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  1. Bundesstaat wechselt Republik

    Die “Amerikanisierung” Sachsen-Anhalts steht dem Rest der Republik (mehr oder weniger unmittelbar) noch bevor

    mit Update abends

    Kanada und Grönland will er annektieren, vom Rest Amerikas die Rohstoffe geschenkt bekommen (aber ohne die Menschen) – am weitesten kam er aber gestern in Sachsen-Anhalt, und hat sich sogleich, wie sein Buddy Elon Musk, “floating the zone with shit” öffentlich amüsiert gezeigt. Donald Trump. “Amerikanisierung” ist natürlich ein Fake-Begriff. Korrekt müsste er lauten “USAfizierung” (= Geografie für Anfänger*innen). Aber der Reihe nach. Hier die Kommentare des Morgens, die aus dem Medientrash herausragen, und zwar in dieser Reihenfolge:

    Kersten Augustin/Stefan Reinecke/taz: “Lehren aus der Wahl in Sachsen-Anhalt: Der gut gelaunte Rechtsextremismus – Die AfD kann in Sachsen-Anhalt wohl regieren – und die Parteien der Mitte halten sich erstmal die Ohren zu. Sechs Lehren aus der Landtagswahl.”

    Christian Stöcker im wild clickbaitenden Spiegel, quasi prodomo: “Wir brauchen eine Brandmauer gegen Bullshit – Man müsse die AfD »inhaltlich stellen« findet die Union und verkennt ein zentrales Problem: Es geht vielen AfD-Wählern nicht um die Wirklichkeit, sondern um gefühlte Wahrheiten. Dagegen hilft etwas anderes.”

    Wie komme ich auf “USAfizierung”?

    Zunächst einmal “it’s the economy. stupid!”. Die Medienökonomie, die die Politik vor sich her treibt, ist grundsätzlich ähnlich, nur in unterschiedlichem Tempo und Stadium. Am besten darüber Bescheid weiss der reichste, mächtigste und reaktionärste deutsche Medienoligarch Mathias Döpfner. Augustin/Reinecke (s.o.) haben etwas davon verstanden, und versuchen es nach dem Vorbild Mamdani links zu wenden.

    Am gestrigen Wahlergebnis mit 78% Wahlbeteiligung fällt, grob kopfgerechnet, Folgendes auf. 22% haben nicht gewählt. Rund 12% (der 78% Wählenden) haben BSW, FDP und Sonstige gewählt. Beide addiert ergeben diejenigen, denen eine AfD-Machtergreifung verhältnismässig egal/nicht so wichtig ist. Das sind netto fast genauso viele, wie AfD gewählt haben (44 von 3/4 ist ca. ein gutes Drittel v.H.). Das übrige Drittel sind die, die demokratisch gewählt haben, also eine klare Minderheit.

    Diese Aufteilung entspricht ziemlich genau der US-Gesellschaft. Ein Drittel wählt dort Maga/Trump, mehr als ein Drittel wählt gar nicht (bei Kongresswahlen eine klare Mehrheit, bei Präsidentschaftswahlen knapp die Hälfte). Und der Rest sind die – dort heissen sie auch offiziell so – “Demokraten”, die genauso heterogen sind wie hier, nur dort alle in einer “Partei”.

    Auf diese Weise hat sich Sachsen-Anhalt einen klaren Vorsprung vor Kanada und Grönland verschafft. Und vor dem Rest dieser Republik, die wir zu verteidigen versuchen.

    Update abends

    Zu den oben empfohlenen Texten möchte ich unbedingt René Martens/MDR-Altpapier ergänzen, der den provinziellen Blick der deutschen Medien weitet, leider nicht wohltuend, sondern eher so schmerzhaft, wie es ist:

    “‘Das Vergangene ist nie tot. Es ist nicht einmal vergangen.’ – Inwiefern haben Erzählungen und Argumentationsmuster anderer Parteien und vor allem der Medien dazu beigetragen, dass die AfD aller Wahrscheinlichkeit nach den nächsten Ministerpräsidenten stellen wird.”

  2. Alternativen zum Schlechten

    Wie schlecht wir aktuell regiert werden, beschreibt und analysiert Stefan Reinecke/taz: “Reformpaket der Bundesregierung: Friede den Palästen, Krieg den Hütten – Das Reformpaket stützt die Reichen und nimmt von den Armen. Solche Reformen verschärfen die soziale Spaltung, statt sie zu kitten.” Neben dem Versuch, die Immobilienspekulation gegen Vergesellschaftung zu retten, gehört auch das Schleifen der Informationsfreiheit zu den Verzweiflungstaten dieser Deppen:

    Falk Steiner/heise: “IFG: Ehemalige Bundesbeauftragte halten Koalitionsbeschlüsse für ‘verheerend’ – In einer gemeinsamen Stellungnahme erheben Peter Schaar und Ulrich Kelber schwere Vorwürfe gegen die Koalition aus CDU, CSU und SPD.”

    Die Graz-Alternative

    Das schöne Graz ist die zweitgrösste Stadt unseres Nachbar-Zwergstaates Österreich, ungefähr so gross wie Bonn. Was machen die dortigen Kommunist*inn*en besser, als es fünf Jahre lang die Bonner Grünen gemacht haben, und heute überwiegend immer noch machen?

    Hier werden Anhaltspunkte geliefert:

    Magdalena Berger (Interview)/Jacobin: “Wie die KPÖ das rote Graz verteidigt hat – Mit 35,7 Prozent hat die KPÖ ihren Grazer Erdrutschsieg von 2021 noch überboten. Stadtrat Robert Krotzer erklärt, warum die Partei trotz Dauerbeschuss aus Medien und Wirtschaft wächst – und wo die Grenzen kommunaler Politik liegen.”

    Zwei handwerkliche, also vollkommen vergleichbare Punkte möchte ich hervorheben.

    “Wir haben neben unseren Online-Kanälen mit dem Stadtblatt etwa eine Zeitung, die fünfmal im Jahr an alle Grazer Haushalte geht.”

    So eine Zeitung hatten die Bonner Grünen auch. Sie war im vorigen Jahrhundert von dem Beueler Georg Abel unter dem Titel “bonn 3” erfunden und später von Karl Uckermann, mit meiner tatkräftigen Hilfe auf ganz Bonn ausgedehnt worden. Irgendwann im neuen Jahrtausend war eine Mehrheit des Kreisvorstandes der Bonner Grünen der Meinung, im Zeitalter der Digitalisierung sei Druck und Vertrieb einer Papierzeitung zu wenig effektiv. Und stellte sie ein. Auf ein in der Wirkung vergleichbares “digitales” Medium wartet die Bonner Stadtöffentlichkeit bis heute. Sein Fehlen dürfte ein entscheidender Faktor für die Wahlniederlage bei der Kommunalwahl im vorigen Jahr gewesen sein. Wir warten weiter.

    Eine weitere Schlüsselpassage des Grazer Interviews lautet gegen Ende des Textes:

    “Was uns dabei trägt, ist die Art, wie wir als Partei aufgestellt sind. Wir pflegen einen freundschaftlichen Umgang miteinander – oder, wie es mitunter genannt wird, eine revolutionäre Freundlichkeit. Ich kann nicht für bessere Lebensverhältnisse und ein besseres Miteinander eintreten und gleichzeitig in meiner eigenen Organisation und Partei eine Kultur haben, in der sich die Leute gegenseitig fertigmachen.”

    Ich höre aus Funktionär*inn*enkreisen, dass die Unsitte der “digitalen” Videokonferenzen – lange Jahre nach Ende der coronabedingten Lockdowns – bis heute die Alltagspraxis bestimmt und persönliche Kommunikation und Umgang weitgehend ersetzt – weil es so schön billig und zeitsparend ist. Ein verheerender Fehler, der die soziale Verankerung der Verantwortlichen, ihre Erfahrungswelt in der real existierenden Stadtgesellschaft in einer Weise unterspült, wie es die Ahrflut 2021 mit Städten, Dörfern, Häusern und Menschen getan hat. Es führt zu einem Verlust sozialer Fähigkeiten und Talente, die gar keinen Platz zur Einübung, Schulung und Verbesserung mehr finden. Und das funktioniert bei Erwachsenen so schlecht, wie bei den Kindern. So kann mann Niederlagen auch organisieren.

    Die Konkurrenz macht es genauso? Das erklärt vieles am Zustand der bürgerlichen Demokratie.

    Alternative zu schlechtem Fussballjournalismus

    Es geht kritischer und besser als bei denen, die (noch) Geld dafür kriegen.

    Gastautor Jahn/schwatzgelb: “DFB sucht einen neuen Trainer: Es kann nur Jürgen Klopp werden? – Jürgen Klopp soll neuer Trainer der deutschen Nationalmannschaft werden. Doch ist diese Wahl wirklich alternativlos?”

    Alternative zu schlechtem TV: CopStories aus Wien

    Aus Österreich: “Cop Stories: Der Polizeialltag von seiner menschlichen Seite ins Visier genommen: authentisch, konfrontierend, humorvoll. – Schauplatz ist ein Wiener Kommissariat im Herzen Ottakrings, einem Viertel, in dem Alt und Jung, Eingesessene und Zugewanderte, Yuppies und Arbeitslose mehr oder weniger Tür an Tür leben und ein konfliktreiches Zusammenleben damit nicht selten bereits garantiert ist.” Verfügbar bis 8.10., immer erst ab 20 h (“FSK 12”).

    Das ist besseres TV und erinnert an den vom ZDF vermüllten, dramaturgisch geradezu genialen “KDD-Kriminaldauerdienst”, den der Kölner Orkun Ertener 2007-10 entwickelt hatte. Ich habe den guten Mann damals für den Freitag interviewt, aber das hat der Millionenerbe Jakob Augstein ohne meine Zustimmung digital einmauern lassen. Dann gucken Sie halt die CopStories …

  3. Balken im Strategenauge

    Stefan Reinecke, das ist leider keine Übertreibung, gehört innerhalb der taz-Redaktion gewiss zu den intellektuellen Leuchttürmen. Ihm verdanke ich diesen Hinweis auf eine Rede der Grünen-Chefin Franziska Brantner in Oxford: “Aufrüstung in Europa: Wer begrenzt die deutsche Macht? – Deutschland rüstet auf, in Europa weckt das Ängste. Grünen-Chefin Franziska Brantner fordert daher eine neue deutsche Staatsräson. Eine analytische Einordnung.” Die Frage der Schlagzeile ist richtig gestellt. Aber was ist mir der Antwort?

    Zunächst mal ist die taz – zum wievielten Mal? – daran gescheitert, einen Link zum Originaldokument zu setzen. Den bekommen Sie wie immer hier, und der Titel lautet anders: “The Lonelier Continent: Europe and the Burden of its Own Defence”. Zu deutsch: “Der einsame Kontinent: Europa und die Last seiner eigenen Verteidigung”. Heulen Sie auch gleich? Warten Sie noch einen Moment, ich gebe Ihnen mehr Gründe.

    Der Balken im Auge von Brantner und dem sie überaus wohlwollend interpretierenden Reinecke steht hier: “Hinzu komme, so Brantner, dass nur eine solide europäische Einbettung Berlins das Schlimmste verhindern könne, sollte die AfD in die Nähe der Macht kommen.”

    Denn die bittere Realisten-Frage, die hier bei Roland Appel nur ganz am Schluss anklingt, ohne ausgeführt zu werden: “Wo ergreifen (Europas) Faschist*inn*en zuerst die Macht?” Oder ist auch diese Frage schon falsch gestellt, weil sie mit Italien zu beantworten ist? 2027 sind Präsidentschaftswahlen in Frankreich, Parlamentswahlen in Spanien. Im UK würden sie erst 2029 wählen. Aber wer glaubt, dass die Demontage Keir Stamers so lange dauert?

    Die nächste Bundestagswahl wäre erst 2029. Oder wird die auch vorverlegt? Wer weiss das schon?

    Roland gibt einer Mehrheitsmeinung des europäischen Polit-Establishments Ausdruck, wenn er schreibt: “Das bedeutet, eine Öffnung für ein Mehr an ökonomischer und militärischer Zusammenarbeit der EU mit Kanada, Australien und Neuseeland, aber auch mit Großbritannien anzustreben und zu stabilisieren.”

    Wer das, wie Reinecke/Brantner u.v.a. der AfD nicht in die Hand geben, sondern es “einbetten” will, die*der muss zuvor in Frankreich RN, in Spanien Vox und PP sowie im UK “Reform UK” irgendwie “einbetten”. In Frankreich und UK inklusive der Atomwaffen. Durchdachte Vorstellungen solcher “Einbettung” kann ich öffentlich bisher nirgends entdecken. Sie?

    Das sieht alles bitter wahrscheinlich aus, muss aber nicht so kommen. Auch hier hat Roland nur angedeutet, was innenpolitisch geschehen müsste, um dieses Blatt zu wenden. Es kann sich ja sogar in den USA wenden. In Europa ist jedoch kein Regierender ausser Pedro Sanchez zu erkennen, der das Problem erkannt hat und im Rahmen seiner Möglichkeiten handelt. Der einzige Regierungschef eines Nato-Mitgliedes, der öffentliche Widerworte gegen Trump wagt.

    Was tun (Inland)?

    Die Parteien Grüne, SPD und Linke hatten bereits historisch versagt, als sie noch über eine Parlamentsmehrheit verfügten. Was ist ihnen heute noch zuzutrauen? Weiss ich auch nicht.

    Theoretisch wäre ihre Aufgabe: gemeinsamer Diskurs über die Notwendigkeiten von Klima-, Gerechtigkeits- und Friedenspolitik. Verabredung einer wirkungsvollen Arbeitsteilung. Ebendies mit Klimabewegung, netzpolitischen demokratischen Basisbewegungen, die bereits über funktionierende Diskursräume und Medien verfügen, sowie den Gewerkschaften. Ohne diese, das wäre in Anbetracht der schwächlichen Parteien sowieso lächerlich, sie billig zu instrumentalisieren.

    Ich weiss, wie weit die gegenwärtige deutsche Realität davon weg ist. Wenn die Parteien überleben wollen, müssen sie ungefähr so handeln. Wenn sie sich dazu als unfähig erweisen, gleicht das Selbstmordabsichten. Sakramente dürfen sie dafür nicht erwarten.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  4. Krieg den Palästen

    mit Update 26.4.

    Es gibt die These, ich neige ihr durchaus zu, dass Kriege im engeren Sinne keine Gewinner kennen, sondern nur Verlierer*innen. Aus der Perspektive der Beherrschten stimmt das. Aus der Perspektive der Herrschenden ist es hingegen umstritten. Welche davon Sie einnehmen wollen. steht Ihnen frei. Z.B. mit Blick auf den “Palast der Republik”, an dem jedenfalls nichts feudaldynastiches, kaiserliches oder königliches war. Das machte ihn mir sympathisch. Ich habe ihn grob geschätzt dreimal in meinem Leben betreten, als offizieller Gast der “Freien Deutschen Jugend” (FDJ). Ich gestehe: so hässlich wie die SED oder die FDJ fand ich ihn nicht. Ich war eher positiv überrascht.

    Das Gebäude wurde zu einer Metapher der Systemkonkurrenz zwischen BRD und DDR. Darum kannte die BRD nach 1990 auch kein Erbarmen. Das Fenster der Gelegenheit wurde mit Kohls ganzer Leibesfülle gefüllt, und der Palast also dem Erdboden gleichgemacht. Burga Kalinowski/Junge Welt ist darüber heute noch rechtschaffen empört, und für kurze Zeit dürfen Sie das noch paywallfrai lesen, bevor die linksradikale Junge Welt es in ihrer Paywall verschwinden lässt, wie der Palast verschwunden ist:

    “Der totale Wahnsinn – Vor 50 Jahren wurde der Palast der Republik eröffnet. Die neuen Herren des Landes wollten nach 1990 an seiner Stelle wieder ein Schloss”.

    Und die Paläste der Gegenwart?

    Existenzprobleme kennen sie nicht. Durch Anwachsen der Homeoffices sind die Büromieten ausgebremst worden, die Immobilienpreise dagegen nicht wirklich. Und die Kapitalrenditen, die wahren Paläste unserer Zeit, sowieso nicht. Laut auflachen musste ich heute, als ich von Stefan Reinecke/taz das las:

    “Auch SPD-Linke weisen darauf hin, dass man ja Großes tut. Keine Regierung hat sich gleichzeitig an einer Reform des Sozialstaats, der Rente und des Gesundheitssystems versucht. In der SPD beschwören viele die staatspolitische Verantwortung.”

    Mit wem mag der Gute da gesprochen haben? Nehmen Sie sich das als Wochenendrätsel.

    Ich frage mich derweil, und suche nach den Grünen-Linken, die zeitweise (“zweitweise” war mein freudscher Tippfehler) von Ricarda Lang öffentlich repräsentiert wurden. Über sie schrieb zu diesem Wochenende FAZ-Redakteur Jörg Thomann (Paywall). Und lassen Sie es mich höflich formulieren: es war nicht gut, was er über die Freundschaft der heutigen Bundestagsabgeordneten mit der sog. Zeitung “Bild” beschrieb. Vor der Paywall heisst es:

    “Boulevard-Berichterstattung: Ricarda Lang und ‘Bild’ – eine gefährliche Liebschaft – Die ‘Bild’-Zeitung behandelt die Grünen-Politikerin Ricarda Lang überraschend freundlich und feiert sie, weil sie ihren ersten Halbmarathon geschafft hat. Wie lange geht diese Beziehung gut?”

    Diese sog. Zeitung lasse “in der Regel keine Gelegenheit verstreichen, über Grünen-Politiker herzuziehen”, meint nicht nur Thomann. Die Schlagzeilen des Springerkonzerns über Frau Lang lauten hingegen:

    „Fans lieben sie für ihre Lockerheit: Ricarda Lang ungeschminkt“
    „Witzig, selbstironisch, angriffslustig: So plant Ricarda Lang ihr Comeback“
    „Ricarda langt’s: Sympathischer Schuhwechsel beim Presseball“
    „,Ihr wollt es, ihr bekommt es‘: Ricarda Lang macht Fans mit neuer Frisur glücklich“
    „Rekorda Lang! Ex-Grünen-Chefin schafft ersten Halbmarathon“.
    „Grünen-Politikerin Ricarda Lang schwebte im Hotel Adlon regelrecht über die Tanzfläche und steckte alle mit ihrer guten Laune an“
    „Ihr Humor ist bissig, aber nicht bösartig“
    „Die hellblonden Locken ihrer Kindheit hat sie heute nicht mehr, die strahlenden Augen sind Ricarda Lang bis heute geblieben“
    „Heute wirkt sie klar, offen, lebendig. Sie lacht viel. Die Worte sprudeln aus ihrem Mund“

    Thomanns gutes Gedächtnis erinnert sich an Springerboss Mathias Döpfner: “Wer zusammen mit ‘Bild’ im Fahrstuhl nach oben fährt, hat der Springer-Chef Mathias Döpfner mal gesagt, der fährt auch zusammen mit ihr wieder nach unten.”

    Was davon haben Ricarda Lang und ihrer Mitarbeiter*innen übersehen? Treffen wir sie dann bald im Palastkeller?

    Update 26.4.

    Über den Beziehungsfall Ricarda Lang-Springer habe ich zwischenzeitlich parallel privat kommuniziert. Ich bin Frau Lang nie persönlich begegnet. Folgende Hypothese aus persönlicher Kenntnis der “Mechanismen des Geschäfts”: Springer macht mit ihr, was sie in ihrer typisch-übergriffigen Weise auch gerne mit Fussballtalenten und deren zu dummen Beratern machen, und wie es auch regelmässig die Fussballkonzerne machen: “Eine talentierte öffentliche Person, die holen wir uns!” Die Dummen lassen sich schmeicheln, sehen eine Chance zur Steigerung der persönlichen Berühmtheit. Verlieren aber ihre Autonomie, geben die Steuerung ihre Ruhm-Prozesses an ein semikriminelles Medium ab. Und dann geschieht ihnen das, s.o. Döpfner. Mitleid? Von mir nicht (mehr). Frau Lang ist 32, also erwachsen.

  5. Der lange Abschied von Amerika – Essay von Stefan Reinecke

    Europa muss sich von den USA abkoppeln. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat das schon vor fast zehn Jahren vorgeschlagen. In Berlin fand man das nach 2017 eher lästig und klammerte sich an die Rolle des Musterschülers der USA. Das Ende des Westens mag sich für manche Bundesdeutsche anfühlen, als würde ihnen ihre zweite Haut abgezogen. Vielleicht werden erst Jüngere kühl, ohne Affekte und bohrenden Abschiedsschmerz die transatlantische Trennung vollziehen und erkennen, was die USA sind – ein unberechenbarer Konkurrent in der neuen, gewalttätigen Weltordnung. – https://taz.de/Stefan-Reinecke/!a46/

    #Amerika #Artikel #Essay #Politik #StefanReinecke #tazDe #Wissen
  6. "Vielleicht werden erst Jüngere kühl, ohne Affekte und bohrenden Abschiedsschmerz die transatlantische Trennung vollziehen und erkennen, was die USA sind – ein unberechenbarer Konkurrent in der neuen, gewalttätigen Weltordnung"

    /by #StefanReinecke
    /via @tazgetroete

    taz.de/Deutschland-und-die-USA

    #Cologne #USPol #ICE #NATO

  7. Kannze die Uhr nach stellen

    Antimilitaristischer Humor als Gemütsrettung – leider nicht ausreichend

    Mein alter Jungdemokraten-Kollege Pascal Beucker/taz gehört in seiner Redaktion mittlerweile zu den alten Säcken. So erklärt es sich, dass er in seinem Innern angesichts der dilettierenden Regierungskoalition noch Überreste an antimilitaristischem Humor mobilisieren kann. Denn tatsächlich nutzt die Unions-Rechte jetzt zielsicher das Fenster der Gelegenheit für eine Zusammenarbeit mit der faschistischen AfD.

    Wo lässt sich das besser platzieren als in der FAZ? Hinter ihrer Bezahlwand sollen die Herrschenden ihre Strategien diskutieren. Und der ideologische Rädelsführer der Unions-Rechten Rödder hat dort heute diese steile These gesetzt: “Die liberale Demokratie lässt sich nicht an der Dichte von Queer-Clubs messen”. Wow! Endlich traut sich mal einer! Ich bin mir nicht sicher, ob er seine Zeit “an der Bischöflichen Kirchenmusikschule Essen” mit der bestandenen “C-Kirchenmusikerprüfung” (zit. Wikipedia) unbeschadet überstanden hat. Ich war selbst 5 Jahre Messdiener, war kein Gewaltopfer. Habe aber mit Sicherheit unbewusst welche gekannt.

    Mehr darüber wusste damals schon Erich Fromm, den Stefan Reinecke/taz in dieser Buchbesprechung völlig zu unrecht als “einen eher vergessenen Denker der Kritischen Theorie” bezeichnet. Das mag für mindergebildete was-mit-Medien-Fuzzies gelten. Für mich sicher nicht. Dieses populäre Buch haben wir 1970 in der Schule gelesen. Es enthielt ein ausführliches kritisches politisches Vorwort von Erich Fromm. Da war ich 13. Schweife ich ab?

    Nicht wirklich. Die AfD wird vor der nächsten Bundestagswahl mit Hilfe von CDU und CSU Regierungsämter erklimmen. Und diesem Werk neue Verkaufserfolge bescheren. Die kommen dann allerdings zu spät.

    Ob das dann Faschismus ist oder nicht, wird wirkungsloses Bauchnabelstreicheln unbeschäftigter Intellektueller. Deren eigentlicher Job wäre das Entwickeln, Diskutieren und Organisieren linker Alternativen. Die real existierenden Parteien sind erkennbar zu doof dazu. Sie stolpern aus – vorwiegend intellektueller – Schwäche permanent über ihre eigenen Beine und erweisen sich als mobilisierungsunfähig. Diese viele Arbeit ist für die längst zu anstrengend. Keine*r hat mehr Lust zum Träumen oder gar Kämpfen. Wenn das so bleibt, sind die Rechten am Ziel.

    Aber sie werden nicht aufhören. Vergesst das “Entzaubern”! Das ist dann der sichere Weg in Faschismus.

  8. Ruhris im Radio

    Und ein Habeck-Versteher

    Vor einem für mich weichenstellenden Fussballnachmittag wurde mir der Start in den Samstag von Ährwin Weiss verschönt. Habe ich ihn jemals bei Tageslicht im Radio vernommen? Ich erinnere mich nur an das “ARD-Nachtprogramm” der 70er Jahre. Damals gab es noch keine formatierten Wellen. Und nach Mitternacht wurde von wechselnden ARD-Sendern irgendwelches Zeug in die schlafende West-BRD gesendet,. Das – nur vermutete – Publikum wurde für LKW-Fahrer in der Nachtschicht gehalten. Das war die Zeit, in der einzelne Moderatoren es wagten, Ährwin aufzulegen.

    Damals hörte ich erstmals “Wenn dich datt Mäusken beisst”, und kann den zutiefst filosofischen Text seitdem auswendig rezitieren. Eine Vinyl-LP von Ährwin gehört zu meinem Hausrat. Heute erklang er just, nachdem ich aus der morgendlichen Dusche kam, im Sender der bundesrepublikanischen intellektuellen Elite, dem Deutschlandfunk. An Wochenenden dürfen dort noch Redakteur*inn*e*n das Programm bestimmen, die nicht alle rechts sind. Aber muss Ährwin heute von Adeligen aufgelegt werden? Hätte er das gewollt? Ich unterstelle: einer der für die Blauen und die Schwarzgelben gespielt hat, würde auch diese Grundsatzfrage mit Toleranz beantworten 😉 Hauptsache im Radio. Aber Frau Redecker hätte die letzten Sekunden durchaus ausspielen dürfen.

    Helge im Radio – und schon bezahlt

    Da wird es dem 70-jährigen Helge Schneider heute Nachmittag beim Warten auf den Bundesliga-Schlusspfiff hoffentlich besser ergehen. Ich hab mich schon kaputtgelacht, wie viele Onlineportale ihre Geburtstagsgrüsse mit digitalen Bezahlmauern zu finanzieren versuchen. Kein Mensch braucht sowas. Hören wir ihn doch heute der Einfachheit halber lieber selbst:

    “Ein Mann und seine Musik – Helge Schneider on Tour – WDR 5 präsentiert einen Nachmittag mit Helge Schneider. Im Kölner Tanzbrunnen spielt der Jazz-verliebte Entertainer seine aktuelle Tour ‘Ein Mann und seine Musik’ – live und open-air und fürs Radio aufgezeichnet.” Um 15.05 h im Radio, und zwei Jahre in der Audiothek. Dafür zahl ich gerne meine Gebühren.

    Habeck-Versteher

    Autor Stefan Reinecke ist von meiner Mediendiät nicht betroffen. Einer der wenigen klugen Köpfe in der taz. Die Schlagzeile ist bescheuert, aber der Text ist gut. Finde ich. Lesen Sie selbst.

    “Rückzug von Robert Habeck: Der Erklärbär geht – Habeck war der einzige deutsche Politiker mit Popstarqualitäten. Er war selbstverliebt und lässig. Jetzt geht er – und sagt dabei ein bisschen zu oft ‘ich’.”

  9. Interessiert Sie noch “Die Linke”?

    Mich nicht mehr wirklich, es ist zu deprimierend, und nicht mehr wirklich wichtig. Aber Sie sehen das vielleicht anders? Dann hätte ich folgende Vorschläge für Sie.
    Robert Misik/taz: “Wagenknecht versus AfD: Verachtung des Proletariats – Eine Wagenknecht-Partei könnte die AfD schwächen und ‘Die Linke’ wieder aufblühen lassen. So zumindest […]

    https://extradienst.net/2023/08/12/interessiert-sie-noch-die-linke/

  10. @tazgetroete

    "Es gibt Sätze, bei denen ist, mit Karl Kraus gesprochen, noch nicht einmal das Gegenteil richtig."

    Dafür ist am Kommentar von
    #StefanReinecke jedes Wort richtig!

    #DieLinke #Linkspartei #SahraWagenknecht #Sitzenbleiben #AmiraMohamedAli

  11. Blinded

    Mediathekperle + Best of Wochenende
    Mir ist zu heiss, viel zu schreiben. Aber das ist zu schade zu verpassen. “Blinded”. Die grosse böse Finanzwelt in seriös gearbeiteter schwedischer Krimikost verpackt. Die erste Staffel habe ich gesehen. Keine Ahnung, warum Hauptdarstellerin Julia Ragnarsson wasserstoffblond spielen muss. Aber immerhin […]

    https://extradienst.net/2023/07/10/blinded/

  12. Mediendiät nach Verengung der Räume

    Best of 24. Januar 2023 Kürzlich sprach Leser Gerhard Esdar ein Generationenproblem an. Ich misstraue dem Generationenbegriff. Er berührt ein reales Symptom, erklärt es aber nicht. Ich erwische mich selbst dabei, vermehrt Medienquellen abzustellen: alte Standards wie DLF-Nachrichten oder Tagesschau. Dort macht sich das hier breit: “Journalismus im Befeuerungsmodus: ‘Zeitenwende’ ohne Zögern? – Mediale Mobilmachung: Warum die Formulierung ‘zögerliche Haltung’ in Nachrichten nichts zu suchen hat. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg und die Position des […]

    https://extradienst.net/2023/01/25/mediendiaet-nach-verengung-der-raeume/

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