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#lernkulturveranderung — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #lernkulturveranderung, aggregated by home.social.

  1. Barcamp-Session: So retten wir die Welt (?)

    Ich habe mich in den letzten Monaten intensiv mit den Inner Development Goals (IDGs) auseinandergesetzt und dazu auch das Botschafterinnen-Programm absolviert. Die IDGs sind ein Rahmenwerk mit Selbstentwicklungs-Kompetenzen, das in bewusster Verknüpfung mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (den SDGs) die Frage stellt:

    Welche Veränderung braucht es in uns selbst, um diese Nachhaltigkeitsziele erreichen zu können?

    Bei der heutigen edunautika war eine schöne Gelegenheit, gemeinsam mit neugierigen Kolleg*innen zu erkunden, wie sich dieser grundsätzliche Ansatz der IDGs – mit innerer Entwicklung zu äußerer Veränderung kommen – in Lern- und Austauschformate übersetzen und erleben lässt.

    Ich teile im Folgenden den dazu gestalteten Rahmen. Ich habe ihn als sehr gewinnbringend erlebt. Meine sonstigen Eindrücke von der edunautika habe ich in diesem Beitrag notiert.

    Thema der Session

    Ich habe die Session mit dem Titel angekündigt:

    So retten wir die Welt (?!): Mit innerer Entwicklung und Verbundenheit zu mehr pädagogischer Wirkungsmacht für l(i)ebenswerte Zukünfte.

    In der Vorstellung habe ich erklärt, dass es um gemeinsames Ausprobieren und Erleben geht, also wir konkret erkunden werden, wie ein möglicher Raum für solch eine Entwicklung und Verbundenheit gestaltet sein könnte.

    Rahmen

    Die edunautika ist ein Barcamp und ich habe das Angebot somit als 45-minütige Session angeboten.

    Bei einem Barcamp sind die Türen normalerweise offen. Das bedeutet, dass Menschen jederzeit auch zwischendurch die Session wechseln und somit auch später dazu stoßen können. Ich bin von diesem Grundsatz heute bewusst abgewichen, weil ich finde, dass das bei solch einem Thema und einer entsprechenden Raumgestaltung schwieriger ist. Die Tür der Session war somit zu. (Wer von innen nach draußen wollte, konnte das aber natürlich jederzeit machen.)

    Ablauf

    Der Fokus der Session lag auf zwei ‚Denkenden Runden‘, in denen die Beteiligten in ein intensives Sprechen und Zuhören kommen konnten. Vorbereitet wurde dies durch eine Ankommenszeit und unterstützt mit einer Übung aus dem Social Presencing Theater und einem gemeinsamen Abschluss.

    1. Ankommen

    Ich habe kurz den Hintergrund der Session erklärt (= meine eigene Suche nach mehr pädagogischer Wirkungsmacht angesichts vielfältiger Krisen und möglicher ‚Spuren‘ bei den IDGs, der Theorie U und im Ansatz des DEEPSKILLING). Vor allem aber lud ich ein, sich auf die nächsten Schritte einzulassen – und machte zugleich deutlich, dass es natürlich jederzeit auch möglich ist, auch nicht mitzumachen.

    2. Grounding

    Wir sind alle kurz im Stillen angekommen (= bewusst in sich hineinspüren). Dann haben wir eine nicht-sprechende ‚Vorstellungsrunde‘ in der Form gemacht, dass wir uns alle durch den Raum bewegten und dabei versuchten, die anderen Beteiligten sehr offen wahrzunehmen und sich mit ihnen jeweils non-verbal auf eine Begrüßung zu verständigen (= manche umarmten sich, manche nickten sich zu, manche schüttelten sich die Hand).

    3. Denkende Runde 1

    Wir kamen danach in 3er-Gruppen zusammen. Ich teilte auf Karten jeder Gruppe diese Frage aus:

    Wie geht es mir mit meiner pädagogischen Wirkungsmacht angesichts der Krisen dieser Welt?

    Die Karte wurde reihum weitergegeben. Wer sie hatte, sprach 3 Minuten zur Frage; die anderen hörten zu, aber unterbrachen nicht.

    Im Anschluss erläuterte ich dazu das Bild des Gummibandes: Auf der einen Seite ganz viel Liebe für die Schönheit der Welt; auf der anderen Seite ganz viel Leiden, für das was täglich an Gewalt und Zerstörung passiert. Diese Spannung zuzulassen, kann Energie ermöglichen, um zu Veränderung zu kommen.

    4. Social Presencing Theatre

    Wir machten anschließend eine Mini-Übung aus dem so genannten Social Presencing Theater:

    Wir nahmen in uns dazu die Herausforderung wahr und verkörperten sie, in der wir uns befinden (= Werden wir niedergedrückt? Sind wir orientierungslos? Wird an uns von zwei Seiten gezogen? …). Aus dieser Position heraus lässt sich dann erspüren, wo wir eigentlich hinwollen – und diese Bewegung machen. Wir erleben alle gemeinsam, dass auch andere mit uns solch eine öffnende/aufrichtende Bewegung machen. (In diesem Video ist diese Übung sehr schön erklärt und gezeigt)

    5. Denkende Runde 2

    Danach kamen wir wieder in 3er-Gruppen zusammen – dieses Mal zur Frage: Was gibt mir Zuversicht? Wieder hatten alle 3 Minuten Redezeit.

    6. Entwicklung/ Reflexion einer Intention

    In Stille nahmen wir uns danach Zeit, um für uns der Frage nachzuspüren:

    Was könnte jetzt unsere Intention sein? Worauf wollen wir unsere Aufmerksamkeit richten?

    Nach der Stille-Phase konnten wir das mit Nebensitzenden teilen.

    7. Abschluss

    Als kleines ‚Nachbereitungs-Material‘ zur weiteren Reflexion der aufgeworfenen Fragen haben wir bei den wirkSamen ein Mini-Zine gestaltet, das sich alle zum Abschluss mitnehmen konnten.

    Hier ist die Vorlage dazu zur offenen Weiternutzung:

    Zine zur ReflexionHerunterladen

    (Und hier eine Anleitung zum Falten eines solchen Zines)

    Mein Fazit

    Die edunautika ist ein sehr reformpädagogisch geprägtes Barcamp mit großer Aufgeschlossenheit und vielfach auch langjähriger Erfahrung der Teilgebenden mit solchen, ganzheitlichen und reflektierenden Methoden. Ich fand es sehr schön, in solch einem somit sich sehr ’sicher anfühlenden‘ Raum gemeinsam dem Nordstern einer l(i)ebenswerten Welt und des jeweils eigenen Beitrags dazu nachzuspüren. Vielen Dank an alle Beteiligten!

    Mich bestärkt die Erfahrung sehr, dass solche Räume und vor allem auch dieser Nordstern unbedingt auch in so vielen weiteren Kontexten in die Bildung gehört. Und ich freue mich, daran weiter zu arbeiten.

    #Lernkulturveränderung #MethodenLernformate
  2. Lernreflexion als pädagogische Herausforderung: ein Workshop-Konzept zum Weiternutzen

    Mit den Kolleg*innen der Lernwelt Sachsen-Anhalt habe ich gestern einen Workshop gestaltet, in dem wir gemeinsam überlegt haben, wie wir Lernreflexion als grundlegende Herausforderung einer guten Bildung in den Angeboten des Projekts berücksichtigen. Da diese Herausforderung sicherlich nicht nur ein Thema für die Lernwelt Sachsen-Anhalt ist, sondern Lerngestaltung übergreifend betrifft, fasse ich in diesem Blogbeitrag unser methodisches Vorgehen zusammen. Es lässt sich aus meiner Sicht gut auch in andere Kontexte übertragen.

    Wir haben den Workshop grundsätzlich nach dem Golden Circle von Simon Sinek aufgebaut. Den Ausgangspunkt des „Warum?“ haben wir hier insbesondere im Sinne eines „Wofür?“ definiert. Damit ergeben sich für solch einen Workshop drei aufeinander aufbauende Phasen. Wir hatten ca. vier Stunden Zeit.

    Unsere Workshop-Struktur als Bodenpräsentation

    1. Warum und wofür ist Lernreflexion entscheidend?

    Ich finde es sehr wichtig, sich zu Beginn eines solchen Workshops über die grundsätzliche Bedeutung von Lernreflexion bewusster zu werden, bevor es dann an die Fragen der konkreten Ausgestaltung geht.

    Als Mini-Impuls habe ich hierzu drei Begriffe mitgebracht:

    • Selbstentwicklung
    • Ermächtigung
    • Handlungsfähigkeit

    Mit diesen Begriffen wird bereits deutlich, dass Lernreflexion nicht nur ein „nettes Add-On“ ist, sondern grundlegend für gute Lerngestaltung und eine wichtige pädagogische Herausforderung. Wenn Lernende zu einem reflektierten Lernen befähigt werden, dann ist das ein wichtiger Teil von Selbstentwicklung, was dann wiederum weniger Fremdbestimmung bedeutet, sondern Ermächtigung zu eigenem Gestalten, was in konkreter Handlungsfähigkeit resultiert.

    Diese Schritte sind zuerst mal natürlich auf Ebene des Lernens gedacht: Lernende entwickeln Kompetenzen, um zukünftig selbstbestimmt ihr Lernen gestalten zu können. Zugleich gibt es aber auch eine darüber hinausgehende Dimension mit Blick auf die Gesamtgesellschaft. Denn solch ein reflektiertes Lernen ermöglicht natürlich auch außerhalb von Schulen, dass Verantwortung für das eigene Leben übernommen werden kann und Lernende gestaltend für gute Zukünfte aktiv werden können.

    Diesen Mini-Impuls haben wir anschließend in einem kollaborativen Silent-Writing verankert. Alle erhielten dazu eine Karte, auf der sie notieren konnten, was ihr Warum und Wofür von Lernreflexion ist. Diese Karten wurden dann jeweils in der Kreismitte abgelegt und eine neue Karte von einer anderen Person gezogen. Man las dann, was die andere Person geschrieben hat und konnte das schreibend kommentieren und ergänzen. Auf diese Weise entstanden „schreibende Gespräche“, die aus meiner Sicht eine sehr schöne Form von Austausch in einer Gruppe sind.

    Kollaboratives Silent Writing: ‚Gespräche‘ auf Karten

    2. Wie lässt sich Lernreflexion gestalten?

    Als konzeptionelles Modell für Lernreflexion habe ich den Reflexionszyklus von Graham Gibbs mitgebracht, den ich ausführlich und zum Weiternutzen in diesem Blogbeitrag beschrieben habe.

    Zur Aneignung sind wir folgendermaßen vorgegangen:

    • Ich habe die 6 Schritte kurz im Plenum vorgestellt und alle haben einen Aspekt des Zyklus auf einer Karte erhalten.
    • Es wurden Kleingruppen mit allen Schritten gebildet.
    • Gemeinsam ging jede Gruppe dann einen Zyklus durch und hielt jeweils fest, was die jeweiligen Fragen wären, die man sich in der Lernreflexion stellen könnte. (Ich habe die 6 Schritte von Gibbs hier auf vier Schritte geclustert: 1. Beschreibung und Gefühle, 2. Bewertung, 3. Analyse, 4. Schlussfolgerung und Handlungsplan)

    Zur vertiefteren Aneignung der einzelnen Schritte sind wir dann in einen Mini-Open-Space gegangen. Es gab hier Tische zu jeder der vier Phasen und dreimal je 15 Minuten Zeit:

    • In der ersten Runde haben wir überlegt, was am dümmsten in der Phase gemacht werden könnte.
    • In der zweiten Runde haben wir überlegt, was sinnvoll wäre.
    • Und in der dritten Runde haben wir noch weitere Ergänzungen und Feedback eingesammelt.

    Diese vielfältigen Diskussionen haben wir anschließend in einer „Denkenden Runde“ zusammengeführt:

    • Es kamen Kleingruppen mit ca. 4 Personen zusammen.
    • Wir nahmen uns 15 Minuten Zeit. Die Zeit sollte gleichmäßig zum Sprechen in der Gruppe aufgeteilt werden.
    • Gesprochen wurde nacheinander (d.h. jeweils für knapp 4 Minuten). Die anderen hörten nur zu. Stille war okay.

    Solch eine Denkende Runde ist zurzeit eine meiner Lieblingsmethoden. Ich bin jedes Mal wieder überrascht, wie viel tiefer und zielführender die dann anschließenden Diskussionen werden und wie gut dieses Zuhören hilft, dass neue Gedanken entwickelt werden können und sich alle einbringen können.

    3. Was machen wir konkret?

    Nach einer Mittagspause ging es dann in die Umsetzung. Wir starteten hier mit der sehr schnellen und fokussierten „Zwei-Spalten-Methode“: In Kleingruppen sammelten die Beteiligten zunächst möglichst viele Aspekte zur Frage, wie sie Lernreflexion befördern oder behindern könnten. Aus dieser Liste wählten sie dann die für sie drei wichtigsten Aspekte aus.

    Sammlung mit der 2-Spalten-Methode

    Von diesen Aspekten lassen sich dann relativ gut „Wie können wir …?“-Fragen entwickeln, die anschließend in einer Art Mini-Barcamp oder Open Space bearbeitet werden können. Zur Strukturierung der Diskussion habe ich dazu meine Elevator-Pitch-Vorlage verteilt.

    Vorlage Elevator PitchHerunterladen

    Übergreifende Aspekte

    Ich habe den Workshop als sehr gewinnbringend und weiterführend erlebt. Übergreifend finde ich drei Aspekte wichtig:

    Bei einer Weiternutzung sollte erstens klar sein, dass solch ein doch relativ kurzer Workshop nicht in fertigen und abschließenden Ergebnissen mündet. Was realistisch erreicht werden kann (und bei uns meines Eindrucks nach auch sehr gut wurde), ist, dass alle Beteiligten Klarheit über die Herausforderung der Lernreflexion haben und dass systematisch zur Weiterarbeit entwickelt wird, wo und wie man weiter zu dem Thema arbeiten will.

    Im konkreten Fall haben sich bei uns hier 5 Handlungsbereiche herauskristallisiert.

    1. Integration & Niederschwelligkeit: Wie bauen wir Reflexion sinnvoll in Lernprozesse ein?
    2. Strukturierung & Methodik: Wie geben wir Reflexion eine klare, verständliche Form?
    3. Feedback & Kommunikation: Wie reagieren wir auf Reflexionen der Schüler*innen?
    4. Schulkultur & Partizipation: Wie holen wir alle Beteiligten ins Boot?
    5. Gestaltung & Visualisierung: Wie machen wir Reflexionshilfen ansprechend?

    In einem anderen Rahmen können das natürlich auch andere Handlungsbereiche sein.

    Ganz entscheidend habe ich zweitens die Besinnung auf ein „Growth Mindset“ gerade beim Thema Lernreflexion erlebt. Man ist sonst sehr schnell dabei festzustellen, dass ‚Schüler*in NN‘ solch eine Reflexion ganz bestimmt nicht hinbekommt bzw. damit völlig überfordert und auch nicht dazu bereit wäre. Genau daraus ergibt sich dann aber die pädagogische Herausforderung, genau zu solch einer Lernreflexion durch eine entsprechende Lerngestaltung Schritt für Schritt zu ermächtigen.

    Der dritte Aspekt ist eher eine Nebenbei-Beobachtung: Ich habe in diesem Workshop bei Aufgaben in Gruppen- und Einzelarbeiten durchgängig Antworten (= meine Perspektive darauf) angeboten. Meine Einladung war dann immer:

    Eignet Euch das jetzt selbst an!

    Gerade weil es vor diesem Hintergrund möglich gewesen wäre, einfach auch meine Impulse ‚abzuschreiben‘, wurde denke ich der Impuls unterdrückt, schnell mal bei ChatGPT oder einen anderen Sprachmodell nach einer Lösung zu fragen. Denn eine mögliche Lösung lag ja schon vor. Ich werde dieses Prinzip in andere Lernangebote mitnehmen, um so Aneignungsprozesse gezielt zu ermöglichen.

    Freudvolle Weiterarbeit und gutes Weiternutzen!

    Den Kolleginnen und Kollegen der Lernwelt wünsche ich viel Erfolg bei der Weiterarbeit und freue mich auf weitere Zusammenarbeit.

    Allen anderen, die das Thema in dieser oder ähnlicher Form aufgreifen möchten, wünsche ich viel Erfolg und Freude bei der gemeinsamen Entwicklung. Für Anfragen zum Thema bin ich sehr offen. Ich halte Lernreflexion für ein sehr relevantes Thema.

    Und ich freue mich immer, über weitere Einschätzungen zu diesem Thema zu lesen.

    #Lernkulturveränderung #MethodenLernformate
  3. Lernreflexion mit dem Modell von Graham Gibbs

    Für einen Workshop mit den Kolleg*innen der Lernwelt Sachsen-Anhalt arbeite ich gerade zum Reflexionsmodell nach Graham Gibbs. Da ich erstens Lernreflexion für sehr relevant für gute Bildung halte und mir zweitens das genannte Modell grundsätzlich hilfreich und gut anwendbar erscheint, teile ich es in diesem Blogbeitrag.

    Hintergrund: Lernwelt Sachsen-Anhalt

    Die Lernwelt Sachsen-Anhalt ist ein pädagogisches Entwicklungsprojekt, das zunächst einmal sehr stark aus der Not geboren ist (= eklatanter Lehrkräftemangel vor allem in der Fläche in diesem Bundesland), aber genau diese Herausforderung versucht, im Sinne einer Transformation in Richtung mehr selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Lernen zu nutzen.

    In den letzten Monaten sind im Rahmen der Lernwelt vor allem so genannte ‚Lernabenteuer‘ entstanden. Dabei handelt es sich um interaktive Moodle-Inhalte zu unterschiedlichen, fächerübergreifenden Themen, die sich Lernende im Rahmen einer frei gestaltbaren Lernzeit selbstbestimmt erschließen können. Über ein Lernbüro gibt es pädagogische Begleitung bei Bedarf.

    Diese Lernabenteuer sind 2026 zum zweiten Schulhalbjahr mit positiver Resonanz angelaufen. Besonders wichtig erscheint den Beteiligten, dass Schülerinnen und Schüler mit Lernen und Schule dank dieser Lernabenteuer wieder positive Erfahrungen verbinden. Aufbauend auf solch einer ermöglichten Lernfreude will das Team nun weiter arbeiten und in den Angeboten insbesondere auch die Selbstlernkompetenz der Lernenden stärken. Lernreflexion erscheint hierfür als ein wichtiger Schlüssel.

    Das Reflexionsmodell nach Graham Gibbs

    Für die Lernwelt Sachsen-Anhalt (aber ganz genau so auch übertragbar auf viele andere Lernangebote) scheint mir das Modell von Graham Gibbs sehr hilfreich. Das Modell stammt aus den 80er Jahren und ist in diesem Sinne nicht besonders neu oder überraschend. Ich empfehle es aus drei Gründen:

    1. Selbstgesteuertes Lernen: Das Modell geht von einem Lernen in Erfahrung aus und verbindet dieses zugleich mit Handlungsorientierung. Es passt somit zu Prinzipien, die in der Pädagogik sehr breit geteilt werden. Insbesondere für ein selbstgesteuertes Lernen, wie es in der Lernwelt Sachsen-Anhalt angelegt ist, scheint es mir sehr geeignet.
    2. Vertikale Kompetenzentwicklung: Die Herausforderung der Lernreflexion wird mit diesem Modell im Sinne einer vertikalen Kompetenzentwicklung angegangen. Das bedeutet: Lernreflexion ist nicht eine zusätzliche Kompetenz, die zu anderen Lernherausforderungen additiv dazu kommt. Stattdessen soll die Lernreflexion ermöglichen, zu einem vertiefteren Lernen zu gelangen.
    3. Ganzheitlicher Ansatz: Die Reflexion ist in dem Sinne ganzheitlich angelegt, dass bei den gemachten Lernerfahrungen z.B. auch die damit verbundenen Gefühle in den Blick genommen werden.

    Vereinfacht lässt sich das Modell von Graham Gibbs als sequenzielle Abfolge von Schritten beschreiben:

    Beschreiben → Fühlen → Bewerten → Analysieren → Schlussfolgern → Handeln

    Hilfreicher ist aber, wie im Namen ersichtlich, dieses Modell in der Lernreflexion als iterativen Zyklus zu durchlaufen. Während des Lernens kann der Zyklus in diesem Sinne mehrmals durchlaufen und die Reflexion auf diese Weise immer weiter vertieft werden.

    Die einzelnen Bereiche des Zyklus lassen sich dabei folgendermaßen beschreiben:

    1. Beschreibung

    Ein guter Ausgangspunkt ist zunächst eine deskriptive Betrachtung des eigenen Lernens. Lernende stellen sich die Fragen: Was habe ich in welcher Situation gemacht? Das Ziel ist es, die Situation zunächst ohne weitere Bewertung darstellen zu können.

    2. Gefühle

    An diese sachliche Beschreibung kann sich dann die Ebene der Gefühle anschließen. Lernende stellen sich die Frage: Wie ging es mir in der Situation und wie habe ich mich gefühlt? Das Ziel ist es, die eigenen Emotionen bewusst wahrzunehmen.

    3. Bewertung

    Anschließend geht es darum, diese Beschreibung und die wahrgenommenen Gefühle einer ersten Bewertung zu unterziehen. Lernende stellen sich die Frage: Was lief gut und was lief schlecht? Auf diese Weise sollen die gesammelten Erfahrungen einer ersten Einschätzung unterzogen werden.

    4. Analyse

    An die Bewertung sollte sich im Sinne eines vertiefenden Lernens die Analyse anschließen. Lernende stellen sich hier die Frage: Warum ist es so passiert? (Oder auch: Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend? Welche Muster erkenne ich?). Auf diese Weise verstehen Lernende, warum sie wie lernen konnten.

    5. Schlussfolgerung

    Die Analyse ist die Voraussetzung für das Festhalten möglicher Konsequenzen. Lernende stellen sich dazu die Frage: Was hätte ich anders machen können? In diesem Sinne können sie konkrete Erkenntnisse zu ihrem Lernen festhalten.

    6. Handlungsplan

    Den Abschluss eines Zyklus bildet die Übertragung der vorherigen Schritte in einen Handlungsplan für zukünftiges Lernen. Lernende stellen sich die Frage: Wie lerne ich zukünftig? Es geht somit im Sinne einer vertikalen Kompetenz darum, über die Reflexion zu einem in Zukunft besseren, weil tieferen Lernen zu gelangen.

    Umsetzung

    Im Rahmen der Gestaltung von selbstgesteuertem Lernen besteht die pädagogische Herausforderung nun darin, erstens im Sinne eines ‚das Lernen lernen‘ Raum zu geben, damit Lernende die Bedeutung von Lernreflexion für ein vertiefteres Lernen für sich erkennen und entwickeln können. Zweitens und vor allem gilt es in Lernprozessen Räume zur Reflexion zu gestalten, in denen diese Schritte iterativ angewandt werden können.

    Um diesen Prozess zu unterstützen habe ich das Modell hier als H5P-Inhalt zur Weiternutzung aufbereitet:

    Bei der Lernwelt Sachsen-Anhalt geht es sehr stark um personalisierte Lernangebote, in denen Lernende überwiegend für sich lernen. Für Lernen im sozialen Raum könnten die sechs Schritte jeweils um die damit verbundene soziale Dimension erweitert werden. Das bedeutet also die oben genannten Fragen immer auch in einer ‚Wir-Form‘ zu stellen (z.B. Wie haben wir gelernt? Wie ging es mir und wie ging es anderen? Welche Form von Lernen wollen wir für uns als Gruppe ermöglichen? …).

    Fazit

    Ich finde den Lernreflexionszyklus von Graham Gibbs gerade wegen der Einfachheit und Prägnanz ein hilfreiches Instrument zur pädagogischen Gestaltung insbesondere von selbstgesteuerten Lernprozessen. Auf einer weitergehenden Ebene ordne ich Lernreflexion als einen wichtigen Treiber für Selbstentwicklung ein. Denn durch die Entwicklung einer reflektierten Praxis, ist Raum um über die eigene Intention mehr Klarheit zu gewinnen und auf dieser Basis dann nicht nur für das eigene Weiterlernen, sondern auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht Handlungsmöglichkeiten entwickeln und umsetzen zu können.

    #Lernkulturveränderung #MicroContent
  4. Lernreflexion mit dem Modell von Graham Gibbs

    Für einen Workshop mit den Kolleg*innen der Lernwelt Sachsen-Anhalt arbeite ich gerade zum Reflexionsmodell nach Graham Gibbs. Da ich erstens Lernreflexion für sehr relevant für gute Bildung halte und mir zweitens das genannte Modell grundsätzlich hilfreich und gut anwendbar erscheint, teile ich es in diesem Blogbeitrag.

    Hintergrund: Lernwelt Sachsen-Anhalt

    Die Lernwelt Sachsen-Anhalt ist ein pädagogisches Entwicklungsprojekt, das zunächst einmal sehr stark aus der Not geboren ist (= eklatanter Lehrkräftemangel vor allem in der Fläche in diesem Bundesland), aber genau diese Herausforderung versucht, im Sinne einer Transformation in Richtung mehr selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Lernen zu nutzen.

    In den letzten Monaten sind im Rahmen der Lernwelt vor allem so genannte ‚Lernabenteuer‘ entstanden. Dabei handelt es sich um interaktive Moodle-Inhalte zu unterschiedlichen, fächerübergreifenden Themen, die sich Lernende im Rahmen einer frei gestaltbaren Lernzeit selbstbestimmt erschließen können. Über ein Lernbüro gibt es pädagogische Begleitung bei Bedarf.

    Diese Lernabenteuer sind 2026 zum zweiten Schulhalbjahr mit positiver Resonanz angelaufen. Besonders wichtig erscheint den Beteiligten, dass Schülerinnen und Schüler mit Lernen und Schule dank dieser Lernabenteuer wieder positive Erfahrungen verbinden. Aufbauend auf solch einer ermöglichten Lernfreude will das Team nun weiter arbeiten und in den Angeboten insbesondere auch die Selbstlernkompetenz der Lernenden stärken. Lernreflexion erscheint hierfür als ein wichtiger Schlüssel.

    Das Reflexionsmodell nach Graham Gibbs

    Für die Lernwelt Sachsen-Anhalt (aber ganz genau so auch übertragbar auf viele andere Lernangebote) scheint mir das Modell von Graham Gibbs sehr hilfreich. Das Modell stammt aus den 80er Jahren und ist in diesem Sinne nicht besonders neu oder überraschend. Ich empfehle es aus drei Gründen:

    1. Selbstgesteuertes Lernen: Das Modell geht von einem Lernen in Erfahrung aus und verbindet dieses zugleich mit Handlungsorientierung. Es passt somit zu Prinzipien, die in der Pädagogik sehr breit geteilt werden. Insbesondere für ein selbstgesteuertes Lernen, wie es in der Lernwelt Sachsen-Anhalt angelegt ist, scheint es mir sehr geeignet.
    2. Vertikale Kompetenzentwicklung: Die Herausforderung der Lernreflexion wird mit diesem Modell im Sinne einer vertikalen Kompetenzentwicklung angegangen. Das bedeutet: Lernreflexion ist nicht eine zusätzliche Kompetenz, die zu anderen Lernherausforderungen additiv dazu kommt. Stattdessen soll die Lernreflexion ermöglichen, zu einem vertiefteren Lernen zu gelangen.
    3. Ganzheitlicher Ansatz: Die Reflexion ist in dem Sinne ganzheitlich angelegt, dass bei den gemachten Lernerfahrungen z.B. auch die damit verbundenen Gefühle in den Blick genommen werden.

    Vereinfacht lässt sich das Modell von Graham Gibbs als sequenzielle Abfolge von Schritten beschreiben:

    Beschreiben → Fühlen → Bewerten → Analysieren → Schlussfolgern → Handeln

    Hilfreicher ist aber, wie im Namen ersichtlich, dieses Modell in der Lernreflexion als iterativen Zyklus zu durchlaufen. Während des Lernens kann der Zyklus in diesem Sinne mehrmals durchlaufen und die Reflexion auf diese Weise immer weiter vertieft werden.

    Die einzelnen Bereiche des Zyklus lassen sich dabei folgendermaßen beschreiben:

    1. Beschreibung

    Ein guter Ausgangspunkt ist zunächst eine deskriptive Betrachtung des eigenen Lernens. Lernende stellen sich die Fragen: Was habe ich in welcher Situation gemacht? Das Ziel ist es, die Situation zunächst ohne weitere Bewertung darstellen zu können.

    2. Gefühle

    An diese sachliche Beschreibung kann sich dann die Ebene der Gefühle anschließen. Lernende stellen sich die Frage: Wie ging es mir in der Situation und wie habe ich mich gefühlt? Das Ziel ist es, die eigenen Emotionen bewusst wahrzunehmen.

    3. Bewertung

    Anschließend geht es darum, diese Beschreibung und die wahrgenommenen Gefühle einer ersten Bewertung zu unterziehen. Lernende stellen sich die Frage: Was lief gut und was lief schlecht? Auf diese Weise sollen die gesammelten Erfahrungen einer ersten Einschätzung unterzogen werden.

    4. Analyse

    An die Bewertung sollte sich im Sinne eines vertiefenden Lernens die Analyse anschließen. Lernende stellen sich hier die Frage: Warum ist es so passiert? (Oder auch: Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend? Welche Muster erkenne ich?). Auf diese Weise verstehen Lernende, warum sie wie lernen konnten.

    5. Schlussfolgerung

    Die Analyse ist die Voraussetzung für das Festhalten möglicher Konsequenzen. Lernende stellen sich dazu die Frage: Was hätte ich anders machen können? In diesem Sinne können sie konkrete Erkenntnisse zu ihrem Lernen festhalten.

    6. Handlungsplan

    Den Abschluss eines Zyklus bildet die Übertragung der vorherigen Schritte in einen Handlungsplan für zukünftiges Lernen. Lernende stellen sich die Frage: Wie lerne ich zukünftig? Es geht somit im Sinne einer vertikalen Kompetenz darum, über die Reflexion zu einem in Zukunft besseren, weil tieferen Lernen zu gelangen.

    Umsetzung

    Im Rahmen der Gestaltung von selbstgesteuertem Lernen besteht die pädagogische Herausforderung nun darin, erstens im Sinne eines ‚das Lernen lernen‘ Raum zu geben, damit Lernende die Bedeutung von Lernreflexion für ein vertiefteres Lernen für sich erkennen und entwickeln können. Zweitens und vor allem gilt es in Lernprozessen Räume zur Reflexion zu gestalten, in denen diese Schritte iterativ angewandt werden können.

    Um diesen Prozess zu unterstützen habe ich das Modell hier als H5P-Inhalt zur Weiternutzung aufbereitet:

    Bei der Lernwelt Sachsen-Anhalt geht es sehr stark um personalisierte Lernangebote, in denen Lernende überwiegend für sich lernen. Für Lernen im sozialen Raum könnten die sechs Schritte jeweils um die damit verbundene soziale Dimension erweitert werden. Das bedeutet also die oben genannten Fragen immer auch in einer ‚Wir-Form‘ zu stellen (z.B. Wie haben wir gelernt? Wie ging es mir und wie ging es anderen? Welche Form von Lernen wollen wir für uns als Gruppe ermöglichen? …).

    Fazit

    Ich finde den Lernreflexionszyklus von Graham Gibbs gerade wegen der Einfachheit und Prägnanz ein hilfreiches Instrument zur pädagogischen Gestaltung insbesondere von selbstgesteuerten Lernprozessen. Auf einer weitergehenden Ebene ordne ich Lernreflexion als einen wichtigen Treiber für Selbstentwicklung ein. Denn durch die Entwicklung einer reflektierten Praxis, ist Raum um über die eigene Intention mehr Klarheit zu gewinnen und auf dieser Basis dann nicht nur für das eigene Weiterlernen, sondern auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht Handlungsmöglichkeiten entwickeln und umsetzen zu können.

    #Lernkulturveränderung #MicroContent
  5. Lernreflexion mit dem Modell von Graham Gibbs

    Für einen Workshop mit den Kolleg*innen der Lernwelt Sachsen-Anhalt arbeite ich gerade zum Reflexionsmodell nach Graham Gibbs. Da ich erstens Lernreflexion für sehr relevant für gute Bildung halte und mir zweitens das genannte Modell grundsätzlich hilfreich und gut anwendbar erscheint, teile ich es in diesem Blogbeitrag.

    Hintergrund: Lernwelt Sachsen-Anhalt

    Die Lernwelt Sachsen-Anhalt ist ein pädagogisches Entwicklungsprojekt, das zunächst einmal sehr stark aus der Not geboren ist (= eklatanter Lehrkräftemangel vor allem in der Fläche in diesem Bundesland), aber genau diese Herausforderung versucht, im Sinne einer Transformation in Richtung mehr selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Lernen zu nutzen.

    In den letzten Monaten sind im Rahmen der Lernwelt vor allem so genannte ‚Lernabenteuer‘ entstanden. Dabei handelt es sich um interaktive Moodle-Inhalte zu unterschiedlichen, fächerübergreifenden Themen, die sich Lernende im Rahmen einer frei gestaltbaren Lernzeit selbstbestimmt erschließen können. Über ein Lernbüro gibt es pädagogische Begleitung bei Bedarf.

    Diese Lernabenteuer sind 2026 zum zweiten Schulhalbjahr mit positiver Resonanz angelaufen. Besonders wichtig erscheint den Beteiligten, dass Schülerinnen und Schüler mit Lernen und Schule dank dieser Lernabenteuer wieder positive Erfahrungen verbinden. Aufbauend auf solch einer ermöglichten Lernfreude will das Team nun weiter arbeiten und in den Angeboten insbesondere auch die Selbstlernkompetenz der Lernenden stärken. Lernreflexion erscheint hierfür als ein wichtiger Schlüssel.

    Das Reflexionsmodell nach Graham Gibbs

    Für die Lernwelt Sachsen-Anhalt (aber ganz genau so auch übertragbar auf viele andere Lernangebote) scheint mir das Modell von Graham Gibbs sehr hilfreich. Das Modell stammt aus den 80er Jahren und ist in diesem Sinne nicht besonders neu oder überraschend. Ich empfehle es aus drei Gründen:

    1. Selbstgesteuertes Lernen: Das Modell geht von einem Lernen in Erfahrung aus und verbindet dieses zugleich mit Handlungsorientierung. Es passt somit zu Prinzipien, die in der Pädagogik sehr breit geteilt werden. Insbesondere für ein selbstgesteuertes Lernen, wie es in der Lernwelt Sachsen-Anhalt angelegt ist, scheint es mir sehr geeignet.
    2. Vertikale Kompetenzentwicklung: Die Herausforderung der Lernreflexion wird mit diesem Modell im Sinne einer vertikalen Kompetenzentwicklung angegangen. Das bedeutet: Lernreflexion ist nicht eine zusätzliche Kompetenz, die zu anderen Lernherausforderungen additiv dazu kommt. Stattdessen soll die Lernreflexion ermöglichen, zu einem vertiefteren Lernen zu gelangen.
    3. Ganzheitlicher Ansatz: Die Reflexion ist in dem Sinne ganzheitlich angelegt, dass bei den gemachten Lernerfahrungen z.B. auch die damit verbundenen Gefühle in den Blick genommen werden.

    Vereinfacht lässt sich das Modell von Graham Gibbs als sequenzielle Abfolge von Schritten beschreiben:

    Beschreiben → Fühlen → Bewerten → Analysieren → Schlussfolgern → Handeln

    Hilfreicher ist aber, wie im Namen ersichtlich, dieses Modell in der Lernreflexion als iterativen Zyklus zu durchlaufen. Während des Lernens kann der Zyklus in diesem Sinne mehrmals durchlaufen und die Reflexion auf diese Weise immer weiter vertieft werden.

    Die einzelnen Bereiche des Zyklus lassen sich dabei folgendermaßen beschreiben:

    1. Beschreibung

    Ein guter Ausgangspunkt ist zunächst eine deskriptive Betrachtung des eigenen Lernens. Lernende stellen sich die Fragen: Was habe ich in welcher Situation gemacht? Das Ziel ist es, die Situation zunächst ohne weitere Bewertung darstellen zu können.

    2. Gefühle

    An diese sachliche Beschreibung kann sich dann die Ebene der Gefühle anschließen. Lernende stellen sich die Frage: Wie ging es mir in der Situation und wie habe ich mich gefühlt? Das Ziel ist es, die eigenen Emotionen bewusst wahrzunehmen.

    3. Bewertung

    Anschließend geht es darum, diese Beschreibung und die wahrgenommenen Gefühle einer ersten Bewertung zu unterziehen. Lernende stellen sich die Frage: Was lief gut und was lief schlecht? Auf diese Weise sollen die gesammelten Erfahrungen einer ersten Einschätzung unterzogen werden.

    4. Analyse

    An die Bewertung sollte sich im Sinne eines vertiefenden Lernens die Analyse anschließen. Lernende stellen sich hier die Frage: Warum ist es so passiert? (Oder auch: Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend? Welche Muster erkenne ich?). Auf diese Weise verstehen Lernende, warum sie wie lernen konnten.

    5. Schlussfolgerung

    Die Analyse ist die Voraussetzung für das Festhalten möglicher Konsequenzen. Lernende stellen sich dazu die Frage: Was hätte ich anders machen können? In diesem Sinne können sie konkrete Erkenntnisse zu ihrem Lernen festhalten.

    6. Handlungsplan

    Den Abschluss eines Zyklus bildet die Übertragung der vorherigen Schritte in einen Handlungsplan für zukünftiges Lernen. Lernende stellen sich die Frage: Wie lerne ich zukünftig? Es geht somit im Sinne einer vertikalen Kompetenz darum, über die Reflexion zu einem in Zukunft besseren, weil tieferen Lernen zu gelangen.

    Umsetzung

    Im Rahmen der Gestaltung von selbstgesteuertem Lernen besteht die pädagogische Herausforderung nun darin, erstens im Sinne eines ‚das Lernen lernen‘ Raum zu geben, damit Lernende die Bedeutung von Lernreflexion für ein vertiefteres Lernen für sich erkennen und entwickeln können. Zweitens und vor allem gilt es in Lernprozessen Räume zur Reflexion zu gestalten, in denen diese Schritte iterativ angewandt werden können.

    Um diesen Prozess zu unterstützen habe ich das Modell hier als H5P-Inhalt zur Weiternutzung aufbereitet:

    Bei der Lernwelt Sachsen-Anhalt geht es sehr stark um personalisierte Lernangebote, in denen Lernende überwiegend für sich lernen. Für Lernen im sozialen Raum könnten die sechs Schritte jeweils um die damit verbundene soziale Dimension erweitert werden. Das bedeutet also die oben genannten Fragen immer auch in einer ‚Wir-Form‘ zu stellen (z.B. Wie haben wir gelernt? Wie ging es mir und wie ging es anderen? Welche Form von Lernen wollen wir für uns als Gruppe ermöglichen? …).

    Fazit

    Ich finde den Lernreflexionszyklus von Graham Gibbs gerade wegen der Einfachheit und Prägnanz ein hilfreiches Instrument zur pädagogischen Gestaltung insbesondere von selbstgesteuerten Lernprozessen. Auf einer weitergehenden Ebene ordne ich Lernreflexion als einen wichtigen Treiber für Selbstentwicklung ein. Denn durch die Entwicklung einer reflektierten Praxis, ist Raum um über die eigene Intention mehr Klarheit zu gewinnen und auf dieser Basis dann nicht nur für das eigene Weiterlernen, sondern auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht Handlungsmöglichkeiten entwickeln und umsetzen zu können.

    #Lernkulturveränderung #MicroContent
  6. Lernreflexion mit dem Modell von Graham Gibbs

    Für einen Workshop mit den Kolleg*innen der Lernwelt Sachsen-Anhalt arbeite ich gerade zum Reflexionsmodell nach Graham Gibbs. Da ich erstens Lernreflexion für sehr relevant für gute Bildung halte und mir zweitens das genannte Modell grundsätzlich hilfreich und gut anwendbar erscheint, teile ich es in diesem Blogbeitrag.

    Hintergrund: Lernwelt Sachsen-Anhalt

    Die Lernwelt Sachsen-Anhalt ist ein pädagogisches Entwicklungsprojekt, das zunächst einmal sehr stark aus der Not geboren ist (= eklatanter Lehrkräftemangel vor allem in der Fläche in diesem Bundesland), aber genau diese Herausforderung versucht, im Sinne einer Transformation in Richtung mehr selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Lernen zu nutzen.

    In den letzten Monaten sind im Rahmen der Lernwelt vor allem so genannte ‚Lernabenteuer‘ entstanden. Dabei handelt es sich um interaktive Moodle-Inhalte zu unterschiedlichen, fächerübergreifenden Themen, die sich Lernende im Rahmen einer frei gestaltbaren Lernzeit selbstbestimmt erschließen können. Über ein Lernbüro gibt es pädagogische Begleitung bei Bedarf.

    Diese Lernabenteuer sind 2026 zum zweiten Schulhalbjahr mit positiver Resonanz angelaufen. Besonders wichtig erscheint den Beteiligten, dass Schülerinnen und Schüler mit Lernen und Schule dank dieser Lernabenteuer wieder positive Erfahrungen verbinden. Aufbauend auf solch einer ermöglichten Lernfreude will das Team nun weiter arbeiten und in den Angeboten insbesondere auch die Selbstlernkompetenz der Lernenden stärken. Lernreflexion erscheint hierfür als ein wichtiger Schlüssel.

    Das Reflexionsmodell nach Graham Gibbs

    Für die Lernwelt Sachsen-Anhalt (aber ganz genau so auch übertragbar auf viele andere Lernangebote) scheint mir das Modell von Graham Gibbs sehr hilfreich. Das Modell stammt aus den 80er Jahren und ist in diesem Sinne nicht besonders neu oder überraschend. Ich empfehle es aus drei Gründen:

    1. Selbstgesteuertes Lernen: Das Modell geht von einem Lernen in Erfahrung aus und verbindet dieses zugleich mit Handlungsorientierung. Es passt somit zu Prinzipien, die in der Pädagogik sehr breit geteilt werden. Insbesondere für ein selbstgesteuertes Lernen, wie es in der Lernwelt Sachsen-Anhalt angelegt ist, scheint es mir sehr geeignet.
    2. Vertikale Kompetenzentwicklung: Die Herausforderung der Lernreflexion wird mit diesem Modell im Sinne einer vertikalen Kompetenzentwicklung angegangen. Das bedeutet: Lernreflexion ist nicht eine zusätzliche Kompetenz, die zu anderen Lernherausforderungen additiv dazu kommt. Stattdessen soll die Lernreflexion ermöglichen, zu einem vertiefteren Lernen zu gelangen.
    3. Ganzheitlicher Ansatz: Die Reflexion ist in dem Sinne ganzheitlich angelegt, dass bei den gemachten Lernerfahrungen z.B. auch die damit verbundenen Gefühle in den Blick genommen werden.

    Vereinfacht lässt sich das Modell von Graham Gibbs als sequenzielle Abfolge von Schritten beschreiben:

    Beschreiben → Fühlen → Bewerten → Analysieren → Schlussfolgern → Handeln

    Hilfreicher ist aber, wie im Namen ersichtlich, dieses Modell in der Lernreflexion als iterativen Zyklus zu durchlaufen. Während des Lernens kann der Zyklus in diesem Sinne mehrmals durchlaufen und die Reflexion auf diese Weise immer weiter vertieft werden.

    Die einzelnen Bereiche des Zyklus lassen sich dabei folgendermaßen beschreiben:

    1. Beschreibung

    Ein guter Ausgangspunkt ist zunächst eine deskriptive Betrachtung des eigenen Lernens. Lernende stellen sich die Fragen: Was habe ich in welcher Situation gemacht? Das Ziel ist es, die Situation zunächst ohne weitere Bewertung darstellen zu können.

    2. Gefühle

    An diese sachliche Beschreibung kann sich dann die Ebene der Gefühle anschließen. Lernende stellen sich die Frage: Wie ging es mir in der Situation und wie habe ich mich gefühlt? Das Ziel ist es, die eigenen Emotionen bewusst wahrzunehmen.

    3. Bewertung

    Anschließend geht es darum, diese Beschreibung und die wahrgenommenen Gefühle einer ersten Bewertung zu unterziehen. Lernende stellen sich die Frage: Was lief gut und was lief schlecht? Auf diese Weise sollen die gesammelten Erfahrungen einer ersten Einschätzung unterzogen werden.

    4. Analyse

    An die Bewertung sollte sich im Sinne eines vertiefenden Lernens die Analyse anschließen. Lernende stellen sich hier die Frage: Warum ist es so passiert? (Oder auch: Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend? Welche Muster erkenne ich?). Auf diese Weise verstehen Lernende, warum sie wie lernen konnten.

    5. Schlussfolgerung

    Die Analyse ist die Voraussetzung für das Festhalten möglicher Konsequenzen. Lernende stellen sich dazu die Frage: Was hätte ich anders machen können? In diesem Sinne können sie konkrete Erkenntnisse zu ihrem Lernen festhalten.

    6. Handlungsplan

    Den Abschluss eines Zyklus bildet die Übertragung der vorherigen Schritte in einen Handlungsplan für zukünftiges Lernen. Lernende stellen sich die Frage: Wie lerne ich zukünftig? Es geht somit im Sinne einer vertikalen Kompetenz darum, über die Reflexion zu einem in Zukunft besseren, weil tieferen Lernen zu gelangen.

    Umsetzung

    Im Rahmen der Gestaltung von selbstgesteuertem Lernen besteht die pädagogische Herausforderung nun darin, erstens im Sinne eines ‚das Lernen lernen‘ Raum zu geben, damit Lernende die Bedeutung von Lernreflexion für ein vertiefteres Lernen für sich erkennen und entwickeln können. Zweitens und vor allem gilt es in Lernprozessen Räume zur Reflexion zu gestalten, in denen diese Schritte iterativ angewandt werden können.

    Um diesen Prozess zu unterstützen habe ich das Modell hier als H5P-Inhalt zur Weiternutzung aufbereitet:

    Bei der Lernwelt Sachsen-Anhalt geht es sehr stark um personalisierte Lernangebote, in denen Lernende überwiegend für sich lernen. Für Lernen im sozialen Raum könnten die sechs Schritte jeweils um die damit verbundene soziale Dimension erweitert werden. Das bedeutet also die oben genannten Fragen immer auch in einer ‚Wir-Form‘ zu stellen (z.B. Wie haben wir gelernt? Wie ging es mir und wie ging es anderen? Welche Form von Lernen wollen wir für uns als Gruppe ermöglichen? …).

    Fazit

    Ich finde den Lernreflexionszyklus von Graham Gibbs gerade wegen der Einfachheit und Prägnanz ein hilfreiches Instrument zur pädagogischen Gestaltung insbesondere von selbstgesteuerten Lernprozessen. Auf einer weitergehenden Ebene ordne ich Lernreflexion als einen wichtigen Treiber für Selbstentwicklung ein. Denn durch die Entwicklung einer reflektierten Praxis, ist Raum um über die eigene Intention mehr Klarheit zu gewinnen und auf dieser Basis dann nicht nur für das eigene Weiterlernen, sondern auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht Handlungsmöglichkeiten entwickeln und umsetzen zu können.

    #Lernkulturveränderung #MicroContent
  7. Schulentwicklungstag: Mein Weg zu gutem Unterricht!

    Den heutigen Tag habe ich in Timmendorfer Strand verbracht. Hier ist einer der Schulstandorte der Beruflichen Schule Ostholstein in Oldenburg. Gemeinsam mit Katrin Halfmann, Ann-Kathrin Peters und Ina Moebius habe ich für diese Schule einen Schulentwicklungstag konzipiert und durchgeführt.

    Der Titel des Tages war ‚Mein Weg zu gutem Unterricht‘, was der Wunsch von Schulleitung und Vorbereitungsgruppe war. Man könnte nun natürlich – im Sinne von Stefan Ruppaner – erwidern, dass Unterricht aller Übel Anfang sei. Wir haben uns in der Vorbereitung lieber darüber gefreut, dass es in den Kollegien an den unterschiedlichen Schulstandorten offensichtlich den Wunsch gab und gibt, die eigene Gestaltung des Lernens (aka ‚Unterricht‘) zu hinterfragen, gemeinsam zu reflektieren und weiter zu entwickeln.

    Persönlich hat es mir große Freude gemacht, solch einen Tag einmal nicht überwiegend in alleiniger Verantwortung, sondern in einem sehr gut funktionierenden Team vorzubereiten. Wir haben gemeinsam einiges an Zeit in die Vorbereitung gesteckt, was sich aus meiner Sicht sehr auszahlte.

    In diesem Blogbeitrag teile ich die für mich fünf wichtigsten Aspekte der Konzeption und Durchführung, die ich zum Nachmachen und Weiternutzen sehr empfehlen kann.

    1. Verändertes Lernen selbst erleben

    Der ‚rote Faden‘ bei unserer Konzeption war, dass wir den Teilnehmenden ermöglichen wollten, ein verändertes Lernen selbst zu erleben. Wir haben dazu bewusst unterschiedliche Formate, einen klaren Rahmen und sehr viel Offenheit für die Gestaltung eigener Lernwege angeboten. Auch haben wir die beiden Impulse, die wir einplanten (siehe unten), bewusst sehr verschieden gestaltet: einmal mit Kritzelfolien, einmal gegenständlich und mit ‚Mini-Rollenspielen‘.

    Damit dieses veränderte Lernen dann nicht nur einfach stattfand, sondern bewusst reflektiert werden konnte, haben wir morgens auf die Plätze Blanko-Hefte und Sticker mit Reflexionsfragen verteilt. Im Tagesverlauf haben wir dann immer wieder Zeit gegeben, um Notizen in den so entstehenden Lernjournals festzuhalten.

    Meiner Beobachtung nach haben die Kolleg*innen diese Möglichkeit sehr unterschiedlich, aber insgesamt sehr viel und auch sehr vielfältig genutzt. Die Idee werde ich deshalb in jedem Fall vom heutigen Tag mitnehme. Unser genaues Vorgehen habe ich hier beschrieben.

    Verteiltes Blanko-Heft mit Reflexionsstickern

    2. Impulse mit Transfermöglichkeit

    Wie oben geschrieben gab es am Vormittag zwei Impulse, die sich aus meiner Sicht ganz wunderbar ergänzten: Der erste Impuls kam von Katrin Halfmann und behandelte das Thema Haltung (zu dem sie auch ein sehr empfehlenswertes Buch geschrieben hat). Wir richteten damit den Blick also nach innen und stellten die Frage:

    Wie können wir zu einer reflektierten pädagogischen Handlung kommen, insbesondere unter bewusster Nutzung des Inneren Teams?

    Danach schloss sich ein Impuls von mir zum Nordstern in der Lerngestaltung an. Im Fokus stand somit die Frage:

    Warum sind wir pädagogisch tätig? Worauf zielt gute Bildung?

    Ich mochte diese Kombination erstens inhaltlich sehr gerne. Zweitens fand ich die Gestaltung gelungen. Denn bei beiden Impulsen haben wir schon zwischendurch immer wieder Raum für kurze Murmelrunden gegeben und vor allem schloss sich an jeden der Impulse eine mindestens 30-minütige Austauschphase an. Hierzu hatten wir Reflexions- und Transferfragen vorbereitet, über die die Kolleg*innen zu dem Gesagten in Austausch untereinander kommen konnten.

    Ganz im Sinne, dass ja auch ein verändertes Lernen selbst erlebt werden sollte, waren diese Fragen bewusst als Einladung formuliert. Wir ließen auch offen, ob die Kolleg*innen sich dazu bei einem Kaffee zusammenstellen, sich einen ruhigen Raum für den Austausch suchen oder sich in Bewegung und damit auf einen kollegialen Spaziergang begeben wollten.

    Vortrag ohne Folien: Schritt für Schritt habe ich die Gegenstände unter dem Tisch hervorgeholt und beschrieben.

    3. Wuselstationen für individuelles Lernen und ganz viel Austausch

    Der Nachmittag war dann noch reicher an individuellen Lernangeboten. Unser Konzept waren hier mehrere Mini-Angebote als eine Art Stationenlernen. Die große Mehrheit der Stationen war unbetreut, d.h. die Kolleg*innen fanden ein Material vor, das sie nutzen und ausprobieren konnten. An vier Stationen konnten sie zudem in den Austausch mit uns als Referentinnen kommen.

    Die Inhalte der Stationen waren bewusst vielfältig. Es ging um Classroom-Management, Herausforderungen der Generation Z, das innere Team, Künstliche Intelligenz, Achtsamkeitsübungen, Arbeit mit Schiebereglern, einen Einstieg ins Fediverse, einfache Bewegungsübungen für den Unterricht, das Kennenlernen von systemischen Fragen und vieles mehr. Natürlich gab es auch eine ‚Joker‘-Station, an der die Kolleg*innen sich zu spontan aufkommenden, selbst gewählten Fragestellungen austauschen konnten.

    Wir haben das Angebot insgesamt ‚Wuselstationen‘ getauft, weil die Kolleg*innen sich genau das heraussuchen konnten, was sie interessierte und vor allem auch ganz flexibel zwischen den Stationen wechseln konnten.

    Die Wuselstationen haben wir von Anfang an mit Weiternutzung im Blick konzipiert und deshalb alle Informationen zugleich auch online auf einer dafür eingerichteten Mini-Website eingestellt. Auf dieser werden wir jetzt im Nachhinein auch noch weitere Materialien hochladen. So haben die Kolleg*innen (und alle weiteren Interessierten) für die Nachbereitung einen reichen Online-Fundus, auf den sie zugreifen können.

    Für die Erkundungen unsere Wuselstationen haben wir insgesamt 2 Stunden Zeit eingeplant. Kürzer sollte das aus meiner Sicht nicht sein. Wir haben die Erkundung der Wuselstationen bewusst mit dem Aufruf verbunden, sich auch mit den Kolleg*innen in Austausch zu begeben, mit denen man ansonsten vielleicht weniger zu tun hat. Insgesamt habe ich auch diesen Part als sehr gewinnbringend erlebt.

    4. Karten-Flaschenpost als Abschlussmethode

    Für solch einen intensiven Tag braucht es eine gute, zusammenführende aber vor allem auch auflockernde und prägnante Abschlussmethode. Wir haben dazu – eigentlich aus der Not heraus, weil im Plenumsraum nicht genug Platz für Bewegung z.B. für einen Kartenaustausch oder Ähnliches war – die Methode ‚Karten-Flaschenpost‘ erfunden.

    Sie funktionierte so:

    • Alle notierten sich auf einer verteilten Karte gut lesbar etwas, was sie am heutigen Tag weitergebracht hat, einen Aha-Effekt zum Tag oder eine neue Erkenntnis.
    • Auf ein Signal hin wurden die Karten ganz schnell durch den ganzen Raum gereicht, so dass beim Stopp-Signal kurz darauf alle eine andere Karte in der Hand hatten. Diese konnte man dann lesen und sich so von einer Erkenntnis eines Kollegen oder einer Kollegin inspirieren lassen.
    • Dieses Vorgehen haben wir noch zweimal wiederholt. Am Ende behielten alle die ‚Flaschenpost-Karte‘, die sie aus dem kollektiven Erkenntnis-Pool zufällig gezogen hatten. Verbunden mit der Einladung, diese Erkenntnis doch auch für sich zu durchdenken.

    Für mich war diese Methode eines der Highlights des Tages, weil alle augenscheinlich mit viel Freude dabei waren und hoffentlich ganz niederschwellig und vor allem zufällig mit noch weiteren Erkenntnisperlen, nicht nur den eigenen, nach Hause fuhren. Gerade in Räumen, die für mehr Bewegung zu eng sind, kann ich das Vorgehen sehr empfehlen.

    Unser Plenumsraum – am Morgen fotografiert. Zu eng für einen Kartenaustausch, aber für Karten-Flaschenpost bestens geeignet.

    5. Und der Strand vor der Tür!

    Sehr schön war es natürlich außerdem, den Strand direkt vor der Tür zu haben. Auch wenn ich in der Durchführung recht eingespannt war, habe ich das zumindest für einen Mini-Spaziergang am (heute ziemlich kalten und zum Teil gefrorenen und damit sehr schönen) Ostseestrand genutzt. Viele Kolleg*innen nutzten es für kollegialen Walk & Talk im Anschluss an die Impulse oder auch bei den Online-Wuselstationen.

    An der Ostsee in der Mittagspause

    Dieser Aspekt wird sich nicht so einfach nachmachen lassen. Schön ist es aber in jedem Fall, dass es solche Lernorte gibt!

    Fazit

    Vielen Dank für die Anfrage und Einladung – und insbesondere auch für den Austausch mit sehr viel Ernsthaftigkeit an meiner KI-Wuselstation. Ich hatte viel Freude! Allen Beteiligten wünsche ich viel Erfolg bei der Nachbereitung und ich bin gespannt, was weiter aus den Anstößen entsteht.

    #Lernkulturveränderung #MethodenLernformate
  8. Fortbildungstage in Sachsen: Reflexion von Spannungsfeldern in der Bildung

    Ich war die letzten beiden Tage in der Fortbildungsstätte Schloss Siebeneichen in Meißen, um mit den Kolleg*innen der medienpädagogischen Zentren in Sachsen über die Ausrichtung ihrer Arbeit zu reflektieren.

    Schloss Siebeneichen in Meißen – eine sehr idyllisch gelegene Fortbildungsstätte

    Ich bin die Konzeption sehr grundlegend angegangen mit drei Leitfragen:

    1. Was ist das Ziel von Bildung?
    2. Wie setzen wir das in der Lerngestaltung um?
    3. Was bedeutet das konkret für unsere Arbeit?

    Insgesamt ziehe ich ein positives Fazit. In diesem Blogbeitrag stelle ich vor, wie ich vorgegangen bin und teile die verwendeten Materialien.

    Übergreifende Aspekte

    Für die Durchführung der beiden Tage waren mir drei Aspekte durchgängig wichtig:

    1. Meta-Blick auf das Lernen: Ich bin sehr davon überzeugt, dass wir als pädagogisch tätige Menschen ein verändertes Lernen nur dann gut gestalten können, wenn wir auch selbst solch ein Lernen ganz konkret und praktisch für uns erleben. Dieser Aspekt war mir in meinen Fortbildungen eigentlich schon immer wichtig. Dieses Mal habe ich hierfür bewusst schon während der Durchführung eine Meta-Ebene der Reflexion ergänzt. Das sah so aus, dass ich eine Pinnwand vorne stehen hatte und nach jedem Lernschritt immer kurz anpinnte, was wir gemacht hatten und dazu erläuterte, warum. Das war in diesem Sinne ein ‚Reflecting Out Loud‘ meiner pädagogischen Tätigkeit.

    Meta-Wand am Ende der Fortbildung, gefüllt mit allen Lernschritten

    In der Perspektive würde ich es sehr gerne hinbekommen, dass Lernende zugleich auch offen und kontinuierlich über ihr Lernen reflektieren. Das hatte ich dieses Mal noch nicht systematisch gemacht.

    3. KI nicht als zusätzliches Thema, sondern als selbstverständliche Ressource: In den letzten Jahren habe ich sehr viele Fortbildungen zu KI konzipiert und durchgeführt. Bei der jetzigen Fortbildung war KI nun einfach normaler Bestandteil der genutzten Ressourcen. Praktisch sah das so aus, dass an allen Tischen ein QR-Code mit einem Link zu Online-Materialien angeklebt war. Darüber fanden die Teilnehmenden dann Anleitungen für Gruppenarbeiten und ganz genau so auch mögliche, zu nutzende Prompts.

    Hinweis zu den Online-Materialien an den Gruppentischen

    So wie ich es beobachtet habe, haben manche Gruppen diese Prompts verwendet, andere sind ganz anders vorgegangen, wieder andere haben sich bewusst gegen ein ‚KI-Sprachmodell mit an ihrem Tisch‘ entschieden.

    3. Weiterdenkende Perspektive: Wichtige Themen, die die Kolleg*innen in den medienpädagogischen Zentren gerade umtreiben, ist das selbstgesteuerte Lernen, das in Sachsen eine größere Bedeutung an Schulen bekommen soll und die KI-Nutzung durch Schüler*innen. Ich hatte vor dem Hintergrund dieser Themen ganz bewusst wie oben dargestellt einen sehr großen Rahmen aufgespannt. Ich leitete das ein mit dem Bild eines Jongleurs, der immer wieder weitere Bälle auffangen und jonglieren soll, was irgendwann dann eben einfach nicht mehr funktioniert. Genau deshalb sei es aus meiner Sicht so wichtig, ganz bewusst einen Schritt zurück zu treten und neu zu denken.

    Ablauf

    Wir hatten 1,5 Tage Zeit. Den ersten Tag haben wir mit kurzen Impulsen und Weiterdenken in Kleingruppen gearbeitet. Wir waren dazu überwiegend in einem großen Raum an Gruppentischen. Am zweiten Tag gab es dann ein bewusst ganz offen gestaltetes Barcamp. Das bedeutet, dass wir nicht vorab nach Themen gefragt hatten, sondern vor Ort eine kollaborative Themensammlung für die Sessionplanung machten.

    Vorgehen an Tag 1

    Damit alle Teil der Gruppe werden, ist es wichtig, dass jede Person sich zu Beginn einmal im Plenum äußert. Bei 80 Personen ist das natürlich herausfordernd. Wir haben dafür eine A-Z Raumaufstellung nach Vornamen gemacht. In diesem Schritt sind wir dann direkt ins pädagogische Du gewechselt und haben uns gegenseitig begrüßt. Danach ging das Mikro einmal durch und alle sagten kurz: ‚Hallo, ich bin …‘. Das war aus meiner Sicht sehr sinnvoll.

    Anschließend ging es mir darum, dass wir alle gemeinsam Verantwortung für das Gelingen der Fortbildung übernahmen. Ich versuchte das, indem alle ein Adjektiv zu ihren Erwartungen aufschrieben. Anschließend erläuterte ich den Plan der Fortbildung bewusst als einen Rahmen, der gemeinsam gefüllt werden konnte. Im Rahmen eines Kartenaustausches konnten die Teilnehmenden sich dann gegenseitig beraten, was jeweils gemacht werden könnte, damit das jeweils auf der Karte notierte Adjektiv erreicht wird. Auch diese Herangehensweise kann ich zur Weiternutzung empfehlen.

    Ab da ging es dann in die inhaltliche Ausarbeitung. Ich startete mit dem oben erwähnten Jongleur-Bild. Daraufhin waren alle eingeladen, in einem Silent Writing ihre Perspektive auf gute Bildung zu notieren und in ihrer Kleingruppe in einem Blitzlicht zu teilen.

    Von mir gab es dann drei Impulse als Spannungsfelder formuliert, die gerade im aktuellen Kontext aus meiner Sicht drängender werden:

    • Das Spannungsfeld zwischen Lernen aus der Vergangenheit versus Gestalten von neuen Zukünften
    • Das Spannungsfeld zwischen Mensch und Technologie
    • Das Spannungsfeld zwischen zahlreichen Möglichkeiten und vielfältigen, gesellschaftlichen Krisen.
    Kritzelvisualisierung der drei Spannungsfelder

    Auf Grundlage des ersten Blitzlichts und dieses Impulses gestalteten die Lernenden dann ihre Perspektive als Mindmap vor sich auf Flipchart-Papier an den Tischen. Wer wollte konnte hier zur weiteren Ausarbeitung wie oben beschrieben auch ein KI-Sprachmodell mit einem vorbereiteten Prompt mit in die Diskussion holen.

    Von der Leitbild-Orientierung von guter Bildung bewegten wir uns dann weiter zur Lerngestaltung. Hier übernahm ich eine Idee von Katrin Halfmann und verteilte auch hier mögliche Spannungsfelder in der Lerngestaltung.

    • bewerten ~ wertschätzen
    • erklären ~ zuhören
    • vertrauen ~ kontrollieren
    • anleiten ~ begleiten
    • stabilisieren ~ irritieren
    • vorgeben ~ aushandeln
    • zumuten ~ unterstützen
    • ermutigen ~ begrenzen
    Spannungsfelder in der Lerngestaltung

    Der Vorschlag zum Vorgehen in den Kleingruppen war, dass zunächst jede Person der Gruppe ein Spannungsfeld bekam und sich näher damit auseinander setzte. Auch hierzu konnte man einen vorbereiteten Prompt nutzen, der konkrete Beispiele zu dem jeweiligen Spannungsfeld als gewünschten Output festgelegt hatte. Anschließend tauschten sich die Kleingruppen gemeinsam über die jeweiligen Spannungsfelder aus und stellten den Bezug zu ihrer vorherigen ‚Gute Bildung‘-Mindmap her.

    Anschließend war eine ausführliche Mittagspause, in der bewusst auch Zeit für einen kollegialen Walk & Talk Spaziergang zur Reflexion und Rekapitulation der bisherigen Inhalte war.

    Den Nachmittag orientierte ich dann am Rahmen der Inner Development Goals. Hier war mir zunächst eine Gruppenmischung wichtig, weshalb in den bisherigen Kleingruppen jede Person ein Symbol, das für eine der Dimensionen der Inner Development Goals stand, zugeteilt bekam.

    Gruppenpuzzle zu den Dimensionen der Inner Development Goals

    Die Aufgabe war dann, sich mit anderen, die das gleiche Symbol erhalten hatten, zusammen zu setzen und gemeinsam diese Dimension zu erarbeiten. Ich hatte dazu sowohl eine kurze Beschreibung der jeweiligen Kategorie online gestellt als auch einen Vorschlag zum Vorgehen:

    • Gruppe bilden: Findet euch zu dritt oder viert zusammen – alle mit derselben Kategorie.
    • Kategorie verstehen: Lest gemeinsam die Beschreibung zu eurer Kategorie und klärt untereinander offene Fragen.
    • Kopfstand-Methode: Überlegt: Was wäre das Dümmste, was wir in der Bildung tun könnten, damit diese Kategorie garantiert NICHT erreicht wird? Übertreibt ruhig und übertrumpft euch gegenseitig mit immer absurderen Anti-Beispielen.
    • Umdrehen: Dreht die Perspektive um – was wäre stattdessen sinnvoll und wichtig?
    • Festhalten: Notiert euch die wichtigsten Aspekte für eure spätere Vorstellung in der Stammgruppe. Reflektiert dabei insbesondere auch, welche Rolle Technologie im Kontext eurer Kategorie spielt oder spielen könnte.

    Wer wollte konnte für Kopfstand und Kopfstand zurück auch wiederum ein KI-Modell mit an den Tisch holen.

    Anschließend fanden sich wieder die ursprünglichen Gruppen zusammen, berichteten jeweils über ihre Dimension der IDGs und erhielten so einen vollständigen Einblick in das Rahmenwerk.

    Mit Verweis auf die 15% Methode (= Lasst uns darauf konzentrieren, was wir angehen können, nicht auf das, was nicht geht!), formulierten die Kleingruppen abschließend ‚Wie können wir …‘-Fragen? und wählten eine davon zur weiteren Bearbeitung aus.

    Diese Bearbeitung war dann die letzte, intensive Arbeitsphase. Anschließend gab es im Plenum eine Vorstellung als Gallery Walk.

    Vorgehen an Tag 2

    Wie oben bereits geschrieben, hatte ich das Barcamp an Tag 2 bewusst offen angelegt und nicht vorab nach Themen gefragt, um den Fokus auf Austausch und gemeinsame Entwicklung zu legen. Vorab gab ich dann noch einmal ein paar mögliche ‚Satzanfänge‘, was solch eine Session sein könnte.

    Teaser zur Barcamp-Sessionplanung

    Außerdem war für alle die leere Pinnwand vorne sichtbar.

    Noch leerer Sessionplan vor der Planung

    (Neben Sessions im Barcamp gab es zum Abschluss nach der Mittagspause auch die Möglichkeit zu Austauschrunden für diejenigen, die sich noch in einer bestimmten Konstellation zusammensetzen wollten, z.B. die iPad-Arbeitsgruppe der medienpädagogischen Zentren. Das vom eigentlichen Barcamp zu trennen, fand ich eine sehr gute Sache.)

    Die eigentliche Sessionplanung leiteten wir dann mit einer Wuselphase ein. Alle konnten an ihren Tischen oder auch darüber hinaus sich kurz dazu austauschen, welche Themen jetzt noch wichtig zu beraten wären. Diese wurden dann (bewusst nur als Thema und nicht mit sessiongebender Person) auf einer Karte notiert. Ich lief dann von hinten nach vorne durch den Raum und sammelte alle Themen ein, die dabei natürlich von den Teilnehmenden jeweils kurz vorgestellt wurden. Auf diese Weise fand sehr einfach eine Clusterung statt (z.B. mehrere Karten mit Austauschbedarf zu Moodle).

    Dieses Vorgehen wird auf diese Weise nicht für jedes Barcamp passend sein. In unserem Fall fand ich das sehr sinnvoll!

    Nach der Mittagspause beendeten wir die gemeinsame Zeit im Plenum mit einer kurzen Reflexion in Kleingruppen zum nächsten Schritt. Anschließend gab es eine Blitzlicht-Feedbackrunde.

    Mein Fazit

    Insgesamt bin ich mit der Veranstaltung zufrieden. Insbesondere die Meta-Wand und die selbstverständliche KI-Integration hat aus meiner Sicht gut geklappt. Ich würde mich auch im Rückblick wieder für den gewählten, sehr weiterdenkenden Ansatz entscheiden. Es braucht hier aus meiner Sicht aber noch mehr Nachdenken dazu, wie damit besser die Verbindung zum beruflichen Alltag der Teilnehmenden hergestellt werden kann. So hing dieser Part doch etwas sehr in der Luft und Tag 1 und Tag 2 waren nur wenig miteinander verbunden. Stattdessen wirkte es auf mich eher wie ein Bruch: ein bisschen weiterdenkend diskutieren und sich dann wieder den konkreten Fragen zuwenden. Auch daran möchte ich noch weiter überlegen und bin hier auch auf die Evaluation gespannt.

    In jedem Fall geht mein herzlicher Dank an das Vorbereitungsteam für die guten Absprachen und Planungen im Vorfeld und vor allem dafür, dass sie sich auf dieses doch experimentelle Format eingelassen haben. Außerdem herzlichen Dank an alle Teilnehmenden für den guten Austausch und für das gemeinsame Lernen!

    #Lernkulturveränderung #MethodenLernformate
  9. Lasst uns übers Lernen lernen!

    Ende April habe ich meine Edumail unter dem Titel ‚Bei Bildung geht es ums Lernen‚ geschrieben. Unter anderem habe ich darin den Begriff der Mathetik (= die Wissenschaft vom Lernen) erwähnt und dazu aufgerufen, in unserer pädagogischen Tätigkeit mehr aus der Perspektive des Lernens und nicht nur des Lehrens auf die Bildung zu blicken. Das Team des im Aufbau befindlichen Projekts Lernwelt Sachsen-Anhalt hat mich daraufhin dazu eingeladen, mit ihnen einen Workshop zu gestalten, in dem wir gemeinsam über das Lernen lernen. Dieser Workshop fand gestern (= Mitte Juni 2025) statt und hat aus meiner Sicht gut geklappt. In diesem Blogbeitrag teile ich das Konzept des Workshops zum Weiternutzen.

    Rahmenbedingungen

    Wir waren beim Workshop rund 15 Personen und hatten ungefähr 3,5 Stunden Zeit. Das war für einen ersten Aufschlag sehr passend. Das Konzept lässt sich sicherlich auch mit mehr Menschen durchführen. Eine Kurzversion könnte auch in nur einer Stunde stattfinden. Mehr Zeit ist natürlich immer schön!

    Grundsätzliche Herangehensweise

    Es wäre ziemlich widersinnig über das Lernen zu lernen, indem gelehrt wird. Mein Anspruch war stattdessen, insbesondere auch dadurch über das Lernen zu lernen, indem man solch eine bewusste Lerngestaltung anstelle eines klassischen Lehrens praktisch miterleben kann.

    Herausfordernd ist dann, dass in solch einem Setting trotzdem Impulse wichtig sind. Denn das Ganze sollte ja nicht nur rein auf persönlicher Erfahrung basiert stattfinden. Zugleich wollte ich auch ‚Fährten legen‘, die mathetische Grundideen aufgreifen und die sich die Beteiligten dann aneignen können.

    Der Kern: Vom Lernen ausgehen & pädagogisch reflektieren

    Wir starteten den Workshop mit einem biographischen Erzählen mit der Methode Zuhörer*in/ Redner*in: Alle erhielten dazu eine Karte. Bei rund einem Drittel war die Rolle Redner*in aufgedruckt; beim Rest Zuhörer*in. Die Zuhörer*innen versammelten sich ungefähr gleichmäßig um die Redner*innen. Diese hatten dann eine Minute Zeit, um von positiven und/ oder negativen eigenen Lernerfahrungen zu berichten. Dann erhielten andere Personen die Redner*innen-Karten und die Gruppen wurden neu gemischt. Insgesamt führten wir drei Runden durch.

    Auf dieser Grundlage hatten alle einige Ideen und Einschätzungen zum Lernen von sich und anderen im Kopf. Wir konnten daraufhin Kleingruppen bilden. Die Aufgabe war, gemeinsam eine Mindmap zum Thema Lernen zu erstellen.

    Nach einigen Minuten unterbrach ich die Reflexionen und stellte meine vorbereiteten ‚mathetischen Fährten‘ vor. Demnach ist gutes Lernen immer offen (= wir wissen am Anfang noch nicht, was entsteht), vernetzt (= wir schließen an Vorerfahrungen an), spannend (= wir können uns immer tiefer in ein Geheimnis hinein begeben – nicht einfach nur ein Puzzle lösen), mühsam (= es erfordert Disziplin, aber auch das kann eine freudvolle Erfahrung sein), ganzheitlich (= es entwickelt sich die ganze Person), ambitioniert (= das Ziel ist gesellschaftliche Handlungs- und Veränderungsfähigkeit, wozu eben insbesondere auch die Kompetenz zum Lernen gehört) und kollaborativ (= ich begebe mich beim Lernen in Resonanz mit mir selbst, mit der Welt, aber vor allem auch mit anderen)

    Meine ‚mathetischen Fährten‘ als Boden-Präsentation

    Nach dieser kurzen Unterbrechung waren die Teilnehmenden dann eingeladen, an ihren Mindmaps weiterzuarbeiten und dabei – falls aus ihrer Sicht stimmig und sinnvoll – auch diese Impulse mit zu berücksichtigen.

    Dieses Vorgehen empfand ich als sehr stimmig. Ich denke, dass die mathetischen Fährten auf diese Weise deutlich besser angeeignet, weil vernetzt werden konnten, als wenn ich mit einem klassischen Vortrag eingestiegen wäre.

    Anschließend ging es um eine gegenseitige Vorstellung der Mindmaps in Form eines Gruppenpuzzles. Zuvor habe ich allerdings noch drei weitere Begriffe vorgestellt, die pädagogisches Handeln mit einführten:

    • Radikale Gegenwart: Diese gilt es in die Bildung zu holen und Lernende damit zu konfrontieren, damit überhaupt Impulse zum Lernen entstehen.
    • Sichtbarkeit und Reflexion: Es ist entscheidend, Lernen sichtbar zu machen und Lernende bei einer Reflexion darüber zu unterstützen.
    • Selbstwirksamkeit: Es geht darum, dass Lernende sich durch ihr Lernen als wirksam erleben. Das gilt es pädagogisch zu unterstützen.
    • (Räume und Struktur: Lernen muss durch ‚guten Rahmenbau‘ gestaltet und ermöglicht werden. Diese Karte fiel bei uns weg, weil wir nur drei Gruppen hatten)

    Nach der Kurzvorstellung erhielt jeder Tisch einen Begriff und verständigte sich kurz dazu. Anschließend konnten in zwei Runden Teilnehmende zu den anderen Tischen ausschwärmen. Eine Person blieb jeweils sitzen und berichtete über die in ihrer Gruppe entwickelte Mindmap. Die ausgeschwärmten Personen kommentierten mit der Brille ihres jeweiligen Begriffs, wie das vorgestellte Lernen mit ‚radikaler Gegenwart‘, Sichtbarmachung und Reflexion sowie Selbstwirksamkeit unterstützt werden könnte.

    Weiterarbeit: Peer Beratung oder Ideen-Entwicklung

    Nach der oben vorgestellten intensiven und kollaborativen Erarbeitung des Thema ‚Lernen‘, lässt sich der Workshop auf unterschiedliche Art und Weise fortsetzen.

    Eine Idee wäre es, hier eine kollegiale Beratung (zum Beispiel in Form eines Troika Consultings) anzuschließen. Jede Person würde dann jeweils für sich aufschreiben, mit welchen Aspekten sie bei solch einem Lernen in ihrer pädagogischen Rolle hadert – und sich dazu Peer-Feedback holen.

    Wir sind gestern stattdessen so vorgegangen, dass wir aufbauend auf den Diskussionen zum Lernen ‚Wie können wir?‘-Fragen formuliert haben, die gerade auch aus Sicht des im Aufbau befindlichen Projekts der Lernwelt Sachsen-Anhalt relevant sein könnten. Diese konnten dann mit Klebepunkten priorisiert werden und waren dann Grundlage für ein Mini-Barcamp am Nachmittag.

    Im Anschluss daran haben wir in einem Brainwriting individuell Ideen aufgeschrieben, was nun erste Schritte sein könnten – und diese dann in einem kollaborativen Austausch priorisiert. Auf diese Weise gibt es nun ein gemeinsam abgestimmtes Set an Ideen, an denen gemeinsam weiter gearbeitet werden kann.

    Fazit

    Beim Aufschreiben meines Vorgehens klingt das Konzept für mich schon fast zu einfach. Bei der Durchführung habe ich es allerdings als sehr intensiv erlebt. Der wichtigste Schritt ist dazu aus meiner Sicht überhaupt die Entscheidung zu treffen, sich mit solch einem Workshop Zeit für die Reflexion über das Lernen zu nehmen. Vielen Dank an das Team der Lernwelt Sachsen-Anhalt für die Einladung dazu. Außerdem viel Freude an alle, die das Vorgehen für sich remixen wollen. Ich kann es sehr empfehlen!

    #Lernkulturveränderung #MethodenLernformate

  10. Selbstbestimmtes Lernen in der Praxis

    Mit der Europäischen Plattform für Erwachsenenbildung in Europa (EPALE) habe ich in den vergangenen vier Wochen (= im Mai und Juni 2025) ein Experiment für ein sehr selbstbestimmtes Lernen gestartet. Es handelte sich um die EPALE Akademie. Das ist ein offenes und freiwilliges Lernangebot, das sich an interessierte Menschen aus der Erwachsenenbildung richtet und regelmäßig zu unterschiedlichen Themen und in unterschiedlichen Formaten stattfindet. Unser Thema war Twin Transition, also die verschränkte Betrachtung der Transformationsprozesse von Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Erwachsenenbildung.

    Für mich war es das erste, längere Lernangebot, bei dem ich sehr konsequent und bewusst auf klassischen Input vollständig verzichtet habe und Lernende stattdessen dazu angeregt habe, sich das für sie relevante Wissen zu dem Themengebiet selbstständig, unter Nutzung von KI-Technologie und im Austausch miteinander zu erschließen und zu entwickeln.

    In diesem Blogbeitrag teile ich meine Konzeption des Lernangebots sowie meine Reflexion dazu. Vielleicht kannst du das eine oder andere davon in deiner pädagogischen Praxis weiternutzen.

    Meine Perspektive auf Twin Transition in der Bildung

    Wie oben beschrieben meint Twin Transition die verschränkende Betrachtung der beiden großen Transformationsprozesse von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. In der Bildung blicke ich auf Twin Transition weniger als ein Lernen über Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Wichtiger finde ich es, Lernende zu gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft zu befähigen und sie dazu ermutigen, für eine nachhaltige Entwicklung zu wirken.

    Einstiegsfolie im Lernangebot zu Twin Transition in der Bildung

    Hier gibt es einen 3-Minuten-Podcast von mir zu Twin Transition, den ich auch im Rahmen des Lernangebots verwendet habe.

    Konsequenzen für die pädagogische Konzeption

    Dieser inhaltlich-strategische Blick auf Twin Transition hatte direkte Konsequenzen für die pädagogische Konzeption. Denn ich wollte vor diesem Hintergrund einen pädagogischen Doppeldecker gestalten:

    1. Lernenden ermöglichen, relevantes Wissen und Ideen zu erhalten, wie sie Twin Transition in ihrer jeweiligen pädagogischen Praxis umsetzen können.
    2. Lernenden ermöglichen, eine veränderte Art von Lernen praktisch zu erleben, so dass sie das dann auch in ihrer pädagogischen Praxis umsetzen können.

    Umgesetzt habe ich das, indem ich erstens konsequent vom Lernen ausgegangen bin. Das bedeutet, dass immer an den Vorerfahrungen und Fragen der Lernenden angesetzt wurde und sie dabei unterstützt wurden, ihre Lernprozesse selbst zu gestalten und zu reflektieren. Zweitens kam KI-Technologie im Sinne einer LernAssistenz zum Einsatz. Drittens sorgte ich für einen guten, möglichst prägnant erklärbaren Rahmenbau, der vor allem auch Austausch mit Peers sicherstellte. Und viertens konnten Lernende flexibel und freiwillig entscheiden, was sie wann und wie lernen wollten.

    Übersicht zur Konzeption

    Grundsätzlicher Aufbau

    Das Lernangebot lief über vier Wochen mit einem kurzen, 30minütigen Auftakt zum Onboarding und anschließenden, wöchentlichen Lernimpulsen. Zum Abschluss trafen wir uns für zwei Stunden für eine gemeinsame Auswertung.

    Die Lernimpulse wurden über die Website Twin-Transition-Lernen.de zur Verfügung gestellt. Zusätzlich gab es eine eingerichtete Messenger-Gruppe über Signal.

    Für das Gelingen des Lernangebots finde ich vor allem drei Aspekte der Konzeption wichtig:

    1. Strukturierter Fragen-Rahmen

    Ich wollte erreichen, dass Lernende sich das Thema Twin Transition für ihre pädagogische Praxis erschließen konnten. Aufgrund der Vielfalt der Hintergründe der Teilnehmenden brauchte es hierfür einen gemeinsamen Rahmen, der erstens offen genug war, um allen ihren Lernweg zu ermöglichen. Zweitens sollte darin sowohl die Erschließung von bestehendem Wissen, als auch die Entwicklung eigener Ideen möglich sein. Drittens musste vor dem Hintergrund des Selbstlernens auch der Aspekt der Motivation und der Entwicklung eines eigenen Anliegens berücksichtigt werden.

    Um das zu erreichen kombinierte ich den so genannten ‚Golden Circle‘ mit der Aufforderung immer erst mit dem ‚Warum?‘ zu beginnen, mit der ‚What? So what? Now what?‘ Methode der Liberating Structures.

    Daraus ergaben sich (sehr passend für die vier Wochen Lernzeit) vier Lerneinheiten:

    1. Warum ist Twin Transition für dich ein relevantes Thema?
    2. Was genau ist mit Twin Transition gemeint?
    3. Welche Schlussfolgerungen ziehst du daraus?
    4. Wie willst du Twin Transition in deiner pädagogischen Praxis angehen?
    Folie zur Vorstellung der vier Lerneinheiten beim Onboarding-Treffen

    Ich habe mich darum bemüht, jede dieser Lerneinheiten ähnlich aufzubauen:

    • mit einer Erläuterung der Frage
    • mit einem Impuls (als Audio oder Video) von mir zur Beschreibung des vorgeschlagenen Vorgehens beim Lernen
    • mit einer konkreten ‚Anleitung‘
    • mit einer Einladung zur Reflexion

    Besonders stimmig fand ich Lerneinheit 2: Hier ist es – zumindest meiner Einschätzung nach – sehr gut gelungen, dass ich nicht Input, sondern Navigationsunterstützung vorgab. Du kannst dir die Einheit hier ansehen.

    2. Austausch-Räume

    In keinem Fall wollte ich ein Lernangebot, bei dem alle nur für sich selbst lernen. Vor diesem Hintergrund habe ich erstens direkt in das Lernangebot Austauschräume vorgesehen:

    • Wir hatten eine gemeinsame Signal-Gruppe, die jetzt auch nach dem Lernangebot bestehen bleibt und aus der sich im besten Fall eine Community of Practice entwickeln kann.
    • Für jede Woche konnte man sich für einen Lernbuddy-Austausch anmelden. Aus allen Anmeldungen habe ich dann immer per Zufall Paare gebildet, die ihre Kontaktdaten gegenseitig erhielten und sich dann eigenständig verabreden konnten.
    Formular zur Anmeldung am Lernbuddy-Austausch

    Zweitens habe ich immer wieder dazu eingeladen, auch das eigene Netzwerk für Resonanz zu nutzen. Etwa durch die Einladung via Social Media Reflexionen zum eigenen Lernen zu veröffentlichen, ein Lerntagebuch im eigenen Blog zu schreiben oder auch einfach mit Kolleg*innen in den direkten Austausch dazu zu gehen.

    Schließlich gab es drittens auch noch das bereits erwähnte Onboarding und das Abschlusstreffen.

    3. Scaffolding-Prinzip

    Für das selbstbestimmte Lernen haben wir vor allem auf KI-Technologie im Sinne einer LernAssistenz gesetzt. Ich habe hier in den Lernimpulsen das Prinzip des Scaffoldings genutzt:

    • Ich habe zunächst einen sehr klaren, weiternutzbares Prompt zum Erkunden angeboten und genau beschrieben, wie sich dieser nutzen lässt.
    • Anschließend folgte die Ermutigung, auf Basis dieser ersten Erkundung zu einer eigenen Formulierung und selbst gestalteten Nutzung zu kommen.

    Dieses Prinzip finde ich gerade im Kontext einer noch relativ neuen Technologie sehr zielführend.

    Zum Scaffolding gehört für mich auch, dass bei Bedarf immer direkte Hilfe und Unterstützung zur Verfügung steht. Hierzu hatten wir einen prominenten ‚Hilfe‘-Button auf der Website, über den man direkt eine Frage stellen konnte.

    Hilfe-Seite auf der Website

    Nachteilig kann an dieser Gestaltung sein, dass das Erkunden der Technologie wichtiger wird, als die eigentliche Erschließung der Inhalte. Das wurde so auch als eine Beobachtung im Abschlusstreffen geteilt. Optimal wäre es wahrscheinlich, jetzt auf Basis der erreichten Learnings noch einmal ein ähnliches Lernangebot zu machen und da dann den Fokus auf die Inhalte legen zu können.

    Meine Reflexion und Learnings

    Wir haben das Lernangebot beim Abschlusstreffen gemeinsam ausgewertet. Alle Beteiligten gaben hier an, dass sie sich solch ein Lernen auf jeden Fall auch zukünftig vorstellen können. Dieses Ergebnis muss man aber mit Vorsicht betrachten. Denn für das Lernangebot hatten sich gut 50 Personen angemeldet. Zum Auftakttreffen waren rund 40 Personen da; beim Abschlusstreffen dann nur noch knapp 20 Personen. Das bedeutet also: die, die dabei blieben, wollen solch ein Lernen auch zukünftig für sich wahrnehmen. Von denjenigen, die abgesprungen sind, weiß ich das nicht.

    Der ‚Schwund‘ an Teilnehmenden wirkt hier auf den ersten Blick recht dramatisch. Auf der anderen Seite finde ich es insgesamt einen großen Erfolg, dass fast die Hälfte bei solch einem Lern-Experiment dabei blieb. Hinzu kommt, dass ich im Online-Kontext immer sehr viel Abspringen erlebe. Auch ich selbst mache das oft so, dass ich mich zu etwas anmelde, aber dann doch nur kurz reinschnuppern, aber nicht ‚richtig‘ mitlernen kann. Von denen die dabei blieben, wurde in jedem Fall die fehlende Zeit und an zweiter Stelle die Herausforderung der Selbstdisziplin beim Lernen genannt – weniger aber fehlender Austausch oder Überforderung mit den Aufgaben.

    Auswertung beim Abschlusstreffen

    Das bringt mich auch direkt zu der für mich wichtigsten Schlussfolgerung: Wir müssen Lernen sichtbarer machen! Das bedeutet: Zu Lernangeboten wird es zukünftig unbedingt dazu gehören, sich über das Lernen selbst (nicht nur über die jeweils konkreten Inhalte) auszutauschen und dazu Räume zur Verfügung zu stellen. Die Herausforderung ist für mich hier insbesondere, auch diejenigen, die noch eher unerfahren sind, zur offenen Reflexion zu ermutigen. Das ist doppelt herausfordernd, weil erstens fehlt es in diesen Fällen oft an ‚eigenen Kanälen‘, wie einer Social Media Präsenz oder einer eigenen Website, was ich versucht hatte, durch Kommentierungsmöglichkeit auf der Website und auch durch das Angebot der Signal-Gruppe abzuschwächen. Zweitens gibt es oft noch eine größere Unsicherheit beim Lernen. (Einige erwähnten im Abschlusstreffen zum Beispiel, dass sie vom Teilen eigener Learnings abeschreckt wurden, weil andere – aus ihrer Sicht – so super professionelle Sachen geteilt hatten). An dieser Herausforderung möchte ich sehr gerne weiterdenken!

    Weiternutzung & Feedback

    Ich habe die Website mit den Lernimpulsen minimal überarbeitet, so dass keine direkten Links zu Formularen oder der Signal-Gruppe mehr vorhanden sind. Du kannst die Website gerne nutzen, um die Lernimpulse jetzt im Alleingang oder mit Kolleg*innen zum Lernen aufzugreifen. Außerdem können die Inhalte – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – gerne weiter genutzt werden.

    Zur Website

    Ich wünsche viel Freude dabei und bin immer neugierig auf Feedback und weitere Ideen!

    Danke an EPALE für das gemeinsame Experimentieren und an alle Teilnehmenden, die sich darauf eingelassen haben. 🙂

    #Lernkulturveränderung #MethodenLernformate #Nachhaltigkeit #OnlineLernen

  11. Resonanzreiche Lernwerkzeuge

    Vor gut zwei Jahren (im Frühjahr 2023) habe ich über meine (damals sehr große, weil für mich sehr neue) Faszination gebloggt, mithilfe von KI-Sprachmodellen Mini-Anwendungen für die Lehre entwickeln zu können. Wenn ich diesen Blogbeitrag heute lese, muss ich innerlich schmunzeln, weil mir meine damaligen Beschreibungen doch sehr banal erscheinen. Denn es ist ja noch so viel mehr und anderes möglich! Über meinen bisherigen Lernweg in diesem Bereich und meine daraus gewonnenen pädagogischen Schlussfolgerungen möchte ich im folgenden Blogbeitrag berichten.

    Mein Lernweg

    Kurz gefasst erfolgte mein Lernen in diesem Bereich …

    • … technisch von einfachen, statischen Anwendungen hin zu „intelligenten“ Apps, die ich (aus meiner Sicht passender) als resonanzreiche Apps bezeichne.
    • … pädagogisch von einer Perspektive des Lehrens hin zu einer Perspektive des Lernens.

    Wie so oft gilt auch hier: Das Neue machte das Alte nicht obsolet. Stattdessen erweiterten sich die Möglichkeiten.

    1. Faszination über die Möglichkeiten von „Helfer-Tools“

    Der erste Schritt meines Lernwegs war meine oben bereits skizzierte Faszination, wie viel gezielter und einfacher ich in meiner pädagogischen Praxis mit KI-Unterstützung Anwendungen entwickeln konnte, die mich früher sehr viel Mühe und Zeit gekostet hätten oder für die ich auf Online-Angebote von anderen angewiesen gewesen wäre.

    Zum Beispiel habe ich eine Anwendung gepromptet, die mehrere Lernende zufällig in Gruppen einteilt. Ein anderes Beispiel war ein Kreativitätsbooster: Hier konnten sich Lernende immer wieder neue, zuvor eingegebene Kreativitätsimpulse anzeigen und so in einem Brainstorming unterstützen lassen. Solche Tools gibt es zuhauf im Internet. Neu war für mich nun, dass ich sie mit KI-Unterstützung selbst gestalten konnte – und zwar genau mit dem Design und den Bezeichnungen, die ich haben wollte.

    Mein Vorgehen bei diesen und vielen anderen Anwendungen war und ist so, dass ich zunächst mein Anliegen genau beschreibe und mir darauf aufbauend dann von einem Sprachmodell HTML-Code mit integriertem JavaScript generieren lasse. Den Output teste ich dann und korrigiere ihn, wo nötig. Anschließend stelle ich ihn online und nutze ihn in Lernangeboten.

    Solch eine Entwicklung hat sich im Laufe der letzten beiden Jahre für mich immer weiter verbessert. Denn einerseits weiß ich inzwischen besser, wo mögliche Stolperfallen liegen, also worauf ich beim Prompten achten muss. Andererseits werden die KI-Sprachmodelle weiterentwickelt und können solche Coding-Schnipsel immer besser generieren.

    2. Vom Helfer-Tool zu Austausch und Reflexion

    Der zweite Schritt meines Lernwegs war, dass ich nicht mehr ausschließlich Helfer-Tools gestalte, sondern mehr auf Anwendungen ziele, die Gruppenprozesse unterstützen oder als Reflexionsinstrument dienen.

    In diesem Sinne habe ich zum Beispiel das Tool „Brainstormrank“ entwickelt: Alle Beteiligten können hier Ideen eingeben und diese anschließend im Austausch bewerten. Am Ende bekommt man ein Ranking angezeigt.

    Der Hintergrund dieser und anderen, ähnlichen Anwendungen ist, dass ich mich hier pädagogisch an ‚gutem Rahmenbau‘ orientiere und hier vor allem reflektiere, was in einer zunehmend KI-geprägten Welt wichtiger wird. Soziales Lernen, kollaborative Reflexion und Austausch in Gruppen erscheint mir besonders relevant. Vor diesem Hintergrund finde ich es sinnvoll, KI-Technologie dazu zu nutzen, Anwendungen zu entwickeln, die Menschen in Austausch miteinander bringen.

    3. Vom Lehrwerkzeug zu Anwendungen für den eigenen Gebrauch

    Der dritte Schritt meines Lernwegs erfolgte, weil ich zunehmend feststellte, wie sehr wir in der pädagogischen KI-Debatte die bestehende Bildungskultur zementieren, anstatt sie neu zu denken. Der Schlüssel, um das zu ändern, ist für mich vor allem, vom Lernen aus zu denken statt von der Lehre.

    Bei meinen bisherigen Erkundungen musste ich mir eingestehen, dass ich ganz klar lehrseitig dachte. Zwar ist Lernraumgestaltung auf dem Weg vom Fokus auf Lehre hin zum Lernen bereits deutlich weiter als klassische Instruktion. Viel sinnvoller wäre es jedoch, Lernende dazu zu befähigen, selbst Anwendungen zu erstellen und darüber zu reflektieren. Um diesen Weg pädagogisch umzusetzen, finde ich es hilfreich, zunächst selbst zu erkunden, wie solch eine Entwicklung von Lernwerkzeugen für mein eigenes Lernen funktioniert.

    Der erste Versuch hierfür war, dass ich wieder sehr einfache Helfer-Tools gestaltete – nun allerdings nicht mehr für Lernende, sondern für mich selbst. Das mache ich bis heute immer wieder, wenn ich einen Bedarf entdecke. Erst gestern habe ich zum Beispiel einen Mehrwertsteuerrechner mit Pauschalen-Integration gepromptet, um mir das vermaledeite Rechnungsschreiben in meiner Freiberuflichkeit zu vereinfachen. ;-)

    Bei diesem und vielen weiteren Beispielen stelle ich immer wieder fest: Sie sind dann für mich hilfreich, wenn sie von meinem eigenen Anliegen ausgehen.

    4. Auf dem Weg zum Lernwerkzeug

    Eigene Anwendungen für Herausforderungen in meiner Arbeit zu entwickeln, empfinde ich als sehr nützlich. Zugleich ist mir klar, dass diese Tools noch keine Lernwerkzeuge sind. Denn sie helfen mir zwar sehr gut bei der Bewältigung von Herausforderungen, aber ich verwende sie nicht zum Lernen im Sinne von „klüger werden“ oder Selbstentwicklung.

    Um das zu ändern, begann ich damit, typische Lernstrategien, die sich für mich als hilfreich erwiesen hatten, in Anwendungen zu übersetzen, die ich dann zum Lernen nutzen wollte. Zum Beispiel kann ich im Sinne von Kreativitätsentwicklung besonders gut neue Ideen entwickeln, wenn ich sie in einem engen Zeitraum aufschreiben muss.

    Vor diesem Hintergrund promptete ich mir als Lernwerkzeug eine simple Anwendung, in die ich eine Herausforderung eingeben kann. Dann läuft ein Timer herunter und ich bin herausgefordert, in dieser Zeit so viele Ideen zu notieren, wie mir einfallen. Anschließend zeigt das Tool alle Ideen an, aus denen ich die relevantesten auswählen und zur Weiterarbeit für mich kopieren kann.

    Dieses Lernwerkzeug zum Brainstorming ist nur ein Beispiel für eine Vielzahl von Versuchen, die ich in diese Richtung gestartet habe. Ich habe zum Beispiel auch mit einem selbst geprompteten Vokabel-Abfrage-Tool experimentiert, weil ich testen wollte, wie auch solch ein klassisches Faktenlernen mit einem eigenen Lernwerkzeug angegangen werden kann.

    Eine Zeit lang machten mir solche Tools viel Freude. Allerdings erkannte ich auch, dass es oft eher Spielerei bzw. Prokrastination als verändertes oder verbessertes Lernen war: Für ein Brainstorming hätte ich mir genauso gut eine Uhr stellen und meine Ideen auf Karten notieren können. Für das Vokabellernen hätte es vielleicht auch einfach ein Karteikasten getan.

    Dennoch fand und finde ich es aus einer Perspektive des Lernens hier spannend, dass ich mir eben erst eine Lernstrategie überlege, diese dann in eine Anwendung übertrage – und die Anwendung aufbauend auf einer Reflexion meines Lernens dann immer wieder verändern kann.

    5. Lernwerkzeuge mit KI-Unterstützung

    Bei der Entwicklung nützlicher Helfer-Tools für mich selbst und andere experimentierte ich mit unterschiedlichen Sprachmodellen. So kam ich zum fünften Schritt meines Lernwegs, der eher zufällig war.

    Bei der Entwicklung meiner eigenen Anwendungen hatte ich schon sehr bald die Canvas-Funktion von KI-Sprachmodellen entdeckt. Diese Funktion ermöglicht es, dass ein Inhalt nicht im Chat, sondern in der rechten Seite in einem extra Fenster entwickelt wird. Der große Vorteil dieser Funktion ist erstens, dass ich den klassischen Chat verlasse, in dem ein Code bei Fehlern immer wieder neu generiert wird. Stattdessen kann ich den Output direkt korrigieren und anpassen. Zweitens kann ich in eine Vorschau wechseln und die Anwendung direkt nutzen. Das macht die Entwicklung und Nutzung von Anwendungen für den eigenen Gebrauch und zum eigenen Lernen also deutlich einfacher.

    Zufällig stieß ich dann irgendwann beim Ausprobieren beim KI-Sprachmodell Gemini von Google auf einen Sternen-Button neben einer entwickelten Anwendung auf dem dortigen Canvas.

    Sternen-Button in Gemini

    Ich probierte diesen Button aus und verstand, dass Gemini daraufhin eine direkte KI-Integration in meine gepromptete App vorschlug und einbaute. Ich wusste zwar, dass so etwas grundsätzlich möglich ist – schließlich gibt es jede Menge Apps mit KI-Integration im Internet – aber neu war mir, dass es sich so simpel auch selbst gestalten lässt.

    Anstatt mir nur Vorschläge zu KI-Unterstützung in einer App machen zu lassen, begann ich, meine bisherigen Anwendungen direkt zu überarbeiten. Bei der zeitlich getakteten Brainstorming-App ergänzte ich zum Beispiel einen ‚KI-Wettstreit‘. Ich konnte so Idee entwickeln und gleichzeitig beobachten, welche Ideen ein KI-Sprachmodell generierte. Das funktionierte ziemlich gut!

    Eine weitere Idee war eine ganz neue Anwendung, um mich in meinem Denken herauszufordern. Hierzu skizzierte ich dem KI-Sprachmodell zunächst einige der wichtigsten ‚Gebote‘ des systemischen Denkens, mit denen ich mich zu der Zeit beschäftigte – und ließ darauf basierend eine Anwendung entwickeln, in die ich eine Herausforderung eingeben kann und die mir anschließend Denkimpulse im Sinne dieser ‚Gebote‘ anzeigt.

    Hier kam dann auch der ‚Sternen‘-Button zum ersten Mal zum Einsatz. Ich hatte bereits KI-Integration in dem Sinne in die Anwendung gepromptet, dass basierend auf meinen systemischen Geboten immer ein passender Denkimpuls generiert werden soll. Das konnte ja nicht statisch vorab eingegeben werden. Gemini schlug mir nun noch zusätzlich vor, eine Metapher anzeigen zu lassen oder Anregungen für einen nächsten Schritt.

    Mein Lernwerkzeug um weitere KI-Funktionen erweitert

    Bei diesen und weiteren Anwendungen mit KI-Unterstützung promptete ich die Anwendungen immer in der Form, dass ich innerhalb der Anwendung nicht einen üblichen KI-Chatbot integrierte, der mit mir dann in einen Dialog trat. Denn dann hätte ich ja auch direkt in einem normalen Chat bleiben können. Stattdessen war meine Angabe zum Beispiel bei der App für systemische Denkimpulse, dass auf Klick von mir einfach jeweils nur ein sehr prägnanter Denkimpuls zu meiner zuvor eingegeben Herausforderung angezeigt werden sollte.

    Vor diesem Hintergrund bezeichne ich die entstehenden Lernwerkzeuge mit KI-Integration für mich auch nicht als ‚intelligente‘ Apps, sondern eher als ‚resonanzreiche‘ Apps: Es ist kein direktes ‚Gegenüber‘, das mit mir hier in eine Kommunikation tritt, sondern ich kann mich dank KI-Unterstützung in Resonanz mit all den Überlegungen begeben, die Menschen in den letzten Jahrzehnten ins Internet geschrieben haben. Ich kann und muss dabei bei jedem Impuls für mich reflektieren, was ich dabei für mich sinnvoll finde und was nicht.

    Pädagogische Reflexion

    Aus einer emanzipatorischen und befähigenden Perspektive finde ich die (oben insbesondere bei Punkt 4 und 5) dargestellte Möglichkeit, Lernwerkzeuge zu entwickeln, zu nutzen und zu reflektieren, aus mehreren Gründen pädagogisch sehr spannend:

    • Lernende starten die Entwicklung solch einer Anwendung jeweils von ihrem Lernen aus. Sie legen in einem ersten Schritt selbst fest, was und wie sie lernen wollen. Die Berücksichtigung und bewusste, eigene Gestaltung von Form und Struktur ihrer Lernprozesse unterscheidet sich deutlich davon, sich einfach nur mit einer Frage an ein KI-Sprachmodell zu wenden.
    • Die Gestaltung von Lernwerkzeugen bringt uns weg von einer vermenschlichten Perspektive auf KI-Anwendungen. Lernende beginnen die Maschine zu kontrollieren, statt sich von ihr steuern zu lassen. Sie erleben sie mehr als Resonanz- und weniger als Antwortmaschine.
    • Da Anwendungen nicht nur entwickelt und genutzt, sondern auch angepasst und verändert werden können, sind Lernende kontinuierlich zur Reflexion ihres Lernens herausgefordert. In diesem Sinne kann man solche selbst entwickelten Lernwerkzeugen als die Modellierung von Lernstrategien verstehen.

    Zusätzlich können Lernwerkzeuge in diesem Sinne immer auch kollaborativ gedacht werden. Lernende können ihre Anwendungen teilen und sich mit anderen dazu austauschen. So lässt sich Lernen gemeinsam besser machen.

    Lernwerkzeuge selbst zu entwickeln, zu nutzen und zu reflektieren birgt also ein großes pädagogisches Potential. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie es gelingen kann, Lernende in Lernangeboten dazu ermächtigen. Einen ersten Versuch habe ich hierzu im Rahmen der zurzeit laufenden EPALE-Akademie zum Thema „Twin Transition“ unternommen. Bereits in den ersten drei Lerneinheiten konnten die Teilnehmenden mit verschiedenen KI-Tools experimentieren, um das Thema füpr sich zu erkunden. In der vierten und letzten Lerneinheit ging es darum, aufbauend auf zuvor entwickelten Themenfeldern konkrete Ideen und erste Schritte zur Umsetzung zu entwickeln. Die Leitfrage war: „Was kann ich praktisch tun, um Twin Transition in meiner pädagogischen Praxis umzusetzen?“

    Die Befähigung zur eigenen Entwicklung, Nutzung und Reflexion passender Lernwerkzeuge für diese Herausforderung habe ich in drei Schritten versucht:

    1. Im ersten Schritt habe ich eine Anwendung gepromptet und veröffentlicht, die ähnlich wie meine oben beschriebene Brainstorming- und Ideenentwicklungs-App aufgebaut war. Dann habe ich Lernende eingeladen, diese zu nutzen und somit erste Ideen zu entwickeln.
    2. Im zweiten Schritt habe ich transparent gemacht, dass diese App KI-generiert war, und eingeladen, das eigene Lernen mit der App zu reflektieren und die App daraufhin für sich anzupassen.
    3. Im dritten Schritt habe ich die Möglichkeit zur KI-Integration erklärt und die Teilnehmenden zum Experimentieren damit eingeladen.

    Du kannst dir die Lerneinheit hier ansehen. Ich erlebe diesen Weg im Rahmen der Akademie grundsätzlich als sinnvoll. Zugleich bin ich neugierig, welche Erfahrungen andere machen – und werde sicherlich noch viel dazu weiter erkunden.

    Fazit

    Das war meine Darstellung zur Nutzung von KI-Sprachmodellen zur Entwicklung von Anwendungen und Lernwerkzeugen. Ich will nicht unerwähnt lassen, dass diese Möglichkeiten bisher nur in einem stark monopolisierten, intransparenten Kontext so einfach und niederschwellig umsetzbar sind. Das ist alles andere als zufriedenstellend! Spannend finde ich jedoch, dass mit solchen Erkundungen zugleich durchschimmert, wie eine pädagogisch sinnvolle KI-Technologie aussehen könnte. Ich stelle mir hier eine lokal installierte Entwicklungsumgebung vor, an die mehrere offene und dezentral nutzbare sowie kleinere KI-Modelle und vor allem auch offene Datensätze flexibel angedockt werden können. Lernende könnten sich dann bewusst entscheiden, welche Inhalte sie für ihr jeweiliges Lernwerkzeug nutzen und wie sie damit lernen wollen.

    Ich finde diese Perspektive – gerade aufgrund meiner eigenen Lernexperimente – einen sehr sinnvollen pädagogischen Nordstern für die weitere KI-Entwicklung. Als Bild für diesen Beitrag habe ich deshalb auch eine Aufnahme des letzten Chaos Communication Congress (CCC) gewählt. Vor allem in dieser Community von Menschen, die grundsätzlich immer einen gestaltenden und ermächtigenden Blick auf Technologie haben, kann ich mir vorstellen, Bündnispartner*innen für die Realisierung dieses Nordsterns zu finden.

    #DigitaleMündigkeit #KünstlicheIntelligenzKI_ #Lernkulturveränderung

  12. Mehr Ambiguität wagen!

    In diesem Blogbeitrag möchte ich mit dir eine Erkenntnis teilen, die mir in meinem pädagogischen Denken gerade sehr weiterhilft. Sie lautet, ganz kurz formuliert: Ambiguität ist in der Bildung nicht nur ein wichtiger Lerngegenstand (= in einer sogenannten VUCA-Gesellschaft braucht es mehr Ambiguitätstoleranz), sondern ihre Beachtung kann vor allem transformative Kraft zur Veränderung der Lernkultur entfalten! Ich habe diese Erkenntnis für mich entwickelt, als ich feststellte, dass Ambiguität in verschiedenen Bereichen von Bildung bislang zu wenig beachtet wird: beim Lernprozess selbst, bei der Gestaltung von Lernen und auch beim erwünschten „Output“ von Lernen, also dem Ziel von Bildungsprozessen. Zusammengebracht ergibt sich dann die genannte transformative Kraft, die sich zum Beispiel auch darauf erstrecken kann, wie man Technologie in der Bildung einordnet.

    Das klingt für dich noch alles sehr verwirrend? Dann lies gerne weiter. Ich versuche, diese Erkenntnis und meine Überlegungen dazu Schritt für Schritt aufzudröseln. Ich beginne mit der wahrscheinlich offensichtlichsten Frage: Was ist überhaupt Ambiguität?

    Ambiguität = Mehrdeutigkeit

    Die einfachste Übersetzung von Ambiguität lautet wahrscheinlich Mehrdeutigkeit. Es gibt im Kontext von Ambiguität also keine eindeutigen, klaren oder auch abschließenden Antworten. Stattdessen sind wir mit der benannten Mehrdeutigkeit konfrontiert, was bis hin zu Widersprüchlichkeit reichen kann und sich auch beständig weiterentwickelt. Wir sind dann ambiguitätstolerant und können somit in und mit einer von Ambiguität geprägten Situation gestalten, wenn wir uns von einem „Entweder-Oder“-Denken wegbewegen und dafür mehr einem „Sowohl-als-Auch“-Denken zuwenden.

    In der aktuellen KI-Debatte erleben wir wahrscheinlich gerade alle, wie sich solch eine Mehrdeutigkeit anfühlen und auswirken kann: KI wirkt in der Bildung beispielsweise zugleich erleichternd als auch herausfordernd – oder auch zugleich lernförderlich als auch lernverhindernd. Es wäre ein Missverständnis, wenn wir in dieser Situation einfach in die Mitte gehen und das als „richtige“ Antwort postulieren würden. In diesem Fall würde das zu den Aussagen führen: KI bringt uns eine mittlere Arbeitserleichterung und beinhaltet ein mittleres Lernpotenzial (oder analog in der pessimistischeren Variante: KI bringt uns eine mittlere Arbeitsherausforderung und eine mittlere Lernverhinderung). Genau solch eine Orientierung auf die Mitte hat aber nichts mit gelebter Ambiguität zu tun. Denn Ambiguität bedeutet ja gerade, dass beide Ausprägungen gelten – und nicht die Mitte von ihnen.

    Ich mag für Ambiguität vor diesem Hintergrund auch den Vergleich mit Quanten-Phänomenen, die du vielleicht von Schrödingers Katze kennst: Wenn eine Katze in einem Karton mit einem Mechanismus sitzt, der sie entweder töten oder nicht töten kann, und wir den Mechanismus auslösen, dann müssen wir – bevor wir den Karton aufmachen – davon ausgehen, dass die Katze sowohl tot als auch lebendig ist. Solche Phänomene sind für unser Denken, das normalerweise an Binarität bzw. Eindeutigkeit gewöhnt ist, ziemlich herausfordernd. Genau deshalb ist Ambiguität so spannend für das Lernen.

    Natürliches Lernen ist Lernen mit Ambiguität

    Meine erste Erkenntnis zu Ambiguität und Lernen im aktuellen Kontext war, dass Lernen und Ambiguität eigentlich gar keine Widersprüche sind – zumindest dann nicht, wenn man von natürlichen Lernprozessen ausgeht. In diesem Fall lässt sich Lernen so beschreiben, dass Menschen im Laufe ihres Lebens und damit auch im Laufe ihres Lernens ihre Welterfahrungen immer präziser abbilden und in diesem Sinne feinere Differenzierungen und Verbindungen zu unterschiedlichen Erfahrungen herstellen. Dieser Prozess ist dann erstens selbst alles andere als eindeutig – sondern oft zufällig, vage und eben auch widersprüchlich bzw. mehrdeutig. Zweitens wird auch unsere innere Landkarte der Welt durch unser Lernen nicht immer eindeutiger, sondern ganz im Gegenteil immer mehrdeutiger. Denn die Welt ist eben gerade kein Puzzle, das wir uns Stück für Stück in unserem Kopf zusammenpuzzeln können – und am Ende stehen wir – tadaaa – vor der fertigen Lösung. Stattdessen entwickeln wir in einem mehrdeutigen und oft widersprüchlichen Prozess ein immer mehrdeutigeres und widersprüchlicheres Bild von der Welt. Natürlich gibt es in vielen Fällen auch „Aha-Momente“, bei denen uns etwas klar wird und wir etwas verstehen. Solche Erkenntnisse führen dann aber zugleich wieder zu sehr vielen neuen Fragen. Wir bleiben also zwangsläufig in einer Situation der Mehrdeutigkeit bzw. bewegen uns von einer Situation der Mehrdeutigkeit in die nächste.

    Das mag wenig zufriedenstellend und nach einem Problem klingen. Aber das stimmt gar nicht! Denn wenn wir Ambiguität anerkennen, dann ist es eher eine große Freude, weil wir – bildlich gesprochen – den Krimi nicht ausgelesen haben, sondern uns immer tiefer in ein immer spannenderes Geheimnis hineindenken können.

    Traditionelles Lehren verleugnet Ambiguität

    Traditionelle Lehre – auch wenn in neueren Bildungsprogrammen immer häufiger der Ruf nach Ambiguitätstoleranz aufkommt – verleugnet häufig diesen Prozess und das Ergebnis von natürlichem Lernen. Bildung soll in sich nicht von Ambiguität geprägt sein, sondern bitteschön eindeutig. Das zeigt sich im formalen Bildungssystem insbesondere daran, dass wir Fakten sehr viel größere Bedeutung in der Lehre beimessen als Verbindungen. Die Fakten (auch wenn sie als ‚Kompetenzen‘ beschrieben werden) führen uns zu Curricula und Lehrpläne. Daraus entsteht Stoff, der gelehrt und gelernt werden soll. Dieser wandert dann in die Köpfe der Lernenden und kann von dort sehr eindeutig abgeprüft werden.
    Im schlechtesten Fall eignen sich Lernende dann also isolierte Fakten an, die ohne Bedeutung bleiben und schnell wieder vergessen sind, weil sie nicht mit ihren übrigen Verbindungen aus natürlichen Lernprozessen verknüpft werden. Wenn wir in der Lehre dagegen mehr Ambiguität wagen würden, dann würden wir an den natürlichen Lernprozessen der Lernenden ansetzen, diese unterstützen und so die oftmals chaotischen und immer mehrdeutigen, vagen und individuellen Verbindungen höher gewichten, als einzelne Fakten. Das wäre – kurz und einfach erklärt – eine Lehre, in der es keine ‚Musterlösungen‘ mehr gibt.

    Offene und demokratische Gesellschaften brauchen mehr Ambiguitätstoleranz

    Die Verleugnung oder Verdrängung von Ambiguität wird in unserer heutigen Gesellschaft zunehmend normal. Auf den ersten Blick wirkt das nicht einleuchtend, weil man zwar auf der einen Seite natürlich wahrnimmt, dass fundamentalistische Positionen an Einfluss gewinnen – und diese eben ein sehr klares „Schwarz-Weiß“-Denken propagieren. Zugleich gibt es aber auch die Erfahrung, dass ja auch sehr viel mehr Offenheit für Vielfalt da ist, als das vielleicht früher noch der Fall war. Leider haben wir es dabei aber oft mit einer unendlichen Bedeutungsvielfalt zu tun, was im Kern dann nicht Mehrdeutigkeit ist, sondern Beliebigkeit und Gleichgültigkeit. In seinem Buch ‚Die Vereindeutigung der Welt‘ stellt Thomas Bauer diese Entwicklung mit vielen konkreten Beispielen aus Religion, Politik und Kunst dar.

    Solch eine Beliebigkeit und Gleichgültigkeit auf der einen und eine zunehmende Fundamentalisierung auf der anderen Seite bestärken sich gegenseitig. Wenn wir dagegen in offenen und demokratischen Gesellschaften leben wollen, dann wäre es wichtig, Ambiguität als unvermeidbar anzuerkennen – und nach dem richtigen Maß an Ambiguität zu streben, anstatt sich auf die eine oder andere Seite der Achse von Ambiguitätsvermeidung (= Fundamentalisierung oder Gleichgültigkeit) zu begeben. Damit wir diese Herausforderung als Individuen und als Gesellschaft aber angehen können, müssen wir gelernt haben, dass Ambiguität nicht nur Gefahr und Überforderung darstellt, sondern vor allem auch eine Quelle für Freude und insbesondere auch für persönliches Lernen und Wachstum sein kann. Das bedeutet also, ‚Liebe zur Mehrdeutigkeit‘ oder – weniger pathetisch – mehr Ambiguitätstoleranz bewusst als Ziel von Bildung zu sehen.

    Ambiguität als Transformationspotenzial

    An dieser Stelle schließt sich dann der Kreis zu meiner ursprünglichen These, dass die größere Beachtung von mehr Ambiguität in der Bildung transformatives Potenzial entfalten kann. Egal an welcher Stelle ich hier ansetze – auf der Ebene des Lernens, der Lerngestaltung oder der Lernergebnisse – immer wird es dazu führen, dass eine größere Beachtung von Ambiguität zu Transformationen auch in den anderen Bereichen herausfordert.

    Wir können das mit dem Lernen als Ausgangspunkt durchspielen: Wenn ich Ambiguität in Lernprozessen eine größere Rolle beimessen will, dann bedeutet das für die Lehre, dass ich an natürliche Lernprozesse anschließen muss und die Entwicklung von individuellen Verbindungen in den Köpfen der Lernenden wichtiger nehmen muss als die Vermittlung isolierter Fakten. Das führt zu einer Bildung, die weniger abprüfbar ist, aber gerade dadurch deutlich mehr Handlungsfähigkeit in einer von Ambiguität geprägten Gesellschaft ermöglicht. Besonders cool ist dabei, dass die Entwicklungen in den einzelnen Bereichen sich dann gegenseitig bestärken und so immer besser funktionieren: Wenn ich also auf abprüfbare Faktenlehre verzichte und natürliches Lernen unterstütze, dann werden Lernende Schritt für Schritt durch die dann erfolgende gezielte Unterstützung mehr und mehr Verbindungen für sich herstellen können – und so immer weiter zum Lernen begeistert werden.

    Leider lässt sich dieser Prozess natürlich ganz genau so auch umkehren – und damit sind wir vielleicht näher an unserer aktuellen Realität: Wenn wir Ambiguität in unserer Gesellschaft verleugnen und entweder in Fundamentalismus oder in Gleichgültigkeit rutschen, dann braucht es auch in der Bildung keine Lern- und Lehrprozesse mit Ambiguität. Wir können stattdessen weiter an der traditionellen Lernkultur festhalten.

    Ambiguität und die Rolle der Technologie

    Ich schreibe diesen Blogbeitrag sehr unter dem Eindruck meiner Lektüre von Seymour Paperts Buch ‚The Children’s Machine‘. Das Buch stammt vom Anfang der 90er Jahre, als die ersten Computer in den Schulen ankamen, aber das Internet und erst recht KI-Technologie, wie wir sie heute kennen, noch in weiter Ferne lag. Seymour Papert entwirft in seinem Buch aus dieser Perspektive heraus mit sehr viel Technik- und Bildungsoptimismus ein Bild von Lernen in selbstverständlicher Interaktion mit Technologie, das uns wieder zu einem natürlichen und damit zu einem Lernen mit Ambiguität – wie oben beschrieben – zurückführen kann. Ich finde insbesondere zwei Bilder aus dem Buch für mein Weiterdenken zu Ambiguität und der Rolle von Technologie sehr plastisch:

    1. Papert weist auf den ersten Motorflug hin, der mit seinen (beim letzten Versuch) superkurzen 59 Sekunden im Vergleich zu den damals ansonsten schon existierenden Fortbewegungsmöglichkeiten lächerlich war. Man hätte diese neue Technologie also einfach zur Seite schieben können. Stattdessen blickten Menschen aber mit einem „Was könnte daraus weiter entstehen?“-Blick darauf – und so kam es, dass in der Folge die Menschen bis ins Weltall fliegen konnten. (Zur Ambiguität gehört hier dann natürlich auch der Hinweis, dass man berechtigt einwenden kann, ob solch ein „schneller, höher, weiter“ wirklich ein Fortschritt ist – oder nicht ein ganz anderer Blick auf die Technologie viel hilfreicher gewesen wäre.)
    2. Im Kontext der Bildung wählt Papert das Bild, dass ein Düsenjet an eine Pferdekutsche angeschlossen wird – was natürlich völliger Blödsinn ist und gar nichts bringt. Genau so erscheint es ihm aber oft, dass neue Technologien in die Bildung integriert werden. Sie werden an die bestehende Lernkultur „drangeklatscht“, was keine Hilfe ist – sodass sie dann im Kern immer weiter einverleibt und angepasst werden, anstatt dass die Lernkultur mit den Möglichkeiten der Technologie im Blick grundlegend verändert wird.

    Im Kontext der Debatte um generative künstliche Intelligenz in Form großer Sprachmodelle und mit dem dargestellten Blick auf die fehlende Berücksichtigung von Ambiguität eröffnen sich hier aus meiner Sicht interessante Perspektiven zum Weiterdenken. Dazu ist eine kurze Einordnung nötig:

    Neben grundsätzlicher und aus meiner Sicht sehr berechtigter Kritik an KI (Ressourcenverschwendung, soziale Ausbeutung, fehlende Transparenz und Demokratie …) liegt der Hauptfokus der Kritik bei KI-Sprachmodellen in der Bildung insbesondere auf den sogenannten „Halluzinationen“. Diese sind allerdings keine „Unfälle“, sondern in der Technologie angelegt. Die KI-Bots antworten uns nie verständig, sondern immer stochastisch – also nach einer Wahrscheinlichkeitsberechnung. Dabei kommen dann mal Ergebnisse raus, die näher an realer Welterfahrung liegen (= wir ordnen die Antwort als korrekt ein), und mal mehr davon entfernt sind (= wir ordnen die Antwort als Halluzination ein). Der pädagogische Blick auf KI-Sprachmodelle ist meist, dass das ein notwendiges Übel ist, das aber das sonstige Potenzial von KI-Sprachmodellen zum Lernen nicht schmälert (und hoffentlich mit besseren Modellen auch weniger wird).

    Wie wäre es aber, wenn wir KI-Sprachmodelle als etwas einordnen würden, was natürliche Lernprozesse gerade wegen dieser stochastischen Funktionsweise befördert – während es eben nur für das traditionelle Faktenlernen ein Problem ist? Wie wäre es, wenn wir KI-Sprachmodelle dann als Lernwerkzeuge nutzen, mit denen wir ganz ausgezeichnet weitere Verbindungen und Vernetzungen herstellen können – weil wir in diesem Fall ja immer an etwas anschließen und den Output einordnen können –, während es gar nicht mehr gebraucht wird, auf fremdbestimmte Fragen nach Antworten zu suchen, was uns dann in Gefahr bringen könnte, nicht nur isolierte Fakten, sondern sogar falsche isolierte Fakten abzuspeichern? Wie wäre es, wenn wir KI-Sprachmodelle als bewusst mehrdeutige „Resonanzmaschinen“ verstehen, die uns keine Antworten liefern, aber uns unterstützen können, die Welt gemeinsam mit anderen und mit pädagogischer Unterstützung immer weiter zu erschließen? Und wie wäre es dann, genau diese Perspektive und das damit verbundene Potenzial zum Anlass zu nehmen, um unsere Lernkultur tatsächlich zu verändern – anstatt auch diese Technologie mit Orientierung auf Automatisierung und Vereinfachung der bestehenden Lehrpraxis, mit möglichst klar strukturierten KI-Kompetenzmodellen zum Abhaken und mit einer Optimierung von Musterlösungs-Prüfungskultur in das bestehende Bildungssystem einzuverleiben und es so zu zementieren?

    Mir ist bewusst, dass dazu sehr andere Sprachmodelle nötig wären – mit bewusster Abbildung von Vielfalt, insbesondere auch in sprachlicher Hinsicht, mit mehr Transparenz und vor allem mit demokratischer Gestaltung. Für solch eine Entwicklung von Technologie ließe sich gemeinsam eintreten, wenn wir das mit dem Ziel von mehr Ambiguität in der Bildung verknüpfen.

    Ich möchte mit einem Disclaimer enden: Vielleicht ist dieser – für mich ungewohnt technikoptimistische – Blick ziemlich unrealistisch bzw. verfehlt. Vielleicht schätze ich auch die Möglichkeiten von KI-Technologien falsch ein. Die Überlegungen, dass wir in der Bildung aber mehr Ambiguität wagen sollten, bleiben davon aus meiner Sicht unbenommen. Mindestens daran möchte ich sehr gerne weiterdenken – und freue mich deshalb sehr über deine Ideen und Perspektiven dazu.

    Das Beitragsbild ist gemeinfrei und mit ChatGPT generiert.

    #KünstlicheIntelligenzKI_ #Lernkulturveränderung

  13. Warum soll ich die Maschine nutzen, wenn ich etwas lernen will?

    Es ist inzwischen schon über zwei Jahre her, dass Beat Döbeli Honegger Text und Grafik zur Frage „Warum soll ich etwas lernen, was die Maschine (besser) kann?“ in seinem Blog veröffentlicht hat. Ich habe diesen Denkanstoß seitdem in vielen Workshops und Fortbildungen aufgegriffen und mit Lehrenden und Lernenden dazu reflektiert. Ich finde diese Frage auch weiterhin relevant — vor allem, weil viele Lernende in einem oft als fremdbestimmt erlebten Bildungskontext sich genau diese Frage stellen.

    Zugleich merke ich, dass ich es aus pädagogischer Perspektive hilfreich fände, zusätzlich zur Frage nach dem Warum des Lernens im Kontext von immer leistungsfähigeren Maschinen auch die Frage nach dem Warum der Maschinennutzung im Kontext des Lernens zu stellen. Nicht, um Maschinennutzung auf diese Weise abzuwehren, sondern um zu einer pädagogisch klugen, weil lernförderlichen Nutzung zu kommen. Ich finde das vor allem deshalb wichtig, weil die vorherrschende KI-Debatte sehr stark auf Vereinfachung durch Automatisierung dank Maschinen orientiert – oft nicht aber zugleich auch auf menschliches Wachstum. Diese zusätzliche Frage lautet dann: Warum soll ich die Maschine nutzen, wenn ich etwas (wirklich) lernen will?

    Hier sind ein paar Antwortmöglichkeiten:

    • Weil ich in Interaktion mit der Maschine Inhalte vertiefter erschließen und verbinden kann.
    • Weil es mir Freude macht.
    • Weil ich mich von der Maschine sehr zielgerichtet beim Lernen unterstützen lassen kann.
    • Weil ich mit neuen, technologischen Entwicklungen Schritt halten will.
    • Weil ich mit der Maschine besser und schneller vorankommen kann.
    • Weil die Maschine mir neue Perspektiven eröffnen kann.
    • Weil mir die Maschine Zeit verschafft, um das zu lernen, was mich wirklich interessiert.
    • Weil ich durch die Maschine meinen Lernprozess selbst gestalten kann.
    • Weil ich durch die Maschine Inhalte so transformieren kann, wie sie für mich passend sind.
    • Weil ich mit der Maschine kreative Wege beim Lernen ausprobieren kann.

    Ähnlich wie bei Beats Antworten auf die ursprüngliche Frage ist auch diese Liste ganz sicher nicht abschließend, und bestimmt werden die Antwortmöglichkeiten auch hier von unterschiedlichen Lernenden als unterschiedlich sinnvoll empfunden. Das ausdrückliche Ziel der Reflexion ist deshalb ja auch, zu den je eigenen Antworten zu kommen.

    Ich mag an dieser Erweiterung, dass sich die Perspektive verschiebt. Ausgangspunkt ist dann das Lernen als ein aktiver und sinnstiftender Prozess, der uns Menschen zu eigen ist.

    Die Antworten auf diese Frage eröffnen zugleich auch sehr gut die Frage nach dem Wie des Lernens mit Maschinen. Denn zu fast allen hier vorgeschlagenen Antwortmöglichkeiten könnte ich auch fragen: Wie genau kann ich dazu die Maschine nutzen? Oder auch: Was brauche ich dazu? Schließlich eröffnet das Nachdenken über die Frage immer auch die Perspektive des bewussten Lernens ohne Maschinen, sofern ich in einem bestimmten Kontext keinen schlüssigen Grund dafür finde. Und auch diese Perspektive gehört ja zu einer klugen Maschinennutzung dazu.

    Falls du diesen Reflexionsanstoß in Lernangeboten weiter nutzen willst, dann findest du hier Grafik und H5P-Inhalt dazu.

    Lizenz: CC0 1.0

    Wer dazu gemeinsam mit anderen Lernenden und Lehrenden weiterdenken will, ist herzlich zum Fachtag des Bundesverbandes der Freien und Alternativschulen am 23. Mai 2025 im Bildungshaus Riesenklein in Halle (Saale) eingeladen. Ich biete dort einen Workshop dazu an! Hier geht es zur Anmeldung.

    #KünstlicheIntelligenzKI_ #Lernkulturveränderung