erfinder frisst. Daraus ergibt sich ganz von selbst eine Einsicht, die den Entscheidern in den Medienhäusern mehr und mehr abhanden kommt: Einpegelung auf die statistisch abrufbaren Bedürfnisse des Publikums führt zu Verengung und mentaler Austrocknung. Unser Publikum will mehr: Es will diejenigen Potentiale in sich erfahren, die es noch nicht kennt, die zu Überraschung und Selbsterneuerung führen.

    Dasselbe noch einmal anders gesagt: Jochen Meißner erzählt dem Radio der Gegenwart, wie reich es sein könnte – in all seiner Armut und Selbstzufriedenheit. Diejenigen im Radio, die dem Radio eine lebendige und farbige Zukunft gönnen, lieben ihn dafür. Diejenigen, die leere Zahlen schon für Zukunft halten, fürchten ihn. Was kann man Besseres über einen Medienkritiker sagen?

    Hier noch eine Mail von Friedrich Knilli (*1930), Hörspieltheoretiker

    Lieber Jochen Meißner, dieser Preis spricht für die Jury. Denn Meißner (*1966) mit Donnepp (*1914) zu ehren,  braucht medienwissenschaftlichen Verstand. Man muß beide Herren sehr gut kennen, um zu ahnen und zu würdigen, was sie verbindet. Ich gratuliere herzlich. Friedrich Knilli

    … und hier eine von Frank Kaspar, Kulturjournalist

    Lieber Jochen,
    herzlichen Glückwunsch! Es freut mich sehr, das zu hören! Die „Besondere Ehrung“ hast Du Dir redlich verdient mit Deinem Jahrzehnte währenden Einsatz für’s Hörspiel, der ja jedes Mal ein Sonder-Einsatz ist, so wie Du Dich in jedes einzelne Stück rein denkst und rein schaffst, um Werk und Werkenden MINDESTENS auf Augenhöhe zu begegnen
    Toll, dass die Juroren das gesehen haben!
    Frank Kaspar

     

    Replik

    Bei Grimmes nennt man die Dankesrede ‚Replik‘. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Hier also meine Erwiderung, die die Hütte gerockt hat, die auf ein sehr dankbares Publikum gestoßen ist:

    Meine Damen und Herren,

    insgeheim hatte ich mir schon lange gewünscht, einmal den Bert-Donnepp-Preis zu bekommen.  Das ist mit dem heutigen Abend vorbei, denn dass ich nach der „Besonderen Ehrung“, für die ich mich artig bedanke, den richtigen Preis bekomme, ist doch eher unwahrscheinlich. Also gehe ich nicht über Los, ziehe keine 5000 ein und habe mich entschlossen Ihnen ein wenig „die Leviten langzuziehen“, wie es mir als kleiner Junge mein lieber Onkel Richard des Öfteren scherzhaft angedroht hat – wobei mir der Humor dieses schiefen Bildes natürlich erst sehr viel später aufgegangen ist

    Wer mit „Ihnen“ gemeint ist? Wer „Sie“ sind? Sie, das sind die Feuilletonredakteure, denen beim Thema Hörspiel nur „Kino-im-Kopf“ einfällt, was ein sicheres Indiz dafür ist, dass sie vom Medium so gar keine Ahnung haben. Sie, das sind die Medienredakteure, die – wie es Hans Hoff so eindrücklich beschrieben hat – unter „Beitrags-Tourette“ leiden und keine dreißig Zeilen schreiben können, ohne auf die Alimentierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hinzuweisen und schnapp-atmend die Wörter „Zwangsgebühr“, „8 Milliarden“ oder „Herres“ ausstoßen müssen. Jene Redakteure also, die, wenn sie von ihre eigenen Dschungelcamp-Berichterstattung gelangweilt sind, einmal im Jahr ein Hörspielthema ins Blatt heben – und dann bebildern sie es mit einem Radioempfänger aus den 50er Jahren.

    In den Jurybegründung heißt es, dass ich es mir, dem Hörspiel und meinen Lesern niemals leicht machen würde. Die kleine Gemeinheit am Schluss würde ich natürlich gerne als Kompliment nehmen, kann es aber leider nur teilweise. Anfang der 90er Jahre schrieb im Berliner Tagesspiegel Sibylle Wirsing immer völlig unverständliche Kritiken zu den Volksbühnen-Premieren von Frank Castorf. Hatte man die Stücke dann später selbst gesehen, ging einem zweierlei auf, nämlich, dass erstens ihrem Urteil in der Regel zu trauen war und dass zweitens ihre beschreibenden Sätze immer gestimmt haben. Vielleicht liegt dort die Ursache, dass ich in meine Radiofeatures gerne etwas kompliziertere, nicht radiophone Sätze einbaue. Denn es ist meine Überzeugung, dass man damit mehr Spannung und Aufmerksamkeit erzeugen kann als mit dem üblichen Subjekt-Prädikat-Objekt-Schema. Jenem Schema, das im Subtext immer nur brüllt: „Hör.Mir.Zu.Idiot.“ Denn im Kulturradio hält man sich gerne mal für intelligenter als seine Hörer. Welch ein Irrtum.

    Leider erreichen meine Texte das Ideal Wirsingscher Unverständlichkeit nur äußerst selten und das liegt an einem Redakteur, der eine Qualifikation besitzt, die unter Medienredakteuren nicht wirklich weit verbreitet ist: er kann lesen. Dieser Redakteur ist Dieter Anschlag von der Funkkorrespondenz, auch er ein Bert-Donnepp-Preisträger, ohne den ich nicht hier stände, weil er die gröbsten Missverständlichkeiten in meinen Texten beseitigt und weswegen ich gerne manche krude Eindeutigkeit ertrage. Also ängstigen Sie sich nicht, wenn sie mal zufällig über einen meiner Text stolpern sollten. Was Sie nicht verstehen, geht auf meine Kappe, was Sie langweilt auf seine. Ich bin mit diesem Arrangement sehr zufrieden.

    Der nächsten Absätze wurden aus Zeitgründen gestrichen und stehen hier exklusiv für hoerspielkritik.de-Leser:

    Ich würde „Kunstwerke ausloten, durchdringen, feiern und erden“, wird mir von der Jury attestiert. Nun ja, auch dieses Bild hängt schief, hat aber den Vorteil eine technische Metapher zu benutzen und Feuilletonisten lieben technische Metaphern – ich schließe mich da gerne mit ein.

    Den Hinweis „Vergessen Sie nicht ihre Antennen zu erden“ spielt Bert-Donnepp-Preisträger Jörg Wagner gerne in seinem Medienmagazin. Aber warum sollte man das tun? Ganz einfach, damit bei einem Gewitter der Blitz nicht durch die Antenne in den Hörer einschlägt und der Funke aus dem Äther nicht nur die Synapsen, sondern gleich das ganze Hirn zum Feuern anregt.

    Der Fachdienst für den ich schreibe trug bis vor kurzem den stolzen und melodiösen Namen „Funk-Korrespondenz“. Eine freudige Auftaktsilbe, deren Klang noch an den Übersprung der Funken vom „Sender“ zum „Empfänger“ erinnert, mit dem Heinrich Hertz die Existenz elektromagnetischen Wellen nachgewiesen hat. Oder an jene Höllenmaschinen namens „Knallfunkensender“ mit denen Anfang des letzten Jahrhunderts Telegraphie betrieben wurden und von denen man sagte: „Lautstärke gleich Reichweite“ – und die Reichweite eines Knallfunkensenders betrug 3000 Kilometer. Und nicht zuletzt stammt der Begriff „Rundfunk“ von diesen Funken ab. Ob es also so schlau war nach 62 Jahren einen so sexy Namen wie Funkkorrespondenz durch einen Irgendwas-mit-Medien-Titel zu ersetzen, wird sich erweisen. Mein Redakteur hat mir versichert das die Medienkorrespondenz jetzt nicht mehr für ein Organ von CB-Funkamateuren gehalten wird. Graviernder als die Umbenennung ist jedoch, dass das Blatt statt wie bisher wöchentlich nur noch alle 14 Tage erscheint, was zwangsläufig weniger Hörspielkritik bedeutet.

    Die Frage, die sich hier vor Ihnen, also der versammelten fernsehkritischen Intelligenz stellt, ist: Warum sollte Sie das Hörspiel interessieren? Und warum tut es das nicht?

    Die einfachste historische Antwort ist: weil das Radio und insbesondere seine Kunstform schon immer das Medium der Innovation war. Schon das erste deutsche Hörspiel überhaupt, Hans Fleschs „Zauberei auf dem Sender“ von 1924 war in seiner Form so selbstreflexiv, metafiktional, transmedial und interaktiv, das man alle seine Dimensionen erst mit den heutigen technischen Möglichkeit der digitalen Vernetzung realisieren könnte. Ein Kunstwerk, das auf sein Medium wartet. Von dem Filmer Walter Ruttmann ganz zu schweigen, der seine Hörspiel-Klang-Collage „Weekend“ auf Filmton realisiert.

    Aktuellere Gründe, warum Sie das Hörspiel interessieren sollte, sind: Ulrich Bassenge, Albrecht Kunze, Edgar Lipki und Andreas Bick. Namen, die Sie noch nie gehört haben und das ist nicht nur Ihre Schuld, das ist auch Ihr Verlust. Denn Ulrich Bassenge liefert mit seiner Vorliebe für den philippinischen Frauen-Gefängnis-Film nicht nur akustischen Trash vom Feinsten [in „Walk of Fame“], er hat die Geschichte künstlicher Stimmen nacherzählt [in „sprechmaschinenfest“] und er hat am entgegengesetzten Ende der Hochkulturskala den barocken britischen Gelehrten Sir Thomas Brown wiederentdeckt und einer interessierten Hörerschaft zugänglich gemacht [in „musaeum clausum“]. Der Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von Krieg und Clubkultur. Sein „ich auf der tretmine“ ist erstarrt in dem Moment zwischen Auslösung und Detonation auf einer verminten Tanzfläche und seine messerscharfen Sätze verraten eine genaue Kenntnis gegenwärtiger Kriegstheorien und ihrer territorialen Dimensionen.

    Kurze Abschweifung – schon 1971 hat Jürgen Becker, der Büchnerpreisträger nicht der Kabarettist, in seinem Hörspiel „Die Wirklichkeit der Landkartenzeichen“ das vorweggenommen, was man heute „augmented reality“ nennt, nämlich die Abbildung von (Kriegs-) Geschichte auf den Raum. – Ende der Abschweifung.

    Kommen wir zu Edgar Lipki, dessen an französischer Theorie geschulte Stücke immer so haarscharf neben meinen Präferenzen liegen, dass ich mich immer frage, ob der Typ wirklich so gut ist oder doch ein Hochstapler. Die Reibung an seinen Stücken erzeugt bei mir jedenfalls immer eine äußerst produktive Hitze. Schließlich ist da noch der Komponist, Klangkünstler und Feature-Autor Andreas Bick dessen Stück „</Pasted> Wir sind die Zukunft der Musik“ sich mit transformativen Werknutzungen, vulgo Remixes und Mashups, beschäftigt und dabei die Urheberrechtsdebatte so inszeniert, wie man sie noch nie gehört hat: nämlich dadurch, das er die Gegensätze mit den bestmöglichen Argumenten aufeinander krachen lässt. „</Pasted>“ gibt es übrigens nicht nur im linearen Radio, sondern als pasted-radio.de auch im Netz, wo man sich chronologisch, thematisch oder systematisch durch das Stück bewegen kann. Mit dem Radio über das Radio hinaus.

    Wem das jetzt zu männlich dominiert war, den verweise ich auf die Stücke von Anne Lepper, Nora Abdel-Maksoud, Ivana Sajko oder Kathrin Röggla und darauf, dass wohl keine Branche personell so durchgegendert ist wie das deutsche Hörspiel. Von elf Hörspielabteilungen werden sieben von Frauen geleitet. Die Namen auf meiner Liste habe ich nicht willkürlich zusammengestellt. Allen diesen Autorinnen und Autoren würde ich den Hörspielpreis der Kriegsblinden gönnen. Den kennen Sie, das ist der wichtigste deutsche Hörspielpreis mit dem komischen Namen, der ihnen einmal im Jahr eine dpa-Meldung wert ist, wenn überhaupt. Dass Andreas Ammer, der zusammen mit Denis Scheck im Fernsehen dieses crazy Literaturmagazin namens „Druckfrisch“ macht, als einziger Autor diesen Preis zweimal bekommen hat, das wissen Sie jetzt auch.

    Soviel zum formalen und ästhetischen Reichtum der Gattung Hörspiel, die allerdings auch innerhalb des Radios bedroht ist. Die mittelmäßigen Radio-Tatorte, die in allen Landesrundfunkanstalten wiederholt werden müssen, wie auch das senderübergreifende ARD-Radio-Feature sind massive Anschläge auf den Rundfunk-Förderalismus, der die einzigartige Vielfalt der radiophonen Formen in Deutschland erst ermöglicht hat. Von der unter dem vorsätzlich irreführenden Titel „Radiofestival“ genannten abendlichen Gleichschaltung der Kulturwellen im Sommer gar nicht zu reden. Und der Intendant des Saarländischen Rundfunk, der Anstalt, in der das Neue Hörspiel mit großem „N“ erfunden wurde, hat sich Anfang letzten Jahres in der Ankündigung der Zusammenarbeit mit dem Hörspiel des Deutschlandfunk gefreut, dass er dadurch „kostenintensive Investitionen in Technik [ergänze und Personal] vermeiden“ könnte. „8 Milliarden. Zwangsgebühr. Kleist.“

    Nun zur Armut der Gattung. Das Hörspiel ist unfassbar billig. Lassen Sie sich von den (Zitat:) „egomanen Strukturreformern und geistlosen Kostenoptimierern“ nicht in die Irre führen, die das Radio als „privilegierte Spielwiese“ betrachten, weil sie eigentlich lieber im Fernsehen „bella figura“ machen würden, wie Alexander Kissler im Cicero polemisiert hat. Und das ist nun wirklich kein Blatt, dem man eine besondere Sympathie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterstellen möchte.

    Als NDR-Intendant Lutz Marmor vor einiger Zeit die Minutenpreise für den Fernseh-Tatort veröffentlichte, rieb man sich als Radiohörer nur erstaunt die Augen. Eine Minute Tatort kostet soviel wie eine Stunde Hörspiel und eine Hörspielstunde sind sowieso nur 54:30. Konservativ gerechnet haben wir es also mit dem Faktor 50 zu tun oder anders gesagt: eine Hörspielminute kostet 2% einer Tatort-Minute. Eher weniger. Bei einer Jahresproduktion von etwa sechshundert Hörspielen inklusive Krimi und Kinderhörspiel können Sie sich nun leicht ausrechnen, wieviele Tatorte man vom Produktionsbudget des gesamten deutschen Hörspiels drehen könnte. Es sind 6,666.

    Näheres dazu können Sie morgen Abend [04.02.15, 21 Uhr] in meiner „Kleinen Mediengeschichte des Hörspiels in zehn Missverständnissen“ auf hr2 kultur hören.

    Nun, warum interessiert Sie als Medien- und Feuilleton-Redakteure das alles nicht? Ich habe eine starke Vermutung, wer daran schuld ist und, Sie ahnen es, das sind Sie selbst. Denn im Gegensatz zu Theater oder Film ist das Hörspiel aus dem kollektiven kulturellen Gedächtnis fast völlig verschwunden. Manche Tageszeitungen schmücken sich sehr zurecht mit ihren DVD-Reihen in denen sie die Schätze der Filmgeschichte verfügbar machen. Auf die Idee einen Kanon der, sagen wir mal, 100 bemerkenswertesten Hörspiele aus 90 Jahren Geschichte der Gattung herauszugeben, ist noch niemand gekommen. Aber auch im ganz normalen Tagesgeschäft gestalten Sie das kulturelle Gedächtnis dieser Gesellschaft mit. Der geringe Raum, den das Hörspiel in eben jenem kulturellen Gedächtnis einnimmt, liegt also auch daran, das Sie ihm den kritischen Resonanzraum verweigern. Jenen Resonanzraum, den jede Kunst braucht, um sich weiterzuentwickeln.

    Alexander Kissler hat in seiner Polemik „Eine Lobby für das Radio“ gefordert. Zu einer eigenen ständigen Radiokolumne im Cicero hat es aber nicht gereicht. Vielleicht denken Sie mal drüber nach.

    Vielen Dank.

     

    P.S. Dieser Beitrag ist im Altpapier vom 6. Februar freundlich erwähnt worden.

    #BertDonneppPreis #ChristophBuggert #FrankKaspar #FriedrichKnilli #JochenMeißner #TorstenKörner
  12. Laudatio und Replik zum Bert-Donnepp-Preis

    Am 3. Februar wurde im Großen Saal des Adolf-Grimme-Instituts beim „Bergfest“  des 51. Grimme-Preises in Marl der Bert-Donnepp-Preis überreicht. Preisträgerin ist die Medienjournalistin Ulrike Simon. Der Autor dieses Blogs freut sich über die undotierte „Besondere Ehrung“. Hier die Begründung der Jury, die aus Thomas Lückerath, Peer Schader, Torsten Körner, Matthias Dell, Jürgen Büssow, Ulrich Spies bestand.

    Die Laudatio hielt das Jurymitglied Torsten Körner in freier Rede, in der er aus einer Email des leider verhinderten ehemaligen Hörspielleiters und HR2-Wellenchefs Christoph Buggert zitierte:

    Christoph Buggert

    Seit vielen Jahren ist Jochen Meißner nicht nur ein kreativ mitdenkender, präzise argumentierender, unabhängig urteilender Hörspiel-Kritiker.

    Fast noch mehr bewundere ich seine Fähigkeit, eine kenntnisreiche Nähe und zugleich einen kritischen Abstand zur modernen Medienwelt zu bewahren. Längst sind wir nicht nur Kunden oder Konsumenten der digitalen Realität, wir sind ihre Produkte. Jochen Meißner behält in dieser unübersichtlich gewordenen Entwicklung den Überblick, er ist Kenner und geschickter Nutzer der technischen Neuerungen des Medienzeitalters.

    Wo der im Quotendenken – und das heißt: in altmodischer Mainstream-Genügsamkeit – verharrende öffentlich-rechtliche Rundfunk den Anschluss an die Gegenwart verliert, beißt er unerschrocken zu. Letzteres auch dann, wenn das zu Verärgerungen führt (und jemandem, der zugleich vom Medien-Kuchen leben muss, schmerzhafte Auftragsverluste einbringen kann). Es ist zu kurz gesprungen, wenn wir in geistigem Gutmenschentum wieder und wieder an den gesetzlich verankerten Kulturauftrag appellieren.

    Jochen Meißner tut Sinnvolleres und Wichtigeres: Er erinnert – erstens – daran, dass das digitale Universum immense kreative und ästhetische Potentiale öffnet. Und er pocht – zweitens – darauf, dass nur eine Kultivierung des digitalen Universums davor schützt, dass der digitale Moloch seine Schöpfer und Erfinder frisst. Daraus ergibt sich ganz von selbst eine Einsicht, die den Entscheidern in den Medienhäusern mehr und mehr abhanden kommt: Einpegelung auf die statistisch abrufbaren Bedürfnisse des Publikums führt zu Verengung und mentaler Austrocknung. Unser Publikum will mehr: Es will diejenigen Potentiale in sich erfahren, die es noch nicht kennt, die zu Überraschung und Selbsterneuerung führen.

    Dasselbe noch einmal anders gesagt: Jochen Meißner erzählt dem Radio der Gegenwart, wie reich es sein könnte – in all seiner Armut und Selbstzufriedenheit. Diejenigen im Radio, die dem Radio eine lebendige und farbige Zukunft gönnen, lieben ihn dafür. Diejenigen, die leere Zahlen schon für Zukunft halten, fürchten ihn. Was kann man Besseres über einen Medienkritiker sagen?

    Hier noch eine Mail von Friedrich Knilli (*1930), Hörspieltheoretiker

    Lieber Jochen Meißner, dieser Preis spricht für die Jury. Denn Meißner (*1966) mit Donnepp (*1914) zu ehren,  braucht medienwissenschaftlichen Verstand. Man muß beide Herren sehr gut kennen, um zu ahnen und zu würdigen, was sie verbindet. Ich gratuliere herzlich. Friedrich Knilli

    … und hier eine von Frank Kaspar, Kulturjournalist

    Lieber Jochen,
    herzlichen Glückwunsch! Es freut mich sehr, das zu hören! Die „Besondere Ehrung“ hast Du Dir redlich verdient mit Deinem Jahrzehnte währenden Einsatz für’s Hörspiel, der ja jedes Mal ein Sonder-Einsatz ist, so wie Du Dich in jedes einzelne Stück rein denkst und rein schaffst, um Werk und Werkenden MINDESTENS auf Augenhöhe zu begegnen
    Toll, dass die Juroren das gesehen haben!
    Frank Kaspar

     

    Replik

    Bei Grimmes nennt man die Dankesrede ‚Replik‘. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Hier also meine Erwiderung, die die Hütte gerockt hat, die auf ein sehr dankbares Publikum gestoßen ist:

    Meine Damen und Herren,

    insgeheim hatte ich mir schon lange gewünscht, einmal den Bert-Donnepp-Preis zu bekommen.  Das ist mit dem heutigen Abend vorbei, denn dass ich nach der „Besonderen Ehrung“, für die ich mich artig bedanke, den richtigen Preis bekomme, ist doch eher unwahrscheinlich. Also gehe ich nicht über Los, ziehe keine 5000 ein und habe mich entschlossen Ihnen ein wenig „die Leviten langzuziehen“, wie es mir als kleiner Junge mein lieber Onkel Richard des Öfteren scherzhaft angedroht hat – wobei mir der Humor dieses schiefen Bildes natürlich erst sehr viel später aufgegangen ist

    Wer mit „Ihnen“ gemeint ist? Wer „Sie“ sind? Sie, das sind die Feuilletonredakteure, denen beim Thema Hörspiel nur „Kino-im-Kopf“ einfällt, was ein sicheres Indiz dafür ist, dass sie vom Medium so gar keine Ahnung haben. Sie, das sind die Medienredakteure, die – wie es Hans Hoff so eindrücklich beschrieben hat – unter „Beitrags-Tourette“ leiden und keine dreißig Zeilen schreiben können, ohne auf die Alimentierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hinzuweisen und schnapp-atmend die Wörter „Zwangsgebühr“, „8 Milliarden“ oder „Herres“ ausstoßen müssen. Jene Redakteure also, die, wenn sie von ihre eigenen Dschungelcamp-Berichterstattung gelangweilt sind, einmal im Jahr ein Hörspielthema ins Blatt heben – und dann bebildern sie es mit einem Radioempfänger aus den 50er Jahren.

    In den Jurybegründung heißt es, dass ich es mir, dem Hörspiel und meinen Lesern niemals leicht machen würde. Die kleine Gemeinheit am Schluss würde ich natürlich gerne als Kompliment nehmen, kann es aber leider nur teilweise. Anfang der 90er Jahre schrieb im Berliner Tagesspiegel Sibylle Wirsing immer völlig unverständliche Kritiken zu den Volksbühnen-Premieren von Frank Castorf. Hatte man die Stücke dann später selbst gesehen, ging einem zweierlei auf, nämlich, dass erstens ihrem Urteil in der Regel zu trauen war und dass zweitens ihre beschreibenden Sätze immer gestimmt haben. Vielleicht liegt dort die Ursache, dass ich in meine Radiofeatures gerne etwas kompliziertere, nicht radiophone Sätze einbaue. Denn es ist meine Überzeugung, dass man damit mehr Spannung und Aufmerksamkeit erzeugen kann als mit dem üblichen Subjekt-Prädikat-Objekt-Schema. Jenem Schema, das im Subtext immer nur brüllt: „Hör.Mir.Zu.Idiot.“ Denn im Kulturradio hält man sich gerne mal für intelligenter als seine Hörer. Welch ein Irrtum.

    Leider erreichen meine Texte das Ideal Wirsingscher Unverständlichkeit nur äußerst selten und das liegt an einem Redakteur, der eine Qualifikation besitzt, die unter Medienredakteuren nicht wirklich weit verbreitet ist: er kann lesen. Dieser Redakteur ist Dieter Anschlag von der Funkkorrespondenz, auch er ein Bert-Donnepp-Preisträger, ohne den ich nicht hier stände, weil er die gröbsten Missverständlichkeiten in meinen Texten beseitigt und weswegen ich gerne manche krude Eindeutigkeit ertrage. Also ängstigen Sie sich nicht, wenn sie mal zufällig über einen meiner Text stolpern sollten. Was Sie nicht verstehen, geht auf meine Kappe, was Sie langweilt auf seine. Ich bin mit diesem Arrangement sehr zufrieden.

    Der nächsten Absätze wurden aus Zeitgründen gestrichen und stehen hier exklusiv für hoerspielkritik.de-Leser:

    Ich würde „Kunstwerke ausloten, durchdringen, feiern und erden“, wird mir von der Jury attestiert. Nun ja, auch dieses Bild hängt schief, hat aber den Vorteil eine technische Metapher zu benutzen und Feuilletonisten lieben technische Metaphern – ich schließe mich da gerne mit ein.

    Den Hinweis „Vergessen Sie nicht ihre Antennen zu erden“ spielt Bert-Donnepp-Preisträger Jörg Wagner gerne in seinem Medienmagazin. Aber warum sollte man das tun? Ganz einfach, damit bei einem Gewitter der Blitz nicht durch die Antenne in den Hörer einschlägt und der Funke aus dem Äther nicht nur die Synapsen, sondern gleich das ganze Hirn zum Feuern anregt.

    Der Fachdienst für den ich schreibe trug bis vor kurzem den stolzen und melodiösen Namen „Funk-Korrespondenz“. Eine freudige Auftaktsilbe, deren Klang noch an den Übersprung der Funken vom „Sender“ zum „Empfänger“ erinnert, mit dem Heinrich Hertz die Existenz elektromagnetischen Wellen nachgewiesen hat. Oder an jene Höllenmaschinen namens „Knallfunkensender“ mit denen Anfang des letzten Jahrhunderts Telegraphie betrieben wurden und von denen man sagte: „Lautstärke gleich Reichweite“ – und die Reichweite eines Knallfunkensenders betrug 3000 Kilometer. Und nicht zuletzt stammt der Begriff „Rundfunk“ von diesen Funken ab. Ob es also so schlau war nach 62 Jahren einen so sexy Namen wie Funkkorrespondenz durch einen Irgendwas-mit-Medien-Titel zu ersetzen, wird sich erweisen. Mein Redakteur hat mir versichert das die Medienkorrespondenz jetzt nicht mehr für ein Organ von CB-Funkamateuren gehalten wird. Graviernder als die Umbenennung ist jedoch, dass das Blatt statt wie bisher wöchentlich nur noch alle 14 Tage erscheint, was zwangsläufig weniger Hörspielkritik bedeutet.

    Die Frage, die sich hier vor Ihnen, also der versammelten fernsehkritischen Intelligenz stellt, ist: Warum sollte Sie das Hörspiel interessieren? Und warum tut es das nicht?

    Die einfachste historische Antwort ist: weil das Radio und insbesondere seine Kunstform schon immer das Medium der Innovation war. Schon das erste deutsche Hörspiel überhaupt, Hans Fleschs „Zauberei auf dem Sender“ von 1924 war in seiner Form so selbstreflexiv, metafiktional, transmedial und interaktiv, das man alle seine Dimensionen erst mit den heutigen technischen Möglichkeit der digitalen Vernetzung realisieren könnte. Ein Kunstwerk, das auf sein Medium wartet. Von dem Filmer Walter Ruttmann ganz zu schweigen, der seine Hörspiel-Klang-Collage „Weekend“ auf Filmton realisiert.

    Aktuellere Gründe, warum Sie das Hörspiel interessieren sollte, sind: Ulrich Bassenge, Albrecht Kunze, Edgar Lipki und Andreas Bick. Namen, die Sie noch nie gehört haben und das ist nicht nur Ihre Schuld, das ist auch Ihr Verlust. Denn Ulrich Bassenge liefert mit seiner Vorliebe für den philippinischen Frauen-Gefängnis-Film nicht nur akustischen Trash vom Feinsten [in „Walk of Fame“], er hat die Geschichte künstlicher Stimmen nacherzählt [in „sprechmaschinenfest“] und er hat am entgegengesetzten Ende der Hochkulturskala den barocken britischen Gelehrten Sir Thomas Brown wiederentdeckt und einer interessierten Hörerschaft zugänglich gemacht [in „musaeum clausum“]. Der Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von Krieg und Clubkultur. Sein „ich auf der tretmine“ ist erstarrt in dem Moment zwischen Auslösung und Detonation auf einer verminten Tanzfläche und seine messerscharfen Sätze verraten eine genaue Kenntnis gegenwärtiger Kriegstheorien und ihrer territorialen Dimensionen.

    Kurze Abschweifung – schon 1971 hat Jürgen Becker, der Büchnerpreisträger nicht der Kabarettist, in seinem Hörspiel „Die Wirklichkeit der Landkartenzeichen“ das vorweggenommen, was man heute „augmented reality“ nennt, nämlich die Abbildung von (Kriegs-) Geschichte auf den Raum. – Ende der Abschweifung.

    Kommen wir zu Edgar Lipki, dessen an französischer Theorie geschulte Stücke immer so haarscharf neben meinen Präferenzen liegen, dass ich mich immer frage, ob der Typ wirklich so gut ist oder doch ein Hochstapler. Die Reibung an seinen Stücken erzeugt bei mir jedenfalls immer eine äußerst produktive Hitze. Schließlich ist da noch der Komponist, Klangkünstler und Feature-Autor Andreas Bick dessen Stück „</Pasted> Wir sind die Zukunft der Musik“ sich mit transformativen Werknutzungen, vulgo Remixes und Mashups, beschäftigt und dabei die Urheberrechtsdebatte so inszeniert, wie man sie noch nie gehört hat: nämlich dadurch, das er die Gegensätze mit den bestmöglichen Argumenten aufeinander krachen lässt. „</Pasted>“ gibt es übrigens nicht nur im linearen Radio, sondern als pasted-radio.de auch im Netz, wo man sich chronologisch, thematisch oder systematisch durch das Stück bewegen kann. Mit dem Radio über das Radio hinaus.

    Wem das jetzt zu männlich dominiert war, den verweise ich auf die Stücke von Anne Lepper, Nora Abdel-Maksoud, Ivana Sajko oder Kathrin Röggla und darauf, dass wohl keine Branche personell so durchgegendert ist wie das deutsche Hörspiel. Von elf Hörspielabteilungen werden sieben von Frauen geleitet. Die Namen auf meiner Liste habe ich nicht willkürlich zusammengestellt. Allen diesen Autorinnen und Autoren würde ich den Hörspielpreis der Kriegsblinden gönnen. Den kennen Sie, das ist der wichtigste deutsche Hörspielpreis mit dem komischen Namen, der ihnen einmal im Jahr eine dpa-Meldung wert ist, wenn überhaupt. Dass Andreas Ammer, der zusammen mit Denis Scheck im Fernsehen dieses crazy Literaturmagazin namens „Druckfrisch“ macht, als einziger Autor diesen Preis zweimal bekommen hat, das wissen Sie jetzt auch.

    Soviel zum formalen und ästhetischen Reichtum der Gattung Hörspiel, die allerdings auch innerhalb des Radios bedroht ist. Die mittelmäßigen Radio-Tatorte, die in allen Landesrundfunkanstalten wiederholt werden müssen, wie auch das senderübergreifende ARD-Radio-Feature sind massive Anschläge auf den Rundfunk-Förderalismus, der die einzigartige Vielfalt der radiophonen Formen in Deutschland erst ermöglicht hat. Von der unter dem vorsätzlich irreführenden Titel „Radiofestival“ genannten abendlichen Gleichschaltung der Kulturwellen im Sommer gar nicht zu reden. Und der Intendant des Saarländischen Rundfunk, der Anstalt, in der das Neue Hörspiel mit großem „N“ erfunden wurde, hat sich Anfang letzten Jahres in der Ankündigung der Zusammenarbeit mit dem Hörspiel des Deutschlandfunk gefreut, dass er dadurch „kostenintensive Investitionen in Technik [ergänze und Personal] vermeiden“ könnte. „8 Milliarden. Zwangsgebühr. Kleist.“

    Nun zur Armut der Gattung. Das Hörspiel ist unfassbar billig. Lassen Sie sich von den (Zitat:) „egomanen Strukturreformern und geistlosen Kostenoptimierern“ nicht in die Irre führen, die das Radio als „privilegierte Spielwiese“ betrachten, weil sie eigentlich lieber im Fernsehen „bella figura“ machen würden, wie Alexander Kissler im Cicero polemisiert hat. Und das ist nun wirklich kein Blatt, dem man eine besondere Sympathie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterstellen möchte.

    Als NDR-Intendant Lutz Marmor vor einiger Zeit die Minutenpreise für den Fernseh-Tatort veröffentlichte, rieb man sich als Radiohörer nur erstaunt die Augen. Eine Minute Tatort kostet soviel wie eine Stunde Hörspiel und eine Hörspielstunde sind sowieso nur 54:30. Konservativ gerechnet haben wir es also mit dem Faktor 50 zu tun oder anders gesagt: eine Hörspielminute kostet 2% einer Tatort-Minute. Eher weniger. Bei einer Jahresproduktion von etwa sechshundert Hörspielen inklusive Krimi und Kinderhörspiel können Sie sich nun leicht ausrechnen, wieviele Tatorte man vom Produktionsbudget des gesamten deutschen Hörspiels drehen könnte. Es sind 6,666.

    Näheres dazu können Sie morgen Abend [04.02.15, 21 Uhr] in meiner „Kleinen Mediengeschichte des Hörspiels in zehn Missverständnissen“ auf hr2 kultur hören.

    Nun, warum interessiert Sie als Medien- und Feuilleton-Redakteure das alles nicht? Ich habe eine starke Vermutung, wer daran schuld ist und, Sie ahnen es, das sind Sie selbst. Denn im Gegensatz zu Theater oder Film ist das Hörspiel aus dem kollektiven kulturellen Gedächtnis fast völlig verschwunden. Manche Tageszeitungen schmücken sich sehr zurecht mit ihren DVD-Reihen in denen sie die Schätze der Filmgeschichte verfügbar machen. Auf die Idee einen Kanon der, sagen wir mal, 100 bemerkenswertesten Hörspiele aus 90 Jahren Geschichte der Gattung herauszugeben, ist noch niemand gekommen. Aber auch im ganz normalen Tagesgeschäft gestalten Sie das kulturelle Gedächtnis dieser Gesellschaft mit. Der geringe Raum, den das Hörspiel in eben jenem kulturellen Gedächtnis einnimmt, liegt also auch daran, das Sie ihm den kritischen Resonanzraum verweigern. Jenen Resonanzraum, den jede Kunst braucht, um sich weiterzuentwickeln.

    Alexander Kissler hat in seiner Polemik „Eine Lobby für das Radio“ gefordert. Zu einer eigenen ständigen Radiokolumne im Cicero hat es aber nicht gereicht. Vielleicht denken Sie mal drüber nach.

    Vielen Dank.

     

    P.S. Dieser Beitrag ist im Altpapier vom 6. Februar freundlich erwähnt worden.

    #BertDonneppPreis #ChristophBuggert #FrankKaspar #FriedrichKnilli #JochenMeißner #TorstenKörner

  13. Laudatio und Replik zum Bert-Donnepp-Preis

    Am 3. Februar wurde im Großen Saal des Adolf-Grimme-Instituts beim „Bergfest“  des 51. Grimme-Preises in Marl der Bert-Donnepp-Preis überreicht. Preisträgerin ist die Medienjournalistin Ulrike Simon. Der Autor dieses Blogs freut sich über die undotierte „Besondere Ehrung“. Hier die Begründung der Jury, die aus Thomas Lückerath, Peer Schader, Torsten Körner, Matthias Dell, Jürgen Büssow, Ulrich Spies bestand.

    Die Laudatio hielt das Jurymitglied Torsten Körner in freier Rede, in der er aus einer Email des leider verhinderten ehemaligen Hörspielleiters und HR2-Wellenchefs Christoph Buggert zitierte:

    Christoph Buggert

    Seit vielen Jahren ist Jochen Meißner nicht nur ein kreativ mitdenkender, präzise argumentierender, unabhängig urteilender Hörspiel-Kritiker.

    Fast noch mehr bewundere ich seine Fähigkeit, eine kenntnisreiche Nähe und zugleich einen kritischen Abstand zur modernen Medienwelt zu bewahren. Längst sind wir nicht nur Kunden oder Konsumenten der digitalen Realität, wir sind ihre Produkte. Jochen Meißner behält in dieser unübersichtlich gewordenen Entwicklung den Überblick, er ist Kenner und geschickter Nutzer der technischen Neuerungen des Medienzeitalters.

    Wo der im Quotendenken – und das heißt: in altmodischer Mainstream-Genügsamkeit – verharrende öffentlich-rechtliche Rundfunk den Anschluss an die Gegenwart verliert, beißt er unerschrocken zu. Letzteres auch dann, wenn das zu Verärgerungen führt (und jemandem, der zugleich vom Medien-Kuchen leben muss, schmerzhafte Auftragsverluste einbringen kann). Es ist zu kurz gesprungen, wenn wir in geistigem Gutmenschentum wieder und wieder an den gesetzlich verankerten Kulturauftrag appellieren.

    Jochen Meißner tut Sinnvolleres und Wichtigeres: Er erinnert – erstens – daran, dass das digitale Universum immense kreative und ästhetische Potentiale öffnet. Und er pocht – zweitens – darauf, dass nur eine Kultivierung des digitalen Universums davor schützt, dass der digitale Moloch seine Schöpfer und Erfinder frisst. Daraus ergibt sich ganz von selbst eine Einsicht, die den Entscheidern in den Medienhäusern mehr und mehr abhanden kommt: Einpegelung auf die statistisch abrufbaren Bedürfnisse des Publikums führt zu Verengung und mentaler Austrocknung. Unser Publikum will mehr: Es will diejenigen Potentiale in sich erfahren, die es noch nicht kennt, die zu Überraschung und Selbsterneuerung führen.

    Dasselbe noch einmal anders gesagt: Jochen Meißner erzählt dem Radio der Gegenwart, wie reich es sein könnte – in all seiner Armut und Selbstzufriedenheit. Diejenigen im Radio, die dem Radio eine lebendige und farbige Zukunft gönnen, lieben ihn dafür. Diejenigen, die leere Zahlen schon für Zukunft halten, fürchten ihn. Was kann man Besseres über einen Medienkritiker sagen?

    Hier noch eine Mail von Friedrich Knilli (*1930), Hörspieltheoretiker

    Lieber Jochen Meißner, dieser Preis spricht für die Jury. Denn Meißner (*1966) mit Donnepp (*1914) zu ehren,  braucht medienwissenschaftlichen Verstand. Man muß beide Herren sehr gut kennen, um zu ahnen und zu würdigen, was sie verbindet. Ich gratuliere herzlich. Friedrich Knilli

    … und hier eine von Frank Kaspar, Kulturjournalist

    Lieber Jochen,
    herzlichen Glückwunsch! Es freut mich sehr, das zu hören! Die „Besondere Ehrung“ hast Du Dir redlich verdient mit Deinem Jahrzehnte währenden Einsatz für’s Hörspiel, der ja jedes Mal ein Sonder-Einsatz ist, so wie Du Dich in jedes einzelne Stück rein denkst und rein schaffst, um Werk und Werkenden MINDESTENS auf Augenhöhe zu begegnen
    Toll, dass die Juroren das gesehen haben!
    Frank Kaspar

     

    Replik

    Bei Grimmes nennt man die Dankesrede ‚Replik‘. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Hier also meine Erwiderung, die die Hütte gerockt hat, die auf ein sehr dankbares Publikum gestoßen ist:

    Meine Damen und Herren,

    insgeheim hatte ich mir schon lange gewünscht, einmal den Bert-Donnepp-Preis zu bekommen.  Das ist mit dem heutigen Abend vorbei, denn dass ich nach der „Besonderen Ehrung“, für die ich mich artig bedanke, den richtigen Preis bekomme, ist doch eher unwahrscheinlich. Also gehe ich nicht über Los, ziehe keine 5000 ein und habe mich entschlossen Ihnen ein wenig „die Leviten langzuziehen“, wie es mir als kleiner Junge mein lieber Onkel Richard des Öfteren scherzhaft angedroht hat – wobei mir der Humor dieses schiefen Bildes natürlich erst sehr viel später aufgegangen ist

    Wer mit „Ihnen“ gemeint ist? Wer „Sie“ sind? Sie, das sind die Feuilletonredakteure, denen beim Thema Hörspiel nur „Kino-im-Kopf“ einfällt, was ein sicheres Indiz dafür ist, dass sie vom Medium so gar keine Ahnung haben. Sie, das sind die Medienredakteure, die – wie es Hans Hoff so eindrücklich beschrieben hat – unter „Beitrags-Tourette“ leiden und keine dreißig Zeilen schreiben können, ohne auf die Alimentierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hinzuweisen und schnapp-atmend die Wörter „Zwangsgebühr“, „8 Milliarden“ oder „Herres“ ausstoßen müssen. Jene Redakteure also, die, wenn sie von ihre eigenen Dschungelcamp-Berichterstattung gelangweilt sind, einmal im Jahr ein Hörspielthema ins Blatt heben – und dann bebildern sie es mit einem Radioempfänger aus den 50er Jahren.

    In den Jurybegründung heißt es, dass ich es mir, dem Hörspiel und meinen Lesern niemals leicht machen würde. Die kleine Gemeinheit am Schluss würde ich natürlich gerne als Kompliment nehmen, kann es aber leider nur teilweise. Anfang der 90er Jahre schrieb im Berliner Tagesspiegel Sibylle Wirsing immer völlig unverständliche Kritiken zu den Volksbühnen-Premieren von Frank Castorf. Hatte man die Stücke dann später selbst gesehen, ging einem zweierlei auf, nämlich, dass erstens ihrem Urteil in der Regel zu trauen war und dass zweitens ihre beschreibenden Sätze immer gestimmt haben. Vielleicht liegt dort die Ursache, dass ich in meine Radiofeatures gerne etwas kompliziertere, nicht radiophone Sätze einbaue. Denn es ist meine Überzeugung, dass man damit mehr Spannung und Aufmerksamkeit erzeugen kann als mit dem üblichen Subjekt-Prädikat-Objekt-Schema. Jenem Schema, das im Subtext immer nur brüllt: „Hör.Mir.Zu.Idiot.“ Denn im Kulturradio hält man sich gerne mal für intelligenter als seine Hörer. Welch ein Irrtum.

    Leider erreichen meine Texte das Ideal Wirsingscher Unverständlichkeit nur äußerst selten und das liegt an einem Redakteur, der eine Qualifikation besitzt, die unter Medienredakteuren nicht wirklich weit verbreitet ist: er kann lesen. Dieser Redakteur ist Dieter Anschlag von der Funkkorrespondenz, auch er ein Bert-Donnepp-Preisträger, ohne den ich nicht hier stände, weil er die gröbsten Missverständlichkeiten in meinen Texten beseitigt und weswegen ich gerne manche krude Eindeutigkeit ertrage. Also ängstigen Sie sich nicht, wenn sie mal zufällig über einen meiner Text stolpern sollten. Was Sie nicht verstehen, geht auf meine Kappe, was Sie langweilt auf seine. Ich bin mit diesem Arrangement sehr zufrieden.

    Der nächsten Absätze wurden aus Zeitgründen gestrichen und stehen hier exklusiv für hoerspielkritik.de-Leser:

    Ich würde „Kunstwerke ausloten, durchdringen, feiern und erden“, wird mir von der Jury attestiert. Nun ja, auch dieses Bild hängt schief, hat aber den Vorteil eine technische Metapher zu benutzen und Feuilletonisten lieben technische Metaphern – ich schließe mich da gerne mit ein.

    Den Hinweis „Vergessen Sie nicht ihre Antennen zu erden“ spielt Bert-Donnepp-Preisträger Jörg Wagner gerne in seinem Medienmagazin. Aber warum sollte man das tun? Ganz einfach, damit bei einem Gewitter der Blitz nicht durch die Antenne in den Hörer einschlägt und der Funke aus dem Äther nicht nur die Synapsen, sondern gleich das ganze Hirn zum Feuern anregt.

    Der Fachdienst für den ich schreibe trug bis vor kurzem den stolzen und melodiösen Namen „Funk-Korrespondenz“. Eine freudige Auftaktsilbe, deren Klang noch an den Übersprung der Funken vom „Sender“ zum „Empfänger“ erinnert, mit dem Heinrich Hertz die Existenz elektromagnetischen Wellen nachgewiesen hat. Oder an jene Höllenmaschinen namens „Knallfunkensender“ mit denen Anfang des letzten Jahrhunderts Telegraphie betrieben wurden und von denen man sagte: „Lautstärke gleich Reichweite“ – und die Reichweite eines Knallfunkensenders betrug 3000 Kilometer. Und nicht zuletzt stammt der Begriff „Rundfunk“ von diesen Funken ab. Ob es also so schlau war nach 62 Jahren einen so sexy Namen wie Funkkorrespondenz durch einen Irgendwas-mit-Medien-Titel zu ersetzen, wird sich erweisen. Mein Redakteur hat mir versichert das die Medienkorrespondenz jetzt nicht mehr für ein Organ von CB-Funkamateuren gehalten wird. Graviernder als die Umbenennung ist jedoch, dass das Blatt statt wie bisher wöchentlich nur noch alle 14 Tage erscheint, was zwangsläufig weniger Hörspielkritik bedeutet.

    Die Frage, die sich hier vor Ihnen, also der versammelten fernsehkritischen Intelligenz stellt, ist: Warum sollte Sie das Hörspiel interessieren? Und warum tut es das nicht?

    Die einfachste historische Antwort ist: weil das Radio und insbesondere seine Kunstform schon immer das Medium der Innovation war. Schon das erste deutsche Hörspiel überhaupt, Hans Fleschs „Zauberei auf dem Sender“ von 1924 war in seiner Form so selbstreflexiv, metafiktional, transmedial und interaktiv, das man alle seine Dimensionen erst mit den heutigen technischen Möglichkeit der digitalen Vernetzung realisieren könnte. Ein Kunstwerk, das auf sein Medium wartet. Von dem Filmer Walter Ruttmann ganz zu schweigen, der seine Hörspiel-Klang-Collage „Weekend“ auf Filmton realisiert.

    Aktuellere Gründe, warum Sie das Hörspiel interessieren sollte, sind: Ulrich Bassenge, Albrecht Kunze, Edgar Lipki und Andreas Bick. Namen, die Sie noch nie gehört haben und das ist nicht nur Ihre Schuld, das ist auch Ihr Verlust. Denn Ulrich Bassenge liefert mit seiner Vorliebe für den philippinischen Frauen-Gefängnis-Film nicht nur akustischen Trash vom Feinsten [in „Walk of Fame“], er hat die Geschichte künstlicher Stimmen nacherzählt [in „sprechmaschinenfest“] und er hat am entgegengesetzten Ende der Hochkulturskala den barocken britischen Gelehrten Sir Thomas Brown wiederentdeckt und einer interessierten Hörerschaft zugänglich gemacht [in „musaeum clausum“]. Der Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von Krieg und Clubkultur. Sein „ich auf der tretmine“ ist erstarrt in dem Moment zwischen Auslösung und Detonation auf einer verminten Tanzfläche und seine messerscharfen Sätze verraten eine genaue Kenntnis gegenwärtiger Kriegstheorien und ihrer territorialen Dimensionen.

    Kurze Abschweifung – schon 1971 hat Jürgen Becker, der Büchnerpreisträger nicht der Kabarettist, in seinem Hörspiel „Die Wirklichkeit der Landkartenzeichen“ das vorweggenommen, was man heute „augmented reality“ nennt, nämlich die Abbildung von (Kriegs-) Geschichte auf den Raum. – Ende der Abschweifung.

    Kommen wir zu Edgar Lipki, dessen an französischer Theorie geschulte Stücke immer so haarscharf neben meinen Präferenzen liegen, dass ich mich immer frage, ob der Typ wirklich so gut ist oder doch ein Hochstapler. Die Reibung an seinen Stücken erzeugt bei mir jedenfalls immer eine äußerst produktive Hitze. Schließlich ist da noch der Komponist, Klangkünstler und Feature-Autor Andreas Bick dessen Stück „</Pasted> Wir sind die Zukunft der Musik“ sich mit transformativen Werknutzungen, vulgo Remixes und Mashups, beschäftigt und dabei die Urheberrechtsdebatte so inszeniert, wie man sie noch nie gehört hat: nämlich dadurch, das er die Gegensätze mit den bestmöglichen Argumenten aufeinander krachen lässt. „</Pasted>“ gibt es übrigens nicht nur im linearen Radio, sondern als pasted-radio.de auch im Netz, wo man sich chronologisch, thematisch oder systematisch durch das Stück bewegen kann. Mit dem Radio über das Radio hinaus.

    Wem das jetzt zu männlich dominiert war, den verweise ich auf die Stücke von Anne Lepper, Nora Abdel-Maksoud, Ivana Sajko oder Kathrin Röggla und darauf, dass wohl keine Branche personell so durchgegendert ist wie das deutsche Hörspiel. Von elf Hörspielabteilungen werden sieben von Frauen geleitet. Die Namen auf meiner Liste habe ich nicht willkürlich zusammengestellt. Allen diesen Autorinnen und Autoren würde ich den Hörspielpreis der Kriegsblinden gönnen. Den kennen Sie, das ist der wichtigste deutsche Hörspielpreis mit dem komischen Namen, der ihnen einmal im Jahr eine dpa-Meldung wert ist, wenn überhaupt. Dass Andreas Ammer, der zusammen mit Denis Scheck im Fernsehen dieses crazy Literaturmagazin namens „Druckfrisch“ macht, als einziger Autor diesen Preis zweimal bekommen hat, das wissen Sie jetzt auch.

    Soviel zum formalen und ästhetischen Reichtum der Gattung Hörspiel, die allerdings auch innerhalb des Radios bedroht ist. Die mittelmäßigen Radio-Tatorte, die in allen Landesrundfunkanstalten wiederholt werden müssen, wie auch das senderübergreifende ARD-Radio-Feature sind massive Anschläge auf den Rundfunk-Förderalismus, der die einzigartige Vielfalt der radiophonen Formen in Deutschland erst ermöglicht hat. Von der unter dem vorsätzlich irreführenden Titel „Radiofestival“ genannten abendlichen Gleichschaltung der Kulturwellen im Sommer gar nicht zu reden. Und der Intendant des Saarländischen Rundfunk, der Anstalt, in der das Neue Hörspiel mit großem „N“ erfunden wurde, hat sich Anfang letzten Jahres in der Ankündigung der Zusammenarbeit mit dem Hörspiel des Deutschlandfunk gefreut, dass er dadurch „kostenintensive Investitionen in Technik [ergänze und Personal] vermeiden“ könnte. „8 Milliarden. Zwangsgebühr. Kleist.“

    Nun zur Armut der Gattung. Das Hörspiel ist unfassbar billig. Lassen Sie sich von den (Zitat:) „egomanen Strukturreformern und geistlosen Kostenoptimierern“ nicht in die Irre führen, die das Radio als „privilegierte Spielwiese“ betrachten, weil sie eigentlich lieber im Fernsehen „bella figura“ machen würden, wie Alexander Kissler im Cicero polemisiert hat. Und das ist nun wirklich kein Blatt, dem man eine besondere Sympathie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterstellen möchte.

    Als NDR-Intendant Lutz Marmor vor einiger Zeit die Minutenpreise für den Fernseh-Tatort veröffentlichte, rieb man sich als Radiohörer nur erstaunt die Augen. Eine Minute Tatort kostet soviel wie eine Stunde Hörspiel und eine Hörspielstunde sind sowieso nur 54:30. Konservativ gerechnet haben wir es also mit dem Faktor 50 zu tun oder anders gesagt: eine Hörspielminute kostet 2% einer Tatort-Minute. Eher weniger. Bei einer Jahresproduktion von etwa sechshundert Hörspielen inklusive Krimi und Kinderhörspiel können Sie sich nun leicht ausrechnen, wieviele Tatorte man vom Produktionsbudget des gesamten deutschen Hörspiels drehen könnte. Es sind 6,666.

    Näheres dazu können Sie morgen Abend [04.02.15, 21 Uhr] in meiner „Kleinen Mediengeschichte des Hörspiels in zehn Missverständnissen“ auf hr2 kultur hören.

    Nun, warum interessiert Sie als Medien- und Feuilleton-Redakteure das alles nicht? Ich habe eine starke Vermutung, wer daran schuld ist und, Sie ahnen es, das sind Sie selbst. Denn im Gegensatz zu Theater oder Film ist das Hörspiel aus dem kollektiven kulturellen Gedächtnis fast völlig verschwunden. Manche Tageszeitungen schmücken sich sehr zurecht mit ihren DVD-Reihen in denen sie die Schätze der Filmgeschichte verfügbar machen. Auf die Idee einen Kanon der, sagen wir mal, 100 bemerkenswertesten Hörspiele aus 90 Jahren Geschichte der Gattung herauszugeben, ist noch niemand gekommen. Aber auch im ganz normalen Tagesgeschäft gestalten Sie das kulturelle Gedächtnis dieser Gesellschaft mit. Der geringe Raum, den das Hörspiel in eben jenem kulturellen Gedächtnis einnimmt, liegt also auch daran, das Sie ihm den kritischen Resonanzraum verweigern. Jenen Resonanzraum, den jede Kunst braucht, um sich weiterzuentwickeln.

    Alexander Kissler hat in seiner Polemik „Eine Lobby für das Radio“ gefordert. Zu einer eigenen ständigen Radiokolumne im Cicero hat es aber nicht gereicht. Vielleicht denken Sie mal drüber nach.

    Vielen Dank.

     

    P.S. Dieser Beitrag ist im Altpapier vom 6. Februar freundlich erwähnt worden.

    #BertDonneppPreis #ChristophBuggert #FrankKaspar #FriedrichKnilli #JochenMeißner #TorstenKörner
  14. #TopTenBooks2022

    GOLD—PLATZ 1
    Émile Bravo: »Spirou & Fantasio Spezial Nr. 8: Portrait des Helden als junger Tor« und »Spirou oder: Die Hoffnung 1-4« (2008, 2018-2022; Übersetzung: Ulrich Pröfrock; Carlsen Comics, 2009, 2018-2022)

    Dank Hinweis-Tröt von @frankboehmert geschnallt, daß es zu »Held als junger Tor« noch 4-teilige Fortsetzung gibt. Émile Bravo ist wahrhaft ein Zauberer der Menschlichkeit angesichts finsterer Themen … für Kinder!

    Geschichtenerzähler:innen, lernt von diesem Comic!

  15. Der Verein Freizeit für Hexerei und Zauberei e.V. möchte sich mit einem ganzen Digitalisierungspaket modern aufstellen und wird hierbei von Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus unterstützt. Die überreicht im Rahmen ihrer #Sommerreise einen Förderbescheid aus „Ehrenamt digitalisiert!“ über 5.009 Euro. Mehr: digitales.hessen.de/presse/fit
    @landesregierung

  16. Unfassbaren Lande vorbestellbar
    Der neue Regionalband "Die Unfassbaren Lande" ist jetzt vorbestellbar. Er deckt das östliche Garund ab, Also die verfeindeten Länder Nex (arkane Zauberei) und Geb (Nekromantie), die dazwischen liegenden Manaöden mit der Dongunfeste und Alkenstern und das fantastische Jalmaray mit seinen Häusern der Vollkommenheit.

    Vorbestellen:

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    F-Shop

    Wie immer, we
    pathfinder2.de/2023/02/14/unfa
    #UlissesNews

  17. Hörspiel des Jahres 2024

    Im Auge des Sturms – Das Kapitol am 6. Januar 2021

    von Maxi Obexer

    Regie: Gerrit Booms; Regieassistenz: Julia Kiefer
    Mit: Victoria Trautmannsdorff, Hans-Gerd Kilbinger, Claudius Steffens, Sabrina Ceesay, Enno Kalisch, Friederike Linke, Glenn Goltz, Mi Hae Lee
    Besetzung: Ulrich Korn
    Technische Realisation: Werner Jäger, Barbara Göbel
    Dramaturgie: Isabel Platthaus
    Produktion: WDR 2024
    Ursendung: WDR 5, 07.01.2024, Länge: ca. 53‘

    Die Begründung der Jury

    Das Hörspiel kann alles sein. Denn seine junge Geschichte schreibt ihm keine Tradition und keine geprägte Form vor. Jedes Projekt kann in alle Richtungen gehen, sich geschmeidig an andere Gattungen anlehnen oder nie Gehörtes hervorbringen. Wir haben im 100. Hörspiel-Jubiläumsjahr sinnreich mit Musik unterstützte Radioessays gehört, ein Radiomusical, Filme für die Ohren und vieles mehr. Dieses offene Feld ist ein kostbares Kreativlabor, wie sich eindrücklich zeigte, und wir wünschen dem Hörspiel und seinen „Zaubereien auf den Sendern“ eine reichhaltige und weiterhin überraschende Zukunft.

    Wir haben uns für eine Produktion entschieden, die zwischen O-Ton-Reportage, politischem Essay und Krimispannung oszilliert. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir die Wahl auch unter dem Eindruck aktueller politischer Geschehnisse getroffen haben. Der 47. amerikanische Präsident ist mit seiner Amtseinführung im Januar 2025 als erster verurteilter Straftäter im Amt in die Geschichtsbücher eingegangen. Vier Jahre zuvor, im Januar 2021, nahm er bei den Geschehnissen rund um den „Sturm aufs Kapitol“ eine zentrale Rolle ein, als er seine Fans bei einer Kundgebung dazu aufrief, die Pennsylvania Avenue hoch zum Kapitol zu ziehen, um gegen den vermeintlichen Betrug nach seiner verlorenen Wahl zu demonstrieren.

    Schrecken, Morddrohungen und Chaos sind die Folge, fünf Menschen sterben. Es tagt an diesem Tag der Kongress, um den letzten Schritt vor der Ernennung des neuen US-Präsidenten Joe Biden zu vollziehen: die Anerkennung der Wahlergebnisse, welche zuvor Gegenstand 50 verlorener Prozesse des Trump-Lagers waren. „Wir werden nie aufgeben“, sagt Donald Trump zu den Anhänger*innen, „wir werden nie eine Wahlniederlage anerkennen“.

    Maxi Obexer hat die Geschehnisse als kinoreifes Politevent erkannt und daraus ein dokumentarisches Stück mit Pathos und Drive geformt. Es führt uns die Funktionsweisen und politischen Denkmuster eines Systems vor Augen, das sich anfällig für Bruchstellen zeigt. Sorgfältig hat sie die dokumentierten O-Töne der US-Abgeordneten zusammengesetzt, übersetzt und eingeordnet und fasst zusammen, wie sich die Stunden im Inneren des Machtzentrums dieser großen und mächtigen Demokratie dargestellt haben.

    Entstanden ist ein Hörspiel, das, trotz seiner Bezugnahme auf ein vergangenes Ereignis ins Heute wirkt, indem es eindrücklich zeigt, in welch kurzer Zeit ein so wichtiges System von „funktionierend“ zu „dysfunktional“ kippen kann und wie Ordnung, Gesetze und Staatsgewalt von einem Moment zum nächsten in Chaos und Gewalt versinken. Das Ruder herumreißen können die Mitglieder des Kongresses, indem sie trotz aller Widerstände – von innen, durch Einsprüche gegen die  Wahlergebnisse, von außen, durch randalierende Demonstranten – miteinander im Gespräch bleiben. Das Prozedere, das für die Ernennung des neuen Präsidenten nötig ist, muss absolviert werden und so holen die Politiker*innen die Demokratie zurück in den Saal, indem sie stoisch und bis mitten in die Nacht hinein „zurück an die Arbeit gehen“. Das alles lebt natürlich auch vom amerikanischen Pathos der Redebeiträge, der Leidenschaft, mit der hier Demokraten und Republikaner um ihr ganz eigenes Verständnis von Glanz und Vaterland streiten.

    Dieses Hörspiel demonstriert die gefährliche Macht rhetorischer Manipulation und die Verantwortung politischer Führer für die Folgen ihrer Worte. Der Sturm auf das Kapitol verdeutlicht die tiefe Spaltung einer Gesellschaft und die Fragilität demokratischer Prozesse, selbst in etablierten Demokratien. Maxi Obexer hat geschafft, nicht nur die historische Vorlage als dankbare Dramaturgie zu erkennen und zu nutzen, sondern sie so zusammenzustellen, dass die Essenz der Ereignisse zugespitzt, auf den Punkt gebracht und greifbar wird. Nicht nur das empörende Skandalon wird erlebbar, sondern auch die Kraft der vernünftigen Verständigung in demokratischen Prozessen. Und diese Lektion – so scheint uns – haben wir in der kommenden Zeit bitter nötig. Deshalb wird „Im Auge des Sturms“ Hörspiel des Jahres 2025.

    Im Auge des Sturms – Das Kapitol am 6. Januar 2021

    Die dreiköpfige Jury bestand aus Clara Gauthey (Kulturredakteurin beim Bieler Tagblatt), Claude Pierre Salmony (Hörspielredakteur, -dramaturg, -regisseur) und Maria Ursprung (Dramatikerin, Regisseurin, Co-Leiterin des Theater Marie).

    Preisverleihung

    Am Freitag 21. Februar 2025 findet die Preisverleihung zum Hörspiel des Jahres im Kino Rex in Bern statt. Die Auszeichnung der DADK wird im Rahmen des SONOHR Festivals verliehen.

    Ort: Kino Rex, Schwanengasse 9, CH-3011 Bern
    Termin: Freitag, 21.02.2025, 19.30 Uhr Festivalbeginn SONOHR,
    20.30 Uhr Apéro,
    21-22.15 Uhr Preisverleihung Hörspiel des Jahres 2024.
    Das Hörspiel wird in Gänze zu hören sein.

    Die Hörspiele des Monats 2024:

    Januar: Maxi Obexer: Im Auge des Sturms – Das Kapitol am 6. Januar 2021 (WDR)
    Februar:Erwin Koch: Fünf beste Tage (SRF)
    März: Wilhelm Genazino: Nie! Nie! Nie! (SWR)
    April: Alexander Kluge: Der Stein in der Tasche (BR)
    Mai: Luise Voigt: Raumzeit (HR/DLF Kultur)
    Juni: Tucké Royale: Mit Dolores habt ihr nicht gerechnet (RBB)
    Juli: Leonie Lorena Wyss: Blaupause (NDR)
    August: Ephraim Kishon und Friedrich Torberg: Mein Sohn, Nephew und Bács! (ORF)
    September: Jana Scheerer: Die Rassistin (MDR)
    Oktober: Maxim Biller: Kein König in Israel (SWR)
    November: Gesche Piening: Die Könige spielen die anderen (DLF Kultur)
    Dezember: Gesche Piening: Sei unser sicher sicher von

     

     

    #2024 #HörspielDesJahres #ImAugeDesSturmsDasKapitolAm6Januar2021 #MaxiObexer #WDR

  18. Der Weg nach Hogwarts führt über die Neuköllner Bürgerstraße

    Denn in die Bürgerstraße kann man zwar ein eine Richtung hineinfahren (Einbahnstraße), aber heraus kommt man dann ohne Zauberei nicht mehr (Sackgasse). Was sich die Neuköllner Behörden bei dieser Verkehrsführung gedacht haben, wissen vermutlich nicht einmal sie selber. kantel.github.io/posts/2023081 #Neukölln #FailedCityNeukölln

  19. Aus Gründen haben wir heute eine raffinierte Idee, die wir euch gern präsentieren möchten:
    Feiere den #bookfriday und verschenke ein Buch!
    Zum Beispiel eins mit Zauberberg, oder eins mit Pudelclub, oder vielleicht eines, das sich auch auf allen Vieren prima lesen lässt? Die Möglichkeiten sind vielfältig und wir freuen uns auf euren Besuch ...

    kurzlinks.de/5oe8

    #indiebuchhandel #codobuch #schanzenviertel #karoviertel #stpauli #hamburg #hh #dasliterarischeherz

  20. Aus Gründen haben wir heute eine raffinierte Idee, die wir euch gern präsentieren möchten:
    Feiere den #bookfriday und verschenke ein Buch!
    Zum Beispiel eins mit Zauberberg, oder eins mit Pudelclub, oder vielleicht eines, das sich auch auf allen Vieren prima lesen lässt? Die Möglichkeiten sind vielfältig und wir freuen uns auf euren Besuch ...

    kurzlinks.de/5oe8

    #indiebuchhandel #codobuch #schanzenviertel #karoviertel #stpauli #hamburg #hh #dasliterarischeherz

  21. Einige Bücher lese ich immer wieder, bevorzugt in Zeiten, in denen alles drunter und drüber geht. Eine Art Geborgenheit. Zurzeit ist es der Zauberberg von Thomas Mann. Nebenher lese ich noch eine Biographie von ihm und um die Atmosphäre perfekt zu gestalten, habe ich mir noch den Klavierauszug von Tristan und Isolde besorgt (die Zigarre verkneife ich mir aber).

    So starte ich auch heute in den Feiertag. Dazu gibt es Assam-Tee.

    #Literatur #klavierspielen

  22. Götterland ist eine Welt, in der die Götter als titanische Figuren in der Welt selber leben. Manche leben unter den Menschen, wie Kadesh der geheime König, der im Kadesh-Tempel in der imperialen Hauptstadt thront und Jahrhunderte lang die Geschicke des Reiches steuerte. Manche ziehen umher, wie der ferne Prinz mit seiner Jagdgesellschaft. Viele halten sich an unzugänglichen Orten auf, wie Kal, die in den Wolken nach Erleuchtung sucht, oder Utmallin, der steinerne Riese, der die nördlichen Eiswüsten durchwandert. Manche von ihnen haben menschliche Gestalt, manche tierische, und manche sind bizarre, fremdartige Gestalten. Zu den Menschen haben sie eine Beziehung wie Menschen zu Enten – manchmal füttern sie sie, manchmal jagen sie sie und meist ignorieren sie sie.

    Die Inspiration für Götterland kam vom Subreddit r/imaginarybehemoths und da besonders von Künstlern wie Jakub Rozalski oder Tomislav Jagnjic, aber auch von Magic: the Gathering-Karten wie z.B. dem Soulherder oder Erebos, Bleak-Hearted. (Klickt euch mal durch, die Bilder sind toll.)

    Politisch ist die Welt angelehnt an das Europa des fünften bis sechsten Jahrhunderts rund um den Zerfall des Weströmischen Reichs. Es gibt ein zersplitterndes Imperium mit mesopotamischem Anstrich, in dem Generäle, religiöse Führer und Adlige um die flüchtigen Überbleibsel alter Macht und schwindenden Reichtums kämpfen. Phasenweise gibt es zwei oder noch mehr rivalisierende Kaiser, die um die Reste der imperialen Gebiete ringen. In den ehemaligen Provinzen haben sich schon vor längerem die Gouverneure zu Fürsten und Königen ernannt. Sie oder ihre Nachfahren versuchen an ihrer Macht festzuhalten – manche mit mehr, manche mit weniger Erfolg.

    In den Grenzgebieten des Imperiums vermengen sich imperiale Einflüsse mit lokalen Königtümern und Stammestraditionen. In Bordam, einer früheren Grenzmarsch, verfallen die alten Handelsrouten. Es gibt einzelne Ortschaften mit Bauernhöfen darum herum, weiter abgelegen nur noch vereinzelte Wehrhöfe, Pelzjäger, Eremiten und Goldsucher. Die Wälder sind dunkel in Bordam, besonders wenn der Winter kommt. Das Wissen des Imperiums, das in Bordam ohnehin nur in Bruchstücken ankam, geht verloren. Waffen und Rüstungen aus Eisen werden wohlbehütet und in Familien weitervererbt, Gegenstände aus Stahl stellen wahre Kostbarkeiten dar. In weiten Teilen Bordams herrscht Tauschwirtschaft; nur Silber (oft in Form von Ringen oder Ketten) wird von den meisten als Währung akzeptiert.

    Hier eine noch nicht vollständige Karte. Die durchgezogenen roten Linien sind die alten Grenzen des Imperiums (im Süden), die gestrichelten Linien waren tributpflichtige Reiche und Grenzmarschen.

    In Götterland geht es nicht darum die Welt zu retten. Stattdessen versuchen die SCs ihr Bestes, um in einer Welt, die von Verfall und Niedergang gekennzeichnet ist, zu überleben, reich zu werden oder – vielleicht – etwas Neues zu erschaffen, das der Dunkelheit trotzt.

    Ich hatte Götterland als Spielwelt zum Testen meines Heartbreaker-Systems entworfen, eines würfellosen Systems mit Zaubereiregeln, die an Ars Magica angelehnt sind. Die Arbeit an der Engine liegt derzeit brach, dafür finde ich das Setting immer interessanter und überlege, ob ich das vielleicht mal mit anderen Regelwerken bespielen könnte. Man müsste darin irgendwie das spezielle Verhältnis zu den Göttern abbilden können, die oft desinteressiert und kapriziös auf Gebete reagieren. In meinem eigenen Regelsystem hatte ich dafür eine eigene Mechanik, wo man durch Opfer und große Dienste bessere Chancen bekam, das Gehör eines Gottes zu bekommen, wo man sich die Götter aber auch zum Feind machen konnte.

    https://kritischerfehlschlag.de/2024/08/22/campaign-every-other-day-2024-teil-13-gotterland/

    #CampaignEveryOtherDay2024 #DIY #pnpde #Rollenspiel