home.social

#sammlunghaupt — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #sammlunghaupt, aggregated by home.social.

  1. Eingeprägte Geschichte – das Meistersiegel-Wiki ist online

    Wer im Mittelalter und der Frühen Neuzeit etwas auf sich hielt, der führte ein eigenes Wappen oder eine individuelle Marke, mit der er auf Dokumenten oder Urkunden siegelte. Auch bei den Meistern der Nürnberger Steinmetzbruderschaft war es Brauch, Gutachten oder Pläne mit ihren eigenen Meisterzeichen zu kennzeichnen. Meist geschah das in Form von Blind- oder Prägesiegeln, die mit einem Ring oder Stempel in das Papier eingedrückt wurden. In einer an der TIB im Open Science Lab in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Bau- und Stadtbaugeschichte der Leibniz Universität Hannover entwickelten Wikibase-Instanz, dem Meistersiegel-Wiki, werden nun erstmals solche Siegel erfasst und systematisch beschrieben.

    Blatt gr D Z 1: 5, Sammlung A. Haupt

    Die Nürnberger Proberisse – besondere Zeugnisse der Steinmetzausbildung

    Als Corpus für die Erfassung dient ein bisher kaum von der Forschung wahrgenommenes Konvolut von 34 Blättern mit sogenannten „Proberissen“, das sich in der Ende des 19. Jahrhunderts zusammengetragenen Sammlung des Hannoveraner Bauhistorikers und Architekten Albrecht Haupt (1852-1932) erhalten hat.

    Blatt gr D Z 1: 5, Slg. A. Haupt

    Diese Risse entstanden im Rahmen des Meisterstücks, das der Geselle zur Erlangung des Meisterstatus anzufertigen hatte und zeigen musterhafte Entwürfe und Konstruktionen von Gewölbeanlagen und Gebäuden. Schon früh wurden diese Blätter in das Umfeld der Nürnberger Steinmetzbruderschaft eingeordnet, ohne jedoch im Hinblick auf ihre Provenienz und Zusammensetzung genauer betrachtet worden zu sein.

    Als Architektur- und Werkzeichnungen, die im Kontext der Steinmetzlehre angefertigt wurden, sind sie besondere Zeugnisse der handwerklichen Ausbildung im Bauwesen in der Übergangszeit ab dem Spätmittelalter bis zur Auflösung des Zunftwesens Ende des 18. Jahrhunderts.

    Die zahlreichen, auf den Blättern oft kaum sichtbaren Blindsiegel der prüfenden Meister machen sie zu einem besonderen Studienobjekt, zumal es sich um ein individuelles – bislang nur für die Nürnberger Steinmetzbruderschaft nachweisbares − Phänomen handelt.

    Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts zur Erschließung der umfangreichen, heute in der TIB aufbewahrten Sammlung Haupts (GESAH) ist das Konvolut der Proberisse Bestandteil einer Tiefenerschließung und diente mit seinen Meistersiegel- bzw. Meisterstempelabdrücken als Fallstudie zur Verknüpfung mit der Forschungsdateninfrastruktur von NFDI4Culture.

    Das Meistersiegel-Wiki

    Die neue Wikibase-Datenbank zu den Meistersiegeln erfasst sämtliche Siegelmotive, die sich als Blindsiegel-Prägungen auf den Blättern erhalten haben. Mit ihrer Erfassung lassen sich Beziehungen der Siegler untereinander und zeitliche Entstehungszusammenhänge innerhalb der Blätter, aber auch zu darüber hinaus vorhandenen Quellenmaterialien nachvollziehen.

    Vorbereitend für die Erfassung der Nürnberger Meistersiegel in einer eigenen Wikibase-Instanz wurden alle erkennbaren Siegelabdrücke umgezeichnet, in ihren jeweiligen Charakteristika, Kombinationen und Gruppierungen tabellarisch aufgenommen und beschrieben. Für die Beschreibungen der auf den Siegeln enthaltenen Steinmetz- und Hausmarken wurden eigene, auf der Fachterminologie der Blasonierung basierende Kategorien entwickelt und ein umfangreiches fachspezifisches Glossar angelegt. Insgesamt ließen sich auf diese Weise 18 unterschiedliche Siegel auf den Blättern identifizieren und beschreiben, drei weitere konnten nur im rudimentären Zustand erfasst werden. Weitere neun Siegelmotive wurden aus der historischen Literatur in die Aufstellung übernommen.

    Im Abgleich mit den im Zuge der Archiv- und Literaturquellen ermittelten über 150 belegbaren Meister konnte ein Großteil der Siegler identifiziert werden. Über die überlieferte Kombination der Siegel wurden so genauere entstehungsgeschichtliche Zusammenhänge sichtbar, die unter anderem zur Korrektur der zeitlichen Einordnung und Reihenfolge von bislang nur über die Wasserzeichen grob datierbaren Zeichnungen führte.

    Für den Aufbau der Wikibase wurden Klassifizierungen und Unterklassifizierungen vorgenommen, die ein bestmögliche und anschauliche Darstellung der Bezüge zwischen Siegel, Sieglern, den jeweiligen Trägern, ihren inhaltlichen und formalen Merkmalen (zum Beispiel Wasserzeichen) erlauben.

    Für die Siegel wurden zunächst feste IDs vergeben. Basierend auf den beschreibenden Properties Siegeln lassen sich über sogenannte Qualifiers komplexere Merkmale und Aussagen zu Siegel und siegelführender Person angeben und verknüpfen. Weitere Informationen zu Objekten und Personen (zum Beispiel Referenzen auf Archiv- und Literaturquellen oder Bemerkungen zur Identifizierung der Siegel) können durch eine Kommentarfunktion ergänzend hinzugefügt werden. Bei den Werkeinträgen im Vitro/SAH-Portal ist ein direktes Referenzieren auf die IDs der Marken möglich. Gleichzeitig sind über die Wiki-Base direkte Verweise auf die Pläne mit ihren Werkeinträgen im SAH-Portal angelegt.

    Eine Besonderheit ist das mit Piktogrammen unterstützte Glossar, das als begleitendes Corpus zu den beschreibenden Feldern der Siegelmotive und der Zusammensetzung der jeweiligen Marken herangezogen werden kann. Es beruht auf einem vereinheitlichten Fachvokabular (angelehnt an das Vokabular der Blasonierung für Hausmarken), auf das nun generell referenziert werden kann.

    Durch die fokussierte Betrachtung eines einzelnen – leicht übersehbaren – Phänomens auf den Nürnberger “Proberissen” können nun neue Einsichten in die Geschichte und Entwicklung des Bauhandwerks und der Baupraxis in der Frühen Neuzeit gewonnen werden. Gleichzeitig wurde eine Wissensdatenbank aufgebaut, die mit ihren gesammelten Daten im Linked-Data-Format öffentlich zugänglich und verknüpfbar ist und in Zukunft weiter kollaborativ bearbeitet und erweitert werden kann.

    #Nürnberg #Meistersiegel #LizenzCCBY40INT #Steinmetzzeichen #OpenScienceLab #Wikibase #GESAH #SammlungHaupt #Wikibase4NFDI
  2. Mit wenigen Klicks von Stockholm nach Mailand

    Vier Zeichnungskonvolute aus Architektennachlässen des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Albrecht Haupt sind nun online: Es ist immer wieder überraschend, welche ungeahnt bedeutsamen historischen Schätze in den Sondersammlungen der TIB schlummern.

    Im Zuge des von der DFG seit 2019 geförderten Projekts GESAH/GESAH+ zur Digitalisierung und Erschließung der in der TIB aufbewahrten Sammlung des Architekten und Bauhistorikers Albrecht Haupt (1852-1932) konnte nun in Kooperation mit der Abteilung für Bau- und Stadtbaugeschichte am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der Leibniz Universität Hannover (Prof. Dr. Markus Jager) die Erschließung einiger größerer Teilbestände von Zeichnungskonvoluten und Sammelbänden abgeschlossen werden. Sie sind im Portal der Sammlung TIB SAH digital näher zu entdecken und geben unterschiedlichste Einblicke in die Architektur- und Kulturgeschichte des „langen“ 19. Jahrhunderts.

    Architekturzeichnungen aus dem Norden: Die Werkmappe Carl Fredrik Sundvalls

    Den Auftakt der Erschließungsarbeiten bildete die Werkmappe des schwedischen Architekten Carl Fredrick Sundvall (1754-1831). Das bis dato als zeichnerischer Werknachlass eines unbekannten schwedischen Architekten geltende Konvolut konnte eindeutig Sundvall zugeschrieben werden. Mit dieser Zuweisung gelang die Zuordnung der auf siebzig kleinformatigen Blättern gezeichneten Entwürfe zu knapp 30 Projekten auf dem Gebiet des damaligen Königreichs Schweden – vom Herrenhaus und Wirtschaftsgebäude über Garten- und Grabdenkmäler bis hin zu Kirchen und Kirchenausstattungen – und ihre Einordnung in den Kontext der schwedischen Architekturgeschichte zwischen etwa 1790 und 1830.

    Die Ergebnisse konnten inzwischen publiziert werden und offenbaren die Bedeutung des Hannoveraner Konvoluts als neue Quelle zum Werk und der Wirkung Sundvalls als bedeutendem Vertreter des skandinavischen Klassizismus (siehe: Simon Paulus, Die Werkmappe des Architekten Carl Fredrik Sundvall (1754-1831) in der Hannoveraner Sammlung Albrecht Haupt. Ein neuer Einblick in die schwedische Architekturgeschichte um 1800, in: INSITU 2/2025, S. 211-223).

    Carl Fredrik Sundvall, Entwurf für die Domkirche in Härnosand, um 1800, lavierte Federzeichnung, TIB Hannover, Slg. A. Haupt, inv. XXIVb (5): 8 (https://sah.tib.eu/individual/n16905)

    Architekturstudien aus Italien: Die Reiseskizzen Alexander von Tritschlers und Carl Luckows

    Neben dem „Portefeuille“ Sundvalls standen zwei weitere Konvolute aus dem Nachlass von Architekten im Fokus der Erschließungsarbeiten: Zum einen zwei zusammengebundene, insgesamt 79 Blätter umfassende Reiseskizzenhefte des als Architekt und Hochschullehrer am Stuttgarter Polytechnikum wirkenden Alexander von Tritschler (1828-1907), entstanden während eines Italienaufenthalts im Zeitraum 1856-1857 (Sign. gr 2 Haupt 1605, gr 2 Haupt 4085); zum anderen der 96 Blätter umfassende zeichnerische Nachlass des mecklenburgischen Landbaumeisters Carl Luckow (1828-1885) mit Bauaufnahmen und Reiseskizzen aus seiner frühen Ausbildungszeit um 1848 (Sign. gr 2 Haupt 1506-1518), die ebenfalls größtenteils in Italien entstanden sind. Besonders im Vergleich mit Haupts eigenen Reiseskizzen, die nach und nach im Portal auch mit Digitalisaten zugänglich gemacht werden, bieten Luckows und Tritschlers zeichnerische Reisedokumentationen vielfältige Ansätze zur Erforschung jener Einflüsse und Formen der Rezeption, die über das Reisestudium auf Entwurfs- und Stilfragen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland einwirkten.

    Alexander von Tritschler, Grabdenkmal des Calventius Quietus in Pompeji, 1857, Aquarell, TIB Hannover, Slg. A. Haupt, inv. gr 2 Haupt 1605: 18r (https://sah.tib.eu/individual/71842c10b9f14f46a5cdb677aa115058)Carl Luckow, Gewölbemalerei im Dom San Martino in Lucca, 1848, Aquarell, TIB Hannover, Slg. A. Haupt, inv. gr 2 Haupt 1507: 3 (https://sah.tib.eu/individual/3f2e375b7b524e13af96a5a52571047a)

    Architekturvermarktung um 1850: Ein Blick in die Mailänder Werkstatt der Gebrüder Bramati

    Ein weiteres Konvolut, das zeitgleich zu den von Tritschler und Luckow in Italien angefertigten Reiseskizzen entstanden ist, gewährt einen aufschlussreichen Einblick in die Werkstatt der Mailänder Künstlerfamilie Bramati, die vor allem durch ihre Druckgrafikserien zum Mailänder Dom und zu lombardischen Denkmälern oder mit Stadtveduten bekannt geworden sind. Tatsächlich beinhaltet das bisher als „Zeichnerischer Nachlass des Malers Giuseppe Bramati“ (gr 2 Haupt 1505) betitelte Konvolut mit Darstellungen von Architektur und Kirchenausstattung weitaus mehr als nur Zeichnungen dieses einen, 1795 geborenen und 1871 verstorbenen Künstlers. Nur fünf Zeichnungen sind mit seinem Namen versehen.

    Von den insgesamt 56 Blättern – zwei Blätter gerieten später irrtümlich in die Mappe – sind fünf weitere mit dem Namen seines Bruders Antonio Bramati (1799-1875) bezeichnet. Die weitaus meisten Zeichnungen sind jedoch den Brüdern, zu denen auch noch Luigi Bramati (1801-1860) hinzuzuzählen ist, jeweils nicht eindeutig zuzuordnen. Viele der Blätter zeigen Spuren der gemeinschaftlichen Werkprozesse und Arbeitsteilungen, indem zum Beispiel in die zuerst mit roter Feder angefertigten Perspektivkonstruktionen der Raumarchitektur nachträglich Figuren und Figurengruppen mit Graphitstift und schwarzer Feder eingefügt und variiert wurden. Hervorzuheben sind besonders die detaillierten Aufrisszeichnungen zur Ausstattung des Mailänders Doms und zu den neugotischen Planungen seiner Hauptfassade und Turmabschlüsse. Sie dienten als Vorlagen für die Mitte des 19. Jahrhunderts als Beiträge zur Diskussion um die Fertigstellung des Mailänder Doms publizierten Druckgrafiken. Damit bietet dieses Konvolut als Zeugnis der medialen Vermarktung italienischer Architektur und der zeitgenössischen inländischen Architektur- und Stildebatte ein reizvolles Pendant zu den Zeichnungen Luckows und Tritschlers.

    Giuseppe und Antonio Bramati, Kapelle San Crocifisso in San Marco in Mailand, Mitte 19. Jh., Graphitstift und Feder in rot und schwarz, inv. gr 2 Haupt 1505 (1): 15r (https://sah.tib.eu/individual/ab2aa1c28f5b4af9893c60d628d050aa)

    Die Besonderheit der nun erschlossenen Bestände liegt nicht allein in der jeweiligen inhaltlichen Bandbreite, die diese vier im Verlauf des 19. Jahrhunderts entstandenen Konvolute in ihrem unterschiedlichen Entstehungskontext abdecken. Dem künstlerisch wie didaktisch motivierten Interesse ihres Sammlers Haupt geschuldet erweisen sie sich in der Gesamtschau als unerschöpfliches Studienmaterial, das alle Bereiche der Architektur vom konkreten Bauprojekt und seiner Ausstattung über die Baudokumentation bis hin zur Architekturvedute umfasst. Mit ihrem Erhalt und ihrer Erschließung stehen sie nun als unikale Zeugnisse europäischer Kulturgeschichte der interessierten Öffentlichkeit und der Fachwelt gleichermaßen zur Verfügung.

    Antonio Bramati, Schnitt durch den Vierungsturm des Mailänder Doms, Mitte 19. Jh., Feder und Graphitstift, inv. gr 2 Haupt 1505 (2): 58 (https://sah.tib.eu/individual/e977acb1e5df40b3ae294344a0356f22)

    #Architekturgeschichte #Italien #LizenzCCBY40INT #Schweden #SammlungHaupt #Architektur #DFGProjekt #Zeichnung

  3. TIB ist Mitglied im ICONCLASS-Konsortium

    read this article in English

    Die TIB ist seit April 2025 Mitglied im ICONCLASS-Konsortium. Ziel des im Juli 2024 gegründeten Konsortiums ist es, durch Mitgliedsbeiträge und Input der Community den dauerhaften Betrieb sowie die Weiterentwicklung des kostenlosen Online-Dienstes ICONCLASS zu gewährleisten.

    Was ist ICONCLASS?

    ICONCLASS ist ein Klassifizierungssystem für Bildinhalte. Es wird in der Kunstgeschichte und der Sammlungsdokumentation genutzt, um die Ikonographie von Bildwerken in standardisierter Form zu beschreiben.

    ICONCLASS-Webseite: https://iconclass.org/

    Bereits in den 1970er-Jahren von Henri van de Waal entwickelt und in gedruckter Form erschienen, erfuhr das System erst durch die Etablierung computergestützter Erschließungsarbeit seine eigentliche Bestimmung. Mit der zunehmenden Bedeutung von Linked Open Data – also öffentlich zugänglichen, standardisiert verknüpften Daten im Web – wächst einmal mehr der Nutzen von ICONCLASS, das aufgrund seines alphanummerischen ID-Systems maschinenlesbar ist und sprachenunabhängig eingesetzt werden kann. Der Online-Dienst steht kostenlos über den ICONCLASS-Browser oder über offene Schnittstellen zur Verfügung. Er ist – bezogen auf Ikonographie – der einzige seiner Art.

    ICONCLASS Browser mit Klassifikation zu Heliodor im Tempel: https://iconclass.org/71Z31

    ICONCLASS gehört wie die Thesauri des Getty Institutes zu den Terminologie-Standards der digitalen Erschließung im GLAM-Bereich (Galleries, Libraries, Archives and Museums), hat aber keine vergleichbaren finanziellen und personellen Mittel im Hintergrund. Um den weiteren Betrieb des Dienstes zu gewährleisten und die Anforderungen der rasant wachsenden Community zu erfüllen, wurde das ICONCLASS-Konsortium ins Leben gerufen. Die Mitglieder sind einerseits zur Mitgestaltung und Weiterentwicklung des Dienstes eingeladen, erhalten andererseits Zugriff auf neuentwickelte Plus-Features wie die KI-gestützte Bildersuche, eine angereicherte Bibliographie oder Deep-Links zu Sammlungsobjekten mit entsprechender Klassifikation.

    ICONCLASS an der TIB

    Sowohl in den Erschließungsprojekten der Sonderbestände (GESAH und GESAH+) als auch für NFDI4Culture wird ICONCLASS genutzt.

    GESAH

    Konkrete Anwendung findet die Klassifikation bei der Beschreibung der Graphiken der Sammlung Albrecht Haupt, insbesondere wenn es sich um christliche oder mythologischen Darstellungen handelt. Ein Beispiel ist die Darstellung der Vertreibung des Heliodor aus dem Tempel: Während das berühmte Fresko, das von Raffael für die Gemächer von Papst Julius II. im Apostolischen Palast in Rom geschaffen wurde (1511), in der GND einen Werknormdatensatz erhalten hat, ist die Klassifikation der alttestamentarischen Episode als Bildthema nur über ICONCLASS möglich (in diesem Fall: https://iconclass.org/71Z31). Im ICONCLASS Browser werden registrierten Nutzer:innen Bildbeispiele mit dieser Klassifikation angezeigt. Dies hilft besonders bei der Identifizierung bzw. Verifizierung seltener Bildthemen.

    Pieter de Balliu, nach Raffael, Die Vertreibung Heliodors aus dem Tempel, Kupferstich, Antwerpen 1654-1660, TIB Hannover, Slg. A. Haupt, inv. gr I GR M 3: 5 (https://sah.tib.eu/individual/n8110)

    Auch das Plus-Feature der KI-gestützten Bildersuche ist in dieser Hinsicht ein neues und besonders hilfreiches Werkzeug, wenn kein Einstieg in die Suche auf sprachlicher Basis möglich ist.

    NFDI4Culture

    Um die Standardisierung der inhaltlichen Erschließung in den Sammlungen zu verbessern, das heißt, die Anreicherung der individuellen Erschließungsdaten mit Normdaten zu erleichtern, hat die Task Area 1 des NFDI4Culture, die im Open Science Lab der TIB angesiedelt ist, das Annotationstool Antelope entwickelt. Das Werkzeug stellt Möglichkeiten bereit, Normdatendienste, Thesauri und Klassifikationen, darunter eben auch ICONCLASS, gebündelt abzufragen, um die Bildbeschreibungen als Linked Open Data bereitstellen zu können.

    Zu guter Letzt noch ein Bonus, den die Konsortiums-Mitgliedschaft für alle TIB-Mitarbeiter:innen und Nutzer:innen mit sich bringt: Sowohl die Registrierung bei ICONCLASS mit einer TIB-E-Mail-Adresse als auch der Login aus dem Netz der TIB erlauben den Zugriff auf die Plus-Features (nach vorheriger Registrierung mit einer beliebigen E-Mail-Adresse). Das heißt, dass Zugriff auf hilfreiche Bildbeispiele für die Klassifikationen gestattet wird und Deep Links in die verknüpften Sammlungsbestände sowie Angaben zur Sekundärliteratur bereitgestellt werden. Außerdem kann die Bilderkennung genutzt werden, die ähnliche Bilder samt ihrer ICONCLASS-Notationen ausgibt.

    ICONCLASS-Klassifikation in TIB SAH digital: https://sah.tib.eu/display/n5749

    Bei Fragen zur Nutzung oder tiefergehendem Interesse steht das Team von ICONCLASS immer für Auskünfte gerne zur Verfügung und bietet individuelle Einführungsveranstaltungen an.

    #LizenzCCBY40INT #SammlungHaupt #Sondersammlung #linkedOpenData #ICONCLASS

  4. Digitale Entdeckungsreise: die Sammlung Albrecht Haupt

    read this article in English

    Persönliche Reiseskizzen und Zeichnungen und Drucke aus gebundenen Werken – neue digitale Bestände erweitern die Online-Sammlung TIB SAH digital: Hier sind seit 2023 mehr als 6.200 Handzeichnungen und Druckgraphiken aus der Sammlung des Architekten und Bauhistorikers Albrecht Haupt (1852-1932) zugänglich. Jetzt sind weitere Zeichnungen und Drucke aus den gebundenen Konvoluten der Bibliothek Albrecht Haupts sowie der gesamte Bestand von über 6.000 eigenhändigen Reiseskizzen über das Portal verfügbar.

    Gesammelte Einzelgraphiken aus Haupts Bibliothek

    Sammelband: Tür-, Möbelentwürfe nach Vredeman de Vries, 2 Haupt 1250

    Noch zu Lebzeiten ließ Albrecht Haupt von ihm gesammelte Einzelgraphiken des 16. bis 19. Jahrhunderts binden. Diese Konvolute fanden Eingang in seine Bibliothek und wurden gemeinsam mit seinen Büchern in der Bibliothek der damaligen Technischen Hochschule Hannover inventarisiert und katalogisiert. Die summarische Erfassung der Bände im Bibliothekskatalog ließ keine Beschreibung der einzelnen Blätter zu, weder ihres Herstellungsprozesses noch ihrer Sujets.

    Die blattgenaue Erfassung erfolgt nun während der Aufnahme der gebundenen Graphik in die Online-Sammlung TIB SAH digital. Die Metadaten der bibliothekarischen Katalogisierung wurden aus dem OPAC übernommen und maschinell eingespielt. Sie werden überprüft, angereichert und für die Einzelblatterfassung nachgenutzt.

    Mit hochauflösenden Digitalisaten ausgestattet vervollständigen die Werke aus den gebundenen Konvoluten zusammen mit den Werken der losen Blattsammlung das digitale Angebot der bedeutenden graphischen Sammlung Albrecht Haupt.

    Giovanni Battista Piranesi, Radierung, Ansicht der Trajansmärkte, Rom, aus: Piranesi, Antichità Romane, Bd. 1, Taf. XXIX, Fig. 1), 1 Haupt 870(1): 3

    Die Reiseskizzen

    Auch der Teilbestand der sogenannten Reiseskizzen ist nun über das Portal TIB SAH digital verfügbar. Dieser Teilbestand umfasst eigenhändige Zeichnungen des Architekten, die er auf Reisen anfertigte oder aus seinem Interesse für Stil- und Formengeschichte heraus nach Vorlagen anderer kopierte.

    Abb. 3 Albrecht Haupt, Bleistiftzeichnungen, Gebäude in Dresden und Schloss Vahrenholz, inv. 10Re/112

    Unter den circa 6.000 Objekten finden sich aber auch Zeichnungen seiner Schüler, einige Druckgraphiken und Reproduktionen aus Zeitschriften sowie Fotografien – teilweise Material, das direkt oder indirekt in seine kunst- und architekturhistorischen Publikationen einfloss.

    Dieser Teilbestand wurde bereits zwischen 1987 und 1990 in einer Allegro C Datenbank erfasst, circa ein Drittel der Datensätze wurde 2005 in einer Digitalisierungskampagne mit Bildern ausgestattet (2.079 Digitalisate).

    Um auch die Reiseskizzen gemeinsam mit den anderen Beständen bereitzustellen, wurden die Metadaten aus Allegro C übernommen, in TIB SAH digital migriert und erneut mit den vorhandenen Digitalisaten versehen.

    Albrecht Haupt: lavierte Federzeichnung, Hofkirche in Luzern, Portal, inv. 10Re/62

    Reinschauen!

    Wir freuen uns, dass erstmals ein umfassender Überblick über die Sammlung Albrecht Haupt gelungen ist. Die Zusammenschau und die gemeinsame Durchsuchbarkeit der Teilbestände ermöglichen neue Einblicke in die Sammlung und eröffnen neue Perspektiven auf die Sammel- und Zeichentätigkeit des Architekten, Bauhistorikers und Hochschullehrers. Verschaffen Sie sich selbst einen Eindruck und erkunden Sie die Sammlung unter TIB SAH digital!

    Aktualisierte Startseite TIB SAH digital mit Kacheln für die drei Teilbestände

    Über TIB SAH digital

    TIB SAH digital wird im GESAH/GESAH+ Projekt, einem Kooperationsprojekt der TIB mit dem Lehrstuhl für Bau- und Stadtbaugeschichte am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur der Leibniz Universität Hannover (LUH) entwickelt und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert (2019-2026).

    #TIBSAHDigital #LizenzCCBY40INT #SammlungHaupt #Digialisierung