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#sommerserie — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #sommerserie, aggregated by home.social.

  1. Nur beim Schliessmuskel muss ChatGPT passen

    Wer erinnert sich daran, wie schlecht früher oft Benutzerhandbücher und Software übersetzt waren? In meinem Archiv gibt es drei haarsträubende Beispiele von 1999, wo der Text in den Dialogboxen nur ansatzweise zu erahnen ist. Und hier findet sich eine flammende Verteidigungsrede von 1999: Nicht lächerlich, sondern hilfreich!

    26 Jahre später ist das ein gelöstes Problem. Wenn der Ursprungstext nicht völlig unverständlich ist, lässt sich mit den grossen Sprachmodellen eine Übertragung erzielen, die vielleicht nicht so elegant ist, wie wenn ein Mensch mit Sprachgefühl sie erstellt hätte. Aber sie ist orthografisch und grammatikalisch in Ordnung. Und in aller Regel sogar einleuchtend.

    Wie souverän sich die grossen Sprachmodelle bei dieser Disziplin schlagen, beweist dieser Versuch hier. Ich hatte die Idee, mir Texte aus dem Deutschen ins Lateinische und zurück ins Deutsche übersetzen zu lassen. Das würde eine besonders hohe Hürde bedeuten, vermutete ich. Und ja, bei lichter Betrachtung ist diese Ausgangslage sogar höchst unfair: Latein ist eine «tote Sprache». Es fehlt ihr am modernen Wortschatz, der für aktuelle Themen zwingend ist. Diesem Handicap zum Trotz hat sich die künstliche Intelligenz nicht lumpen lassen, wie folgende drei Beispiele zeigen:

    1) Asterix

    Erstens müssen sich die Sprachmodelle mit einem Text herumschlagen, bei dem sich Antike und Gegenwart ein Stelldichein liefern. Es handelt sich um einen Abschnitt aus einer Abhandlung über Asterix – einen Comic, der mehr für unser Lateinverständnis getan hat als die meisten Altphilologen an den Gymnasien:

    Asterix, eine Geschichtsgroteske über den gleichnamigen gallischen Antihelden, wurde von Albert Uderzo und René Goscinny erschaffen. Im französischen Jugendmagazin «Pilote» erschien erstmals im Herbst 1959 ein Abenteuer der kampflustigen Gallier. Bereits zwei Jahre später war die Serie so populär, dass ein erstes Comicalbum «Astérix le Gaulois» produziert wurde. Es folgten weitere 33 Alben, die mehr als 310 Millionen Mal in über 100 Sprachen und Dialekten verkauft wurden, acht abendfüllende Zeichentrickfilme und drei Realverfilmungen. Asterix wurde zu einem westeuropäischen Comicphänomen.

    Diesen Text habe ich von ChatGPT ins Latein übertragen¹ und von Mistral Le Chat zurück nach Deutsch übersetzen lassen. Das ist das Resultat:

    Asterix, eine historische Komödie über einen gleichnamigen gallischen Anti-Helden, wurde von Albert Uderzo und René Goscinny geschaffen. In einem französischen Jugendmagazin namens Pilote erschien im frühen Herbst des Jahres 1959 die Geschichte über die kämpferischen Gallier. Schon nach zwei Jahren war die Serie so populär, dass der erste Comicband, Asterix der Gallier, produziert wurde. Seitdem folgten dreiunddreissig weitere Bände, mit mehr als 320 Millionen verkauften Exemplaren in über 100 Sprachen und Dialekten, acht animierte Langfilme und drei Realverfilmungen. Asterix entwickelte sich zu einem Comic-Phänomen Westeuropas.

    Wir sehen: Die Geschichtsgroteske wurde zur historischen Komödie («comoedia historica»), was deutlich weniger prägnant ist. Ansonsten ist nichts auszusetzen – mit Ausnahme des Details, dass aus 310 Millionen verkauften Alben 320 Millionen Exemplare wurden. Den Fehler hat, falls ich es richtig sehe, Le Chat verbrochen («trecenties decies centena milia» sollte korrekt sein).

    2) iPhone-Handbuch

    Da es unverständliche Dialogboxen waren, die mich auf die Idee dieses Experiments brachten, darf ein Beispiel aus dem Digitalbereich nicht fehlen. Das Rohmaterial liefert das iPhone-Handbuch mit der Passage zur Installation der SIM-Karte:

    Dein iPhone benötigt eine physische SIM oder eine eSIM, um eine Verbindung zu einem Mobilfunknetz aufzubauen. (Nicht alle Funktionen sind in allen Ländern und Regionen verfügbar. Auf iPhone 14- und neueren Modellen, die in den USA erworben wurden, kannst du nur eSIMs verwenden.) Kontaktiere deinen Mobilfunkanbieter, um eine SIM zu erhalten und einen Mobilfunktarif einzurichten.

    eSIM konfigurieren: Unterstützte iPhone-Modelle können eine von deinem Mobilfunkanbieter bereitgestellte eSIM digital speichern. Wenn dein Mobilfunkanbieter entweder die Anbieteraktivierung oder Schnellübertragung für eSIM unterstützt, kannst du dein iPhone einschalten und die Anleitungen befolgen, um deine eSIM während der Konfiguration zu aktivieren.

    Die Version in Latein stammt von ChatGPT², was von Le Chat Mistral wie folgt auf Deutsch übertragen wird:

    Dein iPhone benötigt entweder eine physische SIM-Karte oder eine eSIM, um eine Verbindung zum Mobilfunknetz herzustellen. (Nicht alle Funktionen sind in allen Regionen oder Provinzen verfügbar. Bei iPhone 14-Modellen und neueren, die in den Vereinigten Staaten gekauft wurden, kann nur eine eSIM verwendet werden.) Wende dich an deinen Telekommunikationsanbieter, um eine SIM-Karte zu erhalten und einen Mobilfunkvertrag abzuschliessen.

    Einrichtung der eSIM: Kompatible iPhone-Modelle können eine von deinem Anbieter bereitgestellte eSIM digital speichern. Wenn dein Anbieter die Aktivierung über den Anbieter oder die schnelle Übertragung der eSIM unterstützt, kannst du dein iPhone einschalten und den Anweisungen auf dem Bildschirm folgen, um die eSIM im Rahmen des Einrichtungssprozesses zu aktivieren.

    Mir gefällt ausgezeichnet, dass die «Ländern und Regionen» zu «Regionen oder Provinzen» werden. Uns springen auch die Vereinigten Staaten ins Auge, die zu Zeiten Caesars bekanntlich nicht existierten. Aber die wörtliche Übersetzung («Civitatibus Foederatis») ist klar genug, dass sie unfallfrei hin- und zurückübersetzt werden kann. Das gilt offenbar auch für den Mobilfunkanbieter, der zwar zum Telekommunikationsanbieter mutiert, aber verständlich bleibt.

    Natürlich hätte ein Römer von damals mit einem Schulterzucken auf den «operatori telecommunicationum» reagiert. Aber weil unsere Sprache bis heute vom Latein geprägt ist, ergeben sich die lateinischen Varianten dieser modernen Begriffe wie auch «rete mobili» fast von selbst. Die SIM bzw. eSIM hat ChatGPT im lateinischen Text beibehalten. Nicht originell, aber die richtige Entscheidung.

    Schliesslich drängt sich ein Verdacht auf: Apples Anleitung könnte zu den Trainingsdaten von Le Chat gehören. Wir sollten davon ausgehen, dass das Sprachmodell über die Funktionen der SIM Bescheid weiss und die Interpretation des lateinischen Textes auch deswegen keine grosse Herausforderung darstellt.

    Die Entmystifizierung durch die KI schreitet voran – auch das Latein ist daran, seinen Ruch als antike Geheimsprache zu verlieren (Magda Ehlers, Pexels-Lizenz).

    3) «Snow Crash»

    Eine Herausforderung auch für die Person, die die «Neuübersetzung» abgeliefert hat.

    Wie steht es um einen literarischen Text, bei dem die technoiden Visionen des Autors die Hauptrolle spielen? Für den dritten Versuch verwende ich einen Ausschnitt aus Snow Crash (Amazon) von Neal Stephenson:

    Seitdem lässt der Deliverator die Pistole im Handschuhfach, verlässt sich stattdessen auf ein zusammengehöriges Paar Samuraischwerter, die ohnehin schon immer die Waffen seiner Wahl gewesen sind. Die Punks in Gila Highlands hatten keine Angst vor der Pistole, also war der Deliverator gezwungen gewesen, sie zu benutzen. Schwerter jedoch bedürfen keiner Vorführung.

    In den Batterien seines Autos steckt genügend Energiepotenzial, um ein Pfund Speck in den Asteroidengürtel zu schiessen. Doch im Gegensatz zu einer Mommybox oder einem Burbbeater entlädt das Auto des Deliverators seine Energie durch klaffende, funkelnde, glanzpolierte Schliessmuskeln.

    Aus dem ChatGPT-Latein³ entsteht dieses Mistral-Deutsch:

    Seit dieser Zeit lässt der Deliverator die Waffe im Handschuhfach des Fahrzeugs und zieht stattdessen ein Paar miteinander verbundener Samurai-Schwerter vor, die von Anfang an seine bevorzugten Waffen waren. Die Bewohner der Region Gila Highlands fürchteten die Schwerter kaum; daher war der Deliverator gezwungen, die Waffe tatsächlich einzusetzen. Doch die Schwerter bedürfen keiner Zurschaustellung.

    In den Energiespeichern seines Fahrzeugs steckt genug Leistung, um ein Pfund Speck in den Asteroidengürtel zu schicken. Doch im Gegensatz zu den Familienkutschen oder den sogenannten «Burbbeatern» entfaltet das Gefährt des Deliverators seine Kraft durch blendende, glänzende, kunstvoll polierte Öffnungen – um es so auszudrücken – die einem die Sinne rauben.

    Bei den Punks muss die KI passen: Sie werden zu «incolae», zu Bewohnern. Pistolen waren zu Caesars Zeiten nicht gebräuchlich. ChatGPT kam nicht auf die Idee, das Wort «Feuerwaffe» wörtlich zu übersetzen, sondern verwendet stattdessen eine generische Waffe und ebnet den Weg zur Verwechslung mit den Schwertern.

    Ansonsten: «Energiespeicher» statt «Batterie» ist ausgezeichnet; und «Familienkutsche» statt «Mommybox» ist definitiv leichter zu verstehen. Bei den «Burbbeatern» macht es sich ChatGPT zu einfach, produziert jedoch keinen Fehler. Unverzeihlich ist indes die Verwandlung des «Schliessmuskels» zur «Öffnung». ChatGPT ist sich dieses Ausrutschers bewusst, indem der Bot ihn durch die eigenmächtig eingestreute Floskel «ut dixeris» (könnte man sagen) zu relativieren versucht. Ich gehe davon aus, dass diese Verharmlosung durch die für die Sprachmodelle so typische Prüderie verursacht wird. Am Vokabular fehlt es keinesfalls, denn alles, was mit Medizin zu tun hat, wird durch die lateinische Sprache perfekt abgedeckt. Der Schliessmuskel ist, so kolportiert es Wikipedia, der sphincter.

    Fazit: Was die künstliche Intelligenz bei diesem Test abliefert, übertrifft meine kühnsten Erwartungen. Bei Apples Technokratensprech fällt das Endresultat sogar eleganter aus, und es ist leichter zu lesen als das Original. Die Zeiten, in denen wir uns über die Mängel der maschinellen Übersetzungen lustig machen konnten, sind definitiv vorbei.

    Fussnoten

    1) Das ist die Latein-Variante von ChatGPT:

    Asterix, comoedia historica de anti-heroë Gallo eiusdem nominis, a Alberto Uderzo et Renato Goscinny creata est. In commentariolo Francogallico iuvenum, Pilote nomine, primo ineunte autumno anni millesimi nongentesimi quinquagesimi noni narratio de Gallis pugnacibus apparuit. Iam post duos annos series adeo popularis erat ut primum volumen pictum, Astérix le Gaulois, produceretur. Inde triginta tres alii libri secuti sunt, plus quam trecenties decies centena milia exemplarium in plus quam centum linguas atque dialectos divenditi, octo pelliculae animatae longae, tres pelliculae cinematographicae cum actoribus vivis. Asterix in phaenomenon comicum Europae occidentalis evasit. ↩

    2) Die lateinische Variante der iPhone-Anleitung, angefertigt von ChatGPT:

    Tuum iPhone aut SIM physicam aut eSIM requirit, ut nexum cum rete mobili constituat. (Non omnes functiones in omnibus regionibus vel provinciis praesto sunt. In exemplaribus iPhone 14 et recentioribus, quae in Civitatibus Foederatis empta sunt, tantum eSIM adhiberi potest.) Ad SIM obtinendam et consilium mobile constituendum, operam da tuo operatori telecommunicationum.

    Configuratio eSIM: Exemplaria iPhone compatibilia eSIM a tuo operatore provisam digitaliter recondere possunt. Si operator tuus activationem per operatorem vel transmissionem celerem eSIM sustinet, iPhone tuum accendere potes et mandatis in schermo propositis obsequi, ut eSIM in ipso processu configurationis activetur. ↩

    3) Der Ausschnitt aus «Snow Crash» in der Latein-Übersetzung von Le Chat:

    Ex eo tempore, Deliverator telum in loculo vehiculi reconditum relinquit atque potius par gladiōrum samuraiōrum sibi coniunctum sequitur, quae ab initio arma sibi praeoptata fuisse constat. Incolae regionis Gila Highlands gladiōs parum verebantur; quare Deliverator coactus est telum vere adhibēre. At gladii ostentatione non egent.

    In repositōriis vehiculī eius tantum inest potentiae electricae ut libra lardi in zonam asteroidum emit- tenda sit. Sed, dissimile est illud vehiculum a machinis matronalibus vel «Burbbeater» appellatis: Deliveratoris currus vim suam emittit per hiatus coruscantes, nitidissimos, arte politos — ut dixeris — claudendi nervos. ↩

    Beitragsbild: Diese drei haben den Römern auch ohne künstliche Intelligenz auf die Sprünge geholfen (Ralphs_Fotos, Pexels-Lizenz).

    #ChatGPT #LLMs #Sommerserie

  2. Nur beim Schliessmuskel muss ChatGPT passen

    Wer erinnert sich daran, wie schlecht früher oft Benutzerhandbücher und Software übersetzt waren? In meinem Archiv gibt es drei haarsträubende Beispiele von 1999, wo der Text in den Dialogboxen nur ansatzweise zu erahnen ist. Und hier findet sich eine flammende Verteidigungsrede von 1999: Nicht lächerlich, sondern hilfreich!

    26 Jahre später ist das ein gelöstes Problem. Wenn der Ursprungstext nicht völlig unverständlich ist, lässt sich mit den grossen Sprachmodellen eine Übertragung erzielen, die vielleicht nicht so elegant ist, wie wenn ein Mensch mit Sprachgefühl sie erstellt hätte. Aber sie ist orthografisch und grammatikalisch in Ordnung. Und in aller Regel sogar einleuchtend.

    Wie souverän sich die grossen Sprachmodelle bei dieser Disziplin schlagen, beweist dieser Versuch hier. Ich hatte die Idee, mir Texte aus dem Deutschen ins Lateinische und zurück ins Deutsche übersetzen zu lassen. Das würde eine besonders hohe Hürde bedeuten, vermutete ich. Und ja, bei lichter Betrachtung ist diese Ausgangslage sogar höchst unfair: Latein ist eine «tote Sprache». Es fehlt ihr am modernen Wortschatz, der für aktuelle Themen zwingend ist. Diesem Handicap zum Trotz hat sich die künstliche Intelligenz nicht lumpen lassen, wie folgende drei Beispiele zeigen:

    1) Asterix

    Erstens müssen sich die Sprachmodelle mit einem Text herumschlagen, bei dem sich Antike und Gegenwart ein Stelldichein liefern. Es handelt sich um einen Abschnitt aus einer Abhandlung über Asterix – einen Comic, der mehr für unser Lateinverständnis getan hat als die meisten Altphilologen an den Gymnasien:

    Asterix, eine Geschichtsgroteske über den gleichnamigen gallischen Antihelden, wurde von Albert Uderzo und René Goscinny erschaffen. Im französischen Jugendmagazin «Pilote» erschien erstmals im Herbst 1959 ein Abenteuer der kampflustigen Gallier. Bereits zwei Jahre später war die Serie so populär, dass ein erstes Comicalbum «Astérix le Gaulois» produziert wurde. Es folgten weitere 33 Alben, die mehr als 310 Millionen Mal in über 100 Sprachen und Dialekten verkauft wurden, acht abendfüllende Zeichentrickfilme und drei Realverfilmungen. Asterix wurde zu einem westeuropäischen Comicphänomen.

    Diesen Text habe ich von ChatGPT ins Latein übertragen¹ und von Mistral Le Chat zurück nach Deutsch übersetzen lassen. Das ist das Resultat:

    Asterix, eine historische Komödie über einen gleichnamigen gallischen Anti-Helden, wurde von Albert Uderzo und René Goscinny geschaffen. In einem französischen Jugendmagazin namens Pilote erschien im frühen Herbst des Jahres 1959 die Geschichte über die kämpferischen Gallier. Schon nach zwei Jahren war die Serie so populär, dass der erste Comicband, Asterix der Gallier, produziert wurde. Seitdem folgten dreiunddreissig weitere Bände, mit mehr als 320 Millionen verkauften Exemplaren in über 100 Sprachen und Dialekten, acht animierte Langfilme und drei Realverfilmungen. Asterix entwickelte sich zu einem Comic-Phänomen Westeuropas.

    Wir sehen: Die Geschichtsgroteske wurde zur historischen Komödie («comoedia historica»), was deutlich weniger prägnant ist. Ansonsten ist nichts auszusetzen – mit Ausnahme des Details, dass aus 310 Millionen verkauften Alben 320 Millionen Exemplare wurden. Den Fehler hat, falls ich es richtig sehe, Le Chat verbrochen («trecenties decies centena milia» sollte korrekt sein).

    2) iPhone-Handbuch

    Da es unverständliche Dialogboxen waren, die mich auf die Idee dieses Experiments brachten, darf ein Beispiel aus dem Digitalbereich nicht fehlen. Das Rohmaterial liefert das iPhone-Handbuch mit der Passage zur Installation der SIM-Karte:

    Dein iPhone benötigt eine physische SIM oder eine eSIM, um eine Verbindung zu einem Mobilfunknetz aufzubauen. (Nicht alle Funktionen sind in allen Ländern und Regionen verfügbar. Auf iPhone 14- und neueren Modellen, die in den USA erworben wurden, kannst du nur eSIMs verwenden.) Kontaktiere deinen Mobilfunkanbieter, um eine SIM zu erhalten und einen Mobilfunktarif einzurichten.

    eSIM konfigurieren: Unterstützte iPhone-Modelle können eine von deinem Mobilfunkanbieter bereitgestellte eSIM digital speichern. Wenn dein Mobilfunkanbieter entweder die Anbieteraktivierung oder Schnellübertragung für eSIM unterstützt, kannst du dein iPhone einschalten und die Anleitungen befolgen, um deine eSIM während der Konfiguration zu aktivieren.

    Die Version in Latein stammt von ChatGPT², was von Le Chat Mistral wie folgt auf Deutsch übertragen wird:

    Dein iPhone benötigt entweder eine physische SIM-Karte oder eine eSIM, um eine Verbindung zum Mobilfunknetz herzustellen. (Nicht alle Funktionen sind in allen Regionen oder Provinzen verfügbar. Bei iPhone 14-Modellen und neueren, die in den Vereinigten Staaten gekauft wurden, kann nur eine eSIM verwendet werden.) Wende dich an deinen Telekommunikationsanbieter, um eine SIM-Karte zu erhalten und einen Mobilfunkvertrag abzuschliessen.

    Einrichtung der eSIM: Kompatible iPhone-Modelle können eine von deinem Anbieter bereitgestellte eSIM digital speichern. Wenn dein Anbieter die Aktivierung über den Anbieter oder die schnelle Übertragung der eSIM unterstützt, kannst du dein iPhone einschalten und den Anweisungen auf dem Bildschirm folgen, um die eSIM im Rahmen des Einrichtungssprozesses zu aktivieren.

    Mir gefällt ausgezeichnet, dass die «Ländern und Regionen» zu «Regionen oder Provinzen» werden. Uns springen auch die Vereinigten Staaten ins Auge, die zu Zeiten Caesars bekanntlich nicht existierten. Aber die wörtliche Übersetzung («Civitatibus Foederatis») ist klar genug, dass sie unfallfrei hin- und zurückübersetzt werden kann. Das gilt offenbar auch für den Mobilfunkanbieter, der zwar zum Telekommunikationsanbieter mutiert, aber verständlich bleibt.

    Natürlich hätte ein Römer von damals mit einem Schulterzucken auf den «operatori telecommunicationum» reagiert. Aber weil unsere Sprache bis heute vom Latein geprägt ist, ergeben sich die lateinischen Varianten dieser modernen Begriffe wie auch «rete mobili» fast von selbst. Die SIM bzw. eSIM hat ChatGPT im lateinischen Text beibehalten. Nicht originell, aber die richtige Entscheidung.

    Schliesslich drängt sich ein Verdacht auf: Apples Anleitung könnte zu den Trainingsdaten von Le Chat gehören. Wir sollten davon ausgehen, dass das Sprachmodell über die Funktionen der SIM Bescheid weiss und die Interpretation des lateinischen Textes auch deswegen keine grosse Herausforderung darstellt.

    Die Entmystifizierung durch die KI schreitet voran – auch das Latein ist daran, seinen Ruch als antike Geheimsprache zu verlieren (Magda Ehlers, Pexels-Lizenz).

    3) «Snow Crash»

    Eine Herausforderung auch für die Person, die die «Neuübersetzung» abgeliefert hat.

    Wie steht es um einen literarischen Text, bei dem die technoiden Visionen des Autors die Hauptrolle spielen? Für den dritten Versuch verwende ich einen Ausschnitt aus Snow Crash (Amazon) von Neal Stephenson:

    Seitdem lässt der Deliverator die Pistole im Handschuhfach, verlässt sich stattdessen auf ein zusammengehöriges Paar Samuraischwerter, die ohnehin schon immer die Waffen seiner Wahl gewesen sind. Die Punks in Gila Highlands hatten keine Angst vor der Pistole, also war der Deliverator gezwungen gewesen, sie zu benutzen. Schwerter jedoch bedürfen keiner Vorführung.

    In den Batterien seines Autos steckt genügend Energiepotenzial, um ein Pfund Speck in den Asteroidengürtel zu schiessen. Doch im Gegensatz zu einer Mommybox oder einem Burbbeater entlädt das Auto des Deliverators seine Energie durch klaffende, funkelnde, glanzpolierte Schliessmuskeln.

    Aus dem ChatGPT-Latein³ entsteht dieses Mistral-Deutsch:

    Seit dieser Zeit lässt der Deliverator die Waffe im Handschuhfach des Fahrzeugs und zieht stattdessen ein Paar miteinander verbundener Samurai-Schwerter vor, die von Anfang an seine bevorzugten Waffen waren. Die Bewohner der Region Gila Highlands fürchteten die Schwerter kaum; daher war der Deliverator gezwungen, die Waffe tatsächlich einzusetzen. Doch die Schwerter bedürfen keiner Zurschaustellung.

    In den Energiespeichern seines Fahrzeugs steckt genug Leistung, um ein Pfund Speck in den Asteroidengürtel zu schicken. Doch im Gegensatz zu den Familienkutschen oder den sogenannten «Burbbeatern» entfaltet das Gefährt des Deliverators seine Kraft durch blendende, glänzende, kunstvoll polierte Öffnungen – um es so auszudrücken – die einem die Sinne rauben.

    Bei den Punks muss die KI passen: Sie werden zu «incolae», zu Bewohnern. Pistolen waren zu Caesars Zeiten nicht gebräuchlich. ChatGPT kam nicht auf die Idee, das Wort «Feuerwaffe» wörtlich zu übersetzen, sondern verwendet stattdessen eine generische Waffe und ebnet den Weg zur Verwechslung mit den Schwertern.

    Ansonsten: «Energiespeicher» statt «Batterie» ist ausgezeichnet; und «Familienkutsche» statt «Mommybox» ist definitiv leichter zu verstehen. Bei den «Burbbeatern» macht es sich ChatGPT zu einfach, produziert jedoch keinen Fehler. Unverzeihlich ist indes die Verwandlung des «Schliessmuskels» zur «Öffnung». ChatGPT ist sich dieses Ausrutschers bewusst, indem der Bot ihn durch die eigenmächtig eingestreute Floskel «ut dixeris» (könnte man sagen) zu relativieren versucht. Ich gehe davon aus, dass diese Verharmlosung durch die für die Sprachmodelle so typische Prüderie verursacht wird. Am Vokabular fehlt es keinesfalls, denn alles, was mit Medizin zu tun hat, wird durch die lateinische Sprache perfekt abgedeckt. Der Schliessmuskel ist, so kolportiert es Wikipedia, der sphincter.

    Fazit: Was die künstliche Intelligenz bei diesem Test abliefert, übertrifft meine kühnsten Erwartungen. Bei Apples Technokratensprech fällt das Endresultat sogar eleganter aus, und es ist leichter zu lesen als das Original. Die Zeiten, in denen wir uns über die Mängel der maschinellen Übersetzungen lustig machen konnten, sind definitiv vorbei.

    Fussnoten

    1) Das ist die Latein-Variante von ChatGPT:

    Asterix, comoedia historica de anti-heroë Gallo eiusdem nominis, a Alberto Uderzo et Renato Goscinny creata est. In commentariolo Francogallico iuvenum, Pilote nomine, primo ineunte autumno anni millesimi nongentesimi quinquagesimi noni narratio de Gallis pugnacibus apparuit. Iam post duos annos series adeo popularis erat ut primum volumen pictum, Astérix le Gaulois, produceretur. Inde triginta tres alii libri secuti sunt, plus quam trecenties decies centena milia exemplarium in plus quam centum linguas atque dialectos divenditi, octo pelliculae animatae longae, tres pelliculae cinematographicae cum actoribus vivis. Asterix in phaenomenon comicum Europae occidentalis evasit. ↩

    2) Die lateinische Variante der iPhone-Anleitung, angefertigt von ChatGPT:

    Tuum iPhone aut SIM physicam aut eSIM requirit, ut nexum cum rete mobili constituat. (Non omnes functiones in omnibus regionibus vel provinciis praesto sunt. In exemplaribus iPhone 14 et recentioribus, quae in Civitatibus Foederatis empta sunt, tantum eSIM adhiberi potest.) Ad SIM obtinendam et consilium mobile constituendum, operam da tuo operatori telecommunicationum.

    Configuratio eSIM: Exemplaria iPhone compatibilia eSIM a tuo operatore provisam digitaliter recondere possunt. Si operator tuus activationem per operatorem vel transmissionem celerem eSIM sustinet, iPhone tuum accendere potes et mandatis in schermo propositis obsequi, ut eSIM in ipso processu configurationis activetur. ↩

    3) Der Ausschnitt aus «Snow Crash» in der Latein-Übersetzung von Le Chat:

    Ex eo tempore, Deliverator telum in loculo vehiculi reconditum relinquit atque potius par gladiōrum samuraiōrum sibi coniunctum sequitur, quae ab initio arma sibi praeoptata fuisse constat. Incolae regionis Gila Highlands gladiōs parum verebantur; quare Deliverator coactus est telum vere adhibēre. At gladii ostentatione non egent.

    In repositōriis vehiculī eius tantum inest potentiae electricae ut libra lardi in zonam asteroidum emit- tenda sit. Sed, dissimile est illud vehiculum a machinis matronalibus vel «Burbbeater» appellatis: Deliveratoris currus vim suam emittit per hiatus coruscantes, nitidissimos, arte politos — ut dixeris — claudendi nervos. ↩

    Beitragsbild: Diese drei haben den Römern auch ohne künstliche Intelligenz auf die Sprünge geholfen (Ralphs_Fotos, Pexels-Lizenz).

    #ChatGPT #LLMs #Sommerserie

  3. Überraschung: Mark Zuckerberg ist nicht an allem Schuld

    Vor 15 Jahren verging keine Woche ohne ein neues Social-Media-Angebot. Das ging so weit, dass ich im Januar 2010 einen weinerlichen Blogpost veröffentlichte, man komme mit Testen kaum mehr hinterher. Ausserdem kolportierte ich die Falschmeldung, Facebook würde demnächst eine Abogebühr erheben: eine Lüge, die heute noch herumgereicht wird.

    Genau dieser Aspekt brachte mich ins Grübeln: Wie sähe die Welt der sozialen Medien aus, wenn das damals keine Ente gewesen wäre und Facebook eine Gebühr erhoben hätte? Wäre diese Plattform heute nicht in einem so desolaten Zustand, weil sich die zahlende Nutzerschaft mehr Verantwortungsbewusstsein aufgebaut hätte als die Horde der Freeloader, die sich heute aufführt wie die Axt im Wald?

    Die Rationalisten unter den Leserinnen werden jetzt «Hätte, hätte, Fahrradkätte!» schreien und darauf hinweisen, dass niemand das wissen könne. Das ist unbestreitbar richtig. Obendrein besteht die Gefahr, dass uns dieses kleine Gedankenexperiment traurig macht: Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass damals eine historische Chance vergeben wurde.

    Das schnelle Scheitern eines optimistischen Gedankenexperiments

    Doch nein. Diese Spekulation ist schon zu Ende, noch bevor wir gross anfangen, in Szenarien zu denken. Die Hoffnung auf eine harmonischere Social-Media-Welt – in der der Dialog der Anwenderinnen und Anwender der Existenzgrund der Plattform und nicht bloss das Werbeumfeld ist – platzt schon bei der ersten entscheidenden Frage.

    Sie lautet: Wäre Facebook mit Bezahlschranke ein Erfolg gewesen?

    Ich wüsste, welche Parloe ich hier hinsprayen würde (Snowscat, Unsplash-Lizenz).

    Der Massstab, den Mark Zuckerberg für den Erfolg anlegt, ist kein Geheimnis: Es handelt sich um eine Zahl, die den Umsatz in Dollars angibt. Das zugrunde liegende Rechenbeispiel können wir selbst anstellen: Der ARPU (average revenue per user bzw. der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer und Jahr) beträgt für Facebook 49,63 US-Dollar. Das entspricht nicht ganz der präsupponierten Abogebühr von fünf Franken pro Monat, aber fast – nämlich 4,13 Dollar oder ungefähr 3.55 Franken.

    Es wäre nicht nur teuer, sondern auch langweilig

    Mit anderen Worten: Die Gesamtzahl der gut drei Milliarden aktiven Nutzerinnen und Nutzer müsste ein Abo abschliessen, damit für Meta unter dem Strich das gleiche Ergebnis wie mit der Werbefinanzierung herauskommt. Wenn wir umgekehrt rechnen und grosszügig annehmen, dass immerhin jeder zehnte User willens und in der Lage wäre, eine Abogebühr zu entrichten, wären für Facebook im Monat 35 Franken zu berappen.

    Gleichzeitig müssen wir annehmen, dass diese elitäre Version von Facebook dieses Geld nicht im Ansatz wert wäre. Natürlich würde ein Umgangston wie in einem britischen Gentlemen’s Club des 18. Jahrhunderts herrschen. Aber alle von uns, die ohne blaues Blut geboren wurden, würden sich zu Tode langweilen. Denn es wäre nur noch ein Zehntel unseres Freundeskreises anwesend – und nicht unbedingt das interessanteste Zehntel.

    Wir kommen zur Erkenntnis, dass bei den sozialen Medien zwei Faktoren in der gleichen Stossrichtung wirken. Ich nenne sie hier die zwei «digitalen Naturgesetze»:

    • Erstens die kühle kapitalistische Überschlagsrechnung:
      Für maximale Einnahmen ist grösstmögliche Reichweite gefragt.
    • Zweitens die Logik der sozialen Netzwerke:
      Sie erfordert minimale Einstiegshürden für eine möglichst breite Verankerung.

    Naturgesetze, grösser als Mark Zuckerberg

    Am Ende besteht die Ironie dieses Gedankenexperiments darin, dass es mich traurig stimmt, obwohl die Einsicht herrscht, dass keine historische Chance vergeben wurde. Mark Zuckerberg ist zwar ein besonders ausgeprägtes Exemplar eines Geld- und Machtmenschen. Wäre er das in weniger ausgeprägtem Sinn, wären sicherlich einige Dinge besser gelaufen: Es wäre bei Meta besser um den Jugendschutz bestellt, es würden weiterhin Faktenchecks betrieben und die Algorithmen wären nicht ganz so unerbittlich auf Krawall gebürstet. Aber Facebook wäre keinesfalls ein Social-Media-Idyll, umringt von einer hohen Paywall.

    Mit anderen Worten: Mark Zuckerberg ist zwar ein Bösewicht. Er ist egozentrisch, rücksichtslos und nimmt nicht einmal das Minimum an Verantwortung wahr. Aber er ist nicht schuld an der Misere. Es wäre ohne ihn fast genauso gekommen.

    Halten wir es in aller Deutlichkeit fest: Weder die Skrupellosigkeit der Konzerne noch die naive Verführbarkeit von uns Anwenderinnen und Anwendern durch Gratisangebote ist schuld daran, dass in den letzten 15 Jahren keine Social-Media-Plattform mit Bezahlmodell nur ansatzweise relevant wurde.

    Es gab sie schon, die Alternativen

    Es hat sie nämlich gegeben, die idealistischen Projekte: Ello, Vero, Steemit und vor allem App.net – wer erinnert sich noch? Auch die dezentralen Varianten mit Vertretern wie Diaspora und später dem Fediversum und Mastodon litten nicht an zu wenig Engagement. Ihr Handicap lag nicht daran, dass sie zu früh, zu spät, zu kompliziert oder zu nischig waren. Sie wurden in ihrer Entwicklung durch die beiden oben erwähnten digitalen «Naturgesetze» behindert.

    Wobei mir der Begriff nun doch nicht gefällt. Sprechen wir lieber von strukturell starken Entwicklungstendenzen, die in den Wirtschaftswissenschaften mit Konzepten wie economies of scale, Netzwerkeffekt und Pfadabhängigkeit beschrieben werden. Sie haben zur Folge, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Megaplattformen obsiegen, in denen wiederum die Enshittification voranschreitet.

    Warum haben wir das nicht gesehen? Mit «wir» meine ich die Journalistinnen und Beobachter, die diese Probleme nicht haben kommen sehen. Ich meine vor allem auch mich, weil ich mich – so beweist es mein eingangs erwähnter Blogpost – damals nicht ernsthaft mit der Finanzierung eines sozialen Netzwerks und den unvermeidlichen Konsequenzen beschäftigte. Facebooks ARPU war damals vermutlich nicht bekannt. Die ökonomischen Gesetze waren gleichwohl kein Geheimnis.

    Ein fataler Grundlagenirrtum

    Die Ursache lag in einem Fehlschluss: Viele von uns glaubten damals – und ich zähle mich explizit dazu –, dass die digitale und die reale Welt zwei so unterschiedliche, getrennte Sphären bilden würden, dass die Gesetze der einen Sphäre in der anderen keine Gültigkeit hätten. Das Internet nahmen wir als Hort des Optimismus und des Gemeinsamkeitsgefühls wahr. Hier würden die Wirkkräfte der realen Welt nicht gelten.

    «Ein Glück, dass die Blase platzte», schrieb ich im Januar 2002: Ich war froh, dass die Dotcom-Euphorie an einem abrupten Ende angelangt war. Weil das Internet jetzt wieder viel mehr sein würde als ein riesiges Shoppingcenter. Das war der scheinbare Beweis dafür, dass das Netz den – ich verwende den Begriff trotzdem noch einmal – digitalen «Naturgesetzen» widerstehen kann.

    Den «Naturgesetzen» zum Trotz hätte es anders laufen können

    Mir geht erst heute überhaupt auf, wie tief dieser Irrtum verwurzelt war. Und wie doppelt fatal er wirkte: Einerseits führte er dazu, dass wir die Gefahren für unser digitales Idyll ignorierten. Andererseits verpassten wir grossartige Chancen. Hey, einer von uns hätte Facebook gründen können! Dieses soziale Netzwerk wäre heute dennoch ein schlimmer Moloch. Doch so desolat wie im Zuckerberg-Paralleluniversum wäre die Situation auf keinen Fall.

    Vielleicht hätten wir auf eine Organisationsform als Service public gesetzt? Wir hätten uns ernsthaft für ein adäquates Wettbewerbsrecht engagieren oder auf Interoperabilität beharren können. Unsereins wäre in der Lage gewesen, uns den Kopf über die digitale Grundversorgung oder über Data Commons zu zerbrechen. Und vielleicht hätten wir es entgegen allen hier wohl begründetet Widrigkeiten geschafft, damit erfolgreicher zu sein als die gescheiterten Facebook-Konkurrenten – ihr seht, ein bisschen des alten Idealismus hat sich bei mir gehalten.

    Oder – und das hätte wirklich klappen können! – wir hätten von Anfang an darauf drängen können, dass persönliche Daten als das betrachtet werden, was sie sind: als riesiges digitales Kapital, das klug investiert werden will!

    Beitragsbild: Diese Leuchtschrift wird dann in Marks Mausoleum hängen (Saher Suthriwala, Unsplash-Lizenz).

    #Evergreen #Facebook #Longread #MarkZuckerberg #Sommerserie #SozialeMedien

  4. Überraschung: Mark Zuckerberg ist nicht an allem Schuld

    Vor 15 Jahren verging keine Woche ohne ein neues Social-Media-Angebot. Das ging so weit, dass ich im Januar 2010 einen weinerlichen Blogpost veröffentlichte, man komme mit Testen kaum mehr hinterher. Ausserdem kolportierte ich die Falschmeldung, Facebook würde demnächst eine Abogebühr erheben: eine Lüge, die heute noch herumgereicht wird.

    Genau dieser Aspekt brachte mich ins Grübeln: Wie sähe die Welt der sozialen Medien aus, wenn das damals keine Ente gewesen wäre und Facebook eine Gebühr erhoben hätte? Wäre diese Plattform heute nicht in einem so desolaten Zustand, weil sich die zahlende Nutzerschaft mehr Verantwortungsbewusstsein aufgebracht hätte als die Horde der Freeloader, die sich heute aufführt wie die Axt im Wald?

    Die Rationalisten unter den Leserinnen werden jetzt «Hätte, hätte, Fahrradkätte!» schreien und darauf hinweisen, dass niemand das wissen könne. Das ist unbestreitbar richtig. Obendrein besteht die Gefahr, dass uns dieses kleine Gedankenexperiment traurig macht: Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass damals eine historische Chance vergeben wurde.

    Das schnelle Scheitern eines optimistischen Gedankenexperiments

    Doch nein. Diese Spekulation ist schon zu Ende, noch bevor wir gross anfangen, in Szenarien zu denken. Die Hoffnung auf eine harmonischere Social-Media-Welt – in der der Dialog der Anwenderinnen und Anwender der Existenzgrund der Plattform und nicht bloss das Werbeumfeld ist – platzt schon bei der ersten entscheidenden Frage.

    Sie lautet: Wäre Facebook mit Bezahlschranke ein Erfolg gewesen?

    Ich wüsste, welche Parloe ich hier hinsprayen würde (Snowscat, Unsplash-Lizenz).

    Der Massstab, den Mark Zuckerberg für den Erfolg anlegt, ist kein Geheimnis: Es handelt sich um eine Zahl, die den Umsatz in Dollars angibt. Das zugrunde liegende Rechenbeispiel können wir selbst anstellen: Der ARPU (average revenue per user bzw. der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer) beträgt für Facebook 49,63 US-Dollar. Das entspricht nicht ganz der präsupponierten Abogebühr von fünf Franken pro Monat, aber fast – nämlich 4,13 Dollar oder ungefähr 3.55 Franken.

    Es wäre nicht nur teuer, sondern auch langweilig

    Mit anderen Worten: Die Gesamtzahl der gut drei Milliarden aktiven Nutzerinnen und Nutzer müsste ein Abo abschliessen, damit für Meta unter dem Strich das gleiche Ergebnis wie mit der Werbefinanzierung herauskommt. Wenn wir umgekehrt rechnen und grosszügig annehmen, dass immerhin jeder zehnte User willens und in der Lage wäre, eine Abogebühr zu entrichten, wären für Facebook im Monat 35 Franken zu berappen.

    Gleichzeitig müssen wir annehmen, dass diese elitäre Version von Facebook dieses Geld nicht im Ansatz wert wäre. Natürlich würde ein Umgangston wie in einem britischen Gentlemen’s Club des 18. Jahrhunderts herrschen. Aber alle von uns, die ohne blaues Blut geboren wurden, würden sich zu Tode langweilen. Denn es wäre nur noch ein Zehntel unseres Freundeskreises anwesend – und nicht unbedingt das interessanteste Zehntel.

    Wir kommen zur Erkenntnis, dass bei den sozialen Medien zwei Faktoren in der gleichen Stossrichtung wirken. Ich nenne sie hier die zwei «digitalen Naturgesetze»:

    • Erstens die kühle kapitalistische Überschlagsrechnung:
      Für maximale Einnahmen ist grösstmögliche Reichweite gefragt.
    • Zweitens die Logik der sozialen Netzwerke:
      Sie erfordert minimale Einstiegshürden für eine möglichst breite Verankerung.

    Naturgesetze, grösser als Mark Zuckerberg

    Am Ende besteht die Ironie dieses Gedankenexperiments darin, dass es mich traurig stimmt, obwohl die Einsicht herrscht, dass keine historische Chance vergeben wurde. Mark Zuckerberg ist zwar ein besonders ausgeprägtes Exemplar eines Geld- und Machtmenschen. Wäre er das in weniger ausgeprägtem Sinn, wären sicherlich einige Dinge besser gelaufen: Es wäre bei Meta besser um den Jugendschutz bestellt, es würden weiterhin Faktenchecks betrieben und die Algorithmen wären nicht ganz so unerbittlich auf Krawall gebürstet. Aber Facebook wäre keinesfalls ein Social-Media-Idyll, umringt von einer hohen Paywall.

    Mit anderen Worten: Mark Zuckerberg ist zwar ein Bösewicht. Er ist egozentrisch, rücksichtslos und nimmt nicht einmal das Minimum an Verantwortung wahr. Aber er ist nicht schuld an der Misere. Es wäre ohne ihn genauso gekommen.

    Halten wir es in aller Deutlichkeit fest: Weder die Skrupellosigkeit der Konzerne noch die naive Verführbarkeit von uns Anwenderinnen und Anwendern durch Gratisangebote ist schuld daran, dass in den letzten 15 Jahren keine Social-Media-Plattform mit Bezahlmodell nur ansatzweise relevant wurde.

    Es gab sie schon, die Alternativen

    Es hat sie nämlich gegeben, die idealistischen Projekte: Ello, Vero, Steemit und vor allem App.net – wer erinnert sich noch? Auch die dezentralen Varianten mit Vertretern wie Diaspora und später dem Fediversum und Mastodon litten nicht an zu wenig Engagement. Ihr Handicap lag nicht daran, dass sie zu früh, zu spät, zu kompliziert oder zu nischig waren. Sie wurden in ihrer Entwicklung durch die beiden oben erwähnten digitalen «Naturgesetze» behindert.

    Wobei mir der Begriff nun doch nicht gefällt. Sprechen wir lieber von strukturell starken Entwicklungstendenzen, die in den Wirtschaftswissenschaften mit Konzepten wie economies of scale, Netzwerkeffekt und Pfadabhängigkeit beschrieben werden. Sie haben zur Folge, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Megaplattformen obsiegen, in denen wiederum die Enshittification voranschreitet.

    Warum haben wir das nicht gesehen? Mit «wir» meine ich die Journalistinnen und Beobachter, die diese Probleme nicht haben kommen sehen. Ich meine vor allem auch mich, weil ich mich – so beweist es mein eingangs erwähnter Blogpost – damals nicht ernsthaft mit der Finanzierung eines sozialen Netzwerks und den unvermeidlichen Konsequenzen beschäftigte. Facebooks ARPU war damals vermutlich nicht bekannt. Die ökonomischen Gesetze waren gleichwohl kein Geheimnis.

    Ein fataler Grundlagenirrtum

    Die Ursache lag in einem Fehlschluss: Viele von uns glaubten damals – und ich zähle mich explizit dazu –, dass die digitale und die reale Welt zwei so unterschiedliche Sphären bilden würden, dass die Gesetze der einen Sphäre in der anderen keine Gültigkeit hätten. Das Internet nahmen wir als Hort des Optimismus und des Gemeinsamkeitsgefühls wahr. Hier würden die Wirkkräfte der realen Welt nicht gelten.

    «Ein Glück, dass die Blase platzte», schrieb ich im Januar 2002: Ich war froh, dass die Dotcom-Euphorie an einem abrupten Ende angelangt war. Weil das Internet jetzt wieder viel mehr sein würde als ein riesiges Shoppingcenter. Das war der scheinbare Beweis dafür, dass das Netz den – ich verwende den Begriff trotzdem noch einmal – digitalen «Naturgesetzen» widerstehen kann.

    Den «Naturgesetzen» zum Trotz hätte es anders laufen können

    Mir geht erst heute überhaupt auf, wie tief dieser Irrtum verwurzelt war. Und wie doppelt fatal er wirkte: Einerseits führte er dazu, dass wir die Gefahren für unser digitales Idyll ignorierten. Andererseits verpassten wir grossartige Chancen. Hey, einer von uns hätte Facebook gründen können! Dieses soziale Netzwerk wäre heute dennoch ein schlimmer Moloch. Doch so desolat wie im Zuckerberg-Paralleluniversum wäre die Situation auf keinen Fall.

    Vielleicht hätten wir auf eine Organisationsform als Service public gesetzt? Wir hätten uns ernsthaft für ein adäquates Wettbewerbsrecht engagieren oder auf Interoperabilität beharren können. Unsereins wäre in der Lage gewesen, uns den Kopf über die digitale Grundversorgung oder über Data Commons zu zerbrechen. Oder wir hätten von Anfang an darauf drängen können, dass persönliche Daten als das betrachtet werden, was sie sind: als riesiges digitales Kapital, das klug investiert werden will!

    Beitragsbild: Diese Leuchtschrift wird dann in Marks Mausoleum hängen (Saher Suthriwala, Unsplash-Lizenz).

    #Evergreen #Facebook #Longread #Sommerserie #SozialeMedien

  5. Überraschung: Mark Zuckerberg ist nicht an allem Schuld

    Vor 15 Jahren verging keine Woche ohne ein neues Social-Media-Angebot. Das ging so weit, dass ich im Januar 2010 einen weinerlichen Blogpost veröffentlichte, man komme mit Testen kaum mehr hinterher. Ausserdem kolportierte ich die Falschmeldung, Facebook würde demnächst eine Abogebühr erheben: eine Lüge, die heute noch herumgereicht wird.

    Genau dieser Aspekt brachte mich ins Grübeln: Wie sähe die Welt der sozialen Medien aus, wenn das damals keine Ente gewesen wäre und Facebook eine Gebühr erhoben hätte? Wäre diese Plattform heute nicht in einem so desolaten Zustand, weil sich die zahlende Nutzerschaft mehr Verantwortungsbewusstsein aufgebracht hätte als die Horde der Freeloader, die sich heute aufführt wie die Axt im Wald?

    Die Rationalisten unter den Leserinnen werden jetzt «Hätte, hätte, Fahrradkätte!» schreien und darauf hinweisen, dass niemand das wissen könne. Das ist unbestreitbar richtig. Obendrein besteht die Gefahr, dass uns dieses kleine Gedankenexperiment traurig macht: Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass damals eine historische Chance vergeben wurde.

    Das schnelle Scheitern eines optimistischen Gedankenexperiments

    Doch nein. Diese Spekulation ist schon zu Ende, noch bevor wir gross anfangen, in Szenarien zu denken. Die Hoffnung auf eine harmonischere Social-Media-Welt – in der der Dialog der Anwenderinnen und Anwender der Existenzgrund der Plattform und nicht bloss das Werbeumfeld ist – platzt schon bei der ersten entscheidenden Frage.

    Sie lautet: Wäre Facebook mit Bezahlschranke ein Erfolg gewesen?

    Ich wüsste, welche Parloe ich hier hinsprayen würde (Snowscat, Unsplash-Lizenz).

    Der Massstab, den Mark Zuckerberg für den Erfolg anlegt, ist kein Geheimnis: Es handelt sich um eine Zahl, die den Umsatz in Dollars angibt. Das zugrunde liegende Rechenbeispiel können wir selbst anstellen: Der ARPU (average revenue per user bzw. der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer) beträgt für Facebook 49,63 US-Dollar. Das entspricht nicht ganz der präsupponierten Abogebühr von fünf Franken pro Monat, aber fast – nämlich 4,13 Dollar oder ungefähr 3.55 Franken.

    Es wäre nicht nur teuer, sondern auch langweilig

    Mit anderen Worten: Die Gesamtzahl der gut drei Milliarden aktiven Nutzerinnen und Nutzer müsste ein Abo abschliessen, damit für Meta unter dem Strich das gleiche Ergebnis wie mit der Werbefinanzierung herauskommt. Wenn wir umgekehrt rechnen und grosszügig annehmen, dass immerhin jeder zehnte User willens und in der Lage wäre, eine Abogebühr zu entrichten, wären für Facebook im Monat 35 Franken zu berappen.

    Gleichzeitig müssen wir annehmen, dass diese elitäre Version von Facebook dieses Geld nicht im Ansatz wert wäre. Natürlich würde ein Umgangston wie in einem britischen Gentlemen’s Club des 18. Jahrhunderts herrschen. Aber alle von uns, die ohne blaues Blut geboren wurden, würden sich zu Tode langweilen. Denn es wäre nur noch ein Zehntel unseres Freundeskreises anwesend – und nicht unbedingt das interessanteste Zehntel.

    Wir kommen zur Erkenntnis, dass bei den sozialen Medien zwei Faktoren in der gleichen Stossrichtung wirken. Ich nenne sie hier die zwei «digitalen Naturgesetze»:

    • Erstens die kühle kapitalistische Überschlagsrechnung:
      Für maximale Einnahmen ist grösstmögliche Reichweite gefragt.
    • Zweitens die Logik der sozialen Netzwerke:
      Sie erfordert minimale Einstiegshürden für eine möglichst breite Verankerung.

    Naturgesetze, grösser als Mark Zuckerberg

    Am Ende besteht die Ironie dieses Gedankenexperiments darin, dass es mich traurig stimmt, obwohl die Einsicht herrscht, dass keine historische Chance vergeben wurde. Mark Zuckerberg ist zwar ein besonders ausgeprägtes Exemplar eines Geld- und Machtmenschen. Wäre er das in weniger ausgeprägtem Sinn, wären sicherlich einige Dinge besser gelaufen: Es wäre bei Meta besser um den Jugendschutz bestellt, es würden weiterhin Faktenchecks betrieben und die Algorithmen wären nicht ganz so unerbittlich auf Krawall gebürstet. Aber Facebook wäre keinesfalls ein Social-Media-Idyll, umringt von einer hohen Paywall.

    Mit anderen Worten: Mark Zuckerberg ist zwar ein Bösewicht. Er ist egozentrisch, rücksichtslos und nimmt nicht einmal das Minimum an Verantwortung wahr. Aber er ist nicht schuld an der Misere. Es wäre ohne ihn genauso gekommen.

    Halten wir es in aller Deutlichkeit fest: Weder die Skrupellosigkeit der Konzerne noch die naive Verführbarkeit von uns Anwenderinnen und Anwendern durch Gratisangebote ist schuld daran, dass in den letzten 15 Jahren keine Social-Media-Plattform mit Bezahlmodell nur ansatzweise relevant wurde.

    Es gab sie schon, die Alternativen

    Es hat sie nämlich gegeben, die idealistischen Projekte: Ello, Vero, Steemit und vor allem App.net – wer erinnert sich noch? Auch die dezentralen Varianten mit Vertretern wie Diaspora und später dem Fediversum und Mastodon litten nicht an zu wenig Engagement. Ihr Handicap lag nicht daran, dass sie zu früh, zu spät, zu kompliziert oder zu nischig waren. Sie wurden in ihrer Entwicklung durch die beiden oben erwähnten digitalen «Naturgesetze» behindert.

    Wobei mir der Begriff nun doch nicht gefällt. Sprechen wir lieber von strukturell starken Entwicklungstendenzen, die in den Wirtschaftswissenschaften mit Konzepten wie economies of scale, Netzwerkeffekt und Pfadabhängigkeit beschrieben werden. Sie haben zur Folge, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Megaplattformen obsiegen, in denen wiederum die Enshittification voranschreitet.

    Warum haben wir das nicht gesehen? Mit «wir» meine ich die Journalistinnen und Beobachter, die diese Probleme nicht haben kommen sehen. Ich meine vor allem auch mich, weil ich mich – so beweist es mein eingangs erwähnter Blogpost – damals nicht ernsthaft mit der Finanzierung eines sozialen Netzwerks und den unvermeidlichen Konsequenzen beschäftigte. Facebooks ARPU war damals vermutlich nicht bekannt. Die ökonomischen Gesetze waren gleichwohl kein Geheimnis.

    Ein fataler Grundlagenirrtum

    Die Ursache lag in einem Fehlschluss: Viele von uns glaubten damals – und ich zähle mich explizit dazu –, dass die digitale und die reale Welt zwei so unterschiedliche Sphären bilden würden, dass die Gesetze der einen Sphäre in der anderen keine Gültigkeit hätten. Das Internet nahmen wir als Hort des Optimismus und des Gemeinsamkeitsgefühls wahr. Hier würden die Wirkkräfte der realen Welt nicht gelten.

    «Ein Glück, dass die Blase platzte», schrieb ich im Januar 2002: Ich war froh, dass die Dotcom-Euphorie an einem abrupten Ende angelangt war. Weil das Internet jetzt wieder viel mehr sein würde als ein riesiges Shoppingcenter. Das war der scheinbare Beweis dafür, dass das Netz den – ich verwende den Begriff trotzdem noch einmal – digitalen «Naturgesetzen» widerstehen kann.

    Den «Naturgesetzen» zum Trotz hätte es anders laufen können

    Mir geht erst heute überhaupt auf, wie tief dieser Irrtum verwurzelt war. Und wie doppelt fatal er wirkte: Einerseits führte er dazu, dass wir die Gefahren für unser digitales Idyll ignorierten. Andererseits verpassten wir grossartige Chancen. Hey, einer von uns hätte Facebook gründen können! Dieses soziale Netzwerk wäre heute dennoch ein schlimmer Moloch. Doch so desolat wie im Zuckerberg-Paralleluniversum wäre die Situation auf keinen Fall.

    Vielleicht hätten wir auf eine Organisationsform als Service public gesetzt? Wir hätten uns ernsthaft für ein adäquates Wettbewerbsrecht engagieren oder auf Interoperabilität beharren können. Unsereins wäre in der Lage gewesen, uns den Kopf über die digitale Grundversorgung oder über Data Commons zu zerbrechen. Oder wir hätten von Anfang an darauf drängen können, dass persönliche Daten als das betrachtet werden, was sie sind: als riesiges digitales Kapital, das klug investiert werden will!

    Beitragsbild: Diese Leuchtschrift wird dann in Marks Mausoleum hängen (Saher Suthriwala, Unsplash-Lizenz).

    #Evergreen #Facebook #Longread #Sommerserie #SozialeMedien

  6. Überraschung: Mark Zuckerberg ist nicht an allem Schuld

    Vor 15 Jahren verging keine Woche ohne ein neues Social-Media-Angebot. Das ging so weit, dass ich im Januar 2010 einen weinerlichen Blogpost veröffentlichte, man komme mit Testen kaum mehr hinterher. Ausserdem kolportierte ich die Falschmeldung, Facebook würde demnächst eine Abogebühr erheben: eine Lüge, die heute noch herumgereicht wird.

    Genau dieser Aspekt brachte mich ins Grübeln: Wie sähe die Welt der sozialen Medien aus, wenn das damals keine Ente gewesen wäre und Facebook eine Gebühr erhoben hätte? Wäre diese Plattform heute nicht in einem so desolaten Zustand, weil sich die zahlende Nutzerschaft mehr Verantwortungsbewusstsein aufgebaut hätte als die Horde der Freeloader, die sich heute aufführt wie die Axt im Wald?

    Die Rationalisten unter den Leserinnen werden jetzt «Hätte, hätte, Fahrradkätte!» schreien und darauf hinweisen, dass niemand das wissen könne. Das ist unbestreitbar richtig. Obendrein besteht die Gefahr, dass uns dieses kleine Gedankenexperiment traurig macht: Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass damals eine historische Chance vergeben wurde.

    Das schnelle Scheitern eines optimistischen Gedankenexperiments

    Doch nein. Diese Spekulation ist schon zu Ende, noch bevor wir gross anfangen, in Szenarien zu denken. Die Hoffnung auf eine harmonischere Social-Media-Welt – in der der Dialog der Anwenderinnen und Anwender der Existenzgrund der Plattform und nicht bloss das Werbeumfeld ist – platzt schon bei der ersten entscheidenden Frage.

    Sie lautet: Wäre Facebook mit Bezahlschranke ein Erfolg gewesen?

    Ich wüsste, welche Parloe ich hier hinsprayen würde (Snowscat, Unsplash-Lizenz).

    Der Massstab, den Mark Zuckerberg für den Erfolg anlegt, ist kein Geheimnis: Es handelt sich um eine Zahl, die den Umsatz in Dollars angibt. Das zugrunde liegende Rechenbeispiel können wir selbst anstellen: Der ARPU (average revenue per user bzw. der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer und Jahr) beträgt für Facebook 49,63 US-Dollar. Das entspricht nicht ganz der präsupponierten Abogebühr von fünf Franken pro Monat, aber fast – nämlich 4,13 Dollar oder ungefähr 3.55 Franken.

    Es wäre nicht nur teuer, sondern auch langweilig

    Mit anderen Worten: Die Gesamtzahl der gut drei Milliarden aktiven Nutzerinnen und Nutzer müsste ein Abo abschliessen, damit für Meta unter dem Strich das gleiche Ergebnis wie mit der Werbefinanzierung herauskommt. Wenn wir umgekehrt rechnen und grosszügig annehmen, dass immerhin jeder zehnte User willens und in der Lage wäre, eine Abogebühr zu entrichten, wären für Facebook im Monat 35 Franken zu berappen.

    Gleichzeitig müssen wir annehmen, dass diese elitäre Version von Facebook dieses Geld nicht im Ansatz wert wäre. Natürlich würde ein Umgangston wie in einem britischen Gentlemen’s Club des 18. Jahrhunderts herrschen. Aber alle von uns, die ohne blaues Blut geboren wurden, würden sich zu Tode langweilen. Denn es wäre nur noch ein Zehntel unseres Freundeskreises anwesend – und nicht unbedingt das interessanteste Zehntel.

    Wir kommen zur Erkenntnis, dass bei den sozialen Medien zwei Faktoren in der gleichen Stossrichtung wirken. Ich nenne sie hier die zwei «digitalen Naturgesetze»:

    • Erstens die kühle kapitalistische Überschlagsrechnung:
      Für maximale Einnahmen ist grösstmögliche Reichweite gefragt.
    • Zweitens die Logik der sozialen Netzwerke:
      Sie erfordert minimale Einstiegshürden für eine möglichst breite Verankerung.

    Naturgesetze, grösser als Mark Zuckerberg

    Am Ende besteht die Ironie dieses Gedankenexperiments darin, dass es mich traurig stimmt, obwohl die Einsicht herrscht, dass keine historische Chance vergeben wurde. Mark Zuckerberg ist zwar ein besonders ausgeprägtes Exemplar eines Geld- und Machtmenschen. Wäre er das in weniger ausgeprägtem Sinn, wären sicherlich einige Dinge besser gelaufen: Es wäre bei Meta besser um den Jugendschutz bestellt, es würden weiterhin Faktenchecks betrieben und die Algorithmen wären nicht ganz so unerbittlich auf Krawall gebürstet. Aber Facebook wäre keinesfalls ein Social-Media-Idyll, umringt von einer hohen Paywall.

    Mit anderen Worten: Mark Zuckerberg ist zwar ein Bösewicht. Er ist egozentrisch, rücksichtslos und nimmt nicht einmal das Minimum an Verantwortung wahr. Aber er ist nicht schuld an der Misere. Es wäre ohne ihn fast genauso gekommen.

    Halten wir es in aller Deutlichkeit fest: Weder die Skrupellosigkeit der Konzerne noch die naive Verführbarkeit von uns Anwenderinnen und Anwendern durch Gratisangebote ist schuld daran, dass in den letzten 15 Jahren keine Social-Media-Plattform mit Bezahlmodell nur ansatzweise relevant wurde.

    Es gab sie schon, die Alternativen

    Es hat sie nämlich gegeben, die idealistischen Projekte: Ello, Vero, Steemit und vor allem App.net – wer erinnert sich noch? Auch die dezentralen Varianten mit Vertretern wie Diaspora und später dem Fediversum und Mastodon litten nicht an zu wenig Engagement. Ihr Handicap lag nicht daran, dass sie zu früh, zu spät, zu kompliziert oder zu nischig waren. Sie wurden in ihrer Entwicklung durch die beiden oben erwähnten digitalen «Naturgesetze» behindert.

    Wobei mir der Begriff nun doch nicht gefällt. Sprechen wir lieber von strukturell starken Entwicklungstendenzen, die in den Wirtschaftswissenschaften mit Konzepten wie economies of scale, Netzwerkeffekt und Pfadabhängigkeit beschrieben werden. Sie haben zur Folge, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Megaplattformen obsiegen, in denen wiederum die Enshittification voranschreitet.

    Warum haben wir das nicht gesehen? Mit «wir» meine ich die Journalistinnen und Beobachter, die diese Probleme nicht haben kommen sehen. Ich meine vor allem auch mich, weil ich mich – so beweist es mein eingangs erwähnter Blogpost – damals nicht ernsthaft mit der Finanzierung eines sozialen Netzwerks und den unvermeidlichen Konsequenzen beschäftigte. Facebooks ARPU war damals vermutlich nicht bekannt. Die ökonomischen Gesetze waren gleichwohl kein Geheimnis.

    Ein fataler Grundlagenirrtum

    Die Ursache lag in einem Fehlschluss: Viele von uns glaubten damals – und ich zähle mich explizit dazu –, dass die digitale und die reale Welt zwei so unterschiedliche, getrennte Sphären bilden würden, dass die Gesetze der einen Sphäre in der anderen keine Gültigkeit hätten. Das Internet nahmen wir als Hort des Optimismus und des Gemeinsamkeitsgefühls wahr. Hier würden die Wirkkräfte der realen Welt nicht gelten.

    «Ein Glück, dass die Blase platzte», schrieb ich im Januar 2002: Ich war froh, dass die Dotcom-Euphorie an einem abrupten Ende angelangt war. Weil das Internet jetzt wieder viel mehr sein würde als ein riesiges Shoppingcenter. Das war der scheinbare Beweis dafür, dass das Netz den – ich verwende den Begriff trotzdem noch einmal – digitalen «Naturgesetzen» widerstehen kann.

    Den «Naturgesetzen» zum Trotz hätte es anders laufen können

    Mir geht erst heute überhaupt auf, wie tief dieser Irrtum verwurzelt war. Und wie doppelt fatal er wirkte: Einerseits führte er dazu, dass wir die Gefahren für unser digitales Idyll ignorierten. Andererseits verpassten wir grossartige Chancen. Hey, einer von uns hätte Facebook gründen können! Dieses soziale Netzwerk wäre heute dennoch ein schlimmer Moloch. Doch so desolat wie im Zuckerberg-Paralleluniversum wäre die Situation auf keinen Fall.

    Vielleicht hätten wir auf eine Organisationsform als Service public gesetzt? Wir hätten uns ernsthaft für ein adäquates Wettbewerbsrecht engagieren oder auf Interoperabilität beharren können. Unsereins wäre in der Lage gewesen, uns den Kopf über die digitale Grundversorgung oder über Data Commons zu zerbrechen. Und vielleicht hätten wir es entgegen allen hier wohl begründetet Widrigkeiten geschafft, damit erfolgreicher zu sein als die gescheiterten Facebook-Konkurrenten – ihr seht, ein bisschen des alten Idealismus hat sich bei mir gehalten.

    Oder – und das hätte wirklich klappen können! – wir hätten von Anfang an darauf drängen können, dass persönliche Daten als das betrachtet werden, was sie sind: als riesiges digitales Kapital, das klug investiert werden will!

    Beitragsbild: Diese Leuchtschrift wird dann in Marks Mausoleum hängen (Saher Suthriwala, Unsplash-Lizenz).

    #Evergreen #Facebook #Longread #MarkZuckerberg #Sommerserie #SozialeMedien

  7. Überraschung: Mark Zuckerberg ist nicht an allem Schuld

    Vor 15 Jahren verging keine Woche ohne ein neues Social-Media-Angebot. Das ging so weit, dass ich im Januar 2010 einen weinerlichen Blogpost veröffentlichte, man komme mit Testen kaum mehr hinterher. Ausserdem kolportierte ich die Falschmeldung, Facebook würde demnächst eine Abogebühr erheben: eine Lüge, die heute noch herumgereicht wird.

    Genau dieser Aspekt brachte mich ins Grübeln: Wie sähe die Welt der sozialen Medien aus, wenn das damals keine Ente gewesen wäre und Facebook eine Gebühr erhoben hätte? Wäre diese Plattform heute nicht in einem so desolaten Zustand, weil sich die zahlende Nutzerschaft mehr Verantwortungsbewusstsein aufgebracht hätte als die Horde der Freeloader, die sich heute aufführt wie die Axt im Wald?

    Die Rationalisten unter den Leserinnen werden jetzt «Hätte, hätte, Fahrradkätte!» schreien und darauf hinweisen, dass niemand das wissen könne. Das ist unbestreitbar richtig. Obendrein besteht die Gefahr, dass uns dieses kleine Gedankenexperiment traurig macht: Die Wahrscheinlichkeit besteht, dass damals eine historische Chance vergeben wurde.

    Das schnelle Scheitern eines optimistischen Gedankenexperiments

    Doch nein. Diese Spekulation ist schon zu Ende, noch bevor wir gross anfangen, in Szenarien zu denken. Die Hoffnung auf eine harmonischere Social-Media-Welt – in der der Dialog der Anwenderinnen und Anwender der Existenzgrund der Plattform und nicht bloss das Werbeumfeld ist – platzt schon bei der ersten entscheidenden Frage.

    Sie lautet: Wäre Facebook mit Bezahlschranke ein Erfolg gewesen?

    Ich wüsste, welche Parloe ich hier hinsprayen würde (Snowscat, Unsplash-Lizenz).

    Der Massstab, den Mark Zuckerberg für den Erfolg anlegt, ist kein Geheimnis: Es handelt sich um eine Zahl, die den Umsatz in Dollars angibt. Das zugrunde liegende Rechenbeispiel können wir selbst anstellen: Der ARPU (average revenue per user bzw. der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer) beträgt für Facebook 49,63 US-Dollar. Das entspricht nicht ganz der präsupponierten Abogebühr von fünf Franken pro Monat, aber fast – nämlich 4,13 Dollar oder ungefähr 3.55 Franken.

    Es wäre nicht nur teuer, sondern auch langweilig

    Mit anderen Worten: Die Gesamtzahl der gut drei Milliarden aktiven Nutzerinnen und Nutzer müsste ein Abo abschliessen, damit für Meta unter dem Strich das gleiche Ergebnis wie mit der Werbefinanzierung herauskommt. Wenn wir umgekehrt rechnen und grosszügig annehmen, dass immerhin jeder zehnte User willens und in der Lage wäre, eine Abogebühr zu entrichten, wären für Facebook im Monat 35 Franken zu berappen.

    Gleichzeitig müssen wir annehmen, dass diese elitäre Version von Facebook dieses Geld nicht im Ansatz wert wäre. Natürlich würde ein Umgangston wie in einem britischen Gentlemen’s Club des 18. Jahrhunderts herrschen. Aber alle von uns, die ohne blaues Blut geboren wurden, würden sich zu Tode langweilen. Denn es wäre nur noch ein Zehntel unseres Freundeskreises anwesend – und nicht unbedingt das interessanteste Zehntel.

    Wir kommen zur Erkenntnis, dass bei den sozialen Medien zwei Faktoren in der gleichen Stossrichtung wirken. Ich nenne sie hier die zwei «digitalen Naturgesetze»:

    • Erstens die kühle kapitalistische Überschlagsrechnung:
      Für maximale Einnahmen ist grösstmögliche Reichweite gefragt.
    • Zweitens die Logik der sozialen Netzwerke:
      Sie erfordert minimale Einstiegshürden für eine möglichst breite Verankerung.

    Naturgesetze, grösser als Mark Zuckerberg

    Am Ende besteht die Ironie dieses Gedankenexperiments darin, dass es mich traurig stimmt, obwohl die Einsicht herrscht, dass keine historische Chance vergeben wurde. Mark Zuckerberg ist zwar ein besonders ausgeprägtes Exemplar eines Geld- und Machtmenschen. Wäre er das in weniger ausgeprägtem Sinn, wären sicherlich einige Dinge besser gelaufen: Es wäre bei Meta besser um den Jugendschutz bestellt, es würden weiterhin Faktenchecks betrieben und die Algorithmen wären nicht ganz so unerbittlich auf Krawall gebürstet. Aber Facebook wäre keinesfalls ein Social-Media-Idyll, umringt von einer hohen Paywall.

    Mit anderen Worten: Mark Zuckerberg ist zwar ein Bösewicht. Er ist egozentrisch, rücksichtslos und nimmt nicht einmal das Minimum an Verantwortung wahr. Aber er ist nicht schuld an der Misere. Es wäre ohne ihn genauso gekommen.

    Halten wir es in aller Deutlichkeit fest: Weder die Skrupellosigkeit der Konzerne noch die naive Verführbarkeit von uns Anwenderinnen und Anwendern durch Gratisangebote ist schuld daran, dass in den letzten 15 Jahren keine Social-Media-Plattform mit Bezahlmodell nur ansatzweise relevant wurde.

    Es gab sie schon, die Alternativen

    Es hat sie nämlich gegeben, die idealistischen Projekte: Ello, Vero, Steemit und vor allem App.net – wer erinnert sich noch? Auch die dezentralen Varianten mit Vertretern wie Diaspora und später dem Fediversum und Mastodon litten nicht an zu wenig Engagement. Ihr Handicap lag nicht daran, dass sie zu früh, zu spät, zu kompliziert oder zu nischig waren. Sie wurden in ihrer Entwicklung durch die beiden oben erwähnten digitalen «Naturgesetze» behindert.

    Wobei mir der Begriff nun doch nicht gefällt. Sprechen wir lieber von strukturell starken Entwicklungstendenzen, die in den Wirtschaftswissenschaften mit Konzepten wie economies of scale, Netzwerkeffekt und Pfadabhängigkeit beschrieben werden. Sie haben zur Folge, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit die Megaplattformen obsiegen, in denen wiederum die Enshittification voranschreitet.

    Warum haben wir das nicht gesehen? Mit «wir» meine ich die Journalistinnen und Beobachter, die diese Probleme nicht haben kommen sehen. Ich meine vor allem auch mich, weil ich mich – so beweist es mein eingangs erwähnter Blogpost – damals nicht ernsthaft mit der Finanzierung eines sozialen Netzwerks und den unvermeidlichen Konsequenzen beschäftigte. Facebooks ARPU war damals vermutlich nicht bekannt. Die ökonomischen Gesetze waren gleichwohl kein Geheimnis.

    Ein fataler Grundlagenirrtum

    Die Ursache lag in einem Fehlschluss: Viele von uns glaubten damals – und ich zähle mich explizit dazu –, dass die digitale und die reale Welt zwei so unterschiedliche Sphären bilden würden, dass die Gesetze der einen Sphäre in der anderen keine Gültigkeit hätten. Das Internet nahmen wir als Hort des Optimismus und des Gemeinsamkeitsgefühls wahr. Hier würden die Wirkkräfte der realen Welt nicht gelten.

    «Ein Glück, dass die Blase platzte», schrieb ich im Januar 2002: Ich war froh, dass die Dotcom-Euphorie an einem abrupten Ende angelangt war. Weil das Internet jetzt wieder viel mehr sein würde als ein riesiges Shoppingcenter. Das war der scheinbare Beweis dafür, dass das Netz den – ich verwende den Begriff trotzdem noch einmal – digitalen «Naturgesetzen» widerstehen kann.

    Den «Naturgesetzen» zum Trotz hätte es anders laufen können

    Mir geht erst heute überhaupt auf, wie tief dieser Irrtum verwurzelt war. Und wie doppelt fatal er wirkte: Einerseits führte er dazu, dass wir die Gefahren für unser digitales Idyll ignorierten. Andererseits verpassten wir grossartige Chancen. Hey, einer von uns hätte Facebook gründen können! Dieses soziale Netzwerk wäre heute dennoch ein schlimmer Moloch. Doch so desolat wie im Zuckerberg-Paralleluniversum wäre die Situation auf keinen Fall.

    Vielleicht hätten wir auf eine Organisationsform als Service public gesetzt? Wir hätten uns ernsthaft für ein adäquates Wettbewerbsrecht engagieren oder auf Interoperabilität beharren können. Unsereins wäre in der Lage gewesen, uns den Kopf über die digitale Grundversorgung oder über Data Commons zu zerbrechen. Oder wir hätten von Anfang an darauf drängen können, dass persönliche Daten als das betrachtet werden, was sie sind: als riesiges digitales Kapital, das klug investiert werden will!

    Beitragsbild: Diese Leuchtschrift wird dann in Marks Mausoleum hängen (Saher Suthriwala, Unsplash-Lizenz).

    #Evergreen #Facebook #Longread #Sommerserie #SozialeMedien

  8. Eigentlich müsste das Smartphone längst Vergangenheit sein

    Juhuu, die Sommerserie ist zurück! (Und ja, mir ist klar, das ich etwas spät dran bin.) In dieser Reihe behandle ich – mit der maximalen Entspanntheit eines auf einer Luftmatratze im Pool dümpelnden Medienkritikers – meine eigenen (Fehl-)Leistungen der Vergangenheit. Heute ein Post aus diesem Blog vom 5. März 2019: «Das Smartphone hat noch fünf Jahre», behauptete ich damals.

    Wenn ich damit recht gehabt hätte, dann würde niemand diesen Blogpost hier auf einem Smartphone lesen. Sondern – und jetzt werdet ihr vermutlich einen Lacher nicht unterdrücken können – via VR-Brille.

    Ja, genau! Ich behauptete in der Tat, die virtual (oder meinetwegen auch die augmented) reality würde das Smartphone seit einem Jahr ersetzt haben. Apple würde gut daran tun, mit viel Aufwand an so einer Brille zu forschen, stellte ich als Forderung in den Raum.

    Erstens kommt es anders …

    Nun, interessanterweise traf diese zweite Aussage ins Schwarze. Diese Brille ist inzwischen Realität. Sie heisst Apple Vision Pro und kam am 2. Februar 2024 auf den Markt. Es ist naheliegend, dass das Projekt 2019 bereits im Schwange war.

    2019 war meine Erwartung natürlich nicht, dass diese Brille 3500 Franken kosten würde. Ich sah auch nicht voraus, wie umständlich sie zu tragen sein würde. Ich stand noch unter dem Eindruck der Vaunt: Das war ein Forschungsprojekt von Intel, das mich 2018 hoffen liess, mein Nasenfahrrad würde bald nicht mehr nur Sehhilfe, sondern auch Informationsvermittler sein. Denn diese Entwicklung war kein klobiger Helm, sondern ein Gestell, kaum dicker und schwerer als das, das wir heute beim Optiker kaufen. Die Vaunt bot zwar kein immersives Erlebnis, konnte aber Informationen direkt ins Sichtfeld einblenden. Daraus hätte sich über die Zeit eine Art externer, auf der Nase zu tragender Monitor fürs Smartphone entwickeln können. Mutmasslich hätte er selbiges nicht überflüssig gemacht. Aber die Folge wäre sicherlich gewesen, dass wir das iPhone oder Android-Telefon viel seltener aus der Tasche ziehen.

    Intel hat den Schwanz zu früh eingezogen

    Nun ist leider nichts daraus geworden. Das hätte ich 2019 bereits wissen können, habe entsprechende Meldungen aber überlesen. Intel fand damals keine Partner für Herstellung und keine Investoren und trennte sich von der Wearables-Sparte. Es habe die «Marktdynamik» gefehlt und eine Skepsis gegenüber den Smart Glasses geherrscht.

    Erstaunlicherweise ist der Normalfall bei unseren Velotouren.

    Lag ich damals daneben oder hat man eine Chance verpasst? Natürlich ist die Frage müssig, aber ihr nehmt es mir hoffentlich nicht übel, wenn ich behaupte, dass Intel den Schwanz zu früh eingezogen hat. Ohne Zweifel liegt die Latte für eine tolle vernetzte Brille hoch. Es ist technisch eine Herausforderung, und viele Leute äussern grundsätzliche Bedenken. Aber es gäbe auch einiges zu gewinnen. Es wäre vielleicht sogar eine Befreiung, wenn wir nicht mehr so oft aufs Handydisplay starren würden, ohne Angst, etwas zu verpassen. Oder es wäre der nächste, fatale Schritt zum Cyborg.

    Nach 18 Jahren darf die Bewährungsprobe als bestanden gelten

    Was die Prognosen angeht, wage ich mich nicht auf die Äste hinaus, wenn ich prognostiziere, dass das Smartphone auch 2031 noch ein Ding sein wird. Es hat in den letzten fünf Jahren nicht nur der smarten Brille widerstanden, sondern auch KI-Gadgets wie dem AI-Pin von Humane und dem Rabbit r1. Es schleckt keine Geiss weg, dass Smartphones und Touch-Bedienung hervorragend für eine Unzahl an Anwendungsfällen geeignet sind. Die Vormachtstellung wird dieses Dream-Team erst ein Gadget mit drahtloser neuronaler Schnittstelle verlieren. Und wenn das da ist, wird die VR-Brille nur ein unbedeutendes Zwischengeplänkel gewesen sein.

    Beitragsbild: Das iPhone 3G (579C-A1303B) von 2008 war das zweite von Apples Smartphones – an dem mein Herz noch immer hängt (Jonas Vandermeiren, Unsplash-Lizenz).

    #Sommerserie #VisionPro

  9. Eigentlich müsste das Smartphone längst Vergangenheit sein

    Juhuu, die Sommerserie ist zurück! (Und ja, mir ist klar, das ich etwas spät dran bin.) In dieser Reihe behandle ich – mit der maximalen Entspanntheit eines auf einer Luftmatratze im Pool dümpelnden Medienkritikers – meine eigenen (Fehl-)Leistungen der Vergangenheit. Heute ein Post aus diesem Blog vom 5. März 2019: «Das Smartphone hat noch fünf Jahre», behauptete ich damals.

    Wenn ich damit recht gehabt hätte, dann würde niemand diesen Blogpost hier auf einem Smartphone lesen. Sondern – und jetzt werdet ihr vermutlich einen Lacher nicht unterdrücken können – via VR-Brille.

    Ja, genau! Ich behauptete in der Tat, die virtual (oder meinetwegen auch die augmented) reality würde das Smartphone seit einem Jahr ersetzt haben. Apple würde gut daran tun, mit viel Aufwand an so einer Brille zu forschen, stellte ich als Forderung in den Raum.

    Erstens kommt es anders …

    Nun, interessanterweise traf diese zweite Aussage ins Schwarze. Diese Brille ist inzwischen Realität. Sie heisst Apple Vision Pro und kam am 2. Februar 2024 auf den Markt. Es ist naheliegend, dass das Projekt 2019 bereits im Schwange war.

    2019 war meine Erwartung natürlich nicht, dass diese Brille 3500 Franken kosten würde. Ich sah auch nicht voraus, wie umständlich sie zu tragen sein würde. Ich stand noch unter dem Eindruck der Vaunt: Das war ein Forschungsprojekt von Intel, das mich 2018 hoffen liess, mein Nasenfahrrad würde bald nicht mehr nur Sehhilfe, sondern auch Informationsvermittler sein. Denn diese Entwicklung war kein klobiger Helm, sondern ein Gestell, kaum dicker und schwerer als das, das wir heute beim Optiker kaufen. Die Vaunt bot zwar kein immersives Erlebnis, konnte aber Informationen direkt ins Sichtfeld einblenden. Daraus hätte sich über die Zeit eine Art externer, auf der Nase zu tragender Monitor fürs Smartphone entwickeln können. Mutmasslich hätte er selbiges nicht überflüssig gemacht. Aber die Folge wäre sicherlich gewesen, dass wir das iPhone oder Android-Telefon viel seltener aus der Tasche ziehen.

    Intel hat den Schwanz zu früh eingezogen

    Nun ist leider nichts daraus geworden. Das hätte ich 2019 bereits wissen können, habe entsprechende Meldungen aber überlesen. Intel fand damals keine Partner für Herstellung und keine Investoren und trennte sich von der Wearables-Sparte. Es habe die «Marktdynamik» gefehlt und eine Skepsis gegenüber den Smart Glasses geherrscht.

    Erstaunlicherweise ist der Normalfall bei unseren Velotouren.

    Lag ich damals daneben oder hat man eine Chance verpasst? Natürlich ist die Frage müssig, aber ihr nehmt es mir hoffentlich nicht übel, wenn ich behaupte, dass Intel den Schwanz zu früh eingezogen hat. Ohne Zweifel liegt die Latte für eine tolle vernetzte Brille hoch. Es ist technisch eine Herausforderung, und viele Leute äussern grundsätzliche Bedenken. Aber es gäbe auch einiges zu gewinnen. Es wäre vielleicht sogar eine Befreiung, wenn wir nicht mehr so oft aufs Handydisplay starren würden, ohne Angst, etwas zu verpassen. Oder es wäre der nächste, fatale Schritt zum Cyborg.

    Nach 18 Jahren darf die Bewährungsprobe als bestanden gelten

    Was die Prognosen angeht, wage ich mich nicht auf die Äste hinaus, wenn ich prognostiziere, dass das Smartphone auch 2031 noch ein Ding sein wird. Es hat in den letzten fünf Jahren nicht nur der smarten Brille widerstanden, sondern auch KI-Gadgets wie dem AI-Pin von Humane und dem Rabbit r1. Es schleckt keine Geiss weg, dass Smartphones und Touch-Bedienung hervorragend für eine Unzahl an Anwendungsfällen geeignet sind. Die Vormachtstellung wird dieses Dream-Team erst ein Gadget mit drahtloser neuronaler Schnittstelle verlieren. Und wenn das da ist, wird die VR-Brille nur ein unbedeutendes Zwischengeplänkel gewesen sein.

    Beitragsbild: Das iPhone 3G (579C-A1303B) von 2008 war das zweite von Apples Smartphones – an dem mein Herz noch immer hängt (Jonas Vandermeiren, Unsplash-Lizenz).

    #Sommerserie #VisionPro

  10. Sommer auf den Fildern: Wo gibt es Brunnen – und aus welchen kann man trinken?

    Ein Mann trinkt an einem Trinkbrunnen. Foto: Markus Lenhardt/dpa In Leinfelden-Echterdingen gibt es seit Mai den ersten öffentlichen Trinkbrunnen…
    #Stuttgart #Deutschland #Deutsch #DE #Schlagzeilen #Headlines #Nachrichten #News #Europe #Europa #EU #Baden-Württemberg #Esslingen #Germany #Hitze #Klimawandel #LandkreisEsslingen #Sommerserie #Trinkbrunnen #Wasser
    europesays.com/de/332175/

  11. Der Knoten in den Akten. Eine Fort­s­et­zungs­ge­schich­te der etwas anderen Art (Teil 9). Das Ende der Sommerserie. Heute: Wie sich alles auflöste …#Kriminalroman #Parodie #Sommerserie #Wahrheit
    Die Wahrheit: Die Gottheit und die Gnoten
  12. Der Knoten in den Akten. Eine Fort­s­et­zungs­ge­schich­te der etwas anderen Art (Teil 9). Das Ende der Sommerserie. Heute: Wie sich alles auflöste …#Kriminalroman #Parodie #Sommerserie #Wahrheit
    Die Wahrheit: Die Gottheit und die Gnoten
  13. Der Knoten in den Akten. Eine Fort­s­et­zungs­ge­schich­te der etwas anderen Art (Teil 9). Das Ende der Sommerserie. Heute: Wie sich alles auflöste …#Kriminalroman #Parodie #Sommerserie #Wahrheit
    Die Wahrheit: Die Gottheit und die Gnoten
  14. Der Knoten in den Akten. Eine Fort­s­et­zungs­ge­schich­te der etwas anderen Art (Teil 7). Heute: Wie sich die Lage rasant verschärfte …#Kriminalroman #Parodie #Sommerserie #Wahrheit
    Die Wahrheit: Der Großknöterich und das Geheimnis
  15. Der Knoten in den Akten. Eine Fort­s­et­zungs­ge­schich­te der etwas anderen Art (Teil 7). Heute: Wie sich die Lage rasant verschärfte …#Kriminalroman #Parodie #Sommerserie #Wahrheit
    Die Wahrheit: Der Großknöterich und das Geheimnis
  16. Der Knoten in den Akten. Eine Fort­s­et­zungs­ge­schich­te der etwas anderen Art (Teil 7). Heute: Wie sich die Lage rasant verschärfte …#Kriminalroman #Parodie #Sommerserie #Wahrheit
    Die Wahrheit: Der Großknöterich und das Geheimnis
  17. Heute ergibt sich für mich die schöne Gelegenheit, mir selbst ausgiebig auf die Schulter zu klopfen. In meiner Sommerserie geht es mir darum abzuklären, wie gut ausgesuchte Artikel den Test der Zeit bestanden haben. Jetzt gilt es zu vermelden, dass eine vor 23 Jahren abgegebene Prognose voll ins Schwarze getroffen hat.

    Es ging im Artikel vom Montag, 25. Juni 2001 um die Rivalität zwischen Film- und Spielindustrie:

    Überschätzte Lara Croft

    Damals hatte der Film Lara Croft: Tomb Raider Premiere. Das war zwar längst nicht der erste Film, der auf einem Computergame basierte – diese Ehre gebührt gemäss dieser Wikipedia-Liste dem Streifen Super Mario Bros. von 1993, der ein riesenhafter Flop war.

    Doomsday für Hollywood wegen Lara Croft

    Lara Croft bewies an der Kinokasse mehr Sex-Appeal als Mario und Luigi. Sie war auch Leuten ein Begriff, die selbst keine Videospieler waren. Ausserdem verkörperte Angelina Jolie im Film die Fleischwerdung einer Pixelfantasie auf so ikonische Weise, dass man sich schon fragen konnte, ob Hollywood sich demnächst würde unterbuttern lassen müssen. Im Artikel zitiere ich eine Prognose, zu der ich leider heute keine Quelle mehr finde. Aber die Behauptung lautete, Hollywood würde bald nur noch mit staatlichen Subventionen überleben, weil die interaktiven Games einfach attraktiver seien als linear ablaufende Filme. Die Aufmerksamkeit würde sich daher dauerhaft zuungunsten der Studios verschieben.

    Ein Indiz waren damals die Umsatzzahlen. Ich schreibe im Artikel, im Jahr 2000 habe die Gameindustrie den Film bei den Einnahmen überholt. Auch diese Angabe wollte ich überprüfen, mit einem erstaunlichen Resultat. Zu der Frage, wann diese Entthronung stattgefunden haben könnte, werden diverse Jahreszahlen herumgeboten. ChatGPT sagt, das sei 2005 passiert. Wikipedia setzt dieses Ereignis viel früher an:

    Im Jahr 1982 erreichte die Arcade-Videospielindustrie ihren Höhepunkt mit einem Umsatz von acht Milliarden Dollar und übertraf damit die jährlichen Bruttoeinnahmen von Popmusik (vier Milliarden Dollar) und Hollywood-Filmen (drei Milliarden Dollar) zusammen.

    Rechnen, wie es einem gefällt

    Die Diskrepanz rührt daher, dass sich sehr unterschiedliche Zahlen vergleichen lassen. Auf Linkedin habe ich eine Analyse gefunden, die besagt, der Film sei bis heute deutlich umsatzstärker als das Game – wenn man nicht bloss die Einnahmen an der Kinokasse berücksichtigt:

    Für einen fairen Vergleich müssen Hollywood und die gesamte Filmindustrie jedoch alle Einnahmeströme einbeziehen, die das gesamte Vertriebsfenster abdecken, vom Kino bis zum Free-TV und Streaming.

    Unter dieser Voraussetzung fällt der Vergleich wie folgt aus:

    Nach dem 2021 Movie Industry report belief sich das Volumen der weltweiten Filmindustrie im Jahr 2021 auf 328 Milliarden Dollar, einschliesslich Kinofilmen, digitalen Filmen und Pay-TV, aber ohne Free-TV-Rechte. (…) Nach einer vorsichtigen Schätzung erwirtschaftet die gesamte Branche Gesamteinnahmen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Newzoo schätzt den Markt für Videospiele im Jahr 2021 auf 180 Milliarden US-Dollar weltweit.

    Mit anderen Worten: Wir könnten dem Versuch der Gameindustrie aufgesessen sein, sich wichtig zu machen.

    Unter dem Strich war die wirtschaftliche Betrachtung damals zu oberflächlich und die Schlussfolgerung zu sehr von Sensationsgier getrieben. Die Journalistinnen und Journalisten, die Hollywood damals schon aufgaben, haben das Rieplsche Gesetz übersehen: Es besagt, dass kein Medium ein anderes vollständig verdrängt: das Radio nicht die Zeitung, das Fernsehen nicht das Radio, das Streaming nicht das Kino und das Game nicht das Fernsehen. Und wie ich im Artikel erläutere, ist der Anspruch bei einem interaktiven Medientitel ein anderer als bei einem, der keine aktive Beteiligung und Engagement des Publikums erfordert. Wer sich passiv entspannen will, ist froh, wenn Lara Croft den Job ganz allein erledigt.

    Es bleibt, wie es war

    Darum halte ich die Prognose an dieser Stelle aufrecht: Es bleibt beim Nebeneinander, bei dem Film und Fernsehen ihre Rolle verteidigen – gleichgültig, wie im Detail sich das Verhältnis beim Umsatz verändert.

    Abgesehen davon erlaubt das Beispiel Lara Croft auch die gegenteilige Interpretation. In dieser Sichtweise werden Film und Game nicht als Antipoden wahrgenommen, sondern als Teil einer ganzen Unterhaltungsindustrie, bei der die Grenzen verschwimmen. Bei den transmedialen Inhalten greifen Filme und Games, aber auch Bücher, Podcasts oder Soundtrack ineinander. Eine traumhafte Ausgangslage fürs Marketing und für den Umsatz: Es würde der kapitalistischen Logik widersprechen, nicht alle diese Kanäle zu bewirtschaften.

    Beitragsbild: Wo die Butter hingehört – aufs Popcorn (John Booth, Pexels-Lizenz).

    https://blog.clickomania.ch/2024/08/22/gameindustrie-verdraengt-filmindustrie/

    #Medienschelte #Sommerserie

  18. Heute ergibt sich für mich die schöne Gelegenheit, mir selbst ausgiebig auf die Schulter zu klopfen. In meiner Sommerserie geht es mir darum abzuklären, wie gut ausgesuchte Artikel den Test der Zeit bestanden haben. Jetzt gilt es zu vermelden, dass eine vor 23 Jahren abgegebene Prognose voll ins Schwarze getroffen hat.

    Es ging im Artikel vom Montag, 25. Juni 2001 um die Rivalität zwischen Film- und Spielindustrie:

    Überschätzte Lara Croft

    Damals hatte der Film Lara Croft: Tomb Raider Premiere. Das war zwar längst nicht der erste Film, der auf einem Computergame basierte – diese Ehre gebührt gemäss dieser Wikipedia-Liste dem Streifen Super Mario Bros. von 1993, der ein riesenhafter Flop war.

    Doomsday für Hollywood wegen Lara Croft

    Lara Croft bewies an der Kinokasse mehr Sex-Appeal als Mario und Luigi. Sie war auch Leuten ein Begriff, die selbst keine Videospieler waren. Ausserdem verkörperte Angelina Jolie im Film die Fleischwerdung einer Pixelfantasie auf so ikonische Weise, dass man sich schon fragen konnte, ob Hollywood sich demnächst würde unterbuttern lassen müssen. Im Artikel zitiere ich eine Prognose, zu der ich leider heute keine Quelle mehr finde. Aber die Behauptung lautete, Hollywood würde bald nur noch mit staatlichen Subventionen überleben, weil die interaktiven Games einfach attraktiver seien als linear ablaufende Filme. Die Aufmerksamkeit würde sich daher dauerhaft zuungunsten der Studios verschieben.

    Ein Indiz waren damals die Umsatzzahlen. Ich schreibe im Artikel, im Jahr 2000 habe die Gameindustrie den Film bei den Einnahmen überholt. Auch diese Angabe wollte ich überprüfen, mit einem erstaunlichen Resultat. Zu der Frage, wann diese Entthronung stattgefunden haben könnte, werden diverse Jahreszahlen herumgeboten. ChatGPT sagt, das sei 2005 passiert. Wikipedia setzt dieses Ereignis viel früher an:

    Im Jahr 1982 erreichte die Arcade-Videospielindustrie ihren Höhepunkt mit einem Umsatz von acht Milliarden Dollar und übertraf damit die jährlichen Bruttoeinnahmen von Popmusik (vier Milliarden Dollar) und Hollywood-Filmen (drei Milliarden Dollar) zusammen.

    Rechnen, wie es einem gefällt

    Die Diskrepanz rührt daher, dass sich sehr unterschiedliche Zahlen vergleichen lassen. Auf Linkedin habe ich eine Analyse gefunden, die besagt, der Film sei bis heute deutlich umsatzstärker als das Game – wenn man nicht bloss die Einnahmen an der Kinokasse berücksichtigt:

    Für einen fairen Vergleich müssen Hollywood und die gesamte Filmindustrie jedoch alle Einnahmeströme einbeziehen, die das gesamte Vertriebsfenster abdecken, vom Kino bis zum Free-TV und Streaming.

    Unter dieser Voraussetzung fällt der Vergleich wie folgt aus:

    Nach dem 2021 Movie Industry report belief sich das Volumen der weltweiten Filmindustrie im Jahr 2021 auf 328 Milliarden Dollar, einschliesslich Kinofilmen, digitalen Filmen und Pay-TV, aber ohne Free-TV-Rechte. (…) Nach einer vorsichtigen Schätzung erwirtschaftet die gesamte Branche Gesamteinnahmen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Newzoo schätzt den Markt für Videospiele im Jahr 2021 auf 180 Milliarden US-Dollar weltweit.

    Mit anderen Worten: Wir könnten dem Versuch der Gameindustrie aufgesessen sein, sich wichtig zu machen.

    Unter dem Strich war die wirtschaftliche Betrachtung damals zu oberflächlich und die Schlussfolgerung zu sehr von Sensationsgier getrieben. Die Journalistinnen und Journalisten, die Hollywood damals schon aufgaben, haben das Rieplsche Gesetz übersehen: Es besagt, dass kein Medium ein anderes vollständig verdrängt: das Radio nicht die Zeitung, das Fernsehen nicht das Radio, das Streaming nicht das Kino und das Game nicht das Fernsehen. Und wie ich im Artikel erläutere, ist der Anspruch bei einem interaktiven Medientitel ein anderer als bei einem, der keine aktive Beteiligung und Engagement des Publikums erfordert. Wer sich passiv entspannen will, ist froh, wenn Lara Croft den Job ganz allein erledigt.

    Es bleibt, wie es war

    Darum halte ich die Prognose an dieser Stelle aufrecht: Es bleibt beim Nebeneinander, bei dem Film und Fernsehen ihre Rolle verteidigen – gleichgültig, wie im Detail sich das Verhältnis beim Umsatz verändert.

    Abgesehen davon erlaubt das Beispiel Lara Croft auch die gegenteilige Interpretation. In dieser Sichtweise werden Film und Game nicht als Antipoden wahrgenommen, sondern als Teil einer ganzen Unterhaltungsindustrie, bei der die Grenzen verschwimmen. Bei den transmedialen Inhalten greifen Filme und Games, aber auch Bücher, Podcasts oder Soundtrack ineinander. Eine traumhafte Ausgangslage fürs Marketing und für den Umsatz: Es würde der kapitalistischen Logik widersprechen, nicht alle diese Kanäle zu bewirtschaften.

    Beitragsbild: Wo die Butter hingehört – aufs Popcorn (John Booth, Pexels-Lizenz).

    https://blog.clickomania.ch/2024/08/22/gameindustrie-verdraengt-filmindustrie/

    #Medienschelte #Sommerserie

  19. Bill Gates und seine epochale Zürcher Fehlprognose

    Bill Gates – den habe ich einmal persönlich getroffen. Naja, «getroffen» ist etwas hochgegriffen. Ich habe ihm nicht die Hand geschüttelt und ihm nicht jovial auf die Schulter klopfend mitgeteilt, dass seine Software zwar nicht über alle Zweifel erhaben sei, mir sein Verständnis von gnadenlosem Kapitalismus aber Eindruck mache.

    Immerhin war ich im gleichen Raum mit ihm und war bei einer Präsentation zugegen, als Gates am 5. Februar 2002 in Zürich war. Man warnte uns damals, überhaupt den Kopf zu recken. Denn in den schattigen Bereichen des Saales lauerten die Bodyguards, die bei jeder verdächtigen Bewegung herbeigestürzt wären: Vor Ort war schliesslich der reichste Mann der Welt, dem niemand ein Ohr abschiessen sollte.

    Gates war 2002 nicht mehr Chef bei Microsoft, aber Aufsichtsratsvorsitzender und Chefentwickler. Er beehrte uns damals, um uns seine Zukunftspläne darzulegen. 22 Jahre später muss die Frage erlaubt sein, was daraus geworden ist.

    Ich darf die Antwort vorwegnehmen: Die Vision war hanebüchener Unsinn. Dass Microsoft heute noch relevant ist – und der Aktienkurs in den letzten gut zehn Jahren mehr als verzehnfacht hat –, ist nicht das Verdienst von Bill Gates und auch nicht von Steve Ballmer. Es war Satya Nadella, der seit einer Dekade der Boss ist, und dem ich auch einmal begegnet bin.

    Gates ohne Vertrauen in seine Tablet-Strategie

    In einem Punkt hatte Gates damals recht: Das Betriebssystem würde nicht ewig der Geldesel bleiben, der es damals war. Doch schon bei der Einschätzung zu dessen Zustand lag er falsch. Er hielt Windows für fertig entwickelt, das Potenzial zum Verkauf weiterer Updates für gering. Das ist entlarvend, weil Microsoft nur gut ein halbes Jahr später mit einer Windows-Variante mit Handschrifterkennung für Tablet-PCs auf den Markt kam. Gates glaubte bei seinem Besuch offensichtlich nicht, dass die Windows-XP-Tablet-PC-Edition und die neue Geräteklasse für die nächsten Jahre tragen würden.

    Und das taten sie auch nicht. Für die mobile Revolution brauchte es Apple, das iPhone und das iPad. Das Hin und Her bei den Windows-Versionen 8 bis 11 und das Debakel um Windows Mobile zeigt, wie gross die Fehleinschätzung am Anfang der Nullerjahre war.

    Das Internet untertan machen

    Was Bill Gates damals anstrebte, war eine Handhabe, sich das Internet untertan zu machen. Anstelle simpler Websites sollten die Nutzerinnen und Nutzer etwas nutzen, das damals mit «reichhaltige Webdienste» umschrieben wurde. So nannte ich es in meiner Übersetzung, Gates dürfte von «rich content» oder «rich media» gesprochen haben: Genau die Wortwahl, die auch bei Adobe zu hören war, als dieser Konzern seine Flash-Technologie als Ersatz von HTML in den Markt drücken wollte, weil aus Sicht eines Softwarekonzerns eine proprietäre Technologie anstelle offener Standards natürlich viel lukrativer ist.

    Das Mittel der Wahl war damals – und das kommt jetzt sicherlich für viele überraschend, die noch nie davon gehört haben – .net. Es handelt sich um ein Bündel von Technologien, mit denen sich interaktive Anwendungen bauen lassen, die auch auf mobilen Geräten funktionieren. Insofern hatte Gates die Handys und PDAs schon auf dem Schirm. Sein Beispiel, wie das konkret funktionieren sollte, lautete folgendermassen:

    Bei einer Lösung, die Microsoft mit Fleurop Schweiz realisierte, werden die in Microsofts Passport-Kalender gespeicherten Geburts- und Hochzeitstagdaten mit dem Angebot des Online-Blumenhändlers kombiniert, sodass sich der Benützer nicht mehr um ein Geschenk bemühen muss, sondern im Ereignisfall aufgefordert wird, die geeignete Schenkaktion in die Wege zu leiten.

    Eine zu komplizierte Kopfgeburt

    «Dot net», wie sich diese Technologie umgangssprachlich nannte, war eine Kopfgeburt: Kompliziert, mit einer steilen Lernkurve, viel Microsoft-typischem Overhead und Kompatibilitätsproblemen. Kein Wunder, dass sie sich nicht durchgesetzt hat.

    Ich gehe so weit, sie als krachend gescheitert zu bezeichnen. Andere mögen das anders sehen. Aber wenn wir das Resultat an den Worten von damals messen, dann ist kein anderes Urteil möglich: Das Web läuft heute mit Python, Javascript und all diesen Frameworks, mit Rust, Ruby on Rails, Node.js, und selbst das angerostete PHP ist viel präsenter als .net, das in grösseren Unternehmen noch eine Rolle spielen mag.

    Fazit: Gates hat sich verkalkuliert. Er hat seine Technologie als offen und bestens verträglich mit der Open-Source-Welt verkauft. Aber die Welt hat diese Mogelpackung durchschaut und den Köder nicht geschluckt – die wirklich offenen Systeme haben gewonnen. Gates kann sich damit trösten, dass Microsoft mit Azure die Kurve doch noch gekriegt hat. In der Cloud dominiert der Konzern zwar nicht, aber er verdient gutes Geld. Und ein paar Überreste von .net leben mit Azure fort.

    👉 Bill Gates hat noch andere Müsterchen seines diskutablen Weltbilds abgeliefert. Eine zweite Auseinandersetzung nehme ich im Beitrag Bill, was für ein Bullshit! vor.

    Beitragsbild: Bill Gates 2006 bei einem Vortrag an der University of Waterloo in Kanada – und nebenbei ein Hinweis auf die Qualität digitaler Kameras damals (Mohammad Jangda/Flickr, CC BY-SA 2.0).

    #BillGates #Microsoft #Sommerserie
  20. Bill Gates und seine epochale Zürcher Fehlprognose

    Bill Gates – den habe ich einmal persönlich getroffen. Naja, «getroffen» ist etwas hochgegriffen. Ich habe ihm nicht die Hand geschüttelt und ihm nicht jovial auf die Schulter klopfend mitgeteilt, dass seine Software zwar nicht über alle Zweifel erhaben sei, mir sein Verständnis von gnadenlosem Kapitalismus aber Eindruck mache.

    Immerhin war ich im gleichen Raum mit ihm und war bei einer Präsentation zugegen, als Gates am 5. Februar 2002 in Zürich war. Man warnte uns damals, überhaupt den Kopf zu recken. Denn in den schattigen Bereichen des Saales lauerten die Bodyguards, die bei jeder verdächtigen Bewegung herbeigestürzt wären: Vor Ort war schliesslich der reichste Mann der Welt, dem niemand ein Ohr abschiessen sollte.

    Gates war 2002 nicht mehr Chef bei Microsoft, aber Aufsichtsratsvorsitzender und Chefentwickler. Er beehrte uns damals, um uns seine Zukunftspläne darzulegen. 22 Jahre später muss die Frage erlaubt sein, was daraus geworden ist.

    Ich darf die Antwort vorwegnehmen: Die Vision war hanebüchener Unsinn. Dass Microsoft heute noch relevant ist – und der Aktienkurs in den letzten gut zehn Jahren mehr als verzehnfacht hat –, ist nicht das Verdienst von Bill Gates und auch nicht von Steve Ballmer. Es war Satya Nadella, der seit einer Dekade der Boss ist, und dem ich auch einmal begegnet bin.

    Gates ohne Vertrauen in seine Tablet-Strategie

    In einem Punkt hatte Gates damals recht: Das Betriebssystem würde nicht ewig der Geldesel bleiben, der es damals war. Doch schon bei der Einschätzung zu dessen Zustand lag er falsch. Er hielt Windows für fertig entwickelt, das Potenzial zum Verkauf weiterer Updates für gering. Das ist entlarvend, weil Microsoft nur gut ein halbes Jahr später mit einer Windows-Variante mit Handschrifterkennung für Tablet-PCs auf den Markt kam. Gates glaubte bei seinem Besuch offensichtlich nicht, dass die Windows-XP-Tablet-PC-Edition und die neue Geräteklasse für die nächsten Jahre tragen würden.

    Und das taten sie auch nicht. Für die mobile Revolution brauchte es Apple, das iPhone und das iPad. Das Hin und Her bei den Windows-Versionen 8 bis 11 und das Debakel um Windows Mobile zeigt, wie gross die Fehleinschätzung am Anfang der Nullerjahre war.

    Das Internet untertan machen

    Was Bill Gates damals anstrebte, war eine Handhabe, sich das Internet untertan zu machen. Anstelle simpler Websites sollten die Nutzerinnen und Nutzer etwas nutzen, das damals mit «reichhaltige Webdienste» umschrieben wurde. So nannte ich es in meiner Übersetzung, Gates dürfte von «rich content» oder «rich media» gesprochen haben: Genau die Wortwahl, die auch bei Adobe zu hören war, als dieser Konzern seine Flash-Technologie als Ersatz von HTML in den Markt drücken wollte, weil aus Sicht eines Softwarekonzerns eine proprietäre Technologie anstelle offener Standards natürlich viel lukrativer ist.

    Das Mittel der Wahl war damals – und das kommt jetzt sicherlich für viele überraschend, die noch nie davon gehört haben – .net. Es handelt sich um ein Bündel von Technologien, mit denen sich interaktive Anwendungen bauen lassen, die auch auf mobilen Geräten funktionieren. Insofern hatte Gates die Handys und PDAs schon auf dem Schirm. Sein Beispiel, wie das konkret funktionieren sollte, lautete folgendermassen:

    Bei einer Lösung, die Microsoft mit Fleurop Schweiz realisierte, werden die in Microsofts Passport-Kalender gespeicherten Geburts- und Hochzeitstagdaten mit dem Angebot des Online-Blumenhändlers kombiniert, sodass sich der Benützer nicht mehr um ein Geschenk bemühen muss, sondern im Ereignisfall aufgefordert wird, die geeignete Schenkaktion in die Wege zu leiten.

    Eine zu komplizierte Kopfgeburt

    «Dot net», wie sich diese Technologie umgangssprachlich nannte, war eine Kopfgeburt: Kompliziert, mit einer steilen Lernkurve, viel Microsoft-typischem Overhead und Kompatibilitätsproblemen. Kein Wunder, dass sie sich nicht durchgesetzt hat.

    Ich gehe so weit, sie als krachend gescheitert zu bezeichnen. Andere mögen das anders sehen. Aber wenn wir das Resultat an den Worten von damals messen, dann ist kein anderes Urteil möglich: Das Web läuft heute mit Python, Javascript und all diesen Frameworks, mit Rust, Ruby on Rails, Node.js, und selbst das angerostete PHP ist viel präsenter als .net, das in grösseren Unternehmen noch eine Rolle spielen mag.

    Fazit: Gates hat sich verkalkuliert. Er hat seine Technologie als offen und bestens verträglich mit der Open-Source-Welt verkauft. Aber die Welt hat diese Mogelpackung durchschaut und den Köder nicht geschluckt – die wirklich offenen Systeme haben gewonnen. Gates kann sich damit trösten, dass Microsoft mit Azure die Kurve doch noch gekriegt hat. In der Cloud dominiert der Konzern zwar nicht, aber er verdient gutes Geld. Und ein paar Überreste von .net leben mit Azure fort.

    👉 Bill Gates hat noch andere Müsterchen seines diskutablen Weltbilds abgeliefert. Eine zweite Auseinandersetzung nehme ich im Beitrag Bill, was für ein Bullshit! vor.

    Beitragsbild: Bill Gates 2006 bei einem Vortrag an der University of Waterloo in Kanada – und nebenbei ein Hinweis auf die Qualität digitaler Kameras damals (Mohammad Jangda/Flickr, CC BY-SA 2.0).

    #BillGates #Microsoft #Sommerserie
  21. Das Siemens S55 hatte ich seinerzeit ausführlich getestet und sogar zum Fotografieren benutzt (Raimond Spekking/Wikimedia, CC BY-SA 4.0).

    Hinterher sind alle überzeugt, es schon vorher genau gewusst zu haben: Das ist eine wohlbekannte Tatsache, die sogar einen kognitionspsychologischen Namen besitzt: Rückschaufehler oder Englisch hindsight bias.

    Dieser Mechanismus spielt auch wunderbar in der Tech-Welt. Oder kann sich jemand von euch daran erinnern, dass er oder sie persönlich überzeugt war, das Mobiltelefon sei bloss ein flüchtiger Trend oder MP3 würde der CD niemals gefährlich werden?

    Ich bin in der privilegierten Lage, dass ich meine Rückschaufehler im Detail nachvollziehen kann. Dazu brauche ich bloss ins Archiv zu steigen und meine Prognosen von damals hervorzuziehen. Etwas, das in meiner Sommerserie noch so gern tue.

    Heute: Wie Matthias fand, Handykameras hätten keine Zukunft.

    Diese Behauptung habe ich vor 22 Jahren, am 15. Juli 2002 aufgestellt, in einem Kommentar unter dem Titel «Ist das Opa oder Oma?».

    Ist das Opa oder Oma?

    Hier steht es deutsch und deutlich: «Braucht es diese Kamerahandys? Nein.»

    MMS-Beispielbild, aufgenommen mit dem Nokia 7650 (Florian K/Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

    Zu meiner Ehrenrettung könnte ich anführen, dass die Kamerahandys damals eine unausgegorene Sache waren. Wie Wikipedia verrät, war der erste Vertreter dieser Gattung das Kyocera Visual Phone VP-210, das im Mai 1999 in Japan auf den Markt kam. Die Auflösung betrug 0,11 Megapixel, und das Gerät konnte maximal zwanzig Bilder speichern.

    In meinem Artikel erwähne ich auch das T68i von Sony Ericsson. Um mit dem zu fotografieren, brauchte es ein optionales Zubehör. Die  Communicam war ein aufsteckbares Objektiv, das keinerlei fotografische Kompetenz ausstrahlte.

    Bildqualität: fragwürdig

    Ein weiterer Vertreter dieser für Europa noch ungewohnten Gerätegattung war das Nokia 7650. Es bot eine Auflösung von maximal 640 auf 480 Pixel, und wie die abgebildete Aufnahme zeigt, eine mehr als fragwürdige Bildqualität.

    Trotzdem: Von einem Tech-Journalisten darf man erwarten, dass das Potenzial erkennt, selbst wenn sich das noch sehr undeutlich oder überhaupt nicht abzeichnet. Mein vernichtendes Urteil bezog sich damals auch nicht ausschliesslich auf die Kameras in den Handys, sondern auch auf den neu eingeführten MMS-Standard.

    Für die, die sich nicht mehr daran erinnern: Das ist eine Weiterentwicklung von SMS, die nicht nur Text, sondern auch Anhänge unterstützt. Man kann bzw. konnte mit ihr Dokumente, Bilder, Diaschauen und selbst Videos verschicken – theoretisch. Praktisch war es so, dass Multimedia-Beigaben selten bis nie in der gewünschten Form ankam.

    MMS, eine Totgeburt

    Eine Original-MMS mit Foto, auf dem das Motiv gerade so knapp zu erahnen ist.

    Das lag Implementierungsproblemen, an inkompatiblen Dateiformaten, an unterschiedlichen Beschränkungen bei der Dateigrösse. Und vor allem lag es daran, dass man als Versenderin oder Versender nicht wusste, ob das Gerät des Empfängers oder der Empfängerin überhaupt in der Lage war, die Botschaft zu empfangen.

    Die sicherste Methode war, die Nachricht an eine Mailadresse zu schicken. In meinem Archiv habe ich einige solcher Test-Nachrichten gefunden; inklusive Originalfoto – im Beispiel ein Selfie, auf dem ich knapp zu erkennen bin. Leider habe ich nicht herausgefunden, mit welchem Telefon ich es aufgenommen habe.

    MMS war und blieb bis zum Schluss eine höchst unbefriedigende Sache. Den Unzulänglichkeiten zum Trotz haben die Mobilfunkanbieter jede einzelne Nachricht unverfroren mit teils happigen Gebühren verrechnet.

    Die Details zum MMS-Start stehen im verlinkten Artikel: Die Grösse war eines MMS war auf dreissig Kilobyte beschränkt. Dennoch wollte die Swisscom nach der Einführung pro Nachricht mindestens 80 Rappen kassieren. Und auch wenn wir damals gewohnt waren, von den Telekom-Unternehmen ausgenommen zu werden, war das dennoch dreist, wie ich fand:

    Nur weil sich die SMS-Kids noch so gern per Handyrechnung von ihrem Taschengeld trennen, ist das kein Grund, sie mit einer unausgegorenen Technologie zu schröpfen.

    Swisscom und Co. muss diese Episode peinlich sein

    Ganz im Sinn des Rückschaufehlers können wir festhalten, dass das eine Einladung an die Entwickler von Messengern, sich dieses Geschäft unter den Nagel zu reissen. Und dass MMS im letzten Jahr eingestellt wurde, ist kein Grund zur Trauer. Kaum jemand dürfte das überhaupt bemerkt haben.

    Also: Fehlprognose, oder nicht? Das Potenzial für den Sofortversand schöner Bilder habe ich erkannt. Meine Empfehlung damals war, dass es nach dem aktuellen Stand der Technik klüger wäre, die Bilder mit einer «richtigen» Digicam zu schiessen und dann per Mobiltelefon zu versenden.

    Eine Methode, die Bilder vom ersten Gerät ans zweite zu übertragen, gab es damals nicht. Heute existieren sie, auch wenn sie nicht so komfortabel sind, wie sie sein könnten und müssten. Meine Kritik habe ich an Nikons Smartbridge-App dargelegt, aber es liegt natürlich auch an den Handyherstellern, dass sie sich den externen Geräten nicht gänzlich öffnen.

    Eines hatte ich in der Tat nicht auf dem Schirm: Nämlich die Tatsache, wie atemberaubend die Entwicklung bei den Handykameras verlaufen würde. Wenn ich meine iPhone-Fotos von fünf oder zehn Jahren ansehe, dann finde ich die Qualitätssprünge noch heute fast unglaublich.

    https://blog.clickomania.ch/2024/08/13/handykameras-im-jahr-2002/

    #Sommerserie

  22. Das Siemens S55 hatte ich seinerzeit ausführlich getestet und sogar zum Fotografieren benutzt (Raimond Spekking/Wikimedia, CC BY-SA 4.0).

    Hinterher sind alle überzeugt, es schon vorher genau gewusst zu haben: Das ist eine wohlbekannte Tatsache, die sogar einen kognitionspsychologischen Namen besitzt: Rückschaufehler oder Englisch hindsight bias.

    Dieser Mechanismus spielt auch wunderbar in der Tech-Welt. Oder kann sich jemand von euch daran erinnern, dass er oder sie persönlich überzeugt war, das Mobiltelefon sei bloss ein flüchtiger Trend oder MP3 würde der CD niemals gefährlich werden?

    Ich bin in der privilegierten Lage, dass ich meine Rückschaufehler im Detail nachvollziehen kann. Dazu brauche ich bloss ins Archiv zu steigen und meine Prognosen von damals hervorzuziehen. Etwas, das in meiner Sommerserie noch so gern tue.

    Heute: Wie Matthias fand, Handykameras hätten keine Zukunft.

    Diese Behauptung habe ich vor 22 Jahren, am 15. Juli 2002 aufgestellt, in einem Kommentar unter dem Titel «Ist das Opa oder Oma?».

    Ist das Opa oder Oma?

    Hier steht es deutsch und deutlich: «Braucht es diese Kamerahandys? Nein.»

    MMS-Beispielbild, aufgenommen mit dem Nokia 7650 (Florian K/Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

    Zu meiner Ehrenrettung könnte ich anführen, dass die Kamerahandys damals eine unausgegorene Sache waren. Wie Wikipedia verrät, war der erste Vertreter dieser Gattung das Kyocera Visual Phone VP-210, das im Mai 1999 in Japan auf den Markt kam. Die Auflösung betrug 0,11 Megapixel, und das Gerät konnte maximal zwanzig Bilder speichern.

    In meinem Artikel erwähne ich auch das T68i von Sony Ericsson. Um mit dem zu fotografieren, brauchte es ein optionales Zubehör. Die  Communicam war ein aufsteckbares Objektiv, das keinerlei fotografische Kompetenz ausstrahlte.

    Bildqualität: fragwürdig

    Ein weiterer Vertreter dieser für Europa noch ungewohnten Gerätegattung war das Nokia 7650. Es bot eine Auflösung von maximal 640 auf 480 Pixel, und wie die abgebildete Aufnahme zeigt, eine mehr als fragwürdige Bildqualität.

    Trotzdem: Von einem Tech-Journalisten darf man erwarten, dass das Potenzial erkennt, selbst wenn sich das noch sehr undeutlich oder überhaupt nicht abzeichnet. Mein vernichtendes Urteil bezog sich damals auch nicht ausschliesslich auf die Kameras in den Handys, sondern auch auf den neu eingeführten MMS-Standard.

    Für die, die sich nicht mehr daran erinnern: Das ist eine Weiterentwicklung von SMS, die nicht nur Text, sondern auch Anhänge unterstützt. Man kann bzw. konnte mit ihr Dokumente, Bilder, Diaschauen und selbst Videos verschicken – theoretisch. Praktisch war es so, dass Multimedia-Beigaben selten bis nie in der gewünschten Form ankam.

    MMS, eine Totgeburt

    Eine Original-MMS mit Foto, auf dem das Motiv gerade so knapp zu erahnen ist.

    Das lag Implementierungsproblemen, an inkompatiblen Dateiformaten, an unterschiedlichen Beschränkungen bei der Dateigrösse. Und vor allem lag es daran, dass man als Versenderin oder Versender nicht wusste, ob das Gerät des Empfängers oder der Empfängerin überhaupt in der Lage war, die Botschaft zu empfangen.

    Die sicherste Methode war, die Nachricht an eine Mailadresse zu schicken. In meinem Archiv habe ich einige solcher Test-Nachrichten gefunden; inklusive Originalfoto – im Beispiel ein Selfie, auf dem ich knapp zu erkennen bin. Leider habe ich nicht herausgefunden, mit welchem Telefon ich es aufgenommen habe.

    MMS war und blieb bis zum Schluss eine höchst unbefriedigende Sache. Den Unzulänglichkeiten zum Trotz haben die Mobilfunkanbieter jede einzelne Nachricht unverfroren mit teils happigen Gebühren verrechnet.

    Die Details zum MMS-Start stehen im verlinkten Artikel: Die Grösse war eines MMS war auf dreissig Kilobyte beschränkt. Dennoch wollte die Swisscom nach der Einführung pro Nachricht mindestens 80 Rappen kassieren. Und auch wenn wir damals gewohnt waren, von den Telekom-Unternehmen ausgenommen zu werden, war das dennoch dreist, wie ich fand:

    Nur weil sich die SMS-Kids noch so gern per Handyrechnung von ihrem Taschengeld trennen, ist das kein Grund, sie mit einer unausgegorenen Technologie zu schröpfen.

    Swisscom und Co. muss diese Episode peinlich sein

    Ganz im Sinn des Rückschaufehlers können wir festhalten, dass das eine Einladung an die Entwickler von Messengern, sich dieses Geschäft unter den Nagel zu reissen. Und dass MMS im letzten Jahr eingestellt wurde, ist kein Grund zur Trauer. Kaum jemand dürfte das überhaupt bemerkt haben.

    Also: Fehlprognose, oder nicht? Das Potenzial für den Sofortversand schöner Bilder habe ich erkannt. Meine Empfehlung damals war, dass es nach dem aktuellen Stand der Technik klüger wäre, die Bilder mit einer «richtigen» Digicam zu schiessen und dann per Mobiltelefon zu versenden.

    Eine Methode, die Bilder vom ersten Gerät ans zweite zu übertragen, gab es damals nicht. Heute existieren sie, auch wenn sie nicht so komfortabel sind, wie sie sein könnten und müssten. Meine Kritik habe ich an Nikons Smartbridge-App dargelegt, aber es liegt natürlich auch an den Handyherstellern, dass sie sich den externen Geräten nicht gänzlich öffnen.

    Eines hatte ich in der Tat nicht auf dem Schirm: Nämlich die Tatsache, wie atemberaubend die Entwicklung bei den Handykameras verlaufen würde. Wenn ich meine iPhone-Fotos von fünf oder zehn Jahren ansehe, dann finde ich die Qualitätssprünge noch heute fast unglaublich.

    https://blog.clickomania.ch/2024/08/13/handykameras-im-jahr-2002/

    #Sommerserie

  23. Der Knoten in den Akten. Eine Fortsetzungsgeschichte der etwas anderen Art (Teil 2). Heute in der Wahrheit-Sommerserie: Wie es eskalierte …#Kriminalroman #Sommerserie #Verbrechen #Wahrheit
    Die Wahrheit: Mutter und die Maultaschen
  24. Der Knoten in den Akten. Eine Fortsetzungsgeschichte der etwas anderen Art (Teil 2). Heute in der Wahrheit-Sommerserie: Wie es eskalierte …#Kriminalroman #Sommerserie #Verbrechen #Wahrheit
    Die Wahrheit: Mutter und die Maultaschen
  25. Der Knoten in den Akten. Eine Fortsetzungsgeschichte der etwas anderen Art (Teil 2). Heute in der Wahrheit-Sommerserie: Wie es eskalierte …#Kriminalroman #Sommerserie #Verbrechen #Wahrheit
    Die Wahrheit: Mutter und die Maultaschen
  26. Der Knoten in den Akten. Eine Fortsetzungsgeschichte der etwas anderen Art (Teil 1). Heute zum Start der Wahrheit-Sommerserie: Wie alles begann …#Kriminalroman #Parodie #Sommerserie #Wahrheit
    Die Wahrheit: Schrunz und das Staubkorn
  27. Der Knoten in den Akten. Eine Fortsetzungsgeschichte der etwas anderen Art (Teil 1). Heute zum Start der Wahrheit-Sommerserie: Wie alles begann …#Kriminalroman #Parodie #Sommerserie #Wahrheit
    Die Wahrheit: Schrunz und das Staubkorn
  28. Der Knoten in den Akten. Eine Fortsetzungsgeschichte der etwas anderen Art (Teil 1). Heute zum Start der Wahrheit-Sommerserie: Wie alles begann …#Kriminalroman #Parodie #Sommerserie #Wahrheit
    Die Wahrheit: Schrunz und das Staubkorn
  29. Auch wenn der Hochsommer bislang nicht in voller Wucht zugeschlagen hat, gibt es eine neue Folge meiner Sommerserie. In der unterziehe ich Texte einer kritischen Würdigung, die ich vor vielen Jahren geschrieben habe. Es geht um die Frage, wie gut sie gealtert sind.

    Besonders interessant sind Artikel, in denen ich mich zu Prognosen verstiegen habe. Da gibt es vielleicht etwas zum Staunen. Oder – wahrscheinlicher – etwas zum Lachen.

    Also, wie steht es um meine Prognose zur Zukunft von MP3, die ich am 16. September 2002 von mir gegeben habe?

    MP3 ist zum Abschuss frei

    Die offensichtliche Fehlprognose steckt schon in der Unterzeile. Ich behaupte, dass Microsoft mit seinem Windows Media-Format gute Chancen habe, MP3 abzulösen. Die Begründung war die Marktmacht von Windows. Doch Windows Media ist heute quasi tot.

    Zu meiner Verteidigung lässt sich anführen, dass ich schon damals geahnt habe, dass die grosse Verbreitung allein nicht ausreichen würde, diesem MP3-Konkurrenten zum Durchbruch zu verhelfen. Schliesslich hat kein Konsument und keine Konsumentin auf die digitale Fessel des Kopierschutzes gewartet, die bei diesem Format von Haus aus vorgesehen ist.

    Fazit: Nobody cares

    Die eigentlich spannende Sache an diesem Blick in die Vergangenheit besteht darin, dass die Fragestellung aus dem Artikel aus heutiger Sicht komplett irrelevant ist. Technische Details wie das Audioformat brauchen uns bei Spotify und Apple Music nicht mehr zu kümmern.

    Die Ausnahme, die die Regel bestätigen, sind jene Freaks, die noch eine richtige digitale Musiksammlung pflegen. Sie tun das aber hoffentlich in einem verlustfreien, hochauflösenden Format, sodass wir festhalten können: Die Nachfolger von MP3 sind, wenn es sie überhaupt gibt, FLAC und WAV.

    Also, wir dürfen erfreut konstatieren, dass ich mich auf höchst effektive Weise selbst widerlegt habe. Und weil das so schön ist, würde ich gern einen Exkurs anhängen:

    Als Momentaufnahme spannend

    Ich finde, dass der Artikel eine aus heutiger Sicht spannende Momentaufnahme darstellt: 2002 beginnt die Revolution der digitalen Musik. Der iPod ist erfunden, doch noch fehlen einige der entscheidenden Puzzleteile. Der iTunes Music Store von Apple öffnet ein halbes Jahr später.

    Dennoch hätte man ahnen müssen, dass nicht das Audioformat entscheidend für den weiteren Verlauf der Entwicklung sein würde, sondern die digitalen Vertriebskanäle: Musiktauschbörsen wie Naspster waren eine Tatsache, die auch mir nicht entgangen war. Nebenbei bemerkt existierte auch in Form von Rhapsody.com bereits ein Angebot, das man mit viel gutem Willen als Vorläufer des Musikstreamings bezeichnen kann. Zitat Wikipedia:

    Bereits im Sommer 2002 war der gesamte Bestand der damals fünf grössten Musiklabels (BMG, EMI, Sony Music, Universal Music und Warner) über die Plattform Rhapsody verfügbar, was für die damaligen Verhältnisse eine sensationelle Neuheit darstellte.

    In der Schweiz hat es keiner mitgekriegt

    Verblüffender- und vielleicht auch peinlicherweise war die Existenz von rhapsody.com nicht nur mir verborgen geblieben, sondern auch der gesamten Schweizer Presse: Ich habe in der Mediendatenbank SMD nur einen einzigen Artikel gefunden, und auch der erwähnt Rhapsody bloss in einem Nebensatz. Im «20 Minutes» vom 20. Oktober 2008 steht die Frage, ob man bei Facebook bald würde Musik hören können: «Facebook würde diese Option mit mehreren Online-Musikseiten untersuchen, darunter rhapsody.com, iMeem.com, iLike.com und lala.com.»

    Doch auch ohne das Wissen um Rhapsody wäre die entscheidende Frage gewesen, wie ein legales Angebot den aussehen müsste, damit es Nutzerinnen und Nutzer als echte Alternative wahrnehmen. Auf diese Frage ist mir schon im Mai 2000 eine Antwort eingefallen:

    Viele MP3-Freaks sind sich bewusst, dass sie Illegales tun und berechtigte Ansprüche verletzen. Sie machen es dennoch, nicht weil sie ein paar Franken sparen möchten, sondern weil kein gleichwertiges legales Angebot existiert. Gäbe es die Möglichkeit, Musik ebenso flexibel und legal per Internet zu kaufen, ein ganz grosser Anteil der Napster-User würde davon profitieren. Ein offizielles «Music on demand»-Angebot wäre zuverlässiger und schneller als eine wackelige Napster-Verbindung. Und, ganz wichtig: Niemand würde um sein Geld geprellt.

    Isn’t it ironic?

    Im September 2002 ist absehbar, dass die Musikindustrie nicht in der Lage sein würde, ein legales Angebot auf die Beine zu stellen, das gleichzeitig auch attraktiv und leicht zu benutzen sein würde.

    Erwähnt ist im eingangs zitierten Artikel nämlich auch die Musikplattform Popfile.de: Der Musikkonzern Universal versucht dort, seine Songs zu verkaufen. Er setzt auf einen Kopierschutz (DRM), das es anfänglich auch bei Apple gibt. Auf das Hauptproblem weist die «Computerwoche» anlässlich der Einstellung von Popfile Ende 2004 hin:

    Dass Popfile kaum eine Chance hatte, liegt nicht zuletzt daran, dass es dort praktisch nur Titel aus dem Universal-Katalog zu kaufen gab.

    Elementary, Dr. Watson. Umso verblüffender finde ich es, dass es beim Filmstreaming auf Anbieter-Plattformen hinausläuft: Disney+, Paramount+ und Peacock von NBCUniversal sind die bekanntesten; hier in der Schweiz fällt einem auch Play Suisse von der SRG ein.

    Und klar: Solange man bei seinem Streamingdienst ein paar sehenswerte Serien vorfindet, ist das weniger störend, als wenn beim Musikstreaminganbieter zwei Drittel der Lieblingssänger, -musikerinnen und -bands fehlen. Trotzdem halte ich es für ironisch, dass wir bei Film und Serien auf einen Zustand hinsteuern, den wir bei der Musik 2004 hinter uns gelassen haben …

    Beitragsbild: Den digitalen Walkman von Sony hatte ich damals nicht und die Platte auch nicht (Oleg Sergeichik, Unsplash-Lizenz).

    https://blog.clickomania.ch/2024/06/13/nachfolger-von-mp3/

    #Musik #Sommerserie

  30. Auch wenn der Hochsommer bislang nicht in voller Wucht zugeschlagen hat, gibt es eine neue Folge meiner Sommerserie. In der unterziehe ich Texte einer kritischen Würdigung, die ich vor vielen Jahren geschrieben habe. Es geht um die Frage, wie gut sie gealtert sind.

    Besonders interessant sind Artikel, in denen ich mich zu Prognosen verstiegen habe. Da gibt es vielleicht etwas zum Staunen. Oder – wahrscheinlicher – etwas zum Lachen.

    Also, wie steht es um meine Prognose zur Zukunft von MP3, die ich am 16. September 2002 von mir gegeben habe?

    MP3 ist zum Abschuss frei

    Die offensichtliche Fehlprognose steckt schon in der Unterzeile. Ich behaupte, dass Microsoft mit seinem Windows Media-Format gute Chancen habe, MP3 abzulösen. Die Begründung war die Marktmacht von Windows. Doch Windows Media ist heute quasi tot.

    Zu meiner Verteidigung lässt sich anführen, dass ich schon damals geahnt habe, dass die grosse Verbreitung allein nicht ausreichen würde, diesem MP3-Konkurrenten zum Durchbruch zu verhelfen. Schliesslich hat kein Konsument und keine Konsumentin auf die digitale Fessel des Kopierschutzes gewartet, die bei diesem Format von Haus aus vorgesehen ist.

    Fazit: Nobody cares

    Die eigentlich spannende Sache an diesem Blick in die Vergangenheit besteht darin, dass die Fragestellung aus dem Artikel aus heutiger Sicht komplett irrelevant ist. Technische Details wie das Audioformat brauchen uns bei Spotify und Apple Music nicht mehr zu kümmern.

    Die Ausnahme, die die Regel bestätigen, sind jene Freaks, die noch eine richtige digitale Musiksammlung pflegen. Sie tun das aber hoffentlich in einem verlustfreien, hochauflösenden Format, sodass wir festhalten können: Die Nachfolger von MP3 sind, wenn es sie überhaupt gibt, FLAC und WAV.

    Also, wir dürfen erfreut konstatieren, dass ich mich auf höchst effektive Weise selbst widerlegt habe. Und weil das so schön ist, würde ich gern einen Exkurs anhängen:

    Als Momentaufnahme spannend

    Ich finde, dass der Artikel eine aus heutiger Sicht spannende Momentaufnahme darstellt: 2002 beginnt die Revolution der digitalen Musik. Der iPod ist erfunden, doch noch fehlen einige der entscheidenden Puzzleteile. Der iTunes Music Store von Apple öffnet ein halbes Jahr später.

    Dennoch hätte man ahnen müssen, dass nicht das Audioformat entscheidend für den weiteren Verlauf der Entwicklung sein würde, sondern die digitalen Vertriebskanäle: Musiktauschbörsen wie Naspster waren eine Tatsache, die auch mir nicht entgangen waren. Nebenbei bemerkt existierte auch in Form von Rhapsody.com bereits ein Angebot, das man mit viel gutem Willen als Vorläufer des Musikstreamings bezeichnen kann. Zitat Wikipedia:

    Bereits im Sommer 2002 war der gesamte Bestand der damals fünf grössten Musiklabels (BMG, EMI, Sony Music, Universal Music und Warner) über die Plattform Rhapsody verfügbar, was für die damaligen Verhältnisse eine sensationelle Neuheit darstellte.

    In der Schweiz hat es keiner mitgekriegt

    Verblüffender- und vielleicht auch peinlicherweise war die Existenz von rhapsody.com nicht nur mir verborgen geblieben, sondern auch der gesamten Schweizer Presse: Ich habe in der Mediendatenbank SMD nur einen einzigen Artikel gefunden, und auch der erwähnt Rhapsody bloss in einem Nebensatz. Im «20 Minutes» vom 20. Oktober 2008 steht die Frage, ob man bei Facebook bald würde Musik hören können: «Facebook würde diese Option mit mehreren Online-Musikseiten untersuchen, darunter rhapsody.com, iMeem.com, iLike.com und lala.com.»

    Doch auch ohne das Wissen um Rhapsody wäre die entscheidende Frage gewesen, wie ein legales Angebot den aussehen müsste, damit es Nutzerinnen und Nutzer als echte Alternative wahrnehmen. Auf diese Frage ist mir schon im Mai 2000 eine Antwort eingefallen:

    Viele MP3-Freaks sind sich bewusst, dass sie Illegales tun und berechtigte Ansprüche verletzen. Sie machen es dennoch, nicht weil sie ein paar Franken sparen möchten, sondern weil kein gleichwertiges legales Angebot existiert. Gäbe es die Möglichkeit, Musik ebenso flexibel und legal per Internet zu kaufen, ein ganz grosser Anteil der Napster-User würde davon profitieren. Ein offizielles «Music on demand»-Angebot wäre zuverlässiger und schneller als eine wackelige Napster-Verbindung. Und, ganz wichtig: Niemand würde um sein Geld geprellt.

    Isn’t it ironic?

    Im September 2002 ist absehbar, dass die Musikindustrie nicht in der Lage sein würde, ein legales Angebot auf die Beine zu stellen, das gleichzeitig auch attraktiv und leicht zu benutzen sein würde.

    Erwähnt ist im eingangs zitierten Artikel nämlich auch die Musikplattform Popfile.de: Der Musikkonzern Universal versucht dort, seine Songs zu verkaufen. Er setzt auf einen Kopierschutz (DRM), das es anfänglich auch bei Apple gibt. Auf das Hauptproblem weist die «Computerwoche» anlässlich der Einstellung von Popfile Ende 2004 hin:

    Dass Popfile kaum eine Chance hatte, liegt nicht zuletzt daran, dass es dort praktisch nur Titel aus dem Universal-Katalog zu kaufen gab.

    Elementary, Dr. Watson. Umso verblüffender finde ich es, dass es beim Filmstreaming auf Anbieter-Plattformen hinausläuft: Disney+, Paramount+ und Peacock von NBCUniversal sind die bekanntesten; hier in der Schweiz fällt einem auch Play Suisse von der SRG ein.

    Und klar: Solange man bei seinem Streamingdienst ein paar sehenswerte Serien vorfindet, ist das weniger störend, als wenn beim Musikstreaminganbieter zwei Drittel der Lieblingssänger, -musikerinnen und -bands fehlen. Trotzdem halte ich es für ironisch, dass wir bei Film und Serien auf einen Zustand hinsteuern, den wir bei der Musik 2004 hinter uns gelassen haben …

    Beitragsbild: Den digitalen Walkman von Sony hatte ich damals nicht und die Platte auch nicht (Oleg Sergeichik, Unsplash-Lizenz).

    https://blog.clickomania.ch/2024/06/13/nachfolger-von-mp3/

    #Musik #Sommerserie

  31. Auch wenn der Hochsommer bislang nicht in voller Wucht zugeschlagen hat, gibt es eine neue Folge meiner Sommerserie. In der unterziehe ich Texte einer kritischen Würdigung, die ich vor vielen Jahren geschrieben habe. Es geht um die Frage, wie gut sie gealtert sind.

    Besonders interessant sind Artikel, in denen ich mich zu Prognosen verstiegen habe. Da gibt es vielleicht etwas zum Staunen. Oder – wahrscheinlicher – etwas zum Lachen.

    Also, wie steht es um meine Prognose zur Zukunft von MP3, die ich am 16. September 2002 von mir gegeben habe?

    MP3 ist zum Abschuss frei

    Die offensichtliche Fehlprognose steckt schon in der Unterzeile. Ich behaupte, dass Microsoft mit seinem Windows Media-Format gute Chancen habe, MP3 abzulösen. Die Begründung war die Marktmacht von Windows. Doch Windows Media ist heute quasi tot.

    Zu meiner Verteidigung lässt sich anführen, dass ich schon damals geahnt habe, dass die grosse Verbreitung allein nicht ausreichen würde, diesem MP3-Konkurrenten zum Durchbruch zu verhelfen. Schliesslich hat kein Konsument und keine Konsumentin auf die digitale Fessel des Kopierschutzes gewartet, die bei diesem Format von Haus aus vorgesehen ist.

    Fazit: Nobody cares

    Die eigentlich spannende Sache an diesem Blick in die Vergangenheit besteht darin, dass die Fragestellung aus dem Artikel aus heutiger Sicht komplett irrelevant ist. Technische Details wie das Audioformat brauchen uns bei Spotify und Apple Music nicht mehr zu kümmern.

    Die Ausnahme, die die Regel bestätigen, sind jene Freaks, die noch eine richtige digitale Musiksammlung pflegen. Sie tun das aber hoffentlich in einem verlustfreien, hochauflösenden Format, sodass wir festhalten können: Die Nachfolger von MP3 sind, wenn es sie überhaupt gibt, FLAC und WAV.

    Also, wir dürfen erfreut konstatieren, dass ich mich auf höchst effektive Weise selbst widerlegt habe. Und weil das so schön ist, würde ich gern einen Exkurs anhängen:

    Als Momentaufnahme spannend

    Ich finde, dass der Artikel eine aus heutiger Sicht spannende Momentaufnahme darstellt: 2002 beginnt die Revolution der digitalen Musik. Der iPod ist erfunden, doch noch fehlen einige der entscheidenden Puzzleteile. Der iTunes Music Store von Apple öffnet ein halbes Jahr später.

    Dennoch hätte man ahnen müssen, dass nicht das Audioformat entscheidend für den weiteren Verlauf der Entwicklung sein würde, sondern die digitalen Vertriebskanäle: Musiktauschbörsen wie Naspster waren eine Tatsache, die auch mir nicht entgangen waren. Nebenbei bemerkt existierte auch in Form von Rhapsody.com bereits ein Angebot, das man mit viel gutem Willen als Vorläufer des Musikstreamings bezeichnen kann. Zitat Wikipedia:

    Bereits im Sommer 2002 war der gesamte Bestand der damals fünf grössten Musiklabels (BMG, EMI, Sony Music, Universal Music und Warner) über die Plattform Rhapsody verfügbar, was für die damaligen Verhältnisse eine sensationelle Neuheit darstellte.

    In der Schweiz hat es keiner mitgekriegt

    Verblüffender- und vielleicht auch peinlicherweise war die Existenz von rhapsody.com nicht nur mir verborgen geblieben, sondern auch der gesamten Schweizer Presse: Ich habe in der Mediendatenbank SMD nur einen einzigen Artikel gefunden, und auch der erwähnt Rhapsody bloss in einem Nebensatz. Im «20 Minutes» vom 20. Oktober 2008 steht die Frage, ob man bei Facebook bald würde Musik hören können: «Facebook würde diese Option mit mehreren Online-Musikseiten untersuchen, darunter rhapsody.com, iMeem.com, iLike.com und lala.com.»

    Doch auch ohne das Wissen um Rhapsody wäre die entscheidende Frage gewesen, wie ein legales Angebot den aussehen müsste, damit es Nutzerinnen und Nutzer als echte Alternative wahrnehmen. Auf diese Frage ist mir schon im Mai 2000 eine Antwort eingefallen:

    Viele MP3-Freaks sind sich bewusst, dass sie Illegales tun und berechtigte Ansprüche verletzen. Sie machen es dennoch, nicht weil sie ein paar Franken sparen möchten, sondern weil kein gleichwertiges legales Angebot existiert. Gäbe es die Möglichkeit, Musik ebenso flexibel und legal per Internet zu kaufen, ein ganz grosser Anteil der Napster-User würde davon profitieren. Ein offizielles «Music on demand»-Angebot wäre zuverlässiger und schneller als eine wackelige Napster-Verbindung. Und, ganz wichtig: Niemand würde um sein Geld geprellt.

    Isn’t it ironic?

    Im September 2002 ist absehbar, dass die Musikindustrie nicht in der Lage sein würde, ein legales Angebot auf die Beine zu stellen, das gleichzeitig auch attraktiv und leicht zu benutzen sein würde.

    Erwähnt ist im eingangs zitierten Artikel nämlich auch die Musikplattform Popfile.de: Der Musikkonzern Universal versucht dort, seine Songs zu verkaufen. Er setzt auf einen Kopierschutz (DRM), das es anfänglich auch bei Apple gibt. Auf das Hauptproblem weist die «Computerwoche» anlässlich der Einstellung von Popfile Ende 2004 hin:

    Dass Popfile kaum eine Chance hatte, liegt nicht zuletzt daran, dass es dort praktisch nur Titel aus dem Universal-Katalog zu kaufen gab.

    Elementary, Dr. Watson. Umso verblüffender finde ich es, dass es beim Filmstreaming auf Anbieter-Plattformen hinausläuft: Disney+, Paramount+ und Peacock von NBCUniversal sind die bekanntesten; hier in der Schweiz fällt einem auch Play Suisse von der SRG ein.

    Und klar: Solange man bei seinem Streamingdienst ein paar sehenswerte Serien vorfindet, ist das weniger störend, als wenn beim Musikstreaminganbieter zwei Drittel der Lieblingssänger, -musikerinnen und -bands fehlen. Trotzdem halte ich es für ironisch, dass wir bei Film und Serien auf einen Zustand hinsteuern, den wir bei der Musik 2004 hinter uns gelassen haben …

    Beitragsbild: Den digitalen Walkman von Sony hatte ich damals nicht und die Platte auch nicht (Oleg Sergeichik, Unsplash-Lizenz).

    https://blog.clickomania.ch/2024/06/13/nachfolger-von-mp3/

    #Musik #Sommerserie

  32. Auch wenn der Hochsommer bislang nicht in voller Wucht zugeschlagen hat, gibt es eine neue Folge meiner Sommerserie. In der unterziehe ich Texte einer kritischen Würdigung, die ich vor vielen Jahren geschrieben habe. Es geht um die Frage, wie gut sie gealtert sind.

    Besonders interessant sind Artikel, in denen ich mich zu Prognosen verstiegen habe. Da gibt es vielleicht etwas zum Staunen. Oder – wahrscheinlicher – etwas zum Lachen.

    Also, wie steht es um meine Prognose zur Zukunft von MP3, die ich am 16. September 2002 von mir gegeben habe?

    MP3 ist zum Abschuss frei

    Die offensichtliche Fehlprognose steckt schon in der Unterzeile. Ich behaupte, dass Microsoft mit seinem Windows Media-Format gute Chancen habe, MP3 abzulösen. Die Begründung war die Marktmacht von Windows. Doch Windows Media ist heute quasi tot.

    Zu meiner Verteidigung lässt sich anführen, dass ich schon damals geahnt habe, dass die grosse Verbreitung allein nicht ausreichen würde, diesem MP3-Konkurrenten zum Durchbruch zu verhelfen. Schliesslich hat kein Konsument und keine Konsumentin auf die digitale Fessel des Kopierschutzes gewartet, die bei diesem Format von Haus aus vorgesehen ist.

    Fazit: Nobody cares

    Die eigentlich spannende Sache an diesem Blick in die Vergangenheit besteht darin, dass die Fragestellung aus dem Artikel aus heutiger Sicht komplett irrelevant ist. Technische Details wie das Audioformat brauchen uns bei Spotify und Apple Music nicht mehr zu kümmern.

    Die Ausnahme, die die Regel bestätigen, sind jene Freaks, die noch eine richtige digitale Musiksammlung pflegen. Sie tun das aber hoffentlich in einem verlustfreien, hochauflösenden Format, sodass wir festhalten können: Die Nachfolger von MP3 sind, wenn es sie überhaupt gibt, FLAC und WAV.

    Also, wir dürfen erfreut konstatieren, dass ich mich auf höchst effektive Weise selbst widerlegt habe. Und weil das so schön ist, würde ich gern einen Exkurs anhängen:

    Als Momentaufnahme spannend

    Ich finde, dass der Artikel eine aus heutiger Sicht spannende Momentaufnahme darstellt: 2002 beginnt die Revolution der digitalen Musik. Der iPod ist erfunden, doch noch fehlen einige der entscheidenden Puzzleteile. Der iTunes Music Store von Apple öffnet ein halbes Jahr später.

    Dennoch hätte man ahnen müssen, dass nicht das Audioformat entscheidend für den weiteren Verlauf der Entwicklung sein würde, sondern die digitalen Vertriebskanäle: Musiktauschbörsen wie Naspster waren eine Tatsache, die auch mir nicht entgangen war. Nebenbei bemerkt existierte auch in Form von Rhapsody.com bereits ein Angebot, das man mit viel gutem Willen als Vorläufer des Musikstreamings bezeichnen kann. Zitat Wikipedia:

    Bereits im Sommer 2002 war der gesamte Bestand der damals fünf grössten Musiklabels (BMG, EMI, Sony Music, Universal Music und Warner) über die Plattform Rhapsody verfügbar, was für die damaligen Verhältnisse eine sensationelle Neuheit darstellte.

    In der Schweiz hat es keiner mitgekriegt

    Verblüffender- und vielleicht auch peinlicherweise war die Existenz von rhapsody.com nicht nur mir verborgen geblieben, sondern auch der gesamten Schweizer Presse: Ich habe in der Mediendatenbank SMD nur einen einzigen Artikel gefunden, und auch der erwähnt Rhapsody bloss in einem Nebensatz. Im «20 Minutes» vom 20. Oktober 2008 steht die Frage, ob man bei Facebook bald würde Musik hören können: «Facebook würde diese Option mit mehreren Online-Musikseiten untersuchen, darunter rhapsody.com, iMeem.com, iLike.com und lala.com.»

    Doch auch ohne das Wissen um Rhapsody wäre die entscheidende Frage gewesen, wie ein legales Angebot den aussehen müsste, damit es Nutzerinnen und Nutzer als echte Alternative wahrnehmen. Auf diese Frage ist mir schon im Mai 2000 eine Antwort eingefallen:

    Viele MP3-Freaks sind sich bewusst, dass sie Illegales tun und berechtigte Ansprüche verletzen. Sie machen es dennoch, nicht weil sie ein paar Franken sparen möchten, sondern weil kein gleichwertiges legales Angebot existiert. Gäbe es die Möglichkeit, Musik ebenso flexibel und legal per Internet zu kaufen, ein ganz grosser Anteil der Napster-User würde davon profitieren. Ein offizielles «Music on demand»-Angebot wäre zuverlässiger und schneller als eine wackelige Napster-Verbindung. Und, ganz wichtig: Niemand würde um sein Geld geprellt.

    Isn’t it ironic?

    Im September 2002 ist absehbar, dass die Musikindustrie nicht in der Lage sein würde, ein legales Angebot auf die Beine zu stellen, das gleichzeitig auch attraktiv und leicht zu benutzen sein würde.

    Erwähnt ist im eingangs zitierten Artikel nämlich auch die Musikplattform Popfile.de: Der Musikkonzern Universal versucht dort, seine Songs zu verkaufen. Er setzt auf einen Kopierschutz (DRM), das es anfänglich auch bei Apple gibt. Auf das Hauptproblem weist die «Computerwoche» anlässlich der Einstellung von Popfile Ende 2004 hin:

    Dass Popfile kaum eine Chance hatte, liegt nicht zuletzt daran, dass es dort praktisch nur Titel aus dem Universal-Katalog zu kaufen gab.

    Elementary, Dr. Watson. Umso verblüffender finde ich es, dass es beim Filmstreaming auf Anbieter-Plattformen hinausläuft: Disney+, Paramount+ und Peacock von NBCUniversal sind die bekanntesten; hier in der Schweiz fällt einem auch Play Suisse von der SRG ein.

    Und klar: Solange man bei seinem Streamingdienst ein paar sehenswerte Serien vorfindet, ist das weniger störend, als wenn beim Musikstreaminganbieter zwei Drittel der Lieblingssänger, -musikerinnen und -bands fehlen. Trotzdem halte ich es für ironisch, dass wir bei Film und Serien auf einen Zustand hinsteuern, den wir bei der Musik 2004 hinter uns gelassen haben …

    Beitragsbild: Den digitalen Walkman von Sony hatte ich damals nicht und die Platte auch nicht (Oleg Sergeichik, Unsplash-Lizenz).

    https://blog.clickomania.ch/2024/06/13/nachfolger-von-mp3/

    #Musik #Sommerserie

  33. Auch wenn der Hochsommer bislang nicht in voller Wucht zugeschlagen hat, gibt es eine neue Folge meiner Sommerserie. In der unterziehe ich Texte einer kritischen Würdigung, die ich vor vielen Jahren geschrieben habe. Es geht um die Frage, wie gut sie gealtert sind.

    Besonders interessant sind Artikel, in denen ich mich zu Prognosen verstiegen habe. Da gibt es vielleicht etwas zum Staunen. Oder – wahrscheinlicher – etwas zum Lachen.

    Also, wie steht es um meine Prognose zur Zukunft von MP3, die ich am 16. September 2002 von mir gegeben habe?

    MP3 ist zum Abschuss frei

    Die offensichtliche Fehlprognose steckt schon in der Unterzeile. Ich behaupte, dass Microsoft mit seinem Windows Media-Format gute Chancen habe, MP3 abzulösen. Die Begründung war die Marktmacht von Windows. Doch Windows Media ist heute quasi tot.

    Zu meiner Verteidigung lässt sich anführen, dass ich schon damals geahnt habe, dass die grosse Verbreitung allein nicht ausreichen würde, diesem MP3-Konkurrenten zum Durchbruch zu verhelfen. Schliesslich hat kein Konsument und keine Konsumentin auf die digitale Fessel des Kopierschutzes gewartet, die bei diesem Format von Haus aus vorgesehen ist.

    Fazit: Nobody cares

    Die eigentlich spannende Sache an diesem Blick in die Vergangenheit besteht darin, dass die Fragestellung aus dem Artikel aus heutiger Sicht komplett irrelevant ist. Technische Details wie das Audioformat brauchen uns bei Spotify und Apple Music nicht mehr zu kümmern.

    Die Ausnahme, die die Regel bestätigen, sind jene Freaks, die noch eine richtige digitale Musiksammlung pflegen. Sie tun das aber hoffentlich in einem verlustfreien, hochauflösenden Format, sodass wir festhalten können: Die Nachfolger von MP3 sind, wenn es sie überhaupt gibt, FLAC und WAV.

    Also, wir dürfen erfreut konstatieren, dass ich mich auf höchst effektive Weise selbst widerlegt habe. Und weil das so schön ist, würde ich gern einen Exkurs anhängen:

    Als Momentaufnahme spannend

    Ich finde, dass der Artikel eine aus heutiger Sicht spannende Momentaufnahme darstellt: 2002 beginnt die Revolution der digitalen Musik. Der iPod ist erfunden, doch noch fehlen einige der entscheidenden Puzzleteile. Der iTunes Music Store von Apple öffnet ein halbes Jahr später.

    Dennoch hätte man ahnen müssen, dass nicht das Audioformat entscheidend für den weiteren Verlauf der Entwicklung sein würde, sondern die digitalen Vertriebskanäle: Musiktauschbörsen wie Naspster waren eine Tatsache, die auch mir nicht entgangen waren. Nebenbei bemerkt existierte auch in Form von Rhapsody.com bereits ein Angebot, das man mit viel gutem Willen als Vorläufer des Musikstreamings bezeichnen kann. Zitat Wikipedia:

    Bereits im Sommer 2002 war der gesamte Bestand der damals fünf grössten Musiklabels (BMG, EMI, Sony Music, Universal Music und Warner) über die Plattform Rhapsody verfügbar, was für die damaligen Verhältnisse eine sensationelle Neuheit darstellte.

    In der Schweiz hat es keiner mitgekriegt

    Verblüffender- und vielleicht auch peinlicherweise war die Existenz von rhapsody.com nicht nur mir verborgen geblieben, sondern auch der gesamten Schweizer Presse: Ich habe in der Mediendatenbank SMD nur einen einzigen Artikel gefunden, und auch der erwähnt Rhapsody bloss in einem Nebensatz. Im «20 Minutes» vom 20. Oktober 2008 steht die Frage, ob man bei Facebook bald würde Musik hören können: «Facebook würde diese Option mit mehreren Online-Musikseiten untersuchen, darunter rhapsody.com, iMeem.com, iLike.com und lala.com.»

    Doch auch ohne das Wissen um Rhapsody wäre die entscheidende Frage gewesen, wie ein legales Angebot den aussehen müsste, damit es Nutzerinnen und Nutzer als echte Alternative wahrnehmen. Auf diese Frage ist mir schon im Mai 2000 eine Antwort eingefallen:

    Viele MP3-Freaks sind sich bewusst, dass sie Illegales tun und berechtigte Ansprüche verletzen. Sie machen es dennoch, nicht weil sie ein paar Franken sparen möchten, sondern weil kein gleichwertiges legales Angebot existiert. Gäbe es die Möglichkeit, Musik ebenso flexibel und legal per Internet zu kaufen, ein ganz grosser Anteil der Napster-User würde davon profitieren. Ein offizielles «Music on demand»-Angebot wäre zuverlässiger und schneller als eine wackelige Napster-Verbindung. Und, ganz wichtig: Niemand würde um sein Geld geprellt.

    Isn’t it ironic?

    Im September 2002 ist absehbar, dass die Musikindustrie nicht in der Lage sein würde, ein legales Angebot auf die Beine zu stellen, das gleichzeitig auch attraktiv und leicht zu benutzen sein würde.

    Erwähnt ist im eingangs zitierten Artikel nämlich auch die Musikplattform Popfile.de: Der Musikkonzern Universal versucht dort, seine Songs zu verkaufen. Er setzt auf einen Kopierschutz (DRM), das es anfänglich auch bei Apple gibt. Auf das Hauptproblem weist die «Computerwoche» anlässlich der Einstellung von Popfile Ende 2004 hin:

    Dass Popfile kaum eine Chance hatte, liegt nicht zuletzt daran, dass es dort praktisch nur Titel aus dem Universal-Katalog zu kaufen gab.

    Elementary, Dr. Watson. Umso verblüffender finde ich es, dass es beim Filmstreaming auf Anbieter-Plattformen hinausläuft: Disney+, Paramount+ und Peacock von NBCUniversal sind die bekanntesten; hier in der Schweiz fällt einem auch Play Suisse von der SRG ein.

    Und klar: Solange man bei seinem Streamingdienst ein paar sehenswerte Serien vorfindet, ist das weniger störend, als wenn beim Musikstreaminganbieter zwei Drittel der Lieblingssänger, -musikerinnen und -bands fehlen. Trotzdem halte ich es für ironisch, dass wir bei Film und Serien auf einen Zustand hinsteuern, den wir bei der Musik 2004 hinter uns gelassen haben …

    Beitragsbild: Den digitalen Walkman von Sony hatte ich damals nicht und die Platte auch nicht (Oleg Sergeichik, Unsplash-Lizenz).

    https://blog.clickomania.ch/2024/06/13/nachfolger-von-mp3/

    #Musik #Sommerserie

  34. TA-SWISS #Sommerserie #CO2 einfangen… und dann?

    Verwitterung durch #Carbonatisierung
    Gewisse #Mineralien wie Silicatgesteine reagieren mit CO2 und binden den #Kohlenstoff. Dieser chemische Prozess läuft in der Natur sehr langsam ab, er kann jedoch beschleunigt werden. Ein Ansatz besteht darin, Gestein oder Abbruchbeton fein zu zermahlen und dann zu verteilen oder reinem CO2 auszusetzen.
    #TechnologyAssessment #NET

    Die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  35. TA-SWISS #Sommerserie #CO2 einfangen… und dann?

    Verwitterung durch #Carbonatisierung
    Gewisse #Mineralien wie Silicatgesteine reagieren mit CO2 und binden den #Kohlenstoff. Dieser chemische Prozess läuft in der Natur sehr langsam ab, er kann jedoch beschleunigt werden. Ein Ansatz besteht darin, Gestein oder Abbruchbeton fein zu zermahlen und dann zu verteilen oder reinem CO2 auszusetzen.
    #TechnologyAssessment #NET

    Die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  36. TA-SWISS #Sommerserie #CO2 einfangen… und dann?

    Verwitterung durch #Carbonatisierung
    Gewisse #Mineralien wie Silicatgesteine reagieren mit CO2 und binden den #Kohlenstoff. Dieser chemische Prozess läuft in der Natur sehr langsam ab, er kann jedoch beschleunigt werden. Ein Ansatz besteht darin, Gestein oder Abbruchbeton fein zu zermahlen und dann zu verteilen oder reinem CO2 auszusetzen.
    #TechnologyAssessment #NET

    Die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  37. Direkte CO2-Abscheidung und Speicherung (#DACCS)

    Die CO2-Aufnahme erfolgt bei diesem Verfahren nicht durch Pflanzen, sondern durch eine technische Anlage. Die Abscheidung von CO2 aus der Umgebungsluft geschieht mit chemischen Bindemitteln. Das vom Bindemittel getrennte reine CO2 wird anschliessend verflüssigt und tief unter der Erde dauerhaft deponiert.

    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie

    Die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  38. Direkte CO2-Abscheidung und Speicherung (#DACCS)

    Die CO2-Aufnahme erfolgt bei diesem Verfahren nicht durch Pflanzen, sondern durch eine technische Anlage. Die Abscheidung von CO2 aus der Umgebungsluft geschieht mit chemischen Bindemitteln. Das vom Bindemittel getrennte reine CO2 wird anschliessend verflüssigt und tief unter der Erde dauerhaft deponiert.

    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie

    Die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  39. Bioenergieerzeugung, CO2-Abscheidung und -Speicherung (#BECCS)
    Wird Material aus pflanzlichem Ursprung verbrannt, entweicht das gespeicherte CO2. In Bioenergieanlagen wird es direkt aus dem Abgas abgeschieden, in tiefliegenden Erdschichten eingelagert oder in eine Lagerstätte im Ausland transportiert. So wird #Biomasse in #Strom oder #Wärme umgewandelt und kann CO2 abscheiden und speichern.

    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie

    Die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  40. Bioenergieerzeugung, CO2-Abscheidung und -Speicherung (#BECCS)
    Wird Material aus pflanzlichem Ursprung verbrannt, entweicht das gespeicherte CO2. In Bioenergieanlagen wird es direkt aus dem Abgas abgeschieden, in tiefliegenden Erdschichten eingelagert oder in eine Lagerstätte im Ausland transportiert. So wird #Biomasse in #Strom oder #Wärme umgewandelt und kann CO2 abscheiden und speichern.

    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie

    Die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  41. Bodenmanagement und Pflanzenkohle
    #Pflanzen nehmen beim Wachstum CO2 auf. Nach dem Absterben der Pflanzen wird ein Teil des Pflanzenmaterials in #Humus umgewandelt und bleibt im Boden. Das kann gefördert werden. Auch unter den Boden gepflügte #Pflanzenkohle bindet CO2 langfristig.

    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie

    Diskutieren Sie diese Technologie in den Kommentaren oder hören Sie die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  42. Bodenmanagement und Pflanzenkohle
    #Pflanzen nehmen beim Wachstum CO2 auf. Nach dem Absterben der Pflanzen wird ein Teil des Pflanzenmaterials in #Humus umgewandelt und bleibt im Boden. Das kann gefördert werden. Auch unter den Boden gepflügte #Pflanzenkohle bindet CO2 langfristig.

    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie

    Diskutieren Sie diese Technologie in den Kommentaren oder hören Sie die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  43. Bodenmanagement und Pflanzenkohle
    #Pflanzen nehmen beim Wachstum CO2 auf. Nach dem Absterben der Pflanzen wird ein Teil des Pflanzenmaterials in #Humus umgewandelt und bleibt im Boden. Das kann gefördert werden. Auch unter den Boden gepflügte #Pflanzenkohle bindet CO2 langfristig.

    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie

    Diskutieren Sie diese Technologie in den Kommentaren oder hören Sie die Podiumsdiskussion zum Thema: www.ta-swiss.ch/co2

  44. Der Wald als Kohlenstoffsenke
    Bäume wandeln atmosphärisches #CO2 mittels #Photosynthese in #Biomasse um und speichern den #Kohlenstoff im Holz. In einem gesunden #Wald bleibt dieser zunächst einige Jahrzehnte in den Bäumen gespeichert. Gezielt geerntetes Holz wird über mehrere Etappen (#Kaskadennutzung) effizient genutzt. Erst am Ende der Nutzungsdauer wird das Holz verbrannt und das CO2 abgeschieden.
    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie
    www.ta-swiss.ch/co2

  45. Der Wald als Kohlenstoffsenke
    Bäume wandeln atmosphärisches #CO2 mittels #Photosynthese in #Biomasse um und speichern den #Kohlenstoff im Holz. In einem gesunden #Wald bleibt dieser zunächst einige Jahrzehnte in den Bäumen gespeichert. Gezielt geerntetes Holz wird über mehrere Etappen (#Kaskadennutzung) effizient genutzt. Erst am Ende der Nutzungsdauer wird das Holz verbrannt und das CO2 abgeschieden.
    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie
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  46. Der Wald als Kohlenstoffsenke
    Bäume wandeln atmosphärisches #CO2 mittels #Photosynthese in #Biomasse um und speichern den #Kohlenstoff im Holz. In einem gesunden #Wald bleibt dieser zunächst einige Jahrzehnte in den Bäumen gespeichert. Gezielt geerntetes Holz wird über mehrere Etappen (#Kaskadennutzung) effizient genutzt. Erst am Ende der Nutzungsdauer wird das Holz verbrannt und das CO2 abgeschieden.
    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie
    www.ta-swiss.ch/co2

  47. Der Wald als Kohlenstoffsenke
    Bäume wandeln atmosphärisches #CO2 mittels #Photosynthese in #Biomasse um und speichern den #Kohlenstoff im Holz. In einem gesunden #Wald bleibt dieser zunächst einige Jahrzehnte in den Bäumen gespeichert. Gezielt geerntetes Holz wird über mehrere Etappen (#Kaskadennutzung) effizient genutzt. Erst am Ende der Nutzungsdauer wird das Holz verbrannt und das CO2 abgeschieden.
    #TechnologyAssessment #NET #Sommerserie
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  48. Die Schweiz will bis 2050 CO2-neutral werden. Dafür braucht es Technologien, die #CO2 aus der Luft entfernen und dauerhaft speichern. Die fünf wichtigsten präsentiert TA-SWISS in einer #Sommerserie.

    Wird der Atmosphäre CO2 entzogen und langfristig gespeichert, werden damit bereits verursachte Emissionen rückgängig gemacht. Diese Methoden und Verfahren werden deshalb auch als #Negativemissionstechnologien bezeichnet.

    #TechnologyAssessment #NET
    ta-swiss.ch/co2

  49. Die Schweiz will bis 2050 CO2-neutral werden. Dafür braucht es Technologien, die #CO2 aus der Luft entfernen und dauerhaft speichern. Die fünf wichtigsten präsentiert TA-SWISS in einer #Sommerserie.

    Wird der Atmosphäre CO2 entzogen und langfristig gespeichert, werden damit bereits verursachte Emissionen rückgängig gemacht. Diese Methoden und Verfahren werden deshalb auch als #Negativemissionstechnologien bezeichnet.

    #TechnologyAssessment #NET
    ta-swiss.ch/co2

  50. Die Schweiz will bis 2050 CO2-neutral werden. Dafür braucht es Technologien, die #CO2 aus der Luft entfernen und dauerhaft speichern. Die fünf wichtigsten präsentiert TA-SWISS in einer #Sommerserie.

    Wird der Atmosphäre CO2 entzogen und langfristig gespeichert, werden damit bereits verursachte Emissionen rückgängig gemacht. Diese Methoden und Verfahren werden deshalb auch als #Negativemissionstechnologien bezeichnet.

    #TechnologyAssessment #NET
    ta-swiss.ch/co2