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#a-piece-of-history-every-day-2025 — Public Fediverse posts

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  1. A-piece-of-history-every-day 2025 – Teil 24 (Julius Caesar Hammerschmidt)

    Dieser Eintrag zu unserem Piece-of-History-Monat ist ein Gastbeitrag von Micha, aka Kreggen. Er hat sich Julius Cäsar vorgenommen und in die jüngere Vergangenheit gezerrt. Heraus kommt ein wunderbares Szenario für Mythos World und ähnlich cthuloide Spiele und Settings.

    Der Geist im alten Polizeipräsidium

    Hamburg 1925 – eine Stadt aus Dampf, Dreck und Devisen aus Übersee. Die Elbe war Lebensader und Schmugglerpfad zugleich, ihre Kaianlagen voller fluchender Hafenarbeiter, zwielichtiger Gestalten und Ganoven und Polizisten, die gerne mal wegschauten oder gleich die Hand aufhielten.

    Zwischen den roten Sandsteinfassaden der Speicherstadt roch es nach Kaffee und Tee, fremden Gewürzen und hin und wieder nach Verrat und Mord.

    In den Hinterzimmern der Reeperbahn mischten sich Jazz, Morphium und politische Parolen. Die Stadt war zerrissen zwischen Weltstadt-Ambition und Nachkriegs-Elend, zwischen hanseatischer Fassade und revolutionärem Groll. Die Prostitution florierte, die Polizei patrouillierte – doch nachts gehörte Hamburg den Schatten.

    Über allem lag der dumpfe Herzschlag einer Stadt, die nie schlief und manchmal, wie im Wachkoma, vor sich hin flackerte.

    Zwischen St. Pauli und den Landungsbrücken erzählte man sich zu dieser Zeit eine Geschichte, die kaum einer laut aussprach — nicht wegen des Unglaubens, sondern aus Angst.

    Im alten Polizeipräsidium am Johannisbollwerk, das seit Jahren leer stand, sollte ein Geist umgehen. Nicht irgendein namenloser Geist. Nein, es ging um die ruhelose Seele von Julius Caesar Hammerschmidt, dem gefürchtetsten Landgerichtsrat des Nordens.

    Julius C. Hammerschmidt war einst mehr als nur ein Richter. In der chaotischen Zeit nach dem Großen Krieg hatte er als Sonderbevollmächtigter des Innenministeriums Hamburg mit harter Hand „gesäubert“: Schmuggler, Aufrührer, politische Gegner – alle verschwanden, wenn Julius in seinem roten Fuchshaar-Mantel durch die Gänge schritt. Und er hortete Reichtümer: Bestechungsgelder, geraubte Goldzähne, sichergestellte Juwelen aus dunklen Quellen. Er bunkerte sie irgendwo im Kellergewölbe des Präsidiums. Hier soll sich auch die geheimnisvolle Kiste der Bark MADELEINE befunden haben, voll mit Büchern rätselhaften Inhalts, Schriften, die den Leser wahnsinnig machen, erzählte man sich. Magisches Zeug oder nur Hokus Pokus?

    Immer gieriger wurde Hammerschmidt, immer hartherziger und grausamer. Seine Mitarbeiter erkannten, dass ihn offenbar eine Art Größenwahn befallen hatte, und solch einen Tyrannen konnte die junge Republik gerade ein Hamburg, dem Tor zur Welt, nicht gebrauchen. Der Stadtschreiber Bruno Marcus, einst ein Günstling Hammerschmidts, organisierte den Widerstand, dem sich Senatoren, Polizisten, Handelsherren und weitere Bürokraten anschlossen.

    Dann, an einem regnerischen Märztag 1922, lockten ihn seine engsten Männer in den Verhörraum des Polizeipräsidiums — und erschlugen ihn dort mit Aktenmappen und erstachen ihn mit Brieföffnern.

    Man sagt, sein letzter Satz war: „Auch du, Bruno…“

    Seitdem sei der Geist des J.C. Hammerschmidt nie zur Ruhe gekommen, so heißt es.

    Ein Wachmann, der 1924 dort übernachtete, wurde wahnsinnig. Ein Reporter des Hamburger Abendblatts betrat das alte, aufgegebene Präsidium 1925 mit einer Taschenlampe – und kam zitternd zurück, das Haar weiß wie Kreide. Er sprach von einem Mann in Richterrobe, dessen Augen glühten wie Ofenkohle, der über eine eiserne Tür wachte. Hinter dieser Tür, sagte er, hörte man leises Flüstern — auf Latein und einer weiteren Sprache, für die es keine irdische Entsprechung gäbe.

    Heute behaupten einige, dass der Schatz des Julius Caesar Hammerschmidt noch immer dort liegt. Doch keiner wagt es, die eiserne Tür zu suchen oder gar zu öffnen. Nicht wegen der Polizei.

    Sondern wegen ihm.

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  2. A-Piece-of-History-every-day 2025 – Teil 22 (Die Vitalienbrüder)

    Die Vitalienbrüder waren erst Blockadebrecher, dann Freibeuter mit Kaperbriefen, dann Piraten. Für einige Jahrzehnte des 14. und 15. Jahrhunderts waren Klaus Störtebecker, Gödeke Michels, Arnd Stuke oder Magister Wigbold der Schrecken von Hansefahrern in der Ostsee, während sie gleichzeitig mit den Mächtigen der Region ihre Geschäfte machten.

    Ihre Geschichte ist zu verworren, um sie hier nachzuerzählen. Ihre erste Generation besteht aus mecklenburgischem Kleinadel, der in skandinavische Thronwirren hereingezogen wurde. Für verschiedene Fürsten und Königinnen kaperten sie die Schiffe ihrer Feinde. Und wie es so oft mit derlei Gewaltakteuren ist, entwickelten sie ein zunehmendes Eigenleben. In den Wirren und wechselnden Allianzen errangen sie phasenweise auch die Herrschaft über die Stadt Visby auf der Insel Gotland, von der aus sie die wichtigsten Handelswege in der ganzen Ostsee unsicher machen konnten. Bis in die Nordsee erstreckte sich das Gebiet ihrer Operationen, bei denen sie teils mit den Häuptlingen der ebenfalls seeräuberischen Ostfriesen zusammenarbeiteten.

    CC-BY Wikimedia Author Onno Gabriel

    Insgesamt wäre das Setting mit reichhaltigen Ideen für Abenteuer zur See und an Land, bei der hohe Politik und handfeste Action Hand in Hand gehen. Hier ein paar Vorschläge für Szenarien mit halb-realem Hintergrund:

    1. Während der Blockade von Stockholm möchten Wismarer Händler eine Ladung an den dänischen Schiffen vorbeischmuggeln und chartern dafür das Schiff der SCs. Die Hanse wäre davon nicht begeistert, aber der Lohn ist fürstlich. Die Vitalienbrüder hätten den Auftrag sicher auch gerne gehabt, aber jetzt bieten sie den SCs die Aufnahme in ihre Gemeinschaft an. Kann man ihnen trauen?
    2. Unter den Vitalienbrüdern kommt es zu Spannungen, als ihre mecklenburgischen Anführer der ersten Generation durch aufstrebende Wortführer einfacher Abstammung herausgefordert werden. Kapitäne wie Klaus Störtebecker überfallen zunehmend auch Schiffe des mit Mecklenburg verbündeten Dänemarks. Arnd Stuke sucht nach Möglichkeiten, den unter den Vitalienbrüder populären Störtebeker entweder in Visby oder während einer Kaperfahrt verschwinden zu lassen.
    3. Die Rüstringer Friesen stehen im Ruf, den Vitalienbrüdern bei ihren Raubzügen Unterschlupf zu gewähren. Die Stadt Bremen möchte eine Strafexpedition gegen die Rüstringer aufstellen, doch Edo Wiemken, ihr Häuptling, hat die Unterstützung von Albrecht von Bayern, Graf von Holland, der zunehmend Einfluss im Friesengebiet einsammelt.
    4. Die Hanse droht, die Stadt Rostock nicht weiter anzufahren, solange Rostock den Vitalienbrüdern gestattet, im Hafen zu ankern und ihre Waren zu verkaufen. Rostock ist gleichzeitig unter Druck von Fürst Albrecht von Mecklenburg, die Vitalienbrüder zu tolerieren, weil diese Nadelstiche gegen seine Rivalin Königin Margarethe von Dänemark setzen. Eine Rostocker Kauffrau beauftragt die SCs unter der Hand, ein anfahrendes Piratenschiff nach Wismar umzuleiten. Handelt sie im Namen der Rostocker Ratsherren oder spielt sie ein anderes Spiel?
    5. Die Hamburger Ratsherren haben ein Kopfgeld von 50 Pfund Silber auf Gödeke Michels und seine Mannschaft ausgesetzt, die nach dem Ergreifen von Klaus Störtebeker noch flüchtig sind. Michels, der nach dem Verlust von Visby an den Deutschen Orden plündernd die Ostseeküste entlangfährt, bietet nach seiner Gefangennahme den SCs an, ihnen im Tausch gegen seine Freiheit geheime Briefe zu überlassen, in denen bestimmte Ratsherren mit ihm über den Ankauf von Raubgut verhandeln.

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  3. A-Piece-of-History-Every-Day 2025 – Teil 20 (Stonewall Inn)

    Bild via Vienna Pride

    Die Kneipe “Zum Steinwall” an der Grenze zwischen Sonnenhafen und Altem Hafen ist genau genommen gar keine. Doch irgendwer stellt im Erdgeschoss des notdürftig umgebauten Stalls regelmäßig Flaschen und Krüge auf den Tisch und andere nehmen sie und “vergessen” im Gegenzug an selber Stelle ein paar Münzen. Im “Steinwall” werden keine Fragen gestellt, denn wenn du den Ort kennst, weißt du, dass du dort richtig bist. Hier finden diejenigen einen Platz, die in der Kirche als “der Sünde verfallen” bezeichnet werden, all die Bären und Otter und Wölfe, die Mägde in Hosen mit den kurzen Haaren, die Matrosen, die vorsichtig ihre Pferdeschwänze öffnen und sich gegenseitig mit ein wenig Lippenrot aushelfen. Manche von ihnen sind nur zu Besuch auf Durchreise, die meisten sind jedoch Stammgäste. 

    In letzter Zeit machen die Büttel hier immer wieder Stress. Sie verlangen, die Konzession des “Steinwalls” zu sehen, gängeln die Gäste und drohen mit Verhaftungen. Die Reibereien schaukeln sich immer weiter hoch. Wird es bald zur Eskalation kommen oder findet sich ein anderer Weg?

    Diese dem Stonewall Inn nachempfundene Kneipe eignet sich sehr gut für einen wiederkehrenden Schauplatz im Rollenspiel, vielleicht sogar als Basis der eigenen Gruppe. Allen, die diese (oder eine andere) queere Kneipe weiter ausbauen wollen, empfehle ich das preisgekrönte „Viva la QueerBar“ von Sandra Dahlhoff und Andrea Rick.

    -kiki

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  4. A-Piece-of-History-Every-Day 2025 – Teil 9 (Constantinus Africanus)

    Crontz Orkus (eigener Remix unter Verwendung eines uploads von Wikidoc/Swilliams)

    Es gab noch nie viel Kontakt zwischen den Orks, die an der Süd- und Ostküste des Meeres ihre Städte hatten und deren Siedlungen und Karawanen sich bis in die unwirtlichen Wüstengebiete vorwagten, und den Menschen, die für gewöhnlich im Norden siedelten. Crontz, genannt „Orkus“, war einer dieser Kontakte. Er handelte mit einer kleinen Karawane – für orkische Verhältnisse – die Gewürze, Stoffe und das Kunsthandwerk seiner Heimat im Tausch gegen menschliche Waren. Er fand Freude in dem, was er tat und mit den Jahren wurde er auch immer besser darin, die Sprache der Menschen zu verstehen und auch zu sprechen.

    Eines Tages machte Crontz Halt in einem Gasthaus, seine Tiere waren müde und auch er freute sich über ein Bad und eine Nacht oder zwei in einem richtigen Bett. Über Nacht wurde einer seiner Reisegefährten krank, der Wirt rief einen ansässigen Heiler zur Hilfe. Crontz konnte seinen Augen kaum trauen, was die Leute hier als „Heiler“ bezeichneten. Noch nicht einmal eine Urinprobe wurde abgenommen! Eigentlich hatte er die Menschen immer für ein halbwegs fortschrittliches Volk gehalten, doch dieses Erlebnis erschrak Crontz. Es erschrak ihn so sehr, dass er den Wirt fragte, wer in diesem Landstrich das Wissen über Heilung hütete. Ein Kloster wurde ihm genannt, die Mönche dort taten angeblich den ganzen Tag nichts anderes, als Bücher zu kopieren.

    Es war kein großer Umweg zu dem Kloster. Die Mönche staunten nicht schlecht, viele von ihnen kannten Orks nur aus Schauergeschichten und Kriegsberichten. Dass nun hier einer von ihnen vor ihrer Tür stand und ihnen eine Schriftrolle unter die Nase hielt, die sie für ihn übersetzen sollten, hätte sich niemand von ihnen auch nur erträumt. Der Abt ließ sich schließlich auf ein Gespräch ein, fragte nach den Inhalten. Crontz begann, aus seiner „Handrolle zu Krankheiten und Wundpflege für den Reisenden“ vorzulesen, fügte immer wieder Berichte und Anekdoten über den Stand der Medizin bei den Orks an. Die Augen des Abtes wurden größer und größer. Es brauchte nicht wenig zu einer Einigung. Crontz‘ Karawane zog ohne ihn weiter nach Norden und auf der nächsten Reise sollten sie ihm die fünf Rollen des „Almanachs der Medizin“ und den „Anatomischen Atlas“ und auch ein Exemplar der „Zahnheilkunde nach Groschnitza“ mitbringen.

    Und dies, liebe Reisenden, ist der Grund, warum in dieser Stadt manchmal ein alter Ork zu Besuch ist. Und ja, das ist auch der Grund, warum auf dem Titelblatt fast jedes Buches zu Heilkunde ein „C. O.“ oder ein „nach C. Orkus“ zu finden ist. Und jetzt steckt eure Dolche weg und gebt dem alten Mann lieber einen aus zum Dank, dass ihr bei Schnupfen heutzutage nicht mehr rückwärts auf einem Bein um den Hühnerstall hüpfen müsst!

    Ich bin als erstes über diesen Blog von den Medizinhistoriker*innen Monica Green und Brian Long auf Constantinus Africanus und sein Wirken aufmerksam geworden. Für alle, die lieber auf Deutsch lesen möchten, hat die Wikipedia natürlich auch etwas passendes.

    -kiki

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