#richardsennett — Public Fediverse posts
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Männer, die nicht Aufhören können
Pascal Beucker und Frank Überall hatten mal ein Buch über “Endstation Rücktritt” (2006) geschrieben, das mich nur so mittel amüsiert hatte. Aus heutiger Sicht würde ich urteilen, weil der Titel falsch gewählt ist. Rücktritte sind keine Endstation, sondern objektiv fängt das (gute) Leben danach erst an. Aber wer sagts den alten und mittelalten Männern? Viele ihrer Gattinnen schweigen eisern. Aus Sicherheitsgründen?
Gut, Udo Lindenberg (80) muss noch seine Miete für das Hotel Atlantic verdienen. Lindenberg blieb bisher in einer Hinsicht verschont, die seinen französischen Kollegen Patrick Bruel (67) gerade einholt. Etliche seiner Filme mochte ich sehr, und ob ich dem Kollegen Schirrmeister/taz mit etwas dick aufgetragenem Pathos noch trauen soll? Nach dem hier?
Um Enrico Berlinguer, wurde nur 62, an den ein Kinofilm erinnert, auf den Barbara Schweizerhof/taz heute dankenswerterweise hinweist, habe ich mitgetrauert. Der Film ist übrigens schon zwei Jahre alt, und kommt erst jetzt nach Deutschland, zu uns Zurückgebliebenen, die wir die Gefahr des Faschismus weit weniger verstanden haben, als Berlinguer. Oder Richard Sennett, auch schon sehr alt (83), und schreibt noch ein Buch.
Donald Trump hat zwei Tage nach Eröffnung seiner WM 80. Geburtstag. Bei ihm ist die Sehnsucht – weltweit betrachtet – sicher am grössten. Aber Tod oder Rücktritt würden keins der von ihm mitgeschaffenen Probleme lösen. Es ist das System (und J.D. Vance). It’s the economy, stupid!
Und die Fussballer kennen auch keine Gnade vor unseren Augen. Stanley Matthews und Hans Schäfer hatten nach dem Krieg Massstäbe gesetzt. Matthews hatte noch mit 50 Vertrag bei seinem Heimat- und Jugendverein Stoke City. Dort spielte auch Torwartlegende und Weltmeister 66 Gordon Banks (aber Netzers Elfmeter 72 war drin!) noch mit 37 und hörte erst mit 41 in Florida auf. Hans Schäfer, den ich als steinalten Fan noch kennenlernen durfte, spielte noch mit 37/38 die ersten zwei Bundesligasaisons 63-65. Sein Weltmeisterkollege Helmut Rahn musste mit 36 ebenfalls noch mitspielen, beim Meidericher SV in zwei Saisons 19 Einsätze und 8 Tore; bei ihm war es der Alkohol. Sein Gebrauchtwagenhandel an der Altenessener Strasse hielt etwas länger durch, bis in die 70er. Damals gab es noch keine Auswechslungen, aber schon TV-Berichte, in denen ich sie bewunderte, Rahn etwas weniger als Schäfer.
Und nun zu Ehren Donald Trumps lassen sich zahllose überlebte Stars nochmal im Rollstuhl aufs Feld bugsieren. Manuel Neuer (vor 40 Jahren im gleichen Krankenhaus geboren wie ich) soll Deutschlands heruntergekommene Fussballehre retten. Lionel Messi wird zwei Tage nach dem letzten Gruppenspiel Argentiniens gegen Österreich 39, und mutmasslich danach immer noch weiterspielen müssen, weil er weitere Millionen für seinen unübersichtlichen Clan verdienen muss. Wie sein zeitweise gemeinsam mit ihm unter emiratischem Sold agierender brasilianischer Kollege Neymar (34), bei dem mann nie weiss, ob er schwer verletzt ist, oder nur den Sterbenden gibt. Das ist das passende Stichwort für den im Völkermörder-Sold spielenden Cristiano Ronaldo (41), ohne den seine Nationalmannschaft (Portugal) schon vor zehn Jahren (EM 2016) stärker war, als mit ihm.
Sportlich spricht nichts mehr für diese alten Herren. Für ihre Teams sind sie eine von der harten Defensivarbeit befreite Last. Aber die Entertainment-Industrie, die Medienoligarchen, die sie besitzen und beherrschen, wollen es so. Wer zahlt, bestellt die Musik. Darum wird diese WM, wie schon so viele vor ihr, sportlich hinter dem, was der Fussball zu bieten hat, zurückbleiben.
Fussball ist ein Teamsport. Davon verstehen die Oligarchen nichts. Und ihre Politiker*innen auch nicht (s.o. Sennett).
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Männer, die nicht Aufhören können
Pascal Beucker und Frank Überall hatten mal ein Buch über “Endstation Rücktritt” (2006) geschrieben, das mich nur so mittel amüsiert hatte. Aus heutiger Sicht würde ich urteilen, weil der Titel falsch gewählt ist. Rücktritte sind keine Endstation, sondern objektiv fängt das (gute) Leben danach erst an. Aber wer sagts den alten und mittelalten Männern? Viele ihrer Gattinnen schweigen eisern. Aus Sicherheitsgründen?
Gut, Udo Lindenberg (80) muss noch seine Miete für das Hotel Atlantic verdienen. Lindenberg blieb bisher in einer Hinsicht verschont, die seinen französischen Kollegen Patrick Bruel (67) gerade einholt. Etliche seiner Filme mochte ich sehr, und ob ich dem Kollegen Schirrmeister/taz mit etwas dick aufgetragenem Pathos noch trauen soll? Nach dem hier?
Um Enrico Berlinguer, wurde nur 62, an den ein Kinofilm erinnert, auf den Barbara Schweizerhof/taz heute dankenswerterweise hinweist, habe ich mitgetrauert. Der Film ist übrigens schon zwei Jahre alt, und kommt erst jetzt nach Deutschland, zu uns Zurückgebliebenen, die wir die Gefahr des Faschismus weit weniger verstanden haben, als Berlinguer. Oder Richard Sennett, auch schon sehr alt (83), und schreibt noch ein Buch.
Donald Trump hat zwei Tage nach Eröffnung seiner WM 80. Geburtstag. Bei ihm ist die Sehnsucht – weltweit betrachtet – sicher am grössten. Aber Tod oder Rücktritt würden keins der von ihm mitgeschaffenen Probleme lösen. Es ist das System (und J.D. Vance). It’s the economy, stupid!
Und die Fussballer kennen auch keine Gnade vor unseren Augen. Stanley Matthews und Hans Schäfer hatten nach dem Krieg Massstäbe gesetzt. Matthews hatte noch mit 50 Vertrag bei seinem Heimat- und Jugendverein Stoke City. Dort spielte auch Torwartlegende und Weltmeister 66 Gordon Banks (aber Netzers Elfmeter 72 war drin!) noch mit 37 und hörte erst mit 41 in Florida auf. Hans Schäfer, den ich als steinalten Fan noch kennenlernen durfte, spielte noch mit 37/38 die ersten zwei Bundesligasaisons 63-65. Sein Weltmeisterkollege Helmut Rahn musste mit 36 ebenfalls noch mitspielen, beim Meidericher SV in zwei Saisons 19 Einsätze und 8 Tore; bei ihm war es der Alkohol. Sein Gebrauchtwagenhandel an der Altenessener Strasse hielt etwas länger durch, bis in die 70er. Damals gab es noch keine Auswechslungen, aber schon TV-Berichte, in denen ich sie bewunderte, Rahn etwas weniger als Schäfer.
Und nun zu Ehren Donald Trumps lassen sich zahllose überlebte Stars nochmal im Rollstuhl aufs Feld bugsieren. Manuel Neuer (vor 40 Jahren im gleichen Krankenhaus geboren wie ich) soll Deutschlands heruntergekommene Fussballehre retten. Lionel Messi wird zwei Tage nach dem letzten Gruppenspiel Argentiniens gegen Österreich 39, und mutmasslich danach immer noch weiterspielen müssen, weil er weitere Millionen für seinen unübersichtlichen Clan verdienen muss. Wie sein zeitweise gemeinsam mit ihm unter emiratischem Sold agierender brasilianischer Kollege Neymar (34), bei dem mann nie weiss, ob er schwer verletzt ist, oder nur den Sterbenden gibt. Das ist das passende Stichwort für den im Völkermörder-Sold spielenden Cristiano Ronaldo (41), ohne den seine Nationalmannschaft (Portugal) schon vor zehn Jahren (EM 2016) stärker war, als mit ihm.
Sportlich spricht nichts mehr für diese alten Herren. Für ihre Teams sind sie eine von der harten Defensivarbeit befreite Last. Aber die Entertainment-Industrie, die Medienoligarchen, die sie besitzen und beherrschen, wollen es so. Wer zahlt, bestellt die Musik. Darum wird diese WM, wie schon so viele vor ihr, sportlich hinter dem, was der Fussball zu bieten hat, zurückbleiben.
Fussball ist ein Teamsport. Davon verstehen die Oligarchen nichts. Und ihre Politiker*innen auch nicht (s.o. Sennett).
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Männer, die nicht Aufhören können
Pascal Beucker und Frank Überall hatten mal ein Buch über “Endstation Rücktritt” (2006) geschrieben, das mich nur so mittel amüsiert hatte. Aus heutiger Sicht würde ich urteilen, weil der Titel falsch gewählt ist. Rücktritte sind keine Endstation, sondern objektiv fängt das (gute) Leben danach erst an. Aber wer sagts den alten und mittelalten Männern? Viele ihrer Gattinnen schweigen eisern. Aus Sicherheitsgründen?
Gut, Udo Lindenberg (80) muss noch seine Miete für das Hotel Atlantic verdienen. Lindenberg blieb bisher in einer Hinsicht verschont, die seinen französischen Kollegen Patrick Bruel (67) gerade einholt. Etliche seiner Filme mochte ich sehr, und ob ich dem Kollegen Schirrmeister/taz mit etwas dick aufgetragenem Pathos noch trauen soll? Nach dem hier?
Um Enrico Berlinguer, wurde nur 62, an den ein Kinofilm erinnert, auf den Barbara Schweizerhof/taz heute dankenswerterweise hinweist, habe ich mitgetrauert. Der Film ist übrigens schon zwei Jahre alt, und kommt erst jetzt nach Deutschland, zu uns Zurückgebliebenen, die wir die Gefahr des Faschismus weit weniger verstanden haben, als Berlinguer. Oder Richard Sennett, auch schon sehr alt (83), und schreibt noch ein Buch.
Donald Trump hat zwei Tage nach Eröffnung seiner WM 80. Geburtstag. Bei ihm ist die Sehnsucht – weltweit betrachtet – sicher am grössten. Aber Tod oder Rücktritt würden keins der von ihm mitgeschaffenen Probleme lösen. Es ist das System (und J.D. Vance). It’s the economy, stupid!
Und die Fussballer kennen auch keine Gnade vor unseren Augen. Stanley Matthews und Hans Schäfer hatten nach dem Krieg Massstäbe gesetzt. Matthews hatte noch mit 50 Vertrag bei seinem Heimat- und Jugendverein Stoke City. Dort spielte auch Torwartlegende und Weltmeister 66 Gordon Banks (aber Netzers Elfmeter 72 war drin!) noch mit 37 und hörte erst mit 41 in Florida auf. Hans Schäfer, den ich als steinalten Fan noch kennenlernen durfte, spielte noch mit 37/38 die ersten zwei Bundesligasaisons 63-65. Sein Weltmeisterkollege Helmut Rahn musste mit 36 ebenfalls noch mitspielen, beim Meidericher SV in zwei Saisons 19 Einsätze und 8 Tore; bei ihm war es der Alkohol. Sein Gebrauchtwagenhandel an der Altenessener Strasse hielt etwas länger durch, bis in die 70er. Damals gab es noch keine Auswechslungen, aber schon TV-Berichte, in denen ich sie bewunderte, Rahn etwas weniger als Schäfer.
Und nun zu Ehren Donald Trumps lassen sich zahllose überlebte Stars nochmal im Rollstuhl aufs Feld bugsieren. Manuel Neuer (vor 40 Jahren im gleichen Krankenhaus geboren wie ich) soll Deutschlands heruntergekommene Fussballehre retten. Lionel Messi wird zwei Tage nach dem letzten Gruppenspiel Argentiniens gegen Österreich 39, und mutmasslich danach immer noch weiterspielen müssen, weil er weitere Millionen für seinen unübersichtlichen Clan verdienen muss. Wie sein zeitweise gemeinsam mit ihm unter emiratischem Sold agierender brasilianischer Kollege Neymar (34), bei dem mann nie weiss, ob er schwer verletzt ist, oder nur den Sterbenden gibt. Das ist das passende Stichwort für den im Völkermörder-Sold spielenden Cristiano Ronaldo (41), ohne den seine Nationalmannschaft (Portugal) schon vor zehn Jahren (EM 2016) stärker war, als mit ihm.
Sportlich spricht nichts mehr für diese alten Herren. Für ihre Teams sind sie eine von der harten Defensivarbeit befreite Last. Aber die Entertainment-Industrie, die Medienoligarchen, die sie besitzen und beherrschen, wollen es so. Wer zahlt, bestellt die Musik. Darum wird diese WM, wie schon so viele vor ihr, sportlich hinter dem, was der Fussball zu bieten hat, zurückbleiben.
Fussball ist ein Teamsport. Davon verstehen die Oligarchen nichts. Und ihre Politiker*innen auch nicht (s.o. Sennett).
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Männer, die nicht Aufhören können
Pascal Beucker und Frank Überall hatten mal ein Buch über “Endstation Rücktritt” (2006) geschrieben, das mich nur so mittel amüsiert hatte. Aus heutiger Sicht würde ich urteilen, weil der Titel falsch gewählt ist. Rücktritte sind keine Endstation, sondern objektiv fängt das (gute) Leben danach erst an. Aber wer sagts den alten und mittelalten Männern? Viele ihrer Gattinnen schweigen eisern. Aus Sicherheitsgründen?
Gut, Udo Lindenberg (80) muss noch seine Miete für das Hotel Atlantic verdienen. Lindenberg blieb bisher in einer Hinsicht verschont, die seinen französischen Kollegen Patrick Bruel (67) gerade einholt. Etliche seiner Filme mochte ich sehr, und ob ich dem Kollegen Schirrmeister/taz mit etwas dick aufgetragenem Pathos noch trauen soll? Nach dem hier?
Um Enrico Berlinguer, wurde nur 62, an den ein Kinofilm erinnert, auf den Barbara Schweizerhof/taz heute dankenswerterweise hinweist, habe ich mitgetrauert. Der Film ist übrigens schon zwei Jahre alt, und kommt erst jetzt nach Deutschland, zu uns Zurückgebliebenen, die wir die Gefahr des Faschismus weit weniger verstanden haben, als Berlinguer. Oder Richard Sennett, auch schon sehr alt (83), und schreibt noch ein Buch.
Donald Trump hat zwei Tage nach Eröffnung seiner WM 80. Geburtstag. Bei ihm ist die Sehnsucht – weltweit betrachtet – sicher am grössten. Aber Tod oder Rücktritt würden keins der von ihm mitgeschaffenen Probleme lösen. Es ist das System (und J.D. Vance). It’s the economy, stupid!
Und die Fussballer kennen auch keine Gnade vor unseren Augen. Stanley Matthews und Hans Schäfer hatten nach dem Krieg Massstäbe gesetzt. Matthews hatte noch mit 50 Vertrag bei seinem Heimat- und Jugendverein Stoke City. Dort spielte auch Torwartlegende und Weltmeister 66 Gordon Banks (aber Netzers Elfmeter 72 war drin!) noch mit 37 und hörte erst mit 41 in Florida auf. Hans Schäfer, den ich als steinalten Fan noch kennenlernen durfte, spielte noch mit 37/38 die ersten zwei Bundesligasaisons 63-65. Sein Weltmeisterkollege Helmut Rahn musste mit 36 ebenfalls noch mitspielen, beim Meidericher SV in zwei Saisons 19 Einsätze und 8 Tore; bei ihm war es der Alkohol. Sein Gebrauchtwagenhandel an der Altenessener Strasse hielt etwas länger durch, bis in die 70er. Damals gab es noch keine Auswechslungen, aber schon TV-Berichte, in denen ich sie bewunderte, Rahn etwas weniger als Schäfer.
Und nun zu Ehren Donald Trumps lassen sich zahllose überlebte Stars nochmal im Rollstuhl aufs Feld bugsieren. Manuel Neuer (vor 40 Jahren im gleichen Krankenhaus geboren wie ich) soll Deutschlands heruntergekommene Fussballehre retten. Lionel Messi wird zwei Tage nach dem letzten Gruppenspiel Argentiniens gegen Österreich 39, und mutmasslich danach immer noch weiterspielen müssen, weil er weitere Millionen für seinen unübersichtlichen Clan verdienen muss. Wie sein zeitweise gemeinsam mit ihm unter emiratischem Sold agierender brasilianischer Kollege Neymar (34), bei dem mann nie weiss, ob er schwer verletzt ist, oder nur den Sterbenden gibt. Das ist das passende Stichwort für den im Völkermörder-Sold spielenden Cristiano Ronaldo (41), ohne den seine Nationalmannschaft (Portugal) schon vor zehn Jahren (EM 2016) stärker war, als mit ihm.
Sportlich spricht nichts mehr für diese alten Herren. Für ihre Teams sind sie eine von der harten Defensivarbeit befreite Last. Aber die Entertainment-Industrie, die Medienoligarchen, die sie besitzen und beherrschen, wollen es so. Wer zahlt, bestellt die Musik. Darum wird diese WM, wie schon so viele vor ihr, sportlich hinter dem, was der Fussball zu bieten hat, zurückbleiben.
Fussball ist ein Teamsport. Davon verstehen die Oligarchen nichts. Und ihre Politiker*innen auch nicht (s.o. Sennett).
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Corporations have sought to remove layers of bureaucracy, to become flatter and more flexible organizations. In place of organizations as pyramids, management wants now to think of organizations as networks. This means that promotions and dismissals tend not to be based on clear, fixed rules, nor are work tasks crisply defined; the network is constantly redefining its structure.
-- Richard Sennett (The Corrosion of Character)⬆ #Wisdom #Quotes #RichardSennett #Bureaucracy #Corporations #Organizations #Networks
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Während das Land mit “Wetterwarnungen” überschüttet wird, endet die “Winterpause” der Fussball-Bundesliga (der Herren). Am witzigsten war das im ersten Meisterjahr von Borussia Mönchengladbach 1970: die Rückrunde wurde weitgehend in Schneematsch ausgetragen, und die Borussia musste, nachdem sie ein Punktekonto von 43:9 angehäuft hatte, eine 0:1-Niederlagenserie hinnehmen, u.a. im Matsch des tiefliegenden Georg-Melches-Stadions an der Essener Hafenstrasse, dort, wo auch mal ein Messer auf den Bayern Sepp Maier geflogen sein soll. Heute Abend spielt der Fussballkonzern aus dem westfälischen Raum in Frankfurt auf, und die FAZ versucht online Appetit auf ein Digital-Abo zu machen:
“Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen (Originalpreis: 12,80 €) jetzt nur 0,99 €” – wer kann dem noch widerstehen? Kleingedruckt heisst es weiter: “danach 3,20 € / Woche; ab dem zweiten Jahr 5,95 € / Woche”, und – das Wichtigste! – “bitte geben Sie Ihre Email-Adresse ein”, mann gönnt sich ja sonst nichts. Und der Köder ist Daniel Theweleit: “Unruhe beim BVB: Der komplizierte Dortmunder Balanceakt – Platz zwei und doch labil: Der BVB sucht nach der nächsten Leistungsstufe. Über die Frage, wie die erreicht werden soll, wird so offen diskutiert wie lange nicht. Wie viel Raum finden die Ideen von Matthias Sammer?” Klassischer Fussball-Gossip also.
Tja, da fällt mir das Widerstehen nicht wirklich schwer. Lese ich den Text eben hier. Und wer sich ernsthaft für den Fussballkonzern aus dem westfälischen Raum interessiert, bekommt hier aussergewöhnlich ernsthaften und kritischen Fan-Journalismus. Wer braucht da noch Paywalls? Richtig: profitabhängige Konzerne im Eigentum weniger Milliardärsfamilien.
Manchmal ist es doch schade
Die solvente FAZ leistet sich immerhin noch einen seriösen Chef für ihr Wissenschaftsressort. Joachim-Müller-Jung interviewt die Mitbegründerin des „Trump Action Trackers“ Christina Pagel. Die Frau hat wirklich Erhellendes zu sagen. Ich habs mit Hilfe eines Paywallbohrers gelesen und kann das weiterempfehlen.
Dieser Tracker ist ein klassisches Beispiel für eine emanzipatorische Nutzung der gefürchteten IT-Instrumente. Ihre Nutzung sollte sich rumsprechen, über alle Mauern und Wände hinweg. Denn nicht nur Richard Sennett weiss, nachdem Sie sich durch nervende Werbe-Popups der Ippen-Gruppe durchgeklickt haben – es wird jetzt sehr ernst, und das schneller als wir gucken können.
Interessant finde ich bei Sennett die sich intensivierende Erinnerung an den “Westfälischen Frieden” 1648. Darüber sprach vor wenigen Tagen mitten in der Nacht der Bonner Professor Michael Rohrschneider im DLF-Kulturmagazin Fazit (Audio 8 min).
Auf Betreiben o.g. Milliardärsfamilien werden öffentliche Sender genötigt, ihre Texte nicht online aufzuschreiben und nachlesbar zu machen. Das ist Prohibition von Wissen und Information zu Gunsten weniger Superreicher. Und zu Lasten von uns. Beschlossen haben das die mindergebildeten 16 deutschen Ministerpräsident*inn*en. Sie sind in unserem Zwergstaat für Mediengesetzgebung zuständig.
So entgeht den Vielen das Grundwissen des Bonner Professors, das mir mit meinen 68 Lebensjahren noch bekannt ist: Erlernen der Interessen der Gegenseite, ihr Abwägen zum Zwecke einer Kompromissfindung, die das massenhafte – und in der Gegenwart industrielle! – Morden, Verkrüppeln und Traumatisieren unterbricht – und im besten Fall beendet. Es ist erlernbar.
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Während das Land mit “Wetterwarnungen” überschüttet wird, endet die “Winterpause” der Fussball-Bundesliga (der Herren). Am witzigsten war das im ersten Meisterjahr von Borussia Mönchengladbach 1970: die Rückrunde wurde weitgehend in Schneematsch ausgetragen, und die Borussia musste, nachdem sie ein Punktekonto von 43:9 angehäuft hatte, eine 0:1-Niederlagenserie hinnehmen, u.a. im Matsch des tiefliegenden Georg-Melches-Stadions an der Essener Hafenstrasse, dort, wo auch mal ein Messer auf den Bayern Sepp Maier geflogen sein soll. Heute Abend spielt der Fussballkonzern aus dem westfälischen Raum in Frankfurt auf, und die FAZ versucht online Appetit auf ein Digital-Abo zu machen:
“Zugang zu allen FAZ+ Beiträgen (Originalpreis: 12,80 €) jetzt nur 0,99 €” – wer kann dem noch widerstehen? Kleingedruckt heisst es weiter: “danach 3,20 € / Woche; ab dem zweiten Jahr 5,95 € / Woche”, und – das Wichtigste! – “bitte geben Sie Ihre Email-Adresse ein”, mann gönnt sich ja sonst nichts. Und der Köder ist Daniel Theweleit: “Unruhe beim BVB: Der komplizierte Dortmunder Balanceakt – Platz zwei und doch labil: Der BVB sucht nach der nächsten Leistungsstufe. Über die Frage, wie die erreicht werden soll, wird so offen diskutiert wie lange nicht. Wie viel Raum finden die Ideen von Matthias Sammer?” Klassischer Fussball-Gossip also.
Tja, da fällt mir das Widerstehen nicht wirklich schwer. Lese ich den Text eben hier. Und wer sich ernsthaft für den Fussballkonzern aus dem westfälischen Raum interessiert, bekommt hier aussergewöhnlich ernsthaften und kritischen Fan-Journalismus. Wer braucht da noch Paywalls? Richtig: profitabhängige Konzerne im Eigentum weniger Milliardärsfamilien.
Manchmal ist es doch schade
Die solvente FAZ leistet sich immerhin noch einen seriösen Chef für ihr Wissenschaftsressort. Joachim-Müller-Jung interviewt die Mitbegründerin des „Trump Action Trackers“ Christina Pagel. Die Frau hat wirklich Erhellendes zu sagen. Ich habs mit Hilfe eines Paywallbohrers gelesen und kann das weiterempfehlen.
Dieser Tracker ist ein klassisches Beispiel für eine emanzipatorische Nutzung der gefürchteten IT-Instrumente. Ihre Nutzung sollte sich rumsprechen, über alle Mauern und Wände hinweg. Denn nicht nur Richard Sennett weiss, nachdem Sie sich durch nervende Werbe-Popups der Ippen-Gruppe durchgeklickt haben – es wird jetzt sehr ernst, und das schneller als wir gucken können.
Interessant finde ich bei Sennett die sich intensivierende Erinnerung an den “Westfälischen Frieden” 1648. Darüber sprach vor wenigen Tagen mitten in der Nacht der Bonner Professor Michael Rohrschneider im DLF-Kulturmagazin Fazit (Audio 8 min).
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So entgeht den Vielen das Grundwissen des Bonner Professors, das mir mit meinen 68 Lebensjahren noch bekannt ist: Erlernen der Interessen der Gegenseite, ihr Abwägen zum Zwecke einer Kompromissfindung, die das massenhafte – und in der Gegenwart industrielle! – Morden, Verkrüppeln und Traumatisieren unterbricht – und im besten Fall beendet. Es ist erlernbar.
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La meua crítica a Richard Sennett i la seua defensa de l'artesà (en imatges).
4/4http://castellasants.wordpress.com
#richardsennett #filosofia #artmodern #modernart #art #bbaa #ub #books #artesania #teoriadelarte #estetica
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#richardsennett #filosofia #artmodern #modernart #art #bbaa #ub #books #artesania #teoriadelarte #estetica
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La meua crítica a Richard Sennett i la seua defensa de l'artesà (en imatges).
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