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34 results for “_JAStark”

  1. #ME/CFS #CFS #LongCovid #fatiguesyndrome #ClinicalResearch #BrainInflammation #JarredYounger

    Developing treatment for brain inflammation at University of Alabama at Birmingham

    youtube.com/watch?v=KpsK6RmqLNI

    Lab donation page:
    go.uab.edu/younger

    Large Donations and Questions:
    Julia Ann Starke (Senior Director of Development at UAB)
    Email: [email protected]

  2. and now have an official Integration! I've still not tried great_expectations, yet, so this might be the time! greatexpectations.io/blog/bett

  3. Is' ja stark: Für die Reddit-Alternative im Fediverse, #Lemmy, gibt es inzwischen sogar eine Oberfläche im Forums-Layout #phpBB wie in den guten, alten 2000-ern.
    #fediBB
    fedibb.ml/

  4. Nachdem ich jetzt im #Fujifilm System bin, spekuliere ich ja stark auf ne #XM5 mit nem Pancake als Immer-dabei für die Jackentasche.
    Bin mir aber noch nicht sicher ob ich sie dann wirklich oft genug benutzen würde 😅
    Ganz günstig ist sie ja dann auch wieder nicht…

  5. The World’s Most Popular 3D-Printed Gun Was Designed by an Aspiring Terrorist - Growing numbers of insurgents and extremists use the FGC-9. Forensic analysis of online p... - wired.com/story/3d-printing-gu #nocontrol #security

  6. 🐾 Lillys Tagebuch – 30.04.2026 🐾

    Also… ich sag’s euch, heute war irgendwie nicht mein Tag. 😿
    Schon am Morgen, als meine Zweibeiner aufgestanden sind (viel zu früh übrigens!), habe ich mir gedacht: Nö… heute bleib ich einfach liegen. 🛌🐾

    Normalerweise starte ich ja voller Energie in den Tag – Kontrolle der Wohnung, Futtercheck, erste Streicheleinheiten einfordern… ihr kennt das. Aber heute? Fehlanzeige. Ich habe mich nur ganz langsam erhoben, eher so im Schneckentempo… na gut, im Katzenschneckentempo. 🐌😼

    Ich vermute ja stark, dass diese fette Fliege von gestern daran schuld ist. 🪰
    Ja, ich gebe zu – sie war ein ordentlicher Brocken. Ein echter Jagderfolg! 💪🐾 Aber vielleicht… nur vielleicht… war sie doch ein kleines bisschen zu viel des Guten. 🤔

    Das Toben? Pff… heute absolut überbewertet. 🧶
    Mein geliebter Pfotenball lag einfach nur da… und ich hab ihn angeschaut… und er mich… aber keiner von uns hatte so richtig Lust. 😴

    Auch beim Fressen war ich heute eher so: „Ach… später vielleicht.“ 🍽️🙄
    Meine Zweibeiner haben mich schon etwas besorgt angeschaut. Ich sag euch, die machen sich immer gleich Gedanken! Dabei weiß doch jeder: Auch eine Katze braucht mal einen ruhigen Tag. 🐱💤

    Also habe ich beschlossen: Heute ist offizieller Ruhemodus. 💤
    Viel schlafen, wenig bewegen und zwischendurch einfach nur würdevoll auf meinem Katzenbaum sitzen und in die Welt schauen – so wie auf meinem Foto. 👑🐾

    Man muss ja schließlich seine Kräfte einteilen. Morgen bin ich bestimmt wieder die alte Wirbelwind-Lilly! 🌪️😸

    Bis dahin gilt: Nicht stören, ich kuriere mich aus! 🛌💛

    Eure heute etwas schlappe, aber immer noch majestätische
    Lilly 🐾

    #Katze #Katzelilly #Lilly #Lillytagebuch #Katzencontent

  7. [edit: Sehe gerade, bei in eine Seite eingebetteten Videos kann es Probleme geben. Lasse die Hinweise trotzdem mal online.]

    Gerade erst entdeckt, dass man bei der Firefox-Erweiterung „Privacy Redirect" in den erweiterten Einstellungen YouTube-Links direkt mit einem installierten FreeTube öffnen lassen kann. 👍

    Außerdem, da Invidious ja stark zu kämpfen hat: Wenn man, immer noch in den erweiterten Einstellungen, in die Zeile mit dem Pool an Invidious-Instanzen https://fediserve.de?q= einträgt und noch unter „Ausnahmen" fediserve.de hinterlegt, landet man beim Aufruf einer YouTube-Seite automatisch bei fediserve.de mit bereits ausgeführter Suche nach dem aufzurufenden Video.

    #YouTube #FediserveDe #PrivacyRedirect

  8. @HeyeBodo Also eingeschränkt auf Sachen die man zumindest schon mal kurz gespielt hat, sonst geht das hier jenseits des Charakter-Limits…

    Als Regelsysteme generell #GURPS und #HERO, die sind für meinen Mindset einfach recht gut: Genug Bastelmaterial am Schirm, verschwinden am Tisch (gerade letzeteres variiert ja stark pro Person, ich persönlich finde z.B. FATE viel mental anstrengender).

    #Torg würde ich gerne mal wieder machen, das mochte ich vom System auch sehr gerne (Savage Worlds für Würfelmixhasser), und es ist ein sehr schön präsentierter Genre-Mix, weil man einfach in andere Welten gehen kann ohne zu viele Portale und Zeitreisedingens, mal von den ganzen Evil Overlords abgesehen.

    #ShadowRun, Edition eins bis drei. Könnte ich mir mit mehr erwachsener Einstellung und Mitspielern bedeutend besser vorstellen als damals…

    D&D 3E. Ernsthaft. Am Schluss hatte das ein paar gute Fixes für Probleme, Sachen die von Nachfolgern weitgehend ignoriert wurden. Selbstbau-Fantasy Setting und/oder Ptolus.

    Abenteuer in Magira. Nur knapp angespielt damals, so viel Potential. Ich finds besser als den dicken Cousin.

    MERS. Ja, es ist keine Tolkien-Simulation. Und das ist gut so.

  9. Mein Persönliches Wissensmanagement? Schnell ein paar Bücher stapeln.

    Schnelle Notiz: Heute haben sich Martina, Verena, Ines und ich getroffen und Ideen zum vor vier Wochen von Jochen Robes offiziell gestarteten Buchprojekt 2026 der Corporate Learning Community gesponnen (zu dem Projekt hatte ich schon in meinem #CLCamp26 Rückblick geschrieben, und zum #CLCBuch2025 verschiedentlich auch schon hier und dort).

    Als Teilgruppe im größeren Team des diesjährigen Buchprojekts wollen wir Stimmen, Ideen und Bilder aus der Community zum Thema „Persönliches Wissensmanagement“ (Personal Knowledge Management, PKM) sammeln. Als Warmup, Austausch- und Ideenraum, digitales und analoges Rauschen und Vernetzungsimpulsfeuerwerk, das uns über die nächsten Monate begleitet. Wir wollen Fragen zum Thema vorschlagen und … als eine Art erweiterte Blogparade? (weiß nicht, ob das noch ein passender Begriff ist) … in einem Kanal zusammenführen, damit sich alle am Buch oder Thema Interessierten kontinuierlich austauschen und mit Impulsen zu diesem weiten Themenfeld inspirieren können, über das konzentrierte und meist individuelle Schreiben an den eigentlichen Buch-Beiträgen hinaus.

    Bilder, einzelne Sätze, Sketchnotes, Sprachnachrichten … all das, was der Community einfällt, wird willkommen sein. Gesammelt über einen Hashtag, der noch gefunden werden muss (und den ich hier nachreiche, sobald wir ihn haben). Zusammengetragen über einen zentralen, kommunikationsfördernden Kanal. Und mit der Möglichkeit, die Einreichungen als Artefakte zur Gestaltung des Buches zu verwenden. (Beim letzten Buchprojekte über die Geschichte der CLC hatten wir ja Fotos aus 15 Jahre CLC im Archiv, die wir nutzen konnten. Diesmal ist das anders, deshalb sind wir auf Fotos, Zeichnungen oder Statements aus der Community angewiesen …) Ich bin dank unseres heutigen Termins sehr aufgeregt und lernlustig, was da alles kommen wird. (Kommt überhaupt etwas? Joachim hatte herausgefunden, dass es etwas ähnliches bereits beim ersten CLC-Buchprojekt im Jahr 2017 gab und damals auf große Resonanz stieß. Aber 2017 sah das Internet noch anders aus. Funktioniert so etwas heute noch, verteilt über die diversen Publikationskanäle hinweg, zusammengeführt z. B. in einer Signal-Gruppe … oder auch anders, wir werden sehen?)

    Zumindest von uns wird schon in den nächsten Tagen was kommen. Ich mach mal einen kleinen, spontanen Aufschlag … weil eben ein Bücherstapel neben meinem Schreibtisch umgekippt ist, den ich gleich fotografiert habe:

    Ich habe lange Zeit versucht, mir ein systematisches digitales Wissensmanagement anzulegen, in dem ich Notizen zu Büchern mache, die ich lese, in denen ich blättere oder zu denen ich bestimmte, noch unverifizierte Erwartungen habe. Einen Zettelkasten beispielsweise. Ich hatte andere Interessierte gefunden und mich zu Meetups verabredet. Ich hatte eine richtige Zettelkasten-Nerd-Community erschlossen. Und ich hatte lange gebraucht, um festzustellen, dass das für mich nicht funktioniert. Ich bin kein systematischer Notizenmacher, ich kann keinen Zettelkasten pflegen. Ich springe hin und her und möchte viel lieber weiterlesen oder ein anderes Buch lesen als mir zu viele Gedanken zur Struktur meiner Notizen zu machen. Stattdessen externalisiert sich meine Art, Bücher anzulesen und wieder wegzulegen, meine Lektüre zu planen oder zu wünschen, in kleinen physischen Türmchen (in denen auch viele kleine Zettel stecken, das sieht man auf dem Foto nicht.) Meine Bücherregale haben an allen Ecken und Enden kleine Bereiche, in denen sich gerade irgendwie aktuelle Bücher ansammeln … und irgendwann woanders hinwandern, weil sie eine andere aktuelle Relevanz erhalten haben. Neben mir auf dem Boden stapeln sich Bücher, die ich in den letzten Tagen in der Hand hielt, weil ich sie für irgendetwas brauchte, brauchen wollte oder weil sie einfach noch keinen Platz im Regal gefunden haben. Manchmal setze ich mich in meinen Sessel und mache Bestandsaufnahme, was mich da in letzter Zeit beschäftigte. Und oft entdecke ich dabei Bücher, mit denen ich mich vor langer Zeit gerne beschäftigt hätte, dann aber doch nicht die Zeit gefunden habe.

    Ist das „Persönliches Wissensmanagement“? Ich vermute schon … aber mehr Gedanken zu chaotischen, wachsenden und emergenten Weisen des Wissensmanagements mache ich mir vielleicht in meinem Buchbeitrag? Oder auch nicht? Mal sehen, was mich reizt, wenn der Call for Papers draußen ist. Und welchen Einfluss das wohl auf schwankende Bücherstapel hat … ?

    #CLCamp26 #Zettelkasten
  10. #CLCamp26 Erlebnisse und Erkenntnisse

    Auf der Heimfahrt vom diesjährigen #CLCamp26 war ich so überwältigt vom Barcamp-Erlebnis vor Ort, dass ich, anstatt die sich schon verflüchtigenden Erinnerungen an meine eigenen Sessions zu notieren, ein schnelles Stimmungsbild tippte.

    Am Wochenende danach fühlte ich mich erschöpft. Zwei übervolle Tage zollen ihren Tribut. Mittlerweile hat mich der Arbeitalltag wieder, aber der Vibe meines Heimfahrt-Beitrags ist nicht verflogen. Gerade in der täglichen Arbeit bin ich umso dankbarer, dass es die Corporate Learning Community gibt … über die ich immer wieder behaupte, dass sie mir seit 2017 neue Perspektiven auf und deshalb Freude an meiner Profession gegeben hat. Es ist unbedingt notwendig, zumindest einmal im Jahr die täglichen Berufs-Konstellationen und das eigene berufliche Wirkfeld gemeinsam mit Mitwirkenden nicht aus direkter Projekt- oder Vertriebs-Perspektive zu betrachten, sondern sich gegenseitig mit Überzeugungen, Zweifeln, Einsichten oder nur lose verpackten Kritik zu konfrontieren, die das grundlegendere Verständnis für unsere Branche und deren Spielregeln weiten. (Mehr dazu schreibe ich in meinem CLC-Buchbeitrag „Eine Verteidigung der Corporate Learning Community“).

    Auch dieses Jahr wieder hatte ich Sorge, dass der zerstörerisch wütende „KI“-Bullshit die Sessions dominiert. Die Sorge war berechtigt. In jedem Slot gab es Sessions, in denen Grifter irgendwelche „KI“-Zaubertricks exerzierten. Dennoch schien es mir, dass der Begriff „KI“ in der individuellen Vorstellungsrunde deutlich weniger dominierte als noch letztes Jahr, und dass ich im direkten Gespräch Verbündete fand, die mit ähnlichem Entsetzen wie ich auf die Zerstörung blicken, die die gesellschaftlich-politischen „KI“-Narrative der Tech-Nationalist:innen, der LinkedIn-Bros aber auch der diese Narrative übernehmenden Anwender:innen weiterhin anrichten. „Ich hab mal die KI gefragt“ … diesen intellektuellen Offenbarungseid habe ich glücklicherweise seltener gehört als noch die letzten Tage. Und in den Pausengesprächen mit Community-Mitgliedern, die entsprechende Sessions besucht hatten und daraus berichteten, offenbarte sich, dass die Argumente der „KI“-Grifter immer fadenscheiniger und ihre Tricks immer durchschaubarer werden.

    Die Barcamp-Magie des Zwischen-den-Sessions und Drumherum

    Bevor ich einige der von mir besuchten Sessions rekapituliere, blicke ich auf meine Notizen, die ich zwischen den Sessions gemacht habe.

    Die Hashtags der Vorstellungsrunde schienen mir so sehr geprägt von zwischenmenschlichen Anliegen, wie schon lange nicht mehr. Sind viele von uns der „Digitalisierung“ und des „KI“-Theaters müde? Sehnen wir uns nach Erfahrungen des situativen Spielraums und der Begegnung? (Ja, vielleicht bin ich gerade auch beeindruckt von meiner Anreiselektüre: „Situation und Konstellation“ von Hartmut Rosa.)

    Drückt sich diese gefühlte Digital-Müdigkeit auch dadurch aus, dass die Vorort-Tickets des Barcamps endlich mal wieder ausverkauft waren und nicht annähernd so viele Online-Teilgebenden und -Sessions angeboten wurden wie vor Ort? Dass es einen beliebten „roten Raum“ ohne Technik gab, in dem ich mich so verbunden fühlte wie in manchen Sessions 2017 und 2018, die konsequent auf menschlich-körperlich-aufmerksames und ganz analoges Improvisieren setzten?


    Der Ruf nach ‚echten Begegnungen‘ mag abgestanden klingen und in der täglichen Arbeit liegt es mir völlig fern, ihn unreflektiert nachzuplappern. Ich schätze es, nicht mehr für eine einstündige Powerpoint-Präsentation morgens um 5 Uhr von Berlin nach München und nachmittags wieder zurück fliegen zu müssen (was haben wir damit jahrelang angerichtet?). Ich respektiere gut organisierte Online-Meetings und sowohl aus privaten als auch aus dienstlich-ökonomischen Gründen ist es mir ein Anliegen, nicht unnötig Kraft und Geld in vermeidbare Reisetätigkeit zu versenken, die besser in die gute Konzeption und Moderation von Online-Events investiert wäre. Gute Begegnungen sind online möglich und erstrebenswert. Hybrid-Meetings sind im geschäftlichen Kontext oft ein sinnvoller Kompromiss, insbesondere dann, wenn dadurch die Beteiligung diverser Interessensvertreter:innen ermöglicht und erhöht wird. Im Barcamp-Kontext sehe ich das anders. Wenn es uns möglich ist, Barcamps in regelmäßigen Abständen durchzuführen, plädiere ich vehement für einen Wechsel zwischen Onsite-only und Online-only. Barcamp-Hybrid ist für mich weiterhin ein schlechter Kompromiss, der uns unnötig belastet und einhegt und mir auch rein ökonomisch wenig sinnvoll scheint.

    Trotz oder gerade wegen meiner Hybrid-Skepsis bin ich begeistert, wie wir es diesmal das erste Mal seit dem Twitter-Aus geschafft haben, wieder einen lebendigen, begleitenden und das Barcamp erweiternden semi-synchronen Digital-Layer zu weben – im Fediverse! Das Orga-Team und mehrere Teilgebenden haben sich sehr ins Zeug gelegt, schon im Vorfeld die Aufmerksamkeit auf Mastodon und insbesondere unsere eigene colearn.social-Instanz zu lenken. Vor Ort gab es eine Mastowall, Simon und Karlheinz haben eine Mastodon-als-Lernbooster-Session angeboten, auf Flyern und in regelmäßigen Hinweisen wurde auf das Fediverse hingewiesen und es wurde ein Beitrags-Wettbewerb ausgelobt. Während der Veranstaltung haben sehr viele Community-Mitglieder neue Accounts angelegt und die Timeline mit dem #CLCamp26 Hashtag war während des Events und ist auch jetzt im Nachgang noch lebendig. Harald hatte sogar den Community-übergreifenden #colearn Hashtag in selbst gesägten Holzbuchstaben auf die Bühne gestellt. Während letztes Jahr mehr LinkedIn als Mastodon genutzt wurde, hat sich das dieses Jahr erfreulicherweise gewandelt und auf LinkedIn blieb es dafür vergleichsweise ruhig. Ich habe Hoffnung, dass wir mit dem diesjährigen Engagement den Wechsel ins Fediverse wirklich vollzogen haben. Und vielleicht haben auch die Community-Mitglieder, die die letzten Jahre noch sehr sporadisch auf Mastodon posteten, diesmal Gefallen daran gefunden? Ich hoffe sehr, dass das Engagement auch zwischen den Barcamps aufrechterhalten wird.

    Gute Veranstaltungen reichen über den eigentlichen Event-Zeitraum hinaus. Sie werden bereichert und bereichern die Vor- und Nachbereitung und alles, was sie ungeplant und unorganisiert anstoßen. Die Aufregung darüber im Netz, das kanalisierte Interesse der Teilgebenden schon lange im Vorfeld, die Inspiration, die sie den Teilgebenden für die Tage und Wochen danach mitgeben, das Sprechen darüber, die durch sie ausgelösten Begegnungen, all das, worüber ich hier schreibe (und dass ich überhaupt schreibe!). Der im letzten Abschnitt erwähnte digitale Layer trägt maßgeblich dazu bei.

    Als ich nach Gabrieles und meiner Session zu „Lernressourcen“ (mehr dazu weiter unten) meine Mastodon-Timeline aufrief, stellte ich erfreut fest, dass die Session, während sie lief, durch mehrere Teilgebende aufmerksam dokumentiert und kommentiert worden war. Wenn Teilgebende während Deiner Session auf ihre Handys starren, ist das in der Corporate Learning Community ein gutes Zeichen! Eine Reihe an Beiträgen stach heraus: Markus Metz, der online zugeschaltet war und sich während der Session im Hintergrund hielt, hatte den Austausch aufmerksam verfolgt und ihn in der ihm eigenen kurzen, prägnanten und reflektierten Art in mehreren Beiträgen zusammengefasst und weitergesponnen.

    Ebenfalls über Mastodon organisiert fanden sich Frauke, Christian Kaiser, Felix Harling und ich zu einem Austausch über Art of Hosting zusammen. Ich hatte Fraukes „Art of Hosting“-Erwähnung in der Vorstellungsrunde mitbekommen und dann auf ihrem Mastodon-Profil wiederentdeckt … und ein paar Nachrichten später hatte sich unsere kleine spontane Austauschgruppe gefunden. So funktioniert Peermatching im Fediverse! Und schon zu Beginn des Camps kam Felix auf mich zu: Er hatte mitbekommen, dass ich mich im Sommer für das Art of Hosting Training in Bad Boll angemeldet hatte … so wie er auch. Dort werden wir uns also wiedersehen. Ich freue mich schon jetzt darauf!

    Kein Matching benötigte der Austausch mit Johanna Brühl. Ihre damals auf dem CLC19-Barcamp in Koblenz eingebrachte „Wandelgang“-Session hatte ich noch in guter Erinnerung … obwohl ich sie damals wegen einer parallel stattfindenden Session gar nicht besuchen konnte. Schon damals hatten wir uns zum Lernen beim Spazierengehen ausgetauscht, einer Leidenschaft, die ich mit ihr und anderen Mitgliedern der CLC teile. Sechs Jahre und eine spaziergangreiche Pandemie später konnten wir nahtlos daran anschließen. Besonders resonierte Johannas derzeitige Auseinandersetzung mit der „Lernenden Stadt“ in mir. Über (auch physische) Lernräume und -orte spreche ich z. B. regelmäßig mit Peter Überfeldt. Johannas Begriff „Lernende Stadt“ deute ich für mich einfach mal als antikapitalistische, psychogeographische Ausdehnung der „Lerndenden Organisation“ auf unsere Habitate in der Klimakrise … und weil ich den Begriff von Johanna im Zusammenhang mit Persönlichem Wissensmanagement hörte, packe ich mir gleich einen ganzen Rucksack weiterer Assoziationen hinein, über die ich nachdenken möchte: Kollektives Gedächtnis und kollektive Intelligenz, Stadt als Geschichtsschreibung und Museum, architektonische Wissensanker etc … . Ganz unabhängig von diesen Ideen, die der Austausch mit Johanna in mir angestoßen hat, haben wir uns zur Gründung eines Sketchnoting-lernOS-Lernzirkels verabredet. (Und mittlerweile habe ich einige dieser Gedanken auch in meinen regelmäßigen Austausch mit Peter übernommen … verbreite die Ideen aus dem #CLCamp26 also weiter …).

    Am Wochenende nach dem Barcamp überraschte und erfreute Heidi Milke-Erlwein auf LinkedIn mit einer Sketchnote, in der sie die von ihr besuchten Sessions (unter anderem meine Sessions zu Lernressourcen und Informelle Lernräume) prägnant zusammengefasst und ebenfalls weiter verarbeitet hatte. Diese Sketchnote ist ein Fundgrube, die ich ebenfalls noch weiter erschließen möchte, sobald ich die Zeit dazu finde.

    Und am folgenden Montag schrieb Stephanie Reiner ebenfalls auf LinkedIn eine Verarbeitung ihrer Inspirationen aus unserer Lernressourcen-Session mit umfassenden Hinweisen zum Weiterforschen. Bisher waren Gabriele und ich ja ganz hemdärmelig unterwegs gewesen, während Stephanie zum Thema promoviert. Schon direkt nach der Session hatte sie wertvolle Quellenhinweise auf unserem Etherpad platziert, die sie nun im LinkedIn-Beitrag sortiert, aufbereitet und kommentiert hat.

    Auf diesem #CLCamp26 ist meine Art, Notizen zu machen, völlig aus dem Ruder gelaufen. Ich manchen Sessions habe ich meine Notizen direkt auf Mastodon gepostet, in anderen in meine Notizen-App getippt, wieder andere als Sprachnotiz eingesprochen. Es ist ein Chaos, das es entdeckend zu ordnen gilt. Nein, keine „KI“ wird mir das abnehmen und ich freue mich darauf, auch wenn es vielleicht noch Wochen dauern wird.

    Da meine Kolleg:innen Katharina Vögl-Duschek und Johannes Wendt mir mir an diesen Freitag in einem internen „Fridays for Learning“ unsere #CLCamp26-Eindrücke mit anderen Kolleg:innen teilen werden, dient mir dieser Blogbeitrag als Start, die von mir besuchten Sessions zumindest flüchtig zu rekapitulieren und festzuhalten. Wir gehen rein.

    Die 16 Stellhebel erfolgreicher Learning Circles (Nele Graf und Carla Rockenstein)

    Der Raum war überfüllt. Lernzirkel – ein alter Hut? Nicht für die Teilgebenden! Die Vorerfahrungen waren unterschiedlich. Einige Teilgebende waren mit Lernzirkeln noch überhaupt nicht vertraut, andere sind WOL-Pioniere der ersten Stunde oder bilden selbst Lernzirkel-Coaches aus. Nele und Carla gaben eine kurze Einführung in das Format und legten dabei passend zum CLC-Kontext besonderen Wert auf die Planung und Durchführung interner Lernzirkel in Unternehmen. Ihre Aussage, dass Lernzirkel viele Probleme anderer Formate lösen, kann ich besonders gut nachvollziehen … insbesondere dann, wenn sie integrativ in umfassende Lernkonzepte eingebunden sind und darüber z. B. eine zeitliche Struktur in den Lernprozess bringen und Austausch- und Reflexionsräume schaffen. Nele kritisierte, dass viele Lernansätze immer noch viel zu sehr alleinstehend konzipiert und angeboten werden. Gerade in der Verschränkung klassischer Angebote mit Zirkeln liegt die Musik!

    Christian Kaiser betonte, dass Boxenstopps, in der die einzelnen Lernzirkel zusammenkommen und sich synchronisieren, bei der Organisation des selbstorganisierten Lernens helfen können … gerade dann, wenn das anwendende Unternehmen damit noch nicht vertraut ist. Aber zum Selbstläufer würden Lernzirkel dadurch leider noch nicht – dazu braucht es aktive Unterstützung.

    Auf die Frage einer Teilgebenden, wer Lernzirkel leite, weist Nele hin: Facilitator sollten sich möglichst schnell überflüssig machen. Es gibt viele Möglichkeiten, Guidance zu geben … zu Beginn vielleicht noch über unterstützende Personen, später dann nur noch über den Lernzirkel-Leitfaden. Die Freiheitsgrade können immer weiter gesteigert werden.

    Nele bestätigte viele Aspekte, die Claudia Schütze und ich in unserer LERNLUST-Podcastfolge #51 // Willst Du mit mir zirkeln? bereits besprochen hatten – z. B. dass ein überschaubarer Gesamtzeitraum von z. B. sechs Treffen in vielen Unternehmen passender ist als die vollen 12 Wochen, die meist für Verstetigung von Verhalten empfohlen wird. Bedenkenswert ist in diesem Zusammenhang auch Neles Hinweis, dass je nach Thema und Gruppe die Taktung der Zirkeltreffen unterschiedlich sein sollte: Für manche Themen und Gruppen sollte die Regelmäßigkeit der wöchentlichen Treffen beachtet werden, andere Themen und Gruppen benötigen ggf. längere Abstände zwischen den Treffen, um dazwischen praktische Erfahrungen zu sammeln.

    Es gibt Lernzirkel, deren Mitglieder sich auch nach Ende des Zirkels als Freunde jahrelang regelmäßig weiter treffen und nie wieder mit Lernzirkeln aufhören. Ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Dennoch sei es für Lernzirkel gerade innerhalb von Unternehmen schwer, sich zu verstetigen, weil das Format leider immer noch dem verbreiteten Bild von „Arbeit“ entgegenstehe, berichtet Christian.

    Bei Lernzirkel-Initiativen, die einen unternehmensübergreifenden Austausch anstreben (für mich einer der wertvollsten Aspekte des Zirkelns!), springt die Bedenkenträgerei leider noch viel schneller an. Die Vorstellung, dass sich Mitarbeitende aus ggf. formal im Wettbewerb zueinander stehenden Unternehmen vertrauensvoll treffen, scheint für viele Führungspersonen Geheimnisverrat gleichzukommen Auch fehle es an offenen Möglichkeiten, Mitzirkelnde zu finden, wird beklagt. Leonid Letzner hat den Peerfinder ja leider eingestellt. Wie könnten wir das Fediverse dafür nutzen, Lernzirkelwillige zusammenzubringen?

    Volkmar Langer berichtete, dass sein Unternehmen bei einer großen Behörde Lernzirkel-Coaches ausbildet und Lernzirkel-Initiativen begleitet.

    Es war ermutigend, in der Session so viele Stimmen und Praxisbeispiele aus Unternehmen zu hören, die Lernzirkel im Einsatz haben oder Interesse daran zeigen. In den vergangenen Jahren hatte ich hin und wieder die Befürchtung, dass das Format an Attraktivität verlöre. Zumindest in der Session war davon nichts zu spüren. Ich freue mich, dass auch meine Kolleg:innen und ich weiterhin entsprechende Initiativen bei Kunden und intern haben … und für demnächst planen wir auch, uns in einem „Fridays for Learning“ tief in Neles Buch „Die Kraft der Learning Circle“ zu vergraben … denn das ist ein wirklich umfassendes Manual!

    Das CLC Buch: Was geht noch? (Jochen Robes)

    Auf diese Session freute ich mich besonders, denn hier wollten wir ein Thema zum Abschluss und gleich in eine zweite Runde bringen, das mein vergangenes Jahr prägte: Unser 15-Jahre-CLC-Buch „Gemeinsam lernen, gemeinsam wachsen“. Vor einem Jahr auf dem #clc25 kamen wir zusammen, beschlossen das gemeinsame Schreiben eines Buches, arbeiten über das Jahr daran … und waren pünktlich zum nächsten Barcamp damit fertig.

    Schon auf der Anreise zum #CLCamp26 verfolgte ich auf Mastodon, wie die Teilgebenden das Buch als Anreiselektüre im Gepäck hatten und darin lasen:

    Zum Aufbau der Initiative an sich wie auch zu Arten, das Ergebnis multimedial weiter zu erschließen, habe ich so viele Ideen, dass ich ihnen einen eigenen Beitrag widmen möchte. Jochen Robes und ich haben dazu vor kurzem auch einen Beitrag für die Zeitschrift „Das kuratierte Dossier“ (Schwerpunktthema „Knowledge and Co-Creation“) der Gesellschaft für Wissensmanagement eingereicht, der Anfang Mai erscheinen wird.

    Christian Kaiser meinte, ein bekannter Vorwurf gegenüber Barcamps sei, dass diese sich oft in Gequatsche ohne Ergebnis erschöpfen würden. Das Buch sei Beweis für das Gegenteil. Jochen meinte, Barcamp-Sessions sollten schon versuchen, mit einem Ergebnis zu schließen … warum das dann im Anschluss nicht aufgreifen und weiter daran arbeiten? Ich schließe mich Christian und Jochen an: Für mich ist so ein Buchprojekt ein Prototyp dafür, wie sich Wissensarbeit als Gruppenprozess zwischen zwei Fix-Terminen selbstorganisieren kann: Wenn wir uns in einer Barcamp-Session (oder einem anderen Veranstaltungsformat) sortieren und wissen, dass wir uns in einem Jahr wiedertreffen, lohnt es sich, die Zeit dazwischen zu planen. Wenn jeder auch nur einen Beitrag als ‚Zwischenbericht‘ und eigener Weiterverarbeitung schreibt, auf Video aufnimmt oder anderweitig veröffentlicht, lässt sich daraus ein gemeinsames, die Gruppe stärkendes, neue Beziehungen, Debatten oder Verbindungen schaffendes Ergebnis wie unser Buch erstellen. Damit wird aus unserem Buchprojekt eigentlich ein neues Großgruppenformat … eine Art Mischung aus Open Space, Barcamp und Community of Practice vielleicht? (Christian brachte auch noch das „Harvesting“ aus Art of Hosting ein … die gemeinsame Ernte aus dem Gruppenprozess. Darüber werde ich im Sommer in meinem Training mehr erfahren …)
    Wie könnten wir diesen Charakter der gemeinsamen, aber asynchronen Arbeit zwischen zwei Synchronevents auf andere Lernansätze übertragen? Das interessiert mich sehr, darüber möchte ich weiter nachdenken!

    Was machen wir jetzt mit dem Buch-Ergebnis? Ideen haben wir genug. Tanja Laub schlug eine Art Community-Stammtisch vor, in dessen Rahmen die Autor:innen ihre Beiträge vorstellen. Stef Halimi betonte, dass wir die ursprünglich im Rahmen unseres Online-Booklaunch geplanten Kurzpräsentationen unserer Beiträge noch durchführen sollten (eigentlich wollte ich dazu ein kurzes Video aufnehmen … vielleicht mache ich das noch?). Ich würde gerne vertiefende Podcast-Episoden mit den Autor:innen aufnehmen, um ihnen ausreichend Raum zu geben, die Geschichten hinter ihren Beiträgen hörbar zu machen.

    Im zweiten Teil der Session stellte Jochen seine Idee für das nächste Projekt vor: Ein Buch über persönliches Wissensmanagement. Dazu hat er mittlerweile auch einen Aufruf auf das Blog der Corporate Learning Community gesetzt. Natürlich werde ich wieder mitmachen und kann es kaum erwarten, mit der Arbeit loszulegen! Meine Ideen und Ansprüche sind wieder übervoll. Gerne würde ich diesmal auch mehr Energie in die Gestaltung stecken, als mir dies beim letzten Mal möglich war (ich bin immer noch beeindruckt von Buchkunstwerken, die ich auf der Leipziger Buchmesse in den Händen hielt …).
    Jochen schlug vor, den Schreibprozess eventuell über konkrete Leitfragen zu strukturieren. Ich könnte mir auch eine Art Blogparade vorstellen (eine Idee, die ich schon das letzte Mal eingebracht hatte). Jochen verwies außerdem darauf, dass sich das Thema ideal eigne, um mehrere Communities zusammenzubringen – z. B. die gfwm und die loscon, die sich ja ebenfalls intensiv mit Wissensmanagement auseinandersetzen.

    Herwig Kummer brachte die berechtige Frage ein, wieso sich eine Community, die ja gerade vom Austausch und dem Wissen-Teilen lebt, ein Buch über persönliches und damit zunächst individuelles Wissensmanagement schreiben sollte. Jochen antwortete, dass gerade in Communities wie der unseren das individuelle, selbstorganisierte Lernen und Wissensmanagement eng verbunden sei mit dem Community-Lernen und -Wissensmanagement. Ich teile diese Idee … und denke zurück an meine zeitweilige tiefere Beschäftigung mit PKM-Ansätzen wie Zettelkasten etc., bei der mich gerade der Aspekt reizte, wie wir unser eigenes Wissensmanagement nicht nur nach außen transparent einsehbar machen, sondern wirklich öffnen und zu einem gemeinsamen Wissensmanagement machen können. Simon Dückert erwähnte die Verbindungen zum Personal Learning Environment (PLE) und Personal Learning Networks (PLN). Mir fällt die LERNLUST-Folge #40 ein, die ich mit Christian Huber und Claudia Schütze zu dem Thema aufgenommen hatte. Und mit Johanna Brühl sprach ich über ihre Themen „Lernende Stadt“ und Communities of Practice, und welche Beziehungen beides zum Persönlichen Wissensmanagement habe. Ich bin mir sicher, dass Rahmenthema unseres nächsten Buches ist wieder so konkret und offen zugleich, dass es einen produktiven Rahmen für unsere Autor:innen in 2026 schafft. So viele Ideen, wann legen wir los? Erste Session für das #CLCamp27 steht bereits … 😉

    Lern-Ressourcen: Was verstehen wir darunter und wie erschließen wir sie? (Gabriele Schobeß, Johannes Starke)

    Unsere eigene Session, radikal hybrid, wie Harald Schirmer bereits beim Pitch feststellte: Gabriele im Online-Raum, ich vor Ort. Eigentlich begann unsere Session schon im Vorfeld in unserem kooperativen Schreibprozess, der in unserem gemeinsamen Artikel mündete.

    In der Session tauschten wir uns aus: Was sind Lern-Ressourcen? Welche gibt es? Wie können sie auf- und ausgebaut werden? Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?

    Online dokumentierte und reflektierte Markus Metz sehr aufmerksam und präzise in kurzen Mastodon-Beiträgen mit. Im Raum entwickelten die Teilgebenden konstruktiv aufeinander aufbauende Sichtweisen auf das Thema und brachten viele Beiträge ein, die ich leider nicht mehr alle aus dem Gedächtnis rekonstruieren kann, die aber die enorme Vielfältigkeit und das Potenzial des Themas greifbar machten.

    Wir sprachen über Infrastrukturen, die aufgebaut werden und die Lernressourcen erschließen lassen und selbst Ressource sind … die aber auch davon bedroht sind, zu veröden, wenn sie nicht mehr aktiv gepflegt werden … im Unterschied zu einer Art Perpetuum Mobile des Lernens, das sich selbst Lernressourcen nutzend und dabei neue generierend antreibt und verstetigt.

    Wie pflanzen wir Samen, die weiter und weiter wachsen, auch wenn wir selbst nicht mehr aktiv das Wachstum unterstützen? Ist das möglich .. und erstrebenswert? (Erinnerung an Neles Lernzirkel-Session, in der bemerkt wurde, dass Lernzirkel nicht von alleine viral gehen …).

    Wir sprachen über Knappheit und über Verschwendung von Lernressourcen. Gerade die Verschwendung kann in Zeiten eines Überangebots an manchen Lernressourcen auch bewusst oder sogar lustvoll sein. Teilgebende berichteten aber auch davon, dass äußere Rahmenbedingungen (z. B. befristete Stellen) auch dazu führen, dass Lernressourcen nicht sinnvoll eingesetzt werden können.

    Wir sprachen über gegenseitige Unterstützung, die Ressourcenvermehrung durch menschliche Beziehungen und den Möglichkeiten, auf diesen Beziehungen aufzubauen. In gewisser Spannung dazu stehen mögliche Expert:innen-Zuschreibungen, die Gabriele und ich anfangs spürten, die wir aber schnell auflösen und in das gemeinsame und miteinander stattfindende Erkunden des Themas überführen konnten.

    Über Rückmeldungen z. B. auf Social Media (und sei es nur ein Sternchen …) als Ressourcen hatten Gabriele und ich bisher noch gar nicht nachgedacht. Thematisiert wurden auch die Bedingungen, unter denen bestimmte Ressourcen entstehen/aufgebaut werden: Welche Ressourcen stehen hinter den Ressourcen? Aufgeworfen wurde die Frage von Relevanz … ob Ressourcen dauerhaft bestehen bleiben sollten oder ob es auch gut sein kann, wenn Ressourcen vergehen.

    Sehr viele weitere Ideen brachte Stephanie Reiner ein, die in ihrer Promotion eine Ressourcentaxononie entwickelt hat. Ich zitiere aus dem Text, den sie auf unser Session-Etherpad gestellt hat:

    „Ich habe in meinem Promotionsprojekt eine Ressourcentaxonomie für den digitalen Arbeitskontext entwickelt, basierend auf der Literatur der Job Demands-Resources Modell/Theorie. Eine Ressourcentaxonomie ist ein Klassifizierungssystem (eine Art Ressourcenmodell), das dazu betragen soll, die Variation der Ressourcenausstattung übersichtlich darzustellen. Eine Ressourcentaxonomie findet insbesondere Anwendung (oder ist hilfreich) zum Erkennen und Aktivieren von Ressourcen (z.B. im Psychotherapeutischen Kontext, in der sozialpädagogischen Praxis oder im Coachingbereich). 
    Die entwickelte Ressourcentaxonomie umfasst folgende Ressourcendimensionen:

    • Personenbezogene Ressourcen (z.B. psychologisches Kapitel wie Hoffnung, Resilienz, Selbstwirksamkeit und Optimismus, aber auch Humankapitalressourcen, wie Fähigkeiten und Berufserfahrung)
    • Arbeitsplatzbezogenen Ressourcen (z.B. lernförderliche Arbeitsgestaltung, wie Autonomie, Anforderungsvielfalt (Job Characteristic Model), aber auch Stärkeneinsatz und Ergonomie)
    • Soziale Ressourcen (z.B. Ressourcenquellen, wie Führungskraft, Kolleg/innen, Freunde; Form der soziale Unterstützung, wie instrumenteller Unterstützung, informationaler Unterstützung, emotionaler Unterstützung)
    • Organisatorische Ressourcen (z.B. Lernkultur, HR-Services, IT-Services, betriebliche Sozialberatung)
    • Technische Ressourcen (z. B. Verfügbarkeit von digitalen Technologien und anderen arbeitsplatzbezogenen Werkzeuge, Datenschutz, Nützlichkeit der digitalen Technologien)“

    Im Nachgang zur Session hat Stephanie ihre äußerst hilfreichen Hinweise in einem LinkedIn-Beitrag mit ausführlichen Hinweisen zu wissenschaftlichen Perspektiven ergänzt. Was für ein Geschenk! Tausend Dank auch an dieser Stelle, liebe Stephanie! Ich freue mich sehr, auch zukünftig weiter mit Dir und Gabriele an dem Thema zu arbeiten und werde mich bei Dir melden!

    Ganz besonders interessiert mich der von Stephanie mit zwei Quellen-Hinweisen versehen Ressourcen-Kreislauf (oben bereits angesprochen), denn im klassischen Corporate Learning denken wir oft in Einbahnstraßen: Konsumieren gegebener externer Lernressourcen in Form von Lernmaterialien, die zum internen Aufbau von Wissen führen. Dabei können wir doch weiter handeln (z. B. während und auch nach dem Besuch externer Veranstaltungen das Reflektierte und Gelernte in einem eigenen Beitrag weitergeben, ganz nach dem Vorbild von Stephanie oder nach Seek>Sense>Share von Harold Jarche.)

    Im letzten Absatz ihres LinkedIn-Beitrags schreibt Stephanie: „Lernressourcen verändern sich über Lebensphasen hinweg (z.B. verfügbarer Zeit). Soweit mir bekannt ist, fehlt hierzu bislang ein systematischer Überblick in der Literatur. Daher möchte ich die im Rahmen meines Promotionsprojekts entwickelte Ressourcentaxonomie nach Abschluss um lebensphasenbezogene Perspektiven erweitern.“ Hier denke ich an viele Hinweise, die ich mir vor Jahren beim Lesen von Teresa Bückers prägendem Buch „Alle Zeit“ notiert hatte, zuvorderst an die darin mehrfach erwähnte 4-in-1-Perspektive von Frigga Haug, aber auch weniger auf gesellschaftlicher Ebene, sonder deutlich konkreter am Arbeitsalltag in Unternehmen die Löffel-Theorie und damit verbunden das oft viel zu eng auf WCAG-Kriterien und gesetzliche Anforderungen reduzierte Thema Barrierefreiheit. Damit möchte ich auch weiterarbeiten …

    Vor kurzem habe ich mich mit Gabriele abgestimmt. Gabriele hat bereits ein Workshopkonzept entwickelt, über das sich Teilnehmende ihrer individuellen Ressourcen bewusst(er) werden und diese sichtbar machen können. Ich habe vor, das Thema aus organisational-struktureller Perspektive weiterzudenken und in einer Art Landkarte darzustellen, die die Analyse unterstützt (vielleicht berührt das dann auch Stephanies Taxonomie und ich stimme mich dazu mit ihr ab?) Und wenn wir dann beide an einem bestimmten Punkt sind, wollen wir unsere beiden Perspektiven wieder zusammenführen und … wer weiß … vielleicht in einer Nachfolgesession oder einem nächsten kooperativen Schreibprozess miteinander sprechen lassen?

    Twin-Transformation als Default für zukunftsfähige  und resiliente Bildungskonzepte (Henning Klaffke)

    In dieser Session gab Henning einen Einblick in das Forschungsprojekt „Nachhaltige Bildung in der IT-Aus- und Weiterbildung (NABIT)“ zum Aufbau von Nachhaltigkeitskompetenz in der Lehre. Er berichtete von den drei Forschungszielen:

    1. Beratungskonzept für KMA: Praxisnahe Hilfe zur Selbsthilfe der Twin Transformation
    2. Kompetenzprofile entwickeln: Was muss IT-Fachkraft können, um nachhaltig zu handeln?
    3. Modulare OER-Bausteine erstellen: Freie Bildungsmaterialien für Berufsschulen und Betriebe

    Harald Schirmer legte m. E. mit seiner Frage einen Finger in die Wunde der klassischen BWL-Ausbildung: Wie lehrt die Hochschule das Thema Twin Transformation, wenn Ressourcenverschwendung so grundlegend im BWL-Lehrplan verankert ist?

    Mich lies die Session ernüchtert zurück. Die beiden grün-kapitalistischen Betrachtungsfelder „Green IT“ und „Green IS“ sind mir viel zu klein und zu isoliert betrachtet:

    Applied Improv – ein Multitool für Embodied Learning (Frederic Gülbeyaz)

    Meine schönsten Erinnerungen an vergangene Barcamps sind die, in denen wir unsere Körper zum Lernen einsetzten – denn unsere Körper sind eine Lernressource, die wir in der Wissensarbeit vielleicht besonders stark vernachlässigen? Ich schrieb darüber an vielen anderen Stellen ausführlich, z. B. hier. Durch das Hybrid-Setup ist Embodied Learning in den letzten Jahren vernachlässigt worden – aber diesmal hatten wir ja den roten Raum ohne Technik und mit der Möglichkeit, ihn ganz mit unseren Körpern zu bespielen … ohne Kamera.

    In unserer Improtheater-Session ging es um das spielerische Feiern unerwarteter Entwicklungen, Ausprobieren neuer Handlungsweisen und Sich-Auffangen-Lassen in der Gruppe … im „Improtheater, das fremd geht“ AKA „Unternehmenstheater“ oder „Applied Improv“. „Raus mit den Ideen. als Gegenprinzip zur Scham“ – dazu ludt uns Frederic in seiner Session ein, die mir in Erinnerung ein Lächeln der Zuversicht für zukünftige Dramatisierungskompetenz auf die Lippen legt.

    (Foto von Frederic Gülbeyaz)

    CLC goes Podcast (Giovanna Lo Presti, Katrin Zinke und Nicole Reese)

    Der Podcast der CLC war in den letzten Jahren nicht mehr sonderlich lebendig. Zu den Barcamps erschienen viele Episoden mit Session-Reflexionen … ansonsten passierte nicht mehr so viel, wie in früheren Zeiten. Es gäbe doch so viele Möglichkeiten, die Wissens- und Erfahrungsvielfalt der Community hier hörbar zu machen! Ein gutes Podcastgespräch hat so viele Ähnlichkeiten mit einer guten Barcamp-Session, ermöglicht es, Menschen beim Denken zuzuhören und eignet sich einfach sehr gut als Lern- und Entwicklungsinstrument in Unternehmen, wie ich in diesem Blogbeitrag ausführlich beschrieben habe.

    Deshalb möchte ich gerne zukünftig dazu beitragen, die Möglichkeiten des CLC-Podcasts experimentell zu entdecken, denn die Startchancen könnten für einen ‚offiziellen‘ Community-Podcast kaum besser sein.

    In der Session gaben Giovanna, Katrin und Nicole einen Überblick über ihre Ideen für die zukünftige Ausgestaltung des Podcasts (z. B. mit Event-Begleitung/Auswertung, Interviews, Beiträgen aus den Regionalgruppen, Lernimpulsen oder Buch-Reviews) und befragten die Teilgebenden nach ihren Erfahrungen mit Podcasts. Viel interessanter als die formalen Fragen waren jedoch die kontroversen Debatten in der Session, was ein CLC-Podcast sein soll und welche Funktionen er erfüllen könnte.

    Genannt wurden u. a.: Agendasetting und Reichweite (für unsere Themen austehen und ‚hörbar‘ werden), Lernmedium und Experimentierraum, Stimmen- und Expertise-Bibliothek, niedrigschwellige Dokumentation.

    Besonders heiß debattiert wurde das Thema „Zielgruppe“. Hier gibt es stark auseinanderlaufende Sichtweisen, was ein Community-Format sein und liefern soll. Diese Diskussion hatten wir bereits beim CLC-Buchprojekt. Manche Teilgebenden plädieren für eine konsequentere Definition unserer Zielgruppen und bewusstere Ausrichtung an deren Bedarfen. Ich bin da ganz anderer Ansicht und stimme mit Karlheinz Pape überein, der die Grundidee der CLC betont: Teilen, nicht Senden! Wir sollten uns deshalb ganz bewusst nicht um Zielgruppen kümmern, sondern das, was uns in der Community beschäftigt und was wir erarbeiten, zur Verfügung stellen. Falls es außerhalb der Community Hörer:innen (oder Leser:innen) gibt, die das interessant finden, werden sie zu uns kommen. Wenn nicht, ist das auch ok.

    Diese Haltung bestimmt auch die weitere „Formatierung“: Sobald wir unsere Medien als Medien des Teilens und nicht des Sendens begreifen, betrifft die Frage der „Taktung“ nicht mehr das ‚bedienen‘ einer Zielgruppe, sondern wird zu einer Hilfestellung für uns selbst … z. B. um uns regelmäßig daran zu erinnern, selbst an unseren Themen weiter zu arbeiten. Mir ist es völlig egal, welche Taktung Hörer:innen von uns erwarten: Wenn -wie im Nachgang zu einem Barcamp- in schneller Folge ein ganzer Haufen an Kurzepisoden erscheint und dann mehrere Wochen nichts, ist das völlig in Ordnung. Ich schätze viele Podcasts als eine Art „Bibliothek der Stimmen“, aus der ich mich gerade interessierende Themen oder Perspektiven auswähle und mich hineinhören kann, ganz unabhängig davon, wann die Episode ursprünglich erschienen ist. Auch ergänzend zu unserem Buch könnte ich mir vorstellen, dass wir parallel zu fast allen Beiträgen begleitende und vertiefende, Hintergrund schaffende Gespräche mit den Autor:innen aufnehmen und diese auf einen Schlag oder innerhalb kurzer Zeit veröffentlichen … Hauptsache ist, sind stehen online und können bei Bedarf parallel zur Lektüre aufgerufen werden.

    Karlheinz, ich und weitere Teilgebende haben sich auch dafür eingesetzt, ohne zu große Überformatierung zu podcasten. „Einfach machen“, diese oft missbrauchte Forderung, ist im Podcast sehr zuträglich. Ein Handy reicht im Zweifel aus, geschnitten werden muss kaum. Es braucht m. E. keinen Jingle und keinen kreativen Titel, keinen Redaktionsplan, kein Zielgruppenbewusstsein, keine Längenvorgaben, keine allzu lange Vorbereitung. Eine kurze Vorabstimmung oder auch ein spontanes Gespräch sind genau richtig. Unsere Hörer:innen können ja selbst wählen, in welche Stimmen sie sich hineinhören möchten und was sie skippen. Jedes Ähm, jede Pause transportiert wertvolle Informationen, die erhalten bleiben sollten und die ein Transkript nicht enthält. Podcasts sind ein Medium, um Sprechdenken zu fördern und in Lernartefakte zu bringen. Lasst uns unseren Podcast als echtes Lernmedium nutzen, „Unfertiges“ teilen, mit seinen Möglichkeiten spielen!

    In der Session wandert die Debatte leider immer wieder zu der Frage zurück, wie Zuhörer:innen gewonnen werden könnten. Diese Frage langweilt mich. Und selbst wenn wir den Podcast ausschließlich für uns machen sollten und keine Zuhörerschaft außer uns selbst haben: Das ist völlig in Ordnung! Diese Haltung versuche ich, mir auch für meinen Blog hier zu bewahren: Schön, wenn Du das gerade liest. Danke für Deinen Rückmeldung. Aber eigentlich ist es mir egal. Ich habe sämtliche Logs ganz bewusst abgeschaltet und nicht die geringste Ahnung, ob sich irgendjemand auf diesen Blog verirrt. Ich schreibe das hier, um meine eigenen Gedanken in eine für mich passende Ordnung zu bringen und einen Anlass zu haben, die vielen Ideen, Begegnungen und Notizen aus dem #CLCamp26 für mich zu rekapitulieren. Allein das Wissen, dass es jemand lesen KÖNNTE, gibt mir die nötige Disziplin, es zu tun. Allein das Wissen, dass mir jemand zuhören KÖNNTE, gibt mir die Disziplin, ganze Sätze zu formulieren (ich habe gemerkt, wie ungleich schwerer es mir fällt, meine Notizen zu einer Session im Nachgang als Sprachnachricht einzusprechen, als einfach kurz mit Gabriele zu telefonieren und sie gemeinsam Revue passieren zu lassen. Leider haben Gabriele und ich unser Telefonat nach unserer Session nicht aufgezeichnet … das wäre für meine Rekapitulation viel hilfreicher gewesen als meine eigenen Sprachnotizen.)

    Die Vorteile des Sprechdenkens im Dialog mit einer Gesprächsperson betonte auch Sabine Stock und brachte ein, dass in Podcast-Gesprächen produktive Reibung entstehen darf. (Das Thema Konflikt und Reibung als Lernressourcen hatten wir auch in unserer Lernressourcen-Session besprochen!)

    Bei einem geäußerten Ideenkomplex von zwei Teilgebenden hatte ich den Bedarf, ganz klar meine eigene Position auszudrücken: Es kamen die Vorschläge, „Dialoge“ mit KI-Bots zu führen bzw. aufgenommene Episoden in NotebookLM „weiterzuverarbeiten“. Falls der Podcast irgend einen dieser Wege einschlagen sollte, und sei es nur als „Experiment, wäre ich definitiv nicht mehr beteiligt. Besonders irritert hat mich der Einwurf einer Teilgebenden, das Einspeisen von Folgen in NotebookLM könne ich sowieso nicht verhindern. Ich nehme das als Ausdruck vulgärer Machtdemonstration, dieses Silicon-Valley-„We don’t care“, die über das „KI“-Narrativ immer mehr Verbreitung findet (und die z. B. Jürgen Geuter hier sehr gut beschrieben hat). Leider wurden auf dem #CLCamp26 auch die Artikel aus unserem Buchprojekt entsprechend ‚verwertet‘. Als ich im Vorfeld meinen Protest äußerte, hat Simon Dückert immerhin meinen eigenen Beitrag aus seiner Web-Version des Buches entfernt und dementsprechend aus dem Datensatz, der in seiner Session verwendet wurde. Deshalb ist mein Beitrag also nur noch im Buch selbst, in der eBook-Variante und separat hier auf meinem Blog zugänglich. Durch das „KI“-Narrativ wird die ganze Welt nur noch auf Trainingsdaten für LLMs eingeengt. Die Achtung von menschlicher Ausdrucksweise, kreativem Schaffen, kulturellem Kontext und Entstehungsprozessen wird geschleift … und auch unsere Community trägt leider dazu bei. Ja, ich „kann das nicht verhindern“ … aber ich kann immer wieder dafür eintreten, dass wir einander mit Achtung vor unserer Arbeit (und ihrer Integrität) begegnen, und selbst wenn das ein Kampf gegen Windmühlen sein und bleiben sollte.

    Nach der Session konnte ich nicht umhin, direkt ein paar Gedanken zur Session in einer Mini-Podcast-Aufnahme zu verarbeiten, zu der mich Ernst einludt. Bin gespannt, wann sie erscheint!

    (Foto von Frederic Gülbeyaz)

    Vom Käfig zum Kompass (Felix Harling)

    „Beyond Teaching ist einfach gesagt. Aber die Sinnkrise der Wissensarbeiter:innen ist real, auch unter uns, oder? Was passiert, wenn du nicht nur deine Formate, sondern dich selbst hinterfragst? Eine Session über Irritation als Wegweiser und das, was Brüche lehren, wenn man sie lässt.“ Schon diese Sessionankündigung von Felix hat stark in mir resoniert (aus vielerlei Gründen, die vielleicht auch hier in diesem Beitrag oder auch sonst in meinem Blog immer wieder anklingen?) … und umso mehr die Art, wie ich Felix schon vor seiner Session in unseren Pausengesprächen kennenlernte. Zudem fand die Session im geliebten ‚Roten Raum‘ ohne Technik statt .. also ein Pflichttermin für mich!

    In keiner anderen Session habe ich so wertvolle Gespräche über unsere Professionen, unsere beruflichen Situationen und unsere Positionierungen gegenüber Branchenentwicklungen führen können. Auch methodisch war das schnell getaktete Vorgehen inspirierend und für mich ein kleiner Ausblick auf das, was ich im baldigen Art of Hosting Training erwarte.

    Aber nicht nur für meine persönliche Entwicklung, auch für meinen professionellen Wertbeitrag bei meinem Arbeitgeber war diese Session inspirierend … und lässt mich an manches Denken, was ich in meiner Selbstberatung im Rahmen meiner Ausbildung zum Systemischen Organisationsberater über meine Arbeit herausgearbeitet habe.

    Grob zusammengefasst (und damit all das ignorierend, was in den Brüchen und Zwischenräumen auch auf dieser Session wirklich stattgefunden hat), lässt sich Felix methodisches Vorgehen folgendermaßen zusammenfassen – und ich stütze mich hier auf das abfotografierte Flipchart:

    • Aufstellung im Raum mit zwei Polen: „Ich weiß, wo ich beruflich hinwill“ <> „Ich habe mehr Fragen als Antworten“
      • Stimmen im Raum zur eigenen Positionierung hörbar machen
    • Irritations-Landkarte: „Was irritiert Dich gerade am meisten an Deiner Arbeit / L&D-Rolle?“ (in Zweiergruppen)
      • Still schreiben > A erläutert, B hört zu > B stellt offene Rückfrage > A antwortet kurz > Rollenwechsel > abschließende Reflexion
    • Der Bruch, der lehrt: „Welchen Bruch in Deiner Tätigkeit hast Du in der Vergangenheit erfahren?“ (in Dreiergruppen)
      • A berichtet > B+C stellen das Gehörte pantomimisch dar (ohne Worte) > A reagiert ebenfalls pantomimisch > Rollenwechsel > abschließende Reflexion
    • Harvesting: Wie war die Erfahrung für Dich? Was hast Du über das, was Dich irritiert, gelernt? Wie lässt sich das anwenden?
    • Abschließender Austausch: Wie lässt sich das Erfahrene für die CLC anwenden?

    Informelle Lern-Räume im Rahmen von IT-Einführungen (Johannes Starke)

    Das Thema meiner zweiten Session, die ich selbst angeboten habe, beschäftigt mich beruflich gerade besonders intensiv. Gerade im Rahmen von IT-Einführungen passiert in Unternehmen und durch deren Mitarbeitende, die sich mit neuen IT-Prozessen konfrontiert werden, sehr viel geplantes und ungeplantes (… oder passiert eben gerade sehr wenig, je nachdem aus welcher Perspektive man es betrachtet). Ich war zunächst untröstlich, dass parallel zu meiner Session Trainerinnen des ADAC ebenfalls eine Session zum IT-Trainingsvorgehen anboten, auf der ich gerne aufgebaut hätte – und umso erfreuter, dass sich eine dieser Trainerinnen dann in meiner Session befand und dort sehr aktiv teilgab. 🙂

    (Foto CC-BY von Martina Cervenkova)

    Die Idee und den Hintergrund zu meiner Session habe ich in diesem Blogbeitrag zusammengefasst, auf den ich bereits im Vorfeld erfreuliches Feedback erhielt. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit dem Session-Thema ein äußerst wichtiges (und für viele schmerzvolles) Feld angesprochen habe.

    Leider habe ich es als Sessionhost ohne zweite Person nicht geschafft, parallel Notizen zu machen, habe auch im Nachgang wenig Dokumentation zu meiner Session gefunden und mir zum Ende des Tages keine Zeit mehr genommen, meine Erinnerungen als Sprachnotiz aufzunehmen. Schade, da ist einiges verloren gegangen.

    In Erinnerung ist mir, dass wir ausführlich über Workarounds und Umgehungstaktiken gesprochen haben, die Mitarbeitende an den Tag legen, um neu-eingeführte Systeme nicht zu nutzen .. und primär über formale Mittel, dem Einhalt zu gebieten.

    Ein großes Thema war auch M365 und insbesondere die Einführung und Nutzung von Teams. Hier sprachen viele Teilgebenden ihre Erfahrungen an.

    Ein Teilgeber berichtete von erfolgreichen Floorwalker-Initiativen, die regelmäßig anstupsen/erinnern und auf Angebote aufmerksam machen, ohne diese und die Beteiligung daran zu stark zu formalisieren.

    Einigen konnten wir uns darauf, wie wichtig es ist, Balancen zwischen Formalität und Informalität herzustellen und auszuhalten … und dass diese Balancen in unterschiedlichen Bereichen immer wieder neu gefunden und hergestellt werden müssen. Es gibt keine Best Practice … und umso mehr motiviert mich diese Erkenntnis, auch zukünftig weiter intensiv an dem Thema zu arbeiten!

    Physische Lernreisen für Kleingruppen (Julia Methe)

    Diese ganz spontan zum Abschluss des Camps initiierte Session von Julia war für mich eins von vielen Highlights des Camps. Die spontanen Sessions sind oft die besten, weil sie nicht mit langen Präsentationen beeindrucken wollen, sondern eine Idee einbringen, die dann befragt, besprochen und weiterentwickelt wird.

    Julia berichtete von einem Ansatz, den sie und ihre Kolleg:innen im Rahmen der Neueinführung eines IT-Tools in einem bundeseigenen Betrieb initiiert hatten … und den sie für uns auf ein irgendwo in der Hochschule aufgetriebenes altes Metaplanpapier scribbelte.

    Der Ansatz bot einen Rahmen, um die neuen IT-Prozesse körperlich zu erfahren, erklärt zu bekommen und zu besprechen. Das lief ähnlich ab wie auf einer Schnitzeljagd: Kleingruppen von 4-5 Leuten wurden mit ausgedruckten Prozessbeschreibungen über den Betriebs-Campus geschickt. Die Prozessbeschreibung war gleichzeitig eine Wegbeschreibung. An bestimmten Stationen wurden die Gruppen von Mitarbeitenden empfangen, erhielten Instruktionen und Hilfestellung in der Beantwortung von Fragen auf dem Zettel. Die Gruppendynamik wurde u. a. durch wechselnde Verantwortung im Wegfinden und Fragenbeantworten aktiviert.

    Im Folgejahr wurde der Ansatz weiter genutzt. Statt eines IT-Prozesses wurden Unternehmensstrategie und -aufbau vermittelt. Außerdem wurde HR mit dem Ziel involviert, den Ansatz auch für das Onboarding zu übernehmen.

    Der Ansatz war eine Idee, die im Rahmen der „Campus Week“ eingebracht wurde. Jeder Bereich beteiligt sich dabei mit eigenen Beiträgen.

    Julias Vorstellung stieß auf großes Interesse. Mehrere Teilgebende offenbarten, dass sie selbst davon träumen, so etwas in ihrem eigenen Unternehmen umzusetzen. Ich bin einer davon 😉 Eine Mischung aus Schnitzeljagd, Gallery Walk, Prozess-Simulation und verkörperter Intervention … mit Vernetzung und gegenseitiger Unterstützung, die im klasisschen Training ja oft in den Hintergrund treten. Grundsätzlich ließe sich das Vorgehen auch mit Action Bound oder Self-Service-Terminals umsetzten, würde dann aber einen anderen Charakter annehmen.


    #51 #CLC25 #CLCamp26 #CLCamp26Nutzt #CLCamp27 #colearn #LearningCircle #lernOS #Lernzirkel #Lernzirkeln #Peerfinder
  11. #CLCamp26-Liebe vor Ort

    Starke Gefühle fürs #CLCamp26 der Corporate Learning Community. Für mich endlich wieder vor Ort in Hamburg. Letztes Jahr musste ich kurzfristig auf Online-Teilgabe umschwenken, und eins ist jetzt wieder so klar: Online ist nicht vergleichbar, keinen Bruchteil so gut, so intensiv, so lernreich und so bewegend wie vor Ort. Ich bin über jede einzelne physische Begegnung in den letzten beiden Tagen zutiefst dankbar.

    Schon die Anreise begleitet von Vorfreudetrööts, die mich die Zugfahrt vergessen und das anstehende Treffen antizipieren lassen.
    Die vertrauten Gesichter der #krasseherde durch die Fensterscheiben, ein Winken!
    Das Betreten der Location und sich sofort genau richtig fühlen.
    Zögerliche Umarmungen und dann Instant-Verbundenheit.
    Voreinanderstehen und Feststellen: Ich kenn’ Dich doch von Mastodon!
    Abchecken der Genoss:innen im Geiste zur Vorstellungsrunde und die Begegnung danach: ‚Du hattest etwas gesagt, das ich interessant fand und ich hab mir Dein Gesicht gemerkt – was war das doch gleich?‘.
    Daraus entstehende Mittagspausen-Verabredung (wieder über Mastodon), die dann zu einem immer wieder ImmerwiederzusammenkommenunddasGesprächnichtabbrechenlassen auf den Gängen wird.
    Abends spontan einen Sketchnoting-LernOS-Zirkel gründen (wir begrüßen noch Mitzirkelnde).
    Sich Ausbreiten auf die Hotels der Nachbarschaft, am nächsten Morgen Begegnung beim Frühstücksbuffet, die zu einer Pre-Session eskaliert und uns fast den offiziellen Start des 2. Tages verpassen lässt.
    Der Blick auf das PostIt der Nachbarin: Da steht etwas, das auch mich betrifft! – und das direkte Klären: Wir sind beide nicht allein.
    Die Notifications nach meiner Session: Er hat online so aufmerksam zugehört, reflektiert, in klaren Trööts dokumentiert und angereichert, und ich sehe es erst jetzt.
    Oder: Wir bestätigen, faven und boosten uns gegenseitig, während wir uns, fast nebeneinander in der Session sitzend, gleichzeitig zunicken. Wir sind Meister:innen der Hybridität, nein: Tribridität (Onsite synchron + online synchron + fediverse-semisynchron)!
    Unsere Rufe in den Online-Raum: Könnt ihr uns hören? Uns verbindet ein Schaumstoff-Würfel.
    Große Liebe für den ‚Roten Raum‘, in dem wir uns ganz auf Körper, Bewegung und großes wie kleines Theater konzentrieren.
    Erleichterte Freude über die besten Sessions, die ‚ganz spontan‘ und ungepitcht auf einem zerknitterten Metaplanpapier skizziert dem letzten Sessionslot entwachsen.
    Auf-die-Schulter-Klopfen nach guten Sessions und Rucksack-Greifen-und-Flüchten – Gesetz der Mobilität – aus anderen Sessions.
    Klandestine Vertrautheit, die nur im Zweiergespräch abseits der Gruppe entsteht.
    Heftige Erinnerungsvibes an meine ersten Barcamps 2017 und 2018, auf denen ich das Ganzkörperkontakt zu Improtheater, Walk-and-Talk oder Lego Serious Play lieben lernte.
    Verabschiedungen in Vorfreuden auf unterschiedliche Zukunftsarrangements: Wir sehen uns spätestens nächstes Jahr wieder, gleiche Zeit, gleicher Ort, oder schon im Sommer auf dem Art of Hosting Training in Bad Boll!
    Jetzt Heimfahrt im Zug mit Smartphone an der Hand, auf dem Mastodon damit beginnt, das dort Dokumentierte zu sichten, zu verdauen und weiter in den digitalen Äther zu verteilen.
    Mein Beitrag dazu.
    Eine Verteidigung der Corporate Learning Community.

    #krasseherde
  12. Lernressourcen

    Wir, Gabriele und Johannes, wollen auf dem #CLCamp26 eine gemeinsame Session zu „Lernressourcen“ anbieten.

    Den Start in die Vorbereitung machen wir mit diesem Blogbeitrag … der vielleicht auf die Session neugierig macht, vielleicht Einstiegs- oder Anknüpfungspunkte setzt, vielleicht zu Widersprüchen aufruft und hoffentlich – zuerst einmal durch das Schreiben für uns beide – das Feld weitet für das, was „Lernressourcen“ alles sein könnten.

    Als wir beschlossen, die Session anzubieten und dazu mit einem kooperativem, gemeinsamem, ineinandergreifenden und aufeinander Bezug nehmendem Schreibprozess zu starten, notierten wir uns die folgenden Fragen, die auch zu Beginn unserer Session stehen könnten:

    • Was bedeuten Lern-Ressourcen?
    • Wie können auf Lern-Ressourcen aufgebaut werden, wie können diese ausgebaut werden?
    • Wann weiß ich, welche Lern-Ressource ich in welchem Umfang zum Einsatz bringe?
    • Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
    • Welche Arten von Lern-Ressourcen gibt es überhaupt?

    Und vielleicht leiten sich aus unserem folgenden schriftlichen Austausch vorab für uns und für Session-Teilgebende weitere Fragen und Ideen ab?

    Aus welchen Perspektiven blicken wir jeweils auf den Begriff „Lernressourcen“?

    Diesen Beitrag schreiben wir kooperativ. Jede:r von uns ergänzt Ideen, die wir dann gemeinsam in einen Fluss bringen. Daraus entsteht im Schreibprozess ein inspirierendes Ping-Pong auf einem gemeinsam beschriebenen Collabora Online Dokument auf Gabrieles Nextcloud. Wir schreiben uns gegenseitig in die Texte, lesen immer und immer wieder und ergänzen. Ich habe das Gefühl, wir könnten endlos so weitermachen, aber irgendwann, am 2. März um 18 Uhr, setzen wir uns einen Schlusspunkt, kopieren den kooperativ geschriebenen Text als Sessionankündigung in unsere jeweiligen Blogs (und werden dabei sicher weitere Stellen finden, die wir überarbeiten … denn der Text bleibt lebendig und beschreibbar).

    So haben wir es heute besprochen: und um 18:00 Uhr ist also Schluß für heute und für den aktuellen Stand unseres Schreibgesprächs. Das wird spannend, da es für die Zukunft gesehen zwei Versionen geben wird, da sich unsere beiden Blogs ja nur von der Ferne her kennen und sich nicht synchronisieren.

    Aber sie pingen sich gegenseitig an. Die gute alte Pingback-Tradition der Webblogs. Oder kann Dein Blog das nicht, Gabriele? 😛 Ich hab noch fünf Minuten, dann ist Schluss mit Tippen und wir veröffentlichen ….

    Ich, Gabriele, gebe hier einen persönlichen Einblick zu meiner Lernerfahrung. Meine eigene Lernerfahrung basiert vor allem auf der Erkenntnis, dass die meisten Organisationen in denen ich beschäftigt war, mein zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erkannten und/oder fördern konnten oder wollten. So habe ich mich immer selbst auf den Weg gemacht, gelernt, verworfen, aufgebaut, aufgefrischt, neu gelernt … . Seit ich Menschen wie Johannes kenne und in einen regelmäßigen Austausch zu selbstgewählten Themen gehe, verstehe ich, wie Lernen mit anderen funktionieren kann und was es für mich bedeutet, in den Austausch mit anderen gehen zu dürfen. Auch dann, wenn ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin. Keine Grenzen. Manche Bedarfe entstehen erst durch das darüber sprechen. Manche Gedanken werden zu Ideen, Konzepten oder führen zu Erkenntnissen, wenn man sie das erste Mal mit anderen teilt. Das hat mich mutig gemacht die letzten Jahre und so lerne ich als Soloselbständige so vor mich hin, lass mich treiben und mäandere mich gemächlich durch die unterschiedlichsten Wissensgebiete. Meine Neugier sucht sich wie ein Fluß ihren Weg. Was ich mache? Das ändert sich ständig. Gerade mache ich mal wieder eine Ausbildung. Und überhaupt denke ich gerade: Vielleicht sollte mich mal mit dem Thema Flüße beschäftigen?

    Jedenfalls empfinde ich den Austausch mit Johannes immer als sehr gewinnbringend.

    Das beruht auf Gegenseitigkeit, Gabriele. Sonst hätten wir das hier nicht gestartet.

    Ich, Johannes, erschließe mir die Vielfalt von „Lernressourcen“ ebenfalls aus unterschiedlichen Richtungen und Zugängen … wie Du, Gabriele, und jetzt im Miteinander, der wichtigsten Lernressource – aber ich möchte nicht vorgreifen.

    Da ist meine berufliche Perspektive als Corporate Learning Berater auf die Vielfalt von Lern-Ressourcen. Hier mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass Lernangebote oft wenig bewirken, wenn sie isoliert und ohne die konzeptionelle Einbeziehung des systemischen Umfelds betrachtet werden. Mitarbeitende nutzen die Angebote nicht, Aufwände verpuffen, Lernen wird als Hürde empfunden oder Lernbedarfe werden nicht einmal erkannt. Mein Motto aus IT-Qualifizierungen ist „Die User sind nie schuld“, denn so gut wie nie „sitzt das Problem vor dem Bildschirm“ (wie ich diesen despektierlichen Spruch verabscheue!), sondern fast immer werden Bedarfe und deren Ursprünge zu isoliert betrachtet, wird Blaming geübt statt wertvolle Hinweise auf u. a. Ressourcenbedarfe zu erkennen.

    Und dann ist da der Blick auf Ressourcen, mit dem ich an Gabrieles Einstieg anknüpfen möchte: Das Erkennen, Erkunden und Erfahren der Möglichkeiten, die uns menschlich ausmachen, die uns zusammenbringen und uns gemeinsam gegen Widrigkeiten angehen lassen. Das, was eigentlich in uns steckt, und sich so oder so seinen Weg bahnt. Flüsse sind ein Bild, das mir gefällt, Gabriele! Flüsse bahnen sich ihren Weg, prägen Territorien und werden zu Grenzziehungen missbraucht, sind Lebensadern und können zerstörerisch sein. Manche sind wild, manche betoniert-eingehegt. Vielleicht irgendwann mal eine Session zu „Lernflüssen“? Heute aber erst einmal Ressourcen!

    Unsere gemeinsame Lern-Historie

    Nein, den Start in die Vorbereitung unserer Session machen wir natürlich nicht mit diesem Blogbeitrag, sondern schon viel früher: Seit langer Zeit denken, recherchieren, reden und schreiben Gabriele, Gratian, Silvia und ich gemeinsam mit einer weiteren Mitwirkenden an einem lernOS-Leitfaden zum Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“. In einer geplanten Woche dieses Leitfadens gilt es, sich der Ressourcen bewusst zu werden, die in das eigene Engagement eingebracht werden können.

    In diesem Zusammenhang begannen wir, uns intensiver mit dem Begriff „Ressourcen“ auseinanderzusetzen … denn zu Beginn stand ein produktives Missverständnis*, weil wir jeweils an ganz andere Begriffsbedeutungen dachten.

    *genau! Ich verstehe jetzt was Johannes mit Ressourcen meinte (meine Weiterbildung klopft gerade an). Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber die Ressource „Zeit“ dicht gefolgt von „Energie“. Wann habe ich überhaupt Zeit und dann auch noch Energie um mich mit Themen zu beschäftigen. Im Hintergrund stand bei mir der Gedanken, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen, die mir lernen oder Beteiligung ermöglichen. Ich werde es weiter unten nochmals thematisieren.

    (Spoiler: Zeit, Energie, Lebensphasen, Beteiligung … das schält sich, wenn ich diesen Text gerade kurz vor dem Publizieren noch einmal durchlese, doch als brauchbarer Rahmen für das meiste heraus, das wir betrachten und zum Ende hin abbinden. Deine erste Intuition war also ziemlich treffend, Gabriele!)

    Und noch früher dachten, recherchierten, redeten und schrieben Gabriele und ich um das Thema „Feministische Lernpolitik“ herum … in einem Social Learning Space, der wiederum aus einer Session von Gabriele auf dem #CLC23 Barcamp der Corporate Learning Community entstand und uns viele Monate regelmäßig zusammenbrachte, bis wir sie wieder auflösten. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Material- und Ideensammlung auf unserem Online-Whiteboard, auf die ich heute immer noch zugreife. Auch das Whiteboard für unser lernOS-Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“ ist weit über den Bildschirmrand befüllt mit gegenseitigen Empfehlungen, PDF-Dokumenten, Skizzen und Kata-Beschreibungen. Eine brauchbare Sammlung an (wild zusammengetragenen, wenig geordneten) Lernressourcen.

    Die Betrachtung unserer Lernressourcen hat für mich u. a. mit der Untersuchung folgender Fragen zu tun: Was uns im bereits zurückliegenden Lernprozess …

    • grundsätzlich die Möglichkeit verschafft, uns zusammenzufinden und uns einem gemeinsamen Thema zu widmen … und nach den ersten Schritte auch weiter zu machen,
    • unser Wirkungsfeld geöffnet und gehalten,
    • Energie im Prozess geschenkt,
    • das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung vermittelt (nicht auf der Stelle treten, sondern immer neue Quellen, Zugänge, Ideen und Wirkungsfelder zu betreten)?

    Und was hat dazu geführt, dass wir unser gemeinsames, in der Gruppe stattfindendes Engagement zum Thema „Feministische Lernpolitik“ nach einigen Monaten beendeten … und dass unsere lernOS-Entwicklungsgruppe nicht mehr so viele regelmäßig aktive Mitglieder umfasst wie zu Beginn?

    Ich vermute, all diese Fragen – und viele mehr, die wir auf unserer Barcamp-Session im Ressourcen-generierenden Austausch mit den Teilgebenden finden werden – haben mit (Lern-)ressourcen zu tun.

    Zukünftig möchte ich mich auch durch weitere Recherche damit auseinandersetzten, welche Verständnisse von „Lern-Ressourcen“ in Lerntheorien und Didaktik gängig sind. In diesem Einstieg, in dem wir uns die assoziativen Bälle zuwerfen, haben wir bewusst auf den Verweis auf Theorie verzichtet.

    Ich sowieso. Theorie ist wichtig, aber ich bin bekennende Frau praktischer Anwendungen. Habt ihr vielleicht schon gemerkt. Ich lerne durch ausprobieren. So bin ich übrigens auch eine phantastische Köchin geworden.

    Und auch beim Kochen braucht es gute Zutaten, Gabriele ….

    Inhalte / Materielles

    In meiner täglichen Arbeit wird unter (Lern-)ressourcen meist Materielles verstanden, speziell „Content“: Die Rohstoffe in der Produktion, die weiter verwertet werden, als auch die Lerninhalte, die wir als Lernende rezipieren, verarbeiten und darüber intern unser Wissen aufbauen. Texte, Videos, e-Learning-Inhalte, Folien, Podcasts … . Unsere digitale und auch analoge Welt ist übervoll mit Lernressourcen dieser Art. Das Internet als (noch, wenn auch durch AI-Slop und Plattformkapitalismus bedrohte) unerschöpfliche Quelle für Lernressourcen, die (ebenfalls durch Austeritätspolitik bedrohten) Stadtbibliothek, Museen und weitere Kulturorte. Inhalte können teuer produziert oder gekauft werden oder als Commons frei verfügbar sein. Letzteres wird im Corporate Learning oft ignoriert. Tauglich sei’s, wenn’s für Geld eingekauft und als Eigentum ins Lernmanagementsystem eingeschlossen und als Lernmaßnahme ausgehandelt dort zugewiesen wurde. Die unendlichen Möglichkeiten, kontinuierlich mit frei verfügbaren und sich permanent durch die Nutzung und Anreicherung im Lernkontext anreichernden Inhalten zu lernen, die durch das Engagement von Freiwilligen bereitgestellt werden, werden ignoriert.

    Ach spannend. Also jetzt haben wir schon drei verschiedene Dimensionen des Begriffs Ressource: Der Lern-Inhalt (Content), die Lern-Verfügbarkeit (zeitliche, räumliche, finanzielle) und der persönlichen Ressourcen (Neugier, Offenheit, Quelle …).

    Aber diese begriffliche Einengung von „Lernressourcen“ ist natürlich bei weitem nicht ausreichend.

    In meinen eingangs beschriebenen Lernerfahrungen sind mir beispielsweise die Gespräche mit meinen Mitlernenden, das geteilte und Energie schenkende Gefühl, ein gemeinsames, von uns allen als sinnvoll empfundenes Ziel zu verfolgen und die dadurch längerfristig gestärkten Beziehungen viel wichtiger als die Quellen und Buchtipps, die wir auf unseren Online-Whiteboards zusammengetragen haben.

    Jetzt hake ich wieder ein. Ja, wir haben Whiteboards bis an die Kante befüllt und auch für mich sind diese gemeinsam mit anderen entstandenen Whiteboards immer wieder Quelle der Rückkehr und des wieder treiben lassens. Schon wieder drängt sich das Flußbild auf … . Statt Whiteboard sollte es nun ein kollaborativer Text sein, in dessen Mitte wir uns nun eben befinden. Beide schreiben wir parallel über unsere Lernressourcen.

    (Ich behaupte ja immer, und hatte dazu vor Jahren auch mal eine Barcamp-Session initiiert, dass ich durch Schreiben lerne. Schreibend schöpfen wir gerade von überall her aus unseren verschiedenen Lernressourcen und schreiben sie fort und größer … und schon trägt mich Dein Fluss-Bild mit …)

    Und gestern haben wir uns getroffen und fast wäre es passiert, dass wir wieder in ein anderes großes Thema abgedriftet wären. Zu Beginn des Textes habe ich mir die Frage gestellt, was meine persönlichen Lernressourcen sind und eine die vielleicht euch und auch mich selbst überrascht hat, ist die hier im Anschluß folgende:

    Popkultur/Subkultur

    Neues hören, neues sehen, warum hören Menschen jahrzehntelange die gleiche Musik? Musik ist mein „Mitgestalter“. Kunst und Literatur auch, aber Musik am meisten. Ich stehe auf die Ressource Subkultur und Popkultur. Sie taugt mir für alles: Kreativität, Menschen die sich verbinden, bewegen. Pop- und Sub-kulturelle Begegnungsstätten in Form von Clubs, Vereinen, Bewegungen verbinden Menschen und Gedanken. Werden zu Strömungen und können niedrigschwellig Inhalte vermitteln. Vielleicht ist Pop-/Subkultur das „kulturelle“ Gegenstück zum schmutzigen Populismus rechter Parteien. Ich schweife ab. Jedenfalls bietet zumindest die Subkultur Schutzräume in denen ich mit anderen, die sich im selben Kultur-Raum befinden Möglichkeiten des Austauschs, Betrachtens des Lebens durch eine andere Brille. Mich ausprobieren kann. Abgrenzung ist eine der Lernerfahrungen und Ressourcen die darin schlummert. Ich muss nicht immer so sein, wie es andere von mir erwarten. Aber auch, bei der Popkultur, Teil einer größeren Bewegung zu sein. So ganz genau weiß ich noch nicht was ich damit sagen will, vielleicht ist das eine der „Quellen“ der persönlichen Ressource (siehe oben). Ich baue an dieser Stelle auf Johannes und übergebe in seine analytische Gedankenwelt 🙂

    Wenn ich Deinen hymnischen Einstieg lese, möchte ich vielleicht gar nicht analytisch werden, sondern ebenfalls an Selbst-Erlebtes anknüpfen. Pop- und Subkultur scheint mir eine wichtige, biografisch geprägte Lernressource zu sein (und auch hier freue ich mich auf eine in der Session fortgeführte Vertiefung … denn die Betrachtung dieses Ressourcenfelds wird umso greifbarer, je vielfältiger und durch eigenes Erleben geprägter die Stimmen dazu sind). Mit vielen von dem, was ich heute kann, auf dem ich mit meinen Kompetenzen aufbaue, was mir wichtig ist, was mich „resilient“ macht (sorry für die Verwendung dieses oft so problematisch missbrauchten Wortes) und was mir mein soziales Netzwerk erschließt, hat Ursprung in Subkulturen, in denen ich als Jugendlicher Zugang fand oder die ich mir jetzt erst mit Mitte 40 erschließe. Subkulturen, Popkulturen, Gegenkulturen schaffen uns ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten, öffnen Arenen der inspirierenden Imitation, erweitern unseren Werkzeugkasten, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und stärken uns im Miteinander. „Each one teach one“, eine der wichtigsten Lernressourcen.

    Der Begriff der Gegenkultur ist hier noch wichtig! Danke für’s einbringen Johannes. Den Subkultur speist sich auch aus Widerstand. Das ungesagte das unfassbare sichtbar machen und sich dagegen wehren. Gegenwehr gegen Systeme, die beschränken. In meiner Generation die Haltung der 50-60er Jahre, die einen bestimmten Weg für junge Frauen vorgeschrieben haben: Heiraten, Kinder bekommen und bloß nicht zu viel Bildung. Hier in eine Anti-Haltung zu gehen, ist nicht unbedingt der einfachste Weg, wenn du jung bist. Den es bedeutet auch Einsamkeit, Unverständnis, Bestrafung, Ausgrenzung, Verzweiflung sowie ungefragte Tipps und Empfehlungen von Außenstehenden („mach es dir doch nicht so schwer“, „wie du wieder aussiehst … ist doch kein Wunder dass ….“) und nicht zuletzt auch schlechte Noten. Ich weiß wovon ich spreche. Aber am Ende bin ich doch daran gewachsen, da es immer einige wenige Mitstreiter:innen gab. Und daran schließt jetzt wunderbar das folgende Thema an, dass von Johannes eingeleitet wird.

    Netzwerke, Freundschaften, Bekanntschaften und Vorbilder

    Wir lernen zuallererst durch unser Streben nach Sozialisation … auch wenn uns im Corporate Learning immer wieder etwas anderes verkauft werden soll. In Interaktion mit Menschen lernen wir wie nebenher, auch auch durch die im vorherigen Abschnitt schon angesprochene Imitation. Unsere Lern- und Netzwerkpartner:innen öffnen und halten einen Resonanzraum für unsere Kompetenzen und nehmen unseren sozialen Entfaltungsdrang auf. Sie inspirieren uns als Vorbilder immer wieder. Sie sind die Ressourcen, die Lernen lebendig und erfahrbar machen und katalysieren … und es gleichzeitig ermöglichen, Ressourcenknappheit zu überwinden und formale Einhegungen/Beschränkungen zu unterlaufen. Lern-Netzwerke ermöglichen einen Aufstand gegen verordnetes Nicht-Lernen! … und schaffen damit die Grundlage für das, was Gabriele und ich hier tun. Und insbesondere ermöglichen uns Lern-Netzwerke Zugang zu Entwicklungen, die uns bisher verborgen blieben, nicht nur über den oft erwähnten „Flurfunk“ oder den Gerüchte-Handel „in der Kaffeeküche“.

    Neugier

    Ich war letzte Woche auf der Beerdigung einer guten Freundin von früher. Alles sehr traurig. Was hat das mit meinen Lern-Ressourcen zu tun? Ich habe Feststellungen gemacht an diesem Tag. Meine Freundin war aus einem intellektuellen Haus und ich weiß nun, was ich ihr zu verdanken habe und welche Türen sie mir öffnete. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon eine Leseratte und habe verschlungen was es gab. Im Bücherbund (die älteren unter uns wissen noch – Schallplatten gab es da auch) kaufte meine Mutter für mich Bücher, die für sie selbst sonderbar klangen und keinen Sinn ergaben. Dennoch war es diese Freundin, die meinen Hunger nach neuem bediente und erfüllte, Politik, Kunst, Literatur – Musik brachte ich als Element ein. Und damit bin ich bei der ersten persönlichen Lernressource: Neugier und Bereitschaft. Und ich frage mich, sind wir nicht alle von Geburt an neugierig? Wollen in Erfahrung bringen wie man laufen kann, sprechen kann? Und ich frage mich auch, wann und wo versiegt die Neugier bei so vielen Menschen?

    Da bin ich optimistisch. Unsere Neugier versiegt nie, bei keinem Menschen. Leider wird sie durch äußere Gewalt oft so unterdrückt, dass sie kaum wahrnehmbar scheint. (Allerdings bevorzuge ich seit einiger Zeit den Begriff „Lernlust“ mit seinem bewusst lustvollem Klang, denn die „Gier nach Neuem“ hat mir die Neugier in Zeiten von turbokapitalistisch getriebenem Wachstumsdrang nach leerer „Innovation“ im Klang etwas dissonant werden lassen.)

    Außerdem merke ich, auch in Zusammenhang mit anderen, dass sich leider teilweise ein bißchen Arroganz/Ärger/Unverständnis/Unmut bei mir einschleicht, wenn ich verstehe das jemand eben irgendwie stehengeblieben ist vor 30 Jahren. Oft fragen genau die mich dann: „wie bist Duuu den da hingekommen wo du jetzt bist?“ In dem langgezogenen „Du“ und dem darauffolgenden fragenden „da“ schwingt oft eine kleine Ungläubigkeit mit, da ich ja nicht einmal Abi habe und keine akademische Ausbildung (wobei ich hier immer gerne einfüge, dass ich an 2 Kunstakademien über die Begabtenprüfung aufgenommen wurde). Oder das jemand stehen bleiben wird die nächsten Jahre: „die (hier eine Zahl einfügen) Jahre sitze ich noch ab in dem Unternehmen XY, auch wenn mein Job langweilig ist“. Die Hybris der Viel-Interessierten. Geht das nur mir so?

    Hmmm …. beschleichen mich da eher Traurigkeit und Ärger gegenüber den Strukturen, die das Lernen und die Lernressourcen von Menschen so verschleiern können, und den verinnerlichten Bewertungsmechanismen, die oft dahinterstecken? Wie gesagt, ich bin optimistisch (und umso wütender, wenn uns irgendwelche KI-Grifter einreden wollen, unsere menschlichen Lernressourcen hätten im unsäglichen Vergleich mit irgendwelchen Bullshit-Automaten nun nicht mehr die Kraft und Möglichkeit, die sie haben und immer haben werden.)

    Zu Ärger, Hybris und Wut – auch diese Begriffe möchte ich auf meinen Merkzettel für die #CLCamp26-Session setzen: Ungesteuert und ziellos lähmt sie und lässt unsere Lernressourcen versiegen. Zielgerichtet eingesetzt kann sie uns ungeahnte Kraft und regelrechte Gier nach Lernen spüren lassen. Es gibt Themen, zu denen ich alles in mich aufsauge, was ich finden kann – um argumentativ gewappnet zu sein und Gegen-/Verteidigungsmaßnahmen parat zu haben. Negative Emotionen können Lernressourcen sein.

    Da hast du Recht! Eine Ressource die man zuerst gar nicht so recht anschauen möchte, aber auf den zweiten Blick eine neue Welt öffnet. Einmal aus dem von dir aufgeführten Blick der Verteidigung, aber auch aus dem Widerstand der sich in einem regt, wenn andere wenig Zutrauen zu dir in einer Sache habe. Und den Neid* möchte man hier an dieser Stelle der unangenehmen Seite der Lernressourcen nicht missen wollen, oder?

    *Erinnert mich daran, dass mir immer noch eine neutral klingende Alternative für den Begriff „Neid“ fehlt. Oder brauche ich den gar nicht? Könnte „Lern-Neid“ auch eine positiv-inspirierende Lernressource sein?

    Vielleicht greift im Lernkontext auch der Begriff FOMO auch wenn schon alt und abgedroschen besser wie Neid. Was meinst du Johannes, hast du schon mal erlebt das irgendjemand auf LinkedIN eine abgeschlossene Ausbildung oder ein cooles Event postet und du dabei gedacht hast: „Warum zur Hölle ist mir das nicht eingefallen? / Habe ich das nicht gemacht!“. Dann gibt es zwei Optionen: Erkennen, dass das genau das ist was man jetzt tun möchte und man tut es ODER ein paar Tage später feststellen, dass es nicht wichtig für die eigene Weiterentwicklung ist.

    Jedenfalls, wenn man die dunkle Seite aus dieser Blickrichtung erkundet und reinhüpft in unbekannte Gewässer, vermeindlich dunkel und voller Gefahren, einfach weil du es jetzt genau so tun musst. Du erkundest das Feld und bekommst Sicherheit. Und jetzt kommt auch noch der Mut* ins Spiel, wieder als positives Element sozusagen. Als Gegengewicht zu Wut, Widerstand, Neid. Das braucht es dafür auch. Sich den Dingen und den Themen stellen, neue Wege gehen zu wollen. Notfalls auch erst einmal alleine, den negative Gefühle zu teilen, ist gar nicht einfach und werden deswegen oftmals erst mit sich selbst ausgehandelt und erst dann wieder geteilt, wenn eine vertretbare Basis für Austausch vorhanden ist. So ist es zumindest bei mir.

    *Mut ist ein zweischneidiger, teils übergriffiger Begriff, wenn er eingefordert wird – wie so oft im Corporate Learning. Ich möchte von niemandem, der abhängig angestellt ist, erwarten, beim Lernen „mutig“ sein zu müssen. Ich möchte Sicherheit verspüren, Vertrauen in mitlernende Kolleg:innen haben können und die Regeln und Verträge, innerhalb derer wir agieren, kennen und sie anwenden. Und ich weiß natürlich, dass Du auf eine andere Art von Mut anspielst, Gabriele … den Mut, der aus starker emotionaler Verbundenheit zu etwas erwächst, richtig?

    Ja, aus der Sicht von abhängig angestellten, ist das nachvollziehbar. Und ich meine aber trotzdem den Mut, etwas zu wagen. Auch mal was zu lernen, was im Moment vielleicht nicht passend ist und nicht auf deinen Karrierepfad einzahlt.

    Offenheit

    Voilá. Braucht es noch einen Überleitung zur Offenheit fragte Johannes im Text und hier ist sie: meine spontane und mal wieder intuitive Eingebung zu Offenheit. Übrigens auch als sehr guten Anschluss zum Thema „Mut haben, sich den Dingen zu stellen“. Ich verspüre bei uns beiden eine gewisse MüdiKIte und das mit Recht. Also wir mit unserer menschlichen und erfahrungsbasierten LLM haben doch hier einen Text erarbeitet, der so mit egal welcher KI nicht entstanden wäre. Und Spaß machte es auch. Zu verdanken ist das doch unserer Offenheit und dem loslassen können. Der Lust gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen. Und unbedingt auch dem gegenseitigen Vertrauen, dass wir uns entgegen bringen, einen solchen Text gemeinsam zu erstellen. Das ist nicht in jeder Konstellation möglich.

    Ja, das gemeinsame Schreiben mit Dir erschließt mir mehr von dem, was nicht im Text selbst steht, als die Buchstaben, Wörter und Sätze, die auf dem Bildschirm erscheinen. Wir schreiben in unseren gemeinsamen Kontext, in unser Vertrauen zueinander und in die zukünftige Barcamp-Session hinein. Das ist viel mehr als der Blogpost selbst. Lernressource „Kontext“? Lernressource „Das, was drumherum passiert“? Lernressource, sich Orientierung zu verschaffen, in alle Richtungen zu blicken, gedanklich auf die Reise gehen zu können?

    Reisen bildet. Ich möchte aber sagen nicht jede Art von Reisen bildet. Ich kenne Menschen die waren schon auf der ganzen Welt. Wenn du dich dann aber innerhalb eines abgeschlossenen Ressorts bewegst, dann – keine Bildung. Reisen ist kein Ort, du kannst auch auf einem Quadratmeter Erde auf Reisen gehen. Alles nur in ganz klein und fast nicht sichtbar. Moose, Flechten und Pilze sind so ein Ort, den es in keinem Reisebüro zu buchen gibt. Vielleicht ist die wichtigste Lern-Ressource in diesem Zusammenhang, dass nicht nur das vermeintlich wichtige einen zum Ziel bringt, sondern auch die Seitenzweige und Themen, die im ersten Moment nicht als wichtig erscheinen, aber in anderem Kontext auf einmal Sinn ergeben. Pilze zum Beispiel. Von Pilzen kann man viel über Vernetzung und Kommunikation lernen.

    Pilze sind ein faszinierendes Thema, Gabriele, bei dem es mich sofort juckt, zum Bücherregal zu treten und ein paar Beispiele literarischer Verarbeitung zu suchen. Lass uns das später nachreichen …

    Aber auch Deine Worte zum Reisen. Zwei Deiner Sätze widersprechen sich nach meinem Verständnis. Ich behaupte – und unterstelle Dir aufgrund des direkt anschließenden Satzes – dass Du das auch so siehst: Auf jedem noch so kleinen und abgeschlossenen Areal, auch im Liegestuhl des Ressorts, lässt sich Bildung erfahren. Es kommt auf den eigenen Blick und Fokus an. In einem unserer ersten persönlichen Gespräche (auf der re:publica …. 22?) erwähnte ich die Situationistische Internationale, die Meisterschaft darin entwickelten, alltäglich Vertraute und durch das „Spektakel“ völlig vereinnahmte Orte zu Lernorten umzugestalten – durch Praktiken des Dérive oder Détournement (Schreck! Das hast du doch so nicht gesagt! Jetzt muss ich hier mittem im Text noch Ecoisa befragen!), die sich als ein bewusstes „Auf-die-Reise-gehen“ sehen und Situationen schaffen beschreiben lassen können. Situationen, um kreativ und kraftvoll Unterdrückung sichtbar zu machen und Veränderung einzuleiten … auch wenn es nur eine temporäre kreative Umdeutung ist.

    Da hast du mich ertappt. Da ergieße ich mich einfach mal kurz sehr populistisch zu meinen Vorbehalten gegenüber Pauschalreisenden, die sich überwiegend in abgeschotteten Ressorts oder auf Kreuzfahrtschiffen bewegen und möglicherweise sind tatsächlich 1-2 darunter, die sich rein zu antrophologischen Studien dort bewegen und somit also mit einem Bildungsauftrag unterwegs sind. Eventuell bin ich auch einfach nur ein bißchen neidisch auf diejenigen, die mal kurz dahin und dorthin reisen, während meine Reisen überwiegend mit meiner riesigen internationalen Kochbuch-Sammlung stattfinden. Da behindert manchmal mein Schubladen-Denken und meine Arroganz, meine Kreativität beflügeln sie gleichzeitig, zumindest in meinem Schreib-Prozess gehören spitze und übertriebene Seitenhiebe stilistisch für mich dazu. Beim Schreiben wurde mir übrigens auch sehr frühzeitig Kreativität diagnostiziert. Und während ich also vor meinem inneren Auge als Antrophologin mit Klemmbrett und Bleistift auf einem Kreuzschiff Feldbeobachtungen mache, schiebt sich die nächste Ressource ins Blickfeld.

    Kreativität

    Manchmal erschließen sich zwischen den Werkzeugen und Wissensinseln Verbindungen und es werden Verknüpfungen sichtbar, die dann wie ein klarer Weg vor einem liegen und sich verbinden, wie zwei ineinander fließende Flüße. Vielleicht ist das der Übergang zu der beschworenen Serendipity – übrigens ein Wort das ich zum ersten Mal von Johannes hörte. Jedenfalls je umfangreicher das zusammengesammelte, umso klarer das Gesamtbild. Und zum Weg passt die Bewegung im Raum.

    Bewegung

    Lernen beim Gehen im Wald, meinem dritten Raum. Bewegung als Zündstoff für neue Ideen und Verbindungen. Richtungswechsel und Perspektivenwechsel beim Gehen als Impuls die Denkrichtung zu verändern. Manche Ideen können nicht zu dir kommen und entstehen nur dann, wenn du dich auf sie zu bewegst. Und das darf jetzt auch gerne wieder auf die Meta-Ebene gehoben werden. Ich übergebe an Johannes.

    Das Recht auf Spazierengehen ist für mich tatsächlich eine mir persönlich wichtige Lernressource. Aus genau den Gründen, die Du bereits erwähnt hast. Weiterhin finde ich faszinierend, wie beim Durchgehen durch Orte Erinnerungsanker gesetzt werden. Ich erinnere mich auch Jahre später noch an bestimmte Podcast-Fragmente, die ich an einer bestimmten Hausecke, einem bestimmten Baum … irgendwann einmal hörte. An Telefonate, die ich spazierengehend führte. Emotionen, die ich durchlebte, Gedanken, die ich trug.

    Orte

    Deshalb bin ich auch überzeugt: Lernen braucht Orte. Ob der Raum wirklich „der dritte Pädagoge“ ist können wir an anderer Stelle diskutieren. Klar scheint mir: Orte prägen das Lernen. Sei es der Klassenraum mit Möblierung für den Frontalunterricht, der Kreativraum in hippen Startups oder die Street-smartness fördernde „Straße“ in ihrer schillernden Ausprägungsvielfalt.

    Haben wir einen Ort irgendwann fertig entdeckt … so detailliert erkundet, dass es nichts neues mehr zu entdecken, keine neue Perspektive mehr einzunehmen, keine Umgestaltung mehr vorzunehmen gibt? Ich vermute nicht. Eine meiner intensivsten Lernerfahrungen der letzten Jahre fand in einem fast völlig leeren Theater-Probenraum statt, der von uns beliebig und immer wieder neu mit Bedeutungen befüllt werden konnte. Fast nichts war ‚vorgebaut‘, alles war möglich auf dieser leeren, aber für uns gegen außen geschützten Bühne.

    Werkzeugkasten

    Ich weiß von mir, dass mein Interesse versiegt, wenn ich etwas „ergründet“ habe. Wenn ich den Kern erfasst habe, also ca. 20-60%. Dann zieht es mich weiter zur nächsten Wissensinsel. Das zu verstehen, und das ich irgendwann mal den Begriff „Scanner“ Persönlichkeit geschenkt bekommen habe, ist ein weiterer Baustein meiner Lernressource. Heute erlaube ich mir weiterzuziehen. Früher habe ich an meinem Durchhalten gezweifelt. Das ich an nichts dranbleiben kann. Heute habe ich meinen Werkzeugkasten, der ist zwar umfangreich, bei manchen Werkzeugen weiß ich noch nicht ganz genau wie sie funktionieren, aber ich weiß wo ich es finde und um es anzuwenden, darf ich mich nochmal damit beschäftigen.

    Was ich gerade nicht beantworten kann, ist die Frage wie ich auf diese Ressourcen zugreife. Hier muss ich leider gestehen, dass ich bei bestimmten Themen in eine Art „Flow“ komme. Dann ist es ein Selbstläufer und was ich erarbeiten will, was ich mir neu erschließen möchte, entsteht fast von alleine.

    Oftmals in tagelangen (und leider auch nächtelangen) Denkprozessen entstehen meine Texte und Ideen. Ich bin die Texterin und Konzeptionerin der Dunkelheit. Wenn alle anderen schlafen bilden sich in meinem Kopf Worte, Sätze, Blogbeiträge, Headlines, entstehen Workshop-Landschaften und – Lernformate.

    Mir scheint, Du hast einen für dich gut funktionierenden Zugang zu Deinen Ressourcen gefunden? In manchem, was ich lese, finde ich mich selbst wieder (das Umherhüpfen zwischen Themen und die Qual bei der Vorstellung, mich mehrere Jahre intensiv und fokussiert mit genau einer Fragestellung beschäftigen zu sollen). Früher, als Student, habe ich selbst in der Nacht geschrieben. Das funktioniert seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr, weil sich meine Tagesroutinen und die (externen) Anforderungen an meinen Tag-Nacht-Rhythmus geändert haben.

    Ja, das stimmt. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich weiß, dass ich auch 5 vor 12 noch eine Idee, einen Geistesblitz haben werde, der funktioniert. Hätte nur gerne weniger Spontanität drin und ein System, dass ich mit anderen teilen kann. Schreiben tu ich nicht in der Nacht. Nur wenn mir ein wirklich geniale Idee einfällt für einen Kunden. Dann stehe ich auf, schreib die Idee auf ein Board und buche die Anzahl Stunden auf das Kundenkonto, die dem Wert der Idee entsprechen und das fühlt sich gut an.

    … was verdeutlicht, wie relativ und flexibel Zeit gehandhabt werden könnte, als Arbeits- und als Lernressource. Wird es im Corporate Learning selten, wenn mit „Lernzeitbudgets“ etc. hantiert wird.

    Zeit

    Denn was Lernen neben sozialen Resonanzräumen und Gesundheit (dazu weiter unten mehr) besonders benötigt, ist Zeit. Ist Lern-Zeit die Grund-Ressource, ohne die alle anderen Ressourcen nichts sind? Gleichzeitig ist Lern-Zeit konstant rar. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass kaum Zeit für bewusst selbst-organisiertes und -gestaltetes Lernen bleibt. Lernzeit ist notorisch fremdbestimmt (in der Regelschule, der Ausbildung oder Bologna-geprägten Universität, in verordneten Seminaren, Weiterbildungen oder Umschulungen). Andere bestimmen für uns, WANN wir Lernen sollen, dürfen oder angeblich sogar müssen – egal, ob uns die Zeit dafür gerade passend erscheint und wir Lernlust spüren. Lernzeit ist die Zeit im Seminar. Lernzeit ist geblockt im Kalender. Lernzeit wird eben nicht als die Zeit gesehen, in der Du in der Nacht aufstehst und eine Idee notierst … oder wachliegst und Gedanken wälzt. Und Lernzeit wäre … zumindest für mich … auch sehr oft die Zeit, die gerade nicht verfügbar ist, weil dies und das und jenes erledigt werden muss.

    Ich stelle für mich selbst fest, dass meine Lernlust regelrecht aufblüht, wenn ich längere Zeit am Stück für mich habe. Auch deshalb nehme ich mir jeden Sommer den Luxus der ganzen großen Ferien. Damit habe ich nicht nur die gesamten sechs Wochen mit meiner Familie, sondern spüre auch, wie meine Lernressourcen wieder wachsen. Ich entdecke im Alltag verschüttete Interessen, spüre meine Selbstwirksamkeit und nehme mir unendlich viele Lernprojekte vor … die dann erwartungsgemäß im Herbst zwar meist wieder einschlafen, aber allein die Erkenntnis, dass sie in mir als Lernressource schlummern und durch mehr verfügbare Zeit spürbar werden, ist sehr beruhigend.

    Allerdings kann diese Sehnsucht nach Lernzeit auch ausgenutzt werden. Wie oft nehme ich war, dass das Versprechen von Lernzeit in Unternehmen missbraucht wird – als Pflaster über disfunktionaler Planung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überlast. Lernzeit wird dann zur zermürbenden Möhre-vor-der-Nase, die nie erreicht wird, aber immer ergriffen werden könnte, wenn denn die Arbeitsdisziplin stimme. Und selbst wenn sie im Kalender steht, gnädig gewährt, steht da doch immer noch die nicht erledigte Tätigkeit in Konkurrenz, die noch schnell fertig gestellt wird, unter dem Schutzmantel des ‚Nicht stören, hier wird gelernt’.

    Wenn der Tag zu viel Inhalt hat, aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und einem kleinen Rest Selbstfürsorge – oder nennen wir es kleine Pause, da ist Lernen nicht machbar. Ich erinnere mich an Zeiten, als diese Kombination es lediglich ermöglichte seufzend und traurig die Decke anzustarren. Dies ist die Realität von vielen, vermute ich. Und in der Lebensphase in der Johannes steckt, ist es wirklich schwierig ungeplante spontane Lernzeiten unterzubringen. Möchte jetzt gerne schreiben, dass das besser wird. Aber leider, leider, erst mal Nein. Deswegen finde ich es sehr inspirierend was Johannes dazu schreibt. Sich gezielt die Lernzeiten-Fenster zu schaffen und zwar nicht als „festes Fenster“ sonder so, dass Selbstwirksamkeit erfolgen kann und die freigeschaufelte Zeit nicht zugeschüttet wird mit anderen Todos, die darauf warteten erledigt zu werden (Aufräumen, Einkaufen, Räder wechseln, …). Es ist jetzt 11:30 Uhr und ich werde jetzt eine Runde durch den Wald drehen, diesen Beitrag im Kopf haben und später wieder anschließen.

    „Wie schaffen wir unseren Mitarbeitenden Lern-Zeit?“ ist die Frage, die mir (neben der zur ominösen „Lern-Kultur“, auf die ich noch eingehen werde) in Beratungssituationen am häufigsten gestellt wird.

    Die Zeitfrage ist in Betracht auf die „Teppich-Etage“ noch relativ einfach finde ich. Schwierig wird es bei den Beschäftigen auf dem „Hallenboden“ oder die mobil unterwegs sind. Hier müssten Einschnitte gemacht werden in die „Produktivitätszeit“, was bei heutigen Auslastungen und Effektivitäts-Steigerungen schwer zu handhaben und zu vertreten ist. Am Ende ist es doch auch hauptsächlich Vertrauen, auf das gebaut werden muss. „Ich stelle Lebenszeit und Arbeitskraft zur Verfügung und werde diese optimal für dich liebes Unternehmen zum Einsatz bringen“ steht da im krassen Konflikt zu „ … und am Ende wird beim Homeoffice womöglich auch noch nebenher Wäsche gewaschen!?!“.

    Ja, wir betreten hier ein neues Konfliktfeld, in dem das oft postulierte Mantra „Lernzeit = Arbeitszeit“ wie ein fernes Echo aus dem Elfenbeinturm wirkt. Natürlich bemüßigen sich alle, auch die Arbeit auf dem „Hallenboden“ lern-reich zu gestalten. Als Lippenbekenntnis. Die Realität sieht oft anders aus, und „Lernzeit“ wird in Pausenzeiten oder die Freizeit versteckt (natürlich nicht offiziell). Wie erkämpfen wir uns Lern-Zeit?

    Gesundheit(en)

    Neben der zur Verfügung stehenden Zeit und dem sozialen Netzwerk ist Gesundheit (oder sind „Gesundheiten“ … ich möchte mich, ähnlich wie mit „Zukünften“, auch mehr mit der bewussten Verwendung des Begriffs Gesundheit im Plural auseinandersetzen, um die problematische Binarität Krank – Gesund zu hinterfragen) die dritte ganz zentrale Lernressource – und diejenige, die in den meisten Lernkontexten krass ignoriert wird. Die körperliche und seelische Verfassung, die wir in Lernprozesse einbringen, ist darauf so prägend wie fast nichts anderes.

    Das sind Barrieren, die uns den Zugang zu Lernsettings verwehren. Das ist unsere menschliche Neurodiversität, die ignoriert wird. Das ist das unterschiedliche Maß an Kräften, die wir insgesamt einbringen und auf unsere unterschiedlichen Anforderungen im Alltag verteilen können.

    All das wird in vielen konventionellen Lernsettings oft ignoriert oder als Nice-to-have betrachtet, dabei sollten alle Betrachtungen hier starten.

    Gesundheit ist aber ein wesentlicher Bestandteil. Wer im Burnout steckt, Depressionen hat, oder in einem Suchtverhalten steckt, kann nicht lernen. Jedenfalls nicht gut.

    Ich denke, doch, auch aus solchen Situationen erwächst Lernen. Nur ein gänzlich anderes, das eine eigene Betrachtung verdient – denn mir liegt es fern, Lernen aus Leid irgendwie faschistoid zu glorifizieren.

    Finanzielles

    Am Ende sind wir also bei den Elefanten angelangt. Zeit, Gesundheit … und das liebe Geld. Dass Lernen durch finanzielle Ausstattung gefördert oder durch Einsparung stark erschwert werden kann, scheint intuitiv einleuchtend. An dem Punkt waren wir schon zu Beginn, im Abschnitt „Inhalte / Materielles“. Im Corporate Learning taugt das, was etwas kostet und sich in einem definierten Zeitraum messen und bewerten lässt … die Return-on-Investment-Logik. Ebenso bekannt, dass wir lebenslang unterschiedlich finanziell begütert mit entsprechend unterschiedlichen Zugängen zu anderen Lern-Ressourcen (Zeit, Gesundheiten, Inhalte etc etc ….) durch die Welt laufen.

    Wir sollten uns stark dafür machen, Lernen gebührend finanziell auszustatten. In der Schule, in außerschulischen Realitäten von Kindern und Jugendlichen, während des Aufwachsens, am Arbeitsplatz und außerhalb der Erwerbsarbeit, im sozialen Miteinander, im politischen Gefüge und in Situationen, in denen wir ganz besonders auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Ja, es mag abgegriffen sein und aufgrund seiner Verwurzelung in einer neoliberalen Verwertungslogik auch angreifbar, gehört im Rahmen dieser Logik aber immer wieder betont: Investitionen in Bildung rechnen sich!

    Ich mag hier gerne noch die Brille der Soloselbständigen reinbringen. Was für außenstehende leicht aussieht, wenn ich im Erstgespräch gute Ideen einbringe und relativ schnell ein Grobkonzept erstelle, ist das Ergebnis vorab geleisteter Lerneinheiten, die mir in Gänze niemals gezahlt werden können. Deswegen erlaube ich mir, diese bei Beauftragung anteilig in Rechnung zu stellen. Nach eigenem ermessen, aber so dass meine Vorableistung unabhängig vom Auftrag honoriert wird.

    Feminismus

    Feministischer Blick auf die Ressource, als Auszug unserer Feministischen Lernpolitik? Was braucht es um Lernen gut zu gestalten aus der Blickrichtung Feminismus?

    Hinweis in eigener Sache. Das endet jetzt hier sehr plötzlich.

    Ach ne, das war ein fulminanter Start, der noch lange nicht zuende ist, sondern doch nur als Auftakt für unsere Session geplant ist, Gabriele. In unserer Session öffnen wir den Lernraum mit allen Teilgebenden. Vielleicht schreiben ja einige davon auch im Nachgang noch weiter, so wie wir? 🙂

    Eigentlich sollte ich hier einen Abbinder schreiben, der sich mit der Ressource Feminismus beschäftigt und unser Thema Lernressourcen abrundet. Ich mag aber viel lieber erzählen, wie wir zwischendurch auf Literatur gekommen sind und ich fand, dass unser Austausch mich an Stephanie Sargnagels Buch „Iowa“ erinnert mit den Fußnoten von Christiane Rösinger. Johannes lacht und sagt „das Buch war super witzig!“. Fand ich auch. Und vielleicht ist es doch ein bißchen die feministische Klammer, die unseren Austausch wieder schließt. Beim Erstellen dieser letzten Zeilen kam mir noch in den Kopf: Lernressource Humor? Scherz beiseite. Humor ist zumindest ein verbindendes Element und macht gemeinsames Lernen zu einem Erlebnis. Jedenfalls zwischen mir und Johannes, wie wir es hier beim gemeinsamen Schreiben und Denken erlebt haben.

    #CLC23 #CLCamp26 #eine
  13. Lernressourcen

    Wir, Gabriele und Johannes, wollen auf dem #CLCamp26 eine gemeinsame Session zu „Lernressourcen“ anbieten.

    Den Start in die Vorbereitung machen wir mit diesem Blogbeitrag … der vielleicht auf die Session neugierig macht, vielleicht Einstiegs- oder Anknüpfungspunkte setzt, vielleicht zu Widersprüchen aufruft und hoffentlich – zuerst einmal durch das Schreiben für uns beide – das Feld weitet für das, was „Lernressourcen“ alles sein könnten.

    Als wir beschlossen, die Session anzubieten und dazu mit einem kooperativem, gemeinsamem, ineinandergreifenden und aufeinander Bezug nehmendem Schreibprozess zu starten, notierten wir uns die folgenden Fragen, die auch zu Beginn unserer Session stehen könnten:

    • Was bedeuten Lern-Ressourcen?
    • Wie können auf Lern-Ressourcen aufgebaut werden, wie können diese ausgebaut werden?
    • Wann weiß ich, welche Lern-Ressource ich in welchem Umfang zum Einsatz bringe?
    • Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
    • Welche Arten von Lern-Ressourcen gibt es überhaupt?

    Und vielleicht leiten sich aus unserem folgenden schriftlichen Austausch vorab für uns und für Session-Teilgebende weitere Fragen und Ideen ab?

    Aus welchen Perspektiven blicken wir jeweils auf den Begriff „Lernressourcen“?

    Diesen Beitrag schreiben wir kooperativ. Jede:r von uns ergänzt Ideen, die wir dann gemeinsam in einen Fluss bringen. Daraus entsteht im Schreibprozess ein inspirierendes Ping-Pong auf einem gemeinsam beschriebenen Collabora Online Dokument auf Gabrieles Nextcloud. Wir schreiben uns gegenseitig in die Texte, lesen immer und immer wieder und ergänzen. Ich habe das Gefühl, wir könnten endlos so weitermachen, aber irgendwann, am 2. März um 18 Uhr, setzen wir uns einen Schlusspunkt, kopieren den kooperativ geschriebenen Text als Sessionankündigung in unsere jeweiligen Blogs (und werden dabei sicher weitere Stellen finden, die wir überarbeiten … denn der Text bleibt lebendig und beschreibbar).

    So haben wir es heute besprochen: und um 18:00 Uhr ist also Schluß für heute und für den aktuellen Stand unseres Schreibgesprächs. Das wird spannend, da es für die Zukunft gesehen zwei Versionen geben wird, da sich unsere beiden Blogs ja nur von der Ferne her kennen und sich nicht synchronisieren.

    Aber sie pingen sich gegenseitig an. Die gute alte Pingback-Tradition der Webblogs. Oder kann Dein Blog das nicht, Gabriele? 😛 Ich hab noch fünf Minuten, dann ist Schluss mit Tippen und wir veröffentlichen ….

    Ich, Gabriele, gebe hier einen persönlichen Einblick zu meiner Lernerfahrung. Meine eigene Lernerfahrung basiert vor allem auf der Erkenntnis, dass die meisten Organisationen in denen ich beschäftigt war, mein zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erkannten und/oder fördern konnten oder wollten. So habe ich mich immer selbst auf den Weg gemacht, gelernt, verworfen, aufgebaut, aufgefrischt, neu gelernt … . Seit ich Menschen wie Johannes kenne und in einen regelmäßigen Austausch zu selbstgewählten Themen gehe, verstehe ich, wie Lernen mit anderen funktionieren kann und was es für mich bedeutet, in den Austausch mit anderen gehen zu dürfen. Auch dann, wenn ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin. Keine Grenzen. Manche Bedarfe entstehen erst durch das darüber sprechen. Manche Gedanken werden zu Ideen, Konzepten oder führen zu Erkenntnissen, wenn man sie das erste Mal mit anderen teilt. Das hat mich mutig gemacht die letzten Jahre und so lerne ich als Soloselbständige so vor mich hin, lass mich treiben und mäandere mich gemächlich durch die unterschiedlichsten Wissensgebiete. Meine Neugier sucht sich wie ein Fluß ihren Weg. Was ich mache? Das ändert sich ständig. Gerade mache ich mal wieder eine Ausbildung. Und überhaupt denke ich gerade: Vielleicht sollte mich mal mit dem Thema Flüße beschäftigen?

    Jedenfalls empfinde ich den Austausch mit Johannes immer als sehr gewinnbringend.

    Das beruht auf Gegenseitigkeit, Gabriele. Sonst hätten wir das hier nicht gestartet.

    Ich, Johannes, erschließe mir die Vielfalt von „Lernressourcen“ ebenfalls aus unterschiedlichen Richtungen und Zugängen … wie Du, Gabriele, und jetzt im Miteinander, der wichtigsten Lernressource – aber ich möchte nicht vorgreifen.

    Da ist meine berufliche Perspektive als Corporate Learning Berater auf die Vielfalt von Lern-Ressourcen. Hier mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass Lernangebote oft wenig bewirken, wenn sie isoliert und ohne die konzeptionelle Einbeziehung des systemischen Umfelds betrachtet werden. Mitarbeitende nutzen die Angebote nicht, Aufwände verpuffen, Lernen wird als Hürde empfunden oder Lernbedarfe werden nicht einmal erkannt. Mein Motto aus IT-Qualifizierungen ist „Die User sind nie schuld“, denn so gut wie nie „sitzt das Problem vor dem Bildschirm“ (wie ich diesen despektierlichen Spruch verabscheue!), sondern fast immer werden Bedarfe und deren Ursprünge zu isoliert betrachtet, wird Blaming geübt statt wertvolle Hinweise auf u. a. Ressourcenbedarfe zu erkennen.

    Und dann ist da der Blick auf Ressourcen, mit dem ich an Gabrieles Einstieg anknüpfen möchte: Das Erkennen, Erkunden und Erfahren der Möglichkeiten, die uns menschlich ausmachen, die uns zusammenbringen und uns gemeinsam gegen Widrigkeiten angehen lassen. Das, was eigentlich in uns steckt, und sich so oder so seinen Weg bahnt. Flüsse sind ein Bild, das mir gefällt, Gabriele! Flüsse bahnen sich ihren Weg, prägen Territorien und werden zu Grenzziehungen missbraucht, sind Lebensadern und können zerstörerisch sein. Manche sind wild, manche betoniert-eingehegt. Vielleicht irgendwann mal eine Session zu „Lernflüssen“? Heute aber erst einmal Ressourcen!

    Unsere gemeinsame Lern-Historie

    Nein, den Start in die Vorbereitung unserer Session machen wir natürlich nicht mit diesem Blogbeitrag, sondern schon viel früher: Seit langer Zeit denken, recherchieren, reden und schreiben Gabriele, Gratian, Silvia und ich gemeinsam mit einer weiteren Mitwirkenden an einem lernOS-Leitfaden zum Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“. In einer geplanten Woche dieses Leitfadens gilt es, sich der Ressourcen bewusst zu werden, die in das eigene Engagement eingebracht werden können.

    In diesem Zusammenhang begannen wir, uns intensiver mit dem Begriff „Ressourcen“ auseinanderzusetzen … denn zu Beginn stand ein produktives Missverständnis*, weil wir jeweils an ganz andere Begriffsbedeutungen dachten.

    *genau! Ich verstehe jetzt was Johannes mit Ressourcen meinte (meine Weiterbildung klopft gerade an). Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber die Ressource „Zeit“ dicht gefolgt von „Energie“. Wann habe ich überhaupt Zeit und dann auch noch Energie um mich mit Themen zu beschäftigen. Im Hintergrund stand bei mir der Gedanken, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen, die mir lernen oder Beteiligung ermöglichen. Ich werde es weiter unten nochmals thematisieren.

    (Spoiler: Zeit, Energie, Lebensphasen, Beteiligung … das schält sich, wenn ich diesen Text gerade kurz vor dem Publizieren noch einmal durchlese, doch als brauchbarer Rahmen für das meiste heraus, das wir betrachten und zum Ende hin abbinden. Deine erste Intuition war also ziemlich treffend, Gabriele!)

    Und noch früher dachten, recherchierten, redeten und schrieben Gabriele und ich um das Thema „Feministische Lernpolitik“ herum … in einem Social Learning Space, der wiederum aus einer Session von Gabriele auf dem #CLC23 Barcamp der Corporate Learning Community entstand und uns viele Monate regelmäßig zusammenbrachte, bis wir sie wieder auflösten. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Material- und Ideensammlung auf unserem Online-Whiteboard, auf die ich heute immer noch zugreife. Auch das Whiteboard für unser lernOS-Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“ ist weit über den Bildschirmrand befüllt mit gegenseitigen Empfehlungen, PDF-Dokumenten, Skizzen und Kata-Beschreibungen. Eine brauchbare Sammlung an (wild zusammengetragenen, wenig geordneten) Lernressourcen.

    Die Betrachtung unserer Lernressourcen hat für mich u. a. mit der Untersuchung folgender Fragen zu tun: Was uns im bereits zurückliegenden Lernprozess …

    • grundsätzlich die Möglichkeit verschafft, uns zusammenzufinden und uns einem gemeinsamen Thema zu widmen … und nach den ersten Schritte auch weiter zu machen,
    • unser Wirkungsfeld geöffnet und gehalten,
    • Energie im Prozess geschenkt,
    • das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung vermittelt (nicht auf der Stelle treten, sondern immer neue Quellen, Zugänge, Ideen und Wirkungsfelder zu betreten)?

    Und was hat dazu geführt, dass wir unser gemeinsames, in der Gruppe stattfindendes Engagement zum Thema „Feministische Lernpolitik“ nach einigen Monaten beendeten … und dass unsere lernOS-Entwicklungsgruppe nicht mehr so viele regelmäßig aktive Mitglieder umfasst wie zu Beginn?

    Ich vermute, all diese Fragen – und viele mehr, die wir auf unserer Barcamp-Session im Ressourcen-generierenden Austausch mit den Teilgebenden finden werden – haben mit (Lern-)ressourcen zu tun.

    Zukünftig möchte ich mich auch durch weitere Recherche damit auseinandersetzten, welche Verständnisse von „Lern-Ressourcen“ in Lerntheorien und Didaktik gängig sind. In diesem Einstieg, in dem wir uns die assoziativen Bälle zuwerfen, haben wir bewusst auf den Verweis auf Theorie verzichtet.

    Ich sowieso. Theorie ist wichtig, aber ich bin bekennende Frau praktischer Anwendungen. Habt ihr vielleicht schon gemerkt. Ich lerne durch ausprobieren. So bin ich übrigens auch eine phantastische Köchin geworden.

    Und auch beim Kochen braucht es gute Zutaten, Gabriele ….

    Inhalte / Materielles

    In meiner täglichen Arbeit wird unter (Lern-)ressourcen meist Materielles verstanden, speziell „Content“: Die Rohstoffe in der Produktion, die weiter verwertet werden, als auch die Lerninhalte, die wir als Lernende rezipieren, verarbeiten und darüber intern unser Wissen aufbauen. Texte, Videos, e-Learning-Inhalte, Folien, Podcasts … . Unsere digitale und auch analoge Welt ist übervoll mit Lernressourcen dieser Art. Das Internet als (noch, wenn auch durch AI-Slop und Plattformkapitalismus bedrohte) unerschöpfliche Quelle für Lernressourcen, die (ebenfalls durch Austeritätspolitik bedrohten) Stadtbibliothek, Museen und weitere Kulturorte. Inhalte können teuer produziert oder gekauft werden oder als Commons frei verfügbar sein. Letzteres wird im Corporate Learning oft ignoriert. Tauglich sei’s, wenn’s für Geld eingekauft und als Eigentum ins Lernmanagementsystem eingeschlossen und als Lernmaßnahme ausgehandelt dort zugewiesen wurde. Die unendlichen Möglichkeiten, kontinuierlich mit frei verfügbaren und sich permanent durch die Nutzung und Anreicherung im Lernkontext anreichernden Inhalten zu lernen, die durch das Engagement von Freiwilligen bereitgestellt werden, werden ignoriert.

    Ach spannend. Also jetzt haben wir schon drei verschiedene Dimensionen des Begriffs Ressource: Der Lern-Inhalt (Content), die Lern-Verfügbarkeit (zeitliche, räumliche, finanzielle) und der persönlichen Ressourcen (Neugier, Offenheit, Quelle …).

    Aber diese begriffliche Einengung von „Lernressourcen“ ist natürlich bei weitem nicht ausreichend.

    In meinen eingangs beschriebenen Lernerfahrungen sind mir beispielsweise die Gespräche mit meinen Mitlernenden, das geteilte und Energie schenkende Gefühl, ein gemeinsames, von uns allen als sinnvoll empfundenes Ziel zu verfolgen und die dadurch längerfristig gestärkten Beziehungen viel wichtiger als die Quellen und Buchtipps, die wir auf unseren Online-Whiteboards zusammengetragen haben.

    Jetzt hake ich wieder ein. Ja, wir haben Whiteboards bis an die Kante befüllt und auch für mich sind diese gemeinsam mit anderen entstandenen Whiteboards immer wieder Quelle der Rückkehr und des wieder treiben lassens. Schon wieder drängt sich das Flußbild auf … . Statt Whiteboard sollte es nun ein kollaborativer Text sein, in dessen Mitte wir uns nun eben befinden. Beide schreiben wir parallel über unsere Lernressourcen.

    (Ich behaupte ja immer, und hatte dazu vor Jahren auch mal eine Barcamp-Session initiiert, dass ich durch Schreiben lerne. Schreibend schöpfen wir gerade von überall her aus unseren verschiedenen Lernressourcen und schreiben sie fort und größer … und schon trägt mich Dein Fluss-Bild mit …)

    Und gestern haben wir uns getroffen und fast wäre es passiert, dass wir wieder in ein anderes großes Thema abgedriftet wären. Zu Beginn des Textes habe ich mir die Frage gestellt, was meine persönlichen Lernressourcen sind und eine die vielleicht euch und auch mich selbst überrascht hat, ist die hier im Anschluß folgende:

    Popkultur/Subkultur

    Neues hören, neues sehen, warum hören Menschen jahrzehntelange die gleiche Musik? Musik ist mein „Mitgestalter“. Kunst und Literatur auch, aber Musik am meisten. Ich stehe auf die Ressource Subkultur und Popkultur. Sie taugt mir für alles: Kreativität, Menschen die sich verbinden, bewegen. Pop- und Sub-kulturelle Begegnungsstätten in Form von Clubs, Vereinen, Bewegungen verbinden Menschen und Gedanken. Werden zu Strömungen und können niedrigschwellig Inhalte vermitteln. Vielleicht ist Pop-/Subkultur das „kulturelle“ Gegenstück zum schmutzigen Populismus rechter Parteien. Ich schweife ab. Jedenfalls bietet zumindest die Subkultur Schutzräume in denen ich mit anderen, die sich im selben Kultur-Raum befinden Möglichkeiten des Austauschs, Betrachtens des Lebens durch eine andere Brille. Mich ausprobieren kann. Abgrenzung ist eine der Lernerfahrungen und Ressourcen die darin schlummert. Ich muss nicht immer so sein, wie es andere von mir erwarten. Aber auch, bei der Popkultur, Teil einer größeren Bewegung zu sein. So ganz genau weiß ich noch nicht was ich damit sagen will, vielleicht ist das eine der „Quellen“ der persönlichen Ressource (siehe oben). Ich baue an dieser Stelle auf Johannes und übergebe in seine analytische Gedankenwelt 🙂

    Wenn ich Deinen hymnischen Einstieg lese, möchte ich vielleicht gar nicht analytisch werden, sondern ebenfalls an Selbst-Erlebtes anknüpfen. Pop- und Subkultur scheint mir eine wichtige, biografisch geprägte Lernressource zu sein (und auch hier freue ich mich auf eine in der Session fortgeführte Vertiefung … denn die Betrachtung dieses Ressourcenfelds wird umso greifbarer, je vielfältiger und durch eigenes Erleben geprägter die Stimmen dazu sind). Mit vielen von dem, was ich heute kann, auf dem ich mit meinen Kompetenzen aufbaue, was mir wichtig ist, was mich „resilient“ macht (sorry für die Verwendung dieses oft so problematisch missbrauchten Wortes) und was mir mein soziales Netzwerk erschließt, hat Ursprung in Subkulturen, in denen ich als Jugendlicher Zugang fand oder die ich mir jetzt erst mit Mitte 40 erschließe. Subkulturen, Popkulturen, Gegenkulturen schaffen uns ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten, öffnen Arenen der inspirierenden Imitation, erweitern unseren Werkzeugkasten, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und stärken uns im Miteinander. „Each one teach one“, eine der wichtigsten Lernressourcen.

    Der Begriff der Gegenkultur ist hier noch wichtig! Danke für’s einbringen Johannes. Den Subkultur speist sich auch aus Widerstand. Das ungesagte das unfassbare sichtbar machen und sich dagegen wehren. Gegenwehr gegen Systeme, die beschränken. In meiner Generation die Haltung der 50-60er Jahre, die einen bestimmten Weg für junge Frauen vorgeschrieben haben: Heiraten, Kinder bekommen und bloß nicht zu viel Bildung. Hier in eine Anti-Haltung zu gehen, ist nicht unbedingt der einfachste Weg, wenn du jung bist. Den es bedeutet auch Einsamkeit, Unverständnis, Bestrafung, Ausgrenzung, Verzweiflung sowie ungefragte Tipps und Empfehlungen von Außenstehenden („mach es dir doch nicht so schwer“, „wie du wieder aussiehst … ist doch kein Wunder dass ….“) und nicht zuletzt auch schlechte Noten. Ich weiß wovon ich spreche. Aber am Ende bin ich doch daran gewachsen, da es immer einige wenige Mitstreiter:innen gab. Und daran schließt jetzt wunderbar das folgende Thema an, dass von Johannes eingeleitet wird.

    Netzwerke, Freundschaften, Bekanntschaften und Vorbilder

    Wir lernen zuallererst durch unser Streben nach Sozialisation … auch wenn uns im Corporate Learning immer wieder etwas anderes verkauft werden soll. In Interaktion mit Menschen lernen wir wie nebenher, auch auch durch die im vorherigen Abschnitt schon angesprochene Imitation. Unsere Lern- und Netzwerkpartner:innen öffnen und halten einen Resonanzraum für unsere Kompetenzen und nehmen unseren sozialen Entfaltungsdrang auf. Sie inspirieren uns als Vorbilder immer wieder. Sie sind die Ressourcen, die Lernen lebendig und erfahrbar machen und katalysieren … und es gleichzeitig ermöglichen, Ressourcenknappheit zu überwinden und formale Einhegungen/Beschränkungen zu unterlaufen. Lern-Netzwerke ermöglichen einen Aufstand gegen verordnetes Nicht-Lernen! … und schaffen damit die Grundlage für das, was Gabriele und ich hier tun. Und insbesondere ermöglichen uns Lern-Netzwerke Zugang zu Entwicklungen, die uns bisher verborgen blieben, nicht nur über den oft erwähnten „Flurfunk“ oder den Gerüchte-Handel „in der Kaffeeküche“.

    Neugier

    Ich war letzte Woche auf der Beerdigung einer guten Freundin von früher. Alles sehr traurig. Was hat das mit meinen Lern-Ressourcen zu tun? Ich habe Feststellungen gemacht an diesem Tag. Meine Freundin war aus einem intellektuellen Haus und ich weiß nun, was ich ihr zu verdanken habe und welche Türen sie mir öffnete. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon eine Leseratte und habe verschlungen was es gab. Im Bücherbund (die älteren unter uns wissen noch – Schallplatten gab es da auch) kaufte meine Mutter für mich Bücher, die für sie selbst sonderbar klangen und keinen Sinn ergaben. Dennoch war es diese Freundin, die meinen Hunger nach neuem bediente und erfüllte, Politik, Kunst, Literatur – Musik brachte ich als Element ein. Und damit bin ich bei der ersten persönlichen Lernressource: Neugier und Bereitschaft. Und ich frage mich, sind wir nicht alle von Geburt an neugierig? Wollen in Erfahrung bringen wie man laufen kann, sprechen kann? Und ich frage mich auch, wann und wo versiegt die Neugier bei so vielen Menschen?

    Da bin ich optimistisch. Unsere Neugier versiegt nie, bei keinem Menschen. Leider wird sie durch äußere Gewalt oft so unterdrückt, dass sie kaum wahrnehmbar scheint. (Allerdings bevorzuge ich seit einiger Zeit den Begriff „Lernlust“ mit seinem bewusst lustvollem Klang, denn die „Gier nach Neuem“ hat mir die Neugier in Zeiten von turbokapitalistisch getriebenem Wachstumsdrang nach leerer „Innovation“ im Klang etwas dissonant werden lassen.)

    Außerdem merke ich, auch in Zusammenhang mit anderen, dass sich leider teilweise ein bißchen Arroganz/Ärger/Unverständnis/Unmut bei mir einschleicht, wenn ich verstehe das jemand eben irgendwie stehengeblieben ist vor 30 Jahren. Oft fragen genau die mich dann: „wie bist Duuu den da hingekommen wo du jetzt bist?“ In dem langgezogenen „Du“ und dem darauffolgenden fragenden „da“ schwingt oft eine kleine Ungläubigkeit mit, da ich ja nicht einmal Abi habe und keine akademische Ausbildung (wobei ich hier immer gerne einfüge, dass ich an 2 Kunstakademien über die Begabtenprüfung aufgenommen wurde). Oder das jemand stehen bleiben wird die nächsten Jahre: „die (hier eine Zahl einfügen) Jahre sitze ich noch ab in dem Unternehmen XY, auch wenn mein Job langweilig ist“. Die Hybris der Viel-Interessierten. Geht das nur mir so?

    Hmmm …. beschleichen mich da eher Traurigkeit und Ärger gegenüber den Strukturen, die das Lernen und die Lernressourcen von Menschen so verschleiern können, und den verinnerlichten Bewertungsmechanismen, die oft dahinterstecken? Wie gesagt, ich bin optimistisch (und umso wütender, wenn uns irgendwelche KI-Grifter einreden wollen, unsere menschlichen Lernressourcen hätten im unsäglichen Vergleich mit irgendwelchen Bullshit-Automaten nun nicht mehr die Kraft und Möglichkeit, die sie haben und immer haben werden.)

    Zu Ärger, Hybris und Wut – auch diese Begriffe möchte ich auf meinen Merkzettel für die #CLCamp26-Session setzen: Ungesteuert und ziellos lähmt sie und lässt unsere Lernressourcen versiegen. Zielgerichtet eingesetzt kann sie uns ungeahnte Kraft und regelrechte Gier nach Lernen spüren lassen. Es gibt Themen, zu denen ich alles in mich aufsauge, was ich finden kann – um argumentativ gewappnet zu sein und Gegen-/Verteidigungsmaßnahmen parat zu haben. Negative Emotionen können Lernressourcen sein.

    Da hast du Recht! Eine Ressource die man zuerst gar nicht so recht anschauen möchte, aber auf den zweiten Blick eine neue Welt öffnet. Einmal aus dem von dir aufgeführten Blick der Verteidigung, aber auch aus dem Widerstand der sich in einem regt, wenn andere wenig Zutrauen zu dir in einer Sache habe. Und den Neid* möchte man hier an dieser Stelle der unangenehmen Seite der Lernressourcen nicht missen wollen, oder?

    *Erinnert mich daran, dass mir immer noch eine neutral klingende Alternative für den Begriff „Neid“ fehlt. Oder brauche ich den gar nicht? Könnte „Lern-Neid“ auch eine positiv-inspirierende Lernressource sein?

    Vielleicht greift im Lernkontext auch der Begriff FOMO auch wenn schon alt und abgedroschen besser wie Neid. Was meinst du Johannes, hast du schon mal erlebt das irgendjemand auf LinkedIN eine abgeschlossene Ausbildung oder ein cooles Event postet und du dabei gedacht hast: „Warum zur Hölle ist mir das nicht eingefallen? / Habe ich das nicht gemacht!“. Dann gibt es zwei Optionen: Erkennen, dass das genau das ist was man jetzt tun möchte und man tut es ODER ein paar Tage später feststellen, dass es nicht wichtig für die eigene Weiterentwicklung ist.

    Jedenfalls, wenn man die dunkle Seite aus dieser Blickrichtung erkundet und reinhüpft in unbekannte Gewässer, vermeindlich dunkel und voller Gefahren, einfach weil du es jetzt genau so tun musst. Du erkundest das Feld und bekommst Sicherheit. Und jetzt kommt auch noch der Mut* ins Spiel, wieder als positives Element sozusagen. Als Gegengewicht zu Wut, Widerstand, Neid. Das braucht es dafür auch. Sich den Dingen und den Themen stellen, neue Wege gehen zu wollen. Notfalls auch erst einmal alleine, den negative Gefühle zu teilen, ist gar nicht einfach und werden deswegen oftmals erst mit sich selbst ausgehandelt und erst dann wieder geteilt, wenn eine vertretbare Basis für Austausch vorhanden ist. So ist es zumindest bei mir.

    *Mut ist ein zweischneidiger, teils übergriffiger Begriff, wenn er eingefordert wird – wie so oft im Corporate Learning. Ich möchte von niemandem, der abhängig angestellt ist, erwarten, beim Lernen „mutig“ sein zu müssen. Ich möchte Sicherheit verspüren, Vertrauen in mitlernende Kolleg:innen haben können und die Regeln und Verträge, innerhalb derer wir agieren, kennen und sie anwenden. Und ich weiß natürlich, dass Du auf eine andere Art von Mut anspielst, Gabriele … den Mut, der aus starker emotionaler Verbundenheit zu etwas erwächst, richtig?

    Ja, aus der Sicht von abhängig angestellten, ist das nachvollziehbar. Und ich meine aber trotzdem den Mut, etwas zu wagen. Auch mal was zu lernen, was im Moment vielleicht nicht passend ist und nicht auf deinen Karrierepfad einzahlt.

    Offenheit

    Voilá. Braucht es noch einen Überleitung zur Offenheit fragte Johannes im Text und hier ist sie: meine spontane und mal wieder intuitive Eingebung zu Offenheit. Übrigens auch als sehr guten Anschluss zum Thema „Mut haben, sich den Dingen zu stellen“. Ich verspüre bei uns beiden eine gewisse MüdiKIte und das mit Recht. Also wir mit unserer menschlichen und erfahrungsbasierten LLM haben doch hier einen Text erarbeitet, der so mit egal welcher KI nicht entstanden wäre. Und Spaß machte es auch. Zu verdanken ist das doch unserer Offenheit und dem loslassen können. Der Lust gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen. Und unbedingt auch dem gegenseitigen Vertrauen, dass wir uns entgegen bringen, einen solchen Text gemeinsam zu erstellen. Das ist nicht in jeder Konstellation möglich.

    Ja, das gemeinsame Schreiben mit Dir erschließt mir mehr von dem, was nicht im Text selbst steht, als die Buchstaben, Wörter und Sätze, die auf dem Bildschirm erscheinen. Wir schreiben in unseren gemeinsamen Kontext, in unser Vertrauen zueinander und in die zukünftige Barcamp-Session hinein. Das ist viel mehr als der Blogpost selbst. Lernressource „Kontext“? Lernressource „Das, was drumherum passiert“? Lernressource, sich Orientierung zu verschaffen, in alle Richtungen zu blicken, gedanklich auf die Reise gehen zu können?

    Reisen bildet. Ich möchte aber sagen nicht jede Art von Reisen bildet. Ich kenne Menschen die waren schon auf der ganzen Welt. Wenn du dich dann aber innerhalb eines abgeschlossenen Ressorts bewegst, dann – keine Bildung. Reisen ist kein Ort, du kannst auch auf einem Quadratmeter Erde auf Reisen gehen. Alles nur in ganz klein und fast nicht sichtbar. Moose, Flechten und Pilze sind so ein Ort, den es in keinem Reisebüro zu buchen gibt. Vielleicht ist die wichtigste Lern-Ressource in diesem Zusammenhang, dass nicht nur das vermeintlich wichtige einen zum Ziel bringt, sondern auch die Seitenzweige und Themen, die im ersten Moment nicht als wichtig erscheinen, aber in anderem Kontext auf einmal Sinn ergeben. Pilze zum Beispiel. Von Pilzen kann man viel über Vernetzung und Kommunikation lernen.

    Pilze sind ein faszinierendes Thema, Gabriele, bei dem es mich sofort juckt, zum Bücherregal zu treten und ein paar Beispiele literarischer Verarbeitung zu suchen. Lass uns das später nachreichen …

    Aber auch Deine Worte zum Reisen. Zwei Deiner Sätze widersprechen sich nach meinem Verständnis. Ich behaupte – und unterstelle Dir aufgrund des direkt anschließenden Satzes – dass Du das auch so siehst: Auf jedem noch so kleinen und abgeschlossenen Areal, auch im Liegestuhl des Ressorts, lässt sich Bildung erfahren. Es kommt auf den eigenen Blick und Fokus an. In einem unserer ersten persönlichen Gespräche (auf der re:publica …. 22?) erwähnte ich die Situationistische Internationale, die Meisterschaft darin entwickelten, alltäglich Vertraute und durch das „Spektakel“ völlig vereinnahmte Orte zu Lernorten umzugestalten – durch Praktiken des Dérive oder Détournement (Schreck! Das hast du doch so nicht gesagt! Jetzt muss ich hier mittem im Text noch Ecoisa befragen!), die sich als ein bewusstes „Auf-die-Reise-gehen“ sehen und Situationen schaffen beschreiben lassen können. Situationen, um kreativ und kraftvoll Unterdrückung sichtbar zu machen und Veränderung einzuleiten … auch wenn es nur eine temporäre kreative Umdeutung ist.

    Da hast du mich ertappt. Da ergieße ich mich einfach mal kurz sehr populistisch zu meinen Vorbehalten gegenüber Pauschalreisenden, die sich überwiegend in abgeschotteten Ressorts oder auf Kreuzfahrtschiffen bewegen und möglicherweise sind tatsächlich 1-2 darunter, die sich rein zu antrophologischen Studien dort bewegen und somit also mit einem Bildungsauftrag unterwegs sind. Eventuell bin ich auch einfach nur ein bißchen neidisch auf diejenigen, die mal kurz dahin und dorthin reisen, während meine Reisen überwiegend mit meiner riesigen internationalen Kochbuch-Sammlung stattfinden. Da behindert manchmal mein Schubladen-Denken und meine Arroganz, meine Kreativität beflügeln sie gleichzeitig, zumindest in meinem Schreib-Prozess gehören spitze und übertriebene Seitenhiebe stilistisch für mich dazu. Beim Schreiben wurde mir übrigens auch sehr frühzeitig Kreativität diagnostiziert. Und während ich also vor meinem inneren Auge als Antrophologin mit Klemmbrett und Bleistift auf einem Kreuzschiff Feldbeobachtungen mache, schiebt sich die nächste Ressource ins Blickfeld.

    Kreativität

    Manchmal erschließen sich zwischen den Werkzeugen und Wissensinseln Verbindungen und es werden Verknüpfungen sichtbar, die dann wie ein klarer Weg vor einem liegen und sich verbinden, wie zwei ineinander fließende Flüße. Vielleicht ist das der Übergang zu der beschworenen Serendipity – übrigens ein Wort das ich zum ersten Mal von Johannes hörte. Jedenfalls je umfangreicher das zusammengesammelte, umso klarer das Gesamtbild. Und zum Weg passt die Bewegung im Raum.

    Bewegung

    Lernen beim Gehen im Wald, meinem dritten Raum. Bewegung als Zündstoff für neue Ideen und Verbindungen. Richtungswechsel und Perspektivenwechsel beim Gehen als Impuls die Denkrichtung zu verändern. Manche Ideen können nicht zu dir kommen und entstehen nur dann, wenn du dich auf sie zu bewegst. Und das darf jetzt auch gerne wieder auf die Meta-Ebene gehoben werden. Ich übergebe an Johannes.

    Das Recht auf Spazierengehen ist für mich tatsächlich eine mir persönlich wichtige Lernressource. Aus genau den Gründen, die Du bereits erwähnt hast. Weiterhin finde ich faszinierend, wie beim Durchgehen durch Orte Erinnerungsanker gesetzt werden. Ich erinnere mich auch Jahre später noch an bestimmte Podcast-Fragmente, die ich an einer bestimmten Hausecke, einem bestimmten Baum … irgendwann einmal hörte. An Telefonate, die ich spazierengehend führte. Emotionen, die ich durchlebte, Gedanken, die ich trug.

    Orte

    Deshalb bin ich auch überzeugt: Lernen braucht Orte. Ob der Raum wirklich „der dritte Pädagoge“ ist können wir an anderer Stelle diskutieren. Klar scheint mir: Orte prägen das Lernen. Sei es der Klassenraum mit Möblierung für den Frontalunterricht, der Kreativraum in hippen Startups oder die Street-smartness fördernde „Straße“ in ihrer schillernden Ausprägungsvielfalt.

    Haben wir einen Ort irgendwann fertig entdeckt … so detailliert erkundet, dass es nichts neues mehr zu entdecken, keine neue Perspektive mehr einzunehmen, keine Umgestaltung mehr vorzunehmen gibt? Ich vermute nicht. Eine meiner intensivsten Lernerfahrungen der letzten Jahre fand in einem fast völlig leeren Theater-Probenraum statt, der von uns beliebig und immer wieder neu mit Bedeutungen befüllt werden konnte. Fast nichts war ‚vorgebaut‘, alles war möglich auf dieser leeren, aber für uns gegen außen geschützten Bühne.

    Werkzeugkasten

    Ich weiß von mir, dass mein Interesse versiegt, wenn ich etwas „ergründet“ habe. Wenn ich den Kern erfasst habe, also ca. 20-60%. Dann zieht es mich weiter zur nächsten Wissensinsel. Das zu verstehen, und das ich irgendwann mal den Begriff „Scanner“ Persönlichkeit geschenkt bekommen habe, ist ein weiterer Baustein meiner Lernressource. Heute erlaube ich mir weiterzuziehen. Früher habe ich an meinem Durchhalten gezweifelt. Das ich an nichts dranbleiben kann. Heute habe ich meinen Werkzeugkasten, der ist zwar umfangreich, bei manchen Werkzeugen weiß ich noch nicht ganz genau wie sie funktionieren, aber ich weiß wo ich es finde und um es anzuwenden, darf ich mich nochmal damit beschäftigen.

    Was ich gerade nicht beantworten kann, ist die Frage wie ich auf diese Ressourcen zugreife. Hier muss ich leider gestehen, dass ich bei bestimmten Themen in eine Art „Flow“ komme. Dann ist es ein Selbstläufer und was ich erarbeiten will, was ich mir neu erschließen möchte, entsteht fast von alleine.

    Oftmals in tagelangen (und leider auch nächtelangen) Denkprozessen entstehen meine Texte und Ideen. Ich bin die Texterin und Konzeptionerin der Dunkelheit. Wenn alle anderen schlafen bilden sich in meinem Kopf Worte, Sätze, Blogbeiträge, Headlines, entstehen Workshop-Landschaften und – Lernformate.

    Mir scheint, Du hast einen für dich gut funktionierenden Zugang zu Deinen Ressourcen gefunden? In manchem, was ich lese, finde ich mich selbst wieder (das Umherhüpfen zwischen Themen und die Qual bei der Vorstellung, mich mehrere Jahre intensiv und fokussiert mit genau einer Fragestellung beschäftigen zu sollen). Früher, als Student, habe ich selbst in der Nacht geschrieben. Das funktioniert seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr, weil sich meine Tagesroutinen und die (externen) Anforderungen an meinen Tag-Nacht-Rhythmus geändert haben.

    Ja, das stimmt. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich weiß, dass ich auch 5 vor 12 noch eine Idee, einen Geistesblitz haben werde, der funktioniert. Hätte nur gerne weniger Spontanität drin und ein System, dass ich mit anderen teilen kann. Schreiben tu ich nicht in der Nacht. Nur wenn mir ein wirklich geniale Idee einfällt für einen Kunden. Dann stehe ich auf, schreib die Idee auf ein Board und buche die Anzahl Stunden auf das Kundenkonto, die dem Wert der Idee entsprechen und das fühlt sich gut an.

    … was verdeutlicht, wie relativ und flexibel Zeit gehandhabt werden könnte, als Arbeits- und als Lernressource. Wird es im Corporate Learning selten, wenn mit „Lernzeitbudgets“ etc. hantiert wird.

    Zeit

    Denn was Lernen neben sozialen Resonanzräumen und Gesundheit (dazu weiter unten mehr) besonders benötigt, ist Zeit. Ist Lern-Zeit die Grund-Ressource, ohne die alle anderen Ressourcen nichts sind? Gleichzeitig ist Lern-Zeit konstant rar. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass kaum Zeit für bewusst selbst-organisiertes und -gestaltetes Lernen bleibt. Lernzeit ist notorisch fremdbestimmt (in der Regelschule, der Ausbildung oder Bologna-geprägten Universität, in verordneten Seminaren, Weiterbildungen oder Umschulungen). Andere bestimmen für uns, WANN wir Lernen sollen, dürfen oder angeblich sogar müssen – egal, ob uns die Zeit dafür gerade passend erscheint und wir Lernlust spüren. Lernzeit ist die Zeit im Seminar. Lernzeit ist geblockt im Kalender. Lernzeit wird eben nicht als die Zeit gesehen, in der Du in der Nacht aufstehst und eine Idee notierst … oder wachliegst und Gedanken wälzt. Und Lernzeit wäre … zumindest für mich … auch sehr oft die Zeit, die gerade nicht verfügbar ist, weil dies und das und jenes erledigt werden muss.

    Ich stelle für mich selbst fest, dass meine Lernlust regelrecht aufblüht, wenn ich längere Zeit am Stück für mich habe. Auch deshalb nehme ich mir jeden Sommer den Luxus der ganzen großen Ferien. Damit habe ich nicht nur die gesamten sechs Wochen mit meiner Familie, sondern spüre auch, wie meine Lernressourcen wieder wachsen. Ich entdecke im Alltag verschüttete Interessen, spüre meine Selbstwirksamkeit und nehme mir unendlich viele Lernprojekte vor … die dann erwartungsgemäß im Herbst zwar meist wieder einschlafen, aber allein die Erkenntnis, dass sie in mir als Lernressource schlummern und durch mehr verfügbare Zeit spürbar werden, ist sehr beruhigend.

    Allerdings kann diese Sehnsucht nach Lernzeit auch ausgenutzt werden. Wie oft nehme ich war, dass das Versprechen von Lernzeit in Unternehmen missbraucht wird – als Pflaster über disfunktionaler Planung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überlast. Lernzeit wird dann zur zermürbenden Möhre-vor-der-Nase, die nie erreicht wird, aber immer ergriffen werden könnte, wenn denn die Arbeitsdisziplin stimme. Und selbst wenn sie im Kalender steht, gnädig gewährt, steht da doch immer noch die nicht erledigte Tätigkeit in Konkurrenz, die noch schnell fertig gestellt wird, unter dem Schutzmantel des ‚Nicht stören, hier wird gelernt’.

    Wenn der Tag zu viel Inhalt hat, aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und einem kleinen Rest Selbstfürsorge – oder nennen wir es kleine Pause, da ist Lernen nicht machbar. Ich erinnere mich an Zeiten, als diese Kombination es lediglich ermöglichte seufzend und traurig die Decke anzustarren. Dies ist die Realität von vielen, vermute ich. Und in der Lebensphase in der Johannes steckt, ist es wirklich schwierig ungeplante spontane Lernzeiten unterzubringen. Möchte jetzt gerne schreiben, dass das besser wird. Aber leider, leider, erst mal Nein. Deswegen finde ich es sehr inspirierend was Johannes dazu schreibt. Sich gezielt die Lernzeiten-Fenster zu schaffen und zwar nicht als „festes Fenster“ sonder so, dass Selbstwirksamkeit erfolgen kann und die freigeschaufelte Zeit nicht zugeschüttet wird mit anderen Todos, die darauf warteten erledigt zu werden (Aufräumen, Einkaufen, Räder wechseln, …). Es ist jetzt 11:30 Uhr und ich werde jetzt eine Runde durch den Wald drehen, diesen Beitrag im Kopf haben und später wieder anschließen.

    „Wie schaffen wir unseren Mitarbeitenden Lern-Zeit?“ ist die Frage, die mir (neben der zur ominösen „Lern-Kultur“, auf die ich noch eingehen werde) in Beratungssituationen am häufigsten gestellt wird.

    Die Zeitfrage ist in Betracht auf die „Teppich-Etage“ noch relativ einfach finde ich. Schwierig wird es bei den Beschäftigen auf dem „Hallenboden“ oder die mobil unterwegs sind. Hier müssten Einschnitte gemacht werden in die „Produktivitätszeit“, was bei heutigen Auslastungen und Effektivitäts-Steigerungen schwer zu handhaben und zu vertreten ist. Am Ende ist es doch auch hauptsächlich Vertrauen, auf das gebaut werden muss. „Ich stelle Lebenszeit und Arbeitskraft zur Verfügung und werde diese optimal für dich liebes Unternehmen zum Einsatz bringen“ steht da im krassen Konflikt zu „ … und am Ende wird beim Homeoffice womöglich auch noch nebenher Wäsche gewaschen!?!“.

    Ja, wir betreten hier ein neues Konfliktfeld, in dem das oft postulierte Mantra „Lernzeit = Arbeitszeit“ wie ein fernes Echo aus dem Elfenbeinturm wirkt. Natürlich bemüßigen sich alle, auch die Arbeit auf dem „Hallenboden“ lern-reich zu gestalten. Als Lippenbekenntnis. Die Realität sieht oft anders aus, und „Lernzeit“ wird in Pausenzeiten oder die Freizeit versteckt (natürlich nicht offiziell). Wie erkämpfen wir uns Lern-Zeit?

    Gesundheit(en)

    Neben der zur Verfügung stehenden Zeit und dem sozialen Netzwerk ist Gesundheit (oder sind „Gesundheiten“ … ich möchte mich, ähnlich wie mit „Zukünften“, auch mehr mit der bewussten Verwendung des Begriffs Gesundheit im Plural auseinandersetzen, um die problematische Binarität Krank – Gesund zu hinterfragen) die dritte ganz zentrale Lernressource – und diejenige, die in den meisten Lernkontexten krass ignoriert wird. Die körperliche und seelische Verfassung, die wir in Lernprozesse einbringen, ist darauf so prägend wie fast nichts anderes.

    Das sind Barrieren, die uns den Zugang zu Lernsettings verwehren. Das ist unsere menschliche Neurodiversität, die ignoriert wird. Das ist das unterschiedliche Maß an Kräften, die wir insgesamt einbringen und auf unsere unterschiedlichen Anforderungen im Alltag verteilen können.

    All das wird in vielen konventionellen Lernsettings oft ignoriert oder als Nice-to-have betrachtet, dabei sollten alle Betrachtungen hier starten.

    Gesundheit ist aber ein wesentlicher Bestandteil. Wer im Burnout steckt, Depressionen hat, oder in einem Suchtverhalten steckt, kann nicht lernen. Jedenfalls nicht gut.

    Ich denke, doch, auch aus solchen Situationen erwächst Lernen. Nur ein gänzlich anderes, das eine eigene Betrachtung verdient – denn mir liegt es fern, Lernen aus Leid irgendwie faschistoid zu glorifizieren.

    Finanzielles

    Am Ende sind wir also bei den Elefanten angelangt. Zeit, Gesundheit … und das liebe Geld. Dass Lernen durch finanzielle Ausstattung gefördert oder durch Einsparung stark erschwert werden kann, scheint intuitiv einleuchtend. An dem Punkt waren wir schon zu Beginn, im Abschnitt „Inhalte / Materielles“. Im Corporate Learning taugt das, was etwas kostet und sich in einem definierten Zeitraum messen und bewerten lässt … die Return-on-Investment-Logik. Ebenso bekannt, dass wir lebenslang unterschiedlich finanziell begütert mit entsprechend unterschiedlichen Zugängen zu anderen Lern-Ressourcen (Zeit, Gesundheiten, Inhalte etc etc ….) durch die Welt laufen.

    Wir sollten uns stark dafür machen, Lernen gebührend finanziell auszustatten. In der Schule, in außerschulischen Realitäten von Kindern und Jugendlichen, während des Aufwachsens, am Arbeitsplatz und außerhalb der Erwerbsarbeit, im sozialen Miteinander, im politischen Gefüge und in Situationen, in denen wir ganz besonders auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Ja, es mag abgegriffen sein und aufgrund seiner Verwurzelung in einer neoliberalen Verwertungslogik auch angreifbar, gehört im Rahmen dieser Logik aber immer wieder betont: Investitionen in Bildung rechnen sich!

    Ich mag hier gerne noch die Brille der Soloselbständigen reinbringen. Was für außenstehende leicht aussieht, wenn ich im Erstgespräch gute Ideen einbringe und relativ schnell ein Grobkonzept erstelle, ist das Ergebnis vorab geleisteter Lerneinheiten, die mir in Gänze niemals gezahlt werden können. Deswegen erlaube ich mir, diese bei Beauftragung anteilig in Rechnung zu stellen. Nach eigenem ermessen, aber so dass meine Vorableistung unabhängig vom Auftrag honoriert wird.

    Feminismus

    Feministischer Blick auf die Ressource, als Auszug unserer Feministischen Lernpolitik? Was braucht es um Lernen gut zu gestalten aus der Blickrichtung Feminismus?

    Hinweis in eigener Sache. Das endet jetzt hier sehr plötzlich.

    Ach ne, das war ein fulminanter Start, der noch lange nicht zuende ist, sondern doch nur als Auftakt für unsere Session geplant ist, Gabriele. In unserer Session öffnen wir den Lernraum mit allen Teilgebenden. Vielleicht schreiben ja einige davon auch im Nachgang noch weiter, so wie wir? 🙂

    Eigentlich sollte ich hier einen Abbinder schreiben, der sich mit der Ressource Feminismus beschäftigt und unser Thema Lernressourcen abrundet. Ich mag aber viel lieber erzählen, wie wir zwischendurch auf Literatur gekommen sind und ich fand, dass unser Austausch mich an Stephanie Sargnagels Buch „Iowa“ erinnert mit den Fußnoten von Christiane Rösinger. Johannes lacht und sagt „das Buch war super witzig!“. Fand ich auch. Und vielleicht ist es doch ein bißchen die feministische Klammer, die unseren Austausch wieder schließt. Beim Erstellen dieser letzten Zeilen kam mir noch in den Kopf: Lernressource Humor? Scherz beiseite. Humor ist zumindest ein verbindendes Element und macht gemeinsames Lernen zu einem Erlebnis. Jedenfalls zwischen mir und Johannes, wie wir es hier beim gemeinsamen Schreiben und Denken erlebt haben.

    #CLC23 #CLCamp26 #eine
  14. Lernressourcen

    Wir, Gabriele und Johannes, wollen auf dem #CLCamp26 eine gemeinsame Session zu „Lernressourcen“ anbieten.

    Den Start in die Vorbereitung machen wir mit diesem Blogbeitrag … der vielleicht auf die Session neugierig macht, vielleicht Einstiegs- oder Anknüpfungspunkte setzt, vielleicht zu Widersprüchen aufruft und hoffentlich – zuerst einmal durch das Schreiben für uns beide – das Feld weitet für das, was „Lernressourcen“ alles sein könnten.

    Als wir beschlossen, die Session anzubieten und dazu mit einem kooperativem, gemeinsamem, ineinandergreifenden und aufeinander Bezug nehmendem Schreibprozess zu starten, notierten wir uns die folgenden Fragen, die auch zu Beginn unserer Session stehen könnten:

    • Was bedeuten Lern-Ressourcen?
    • Wie können auf Lern-Ressourcen aufgebaut werden, wie können diese ausgebaut werden?
    • Wann weiß ich, welche Lern-Ressource ich in welchem Umfang zum Einsatz bringe?
    • Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
    • Welche Arten von Lern-Ressourcen gibt es überhaupt?

    Und vielleicht leiten sich aus unserem folgenden schriftlichen Austausch vorab für uns und für Session-Teilgebende weitere Fragen und Ideen ab?

    Aus welchen Perspektiven blicken wir jeweils auf den Begriff „Lernressourcen“?

    Diesen Beitrag schreiben wir kooperativ. Jede:r von uns ergänzt Ideen, die wir dann gemeinsam in einen Fluss bringen. Daraus entsteht im Schreibprozess ein inspirierendes Ping-Pong auf einem gemeinsam beschriebenen Collabora Online Dokument auf Gabrieles Nextcloud. Wir schreiben uns gegenseitig in die Texte, lesen immer und immer wieder und ergänzen. Ich habe das Gefühl, wir könnten endlos so weitermachen, aber irgendwann, am 2. März um 18 Uhr, setzen wir uns einen Schlusspunkt, kopieren den kooperativ geschriebenen Text als Sessionankündigung in unsere jeweiligen Blogs (und werden dabei sicher weitere Stellen finden, die wir überarbeiten … denn der Text bleibt lebendig und beschreibbar).

    So haben wir es heute besprochen: und um 18:00 Uhr ist also Schluß für heute und für den aktuellen Stand unseres Schreibgesprächs. Das wird spannend, da es für die Zukunft gesehen zwei Versionen geben wird, da sich unsere beiden Blogs ja nur von der Ferne her kennen und sich nicht synchronisieren.

    Aber sie pingen sich gegenseitig an. Die gute alte Pingback-Tradition der Webblogs. Oder kann Dein Blog das nicht, Gabriele? 😛 Ich hab noch fünf Minuten, dann ist Schluss mit Tippen und wir veröffentlichen ….

    Ich, Gabriele, gebe hier einen persönlichen Einblick zu meiner Lernerfahrung. Meine eigene Lernerfahrung basiert vor allem auf der Erkenntnis, dass die meisten Organisationen in denen ich beschäftigt war, mein zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erkannten und/oder fördern konnten oder wollten. So habe ich mich immer selbst auf den Weg gemacht, gelernt, verworfen, aufgebaut, aufgefrischt, neu gelernt … . Seit ich Menschen wie Johannes kenne und in einen regelmäßigen Austausch zu selbstgewählten Themen gehe, verstehe ich, wie Lernen mit anderen funktionieren kann und was es für mich bedeutet, in den Austausch mit anderen gehen zu dürfen. Auch dann, wenn ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin. Keine Grenzen. Manche Bedarfe entstehen erst durch das darüber sprechen. Manche Gedanken werden zu Ideen, Konzepten oder führen zu Erkenntnissen, wenn man sie das erste Mal mit anderen teilt. Das hat mich mutig gemacht die letzten Jahre und so lerne ich als Soloselbständige so vor mich hin, lass mich treiben und mäandere mich gemächlich durch die unterschiedlichsten Wissensgebiete. Meine Neugier sucht sich wie ein Fluß ihren Weg. Was ich mache? Das ändert sich ständig. Gerade mache ich mal wieder eine Ausbildung. Und überhaupt denke ich gerade: Vielleicht sollte mich mal mit dem Thema Flüße beschäftigen?

    Jedenfalls empfinde ich den Austausch mit Johannes immer als sehr gewinnbringend.

    Das beruht auf Gegenseitigkeit, Gabriele. Sonst hätten wir das hier nicht gestartet.

    Ich, Johannes, erschließe mir die Vielfalt von „Lernressourcen“ ebenfalls aus unterschiedlichen Richtungen und Zugängen … wie Du, Gabriele, und jetzt im Miteinander, der wichtigsten Lernressource – aber ich möchte nicht vorgreifen.

    Da ist meine berufliche Perspektive als Corporate Learning Berater auf die Vielfalt von Lern-Ressourcen. Hier mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass Lernangebote oft wenig bewirken, wenn sie isoliert und ohne die konzeptionelle Einbeziehung des systemischen Umfelds betrachtet werden. Mitarbeitende nutzen die Angebote nicht, Aufwände verpuffen, Lernen wird als Hürde empfunden oder Lernbedarfe werden nicht einmal erkannt. Mein Motto aus IT-Qualifizierungen ist „Die User sind nie schuld“, denn so gut wie nie „sitzt das Problem vor dem Bildschirm“ (wie ich diesen despektierlichen Spruch verabscheue!), sondern fast immer werden Bedarfe und deren Ursprünge zu isoliert betrachtet, wird Blaming geübt statt wertvolle Hinweise auf u. a. Ressourcenbedarfe zu erkennen.

    Und dann ist da der Blick auf Ressourcen, mit dem ich an Gabrieles Einstieg anknüpfen möchte: Das Erkennen, Erkunden und Erfahren der Möglichkeiten, die uns menschlich ausmachen, die uns zusammenbringen und uns gemeinsam gegen Widrigkeiten angehen lassen. Das, was eigentlich in uns steckt, und sich so oder so seinen Weg bahnt. Flüsse sind ein Bild, das mir gefällt, Gabriele! Flüsse bahnen sich ihren Weg, prägen Territorien und werden zu Grenzziehungen missbraucht, sind Lebensadern und können zerstörerisch sein. Manche sind wild, manche betoniert-eingehegt. Vielleicht irgendwann mal eine Session zu „Lernflüssen“? Heute aber erst einmal Ressourcen!

    Unsere gemeinsame Lern-Historie

    Nein, den Start in die Vorbereitung unserer Session machen wir natürlich nicht mit diesem Blogbeitrag, sondern schon viel früher: Seit langer Zeit denken, recherchieren, reden und schreiben Gabriele, Gratian, Silvia und ich gemeinsam mit einer weiteren Mitwirkenden an einem lernOS-Leitfaden zum Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“. In einer geplanten Woche dieses Leitfadens gilt es, sich der Ressourcen bewusst zu werden, die in das eigene Engagement eingebracht werden können.

    In diesem Zusammenhang begannen wir, uns intensiver mit dem Begriff „Ressourcen“ auseinanderzusetzen … denn zu Beginn stand ein produktives Missverständnis*, weil wir jeweils an ganz andere Begriffsbedeutungen dachten.

    *genau! Ich verstehe jetzt was Johannes mit Ressourcen meinte (meine Weiterbildung klopft gerade an). Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber die Ressource „Zeit“ dicht gefolgt von „Energie“. Wann habe ich überhaupt Zeit und dann auch noch Energie um mich mit Themen zu beschäftigen. Im Hintergrund stand bei mir der Gedanken, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen, die mir lernen oder Beteiligung ermöglichen. Ich werde es weiter unten nochmals thematisieren.

    (Spoiler: Zeit, Energie, Lebensphasen, Beteiligung … das schält sich, wenn ich diesen Text gerade kurz vor dem Publizieren noch einmal durchlese, doch als brauchbarer Rahmen für das meiste heraus, das wir betrachten und zum Ende hin abbinden. Deine erste Intuition war also ziemlich treffend, Gabriele!)

    Und noch früher dachten, recherchierten, redeten und schrieben Gabriele und ich um das Thema „Feministische Lernpolitik“ herum … in einem Social Learning Space, der wiederum aus einer Session von Gabriele auf dem #CLC23 Barcamp der Corporate Learning Community entstand und uns viele Monate regelmäßig zusammenbrachte, bis wir sie wieder auflösten. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Material- und Ideensammlung auf unserem Online-Whiteboard, auf die ich heute immer noch zugreife. Auch das Whiteboard für unser lernOS-Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“ ist weit über den Bildschirmrand befüllt mit gegenseitigen Empfehlungen, PDF-Dokumenten, Skizzen und Kata-Beschreibungen. Eine brauchbare Sammlung an (wild zusammengetragenen, wenig geordneten) Lernressourcen.

    Die Betrachtung unserer Lernressourcen hat für mich u. a. mit der Untersuchung folgender Fragen zu tun: Was uns im bereits zurückliegenden Lernprozess …

    • grundsätzlich die Möglichkeit verschafft, uns zusammenzufinden und uns einem gemeinsamen Thema zu widmen … und nach den ersten Schritte auch weiter zu machen,
    • unser Wirkungsfeld geöffnet und gehalten,
    • Energie im Prozess geschenkt,
    • das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung vermittelt (nicht auf der Stelle treten, sondern immer neue Quellen, Zugänge, Ideen und Wirkungsfelder zu betreten)?

    Und was hat dazu geführt, dass wir unser gemeinsames, in der Gruppe stattfindendes Engagement zum Thema „Feministische Lernpolitik“ nach einigen Monaten beendeten … und dass unsere lernOS-Entwicklungsgruppe nicht mehr so viele regelmäßig aktive Mitglieder umfasst wie zu Beginn?

    Ich vermute, all diese Fragen – und viele mehr, die wir auf unserer Barcamp-Session im Ressourcen-generierenden Austausch mit den Teilgebenden finden werden – haben mit (Lern-)ressourcen zu tun.

    Zukünftig möchte ich mich auch durch weitere Recherche damit auseinandersetzten, welche Verständnisse von „Lern-Ressourcen“ in Lerntheorien und Didaktik gängig sind. In diesem Einstieg, in dem wir uns die assoziativen Bälle zuwerfen, haben wir bewusst auf den Verweis auf Theorie verzichtet.

    Ich sowieso. Theorie ist wichtig, aber ich bin bekennende Frau praktischer Anwendungen. Habt ihr vielleicht schon gemerkt. Ich lerne durch ausprobieren. So bin ich übrigens auch eine phantastische Köchin geworden.

    Und auch beim Kochen braucht es gute Zutaten, Gabriele ….

    Inhalte / Materielles

    In meiner täglichen Arbeit wird unter (Lern-)ressourcen meist Materielles verstanden, speziell „Content“: Die Rohstoffe in der Produktion, die weiter verwertet werden, als auch die Lerninhalte, die wir als Lernende rezipieren, verarbeiten und darüber intern unser Wissen aufbauen. Texte, Videos, e-Learning-Inhalte, Folien, Podcasts … . Unsere digitale und auch analoge Welt ist übervoll mit Lernressourcen dieser Art. Das Internet als (noch, wenn auch durch AI-Slop und Plattformkapitalismus bedrohte) unerschöpfliche Quelle für Lernressourcen, die (ebenfalls durch Austeritätspolitik bedrohten) Stadtbibliothek, Museen und weitere Kulturorte. Inhalte können teuer produziert oder gekauft werden oder als Commons frei verfügbar sein. Letzteres wird im Corporate Learning oft ignoriert. Tauglich sei’s, wenn’s für Geld eingekauft und als Eigentum ins Lernmanagementsystem eingeschlossen und als Lernmaßnahme ausgehandelt dort zugewiesen wurde. Die unendlichen Möglichkeiten, kontinuierlich mit frei verfügbaren und sich permanent durch die Nutzung und Anreicherung im Lernkontext anreichernden Inhalten zu lernen, die durch das Engagement von Freiwilligen bereitgestellt werden, werden ignoriert.

    Ach spannend. Also jetzt haben wir schon drei verschiedene Dimensionen des Begriffs Ressource: Der Lern-Inhalt (Content), die Lern-Verfügbarkeit (zeitliche, räumliche, finanzielle) und der persönlichen Ressourcen (Neugier, Offenheit, Quelle …).

    Aber diese begriffliche Einengung von „Lernressourcen“ ist natürlich bei weitem nicht ausreichend.

    In meinen eingangs beschriebenen Lernerfahrungen sind mir beispielsweise die Gespräche mit meinen Mitlernenden, das geteilte und Energie schenkende Gefühl, ein gemeinsames, von uns allen als sinnvoll empfundenes Ziel zu verfolgen und die dadurch längerfristig gestärkten Beziehungen viel wichtiger als die Quellen und Buchtipps, die wir auf unseren Online-Whiteboards zusammengetragen haben.

    Jetzt hake ich wieder ein. Ja, wir haben Whiteboards bis an die Kante befüllt und auch für mich sind diese gemeinsam mit anderen entstandenen Whiteboards immer wieder Quelle der Rückkehr und des wieder treiben lassens. Schon wieder drängt sich das Flußbild auf … . Statt Whiteboard sollte es nun ein kollaborativer Text sein, in dessen Mitte wir uns nun eben befinden. Beide schreiben wir parallel über unsere Lernressourcen.

    (Ich behaupte ja immer, und hatte dazu vor Jahren auch mal eine Barcamp-Session initiiert, dass ich durch Schreiben lerne. Schreibend schöpfen wir gerade von überall her aus unseren verschiedenen Lernressourcen und schreiben sie fort und größer … und schon trägt mich Dein Fluss-Bild mit …)

    Und gestern haben wir uns getroffen und fast wäre es passiert, dass wir wieder in ein anderes großes Thema abgedriftet wären. Zu Beginn des Textes habe ich mir die Frage gestellt, was meine persönlichen Lernressourcen sind und eine die vielleicht euch und auch mich selbst überrascht hat, ist die hier im Anschluß folgende:

    Popkultur/Subkultur

    Neues hören, neues sehen, warum hören Menschen jahrzehntelange die gleiche Musik? Musik ist mein „Mitgestalter“. Kunst und Literatur auch, aber Musik am meisten. Ich stehe auf die Ressource Subkultur und Popkultur. Sie taugt mir für alles: Kreativität, Menschen die sich verbinden, bewegen. Pop- und Sub-kulturelle Begegnungsstätten in Form von Clubs, Vereinen, Bewegungen verbinden Menschen und Gedanken. Werden zu Strömungen und können niedrigschwellig Inhalte vermitteln. Vielleicht ist Pop-/Subkultur das „kulturelle“ Gegenstück zum schmutzigen Populismus rechter Parteien. Ich schweife ab. Jedenfalls bietet zumindest die Subkultur Schutzräume in denen ich mit anderen, die sich im selben Kultur-Raum befinden Möglichkeiten des Austauschs, Betrachtens des Lebens durch eine andere Brille. Mich ausprobieren kann. Abgrenzung ist eine der Lernerfahrungen und Ressourcen die darin schlummert. Ich muss nicht immer so sein, wie es andere von mir erwarten. Aber auch, bei der Popkultur, Teil einer größeren Bewegung zu sein. So ganz genau weiß ich noch nicht was ich damit sagen will, vielleicht ist das eine der „Quellen“ der persönlichen Ressource (siehe oben). Ich baue an dieser Stelle auf Johannes und übergebe in seine analytische Gedankenwelt 🙂

    Wenn ich Deinen hymnischen Einstieg lese, möchte ich vielleicht gar nicht analytisch werden, sondern ebenfalls an Selbst-Erlebtes anknüpfen. Pop- und Subkultur scheint mir eine wichtige, biografisch geprägte Lernressource zu sein (und auch hier freue ich mich auf eine in der Session fortgeführte Vertiefung … denn die Betrachtung dieses Ressourcenfelds wird umso greifbarer, je vielfältiger und durch eigenes Erleben geprägter die Stimmen dazu sind). Mit vielen von dem, was ich heute kann, auf dem ich mit meinen Kompetenzen aufbaue, was mir wichtig ist, was mich „resilient“ macht (sorry für die Verwendung dieses oft so problematisch missbrauchten Wortes) und was mir mein soziales Netzwerk erschließt, hat Ursprung in Subkulturen, in denen ich als Jugendlicher Zugang fand oder die ich mir jetzt erst mit Mitte 40 erschließe. Subkulturen, Popkulturen, Gegenkulturen schaffen uns ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten, öffnen Arenen der inspirierenden Imitation, erweitern unseren Werkzeugkasten, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und stärken uns im Miteinander. „Each one teach one“, eine der wichtigsten Lernressourcen.

    Der Begriff der Gegenkultur ist hier noch wichtig! Danke für’s einbringen Johannes. Den Subkultur speist sich auch aus Widerstand. Das ungesagte das unfassbare sichtbar machen und sich dagegen wehren. Gegenwehr gegen Systeme, die beschränken. In meiner Generation die Haltung der 50-60er Jahre, die einen bestimmten Weg für junge Frauen vorgeschrieben haben: Heiraten, Kinder bekommen und bloß nicht zu viel Bildung. Hier in eine Anti-Haltung zu gehen, ist nicht unbedingt der einfachste Weg, wenn du jung bist. Den es bedeutet auch Einsamkeit, Unverständnis, Bestrafung, Ausgrenzung, Verzweiflung sowie ungefragte Tipps und Empfehlungen von Außenstehenden („mach es dir doch nicht so schwer“, „wie du wieder aussiehst … ist doch kein Wunder dass ….“) und nicht zuletzt auch schlechte Noten. Ich weiß wovon ich spreche. Aber am Ende bin ich doch daran gewachsen, da es immer einige wenige Mitstreiter:innen gab. Und daran schließt jetzt wunderbar das folgende Thema an, dass von Johannes eingeleitet wird.

    Netzwerke, Freundschaften, Bekanntschaften und Vorbilder

    Wir lernen zuallererst durch unser Streben nach Sozialisation … auch wenn uns im Corporate Learning immer wieder etwas anderes verkauft werden soll. In Interaktion mit Menschen lernen wir wie nebenher, auch auch durch die im vorherigen Abschnitt schon angesprochene Imitation. Unsere Lern- und Netzwerkpartner:innen öffnen und halten einen Resonanzraum für unsere Kompetenzen und nehmen unseren sozialen Entfaltungsdrang auf. Sie inspirieren uns als Vorbilder immer wieder. Sie sind die Ressourcen, die Lernen lebendig und erfahrbar machen und katalysieren … und es gleichzeitig ermöglichen, Ressourcenknappheit zu überwinden und formale Einhegungen/Beschränkungen zu unterlaufen. Lern-Netzwerke ermöglichen einen Aufstand gegen verordnetes Nicht-Lernen! … und schaffen damit die Grundlage für das, was Gabriele und ich hier tun. Und insbesondere ermöglichen uns Lern-Netzwerke Zugang zu Entwicklungen, die uns bisher verborgen blieben, nicht nur über den oft erwähnten „Flurfunk“ oder den Gerüchte-Handel „in der Kaffeeküche“.

    Neugier

    Ich war letzte Woche auf der Beerdigung einer guten Freundin von früher. Alles sehr traurig. Was hat das mit meinen Lern-Ressourcen zu tun? Ich habe Feststellungen gemacht an diesem Tag. Meine Freundin war aus einem intellektuellen Haus und ich weiß nun, was ich ihr zu verdanken habe und welche Türen sie mir öffnete. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon eine Leseratte und habe verschlungen was es gab. Im Bücherbund (die älteren unter uns wissen noch – Schallplatten gab es da auch) kaufte meine Mutter für mich Bücher, die für sie selbst sonderbar klangen und keinen Sinn ergaben. Dennoch war es diese Freundin, die meinen Hunger nach neuem bediente und erfüllte, Politik, Kunst, Literatur – Musik brachte ich als Element ein. Und damit bin ich bei der ersten persönlichen Lernressource: Neugier und Bereitschaft. Und ich frage mich, sind wir nicht alle von Geburt an neugierig? Wollen in Erfahrung bringen wie man laufen kann, sprechen kann? Und ich frage mich auch, wann und wo versiegt die Neugier bei so vielen Menschen?

    Da bin ich optimistisch. Unsere Neugier versiegt nie, bei keinem Menschen. Leider wird sie durch äußere Gewalt oft so unterdrückt, dass sie kaum wahrnehmbar scheint. (Allerdings bevorzuge ich seit einiger Zeit den Begriff „Lernlust“ mit seinem bewusst lustvollem Klang, denn die „Gier nach Neuem“ hat mir die Neugier in Zeiten von turbokapitalistisch getriebenem Wachstumsdrang nach leerer „Innovation“ im Klang etwas dissonant werden lassen.)

    Außerdem merke ich, auch in Zusammenhang mit anderen, dass sich leider teilweise ein bißchen Arroganz/Ärger/Unverständnis/Unmut bei mir einschleicht, wenn ich verstehe das jemand eben irgendwie stehengeblieben ist vor 30 Jahren. Oft fragen genau die mich dann: „wie bist Duuu den da hingekommen wo du jetzt bist?“ In dem langgezogenen „Du“ und dem darauffolgenden fragenden „da“ schwingt oft eine kleine Ungläubigkeit mit, da ich ja nicht einmal Abi habe und keine akademische Ausbildung (wobei ich hier immer gerne einfüge, dass ich an 2 Kunstakademien über die Begabtenprüfung aufgenommen wurde). Oder das jemand stehen bleiben wird die nächsten Jahre: „die (hier eine Zahl einfügen) Jahre sitze ich noch ab in dem Unternehmen XY, auch wenn mein Job langweilig ist“. Die Hybris der Viel-Interessierten. Geht das nur mir so?

    Hmmm …. beschleichen mich da eher Traurigkeit und Ärger gegenüber den Strukturen, die das Lernen und die Lernressourcen von Menschen so verschleiern können, und den verinnerlichten Bewertungsmechanismen, die oft dahinterstecken? Wie gesagt, ich bin optimistisch (und umso wütender, wenn uns irgendwelche KI-Grifter einreden wollen, unsere menschlichen Lernressourcen hätten im unsäglichen Vergleich mit irgendwelchen Bullshit-Automaten nun nicht mehr die Kraft und Möglichkeit, die sie haben und immer haben werden.)

    Zu Ärger, Hybris und Wut – auch diese Begriffe möchte ich auf meinen Merkzettel für die #CLCamp26-Session setzen: Ungesteuert und ziellos lähmt sie und lässt unsere Lernressourcen versiegen. Zielgerichtet eingesetzt kann sie uns ungeahnte Kraft und regelrechte Gier nach Lernen spüren lassen. Es gibt Themen, zu denen ich alles in mich aufsauge, was ich finden kann – um argumentativ gewappnet zu sein und Gegen-/Verteidigungsmaßnahmen parat zu haben. Negative Emotionen können Lernressourcen sein.

    Da hast du Recht! Eine Ressource die man zuerst gar nicht so recht anschauen möchte, aber auf den zweiten Blick eine neue Welt öffnet. Einmal aus dem von dir aufgeführten Blick der Verteidigung, aber auch aus dem Widerstand der sich in einem regt, wenn andere wenig Zutrauen zu dir in einer Sache habe. Und den Neid* möchte man hier an dieser Stelle der unangenehmen Seite der Lernressourcen nicht missen wollen, oder?

    *Erinnert mich daran, dass mir immer noch eine neutral klingende Alternative für den Begriff „Neid“ fehlt. Oder brauche ich den gar nicht? Könnte „Lern-Neid“ auch eine positiv-inspirierende Lernressource sein?

    Vielleicht greift im Lernkontext auch der Begriff FOMO auch wenn schon alt und abgedroschen besser wie Neid. Was meinst du Johannes, hast du schon mal erlebt das irgendjemand auf LinkedIN eine abgeschlossene Ausbildung oder ein cooles Event postet und du dabei gedacht hast: „Warum zur Hölle ist mir das nicht eingefallen? / Habe ich das nicht gemacht!“. Dann gibt es zwei Optionen: Erkennen, dass das genau das ist was man jetzt tun möchte und man tut es ODER ein paar Tage später feststellen, dass es nicht wichtig für die eigene Weiterentwicklung ist.

    Jedenfalls, wenn man die dunkle Seite aus dieser Blickrichtung erkundet und reinhüpft in unbekannte Gewässer, vermeindlich dunkel und voller Gefahren, einfach weil du es jetzt genau so tun musst. Du erkundest das Feld und bekommst Sicherheit. Und jetzt kommt auch noch der Mut* ins Spiel, wieder als positives Element sozusagen. Als Gegengewicht zu Wut, Widerstand, Neid. Das braucht es dafür auch. Sich den Dingen und den Themen stellen, neue Wege gehen zu wollen. Notfalls auch erst einmal alleine, den negative Gefühle zu teilen, ist gar nicht einfach und werden deswegen oftmals erst mit sich selbst ausgehandelt und erst dann wieder geteilt, wenn eine vertretbare Basis für Austausch vorhanden ist. So ist es zumindest bei mir.

    *Mut ist ein zweischneidiger, teils übergriffiger Begriff, wenn er eingefordert wird – wie so oft im Corporate Learning. Ich möchte von niemandem, der abhängig angestellt ist, erwarten, beim Lernen „mutig“ sein zu müssen. Ich möchte Sicherheit verspüren, Vertrauen in mitlernende Kolleg:innen haben können und die Regeln und Verträge, innerhalb derer wir agieren, kennen und sie anwenden. Und ich weiß natürlich, dass Du auf eine andere Art von Mut anspielst, Gabriele … den Mut, der aus starker emotionaler Verbundenheit zu etwas erwächst, richtig?

    Ja, aus der Sicht von abhängig angestellten, ist das nachvollziehbar. Und ich meine aber trotzdem den Mut, etwas zu wagen. Auch mal was zu lernen, was im Moment vielleicht nicht passend ist und nicht auf deinen Karrierepfad einzahlt.

    Offenheit

    Voilá. Braucht es noch einen Überleitung zur Offenheit fragte Johannes im Text und hier ist sie: meine spontane und mal wieder intuitive Eingebung zu Offenheit. Übrigens auch als sehr guten Anschluss zum Thema „Mut haben, sich den Dingen zu stellen“. Ich verspüre bei uns beiden eine gewisse MüdiKIte und das mit Recht. Also wir mit unserer menschlichen und erfahrungsbasierten LLM haben doch hier einen Text erarbeitet, der so mit egal welcher KI nicht entstanden wäre. Und Spaß machte es auch. Zu verdanken ist das doch unserer Offenheit und dem loslassen können. Der Lust gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen. Und unbedingt auch dem gegenseitigen Vertrauen, dass wir uns entgegen bringen, einen solchen Text gemeinsam zu erstellen. Das ist nicht in jeder Konstellation möglich.

    Ja, das gemeinsame Schreiben mit Dir erschließt mir mehr von dem, was nicht im Text selbst steht, als die Buchstaben, Wörter und Sätze, die auf dem Bildschirm erscheinen. Wir schreiben in unseren gemeinsamen Kontext, in unser Vertrauen zueinander und in die zukünftige Barcamp-Session hinein. Das ist viel mehr als der Blogpost selbst. Lernressource „Kontext“? Lernressource „Das, was drumherum passiert“? Lernressource, sich Orientierung zu verschaffen, in alle Richtungen zu blicken, gedanklich auf die Reise gehen zu können?

    Reisen bildet. Ich möchte aber sagen nicht jede Art von Reisen bildet. Ich kenne Menschen die waren schon auf der ganzen Welt. Wenn du dich dann aber innerhalb eines abgeschlossenen Ressorts bewegst, dann – keine Bildung. Reisen ist kein Ort, du kannst auch auf einem Quadratmeter Erde auf Reisen gehen. Alles nur in ganz klein und fast nicht sichtbar. Moose, Flechten und Pilze sind so ein Ort, den es in keinem Reisebüro zu buchen gibt. Vielleicht ist die wichtigste Lern-Ressource in diesem Zusammenhang, dass nicht nur das vermeintlich wichtige einen zum Ziel bringt, sondern auch die Seitenzweige und Themen, die im ersten Moment nicht als wichtig erscheinen, aber in anderem Kontext auf einmal Sinn ergeben. Pilze zum Beispiel. Von Pilzen kann man viel über Vernetzung und Kommunikation lernen.

    Pilze sind ein faszinierendes Thema, Gabriele, bei dem es mich sofort juckt, zum Bücherregal zu treten und ein paar Beispiele literarischer Verarbeitung zu suchen. Lass uns das später nachreichen …

    Aber auch Deine Worte zum Reisen. Zwei Deiner Sätze widersprechen sich nach meinem Verständnis. Ich behaupte – und unterstelle Dir aufgrund des direkt anschließenden Satzes – dass Du das auch so siehst: Auf jedem noch so kleinen und abgeschlossenen Areal, auch im Liegestuhl des Ressorts, lässt sich Bildung erfahren. Es kommt auf den eigenen Blick und Fokus an. In einem unserer ersten persönlichen Gespräche (auf der re:publica …. 22?) erwähnte ich die Situationistische Internationale, die Meisterschaft darin entwickelten, alltäglich Vertraute und durch das „Spektakel“ völlig vereinnahmte Orte zu Lernorten umzugestalten – durch Praktiken des Dérive oder Détournement (Schreck! Das hast du doch so nicht gesagt! Jetzt muss ich hier mittem im Text noch Ecoisa befragen!), die sich als ein bewusstes „Auf-die-Reise-gehen“ sehen und Situationen schaffen beschreiben lassen können. Situationen, um kreativ und kraftvoll Unterdrückung sichtbar zu machen und Veränderung einzuleiten … auch wenn es nur eine temporäre kreative Umdeutung ist.

    Da hast du mich ertappt. Da ergieße ich mich einfach mal kurz sehr populistisch zu meinen Vorbehalten gegenüber Pauschalreisenden, die sich überwiegend in abgeschotteten Ressorts oder auf Kreuzfahrtschiffen bewegen und möglicherweise sind tatsächlich 1-2 darunter, die sich rein zu antrophologischen Studien dort bewegen und somit also mit einem Bildungsauftrag unterwegs sind. Eventuell bin ich auch einfach nur ein bißchen neidisch auf diejenigen, die mal kurz dahin und dorthin reisen, während meine Reisen überwiegend mit meiner riesigen internationalen Kochbuch-Sammlung stattfinden. Da behindert manchmal mein Schubladen-Denken und meine Arroganz, meine Kreativität beflügeln sie gleichzeitig, zumindest in meinem Schreib-Prozess gehören spitze und übertriebene Seitenhiebe stilistisch für mich dazu. Beim Schreiben wurde mir übrigens auch sehr frühzeitig Kreativität diagnostiziert. Und während ich also vor meinem inneren Auge als Antrophologin mit Klemmbrett und Bleistift auf einem Kreuzschiff Feldbeobachtungen mache, schiebt sich die nächste Ressource ins Blickfeld.

    Kreativität

    Manchmal erschließen sich zwischen den Werkzeugen und Wissensinseln Verbindungen und es werden Verknüpfungen sichtbar, die dann wie ein klarer Weg vor einem liegen und sich verbinden, wie zwei ineinander fließende Flüße. Vielleicht ist das der Übergang zu der beschworenen Serendipity – übrigens ein Wort das ich zum ersten Mal von Johannes hörte. Jedenfalls je umfangreicher das zusammengesammelte, umso klarer das Gesamtbild. Und zum Weg passt die Bewegung im Raum.

    Bewegung

    Lernen beim Gehen im Wald, meinem dritten Raum. Bewegung als Zündstoff für neue Ideen und Verbindungen. Richtungswechsel und Perspektivenwechsel beim Gehen als Impuls die Denkrichtung zu verändern. Manche Ideen können nicht zu dir kommen und entstehen nur dann, wenn du dich auf sie zu bewegst. Und das darf jetzt auch gerne wieder auf die Meta-Ebene gehoben werden. Ich übergebe an Johannes.

    Das Recht auf Spazierengehen ist für mich tatsächlich eine mir persönlich wichtige Lernressource. Aus genau den Gründen, die Du bereits erwähnt hast. Weiterhin finde ich faszinierend, wie beim Durchgehen durch Orte Erinnerungsanker gesetzt werden. Ich erinnere mich auch Jahre später noch an bestimmte Podcast-Fragmente, die ich an einer bestimmten Hausecke, einem bestimmten Baum … irgendwann einmal hörte. An Telefonate, die ich spazierengehend führte. Emotionen, die ich durchlebte, Gedanken, die ich trug.

    Orte

    Deshalb bin ich auch überzeugt: Lernen braucht Orte. Ob der Raum wirklich „der dritte Pädagoge“ ist können wir an anderer Stelle diskutieren. Klar scheint mir: Orte prägen das Lernen. Sei es der Klassenraum mit Möblierung für den Frontalunterricht, der Kreativraum in hippen Startups oder die Street-smartness fördernde „Straße“ in ihrer schillernden Ausprägungsvielfalt.

    Haben wir einen Ort irgendwann fertig entdeckt … so detailliert erkundet, dass es nichts neues mehr zu entdecken, keine neue Perspektive mehr einzunehmen, keine Umgestaltung mehr vorzunehmen gibt? Ich vermute nicht. Eine meiner intensivsten Lernerfahrungen der letzten Jahre fand in einem fast völlig leeren Theater-Probenraum statt, der von uns beliebig und immer wieder neu mit Bedeutungen befüllt werden konnte. Fast nichts war ‚vorgebaut‘, alles war möglich auf dieser leeren, aber für uns gegen außen geschützten Bühne.

    Werkzeugkasten

    Ich weiß von mir, dass mein Interesse versiegt, wenn ich etwas „ergründet“ habe. Wenn ich den Kern erfasst habe, also ca. 20-60%. Dann zieht es mich weiter zur nächsten Wissensinsel. Das zu verstehen, und das ich irgendwann mal den Begriff „Scanner“ Persönlichkeit geschenkt bekommen habe, ist ein weiterer Baustein meiner Lernressource. Heute erlaube ich mir weiterzuziehen. Früher habe ich an meinem Durchhalten gezweifelt. Das ich an nichts dranbleiben kann. Heute habe ich meinen Werkzeugkasten, der ist zwar umfangreich, bei manchen Werkzeugen weiß ich noch nicht ganz genau wie sie funktionieren, aber ich weiß wo ich es finde und um es anzuwenden, darf ich mich nochmal damit beschäftigen.

    Was ich gerade nicht beantworten kann, ist die Frage wie ich auf diese Ressourcen zugreife. Hier muss ich leider gestehen, dass ich bei bestimmten Themen in eine Art „Flow“ komme. Dann ist es ein Selbstläufer und was ich erarbeiten will, was ich mir neu erschließen möchte, entsteht fast von alleine.

    Oftmals in tagelangen (und leider auch nächtelangen) Denkprozessen entstehen meine Texte und Ideen. Ich bin die Texterin und Konzeptionerin der Dunkelheit. Wenn alle anderen schlafen bilden sich in meinem Kopf Worte, Sätze, Blogbeiträge, Headlines, entstehen Workshop-Landschaften und – Lernformate.

    Mir scheint, Du hast einen für dich gut funktionierenden Zugang zu Deinen Ressourcen gefunden? In manchem, was ich lese, finde ich mich selbst wieder (das Umherhüpfen zwischen Themen und die Qual bei der Vorstellung, mich mehrere Jahre intensiv und fokussiert mit genau einer Fragestellung beschäftigen zu sollen). Früher, als Student, habe ich selbst in der Nacht geschrieben. Das funktioniert seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr, weil sich meine Tagesroutinen und die (externen) Anforderungen an meinen Tag-Nacht-Rhythmus geändert haben.

    Ja, das stimmt. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich weiß, dass ich auch 5 vor 12 noch eine Idee, einen Geistesblitz haben werde, der funktioniert. Hätte nur gerne weniger Spontanität drin und ein System, dass ich mit anderen teilen kann. Schreiben tu ich nicht in der Nacht. Nur wenn mir ein wirklich geniale Idee einfällt für einen Kunden. Dann stehe ich auf, schreib die Idee auf ein Board und buche die Anzahl Stunden auf das Kundenkonto, die dem Wert der Idee entsprechen und das fühlt sich gut an.

    … was verdeutlicht, wie relativ und flexibel Zeit gehandhabt werden könnte, als Arbeits- und als Lernressource. Wird es im Corporate Learning selten, wenn mit „Lernzeitbudgets“ etc. hantiert wird.

    Zeit

    Denn was Lernen neben sozialen Resonanzräumen und Gesundheit (dazu weiter unten mehr) besonders benötigt, ist Zeit. Ist Lern-Zeit die Grund-Ressource, ohne die alle anderen Ressourcen nichts sind? Gleichzeitig ist Lern-Zeit konstant rar. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass kaum Zeit für bewusst selbst-organisiertes und -gestaltetes Lernen bleibt. Lernzeit ist notorisch fremdbestimmt (in der Regelschule, der Ausbildung oder Bologna-geprägten Universität, in verordneten Seminaren, Weiterbildungen oder Umschulungen). Andere bestimmen für uns, WANN wir Lernen sollen, dürfen oder angeblich sogar müssen – egal, ob uns die Zeit dafür gerade passend erscheint und wir Lernlust spüren. Lernzeit ist die Zeit im Seminar. Lernzeit ist geblockt im Kalender. Lernzeit wird eben nicht als die Zeit gesehen, in der Du in der Nacht aufstehst und eine Idee notierst … oder wachliegst und Gedanken wälzt. Und Lernzeit wäre … zumindest für mich … auch sehr oft die Zeit, die gerade nicht verfügbar ist, weil dies und das und jenes erledigt werden muss.

    Ich stelle für mich selbst fest, dass meine Lernlust regelrecht aufblüht, wenn ich längere Zeit am Stück für mich habe. Auch deshalb nehme ich mir jeden Sommer den Luxus der ganzen großen Ferien. Damit habe ich nicht nur die gesamten sechs Wochen mit meiner Familie, sondern spüre auch, wie meine Lernressourcen wieder wachsen. Ich entdecke im Alltag verschüttete Interessen, spüre meine Selbstwirksamkeit und nehme mir unendlich viele Lernprojekte vor … die dann erwartungsgemäß im Herbst zwar meist wieder einschlafen, aber allein die Erkenntnis, dass sie in mir als Lernressource schlummern und durch mehr verfügbare Zeit spürbar werden, ist sehr beruhigend.

    Allerdings kann diese Sehnsucht nach Lernzeit auch ausgenutzt werden. Wie oft nehme ich war, dass das Versprechen von Lernzeit in Unternehmen missbraucht wird – als Pflaster über disfunktionaler Planung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überlast. Lernzeit wird dann zur zermürbenden Möhre-vor-der-Nase, die nie erreicht wird, aber immer ergriffen werden könnte, wenn denn die Arbeitsdisziplin stimme. Und selbst wenn sie im Kalender steht, gnädig gewährt, steht da doch immer noch die nicht erledigte Tätigkeit in Konkurrenz, die noch schnell fertig gestellt wird, unter dem Schutzmantel des ‚Nicht stören, hier wird gelernt’.

    Wenn der Tag zu viel Inhalt hat, aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und einem kleinen Rest Selbstfürsorge – oder nennen wir es kleine Pause, da ist Lernen nicht machbar. Ich erinnere mich an Zeiten, als diese Kombination es lediglich ermöglichte seufzend und traurig die Decke anzustarren. Dies ist die Realität von vielen, vermute ich. Und in der Lebensphase in der Johannes steckt, ist es wirklich schwierig ungeplante spontane Lernzeiten unterzubringen. Möchte jetzt gerne schreiben, dass das besser wird. Aber leider, leider, erst mal Nein. Deswegen finde ich es sehr inspirierend was Johannes dazu schreibt. Sich gezielt die Lernzeiten-Fenster zu schaffen und zwar nicht als „festes Fenster“ sonder so, dass Selbstwirksamkeit erfolgen kann und die freigeschaufelte Zeit nicht zugeschüttet wird mit anderen Todos, die darauf warteten erledigt zu werden (Aufräumen, Einkaufen, Räder wechseln, …). Es ist jetzt 11:30 Uhr und ich werde jetzt eine Runde durch den Wald drehen, diesen Beitrag im Kopf haben und später wieder anschließen.

    „Wie schaffen wir unseren Mitarbeitenden Lern-Zeit?“ ist die Frage, die mir (neben der zur ominösen „Lern-Kultur“, auf die ich noch eingehen werde) in Beratungssituationen am häufigsten gestellt wird.

    Die Zeitfrage ist in Betracht auf die „Teppich-Etage“ noch relativ einfach finde ich. Schwierig wird es bei den Beschäftigen auf dem „Hallenboden“ oder die mobil unterwegs sind. Hier müssten Einschnitte gemacht werden in die „Produktivitätszeit“, was bei heutigen Auslastungen und Effektivitäts-Steigerungen schwer zu handhaben und zu vertreten ist. Am Ende ist es doch auch hauptsächlich Vertrauen, auf das gebaut werden muss. „Ich stelle Lebenszeit und Arbeitskraft zur Verfügung und werde diese optimal für dich liebes Unternehmen zum Einsatz bringen“ steht da im krassen Konflikt zu „ … und am Ende wird beim Homeoffice womöglich auch noch nebenher Wäsche gewaschen!?!“.

    Ja, wir betreten hier ein neues Konfliktfeld, in dem das oft postulierte Mantra „Lernzeit = Arbeitszeit“ wie ein fernes Echo aus dem Elfenbeinturm wirkt. Natürlich bemüßigen sich alle, auch die Arbeit auf dem „Hallenboden“ lern-reich zu gestalten. Als Lippenbekenntnis. Die Realität sieht oft anders aus, und „Lernzeit“ wird in Pausenzeiten oder die Freizeit versteckt (natürlich nicht offiziell). Wie erkämpfen wir uns Lern-Zeit?

    Gesundheit(en)

    Neben der zur Verfügung stehenden Zeit und dem sozialen Netzwerk ist Gesundheit (oder sind „Gesundheiten“ … ich möchte mich, ähnlich wie mit „Zukünften“, auch mehr mit der bewussten Verwendung des Begriffs Gesundheit im Plural auseinandersetzen, um die problematische Binarität Krank – Gesund zu hinterfragen) die dritte ganz zentrale Lernressource – und diejenige, die in den meisten Lernkontexten krass ignoriert wird. Die körperliche und seelische Verfassung, die wir in Lernprozesse einbringen, ist darauf so prägend wie fast nichts anderes.

    Das sind Barrieren, die uns den Zugang zu Lernsettings verwehren. Das ist unsere menschliche Neurodiversität, die ignoriert wird. Das ist das unterschiedliche Maß an Kräften, die wir insgesamt einbringen und auf unsere unterschiedlichen Anforderungen im Alltag verteilen können.

    All das wird in vielen konventionellen Lernsettings oft ignoriert oder als Nice-to-have betrachtet, dabei sollten alle Betrachtungen hier starten.

    Gesundheit ist aber ein wesentlicher Bestandteil. Wer im Burnout steckt, Depressionen hat, oder in einem Suchtverhalten steckt, kann nicht lernen. Jedenfalls nicht gut.

    Ich denke, doch, auch aus solchen Situationen erwächst Lernen. Nur ein gänzlich anderes, das eine eigene Betrachtung verdient – denn mir liegt es fern, Lernen aus Leid irgendwie faschistoid zu glorifizieren.

    Finanzielles

    Am Ende sind wir also bei den Elefanten angelangt. Zeit, Gesundheit … und das liebe Geld. Dass Lernen durch finanzielle Ausstattung gefördert oder durch Einsparung stark erschwert werden kann, scheint intuitiv einleuchtend. An dem Punkt waren wir schon zu Beginn, im Abschnitt „Inhalte / Materielles“. Im Corporate Learning taugt das, was etwas kostet und sich in einem definierten Zeitraum messen und bewerten lässt … die Return-on-Investment-Logik. Ebenso bekannt, dass wir lebenslang unterschiedlich finanziell begütert mit entsprechend unterschiedlichen Zugängen zu anderen Lern-Ressourcen (Zeit, Gesundheiten, Inhalte etc etc ….) durch die Welt laufen.

    Wir sollten uns stark dafür machen, Lernen gebührend finanziell auszustatten. In der Schule, in außerschulischen Realitäten von Kindern und Jugendlichen, während des Aufwachsens, am Arbeitsplatz und außerhalb der Erwerbsarbeit, im sozialen Miteinander, im politischen Gefüge und in Situationen, in denen wir ganz besonders auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Ja, es mag abgegriffen sein und aufgrund seiner Verwurzelung in einer neoliberalen Verwertungslogik auch angreifbar, gehört im Rahmen dieser Logik aber immer wieder betont: Investitionen in Bildung rechnen sich!

    Ich mag hier gerne noch die Brille der Soloselbständigen reinbringen. Was für außenstehende leicht aussieht, wenn ich im Erstgespräch gute Ideen einbringe und relativ schnell ein Grobkonzept erstelle, ist das Ergebnis vorab geleisteter Lerneinheiten, die mir in Gänze niemals gezahlt werden können. Deswegen erlaube ich mir, diese bei Beauftragung anteilig in Rechnung zu stellen. Nach eigenem ermessen, aber so dass meine Vorableistung unabhängig vom Auftrag honoriert wird.

    Feminismus

    Feministischer Blick auf die Ressource, als Auszug unserer Feministischen Lernpolitik? Was braucht es um Lernen gut zu gestalten aus der Blickrichtung Feminismus?

    Hinweis in eigener Sache. Das endet jetzt hier sehr plötzlich.

    Ach ne, das war ein fulminanter Start, der noch lange nicht zuende ist, sondern doch nur als Auftakt für unsere Session geplant ist, Gabriele. In unserer Session öffnen wir den Lernraum mit allen Teilgebenden. Vielleicht schreiben ja einige davon auch im Nachgang noch weiter, so wie wir? 🙂

    Eigentlich sollte ich hier einen Abbinder schreiben, der sich mit der Ressource Feminismus beschäftigt und unser Thema Lernressourcen abrundet. Ich mag aber viel lieber erzählen, wie wir zwischendurch auf Literatur gekommen sind und ich fand, dass unser Austausch mich an Stephanie Sargnagels Buch „Iowa“ erinnert mit den Fußnoten von Christiane Rösinger. Johannes lacht und sagt „das Buch war super witzig!“. Fand ich auch. Und vielleicht ist es doch ein bißchen die feministische Klammer, die unseren Austausch wieder schließt. Beim Erstellen dieser letzten Zeilen kam mir noch in den Kopf: Lernressource Humor? Scherz beiseite. Humor ist zumindest ein verbindendes Element und macht gemeinsames Lernen zu einem Erlebnis. Jedenfalls zwischen mir und Johannes, wie wir es hier beim gemeinsamen Schreiben und Denken erlebt haben.

    #CLC23 #CLCamp26 #eine
  15. Lernressourcen

    Wir, Gabriele und Johannes, wollen auf dem #CLCamp26 eine gemeinsame Session zu „Lernressourcen“ anbieten.

    Den Start in die Vorbereitung machen wir mit diesem Blogbeitrag … der vielleicht auf die Session neugierig macht, vielleicht Einstiegs- oder Anknüpfungspunkte setzt, vielleicht zu Widersprüchen aufruft und hoffentlich – zuerst einmal durch das Schreiben für uns beide – das Feld weitet für das, was „Lernressourcen“ alles sein könnten.

    Als wir beschlossen, die Session anzubieten und dazu mit einem kooperativem, gemeinsamem, ineinandergreifenden und aufeinander Bezug nehmendem Schreibprozess zu starten, notierten wir uns die folgenden Fragen, die auch zu Beginn unserer Session stehen könnten:

    • Was bedeuten Lern-Ressourcen?
    • Wie können auf Lern-Ressourcen aufgebaut werden, wie können diese ausgebaut werden?
    • Wann weiß ich, welche Lern-Ressource ich in welchem Umfang zum Einsatz bringe?
    • Wie mache ich mir meine Lern-Ressourcen bewusst?
    • Welche Arten von Lern-Ressourcen gibt es überhaupt?

    Und vielleicht leiten sich aus unserem folgenden schriftlichen Austausch vorab für uns und für Session-Teilgebende weitere Fragen und Ideen ab?

    Aus welchen Perspektiven blicken wir jeweils auf den Begriff „Lernressourcen“?

    Diesen Beitrag schreiben wir kooperativ. Jede:r von uns ergänzt Ideen, die wir dann gemeinsam in einen Fluss bringen. Daraus entsteht im Schreibprozess ein inspirierendes Ping-Pong auf einem gemeinsam beschriebenen Collabora Online Dokument auf Gabrieles Nextcloud. Wir schreiben uns gegenseitig in die Texte, lesen immer und immer wieder und ergänzen. Ich habe das Gefühl, wir könnten endlos so weitermachen, aber irgendwann, am 2. März um 18 Uhr, setzen wir uns einen Schlusspunkt, kopieren den kooperativ geschriebenen Text als Sessionankündigung in unsere jeweiligen Blogs (und werden dabei sicher weitere Stellen finden, die wir überarbeiten … denn der Text bleibt lebendig und beschreibbar).

    So haben wir es heute besprochen: und um 18:00 Uhr ist also Schluß für heute und für den aktuellen Stand unseres Schreibgesprächs. Das wird spannend, da es für die Zukunft gesehen zwei Versionen geben wird, da sich unsere beiden Blogs ja nur von der Ferne her kennen und sich nicht synchronisieren.

    Aber sie pingen sich gegenseitig an. Die gute alte Pingback-Tradition der Webblogs. Oder kann Dein Blog das nicht, Gabriele? 😛 Ich hab noch fünf Minuten, dann ist Schluss mit Tippen und wir veröffentlichen ….

    Ich, Gabriele, gebe hier einen persönlichen Einblick zu meiner Lernerfahrung. Meine eigene Lernerfahrung basiert vor allem auf der Erkenntnis, dass die meisten Organisationen in denen ich beschäftigt war, mein zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht erkannten und/oder fördern konnten oder wollten. So habe ich mich immer selbst auf den Weg gemacht, gelernt, verworfen, aufgebaut, aufgefrischt, neu gelernt … . Seit ich Menschen wie Johannes kenne und in einen regelmäßigen Austausch zu selbstgewählten Themen gehe, verstehe ich, wie Lernen mit anderen funktionieren kann und was es für mich bedeutet, in den Austausch mit anderen gehen zu dürfen. Auch dann, wenn ich keine Expertin auf diesem Gebiet bin. Keine Grenzen. Manche Bedarfe entstehen erst durch das darüber sprechen. Manche Gedanken werden zu Ideen, Konzepten oder führen zu Erkenntnissen, wenn man sie das erste Mal mit anderen teilt. Das hat mich mutig gemacht die letzten Jahre und so lerne ich als Soloselbständige so vor mich hin, lass mich treiben und mäandere mich gemächlich durch die unterschiedlichsten Wissensgebiete. Meine Neugier sucht sich wie ein Fluß ihren Weg. Was ich mache? Das ändert sich ständig. Gerade mache ich mal wieder eine Ausbildung. Und überhaupt denke ich gerade: Vielleicht sollte mich mal mit dem Thema Flüße beschäftigen?

    Jedenfalls empfinde ich den Austausch mit Johannes immer als sehr gewinnbringend.

    Das beruht auf Gegenseitigkeit, Gabriele. Sonst hätten wir das hier nicht gestartet.

    Ich, Johannes, erschließe mir die Vielfalt von „Lernressourcen“ ebenfalls aus unterschiedlichen Richtungen und Zugängen … wie Du, Gabriele, und jetzt im Miteinander, der wichtigsten Lernressource – aber ich möchte nicht vorgreifen.

    Da ist meine berufliche Perspektive als Corporate Learning Berater auf die Vielfalt von Lern-Ressourcen. Hier mache ich regelmäßig die Erfahrung, dass Lernangebote oft wenig bewirken, wenn sie isoliert und ohne die konzeptionelle Einbeziehung des systemischen Umfelds betrachtet werden. Mitarbeitende nutzen die Angebote nicht, Aufwände verpuffen, Lernen wird als Hürde empfunden oder Lernbedarfe werden nicht einmal erkannt. Mein Motto aus IT-Qualifizierungen ist „Die User sind nie schuld“, denn so gut wie nie „sitzt das Problem vor dem Bildschirm“ (wie ich diesen despektierlichen Spruch verabscheue!), sondern fast immer werden Bedarfe und deren Ursprünge zu isoliert betrachtet, wird Blaming geübt statt wertvolle Hinweise auf u. a. Ressourcenbedarfe zu erkennen.

    Und dann ist da der Blick auf Ressourcen, mit dem ich an Gabrieles Einstieg anknüpfen möchte: Das Erkennen, Erkunden und Erfahren der Möglichkeiten, die uns menschlich ausmachen, die uns zusammenbringen und uns gemeinsam gegen Widrigkeiten angehen lassen. Das, was eigentlich in uns steckt, und sich so oder so seinen Weg bahnt. Flüsse sind ein Bild, das mir gefällt, Gabriele! Flüsse bahnen sich ihren Weg, prägen Territorien und werden zu Grenzziehungen missbraucht, sind Lebensadern und können zerstörerisch sein. Manche sind wild, manche betoniert-eingehegt. Vielleicht irgendwann mal eine Session zu „Lernflüssen“? Heute aber erst einmal Ressourcen!

    Unsere gemeinsame Lern-Historie

    Nein, den Start in die Vorbereitung unserer Session machen wir natürlich nicht mit diesem Blogbeitrag, sondern schon viel früher: Seit langer Zeit denken, recherchieren, reden und schreiben Gabriele, Gratian, Silvia und ich gemeinsam mit einer weiteren Mitwirkenden an einem lernOS-Leitfaden zum Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“. In einer geplanten Woche dieses Leitfadens gilt es, sich der Ressourcen bewusst zu werden, die in das eigene Engagement eingebracht werden können.

    In diesem Zusammenhang begannen wir, uns intensiver mit dem Begriff „Ressourcen“ auseinanderzusetzen … denn zu Beginn stand ein produktives Missverständnis*, weil wir jeweils an ganz andere Begriffsbedeutungen dachten.

    *genau! Ich verstehe jetzt was Johannes mit Ressourcen meinte (meine Weiterbildung klopft gerade an). Für mich war es zu diesem Zeitpunkt aber die Ressource „Zeit“ dicht gefolgt von „Energie“. Wann habe ich überhaupt Zeit und dann auch noch Energie um mich mit Themen zu beschäftigen. Im Hintergrund stand bei mir der Gedanken, dass es zu unterschiedlichen Lebensphasen unterschiedliche Ressourcen zur Verfügung stehen, die mir lernen oder Beteiligung ermöglichen. Ich werde es weiter unten nochmals thematisieren.

    (Spoiler: Zeit, Energie, Lebensphasen, Beteiligung … das schält sich, wenn ich diesen Text gerade kurz vor dem Publizieren noch einmal durchlese, doch als brauchbarer Rahmen für das meiste heraus, das wir betrachten und zum Ende hin abbinden. Deine erste Intuition war also ziemlich treffend, Gabriele!)

    Und noch früher dachten, recherchierten, redeten und schrieben Gabriele und ich um das Thema „Feministische Lernpolitik“ herum … in einem Social Learning Space, der wiederum aus einer Session von Gabriele auf dem #CLC23 Barcamp der Corporate Learning Community entstand und uns viele Monate regelmäßig zusammenbrachte, bis wir sie wieder auflösten. In dieser Zeit entstand eine beeindruckende Material- und Ideensammlung auf unserem Online-Whiteboard, auf die ich heute immer noch zugreife. Auch das Whiteboard für unser lernOS-Thema „Gesellschaftliches Engagement und Beteiligung“ ist weit über den Bildschirmrand befüllt mit gegenseitigen Empfehlungen, PDF-Dokumenten, Skizzen und Kata-Beschreibungen. Eine brauchbare Sammlung an (wild zusammengetragenen, wenig geordneten) Lernressourcen.

    Die Betrachtung unserer Lernressourcen hat für mich u. a. mit der Untersuchung folgender Fragen zu tun: Was uns im bereits zurückliegenden Lernprozess …

    • grundsätzlich die Möglichkeit verschafft, uns zusammenzufinden und uns einem gemeinsamen Thema zu widmen … und nach den ersten Schritte auch weiter zu machen,
    • unser Wirkungsfeld geöffnet und gehalten,
    • Energie im Prozess geschenkt,
    • das Gefühl von Fortschritt und Entwicklung vermittelt (nicht auf der Stelle treten, sondern immer neue Quellen, Zugänge, Ideen und Wirkungsfelder zu betreten)?

    Und was hat dazu geführt, dass wir unser gemeinsames, in der Gruppe stattfindendes Engagement zum Thema „Feministische Lernpolitik“ nach einigen Monaten beendeten … und dass unsere lernOS-Entwicklungsgruppe nicht mehr so viele regelmäßig aktive Mitglieder umfasst wie zu Beginn?

    Ich vermute, all diese Fragen – und viele mehr, die wir auf unserer Barcamp-Session im Ressourcen-generierenden Austausch mit den Teilgebenden finden werden – haben mit (Lern-)ressourcen zu tun.

    Zukünftig möchte ich mich auch durch weitere Recherche damit auseinandersetzten, welche Verständnisse von „Lern-Ressourcen“ in Lerntheorien und Didaktik gängig sind. In diesem Einstieg, in dem wir uns die assoziativen Bälle zuwerfen, haben wir bewusst auf den Verweis auf Theorie verzichtet.

    Ich sowieso. Theorie ist wichtig, aber ich bin bekennende Frau praktischer Anwendungen. Habt ihr vielleicht schon gemerkt. Ich lerne durch ausprobieren. So bin ich übrigens auch eine phantastische Köchin geworden.

    Und auch beim Kochen braucht es gute Zutaten, Gabriele ….

    Inhalte / Materielles

    In meiner täglichen Arbeit wird unter (Lern-)ressourcen meist Materielles verstanden, speziell „Content“: Die Rohstoffe in der Produktion, die weiter verwertet werden, als auch die Lerninhalte, die wir als Lernende rezipieren, verarbeiten und darüber intern unser Wissen aufbauen. Texte, Videos, e-Learning-Inhalte, Folien, Podcasts … . Unsere digitale und auch analoge Welt ist übervoll mit Lernressourcen dieser Art. Das Internet als (noch, wenn auch durch AI-Slop und Plattformkapitalismus bedrohte) unerschöpfliche Quelle für Lernressourcen, die (ebenfalls durch Austeritätspolitik bedrohten) Stadtbibliothek, Museen und weitere Kulturorte. Inhalte können teuer produziert oder gekauft werden oder als Commons frei verfügbar sein. Letzteres wird im Corporate Learning oft ignoriert. Tauglich sei’s, wenn’s für Geld eingekauft und als Eigentum ins Lernmanagementsystem eingeschlossen und als Lernmaßnahme ausgehandelt dort zugewiesen wurde. Die unendlichen Möglichkeiten, kontinuierlich mit frei verfügbaren und sich permanent durch die Nutzung und Anreicherung im Lernkontext anreichernden Inhalten zu lernen, die durch das Engagement von Freiwilligen bereitgestellt werden, werden ignoriert.

    Ach spannend. Also jetzt haben wir schon drei verschiedene Dimensionen des Begriffs Ressource: Der Lern-Inhalt (Content), die Lern-Verfügbarkeit (zeitliche, räumliche, finanzielle) und der persönlichen Ressourcen (Neugier, Offenheit, Quelle …).

    Aber diese begriffliche Einengung von „Lernressourcen“ ist natürlich bei weitem nicht ausreichend.

    In meinen eingangs beschriebenen Lernerfahrungen sind mir beispielsweise die Gespräche mit meinen Mitlernenden, das geteilte und Energie schenkende Gefühl, ein gemeinsames, von uns allen als sinnvoll empfundenes Ziel zu verfolgen und die dadurch längerfristig gestärkten Beziehungen viel wichtiger als die Quellen und Buchtipps, die wir auf unseren Online-Whiteboards zusammengetragen haben.

    Jetzt hake ich wieder ein. Ja, wir haben Whiteboards bis an die Kante befüllt und auch für mich sind diese gemeinsam mit anderen entstandenen Whiteboards immer wieder Quelle der Rückkehr und des wieder treiben lassens. Schon wieder drängt sich das Flußbild auf … . Statt Whiteboard sollte es nun ein kollaborativer Text sein, in dessen Mitte wir uns nun eben befinden. Beide schreiben wir parallel über unsere Lernressourcen.

    (Ich behaupte ja immer, und hatte dazu vor Jahren auch mal eine Barcamp-Session initiiert, dass ich durch Schreiben lerne. Schreibend schöpfen wir gerade von überall her aus unseren verschiedenen Lernressourcen und schreiben sie fort und größer … und schon trägt mich Dein Fluss-Bild mit …)

    Und gestern haben wir uns getroffen und fast wäre es passiert, dass wir wieder in ein anderes großes Thema abgedriftet wären. Zu Beginn des Textes habe ich mir die Frage gestellt, was meine persönlichen Lernressourcen sind und eine die vielleicht euch und auch mich selbst überrascht hat, ist die hier im Anschluß folgende:

    Popkultur/Subkultur

    Neues hören, neues sehen, warum hören Menschen jahrzehntelange die gleiche Musik? Musik ist mein „Mitgestalter“. Kunst und Literatur auch, aber Musik am meisten. Ich stehe auf die Ressource Subkultur und Popkultur. Sie taugt mir für alles: Kreativität, Menschen die sich verbinden, bewegen. Pop- und Sub-kulturelle Begegnungsstätten in Form von Clubs, Vereinen, Bewegungen verbinden Menschen und Gedanken. Werden zu Strömungen und können niedrigschwellig Inhalte vermitteln. Vielleicht ist Pop-/Subkultur das „kulturelle“ Gegenstück zum schmutzigen Populismus rechter Parteien. Ich schweife ab. Jedenfalls bietet zumindest die Subkultur Schutzräume in denen ich mit anderen, die sich im selben Kultur-Raum befinden Möglichkeiten des Austauschs, Betrachtens des Lebens durch eine andere Brille. Mich ausprobieren kann. Abgrenzung ist eine der Lernerfahrungen und Ressourcen die darin schlummert. Ich muss nicht immer so sein, wie es andere von mir erwarten. Aber auch, bei der Popkultur, Teil einer größeren Bewegung zu sein. So ganz genau weiß ich noch nicht was ich damit sagen will, vielleicht ist das eine der „Quellen“ der persönlichen Ressource (siehe oben). Ich baue an dieser Stelle auf Johannes und übergebe in seine analytische Gedankenwelt 🙂

    Wenn ich Deinen hymnischen Einstieg lese, möchte ich vielleicht gar nicht analytisch werden, sondern ebenfalls an Selbst-Erlebtes anknüpfen. Pop- und Subkultur scheint mir eine wichtige, biografisch geprägte Lernressource zu sein (und auch hier freue ich mich auf eine in der Session fortgeführte Vertiefung … denn die Betrachtung dieses Ressourcenfelds wird umso greifbarer, je vielfältiger und durch eigenes Erleben geprägter die Stimmen dazu sind). Mit vielen von dem, was ich heute kann, auf dem ich mit meinen Kompetenzen aufbaue, was mir wichtig ist, was mich „resilient“ macht (sorry für die Verwendung dieses oft so problematisch missbrauchten Wortes) und was mir mein soziales Netzwerk erschließt, hat Ursprung in Subkulturen, in denen ich als Jugendlicher Zugang fand oder die ich mir jetzt erst mit Mitte 40 erschließe. Subkulturen, Popkulturen, Gegenkulturen schaffen uns ästhetische Ausdrucksmöglichkeiten, öffnen Arenen der inspirierenden Imitation, erweitern unseren Werkzeugkasten, ermöglichen gegenseitige Unterstützung und stärken uns im Miteinander. „Each one teach one“, eine der wichtigsten Lernressourcen.

    Der Begriff der Gegenkultur ist hier noch wichtig! Danke für’s einbringen Johannes. Den Subkultur speist sich auch aus Widerstand. Das ungesagte das unfassbare sichtbar machen und sich dagegen wehren. Gegenwehr gegen Systeme, die beschränken. In meiner Generation die Haltung der 50-60er Jahre, die einen bestimmten Weg für junge Frauen vorgeschrieben haben: Heiraten, Kinder bekommen und bloß nicht zu viel Bildung. Hier in eine Anti-Haltung zu gehen, ist nicht unbedingt der einfachste Weg, wenn du jung bist. Den es bedeutet auch Einsamkeit, Unverständnis, Bestrafung, Ausgrenzung, Verzweiflung sowie ungefragte Tipps und Empfehlungen von Außenstehenden („mach es dir doch nicht so schwer“, „wie du wieder aussiehst … ist doch kein Wunder dass ….“) und nicht zuletzt auch schlechte Noten. Ich weiß wovon ich spreche. Aber am Ende bin ich doch daran gewachsen, da es immer einige wenige Mitstreiter:innen gab. Und daran schließt jetzt wunderbar das folgende Thema an, dass von Johannes eingeleitet wird.

    Netzwerke, Freundschaften, Bekanntschaften und Vorbilder

    Wir lernen zuallererst durch unser Streben nach Sozialisation … auch wenn uns im Corporate Learning immer wieder etwas anderes verkauft werden soll. In Interaktion mit Menschen lernen wir wie nebenher, auch auch durch die im vorherigen Abschnitt schon angesprochene Imitation. Unsere Lern- und Netzwerkpartner:innen öffnen und halten einen Resonanzraum für unsere Kompetenzen und nehmen unseren sozialen Entfaltungsdrang auf. Sie inspirieren uns als Vorbilder immer wieder. Sie sind die Ressourcen, die Lernen lebendig und erfahrbar machen und katalysieren … und es gleichzeitig ermöglichen, Ressourcenknappheit zu überwinden und formale Einhegungen/Beschränkungen zu unterlaufen. Lern-Netzwerke ermöglichen einen Aufstand gegen verordnetes Nicht-Lernen! … und schaffen damit die Grundlage für das, was Gabriele und ich hier tun. Und insbesondere ermöglichen uns Lern-Netzwerke Zugang zu Entwicklungen, die uns bisher verborgen blieben, nicht nur über den oft erwähnten „Flurfunk“ oder den Gerüchte-Handel „in der Kaffeeküche“.

    Neugier

    Ich war letzte Woche auf der Beerdigung einer guten Freundin von früher. Alles sehr traurig. Was hat das mit meinen Lern-Ressourcen zu tun? Ich habe Feststellungen gemacht an diesem Tag. Meine Freundin war aus einem intellektuellen Haus und ich weiß nun, was ich ihr zu verdanken habe und welche Türen sie mir öffnete. Ich war zu diesem Zeitpunkt zwar auch schon eine Leseratte und habe verschlungen was es gab. Im Bücherbund (die älteren unter uns wissen noch – Schallplatten gab es da auch) kaufte meine Mutter für mich Bücher, die für sie selbst sonderbar klangen und keinen Sinn ergaben. Dennoch war es diese Freundin, die meinen Hunger nach neuem bediente und erfüllte, Politik, Kunst, Literatur – Musik brachte ich als Element ein. Und damit bin ich bei der ersten persönlichen Lernressource: Neugier und Bereitschaft. Und ich frage mich, sind wir nicht alle von Geburt an neugierig? Wollen in Erfahrung bringen wie man laufen kann, sprechen kann? Und ich frage mich auch, wann und wo versiegt die Neugier bei so vielen Menschen?

    Da bin ich optimistisch. Unsere Neugier versiegt nie, bei keinem Menschen. Leider wird sie durch äußere Gewalt oft so unterdrückt, dass sie kaum wahrnehmbar scheint. (Allerdings bevorzuge ich seit einiger Zeit den Begriff „Lernlust“ mit seinem bewusst lustvollem Klang, denn die „Gier nach Neuem“ hat mir die Neugier in Zeiten von turbokapitalistisch getriebenem Wachstumsdrang nach leerer „Innovation“ im Klang etwas dissonant werden lassen.)

    Außerdem merke ich, auch in Zusammenhang mit anderen, dass sich leider teilweise ein bißchen Arroganz/Ärger/Unverständnis/Unmut bei mir einschleicht, wenn ich verstehe das jemand eben irgendwie stehengeblieben ist vor 30 Jahren. Oft fragen genau die mich dann: „wie bist Duuu den da hingekommen wo du jetzt bist?“ In dem langgezogenen „Du“ und dem darauffolgenden fragenden „da“ schwingt oft eine kleine Ungläubigkeit mit, da ich ja nicht einmal Abi habe und keine akademische Ausbildung (wobei ich hier immer gerne einfüge, dass ich an 2 Kunstakademien über die Begabtenprüfung aufgenommen wurde). Oder das jemand stehen bleiben wird die nächsten Jahre: „die (hier eine Zahl einfügen) Jahre sitze ich noch ab in dem Unternehmen XY, auch wenn mein Job langweilig ist“. Die Hybris der Viel-Interessierten. Geht das nur mir so?

    Hmmm …. beschleichen mich da eher Traurigkeit und Ärger gegenüber den Strukturen, die das Lernen und die Lernressourcen von Menschen so verschleiern können, und den verinnerlichten Bewertungsmechanismen, die oft dahinterstecken? Wie gesagt, ich bin optimistisch (und umso wütender, wenn uns irgendwelche KI-Grifter einreden wollen, unsere menschlichen Lernressourcen hätten im unsäglichen Vergleich mit irgendwelchen Bullshit-Automaten nun nicht mehr die Kraft und Möglichkeit, die sie haben und immer haben werden.)

    Zu Ärger, Hybris und Wut – auch diese Begriffe möchte ich auf meinen Merkzettel für die #CLCamp26-Session setzen: Ungesteuert und ziellos lähmt sie und lässt unsere Lernressourcen versiegen. Zielgerichtet eingesetzt kann sie uns ungeahnte Kraft und regelrechte Gier nach Lernen spüren lassen. Es gibt Themen, zu denen ich alles in mich aufsauge, was ich finden kann – um argumentativ gewappnet zu sein und Gegen-/Verteidigungsmaßnahmen parat zu haben. Negative Emotionen können Lernressourcen sein.

    Da hast du Recht! Eine Ressource die man zuerst gar nicht so recht anschauen möchte, aber auf den zweiten Blick eine neue Welt öffnet. Einmal aus dem von dir aufgeführten Blick der Verteidigung, aber auch aus dem Widerstand der sich in einem regt, wenn andere wenig Zutrauen zu dir in einer Sache habe. Und den Neid* möchte man hier an dieser Stelle der unangenehmen Seite der Lernressourcen nicht missen wollen, oder?

    *Erinnert mich daran, dass mir immer noch eine neutral klingende Alternative für den Begriff „Neid“ fehlt. Oder brauche ich den gar nicht? Könnte „Lern-Neid“ auch eine positiv-inspirierende Lernressource sein?

    Vielleicht greift im Lernkontext auch der Begriff FOMO auch wenn schon alt und abgedroschen besser wie Neid. Was meinst du Johannes, hast du schon mal erlebt das irgendjemand auf LinkedIN eine abgeschlossene Ausbildung oder ein cooles Event postet und du dabei gedacht hast: „Warum zur Hölle ist mir das nicht eingefallen? / Habe ich das nicht gemacht!“. Dann gibt es zwei Optionen: Erkennen, dass das genau das ist was man jetzt tun möchte und man tut es ODER ein paar Tage später feststellen, dass es nicht wichtig für die eigene Weiterentwicklung ist.

    Jedenfalls, wenn man die dunkle Seite aus dieser Blickrichtung erkundet und reinhüpft in unbekannte Gewässer, vermeindlich dunkel und voller Gefahren, einfach weil du es jetzt genau so tun musst. Du erkundest das Feld und bekommst Sicherheit. Und jetzt kommt auch noch der Mut* ins Spiel, wieder als positives Element sozusagen. Als Gegengewicht zu Wut, Widerstand, Neid. Das braucht es dafür auch. Sich den Dingen und den Themen stellen, neue Wege gehen zu wollen. Notfalls auch erst einmal alleine, den negative Gefühle zu teilen, ist gar nicht einfach und werden deswegen oftmals erst mit sich selbst ausgehandelt und erst dann wieder geteilt, wenn eine vertretbare Basis für Austausch vorhanden ist. So ist es zumindest bei mir.

    *Mut ist ein zweischneidiger, teils übergriffiger Begriff, wenn er eingefordert wird – wie so oft im Corporate Learning. Ich möchte von niemandem, der abhängig angestellt ist, erwarten, beim Lernen „mutig“ sein zu müssen. Ich möchte Sicherheit verspüren, Vertrauen in mitlernende Kolleg:innen haben können und die Regeln und Verträge, innerhalb derer wir agieren, kennen und sie anwenden. Und ich weiß natürlich, dass Du auf eine andere Art von Mut anspielst, Gabriele … den Mut, der aus starker emotionaler Verbundenheit zu etwas erwächst, richtig?

    Ja, aus der Sicht von abhängig angestellten, ist das nachvollziehbar. Und ich meine aber trotzdem den Mut, etwas zu wagen. Auch mal was zu lernen, was im Moment vielleicht nicht passend ist und nicht auf deinen Karrierepfad einzahlt.

    Offenheit

    Voilá. Braucht es noch einen Überleitung zur Offenheit fragte Johannes im Text und hier ist sie: meine spontane und mal wieder intuitive Eingebung zu Offenheit. Übrigens auch als sehr guten Anschluss zum Thema „Mut haben, sich den Dingen zu stellen“. Ich verspüre bei uns beiden eine gewisse MüdiKIte und das mit Recht. Also wir mit unserer menschlichen und erfahrungsbasierten LLM haben doch hier einen Text erarbeitet, der so mit egal welcher KI nicht entstanden wäre. Und Spaß machte es auch. Zu verdanken ist das doch unserer Offenheit und dem loslassen können. Der Lust gemeinsam Gedanken weiterzuspinnen. Und unbedingt auch dem gegenseitigen Vertrauen, dass wir uns entgegen bringen, einen solchen Text gemeinsam zu erstellen. Das ist nicht in jeder Konstellation möglich.

    Ja, das gemeinsame Schreiben mit Dir erschließt mir mehr von dem, was nicht im Text selbst steht, als die Buchstaben, Wörter und Sätze, die auf dem Bildschirm erscheinen. Wir schreiben in unseren gemeinsamen Kontext, in unser Vertrauen zueinander und in die zukünftige Barcamp-Session hinein. Das ist viel mehr als der Blogpost selbst. Lernressource „Kontext“? Lernressource „Das, was drumherum passiert“? Lernressource, sich Orientierung zu verschaffen, in alle Richtungen zu blicken, gedanklich auf die Reise gehen zu können?

    Reisen bildet. Ich möchte aber sagen nicht jede Art von Reisen bildet. Ich kenne Menschen die waren schon auf der ganzen Welt. Wenn du dich dann aber innerhalb eines abgeschlossenen Ressorts bewegst, dann – keine Bildung. Reisen ist kein Ort, du kannst auch auf einem Quadratmeter Erde auf Reisen gehen. Alles nur in ganz klein und fast nicht sichtbar. Moose, Flechten und Pilze sind so ein Ort, den es in keinem Reisebüro zu buchen gibt. Vielleicht ist die wichtigste Lern-Ressource in diesem Zusammenhang, dass nicht nur das vermeintlich wichtige einen zum Ziel bringt, sondern auch die Seitenzweige und Themen, die im ersten Moment nicht als wichtig erscheinen, aber in anderem Kontext auf einmal Sinn ergeben. Pilze zum Beispiel. Von Pilzen kann man viel über Vernetzung und Kommunikation lernen.

    Pilze sind ein faszinierendes Thema, Gabriele, bei dem es mich sofort juckt, zum Bücherregal zu treten und ein paar Beispiele literarischer Verarbeitung zu suchen. Lass uns das später nachreichen …

    Aber auch Deine Worte zum Reisen. Zwei Deiner Sätze widersprechen sich nach meinem Verständnis. Ich behaupte – und unterstelle Dir aufgrund des direkt anschließenden Satzes – dass Du das auch so siehst: Auf jedem noch so kleinen und abgeschlossenen Areal, auch im Liegestuhl des Ressorts, lässt sich Bildung erfahren. Es kommt auf den eigenen Blick und Fokus an. In einem unserer ersten persönlichen Gespräche (auf der re:publica …. 22?) erwähnte ich die Situationistische Internationale, die Meisterschaft darin entwickelten, alltäglich Vertraute und durch das „Spektakel“ völlig vereinnahmte Orte zu Lernorten umzugestalten – durch Praktiken des Dérive oder Détournement (Schreck! Das hast du doch so nicht gesagt! Jetzt muss ich hier mittem im Text noch Ecoisa befragen!), die sich als ein bewusstes „Auf-die-Reise-gehen“ sehen und Situationen schaffen beschreiben lassen können. Situationen, um kreativ und kraftvoll Unterdrückung sichtbar zu machen und Veränderung einzuleiten … auch wenn es nur eine temporäre kreative Umdeutung ist.

    Da hast du mich ertappt. Da ergieße ich mich einfach mal kurz sehr populistisch zu meinen Vorbehalten gegenüber Pauschalreisenden, die sich überwiegend in abgeschotteten Ressorts oder auf Kreuzfahrtschiffen bewegen und möglicherweise sind tatsächlich 1-2 darunter, die sich rein zu antrophologischen Studien dort bewegen und somit also mit einem Bildungsauftrag unterwegs sind. Eventuell bin ich auch einfach nur ein bißchen neidisch auf diejenigen, die mal kurz dahin und dorthin reisen, während meine Reisen überwiegend mit meiner riesigen internationalen Kochbuch-Sammlung stattfinden. Da behindert manchmal mein Schubladen-Denken und meine Arroganz, meine Kreativität beflügeln sie gleichzeitig, zumindest in meinem Schreib-Prozess gehören spitze und übertriebene Seitenhiebe stilistisch für mich dazu. Beim Schreiben wurde mir übrigens auch sehr frühzeitig Kreativität diagnostiziert. Und während ich also vor meinem inneren Auge als Antrophologin mit Klemmbrett und Bleistift auf einem Kreuzschiff Feldbeobachtungen mache, schiebt sich die nächste Ressource ins Blickfeld.

    Kreativität

    Manchmal erschließen sich zwischen den Werkzeugen und Wissensinseln Verbindungen und es werden Verknüpfungen sichtbar, die dann wie ein klarer Weg vor einem liegen und sich verbinden, wie zwei ineinander fließende Flüße. Vielleicht ist das der Übergang zu der beschworenen Serendipity – übrigens ein Wort das ich zum ersten Mal von Johannes hörte. Jedenfalls je umfangreicher das zusammengesammelte, umso klarer das Gesamtbild. Und zum Weg passt die Bewegung im Raum.

    Bewegung

    Lernen beim Gehen im Wald, meinem dritten Raum. Bewegung als Zündstoff für neue Ideen und Verbindungen. Richtungswechsel und Perspektivenwechsel beim Gehen als Impuls die Denkrichtung zu verändern. Manche Ideen können nicht zu dir kommen und entstehen nur dann, wenn du dich auf sie zu bewegst. Und das darf jetzt auch gerne wieder auf die Meta-Ebene gehoben werden. Ich übergebe an Johannes.

    Das Recht auf Spazierengehen ist für mich tatsächlich eine mir persönlich wichtige Lernressource. Aus genau den Gründen, die Du bereits erwähnt hast. Weiterhin finde ich faszinierend, wie beim Durchgehen durch Orte Erinnerungsanker gesetzt werden. Ich erinnere mich auch Jahre später noch an bestimmte Podcast-Fragmente, die ich an einer bestimmten Hausecke, einem bestimmten Baum … irgendwann einmal hörte. An Telefonate, die ich spazierengehend führte. Emotionen, die ich durchlebte, Gedanken, die ich trug.

    Orte

    Deshalb bin ich auch überzeugt: Lernen braucht Orte. Ob der Raum wirklich „der dritte Pädagoge“ ist können wir an anderer Stelle diskutieren. Klar scheint mir: Orte prägen das Lernen. Sei es der Klassenraum mit Möblierung für den Frontalunterricht, der Kreativraum in hippen Startups oder die Street-smartness fördernde „Straße“ in ihrer schillernden Ausprägungsvielfalt.

    Haben wir einen Ort irgendwann fertig entdeckt … so detailliert erkundet, dass es nichts neues mehr zu entdecken, keine neue Perspektive mehr einzunehmen, keine Umgestaltung mehr vorzunehmen gibt? Ich vermute nicht. Eine meiner intensivsten Lernerfahrungen der letzten Jahre fand in einem fast völlig leeren Theater-Probenraum statt, der von uns beliebig und immer wieder neu mit Bedeutungen befüllt werden konnte. Fast nichts war ‚vorgebaut‘, alles war möglich auf dieser leeren, aber für uns gegen außen geschützten Bühne.

    Werkzeugkasten

    Ich weiß von mir, dass mein Interesse versiegt, wenn ich etwas „ergründet“ habe. Wenn ich den Kern erfasst habe, also ca. 20-60%. Dann zieht es mich weiter zur nächsten Wissensinsel. Das zu verstehen, und das ich irgendwann mal den Begriff „Scanner“ Persönlichkeit geschenkt bekommen habe, ist ein weiterer Baustein meiner Lernressource. Heute erlaube ich mir weiterzuziehen. Früher habe ich an meinem Durchhalten gezweifelt. Das ich an nichts dranbleiben kann. Heute habe ich meinen Werkzeugkasten, der ist zwar umfangreich, bei manchen Werkzeugen weiß ich noch nicht ganz genau wie sie funktionieren, aber ich weiß wo ich es finde und um es anzuwenden, darf ich mich nochmal damit beschäftigen.

    Was ich gerade nicht beantworten kann, ist die Frage wie ich auf diese Ressourcen zugreife. Hier muss ich leider gestehen, dass ich bei bestimmten Themen in eine Art „Flow“ komme. Dann ist es ein Selbstläufer und was ich erarbeiten will, was ich mir neu erschließen möchte, entsteht fast von alleine.

    Oftmals in tagelangen (und leider auch nächtelangen) Denkprozessen entstehen meine Texte und Ideen. Ich bin die Texterin und Konzeptionerin der Dunkelheit. Wenn alle anderen schlafen bilden sich in meinem Kopf Worte, Sätze, Blogbeiträge, Headlines, entstehen Workshop-Landschaften und – Lernformate.

    Mir scheint, Du hast einen für dich gut funktionierenden Zugang zu Deinen Ressourcen gefunden? In manchem, was ich lese, finde ich mich selbst wieder (das Umherhüpfen zwischen Themen und die Qual bei der Vorstellung, mich mehrere Jahre intensiv und fokussiert mit genau einer Fragestellung beschäftigen zu sollen). Früher, als Student, habe ich selbst in der Nacht geschrieben. Das funktioniert seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr, weil sich meine Tagesroutinen und die (externen) Anforderungen an meinen Tag-Nacht-Rhythmus geändert haben.

    Ja, das stimmt. Ich kann mich auf mich verlassen. Ich weiß, dass ich auch 5 vor 12 noch eine Idee, einen Geistesblitz haben werde, der funktioniert. Hätte nur gerne weniger Spontanität drin und ein System, dass ich mit anderen teilen kann. Schreiben tu ich nicht in der Nacht. Nur wenn mir ein wirklich geniale Idee einfällt für einen Kunden. Dann stehe ich auf, schreib die Idee auf ein Board und buche die Anzahl Stunden auf das Kundenkonto, die dem Wert der Idee entsprechen und das fühlt sich gut an.

    … was verdeutlicht, wie relativ und flexibel Zeit gehandhabt werden könnte, als Arbeits- und als Lernressource. Wird es im Corporate Learning selten, wenn mit „Lernzeitbudgets“ etc. hantiert wird.

    Zeit

    Denn was Lernen neben sozialen Resonanzräumen und Gesundheit (dazu weiter unten mehr) besonders benötigt, ist Zeit. Ist Lern-Zeit die Grund-Ressource, ohne die alle anderen Ressourcen nichts sind? Gleichzeitig ist Lern-Zeit konstant rar. Unsere Gesellschaft ist so aufgebaut, dass kaum Zeit für bewusst selbst-organisiertes und -gestaltetes Lernen bleibt. Lernzeit ist notorisch fremdbestimmt (in der Regelschule, der Ausbildung oder Bologna-geprägten Universität, in verordneten Seminaren, Weiterbildungen oder Umschulungen). Andere bestimmen für uns, WANN wir Lernen sollen, dürfen oder angeblich sogar müssen – egal, ob uns die Zeit dafür gerade passend erscheint und wir Lernlust spüren. Lernzeit ist die Zeit im Seminar. Lernzeit ist geblockt im Kalender. Lernzeit wird eben nicht als die Zeit gesehen, in der Du in der Nacht aufstehst und eine Idee notierst … oder wachliegst und Gedanken wälzt. Und Lernzeit wäre … zumindest für mich … auch sehr oft die Zeit, die gerade nicht verfügbar ist, weil dies und das und jenes erledigt werden muss.

    Ich stelle für mich selbst fest, dass meine Lernlust regelrecht aufblüht, wenn ich längere Zeit am Stück für mich habe. Auch deshalb nehme ich mir jeden Sommer den Luxus der ganzen großen Ferien. Damit habe ich nicht nur die gesamten sechs Wochen mit meiner Familie, sondern spüre auch, wie meine Lernressourcen wieder wachsen. Ich entdecke im Alltag verschüttete Interessen, spüre meine Selbstwirksamkeit und nehme mir unendlich viele Lernprojekte vor … die dann erwartungsgemäß im Herbst zwar meist wieder einschlafen, aber allein die Erkenntnis, dass sie in mir als Lernressource schlummern und durch mehr verfügbare Zeit spürbar werden, ist sehr beruhigend.

    Allerdings kann diese Sehnsucht nach Lernzeit auch ausgenutzt werden. Wie oft nehme ich war, dass das Versprechen von Lernzeit in Unternehmen missbraucht wird – als Pflaster über disfunktionaler Planung, schlechten Arbeitsbedingungen und Überlast. Lernzeit wird dann zur zermürbenden Möhre-vor-der-Nase, die nie erreicht wird, aber immer ergriffen werden könnte, wenn denn die Arbeitsdisziplin stimme. Und selbst wenn sie im Kalender steht, gnädig gewährt, steht da doch immer noch die nicht erledigte Tätigkeit in Konkurrenz, die noch schnell fertig gestellt wird, unter dem Schutzmantel des ‚Nicht stören, hier wird gelernt’.

    Wenn der Tag zu viel Inhalt hat, aus Erwerbsarbeit, Care-Arbeit und einem kleinen Rest Selbstfürsorge – oder nennen wir es kleine Pause, da ist Lernen nicht machbar. Ich erinnere mich an Zeiten, als diese Kombination es lediglich ermöglichte seufzend und traurig die Decke anzustarren. Dies ist die Realität von vielen, vermute ich. Und in der Lebensphase in der Johannes steckt, ist es wirklich schwierig ungeplante spontane Lernzeiten unterzubringen. Möchte jetzt gerne schreiben, dass das besser wird. Aber leider, leider, erst mal Nein. Deswegen finde ich es sehr inspirierend was Johannes dazu schreibt. Sich gezielt die Lernzeiten-Fenster zu schaffen und zwar nicht als „festes Fenster“ sonder so, dass Selbstwirksamkeit erfolgen kann und die freigeschaufelte Zeit nicht zugeschüttet wird mit anderen Todos, die darauf warteten erledigt zu werden (Aufräumen, Einkaufen, Räder wechseln, …). Es ist jetzt 11:30 Uhr und ich werde jetzt eine Runde durch den Wald drehen, diesen Beitrag im Kopf haben und später wieder anschließen.

    „Wie schaffen wir unseren Mitarbeitenden Lern-Zeit?“ ist die Frage, die mir (neben der zur ominösen „Lern-Kultur“, auf die ich noch eingehen werde) in Beratungssituationen am häufigsten gestellt wird.

    Die Zeitfrage ist in Betracht auf die „Teppich-Etage“ noch relativ einfach finde ich. Schwierig wird es bei den Beschäftigen auf dem „Hallenboden“ oder die mobil unterwegs sind. Hier müssten Einschnitte gemacht werden in die „Produktivitätszeit“, was bei heutigen Auslastungen und Effektivitäts-Steigerungen schwer zu handhaben und zu vertreten ist. Am Ende ist es doch auch hauptsächlich Vertrauen, auf das gebaut werden muss. „Ich stelle Lebenszeit und Arbeitskraft zur Verfügung und werde diese optimal für dich liebes Unternehmen zum Einsatz bringen“ steht da im krassen Konflikt zu „ … und am Ende wird beim Homeoffice womöglich auch noch nebenher Wäsche gewaschen!?!“.

    Ja, wir betreten hier ein neues Konfliktfeld, in dem das oft postulierte Mantra „Lernzeit = Arbeitszeit“ wie ein fernes Echo aus dem Elfenbeinturm wirkt. Natürlich bemüßigen sich alle, auch die Arbeit auf dem „Hallenboden“ lern-reich zu gestalten. Als Lippenbekenntnis. Die Realität sieht oft anders aus, und „Lernzeit“ wird in Pausenzeiten oder die Freizeit versteckt (natürlich nicht offiziell). Wie erkämpfen wir uns Lern-Zeit?

    Gesundheit(en)

    Neben der zur Verfügung stehenden Zeit und dem sozialen Netzwerk ist Gesundheit (oder sind „Gesundheiten“ … ich möchte mich, ähnlich wie mit „Zukünften“, auch mehr mit der bewussten Verwendung des Begriffs Gesundheit im Plural auseinandersetzen, um die problematische Binarität Krank – Gesund zu hinterfragen) die dritte ganz zentrale Lernressource – und diejenige, die in den meisten Lernkontexten krass ignoriert wird. Die körperliche und seelische Verfassung, die wir in Lernprozesse einbringen, ist darauf so prägend wie fast nichts anderes.

    Das sind Barrieren, die uns den Zugang zu Lernsettings verwehren. Das ist unsere menschliche Neurodiversität, die ignoriert wird. Das ist das unterschiedliche Maß an Kräften, die wir insgesamt einbringen und auf unsere unterschiedlichen Anforderungen im Alltag verteilen können.

    All das wird in vielen konventionellen Lernsettings oft ignoriert oder als Nice-to-have betrachtet, dabei sollten alle Betrachtungen hier starten.

    Gesundheit ist aber ein wesentlicher Bestandteil. Wer im Burnout steckt, Depressionen hat, oder in einem Suchtverhalten steckt, kann nicht lernen. Jedenfalls nicht gut.

    Ich denke, doch, auch aus solchen Situationen erwächst Lernen. Nur ein gänzlich anderes, das eine eigene Betrachtung verdient – denn mir liegt es fern, Lernen aus Leid irgendwie faschistoid zu glorifizieren.

    Finanzielles

    Am Ende sind wir also bei den Elefanten angelangt. Zeit, Gesundheit … und das liebe Geld. Dass Lernen durch finanzielle Ausstattung gefördert oder durch Einsparung stark erschwert werden kann, scheint intuitiv einleuchtend. An dem Punkt waren wir schon zu Beginn, im Abschnitt „Inhalte / Materielles“. Im Corporate Learning taugt das, was etwas kostet und sich in einem definierten Zeitraum messen und bewerten lässt … die Return-on-Investment-Logik. Ebenso bekannt, dass wir lebenslang unterschiedlich finanziell begütert mit entsprechend unterschiedlichen Zugängen zu anderen Lern-Ressourcen (Zeit, Gesundheiten, Inhalte etc etc ….) durch die Welt laufen.

    Wir sollten uns stark dafür machen, Lernen gebührend finanziell auszustatten. In der Schule, in außerschulischen Realitäten von Kindern und Jugendlichen, während des Aufwachsens, am Arbeitsplatz und außerhalb der Erwerbsarbeit, im sozialen Miteinander, im politischen Gefüge und in Situationen, in denen wir ganz besonders auf Unterstützung anderer angewiesen sind. Ja, es mag abgegriffen sein und aufgrund seiner Verwurzelung in einer neoliberalen Verwertungslogik auch angreifbar, gehört im Rahmen dieser Logik aber immer wieder betont: Investitionen in Bildung rechnen sich!

    Ich mag hier gerne noch die Brille der Soloselbständigen reinbringen. Was für außenstehende leicht aussieht, wenn ich im Erstgespräch gute Ideen einbringe und relativ schnell ein Grobkonzept erstelle, ist das Ergebnis vorab geleisteter Lerneinheiten, die mir in Gänze niemals gezahlt werden können. Deswegen erlaube ich mir, diese bei Beauftragung anteilig in Rechnung zu stellen. Nach eigenem ermessen, aber so dass meine Vorableistung unabhängig vom Auftrag honoriert wird.

    Feminismus

    Feministischer Blick auf die Ressource, als Auszug unserer Feministischen Lernpolitik? Was braucht es um Lernen gut zu gestalten aus der Blickrichtung Feminismus?

    Hinweis in eigener Sache. Das endet jetzt hier sehr plötzlich.

    Ach ne, das war ein fulminanter Start, der noch lange nicht zuende ist, sondern doch nur als Auftakt für unsere Session geplant ist, Gabriele. In unserer Session öffnen wir den Lernraum mit allen Teilgebenden. Vielleicht schreiben ja einige davon auch im Nachgang noch weiter, so wie wir? 🙂

    Eigentlich sollte ich hier einen Abbinder schreiben, der sich mit der Ressource Feminismus beschäftigt und unser Thema Lernressourcen abrundet. Ich mag aber viel lieber erzählen, wie wir zwischendurch auf Literatur gekommen sind und ich fand, dass unser Austausch mich an Stephanie Sargnagels Buch „Iowa“ erinnert mit den Fußnoten von Christiane Rösinger. Johannes lacht und sagt „das Buch war super witzig!“. Fand ich auch. Und vielleicht ist es doch ein bißchen die feministische Klammer, die unseren Austausch wieder schließt. Beim Erstellen dieser letzten Zeilen kam mir noch in den Kopf: Lernressource Humor? Scherz beiseite. Humor ist zumindest ein verbindendes Element und macht gemeinsames Lernen zu einem Erlebnis. Jedenfalls zwischen mir und Johannes, wie wir es hier beim gemeinsamen Schreiben und Denken erlebt haben.

    #CLC23 #CLCamp26 #eine
  16. Eine Verteidigung der Corporate Learning Community

    Diesen Beitrag schrieb ich im Sommer 2025 für das Buch „Gemeinsam lernen, gemeinsam wachsen. 15 Jahre Corporate Learning Community – Geschichten, Menschen, Erfahrungen, Themen“. Jetzt ist das Buch erschienen und ich veröffentliche den Beitrag auch hier. Weitere Beiträge anderer Autor:innen aus und zu dem Buch sammeln wir unter dem Hashtag #CLCBuch2025.

    Die Corporate Learning Community ist ein bemerkenswert uneinheitliches Gebilde aus locker organisiert in Verbindung stehenden Angestellten, Selbstständigen und potenziell lernlustigen Menschen in Unternehmen, Unis, Schulen, Vereinen oder anderen Organisationen, die sich in vielfältiger Weise dem Lernen in Organisationen verbunden fühlen. „Corporate Learning Professionals“ ist die für mich immer noch gewöhnungsbedürftige Selbstzuschreibung von Ernsthaftigkeit, die sich irgendwann mangels besserer Alternativen etabliert hat.

    So informell und vielfältig das Interessengebiet der Community und die namensgebende Profession und Professionalität sind, so differenziert sind auch die Blicke auf, Erwartungen an und Verständnisse davon, wie sich die Community nach außen und innen gibt, was sie antreibt, was sie eint und was sie entzweit. Da jede interessierte Person auch ohne Aufnahme und Mitgliedsausweis mitmachen, sich zugehörig fühlen, Mitgestaltungsansprüche anmelden, Kritik äußern und mit Lob vergiften kann, sind die Ansprüche an die Community und ihre Mitglieder kon-trovers. Es wird gelernt, gespielt, probiert, proklamiert, gedrückt, gezerrt, genervt …

    Mein eigenes Verhältnis zur CLC hat sich in den letzten Jahren verändert. So sehr ich mich ab meinen ersten Kontakten ab 2017 schockverliebt verbunden, in meinem Verständnis von Lernen verstanden, im Bestreben nach besserem Lernen in Unternehmen gestärkt und auch in einer sich selbst verstärkenden Echokammer eingerichtet habe, so irritiert und frustriert bin ich seit Anfang 2023 von der zunehmenden und für mich unverständlichen Begeisterung vieler Community-Mitglieder für „KI“-Narrative, durch die Lernpotenziale angegriffen werden und erodieren. So akut wie nie scheint es mir, mich von der CLC abzugrenzen.

    Und dann blicke ich auf die vielen kleinen und großen Aktivitäten, die hier trotz „KI“-Sermon immer wieder aufblühen, das gemeinsame Tasten, Ausprobieren und Tun, die guten Gespräche, die schon durch den Aufhänger einer gemeinsamen CLC-Mitgliedschaft mit Badge im LinkedIn-Profil oder uniformen Button am Revers starten, entstehenden oder langjährigen Beziehungen zu vielen Menschen aus der Community, das Vertrauen und die Wertschätzung, die die Mitglieder trotz partiell gegensätzlicher Interessen einander entgegenbringen … und grundsätzlich der großen Wichtigkeit, dass es informell organisierte, organisationsübergreifende Interessengruppen gibt, über die Mitwirkende die Möglichkeit erhalten, die Beschränkungen, Zwänge und Strukturen, die ein Arbeitsalltag mit sich bringt, zumindest zeitweilig zu überwinden und das Interesse zu verfolgen, das sie eigentlich an ihre Profession bindet … .

    Und dann überkommt es mich, Stimme für die CLC zu ergreifen, und sie verteidigen zu wollen gegen die Vorwürfe und Kritik derjenigen, die mit ihr nichts (mehr) anfangen, die kein Mitglied (mehr) sein wollen oder die misstrauisch sind, mit welchen Tätigkeiten „Corporate Learning Professionals“ dort ihre (Arbeits-)Zeit verbringen …

    Gegen die Nüchternen, die unsere Lernlust nicht teilen

    … und sagen, wir wären „ein Haufen naiver Idealisten“. „Ihr feiert Lernen um des Lernens willen. Ihr feiert euch selbst und vergesst eure Kundschaft.“ „Hipp Hipp Hurra, alles ist super, alles ist wunderbar?“

    Ja, die CLC ist ein Hort von Menschen, die heillos ins Lernen vernarrt sind. Die sich ihren Lernlüsten hingeben. Die sich nicht auf gegebene Vorgaben und Rahmenbedingungen beschränken, sondern Lernen entfesseln und über ihre Organisation hinaus weiten wollen … und die darüber bisweilen selbst- und fremdgesteckte Ziele vergessen …

    … in Barcamp-Sessions, die den Rahmen sprengen, die goldene Regel „Eine Session dauert 45 Minuten“ schlicht ignorieren oder dem Respekt der nächsten Gruppe geschuldet auf den Fluren weitergeführt, spontan auf den nächsten freien Sessionplan-Slot gesetzt oder am Podcast-Tisch zusammengeführt werden, sich in digitale Sphären verlagern, auch tage- und wochenlang noch das Fediverse (na gut, mittlerweile leider auch LinkedIn) erhitzen, darüber Dritte einbeziehen und uns intellektuell erregen. (Besonders lebendig war dieser temporäre Erregungszustand damals auf Twitter in den #CLChatDE Events zu spüren. Eine Neugeburt im Fediverse steht an!)

    … wie in vielen Dutzend #MeinZiel-Lernvorhaben, die ausufern, Jahre statt Wochen und Monate dauern, ihre Ziele aus den Augen verlieren und zufällig über geteilte Ergebnisse stolpernde Mitglieder wie mich inspirieren, weil so viele neue Ziele auf dem Weg liegen oder mit der Community kreiert werden. Dann zeigt mir die CLC immer wieder, wie attraktiv, nahbar, vielfältig und voller Möglichkeiten meine Profession ist. Sie erweitert meine Vorstellung davon, was Lernen in Unternehmen bedeutet. Sie zeigt mir Lernfelder, die mir im Arbeitsalltag unerreichbar sind, macht sie betret- und beackerbar und lässt auf ihnen wachsen, auf dass ich mich in ihnen verheddern, verirren und Lernen um des Lernens willen zelebrieren darf – als Antrieb dafür, nur einen Bruchteil davon in meine Lohnarbeit zu überführen.

    Session-Nachbesprechung am Podcast-Tisch auf dem #CLC22 (Quelle: Twitter, Johannes Starke)Podcast-Nachbesprechung meiner lernOS-Lernzirkelgruppe auf dem #CLC19ko (Quelle: Twitter, Franziska Raabe)

    Gegen die Kritischen, die unserer kollektiven Intelligenz misstrauen und nur Flachsinn sehen:

    … „Triviales Gelaber ohne Punkt und Komma“ – „Hier hat jeder zu allem was zu sagen.“ – „Halbwissen in Endlosschleife“.

    Ja, auf den Events der CLC wird geredet und geredet bis tief in die Nacht. Wir loben gemeinsam unser Nicht-Wissen, unser Nicht-Können und unsere unendlichen Lernbedarfe. Wir ehren den unwissenden Lehrmeister. Wir suchen nach fehlenden Worten, gescheiterten Ansätzen, konfusen Konzepten und falschen Ergebnissen. Wir ringen um Deutungen und haben selten den Anspruch, richtig zu liegen. Wir spinnen, experimentieren und verwerfen. So vergewissern wir uns unserer Entwicklungsmöglichkeiten, hinterfragen uns selbst und andere … denn Fragen sind wertvoller als Antworten. Und manchmal erfinden wir für diese Torheiten Hashtags wie #KrasseHerde als Distinktionsmerkmal und Social-Media-verbindende Albernheit.

    Improtheater-Session mit Mike Meister auf dem #CLC18 (Quelle: Twitter, Johannes Starke)Auf der Rückreise vom #CLC19ko (Quelle: Twitter, Johannes Starke)

    Gegen die Seriösen, die Ordnung, Klarheit und Professionalität vermissen:

    „Wo ist die klare Botschaft?“ – „Unprofessionelles Marketing“ – „Zu viele Kanäle“ – „Alles nerdig“ – „Mit Masto…was? habt ihr mich verloren“ – „Wer ist jetzt verantwortlich?“ – „Selbstorganisation funktioniert nicht“ – „Ihr haltet euch selbst nicht an das, was ihr predigt!“

    Ja, die CLC besteht aus ihren Mitgliedern und wird durch ihre Mitglieder organisiert. Das macht uns zur genannten #KrasseHerde, in der alle kakophonisch wuselnd mitblöken und -muhen, in ihrem eigenen Ton, ihrem eigenen Fell. Das sorgt für spontan-überschäumende Exaltiertheit, die wie von selbst entsteht und von außen mit Befremden betrachtet werden darf. Das lässt den Zugang kompliziert erscheinen und macht ihn letztlich umso einfacher, macht Organisation und Durchführung von Events aufwendig und lässt sie dadurch zum Lernfest werden. Neue Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten verbergen sich, manchmal zufällig, manchmal geplant, in jeder CLC-Aktivität.

    … entdeckend, was eigentlich dezentrale soziale Netzwerke wie Mastodon sind, wie die ersten Schritte über Karlheinz Papes legendäre Lernbooster-Sessions gelingen und wie die Community-Heimat im Fediverse auf colearn.social ausgebaut werden kann,

    … Hands-on als Spiel- und Experimentierwiese für alle möglichen Arten von Konzepten und Techniken, die direkt ausprobiert werden müssen,

    … verbindend, wie hybride Veranstaltungen über mehrere Locations, vor Ort und online durchgeführt werden, was funktioniert und was sicher scheitert,

    … vorbildhaft, dass sich jede:r mit und nach den eigenen Ressourcen einbringen und auch wieder ausklinken kann,

    … und dass etwa 15 regionale Communities, mal mehr, mal weniger, emergent entstehen, wieder einschlafen oder in anderer Besetzung neu zueinander finden, wie z. B. die unstete #CLC10 Berlin, die schon in unterschiedlichen Konstellationen gegründet wurde, wieder auseinander ging, vor und nach der Pandemie verschiedene Hybridformen ausprobierte und aktuell eine neue Blüte erlebt.

    Auf dem #CLC22 wird hybrid zwischen den Standorten und Online-Teilgebenden hin- und hergeschaltet (Quelle: Twitter, Johannes Starke)Als hätten wir es geahnt: Kurz vor Beginn der Pandemie trifft sich die #CLC10-Regionalgruppe und experimentiert mit MS Teams und Hybrid-Settings (Quelle: Twitter, Johannes Starke)

    Gegen die Misstrauischen, die an den Vorhaben der Anderen zweifeln:

    „Plattform für Werbung und Selbstdarstellung“ – „Zu viele Freiberufler, Berater und Agenturen“ – „Die LinkedIn-Gruppe ist die Hölle.“

    Ja, auch in der CLC bieten Handelnde ihre Waren feil, platzieren Werbung und loben ihre Leistung. Das macht das Filtern des Barcamp-Sessionplans anstrengend und lässt auch die LinkedIn-Gruppe so verloren wirken wie das Gros dieses „Business-Netzwerks“. Ebenso zuverlässig aktiviert werblich verdächtiges Gebaren das sensible Immunsystem der Community. Missbrauch wird erkannt, Dreistigkeit geächtet. Von außen nicht unbedingt erkennbar: Auffällige Akteur:innen werden mit leeren Sessions oder stiller Ignoranz honoriert. Gleichsam wird freiberuflich oder beratend tätigen Mitgestaltenden vorbehaltlos vertrauend eine Möglichkeit geboten, ihr Wissen mit allen in der Community zu teilen, ohne ihnen von Vornherein unlautere Absichten zu unterstellen.

    Während Selbstdarstellung in kapitalistisch pervertierter Form schwer verdaulich ist, birgt sie in anderem Zuschnitt oft übersehene Chancen der Emanzipation, des Spiels und der eigenen Entfaltung. Die befreienden und lernförderlichen Aspekte von Selbstdarstellung werden in der CLC aktiv gefördert, z. B. über das Projekt „CLC Domain of One‘s Own“. #CLCDoOO unterstützt Community-Mitglieder darin, sich eigene digitale Bereiche im Internet aufzubauen, über die sie selbst volle Kontrolle haben, unabhängig von kommerziellen Plattformen und Algorithmen. Die LinkedIn-Hölle kann jeden Tag verschwinden oder ihre Spielregeln ändern, so wie dieser Tage mit den neuen Datenschutzrichtlinien. Die eigene Domain, ins Leben gebracht mit Unterstützung aus der CLC, bleibt und birgt in ihrer freien Gestaltungsmöglichkeit unermessliche Lernmöglichkeiten.

    Online-Teilgabe aus dem Homeoffice beim #CLC21 (Quelle: Twitter, Johannes Starke)Walk and Talk auf dem #CLC19ko (Quelle: Twitter, Johannes Starke)

    Gegen die Mahnenden, die das, was wir tun, für gefährlich halten:

    „Ist das auch mit Deinem Arbeitgeber abgestimmt?“ – „Ihr teilt Interna mit der Konkurrenz!“.

    Ja, in der CLC teilen wir Ideen, die uns nicht gehören und besprechen Pläne, die in Besprechungsräumen unserer Arbeitgeber geboren wurden. Damit tragen wir sie in ein Anwendungsfeld, erproben sie und bringen sie aufgeladen und verbessert zurück ins eigene Unternehmen. Gleichzeitig finden wir neue Inspiration in der CLC, überführen sie in unsere eigene Arbeit, bringen sie zur Wirkung und entlassen sie in neuer Form zurück in die Community. Die Community erprobt so realitätsnahe, iterative und flexible Arten des Wissensmanagements und zeitgemäße Schleifen firmenübergreifender Kooperation in der Netzwerkgesellschaft. Mit unseren Aktivitäten in der Community repräsentieren wir unsere Arbeit und unsere Arbeitgeber … auf eine informelle Art, was wirksamer sein kann als Formalseiten-Politur. Nebeneffekt: Glaubwürdiges Recruiting und nahbares „Employer Branding“. Firmen-Repräsentant:innen werden ansprechbarer und zugänglicher als auf Jobmessen.

    Die weak ties der CLC stärken unser formal-berufliches Wirken stärker als Abschottung und Geheimniskrämerei. Ein Meilenstein in der Entwicklung der CLC und meine ersten Kontakte mit ihr waren das Corporate Learning 2.0 MOOC ab 2015 und der Corporate Learning 2025 MOOCathon #cl2025 in 2017. In beiden MOOCs gestalteten Unternehmen die einzelnen Wochen und boten allen Interessierten eine Möglichkeit, über attraktives, modernes und wirksames Lernen in den gastgebenden Corporates zu lernen und eigene Beiträge beizusteuern.

    Zitat von Karlheinz Pape auf dem #CLC22 (Quelle: Twitter, Johannes Starke)

    Gegen die Berechnenden, für die der ROI nicht stimmt:

    „Das ist doch verschwendete Arbeitszeit“ – „Ich habe keine Leads generiert“ – „Die CLC ist für uns keine Plattform.“ – „Dafür werde ich nicht bezahlt.“

    Ja, Engagement in der CLC braucht Zeit. Klassische Zielvorgaben und Vertriebs-Marketing-Metriken scheinen mit der Community schwer in Einklang zu bringen. Die Teilgabe an Barcamps ist Arbeitszeit, die ich nicht fakturieren kann. Diesen Text tippe ich im Urlaub. Wenn Du allerdings bis hierhin gelesen hast und meine Verteidigung der CLC ansatzweise teilst, bin ich optimistisch, dass Du den Faden selbst weiterspinnst. Die CLC unterstützt alle in ihr mitwirkenden Angestellten wie freiberuflich Tätigen darin, engagiert und kompetent zu arbeiten. Sie ist nicht nur eine relevante persönliche Arena der Weiterentwicklung, sondern fördert durch ihr sich in viele Unternehmen erstreckendes Netzwerk die Lebendigkeit von Corporate Learning und der gesamten Branche. Sie unterstützt über Bande auch meinen Arbeitgeber darin, glaubwürdige Angebote in einem dafür reifen Markt zu platzieren.

    Sessionplanung auf dem #CLC19ko (Quelle: Twitter, Johannes Starke)Mike Meister hat meine Session auf dem #CLC21 live als Sketchnote verewigt
    (Quelle: Twitter, Mike Meister)

    Die Corporate Learning Community lässt uns in und über unsere Organisationen hinweg lernen. Das ist eine der wichtigsten Treiber unserer Arbeit, bewahrt uns vor Vereinzelung und Entfremdung, lässt uns produktiv und respektvoll streiten, aneinander zerren und nerven. Vielleicht, so seltsam sich das anfühlt, macht mich die CLC in ihrer Vielfalt und unplanbaren Entwicklung sogar erst zum souveräneren „Professional“? Deshalb ist dieser Text meine Abgrenzung von, meine Zuschreibung zu und meine verlässliche Verteidigung der CLC.

    #CLC22 (Quelle: Mastodon, Johannes Starke)

    #cl2025 #CLC10 #CLC18 #clc19ko #CLC21 #clc22 #CLCBuch2025 #clcDoOO #CLChatDE #krasseherde #MeinZiel
  17. Podcasts als Lern- und Entwicklungsinstrument in Unternehmen

    Serielle, regelmäßig erscheinende Audiobeiträge, die schnell, mit kostengünstiger Technik und vergleichsweise geringen technischen Skills produziert, über einen RSS-Feed auf viele Plattformen verteilt und auf unterschiedlichsten Geräten in frei wählbaren Situationen gehört werden, ermöglichen neue Zugänge für Lernen in Unternehmen. Podcasts können quer zu etablierten oder formalisierten Kommunikationswegen und -regeln laufen (oder sie unterlaufen), eröffnen Lernräume, schaffen Lernanlässe, fördern Lernlust, eröffnen Kommunikationsmöglichkeiten und machen besprechbar, was nicht verschriftlicht werden kann.
    In diesem Beitrag anlässlich des International Podcast Day #InternationalPodcastDay (Welche Bedeutung hat dieser Tag? Egal, manchmal braucht es Anlässe … ;) sammele ich einige Argumente, wieso Podcasts als Lernformat in Unternehmen genutzt werden sollten – als erste Grundlage für einen vielleicht in einem LERNLUST-Podcast zu vertiefenden Dialog? (Dies ist mein Bewerbungsschreiben an euch, Claudia und Susanne … 😉

    Mitarbeitende an der Produktion und Nutzung eines Medienformat beteiligen, mit dem sie auch privat vertraut sind

    Mein erster Punkt ist so abgegriffen, dass ich mich scheue, ihn aufzuführen … und geneigt bin, eine Gegenposition einzunehmen, denn Lernen entsteht so oft aus Ungewohnten und Unvertrautem. Nichtsdestotrotz: Laut der ARD/ZDF-Medienstudie 2024 „nutzt rund ein Drittel der
    deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren zumindest gelegentlich Podcasts“. Ähnlich wie im Videobereich liegt es nahe, ein so populäres Medienformat auch als Unternehmen zu nutzen und so einen vertrauten Zugang zu Lernangeboten zu ermöglichen.
    Nicht nur die Rezeption, auch die Erstellung von Podcasts kann so einfach und vertraut sein wie Telefonieren oder Schicken von Sprachnachrichten. So verschwimmen die Grenzen zwischen laienhaft und professionell erstellten Inhalten. Amateur-Inhalte können problemlos mit professionell erstellten Parts kombiniert werden, ohne dass das Gefühl eines Medienbruchs entsteht.
    Spannend wird es in meinen Augen, wenn wir die Begrenzungen des Gewohnten im Podcasten überwinden: Vom gewohnt-passiven Konsum zur Weiterentwicklung des Podcast-Mediums mit Rückkanal, so wie das zumindest auf populären Videoplattformen u. a. in Reaction Videos, Shorts oder Duetts … ? vielen zur Gewohnheit geworden ist. Podcasts hinken hier noch etwas hinterher, auch wenn viele Podcasts Hörer:innen-Feedback aktiv aufgreifen und einbinden und das Podcast 2.0 Project mit dem SocialInteract-Tag eine ähnliche Idee verfolgt.

    Lernen in selbst gewählten Situationen ermöglichen und verstärken

    Das Vertrauen in das Medium aus dem privaten Umfeld und die niederschwellige Verfügbarkeit zu jeder Zeit auf allen Endgeräten birgt Gefahren und Möglichkeiten. Zu leicht verwischen Arbeitszeit und Freizeit und wird von Vorgesetzten implizit oder explizit gefordert, Podcasts in der Freizeit zu hören (was natürlich weder angestrebt werden sollte noch vorausgesetzt werden kann). Mitarbeitende, die mit Kopfhörern auf den Ohren lernend spazieren gehen? Für viele ein noch ungewohnteres Bild als Lernende, die am Schreibtisch sitzend Videos schauen. Während Letzteres sich etabliert hat, scheint entspanntes Lauschen zu wenig dem klassischen Bild von Arbeit zu entsprechen. Aber Spazierengehen ist die ideale (Neben-?)beschäftigung, um Gehörtes zu verfestigen und zu verarbeiten. Lernen mit Podcasts hebt den Gegensatz von Flanieren und Arbeiten auf … oder lässt His Master’s Voice auch nach Feierabend erklingen.

    Wissen unternehmensintern und unternehmensübergreifend teilen

    Es gibt Podcasts, die als unternehmensinternes Format starten und irgendwann zu einem öffentlichen Format werden. Technisch ist der Wechsel einfach. Der unternehmensinterne Start erleichtert die ersten Schritte und fördert die Professionalisierung. Der Schritt in die Öffentlichkeit ist mit etwas Glück und Geschick kaum mehr als eine andere Einstellung in der Software (und nur manchmal eine Abklärung formaler Fragen mit der Unternehmenskommunikation).

    Kontaktmöglichkeiten schaffen

    Erfahrungsgemäß sind Podcasts ein ideales Medium, um interne Mitarbeitende mit externen Personen in Kontakt zu bringen und dadurch organisationsübergreifende Lernmöglichkeiten zu schaffen. Die Brücken in die Umwelt sind vielfältig: Fachlich motivierte und fundierte Podcasts sind, sofern sie bewusst gestaltet werden, viel weniger werbeverdächtig als viele andere Medien. Außerdem bieten sie Anlässe, externe Personen als Gäst:innen einzuladen und so neue Impulse von außen ins Unternehmen zu holen, dort zu verarbeiten und dann wieder nach außen zu teilen (im Sinn von Harold Jarches Seek > Sense > Share).
    Ein weiterer Nebeneffekt sind potenziell positive Auswirkungen für Recruiting und Employer Branding. Mein Arbeitgeber erhält immer wieder Bewerbungen von Menschen, die über den LERNLUST-Podcast auf tts als potenziell interessanten Arbeitgeber mit über den Podcast zugänglichen reizvollen Themen und angenehmen Mitarbeitenden aufmerksam wurden. Mit mehreren dieser Hörer:innen arbeite ich jetzt schon längere Zeit sehr gut zusammen. Diese Kolleg:innen sind dann natürlich oft nicht abgeneigt, ihr Wissen selbst im Podcast zu teilen …

    Gesprächsanlässe setzen

    Zum Standardrepertoire der Podcast-Gründungsmythen und Motivationsbekundungen gehört die Versicherung, man habe den Podcast gestartet, weil man einen Grund zum Einladen interessanter Gesprächspartner:innen suchte. Über Podcast-Einladungen lassen sich diese Anlässe schaffen und ihnen einen formalen, Produktivität und Output versprechenden Anstrich geben: Man ‚quatscht‘ ja nicht einfach nur, sondern schafft gleich ein Ergebnis, das ‚weiterverwertet‘ werden kann (als Artikel, Video, LinkedIn-Beitrag … der Fantasie der Marketing-Abteilungen sind keine Grenzen gesetzt).

    Anlässe zur intensiven Vorbereitung schaffen

    Natürlich können wir gänzlich unvorbereitet in das nun vereinbarte Gespräch mit den Traum-Gäst:innen starten. Die meisten werden dann aber den Druck verspüren, sich inhaltlich zu rüsten. Eine anstehende Podcast-Aufnahme schafft mir den notwendigen Druck, bestehende Anstreichungen in Büchern zu sortieren, die Essenz von Notizen herauszuarbeiten, bestimmte Schlüsselstellen erneut zu lesen, mich mit den baldigen Gesprächspartner:innen aus einer bewusst anderen Perspektive als bisher zu beschäftigen oder auch eigene Bezüge zum baldigen Gesprächsthema zu suchen und besprechbar zu machen.
    Schön formuliert das z. B. Human Nagafi in Folge 100 des Corporate Therapy Podcasts (und noch in einer anderen Folge, die ich aber gerade nicht mehr finde 😉 Die erste 38 Folgen seien so etwas wie ihre Selbstfindungsphase gewesen … und das höre man auch. Dann hatten sie für Folge 39 Adrian Daub gewonnen und den Wunsch gehabt, sich für diese Folge gebührend vorzubereiten – mit dem entsprechenden Sprung auf ein anderes Level aller weiteren Folgen.
    In Erinnerung kommt mir auch die Session „Gesprächspodcast: Gästeanfragen und Gesprächsführung“ mit Kathrin Fischer auf der SUBSCRIBE11, in der sie ihr Vorgehen zum Gewinnen prominenter Podcast-Gäste transparent machte … und dabei insbesondere betonte, wie wichtig dabei die Vorbereitung sei, um schon in der Anfrage die eigene Auseinandersetzung mit der adressierten Person und ihren Themen zu verdeutlichen.

    Den Podcast als zündenden Funken, Quelle und verbindendes Element für weitere temporäre oder dauerhafte Lernevents nutzen

    Wenn sich ein Podcast etabliert und eine treue Hörer:innenschaft gewonnen hat, trudelt Feedback ein, wächst die Neugier, wer sich hinter den Stimmen verbirgt, entspinnt sich ein Netzwerk an Empfehlungen oder Podcast-Gäst:innen-Alumni. Die Möglichkeiten, diese interessierten Menschen innerhalb und außerhalb des Unternehmens zusammenzuholen, sind vielfältig … z. B. in Podcast-Liveevents, gemeinsamen offenen Lernsessions oder dauerhaften Communities.

    Betroffenen in Veränderungsprozessen eine Stimme geben

    Wie heißt es treffend und gleichzeitig oft als Feigenblatt in Veränderungsprozessen (sei es die Einführung einer neuen Software, Umstrukturierungsmaßnahmen, neue strategische Ausrichtungen o. ä.): „Betroffene zu Beteiligten machen!“ „Mitarbeitenden eine Stimme geben!“ Podcasts können ein vergleichsweise wirkungsvolles wie risikoarmes und flexibles Medium dafür sein. Über Podcasts lassen sich Einzelstimmen von Mitarbeitenden hörbar machen. Unterschiedliche Perspektiven erhalten eine Bühne und wirken doch vergleichsweise ungefiltert und persönlich. Der Schauseitenanteil kann, je nach Positionierung des Podcasts, relativ indifferent gestaltet werden: Hört her, wir hören alle Stimmen, auch wenn es noch so obskure Einzelmeinungen sind! Wie prominent hörbar die individuellen Stimmen dann wirklich gemacht werden, hängt von der Moderation und weiteren Verwertung des Podcasts ab: Wird die Episode prominent beworben und ‚zweitverwertet‘, oder verschwindet sie schnell und wenig gehört im Verlauf der Timeline? Podcasts können, je nach Intention, deutlich entspannter und scheinbar nebensächlicher platziert werden als z. B. hervorgehobene Testimonial-Aussagen auf Plakaten oder Intranet-Seiten … oder auch besonders prominent verwendet. Ein längeres Podcast-Gespräch kann eine ganz andere Glaubwürdigkeit entfalten und ist schwerer wegzuwischen als das Plakat-Statement, dass dem Kollegen doch von der Unternehmenskommunikation vorformuliert und in den Mund gelegt scheint. Ein Archiv mit verschiedenen Stimmen der Mitarbeitenden zu Veränderungsprozessen ist wertvolles Material, mit dem sich Change-Ansätze potenziell wirksam orchestriert begleiten lassen.

    Eine Bibliothek von Stimmen schaffen

    Länger bestehende Podcasts werden über die Monate und Jahre zu einem wertvollen Archiv nicht nur von Einzelstimmen, sondern auch von thematischer Vielfalt, die das Unternehmen oder Teile davon beschäftigt. Diese Bibliotheken dokumentieren Entwicklung und Expertise im Unternehmen und können zu Audio-Museen ausgebaut und entsprechend kuratiert werden. Das gilt in besonderem Maße, wenn die Episoden transkribiert und durchsuchbar angeboten werden. Nach einiger Zeit finden sich zu den meisten Themen, die das Unternehmen umtreiben, Statements, wertvolle Dialoge und Kompetenzbeweise in irgendeiner Podcast-Episode. Für LERNLUST, den Podcast meiner beiden Kolleginnen Claudia und Susanne, spüre ich das in besonderem Maß … insbesondere, seitdem wir die Volltext-Transkription eingeführt haben: Bei den meisten Konzepten oder Angeboten, die ich schreibe, finde ich mittlerweile als Beleg der Kompetenz meiner Kolleg:innenschaft passende Folgen im LERNLUST-Archiv.

    Informelle und formale Expert:innen hörbar machen

    Die Produktion eines Podcasts im Unternehmen ist die permanente Suche nach (ungehörten) Stimmen im Unternehmen. Formale Hierarchien treten dabei oft in den Hintergrund. Wichtig ist die interessante Aussage, die Erfahrung, die Präsenz vor dem Mikrofon, die angezapften Wissensquellen und Netzwerke oder auch taktische Hörbarmachung von Expert:innen, die ansonsten keine Bühne haben. Einmal aufgenommen und publiziert klingen neue Stimmen in den In-Ear-Kopfhörern der Mitarbeitenden, die in den formalen Projektteam-Besetzungen vielleicht nie erklungen wären.

    Weit entfernte Hierarchien anders hörbar machen

    Nicht nur informelle und formale Expert:innen können durch Podcasts hörbar gemacht werden. Auch die Stimmen aus weit entfernten Hierarchien, aus den obersten Chef:innen-Etagen, kann ungewohnter Klang gegeben werden. Stimmen, die das Gros der Belegschaft sonst nur aus Townhalls oder aus der Tagesschau kennt, erhalten einen neuen Resonanzraum. „Alles gesagt?“ mit dem CEO … oder doch eher menschelndes Hotel Matze? Ein gewagtes Experiment …

    Aufnahme und potenzielles Publikum können für Konzentration und Disziplin sorgen … oder überfordern

    Die Eigenschaften des Mediums (z. B. gefühlte Unmittelbarkeit, Persönlichkeit und Glaubwürdigkeit der Stimme) sowie die (teil-)öffentliche Publikation schaffen bei manchen Menschen ein Level an Stress, das die Konzentration und Disziplin erhöht … während es für andere abschreckend und hemmend wirkt. Die Gesprächssituation und Antizipation des späteren Publikums kann beim Sammeln und Artikulieren helfen.

    Abgeben von Kontrolle trainieren und Emergenz erlebbar machen

    „Ich glaube, daß mancher großer Redner, in dem Augenblick, da er den Mund aufmachte, noch nicht wußte, was er sagen würde. Aber die Überzeugung, daß er die ihm nötige Gedankenfülle schon aus den Umständen, und der daraus resultierenden Erregung seines Gemüts schöpfen würde, machte ihn dreist genug, den Anfang, auf gutes Glück hin, zu setzen.“ schreibt Heinrich von Kleist in „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ (1805-1806). So groß die Anspannung, Aufregung und gefühlt mangelhafte Vorbereitung bei Gesprächsbeginn ist: Jede Podcast-Aufnahme ist ein Experiment im kontrollierbaren Kontrollverlust und dem Gefühl intellektueller Emergenz. Die Gedanken sprudeln, stottern und stolpern vielleicht auch, aber notfalls bleibt immer der Schnitt. „Einfach weiterreden, wir können Verhaspler rausschneiden“ ist die Versicherung des Podcasts-Hosts bei Gesprächsbeginn. Dieses Sicherheitsnetz wird letztlich aber selten benötigt. Stattdessen bleibt das Staunen über die Gedanken, die sich, in der Vorbereitung nicht zu erahnen, erst im Gesprächs entwickeln.

    Beziehung, Glaubwürdigkeit und Menschlichkeit stärken

    So sind Podcasts ein Zeugnis unserer Fähigkeit, uns zu artikulieren, zu reflektieren, zu zweifeln und uns gemeinsam im Gespräch zu inspirieren. In guten Gesprächen entsteht eine spontane Beziehung zwischen Gäst:in und Host, die sich hin zu den Hörer:innen überträgt und sie im besten Fall einbezieht.
    Mit jeder Pause, jedem Ääähm, jedem Ringen nach Worten und jeder Ausprägung des Sprachduktus hören wir den Gesprächspartner:innen beim Denken zu und machen die Produktionsbedingungen transparent (Ich erinnere mich, dass Karlheinz Pape das sehr schön in … ich vermute, es war in CLP075: Wie Podcasts zum Lernen verführen … beschreibt.) Diese Belege der Authentizität fehlen synthetisch generierten Inhalten gänzlich.

    Gefühlte Emotionalität, Atmosphäre und persönliche Betroffenheit fördern

    Dieses direkte Erleben von persönlicher Betroffenheit und Authentizität lässt sich gerade in Lerninhalten aufwendig z. B. durch Mittel des Storytelling erzeugen … oder relativ einfach durch die Wahl passender Gesprächspartner:innen im Podcast. Durch diesen „Begeisterungstransfer“ lassen sich selbst dröge regulatorische Inhalte im Onboarding berührend vermitteln, beschreibt Lars Hohl (derPUPE) im SUBSCRIBE10-Vortrag „Die Stimme in Konzerne hacken“: „Wenn Du demjenigen, der eine Richtlinie oder einen Prozess in einem Konzern owned, die Möglichkeit gibst, ihn auch angemessen und mit Herzblut zu vermitteln, dann überträgt sich dieses Herzblut auch mit in den Kopf der Mitarbeiter“. Bei aller Skepsis gegenüber dieser einfachen Vorstellung von „Wissenstransfer“ verstehe ich den Punkt von derPUPE: Hinter der gefühlten Flut von Vorschriften und Prozessen stehen ansprechbare Kolleg:innen, die diese gestalten, kontrollieren … und die sich, im Podcast belegt, etwas dabei gedacht haben.

    Lernartefakte erstellen

    Podcast-Episoden können nicht nur gezielt als Lernmaterial erstellt werden … sie können gleichzeitig Artefakte und Belege für stattgefundene Lernprozesse sein. Mit kaum einem anderen Medium lässt sich die eigene Entwicklung leichter und schneller dokumentieren als über eine Audioaufnahme. Wenn diese dann nicht über Spotify oder YouTube, sondern über eine eigene Domain of Ones Own verbreitet wird, entsteht ein echtes, eigenes Lerntagebuch.
    Vielleicht formt sich daraus am Ende sogar eine Dissertation, wie in Moritz Klenks Arbeit mit dem Sprechenden Denken.?

    Experimentieren

    „Professionalität“ oder „Punk“? Wie in den vorherigen Abschnitten bereits mehrfach erwähnt, können wir in Podcasts oft ein Quäntchen mehr Narrenfreiheit haben als in vielen anderen Unternehmensformaten. Persönlichkeit wird in Podcasts tendenziell eher toleriert. Außerdem sind einstündige Audioformate einfach etwas weniger leicht zur ‚prüfen‘ als ein Bild- oder Textbeitrag. Podcasts laden dazu ein, mit ihnen zu experimentieren und sie kreativ zu bespielen. Crossover zu Serienhörspielen, Hybride mit anderen Medien, Takeover, Audiobarcamps … alles ist möglich! Ein bisschen Mythos von Piratenradio im Konzern … oder „Punk Rock Podcasting“, wie Benjamin Lorch das zwar in etwas abgeschmackten Worten, aber inhaltlich lesenswert auf dem Blog des Softwareherstellers Hindenburg beschreibt.

    Visuelle, körperliche oder räumliche Lernerfahrungen mit Audio augmentieren

    Ich höre Podcasts in vielen unterschiedlichen Situationen. Auf der Straße, im Wald, am Schreibtisch, in der Küche, in allen möglichen Verkehrsmitteln, spazierend, im Fitnessstudio, mitschreibend oder manuell anderweitig beschäftigt … und ich kann mich genau an Details vieler Podcastfolgen erinnern, die ich in diesen Situationen hörte. Scheinbar zusammenhanglose Abrufreize haben das dabei Gehörte in meinem Gedächtnis verankert.
    Wie ich in dem Abschnitt zu Doris Schuppes #AudioBC21-Session „Audio-Aspekte für Online-Trainings und -Workshops“ schon schrieb: Lasst uns damit experimentieren, wie wir mit Podcasts Lernerfahrungen in Lernangebote anreichern können. Wie verändert sich eine körperliche Trainingssituation durch einen Podcast im Ohr? Was können wir mit Augmented Audio anstellen? Wie machen wir Podcasts zu Knowledge Boostern? Wie lassen sich Lernerfahrungen durch eine integrierte Podcast-Produktion erweitern? Ich hoffe, dieser Beitrag gibt dafür einige Anregungen zum Weiterdenken und Weitersprechen.

    Beispiele für Podcasts in Unternehmen von Simon Dückert aus dem „Die Stimme in Konzerne hacken“-Vortrag

    Im oben bereits erwähnten SUBSCRIBE10-Vortrag nennt Simon Dückert ab Minute 7:34 folgende Beispiele von Podcasts in Unternehmen. Eine inspirierende und leicht zu erweiternde Liste:
    – Knowledge-Podcasts
    – Research-Podcast
    – Schulungs-Podcast
    – Kampagnen-Podcast
    – Meetup-/Speaker-Series-Podcast
    – Konferenz-Retrospektive-Podcast
    – Executive-Podcasts
    – Lessons-Learned-Podcast
    – Expert-Debriefing-Podcasts
    – Onboarding-Podcast

    (Das Beitragsbild ist eine Illustration mit dem Titel „Editorial Rooms of the Phonographic Journal of the Future.. (Dictating News Cylinders.)“ von Albert Robida aus Octave Uzannes Buch „The End of Books“ (1894), online als Public Domain zugänglich.)

    #audiobc21 #InternationalPodcastDay

  18. A organisation I know just fire their whole digital accessibility unit because they spent it on deeque AI and testing tools... and figured they didn't need them... #a11y #fail #concerning

  19. Mein kleines #CLC25

    Dieser Blogbeitrag liegt jetzt seit dem 14. März, also seit über einem Monat, in meinen Entwürfen … gemeinsam mit einer Handvoll weiterer begonnener Texte, die ich aus Zeitgründen noch nicht fertig gestellt habe. Dieser Schreib- und Lernstau entsteht durch meine anhaltende Auslastung und den Wunsch, in der verbliebenen freien Zeit Zeit mit der Familie zu verbringen und Laufen zu gehen. Freies und selbstbestimmtes Lernen durch Schreiben bleibt dabei auf der Strecke.
    Zum x-ten Mal aktualisiere ich diese Einführung mit dem Vorsatz, den Beitrag jetzt aber wirklich wirklich zu veröffentlichen. Jetzt sind die Osterferien schon fast vorbei und ich starte einen neuen Versuch … .

    Endlich wieder Corporate Learning Camp! Mein Lieblingsbarcamp mit der Corporate Learning Community, die mir seit meinem ersten #CLC17 2017 in Frankfurt sehr ans Herz gewachsen ist und mir seitdem immer wieder neue Lernfelder in meiner Profession eröffnet. Erfreulicherweise wieder einen Katzensprung entfernt in Hamburg (als Brandenburger, der für Dienstreisen fast immer nach Süddeutschland muss, fühlt sich Hamburg wirklich wie ein Vorort von Berlin an …) und mit vielen liebgewonnenen Menschen, die ich schon viel zu lange nicht mehr physisch getroffen habe. Vorfreude! Das #CLC25 stand schon lange im Kalender. Ich hatte mich schon vor Wochen für zwei Sessions entschieden, die mir privat und beruflich am Herzen liegen, sie inhaltlich vorbereitet, Material auf Papier in den Köcher gerollt und mir sogar Gedanken dazu gemacht, wie ich dieses Papier den online Teilgebenden zugänglich mache.

    Zur Dokumentation: Das wären meine Sessionvorschläge gewesen … . Vielleicht das nächste Mal, aber wahrscheinlich interessiert mich bis dahin schon wieder etwas anderes. Vielleicht mache ich mal ein oder zwei Lunch and Learn Sessions draus?

    Und dann kam ein Projekt dazwischen, dass gerade meine volle Aufmerksamkeit fordert. Noch bis zum Abend vorher hoffte ich, alles so weit geregelt zu kriegen, um mich auf die Reise einzulassen … und habe mich dann wenige Stunden vor Abreise dazu entschieden, Zugticket und Hotel zu stornieren und mich nur zeitweise online ins Camp zu schalten. Hybrid ist das zwar möglich (und war auch letztes Jahr aufgrund der Bahnstreiks meine Option), aber eigentlich bin ich kein Freund hybrider Barcamps. Das schönste an Barcamps ist immer noch die Zeit zwischen den Sessions und die Abendveranstaltung, und beides fehlt in der Online-Teilgabe einfach.

    Mit gedämpfter Stimmung klickte ich mich deshalb am Donnerstag früh, nachdem ich schon einige Stunden an meinem aktuellen Projekt gearbeitet hatte, in die #CLC25-Eröffnung. Seit diesem Jahr hat der bisherige Leiter der CLC, Karlheinz Pape, die Leitung an ein tolles neues Viererteam übergeben: Giovanna Lo Presti, Herwig Kummer, Martin Geisenhainer und Herwig Kummer … und deshalb startete das Camp mit einem bewegenden Video, das die Jahre würdigte, in denen Karlheinz die Aktivitäten der Community so maßgeblich prägte und förderte.

    https://vimeo.com/1063674510

    Danke, was Du für die CLC getan hast, lieber Karlheinz!

    Die „CLCfour“ und das ganze Orga-Team sind mit einem Bündel an Gestaltungsideen gestartet und haben wieder einen wunderbaren Rahmen für das Camp geschaffen. Das war schon im Vorfeld durch die Online-Ankündigungen und auch ‚von außen‘ in der Online-Teilgabe zu spüren, auch wenn ich dabei bleibe: Online ist maximal halb dabei.

    Wenn schon hybrid, dann so wie die CLC

    Und dennoch war ich wie jedes Jahr aufs neue überrascht, wie eingeübt und souverän das Hybrid-Setting mittlerweile gehandhabt wird. Ich erinnere mich an das #CLC22, als es noch holperte und wir Aspekte wie die richtige Sitzposition der Session-Hosts in der Runde noch finden mussten. Mittlerweile betreten die meisten Teilgebenden die hybride Anordnung mit einer Selbstverständlichkeit, die in Unternehmen noch lange nicht erreicht ist. Zurecht bemerkte mein Kollege Matthias, der vor Ort eine Session anbot, dass die CLC ein sehr guter Ort sei, um sich als Moderator:in dieser Herausforderung zu stellen und sie einzuüben. Die Corporate Learning Camps als gefahrloses Territorium zum Verbessern der eigenen Trainings- oder Moderationskompetenz im hybriden Raum … um auch so auf der Meta-Ebene voneinander zu lernen, wie Harald Schirmer in seinem durch das Hybrid-Setting des CLC inspirierten Blogbeitrags betont.

    Ein weiterer wichtiger Vorteil hybrider Events, der mir vor Kurzem beim Hören der LERNLUST-Podcastfolge #59 „Lernen mit Barrieren“ noch einmal deutlich wurde: Eine digitale Zugangsmöglichkeit kann (wenn bedacht gestaltet …) unterschiedliche Barrieren senken! Nicht nur für Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht vor Ort sein können, sondern z. B. auch für blinde oder sehbeeinträchtigte Menschen, die dann ggf. ein ganz anderes Toolset nutzen können. Diesem Aspekt könnten wir zukünftig noch mehr Beachtung schenken (auch, um daraus vielleicht ein eigenes Lernprojekt zu machen?)

    Dem „KI“-Hype ist zu entgehen

    Im Vorfeld hatte ich mir Sorgen gemacht. Die ersten Sessions, die bereits vor Wochen in den Sessionplan eingetragen wurden, hatten mich bereits zweifeln lassen, ob ich auf dem #CLC25 noch richtig sein werde. Das diesjährige Motto „Mehr Intelligenz ins Lernen!“ griff den „KI“-Hype offen auf und die ersten Sessionvorschläge ließen einen Überhang an entprechend gerichteten Sessions vermuten. Als ich die unendlich vielen Sessionvorschläge zu irgendwelchem Prompting-Slop sah, hatte ich keine Lust, mich dort hinein zu begeben. Aber gemäß der alten Barcamp-Regel „Was aus einem Barcamp wird, bestimmen die Teilgebenden“ plante ich, mit meinen beiden Sessions dem Hype entgegenzutreten … was ich dann leider nicht umsetzen konnte.

    Tatsächlich fanden sich im Sessionplan dann so viele Sessions zu wirklich relevanten Themen abseits „KI“ mit klugen und gestaltenden Menschen, dass sich in mir schnell der bekannte FOMO-Effekt einstellte (umso mehr, als meine Zeit begrenzt war).

    Wenn allerdings alle Teilgebenden, die in der Vorstellungsrunde „#KI“ als einen ihrer Hashtags genannt haben, diesen im Fediverse gepostet hätten, wäre dieser wohl Trending Topic geworden (was er dort sonst glücklicherweise nicht ist). Und ich hatte das Gefühl, dass mit „KI“ auch die Zahl der Mansplainer merklich anstieg, die immer wieder das Mikrofon übernahmen, um anderen Teilgebenden die (Tech-)Welt zu erklären. Aber ein Barcamp gibt uns jederzeit die Möglichkeit, unseren Fokus zu verlagern … oder online den Ton stummzuschalten, wenn mal wieder jemand den aufgeklärten Tech-Versteher raushängen lässt.

    Das Fediverse ist in der CLC immer noch nicht breit etabliert

    Wirklich bedauerlich finde ich, dass die digitale Kommunikationsebene, die das Camp von einem rein synchronen Event in die asynchrone Späre hebt, sich immer noch nicht so sehr im Fediverse abbildet, wie es die vielen guten Unterstützungsaktionen engagierter CLCler:innen erhoffen lassen. Wir haben eine eigene Mastodon-Instanz. Karlheinz Pape hat wie jedes Jahr seine legendäre „Mastodon als Lern-Booster?“-Session gehalten (warum eigentlich mit Fragezeichen im Titel?) und alle von ihm besuchten Sessions mit Mastodon-Beiträgen dokumentiert, Harald Schirmer hat mehrere Sessions zu digitaler Souveränität angeboten, Simon Dückert ist sowieso ein ausdauernder Promoter des Fediverse … und schon vor drei Jahren, als die colearn.social-Instanz ganz frisch war, war das Interesse an meiner „Mastodon als Lernbooster“-Session groß. Schon damals legten sich mehrere Teilgebenden Profile an und auch dieses Jahr haben sich viele Teilgebenden vor, während und nach dem Camp mit mir vernetzt. Dennoch blieb es auf Mastodon unter dem Hashtag #CLC25 bedauerlich still.

    Auf LinkedIn habe ich viele plattformübliche Hurra-Ich-bin-auch-da-Beiträge gefunden (mit der positiven Ausnahme von Christian Kaiser, der hier seine Erlebnisse wirklich gut in den Kommentaren versteckt dokumentiert … Mensch Christian, das gehört doch nicht in die LinkedIn-Kommentare 😛 … und reflektiert, und Verweisen auf eigene Blogbeiträge, z. B. durch Silvia Lipkowski). Bluesky und die ganzen anderen kommerziellen Plattformen? Keine Ahnung, ohne mich. Es bleiben wehmütige Erinnerungen an die Zeiten, an denen die Energie der physischen Zusammenkünfte durch digitale asynchrone Kommunikation verstärkt und weitergetragen wurde …

    Überblick über meine Teilgaben

    Am Donnerstag nahm ich mir die Zeit für den Besuch von drei Sessions, die allesamt den geschätzten Raum für Barcamp-Dialog eröffneten und mir weiter zu verfolgende Spuren legten: „Ein Buch über die Corporate Learning Community!?“ von Jochen Robes, „Erfahrungen mit einladungsbasierten Beteiligungsformaten“ von Christian Kaiser und „Dein digitales Toolkit für eine unabhängige, selbstbestimmte Zukunft“ von Harald Schirmer. Am Freitag reichte meine Zeit leider nur noch für eine Session: „Wissenstransfer mit dem Expert Debriefing Prozess“ von Silvia Roderus, die mich mit vielen Inspirationen entließ.

    Einen Gesamtüberblick mit Links zu den Session-Dokumentationen gibt der offizielle Sessionplan.
    Simon Dückert hat alle Etherpads zusammengetragen, auf denen Sessions dokumentiert wurden (immerhin 41 von 56 Sessions wurden so dokumentiert. Keine schlechte Quote, finde ich!)

    Ein Buch über die Corporate Learning Community!?

    „15 Jahre Community und ihre Erfahrungen aufschreiben – Projekte, Erlebnisse, Berichte & Begegnungen, Lernerfolge, Kurioses – Was heißt “Buch” 2025? – Lernreise “Selfpublishing” … Wer hat Lust mitzumachen?“

    So beschrieb Jochen seine Session, in der sich ein kleiner Kreis von Menschen, die schon längere Zeit in der CLC aktiv sind, aber auch einige neue Gesichter versammelten. Unser gemeinsames Betasten der Idee, ein Buch über die CLC entstehen zu lassen, wanderte über verschiedene Fragestellungen: Für wen ist das Buch wertvoll und welche „Zielgruppe“ soll es erreichen, welche Blickwinkel auf die CLC können eingenommen werden, wie könnte der Entstehungsprozess aussehen … . Ich gebe unumwunden zu: Die Gelegenheit, über ein Herzensthema zu schreiben, verbunden mit einem gewissen sozialen Druck, ist für mich Motivation genug, loszuschreiben. Deshalb ist es mir fast egal, welche Zielgruppe es erreicht, mit welcher geteilten Intention es entsteht oder welches Themenfeld die einzelnen Beiträge abdecken. Hauptsache, ich habe einen Grund zum Schreiben und tue es in Gemeinschaft. Und falls am Ende daraus kein Buch wird, sondern ein Blogbeitrag, so bin ich auch nicht traurig.

    Mit Blick auf die Notizen, die Martin parallel auf dem Pad gemacht hat, fasse ich zusammen:

    Geplant ist ein Buch über und aus der Corporate Learning Community, z. B. mit persönlichen Erlebnissen, einer Reise durch die vielfältigen Formate der CLC (nicht nur die Barcamps, sondern z. B. auch die MOOCs), und eventuell weiteren Schlaglichtern, wie der CLC als Beispiel für eine lebendige, selbstorganisierte Community. Ein geplantes Veröffentlichungsdatum bis 1. Dezember 2025 gibt uns den nötigen Druck, am Ball zu bleiben. Gleichzeitig kann der gemeinsame Schreib- und Veröffentlichungsprozess eine Lernreise auf Meta-Ebene sein.

    Wir sprachen über die Erfahrungen mit Booksprints und der darunter leidenden Qualität, dem früheren Buchprojekt „Lernen in Organisationen im digitalen Zeitalter“, das aus dem MOOCathon 2017 hervorging und das ich, wenn ich mich richtig erinnere, bei meinem ersten CLC17-Barcamp in Frankfurt als Broschüre in die Hand gedrückt bekam, und über verschiedene Arten, den Entstehungsprozess möglichst leichtgängig und pragmatisch zu gestalten.

    Ich selbst könnte mir gut eine Art Blogparade vorstellen, auf der die Grundlagen des Buches asynchron verteilt erschrieben werden. So kann jede:r, geleitet durch den Aufruf zur Blogparade, in eigenem Ermessen starten. Das dort entstandene Material könnte durch eine Art Redaktion oder Nachfrageprozess laufen. Eventuell könnten Interviews mit den Blogparade-Teilgebenden die Perspektiven weiten … ein Vorgehen, dass ich bei Melanie Belitzas Teilzeit-Blogparade als sehr inspirierend erlebte.

    Am hybriden CLC25-Podcast-Gesprächstisch (übrigens ein Lernformat, das Nele Hirsch neulich schön auf Mastodon zusammengefasst hat) hat Martin Geisenhainer die Session in seine Worte gebracht: „Ein gemeinsames Buch ist die Intelligenz einer Gruppe. (…) Vielleicht kommt ein umfassendes Bild von der Community zustande … von dem, was bisher passiert ist, oder von dem, was kommen kann, oder wo wir hinwollen, was wir weiterentwickeln wollen.“ (Und die von Martin spontan geschaffene Bezeichnung „Maître de livre“ für Jochen Robes hat mir so gut gefallen, dass ich sie hier festhalten möchte.)

    Jochen hat bereits einige Tage nach der Session einen weiteren Aufruf auf das CLC-Blog geschrieben.

    Über was würde ich selbst schreiben wollen? Ein paar erste Ideen, die es in den nächsten Schritten im Austausch mit den weiteren Schreibenden zu prüfen, zu erweitern oder zu verwerfen gilt:

    • Wie die verschiedenen Aktivitäten und Experimente der CLC ein mitglieder-, organisations-, zeit-, territorien-, medien- und interessenübergreifenden Lernökosystem bilden
    • Vom Antrieb, sich organisationsübergreifend und mit ‚Marktbegleitern‘, ‚Mitbewerber‘, … (es fehlt ein treffendes Wort für die Situation, in der wir uns hier befinden!) gemeinsam in einer Community zu engagieren
    • Ein persönliches Graben im Archiv eigener Lernlüste, die durch die Corporate Learning Community geweckt wurden
    • Wünschenswerte Zukünfte der Corporate Learning Community

    Update nach dem ersten Anschlussgespräch:

    Am 7. April traf sich eine Gruppe von insgesamt neun Personen erneut, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Ich vermute, in dem von Jochen exzellent vorbereiteten Termin dämmerte einigen von uns, dass das Buchprojekt deutlich mehr Aufgaben umfasst, als einfach nur zu schreiben … zumindest mir ging es so. Jochen brachte Vorschläge für Rollen und deren Aufgaben mit, auf die wir uns verteilten:

    • Redaktionsgruppe/Projektkoordination
    • Sammlung und Betreuung von Autor:innen
    • Kommunikation und Dokumentation
    • Selfpublishing-Recherche und Entscheidung
    • Gestaltung

    Ich schloss mich den Rollen Sammlung und Betreuung von Autor:innen sowie Gestaltung an.

    Die nächsten Schritte werden sein: Am 24. April stellt Jochen das Projekt in einem CLC Lunch&Learn vor. Am 28. April treffen wir uns erneut, um uns zu koordinieren und den Call for Contribution vorzubereiten. Mit Respekt vor unseren vielfältigen koordinatorischen Aufgaben bis hin zum Buch freue ich mich sich auf den Weg dahin … und am meisten auf das Schreiben und Gestalten selbst!

    Erfahrungen mit einladungsbasierten Beteiligungsformaten

    „Einladungsbasierte Beteiligungsformate“ sind für mich Inbegriff von Initiativen, in denen Mitarbeitende ihre Motivation und Ideen einbringen und zur Entfaltung bringen können. Open Spaces, Barcamps … die Möglichkeiten sind vielfältig. Im Zentrum steht die absolut freiwillige Teilgabe (niemand soll dazu genötigt werden sich einzubringen oder hat Nachteile zu befürchten, wenn er es nicht tut!), die Möglichkeit, eigene Themen einzubringen und ein gewisser Nährboden, dass die eigene Initiative Früchte tragen kann. Schon in der Vergangenheit hat Christian Kaiser von der DATEV mich inspiriert, solche einladungsbasierten Beteiligungsformate auch bei meinem Arbeitgeber voranzutreiben, denn er und seine Mitstreitenden bei der DATEV leben solche Formate (schon lange? immer noch? trotz allem? …) höchst transparent, einladungsbasiert, beteiligungsoffen und mit „konstanter Überkommunikation“ (ein weiterer Ansatz, den Christian geprägt hat und den ich von ihm übernommen habe … und Christian schreibt, wie ich gerade auf LinkedIn lese, dass er ihn wiederum von Oliver Gürtler von Microsoft übernommen habe).

    Deshalb ging ich mit großer Begeisterung und Interesse an Erfahrungen von ihm und den anderen Teilgebenden in die Session. Nachdenklich machte mich, dass die Erfahrungen der meisten Teilgebenden weniger umfassend waren, als ich im Überschwang erhofft hatte … immerhin befanden wir uns ja alle selbst auf einem Barcamp. Aber der Weg, entsprechende Formate dauerhaft zu etablieren, ist in den meisten Unternehmen Immer noch viel zu steinig und von regelmäßigen Konflikten geprägt.

    Christian teilte eigene Erfahrungen u. a. mit dem DATEV DigiCamp, dem CoCreationCamp, der Learning Circle Experience und dem Open Space DATEV (mehrere dieser DATEV-Formate habe ich schon selbst erlebt). Er berichtete von der permanenten Unsicherheit über den erwarteten Erfolg, der Wichtigkeit von Management-Unterstützung und dem lange dauernden Weg, eine Veränderung der Unternehmens-Lernkultur zu erreichen.

    Ich habe in der Session vom Erfolg unserer eigenen #ttscamp-Barcamps berichtet (ein Highlight für mich war immer noch unser erstes unternehmensweites Online-Barcamp während der Corona-Pandemie!), von unserem transparent-partizipativen Strategie-Realisierungsprozess (hier können alle Kolleg:innen, die eigene Initiativen einbringen möchten, diese in halbjährlich stattfindenden Open Spaces gründen und um ein Budget pitchen … der Ansatz wurde u. a. inspiriert von dem bei der DATEV vier Jahre praktizierten Open Space Agility Ansatz oder dem Gilden-System bei etventure.) oder von unseren verschiedenen Center of Competence (CoC), die als selbstgewählte „fachliche Heimathäfen“ Raum bieten, um sich abseits der laufenden Projektstrukturen und -verpflichtungen um Fachthemen zu kümmern, zu denen man Expertise einbringen oder aufbauen möchte. Wir sprachen über die ganz unterschiedlichen Zielrichtungen dieser einladungsbasierten Beteiligungsformate:

    • Ein Barcamp öffnet einen zeitlich begrenzten Raum, um aus verschiedenen Gründen relevante Themen sichtbar und besprechbar zu machen … und ist vorbei, wenn es vorbei ist.
    • Ein regelmäßig wiederkehrendes Open Space (Agility) Event bezieht die Zeit zwischen den Events mit ein … und jedes Event ist als Start und Ziel der dazwischen stattfindenden Aktivitäten zu sehen … hat also einen gewissen Erfolgsdruck.
    • Center of Competence bieten dauerhaft einen vertrauen Anlaufpunkt, eine Peergroup von Kolleg:innen und eine Möglichkeit, im geschützten Rahmen Interessen und Ideen auszutauschen und anzubieten, ohne einem direkten Verwertungsdruck ausgesetzt zu sein.

    -> Ich möchte demnächst ausführlicher zu den Charakteristiken und Unterschieden dieser einladungsbasierten Beteiligungsformate schreiben.

    Es lohnt sich, einen Blick in die Dokumentation auf dem Session-Etherpad zu werfen.

    Dein digitales Toolkit für eine unabhängige, selbstbestimmte Zukunft

    Mit dieser Session startete Harald Schirmer sein Vorhaben, unabhängige, dezentrale, open-source-basierte Werkzeuge und Prozesse zum Zusammenarbeiten und Lernen zu sammeln, zu besprechen und zu unterstützen. Dazu bot er mehrere Sessions an, von denen ich bei der ersten dabei war.

    Eingangs stellte Harald kurz und überblicksartig die verschiedenen Kanäle der Corporate Learning Community vor:

    Screenshot der von Harald Schirmer erstellten Karte der digitalen CLC-Kanäle

    Auf dem Etherpad hatte Harald im Vorfeld zu den verschiedenen Anwendungsbereichen eines digitalen Arbeitsplatzes Tools zusammengetragen, die von den Teilgebenden besprochen und ergänzt werden sollten. Das funktionierte so mittelmäßig … auch weil ein Teilgeber immer wieder die Grundidee der Session infragestellte und Harald so in m. E. unnötige Debatten darüber verstrickte, wieso Unabhängigkeit von großen, amerikanischen Softwareanbietern ein erstrebenswertes Ziel ist.

    Vor über vier Jahren hatte ich meine Versuche beschrieben, Datenspuren zu vermeiden und Alternativen zu Datensammlern zu finden. Seitdem hat sich einiges getan. Die von mir privat verwendeten Tools in den verschiedenen Kategorien aus Haralds Liste sind:

    • Chat und Messaging
      • iMessage
      • SMS
      • Threema
      • Signal
      • Matrix (möchte ich gerne ausbauen und weitere Erfahrungen sammeln)
    • eMail
      • Apple Mail mit Mailversand und -empfang über eigene Domain bei all-inkl.de
    • Soziales Netzwerk
      • Mastodon (norden.social)
      • LinkedIn
      • ... und viel zu sporadische Aktivitäten in verschiedenen Foren (möchte ich zukünftig wieder ausbauen, z. B. auf SENDEGATE)
      • … alle weiteren Aktivitäten habe ich mittlerweile beendet
    • Podcatcher
      • Apple Podcast
      • Overcast
    • Feedreader
      • NetNewsWire
    • Suche
      • Startpage
      • Qwant
      • DuckDuckGo
      • Searx (kurz ausprobiert, steht auf meiner ToDo-Liste, möchte prüfen, was Selbsthosting bedeutet und ob das für mich realistisch ist)
    • Linkverzeichnis
      • Wallabag (selbstgehostet auf all-inkl)
    • Personal Information Manager
      • Apple Mail
    • Digitales Notizbuch
      • Apple Notizen
      • Logseq (von mir bevorzugt, aber ich kämpfe gerade mit Synchronisierungsproblemen und weiche deshalb immer wieder auf Apple Notizen aus)
      • Joplin (möchte ich mir als Alternative näher ansehen, falls ich die Probleme mit Logseq nicht in den Griff kriege)
    • Taskmanager
      • Apple Erinnerungen
      • … und viel analoge Zettelwirtschaft 😀
    • Mindmap
      • XMind (habe ich früher viel genutzt, in letzter Zeit kaum noch)
      • Miro
      • Freeplane (möchte ich zukünftig häufiger nutzen)
    • Dateiverwaltung
      • iCloud
      • Nextcloud (selbstgehostet auf all-inkl)
    • Office
      • Microsoft Office (hatte ich vor langer Zeit eine Nicht-Abo-Version gekauft, die ich immer noch nutze, so lange es geht)
      • LibreOffice (möchte ich perspektivisch mehr nutzen)
    • Whiteboard
      • Miro
    • Medienbearbeitung
      • Adobe CS (hier bin ich noch auf kein freies Tool umgestiegen)
    • Automatisierung
      • … hier nutze ich, glaube ich, privat kein Tool und sehe für mich auch keinen Bedarf
    • Filesharing
      • iCloud
      • Nextcould
    • Weblog
      • WordPress auf eigener Domain bei all-inkl
    • Podcast
      • … habe ich noch keinen, möchte zukünftig aber entweder Podlove oder Castropod auf meinem eigenen Webspace nutzensiehe dazu auch meine Notizen von der SUBSCRIBE.
    • VLog
      • … hätte Interesse, mich mit den Möglichkeiten einer eigenen Peertube-Instanz auseinanderzusetzen (auch aus beruflichen Gründen)
    • Newsletter
      • … habe und brauche ich nicht
    • Wiki
      • … Notiz an mich selbst: Mal prüfen, was MediaWiki oder Xwiki für Möglichkeiten bieten
    • Digitale Endgeräte
      • Macbook
      • iPhone
      • iPad
      • RaspberryPi (aktuell nur für Pi-hole, ich würde aber gerne mehr damit machen und habe mir dafür schon diese schönen Empfehlungen auf eine Frage von Leonid bei Mastodon abgespeichert)
      • Lenovo Thinkpad (habe dort Linux installiert und würde das gerne öfter nutzen, aber das Macbook ist einfach ein zu schönes Gerät, als dass ich es lange ertrage, an etwas anderem zu sitzen)
    • Betriebssysteme
      • macOS
      • iOS
      • Linux (immer mal wieder … zugegeben: eher aus Pflichtbewusstsein. Mir fehlt dafür ein Device, dass nur annähernd so schön und elegant ist wie mein Macbook)
    • Browser
      • Safari (bin nach den Firefox-/Mozilla-Ärgernissen zurückgewechselt und habe mich bisher für keinen anderen Browser entschieden)
      • Firefox (auf Linux)
    • „KI“-Tools
      • Keine, abgesehen vom seltenen DeepL-Einsatz
    • Passwort Manager
      • 1Password
    • Sicherheit, Datenschutz, Firewall, AntiVirus, BlogSecurity
      • Pi-hole
      • Adguard

    Außerdem möchte ich mich demnächst noch ausführlicher mit den vielen Tipps beschäftigen, die sich über Mike Kuketz #UnplugTrump-Initiative gesammelt haben.

    Auch in meinem beruflichen Umfeld blicke ich gespannt auf die Entwicklungen zur mehr Unabhängigkeit im Tech-Stack. Nachfragen nach Qualifizierungslösungen beschränkten sich bisher fast immer auf die großen Player: SAP, Microsoft etc … . Erhalte ich demnächst vielleicht die Chance, an Lernangeboten für OpenDesk oder Nextcloud mitzuarbeiten? Das würde mich freuen!

    Wissenstransfer mit dem Expert Debriefing Prozess

    Am Freitag konnte ich mich in nur eine Session einklinken, die ich ganz bewusst wählte. Silvia Roderus von Cogneon stellte den Cogneon Expert Debriefing Prozess vor: „Wie können Organisationen Expertenwissen nachhaltig sichern, wenn Mitarbeiter:innen die Abteilung/ Organisation verlassen?“.

    Ich war aus mehreren Gründen interessiert:

    Seit Jahren beschäftige ich mich damit, wie das explizite und implizite Wissen, die Kompetenzen und die Interessen individueller Mitarbeitender und deren Vernetzungen in Unternehmen besser sichtbar und nutzbar gemacht werden können. Lernzirkel sind dabei ein erfolgreicher Ansatz, und auch persönliche Wissenslandkarten erstellen wir immer mal wieder in der inhaltlichen Zusammenarbeit mit Fachexpert:innen. Aber wie können wir das Vorgehen über konkrete Lernzirkel-Themen und -Events bzw. über die Zusammenarbeit mit Fachexpert:innen im Rahmen eines konkreten Projekts hinaus institutionalisieren? Das auch beim Expert Debriefing gewählte Vorgehen über nach bestimmten Standards vorbereiteten und durchgeführten Interviews, dem kollaborativen Erstellen von Wissenslandkarten und dem Ableiten von Anschlussmaßnahmen scheint mir ein sinnvoller Ansatz, insbesondere dann, wenn wir es nicht nur im Debriefing, sondern in abgewandelter Form regelmäßig zum Erstellen und Fortschreiben der Wissenslandkarten nutzen (deshalb auch mein oben erwähntes Interesse, mich zukünftig wieder mehr mit Mindmaps zu beschäftigen … und meine Beschäftigung mit öffentlichen/kollaborativen Zettelkästen) und daraus regelmäßig Inspiration für formale und informelle Verwertungsformate ableiten … von gemeinsamen Podcastgesprächen bis hin zum Pitchen von Produktentwicklungsvorhaben im Rahmen unseres Strategierealisierungsprozesses.

    Weiterhin haben meine Kolleg:innen einen eigenen Ansatz zum Sichern und Aufbereiten des Wissens scheidender Mitarbeiter:innen entwickelt. Ich blicke also auch aus beruflichem Interesse auf das in diesem Fall ganz andere Vorgehen von Cogneon.

    Auf unserem Bereichsmeeting vor wenigen Tagen hatten meine Kollegin Corinna und ich mit interessierten Kolleg:innen eine gemeinsame SocialMap unserer Interessen, Themen und Gemeinsamkeiten skizziert … nur als Einstiegsübung in eine vertiefte Session zu sozialem Lernen. Das gemeinsame Bekleben des Besprechungsraums hat aber mal wieder so viel Freude gemacht und Potenzial des gemeinsamen Mappens gezeigt, dass ich mir vornehme, die Methode auch zukünftig wieder und vertieft anzuwenden.

    Die Social Map auf unserem Bereichsmeeting erstreckte sich über die ganze Wand eines Besprechungsraums

    Zurück zu Silvias Session. Silvia gab einen strukturierten Überblick über den Cogneon Expert Debriefing gab. Dazu nutzte sie die hier verlinkte Präsentation.

    Zum Einstieg sammelten wir Antworten auf die Frage, welchen Herausforderungen wir beim beruflichen Wissensmanagement in Unternehmen begegnen. In der Mentimeter-Wordcloud wurden zwei besonders relevante Faktoren deutlich: Wie zapfen wir das implizite Wissen der Mitarbeitenden an? Und wie gehen wir mit der permanenten Zeitknappheit um? Zwei auch für mich besonders relevante Aspekte, denn für das Herausfinden von implizitem Wissen braucht es Beziehung, Wertschätzung und sehr sehr viel Kontextwissen und Intuition … und für wiederkehrende Zusammenarbeit ein Vorgehen, dass für alle Seiten nicht zu aufwendig und zeitlich sehr variabel (je nach verfügbarer Zeit) eingesetzt werden kann.

    Nach einem Gespräch über akute Gründe, in denen Expert Debriefing besonders relevant wird, widmeten wir uns verschiedenen Begriffen und Aspekten, die darin prägend sind … u. a.:

    • Was ist „Wissen“ und wie machen wir es zugänglich (explizites vs. implizites Wissen)?
    • Was bedeutet es, „Expert:in“ zu sein? (eine interessante Anmerkung aus dem Kreis der Teilgebenden: In der klassischen Expert:innen-Rolle sind (teilweise undokumentierte) Wissensbestände versammelt, ergänzt durch Intuition, gute Vernetzung und Sichtbarkeit. Außerdem wurden „Domänen-Knowhow“, „Exklusivität“ und langjährige Firmenzugehörigkeit genannt. Kommen bei der „Expert:in 2.0“ Teilungsbereitschaft und Loyalität zum Unternehmen hinzu … bislang oft vernachlässigte Anforderungen?

    Als Beispiel für eine persönliche Wissenslandkarte zeigte Silvia die oberen Ebenen der Baumstruktur, die im Rahmen des CLC-Debriefing von Karlheinz Pape erstellt wurde. Mich fasziniert bei persönlichen Wissenslandkarten immer wieder, welche Wissensfelder (und Geschichten dahinter!) alleine das Vertiefen dieser ersten Zweige eröffnen und welche Möglichkeiten für Maßnahmen zur Wissenssicherung und zur Verknüpfung mit weiteren Wissensträger:innen oder anderen Akteur:innen darin schon angelegt sind (… wenn die Zeit zur Nachverfolgung gegeben ist!).

    Im zweiten Teil der Session diskutierten wir ausführlich darüber, welche Einsatzszenarien für generative KI im Prozess gesehen werden. Ich brauche nicht erwähnen, dass ich mich insb. der Befüllung des euphemistisch mit „Herausforderungen“ überschriebenen Bereichs auf dem Miro-Board widmete, u. a.:

    • Mangelnde Wertschätzung, wenn mir als Wissensträger:in wenig menschliche Aufmerksamkeit gewidmet wird, sondern Erfassung oder Weiterverarbeitung meines wertvollen Wissens (teil-)automatisiert werden soll (ICH würde mich dem Prozess verweigern).
    • Debriefing hat so viele implizite Bedeutungen (siehe u. a. Wertschätzungs-Aspekt), dass der Aufzeichnungs-Aspekt nur ein ganz kleiner Teil davon ist. Der Debriefing-Prozess ist u. a. Würdigung, Abschlussfeier, Resümee-Ziehen, Firmen-Alumni-Beziehung im Rahmen des Talent Management aufbauen, Innovationsprozess, Erforschen informeller Hierarchien und Kommunikationswege und vieles mehr …. (darüber sollte ich mir mal separat Gedanken machen!)
    • Das Erspüren emotionaler Erschütterungen im Verlauf des Prozesses wird unmöglich.
    • Ohne tiefes Kontextverständnis und Intuition durch die interviewende Person und während der Auswertung ist es deutlich schwerer, implizites Wissens zu entdecken.
    • Vertrauen: Ist das, was die Maschine aus meinen Informationen verarbeitet, in meinem Sinne? Bei menschlichen Gegenübern fällt das Vertrauen aufgrund bestehender Vertrauensverhältnisse oder generell Accountabilty oft leichter.
    • Im Prozess ist ein gezieltes Abweichen vom Protokoll Resultat von Erfahrung und Intuition der Interviewer:in (ähnlich wie im journalistischen Arbeiten).
    • GenAI-Tools fassen nicht zusammen, sondern kürzen.

    Obwohl wir zeitlich stark überzogen, war die informative Session viel zu kurz, um die offenen Fäden gebührend zu verfolgen. Ich bin gespannt auf eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema …. und werde mich demnächst dem lernOS Expert Debriefing Leitfaden widmen.

    #59 #clc17 #clc22 #CLC25 #ttscamp #UnplugTrump

  20. Mein Beitrag zur Blogparade #blogfragen

    Seit zwei Wochen hänge ich kränkelnd in den Seilen. Eine hartnäckige Erkältung lässt die Tage mit halber Energie vorbeischleichen. In Bauch und Hirn sammeln sich Dinge, die ich gerne tun, starten oder beenden würde. Wörter in mein Weblog tippen! Die Entwürfe-Liste wächst, die digitalen Notizen auch, und viele Ideen kommen und ziehen vorbei, bevor ich sie aufgeschrieben habe. Nebenan liegt der Sohn ebenfalls krank im Bett und ich weiß nicht, wie groß das Zeitfenster ist, bis er aufwacht und dieser Beitrag ebenfalls vorerst im Entwürfe-Bereich meines WordPress-Dashboards verschwindet.

    Ich brauche etwas, um mit dem Tippen loszulegen, aber jederzeit unterbrechen zu können und das Ding dennoch bis heute Abend veröffentlicht zu haben. So wie damals die #100DaysToOffload, mit denen ich dieses Weblog begann und von denen ich mich genau ein Jahr später nach 365 Tagen und erst 38 Beiträgen verabschiedete.

    Erst jetzt sehe ich, dass ich mir damals vorgenommen hatte, noch eine Verabschiedung zur Challenge zu schreiben. Das habe ich nie getan. Vielleicht werde ich es irgendwann nachholen, denn für eine Verabschiedung ist es auch weitere drei Jahre später nicht zu spät. Höchstwahrscheinlich aber nicht, zumindest nicht formal. Jeder neue Beitrag hier ist eine Wiederaufnahme des Bloggens und gleichzeitig ein Abschied an die #100DaysToOffload-Übung.

    Das ist mein eigener Textraum. Hier darf ich heiter scheitern und mich an meinen Ideen, Wünschen, Plänen und Lernlüsten freuen, die ich pflege und die mir in den Fingern jucken, ohne dass sie je zu etwas führen müssen. Und jetzt, wo ich mitten drin bin im Nachdenken über meinen Blog, starte ich meinen Beitrag zu Herrn Tommis #blogfragen Blogparade. (… und übe mich im Zügeln meiner drängenden Neugier, mich in den Beiträgen der werten Mitbloggenden zu verlesen … Das wird meine Belohnung sein, wenn die folgenden 12 Fragen von Herr Tommi beantwortet sind.)

    Warum hast Du ursprünglich mit dem Bloggen angefangen?

    21. Juli 2005, sagt mir Beitrag 2 vom 5.1.2021 in diesem Weblog. Damals als Tagebuch kurz vor Beginn meines ERASMUS-Auslandssemesters, in einem passwortgeschützten Blog, das nur Familienmitgliedern und Freunden zugänglich war. Also kein ‚echtes‘ Bloggen, aber rein technisch schon ziemlich genau so wie heute, auf einer eigenen Domain mit dort installiertem WordPress. (Es gibt sogar noch drei Snapshots aus dem Dezember 2005 auf archive.org, habe ich eben nachgesehen … mehr als ein Fragment des Startbildschirms zeigen sie aber nicht.) Das Blog schloss ich aber schon am 23. September 2006 wieder. Mich erwischten die Social Media Plattformen, die ich daraufhin für viel zu viele Jahre mit meinen Life Bits fütterte.

    Ich begann mit dem Bloggen, weil ich Tagebuch führen wollte – ergänzt durch die Motivation, Freunde und Familie über meine ERASMUS- und Reiseerlebnisse zu informieren. Klassische private Versuche des Tagebuchschreibens scheiterten regelmäßig. Nur für mich selbst schreibend fehlte mir die Motivation, regelmäßig Einträge zu verfassen. Das schaffe ich bis heute nicht. Ich brauche das Gefühl, dass zumindest theoretisch jemand mitlesen könnte. Ob das tatsächlich jemand tut, ist mir nach wie vor egal. Ich habe sämtliche Logs, Counter etc abgeschaltet und weiß nicht, ob das hier jemand entdecken wird (als Teil einer Blogparade steigt die Wahrscheinlichkeit …). Aber das Gefühl, es KÖNNTE jemand lesen und bei größter Wertschätzung zu einem Stirnrunzeln verleiten, motiviert mich, mich gedanklich zu sortieren, halbwegs gerade Sätze zu schreiben, weniger ins Lamentieren zu verfallen … und irgendwann auf die Veröffentlichen-Schaltfläche zu klicken.

    Die Motivation für das heutige Weblog ist ähnlich. Der potenzielle Adressat:innen-Kreis ist größer geworden und die Chance, dass jemand mitliest, gleichsam kleiner. Beim halbprivaten ERASMUS-Studienblog aus den Nuller-Jahren konnte ich relativ sicher davon ausgehen, dass meine Eltern und mein Freundeskreis reinschauen. Aber wen interessiert heute schon mein um sich selbst drehendes Geschreibsel? Die Idee, dass Personen, die meine E-Mail-Adresse kennen, aus Neugier reinklicken, versetzt mich manchmal in Zweifel … genau wie die Seltsamkeit, dass meine Privatadresse ungeschützt im Impressum steht. Menschen, die das seltsam und naiv finden, sei beim Lesen dieser Zeilen gesagt: Geht ruhig weiter, dieser Blog ist nicht für euch.

    Zu den Versuchen aus 2005 sind neue Auslöser hinzugekommen: Das Weblog dient mir als Raum, um Gedanken, die mir fachlich wichtig sind, ohne Zeichenbeschränkung und in eigener Souveränität nach dem Domain of Ones Own Ansatz sortieren und aufheben zu können. Und immer mal wieder gibt es einzelne Artikel, mit denen ich mich an eine mir vor Augen stehende Leserschaft wende. Wenn ich eine Barcamp-Session ankündige. Wenn ich Erkenntnisse aus einer Veranstaltung für Dritte zusammenfasse. Wenn ich Informationen für ein anderes Format (z. B. als Podcast-Shownotes) zusammenfasse. Wenn ich einen Vorschlag unterbreiten möchte. Wenn ich mich freue, dass Ideen von mir woanders aufgegriffen und veröffentlicht wurden. Oder natürlich, wenn ich an einer Blogparade teilnehme (das hier ist erst mein zweites Mal … das erste Mal war kurz nach dem Start dieses Blogs in der #Teilzeitparade von Melanie. Leider scheint ihr Weblog mittlerweile offline gegangen zu sein. Ein kleiner Schock für mich, der mich gleich veranlasst hat, ihr damaliges Nachfolgegespräch mit mir auf LinkedIn hier zu archivieren.)

    Welche Plattform nutzt Du für Deinen Blog und warum hast Du Dich dafür entschieden?

    Wie leider fast das ganze Internet baut auch dieses Weblog auf WordPress auf, gehostet seit eh und je auf meinem Webspace bei all-inkl.com. Ich hatte damit 2005 begonnen (und 2021 weitergemacht), weil es vergleichsweise einfach schien und etabliert ist. Mittlerweile bin ich nicht mehr ganz glücklich über die WordPress-Wahl und würde gerne auf eine einfachere Lösung wechseln, die nicht mit Matt Mullenweg und Automattic assoziiert ist. Am sympathischsten, weil stabil, schnell und ressourcensparend, wäre mir eine statische Webseite. Allerdings fehlte mir bisher die Lust, Zeit und Kompetenz, mich mit einer Konvertierung ernsthaft auseinanderzusetzen.

    Sehr happy bin ich mit dem Wechsel vom schrecklichen Thrive-Theme, das ich 2021 gekauft hatte, hin zu dem Theme, das Leonid mir geschenkt und für mich angepasst hat. Rein optisch und funktional gefällt mir mein Weblog jetzt so gut, dass ich die nächste Zeit wohl so weitermachen werde, es sei denn, im Rahmen der Trump-Katastrophe da drüben passiert etwas, das mich zwingt, mich von meiner WordPress-Installation als technischem Backbone zu verabschieden.

    Hast Du schon auf anderen Plattformen gebloggt?

    Ich habe in meinem Leben viel zu viel Energie in die Befütterung diverser SocialMedia-Plattformen gesteckt. Als echte Domain of Ones Own hatte ich neben meiner WordPress-Installation früher als Student eine händisch programmierte Portfolio-Webseite, auf der ich meine im Mediendesign-Studium erstellten Fotos und Videos zeigte. Meine damaligen HTML/CSS-Kenntnisse dürften mittlerweile völlig veraltet sein. Manchmal blicke ich mit gewisser Wehmut auf die Zeit, als ich bis in die letzte Codezeile Meister meiner Webpräsenz war (wow, ich finde gerade einen Snapshot von 2003 bei archive.org …).

    Wie schreibst Du Deine Blogposts? Nutzt Du ein lokales Bearbeitungstool oder eine Panel/Dashboard-Funktion Deines Blogs?

    Notizen zu Blogposts entstehen entweder in Logseq oder Apple Notizen (letzteres als Notlösung, seitdem es mit der Synchronisation von Logseq auf mein iPhone hakt). Die meisten Blogposts schreibe ich in iA Writer vor und kopiere sie dann per Copy+Paste in den WordPress-Editor. Kurze schnelle Beiträge schreibe ich direkt in WordPress. In iA Writer kann ich mich allerdings besser auf den Schreibprozess konzentrieren.

    Wann fühlst Du Dich am meisten inspiriert zu schreiben?

    Die meisten Beiträge beginne ich an meinem freien Montag, meinem Lern- und Herzenstag, vormittags, wenn der Sohn in der Schule ist und ich vielleicht gerade von einem längeren Lauf zurückkomme. Beim Laufen kommen mir viele Ideen, die ich danach zumindest skizzenhaft irgendwo festhalten muss. (Zeitweise lief ich mit einer Apple Watch und der App „Just Press Record“, um Ideen gleich in die Uhr diktieren zu können. Ich war erstaunt, wie funkelnd mir die Ideen unterwegs schienen und wie schal, als ich sie zuhause als Transkript aus meiner iCloud fischte. Außerdem war die Apple Watch aus tausend anderen Gründen ein unglaublich blödes Stück Technik. Deshalb verlasse ich mich jetzt darauf, dass mir die lohnenswerten Ideen im Kopf bleiben, bis ich wieder zuhause bin.)

    Leider reicht oft die Zeit nicht, begonnene Beiträge fertig zu schreiben. Sie bleiben als Entwürfe in iA Writer oder WordPress liegen. Wenn mir ein Beitrag wichtig ist oder ich ihn aus unterschiedlichen Gründen schnell veröffentlichen möchte, setze ich mich abends nochmal dran, wenn die Familie schläft. Der Beginn ist oft leicht, der Abschluss schwer. Viele Beiträge bringe ich nie zum Ende.

    Veröffentlichst Du Deine Texte sofort oder lässt Du sie erst eine Weile als Entwurf liegen?

    Es passiert selten, dass ich einen Beitrag am Stück schreibe und direkt veröffentliche. Während meines #100DaysToOffload-Versuchs ging das besser. Heute benötige ich zumindest fürs Durchlesen, Korrigieren, Ergänzen von Quellen und Heraussuchen eines Beitragsbilds meist eine zweite Sitzung. Bei der Aufhübschung meines Blogs habe ich meine Entwürfe aufgeräumt und alle gelöscht, die zu fragmentarisch oder veraltet waren. 12 Entwürfe in WordPress und unzählige in iA Writer warten noch darauf, wieder aufgegriffen zu werden. Meinen ältesten, noch nicht veröffentlichten Entwurf, schrieb ich wenige Tage nach dem Start dieses Weblogs. Er besteht ausschließlich aus dem Titel „Stadt als Lernraum“. Irgendwann möchte ich mich dem Thema noch einmal widmen. Deshalb bleibt dieser Drei-Worte-Entwurf bestehen …

    Über welche Themen schreibst Du generell?

    Dieses Weblog ist themenoffen. Am häufigsten schreibe ich wahrscheinlich über Lernen (das Thema beschäftigt mich auch beruflich) und das Bloggen selbst, außerdem über Bücher, die ich gelesen, Veranstaltungen, die ich besucht habe und Podcasts, in denen ich als Gast eingeladen war (fast immer ist das LERNLUST). Am einfachsten fällt es mir, dieses Weblog als Raum für meine Lektürenotizen zu nutzen. Manchmal empfinde ich diese Beiträge als unfertig, wenn sie Notiz-, Zitatesammlung und Linksammlung bleiben und zu keiner echten Rezension mit eigenem Standpunkt entwickelt wurden … aber dann erinnere ich mich daran, dass das hier mein eigener Lernbereich ist und deshalb auch Notizbuch sein darf.

    Für wen schreibst Du?

    Die Behauptung, grundsätzlich nur für mich selbst zu schreiben, trage ich wie einen Schutzschild und als Selbstimmunisierung vor mir her. Wie oben bereits erwähnt: Es geschieht immer wieder, dass ich einzelne Beiträge gezielt für konkrete andere Personen schreibe und ihnen dann schicke. Die meisten Beiträge sind aber tatsächlich Mittel zum Zweck, um meine Gedanken zu sortieren. Auch das Schreiben an diesem Blogparade-Beitrag ist für mich freudiger Anlass für eine Gedankenreise durch meine eigenen Blog-Aktivitäten. „Lernen durch Schreiben“ ist eine Thema, das mich seit Jahren begeistert. Mit Matthias Wiencke hatte ich dazu mal in einem LernXP-Podcast gesprochen. Hier hatte ich eine Session dazu auf dem Barcamp #CLC21 der Corporate Learning Community vorbereitet … und hier nachbereitet. Dieses Weblog ist mein wichtigstes Lernwerkzeug! (Heute früh las ich im Audrey Watters Büchlein „Claim Your Domain – And Own Your Online Presence“ über Ivan Illichs Konzept der „Tools for Conviviality“. Ist mein Weblog so ein Tool für mich? Das werde ich herausfinden!)

    Was ist Dein Lieblingsbeitrag auf Deinem Blog?

    Diese Frage kann ich kaum beantworten. Am meisten mich selbst zitiert bzw. als Materialsammlung für andere Texte wiederverwendet habe ich wahrscheinlich aus den Beiträgen „Was sind Corporate Learning Ecosystems?“ und „Lernen in Gruppen“. Die Erstellung meiner Notizen und Quellensammlung zu Stefan Bergheims Buch „Zukünfte: Offen für Vielfalt“ war ein riesiger Lernprozess für mich, weil ich dabei so viel Verweise aus dem Buch nachverfolgt habe. Der kurze Tagebucheintrag „Eisbaden“ hat dazu geführt, dass mich eine Redakteurin der Deutschen Welle für einen kleinen Fernsehbeitrag im Internet gefunden und kontaktiert hat. „Recht auf Spazierengehen“ widmet sich einem Thema, das mir und unerwartet vielen Mitlesenden wichtig ist. Und der oben bereits erwähnte Blogparade-Beitrag „Mein Lern- und Herzenstag“ verband mich mit vielen wichtigen Beiträgen anderer Menschen, die traditionelle Arbeitszeitmodelle in Frage stellen, und hat so vielleicht manche Menschen in ihrer eigenen Entscheidung bestärkt, die Arbeitszeit zu reduzieren?

    Hast Du schon Blogpausen eingelegt oder Blogs ganz aufgegeben?

    Mein Blog aus Studiumszeiten schaltete ich nach einem guten Jahr wieder ab. Mein Leben hatte sich verändert und ich empfand damals die Fortführung als nicht mehr relevant (außerdem verlor ich mich an Social Media …). Heute bereue ich die Abschaltung.

    Meine händisch programmierte Portfolio-Webseite aus dem Studium löschte ich, nachdem ich 2009 eine Arbeit gefunden hatte, die mit meiner damaligen künstlerischen Arbeit nichts zu tun zu haben schien. Es schien mir unpassend, mich mit meinen im Rückblick unzulänglich erscheinenden Fotos und Videos im Internet zu präsentieren. Auch diesen Schritt bereue ich heute … aber diesen Teil meiner digitalen Präsenz jetzt im Nachhinein wieder zu rekonstruieren, fühlt sich ebenfalls seltsam an.

    Dieses Weblog soll länger bestehen bleiben. Immer mal wieder verlässt mich die Energie, ich schreibe wochen- oder monatelang nichts oder sammele unfertige Entwürfe. Seit der optischen Überarbeitung habe ich wieder große Lust, hier zu schreiben. Im Sommer (während meines jährlichen sechswöchigen Urlaubs) kribbelt es mich besonders in den Tippfingern, genau wie in der ersten Jahreshälfte, wenn mir vermehrt Veranstaltungen wie das Corporate Learning Barcamp oder die re:publica Themeninspiration geben.

    Was empfiehlst Du Menschen, die mit dem Bloggen anfangen wollen?

    Eine Challenge wie #100DaysToOffload kann hilfreich sein, um ins tägliche Schreiben zu kommen. Meine eigene Schreibpraxis wurde dadurch gefördert.

    Dem klassischen Ratschlag, sich nicht zu sehr mit Technik und Konzept zu verkünsteln und einfach mit dem Schreiben loszulegen, kann ich nur bedingt folgen … denn auch das Einrichten des Blogs und Nachdenken über die Struktur und den Zweck eines Weblogs war ein wertvoller Lernprozess, den ich nicht missen möchte (aber ich begeistere mich sowieso schnell für Fragestellungen auf Meta-Ebene zu Praktiken der Artefaktproduktion. Der Weg ist ein Ziel.)

    Mein Anspruch, in erster Linie für mich selbst zu schreiben, nimmt mir Hemmungen.

    Vielleicht wäre ein guter Start, alle Beiträge, die man eigentlich auf Social Media Plattformen schreiben möchte, zumindest parallel auch auf dem eigenen Blog zu erstellen (oder idealerweise die Beiträge dort zu schreiben und nur auf die Plattformen zu verlinken)? Das nehme ich mir selbst immer wieder vor, es gelingt mir aber nur vereinzelt, weil manche Mastodonbeiträge für einen eigenen Blogpost als zu kurz oder zu stark in den dortigen Diskurs verwebt erscheinen. Aber warum eigentlich?

    Hast Du Zukunftspläne für Deinen Blog? Vielleicht ein Redesign, ein Wechsel der Plattform oder neue Features?

    Dazu ist das meiste bereits geschrieben. Ein ferneres Ziel wäre, mich von WordPress zu verabschieden und den Wechsel zu einer statischen Seite zu schaffen.

    Die Gestaltung gefällt mir aktuell, die (bewusst reduzierten) Features passen ebenso. Immer wieder denke ich darüber nach, wie die Integration ins Fediverse noch besser werden könnte, aber eigentlich passt es so, wie es ist.

    Was irgendwann kommen könnte, oder auch nicht:

    • Eine Art öffentlicher Zettelkasten bzw. ein echtes, öffentliches Notizsystem: Dazu hatte ich mich vor zwei Jahren eine Zeit intensiv beschäftigt und mich intensiv mit Experten ausgetauscht. Irgendwann wuchs mir das über den Kopf und ich stellte fest, dass ich vor lauter Nachdenkerei über den Notizprozess keine Notizen mehr machte. Falls ich hier mal einen gesunden Mittelweg finde, nehme ich das Thema vielleicht wieder auf.
    • Mehr Fotos: Früher habe ich begeistert auf Reisen fotografiert. Ich hätte Lust, das wieder aufzunehmen. Und in diesem Zusammenhang müsste ich mir überlegen, wie ich hier mehr Bildebene reinbringe … vielleicht eine Galerie?
    • Mein eigener Podcast? Seit langer Zeit trage ich die Idee mit mir herum, einen Podcast über lokale/kommunale Lernräume oder Dritte Orte zu starten. Darüber hinaus habe ich noch andere Podcastideen. Keine Ahnung, ob ich die jemals verwirklichen werde, aber wenn es soweit sein wird, setze ich vielleicht eine Podlove- oder eine Castopod-Instanz auf …?

    So, ich habe diesen Beitrag in (fast) einem Rutsch fertig getippt und zwischendurch mit dem Sohn gefrühstückt. Am Montag, meinem Lern- und Herzenstag. Eigentlich wollte ich heute früh meine Notizen zum Buch „Das Projekt SAP“ von Hannah Mormann sortieren, über das ich übermorgen mit ein paar Kolleg:innen spreche. Aber das musste dank der Blogparade warten. Und jetzt …. jetzt darf ich endlich auch die Beiträge der anderen Blogger:innen lesen!

    #100DaysToOffload #blogfragen #CLC21 #Lernlust #Teilzeitparade

  21. Why does #Rideau station on the #LRT always smell like a sewer ? #ottawa

  22. Why does #Rideau station on the #LRT always smell like a sewer ? #ottawa

  23. Why does #Rideau station on the #LRT always smell like a sewer ? #ottawa

  24. Why does #Rideau station on the #LRT always smell like a sewer ? #ottawa

  25. Why does #Rideau station on the #LRT always smell like a sewer ? #ottawa

  26. @AntjeTomfohrde Guten Morgen, liebe Antje! Das sieht nach einer beeindruckenden Ausstellung aus, habe mir gerade den Videotrailer angesehen! 🤩
    Oberhausen ist leider sehr weit entfernt für einen Familienausflug dahin …
    Heute steht bei uns der Besuch des Heimspiels SV #Falkensee #Finkenkrug #svff auf dem Programm. Bei solchen Lokalspielen hab selbst ich als absoluter Fussballmuffel mit unserem Sohn Spaß.
    Ich wünsche euch ein entspanntes, erholsames Wochenende!

  27. Die #KrasseHerde ist, was das Experimentieren mit neuen Event-/Lernformaten betrifft, top-notch.
    Zwei große Onsite-Events in Hamburg+ Walldorf und unzählige lernlustige Menschen überall auf der Welt zusammenbringen und 2 Tage experimentieren, was #hybrid gut macht. Wow! #clc22

  28. Das Leidensthema #Messbarkeit von #Lernen lockt nochmal viele Teilgebenden in die #clc22 Session von Julian Fornoff. „Wir messen uns zu Tode“ sagt eine Teilgebende. 😅