#vertrauen — Public Fediverse posts
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https://www.europesays.com/videos/90819/ AFD-BEBEN MIT FOLGEN: „Blanke Panik“ in der CDU! Merz kämpft plötzlich um seine politische Zukunft! #AfD #AfdSieg #aktuell #AliceWeidel #Bundestag #cdu #deutschland #fernsehen #friedrichmerz #generaldebatte #GordonRepinski #GordonRepinski #landtagswahl #merz #n24 #nachrichten #NachrichtenAktuell #news #Politik #regierung #SachsenAnhalt #SPD #tv #Vertrauen #video #welt #WELTNews
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#news ⚡ Fischer: Vertrauen der Europäer in die USA ist verloren: Nach Einschätzung des früheren Außenministers Joschka Fischer hätte es die Präsidentschaft von Donald Trump ohne 9/11 nicht gegeben. "... https://hubu.de/?p=343063 | #europaeer #fischer #usa #vertrauen #hubu
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https://www.europesays.com/videos/90638/ MERZ UNTER BESCHUSS: CDU in der Krise! Bürger fordern Rücktritt des Bundeskanzlers #aktuell #äußern #botschaft #Bundeskanzler #Bürger #cdu #der #deutschland #einer #er #fernsehen #frage #FriedrichMerz #IhreStimme #in #koalition #Kritik #Meinungen #merz #müsste #n24 #nach #nachrichten #NachrichtenAktuell #news #Politik #Rücktrittsforderungen #Ruf #senden #sich #StimmeAmMorgen #tv #um #umfrage #und #Vertrauen #video #welche #welt #WELTNews #zu
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Wuppertaler reagieren auf Wahl in Sachsen-Anhalt
Bei der Wahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD, deren Landesverband in diesem Bundesland vom Verfass…
#Wuppertal #Deutschland #Deutsch #DE #Schlagzeilen #Headlines #Nachrichten #News #Europe #Europa #EU #AfD #Anhalt #Auftrag #Demokratie #demokratiefeindliche #Germany #Handlungsauftrag #Mitglieder #Nordrhein-Westfalen #Partei #Parteimitglieder #Parteipolitik #Parteiverbots #Probleme #Sachsen #verlieren #Vertrauen
https://www.europesays.com/de/1287999/ -
Darmstädter Mathildenhöhe: Erst räumen, dann stoppen
Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt sollte ein Besucherzentrum entstehen. Seit rund zehn Jahren plant die Stadt daran, seit 2021 gehört das Jugendstil-Ensemble zum Unesco-Welterbe. Zuletzt lagen die veranschlagten Kosten für den Bau bei 21 Millionen Euro. Gegner besetzten den Osthang an der Mathildenhöhe, das vorgesehene Grundstück, über Monate.
Im Februar 2026 ließ die Stadt das Gelände räumen. Mehrere hundert Polizisten holten die Besetzer vom Gelände, 13 Bäume fielen, die Main Hall der freien Kulturszene wurde abgebaut, die Baugrube ausgehoben. Es folgten Strafanzeigen. Am 17. August 2026 verkündeten nun Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) und Stadtplanungsdezernent Paul Wandrey (CDU) auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz das Gegenteil: Vorläufige Aussetzung des Bauprojekts, sofort, auf unbestimmte Zeit. Ob überhaupt gebaut wird, ist offen.
Diese Reihenfolge hat mich auf Facebook zum Kommentieren gebracht. Erst räumen lassen, dann den Bau stoppen — das erschließt sich nicht nur mir nicht. Warum nun diese Notbremse, nachdem die Bagger schon angerückt sind?
Die Zweifel waren früher da als die Bagger
Benz begründet den Baustopp damit, dass ein inhaltlich tragfähiges Konzept fehlt. Man habe ein Gebäude geplant, ohne zu wissen, wie man Schülern und Touristen das Welterbe erklären will. Das scheint zu stimmen. Doch natürlich gibt es eine (lange) Vorgeschichte.
Schon 2025 ließ die Verwaltung – wohl angesichts der sehr angespannten Haushaltssituation in Darmstadt – nach Einsparmöglichkeiten suchen. Sie bat den Welterbe-Beirat, den Entwurf unter Kostengesichtspunkten neu zu bewerten. Der Beirat lehnte im September ab — das Projekt sei zu weit fortgeschritten. Fünf Monate später rollten die Bagger.
Vier Millionen Euro sind unterdessen laut Quellen bereits ausgegeben. Die Absicherung der Grube kostet 3.000 Euro im Monat. Der FAZ-Kommentator schreibt, die Räumung wäre nicht nötig gewesen, hätte man früher über eine Neubewertung und einen Baustop entschieden.
Was 2017 versprochen und elf Wochen später kassiert wurde
Die Stadt hat mir dankenswerterweise Unterlagen zur Verfügung gestellt. Darin ist zu finden: Bei der Bürgerinformation am 29. März 2017 endet die Präsentation mit einem klaren Ablauf: erst die Nutzungsvorstellungen klären, dann ein Ideenwettbewerb, dann ein Realisierungswettbewerb — ausdrücklich „auf Basis konkreter Nutzungs-, Raum- und Funktionskonzepte“. Am 13. Juni 2017 beschloss die Stadtverordnetenversammlung direkt den Realisierungswettbewerb. Der Ideenwettbewerb entfiel. Das Nutzungskonzept auch. Elf Wochen. So lange hielt das Verfahren, das man den Bürgern erklärt hatte.
Ein Beschluss weist dann im Februar 2019 die Erarbeitung des Nutzungs- und Betriebskonzepts dem Eigenbetrieb Kulturinstitute zu. Zu dieser Zeit war Jochen Partsch (Grüne) Oberbürgermeister in Darmstadt (zwischen Juni 2011 bis Juni 2023). Der Beschluss von 2019, der die Aufgabe dem Eigenbetrieb zuweist, wurde von Ludger Hünnekens unterzeichnet, dem Kulturreferenten unter Partsch. Ein Betriebskonzept entstand wohl nicht. Seit 2023 führt nun Hanno Benz (SPD) das Rathaus und den Eigenbetrieb als Kulturdezernent. Es entstand weiter nichts. Wenn die Grünen jetzt drei Jahre Untätigkeit vorwerfen, müssen sie vier eigene Jahre erklären.
Ein selbstgemachter Sachzwang
Jahrelang hieß es, die Unesco verlange den Bau des Besucherzentrums. Umweltdezernent Michael Kolmer (Grüne) sprach 2024 im Parlament von vertraglicher Verpflichtung. Benz nennt das heute eine Falschinformation.
Beide haben auf ihre Weise recht. Kapitel 7 der Standortuntersuchung hält fest, das Besucherzentrum sei im Managementplan festgeschrieben und damit Teil der vertraglichen Bindung gegenüber dem Welterbekomitee. Die Bindung besteht also. Nur hat Darmstadt sie selbst geschrieben. Kulturreferent Ludger Hünnekens erklärte im April 2018, man baue am Osthang — auch wenn die Unesco den Antrag ablehne. Stadtplanungsdezernent Paul Wandrey (CDU) bezeichnet es als einen politischen Fehler, man habe aus dem Neubau einen Sachzwang gemacht.
Sechstausend Euro Informationssperre
Die Initiative „Osthang bleibt“ wollte per Informationsfreiheitsgesetz – das die Bundesregierung gerade aushebeln will – wissen, ob der Standort je ergebnisoffen geprüft wurde. Die Verwaltung verwies auf Aktenumfang, Datenschutzprüfung und Personalengpässe. Bei der Pressekonferenz kam überraschend eine andere Erklärung: Eine letzte Rate an das Planungsbüro war nicht bezahlt, deshalb stimmte das Büro der Veröffentlichung nicht zu. Die FR zitiert Benz mit dem Satz, er habe nie verstanden, warum die Studie nicht veröffentlicht wurde. Das Darmstädter Echo beziffert den offenen Betrag auf 6.000 Euro.
Sechstausend Euro. Bei einem Projekt, das unterdessen mit 21 Millionen kalkuliert wird und in dem bereits vier Millionen stecken. Entweder hat es niemand bemerkt — dann belegt es die Organisationsmängel, die Benz selbst beklagt. Oder jemand hat es bemerkt und nichts getan. Dann war die offene Rechnung bequem.
Um welches Dokument es geht, lohnt der Genauigkeit halber:
- Titel: „Darmstadt – Mathildenhöhe. Standortuntersuchung und Wettbewerb Besucherzentrum“
- Auftraggeber: Wissenschaftsstadt Darmstadt, vertreten durch den Magistrat
- Auftragnehmer: ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
- Projektkoordination: Dipl.-Ing. Christoph Beck, Untere Denkmalschutzbehörde
- Stand: 3. Januar 2019, Endredaktion Mai 2025
Der Datumsstempel verdient einen zweiten Blick. Ein Papier, das die Entscheidung von 2017 begründet, wurde im Mai 2025 endredigiert — in genau dem Jahr, in dem die Anfragen nach Akteneinsicht liefen und die Verwaltung intern nach Einsparungen suchen ließ. Veröffentlicht wurde es trotzdem erst 2026.
Die Antwort auf die Frage der Initiative „Osthang bleibt“ steht übrigens genau darin. Zwei der sechs Standorte schieden aus, weil sie „nur bei einer zweipoligen Lösung überzeugen könnten“ — nachdem die Entscheidung gegen zwei Standorte bereits gefallen war. Der Nordhang fiel wegen 990 Quadratmetern durch, das Ernst-Ludwig-Haus wegen kleinteiliger Räume. Übrig blieb der Osthang mit 6.900 Quadratmetern. Das ist Planungslogik. Es ist nur keine ergebnisoffene Prüfung.
Die Zahlen
„Von sechs auf 21 Millionen“ liest man in vielen Berichten. Die Zahl stammt aus der Pressekonferenz, und sie scheint einer Prüfung nicht stand zu halten. Der Beschluss von 2019 nennt 6,2 Millionen als den im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs veranschlagten Anteil, dazu 3,5 Millionen von Merck und fünf Millionen Bundesförderung für mehrere Maßnahmen. Und er sagt ausdrücklich, die verbindlichen Projektkosten würden erst in der Entwurfsplanung ermittelt.
2020 war von Kosten in einer Höhe von 13,6 Millionen die Rede. Der belastbare Vergleich lautet wohl 13,6 auf 21 Millionen. Rund 60 Prozent mehr. Schlimm genug. Aber nicht das Dreifache. Die Journalisten haben die zugespitzte Zahl des Rathauses übernommen, statt sie genauer zu prüfen.
Warum die Parteifrage hier nicht weiterhilft
Die Grünen werfen Benz Versäumnisse vor, Benz hält dagegen, und beide haben Argumente. Trotzdem führt das in die Irre. Hier scheinen Scheingefechte und auch persönliche Animositäten eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen, wen n von „Hinterzimmervereinbarungen“ die Rede ist. Einmal mehr steht auch Hanno Benz im Kreuzfeuer der Kritik, dem nicht das erste Mal vorgeworfen wird, Instanzen und Verantwortliche gerne mal außen vor zu lassen und Dinge als „Macher“ zu verkünden.
Das Projekt wurde unter Grün vorangetrieben, unter Rot fortgeführt, von Schwarz mitbeschlossen und neun Jahre lang von wechselnden breiten Mehrheiten getragen. Die Welterbe-Idee stammt laut Quellen ursprünglich von der CDU-Politikerin Sissy Geiger, die damals am Widerstand von SPD und Grünen scheiterte. Und die Wählergemeinschaft „Darmstadt gemeinsam“ erinnert daran, dass Mario Pingel exakt die heutigen Einwände vor der letzten Kommunalwahl als Dringlichkeitsantrag einbrachte. Die Zulassung scheiterte knapp — abgelehnt auch von Uffbasse, das inzwischen im Bündnis des Oberbürgermeisters sitzt.
Dass der Stopp jetzt kommt, hat einen Grund, den die FAZ wie folgt benennt: Benz hat im Sommer vier Fraktionen hinter sich gebracht. Erst danach war die Entscheidung durchsetzbar, so die FAZ. Was hier versagt hat, ist kein einzelner Amtsinhaber. Es ist ein Verfahren, das Verantwortung so lange auf 28 Beteiligte verteilte, bis sie niemandem mehr gehörte. Neun Jahre lang war das Ja zum Bau billiger als das Nachfragen.
Der Baustopp ist sachlich richtig. Falsch ist der Zeitpunkt. Zwischen der Räumung im Februar und dem Moratorium im August liegen sechs Monate, in denen nichts bekannt wurde, was die Stadt nicht schon vorher wusste. Wer im August feststellt, dass das Vermittlungskonzept fehlt, hätte im Februar nicht räumen müssen.
Am Tag nach dem Baustopp verurteilte das Amtsgericht Darmstadt eine Besetzerin zu einer Bewährungsstrafe wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands. Die Richterin betonte das Recht auf freie Meinungsäußerung, hielt aber fest: Die Aktivistin habe aber die Grenze der Rechtsstaatlichkeit überschritten. Sie stammt aus Stuttgart. Das Echo hatte schon zur Räumung von „teils angereisten Demonstranten“ geschrieben.
Festzuhalten bleibt: Die Initiative „Osthang bleibt“ galt lange Jahre als Verhinderer. Im Februar, sagt die Initiative, sei der Bau bei der Räumung noch als alternativlos dargestellt worden. Sechs Monate später übernimmt der Oberbürgermeister ihre Argumente zur Begründung des Stopps — ohne das auszusprechen.
Die Grube ist ausgehoben. Die Bäume sind weg. Klar, eine Baugrube lässt sich verfüllen, Bäume wachsen nach, aber Vertrauen ist verloren gegangen. Das ist der Schaden, den auch der jetzige Baustop nicht repariert.
Wie es weitergeht, bleibt offen. Die Initiative schlägt ein dezentrales Konzept in bestehenden Gebäuden vor und verlangt, sich an realistischen Besucherzahlen zu orientieren. Der Oberbürgermeister schließt nach Berichten eine die Rückgabe des Osthangs aus. Die Main Hall, die sich auf dem Gelände befand, sei „von Anfang an nur eine Zwischennutzung“ gewesen. Der Osthang könne weiter Bauplatz sein, für ein „weniger dominantes Gebäude“. Das Moratorium sei also keine Abkehr vom Standort …
Warum ich das aufschreibe
Meine Frau und ich haben die Geschehnisse über die Jahre hinweg mehr oder weniger aus der Ferne verfolgt. Aufmerksamer wurden wir nach den kürzlichen Ereignissen am Osthang und der Räumung, die wohl Stand heute nicht hätte sein müssen. Nun diese Pressekonferenz mit der richtigen Entscheidung, das Projekt vorerst zu stoppen. Doch leider ist es mal wieder ein Vorfall, in dem Vertrauen in unsere Parteien, die Kompetenz unserer Politikerinnen und Politiker und in unsere Verwaltung verloren geht, in dem deren Ansehen beschädigt wird.
Wir alle kennen das unsägliche Projekt Stuttgart 21. Der Vergleich hinkt sicherlich. Doch ist es dringend notwendig, dass die politischen Parteien und die Verwaltung endlich Handlungsfähigkeit, Transparenz und Verantwortung zeigen. Unsere Demokratie kann, darf und sollte sich solche Pleiten, Pech und Pannen nicht mehr leisten. Dazu ist sie zu sehr unter Beschuss von denen, die sie abschaffen wollen und die mit einfachen Antworten zu punkten versuchen. Wir haben viel zu verlieren und das fängt im Kleinen an. Und so klein sind 21 Millionen Euro übrigens auch nicht.
In eigener Sache: Ich habe mit keinem der Beteiligten gesprochen. Dieser Beitrag stützt sich auf die Berichterstattung von FAZ, FR und Darmstädter Echo sowie auf Unterlagen, die mir die Pressestelle der Stadt Darmstadt auf Anfrage zur Verfügung gestellt hat — die ANP-Standortuntersuchung, die Bürgerpräsentation vom März 2017 und den Beschluss der Betriebskommission vom Februar 2019. Wer die Dokumente anders liest als ich, möge widersprechen.
Quellen & Leseempfehlungen
- Baustopp für Besucherzentrum auf Mathildenhöhe (FAZ)
- Jetzt kann Benz Politik machen — Kommentar (FAZ)
- Nach Baustopp: Grüne werfen Benz Versäumnisse vor (FAZ)
- Bewährungsstrafe für Besetzerin des Osthangs an Mathildenhöhe (FAZ)
- Darmstadt stoppt Bau von Besucherzentrum am Osthang (FR)
- Oberbürgermeister stoppt 21-Millionen-Projekt — Reaktionen (FR)
- Darmstädter Echo, 18.8.2026: „Baustopp für das Besucherzentrum“
- Darmstädter Echo, 19.8.2026: „Erhofft, umkämpft, verschoben“
- Wissenschaftsstadt Darmstadt / ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel: „Darmstadt – Mathildenhöhe. Standortuntersuchung und Wettbewerb Besucherzentrum“, Stand 3. Januar 2019, Endredaktion Mai 2025
- Wissenschaftsstadt Darmstadt: „Masterplan Künstlerkolonie Mathildenhöhe – Standortuntersuchung Besucherzentrum“, Präsentation zur Bürgerinformation am 29. März 2017
- Eigenbetrieb Kulturinstitute der Wissenschaftsstadt Darmstadt: Beschlussvorlage „Neubau Besucherzentrum Mathildenhöhe“ an die Betriebskommission, 27. Februar 2019
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Darmstädter Mathildenhöhe: Erst räumen, dann stoppen
Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt sollte ein Besucherzentrum entstehen. Seit rund zehn Jahren plant die Stadt daran, seit 2021 gehört das Jugendstil-Ensemble zum Unesco-Welterbe. Zuletzt lagen die veranschlagten Kosten für den Bau bei 21 Millionen Euro. Gegner besetzten den Osthang an der Mathildenhöhe, das vorgesehene Grundstück, über Monate.
Im Februar 2026 ließ die Stadt das Gelände räumen. Mehrere hundert Polizisten holten die Besetzer vom Gelände, 13 Bäume fielen, die Main Hall der freien Kulturszene wurde abgebaut, die Baugrube ausgehoben. Es folgten Strafanzeigen. Am 17. August 2026 verkündeten nun Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) und Stadtplanungsdezernent Paul Wandrey (CDU) auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz das Gegenteil: Vorläufige Aussetzung des Bauprojekts, sofort, auf unbestimmte Zeit. Ob überhaupt gebaut wird, ist offen.
Diese Reihenfolge hat mich auf Facebook zum Kommentieren gebracht. Erst räumen lassen, dann den Bau stoppen — das erschließt sich nicht nur mir nicht. Warum nun diese Notbremse, nachdem die Bagger schon angerückt sind?
Die Zweifel waren früher da als die Bagger
Benz begründet den Baustopp damit, dass ein inhaltlich tragfähiges Konzept fehlt. Man habe ein Gebäude geplant, ohne zu wissen, wie man Schülern und Touristen das Welterbe erklären will. Das scheint zu stimmen. Doch natürlich gibt es eine (lange) Vorgeschichte.
Schon 2025 ließ die Verwaltung – wohl angesichts der sehr angespannten Haushaltssituation in Darmstadt – nach Einsparmöglichkeiten suchen. Sie bat den Welterbe-Beirat, den Entwurf unter Kostengesichtspunkten neu zu bewerten. Der Beirat lehnte im September ab — das Projekt sei zu weit fortgeschritten. Fünf Monate später rollten die Bagger.
Vier Millionen Euro sind unterdessen laut Quellen bereits ausgegeben. Die Absicherung der Grube kostet 3.000 Euro im Monat. Der FAZ-Kommentator schreibt, die Räumung wäre nicht nötig gewesen, hätte man früher über eine Neubewertung und einen Baustop entschieden.
Was 2017 versprochen und elf Wochen später kassiert wurde
Die Stadt hat mir dankenswerterweise Unterlagen zur Verfügung gestellt. Darin ist zu finden: Bei der Bürgerinformation am 29. März 2017 endet die Präsentation mit einem klaren Ablauf: erst die Nutzungsvorstellungen klären, dann ein Ideenwettbewerb, dann ein Realisierungswettbewerb — ausdrücklich „auf Basis konkreter Nutzungs-, Raum- und Funktionskonzepte“. Am 13. Juni 2017 beschloss die Stadtverordnetenversammlung direkt den Realisierungswettbewerb. Der Ideenwettbewerb entfiel. Das Nutzungskonzept auch. Elf Wochen. So lange hielt das Verfahren, das man den Bürgern erklärt hatte.
Ein Beschluss weist dann im Februar 2019 die Erarbeitung des Nutzungs- und Betriebskonzepts dem Eigenbetrieb Kulturinstitute zu. Zu dieser Zeit war Jochen Partsch (Grüne) Oberbürgermeister in Darmstadt (zwischen Juni 2011 bis Juni 2023). Der Beschluss von 2019, der die Aufgabe dem Eigenbetrieb zuweist, wurde von Ludger Hünnekens unterzeichnet, dem Kulturreferenten unter Partsch. Ein Betriebskonzept entstand wohl nicht. Seit 2023 führt nun Hanno Benz (SPD) das Rathaus und den Eigenbetrieb als Kulturdezernent. Es entstand weiter nichts. Wenn die Grünen jetzt drei Jahre Untätigkeit vorwerfen, müssen sie vier eigene Jahre erklären.
Ein selbstgemachter Sachzwang
Jahrelang hieß es, die Unesco verlange den Bau des Besucherzentrums. Umweltdezernent Michael Kolmer (Grüne) sprach 2024 im Parlament von vertraglicher Verpflichtung. Benz nennt das heute eine Falschinformation.
Beide haben auf ihre Weise recht. Kapitel 7 der Standortuntersuchung hält fest, das Besucherzentrum sei im Managementplan festgeschrieben und damit Teil der vertraglichen Bindung gegenüber dem Welterbekomitee. Die Bindung besteht also. Nur hat Darmstadt sie selbst geschrieben. Kulturreferent Ludger Hünnekens erklärte im April 2018, man baue am Osthang — auch wenn die Unesco den Antrag ablehne. Stadtplanungsdezernent Paul Wandrey (CDU) bezeichnet es als einen politischen Fehler, man habe aus dem Neubau einen Sachzwang gemacht.
Sechstausend Euro Informationssperre
Die Initiative „Osthang bleibt“ wollte per Informationsfreiheitsgesetz – das die Bundesregierung gerade aushebeln will – wissen, ob der Standort je ergebnisoffen geprüft wurde. Die Verwaltung verwies auf Aktenumfang, Datenschutzprüfung und Personalengpässe. Bei der Pressekonferenz kam überraschend eine andere Erklärung: Eine letzte Rate an das Planungsbüro war nicht bezahlt, deshalb stimmte das Büro der Veröffentlichung nicht zu. Die FR zitiert Benz mit dem Satz, er habe nie verstanden, warum die Studie nicht veröffentlicht wurde. Das Darmstädter Echo beziffert den offenen Betrag auf 6.000 Euro.
Sechstausend Euro. Bei einem Projekt, das unterdessen mit 21 Millionen kalkuliert wird und in dem bereits vier Millionen stecken. Entweder hat es niemand bemerkt — dann belegt es die Organisationsmängel, die Benz selbst beklagt. Oder jemand hat es bemerkt und nichts getan. Dann war die offene Rechnung bequem.
Um welches Dokument es geht, lohnt der Genauigkeit halber:
- Titel: „Darmstadt – Mathildenhöhe. Standortuntersuchung und Wettbewerb Besucherzentrum“
- Auftraggeber: Wissenschaftsstadt Darmstadt, vertreten durch den Magistrat
- Auftragnehmer: ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
- Projektkoordination: Dipl.-Ing. Christoph Beck, Untere Denkmalschutzbehörde
- Stand: 3. Januar 2019, Endredaktion Mai 2025
Der Datumsstempel verdient einen zweiten Blick. Ein Papier, das die Entscheidung von 2017 begründet, wurde im Mai 2025 endredigiert — in genau dem Jahr, in dem die Anfragen nach Akteneinsicht liefen und die Verwaltung intern nach Einsparungen suchen ließ. Veröffentlicht wurde es trotzdem erst 2026.
Die Antwort auf die Frage der Initiative „Osthang bleibt“ steht übrigens genau darin. Zwei der sechs Standorte schieden aus, weil sie „nur bei einer zweipoligen Lösung überzeugen könnten“ — nachdem die Entscheidung gegen zwei Standorte bereits gefallen war. Der Nordhang fiel wegen 990 Quadratmetern durch, das Ernst-Ludwig-Haus wegen kleinteiliger Räume. Übrig blieb der Osthang mit 6.900 Quadratmetern. Das ist Planungslogik. Es ist nur keine ergebnisoffene Prüfung.
Die Zahlen
„Von sechs auf 21 Millionen“ liest man in vielen Berichten. Die Zahl stammt aus der Pressekonferenz, und sie scheint einer Prüfung nicht stand zu halten. Der Beschluss von 2019 nennt 6,2 Millionen als den im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs veranschlagten Anteil, dazu 3,5 Millionen von Merck und fünf Millionen Bundesförderung für mehrere Maßnahmen. Und er sagt ausdrücklich, die verbindlichen Projektkosten würden erst in der Entwurfsplanung ermittelt.
2020 war von Kosten in einer Höhe von 13,6 Millionen die Rede. Der belastbare Vergleich lautet wohl 13,6 auf 21 Millionen. Rund 60 Prozent mehr. Schlimm genug. Aber nicht das Dreifache. Die Journalisten haben die zugespitzte Zahl des Rathauses übernommen, statt sie genauer zu prüfen.
Warum die Parteifrage hier nicht weiterhilft
Die Grünen werfen Benz Versäumnisse vor, Benz hält dagegen, und beide haben Argumente. Trotzdem führt das in die Irre. Hier scheinen Scheingefechte und auch persönliche Animositäten eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen, wen n von „Hinterzimmervereinbarungen“ die Rede ist. Einmal mehr steht auch Hanno Benz im Kreuzfeuer der Kritik, dem nicht das erste Mal vorgeworfen wird, Instanzen und Verantwortliche gerne mal außen vor zu lassen und Dinge als „Macher“ zu verkünden.
Das Projekt wurde unter Grün vorangetrieben, unter Rot fortgeführt, von Schwarz mitbeschlossen und neun Jahre lang von wechselnden breiten Mehrheiten getragen. Die Welterbe-Idee stammt laut Quellen ursprünglich von der CDU-Politikerin Sissy Geiger, die damals am Widerstand von SPD und Grünen scheiterte. Und die Wählergemeinschaft „Darmstadt gemeinsam“ erinnert daran, dass Mario Pingel exakt die heutigen Einwände vor der letzten Kommunalwahl als Dringlichkeitsantrag einbrachte. Die Zulassung scheiterte knapp — abgelehnt auch von Uffbasse, das inzwischen im Bündnis des Oberbürgermeisters sitzt.
Dass der Stopp jetzt kommt, hat einen Grund, den die FAZ wie folgt benennt: Benz hat im Sommer vier Fraktionen hinter sich gebracht. Erst danach war die Entscheidung durchsetzbar, so die FAZ. Was hier versagt hat, ist kein einzelner Amtsinhaber. Es ist ein Verfahren, das Verantwortung so lange auf 28 Beteiligte verteilte, bis sie niemandem mehr gehörte. Neun Jahre lang war das Ja zum Bau billiger als das Nachfragen.
Der Baustopp ist sachlich richtig. Falsch ist der Zeitpunkt. Zwischen der Räumung im Februar und dem Moratorium im August liegen sechs Monate, in denen nichts bekannt wurde, was die Stadt nicht schon vorher wusste. Wer im August feststellt, dass das Vermittlungskonzept fehlt, hätte im Februar nicht räumen müssen.
Am Tag nach dem Baustopp verurteilte das Amtsgericht Darmstadt eine Besetzerin zu einer Bewährungsstrafe wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands. Die Richterin betonte das Recht auf freie Meinungsäußerung, hielt aber fest: Die Aktivistin habe aber die Grenze der Rechtsstaatlichkeit überschritten. Sie stammt aus Stuttgart. Das Echo hatte schon zur Räumung von „teils angereisten Demonstranten“ geschrieben.
Festzuhalten bleibt: Die Initiative „Osthang bleibt“ galt lange Jahre als Verhinderer. Im Februar, sagt die Initiative, sei der Bau bei der Räumung noch als alternativlos dargestellt worden. Sechs Monate später übernimmt der Oberbürgermeister ihre Argumente zur Begründung des Stopps — ohne das auszusprechen.
Die Grube ist ausgehoben. Die Bäume sind weg. Klar, eine Baugrube lässt sich verfüllen, Bäume wachsen nach, aber Vertrauen ist verloren gegangen. Das ist der Schaden, den auch der jetzige Baustop nicht repariert.
Wie es weitergeht, bleibt offen. Die Initiative schlägt ein dezentrales Konzept in bestehenden Gebäuden vor und verlangt, sich an realistischen Besucherzahlen zu orientieren. Der Oberbürgermeister schließt nach Berichten eine die Rückgabe des Osthangs aus. Die Main Hall, die sich auf dem Gelände befand, sei „von Anfang an nur eine Zwischennutzung“ gewesen. Der Osthang könne weiter Bauplatz sein, für ein „weniger dominantes Gebäude“. Das Moratorium sei also keine Abkehr vom Standort …
Warum ich das aufschreibe
Meine Frau und ich haben die Geschehnisse über die Jahre hinweg mehr oder weniger aus der Ferne verfolgt. Aufmerksamer wurden wir nach den kürzlichen Ereignissen am Osthang und der Räumung, die wohl Stand heute nicht hätte sein müssen. Nun diese Pressekonferenz mit der richtigen Entscheidung, das Projekt vorerst zu stoppen. Doch leider ist es mal wieder ein Vorfall, in dem Vertrauen in unsere Parteien, die Kompetenz unserer Politikerinnen und Politiker und in unsere Verwaltung verloren geht, in dem deren Ansehen beschädigt wird.
Wir alle kennen das unsägliche Projekt Stuttgart 21. Der Vergleich hinkt sicherlich. Doch ist es dringend notwendig, dass die politischen Parteien und die Verwaltung endlich Handlungsfähigkeit, Transparenz und Verantwortung zeigen. Unsere Demokratie kann, darf und sollte sich solche Pleiten, Pech und Pannen nicht mehr leisten. Dazu ist sie zu sehr unter Beschuss von denen, die sie abschaffen wollen und die mit einfachen Antworten zu punkten versuchen. Wir haben viel zu verlieren und das fängt im Kleinen an. Und so klein sind 21 Millionen Euro übrigens auch nicht.
In eigener Sache: Ich habe mit keinem der Beteiligten gesprochen. Dieser Beitrag stützt sich auf die Berichterstattung von FAZ, FR und Darmstädter Echo sowie auf Unterlagen, die mir die Pressestelle der Stadt Darmstadt auf Anfrage zur Verfügung gestellt hat — die ANP-Standortuntersuchung, die Bürgerpräsentation vom März 2017 und den Beschluss der Betriebskommission vom Februar 2019. Wer die Dokumente anders liest als ich, möge widersprechen.
Quellen & Leseempfehlungen
- Baustopp für Besucherzentrum auf Mathildenhöhe (FAZ)
- Jetzt kann Benz Politik machen — Kommentar (FAZ)
- Nach Baustopp: Grüne werfen Benz Versäumnisse vor (FAZ)
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- Oberbürgermeister stoppt 21-Millionen-Projekt — Reaktionen (FR)
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- Darmstädter Echo, 19.8.2026: „Erhofft, umkämpft, verschoben“
- Wissenschaftsstadt Darmstadt / ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel: „Darmstadt – Mathildenhöhe. Standortuntersuchung und Wettbewerb Besucherzentrum“, Stand 3. Januar 2019, Endredaktion Mai 2025
- Wissenschaftsstadt Darmstadt: „Masterplan Künstlerkolonie Mathildenhöhe – Standortuntersuchung Besucherzentrum“, Präsentation zur Bürgerinformation am 29. März 2017
- Eigenbetrieb Kulturinstitute der Wissenschaftsstadt Darmstadt: Beschlussvorlage „Neubau Besucherzentrum Mathildenhöhe“ an die Betriebskommission, 27. Februar 2019
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Darmstädter Mathildenhöhe: Erst räumen, dann stoppen
Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt sollte ein Besucherzentrum entstehen. Seit rund zehn Jahren plant die Stadt daran, seit 2021 gehört das Jugendstil-Ensemble zum Unesco-Welterbe. Zuletzt lagen die veranschlagten Kosten für den Bau bei 21 Millionen Euro. Gegner besetzten den Osthang an der Mathildenhöhe, das vorgesehene Grundstück, über Monate.
Im Februar 2026 ließ die Stadt das Gelände räumen. Mehrere hundert Polizisten holten die Besetzer vom Gelände, 13 Bäume fielen, die Main Hall der freien Kulturszene wurde abgebaut, die Baugrube ausgehoben. Es folgten Strafanzeigen. Am 17. August 2026 verkündeten nun Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) und Stadtplanungsdezernent Paul Wandrey (CDU) auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz das Gegenteil: Vorläufige Aussetzung des Bauprojekts, sofort, auf unbestimmte Zeit. Ob überhaupt gebaut wird, ist offen.
Diese Reihenfolge hat mich auf Facebook zum Kommentieren gebracht. Erst räumen lassen, dann den Bau stoppen — das erschließt sich nicht nur mir nicht. Warum nun diese Notbremse, nachdem die Bagger schon angerückt sind?
Die Zweifel waren früher da als die Bagger
Benz begründet den Baustopp damit, dass ein inhaltlich tragfähiges Konzept fehlt. Man habe ein Gebäude geplant, ohne zu wissen, wie man Schülern und Touristen das Welterbe erklären will. Das scheint zu stimmen. Doch natürlich gibt es eine (lange) Vorgeschichte.
Schon 2025 ließ die Verwaltung – wohl angesichts der sehr angespannten Haushaltssituation in Darmstadt – nach Einsparmöglichkeiten suchen. Sie bat den Welterbe-Beirat, den Entwurf unter Kostengesichtspunkten neu zu bewerten. Der Beirat lehnte im September ab — das Projekt sei zu weit fortgeschritten. Fünf Monate später rollten die Bagger.
Vier Millionen Euro sind unterdessen laut Quellen bereits ausgegeben. Die Absicherung der Grube kostet 3.000 Euro im Monat. Der FAZ-Kommentator schreibt, die Räumung wäre nicht nötig gewesen, hätte man früher über eine Neubewertung und einen Baustop entschieden.
Was 2017 versprochen und elf Wochen später kassiert wurde
Die Stadt hat mir dankenswerterweise Unterlagen zur Verfügung gestellt. Darin ist zu finden: Bei der Bürgerinformation am 29. März 2017 endet die Präsentation mit einem klaren Ablauf: erst die Nutzungsvorstellungen klären, dann ein Ideenwettbewerb, dann ein Realisierungswettbewerb — ausdrücklich „auf Basis konkreter Nutzungs-, Raum- und Funktionskonzepte“. Am 13. Juni 2017 beschloss die Stadtverordnetenversammlung direkt den Realisierungswettbewerb. Der Ideenwettbewerb entfiel. Das Nutzungskonzept auch. Elf Wochen. So lange hielt das Verfahren, das man den Bürgern erklärt hatte.
Ein Beschluss weist dann im Februar 2019 die Erarbeitung des Nutzungs- und Betriebskonzepts dem Eigenbetrieb Kulturinstitute zu. Zu dieser Zeit war Jochen Partsch (Grüne) Oberbürgermeister in Darmstadt (zwischen Juni 2011 bis Juni 2023). Der Beschluss von 2019, der die Aufgabe dem Eigenbetrieb zuweist, wurde von Ludger Hünnekens unterzeichnet, dem Kulturreferenten unter Partsch. Ein Betriebskonzept entstand wohl nicht. Seit 2023 führt nun Hanno Benz (SPD) das Rathaus und den Eigenbetrieb als Kulturdezernent. Es entstand weiter nichts. Wenn die Grünen jetzt drei Jahre Untätigkeit vorwerfen, müssen sie vier eigene Jahre erklären.
Ein selbstgemachter Sachzwang
Jahrelang hieß es, die Unesco verlange den Bau des Besucherzentrums. Umweltdezernent Michael Kolmer (Grüne) sprach 2024 im Parlament von vertraglicher Verpflichtung. Benz nennt das heute eine Falschinformation.
Beide haben auf ihre Weise recht. Kapitel 7 der Standortuntersuchung hält fest, das Besucherzentrum sei im Managementplan festgeschrieben und damit Teil der vertraglichen Bindung gegenüber dem Welterbekomitee. Die Bindung besteht also. Nur hat Darmstadt sie selbst geschrieben. Kulturreferent Ludger Hünnekens erklärte im April 2018, man baue am Osthang — auch wenn die Unesco den Antrag ablehne. Stadtplanungsdezernent Paul Wandrey (CDU) bezeichnet es als einen politischen Fehler, man habe aus dem Neubau einen Sachzwang gemacht.
Sechstausend Euro Informationssperre
Die Initiative „Osthang bleibt“ wollte per Informationsfreiheitsgesetz – das die Bundesregierung gerade aushebeln will – wissen, ob der Standort je ergebnisoffen geprüft wurde. Die Verwaltung verwies auf Aktenumfang, Datenschutzprüfung und Personalengpässe. Bei der Pressekonferenz kam überraschend eine andere Erklärung: Eine letzte Rate an das Planungsbüro war nicht bezahlt, deshalb stimmte das Büro der Veröffentlichung nicht zu. Die FR zitiert Benz mit dem Satz, er habe nie verstanden, warum die Studie nicht veröffentlicht wurde. Das Darmstädter Echo beziffert den offenen Betrag auf 6.000 Euro.
Sechstausend Euro. Bei einem Projekt, das unterdessen mit 21 Millionen kalkuliert wird und in dem bereits vier Millionen stecken. Entweder hat es niemand bemerkt — dann belegt es die Organisationsmängel, die Benz selbst beklagt. Oder jemand hat es bemerkt und nichts getan. Dann war die offene Rechnung bequem.
Um welches Dokument es geht, lohnt der Genauigkeit halber:
- Titel: „Darmstadt – Mathildenhöhe. Standortuntersuchung und Wettbewerb Besucherzentrum“
- Auftraggeber: Wissenschaftsstadt Darmstadt, vertreten durch den Magistrat
- Auftragnehmer: ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
- Projektkoordination: Dipl.-Ing. Christoph Beck, Untere Denkmalschutzbehörde
- Stand: 3. Januar 2019, Endredaktion Mai 2025
Der Datumsstempel verdient einen zweiten Blick. Ein Papier, das die Entscheidung von 2017 begründet, wurde im Mai 2025 endredigiert — in genau dem Jahr, in dem die Anfragen nach Akteneinsicht liefen und die Verwaltung intern nach Einsparungen suchen ließ. Veröffentlicht wurde es trotzdem erst 2026.
Die Antwort auf die Frage der Initiative „Osthang bleibt“ steht übrigens genau darin. Zwei der sechs Standorte schieden aus, weil sie „nur bei einer zweipoligen Lösung überzeugen könnten“ — nachdem die Entscheidung gegen zwei Standorte bereits gefallen war. Der Nordhang fiel wegen 990 Quadratmetern durch, das Ernst-Ludwig-Haus wegen kleinteiliger Räume. Übrig blieb der Osthang mit 6.900 Quadratmetern. Das ist Planungslogik. Es ist nur keine ergebnisoffene Prüfung.
Die Zahlen
„Von sechs auf 21 Millionen“ liest man in vielen Berichten. Die Zahl stammt aus der Pressekonferenz, und sie scheint einer Prüfung nicht stand zu halten. Der Beschluss von 2019 nennt 6,2 Millionen als den im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs veranschlagten Anteil, dazu 3,5 Millionen von Merck und fünf Millionen Bundesförderung für mehrere Maßnahmen. Und er sagt ausdrücklich, die verbindlichen Projektkosten würden erst in der Entwurfsplanung ermittelt.
2020 war von Kosten in einer Höhe von 13,6 Millionen die Rede. Der belastbare Vergleich lautet wohl 13,6 auf 21 Millionen. Rund 60 Prozent mehr. Schlimm genug. Aber nicht das Dreifache. Die Journalisten haben die zugespitzte Zahl des Rathauses übernommen, statt sie genauer zu prüfen.
Warum die Parteifrage hier nicht weiterhilft
Die Grünen werfen Benz Versäumnisse vor, Benz hält dagegen, und beide haben Argumente. Trotzdem führt das in die Irre. Hier scheinen Scheingefechte und auch persönliche Animositäten eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen, wen n von „Hinterzimmervereinbarungen“ die Rede ist. Einmal mehr steht auch Hanno Benz im Kreuzfeuer der Kritik, dem nicht das erste Mal vorgeworfen wird, Instanzen und Verantwortliche gerne mal außen vor zu lassen und Dinge als „Macher“ zu verkünden.
Das Projekt wurde unter Grün vorangetrieben, unter Rot fortgeführt, von Schwarz mitbeschlossen und neun Jahre lang von wechselnden breiten Mehrheiten getragen. Die Welterbe-Idee stammt laut Quellen ursprünglich von der CDU-Politikerin Sissy Geiger, die damals am Widerstand von SPD und Grünen scheiterte. Und die Wählergemeinschaft „Darmstadt gemeinsam“ erinnert daran, dass Mario Pingel exakt die heutigen Einwände vor der letzten Kommunalwahl als Dringlichkeitsantrag einbrachte. Die Zulassung scheiterte knapp — abgelehnt auch von Uffbasse, das inzwischen im Bündnis des Oberbürgermeisters sitzt.
Dass der Stopp jetzt kommt, hat einen Grund, den die FAZ wie folgt benennt: Benz hat im Sommer vier Fraktionen hinter sich gebracht. Erst danach war die Entscheidung durchsetzbar, so die FAZ. Was hier versagt hat, ist kein einzelner Amtsinhaber. Es ist ein Verfahren, das Verantwortung so lange auf 28 Beteiligte verteilte, bis sie niemandem mehr gehörte. Neun Jahre lang war das Ja zum Bau billiger als das Nachfragen.
Der Baustopp ist sachlich richtig. Falsch ist der Zeitpunkt. Zwischen der Räumung im Februar und dem Moratorium im August liegen sechs Monate, in denen nichts bekannt wurde, was die Stadt nicht schon vorher wusste. Wer im August feststellt, dass das Vermittlungskonzept fehlt, hätte im Februar nicht räumen müssen.
Am Tag nach dem Baustopp verurteilte das Amtsgericht Darmstadt eine Besetzerin zu einer Bewährungsstrafe wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands. Die Richterin betonte das Recht auf freie Meinungsäußerung, hielt aber fest: Die Aktivistin habe aber die Grenze der Rechtsstaatlichkeit überschritten. Sie stammt aus Stuttgart. Das Echo hatte schon zur Räumung von „teils angereisten Demonstranten“ geschrieben.
Festzuhalten bleibt: Die Initiative „Osthang bleibt“ galt lange Jahre als Verhinderer. Im Februar, sagt die Initiative, sei der Bau bei der Räumung noch als alternativlos dargestellt worden. Sechs Monate später übernimmt der Oberbürgermeister ihre Argumente zur Begründung des Stopps — ohne das auszusprechen.
Die Grube ist ausgehoben. Die Bäume sind weg. Klar, eine Baugrube lässt sich verfüllen, Bäume wachsen nach, aber Vertrauen ist verloren gegangen. Das ist der Schaden, den auch der jetzige Baustop nicht repariert.
Wie es weitergeht, bleibt offen. Die Initiative schlägt ein dezentrales Konzept in bestehenden Gebäuden vor und verlangt, sich an realistischen Besucherzahlen zu orientieren. Der Oberbürgermeister schließt nach Berichten eine die Rückgabe des Osthangs aus. Die Main Hall, die sich auf dem Gelände befand, sei „von Anfang an nur eine Zwischennutzung“ gewesen. Der Osthang könne weiter Bauplatz sein, für ein „weniger dominantes Gebäude“. Das Moratorium sei also keine Abkehr vom Standort …
Warum ich das aufschreibe
Meine Frau und ich haben die Geschehnisse über die Jahre hinweg mehr oder weniger aus der Ferne verfolgt. Aufmerksamer wurden wir nach den kürzlichen Ereignissen am Osthang und der Räumung, die wohl Stand heute nicht hätte sein müssen. Nun diese Pressekonferenz mit der richtigen Entscheidung, das Projekt vorerst zu stoppen. Doch leider ist es mal wieder ein Vorfall, in dem Vertrauen in unsere Parteien, die Kompetenz unserer Politikerinnen und Politiker und in unsere Verwaltung verloren geht, in dem deren Ansehen beschädigt wird.
Wir alle kennen das unsägliche Projekt Stuttgart 21. Der Vergleich hinkt sicherlich. Doch ist es dringend notwendig, dass die politischen Parteien und die Verwaltung endlich Handlungsfähigkeit, Transparenz und Verantwortung zeigen. Unsere Demokratie kann, darf und sollte sich solche Pleiten, Pech und Pannen nicht mehr leisten. Dazu ist sie zu sehr unter Beschuss von denen, die sie abschaffen wollen und die mit einfachen Antworten zu punkten versuchen. Wir haben viel zu verlieren und das fängt im Kleinen an. Und so klein sind 21 Millionen Euro übrigens auch nicht.
In eigener Sache: Ich habe mit keinem der Beteiligten gesprochen. Dieser Beitrag stützt sich auf die Berichterstattung von FAZ, FR und Darmstädter Echo sowie auf Unterlagen, die mir die Pressestelle der Stadt Darmstadt auf Anfrage zur Verfügung gestellt hat — die ANP-Standortuntersuchung, die Bürgerpräsentation vom März 2017 und den Beschluss der Betriebskommission vom Februar 2019. Wer die Dokumente anders liest als ich, möge widersprechen.
Quellen & Leseempfehlungen
- Baustopp für Besucherzentrum auf Mathildenhöhe (FAZ)
- Jetzt kann Benz Politik machen — Kommentar (FAZ)
- Nach Baustopp: Grüne werfen Benz Versäumnisse vor (FAZ)
- Bewährungsstrafe für Besetzerin des Osthangs an Mathildenhöhe (FAZ)
- Darmstadt stoppt Bau von Besucherzentrum am Osthang (FR)
- Oberbürgermeister stoppt 21-Millionen-Projekt — Reaktionen (FR)
- Darmstädter Echo, 18.8.2026: „Baustopp für das Besucherzentrum“
- Darmstädter Echo, 19.8.2026: „Erhofft, umkämpft, verschoben“
- Wissenschaftsstadt Darmstadt / ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel: „Darmstadt – Mathildenhöhe. Standortuntersuchung und Wettbewerb Besucherzentrum“, Stand 3. Januar 2019, Endredaktion Mai 2025
- Wissenschaftsstadt Darmstadt: „Masterplan Künstlerkolonie Mathildenhöhe – Standortuntersuchung Besucherzentrum“, Präsentation zur Bürgerinformation am 29. März 2017
- Eigenbetrieb Kulturinstitute der Wissenschaftsstadt Darmstadt: Beschlussvorlage „Neubau Besucherzentrum Mathildenhöhe“ an die Betriebskommission, 27. Februar 2019
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Darmstädter Mathildenhöhe: Erst räumen, dann stoppen
Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt sollte ein Besucherzentrum entstehen. Seit rund zehn Jahren plant die Stadt daran, seit 2021 gehört das Jugendstil-Ensemble zum Unesco-Welterbe. Zuletzt lagen die veranschlagten Kosten für den Bau bei 21 Millionen Euro. Gegner besetzten den Osthang an der Mathildenhöhe, das vorgesehene Grundstück, über Monate.
Im Februar 2026 ließ die Stadt das Gelände räumen. Mehrere hundert Polizisten holten die Besetzer vom Gelände, 13 Bäume fielen, die Main Hall der freien Kulturszene wurde abgebaut, die Baugrube ausgehoben. Es folgten Strafanzeigen. Am 17. August 2026 verkündeten nun Oberbürgermeister Hanno Benz (SPD) und Stadtplanungsdezernent Paul Wandrey (CDU) auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz das Gegenteil: Vorläufige Aussetzung des Bauprojekts, sofort, auf unbestimmte Zeit. Ob überhaupt gebaut wird, ist offen.
Diese Reihenfolge hat mich auf Facebook zum Kommentieren gebracht. Erst räumen lassen, dann den Bau stoppen — das erschließt sich nicht nur mir nicht. Warum nun diese Notbremse, nachdem die Bagger schon angerückt sind?
Die Zweifel waren früher da als die Bagger
Benz begründet den Baustopp damit, dass ein inhaltlich tragfähiges Konzept fehlt. Man habe ein Gebäude geplant, ohne zu wissen, wie man Schülern und Touristen das Welterbe erklären will. Das scheint zu stimmen. Doch natürlich gibt es eine (lange) Vorgeschichte.
Schon 2025 ließ die Verwaltung – wohl angesichts der sehr angespannten Haushaltssituation in Darmstadt – nach Einsparmöglichkeiten suchen. Sie bat den Welterbe-Beirat, den Entwurf unter Kostengesichtspunkten neu zu bewerten. Der Beirat lehnte im September ab — das Projekt sei zu weit fortgeschritten. Fünf Monate später rollten die Bagger.
Vier Millionen Euro sind unterdessen laut Quellen bereits ausgegeben. Die Absicherung der Grube kostet 3.000 Euro im Monat. Der FAZ-Kommentator schreibt, die Räumung wäre nicht nötig gewesen, hätte man früher über eine Neubewertung und einen Baustop entschieden.
Was 2017 versprochen und elf Wochen später kassiert wurde
Die Stadt hat mir dankenswerterweise Unterlagen zur Verfügung gestellt. Darin ist zu finden: Bei der Bürgerinformation am 29. März 2017 endet die Präsentation mit einem klaren Ablauf: erst die Nutzungsvorstellungen klären, dann ein Ideenwettbewerb, dann ein Realisierungswettbewerb — ausdrücklich „auf Basis konkreter Nutzungs-, Raum- und Funktionskonzepte“. Am 13. Juni 2017 beschloss die Stadtverordnetenversammlung direkt den Realisierungswettbewerb. Der Ideenwettbewerb entfiel. Das Nutzungskonzept auch. Elf Wochen. So lange hielt das Verfahren, das man den Bürgern erklärt hatte.
Ein Beschluss weist dann im Februar 2019 die Erarbeitung des Nutzungs- und Betriebskonzepts dem Eigenbetrieb Kulturinstitute zu. Zu dieser Zeit war Jochen Partsch (Grüne) Oberbürgermeister in Darmstadt (zwischen Juni 2011 bis Juni 2023). Der Beschluss von 2019, der die Aufgabe dem Eigenbetrieb zuweist, wurde von Ludger Hünnekens unterzeichnet, dem Kulturreferenten unter Partsch. Ein Betriebskonzept entstand wohl nicht. Seit 2023 führt nun Hanno Benz (SPD) das Rathaus und den Eigenbetrieb als Kulturdezernent. Es entstand weiter nichts. Wenn die Grünen jetzt drei Jahre Untätigkeit vorwerfen, müssen sie vier eigene Jahre erklären.
Ein selbstgemachter Sachzwang
Jahrelang hieß es, die Unesco verlange den Bau des Besucherzentrums. Umweltdezernent Michael Kolmer (Grüne) sprach 2024 im Parlament von vertraglicher Verpflichtung. Benz nennt das heute eine Falschinformation.
Beide haben auf ihre Weise recht. Kapitel 7 der Standortuntersuchung hält fest, das Besucherzentrum sei im Managementplan festgeschrieben und damit Teil der vertraglichen Bindung gegenüber dem Welterbekomitee. Die Bindung besteht also. Nur hat Darmstadt sie selbst geschrieben. Kulturreferent Ludger Hünnekens erklärte im April 2018, man baue am Osthang — auch wenn die Unesco den Antrag ablehne. Stadtplanungsdezernent Paul Wandrey (CDU) bezeichnet es als einen politischen Fehler, man habe aus dem Neubau einen Sachzwang gemacht.
Sechstausend Euro Informationssperre
Die Initiative „Osthang bleibt“ wollte per Informationsfreiheitsgesetz – das die Bundesregierung gerade aushebeln will – wissen, ob der Standort je ergebnisoffen geprüft wurde. Die Verwaltung verwies auf Aktenumfang, Datenschutzprüfung und Personalengpässe. Bei der Pressekonferenz kam überraschend eine andere Erklärung: Eine letzte Rate an das Planungsbüro war nicht bezahlt, deshalb stimmte das Büro der Veröffentlichung nicht zu. Die FR zitiert Benz mit dem Satz, er habe nie verstanden, warum die Studie nicht veröffentlicht wurde. Das Darmstädter Echo beziffert den offenen Betrag auf 6.000 Euro.
Sechstausend Euro. Bei einem Projekt, das unterdessen mit 21 Millionen kalkuliert wird und in dem bereits vier Millionen stecken. Entweder hat es niemand bemerkt — dann belegt es die Organisationsmängel, die Benz selbst beklagt. Oder jemand hat es bemerkt und nichts getan. Dann war die offene Rechnung bequem.
Um welches Dokument es geht, lohnt der Genauigkeit halber:
- Titel: „Darmstadt – Mathildenhöhe. Standortuntersuchung und Wettbewerb Besucherzentrum“
- Auftraggeber: Wissenschaftsstadt Darmstadt, vertreten durch den Magistrat
- Auftragnehmer: ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
- Projektkoordination: Dipl.-Ing. Christoph Beck, Untere Denkmalschutzbehörde
- Stand: 3. Januar 2019, Endredaktion Mai 2025
Der Datumsstempel verdient einen zweiten Blick. Ein Papier, das die Entscheidung von 2017 begründet, wurde im Mai 2025 endredigiert — in genau dem Jahr, in dem die Anfragen nach Akteneinsicht liefen und die Verwaltung intern nach Einsparungen suchen ließ. Veröffentlicht wurde es trotzdem erst 2026.
Die Antwort auf die Frage der Initiative „Osthang bleibt“ steht übrigens genau darin. Zwei der sechs Standorte schieden aus, weil sie „nur bei einer zweipoligen Lösung überzeugen könnten“ — nachdem die Entscheidung gegen zwei Standorte bereits gefallen war. Der Nordhang fiel wegen 990 Quadratmetern durch, das Ernst-Ludwig-Haus wegen kleinteiliger Räume. Übrig blieb der Osthang mit 6.900 Quadratmetern. Das ist Planungslogik. Es ist nur keine ergebnisoffene Prüfung.
Die Zahlen
„Von sechs auf 21 Millionen“ liest man in vielen Berichten. Die Zahl stammt aus der Pressekonferenz, und sie scheint einer Prüfung nicht stand zu halten. Der Beschluss von 2019 nennt 6,2 Millionen als den im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs veranschlagten Anteil, dazu 3,5 Millionen von Merck und fünf Millionen Bundesförderung für mehrere Maßnahmen. Und er sagt ausdrücklich, die verbindlichen Projektkosten würden erst in der Entwurfsplanung ermittelt.
2020 war von Kosten in einer Höhe von 13,6 Millionen die Rede. Der belastbare Vergleich lautet wohl 13,6 auf 21 Millionen. Rund 60 Prozent mehr. Schlimm genug. Aber nicht das Dreifache. Die Journalisten haben die zugespitzte Zahl des Rathauses übernommen, statt sie genauer zu prüfen.
Warum die Parteifrage hier nicht weiterhilft
Die Grünen werfen Benz Versäumnisse vor, Benz hält dagegen, und beide haben Argumente. Trotzdem führt das in die Irre. Hier scheinen Scheingefechte und auch persönliche Animositäten eine nicht unwesentliche Rolle zu spielen, wen n von „Hinterzimmervereinbarungen“ die Rede ist. Einmal mehr steht auch Hanno Benz im Kreuzfeuer der Kritik, dem nicht das erste Mal vorgeworfen wird, Instanzen und Verantwortliche gerne mal außen vor zu lassen und Dinge als „Macher“ zu verkünden.
Das Projekt wurde unter Grün vorangetrieben, unter Rot fortgeführt, von Schwarz mitbeschlossen und neun Jahre lang von wechselnden breiten Mehrheiten getragen. Die Welterbe-Idee stammt laut Quellen ursprünglich von der CDU-Politikerin Sissy Geiger, die damals am Widerstand von SPD und Grünen scheiterte. Und die Wählergemeinschaft „Darmstadt gemeinsam“ erinnert daran, dass Mario Pingel exakt die heutigen Einwände vor der letzten Kommunalwahl als Dringlichkeitsantrag einbrachte. Die Zulassung scheiterte knapp — abgelehnt auch von Uffbasse, das inzwischen im Bündnis des Oberbürgermeisters sitzt.
Dass der Stopp jetzt kommt, hat einen Grund, den die FAZ wie folgt benennt: Benz hat im Sommer vier Fraktionen hinter sich gebracht. Erst danach war die Entscheidung durchsetzbar, so die FAZ. Was hier versagt hat, ist kein einzelner Amtsinhaber. Es ist ein Verfahren, das Verantwortung so lange auf 28 Beteiligte verteilte, bis sie niemandem mehr gehörte. Neun Jahre lang war das Ja zum Bau billiger als das Nachfragen.
Der Baustopp ist sachlich richtig. Falsch ist der Zeitpunkt. Zwischen der Räumung im Februar und dem Moratorium im August liegen sechs Monate, in denen nichts bekannt wurde, was die Stadt nicht schon vorher wusste. Wer im August feststellt, dass das Vermittlungskonzept fehlt, hätte im Februar nicht räumen müssen.
Am Tag nach dem Baustopp verurteilte das Amtsgericht Darmstadt eine Besetzerin zu einer Bewährungsstrafe wegen Hausfriedensbruchs und Widerstands. Die Richterin betonte das Recht auf freie Meinungsäußerung, hielt aber fest: Die Aktivistin habe aber die Grenze der Rechtsstaatlichkeit überschritten. Sie stammt aus Stuttgart. Das Echo hatte schon zur Räumung von „teils angereisten Demonstranten“ geschrieben.
Festzuhalten bleibt: Die Initiative „Osthang bleibt“ galt lange Jahre als Verhinderer. Im Februar, sagt die Initiative, sei der Bau bei der Räumung noch als alternativlos dargestellt worden. Sechs Monate später übernimmt der Oberbürgermeister ihre Argumente zur Begründung des Stopps — ohne das auszusprechen.
Die Grube ist ausgehoben. Die Bäume sind weg. Klar, eine Baugrube lässt sich verfüllen, Bäume wachsen nach, aber Vertrauen ist verloren gegangen. Das ist der Schaden, den auch der jetzige Baustop nicht repariert.
Wie es weitergeht, bleibt offen. Die Initiative schlägt ein dezentrales Konzept in bestehenden Gebäuden vor und verlangt, sich an realistischen Besucherzahlen zu orientieren. Der Oberbürgermeister schließt nach Berichten eine die Rückgabe des Osthangs aus. Die Main Hall, die sich auf dem Gelände befand, sei „von Anfang an nur eine Zwischennutzung“ gewesen. Der Osthang könne weiter Bauplatz sein, für ein „weniger dominantes Gebäude“. Das Moratorium sei also keine Abkehr vom Standort …
Warum ich das aufschreibe
Meine Frau und ich haben die Geschehnisse über die Jahre hinweg mehr oder weniger aus der Ferne verfolgt. Aufmerksamer wurden wir nach den kürzlichen Ereignissen am Osthang und der Räumung, die wohl Stand heute nicht hätte sein müssen. Nun diese Pressekonferenz mit der richtigen Entscheidung, das Projekt vorerst zu stoppen. Doch leider ist es mal wieder ein Vorfall, in dem Vertrauen in unsere Parteien, die Kompetenz unserer Politikerinnen und Politiker und in unsere Verwaltung verloren geht, in dem deren Ansehen beschädigt wird.
Wir alle kennen das unsägliche Projekt Stuttgart 21. Der Vergleich hinkt sicherlich. Doch ist es dringend notwendig, dass die politischen Parteien und die Verwaltung endlich Handlungsfähigkeit, Transparenz und Verantwortung zeigen. Unsere Demokratie kann, darf und sollte sich solche Pleiten, Pech und Pannen nicht mehr leisten. Dazu ist sie zu sehr unter Beschuss von denen, die sie abschaffen wollen und die mit einfachen Antworten zu punkten versuchen. Wir haben viel zu verlieren und das fängt im Kleinen an. Und so klein sind 21 Millionen Euro übrigens auch nicht.
In eigener Sache: Ich habe mit keinem der Beteiligten gesprochen. Dieser Beitrag stützt sich auf die Berichterstattung von FAZ, FR und Darmstädter Echo sowie auf Unterlagen, die mir die Pressestelle der Stadt Darmstadt auf Anfrage zur Verfügung gestellt hat — die ANP-Standortuntersuchung, die Bürgerpräsentation vom März 2017 und den Beschluss der Betriebskommission vom Februar 2019. Wer die Dokumente anders liest als ich, möge widersprechen.
Quellen & Leseempfehlungen
- Baustopp für Besucherzentrum auf Mathildenhöhe (FAZ)
- Jetzt kann Benz Politik machen — Kommentar (FAZ)
- Nach Baustopp: Grüne werfen Benz Versäumnisse vor (FAZ)
- Bewährungsstrafe für Besetzerin des Osthangs an Mathildenhöhe (FAZ)
- Darmstadt stoppt Bau von Besucherzentrum am Osthang (FR)
- Oberbürgermeister stoppt 21-Millionen-Projekt — Reaktionen (FR)
- Darmstädter Echo, 18.8.2026: „Baustopp für das Besucherzentrum“
- Darmstädter Echo, 19.8.2026: „Erhofft, umkämpft, verschoben“
- Wissenschaftsstadt Darmstadt / ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel: „Darmstadt – Mathildenhöhe. Standortuntersuchung und Wettbewerb Besucherzentrum“, Stand 3. Januar 2019, Endredaktion Mai 2025
- Wissenschaftsstadt Darmstadt: „Masterplan Künstlerkolonie Mathildenhöhe – Standortuntersuchung Besucherzentrum“, Präsentation zur Bürgerinformation am 29. März 2017
- Eigenbetrieb Kulturinstitute der Wissenschaftsstadt Darmstadt: Beschlussvorlage „Neubau Besucherzentrum Mathildenhöhe“ an die Betriebskommission, 27. Februar 2019
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+++ 🧒 #Kindeswohl +++
Vom 🌱 #SalzderErde und vom 👯 #LichtderWelt
Mt 5,16
So soll euer ♾️ #Licht vor den 🌐 #Menschen leuchten, damit sie eure 🧑🎨 #gutenWerke sehen und euren #Vater im Himmel preisen.
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Irgendwie völlig unverständlich, dass Menschen mitunter das Vertrauen in Politik(er und Politikerinnen) verlieren. (Sarkasmus Ende)
#Politik #EUParlament #EuropaParlament #Vertrauen #Demokratie
#AngelikaNiebler #Europaabgeordnete #Immunität #Europäische#Staatsanwaltschaft
#Nebeneinkünfte
#Whistleblower -
Ist Freundschaft nicht eine vollwertige Beziehung, bloß ohne das körperliche halt, oder gibt es da einfach Abstufungen? Ist es ein fluides Spektrum irgendwo zwischen zufälligem Treffen, Bekanntschaft und bestem Freund dem ich meine dunkelsten Geheimnisse anvertraue? Natürlich ist es das. Freundschaften muss man gar nicht unbedingt genau definieren, entweder sie gibt einem ein positives […]
https://blog.hamdorf.org/freundschaft/ -
@Bundesregierung Bitte helft auch uns Wir wollen auch #Sicherheit #Dazugehörigkeit und #Akzeptanz für hanfaffine #Menschen in Deutschland.
Wir wollen doch nur 🍀 #glücklich sein und wertvolle 👯 #Mitbürger und 👯 #Mitbürgerinnen.
Warum wollen Sie uns das nicht gönnen, lieber Herr #Söder? #Hanf #hemp #Glück #Zufriedenheit #Gesundheit #Vertrauen #Ehrlichkeit
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#Faschismus #Rassismus #Drogennarrativ #warondrugs #politics #Cannabis #Stigmatisierung #Ausgrenzung #Vernichtung #Drogenkrieg #Eugenik #Ableismus #Kirche #Papst #Ehrlichkeit #Wahrhaftigkeit #Demut #Vertrauen #Menschenwürde #Weedmob #Gesellschaft #Deutschland #Werte #Grundgesetz #Menschenrechte #Würde #SeidMenschen #HelenaBarop #SPD #CSU #CDU #DIELINKE #Grüne #MarleneHalser #Politik #Wissenschaft #Hanf #Polizei #UnrechtimRecht #ReeferMadness #Merz #Söder #Klingbeil #fff
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Sozialstaat heißt Versorgung heißt Vertrauen in die Demokratie.
Mit diesem Trick könnte man die Gemeinden retten | Fun Facts - mit Karoline Herfurth
https://www.youtube.com/watch?v=aWMQXi6J5Bo
Autor*innen:
#juliusfischer
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"Ich bin kein Blitz, der einmal einschlägt. Ich bin der Hurrikan, der jedes Jahr wiederkommt, und ihr könnt euch darauf vorbereiten, mich bald wieder zu sehen." #AmandaG 🌱
https://mastodon.social/@Karl_Theodor/115751416083982431
https://www.dw.com/de/amanda-gorman-poetin-inauguration/a-60486205
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Als 🌱 #Cannabis #illegal wurde, war die Folge, dass die #Forschung an der Pflanze behindert war. ‼️ Die schon seit 5000 Jahren als #Heilpflanze bekannte Pflanze ist noch immer nicht vollständig erforscht. [#Politikversagen?]
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#Mut statt lähmenden Weltschmerz
#Werte #Wahrhaftigkeit #Vertrauen #Anstand
Wie du in unsicheren Zeiten ein starkes inneres #Fundament entwickelst und welche #Fragen dir helfen, #Klarheit darüber zu finden.
sytematisches #Denken und #Perspektivwechsel
Wenn du dich fragst, wie du selbst in unsicheren Zeiten Haltung bewahrst und handlungsfähig bleibst:
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Maja #Göpel bei Madame Moneypenny
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Die Einladung von Sebastian Fitzek – Ein Psychothriller, der dein Vertrauen erschüttert https://www.lesering.de/id/4930684/Die-Einladung-von-Sebastian-Fitzek---Ein-Psychothriller-der-dein-Vertrauen-erschuttert/ #SebastianFitzek #Psychothriller #Klassentreffen #Buchrezension #Buchrezension #Nebelhütte #Isolation #Vergebung #Vertrauen #Literatur #Spannung #Droemer #Trauma #Roman #Krimi #Alpen
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Der #Bundespräsident bestimmt einen #Sonntag oder gesetzlichen #Feiertag als Tag der #Wahl. Dieser darf nicht früher als 45 Monate nach Beginn der #Wahlperiode liegen, es sei denn, zwei Drittel der Mitglieder des #Bundestags erbeten einen früheren Termin oder der #Bundeskanzler besitzt gemäß der letzten #Abstimmung nach Art. 63 Abs. 4 oder Art. 68 Abs. 1 nicht das #Vertrauen der #Mehrheit der Mitglieder des Bundestags.« [3/4]
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Wenn Eltern sich trennen hinterlässt das Spuren. Meist ist es erwachsenen Trennungskindern nicht bewusst, dass Verhaltensmuster mit der Trennung in der Kindheit zusammenhängen.#Trennungskinder #Scheidungskind #Scheidung #Trennung #TrennungderEltern #Beziehungsunfähig #Bindungsangst #Verlustangst #Vertrauen #Bindungsmuster #Beziehungsstil #PsychologieHirnforschung #Kultur
Leseprobe »Wir erwachsenen Trennungskinder«: Elterntrennung: Die Zeit heilt nicht alle Wunden -
Der Versuch meine Meinung möglichst sachlich zum Thema Thema ChatGPT aus der Perspektiven von
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#Vertrauen
#Reflektieren
#EigenVerAntwortUng -
21.10.21 #Filmabend mit #Immanuel
The #Fly (1986, #Cronenberg)#Arbeit an etwas, das die #Welt und #menschliches #Leben #verändern wird
#Transfunktionalisierung eines #Prozesses der #Generierung von #Vertrauen bei dem es nicht mehr auf #Personenvertrauen, sondern auf #Systemvertrauen ankommt.
#Relevanzkriterium ist #Überwindung von #Gefährdungen zu #Gunsten der #Verwirklichung eines #Zustandes von #Reproduktion unter #veränderten #Bedingungen -
#Frage nach den #Möglichkeiten der #Akkumulation von #Daten unter der #Bedingung von #Corona; #Technologie könne auf eine #Weise #wirken, die nichts mit #Überwachung zu tun habe. #Verringerung des #Risiko eines #sozialen #Kollaps durch #Vertrauen in #Technologie statt #Staat. Der #Einzelne erscheint besser mit #Information #ausgestattet und hat aneinem #Etwas teil, das zur #Verbesserung der #Lage führen soll.
#FAS, #Wissenschaft, 8.03.20, Piotr #Heller: #BigData gegen das #Virus
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Über die #Frage nach dem #Verfahren für die #Gewährleistung der #Funktionsweise eines #Corona #Test als #Nachweis für #Unbedenklichkeit in #Bezug zu #Übernachtungen, #Reisen oder sonstiger #Interaktion.
Die #Unterwerfung #unter #Bürokratie und #Kosten als #sicheres #Zeichen für #Interesse an #Reproduktion.
#System #Vertrauen #Systemvertrauen #Grenze #Semiotik #Diskurs #Dispositiv
#Kölnische #Rundschau, 09.10.2020, S.2, Was #müssen #Urlauber #beachten?
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#Wahrnehmungspsychologie #Universität #Bamberg, Claus-Christian #Carbon, weiß, mit #Bezug auf das #Forschungsprojekt #Cosmo, an dem das Robert #Koch #Institut #beteiligt ist: Die #Gruppe derjenigen, die nicht bereit sei, weiter eine #Maske zu tragen, gehören zur #unzufriedenen #Minderheit, sind #schlechter über #Schutzmaßnahmen #informiert, weniger #Vertrauen in #Behörden, nimmt #Ausbruch als #Medienhype war, hängt #Verschwörungstheorien an.
#FAS, #Titelblatt, #fbau, 07.08.2020