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Community-Kontext-Datei für eine gemeinschaftliche KI-Nutzung
In diesem Blogbeitrag möchte ich mit der Idee einer Community-Kontext-Datei eine konkrete Möglichkeit vorstellen, wie sich KI-Sprachmodelle im pädagogischen Kontext gemeinschaftlich statt individualisiert zum Einsatz bringen lassen.
Warum ist eine gemeinschaftliche KI-Nutzung eine gute Idee?
Eine gemeinschaftliche anstelle einer nur individualisierten KI-Nutzung ist für mich eine vielversprechende Praxis, um Bildung in einer zunehmend KI-geprägten Welt so auszurichten, dass damit Zusammenarbeit gelernt und Verbundenheit entwickelt werden kann. Zugleich ist auf diese Weise eine resonanzreiche Aneignung und ein Weiterdenken an Wissensinhalten möglich. Diese ‚Nordsterne‘ halte ich für grundlegend für eine Bildung, die nicht vorrangig das individuelle, möglichst effiziente Vorankommen zum Ziel hat und mit der vor diesem Hintergrund das gemeinschaftliche Ganze gegenüber kurzfristigen Eigeninteressen aus dem Blick gerät, sondern die auf soziale Gestaltung und Gemeinwohlorientierung zielt und nicht bei Wissensvermittlung stehen bleibt, sondern kreatives Weiterdenken ermöglicht.
Eine gemeinschaftliche KI-Nutzung ist somit ein Baustein, um Bildung zum Teil der Lösung für die Krisen dieser Welt zu machen und Lernende in Lernprozessen zur Gestaltung l(i)ebenswerter Zukünfte zu ermächtigen.
Wie sieht gemeinschaftliche KI-Nutzung grundsätzlich aus?
Die Grundidee einer gemeinschaftlichen KI-Nutzung sieht so aus, dass nicht alle Lernenden individuell im Chat mit einem KI-Modell sind, sondern KI-Modelle von einzelnen Lernenden ‚mit an den Tisch geholt werden‘.
Beispiel: Eine Gruppe Lernender brainstormt über Ideen für eine Projektarbeit. Sie tauschen sich zu ihren Ideen aus. In diesem Prozess befragen sie auch ein KI-Modell nach Ideen, tauschen sich zum generierten Output aus, entscheiden sich für eine hilfreiche Idee und arbeiten dann daran weiter.
In einem früheren Blogbeitrag habe ich zahlreiche weitere Ideen für eine gemeinschaftliche KI-Nutzung aufgeführt.
Was ist eine Community-Kontext-Datei?
Eine Community-Kontext-Datei ist die Übertragung der Idee einer individuellen Lernkontext-Datei auf eine Lerngruppe.
- Individuelle Lernkontext-Datei: Eine lernende Person hält für sich fest, wie sie gut lernen kann, was ihr Kontext ist, welche Hilfsmittel ihr zur Verfügung stehen, welches Wissen sie schon mitbringt … Diese Kontext-Datei kann sie zu Beginn eines Lernchats mit einem KI-Sprachmodell teilen und so wirkungsvoll lernen. Am Ende kann das eigene Lernen in Interaktion mit dem KI-Modell reflektiert und die Lernkontext-Datei entsprechend angepasst werden. Ich mag solche individuellen Lernkontext-Dateien, weil auf diese Weise KI im Sinne einer Lernerstärkung genutzt wird und das eigene Lernen in den Blick gelangt. Der Ansatz ermöglicht eine offene und selbstbestimmte KI-Nutzung, weil Lernende nicht auf ein bestimmtes Modell angewiesen sind (wie es bei ‚custom instructions‘ auf bestimmten Plattformen der Fall wäre), sondern ihre Lernkontext-Datei im Chat mit unterschiedlichen Anwendungen zum Einsatz bringen und danach immer wieder auf dem eigenen Gerät speichern können. Ich habe das genaue Vorgehen mitsamt einer Vorlage hier beschrieben.
- Community-Kontext-Datei: Eine Lerngruppe hält gemeinsam fest, wie sie zusammen lernen wollen und was ihr Kontext und ihr Vorwissen ist. Auch diese Kontext-Datei kann dann, wenn im Prozess des gemeinsamen Lernens ein KI-Sprachmodell mit an den Tisch geholt wird, mit diesem geteilt werden und so ein hoffentlich zielführender Beitrag und eine Perspektiverweiterung im Sinne von KI als Resonanzmaschine ermöglicht werden. Die Community-Kontext-Datei kann kollaborativ (z.B. in einem Etherpad oder einer anderen kollaborativen Schreibumgebung) bearbeitet werden und jederzeit auch um weitere Reflexionen ergänzt werden.
Wie entsteht eine Community-Kontext-Datei?
Grundsätzlich lässt sich eine Community-Kontext-Datei auf zwei Arten erstellen:
- Die Lerngruppe notiert selbst ihren Kontext und kann dazu z.B. mit einer Vorlage unterstützt werden. Dann probiert sie die Datei in einer KI-Interaktion aus, reflektiert darüber und passt an.
- Eine Lerngruppe sammelt Informationen über sich zusammen, zum Beispiel ein Transkript einer Gruppensitzung oder bisher erarbeitete Materialien. Dann lässt sie sich daraus von einem KI-Sprachmodell (am besten auch mit einer konkreten Vorlage) eine Community-Kontext-Datei generieren. Auch hieran kann dann weiter gearbeitet werden.
Ich finde beide Wege grundsätzlich sinnvoll und oft wird es wahrscheinlich auch zu Mischformen kommen. Wie der genaue Start ist, liegt sehr stark daran, in welchem größeren Rahmen die Gruppenarbeit eingebettet ist.
Konkrete Vorschläge: Bewusste menschliche Interaktion + Nutzung der Community-Kontext-Datei
Ich finde eine Community-Kontext-Datei besonders dann sehr vielversprechend, wenn sie mit einer klugen methodischen Rahmung verbunden ist, die bewusst Raum für menschliche Interaktion ermöglicht. Wenn solche sozialen Lernprozesse dann mit KI-Interaktionen verbunden werden, kann sehr viel daraus entstehen. Wichtig ist zu Beginn gemeinsam in der Gruppe Transparenz darüber herzustellen, was mit Aufzeichnungen genau geschieht (z.B. keine Weitergabe außerhalb der Gruppe) oder welche KI-Modelle aus Sicht aller Beteiligten verwendet werden dürfen.
Hier sind drei Vorschläge, wie ein gemeinschaftliches Lernen mit einer Community-Kontext-Datei in der Praxis aussehen kann:
1. Transkript einer ‚Denkenden Runde‘ als Grundlage für eine Lernkontext-Datei:
Eine Denkende Runde ist ein Format mit Sprechen und Zuhören. Das klingt unspektakulär, aber ist wahrscheinlich gerade deshalb so wirkungsvoll. Die Methode funktioniert folgendermaßen:
- Es gibt eine gemeinsame Frage. Zum Beispiel: Wie geht es dir mit dem Thema ‚KI in der Bildung?‘ (Es ist hilfreich, diese Frage persönlich zu stellen, also nicht: ‚Was ist wichtig bei KI in der Bildung?‘ und auch nicht rein kognitiv: ‚Was denkst du zu KI in der Bildung?‘ Die Formulierung ‚Wie geht es dir mit …‘ eröffnet Perspektiven, um erstens über sich selbst zu sprechen und zweitens auch über Gefühle)
- Es wird eine Zeit festgelegt, die auf alle Gruppenmitglieder gleichmäßig aufgeteilt wird. Beispiel: In einer 5er-Gruppe gibt es 20 Minuten. Alle haben 4 Minuten.
- Alle Beteiligten sprechen nacheinander. Wer nicht spricht, hört nur zu: keine Gegenrede, keine Frage, keine Zustimmung … Durch das Zuhören öffnet sich ein Raum, in dem sich Gedanken im Sprechen entwickeln können. Es ist in Ordnung, wenn dabei auch Stille entsteht.
Um eine ‚Denkende Runde‘ im Rahmen einer gemeinschaftlichen KI-Nutzung zu gestalten, wird die Denkende Runde aufgezeichnet und daraus ein Transkript erstellt. Das Transkript wird dann mit einem KI-Sprachmodell geteilt. Entweder, um erstmalig eine Community-Kontext-Datei zu erstellen (wie oben als zweiter Weg vorgeschlagen). Oder auch um eine bestehende Community-Kontext-Datei weiter zu entwickeln.
Das Teilen mit der KI ermöglicht dann eine Spiegelung der Beiträge für die gesamte Gruppe. Es lässt sich zum Beispiel fragen:
- Was sind unsere drei offensichtlichsten Übereinstimmungen bei diesem Thema?
- Was wären Fragen, an denen wir gemeinsam weiterdenken könnten?
- Welche Perspektive fehlt bisher in unserer Runde?
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2. Ein Reverse-Prompting als Zufalls-Öffner
Normalerweise sieht KI-Nutzung so aus, dass sich Einzelpersonen oder auch Gruppen mit ihren Fragen an ein KI-Modell wenden und nach Antworten suchen. Ich habe hier schon häufiger für die Nutzung von KI-Modellen als Resonanz- statt Antwortmaschine plädiert, also weniger fertige Antworten zu suchen, sondern eher weitere Perspektiven oder auch sich selbst herausfordern zu lassen. Letzteres ist in Gruppen die Idee eines ‚Reverse‘-Prompting.
Auf Basis einer Community-Kontext-Datei wird dazu ein KI-Modell instruiert, den einzelnen Gruppenmitgliedern nacheinander Fragen mit einem bestimmten Fokus zu stellen. Die Antworten erfolgen dann nicht per KI-Chat, sondern mündlich in der Gruppe. Die Gruppe instruiert das KI-Modell dann mit ‚Weiter‘ zum Stellen der nächsten Frage.
Solch ein ‚Reverse-Prompting‘ kann – je nach Ausgestaltung des genauen Prompts – sehr gut als Zufalls-Öffner dienen, weil von einem KI-Modell vielleicht noch einmal ganz andere Themen in den Fokus kommen, als wenn sich die Gruppenmitglieder untereinander befragen würden. Die Passung wird dennoch durch die Community-Kontext-Datei sichergestellt. Und die Resonanz entsteht durch das Gespräch in der Gruppe.
3. Ein erweitertes Pro Action Café als kollegiale Beratung mit KI-Resonanzraum
Mit einem Pro Action Café kann z.B. zum Abschluss eines Lernangebots im Sinne einer kollegialen Beratung von Lernenden je ein Anliegen / eine Frage für einen möglichen nächsten Schritt eingebracht werden. Die anderen in der Gruppe teilen dann ihre Ideen im Rahmen einer offenen Beratschlagung dazu, so dass der nächste Schritt auf dieser Basis dann möglichst gut angegangen werden kann. Das Format läuft folgendermaßen ab:
- Alle in der Gruppe sind eingeladen, sich einen nächsten Schritt und ihre Frage dazu zu überlegen. Dazu eignet sich z.B. ein Silent Writing, d.h., ein individuelles Notieren in Stille.
- Eine Person startet und stellt ihr Anliegen vor. Dann dreht sie sich weg. Die anderen beraten dazu. Die fragende Person hört nur zu und macht sich Notizen.
- Auf diese Weise können nacheinander alle, die wollen, in die Rolle der fragenden Person schlüpfen und sich von den übrigen Lernenden der Gruppe beraten lassen.
Die Beratungszeit ist dabei je nach zur Verfügung stehender Zeit begrenzt. Solch ein Timeboxing ermöglicht in der Regel eine sehr konzentrierte Beratschlagung.
KI-Modelle können in diesem Setting so mit dazu geholt werden, dass die fragende Person nicht nur individuell zuhört und sich Notizen macht, sondern diese Beratung auch aufgezeichnet und daraus dann ein Transkript erstellt wird.
Mit diesem Transkript lässt sich dann – nach der gemeinschaftlichen Gruppenberatung – in einen individuellen Chat mit einem KI-Sprachmodell gehen. Auch hier hilft es, wenn als größerer Kontext die in der Gruppenarbeit genutzte Community-Kontext-Datei verwendet wird. Der sinngemäße Prompt wäre somit:
‚Ich bin Teil einer Gruppe zu xyz. Hier ist mehr zu unserem Kontext: [Kontext-Datei]. Ich hatte dieses Anliegen: [Anliegen einfügen]. Dazu habe ich diese Beratung aus der Gruppe erhalten: [Transkript einfügen]. Welche weiteren Ideen hast du für mein Anliegen? Nenne mir immer einen Vorschlag und warte dann meine Reaktion ab. Berücksichtige dabei den geteilten Kontext und baue gerne auf Vorschlägen der Gruppe auf.‘
Fazit: Ein flüchtiger Blick auf die Alternative einer verbindenden Technologie
Die Praxis solch einer gemeinschaftlichen KI-Nutzung ist für mich ein bewusstes ‚Hacking‘ einer Technologie, die bislang überwiegend dazu gestaltet ist, möglichst effizient etwas zu generieren und im Eigeninteresse zu verwerten. Gemeinschaftliche KI-Nutzung gerät vor diesem Hintergrund immer wieder an Grenzen, aber lässt zugleich auch erleben, dass eine andere Technologie basierend auf Gemeinschaftlichkeit und dann auch orientiert am Gemeinwohl grundsätzlich möglich wäre. Um genau diese Perspektive zu öffnen, finde ich solche Lernprozesse besonders wertvoll.
Weiternutzung
Um eine möglichst gute Weiternutzung und Erkundung der hier vorgestellten Überlegungen zu ermöglichen, habe ich eine kopierbare Vorlage für eine Community-Kontext-Datei inklusive einer prägnanten Erläuterung online gestellt. Die offen weiternutzbare Ressource ist so gedacht, dass sie direkt von Lerngruppen genutzt werden kann.
Zur Vorlage und BeschreibungKontext der Überlegungen
Diese Überlegungen entstanden im Rahmen meiner Beteiligung am Projekt der Digital Heroes von Wibke Matthes und Arthur Seidel im Sommersemester 2026. Wir werden hier den geplanten Communities of Practice einen KI-Community-Booster zur Verfügung stellen, um gemeinsam nicht nur über KI zu lernen, sondern KI-Nutzung, gerade auch in gemeinschaftlicher Form, gemeinsam zu erproben. Ich bin sehr gespannt auf das gemeinsame Lernen!
#KünstlicheIntelligenzKI #MethodenLernformate -
Zwischen Basics und Nordsternen: ein Workshop zur Entwicklung von Fortbildungen zu KI
Den heutigen Tag habe ich am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) in Bonn verbracht und dort einen Workshop mit Multiplikator*innen aus der Erwachsenenbildung durchgeführt, die vor der Herausforderung stehen, in ihren jeweiligen Einrichtungen Fortbildungen zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) zu gestalten. Alle Beteiligten brachten schon Vorerfahrungen zu KI mit. Es ging also weniger um die Frage, was KI überhaupt ist und wie die Technologie sinnvoll genutzt werden kann, sondern mehr um die Frage, wie Mitarbeitende sich zu diesem Thema fortbilden können.
Mein Ziel mit dem Workshop war es vor allem, die Beteiligten des Workshops in einen gemeinsamen Austausch zu bringen, gegenseitig von Erfahrungen zu lernen und KI-Fortbildungen weniger unter der Perspektive von Schulungen und Wissensvermittlung und mehr unter der Perspektive von Organisations- und Lernkulturentwicklung anzugehen.
Wir hatten für den Workshop einen ganzen Tag Zeit. Zusätzlich hatten wir uns in der Vorwoche bereits zu einem kurzen Online-Auftakt getroffen. Eine erste Vorstellungsrunde und organisatorische Klärungen waren somit bereits erledigt. Außerdem hatten wir bei diesem Vorab-Termin in BreakOut-Räumen Argumente gesammelt, warum es uns wichtig erscheint, ein KI-Fortbildungskonzept sowohl individuell als auch aus Perspektive der Organisation zu entwickeln. Die dortige Sammlung konnte ich dann am heutigen Tag aufgreifen, um gemeinsam daran weiterzudenken.
Grundsätzliche Idee meines Konzepts: Basics und Nordsterne
Bei der Gestaltung von Fortbildungen zu KI finde ich es immer wieder herausfordernd, die Perspektive des Lernens mit und über die Technologie auf der einen Seite und die Herausforderung der Gestaltung von Transformation aufgrund der durch KI stattfindenden gesamtgesellschaftlichen Veränderungen gleichermaßen in den Blick zu nehmen. Sehr oft geschieht das meinem Empfinden nach so, dass zuerst über Lernen mit KI reflektiert wird und dann über Lernen in und für eine zunehmend KI-geprägte Welt. Die Herausforderung ist aber ja gerade, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt und somit auch zusammen gedacht werden muss.
Skizze: Transformieren als Bestandteil von Lernen zu KI nicht als ZusatzMein roter Faden bei der heutigen Fortbildung war deshalb ein Zwei-Schritt:
- Wir starteten mit der Perspektive Lernen mit KI mit den drei wesentlichen Bereichen von Verstehen, Nutzen und Reflektieren.
- Anschließend richteten wir unseren Blick auf transformative Nordsterne und wiederholten mit dieser Perspektive den ersten Schritt nochmals. Wir stellten uns also die Frage: Passt das Lernen zum Verstehen, Nutzen und Reflektieren von KI, das wir uns in Schritt 1 überlegt haben, wenn wir die transformativen Nordsterne in den Blick nehmen oder was sollten wir mit dieser Perspektive anders angehen?
Diese Herangehensweise war für mich experimentell. Ich beschreibe im Folgenden genauer, wie wir vorgegangen sind.
Schritt 1: Verstehen, Nutzen und Reflektieren zu KI
Nach einem schnellen Kartenaustausch starteten wir den heutigen Workshop mit einem Impuls von mir zu den drei Bereichen von KI-Kompetenzentwicklung: Verstehen, Nutzen und Reflektieren. Zu allen drei Bereichen hatte ich anschließend – in einer Weiterentwicklung meines Workshops zu didaktischer KI-Nutzung in Siegburg im vergangenen Monat – einige Erkundungsmaterialien zum gemeinsamen Ausprobieren geteilt.
Die Teilnehmenden fanden sich dazu in drei Gruppen zusammen und überlegten gemeinsam für ihren jeweiligen Bereich, was ihnen bei einem KI-Fortbildungskonzept für ihren entsprechenden Bereich wichtig erscheint.
Als methodische Anregung für die Gruppenarbeit hatte ich drei Schritte vorgeschlagen:
- Anhand der bereitgestellten und gegebenenfalls auch weiteren Materialien in ein gemeinsames Ausprobieren und Erkunden gehen.
- Ein Brainstorming in der Gruppe gestalten und zu dem Bereich alles notieren, was der Gruppe in den Sinn kommt. Als Unterstützung hatte ich für jede Gruppe einen Briefumschlag mit mehreren Begriffen vorbereitet, die mir in dem jeweiligen Kontext relevant erschienen und die als Ausgangspunkt genommen werden konnten.
- Die Sammlung gemeinsam clustern und priorisieren, um sie dann anderen vorstellen zu können.
Anschließend verteilte ich sehr einfache Blanko-Vorlagen zur Gestaltung von so genannten Personas. Die Teilnehmenden waren herausgefordert, sich eine Persona zu überlegen, die typisch für Mitarbeitende in ihrer Organisation ist. Im dann folgenden Gruppenpuzzle blickten sie dann jeweils mit der Brille ihrer ‚Persona‘ auf die zuvor erarbeiteten Vorschläge.
Im Einzelnen gestalteten wir für das Gruppenpuzzle drei Runden: Alle blieben dabei in einer Runde an ihrem bisherigen Tisch und stellten den anderen ihre Vorschläge vor. In den anderen beiden Runden schwärmten sie an die weiteren Tische aus.
Beim Vorstellen spielte die entwickelte Persona keine Rolle. Beim Ausschwärmen blickte man jedoch mit der Brille der jeweiligen Personas auf die Vorstellungen der anderen Gruppe und gab mit dieser Perspektive Feedback zu den entwickelten Ideen.
Nach dem Gruppenpuzzle fanden sich wieder die ursprünglichen Gruppen, fassten die Ergänzungen von den Persona-Perspektiven zusammen und notierten 3-5 Aspekte, die ihnen zusammenfassend bei der Entwicklung eines KI-Fortbildungskonzepts relevant erscheinen. Diese wurden dann im Plenum geteilt.
Zusammenfassende Sammlung im Plenum am VormittagSchritt 2: Mit Nordsternen im Blick transformieren
Der Vormittag hatte gut funktioniert und ich war dann etwas aufgeregt, ob der Wechsel in die grundsätzliche Perspektive am Nachmittag wie geplant klappen würde. Ich hatte dazu als erstes die gesammelten Antworten zur Frage ‚Warum brauchen wir ein KI-Fortbildungskonzept‘ von einem KI-Sprachmodell in Vorbereitung des Workshops clustern lassen. Entstanden waren so diese 10 Aussagen:
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil Mitarbeitende bereits KI nutzen und klare Orientierung brauchen.
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil Ängste und Schwellenbarrieren abgebaut werden müssen.
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil gesetzliche Vorgaben wie der AI Act eingehalten werden müssen.
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil nur so die Risiken erkannt und die Chancen genutzt werden können.
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil bewusste Grenzen gesetzt werden müssen, was KI überlassen werden darf und was nicht.
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil verschiedene Zielgruppen mitgenommen werden müssen.
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil nicht nur technische Bedienung, sondern vor allem kritische Reflexion gefördert werden muss.
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil Bildungseinrichtungen einen gesellschaftlichen Aufklärungsauftrag haben.
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil die Wettbewerbsfähigkeit der Organisation davon abhängt.
- Es ist für Menschen und Organisationen in der Erwachsenenbildung wichtig, zu KI zu lernen, weil damit neue pädagogische Möglichkeiten für Bildungsangebote erschlossen werden können.
Um solche Aspekte grundsätzlicher und in der Tiefe zu betrachten, eignet sich die 5 Why-Methode gut. Sie funktioniert so, dass eine Aussage einmal mit Warum hinterfragt wird. Dann wird darauf eine Antwort gegeben. Daraufhin wird wiederum die Warum-Frage gestellt. Auf diese kommt wieder eine Antwort. So geht es weiter bis man mindestens fünf mal Warum gefragt hat und auf diese Weise bei einer sehr grundsätzlichen Antwort ist.
Die Teilnehmenden bearbeiteten hier je eine Aussage zu zweit. Die Ergebnisse wurden nicht geteilt. Die Idee war damit lediglich, überhaupt die Perspektive für eine grundsätzlichere Betrachtung zu öffnen.
An diese kleine Übung schloss ich einen kurzen Impuls zu vier möglichen Nordsternen an, die sich im Kontext eines Fortbildungskonzepts in den Blick genommen werden können:
- Integrativ: Wie kann KI selbstverständlicher Bestandteil von Lernen und Arbeiten werden, anstatt ein isoliertes Add-On?
- Wachstumsorientiert: Wie kann das Lernen zu Veränderungen im Rahmen von KI-Fortbildungen in den Blick kommen und eine veränderte Lernkultur in der Organisation entstehen?
- Mündig: Wie kann im Rahmen von KI-Fortbildungen digitale Mündigkeit in den Fokus kommen, also ein gestaltender Blick auf Technologie?
- Transformativ: Wie können die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen von KI in den Blick kommen und so z.B. Konsequenzen für die eigenen Bildungsangebote gezogen werden?
Um sich mit diesen Nordsternen auseinander zu setzen, erhielt jede Person einen zufälligen Nordstern, wobei ich darauf achtete, dass in jeder Gruppe des Vormittags jeder Nordstern mindestens einmal vertreten war. Anschließend fand man sich in Kleingruppen mit dem gleichen Nordstern zusammen und begab sich in einen Kopfstand. Man überlegte sich also, wie KI-Fortbildungen gestaltet sein müssen, damit diese Nordsterne garantiert nicht im Blick sind. Diese Kopfstand-Perspektive finde ich immer wieder sehr wertvoll, um das Denken zu öffnen.
Flipchart zum KopfstandMit dieser Vorarbeit kamen die Teilnehmenden dann wieder in ihre Gruppen vom Vormittag und übertrugen die Nordstern-Überlegungen auf ihre bisherigen Gedanken zum Lernen zu KI in den drei Bereichen Verstehen, Nutzen, Reflektieren. Ich hatte dazu drei Leitfragen vorgeschlagen, um die Diskussion zu unterstützen:
- Was kann weg?
- Was muss anders?
- Was braucht es neu?
Die Überlegungen der Einzelgruppen wurden dann schließlich in Form eines Gruppenpuzzles geteilt. Ich hatte dazu einen sehr einfachen Mitschrieb vorbereitet.
Exemplarischer Mitschrieb einer TeilnehmerinZum Abschluss gestalteten wir dann noch ein Troika Consulting zu einem konkreten, nächsten Schritt, den man basierend auf den Erkenntnissen der Fortbildung, angehen will. Dieser wurde zunächst individuell für sich notiert und dann fragte man zwei andere Teilnehmende, was sie einem dazu empfehlen würden.
Der Workshop endete mit einer schnellen Blitzlichtrunde im Plenum.
Fazit
Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv. Zum Teil äußerten Teilnehmende allerdings auch, dass die vielen Ebenen (Verstehen/ Nutzen / Reflektieren, vier Nordsterne, drei Leitfragen …) sie etwas verwirrt hatten. Das kann ich gut nachvollziehen. Es war ja in der Tat der Versuch, Komplexität nicht zu vereinfachen, sondern diskutierbar zu machen.
Sehr interessant fand ich auch die Rückmeldung einer Teilnehmerin, die sinngemäß meinte, dass man zum Teil den Eindruck hätte haben können, dass sich in den vielen Runden irgendwie immer alles wiederholt. Genauer betrachtet seien dabei aber immer wieder weitere Perspektiven aufgespürt worden. Auf diese Weise sei immer bessere Erkenntnis herausgesiebt worden.
Diese Rückmeldung lasse ich mal auch als mein Fazit von dem Workshop stehen. Ich freue mich, dass genau das gelungen ist!
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Ausgehend von Lernbedürfnissen zu guter Lerngestaltung im Kontext von KI gelangen
Ich habe in den letzten drei Jahren ziemlich viele Workshops zum Thema Künstliche Intelligenz und Bildung gestaltet. Sehr häufig stand ich dabei vor der Herausforderung, wie es gelingen kann, mit dem Nordstern der Befähigung zu gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit im Blick dieses Thema aufzugreifen. Mein Versuch war es stets, dass pädagogisch tätige Menschen in einen Reflexions-, Austausch- und Gestaltungsprozess kommen, in dessen Rahmen pädagogisch grundsätzlich, aber eben zugleich auch technologisch konkret angesichts der veränderten Rahmenbedingungen im Kontext von KI über gute Lerngestaltung nachgedacht wird. Sehr oft klappte der Spagat zwischen grundsätzlichen Herausforderungen und technologischer Konkretisierung aber nicht. Oft war es dann einfach ein Nebeneinander: Lernen zu KI und mit KI und dann ein Lernen dazu, wie wir Lernkultur im Kontext von KI (was hier dann auch meist wieder viel zu eng war, weil das ja nur eines von vielen Merkmalen der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen ist) verändern sollten.
Bei einem Workshop mit dem Diakonischen Bildungswerk Johannes Falk am Freitag in Eisenach bin ich bei der Konzeption solcher Workshops nun gefühlt einen großen Schritt weiter gekommen. In diesem Blogbeitrag teile ich mein hier entwickeltes Workshopkonzept. Zunächst stelle ich aber kurz dar, was die beiden ‚Aha-Momente‘ waren, die mich zu dieser Konzeption brachten.
Aha-Momente: KI als Teil von radikaler Gegenwart und Lernbedürfnisse als Ausgangspunkt
Wie so oft war die Entwicklung des veränderten Workshopkonzepts eher zufällig. Ausschlaggebend waren für mich zwei Aspekte, die eigentlich schon lange in meinem Kopf rumschwirren, aber die ich mir klarer vergegenwärtigt habe und zu denen ich Vorarbeiten von anderen entdeckt habe, die ein bisschen wie ein fehlendes Puzzlestück waren:
- Schon lange orientiere ich mich bei der Gestaltung von guter Bildung an der Idee, dass Zukunft aus radikaler Gegenwart entsteht. Diesen Gedanken habe ich nun (im Rahmen meiner Impulse für die Hessische Lehrkräfteakademie) explizit auf das Thema Künstliche Intelligenz übertragen. Demnach ist Künstliche Intelligenz weniger als Vorbereitung auf die Zukunft zu sehen, sondern mehr Teil von radikaler Gegenwart. Wir setzen uns jetzt, als Teil der Lebenswelt von Lernenden und Lehrenden, damit auseinander, was es Lernenden ermöglicht, gute Zukünfte zu gestalten.
- Von Ulrike Linz habe ich das von ihr entwickelte Lernraumkonzept kennen gelernt. Entscheidend war hier für mich insbesondere der grundsätzliche Gedanke, dass für gutes Lernen unterschiedliche Bedürfnisse in der Lerngestaltung aufgegriffen werden müssen. Zum Beispiel gibt es das Bedürfnis nach Struktur, wie auch nach Spiel und Erkunden, nach Impulsen oder Sinn und Relevanz. Wenn wir gutes Lernen ermöglichen wollen, müssen wir Räume schaffen, in denen diese Bedürfnisse Widerhall finden. Zentral ist dann, Lernenden zu ermöglichen und sie zugleich darin zu stärken, die jeweils für ihr Lernen benötigten Lernbedürfnisse an den entsprechenden Lernorten finden zu können.
Mit diesen beiden Konzepten im Kopf war es dann nur noch ein kleiner Schritt, einen methodischen Rahmen für eine gute und weiterführende pädagogische Beratschlagung im Kontext von KI zu entwickeln.
Workshopkonzept: Gute Lerngestaltung im Kontext von KI
Rahmen
Das Workshopkonzept ist für die Arbeit in kleinen Gruppen mit ungefähr 5 Personen gedacht. Wir waren heute deutlich mehr und haben uns deshalb auf mehrere Kleingruppen aufgeteilt.
Jede Kleingruppe benötigt eine Person, die durch den Prozess moderiert und dazu diese Online-Anleitung verwendet. Außerdem sollten alle gemeinsam ihre Überlegungen festhalten können. Dazu könnte entweder jede Gruppe ein Flipchart bekommen oder die Gruppentische könnten mit Papier bespannt sein. Dazu braucht es dann natürlich Stifte. Außerdem sollten Post-Its und Metaplankarten zur Verfügung stehen.
Als Arbeitszeit in den Kleingruppen sind 1,5 Stunden für eine erste Beratschlagung ausreichend. Der Prozess kann später beliebig oft wiederholt werden.
Wir haben den Austausch heute mit einer Einstiegs- und Abschlussphase im Plenum gerahmt. Insbesondere zum Abschluss war es spannend, kennen zu lernen, was die jeweils anderen Gruppen diskutiert haben.
Vorgehen
Die Kleingruppen werden mithilfe der Online-Anleitung durch einen 5-schrittigen Prozess geführt:
Schritt 1: Ausgangspunkt der Beratschlagung in der Kleingruppe sind die Bedürfnisse von Lernenden, die sie wahrnehmen können müssen, wenn ihr Lernen gut gelingen soll. Alle Beteiligten in der Kleingruppe erhalten dazu eine Liste mit Bedürfnissen und teilen im Rahmen eines schnellen Blitzlichts, welches Bedürfnis sie in ihrem Kontext als besonders wichtig empfinden. Alle genannten Bedürfnisse werden auf einem gemeinsamen Flipchart gesammelt.
Schritt 2: Im zweiten Schritt reflektieren die Beteiligten die Bedürfnisse im Kontext von KI. Leitfragen für jedes der Bedürfnisse können sein: Wird das Bedürfnis relevanter? Wird es im Kontext von KI schwieriger oder einfacher zu erfüllen?
Schritt 3: Von der eher konkreten Betrachtung der Technologie wird anschließend wieder in den grundsätzlichen Modus gewechselt. Alle teilen – wiederum in Form eines Blitzlichts – an welchem Nordstern es vor dem Hintergrund der gesammelten Bedürfnisse und der Reflexion im Kontext von KI dazu sinnvoll erscheint, das pädagogische Handeln auszurichten.
Schritt 4: Im vierten Schritt werden bis zu drei Nordsterne ausgewählt und zunächst offen nach möglichen Ideen gebrainstormt. Die Sammlung kann dann geclustert und priorisiert werden. Für das Plenum wird ein Elevator Pitch vorbereitet, für den diese Sätze vervollständigt werden:
- 1. Unser erster Schritt ist …
- 2. Das bedeutet konkret …
- 3. Wichtig ist uns dabei ….
Schritt 5: Im letzten Schritt wird gemeinsam das Vorgehen reflektiert und überlegt, wie zukünftig zu der Herausforderung weiter reflektiert werden kann.
Ergebnisse
Unsere Vorstellung im Plenum war nur sehr kurz. Trotzdem ist für mich damit schon deutlich geworden, dass das Ziel des Workshops aus meiner Sicht gut erreicht wurde. Denn es gab eben sehr unterschiedliche erste Schritte: sowohl konkrete KI-Ideen, aber ganz genau so auch grundsätzliche Lernkultur-Schritte wie z.B. mehr authentische Lerngelegenheiten.
Mitschrieb aus einer KleingruppeFazit
Das Workshopkonzept liest sich für mich jetzt nach dem Aufschreiben recht banal. Wahrscheinlich kann aber gerade wegen dieser Einfachheit viel daraus entstehen. Ich werde in jedem Fall selbst weiter in diesem Raster reflektieren und es auch bei Veranstaltungen weiter ausprobieren und anpassen. Falls du damit auch arbeiten möchtest: die Anleitung steht zum offenen Weiternutzen online.
Online-Anleitung Screenshot der Online-Anleitung -
Didaktische KI-Nutzung
Ich hatte heute einen sehr schönen Workshop am Katholisch-Sozialen Institut in Siegburg mit Kolleg*innen aus der katholischen Erwachsenen- und Familienbildung in NRW. Das Thema war KI, aber in einer sehr weitergedachten Form. Konkret haben wir uns unter dem Workshoptitel ‚didaktische KI-Nutzung‘ die Frage gestellt, wie wir als pädagogisch tätige Menschen in unseren Lernangeboten mit dem Thema KI gut umgehen können.
Meine Struktur für den Workshop war ein Vierklang mit Verstehen, Nutzen, Reflektieren und Transformieren. Wir haben immer jeweils selbst erkundet, wie wir mit unterschiedlichen Methoden dazu lernen können. Auf der Meta-Ebene haben wir dann im nächsten Schritt weiter gedacht, was wir davon wie auf unsere jeweils eigenen Lernangebote transferieren können.
In diesem Blogbeitrag stelle ich meine Vorgehensweise im Workshop vor und teile die dafür erstellten Materialien zur offenen Weiternutzung.
Einstieg
Wir starteten den Workshop mit einem Kartentausch mit Thesen zu KI. Diese hatte ich in Interaktion mit einem KI-Sprachmodell mit diesem einfachen und gut weiternutzbaren Prompt entwickelt:
Hier ist eine Workshopbeschreibung: [die veröffentlichte Workshopbeschreibung]. Gib mir eine Liste mit 20 möglichst prägnanten und vielfältigen Thesen, die in diesem Workshop diskutiert werden könnten.
In Paargesprächen wurde dann zu den erhaltenen Thesen erstens reflektiert, inwieweit man der These zustimmt und zweitens welche Relevanz sie für die eigene Arbeit hat. Auf diese Weise stiegen wir nicht nur inhaltlich in das Thema ein sondern die Teilnehmenden lernten sich auch untereinander kennen.
Vierklang zur KI-Didaktik
Anschließend leitete ich in den weiteren Part des Workshops über. Hier erläuterte ich zunächst, warum ich den sehr breiten Ansatz des beschriebenen ‚Vierklangs‘ gewählt hatte. Denn schließlich könnte man sich bei der Frage ja einfach auch ’nur‘ auf Nutzung beschränken. In diesem Fall hätten wir einfach ein paar Prompts miteinander ausprobiert. Mir war aber stattdessen wichtig, dass es weniger um isolierte KI-Nutzung und mehr um eine ermächtigende Lerngestaltung für Handlungsfähigkeit in einer zunehmend KI-geprägten Welt geht. Dazu braucht es neben klugen Nutzungsstrategien vor allem ein Verständnis der Technologie, Befähigung zu einer mündigen Entscheidung, was die Reflexion ihrer Risiken und Schäden voraussetzt, und schließlich eine Form des Lernens, die auf aktive Veränderungskompetenz zielt.
Als Mini-Murmelrunde an diesen Kurzimpuls schloss sich eine ‚Klebepunktaufgabe‘ an. Ich hatte dazu auf einem Flipchart den klassischen Hype Cycle, wonach bei Technologie-Einführung meistens zu Beginn große Begeisterung herrscht, es dann zunehmend zu Enttäuschungen kommt, bevor ein produktiver Umgang erlernt wird und die Kurve wieder nach oben geht, erweitert. Insbesondere hatte ich dargestellt, dass die weitere Entwicklung der Technologie für mich durchaus offen ist. Untersuchungen, wonach z.B. ein KI-Tool wie Perplexity, das vormals fast alle Fehlinformationen erkannte, aber mittlerweile nur noch knapp 50 Prozent, können zum Beispiel diese Einschätzung begründen. Die Teilnehmenden tauschten sich aus und klebten dann ihre Punkte. Das entstandene Bild zeigt, dass wir es mit einer abwartenden bzw. vorsichtig optimistischen Gruppe zu tun hatten, an der auch einzelne Einsteiger*innen in das Thema beteiligt waren.
Ergebnis der Klebepunkt-Reflexion1. Verstehen
Für das Verstehen der aktuell diskutierten KI-Technologie in Form von großen Sprachmodellen finde ich das Prinzip der Mustererkennung (= es gibt eine riesige Datenbasis, in der Muster erkannt und dann genutzt werden können) und das Prinzip der Wahrscheinlichkeitsberechnung (= der Output wird so generiert, dass der nach Wahrscheinlichkeit am besten passende Inhalt angezeigt wird) wichtig. Diese beiden Prinzipien lassen sich ganz ausgezeichnet mit Online-Tools wie AutoDraw, der Teachable Machine, Emoji Scavenger Hunt oder Sookia GPT erproben. Ich stellte diese Tools kurz im Plenum vor, bevor wir uns Zeit zum Ausprobieren nahmen. Dazu waren die Tools direkt in den Online-Materialien verlinkt und beschrieben.
Für das Verstehen der Technologie finde ich die vier genannten Tools sehr gut, aber noch nicht ausreichend. Mir fehlt dabei der Aspekt, dass die verwendeten Algorithmen natürlich nie nur Blackbox sind, sondern menschliche Gestaltung z.B. über Systemprompts oder verwendete Filter, die uns als Nutzer*innen in den meisten Fällen leider nicht transparent sind.
Um diesen Aspekt sehr anschaulich zu verstehen, versuchten wir uns an einem analogen Nachbau eines Large Language Models in Kleingruppen. Die Gruppen bestanden dabei aus mindestens 6 Personen. Eine Person davon war Nutzer*in und gab die Prompts vor. Eine zweite Person war in Verantwortung für das Modell und konnte also über Systemprompts und Filtermechanismen entscheiden. Der Rest der Gruppe war die Datenbasis, also im Prinzip Inhalte im Internet.
Die nutzende Person erhielt eine Liste mit möglichen Prompts, aus denen sie auswählen konnte. Daneben konnte sie natürlich auch eigene Prompts überlegen. Die Prompt-Liste hatte vor allem den Sinn, dass das Muster (= gesucht waren Prompts, die in wenigen Wörtern oder maximal einem Satz beantwortet werden können, sonst wird das Spiel zu langwierig) deutlich wird.
Die zweite Person erhielt Anregungen sowohl zur hauptsächlichen Sortierung als auch zu möglichen Filtern. Auch diese Person konnte natürlich statt diesen vorgegebenen Ideen auch eigene Regeln überlegen. Für den Rest der Gruppe wurde die Entscheidung nicht transparent gemacht.
Verwendete Rollenkarten für ein analoges LLMDann brauchte nur noch die „Datenbasis“ Karteikarten und Kugelschreiber – und das analoge Sprachmodell war einsatzbereit! Sehr schnell hintereinander wurde nun mehrmals gepromptet und ein Output zurückgespielt.
Das lief so ab:
- Nutzer*in sagte ihren Prompt.
- Datenbasis schrieb jeweils unabhängig voneinander auf, was dazu potentiell im Internet dazu zu finden sein könnte.
- Besitzer*in sammelte alle Karten ein, wählte gemäß der getroffenen Sortierentscheidung und Filter aus – und las dann die ausgewählte Karte laut vor und gab sie an die Nutzer*in zurück.
- Dann äußerte die Nutzer*in den nächsten Prompt
…
Wir nahmen uns Zeit für 5-6 Durchläufe. Danach erzählten die Besitzer*innen, was ihre Entscheidungen für den Algorithmus gewesen waren. Manches davon war sicherlich sehr realitätsfern, z.B. wenn immer der längste Text ausgesucht wurde. Anderes dann aber durchaus denkbar, z.B. wenn als Filter gesetzt war, dass religiöse Bezüge gefiltert wurden.
Wir konnten uns anschließend gut dazu austauschen, dass nicht der Algorithmus eines KI-Sprachmodells per se ein Problem ist. Denn das ist einfach gesprochen eben die Anweisung, nach der der Output dargestellt wird. Sondern die Tatsache, dass die Gestaltung dieser Algorithmen in den meisten Fällen intransparent und undemokratisch ist.
Schön finde ich an diesem Spiel erstens die sehr einfache Umsetzung. Zweitens kann es Freude machen, weil natürlich auch viel Quatsch-Potential dabei ist. Und drittens lassen sich die Beispielprompts und Sortierregeln sehr gut für unterschiedliche Kontexte anpassen.
Als Anregung teile ich hier meine genutzten Vorlagen für die Rollenkarten. In jedem Set sind Rollenkarten für eine Kleingruppe (= ein analoges LLM). Die Rollen Nutzer*in und Besitzer*in müssen verteilt werden. An Datenbasis-Rollen braucht es 4-6:
Rollenkarten für ein analoges LLMHerunterladen2. Nutzen
Die Herausforderung des Verstehens habe ich ganz bewusst an den Anfang gesetzt. Denn ohne Verständnis der Technologie ist für mich keine kluge Nutzung möglich. Darauf aufbauend konnten wir dann sehr gut unterschiedliche Interaktionsmöglichkeiten erproben. Ich stellte dafür mein bereits vor einigen Monaten entwickeltes Koordinatensystem vor:
Es gab dann zu jedem Feld eine kurze Erklärung sowie einen exemplarischen Prompt zum Ausprobieren und zur anschließenden Anpassung in Kleingruppen.
Ich nutzte diesen Part außerdem, um meinen KI-Server als eine selbstbestimmte und mündige Form einer KI-Infrastruktur vorzustellen.
3. Reflektieren
Nach der Mittagspause stiegen wir mit einer Kurzfassung der Geschichte ‚The ones who walk away from Omelas‘ von Ursula K. Le Guin in die Herausforderung der Reflexion ein. Die Geschichte stammt schon aus den 70er Jahren und eröffnet im Kontext von KI die Frage, wer von Technologie profitiert und wer verliert und wie damit umgegangen werden kann, dass eine Technologie, die sehr viel Schaden anrichtet, Teil unserer Lebensrealität ist.
Für die Nutzung habe ich die Geschichte von Ursula K. Le Guin in eine eigene Version gebracht, die deutlich kürzer als das Original ist, auf Deutsch erzählt wird und das KI-Thema ein bisschen mit aufnimmt, um einen direkten Bezug herzustellen. Vor dem Workshop hatte ich diese Fassung als Audio eingesprochen, so dass wir hier gemeinsam zuhören konnten. Wenn du diesen Impuls auch nutzen willst, kannst du dazu diesen H5P-Inhalt verwenden:
Die Geschichte leitete dann über zu einem Walk&Talk mit mehreren, inhaltlichen Aspekten zu den Gefahren, Risiken und Schäden von KI-Technologie. Es ging uns dabei nicht nur darum, diese Aspekte gemeinsam zu reflektieren. Zugleich war Raum, um zu überlegen, wie sich das didaktisch in Lernangeboten (gerade mit einer bildungsfernen Zielgruppe oder mit Nicht-Pädagog*innen) aufgreifen lässt.
Walk&Talk BriefumschlägeFür das Thema Bias zeigte ich hierfür ein paar Möglichkeiten bei der Bildgenerierung. Gemeinsam experimentierten wir dann noch mit Fortsetzungsgeschichten, an denen sich gut die Reproduktion von Geschlechterstereotypen in KI-Sprachmodellen zeigen lässt. Die entsprechenden Prompts zur Weiternutzung findest du (mitsamt der Walk & Talk Anregungen) in den Online-Materialien zum Workshop.
4. Transformieren
Damit waren wir auch schon bei der letzten Herausforderung, der Transformation, angelangt. Diese Herausforderung gab zugleich die Gelegenheit, den bisherigen Workshop Revue passieren zu lassen und konkrete nächste Schritte zu überlegen.
Ich leitete damit ein, dass es bei KI in der Bildung eben nicht nur um das Lehren und Lernen mit KI-Tools, sondern vor allem um verändertes Lehren und Lernen geht, welches Handlungsfähigkeit in einer zunehmend KI-geprägten Welt ermöglicht.
Einführung in den letzten Teil des WorkshopsDarauf aufbauend entwickelten wir erst Lernenden-Personas und tauschten uns dazu aus, was diese jeweiligen Personas im Kontext von KI besonders benötigen. Auf diese Weise nahmen wir eine Perspektive des Lernens ein.
Eine der entwickelten PersonasZweitens nutzte ich die Future Backwards Methode in Form eines Silent Writing als Vorbereitung für ein Troika Consulting. Das bedeutete:
Alle notierten für sich im Stillen in je einer Minute Stichpunkte zu den folgenden Fragen:
- Wo stehst du aktuell im Kontext von KI in deiner Lerngestaltung?
- Was hat dazu geführt, dass du dort stehst?
- Wo möchtest du gerne hin, was ist dein Nordstern?
- Was willst du in keinem Fall?
- Was könnte vor diesem Hintergrund ein erster nächster Schritt sein?
Dann teilten wir uns alle in Dreier-Gruppen auf. Jede Person in der Dreier-Gruppe konnte sich dann 5 Minuten lang von den anderen beiden zum entwickelten ersten Schritt beraten lassen.
Abschluss
Wir beendeten den Workshop ganz klassisch mit Klärung aller Fragen, die noch offen waren, und mit dem Teilen unserer nächsten Schritte. Dann gab es ein Feedback zum Workshop, was sehr positiv ausfiel. :-)
Fazit
Mir hat der Workshop viel Freude gemacht. Zur Weiternutzung kann ich vor allem diese Aspekte empfehlen:
- Die sehr anschaulichen Erkundungen, um KI-Technologie zu verstehen, insbesondere das analoge LLM
- Die ruhige Gesamtgestaltung mit viel Raum für Nachfragen und Erkundungen und einer sehr klaren Struktur, die meiner Wahrnehmung nach immer gut nachvollziehbar war.
- Die Gestaltung von übersichtlichen Online-Materialien, die wir gemeinsam einmal durchgegangen sind und die jetzt allen zur Weiternutzung zur Verfügung stehen (und hoffentlich auch ohne Workshop verständlich sind)
- Die Nutzung von Audio in Form der Kurzgeschichte zum Anhören zwischendurch. So etwas möchte ich zukünftig häufiger machen.
- Die umfassende Betrachtung von KI-Didaktik nicht nur aus reiner Nutzungsperspektive
- Die Kombination von Silent Writing + Future Backwards Methode + Troika Consulting
Viel Freude wünsche ich dir bei der Weiternutzung und beim Weiterdenken.
Mein Dank geht an die wunderbaren Teilnehmenden für das spannende gemeinsame Lernen, die Katholische Erwachsenen- und Familienbildung NRW für die gute Zusammenarbeit und an das Katholisch-Soziale Institut in Siegburg für die sehr professionell gestalteten und einladenden Tagungsmöglichkeiten. Sehr gerne wieder!
Foto eines Teils der heutigen Workshopgruppe im Innenhof im KSI -
Selbstbestimmtes Lernen in der Praxis
Mit der Europäischen Plattform für Erwachsenenbildung in Europa (EPALE) habe ich in den vergangenen vier Wochen (= im Mai und Juni 2025) ein Experiment für ein sehr selbstbestimmtes Lernen gestartet. Es handelte sich um die EPALE Akademie. Das ist ein offenes und freiwilliges Lernangebot, das sich an interessierte Menschen aus der Erwachsenenbildung richtet und regelmäßig zu unterschiedlichen Themen und in unterschiedlichen Formaten stattfindet. Unser Thema war Twin Transition, also die verschränkte Betrachtung der Transformationsprozesse von Digitalisierung und Nachhaltigkeit in der Erwachsenenbildung.
Für mich war es das erste, längere Lernangebot, bei dem ich sehr konsequent und bewusst auf klassischen Input vollständig verzichtet habe und Lernende stattdessen dazu angeregt habe, sich das für sie relevante Wissen zu dem Themengebiet selbstständig, unter Nutzung von KI-Technologie und im Austausch miteinander zu erschließen und zu entwickeln.
In diesem Blogbeitrag teile ich meine Konzeption des Lernangebots sowie meine Reflexion dazu. Vielleicht kannst du das eine oder andere davon in deiner pädagogischen Praxis weiternutzen.
Meine Perspektive auf Twin Transition in der Bildung
Wie oben beschrieben meint Twin Transition die verschränkende Betrachtung der beiden großen Transformationsprozesse von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. In der Bildung blicke ich auf Twin Transition weniger als ein Lernen über Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Wichtiger finde ich es, Lernende zu gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft zu befähigen und sie dazu ermutigen, für eine nachhaltige Entwicklung zu wirken.
Einstiegsfolie im Lernangebot zu Twin Transition in der BildungHier gibt es einen 3-Minuten-Podcast von mir zu Twin Transition, den ich auch im Rahmen des Lernangebots verwendet habe.
Konsequenzen für die pädagogische Konzeption
Dieser inhaltlich-strategische Blick auf Twin Transition hatte direkte Konsequenzen für die pädagogische Konzeption. Denn ich wollte vor diesem Hintergrund einen pädagogischen Doppeldecker gestalten:
- Lernenden ermöglichen, relevantes Wissen und Ideen zu erhalten, wie sie Twin Transition in ihrer jeweiligen pädagogischen Praxis umsetzen können.
- Lernenden ermöglichen, eine veränderte Art von Lernen praktisch zu erleben, so dass sie das dann auch in ihrer pädagogischen Praxis umsetzen können.
Umgesetzt habe ich das, indem ich erstens konsequent vom Lernen ausgegangen bin. Das bedeutet, dass immer an den Vorerfahrungen und Fragen der Lernenden angesetzt wurde und sie dabei unterstützt wurden, ihre Lernprozesse selbst zu gestalten und zu reflektieren. Zweitens kam KI-Technologie im Sinne einer LernAssistenz zum Einsatz. Drittens sorgte ich für einen guten, möglichst prägnant erklärbaren Rahmenbau, der vor allem auch Austausch mit Peers sicherstellte. Und viertens konnten Lernende flexibel und freiwillig entscheiden, was sie wann und wie lernen wollten.
Übersicht zur KonzeptionGrundsätzlicher Aufbau
Das Lernangebot lief über vier Wochen mit einem kurzen, 30minütigen Auftakt zum Onboarding und anschließenden, wöchentlichen Lernimpulsen. Zum Abschluss trafen wir uns für zwei Stunden für eine gemeinsame Auswertung.
Die Lernimpulse wurden über die Website Twin-Transition-Lernen.de zur Verfügung gestellt. Zusätzlich gab es eine eingerichtete Messenger-Gruppe über Signal.
Für das Gelingen des Lernangebots finde ich vor allem drei Aspekte der Konzeption wichtig:
1. Strukturierter Fragen-Rahmen
Ich wollte erreichen, dass Lernende sich das Thema Twin Transition für ihre pädagogische Praxis erschließen konnten. Aufgrund der Vielfalt der Hintergründe der Teilnehmenden brauchte es hierfür einen gemeinsamen Rahmen, der erstens offen genug war, um allen ihren Lernweg zu ermöglichen. Zweitens sollte darin sowohl die Erschließung von bestehendem Wissen, als auch die Entwicklung eigener Ideen möglich sein. Drittens musste vor dem Hintergrund des Selbstlernens auch der Aspekt der Motivation und der Entwicklung eines eigenen Anliegens berücksichtigt werden.
Um das zu erreichen kombinierte ich den so genannten ‚Golden Circle‘ mit der Aufforderung immer erst mit dem ‚Warum?‘ zu beginnen, mit der ‚What? So what? Now what?‘ Methode der Liberating Structures.
Daraus ergaben sich (sehr passend für die vier Wochen Lernzeit) vier Lerneinheiten:
- Warum ist Twin Transition für dich ein relevantes Thema?
- Was genau ist mit Twin Transition gemeint?
- Welche Schlussfolgerungen ziehst du daraus?
- Wie willst du Twin Transition in deiner pädagogischen Praxis angehen?
Ich habe mich darum bemüht, jede dieser Lerneinheiten ähnlich aufzubauen:
- mit einer Erläuterung der Frage
- mit einem Impuls (als Audio oder Video) von mir zur Beschreibung des vorgeschlagenen Vorgehens beim Lernen
- mit einer konkreten ‚Anleitung‘
- mit einer Einladung zur Reflexion
Besonders stimmig fand ich Lerneinheit 2: Hier ist es – zumindest meiner Einschätzung nach – sehr gut gelungen, dass ich nicht Input, sondern Navigationsunterstützung vorgab. Du kannst dir die Einheit hier ansehen.
2. Austausch-Räume
In keinem Fall wollte ich ein Lernangebot, bei dem alle nur für sich selbst lernen. Vor diesem Hintergrund habe ich erstens direkt in das Lernangebot Austauschräume vorgesehen:
- Wir hatten eine gemeinsame Signal-Gruppe, die jetzt auch nach dem Lernangebot bestehen bleibt und aus der sich im besten Fall eine Community of Practice entwickeln kann.
- Für jede Woche konnte man sich für einen Lernbuddy-Austausch anmelden. Aus allen Anmeldungen habe ich dann immer per Zufall Paare gebildet, die ihre Kontaktdaten gegenseitig erhielten und sich dann eigenständig verabreden konnten.
Zweitens habe ich immer wieder dazu eingeladen, auch das eigene Netzwerk für Resonanz zu nutzen. Etwa durch die Einladung via Social Media Reflexionen zum eigenen Lernen zu veröffentlichen, ein Lerntagebuch im eigenen Blog zu schreiben oder auch einfach mit Kolleg*innen in den direkten Austausch dazu zu gehen.
Schließlich gab es drittens auch noch das bereits erwähnte Onboarding und das Abschlusstreffen.
3. Scaffolding-Prinzip
Für das selbstbestimmte Lernen haben wir vor allem auf KI-Technologie im Sinne einer LernAssistenz gesetzt. Ich habe hier in den Lernimpulsen das Prinzip des Scaffoldings genutzt:
- Ich habe zunächst einen sehr klaren, weiternutzbares Prompt zum Erkunden angeboten und genau beschrieben, wie sich dieser nutzen lässt.
- Anschließend folgte die Ermutigung, auf Basis dieser ersten Erkundung zu einer eigenen Formulierung und selbst gestalteten Nutzung zu kommen.
Dieses Prinzip finde ich gerade im Kontext einer noch relativ neuen Technologie sehr zielführend.
Zum Scaffolding gehört für mich auch, dass bei Bedarf immer direkte Hilfe und Unterstützung zur Verfügung steht. Hierzu hatten wir einen prominenten ‚Hilfe‘-Button auf der Website, über den man direkt eine Frage stellen konnte.
Hilfe-Seite auf der WebsiteNachteilig kann an dieser Gestaltung sein, dass das Erkunden der Technologie wichtiger wird, als die eigentliche Erschließung der Inhalte. Das wurde so auch als eine Beobachtung im Abschlusstreffen geteilt. Optimal wäre es wahrscheinlich, jetzt auf Basis der erreichten Learnings noch einmal ein ähnliches Lernangebot zu machen und da dann den Fokus auf die Inhalte legen zu können.
Meine Reflexion und Learnings
Wir haben das Lernangebot beim Abschlusstreffen gemeinsam ausgewertet. Alle Beteiligten gaben hier an, dass sie sich solch ein Lernen auf jeden Fall auch zukünftig vorstellen können. Dieses Ergebnis muss man aber mit Vorsicht betrachten. Denn für das Lernangebot hatten sich gut 50 Personen angemeldet. Zum Auftakttreffen waren rund 40 Personen da; beim Abschlusstreffen dann nur noch knapp 20 Personen. Das bedeutet also: die, die dabei blieben, wollen solch ein Lernen auch zukünftig für sich wahrnehmen. Von denjenigen, die abgesprungen sind, weiß ich das nicht.
Der ‚Schwund‘ an Teilnehmenden wirkt hier auf den ersten Blick recht dramatisch. Auf der anderen Seite finde ich es insgesamt einen großen Erfolg, dass fast die Hälfte bei solch einem Lern-Experiment dabei blieb. Hinzu kommt, dass ich im Online-Kontext immer sehr viel Abspringen erlebe. Auch ich selbst mache das oft so, dass ich mich zu etwas anmelde, aber dann doch nur kurz reinschnuppern, aber nicht ‚richtig‘ mitlernen kann. Von denen die dabei blieben, wurde in jedem Fall die fehlende Zeit und an zweiter Stelle die Herausforderung der Selbstdisziplin beim Lernen genannt – weniger aber fehlender Austausch oder Überforderung mit den Aufgaben.
Auswertung beim AbschlusstreffenDas bringt mich auch direkt zu der für mich wichtigsten Schlussfolgerung: Wir müssen Lernen sichtbarer machen! Das bedeutet: Zu Lernangeboten wird es zukünftig unbedingt dazu gehören, sich über das Lernen selbst (nicht nur über die jeweils konkreten Inhalte) auszutauschen und dazu Räume zur Verfügung zu stellen. Die Herausforderung ist für mich hier insbesondere, auch diejenigen, die noch eher unerfahren sind, zur offenen Reflexion zu ermutigen. Das ist doppelt herausfordernd, weil erstens fehlt es in diesen Fällen oft an ‚eigenen Kanälen‘, wie einer Social Media Präsenz oder einer eigenen Website, was ich versucht hatte, durch Kommentierungsmöglichkeit auf der Website und auch durch das Angebot der Signal-Gruppe abzuschwächen. Zweitens gibt es oft noch eine größere Unsicherheit beim Lernen. (Einige erwähnten im Abschlusstreffen zum Beispiel, dass sie vom Teilen eigener Learnings abeschreckt wurden, weil andere – aus ihrer Sicht – so super professionelle Sachen geteilt hatten). An dieser Herausforderung möchte ich sehr gerne weiterdenken!
Weiternutzung & Feedback
Ich habe die Website mit den Lernimpulsen minimal überarbeitet, so dass keine direkten Links zu Formularen oder der Signal-Gruppe mehr vorhanden sind. Du kannst die Website gerne nutzen, um die Lernimpulse jetzt im Alleingang oder mit Kolleg*innen zum Lernen aufzugreifen. Außerdem können die Inhalte – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – gerne weiter genutzt werden.
Zur WebsiteIch wünsche viel Freude dabei und bin immer neugierig auf Feedback und weitere Ideen!
Danke an EPALE für das gemeinsame Experimentieren und an alle Teilnehmenden, die sich darauf eingelassen haben. 🙂
#Lernkulturveränderung #MethodenLernformate #Nachhaltigkeit #OnlineLernen
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Konzept und Ergebnisse einer Ideenwerkstatt zu lernförderlicher KI-Nutzung zum Weiternutzen
In diesem Blogbeitrag stelle ich das Konzept und die Materialien für eine Ideenwerkstatt zur lernförderlichen KI-Nutzung zum Weiterverwenden und Weiterdenken zur Verfügung. Ich habe es heute beim Bildungssymposium „Die Schule von morgen heute gestalten“ an der beruflichen Schule ITECH in Hamburg-Wilhelmsburg erstmalig ausprobiert und durchgeführt. Danke an alle, die mit dabei waren, Feedback gegeben und zum Teil auch ihre individuellen Ergebnisse zum Teilen an mich weitergegeben haben!
Hintergrund und Rahmen
Mein Ziel dieser Ideenwerkstatt war die Entwicklung praxisnaher Ideen, um Lernen in einer KI-geprägten Welt gut zu gestalten. Ich wollte dabei einen konsequent lernendenorientierten Blick anregen und allen Beteiligten ermöglichen, KI-Technologie selbstverständlich im Rahmen der Ideenentwicklung und des Austauschs als Lerntool zu nutzen. Der Hintergrund war hierfür meine eigene Einschätzung: Ich finde, dass wir in so vielen aktuellen Bildungsdebatten viel zu wenig vom Lernen ausgehen – sondern vom Lehren oder der Technologie. Ich wollte vor diesem Hintergrund gemeinsam mit den Teilnehmenden erkunden, ob und wie das auch anders geht.
Wir waren in dem Workshop gut 50 Personen. Grundsätzlich lässt sich das Konzept aber auch mit mehr oder weniger Menschen durchführen. Man braucht eben ausreichend Platz, um in unterschiedlichen Konstellationen miteinander ins Gespräch und auch in Bewegung zu kommen. Zeitlich war die Ideenwerkstatt auf 90 Minuten angelegt. Länger wäre besser gewesen. Dazu später mehr beim Teil ‚Feedback‘.
Materialien und Ausstattung
Wir haben viel haptisch gearbeitet, aber genau so selbstverständlich auch digitale Medien und KI-Technologie in unser Lernen einbezogen.
Analoges Material
Grundlage für die Ideenwerkstatt war ein Mini-Zine (= ein kleines Booklet, das sich die Teilnehmenden zu Beginn selbst aus einem DIN-A4-Blatt zusammenfalten konnten). Die Exemplare waren insofern verschieden, als dass es in gleicher Anzahl Booklets mit unterschiedlichen Begriffen gab, die wir im Laufe des Workshops bearbeiteten.
Hier ist das Zine in einer Lesefassung (mit ‚leerem‘ Begriff):
LesefassungHerunterladenUnd hier in der Druckfassung zum Schneiden und Falten:
FaltfassungHerunterladen(Diese beiden Varianten zeigen dann auch schon, wie man so etwas selbst gestaltet: erst 8 Seiten entwickeln, diese als Bild speichern und dann so anordnen, wie in der Faltfassung zu sehen. Wie man so etwas faltet, steht z.B. hier)
Die Zines konnten für schnelle, individuelle Notizen genutzt werden und zeigten den groben Ablauf, boten QR-Codes zu weiternutzbaren Prompts (siehe unten beim digitalen Material) sowie den Link zu diesem Blogbeitrag für die spätere Nachbereitung.
Ausstattung
Eine klassische Präsentation gab es nicht. Stattdessen habe ich Aufgaben oder wichtige Konzepte auf einem Flipchart visualisiert.
Schließlich brauchten wir noch Pinnwände, Metaplankarten und Packpapier oder auch einfach ein Flipchart zum Beschreiben auf den Tischen in den Gruppenarbeiten. Und ausreichend Platz!
Digitales Material
In den Zines gab es – wie oben dargestellt – QR-Codes zu einem GitHub-Verzeichnis.
- Die Teilnehmenden fanden dort Anregungen und/oder einen Prompt zur Eingabe in ein selbstgewähltes KI-Sprachmodell, mit dem sie sich den ihnen zugeteilten Begriff erschließen konnten.
- Es gab eine Spielanleitung, die von einer menschlichen Moderation genutzt werden konnte. Alternativ konnte ein Prompt genutzt werden, um sich dann als Gruppe von einem KI-Sprachmodell durch das Spiel Schritt für Schritt führen zu lassen.
Der Code ist in GitHub über diesen Link zugänglich und kann gerne remixt werden. Eine Screencast-Anleitung dazu habe ich hier veröffentlicht. (In dem Screencast geht es um ein anderes Projekt, aber es ist übertragbar.)
(Mein Vorschlag, wenn du es nachmachen willst: Schau dir den Screencast an und versuche dich an einem Remix. Wenn du nicht weiterkommst, dann nimm gerne Kontakt zu mir auf!)
Ablauf des Workshops
Die Ideenwerkstatt war in mehrere Phasen eingeteilt:
1. Einfinden und Grundlagen
Wir starteten mit dem Basteln des Zines und – direkt darin integriert – ein schnelles Silent Writing zu zwei Fragen:
- Wie definierst du im Kontext der aktuellen Debatte in der Bildung den Begriff Künstliche Intelligenz?
- Was wäre aus deiner Sicht die dümmstmögliche KI-Nutzung zum Lernen?
Nach dem Silent Writing bewegten sich alle durch den Raum und tauschten sich mit so vielen Menschen wie möglich zu ihren Antworten aus.
Diese Phase hatte zum einen den Sinn der Gruppenfindung und des Kennenlernens. Zum anderen wollte ich allen einen guten Einstieg in das Thema bieten – auch denjenigen, die sich bis jetzt vielleicht noch weniger mit KI-Technologie auseinandergesetzt haben.
2. Perspektive auf das Lernen
Ich hatte mir im Vorfeld fünf Konzepte bzw. Begriffe überlegt, die aus meiner Sicht für eine Perspektive des Lernens in der Bildung grundlegend sind. Diese waren als Begriffe in die Zines eingetragen:
- Radikale Gegenwart (= das Leben in all seiner Widersprüchlichkeit und Vielfalt in die Bildung holen und ausgehend davon Lernen entwickeln),
- Agency (= eigene Anliegen entwickeln und für die Umsetzung motiviert und gestärkt werden),
- Modellierung (= in die Umsetzung gehen und dazu auch eigene Lernprozesse gestalten),
- Resonanz (= eine Wirkung entfalten – bei sich selbst und bei anderen)
- Reflexion (= über die eigenen Aktivitäten und das Lernen nachdenken und es weiterentwickeln).
Diese Konzepte wirken in dieser Darstellung sehr linear. Ich habe aber versucht, deutlich zu machen, dass sie ineinander verschränkt und rotierend zu verstehen sind.
Um diese Perspektiven auf das Lernen einnehmen zu können, konnten sich die Teilnehmenden zunächst den Begriff erschließen. Sie gingen dazu in den Austausch mit Nebensitzer*innen, durchsuchten das Internet oder nutzten einen vorbereiteten Prompt nutzen.
3. Begriffsklärung und Ideenentwicklung
Anschließend fanden sich alle Beteiligten, die den gleichen Begriff im Zine stehen hatten, in einer gemeinsamen Gruppe zusammen. (Wir haben diese Gruppen oft noch einmal geteilt, da die Diskussionsrunden ansonsten zu groß geworden wären. Das können aber die Beteiligten am besten entscheiden.)
In diesen Gruppen ging es dann darum, sich zunächst über die gefundenen Begriffsdefinitionen zu verständigen und anschließend in eine Ideenentwicklung zu gehen: Was könnte man vor dem Hintergrund des jeweiligen Konzepts praktisch tun, um gutes Lernen zu ermöglichen?
Die Antworten wurden in einer ersten Phase mit dem Anspruch von Quantität zusammengetragen (= alles, was einem in den Sinn kam). Anschließend verteilte ich Metaplankarten und die Gruppen fassten ihre wichtigsten Punkte zusammen und teilten sie auf einer gemeinsamen Pinnwand. Das hier war unser erstes Ergebnis:
a) Radikale Gegenwart
- Lernen im Hier und Jetzt – ohne Rückgriff auf Vergangenheit oder Zukunft.
- Neustart ermöglichen – alte Muster hinter sich lassen.
- Achtsamkeit – bewusste Wahrnehmung fördern.
- Fehlerfreier Raum – alles darf sein, angstfreies Lernen.
- Perspektivenvielfalt:
- Argumente und Rollenwechsel fördern Verständnis.
- Visualisierung:
- z. B. Gartenprojekt
- Raum für Ideen und Überraschungen schaffen.
- „Radikale Gegenwart“ ↔ KI – möglicher Widerspruch.
b) Agency (Selbstwirksamkeit im Lernen)
- Aktive Gestaltung des eigenen Lernprozesses.
- KI als unterstützender Coach:
- Diagnostik-Funktion.
- Unterstützung bei Zielformulierung & Lernweggestaltung.
- Reflexionshilfe
- Feedbackgeber
c) Modellierung
- KI als Lern- und Denkpartnerin.
- Eigene Ideen mit KI entwickeln und modellieren.
- Lösungswege sichtbar machen.
- Transparenz:
- Eigene und KI-Denkprozesse nachvollziehbar machen.
d) Resonanz
- Individuelle Lernwege fördern:
- Kreative, persönliche Lösungen und Produkte.
- Dialogischer Lernprozess zwischen Mensch und KI.
- KI für persönliche Beispiele nutzen:
- Lerngegenstände an individuelle Interessen anpassen.
e) Reflexion
- Chatbot für individuelle Lernreflexion:
- Anpassung an verschiedene Lerntypen.
- Ziele:
- Reflexionstiefe steigern.
- Schwächen erkennen.
- Lernpläne entwickeln.
- KI-basierte Reflexion als Lern-Booster.
4. Konkretisierung im Rollenspiel
Der letzte Schritt war ein Rollenspiel, für das wir Gruppen bildeten, in denen alle zuvor behandelten Perspektiven/ Begriffe vertreten waren. Eine Person übernahm die Moderation und eine weitere die Dokumentation. Die anderen blickten dann mit der Perspektive einer lernenden Person, einer lehrenden Person und KI/Technologie auf das Lernen. Die Frage war jeweils: Was brauche ich? Was kann ich tun? Bzw. im Fall von KI: Wie kann ich verwendet werden? Dabei wurden nacheinander die unterschiedlichen Phasen/Konzepte betrachtet, mit einer entwickelten Idee verbunden und so konkretisiert. In der Spielanleitung ist das noch besser erklärt.
Den Gruppen war freigestellt, sich selbst durch das Spiel zu moderieren oder ein KI-Sprachmodell zu nutzen. Letzteres hatte den Vorteil, dass das KI-Sprachmodell im Prompt so instruiert war, jeweils eine spezifische Frage zur Phase und entwickelten Idee an die jeweiligen Perspektiven zu richten. Aus meiner Sicht hat das sehr gut funktioniert.
Ergebnisse
Viele Gruppen haben mir ihre Mitschriften zugesandt, woraus mit KI-Unterstützung diese Zusammenfassung entstand:
Ein Gruppenergebnis teile ich hier auch direkt, weil es so schön gestaltet ist und die Arbeitsweise in den Gruppen aus meiner Sicht sehr anschaulich macht:
Ein Mitschrieb aus einer GruppenarbeitFeedback und Anregungen zur Weiterentwicklung
Wir haben zum Abschluss ein schnelles Blitzlicht gemacht. Das Feedback war positiv – und ich habe mir drei hilfreiche Anregungen zur Weiterentwicklung des Konzepts mitgeschrieben:
- Die Darstellung der fünf Konzepte der Lernphasen fanden manche Teilnehmenden ziemlich „verkopft“ dargestellt. Vielleicht könnte man das bodenständiger und damit zugänglicher machen.
- Die fünf Konzepte der Lernphasen waren im Workshop nicht linear gedacht, aber trotzdem haben wir sie linear bearbeitet. Vielleicht könnte es helfen, ‚radikale Gegenwart‘ als Grundlage zu nehmen.
- Die heutigen 90 Minuten waren zu kurz. Am besten fände auch ich eine Ausweitung dieses Konzepts in eine Tagesveranstaltung – dann mit noch etwas mehr Austauschrunden. Das wäre aus meiner Sicht dann sehr passend für einen Pädagogischen Tag. Melde dich gerne, wenn du Lust hast, das mit deinem Kollegium mit mir gemeinsam auszuprobieren – oder setze es gerne auch selbst um. Ich freue mich in diesem Fall über Erfahrungsberichte.
(Außerdem mögen nicht alle Menschen basteln, so wie wir das zu Beginn mit den Zines gemacht haben. Da ich das konzeptionell sehr gerne mag, würde ich zukünftig einfach ein paar schon fertig gefaltete und geschnittene Zines mitbringen, sodass man nicht zum Basteln verpflichtet wird, wenn man das nicht will.)
Fazit
Ich hatte viel Freude dabei, den Workshop vorzubereiten und durchzuführen. Vielen Dank an alle, die ihn gemeinsam ausprobiert haben – und eine herzliche Einladung an alle, das Konzept, die Materialien und auch die entwickelten Ergebnisse weiterzunutzen, anzupassen und an ihnen weiterzudenken. Vielleicht hilft das ein bisschen dabei, endlich mehr das Lernen in der KI-Debatte in den Fokus zu nehmen!
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‚Präsenzerweiterung‘
Mitte Mai ist die Veranstaltung ‚OER im Blick‘ in Jena. In einem dieser Workshops soll es um die Community-Beratschlagung des OERcamp gehen, die ich mit konzipiert und vorbereitet habe. Leider kann ich vor Ort nicht mit dabei sein. Gemeinsam mit dem OERcamp-Team haben wir überlegt, ob man mich vielleicht mit einem Flipped-Video zuschalten kann.
Ich fand diese Idee gut und habe daran weiter gedacht. Ich kam zum Schluss, dass tatsächlich passende Impulse sehr viel cooler sein könnten, als einfach nur eine Art Grußwort. So habe ich jetzt also vier Mini-Videos aufgezeichnet – inklusive Hallo und Tschüß – die aus meiner Sicht gut dazu passen können. Ich nenne diese Form der Zuschaltung ‚Präsenzerweiterung‘.
Nun bin ich gespannt, was das OERcamp-Team vor Ort und mit Zuschaltung daraus macht und wie der Workshop insgesamt funktionieren wird. Ich werde diese Idee sicherlich noch häufiger vorschlagen!
Ansonsten habe ich heute meine April-Edumail versandt, viele Besprechungen gehabt – und freue mich jetzt auf den morgigen Feiertag. 🙂
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Raum für Transformation öffnen: ‚Kann weg!‘-Schneeballschlacht
Wenn wir Bildung verändern wollen, dann sind wir oft in bisherigen Routinen gefangen. Das erschwert es uns, neu und anders zu denken. Hinzu kommt, dass es dann auch ganz objektiv an Raum mangelt, dass etwas Neues entstehen kann. Mit der Methode ‚Kann weg!‘-Schneeballschlacht lässt sich diese Herausforderung spielerisch aufgreifen.
Vorgehen
Die Methode ist sehr einfach und kann in Workshops oder auch als Zwischen-Interaktion in Vorträgen gleichermaßen genutzt werden. So gehst du vor:
- Alle erhalten einen leeren DinA4-Zettel und notieren auf diesem Zettel einen Aspekt, der weg kann oder von dem es weniger braucht. Dabei können sie sich mit Nebensitzer*innen austauschen.
- Wenn ein Aspekt notiert ist, wird der Zettel zerknüllt und als Schneeball zu einer anderen Gruppe (oder auch einfach quer durch den Raum geworfen). Wer den Zettel auffängt oder findet, öffnet das Papier, liest was darauf notiert ist – und ergänzt einen weiteren Aspekt. Zusätzlich/ alternativ können auch die bisherigen Einträge unterstützt werden (= ein Herz oder Stern dazu malen, zustimmend kommentieren …)
- Danach wird der Zettel wieder zerknüllt und weiter geworfen.
- Zum Abschluss landen alle Schneebälle in einem großen Papierkorb.
Hintergrund
Das Spiel ist für alle Beteiligten gleichermaßen spannend und befreiend. Zugleich gelangt die Gruppe in Interaktion miteinander. Der gut gefüllte Papierkorb am Ende symbolisiert für alle Beteiligten ganz wunderbar: „Wow, so viel kann weg! Das ist toll. Dann haben wir jetzt ja Raum für neue Ideen!“ Vor diesem Hintergrund finde ich diese Methode optimal zum Einstieg in Workshops geeignet, wenn es um Transformation in der Bildung geht.
Mein Lieblingsbeispiel für die Tatsache, dass Transformation durch bestehende Routinen und Strukturen blockiert ist, ist die Veränderung der Lernkultur hin zu selbstbestimmten Lernen mit personalisierter Lernbegleitung. Vor dem Hintergrund von klassischem Unterricht ist hier sehr oft die Erwiderung von lehrenden Personen: „Das geht nicht. Dazu fehlt mir die Zeit!“. Diese Erwiderung ist stimmig, wenn es weiterhin dabei bleiben würde, dass die lehrende Person vor der Lerngruppe steht und unterrichtet. Wenn dagegen dieser klassische Unterricht und damit auch die frontalen Phasen zurückgedrängt oder ganz abgeschafft werden, ist plötzlich viel mehr Zeit für anderes da. Genau das kann allen Beteiligten durch eine einleitende ‚Kann weg‘-Schneeballschlacht bewusst werden.
Praxis: „Kann weg“-Schneeballschlacht als Vortrags-Murmelrunde
Ich habe die Methode heute im Rahmen eines Vortrags bei der Initiative Professionell in der Lehre (PROFiL) an der Ludwig Maximillians Universität München genutzt. Hier erfüllte die Methode den Sinn einer Murmelphase und hatte ansonsten inhaltlich das gleiche Ziel.
Ich habe mich für diese Methode aus mehreren Gründen entschieden:
- Ich hoffe, dass alle Zuhörenden – auch wenn sie sich sonst vielleicht nicht an viel von dem Vortrag erinnern – das Bild mit den Schneebällen und dem gemeinsam gefüllten Papierkorb mitnehmen – und damit gut weiter vorankommen bei der Transformation von Lehre.
- Es gab vor meinem Vortrag schon ein paar Grußworte. Deshalb dachte ich, dass ein Wachmacher schön sein könnte.
- Der Raum war relativ eng bestuhlt, weshalb Bewegung (z.B. mit Kartenaustausch oder ähnlichem) nicht gut funktioniert hätte. Zugleich wollte ich gerne, dass die Kolleg*innen als gesamte Gruppe ein bisschen in den Austausch kommen.
Bei der Durchsicht von einigen ‚Scheebällen‘ fand ich besonders die Kommunikation auf den Zetteln sehr schön. Zum Teil wurde richtiggehend aufeinander aufgebaut:
Ansonsten auch sehr viel ‚geliked‘ …
… und kommentiert.
Fazit: große Empfehlung!
Ich hatte die Methode im Internet gefunden und für mich inhaltlich angepasst. Trotzdem war ich zunächst etwas zögerlich, ob sie nicht zu wild sein könnte. Doch auch in dem (bei mir) feierlichen, seriösen Rahmen einer universitären Festveranstaltung war der Impuls meines Eindrucks nach ganz genau richtig. Zudem braucht die Methode kaum Vorbereitung oder Materialien, sondern sie lässt sich sehr niederschwellig umsetzen.
In diesem Sinne deshalb: Viel Freude beim Ausprobieren!
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Zwei Experimente im heutigen Online-Lernangebot mit dem VCRP
Heute habe ich für den Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) ein Online-Lernangebot zu guter Zusammenarbeit im Kontext von KI gestaltet. Direkt im Anschluss habe ich die wichtigsten inhaltlichen Impulse gebloggt. (Nach einem Lernangebot ist solch ein Blogbeitrag recht schnell geschrieben, weil die Inhalte in meinem Kopf natürlich gut sortiert sind.)
Während des Online-Lernangebots habe ich mit zwei ’neuen‘ Dingen experimentiert und möchte diese hier in meinem Lerntagebuch kurz dokumentieren:
Erstens haben wir 1, 2 oder 3 gespielt. Das ist eine sehr schnelle und einfache Idee gewesen. Ich habe drei Optionen-Kästen auf eine Folie gezeichnet (in meinem Fall: drei Möglichkeiten, wie man mit einem KI-Modell interagieren kann). Daneben stand der Satz:
Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht!
Ich habe dann ein Fallbeispiel vorgestellt und darum gebeten, sich an die richtige Stelle auf der Folie mit dem Mauszeiger zu platzieren. Das ‚Licht einschalten‘ war dann die Aktivierung des kollaborativen Whiteboards. Damit wurden auf einen Schlag alle Mauszeiger sichtbar – und ich konnte auflösen.
Meine ‚Quizfolie‘Fazit dazu: Eine sehr einfache und niederschwellige Mini-Interaktion, die ich sicherlich in vielen Kontexten nutzen kann.
Zweitens habe ich die erweiterte Audio-Funktion von ChatGPT live ausprobiert. Dazu habe ich den zweiten der drei Impulse aufgezeichnet und bin dann in den Audio-Modus gewechselt. Dort habe ich dann erstens ChatGPT nach einer prägnanten Zusammenfassung gefragt – und zweitens nach einer möglichen Reflexionsfrage für die folgenden ‚Murmelphasen‘. Technisch war ich einfach ganz normal in der Videokonferenz via Laptop und habe als zweites Gerät mein Smartphone dazu geholt. Ich weiß, dass es natürlich auch ausgefeiltere Möglichkeiten gibt, bei der man den KI-Bot richtig in die Konferenz einwählt. Ich habe einfach mein Smartphone vor mein Headset gehalten, um die Antwort des Bots für die Teilnehmenden hörbar zu machen. Das reichte gut aus!
Offen gestaltete Folie in Erwartung einer KI-Chatbot InteraktionFazit dazu: Hier war ich etwas aufgeregt, weil solche Experimente natürlich super leicht schief gehen können. Es hat aber zum Glück gut geklappt. Die entwickelte Frage war wenig überraschend (= Wie übertragt ihr das Gehörte auf euren Kontext?). Vielleicht müsste ich eher nach einer ungewöhnlichen Frage fragen. Hilfreich fand ich die prägnante Zusammenfassung: Ich konnte damit einmal kurz durchatmen und die Teilnehmenden haben zwischendurch mal eine andere Stimme gehört. Ich denke, dass ich damit auch zukünftig immer mal wieder experimentieren werde,
Auch ansonsten ist mein Fazit: Ein schönes Lernangebot, das auf viel Interesse stieß!
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Methoden-Update: Aktives Lernen gestalten mit Kollaboration und Kreativität
In diesem Blogbeitrag dokumentiere ich meinen heutigen Workshop, der im Rahmen der Digitagung der Initiative Technik Zukunft in Bayern stattfand. Die Tagung stand dieses Jahr unter dem Motto „Teaching Twin Transition: Digitalität und Nachhaltigkeit“. Für den Workshop habe ich mit einigen neuen Ansätzen experimentiert und mich dabei vor allem von den interaktiven Trainingsmethoden von Sivasailam Thiagarajan (Thiagi) inspirieren lassen.
Ziel und Rahmen des Workshops
Der zweistündige Workshop richtete sich an Lehrkräfte von weiterführenden Schulen in Bayern. Sie sollten ein „Methoden-Update“ erhalten. Es ging also um methodische Inspirationen für selbstbestimmtes, kreatives und kollaboratives Lernen.
Da man Methoden nicht gut theoretisch vermitteln kann, sondern sie am besten praktisch ausprobiert, haben wir genau das gemacht. Die Lehrkräfte waren in der Rolle von Lernenden, die sich das Thema „methodische Gestaltung von Lernen in einer veränderten Lernkultur“ mit den von mir vorbereiteten Methoden erarbeiteten. So konnte selbstbestimmtes, kollaboratives und kreatives Lernen zugleich praktisch erlebt werden.
Alle Methoden können auch einzeln genutzt und inhaltlich vielfältig angepasst werden. Für einen Gesamtüberblick ist hier meine (sehr, sehr einfache) Präsentation, die hauptsächlich den Zweck erfüllte, dass die Teilnehmenden die Anleitungen bei Bedarf immer noch einmal nachlesen konnten.
Präsentation zum WorkshopHerunterladenEnergizer zum Einstieg: Schnick-Schnack-Schnuck mit Fan-Parade
Ich wollte mit einem sehr aktivierenden Energizer starten und entschied mich für Schnick-Schnack-Schnuck mit Fan-Parade.
Hier ist eine Anleitung:
- Die Teilnehmenden spielen zunächst in Zweierteams gegeneinander Schnick-Schnack-Schnuck. Es gelten die einfachsten Regeln: Es gibt nur Schere, Stein und Papier.
- Die Person, die gewinnt, sucht sich eine neue gegnerische Person aus dem Kreis der Teilnehmenden. Die unterlegene Person verwandelt sich in ihren größten Fan und läuft ihr ab dann laut jubelnd und anfeuernd hinterher.
- Das Spiel endet, wenn nur noch zwei Personen übrig sind, die gegeneinander in einem letzten Match antreten – und dabei von ihren zuvor „eingesammelten“ Fans bejubelt werden.
Ich mag das Spiel, weil es super einfach ist, sehr schnell gute Laune verbreitet, alle munter macht und die Stimmung für den folgenden Workshop setzt: Wir können uns gegenseitig über Erfolge freuen!
Kaltstart: Domino-Orientierung
Nach solch einem Energizer würde normalerweise ein mindestens kurzes, frontales Intro folgen, in dem ich die Ziele des Workshops und auch mich selbst vorstelle. Außerdem gibt es meistens organisatorische Fragen zu klären: Machen wir eine Pause? Muss ich mitschreiben? Was benötige ich während des Workshops? …
Um den Workshop dieses Mal direkt „von mir weg“ zu gestalten und die Verantwortung in die Hände der Lernenden zu legen, habe ich all diese Infos stattdessen in ein „Domino“ gepackt. Auf DIN-A4-Zetteln stand jeweils in der unteren Hälfte eine Frage, die dann in der oberen Hälfte des nächsten Zettels beantwortet wurde. Die einzelnen Zettel lagen kunterbunt durcheinander gemischt auf den Tischinseln im Raum. Die Aufgabe lautete: Setzt das Domino kollaborativ zusammen!
Mein Domino (hier noch sortiert) als BeispielHerunterladenDiese Übung hat sehr gut funktioniert. Alle lasen ihre Fragen und suchten bei anderen nach den passenden Antworten bzw. überlegten, wo sie mit ihrem Zettel andocken konnten. Schließlich war das Domino fertig gelegt, die Gruppe hatte ihr erstes Erfolgserlebnis und alle wussten über den Workshop Bescheid.
Von den Teilnehmenden zusammengesetztes ‚Domino‘Auf der Meta-Ebene haben wir kurz reflektiert, wozu wir diese Methode transferieren könnten. Neben einer Nutzung zum Einstieg wie bei uns, erschien uns das auch zum Abschluss von Lerneinheiten und zur Rekapitulation des Gelernten hilfreich. Und natürlich könnte solch ein Domino auch von den Lernenden selbst erstellt werden.
Vorstellung und Kennenlernen: Daten-Visualisierung und Austausch
Für die nächste Methode hatte ich Stifte und Papier auf den Tischen verteilt. Die Aufgabe lautete, eine „Vorstellung“ zu zeichnen und dabei vorgegebene Merkmale für die Form, die Farbe und die Größe zu nutzen:
- Farbe: Was ist für dich die wichtigste Kompetenz im Kontext von Nachhaltigkeit und Digitalisierung
- Grün: Selbstlernkompetenz
- Rot: Fähigkeit zur Kollaboration
- Gelb: Kreativität
- Form: Mit welcher „Brille“ kommst du vorrangig zum Workshop?
- Quadrat: Digitalisierung
- Kreis: Nachhaltigkeit
- Dreieck: Sowohl als auch
- Größe: Wie sehr bist du im Workshop präsent?
- klein: Ich habe sehr viel anderes im Kopf / bin tendenziell abgelenkt.
- groß: Ich bin voll und ganz dabei!
Zum Kennenlernen schrieben die Teilnehmenden noch ihren Namen auf ihr Blatt und bewegten sich damit durch den Raum. Das Ziel war es, mit mindestens drei anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und dabei jeweils die Gründe für Unterschiede in der Darstellung zu erfragen. (Beispiel: Deine Form ist viel kleiner als meine. Warum bist du denn tendenziell abgelenkt? Du hast ein Quadrat gezeichnet und ich einen Kreis: Was machst du denn im Kontext von Digitalisierung? …). Als Bonus-Aufgabe durfte man sich mit den Personen abklatschen, die (fast) das gleiche Muster gezeichnet hatten wie man selbst.
Auf diese Daten-Visualisierungs-Idee zum Einstieg kam ich übrigens über einen LinkedIn-Beitrag von Jördis – und habe mich gefreut, so etwas direkt mal ausprobieren zu können.
Auch hier haben wir viele Transfer-Möglichkeiten der Methode überlegt – insbesondere nicht nur als Einstieg zum Kennenlernen, sondern auch zur Darstellung von Vielfalt in einer Lerngruppe oder einer Veranstaltungs-Evaluation. Man kann mit der Methode beliebig spielen – und hat immer mindestens die Ebenen Farbe, Form und Größe zur Auswahl, die man beliebig gestalten kann.
Inhaltliche Auseinandersetzung: Konzepterschließung
Die nächste Methode stellte eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den drei Konzepten des Workshops dar: Kollaboration, Kreativität und Selbstermächtigung der Lernenden. Hier habe ich mich besonders gefreut, dass es sehr gut geklappt hat, auf klassischen Input zu verzichten. Stattdessen erhielt jede Kleingruppe mehrere Konzepterschließungsaufgaben zu je einem Konzept:
- einen kurzen Text, der in eigenen Worten zusammengefasst werden sollte.
- die Herausforderung, das Konzept ausgehend von einer Ausgangsthese mit 6-Warum-Fragen zu hinterfragen. Beispiel: Kreativität ist eine Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert. -> Warum ist Kreativität eine Schlüsselkompetenz im 21. Jahrhundert? Weil es neue Antworten auf große Herausforderungen braucht? -> Warum braucht es neue Antworten? …
- die Aufgabe, Synonyme und Antonyme zum jeweiligen Begriff zu finden.
- die Aufgabe, das Konzept kleinschrittiger zu zerlegen, indem man eine Mindmap drumherum gestaltet.
- die Einladung zu einem Kopfstand: Was wäre das dümmstmögliche, was man machen könnte, um die Entwicklung des Konzepts garantiert zu verhindern?
- die Frage nach einem Praxisbeispiel aus der Schule für das jeweilige Konzept.
Hier ist das Beispiel für Kreativität:
Aufgaben zur Erschließung des Konzepts KreativitätHerunterladenInsbesondere durch die Bereitstellung des Textes war es den Kleingruppen möglich, diese Konzepterschließungsaufgaben zu bearbeiten, auch wenn vielleicht noch keine oder nur wenig Vorkenntnisse zum Thema vorhanden waren. Die Aufgaben zielen ansonsten vor allem auf das Anknüpfen an Vorerfahrungen und Wissen.
Die erarbeiteten Inhalte wurden dann in Form eines Gruppenpuzzles mit den anderen Gruppen geteilt.
Für den Transfer eignen sich solche Konzepterschließungsaufgaben sicherlich auch sehr gut im Rahmen des Flipped-Classroom-Modells. Lernende haben sich dann zuvor schon Inhalte erarbeitet und können darauf gemeinsam aufbauen.
Ideenentwicklung 1: Wettstreit im Umschlag
Nachdem wir uns die drei Konzepte genauer erschlossen hatten, standen wir als nächstes vor der Frage der Umsetzung: Wie gestalten wir Lernen mit Kollaboration? Wie gestalten wir Lernen mit Kreativität? Und wie ermächtigen wir Lernende zur Übernahme der Verantwortung für ihre Lernprozesse?
Wir gestalteten diese Ideenentwicklung mit einem klassischen Brainstorming – und einem spielerischen Wettstreit:
- Jede Kleingruppe erhielt einen leeren Briefumschlag mit einer der drei Fragen. Die Aufgabe war es, so viele und so gute Ideen wie möglich in vier Minuten zu entwickeln, auf Karten zu notieren und in den Umschlag zu stecken. Auf den Rückseiten der Karten wurde ein „Gruppensymbol“ aufgezeichnet (Kreis, Dreieck, Viereck …).
- Nach Ablauf der Zeit wurden die Umschläge im Uhrzeigersinn weitergegeben und Ideen zur nächsten Frage entwickelt.
- Nachdem Ideen für alle drei Fragen entwickelt waren, wurden die Umschläge noch einmal weitergegeben – und die Gruppen durften nun je einen Umschlag (mit ziemlich vielen Ideen darin!) öffnen. Ihre Aufgabe war es, die fünf besten Ideen zu kuratieren und diese dann im Plenum vorzustellen.
Für das spielerische Element wurden die kuratierten Karten danach umgedreht und mithilfe der dort zu findenden Gruppensymbole zusammengezählt, welche Gruppe insgesamt die meisten der schließlich ausgewählten Ideen beigesteuert hatte. Sie erhielt großen Applaus!
Umgedrehte, kuratierte Karten mit den GruppensymbolenIch mag diese Art der Ideensammlung und -kuratierung sehr. Kritisch wurde angemerkt, dass es für manche Teilnehmenden schwierig sein könnte, dass ihre Idee nicht in der Auswahl berücksichtigt wird. Hier kann zum einen helfen, später auch nicht-ausgewählte Ideen zu dokumentieren. Zum anderen sollte deutlich gemacht werden, dass gerade aus einem Überfluss an Ideen neue und gute Ideen entstehen können. Der gesamte Prozess ist also wichtig – und zu diesem haben alle einen Beitrag geleistet.
Ideenentwicklung 2: 35er-Countdown
Da ich die Auswahl und Bewertung von entwickelten Inhalten in den Händen der Lernenden als sehr zentral für eine veränderte Lernkultur erachte, wollte ich noch eine zweite Methode in diese Richtung ausprobieren lassen. Dazu wurden dieses Mal individuell Ideen entwickelt (= eine Idee, die Lernen freudvoller macht, mit einem Gegenstände-Brainstorming). Die Ideen wurden auf Karten geschrieben, deren Rückseite ich vorher vorbereitet hatte.
Schnelle Beschriftung der Karten-Rückseiten (auf der Hinfahrt im Zug)Die Teilnehmenden bewegten sich nun durch den Raum. Wenn sie eine andere Person trafen, stellten sie sich gegenseitig ihre Ideen vor – und durften dann 7 Punkte auf die Ideen verteilen (z.B. eine Idee bekommt 4 Punkte, die andere 3 Punkte. Oder eine Idee bekommt 7 Punkte, die andere 0 Punkte …). Die Zahl wurde auf die Rückseite eingetragen. Dann wurden Karten getauscht und das nächste Gespräch gesucht. Insgesamt gab es 5 Runden. Eine Karte konnte also maximal 35 Punkte erhalten.
Bewertete und berechnete KartenWenn alle Karten fertig bewertet waren, nahmen alle Platz und ich zählte von 35 herunter. Wessen Karte eine von mir genannte Zahl hatte, stand auf. Ich zählte herunter, bis 5 Personen standen (= die bestbewerteten Ideen). Diese wurden laut im Plenum vorgelesen.
Diese Methode erinnert mich sehr stark an das Crowd-Sourcing der Liberating Structures. Durch die „Verhandlung“ über die Punkte finde ich sie noch gewinnbringender. In ähnlicher Weise habe ich die Methode auch papierfrei mit dem Tool Brainstormrank umgesetzt (vielleicht gestalte ich hier noch eine Variante mit der Punkte-Aufteilung statt nur „besser“ oder „schlechter“).
Argumentationstraining: Pro und Kontra Kugellager
Von der Ideenentwicklung sind wir als nächstes noch zu einer Argumentations-Trainings-Methode gekommen. Der Hintergrund war hier, dass Ideen allein ja nicht viel helfen, wenn man nicht auch Menschen überzeugen kann, diese umzusetzen. Um genau das zu unterstützen, haben sich die Teilnehmenden auf zwei Seiten einer Schnur aufgestellt: die Menschen auf der einen Seite schlüpften in die Rolle von „Blockierern“. Sie sind der Ansicht, dass Lernen so bleiben kann und sollte, wie es schon immer war. Die Menschen auf der anderen Seite waren Veränderungsagenten. Sie finden es wichtig, dass Lernkultur grundlegend verändert wird.
Die Methode funktionierte dann wie folgt:
- Die jeweiligen Gruppen beratschlagten für sich, was gute Argumente für/gegen Veränderung sein könnten.
- Sie trafen sich zu einem Paar-Streitgespräch mit einer Person aus der anderen Gruppe.
- Danach kamen die Gruppen wieder zusammen und schärften ihre Argumente.
- Es gab ein weiteres Paar-Streitgespräch.
- Zum Abschluss reflektierten wir gemeinsam, was vor dem Hintergrund der erlebten Rollenspiele gute und überzeugende Argumente für Veränderung sein könnten.
Ich mag diese Methode sehr gerne – vor allem dann, wenn Menschen mit dabei sind, die ganz bewusst ihre Rolle übertreibend spielen – und so Raum für Reflexion und Lernen schaffen.
Rekapitulation: „Das ist noch gar nichts!“
Zum Abschluss eines Workshops finde ich es wichtig, dass Raum da ist, das Gelernte zu rekapitulieren. Zweitens ist es gut, wenn konkret etwas aus Workshops entsteht. Dazu ist es hilfreich, sich eine konkrete Sache zu überlegen, die man am besten direkt in den nächsten Tagen angehen will. Unterstützt werden können diese Ziele mit der Rollenspiel-Methode „Das ist noch gar nichts!“:
- Stellt euch vor, ihr trefft in drei Monaten zufällig drei Teilnehmende dieses Workshops auf der Straße.
- Ihr kommt miteinander ins Gespräch darüber, was ihr aus dem Workshop mitgenommen und umgesetzt habt.
- Versucht dabei bewusst zu übertreiben und euch gegenseitig zu übertrumpfen: „Das ist ja noch gar nichts!“
Die Diskussion endete nach der vereinbarten Zeit. Bei uns waren es 4 Minuten.
In einem kurzen „Silent Thinking“ überlegten sich dann alle Teilnehmenden ihren nächsten, konkreten Schritt.
Feedbackrunde: Stand-Up Blitzlicht
Damit waren wir dann schon beim Ende des Workshops angekommen. Um das typische Blitzlicht zu verhindern, bei dem viel wiederholt wird, machten wir ein „Stand-Up Blitzlicht“. Dazu standen alle auf. Eine Person begann und teilte eine Überlegung und nahm dann Platz. Wer etwas sehr Ähnliches gesagt hätte, nahm zeitgleich Platz. Wer weiterhin stand, sagte den nächsten Punkt. So ging es weiter, bis alle wieder saßen – und wir den Workshop mit Applaus für alle für ein sehr erfolgreiches, gemeinsames Lernen beenden konnten.
Fazit
Ich habe den Workshop als sehr stimmig und gut funktionierend erlebt, weil er sehr konsequent die Verantwortung zum Lernen auf die Lernenden überträgt – und dazu kollaborative und kreative Räume öffnet. Mit den Methoden werde ich sicherlich noch weiter experimentieren. Ich kann sie nach den heutigen Erfahrungen sehr zur Weiternutzung empfehlen.
Viel Freude und Erfolg beim Lernen und Erkunden!
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Was bringen Vorab-Umfragen unter den Teilnehmenden eines Lernangebots und wie lassen sie sich gut gestalten?
Im Vorfeld von Lernangeboten in der Erwachsenenbildung sende ich den angemeldeten Teilnehmenden oft per Mail eine kleine Umfrage und bitte sie darin, anonym eine Handvoll Fragen zu beantworten. In diesem Blogbeitrag teile ich, warum ich solche Vorab-Umfragen für sinnvoll halte und mit welchen praktischen Ausgestaltungen ich gute Erfahrungen gemacht habe. Außerdem ergänze ich, welche Tools sich dafür gut verwenden lassen und was ansonsten bei der Durchführung zu beachten ist.
Eine Einschränkung gleich vorab: Wenn man solche Vorab-Umfragen durchführt, ist es zwingend erforderlich, dass erstens das Lernangebot den entsprechenden Spielraum bietet, die Ergebnisse der Umfrage in der Konzeption auch zu berücksichtigen. Zweitens muss man sich selbst die Zeit dafür einplanen. Andernfalls sind Vorab-Umfragen nur Zeitverschwendung für alle Beteiligten, und die Teilnehmenden fühlen sich wahrscheinlich auch veralbert. Bei mir passen Vorab-Umfragen oft bei Lernangeboten, die auf mehr als zwei Stunden angelegt sind und sehr partizipativ und praxisorientiert gestaltet werden sollen.
Gute Gründe für Vorab-Umfragen bei Lernangeboten
Bei den Gründen für Vorab-Umfragen lässt sich zwischen der Perspektive der Teilnehmenden und der Lehrenden unterscheiden.
Wenn ich mich als Teilnehmerin zu einem Lernangebot anmelde, erhalte ich vorab meistens einige organisatorische Informationen und Hinweise zur geplanten Durchführung. Beides trägt nur wenig dazu bei, dass ich dazu angeregt werde, selbst Verantwortung für meinen Lernprozess zu übernehmen. Genau das passiert jedoch mit einer Umfrage. Hier konsumiere ich nicht nur Informationen, sondern setze mich aktiv mit dem bevorstehenden Lernangebot auseinander, reflektiere mein Lernziel und rekapituliere vielleicht auch Vorerfahrungen und Vorwissen. Wenn solch eine Umfrage gut gemacht ist, steigert sie zusätzlich die Vorfreude auf die Veranstaltung.
Wenn ich als Lehrende im Vorfeld eine Umfrage durchführe, hilft mir das sehr, die Gruppe zumindest ein wenig kennenzulernen: Welches Vorwissen gibt es? Wo liegen inhaltliche Schwerpunkte und Interessen? Welche besonderen Wünsche und Bedürfnisse gibt es? Natürlich ließen sich solche Informationen auch im direkten Gespräch mit den Auftraggeber*innen klären. Ich mache jedoch immer wieder die Erfahrung, dass ich über den direkten Weg der Umfrage ein anderes Bild von der Gruppe erhalte, als wenn ich nur mit den auftraggebenden Personen spreche. Auf den Ergebnissen der Umfrage kann ich meine Konzeption dann deutlich besser, weil realistischer, aufbauen. Hinzu kommt, dass ich einige der mit der Umfrage erhaltenen Antworten auch direkt im Lernangebot methodisch weiterverwenden kann. Auf diese Weise werden die Teilnehmenden zu Ko-Gestalterinnen des Lernangebots.
Vorab-Umfragen finde ich bei vielen Themen hilfreich. Gerade aktuell im Kontext der KI-Debatte stelle ich häufig fest, dass es sehr unterschiedliche Vorerfahrungen in Lerngruppen und auch innerhalb einer Lerngruppe gibt. Da sind solche Umfragen besonders wertvoll.
Praktische Ideen zur Weiternutzung
Vorab-Umfragen bei Lernangeboten können sehr unterschiedlich gestaltet werden. Wichtig ist, dass die Umfrage niederschwellig erreichbar ist und die Teilnehmenden die Fragen recht schnell beantworten können. Maximal fünf Fragen scheinen mir eine gute Richtschnur für den Umfang zu sein. Ich nutze darin oft die folgenden Ansätze:
1. Begriffe abfragen
Begriffe abzufragen funktioniert gut, wenn das Lernangebot ein klar umrissenes Thema hat, zum Beispiel Open Educational Resources (OER), Kollaboration, Künstliche Intelligenz, Kreativität … Meine Frage lautet dann ganz simpel: Welche maximal drei Begriffe verbinden Sie mit dem jeweiligen Thema?
Ich mag diese Frage, weil sie eine sehr niederschwellige Art ist, die Teilnehmenden auf das Thema einzustimmen. Bei Veranstaltungen mit Einsteiger*innen habe ich bereits die Rückmeldung erhalten, dass die Frage der Anlass war, um das Thema überhaupt erst einmal zu googeln. Andere Teilnehmende haben schon bestimmte Vorstellungen im Kopf und können diese dann aufschreiben. In beiden Fällen findet bereits vorab eine selbstbestimmte Auseinandersetzung mit dem Thema statt.
Um darauf im Lernangebot aufzubauen, sind unterschiedliche Methoden denkbar:
- Eine Wortwolke daraus gestalten und in der Ankommenszeit als Gesprächsanlass nutzen. Entweder indem sie einfach gezeigt wird oder indem Teilnehmende mit Klebepunkten oder Stiften markieren, welche Begriffe sie besonders wichtig finden.
- Die Begriffe auf Karten schreiben und an jede Person eine Karte verteilen bzw. eine Karte auswählen lassen. Der Einstieg kann dann so gestaltet werden, dass alle durch den Raum gehen und das Gespräch mit anderen Personen suchen. Sie fragen dann jeweils die andere Person, was sie denkt, warum der erhaltene Begriff relevant für das Thema ist (oder ob die Gesprächsperson ihn auch gar nicht als relevant erachtet). Anschließend werden die Karten getauscht und neue Gesprächspartner*innen gesucht.
- Eine aus den Begriffen gestaltete Wortwolke wird erst zum Abschluss präsentiert, und die Teilnehmenden werden eingeladen, weitere Begriffe zu ergänzen, die sie nun auf Basis des erlebten Lernangebots hinzufügen würden.
2. Kompetenzbasierte Selbsteinschätzungen
Besonders wichtig ist es für mich bei Lernangeboten, die auch viel Input enthalten, vorab Informationen über den Kenntnisstand der Teilnehmenden und ihre Erfahrungen mit dem Thema zu erhalten. Früher habe ich das oft über eine Selbsteinschätzung abgefragt. Zum Beispiel: „Wie gut kennst du OER?“ und dann mehrere Antwortmöglichkeiten: Noch nie gehört / Den Begriff kenne ich / Ich arbeite hin und wieder damit / Ich bin wahrscheinlich schon (fast) Expert*in. Inzwischen bin ich dazu übergegangen, die Abfrage zumindest ergänzend auch kompetenzbasiert zu gestalten. Dazu greife ich eine typische Sache heraus, die bei dem Thema relevant ist, und frage das ab, zum Beispiel bei OER: „Ich weiß, wie ich die TULLU-Regel zur Weiternutzung von OER anwende.“ Mögliche Antworten wären dann: TULLU und OER? Noch nie gehört! / Ja, so ungefähr müsste ich das hinbekommen / Ja, weiß ich und nutze es auch in meiner Praxis.
Bei KI könnte ich z.B. fragen: „Ich habe ein KI-Sprachmodell schon einmal als Sparringpartner genutzt, um ein Unterrichtsmaterial vorzubereiten.“ Antworten könnten sein: Nein, noch nie. / Ja, habe ich zumindest versucht / Ja, hat ganz gut geklappt / Ja, mache ich häufiger.Der Vorteil gegenüber reinen Selbsteinschätzungen ist, dass ansonsten sehr häufig das Mittelfeld dominiert, was nicht verwunderlich ist, da die Teilnehmenden oft noch gar nicht wissen, was genau zu einem Thema dazugehört.
Die Ergebnisse dieser Antworten nutze ich vor allem für die Konzeption der Veranstaltung.
- Wenn es deutlich mehr Einsteiger*innen als erfahrene Lernende gibt, plane ich Zeit für einen grundlegenden Einstieg für alle ein. Das kann auch flipped erfolgen und/oder ich mache es gegenüber den Lernenden transparent, dass es jetzt um einen Einstieg geht und dass die, die das alles schon kennen, sich anderweitig beschäftigen können und/oder schon mit einer später geplanten Stationenarbeit beginnen können.
- Wenn Einsteiger*innen und erfahrene Lernende etwa gleich verteilt sind, wähle ich oft einen Peer-to-Peer-Ansatz. In diesem Fall teile ich die Lernenden in Gruppen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen ein und lasse sie sich die Grundlagen gemeinsam erarbeiten bzw. festigen.
- Wenn es nur wenige Einsteiger*innen gibt, biete ich ein spezielles Angebot für diese im Rahmen eines ansonsten sehr selbstbestimmten und austauschorientierten Konzepts an. Das kann so aussehen, dass ich bei einem Barcamp im ersten Session-Slot eine ‚Grundlagen-Session‘ anbiete oder einen ‚Newbie‘-Raum einrichte, wo man vorbeikommen und sich helfen lassen kann.
3. Mein Lernziel
Als Teilnehmerin finde ich es meistens etwas nervig, wenn meine Lernziele direkt zu Beginn der Veranstaltung abgefragt werden, wenn diese bereits losgeht. Das wirkt auf mich dann immer sehr gewollt, aber nicht gut gemacht, weil es zu diesem Zeitpunkt kaum noch möglich ist, das Angebot auf mein Lernziel hin anzupassen. (Ausnahmen sind hier natürlich Veranstaltungen, die ohnehin so konzipiert sind, dass ich frei und herausgefordert bin, mein eigenes Lernen zu gestalten, wie z.B. bei Barcamps). Anders ist es, wenn im Vorfeld der Veranstaltung nach meinem Lernziel gefragt wird. Dann bin ich eher bereit, mich darauf einzulassen, und merke immer wieder, dass dies eine sehr gute Methode ist, um mich selbst auf das Lernangebot vorzubereiten und später besser davon zu profitieren.
Als Lehrende kann ich die gesammelten Lernziele aus einer Vorab-Umfrage sehr gut für die Konzeption nutzen. Zum Beispiel kann ich gezielt Inhalte kuratieren, die den Interessen der Lernenden entsprechen. Durch das Lesen der formulierten Lernziele erfahre ich auch viel über die Haltung der Teilnehmenden zum Lernen. Wünschen sie sich beispielsweise eher Austausch oder erwarten sie viel Input? Sind sie skeptisch gegenüber dem Thema eingestellt oder offen? Solche Informationen kann ich bei der Konzeption berücksichtigen. Manches Mal auch auf dem Weg, dass ich anders vorgehe, als von den Teilnehmenden gewünscht (z.B. mit mehr Austausch, statt mit Input), aber dann begründe, warum ich diesen Weg vorschlage.
4. Fragen sammeln
Ähnlich wie das Aufschreiben der Lernziele funktioniert auch die Methode des Sammelns von Fragen. In der Vorab-Umfrage bitte ich die Teilnehmenden, eine möglichst konkrete Frage zu formulieren, die sie im Lernangebot beantwortet haben möchten. Solche Fragen nutze ich gerne für die Durchführung eines Mini-Barcamps während des Lernangebots. Dieses platziere ich im letzten Veranstaltungsdrittel, wenn sich die Teilnehmenden bereits intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Ich drucke alle erhaltenen Fragen aus, versehe sie mit einem QR-Code zu einem Etherpad für die Dokumentation und stelle sie in einem Aufsteller bereit. Diese Aufsteller kommen dann in die Mitte eines Stuhlkreises, und die Teilnehmenden werden eingeladen, die Frage, die ihnen am relevantesten erscheint, zu ‚adoptieren‘. Das muss nicht zwingend die eigene Frage sein. ‚Adoptieren‘ bedeutet, dass sie den Aufsteller mit der jeweiligen Frage nehmen und sich damit an einen Tisch begeben. Wenn alle Tische besetzt sind, können sich die übrigen Teilnehmenden dort anschließen, wo sie gerne mitlernen und mitdiskutieren möchten. Es ist auch sinnvoll, ein paar ‚Joker‘-Aufsteller bereitzuhalten, auf denen Fragen eingetragen und diskutiert werden können, die sich erst im Laufe des Lernangebots ergeben haben.
Damit solch ein Mini-Barcamp gut funktioniert, übertrage ich die Fragen aus der Vorab-Umfrage nicht wortwörtlich, sondern fasse sie zusammen, sodass sich mehr Menschen darin wiederfinden können. Einige Fragen bleiben erfahrungsgemäß trotzdem übrig, d.h., sie werden nicht weiter diskutiert, was aber nicht schlimm ist, wenn sie offensichtlich für niemanden mehr relevant sind.
Diese Methode kann man auch an ein World-Café-Format anlehnen. In diesem Fall gibt es mehrere Runden. Die Teilnehmenden, die Fragen adoptiert haben, bleiben an den Tischen sitzen oder geben diese Aufgabe an eine andere Person weiter. Die anderen Teilnehmenden suchen sich einen neuen Tisch.
5. Meine Bedürfnisse
Zu einer Vorab-Umfrage gehört unbedingt auch die Abfrage besonderer Bedürfnisse. Das entbindet einen nicht von der Verantwortung, die Veranstaltung insgesamt so inklusiv wie möglich zu gestalten, hilft aber dabei, auf bestimmte Anforderungen besonders Wert zu legen. Ich formuliere die Frage nach besonderen Bedürfnissen gerne gegenteilig, also nicht: „Hast du besondere Bedürfnisse, die ich berücksichtigen sollte?“, sondern besser: „Welche Barrieren/Grenzen würden dich an einer guten Teilnahme an dem Lernangebot hindern?“ Auf diese Weise wird die Verantwortung eher auf die Gestaltung und nicht auf die Person gelegt, die besondere Bedürfnisse anmeldet. Außerdem erhalte ich auf diese Weise erfahrungsgemäß oft sehr viel konkretere Antworten.
6. Wünsch dir was …
Meine Abschlussfrage in der Umfrage lautet meistens: „Was wünschst du dir ansonsten noch für das Lernangebot?“ Viele lassen dieses Feld frei. Wenn jedoch etwas eingetragen wird, bringt mich das oft auf gute Ideen für die Konzeption. Beispielsweise habe ich schon den Wunsch gelesen, dass eine teilnehmende Person etwas möglichst Konkretes mitnehmen wollte, was dann in einem kleinen ‚Nachklapp-Programm‘ nach dem Lernangebot resultierte. Oder es gab den Wunsch nach Zeit im Freien, was zu einem Peer-Spaziergang mit vorbereiteten Lernmaterialien führte.
Tools für Abfragen und Hinweise zur Durchführung
Zur Gestaltung von Vorab-Umfragen genügt ein einfaches Abfragetool, vor allem da ich keine umfangreiche empirische Auswertung vorhabe und es auch keine Sicherheitsvorkehrungen geben muss, z.B. dass jede Person die Abfrage nur einmal beantwortet. Ich nutze meistens ein Formular direkt über meine eigene Website. Wenn für das Lernangebot eine Extra-Website gestaltet ist, ist es sinnvoll, das Formular direkt dort zu platzieren. Bei WordPress nutze dafür das (leider kostenpflichtige) Plugin Gravity Forms, das sich für mich vor allem lohnt, weil es die Funktionalität beinhaltet, aus Formulareinträgen direkt Beiträge auf der Website generieren zu lassen. Alternativ könnte man eine Umfrage auch über BitteFeedback oder die Formularmöglichkeit in Cryptpad gestalten – oder eben über die Tools, die man ansonsten nutzt und die man den Lernenden guten Gewissens empfehlen kann.
Abschließend noch ein paar Stichpunkte zur Durchführung:
- Voraussetzung für Vorab-Umfragen ist natürlich, dass die Teilnehmenden bekannt sind. Bei größeren Veranstaltungen ist das meist der Fall, weil es entweder eine Anmeldung gibt oder es eine feste Gruppe ist z.b. das Kollegium einer Schule. Im Fall von letzterem lasse ich meine Mail oft von den Verantwortlichen an der Schule an das Kollegium weiterleiten, weil Adressweitergabe aus Datenschutzgründen oft nicht sinnvoll ist. Bei ganz offenen Angeboten ohne Anmeldung bin ich schon so vorgegangen, dass Teilnehmende den Link zur Umfrage neben den weiteren Infos zur Veranstaltung fanden und zur Beteiligung eingeladen wurden.
- Ich nutze die Vorab-Umfrage gerne in Kombination mit einer kurzen, eigenen Vorstellung und ein paar Worten zum geplanten Lernangebot. Dazu lässt sich z.B. ein schnelles Video aufzeichnen, in dem ich ‚Hallo‘ sage und ein paar erläuternde Sätze gebe. Dieses platziere ich dann direkt über der Umfrage, was das Ganze sehr viel persönlicher macht und auch den Teilnehmenden zeigt, dass es nicht nur pro forma Fragen sind.
- Die Vorab-Umfrage sollte zeitlich möglichst dicht am Lernangebot liegen. Ich finde eine Woche vorher ideal. Als Frist zur Beantwortung gebe ich meist einen Tag vorher an und plane mir dann noch am Abend vorher die Zeit ein, die letzten Antworten, die noch eintreffen, mit zu berücksichtigen.
- Ich finde es wichtig, in der Umfrage transparent zu machen, dass die eingegebenen Inhalte im Lernangebot weiter genutzt werden. Da die Eingabe anonym erfolgt, war das bisher noch für niemanden ein Problem.
- Meistens gebe ich zusätzlich zur Umfrage noch meine E-Mail-Adresse an, falls jemand lieber auf diesem Weg und dann persönlich mit mir Kontakt aufnehmen möchte.
Fazit: Und Du?
Zusammenfassend kann ich für mich festhalten, dass ich Vorab-Umfragen für mich sowohl in der lernenden, als auch in der lehrenden Rolle in der Erwachsenenbildung sehr lohnend finde. Wie siehst du das? Welche Erfahrungen machst du damit? Ich freue mich, darüber zu lesen.
Beitragsbild: Teilnehmende während eines Mini-Barcamps (aufgenommen beim Pre-Workshop des OERcamp im März 2024 in Hamburg) -
Ideenauswahl mit Veränderung als Ziel
In Workshops, die die Entwicklung und Ausarbeitung von Ideen zum Ziel haben, gelangt man meist irgendwann an den Punkt, an dem die Beteiligten eine Vielzahl an Ideen überlegt haben. Manche davon sind Blödsinn, denn im ersten Schritt der Ideen-Entwicklung gilt meist ‚Quantität vor Qualität‘. Und auch unabhänig davon können nicht so viele Ideen auf einmal ausgearbeitet werden. Deshalb muss zunächst eine Auswahl getroffen werden. Mit dieser Auswahl wird dann weitergearbeitet.
Für den Schritt der Ideen-Auswahl eignet sich eine 2×2-Matrix gut. Diese gibt zwei Kategorien für die x- und die y-Achse in einem Koordinatensystem vor. Je stärker die beiden Kategorien ausgeprägt sind, desto lohnenswerter ist die Idee. Vor diesem Hintergrund können die Beteiligten alle ihre entwickelten Ideen in die 2×2-Matrix einsortieren. Die Ideen, die sich dann im rechten oberen Quadranten befinden, kommen in die nähere Auswahl. Auf diese Weise kommt man relativ schnell zu einer hilfreichen Vor-Sortierung der zuvor gesammelten Ideen.
Schön an der 2×2-Matrix ist aus meiner Sicht vor allem, dass die Kategorien jeweils spezifisch festgelegt werden können. Zum Beispiel könnte man die Kategorien ‚Geringe Kosten‘ und ‚Wenig Zeit‘ nutzen, wenn man (fast) kein Geld und keine Zeit zur Umsetzung der Ideen hat. Oder man legt die Kategorien ‚Nachhaltigkeit‘ und ‚Lernendenorientierung‘ fest, wenn es um pädagogische Ideen geht, die besonders gut weiternutzbar sein sollen und dem Anspruch der Lernendenorientierung genügen sollen.
In den meisten meiner Workshops lasse ich die Teilnehmenden die Kategorien für die 2×2-Matrix nicht selbst entwickeln, sondern gebe sie passend zum jeweiligen Kontext vor. Sehr gerne habe ich bisher immer die Kategorien ‚cool‘ und ‚machbar‘ gewählt, weil sie relativ universell einsetzbar sind.
- Mit ‚cool‘ ist hier gemeint, dass die Beteiligten die Idee attraktiv finden und von ihr begeistert sind.
- Mit ‚machbar‘ ist gemeint, dass die Umsetzung in ihrem Handlungsspielraum liegt.
So sah dann das Koordinatensystem zur Einordnung der Ideen aus:
In den oberen Quadranten werden dann alle Ideen sortiert, die die Beteiligten gut finden und die auch eine realistische Chance zur Umsetzung haben. Das ist in sehr vielen Fällen eine gute Grundlage zur weiteren Ausarbeitung.
Inzwischen merke ich aber an immer mehr Stellen, dass es in der Pädagogik Ideen braucht, die grundlegende Veränderungen auf den Weg bringen. Genau für die Auswahl solcher Ideen, stößt man mit der dargestellten Form der 2×2-Matrix dann an Grenzen. Denn die ‚cool‘-Kategorie kann durchaus zur Verantwortungsverschiebung beitragen (Beispiel: ‚Der Schulträger sollte sich darum kümmern!‘). Und die ‚machbar‘-Kategorie verleitet sehr dazu, nur im bestehenden Rahmen zu denken (Beispiel: ‚Projektarbeit? Das geht nicht angesichts der aktuellen Fächerfülle und des starren Stundenplans.‘) …
Wenn es deshalb um die Auswahl von Ideen geht, die am besten zu grundlegender Veränderung beitragen können, finde ich stattdessen die Koordinaten ‚aktivierend‘ und ‚mobilisierend‘ besser.
- Mit aktivierend ist gemeint, dass die Beteiligten bei der Idee selbst aktiv werden, sich auf den Weg machen und die Sache in die Hand nehmen.
- Mit mobilisierend ist gemeint, dass die Idee gut erklärbar ist, man auch andere dazu begeistern und zum Mitmachen motivieren kann.
So sieht dann die 2×2-Matrix aus:
Mit dieser 2×2-Matrix erhält man im oberen Quadranten solche Ideen, bei denen die Beteiligten selbst aktiv werden und von denen sie überzeugt sind, dass sich dafür auch weitere Mitstreiter*innen finden lassen. Genau diese beiden Aspekte sind aus meiner Sicht eine wichtige Voraussetzung dafür, damit Veränderung gelingt.
Fazit
Ich werde die ‚Aktvierend/ Mobilisierend‘-Matrix bei kommenden Workshops in jedem Fall ausprobieren. Vielleicht hast auch du Lust, damit zu experimentieren und von deinen Erfahrungen damit zu berichten. Ich wünsche dir viel Freude dabei!
PS. Außerdem möchte ich auch gerne ändern, dass die Beteiligten mehr Raum zur eigenen Reflexion möglicher Kategorien zur Auswahl haben und das nicht nur durch mich vorgegeben wird, siehe dazu diese Idee in meinem Ideentagebuch.
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Methoden für Lernen in komplexen Zeiten
Bei der heute beginnenden Edunautika in Hamburg biete ich unter anderem die Station zu ‚Methoden für das Lernen in komplexen Zeiten‘ an. Dieser Blogbeitrag ist eine Zusammenstellung der Ansätze, die ich vorstellen werde. Ich habe mit ihnen in meinen Lernangeboten gute Erfahrungen gemacht:
1. Zuhörer*in / Redner*in
Diese Methode nutze ich sehr gerne zum Einstieg. Sie hat zum Ziel, allen eine erste Orientierung zum jeweiligen Thema zu geben – ausgehend von den Erfahrungen aller Beteiligten. Die Methode ist sehr niederschwellig umsetzbar:
- Jede Person erhält per Zufall eine Karte auf der entweder Zuhörer*in oder Redner*in steht. Auf jede Redner*in sollten ca. 2-3 Zuhörer*innen kommen.
- Alle Beteiligten bewegen sich durch den Raum. Auf ein Signal halten die Redner*innen ihre Karte nach oben. Die Zuhörer*innen stellen sich zu einer Redner*in in ihrer Nähe. Keine Redner*in darf ohne Zuhörer*in bleiben.
- Die Redner*in hat nun genau eine Minute Zeit, um zu einer gestellten Frage zu sprechen. Ich nutze dazu oft das Thema des Lernangebots und Frage nach eigenen Erfahrungen, also z.B: ‚Welche Erfahrungen hast Du mit einer Kultur des Teilens gemacht?‘. Die Zuhörer*innen hören nur zu. Sie fragen nicht nach und erwidern auch nichts.
- Nach der Minute werden Karten getauscht und die nächste Runde beginnt. Ich mache meist 2-3 Runden.
Mir gefällt an der Methode gut, dass alle gefragt sind, sich einzubringen. Denn in der Regel wird jede Person mindestens einmal die Redner*innen-Karte erhalten. Bei einer offenen Runde zum Einstieg würden sich stillere Menschen eher nicht zu Wort melden. Zweitens mag ich den Fokus auf das Zuhören. Meiner Erfahrung nach entspannt es ungemein, dass man ’nur‘ Zuhören kann – und nicht direkt überlegen muss, was man darauf erwidert. Drittens ermöglicht die Methode für alle ein gutes Einfinden in das Thema. Alle Beteiligten haben danach eine gute Grundlage, um gemeinsam zu dem Thema weiter zu arbeiten.
2. Fragen vor Antworten
Dieser Aspekt ist eigentlich gar keine Methode, sondern eher ein Mini-Experiment, was sich ebenfalls gut zum Einstieg eignet. Es funktioniert so:
Alle Beteiligten erhalten Zettel, Stift und eine Frage. Die Aufgabe ist es, innerhalb von 2 Minuten ihre Antwort auf die Frage aufzuschreiben. Die Frage sollte eine Wissensfrage sein, zu der sich die Beteiligten nicht unbedingt ganz sicher fühlen, sie zu beantworten. Beispiel: ‚Was sind Learning Analytics?‘
In der Regel schreiben alle etwas auf. Nach der Minute stellt man die Frage, wer sich bei der Antwort sehr sicher war. Wenn die Frage gut gewählt und nicht zu offensichtlich war, meldet sich in der Regel niemand.
Dann kann man nachfragen, wieso dann trotzdem alle etwas geschrieben haben. Gemeinsam lässt ich herausarbeiten, dass wir alle sehr darauf konditioniert sind, Antworten zu geben, obwohl es in so vielen Fällen eigentlich erst einmal wichtiger wäre, Fragen zu stellen.
(Ich habe diesen Impuls aus dem Buch ‚Hey, nicht so schnell! Wie du durch langsames Denken in komplexen Zeiten zu guten Entscheidungen gelangst‘ und schon mehrere Male ausprobiert und für gut befunden. Es sorgt immer wieder für ‚Aha-Effekte‘. So war es auch bei mir, als ich zum ersten Mal damit konfrontiert war.)
3. Reframing mit Himmel und Hölle
Auch Punkt 3 ist eher ein Einstieg, als eine Methode. Er eignet sich besonders gut für die Ankommenszeit.
Alle Beteiligten erhalten eine Faltvorlage für ein ‚Himmel und Hölle‘-Spiel, das ihnen verschiedene Fragen zum Reframing vorschlägt. Unter Reframing versteht man den Ansatz, eine Situation aus einer veränderten Perspektive und auf diese Weise oft aufgeschlossener und positiver zu betrachten. Hier sind Beispiele für solch ein Reframing:
- Das kann ich nicht -> Das kann ich lernen.
- Das haben wir aber noch nie so gemacht -> Höchste Zeit, dass wir mal etwas Neues ausprobieren.
- Das werden wir nie schaffen -> wir können mit einem ersten Schritt beginnen.
Im ‚Himmel und Hölle‘-Spiel befinden sich unterschiedliche Möglichkeiten, wie man eine Aussage reframen kann. Auf der Rückseite der Vorlage sind ein paar Beispiele aufgeführt. Indem alle Beteiligten zu Beginn eines Treffens ein solches ‚Himmel und Hölle‘-Spiel erhalten und im besten Fall auch direkt ein bisschen damit gemeinsam spielen, wird Reframing als Methode spielerisch eingeführt. In der dann folgenden Veranstaltung kann darauf dann immer wieder zurückgegriffen werden.
Hier kannst Du Dir das ‚Himmel und Hölle‘ Spiel zum Reframing als Kopiervorlage herunterladen. Es ist unter CC0 1.0 freigegeben.
Reframing KopiervorlageHerunterladen4. XxX-Writing und Zusammenführung
Diese Methode stammt aus den Liberating Structures. Ähnlich wie die Zuhörer*in/ Redner*in-Methode schafft sie zu Beginn eine Orientierungszeit und hilft dabei, dass sich anschließend alle gleichermaßen beteiligen können. Die Idee ist sehr einfach:
Jede beteiligte Person nimmt sich Zettel und Stift. Die moderierende Person stellt nacheinander drei Fragen, die dabei helfen, eigene Erfahrungen zu rekapitulieren oder sich in das Thema einzufinden. Diese Fragen sollten jeweils passend zum Thema der Veranstaltung formuliert werden. Bei einer Veranstaltung zur Kultur des Teilens habe ich beispielsweise die folgenden Satzanfänge vorgeschlagen:
- Einen Inhalt oder eine Idee mit anderen offenen zu teilen ist für mich …
- Ich könnte besser teilen, wenn …
- Eine völlig absurde Idee, die ich zum Teilen habe, lautet …
Zur ‚Auflösung‘ können die Beteiligten danach in 3er-Gruppen zusammenkommen und sich gegenseitig berichten, was sie aufgeschrieben haben. Ich nutze die Methode zum Teil auch, um damit direkt in die kollaborative Erarbeitung einsteigen zu können. Bei den obigen Fragen könnte man z.B. bei der zweiten Frae nicht nur einen Austausch machen, sondern auch die Aufgabe geben, dass jede Dreiergruppe einen für sie wichtigen Aspekt formulieren soll, der für besseres Teilen hilfreich wäre. Daran kann dann anschließend gemeinsam weiter gearbeitet werden.
5. Impulse als ‚Stille Post‘
In sehr vielen Fällen ist es hilfreich, in einem Workshop bei der Bearbeitung einer Herausforderung nicht von ganz vorne zu beginnen, sondern auf Erfahrungen und Vorarbeiten von anderen anzuschließen. Klassisch lässt sich dazu ein Input gestalten. Die interaktive Form davon ist die ‚Stille Post‘-Methode. Dabei werden die Impulse vorab auf Zettel geschrieben. Die Teinehmenden stehen in einem Kreis und jede zweite Person erhält einen Zettel. Diese liest den Zettel und stellt ihn dann der Person, die im Uhrzeigersinn nach ihr kommt kurz vor. Dabei ergänzt sie, was ihre Einschätzung dazu ist. Dann wird der Zettel an die zuhörende Person übergeben, die wiederum zur nächsten Person im Kreis geht und wiederum vorstellt und die eigene Einschätzung dazu gibt.
Anders als beim klassischen ‚Stille Post‘ Spiel muss also nicht weitergegeben werden, was die erste Person gesagt hat. Es lässt sich aber beobachten, dass die Einschätzungen der Teilnehmenden im Verlauf durch den Kreis immer qualifizierter werden. In jedem Fall erhalten alle zahlreiche Impulse, sind immer selbst aktiv und überlegen sich direkt, was ihr jeweiliger Bezug/ ihre Meinung zu einem Impuls ist.
Die Methode eignet sich gut, um beispielsweise Praxisbeispiele vorzustellen und danach in ein Brainstorming zur eigenen Ideenfindung einzusteigen.
6. Lego bauen
Lego bauen ist (fast) immer eine gute Idee in Workshops. Denn durch das – zu Beginn meist noch ziellose – Bauen mit den Legosteinen kommt das Denken in Gang. Ich nutze es gerne in der Ankommenszeit, so dass Teilnehmer*innen über ihre Bau-Aktivitäten direkt miteinander ins Gespräch kommen. Außerdem ist es auch ein guter Einstieg in ein Brainstorming. Als Bau-Aufgabe wird dann das jeweilige Thema gewählt. Beispiel: Wie sieht für Dich gute Bildung aus?
Es gibt extra zusammengestellte ‚Lego Design Thinking‘-Sammlungen. Diese haben den Vorteil, dass zahlreiche Sondersteine enthalten sind, mit denen vieles dargestellt werden kann. Wer Lego spielende Kinder hat, kann aber auch einfach eine Tüte davon für den Workshop ausleihen.
7. Rollenspiel
Um gemeinsam Herausforderungen zu bewältigen, lohnt es sich, aus unterschiedlichen Perspektiven darauf zu blicken. Ich habe dazu schon häufiger mit den ‚Kreativitätshüten‘ von de Bono gearbeitet und diese auch bei der letzten Edunautika vorgestellt.
Noch vielfältiger wird der Austausch mit einem QR-Code-Zufallsgenerator. Wenn Du den folgenden QR-Code scannst, kommst Du auf diese Website. Mit Klick auf den dortigen Button, wird immer wieder eine neue Rolle angezeigt. (Ich habe für diese Rollenzusammenstellung einiges an Output von ChatGPT genutzt und auch den Code habe ich mithilfe dieses Tools generiert). Die Azufgabe ist, dass die Teilnehmenden in der gemeinsamen Diskussion vor allem mit dieser Brile auf die Herausforderungen blicken.
Hier ist der QR-Code:
8. Gute Auswahl – im Koordinatensystem oder mit Interview
In Workshops kommt man fast immer irgendwann an den Punkt, dass man gemeinsam zahlreiche Ideen erarbeitet hat – und nun einige davon auswählen muss. Es gibt dazu viele mögliche Kriterien zur Auswahl. Ich nutze gerne diesen Weg:
Zunächst werden alle Ideen oder Ansätze gestrichen, die ohnehin klar oder selbstverständlich sind bzw. die kein gemeinsames Nachdenken und Kollaboration mehr erfordern. Alle anderen werden in dieses Koordinatensystem einsortiert:
Wie dargestellt werden dann die Ideen im oberen rechten Viertel ausgewählt. Besonders schön finde ich hieran das Auswahlkriterium der Begeisterung.
Eine alternative Möglichkeit zur Auswahl ist ein ‚Gruppenpuzzle-Interview‘. Dabei gehen jeweils zwei Personen aus einer Kleingruppe, in der gebrainstormt wurde, zu einer anderen Kleingruppe. Eine Person von ihnen ist Interviewer*in, die andere bekommt die Anzahl an Karteikarten, die an Ideen ausgewählt werden dürfen. Die Interviewer*in befragt nun die Personen, was sie gesammelt haben und was ihnen dabei wichtig ist. Die andere Person hört zu und schreibt dann letztendlich die Ideen auf die zugeteilten Karteikarten, die sie aufgrund des Interviews am hilfreichsten findet. Diese werden dann ins Plenum zurückgetragen.
9. ‚Hände hoch‘-Entscheidungspoker (und Regel des geringsten Widerstands)
Diese Methode habe ich zum ersten Mal beim Educamp erprobt und sie hat gut funktioniert. Ich habe sie ursprünglich in meinem Ideentagebuch entwickelt. Sie wird benutzt, um in einer Gruppe gefundene Vorhaben kollaborativ zu bewerten und Einigung zu finden.
Hier ist die Anleitung dazu:
- Die erste Karte mit einem Vorhaben wird vorgelesen. Auf ein Signal hin, heben alle ihre Hände nach oben und zeigen dabei eine Zahl zwischen 0 und 10 mit den Fingern an. 0 bedeutet dabei: Finde ich doof! 10 bedeutet: Finde ich cool!
- Wenn es vereinzelte Abweichungen gibt (z.B. fast alle sagen 9 oder 10, aber eine Person sagt nur 3), bekommt die abweichende Person Gelegenheit, um kurz auf ihre Position einzugehen. Danach wird die Abstimmung wiederholt.
- Die Punktezahl wird zusammengezählt und die Karte an einer Pinnwand entsprechend platziert.
- Mit den weiteren Karten wird ebenso verfahren.
- Wenn alle Karten platziert sind, bekommen alle Beteiligten Klebepunkte, die sie auf den Karten platzieren, bei denen sie am wenigsten mitgehen würden.
- Ausgewählt werden schließlich die 10 (oder eine andere Anzahl) am besten bewertete Karten, bei denen es den wenigsten Widerspruch gibt.
Hilfreich ist an dieser Methode, dass alle aktiv dabei sind und man auch in großen Gruppen sehr ergebnisorientiert zu Entscheidungen kommen kann.
Und sonst?
Die Stationen der Edunautika sind vor allem dazu gedacht, um miteinander ins Gespräch zu kommen. In diesem Sinne freue ich ich auf den Austausch heute Nachmittag und auf viele, weitere Anregungen. Allen, die nicht bei der Edunautika dabei sein können, wünsche ich viel Freude beim Ausprobieren!
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Meine Learnings von der Organisation des #AusbaldowerCamp
In diesem Blogbeitrag möchte ich teilen, was ich bei der Organisation des AusbaldowerCamp gelernt habe. Vielleicht kann es auch für andere hilfreich sein. Der Beitrag besteht aus zwei Teilen: Zuerst geht es grundsätzlicher um die Frage, wie es überhaupt funktionieren kann, in recht kurzer Zeit ein relativ großes Online-Barcamp auf den Weg zu bringen. Im zweiten Teil wird es konkreter mit 10 Tipps, die ich weiter empfehlen kann.
Grundsätzliche Einordnung
Das AusbaldowerCamp war ein in nur rund 3 Wochen organisiertes Barcamp, welches online stattfand und durch das Aufgreifen des viel diskutierten Themas ‚Lernen und künstliche Intelligenz‘ auf großes Interesse stieß. Fast 2.000 Menschen haben sich für die Infomails eingetragen, geschätzt gut die Hälfte davon nahm am Barcamp teil. Warum hat trotz dieser Größe und Kurzfristigkeit alles relativ gut und scheinbar auch recht mühelos geklappt?
Zunächst einmal ist die Zeitangabe von drei Wochen irreführend: Zwar lagen zwischen Entscheidung und Durchführung der Veranstaltung tatsächlich nur drei Wochen. Diese drei Wochen bauen aber auf Barcamp-Expertise auf, die jahrelang von sehr vielen Menschen entwickelt wurden. Ganz konkret habe ich fast alles, was ich über Barcamps und ihre Gestaltung weiß im Rahmen der OERcamp und weiteren Barcamps von J&K gelernt. Mit der Website Selbstlernen gibt es von ihnen auch eine Plattform, wo man all die erarbeiteten Methoden und Tools auch direkt nachlesen und so – neben der eigenen Erfahrung beim Besuch der Barcamps – auch noch einmal auf einer Meta-Ebene reflektieren kann. Ohne diese Arbeit von anderen wäre gar nichts möglich gewesen – und es wird aus meiner Sicht auch weiterhin so sein, dass kurzfristige und punktuelle Barcamps nur dann klappen, wenn es zugleich die Möglichkeiten wie z.B. bei den OERcamp gibt, Barcamps kontinuierlich zu konzipieren und weiterzudenken.
Neben der Erarbeitung dieses Handwerkszeugs benötigt ein erfolgreiches Barcamp auch eine ‚Community‘ bzw. ein Netzwerk, das dieses maßgeblich tragen kann. Bei einem schnell aus dem Boden gestampften Barcamp, wie dem Ausbaldowercamp, ist das nochmal wichtiger. Denn damit Barcamps gut funktionieren, braucht es – neben vielen sehr willkommenen Neulingen, die meist die Mehrheit stellen – immer auch Menschen, die sich ganz selbstverständlich in solch einem Lernsetting einbringen und es prägen. Dazu gehört beispielsweise …
- dass Menschen in Sessions kollaborativ protokollieren
- dass sie sich zutrauen, eine Session anzubieten
- dass sie (im Fall des online stattfindenen AusbaldowerCamp) Erfahrungen im Online-Kontext mitbringen und z.B. bei auftretenden technischen Schwierigkeiten helfen könen
- dass sie ganz gezielt auf ’neue Menschen‘ zugehen und sie unterstützen, weil sie das bei ihren ersten Barcamps auch so erlebt haben
- …
All das entsteht nicht aus dem ‚Nichts‘ – und auch hier habe ich beim Ausbaldowercamp auf vielem aufgebaut, was in den letzten Jahren an Netzwerkbildung und gemeinsamen Lernen in der pädagogischen Community gestaltet wurde.
„Mühelos“ war die Organisation und Gestaltung natürlich auch nicht. Ganz im Gegenteil: Es waren sehr viele Menschen mit unterschiedlichsten Beiträgen beteiligt. Besonders beeindruckt war ich über die Beteiligung von Menschen, die sich trotz nicht gerade förderlicher Bedingungen dennoch eingebracht haben. Zum Beispiel haben Lehrer*innen sich als Sessiongeber*innen gemeldet, obwohl sie mit dem Alltagsgeschäft eigentlich schon mehr als genug zu tun haben. Oder Menschen haben sich in einem sehr vollen Terminplan doch eine Stunde freigeschaufelt, um in einer Session mitdiskutieren zu können. Andere haben sich nach einem ziemlich vollen Tag und vor noch anstehenden Korrekturen Zeit für ein Feedback- und Planungstreffen freigehalten … Ich nehme es als Herausforderung für zukünftige Veranstaltungs-Organisation mit, gerade auch solche – auf den ersten Blick vielleicht nur vergleichsweise klein erscheinenden – ‚Mühen‘, sichtbarer zu machen und diesen Teilgeber*innen so mehr Wertschätzung zukommen zu lassen. Denn nur aus ganz vielen solcher ‚kleinen Mühen‘, entsteht am Ende ein für alle wunderbarer Lernraum.
Ich halte also fest: Die Organisation des Ausbaldowercamp hat vor allem deshalb gut funktioniert, weil sie aufbauen konnte auf erprobter und geteilter Barcamp-Praxis und langjährigem Community-Aufbau und weil sich ganz viele Menschen (oft weitgehend unsichtbar und im Kleinen) mitbeteiligt haben. Was daran anschließend bei der konkreten Organisation hilfreich war, folgt nun im zweiten Teil des Blogbeitrags.
10 Tipps zur Online-Barcamp-Organisation
Die folgenden Tipps passen sicherlich nicht immer und überall. Für mich haben sie sich aber als hilfreich herausgestellt.
1. Das Rad nicht neu erfinden
Die Grundstruktur von einem Barcamp-Format ist lange erprobt: Kurze Sessions, die von den Beteiligten an der Veranstaltung selbst gestaltet werden, eine hierarchiefreie und offene Lernumgebung, die man z.B. am ‚Barcamp-Du‘ erkennt und kollaborative Dokumention des gemeinsamen Lernens. Mir hat es sehr geholfen, diese erprobte Struktur weiterzunutzen und dadurch schnell ein erstes Raster für das Barcamp zu haben.
2. Dezentralität ist Trumpf
Maßgeblich aus dem Fediverse habe ich gelernt, dass es nicht immer für alles einen zentralen Dienst geben muss. Das machte die Barcamp-Organisation um einiges einfacher. Denn erstens musste man sich von Veranstalter-Seite nicht um alles selbst kümmern. Zweitens war die Vielfalt auch ein Garant für Stabilität, denn wenn z.B. an einer Stelle ein Server oder ein Tool ausgefallen wäre, hätte vieles andere trotzdem noch funktioniert.
Konkret gab es die Möglichkeit, dass Sessiongeber*innen ihre eigene Videokonferenzsoftware mitbringen konnten. Davon hat rund die Hälfte der Beteiligten Gebrauch gemacht. Weiter habe ich für die Doku-Pads auf unterschiedliche Anbieter*innen zurückgegriffen. Und auch bei den Videokonferenzräumen für Sessiongeber*innen, die selbst nichts zur Verfügung hatten, war Variation zwischen BigBlueButton von cyber4edu und den von mobile.schule zur Verfügung gestellten Webex-Räumen möglich. Danke dafür!
Die Kehrseite dieser Dezentralität ist, dass die so entstehende Vielfalt für Teilnehmer*innen recht herausfordernd sein kann. Nach Durchsicht der ersten Evaluationen scheint sie aber für die meisten in Ordnung gewesen zu sein. (Ich finde, dass der Umgang mit Vielfalt ohnehin immer ein gutes Nebenbei-Lernziel ist.)
3. (Fast) alle mögen Internetquatsch
Spielerei in Lernangeboten ist eigentlich fast immer eine gute Idee. Wer es nicht mag, kann es einfach ignorieren. Wem es gefällt, der hat viel Freude daran.
Direkt passenden Internetquatsch habe ich mit CatGPT leider erst nach dem #AusbaldowerCamp entdeckt. Ich habe mich aber immer um eine freundliche und auch spielerische Gestaltung bemüht. Dazu gehörte z.B. die Auswahl einer ‚Mission‘ beim Check-In per Würfel oder auch ganz viel Konfetti-Regen auf der Website :-)
Ähnliche Spielereien lassen sich sicherlich für jedes Barcamp entwickeln und umsetzen – und man kann damit mit vergleichsweise wenig Aufwand viel bewirken.
4. Fragen kostet nichts (und manchmal muss man nicht einmal fragen)
Ich finde es einfacher, mit anderen etwas zu teilen, als nach etwas zu fragen. Bei der Organisation des Ausbaldowercamp habe ich gemerkt, dass das eigentlich ziemlich dumm ist. Denn genau wie ich mich darüber freue, wenn mein Teilen für andere hilfreich ist, so freuen sich auch andere, wenn ich etwas in Anspruch nehme und wertschätze, was sie geteilt haben.
Ich merke mir deshalb und kann es auch anderen empfehlen: Hilfe annehmen oder auch selbst aktiv nach Hilfe fragen ist nicht blöd, sondern sehr sinnvoll (und in keinem Fall sollte man befürchten, dass einfach so angebotene Hilfe bestimmt mit irgendwelchen Hintergedanken verbunden ist …)
5. Erklären, erklären, erklären …
Am häufigsten wird in der Evaluation bisher genannt, dass es unklar war, ob die Sessions denn nun immer c.t. oder s.t. beginnen sollen. Ich musste darüber beim Lesen fast ein bisschen lachen, weil ich genau diese Info gefühlt in jedes Mailing geschrieben und überall veröffentlicht habe … Ich weiß aber, dass es mir auch oft so geht, dass ich Sachen, die nicht unmittelbar für mich relevant sind überlese oder vergesse.
Für die Organisation von zukünftigen Veranstaltungen nehme ich mir deshalb vor, dass die Struktur und der Rahmen immer und überall direkt ersichtlich sein muss – ohne vorher noch irgendetwas lesen oder ansehen zu müssen.
6. WordPress ist Dein Freund & Helfer
Ich habe die Haupt-Website des AusbaldowerCamp mit WordPress gestaltet – und das war eine sehr gute Entscheidung. Insbesondere das (leider kostenpflichtige Plugin) Gravity Forms (mit den Ergänzungen Advanced Post Creation und GravityPDF) ist dazu eine große Hilfe.
Im einzelnen funktioniert damit …
- … die Einreichung und Veröffentlichung von Sessions als Blogbeitrag über ein Formular, ohne dass sich Menschen anmelden müssen: Mit den Formularfeldern wird der Beitrag dann standardisiert gestaltet (Konkret: Im Formular frage ich ‚Um was geht es in Deiner Session‘ und ‚Wer bietet die Session an‘ – im Blogbeitrag tauchen beide Inhaltsbestandteile dann im einem Beitrag unter den Überschriften ‚Beschreibung‘ und ‚Sessiongeber*innen‘ auf. Zugleich erhalte ich den Eintrag per Mail, sehe die auch nicht-veröffentlichten Felder und kann darauf direkt antworten.
- ... die Erstellung von Teilnahmebestätigungen: Menschen können Name, Institution und Anzahl der besuchten Sessions angeben – und erhalten dann direkt ein PDF mit ihren Angaben zugesandt (Wer das nachmachen will: Die Möglichkeit Formularfelder zu verstecken und die Angaben dafür in einem selbst geschriebenen Text einzubinden, muss über das Formularfeld mit der Ergänzung ‚exclude‘ in der CSS-Klasse gelöst werden)
- … eine zweischrittige Anmeldung gestalten: Es genügte, erstmal nur die Mailadresse einzugeben. Von dort wurde man direkt weitergeleitet zu einem zweiten Formular mit weiteren Abfragen, die man optional ausfüllen konnte.
Außerdem gibt es bei WordPress ein ‚Konfetti-Plugin‚ – siehe Punkt 3 :-)
Fazit: Zumindest für mich ist die Investition in Gravity Forms eine gute Sache, weil ich die Funktionalität davon auf ganz vielen Websites einsetze – und bei Barcamp-Organisation hilft sie eben ganz besonders. (Ich habe die WordPress-Konfiguration hier nur stichpunktartig festgehalten, aber erkläre es bei Interesse gerne ausführlicher).
7. Live-Website ohne Schnickschnack
So toll ich WordPress bei der Vorbereitung fand, so skeptisch war ich, ob solch eine Website bei einer Live-Veranstaltung mit vielen Teilnehmenden erstens stabil genug sein würde und zweitens auch übersichtlich genug. Denn insbesondere der Session-Plan mit allen Infos und Zugangslinks sollte schnell und übersichtlich dargestellt werden. Deshalb habe ich eine zweite Website gestaltet – ausbaldowercamp.live – das war dann zugleich auch der ‚Zugangslink‘ für Teilnehmende zur Veranstaltung. Diese Website war eine sehr minimalistische und statische HTML-Seite unter Nutzung von Simple.CSS.
Auch hier gilt: Das würde ich wieder so machen. Die übersichtliche und einfache Gestaltung ist auch ein Punkt, der in vielen Evaluationen lobend hervorgehoben wird. Wer mein Template direkt remixen will, findet es bei Github zur offenen Weiternutzung.
8. Rahmenbau & Zurückhaltung ist schwierig, aber unerlässlich
Ich fand es schwierig, zwar die Organisation in der Hand, aber nicht die ‚Kontrolle‘ über die Veranstaltung zu haben, sondern ’nur‘ in der Rolle einer ‚Rahmen bereitstellenden‘ Person zu sein. Ich war insbesondere sehr, sehr aufgeregt, ob mein gesetzter ‚Rahmen‘ vor allem angesichts der sehr hohen Anmeldezahlen funktioniert: Was, wenn alle gleich im ersten Session-Slot mitmachen wollen? Was, wenn alle in die gleiche Session wollen? Was, wenn es insgesamt zu wenig Sessions gibt? … Ich habe mich selbst damit beruhigt (und auch andere haben mir das bestätigt), dass Barcamps eigentlich immer gut ausgehen.
In der Tat hat sich am Veranstaltungstag dann auch alles ganz wunderbar aufgeteilt. Und es macht einen pädagogisch sehr stolz und glücklich, wenn man beobachten kann, wie in dem von einem selbst gestalteten Rahmen plötzlich ganz viel Lernen und Austausch stattfindet :-)
9. Flexibilität für alle
Das AusbaldowerCamp lief von 9-18 Uhr mit einer zweistündigen Mittagspause. Ich hatte es ganz bewusst so beworben, dass man auch nur für eine Session dazu kommen kann. (Der Evaluation nach zu urteilen hat das auch tatsächlich fast ein knappes Viertel so gemacht; ein anderes knappes Viertel war bei mehr als 5 Sessions mit dabei, der Rest teilt sich auf 2-5 Sessions auf).
Für solch eine flexible Beteiligung wäre ein ‚Anfangsplenum‘ kontraproduktiv gewesen. Die Idee war ja gerade, zu jeder Stunde ein- und aussteigen zu können. Vor diesem Hintergrund habe ich einen ‚Self-Check-in‘ konzipiert (= die Teilgebenden konnten sich in einem kurzen Video selbst über die Regeln des Barcamps informieren). Um dann trotzdem eine sessionübergreifende Kommunikation zu haben, hatte ich zum einen eine Chatwall von Tweedback im Einsatz. Das kann ich sehr weiterempfehlen. Außerdem habe ich mir bei Mastodon einen Ausbaldowercamp-Account angelegt, über den ich regelmäßige Updates posten konnte.
Letzteres kann ich – auch völlig unabhängig von einer grundsätzlichenBewertung von Twitter versus Mastodon – sehr empfehlen. Denn ein Fediverse-Account kann von allen vollständig mitgelesen werden, selbst dann, wenn sie selbst keinen Account dort haben. So lässt sich der Account dann gar nicht primär als ‚Vernetzung‘ verstehen (was dann ja oft die Frage aufwirft, ob sich das für eine kurze Veranstaltungszeit lohnt), sondern als eine Art Ticker bzw. Broadcaster, der immer neue Updates zur Verfügung stellt. Falls gewünscht könnte man den Account auch via Mastofeed irgendwo einbetten oder auch als RSS-Feed abonnieren.
10. … und noch einiges mehr
Weitere Punkte, die ich hilfreich und erwähnenswert finde, kommen hier noch stichpunktartig:
- Es gab eine unbetreute ‚Werkstatt-Session‘ mit einer zu Beginn noch ganz leeren Taskcards. Dies war für alle eine Einladung, relevante Links und Ideen zu diesem Thema zusammenzutragen und zu teilen. Das hat toll geklappt und es ist eine kollaborative Sammlung entstanden.
- Die Frage ‚Was hättest Du anders gestaltet?‘ statt ‚Was hat Dir nicht gefallen bzw. was hätten wir besser machen können?‘ in der Evaluation bringt Menschen dazu, dass sie sehr viele Ideen aufschreiben – oft dann aus einer sehr individuellen Perspektive, aber gerade das finde ich zum Weiterdenken sehr hilfreich.
- Ebenfalls im Evaluationsformular habe ich ‚O-Töne‘ abgefragt, d,h, ‚Was willst Du anderen von der Veranstaltung mitteilen? (Wir veröffentlichen das auf unserer Website)‘. Sobald die ersten Evaluationen eintrudeln, kann man dann schon erste O-Töne zusammenstellen. (Ich nutze dazu das WordPress Plugin Randomizer)
- Schon vor dem Start gab es die Möglichkeit, sich an einer ‚Terminumfrage‘ zu beteiligen. Das ist eigentlich ziemlich albern, weil es natürlich niemals einen Termin geben wird, der allen passt. In unserem Fall lies sich aber eine klare Präferenz für den 2. Februar herauslesen. Vor allem hilft so eine Terminumfrage dabei, wenn man nicht viel Zeit zur Bewerbung hat, weil man dann schon einmal über das geplante Barcamp informiert – und Menschen, die bei der Terminumfrage mitmachen, auch fragen kann, ob sie informiert werden wollen, wenn der Termin gefunden ist. So hat man dann direkt erste Mail-Adressen, wenn die ‚richtige‘ Bewerbung losgeht.
- Bei den letzten Barcamps, die ich besucht habe, ist unterschiedlichen Menschen aufgefallen, dass es ein Geschlechter-Ungleichgewicht bei sessiongebenden Personen gibt. Es waren immer mehr Männer, obwohl unter den Teilnehmer*innen meist sehr viel mehr Frauen waren. Beim Ausbaldowercamp habe ich keine Zahlen über die Zusammensetzung der Teilnehmer*innen. Zumindest aber gab es ungefähr gleich viele Frauen wie Männer unter den Sessiongeber*innen. Ein bisschen liegt das vielleicht auch daran, dass ich fast nur Frauen gezielt angestupst habe, ob sie denn ein Sessionangebot machen wollen. Bei einigen hat dieser Anstupser zum Einreichen einer Session geführt.
- Und kein Tipp, sondern eher eine interessante Erkenntnis: Fast die Hälfte der Teilnehmenden hat laut Angaben in der Evaluation direkt über andere Menschen (meist Kolleg*innen, manchmal Vorgesetzte) von dem Barcamp erfahren – nicht über Newsletter oder soziale Netzwerke.
Fazit
Ich habe bei der Organisation jede Menge gelernt und mir hat die Veranstaltung sehr viel Freude gemacht. Herzlichen Dank an alle, die das Barcamp durch langjährige Vorarbeiten und durch Beteiligung bei der Vorbereitung und Durchführung möglich gemacht haben und an alle, die sich als Teilgeber*innen eingebracht haben! Ich freue mich sehr auf die Zusammenstellung der Dokumentation. Es ist wunderbar, wieviel wir gemeinsam ausbaldowert haben.
PS. Vielleicht lässt sich das #Ausbaldowercamp fortsetzen. Ich könnte mir z.B. vorstellen, sich immer zu Jahresbeginn zu überlegen, welches Thema im neuen Jahr pädagogisch neu und bestimmend sein könnte – und dann dazu gemeinsam in einem Online-Barcamp auszubaldowern, wie man damit umgehen will :-)
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Agiles Lernen im Kollegium
Im zurückliegenden Jahr habe ich gemeinsam mit Niels Winkelmann an einem – wie ich finde – sehr spannenden Auftrag des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) gearbeitet. Nun ist das entstandene Lernangebot veröffentlicht – und ich freue mich über Feedback zur Weiterentwicklung und Anpassung.
Das bedeutet für Dich: Du kannst das Lernangebot schon jetzt mit Deinem Kollegium nutzen. Vor allem aber kannst Du Dir das Konzept anschauen und testen, ob das für Dich und deine Schule passen könnte. Wenn noch nicht, dann kannst Du uns weitergeben, was es dazu aus Deiner Sicht noch bräuchte bzw. was anders gestaltet werden müsste.
Worum geht es?
Das Lernangebot trägt den Titel: Schule selbst entwickeln und effizienter gestalten. Dieser Titel trifft gut, was mit dem Lernangebot intendiert ist:
Die Institution Schule wird sehr häufig durch externe Rahmenbedingungen (fehlende personelle Kapazitäten, schlechte Infrastruktur, unpassende Vorgaben …) ausgebremst. Zugleich steht sich Schule aber an manchen Stellen auch selbst im Weg und es könnte durchaus Möglichkeiten geben, um trotz der alles andere als guten Rahmenbedingungen zu einer effizienteren Gestaltung des Lehrens und Lernens zu gelangen. In diesem Sinne greift das Lernangebot zentrale Themen auf, die in diesem Zusammenhang entscheidend sein können: Kompetenzentwicklung durch Peer-to-Peer Lernen, Unterrichtsentwicklung, Kommunikation und Informationsmanagement sowie Schulentwicklung durch Leitbildarbeit. Anstatt Lehrkräfte aber Schritt für Schritt durch einen klassischen Kurs zu diesen Themen zu führen, werden sie dazu eingeladen, sich gemeinsam mit ihrem Kollegium eigenständig auf den Weg zu machen. Wer die genannten Themen für die eigene Schule weniger relevant findet, kann auch ein ganz anderes Thema zur Bearbeitung definieren.
Das Lernangebot ist also in wesentlichen Punkten anders als ein klassischer Kurs:
- Die Zielgruppe ist das ganze Kollegium – nicht nur einzelne Lehrkräfte.
- Es gibt keine externe Betreuung oder zeitliche Festlegungen.
- Die inhaltliche und strukturelle Ausgestaltung liegt maßgeblich in der Hand der jeweiligen Schule.
Wer bis hierher gelesen hat, stellt sich jetzt vielleicht die Frage:
Wozu braucht es denn dann ein ‚Lernangebot‘, wenn die einzelnen Schulen einfach alles selbst machen sollen?
Die Antwort darauf lautet: Die Schulen werden nicht allein gelassen. Stattdessen bietet das Lernangebot einen Rahmen für den erwünschten und selbst gestalteten Lern- und Entwicklungsprozess des Kollegiums. Es beantwortet die Frage: Wie genau können wir vorgehen, wenn wir unsere Schule selbst entwickeln und effizienter gestalten wollen – sowohl zu den genannten Themen als auch darüber hinaus? Dazu wird ein am agilen Lernen orientiertes Vorgehen vorgeschlagen und im Kollegium verankert.
Was ist agiles Lernen und Arbeiten?
Die Grundidee von agilem Lernen und Arbeiten ist, dass ein Prozess kleinschrittig gestaltet ist, um immer wieder Raum für Reflexion und Anpassung zu bieten. Jeder Schritt in der Entwicklung ist in einem so genannten Sprint zusammengefasst. Zwischen den Sprints wird das vorläufige Ergebnis einer Person vorgestellt, die nicht direkt am Sprint beteiligt war. Mit den dort besprochenen Anpassungen geht es dann in den nächsten Sprint.
Praktisch sieht ein Lern- und Arbeitsprozess auf Grundlage agiler Prinzipien also folgendermaßen aus:
- Eine verantwortliche Person erteilt einen ‚Auftrag‘ an eine Arbeitsgruppe.
- Die Arbeitsgruppe beginnt damit, diesen Auftrag in einem Sprint zu bearbeiten.
- Sie stellt ihr erstes Zwischenergebnis der verantwortlichen Person vor.
- Die verantwortliche Person gibt Feedback.
- Mit diesem Feedback arbeitet die Gruppe weiter im nächsten Sprint.
Dieser Prozess wird immer wieder wiederholt und der Auftrag so immer weiter bearbeitet – bis am Ende ein für alle zufriedenstellendes Ergebnis erreicht wird.
Übrigens: Einige Lehrkräfte nutzen dieses Prinzip für die Gestaltung ihres Unterrichts. Mit dem Buch ‚Scrum in die Schule‚ gibt es dazu umfassende Ideen und Materialien. Unser Lernangebot funktioniert mit ähnlichen Grundprinzipien – aber richtet sich an das Kollegium.
Wie ist das Lernangebot gestaltet?
Grundlegend – und zugleich beim erstmaligen Erkunden wahrscheinlich ungewohnt – ist bei unserem Lernangebot, dass es unterschiedliche Zugänge bietet. Direkt auf der Startseite muss ausgewählt werden, welchen Zugang man nutzen will:
- Für Menschen aus der Schulleitung oder einer Schulentwicklungsgruppe (= die verantwortlichen Personen, die den ‚Auftrag‘ erteilen und Feedback geben), steht ein ‚Meta-Kurs‚ zur Verfügung. Kurz und prägnant können sie sich hier einen Überblick verschaffen, wie das Lernangebot funktioniert – und wie sie es auf den Weg bringen können. (Ganz praktisch bedeutet das, ein erstes Thema zur Bearbeitung auszuwählen, dann eine ‚Sprintgruppe‘ zu finden und dieser den ‚Auftrag‘ zur Bearbeitung des ersten Sprints zu erteilen.)
- Die einzelnen Sprintgruppen finden die Materialien zu dem Sprint, zu dem sie sich gemeldet haben, über die jeweils ausgewählten Themen. Wer ganz offen ein Thema wählen will, findet die dazu benötigten Sprints im Freestyle-Bereich.
- Unter Glossar gibt es inhaltlichen Input in Form von schnellen Überblicksvideos und kommentierten Linklisten. Darauf wird in den einzelnen Sprints verwiesen – aber die Listen können natürlich auch unabhängig von einem Sprint genutzt werden.
Wie sieht das Lernen mit diesem Lernangebot ganz praktisch aus?
Nehmen wir an, dass es an einer Schule bisher noch wenig bis keine Peer-to-Peer Fortbildungsaktivitäten gibt oder vielleicht nur erste Experimente mit Mikrofortbildungen, die aber nie so richtig klappen. Eine Person aus dem Kollegium (vielleicht Du?) liest diesen Blogbeitrag und weist ihre Schulleitung auf die Möglichkeit des Lernangebots beim NLQ hin. Sie argumentiert, dass es doch einen Versuch wert sei, einfach mal auszuprobieren, ob man bei der Herausforderung des Peer-to-Peer Lernens mithilfe dieses Lernangebots weiterkommen könne.
Die Schulleitung ist grundsätzlich aufgeschlossen, informiert sich im Meta-Kurs darüber, wie das ganze funktioniert – und stellt das Vorhaben dann dem Kollegium vor. Sie erklärt, dass es um einen Versuch geht, in insgesamt vier zweiwöchigen Sprints, für die sich jeweils Freiwillige melden können, die Herausforderung des Peer-to-Peer Lernens Schritt für Schritt anzugehen und eine für das Kollegium passende Lösung zu entwickeln.
Es findet sich eine Handvoll Freiwilliger aus dem Kollegium, die sich auf einen ersten Sprint einlassen. Da der Sprint nur zwei Wochen lang dauert und man rund 4-5 Stunden Arbeitsaufwand insgesamt hat, gehen sie eine nicht eine zu große Verpflichtung ein. Außerdem hat die Schulleitung angekündigt, im Gegenzug bei anderen Herausforderungen zu entlasten.
Die Sprintgruppe erhält den offiziellen Auftrag aus der Schulleitung. Darin wird der Gruppe geschrieben, wo im Lernangebot sie ihren Sprint finden (= unter Themen, Peer-to-Peer Lernen, Sprint 1) und bis wann sie Zeit haben. Sie sehen, dass der erste Sprint aus vier einfach erklärten Schritten besteht: Ein synchrones Treffen zum Auftakt, dann eine asynchrone Selbstlernphase, dann ein etwas längeres synchrones Treffen und dann eine asynchrone Fertigstellung.
Der Auftrag im ersten Sprint ist eine grobe Konzeptentwicklung. Die Frage lautet: Wie wollen wir Peer-to-Peer Lernen an unserer Schule konzipieren? Wie die Gruppe in den einzelnen Schritten vorgehen soll, ist im Lernangebot beschrieben. Um das Konzept zu entwickeln, holen sich die Beteiligten eigenständig in der asynchronen Selbstlernphase den Input, den sie brauchen. Sie können dazu auch das verlinkte Glossar nutzen. Ihre Ergebnisse geben sie am Ende des Sprints an die Schulleitung zurück – und können dann entscheiden, ob sie auch im zweiten Sprint dabei bleiben – oder neue Freiwillige gesucht werden müssen.
Wenn die nächste Sprintgruppe gebildet ist, folgt der zweite Sprint zur Implementierung. Wieder wird so vorgegangen, wie beim ersten Sprint. Und so geht es weiter bis nach insgesamt vier Sprints ein Konzept entwickelt, die Implementierung überlegt, die Umsetzung gestaltet und die Umsetzung reflektiert und angepasst wurde.
Alle an den Sprints beteiligten Personen überlegen nun gemeinsam mit der Schulleitung, was sie aus den Sprints zu diesem Thema als Learnings festhalten wollen. Auf dieser Grundlage kann dann ein nächstes Thema ausgewählt – und wiederum in vier Sprints bearbeitet werden.
Kann das funktionieren?
Das Lernangebot ist für mich (und ich denke auch für die anderen Beteiligten) ein Experiment. Es ist der erste ‚Kurs‘, den ich gestalte, bei dem ich das Lernen ganz in die Hand eines Kollegiums lege, das dieses Lernangebot dann gemeinsam nutzen und für sich selbst sehr flexibel und eigenständig gestalten kann.
Ich bin mir bewusst, dass das Lernangebot genau deshalb auch ziemlich herausfordernd ist. Zugleich hat es aber auch sehr großes Potential und kann große Wirkung entfalten. Denn wenn es so funktioniert, wie wir das konzipiert haben, dann ermöglicht das Lernangebot an Schulen die Verankerung von Strukturen und ‚Lern-Routinen‘ für eine kontinuierliche Schulentwicklung als lernende Organisation. Damit lässt sich dann potentiell jede neue Herausforderung aufgreifen und bearbeiten!
Was meinst Du?
Ich bin sehr neugierig, auf Dein Feedback und Deine Überlegungen zur Weiterentwicklung dies Lernangebots. Wie Du mich erreichen kannst, steht hier.
Das Lernangebot findest Du im Online-Angebot des NLQ. Es ist keine Registrierung/ Anmeldung erforderlich, um auf die Inhalte zugreifen zu können.
Zum Lernangebot