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#googologie — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #googologie, aggregated by home.social.

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  1. Diese Software von Google bringt Licht in euer Datenchaos

    Eine Ein­stiegs­hilfe in Google Pinpoint: Was dieses Recher­che­werk­zeug kann, wie es sich von Note­book LM unter­scheidet, mit welchen Methoden man es mit Daten be­stückt – und wie ihr Analysen ausführt.

    blog.clickomania.ch/2026/07/22

  2. Wie man unliebsame Inhalte aus Google entfernt: eine maximal einfache Methode

    Einer meiner Blog­posts ist aus Google ver­schwun­den. Schuld ist ein un­be­kann­ter Hin­ter­mann, der nicht möchte, dass ich über Infuse- und VLC be­richte. Zu diesem Zweck zweck­ent­frem­det er das US-Ur­he­ber­recht (DMCA). Den Beitrag wieder frei­zu­schal­ten, ist mit er­heb­li­chen Risiken ver­bun­den.

    blog.clickomania.ch/2026/07/15

  3. Wie man ein lächerliches Google-Docs-Problem löst

    Setzen sich die guten Produkte durch?

    Wenn wir Google Docs als Beispiel nehmen, dann ist die Antwort ein klares Nein. Diese Textverarbeitung ist als modernere, einfachere Alternative zu Microsoft Word gedacht. Doch in diversen Bereichen fällt sie weit hinter ihr Vorbild zurück. Einige der Mankos legte ich bereits früher dar. Doch eine absolut idiotische Verhaltensweise lässt mir jedes Mal den Kamm schwellen, wenn ich gezwungen bin, dieses Schandmal aus dem Bereich der Produktivitätsprogramme zu verwenden (was aufgrund meiner Erwerbsarbeit leider häufig der Fall ist).

    Die Arial hat ihren Zenit schon 2010 überschritten

    Es handelt sich um folgendes Problem: Ich bin kein sonderlicher Freund der Arial, weil diese Schriftart schon vor anderthalb Jahrzehnten ihren Zenit überschritten hat. Google Docs scheint man sie nicht austreiben zu können. Falls man keine extremen Verrenkungen ausführt, hat man sie bei jedem neuen Dokument vor Augen.

    Die extremen Verrenkungen funktionieren wie folgt:

    1. Wir formatieren am besten nicht einen, sondern mehrere Absätze mit der gewünschten Schrift (weil dann mindestens eine Absatzmarke dabei ist).
    2. Dann markieren wir diese Passage und betätigen erst den Befehl Format > Absatzstile > [Name des Stils, also z.B. Normaler Text] > [Name des Stils] entsprechend aktualisieren. Diese Vorgabe gilt fürs aktuelle Dokument.
    3. Schliesslich klicken wir im Menü Format  auf Absatzstile > Als persönliche Standardstile speichern. Jetzt die Vorgabe global definiert.

    Für alte Word-Hasen: Das Vorgehen entspricht beim zweiten Punkt der Änderung der Formatvorlage im aktuellen Dokument und beim Punkt drei in Normal.dot.

    An dieser Stelle sollten bei einem neuen Dokument die getroffenen Vorgaben zum Zug kommen. In einem bestehenden Dokument wenden wir unsere Vorgaben an, indem wir den ganzen Text markieren und über Format > Absatzstile > Optionen > Meine Standardstile verwenden betätigen.

    Darauf muss man auch erst einmal kommen!

    Das ist nicht komplett unlogisch, aber auch meilenweit von jeder intuitiven Benutzerführung entfernt. Und nachdem ich mir das so eingerichtet hatte, ging mir ein weiteres Problem auf: Wenn ich ein Dokument fürs Archiv im Docx-Format herunterlade, bettet Google sämtliche Nicht-Arial-Fonts ein. Ein normalerweise 10 kB grosses Dokument wird dadurch 50, 70 oder 500 kB gross. Den meisten Leuten dürfte das herzlich egal sein. Aber ich halte es für sinnlos, in meiner Ablage die gleichen Fonts Dutzende oder Hunderte Male zu deponieren. Lösen liesse sich das Problem dadurch, dass das Dok in Word geöffnet und ohne eingebettete Schriften neu gespeichert wird¹. Auch sehr umständlich.

    Angesichts dieser unerfreulichen Beobachtung rang ich mich durch, die Arial zähneknirschend als Standardschrift zu akzeptieren. Trotzdem suchte ich nach einer Methode, einzelne Dokumente nach Bedarf von der Arial zu befreien – und das natürlich, ohne dass ich Absatzformat für Absatzformat manuell abändern muss. Und ja, an dieser Stelle muss ich die Feststellung wiederholen, dass es in Google Docs keine Dokumentvorlagen gibt. Die Empfehlung lautet oft, darum einfach ein normales, entsprechend formatiertes Dokument bereitzuhalten und bei Bedarf eine Kopie anzuliegen. Das ist langwierig und man muss bereits bei der Erstellung daran denken.

    Das Script, das dieses Dokument formatierte, steht über einen eigenen Menübefehl zur Verfügung.

    Die KI hilft mit einem Script weiter

    Darum hatte ich eine andere Idee: Die ist einigermassen naheliegend. Nämlich, die Arbeit von einem Script erledigen zu lassen. In Google Docs gibt es seit Urzeiten (2009) eine Automatisierungsumgebung. Apps Script verwendet Javascript, aber dank KI müssen wir uns nicht die Hände damit schmutzig machen.

    Es funktioniert wie folgt:

    1. Wir klicken in Google Docs im Menü auf Erweiterungen > Apps Script.
    2. Es erscheint eine Code-Ansicht, in der wir in der Menüleiste unser Projekt benennen.
    3. Im Code-Bereich (Code.gs) geben wir bei function myFunction() den Code ein, den wir uns von einem Sprachmodell bereitstellen lassen.
    4. Im Prompt geben wir an, wie die einzelnen Absatzformate formatiert sein sollen. Wir verlangen, dass die vorhandenen Formate entsprechend aktualisiert und der Text angepasst werden soll². Natürlich sind beliebige Varianten denkbar – zum Beispiel eine, die lediglich Absätze mittels Abständen gliedert³.
    5. Wir speichern und führen das Script aus.
    6. Bei der ersten Ausführung erscheint der Dialog Autorisierung erforderlich. Wir klicken erst auf Berechtigungen überprüfen und dann im Warndialog via Erweitert auf [Name des Scripts] öffnen (unsicher).

    Die KI (ChatGPT oder auch Gemini) fügt auf Wunsch auch einen onOpen-Befehl ins Script ein. Der führt dazu, dass das Script nicht über die Entwicklerumgebung ausgeführt werden muss, sondern via Menü zur Verfügung steht (für mich hat sich ChatGPT den Menüpunkt «Format-Helfer» einfallen lassen).

    Das Script formatiert das Dokument gemäss den Vorgaben.

    Die Liebesmüh war fast umsonst

    So super das klingt, es gibt einen dicken Pferdefuss. Das Script hängt am aktuellen Dok und ist nicht universell verfügbar. Um es nicht mühsam manuell kopieren zu müssen, kämen wir nicht um die oben verschmähte Dokument-Kopiererei herum.

    Natürlich sticht uns in der rechten oberen Ecke der Entwicklerumgebung der Knopf Bereitstellen ins Auge (Englisch: Deploy). In der Tat gibt es so die Möglichkeit, das Projekt als Web-App, ausführbare API, Add-on oder Bibliothek unter die Leute zu bringen. Für uns wäre ein Add-on optimal. Es zeigt sich allerdings, dass wir dafür ein Google Cloud Platform-Projekt anlegen müssten. Das entpuppt sich als unvertretbar aufwendig.

    Das bringt uns nach einem längeren Exkurs leider wieder an die Stelle, an der wir am Anfang schon waren: zur Erkenntnis, dass Google Docs im Vergleich zum Vorbild und ungeliebten Nebenbuhler ein gewaltiger Rückschritt darstellt. In Word ist es keine Hexerei, ein Script über die erwähnte Datei normal.dot in jedem Dokument bereitzustellen und simplen Automatisierungen Tür und Tor zu öffnen.

    Fussnoten

    1) Die Option Schriftarten in der Datei einbetten lässt sich in den Word-Optionen in der Rubrik Speichern (im Abschnitt Genauigkeit beim Freigeben dieses Dokuments beibehalten) abschalten. ↩

    2) Das ist der Prompt für meine Zwecke:

    Erstelle mir ein Apps-Script für Google Docs, das die Absatzformate wie folgt formatiert:

    • Normaler Text und Aufzählungen (geordnet und ungeordnet): Nunito Normal, 11 Punkt, mit Option Abstand nach Absatz bzw. Abstand nach Listenpunkt.
    • Titel: Nunito Fett, 26 Punkte
    • Untertitel: Georgia, 15 Punkt, Dunkelgrau 3
    • Überschrift 1, Überschrift 2, Überschrift 3, Überschrift 4 jeweils Nunito Fett in den angestammten Schriftgrössen.

    Bei einem neuen Dok sollten diese Stile gemäss Vorgabe angepasst und als Standard gespeichert (aktualisiert) werden. Bei vorhandenen Doks müssten alle Textelemente entsprechend angepasst werden. ↩

    3) Der Prompt für die Abstände lautet wie folgt:

    Bitte erstelle mir ein Script für Apps-Script in Google Docs: Ich möchte, dass in einem Dokument für den normalen Text die Einstellung Format > Zeilen- und Absatzabstand > Abstand nach Absatz einfügen verwendet wird. Desgleichen hätte ich gern bei geordneten und ungeordneten Listen die Option Abstand nach Listeneintrag einfügen. Diese Einstellung soll standardmässig gelten (Format entsprechend aktualisieren) und der vorhandene Inhalt des Dokuments soll entsprechend ergänzt werden. ↩

    #Automatisierung #Benutzerunfreundlichkeit #Googologie #KI #Office #VibeCoding
  4. Soziale Medien mit Alterskontrolle? Es geht viel einfacher!

    «Wir haben einige deiner Einstellungen geändert», zeigte mir Youtube neulich an. Die personalisierte Werbung sei deaktiviert worden. Begründung: «Wir sind nicht sicher, ob du schon über 18 Jahre bist.»

    Soll ich mich geschmeichelt über mein jugendliches Erscheinungsbild fühlen und die Angelegenheit gut sein lassen?

    Nein, natürlich nicht. Es wäre sünd und schad, diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen, mich über Youtube und Google lustig zu machen. Denn wir haben hier einen Tech-Konzern, der 2025 einen Gewinn von 132 Milliarden Dollar einstrich – etwas weniger als das Bruttosozialprodukt der Slowakei. In diesem Jahr will die Google-Mutter Alphabet 185 Milliarden in die KI investieren: Grund genug für den gemeinen Youtube-Nutzer, anzunehmen, dass Google in der Lage sein müsste, mein Alter auf dreissig Jahre genau zu schätzen. (Das hätte die Frage locker geklärt, ob ich schon 18 bin.)

    Schon mal was von den Grundrechenarten gehört, Sundar Pichai?

    Nun, es ist nicht ausgeschlossen, dass eine noch nicht 18-jährige Person in diesem Haushalt einige Videos schaute und mein Profil leicht verfälschte. Wenn dennoch der Inhaber des Accounts als Massstab dient, brauchen wir keinen ausgeklügelten Algorithmus, um dessen Mindestalter festzustellen. Mein Youtube-Konto existiert ungefähr seit 2007. Das heisst, selbst wenn ich es im zarten Säuglingsalter angelegt haben sollte, wäre ich inzwischen ungefähr 19. Verifikation mittels Subtraktion – einer Methode, für die man keine neuen Rechenzentren bauen müsste.

    Was dieser Sache eine gewisse Brisanz verleiht, ist die Diskussion um die Altersgrenzen bei den sozialen Medien. Bei der stellt sich die Frage, wie die Kontrolle durchgeführt werden soll. Im Stil von gewissen Websites für Erwachsenenunterhaltung, bei denen man auf die Frage, ob man schon 18 sei, entweder Ja oder Nein anklicken kann, vermutlich nicht.

    Nebst der Selbstdeklaration existieren zwei weitere Methoden: die Überprüfung mittels eines amtlichen Dokuments und die Schätzung anhand von Verhaltensmustern – letzteres würde ich als die Youtube-Methode bezeichnen.

    Entweder E-ID. Oder gar kein Altersnachweis

    Für mich ergeben sich zwei Erkenntnisse:

    Erstens ist das ein deutliches Argument für die E-ID, den elektronischen Identitätsnachweis. Natürlich in einer datensparsamen Variante. Sprich: Youtube – oder sonst eine Plattform mit einem Mindestalter – erhält über meine ID lediglich die verbindliche Auskunft, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Mein effektives Alter und alle anderen Informationen, die zum Profil zählen, werden nicht preisgegeben.

    Zweitens: Wäre es nicht viel einfacher, wenn für Internetangebote das Prinzip gelten würde, dass ein Altersnachweis für die normale Nutzung nicht erforderlich ist?

    Lasst mich zur Illustration einen verrückten Vergleich machen: Tageszeitungen und die gängigen Magazine lagen früher (als derlei Medien noch zum regulären medialen Inventar zählten) in Reichweite von Kindern bereit und waren ohne Alterskontrolle zugänglich.

    Das bedeutete durchaus nicht, dass alles, was dort zu lesen war, kindgerecht gewesen wäre. Aber das war seltenst ein Problem. Kaum ein Zwölfjähriger las den «Spiegel» von hinten bis vorn durch, um so auf die Reportage aus einem Kriegsgebiet oder den Bericht über die Epstein Files zu treffen. Er orientierte sich nach seinen Interessen und landete zwangsläufig bei harmlosen Themen wie Tierberichten, den Rätseln oder der Kinderseite. Meine Erfahrung mit Kindern ist, dass viele davon ein ausgezeichnetes Gespür dafür haben, was sie sich zumuten wollen und was nicht.

    Der Vergleich hinkt! Oder hinkt er nicht?

    Bevor jetzt einer kommentiert, dass dieser Vergleich brutal hinken würde, mache ich den naheliegenden Einwand gleich selbst: Bei den «Legacy-Medien» gibt es keinen Algorithmus, der die Themenauswahl vornimmt – das muss man selbst tun. Da diese Algorithmen das krasse Zeug bevorzugen, setzt das eine Spirale in Gang. Die hat zur Folge, dass auch Dinge, die im Kern harmlos sind und von Kindern konsumiert werden könnten, auf verantwortungslose Weise übersteigert dargeboten werden.

    Das heisst: Standardmässig funktionieren Facebook und Youtube wieder wie zu den Anfangszeiten. Es gibt keine algorithmischen Vorschläge, sondern nur das, was Nutzerinnen und Nutzer selbst aussuchen – entweder direkt, oder über die Leute, denen sie folgen. Wer auf den algorithmischen Kram nicht verzichten mag, der muss über 18 sein und den Altersnachweis erbringen. Zur zusätzlichen Absicherung wird standardmässig jugendfrei gepostet. Leute, die ohne ihre Altherrenwitze nicht auskommen, pflegen selbige, müssen aber ein zwingendes Häkchen beim Beitrag setzen. Falls jemand das vergisst, haben die anderen User die Möglichkeit, solche Beiträge zu melden – worauf die Plattform sofort und ernsthaft reagiert. Und Leute, die öfter den Jugendschutz unterlaufen, werden sanktioniert.

    Bei den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland darf man gewisse Inhalte aus Gründen des Jugendschutzes erst ab einer bestimmten Zeit ansehen – wie im linearen Fernsehen, wo der Horrorfilm erst nach 22 Uhr läuft.

    Ich fand lange Zeit reichlich albern. Aber vielleicht ist es das gar nicht? Wie wäre es, den gleichen Mechanismus bei Youtube und Facebook anzuwenden? In welcher Zeitzone sich ein Nutzer oder eine Nutzerin befindet, lässt sich ohne jeglichen Altersnachweis feststellen. Und was die Eltern angeht, müssten die für den Jugendschutz nichts weiter tun, als nach neun Uhr abends das WLAN abzudrehen.

    Nachtrag: Wir sprachen im Nerdfunk über die Idee. Kevin fand sie albern: Die Leute würden die sozialen Medien langweilig finden, wenn es keine algorithmische Auswahl mehr gäbe und man tatsächlich nur noch den Kram sehen würde, der in der eigenen Bubble kursiert. Aber wären langweiligere soziale Medien wahrlich so schlimm – oder nicht vielleicht die Lösung?

    Beitragsbild: Google würde natürlich darauf hereinfallen (Artur Skoniecki, Pexels-Lizenz).

    #DerOnlineShitDerWoche #Googologie #Wochenkommentar #Youtube
  5. Google Gemini erkennt leider längst nicht alle KI-Deepfakes

    Kollege Thomas Benkö schrieb letzte Woche auf Linkedin über die angebliche Schneeleopard-Attacke in Koktokay. Bei «Blick» dokumentierte er den Fall einer chinesischen Skifahrerin, die mit einem vorbeistreifenden Raubtier ein Selfie machen wollte (gute Idee, übrigens) und daraufhin attackiert wurde. Wie heutzutage kaum mehr anders zu erwarten, war es nur ein KI-Fake. Respektive genauer: Teile der Geschichte scheinen zu stimmen, doch nicht das gesamte Material, das darüber veröffentlicht wurde, ist authentisch.

    Auch das ZDF analysierte die Begebenheit. Sie führt uns vor Augen, dass eine Halbwahrheit problematischer sein kann als eine glatte Lüge. Letztere wischen wir vom Tisch. Doch bei ersterer müssen wir mühselig zwischen realen und erlogenen Details unterscheiden und uns mit der Frage auseinandersetzen, welches Framing dahinterstecken könnte. In diesem Fall war’s vermutlich schlichte Klickgeilheit.

    An dieser Stelle soll es um ein technisches Detail gehen. Sowohl der «Blick» als auch das ZDF weisen auf SynthID hin. Das ist Googles Methode, KI-generierte Inhalte mit einem digitalen Wasserzeichen erkenntlich zu machen. Das wird nicht nur bei Bildern und Videos eingebettet, sondern selbst bei Text. Ich halte das für eine sinnvolle Massnahme, doch wie hier analysiert, ist es keineswegs ein Patentrezept gegen Deepfakes. Enthält ein Inhalt kein SynthID-Wasserzeichen, ist das kein Beweis für seine Authentizität.

    «Dieses Selfie ist gefälscht»

    Benkö weist darauf hin, dass Googles Chatbot Gemini die SynthID-Markierung ausliest. Und in der Tat: Ein Test mit dem vermeintlichen Selfie der tollkühnen Skifahrerin ergibt das unzweifelhafte Ergebnis:

    Eine Analyse mit dem Tool SynthID hat ergeben, dass Teile des Bildes digitale Wasserzeichen enthalten, die auf den Einsatz von Google KI-Modellen hinweisen.

    Hier ist der Fall klar: Gemini hat das SynthID-Wasserzeichen entdeckt.

    Das bringt uns zur Frage: Wie gut ist Gemini generell beim Enttarnen von KI-Inhalten?

    Bei diesem Test interessiert mich vor allem, wie Googles künstliche Intelligenz im umgekehrten Fall abschneidet. Werden Bilder als authentisch erkannt, wenn sie das erwiesenermassen sind, aber trotzdem aussehen wie KI-generiert?

    Ich verwende für diesen Zweck zwei Aufnahmen, die beide von freien Fotoplattformen stammen¹ und erwiesenermassen echt sein müssen. Sie wurden nämlich veröffentlicht, bevor die KI-Bildgeneratoren mit fotorealistischen Möglichkeiten existierten. Um es kurz zu machen: Bei denen bekleckert sich Gemini nicht mit Ruhm.

    Gemini liegt zweimal voll daneben

    Im Gegenteil; er vermutet in beiden Fällen fälschlicherweise eine KI:

    Weckt zu Unrecht KI-Vibes.

    Mann mit Geldbündeln:
    Dieses Bild weist sehr starke Merkmale einer KI-Generierung auf. Achte auf die Finger der rechten Hand: Sie wirken unnatürlich lang und verformt. Auch die Texturen der Geldscheine und die Schrift darauf («Franklin Barbershop») sind typisch für Bild-KIs, die oft Schwierigkeiten haben, Text und feine Details wie die Sicherheitsmerkmale von Währungen korrekt darzustellen.

    Sieht künstlich aus, stammt aber von 2018.

    Paar auf der Bank (Stockfoto-Stil):
    Auch dieses Bild zeigt bei genauerer Betrachtung Unstimmigkeiten, die auf KI hindeuten. Besonders auffällig ist die Hand der Frau auf dem Rücken des Mannes: Die Fingerstellung und die Anzahl der sichtbaren Finger wirken anatomisch nicht korrekt. Auch der Übergang der Haare zur Schulter zeigt oft unnatürliche Verschmelzungen.

    Immerhin erkennt Gemini die zwei Kontrollaufnahmen, die tatsächlich mit KI generiert worden sind.

    Trotzdem ist Googles Chatbot damit schlechter als zwei spezialisierte Erkennungs-Algorithmen: aiornot.com lag schon 2024 in allen Fällen richtig. Das gleiche gilt für Sight Engine aus meinem letztjährigen Test. Dieser meiner Erfahrung nach sehr zuverlässige Detektor liegt indes beim Schneeleoparden-Bild daneben und attestiert ihm fälschlicherweise Authentizität.

    Bei den Beispielen ohne SynthID vermutet Gemini KI, wo wir es mit echter Fotografie zu tun haben.

    Fazit: Es ist – und bleibt – kompliziert.

    • Gemini hilft uns in eindeutigen Fällen, in denen ein SyntID-Marker vorhanden ist. In allen anderen Fällen ist Googles KI nicht zuverlässig.
    • Umgekehrt zeigt dieses Beispiel, dass auch bewährte KI-Detektoren nicht von false negatives gefeit sind.

    Die Authentizität garantieren kann nur der Urheber einer Aufnahme – sei es, weil die Aufnahme kryptografisch über die Metadaten abgesichert wurde, wie es die Content Authenticity Initiative anstrebt. Oder sei es, weil die Aufnahme über verlässliche Wege aus einer vertrauenswürdigen Quelle zu uns gelangte. In anderen Fällen helfen uns die hier vorgestellten Werkzeuge, unseren Grad der Unsicherheit zu verringern. Aber völlige Gewissheit garantieren sie nicht – und auf alle Fälle müssen wir diese Werkzeuge bewusst und mit Kenntnis ihrer Grenzen einsetzen.

    Der sonst zuverlässige KI-Detektor von Sight Engine liegt hier falsch.

    Fussnoten

    1) Einige Details zu den beiden Aufnahmen:

    Beitragsbild: Das Ding könnte auch aus Plastik sein (Mart Production, Pexels-Lizenz).

    #DerOnlineShitDerWoche #Googologie #KI #VideoBildgenerator
  6. Wie schnell Google 2025 bereit war, seine Kernwerte zu opfern

    Was bleibt von Google für 2025 in Erinnerung?

    Wenn wir am positiven Ende anfangen wollen, dann ist das die Einschätzung, dass der Konzern aus Mountain View bei der künstlichen Intelligenz Boden gutmachen konnte. Meines Erachtens ist Gemini Konkurrenten wie ChatGPT, Claude, Perplexity und Mistral noch immer unterlegen. Der Qualitätsrückstand ist immerhin geschrumpft. Und vor allem gelang es Google, für diverse Aha-Momente zu sorgen:

    Fortschritt um wirklich jeden Preis

    Die Fehlinformationen sind nicht das grösste Problem der «AI Overviews».

    Dieser Fortschritt ist technisch eindrücklich, gibt indes gleichzeitig Raum für Kritik und Kontroversen. Dass die KI an Sitzungen als Aktuar auftritt, hat in meinem Social-Media-Umfeld für mehr Ablehnung denn Begeisterung gesorgt. Mir waren die Auswüchse von Veo 3 im Juli einen eigenen Blogpost wert: Denn so spektakulär die neuen Möglichkeiten sein mögen, so fragwürdig ist die Weise, wie sie genutzt werden. Das Stichwort dazu – das in der Jahresmusterung von 2025 noch häufiger fallen wird – ist AI Slop: per künstlicher Intelligenz produzierte Inhalte, die in den sozialen Medien allgegenwärtig sind und den menschlichen Output verdrängen.

    Die weitreichendste technische Neuerung im Jahr 2025 betrifft die Suchmaschine: Die künstliche Intelligenz hielt Einzug auf Google.ch. Seit dem März tauchen die KI-Zusammenfassungen am Anfang der Suchresultate, die sogenannten AI Overviews, auch bei uns auf. Nur Monate später, im Oktober, legte der Konzern mit dem KI-Modus nach: Er eliminiert die klassischen Suchresultate vollständig. Stattdessen erscheint eine ausformulierte Antwort auf unser Anliegen, zu der sich auch Nachfragen stellen lassen. Das hat eine ganze Reihe negativer Implikationen, die Google nicht zu adressieren gewillt ist. Das ist so problematisch, dass ich die Zeit für gekommen erachte, ein Zeichen zu setzen: Verweigern wir uns – auch wenn es schwierig ist – der Google-Suchmaschine oder zumindest den AI Overviews!

    Machtmissbrauch und Opportunismus

    So unerfreulich das alles ist, kommt es noch dicker: Obwohl Google Millionenbussen der EU wegen Wettbewerbsverzerrung kassierte, missbraucht der Konzern weiterhin fröhlich seine Marktmacht, um der Konkurrenz Nutzerinnen und Nutzer abspenstig zu machen – und entdeckte zu diesem Zweck die Pop-up-Werbung neu.

    Wer in Firefox oder in einem Drittbrowser Websuchen durchführt, wird mit Meldungen wie diesen hier gepiesackt.

    Der heftigste Kritikpunkt ist einer, der sich nicht nur gegen Google, sondern genauso gegen Microsoft, Meta, Apple, Amazon und Konsorten richtet (und deswegen in der Jahresmusterung noch häufiger zu lesen sein wird): Wir erinnern uns daran, wie eilfertig und devot die Bosse dieser Firmen im Januar zu Trumps Amtseinführung eilten, um ihre Geschäftsinteressen zu schützen. Das waren nicht nur Lippenbekenntnisse: Es gab weitreichende Zugeständnisse an den neu-alten Herrscher im (inzwischen arg ramponierten) Weissen Haus, die zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und von uns allen gehen. Zwei Beispiele:

    Der zweite Aspekt scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich gravierend. Doch ich erinnere mich lebhaft daran, wie stolz gerade Google auf die internationale, vielfältige Belegschaft war. Im «Wired»-Artikel heisst es dazu:

    Berichte aus den letzten zehn Jahren zeigten, dass Google und Dutzende anderer Technologieunternehmen stetig mehr Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten einstellten, obwohl diese Gruppen im Vergleich zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung der USA in technischen und Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert waren.

    Das scheint passé. Wir könnten hoffen, dass die Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion bloss pro forma aufgegeben wurden, und im Geheimen weitergeführt werden. Leider ist das wohl eine leere Hoffnung, weil das schnell herauskäme und Trump nur umso wütender wäre.

    Partizipation für alle – das war mal

    Darum bleibt uns nur der Schluss, dass wir es mit einem tiefgreifenden Kulturwandel zu tun haben. Er erfolgt zulasten der Minderheiten, der vulnerablen Gruppen. Und er setzt Utopie ein endgültiges Ende, dass die Vernetzung der Welt eine einigende und ausgleichende Wirkung hat.

    Den Tiefpunkt des Jahres erreichte Google für mich im Oktober 2025, als es das Unternehmen Apple gleichtat und Apps entfernte, die Immigranten vor den Agenten der US-Einwanderungsbehörden warnt. Ein AP zitierte zu dieser Causa die Bürgerrechtsanwältin Alejandra Caraballo, die an der Cyberlaw Clinic der Harvard University arbeitet:

    «Das ist ein Präzedenzfall, der mich beunruhigt. Mit dem kann die Regierung im Grunde vorschreiben, welche Apps die Menschen auf ihren Handys haben.»

    Dem Geschäft tat das alles keinen Abbruch. Mitte September erreichte Google-Mutter Alphabet als viertes Unternehmen eine Marktkapitalisierung von drei Billionen US-Dollar.

    Beitragsbild: Ein Bild aus besseren Tagen (Christina Morillo, Pexels-Lizenz).

    #Googologie #Jahresmusterung #KI #Suchmaschine

  7. Eine Handvoll KI-Tricks für Gmail und Google Sheets

    Ihr erinnert euch: Wie Microsoft integriert auch Google die künstliche Intelligenz an allen Ecken und Enden in die Office-Anwendungen. Bei einem ersten Test im Januar scheiterte Gemini an vielen der naheliegenden Aufgaben. Ist das inzwischen besser? Für eine Schulung hatte ich neulich ausgiebig Gelegenheit, mich mit Gemini in Google Workspace zu beschäftigen. Und meine Kollegin Jessica hat ein paar Funktionen ausgegraben, die es wert sind, hier besprochen zu werden.

    Mit Englisch als Hauptsprache beherrscht Google Workspace die meisten KI-Tricks.

    Ein Trick vorneweg: Wer sich berufen fühlt, Gemini auszureizen, der tut gut daran, seinen Google-Account auf Englisch umzuschalten. Viele KI-Tricks stehen nur mit dieser Spracheinstellung zur Verfügung – wir können aber dennoch mit deutschen Dokumenten und Prompts arbeiten.

    Und so geht es: Wir gehen zu unserem Google-Account (myaccount.google.com), klicken auf Persönliche Daten (Personal info) und bei Allgemeine Einstellungen für das Web (General preferences for the web) auf Sprache (Language) und fügen Englisch (Vereinigte Staaten) bzw. English (United States) hinzu. Über den Knopf mit den Pfeilchen tauschen wir die Sprachen aus: Wenn Englisch oben und Deutsch unten steht, dann erscheint die Benutzeroberfläche in Englisch. Es kann sein, dass das nur mit Verzögerung passiert. Falls Google unsere Nerven überstrapaziert, beschleunigen wir die Sache, indem wir den Browser neustarten. Falls auch das nicht hilft, loggen wir uns aus und wieder ein.

    1) Gmail: Mails aufstöbern und die KI als Ghostwriter

    Im Mailprogramm Gmail ist es bekanntlich schwierig bis unmöglich, mit der Suchfunktion auch tatsächlich etwas Vernünftiges zu finden. Dank der künstlichen Intelligenz wird das etwas besser:

    • «Suche mir Mails mit Anhängen grösser als 20 MB.» (Show me mails with attachments bigger than 20 mb.)
    • «Zeige mir Mails, die an mehrere Empfänger gesendet wurden und meinen Namen im Body enthalten.» (Find me group mails, where my name is mentioned in the text body.)

    Es bleibt Glückssache, ob ein solcher Prompt ein brauchbares Ergebnis hat. Sehr spezifische Prompts haben meist nicht den gewünschten Erfolg¹, aber offen formulierte Anweisungen² sind zweckdienlich. Die haben den Nachteil, dass wir uns auf die Bewertung der künstlichen Intelligenz verlassen müssen. Die kann adäquat sein – muss aber nicht. Sollte es bei der Suche nach Mails wichtig sein, dass keine Nachricht übersehen wird, empfehle ich, die Liste selbst durchzuscrollen. Falls die Zeitersparnis im Vordergrund steht, ist die Hilfe Geminis willkommen.

    Und unter Umständen praktisch:

    Gemini formuliert anhand eines Dokuments eine passende Antwort auf ein Mail.

    Der Add to calendar-Knopf, der bei Mails mit spezifischen Daten erscheint. Doch auch wenn Gemini keine Terminerstellung anbietet, können wir das über einen passenden Prompt veranlassen³. Eine Interaktion mit den anderen Office-Anwendungen ist ebenso möglich. Wenn wir im Promptfeld in der Gemini-Leiste die At-Taste betätigen, erscheint eine Liste von Dokumenten aus Google Drive. Die können wir für einen Mailentwurf verwenden. Es klappt gut, anhand einer Docs eine Antwort vorformulieren zu lassen⁴. Umgekehrt funktioniert es leider nicht, direkt anhand eines Mails oder einer Liste von Mails Dokumente in Google Drive zu erstellen⁵.

    2) Docs: Zuhören statt lesen

    In der Textverarbeitung gibt es zwei kleine Neuerungen.

    • In der Menüleiste sitzt die Funktion Listen to this tab (erkennbar am Play-Knopf mit KI-Kringel). Klicken wir den an, wird uns das Textdokument als Hörstück präsentiert. Allerdings gibt die Stimme auch deutsche Inhalte knallhart in Englisch wieder.
    • Automatisch eine Zusammenfassung einfügen. Das klappt über den Befehl Insert > Building blocks > AI summary.
    Wer nicht lesen will, kann hören.

    Spielerei oder nützliches Feature? Das liegt im Auge des Betrachters bzw. des Zuhörers. Die Vorlesefunktion ergibt wenig Sinn beim Anforderungskatalog an ein neues Projekt der Geschäftsleitung oder beim Protokoll der letzten Teamsitzung. Aber bei längeren Dokumenten, die wir nicht nur querlesen, sondern uns konzentriert zu Gemüte führen wollen, kann sie sinnvoll sein. Bedauerlicherweise lässt sich die Rezitation nicht herunterladen: Ich könnte mir hervorragend vorstellen, geschäftliche Pflichtlektüre in akustischer Form beim Joggen zu absorbieren.

    Die Zusammenfassung ist nicht verkehrt. Auch wenn wie üblich gilt, dass die künstliche Intelligenz nicht immer Prioritäten so setzt, wie wir es tun würden.

    Die automatisch generierte Zusammenfassung lässt sich an einer beliebigen Stelle im Dokument einfügen.

    3) Sheets: Prompts in Zellen

    Ein paar praktische Tricks gibt es auch für Googles Tabellenkalkulation Sheets. Die erste Methode ist so einfach wie wirkungsvoll:

    • «Hübsche diese Tabelle auf.» (Make this table nice.)

    Gemini formatiert die Tabelle daraufhin schön als Block mit Spaltenköpfen und einem Reiter, über den sich die Farben anpassen, Gruppierungen einrichten, die Ansichten umschalten und Benachrichtigungen verwalten lassen⁶.

    Das grösste Potenzial steckt allerdings in der neuen Funktion: Die lautet AI und erlaubt es uns, einen Prompt anzugeben, dessen Output in der entsprechenden Tabelle angezeigt wird. Auf diese Weise lässt sich in einem Rutsch eine beliebige Anzahl von Abfragen ausführen. Ein kleines Beispiel illustriert das:

    In dieser Tabelle sind in Spalte A einige Tiere aufgeführt. Mit der KI-Formel⁷ lassen sich nun die beiden Spalten B und C mit der Körperlänge und dem Gewicht befüllen.

    Mit diesem Trick füllt die KI uns die Werte in die Tabelle ein.

    Fussnoten

    1) Der Prompt «Suche mir Mails aus den letzten zwei Wochen, die direkt an mich adressiert sind und von einer Person aus dem Unternehmen stammen» (Show me mails from the last too weeks that were adressed at me and come from a person within the company) hat den gegenteiligen Effekt und bringt uralte Nachrichten zum Vorschein, die nicht direkt an mich adressiert sind und von einer Person ausserhalb des Unternehmens stammen. ↩

    2) Was war in den letzten zwei Wochen wichtig? (What was important during the last two weeks?) ↩

    3) Zum Beispiel: «Mach einen Termin am nächsten Montag um neun, damit wir im Team darüber diskutieren können.» (Make entry in my calendar to discuss this next Monday at 9am with the team.) ↩

    4) Etwa mit folgendem Prompt: «Entwirf eine Antwort anhand des Dokuments @Vorschläge-zuhanden-der-Geschäftsleitung». (Draft an answer according to the project description in @….) ↩

    5) Ich habe probiert, mir anhand meines Ordners mit interessanten Pressemeldungen eine schöne Übersichtstabelle generieren zu lassen (Create a list in sheets with the 25 newest mails in this folder with sender, topic and a short description.). Gemini fertigte diese Liste an, verlagte jedoch von mir, sie eigenhändig in eine Tabelle zu kopieren. Der Versuch, die Beträge aus einer Rechnung in eine Tabelle zu übernehmen, schlug gänzlich fehl (Create a spreadsheet from the highlighted lines of text.). Gemini meinte, dazu sei er nicht in der Lage, und erklärte mir daraufhin die Funktion der Zwischenablage. ↩

    6) Die Terminologie dieses Features ist in Deutsch leider unglücklich geraten. In der englischen Übersetzung unterscheidet Google zwischen Sheets – also dem Blatt als ganzes und dem Table. Letzteres ist der als Einheit formatierte Teilbereich, den ich z. B. Tabellenblock nennen würde. In Deutsch wird beides als Tabelle bezeichnet, was die Unterscheidung quasi verunmöglicht. ↩

    7) Die Formel in Spalte C für das Gewicht lautet: =AI("Gewicht in kg von "&A2&" als reine Zahl ohne weitere Angaben") ↩

    Beitragsbild: Der Moment, an dem wir mit Geminis Hilfe unsere Office-Aufgaben einhändig und noch im Pyjama erledigen, ist bedauerlicherweise noch nicht eingetroffen (Sincerely Media, Unsplash-Lizenz).

    #Gemini #Googologie #KI #Office

  8. Brave Search schiesst einen Ehrentreffer gegen Google

    Bei den Suchmaschinen gibt es kein Entrinnen vor Google und Microsoft. Auch viele der vermeintlichen Konkurrenten greifen im Hintergrund auf die Indizes der beiden Tech-Giganten zu. Nur wenige Suchmaschinen sind unabhängig.

    Eine davon ist Brave Search. Sie stammt vom Hersteller des gleichnamigen Browsers, der seit bald zehn Jahren als datenschutzfreundliche Alternative zu Google Chrome antritt¹. Sie verwendet einen eigenen Index, der lediglich unter gewissen Umständen durch Resultate von Google ergänzt wird.

    Zu diesem Suchbegriff schiesst Brave ein Eigentor.

    Das macht Brave zu einem Kronfavoriten für Leute, die ihre Abhängigkeit von Google reduzieren möchten. Eine Einschränkung vorneweg: Unsere Abhängigkeit vom Technologiestandort USA reduzieren wir mit Brave nicht. Das Unternehmen ist in San Francisco domiziliert. Falls unser Ziel ist, uns auf den europäischen Standort auszurichten, müssten wir uns mit Qwant anfreunden (hier getestet) – aber dummerweise ist die französische Suchmaschine eng mit Bing von Microsoft verbandelt.

    Doch jegliche Abnabelungsversuche stehen und fallen mit den Suchresultaten: Wie also schneidet Brave Search im Vergleich ab? Mein Testverfahren ist gezwungenermassen hemdsärmlig². Doch es taugt dazu, einen ersten Eindruck zu vermitteln. Und es erlaubt einen Vergleich mit anderen Suchmaschinen. Übrigens: Auch Brave entwickelt einen KI-Modus à la Google AI Mode. Hier im Test geht es jedoch ausschliesslich um die klassische Websuche.

    1) Suchbegriff «nerdfunk»

    Bei diesem Suchbegriff möchte ich auf unseren Podcast verwiesen werden, der eine eigene Website hat und der bei Wikipedia erwähnt ist. Doch Brave liefert elf Treffer, die allesamt das Wort «Nerdfunk» nicht enthalten. Eine Suche mit Anführungszeichen ("nerdfunk") liefert keine Resultate. Auch die Option Lokale Ergebnisse ändert daran nichts.

    Dieser Test allein beweist, dass der Brave-Index mit der Konkurrenz (auch Duck Duck Go, Qwant und Swisscows) nicht mithalten kann. Auch der erwähnte Google-Fallback kommt nicht zum Zug.

    2) «verschwthdw»

    Auch das ist ein exotischer Suchbegriff, der darauf ausgelegt ist, die Grenzen des Index auszuloten. Es handelt sich um ein Kürzel, das für meinen verblichenen Podcast «Verschwörungstheorie der Woche» steht. Google findet ihn zweimal hier in diesem Blog.

    Randbemerkung: Duck Duck Go schlägt Google um Längen und liefert zehn Treffer, u.a. auch zu archive.org und auf einigen Podcast-Verzeichnissen.

    Brave Search muss sich ein zweites Mal geschlagen geben.

    3) Schüssler

    Besser als Google: Zu diesem Familiennamen liefert Brave ein viel umfassenderes Bild.

    Bei diesem Suchbegriff interessiert mich, wie die Resultate gewichtet werden: Dominieren die gleichnamigen Salze die Ergebnisse? Oder wird in einer sinnvollen Weise darauf hingewiesen, dass das ein Familienname ist?

    Bei meinem Test vor sieben Jahren überzeugte bei diesem Test nur Qwant ansatzweise. Brave hingegen brilliert: Er liefert am Anfang eine KI-generierte Antwort, die erklärt, dass es sich um einen Familiennamen handelt. Erwähnt werden Wilhelm Heinrich Schüssler als Erfinder der «biochemischen Heilweise», bei der die erwähnten Salze eine zentrale Rolle spielen. Erwähnt werden auch die Theologin Elisabeth Schüssler Fiorenza, sowie Hans Schüssler.

    Letzterer war ein Pionier auf dem Gebiet der Ionenfallenphysik, von dem ich überhaupt erst durch Brave erfahren habe. Das beweist eindrücklich, dass selbst Google als Suchmaschinen-Primus es nicht immer schafft, die Bandbreite eines Themas abzubilden.

    Fazit: Ein widersprüchliches Resultat

    Siehe da: Fast hätte ich Brave abgeschrieben. Doch dann verschaffte mir die alternative Suchmaschine einen echten Aha-Moment, den ich ihr hoch anrechne.

    Daraus ergeben sich gleich mehrere Erkenntnisse:

    • Google ist und bleibt die Nummer eins.
      Die Anzeichen deuten darauf hin, dass Google die grösste Datenbasis zur Verfügung hat. Das rechtfertigt den Status als Branchenführer und ist ein triftiger Grund, Google auch weiterhin als erste Anlaufstelle für Webrecherchen zu benutzen.
    • Aber: Google ist nicht unschlagbar.
      Bei einem meiner exotischen Suchbegriffe ist Duck Duck Go informativer. Leider ist für uns Nutzerinnen und Nutzer nicht vorhersehbar, in welchen Fällen es sich lohnt, eine Zweitmeinung einzuholen. Mein Tipp lautet, das immer dann zu tun, wenn Googles Resultate ein uneinheitliches Bild ergeben – und wenn wir nicht an den kleinen und exotischen Websites interessiert sind, die bei den Konkurrenz-Suchmaschinen typischerweise durch die Maschen fallen.
    • Die grosse Chance für die Konkurrenz ist die Gewichtung.
      Google kennt am meisten Websites. Aber der legendäre Pagerank sortiert sie nicht immer in die optimale Reihenfolge. In einigen Fällen macht eine andere Gewichtung den Unterschied. Wenn ich spekulieren darf, dann liegt das im Fall meines Nachnamens daran, dass sich Brave mehr an den informationsvermittelnden Websites wie Wikipedia und weniger an kommerziellen Quellen orientiert.

    Nach diesem Test ist klar, dass Brave Search nicht zu meiner Haupt-Suchmaschine wird und ich auch niemandem empfehle, Google durch Brave zu ersetzen. Aber ich rate mit Nachdruck dazu, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann es sinnvoll sein könnte, einen Konkurrenten zurate zu ziehen: Brave, Duck Duck Go und gern auch Qwant. Genau wie bei den Sprachmodellen erweitert das den Horizont und sorgt für überraschendere, vielseitigere Einsichten.

    Fussnoten

    1) Die Meinungen bei dieser Frage gehen auseinander, aber was mich angeht, hat es Brave nicht geschafft, mich von Firefox wegzulocken. Trotz jüngster Vorbehalte finde ich Firefox generell und auch bezüglich Datenschutz überzeugender, weil dieser Browser nicht auf dem von Google kontrollierten Chromium-Projekt basiert. Ich ziehe das Stiftungsmodell von Mozilla dem weniger transparenten Geschäftsmodell des Brave-Herstellers vor. Und auch wenn Brave von Haus aus einen starken Datenschutz aufweist, lässt sich Firefox diesbezüglich hervorragend anpassen – und ich empfehle als Ergänzung gern die NextDNS-Firewall. ↩

    2) Jeder, der es schon einmal probiert hat, weiss, wie schwierig es ist, Suchresultate objektiv zu vergleichen: Wir alle führen Dutzende oder Hunderte Suchen pro Woche durch, die jeweils ihrerseits Dutzende oder Hunderte Resultate produzieren. Für ein faires Urteil müssten die aufgezeichnet, verglichen und bewertet werden: eine Arbeit, die weder berufliche noch private Anwenderinnen und Anwender leisten können – und leider auch ich als Hobby-Blogger nicht. Darum verlassen sich viele aufs Bauchgefühl. Bei dem gewinnt typischerweise Google – obwohl ich mir nicht sicher bin, ob das daran liegt, dass die Liste tatsächlich besser ist oder der Faktor der grösseren Vertrautheit den Ausschlag gibt. ↩

    Beitragsbild: Nicht so viel Erfahrung wie der Champion – aber der Ehrgeiz ist unverkennbar (My Profit Tutor, Unsplash-Lizenz).

    #datenschutz #googologie #suchmaschine

  9. Google Websuche für Fortgeschrittene

    Ausgangslage: Wir haben eine Liste mit Suchresultaten von Google. In der möchten wir nicht, wie üblich, einen oder vielleicht mehrere Treffer anklicken. Stattdessen haben wir uns zum Ziel gesetzt, eine systematische Auswertung vorzunehmen.

    Gründe dafür gibt es diverse:

    • Wir wollen Einblicke über die Google-Suche gewinnen. Ich überprüfte neulich, wie sich die Suchresultate je nach Browser unterscheiden.
    • Als theoretisches Exempel planen wir eine Langzeitstudie, in der wir festhalten werden, wie sich die Suchresultate über die Zeit verändern.
    • Es könnte interessant sein, auszuloten, wie die Personalisierung sich bei bestimmten Sachverhalten auswirkt.
    • Oder wir fassen eine bestimmte Website ins Auge und finden heraus, wie oft dort Informationen zu bestimmten Themen veröffentlicht werden.

    Einige dieser Beispiele sind nicht hypothetisch, sondern haben sich bei meinen Recherchen hier im Blog und auch bei Nachforschungen für meinen Arbeitgeber ergeben. Die Erkenntnis dabei: Googles Trefferlisten sind für menschliche Nutzerinnen und Nutzer optimiert. Sie eignen sich von Haus aus nicht dazu, in einer Tabellenkalkulation oder per KI verarbeitet zu werden. Für diesen Zweck müssen sie in eine strukturierte Form überführt werden.

    Kurz: Gefragt ist eine Methode, bei der Googles Suchresultate in eine verwertbare Form überführt werden. Im Szenario hier hätte ich gern eine Excel-Liste – aber auch CSV oder Json wären okay.

    Und siehe da: Die Lösung ist erstaunlich einfach. Wir benötigen keine Scraping-Software, wie man befürchten könnte. Die gibt es (siehe hier und hier), aber sie sind aufwendig in der Handhabe. Doch um die Google-Suchresultate abzugreifen, reicht ein simples Browser-Plug-in.

    Das sind drei Kandidaten:

    Google Search Results Scraper

    Bei dieser Erweiterung für Google Chrome führen wir ganz normal unsere Websuche durch und treffen wunschgemäss unsere Sucheinstellungen (wir wählen z.B. die Suchfilter nach unserem Gusto).

    Haben wir die Resultate vor uns, wie wir sie einsammeln möchten, öffnen wir den Google Search Results Scraper und klicken auf Collect Search Results. Jetzt klickt sich die Erweiterung von einer Resultate-Seite zur nächsten und sammelt die Informationen ein. Über die Schaltfläche Save Results to Excel file werden sie als Xlsx-Datei gespeichert. Es gibt auch die Möglichkeit, die Resultate nur von einer Seite einzusammeln (Option Collect results from the current page only).

    Google Search Results Scraper klickt sich eigenmächtig durch die Resultate-Seiten.

    In der Tabelle enthalten sind die Datenfelder Source (der Name der Website), Title (der Titel der Seite), Link (die URL), Snippet (der Textauszug mit Verweis auf den Treffer) und Email (E-Mail-Adressen in einem Suchtreffer, falls vorhanden).

    Diese Erweiterung liefert exakt das Gewünschte – mit einer grossen Einschränkung, an der jedoch nicht das Plug-in die Schuld trägt, sondern die Suchmaschine. Wir erhalten nicht alle passenden Treffer, sondern nur die wichtigsten. Google verrät uns nicht, was auf der letzten Seite der Liste steht.

    Die Ausbeute von Google Search Results Scraper in Excel.

    Bei meinem Test habe ich auch in Chrome nur die 99 Top-Resultate erhalten. Das ist sehr wenig und je nach Anspruch ein echtes Problem. Wir können nur probieren, unsere Suche so ausgeklügelt zu gestalten, dass wir nur wenige, aber genau die richtigen Resultate erhalten. Ein Trick dafür wäre, die Suche in kurzen Intervallen durchzuführen; etwa einmal pro Woche mit dem Suchfilter Letzte sieben Tage.

    Google SERP Extractor Tool

    Diese Erweiterung existiert nicht nur für Chrome, sondern ebenso für Firefox. Sie erfüllt den Zweck, liefert unter Firefox leider oft nur die Treffer der ersten Seite. Warum, beschreibe ich im Detail hier.

    Das Google SERP Extractor Tool sammelt bescheidene zehn Links ein.Web Scraper ist nicht auf Google spezialisiert, muss dafür aber entprechend konfiguriert werden.

    Web Scraper

    Diese Erweiterung für Google Chrome und für Firefox funktioniert nicht nur mit Google, sondern greift beliebige Inhalte ab: Wir könnten sie mit Bing oder Duck Duck Go benutzen. Das eröffnet eine Methode, das eben beschriebene Problem der Limitierung auf weniger Resultate zu umgehen. Nachteil: Dieser Sammler muss für diese Aufgabe konfiguriert werden, was Zeit in Anspruch nimmt.

    Fazit: Praktisch, aber mit einem Pferdefuss

    Suchresultate in eine maschinenlesbare Form zu überführen, ist für vielerlei Zwecke praktisch: Wir zählen und vergleichen Inhalte via Tabellenkalkulation oder lassen eine KI auf die gesammelten Links los. In einem meiner Tests funktionierte es wunderbar, eine Liste mit Links ChatGPT im Agentenmodus zu unterbreiten und die verlinkten Websites von der KI auf bestimmte Merkmale hin untersuchen zu lassen. Der Ansatz, den Agenten auch die Google-Suche durchführen zu lassen, führte hingegen nicht zum Ziel – darum ist diese hier beschriebene Methode in so einem Fall der Schlüssel zum Erfolg.

    Aus Sicht von uns Nutzerinnen und Nutzern sollte Google standardmässig einen Knopf bereitstellen, über den sich die Liste mit einem Klick herunterladen lässt. Warum es den nicht gibt, ist nicht schwer zu erraten: Es würde Googles Position als allmächtiger Gatekeeper über die Datenschätze des Web schwächen. Zwar nur ein wenig, aber dennoch so stark, dass es einen solchen Knopf niemals geben wird.

    Es gibt ein klares Indiz dafür, dass Google derlei Scaping nicht mag. Es ist in den Nutzungsbestimmungen untersagt, und wir laufen Gefahr, uns unbeliebt zu machen – ich habe nach wenigen Tests Warnungen bezüglich ungewöhnlichen Datenverkehrs erhalten. Für Datensammlungen im grösseren Stil müssen wir auf eine andere Methode ausweichen. Ein interessanter Kandidat wäre in diesem Fall Apify – aber den habe ich im Rahmen dieses Blogposts nicht näher angeschaut.

    Beitragsbild: Von hier zu Excel in einem Klick (Cottonbro Studio, Pexels-Lizenz).

    #chrome #firefox #googologie #suchmaschine

  10. Was Googles Büroagenten können – und was nicht

    Mit den Tasks führt ChatGPT Aufgaben zeitgesteuert aus. Mich überzeugt das bislang nicht. Bei den Google Workspace Flows ist das anders. Ich bin ein Fan von Automatisierungsmöglichkeiten. Und in diesem Feld eröffnen sich neue Möglichkeiten.

    Zuerst zu den Grundlagen: Es handelt sich um Agenten in Google Workspace. Weniger technisch ausgedrückt: Autonom agierende Softwaremodule führen in der Umgebung mit den Geschäfts-Apps Aktionen aus. Es braucht einen Starter, der den Agenten in Bewegung versetzt. Und natürlich eine klare Vorgabe, welche Aktionen er ausführen soll.

    1) Die Ausgangslage

    Google kündigte die Flows im April auf der Next-Konferenz an. Seit zwei Wochen tauchen sie bei Nutzerinnen und Nutzern auf. Ich sah sie Ende letzter Woche zum ersten Mal im Geschäfts-Account meines Arbeitgebers, und hatte seitdem Zeit für einige Experimente. Falls ihr es selbst ausprobieren wollt: Ihr braucht einen Bezahl-Account und Zugang zum Gemini-Alpha-Programm.

    In Workspace Flows lassen sich Agenten manuell bauen oder auch per KI erstellen.

    Falls das gewährleistet ist, richtet ihr unter flows.workspace.google.com eure Agenten ein. Unter Discover finden sich eine Menge vorgefertigter Helferlein, die sich für eigene Zwecke adaptieren lassen. Sie geben einen Eindruck davon, was möglich ist. Und sie lassen erahnen, wo die Grenzen liegen.

    2) Auslöser: Den Agenten in Gang versetzen

    Wir können uns von Gemini einen Agenten bauen lassen – natürlich. Aber um uns einen Überblick der Möglichkeiten zu verschaffen, ist es sinnvoller, selbst Hand anzulegen. Das tun wir via Plus-Symbol. Als Erstes wählen wir einen Starter; neudeutsch würde man auch von einem «Trigger» sprechen. Das ist das Ereignis, das den Agenten in Aktion versetzt.

    Wie der Screenshot zeigt, hält Workspace ein Dutzend solcher Auslösrvor:

    Die Starter: Sie versetzen den Agenten in Bewegung.

    Der naheliegendste ist der Zeitplan (Schedule). Auch ein neues E-Mail kann einen Agenten auslösen, wobei wir die Möglichkeit haben, auf alle Nachrichten zu reagieren oder auf einen bestimmten Absender oder einen spezifischen Wortlaut zu achten. Vor allem letzteres ist vielversprechend: Ein simpler Flow setzt uns darüber in Kenntnis, dass eine Nachricht zu einem wichtigen Thema eingetroffen ist.

    Weitere Starter betreffen den Chat: Wir reagieren auf Erwähnungen, Nachrichten, Emoji-Reaktionen oder auf Neuankömmlinge in einem Gruppenbereich (Space). Auch Änderungen an Dokumenten und in der Dateiablage können Aktionen auslösen, ebenso neue Formularantworten. Mit der Option Based on a meeting führen wir Aktionen anhand von Kalendereinträgen aus. Es gibt die Option, eine bestimmte Sitzung oder die Option Every Meeting auszuwählen und die Aktion mit einem bestimmten Zeitversatz vor oder nach dem angesetzten Termin auszuführen.

    Damit ergeben sich einige Einsatzmöglichkeiten, die sich vor allem für wiederkehrende Ereignisse anbieten: Wir lassen den Agenten vor einer Sitzung die Traktandenliste verschicken oder versenden hinterher eine auf dem KI-Sitzungsprotokoll basierende Aufgabenliste.

    Gleichzeitig werden die Einschränkungen sichtbar: Die Starter sind nicht so spezifisch definierbar, wie wir es vielleicht gern hätten. Die Gästeliste und andere Elemente stehen nicht zur Verfügung. Das verwehrt uns die Möglichkeit, dem Kollegen Brahimowic (oder der Kollegin Rüdishüli), die jedes Mal fünf Minuten zu spät kommt, eine Extra-Einladung zu schicken.

    Allerdings: Es gibt im weiteren Verlauf unseres Flows die Möglichkeit, auf spezifische Gegebenheiten einzugehen. Das ist mit einem Check-if-Schritt (siehe weiter unten) realisierbar.

    3) Steps: Die Aktionen definieren

    Die Steps: Aktionen, die mittels KI oder auch anhand harter Kritierien ausgeführt werden.

    Haben wir den Auslöser festgelegt, dann fügen wir eine oder mehrere Aktionen (Steps) an. Das sind die eigentlichen Aufgaben, die der Agent erledigen soll. In vielen Fällen bietet es sich an, Gemini auf den Plan zu rufen (Ask Gemini) oder eine eigene spezialisierte Variante (Ask a Gem) zu involvieren.

    Wir können konkret

    • uns einen Überblick über die ungelesenen Mails verschaffen (Recap unread emails),
    • Informationen extrahieren (Extract),
    • Entscheidungen treffen (Decide) oder
    • Zusammenfassungen erstellen lassen (Summarize).

    Falls ihr euch fragt, was es mit den Entscheiden auf sich hat: Hier geht es darum, zu beschliessen, ob eine nachfolgende Aktion ausgeführt werden soll oder nicht. Beispiel: Wir sind in den Ferien und wollen von unserem Chef nur in Ausnahmefällen belästigt werden. Gemini soll anhand von Kriterien wie Dringlichkeit oder Überfälligkeit entscheiden, ob wir unserem Chef freundlich mitteilen, dass wir nicht verfügbar sind, oder stattdessen eine Benachrichtigung absetzen, die uns am Pool oder beim Skifahren aus unserer Entspannung reisst und darauf aufmerksam macht, dass unser Arbeitgeber leider nicht ohne uns auskommt.

    Eine ähnliche Wirkungsweise hat die Überprüfung (Check if): Bei einem Termin überprüfen wir z. B. Titel des Meetings. Das ermöglicht uns, anhand eines bestimmten Stichworts zu entscheiden, ob die weiteren Schritte ausgeführt werden sollen oder nicht. Weitere Parameter sind die Beschreibung, allfällige Anhänge und der Besprechungsort, sowie die Link zu Notizen, Kalendereintrag und Videokonferenz.

    Der Check anhand von Merkmalen, bei Mails z.B. des Betreffs oder Nachrichtentextes.

    Bei E-Mails gibt uns Check if Zugriff auf den Betreff, den Textinhalt, die ID, die Kategorie und die Adresse sowie den Klarnamen des Absenders. Anhänge und der Quellcode lassen sich nicht heranziehen.

    Weitere Verfeinerungsmöglichkeiten gibt uns das Modul Filter. Es grenzt die Auslöser ein, die tatsächlich ausgeführt werden. Wenn unserem Ablauf ein E-Mail zugrunde liegt, hält der Filter die Variable Email attachments bereit. Sie erlaubt es uns, anhand von Dateiname oder -typ zu selektieren. Unser Agent könnte sich so auf PDFs von bestimmten Personen beschränken und die in Google Drive speichern.

    Und eine echte Geheimwaffe ist der Schritt Send a webhook. Sie eröffnet uns einen Weg ins freie Netz und zu beliebigen Anwendungen, die sich mit dieser Methode steuern lassen. Nur ein Beispiel: Über die Rest-API von Word­press oder ein passendes Plug-in liesse es sich einrichten, dass ein Mail von einem bestimmten Absender sofort im Blog veröffentlicht wird.

    Zu den weiteren zur Verfügung stehenden Aktionen:

    • Gmail:
      Mails verschicken, eine Antwort entwerfen, eine Nachricht mit einem Label versehen, als gelesen markieren, als ungelesen markieren, mit Stern versehen, den Stern entfernen, weiterleiten oder archivieren.
    • Chat:
      In einem Gruppenbereich posten, eine Nachricht senden, im Chat benachrichtigt werden.
    • Sheets: Eine Zeile einfügen, eine Zeile aktualisieren, eine Zeile löschen oder eine Tabelle abrufen.
    • Drive:
      Einen Mailanhang sichern, einen Ordner erstellen.
    • Kalender:
      Einen Eintrag hinzufügen, Gäste zu einer Sitzung hinzufügen.
    • Docs: Eine Textdatei anlegen, etwas zu einem Dokument hinzufügen.
    • Tasks:
      Eine Aufgabe hinzufügen.

    Des Weiteren stehen in den Flows Dritt-Apps zur Verfügung, namentlich Confluence, Jira, Mailchimp, Quickbooks und Salesforce.

    Grenzen, Risiken und Nebenwirkungen

    Fazit: Keine Frage, es steckt eine Menge Potenzial in den Flows. Das erschliesst sich uns Nutzerinnen und Nutzern nicht sofort: Ich hielt die Starter anfänglich für zu eingeschränkt, bis mir aufgegangen ist, dass sie erst in Kombination mit den Funktionen Check if und Filter ihr wahres Potenzial entfalten. Mir gefällt überdies, dass die Flows nicht ausschliesslich auf die künstliche Intelligenz setzen, sondern auch klassische deterministische Ansätze bereithalten: Filterungen und Entscheidungen lassen sich auch anhand «harter» Kriterien wie Dateinamen oder Titeln von Kalendereinträgen treffen.

    Nach gut einer Woche des Experimentierens erlaube ich mir kein abschliessendes Urteil. Ich bin sicher, dass wir gerade bei ausgefalleneren Ideen schnell an Grenzen stossen werden. Es ist wie bei der Kurzbefehle-App von Mac, iPhone und iPad, die einige Ähnlichkeiten zu den Flows aufweist: Sie bringt uns auf Ideen für Workflows, die im Alltag nicht richtig funktionieren oder schnell an Grenzen stossen. Es würde mich nicht überraschen, wenn auch mit den Flows sich spezifische Ideen nicht realisieren lassen, weil ein bestimmter Parameter nicht zugänglich ist oder Gemini unsere Absichten zu wenig gut versteht oder keinen qualitativ ausreichenden Output liefert.

    Das Beispiel: Jeden Morgen eine Übersicht der wichtigen Mails.

    Einer meiner ersten Agenten ist dazu da, mir am Morgen eines jeden Arbeitstags eine Übersicht meiner E-Mails zu liefern. Er soll speziell auf die Mitteilungen von Arbeitskollegen achten, bei den Medienmitteilungen eine Triage nach Wichtigkeit vornehmen und die Newsletter nach herausragenden Neuigkeiten absuchen. Das funktioniert nicht schlecht und ist eine Arbeitserleichterung. Aber es ist nicht wegzudiskutieren, dass ich eine Aufgabe delegiere, die ich selbst erledigen müsste – zumindest dann, wenn ich mir sicher sein will, dass sie nach meinen Kriterien und Vorlieben erledigt wurde.

    Darum bleibt es dabei: Im Idealfall spart die KI Zeit mit einer lästigen Routinearbeit. Aber die Verantwortung, dass nichts Wichtiges übersehen wurde, verbleibt weiterhin bei uns selbst. Ausserdem stellte ein Arbeitskollege fest, dass die KI in bestimmten Situationen, die sie (auch aus nichtigen Gründen) als heikel erachtet, die Ausführung verweigert: Das beeinträchtigt die Zuverlässigkeit.

    Beitragsbild: Schon klar, wer hier den Durchblick hat (Vitaly Gariev, Unsplash-Lizenz).

    #automatisierung #googologie #ki #tldr #office

  11. Es könnte sein, dass die Google-Suche manche User benachteiligt

    Die Google-Suche ist kaputt und keiner merkt es: Das war mein Befund im August 2023. Er basierte auf der Tatsache, dass im Firefox-Browser nur wenige Suchresultate zugänglich sind. Meistens umfasst die Liste der Links nur eine einzige Seite. Das sind rund vierzig bis siebzig Treffer in Fällen, bei denen das Web Tausende passender Sites bereithält.

    Das ist ein echtes Problem. Wir können nicht davon ausgehen, dass Google so gewichtet, wie wir es tun würden. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass ein wichtiges Resultat nicht auf der ersten, sondern erst auf der zweiten, dritten oder fünften Seite zu finden ist. Doch da diese Inhalte nicht aufgeführt werden, können wir sie nicht überprüfen: Google gaukelt uns vor, sie seien inexistent.

    Auch die nicht-personalisierten Resultate weisen Unterschiede auf

    Hat bei Google irgendjemand diesen Missstand bemerkt? Wurde das Problem in den letzten zwei Jahren eventuell sogar behoben? Anfang Oktober machte ich die Probe aufs Exempel und stellte fest: Nein, keineswegs. Die Sache ist im Gegenteil  noch schlimmer – oder sagen wir: dubioser – geworden.

    Lasst mich das anhand eines Beispiels erklären. Es bezieht sich auf eine Suche nach meinem Namen¹, zeitlich beschränkt auf die letzten sieben Tage. Google offeriert seit Ende 2024 die Option, die Personalisierung abzuschalten, was ich für mein Experiment natürlich tue. Denn ist die Personalisierung aktiv, fallen die Resultate in verschiedenen Browsern zwangsläufig unterschiedlich aus, da die gespeicherten Nutzerinteressen nicht identisch sind. Mit der neutralen Voreinstellung dürfen wir erwarten, dass Google in Firefox und in Chrome identische Listen liefert.

    Ist das der Fall?

    Auf den ersten Blick ähnliche Resultate: Firefox links, Google Chrome rechts.

    Erstaunlicherweise nicht. Wir konstatieren im Gegenteil beträchtliche Unterschiede:

    • Es gibt Abweichungen beim Layout. Der Hinweis der Personalisierung erscheint bei Firefox prominenter als bei Chrome.
    • Die Bilder werden unterschiedlich platziert.
    • Und vor allem zeigt Chrome eine Navigation mit insgesamt vier Trefferseiten. Klickt man auf Weiter, wird bereits die zweite Seite als letzte angegeben; die Seiten drei und vier verschwinden auf mysteriöse Weise. Dennoch gibt uns Chrome zehn weitere Links, die bei Firefox fehlen.

    Wir halten fest, dass Chrome mehr als doppelt so viele Resultate bereitstellt wie Firefox. Das ist eine klare, massive Benachteiligung des Konkurrenz-Browsers.

    Diskrepanzen sind ferner bei den aufgeführten Links selbst zu beobachten:

    • Es gibt sieben Treffer, die übereinstimmend in beiden Listen vorkommen:
      meine Website Clickomania mit der Start- und der Autorenseite, mein Facebook- und mein Twitter-Account, meine Alltags-Tipps zur KI beim  «Tagesanzeiger» sowie der Artikel zur ChatGPT-Kindersicherung aus dem «Tagi».
    • Zwei Treffer sind nur in der Liste von Firefox enthalten:
      die KI-Alltags-Tipps bei der «Berner Zeitung» und eine Veranstaltung der Kirche Marburg, in der ein Namensvetter von mir erwähnt wird.
    • Zwei andere Treffer tauchen nur bei Chrome auf:
      die Kindersicherung von ChatGPT in der «Berner Zeitung» und ein KI-FAQ von Kollega Zeier.

    Was Google treibt, ist unfair und undurchsichtig

    Sind diese Abweichungen von Bedeutung? Darüber kann man geteilter Meinung sein. Qualitativ halte ich die Resultate für vergleichbar. Müsste ich mich entscheiden, würde ich einen leichten Vorteil bei Firefox orten: Die Artikel in dieser Liste stehen in engerem Bezug zu meinem Namen (bzw. zu dem meines Namensvetters), während Chrome zwei Treffer auf Artikel liefert, in denen ich lediglich bei den Verweisen auf ähnliche Artikel am Ende der jeweiligen Veröffentlichungen vorkomme.

    Trotzdem beurteile ich diesen Befund kritisch. Ich führe grundsätzliche Überlegungen ins Feld: Es kann nicht angehen, dass Firefox-Nutzerinnen und -Nutzer bei der Menge der Resultate benachteiligt werden. Es ist inakzeptabel, dass dieses Problem nach zwei Jahren nicht beseitigt wurde. Nebenbei rufe ich in Erinnerung, dass Google bei den mobilen Browsern offensiv versucht, die Firefox-User aus dem Browser in die eigene App abzuwerben.

    Die Forderung ist einfach: Gleiche Resultate in allen Browsern

    Dass sich die Resultate unterscheiden, werte ich als Anzeichen für eine weitergehende Ungleichbehandlung. Was Google mit ihr bezweckt und wie schlimm sie ist, lässt sich anhand dieses Tests hier nicht erhärten. Aber bekanntlich hat Google eine Vorgeschichte und eine angeschlagene Reputation: Der Konzern halte bei der Websuche eine Monopolstellung und habe diese auf illegale Weise ausgenutzt, urteilte ein US-Gericht im letzten Jahr. Anfang September brummte die EU-Kommission Google eine Milliardenbusse auf.

    Hier ein zweiter Vergleich, der nur die Resultate bis 2024 berücksichtigt – sodass keine ganz neuen Ergebnisse das Resultat verzerren sollten. Auch hier zeigen sich bemerkenswerte Unterschiede allein anhand der Bilder. Unterschiede gibt es auch bei der Reihenfolge und inhaltlich: Der Link zum WDR von Firefox fehlt bei Chrome, dafür findet sich dort ein Verweis auf ein Buch des Nord-Süd-Verlags und auf die AG Theater Rämibühl. Chrome hat auch einen exklusiven Verweis auf Spotify; wiederum nur bei Firefox findet sich ein Link zu Disney+. Immerhin: Die Zahl der Resultate ist in beiden Fällen gleich (356).

    Bei dieser Strafe geht es zwar um das Werbegeschäft und nicht um die Suchmaschine. Dennoch drängt sich mir die Frage auf, ob im Licht dieser Geschäftspraktiken die vorliegenden Beobachtungen nicht als Indiz für weitere Verfehlungen zu werten sind. Wie auch immer: An Sundar Pichais Stelle nähme ich die klare Haltung der Justiz zum Anlass, vorsichtiger zu agieren und den Entscheid von Nutzerinnen und Nutzern für einen alternativen Browser zu respektieren.

    Fussnoten

    1) Ich verwende dieses Beispiel nicht aus Egomanie, sondern weil ich Treffer über mich besser beurteilen kann als zu einem anderen Thema, bei dem ich weniger gut über die laufenden Aktivitäten im Bilde bin. ↩

    Beitragsbild: Bei Google klarzusehen, ist schwierig bis unmöglich (Maik Winnecke, Unsplash-Lizenz).

    #browser #chrome #onlineshit #firefox #googologie #suchmaschine #wochenkommentar

  12. Eindruck schinden mit Notebook LM

    Notebook LM mauserte sich in den letzten Monaten zu einem wichtigen Hilfsmittel für Informationsarbeiter. Im Kern ist es eine Ablage für digitale Dokumente zu einem bestimmten Thema – wie ein Ordner auf der Festplatte. Der eigentliche Clou ist – wie das LM im Namen verrät –, dass diese Ablage mit einem Language Model (Sprachmodell) ausgestattet ist.

    Es hilft bei der Auswertung der Informationen: Wir stellen Fragen zum Inhalt und lassen uns von der künstlichen Intelligenz die wichtigsten Punkte herausarbeiten und Dinge wie Zeitleisten oder Personenverzeichnisse generieren. Und wie in einem normalen Notizbuch dürfen wir eigene Notizen, Ideen und To-dos erfassen.

    Notebook LM von Google: Links die Quellen, in der Mitte der Chatbereich und rechts die Notizen mit den visuellen und multimedialen Auswertungs-Features.

    Der entscheidende Unterschied zu «normalen» KI-Anwendungen wie ChatGPT oder Claude besteht darin, dass sich die Antworten auf das eigene Material beziehen und nicht aus dem allgemeinen Fundus des Trainingsmaterials¹. Seit ich Notebook LM vor gut anderthalb Jahren vorstellte, sind viele Neuerungen dazugekommen. Nicht zuletzt gibt es die Oberfläche inzwischen auch in Deutsch.

    Eine wichtige Neuerung sind die diversen Methoden, mit denen sich der Inhalt visuell und multimedial erschliessen lässt. Sie finden sich im rechten Bereich mit der Bezeichnung Studio:

    1) Das Recherchematerial als Podcast

    Die Audiozusammenfassung ist eine Art Kurzpodcast, bei dem sich zwei Personen über das gesammelte Material unterhalten. Ich führe sie gern bei meinen Schulungen zur KI-Recherche vor, denn sie ist für einen echten Überraschungseffekt gut – zumal bei Leuten, die nicht sehr tief in der KI-Materie drinstecken.

    Die Meinungen gehen jeweils auseinander, ob das eine reine Spielerei oder eine nützliche Funktion ist. Mindestens ein Kollege lässt sich die Audiozusammenfassungen seiner wissenschaftlichen Paper herunter und hört sie sich beim Joggen an – eine Methode, für die ich höchste Sympathien hege. Auf alle Fälle demonstriert dieser virtuelle Podcast die Idee des Liquid Content. Sie besagt, dass sich Inhalte mittels künstlicher Intelligenz in höchst unterschiedliche Darreichungsformen verwandeln lassen.

    Die Varianten für den virtuellen Podcast.

    Durch einen Klick aufs Bleistift-Symbol wählen wir die Sprache der Audiozusammenfassung. Wir haben vier Varianten zur Auswahl, nämlich die detaillierte Analyse, die Zusammenfassung, die kritische Bewertung und eine Diskussion. Und wir dürfen jeweils den Prompt anpassen und dort festlegen, welche Aspekte uns besonders interessieren.

    2) Die Mindmap

    Seit Kurzem erstellt Notebook LM auch Mindmaps. Nachfolgend ein Beispiel mit dem Material, das ich für meinen Artikel 50 Jahre an der Weltspitze: Ist der Erfolg von Microsoft verdient? sammelte (und kaum brauchte, weil mir die wichtigen Punkte alle selbst eingefallen sind).

    In der App ist die Grafik interaktiv, d. h., die einzelnen Äste dürfen aus- und wieder eingeklappt werden: Ohne Zweifel ist das eine hervorragende Möglichkeit, sich mit Details zu beschäftigen und gleichzeitig das grosse Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Ich fände es toll, solche Mindmaps hier im Blog integrieren zu können. Das geht bisher leider nicht.

    Aus dem gesammelten Material erstellt Notebook LM diese Mindmap.

    3) Karteikarten

    Die Lernkarten – in diesem Fall nützlich für Leute, die sich um die Nachfolge von Satya Nadella bewerben möchten.

    Diese Option richtet sich weniger an Journalistinnen und Journalisten, sondern an Schüler und Studentinnen. Die Karteikarten sind dazu gedacht, sich intensiv mit einem Thema auseinanderzusetzen und sattelfest genug für eine Prüfung zu sein.

    Und ja, wenn wir darüber nachdenken, könnte das auch für andere Nutzerinnengruppen nützlich sein: Manager, die sich in einer Sitzung oder in einer Medienkonferenz kritischen Fragen stellen müssen, und Bloggerinnen, die an eine Fernsehdiskussion eingeladen sind, um über ein kniffliges Thema detailkundig Auskunft geben zu können.

    4) Berichte

    In diesem Bereich finden sich diverse Auswertungsformen: Überblick, Lernplan, Strategie-Memo, historische Fallstudie, biografisches Porträt, chronologischer Überblick oder auch der Blogpost. Auch hier wählen wir die Sprache und passen den Prompt an. Wir haben die Möglichkeit, einen eigenen Bericht einzurichten. Aus journalistischer Sicht bietet es sich an, die wichtigsten Punkte aufzuzählen und so gliedern zu lassen, dass sie sich spannend und flüssig erzählen lassen.

    Notebook LM hält sieben Varianten für die unterschiedliche Darstellung der Inhalte parat.

    5) Quiz

    Wie der Name sagt: Mit dieser Option finden wir auf spielerische Weise heraus, wie gut wir mit der Materie vertraut sind. Zum erwähnten Beispiel des Microsoft-Jubiläums liefert mir Notebook LM zehn Fragen, erstens: «Was war der entscheidende strategische Vorteil im Vertrag zwischen Microsoft und IBM im Jahr 1980, der den Grundstein für den Erfolg von Microsoft legte?» Die Antwort gibt es im oben verlinkten Beitrag.

    6) Videoübersicht

    Diese Option generiert entweder ein Erklärvideo oder aber eine Zusammenfassung. In den Einstellungen haben wir mehrere visuelle Stile zur Auswahl (klassisch, Whiteboard, Wasserfarben, Retro-Druck, traditionell, Papierkunst und Anime). Wir geben die Sprache vor und passen den Prompt unseren Vorstellungen an.

    Für die Videozusammenfassung dürfen wir Stil, Sprache und, via Prompt, auch die Stossrichtung festlegen.

    Ich habe die Videozusammenfassung für zwei meiner Demo-Notizbücher ausprobiert. Microsofts 50-Jahre-Jubiläum mit den Standard-Optionen führt zu einem fast achtminütigen Clip, der mittels KI-generierter Grafiken die Historie kurz nachzeichnet.

    Die Erzählweise ist nüchtern bis leicht langweilig und entspricht dem Ansinnen, die Story des Unternehmens linear zu erzählen. Ein Journalist und eine Kennerin von Microsoft hätten eigene Akzente gesetzt und nicht nur die wichtigen Ereignisse aufgezählt, sondern auch vermeintlich unwesentliche Episoden herangezogen, um das Gespür für das Unternehmen und die prägenden Figuren herauszuarbeiten.

    Und wir müssen nicht darüber diskutieren, dass ein längeres Video, das aus computergenerierten Bildern besteht und keinerlei Originalmaterial präsentiert, schnell blutleer und abgehoben wirkt.

    [youtube youtube.com/watch?v=u9aUp74Vjz]

    Das gilt auch fürs zweite Beispiel: Es basiert auf den Biografien von Walter Isaacson über Steve Jobs. Wie oben ersichtlich, habe ich einen reichlich zugespitzten Prompt verwendet, der die beiden Tech-Grössen in einem Kampf um den Titel des grössten Innovators aller Zeiten antreten lässt.

    Ohne Zweifel: Es ist beeindruckend, wie die künstliche Intelligenz einen solchen Clip in einer halben Stunde aus dem (nicht vorhandenen) Ärmel schüttelt. Es ist nicht verwunderlich, dass sich manche Menschen eingeschüchtert oder gar komplett ersetzbar fühlen, weil sie für die gleiche Arbeit Tage oder eher Wochen gebraucht hätten.

    [youtube youtube.com/watch?v=c0KtmTwpO3]

    Aber das Jobs-Musk-Beispiel ist für mich vor allem ein Beweis dafür, dass Minderwertigkeitsgefühle nicht angebracht sind. Ich wäre (mutmasslich) zu einem diametral anderen Fazit gelangt als die KI – und zwar, weil ich ein Mensch bin und als solcher manche Dinge unweigerlich anders gewichten würde.

    Vor allem bin ich überzeugt, dass eine lebende Videokünstlerin diesen Clip knackiger hinbekommen hätte – mit einem weniger buchhalterischen Ansatz. Sie hätte es geschafft, die Emotionen eines Wettkampfs zu wecken, die bei Gemini in keiner Sekunde spürbar sind.

    Das heisst für mich: Die hier gezeigten KI-Videos, aber auch die Audiozusammenfassungen würde ich nie eins zu eins veröffentlichen. (Dass ihr sie hier seht, ist die Ausnahme von der Regel, die die Regel bestätigen soll.) Das entspricht nicht meinem Ansatz als Blogger und meinem journalistischen Ethos schon gar nicht. Es kann sinnvoll sein, einen simplen, unbestrittenen Sachverhalt auf diese Weise darzulegen. Aber als Journalismus-Ersatz taugen diese KI-Medien nicht.

    Halten wir fest, dass wir biologischen Daseinsformen mit unserer Fantasie, den Erfahrungen, Bauchgefühlen und Intuitionen weiterhin als einzige in der Lage sind, echte, wahre Kunst zu produzieren.

    👉 Wie sich die grafischen Möglichkeiten bei grossen Datenmengen anwenden lassen, beschreibe ich im Beitrag Wie aus einer verwickelten Geschichte eine anschauliche Grafik entsteht.

    Fussnoten

    1) Für das implizite Weltwissen, das im gesammelten Bestand nicht vorhanden ist, braucht es den Rückgriff aufs Trainingsmaterial natürlich trotzdem. ↩

    Beitragsbild: Das Video zu 50 Jahre Microsoft am Handydisplay.

    #Gemini #Googologie #KI
  13. Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft

    KI-Antworten statt klassischer Suchresultate: Ist das ein Grund, Google zu boykottieren? Selbstverständlich ist das eine persönliche Entscheidung, auch wenn es triftige Gründe für eine Neuorientierung gibt. Als Reaktion auf meine Ausführungen zum Thema gab es eine interessante Reaktion auf Mastodon: Es bringe nichts, auf Bing oder Duck Duck Go umzusteigen, weil man damit – ich paraphrasiere – den Teufel mit dem Beelzebub austreibe.

    Denn in der Tat: Viele der kleinen Suchmaschinen sind nur vermeintlich eine Alternative zum Marktführer. Denn sie funktionieren nicht eigenständig, sondern greifen ebenfalls auf den Google-Index zu. Ein Phänomen, das wir von den Browsern kennen. Die meisten Drittprogramme basieren wie Chrome auf dem von Google entwickelten Open-Source-Browser Chromium: Microsoft Edge, Opera, Vivaldi, Brave, Comet und Arc, um nur einige zu nennen.

    Die Abhängigkeiten werden komplizierter, aber kaum kleiner

    Das heisst: Leute, die sich einem dieser Produkte zuwenden, um ihre Unabhängigkeit von Google zu verringern, verfehlen ihr Ziel. Zwar bestimmt ein zwischengeschaltetes Unternehmen den Funktionsumfang des Programms. Doch die Marschrichtung wählt noch immer Google. Das zeigt sich bei weitreichenden Eingriffen wie beispielsweise den Schnittstellen, die den Browser-Erweiterungen zur Verfügung stehen.

    Zwischenbemerkung: Allein deswegen ist es bedauerlich, dass Richter Amit Mehta am Bezirksgericht des Districts of Columbia Google neulich nicht zwang, Chrome und Android zu verkaufen.

    Die interessante Frage ist an diesem Punkt: Wie viel Google handeln wir uns bei der Verwendung einer bestimmten alternativen Suchmaschine ein? Das ist nicht einfach zu bestimmen, da die Betreiber kein Interesse haben, das offenzulegen. Diese Information passt schlecht zum Bemühen, sich als Auswahlmöglichkeit zu präsentieren.

    Bing dominiert bei den Google-Alternativen

    Bei der besagten Diskussion auf Mastodon machte mich Raoul René auf einen interessanten Blogpost aufmerksam: Er schlüsselt auf, welcher Index bei den jeweiligen Suchanbietern zum Zug kommt.

    Der Blogpost erwähnt, dass die russische Suchmaschine Yandex teilweise Resultate für Duck Duck Go geliefert habe, diese Zusammenarbeit derzeit jedoch auf Eis liege. Und ergänzt sei, dass die gern empfohlene Suchmaschine Kagi.com zwar eigene Crawler verwendet, aber auf Bing nicht verzichten kann.

    Wir fragen uns an dieser Stelle bang, ob es kein Entrinnen vor Google und Microsoft gibt. Und in der Tat, scheint das unglücklicherweise so zu sein:

    Mojeek betreibt einen eigenen Idex

    Es gibt zwar Anbieter, die eigene Indizes betreiben. Doch die können kaum mit den ganz Grossen mithalten. Als echte, unabhängige Alternativen dürfen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – diese Suchmaschinen gelten:

    Gut zu wissen – aber wir müssten sehr hart gesotten sein, um uns zuzutrauen, mit diesen vier Rechercheinstrumenten über die Runden zu kommen. Sollten wir uns entscheiden wollen, nichts mehr mit Big Tech zu tun haben zu wollen, dann hätten wir allerdings gar keine andere Wahl.

    Bleibt nur, zum Aussteiger zu werden?

    Wir kommen zur Einsicht, dass uns das moderne Leben nicht erlaubt, alle unsere Überzeugungen konsequent durchzusetzen: nie mehr fliegen, nur noch vegan oder gar frutan essen, CO₂-neutral wohnen und Konsum rein nach Kriterien der Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltverträglichkeit – dieser Aussteiger-Lifestyle ist unvereinbar mit einem normalen Erwerbs- und Sozialleben. Wir kommen um eine pragmatische Haltung nicht herum. Das heisst: Keine komplette Abnabelung von Microsoft und Google, aber eine Reduktion, mit der wir den Schutz unserer persönlichen Daten merklich verbessern und unsere Abhängigkeit bewusst verringern. Schon das ist gut für uns selbst und ein Zeichen gegen die digitale Monokultur.

    Beitragsbild: Das ist nicht übertrieben (ev, Unsplash-Lizenz).

    #Browser #Chrome #Datenschutz #Googologie #Suchmaschine #Wochenkommentar

  14. Apple und Google als Komplizen von ICE

    Fast wie Pokémon Go – bloss ist es eben kein Spiel, sondern blutiger Ernst: Es geht um die Warn-Apps, mit denen sich Immigranten darüber informieren können, ob in ihrer Umgebung ICE-Agenten aktiv sind. Denn wie wir wissen, geht die Einwanderungsbehörde nicht zimperlich vor. Sie greift Menschen auf, die optisch ins Raster passen – der Vorwurf des Racial Profilings steht im Raum – und sie zieht Einsätze radikal durch, selbst wenn Familien und kleine Kinder betroffen sind.

    John Oliver legte die Situation vor einem Monat in seiner Sendung dar und liess nichts an Klarheit zu wünschen übrig: ICE stehe unter Druck, Quoten zu erfüllen. Die Behörde konzentriere sich auf Menschen, die in der Öffentlichkeit exponiert seien, und weniger auf Kriminelle, die man erst aufspüren müsse. Sie nehme «Kollateralschäden» in Kauf, und um jemanden festzuhalten, benötige sie keinen hinreichenden, sondern bloss einen Verdacht (reasonable suspicion). Fazit von John Oliver:

    Ich sage nicht, dass alles, was ICE derzeit tut, illegal ist. Ich sage nur, dass vieles davon wirklich illegal sein sollte.

    [youtube youtube.com/watch?v=DfTBhrkae7]

    Damit steht ausser Frage, dass die Benutzung einer solchen App ein Akt der Selbstverteidigung ist.

    Wer ist das Opfer, wer der Täter?

    Doch letzte Woche wurde bekannt, dass Apple die App ICE Block aus dem Store verbannt hat. Gemäss Medienberichten begründete Apple das gegenüber dem Entwickler Joshua Aaron mit den Worten, ICE Block verletze in Bezug auf «anstössige und verleumderische, diskriminierende oder böswillige Inhalte» die App-Store-Richtlinien:

    «Informationen, die Apple von Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt wurden, zeigen, dass Ihre App gegen die App-Store-Richtlinien verstösst, da ihr Zweck darin besteht, Standortinformationen über Strafverfolgungsbeamte bereitzustellen, die dazu verwendet werden können, diesen Beamten einzeln oder als Gruppe Schaden zuzufügen.»

    Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Apple die Tatsachen verdreht – ausser, wenn man den «Schaden» so interpretieren möchte, dass die Warn-App dazu führt, dass ICE die Quote weniger leicht erfüllt. Joshua Aaron spart auf seiner Website nicht mit Kritik an Apple:

    Ich bin unglaublich enttäuscht von Apple. Sich einem autoritären Regime zu beugen, ist niemals der richtige Schritt. (…) ICE Block unterscheidet sich nicht von Crowdsourcing-Blitzerwarnungen, die jede namhafte Kartenanwendung, einschliesslich der Apple-eigenen Karten-App, als Teil ihrer Kerndienste implementiert. Dies ist durch das Recht auf freie Meinungsäusserung gemäss dem ersten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten geschützt.

    Google zeigt ebensowenig Rückgrat. Der Android-Konzern entfernte vor einer Woche die App Red Dot aus dem Play Store. Wie «404 Media» darlegt, ist die Täter-Opfer-Umkehr noch krasser als bei Apple. Google praktiziert das orwellsche Kunststück, die ICE-Beamten «als gefährdete Gruppe» («vulnerable Group») zu apostrophieren.

    Apple löscht auch eine Dokumentations-App

    Das Icon der Eyes-Up-App.

    Vorgestern wurde publik, dass auch die App Eyes Up aus Apples Store weichen musste (bei Google ist sie noch vorhanden). Sie archiviert Videos der ICE-Einsätze, die auf Tiktok, Instagram und in sozialen Medien kursieren. Die Betreiber prüfen sämtliche Einsendungen auf Relevanz und Richtigkeit. An der Rechtmässigkeit dieser App ist nicht zu zweifeln. Das American Immigration Council setzt sich für faire Einwanderungsgesetze ein, und Aaron Reichlin-Melnick erklärt als Senior Fellow im Namen der Organisation:

    Wie jede andere Regierungsbehörde ist auch das DHS verpflichtet, sich an die Gesetze zu halten. Die Sammlung von Videobeweisen ist ein wirksames Kontrollinstrument. Es stellt sicher, dass die Regierung die Rechte von Bürgern und Einwanderern gleichermassen achtet. Die Menschen haben das Recht, Interaktionen mit Strafverfolgungsbehörden im öffentlichen Raum zu filmen und diese Videos mit anderen zu teilen.

    Die Entfernung dieser App aus dem Store lässt sich nicht mit dem Schutz der ICE-Agenten begründen. Im Gegenteil: Die Dokumentierung ihrer Arbeit schützt die Agenten – natürlich vorausgesetzt, dass sie sich rechtskonform verhalten. Wenn das Sammeln solcher Videos von vornherein unterbunden werden soll, dann nährt das den Verdacht, dass systematisch Dinge geschehen, die von der Öffentlichkeit geheimgehalten werden sollen. Wenn Apple dazu Hand bietet, dann begibt man sich in Komplizenschaft mit einer staatlichen Organisation, die nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger handelt.

    «Die Lösung finden, die Nutzern am besten dient»

    Zwei Feststellungen:

    Erstens muss es möglich sein, auch ohne Billigung der Betriebssystem-Hersteller Software aufs Smartphone zu bringen. Wir brauchen dringend Ausweich-App-Stores – und zwar nicht nur in der EU, sondern weltweit.

    Zweitens ist es unvermeidlich, das Offensichtliche konkret zu benennen. Die Heuchelei der Tech-Konzerne ist zwar nicht sonderlich überraschend, aber dennoch beschämend.

    Im Mai 2025 bekennt sich Apple – inklusive Leitwort von Tim Cook – zu den Menschenrechten.

    Auf Apples Website findet sich das «Bekenntnis zu den Menschenrechten» (PDF). Es stammt aus dem Mai 2025. Tim Cook steuerte ein Zitat bei und der Konzern proklamiert, er wolle die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte hochhalten. Drei Kernsätze aus dieser Zielsetzung:

    • Hand in Hand mit dem Datenschutz unserer Nutzer geht unser Engagement für Informations- und Meinungsfreiheit.
    • Apples Seele sind die Menschen. Deshalb verpflichten wir uns, die Menschenrechte aller zu achten, deren Leben wir berühren – einschliesslich unserer Mitarbeiter, Lieferanten, Auftragnehmer und Kunden.
    • Wir sind verpflichtet, die lokalen Gesetze einzuhalten. Manchmal gibt es komplexe Fragen, bei denen wir mit Regierungen und anderen Interessengruppen unterschiedlicher Meinung darüber sind, wie der richtige Weg vorwärts aussieht. Durch Dialog und den Glauben an die Kraft des Engagements versuchen wir, die Lösung zu finden, die unseren Nutzern am besten dient – ihrer Privatsphäre, ihrer Möglichkeit, sich auszudrücken, und ihrem Zugang zu zuverlässigen Informationen und hilfreicher Technologie.

    Doch wo ist im Fall der ICE-Apps der Dialog und die «Kraft des Engagements»? Oder sind das doch nur hohle Worte?

    #AppStores #Apple #Googologie #Politik #Wochenkommentar
  15. Wie viel Datenmüll gibt es im Web?

    Passiert euch das auch? Ich begegne in letzter Zeit im Netz ständig Inhalten, die gar nicht für mich oder irgendeinen anderen Menschen bestimmt sind. Das Zielpublikum ist eine Maschine; ein sogenannter Webcrawler.

    Von denen gibt es eine ganze Menge¹, doch die grosse Aufmerksamkeit geniesst ein einziger «Kriecher». Er bildet das Web für die Suchmaschine von Google ab. Seine Befunde bestimmen, was bei Google in den Suchresultaten auftaucht – und an welcher Position. Das macht den Googlebot so attraktiv, dass unzählige sogenannte Suchmaschinenoptimierer (SEO) riesige Anstrengungen darauf verwenden, kleine Beutestücke auszulegen. Falls der Googlebot sie schluckt, hat das zur Folge, dass ein bestimmtes Produkt, ein Unternehmen oder vielleicht auch eine Person in den Resultaten ein bisschen nach oben rückt.

    Der Müll stinkt nicht und er nimmt auch keinen Platz weg

    Sind diese für Maschinen gemachten Inhalte ein Problem? Man kann sie als eine Art digitale Umweltverschmutzung betrachten. Aber anders als Abfall in der echten Welt nimmt der «SEO-Müll» im Netz keinen Platz weg. Er stinkt nicht und man kann ihn einfach ignorieren.

    Kurzer Einschub: Um die Metapher nicht zu überstrapazieren, werde ich in der Folge nicht von «Müll», sondern neutral von SEO-Inhalten sprechen.

    Was die Frage angeht: Ja, die SEO-Inhalte sind ein Problem. Sie verfälschen Resultate und verringern die Qualität nicht nur von Google, sondern auch von Bing, Duck Duck Go und den anderen klassischen Suchmaschinen. Und sie verschlechtern auch das Netz selbst. Bedauerlicherweise ist es nicht so, dass SEO-Inhalte immer erkennbar wären. Im Gegenteil, sie werden mit allen Mitteln kaschiert. Zu den Tarn-Methoden gehören folgende:

    • Der «Müll» wird unter qualitativ gute Inhalte gemischt: Hier die Beispiele von «Mashable» und von Claude Longchamp.
    • Eine renommierte Website verschwindet und unter der alten Adresse taucht eine digitale Abfallhalde auf: exemplarisch dafür steht publisher.ch.
    • Es werden Websites in grösserer Zahl mit überschneidenden Inhalten ins Web gestellt. Ein Beispiel dafür ist das angebliche KI-Journalismus-Projekt der First Consulenza AG aus Basel, über das ich im letzten Jahr einen Mehrteiler schrieb (Teil 1, Teil 2 und Teil 3).
    • Es existiert eine Reihe von technischen Tricks: Texte und Links werden mittels CSS versteckt, hinter Bildern platziert oder in Kommentaren untergebracht, wo sie Menschen nicht auffallen.

    Vor allem aber werden Bloggerinnen, Internetpublizisten und Medienplattformen korrumpiert. Wie das abläuft, habe ich anhand von Angeboten von SEO-Unternehmen wie Trustfactory und UK Linkology dokumentiert.

    Ein Problem, für das sich kaum einer interessiert

    Drei Fragen bleiben, nämlich: Wie gross ist das Problem? Wie viele SEO-Inhalte gibt es im Netz? Und: Lässt sich das überhaupt quantifizieren?

    Erstaunlicherweise gibt es darauf keine guten Antworten. Niemand scheint eine Studie dazu durchgeführt zu haben, obwohl es offensichtlich ein Aspekt ist, der das Web ganz direkt betrifft. Und da das Web das wichtigste Instrument zur globalen Informationsvermittlung ist, sollte man meinen, dass wir diesen Einfluss kennen und verstehen sollten.

    Ich habe versucht, mich einer Antwort wenigstens anzunähern. Bei der Cornell University habe ich ein Paper von Ende März gefunden, bei dem es um den Anteil der KI-generierten Inhalte im Web geht:

    Durch die Analyse der Häufigkeit bestimmter Schlüsselwörter, die häufig von ChatGPT verwendet werden, zeigt diese Arbeit, dass solche sprachlichen Marker effektiv genutzt werden können, um das Vorhandensein generativer KI-Inhalte im Internet zu schätzen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass mindestens dreissig Prozent der Texte auf aktiven Webseiten aus KI-generierten Quellen stammen, wobei der tatsächliche Anteil wahrscheinlich bei vierzig Prozent liegt.

    Zurück zur SEO: Es wäre falsch, KI-generierte Inhalte mit SEO-Content gleichzusetzen. Es werden auch Texte, die sich an Menschen richten, mit künstlicher Intelligenz hergestellt. Umgekehrt existiert die Suchmaschinenoptimierung schon länger als ChatGPT, sodass noch viele handgefertigte SEO-Texte auf irgendwelchen Webservern liegen.

    Alle tun es – aber keiner spricht darüber

    Darum erlaube ich mir, mich für eine grobe Einordnung an diesen Zahlen zu orientieren und hier zu konstatieren, dass das Ausmass wahrscheinlich grösser ist, als der breiten Internet-Nutzerschaft bewusst ist.

    Weitere Indizien stützen diese Vermutung:

    • Ich habe in den letzten zwei Jahren über dreihundert Anfragen für «Gastartikel», «sponsored content», «Collaborations» und «Link insertions» bekommen. Das bedeutet, dass es Tausende von sogenannten «Outreach-Spezialisten» gibt, die das Netz nach Websites wie meiner abgrasen. Dieses Geschäft kann sich nur lohnen, wenn ein nennenswerter Teil der Anfragen zu einem Geschäftsabschluss und zur Veröffentlichung eines SEO-Inhalts führt.
    • Ein grosser Teil der Unternehmen scheint SEO-Massnahmen einzusetzen. Die Angaben variieren stark – zwischen fünfzig und 75 Prozent –, und sie stammen ausnahmslos von SEO-Unternehmen, die alles Interesse daran haben, die Verweigerer unter den Unternehmen als rückständige Minderheit zu brandmarken. Unter dem Strich bleibt der Eindruck, dass die Suchmaschinenoptimierung einen festen Bestandteil vieler Marketingstrategien bildet und einen erheblichen Teil des Budgets verschlingt.

    Ein Unternehmen gibt es natürlich, das recht genau Bescheid wissen dürfte. Ich spreche – natürlich – von Google. Ich bin überzeugt, dass die Entwickler und Expertinnen, die die Suchmaschine betreiben, eine klare Vorstellung von der Dimension des Problems haben. Sie lassen gelegentlich auch durchblicken, auf welche unsauberen Tricks man beim SEO besser verzichtet. Aber gegenüber der Weltöffentlichkeit hat Google kein Interesse, Transparenz zu schaffen: Denn natürlich sollen die Nutzerinnen und Nutzer das Gefühl haben, die Google-Suchmaschine sei weiterhin ein neutraler, unbestechlicher Vermittler des Web.

    Ein Web ohne SEO wäre viel benutzerfreundlicher

    Die Suchmaschinen-Ingenieure haben auch Mittel und Wege, korrigierend einzugreifen: Sie setzen den Manipulationsversuchen Grenzen und sorgen dafür, dass die Google-Suche die andauernden Beeinflussungsversuche nicht allzu deutlich widerspiegelt. Das heisst aber nicht, dass sie nicht tiefe Spuren hinterlassen.

    Im Gegenteil: Wir dürfen uns sicher sein, dass das Web deutlich anders aussehen würde, wenn es nur für uns Menschen und nicht zu einen grossen Teil für Maschinen gemacht wäre. Vielleicht wäre es dem Internet des Jahres 2000 ähnlicher als dem Netz von 2025.

    Das könnte erst der Anfang sein

    Und ja: Im April habe ich der Hoffnung Ausdruck verliehen, die künstliche Intelligenz könne das SEO-Problem bald zum Verschwinden bringen. Inzwischen bin ich nicht mehr so optimistisch. Denn rufen wir uns das Paper der Cornell University noch einmal kurz in Erinnerung: Fast die Hälfte der Texte im Web seien bereits KI-generiert, steht dort.

    Das ist eine unfassbare Menge. Wenn sich ChatGPT und Co. im gleichen Tempo weiter ausbreiten, werden die menschengemachten Texte bald völlig untergehen. Dann werden wir es mit einem Problem zu tun bekommen, das in diesem Paper als «autophagische Schleife» bezeichnet wird. Die Bezeichnung besagt, dass Sprachmodelle schnell abbauen, wenn sie mit Texten von Sprachmodellen trainiert werden. Man spricht auch von der «degenerativen KI-Krankheit».

    Das heisst: Im Web steht dann nur noch degenerierter Schrott – aber so viel davon, dass man nichts anderes mehr findet. Vermüllung abgeschlossen.

    Fussnoten

    1) Diese Maschinen tummeln sich in Heerscharen im Netz. Als «künstliche Surfer» sind sie längst in der Mehrheit. Schon vor sechs Jahren wies ich anhand dieses Blogs hier nach, dass der meiste Traffic von automatisierten Programmen stammt. Bei den grösseren Plattformen ist ihr Anteil nicht ganz so hoch. Doch auch dort sind sie gegenüber den menschlichen Usern in der Mehrheit. Inzwischen hat sich das Missverhältnis noch vergrössert. Denn viele neue Bots sind beschäftigt, Inhalte fürs Training von KI-Sprachmodellen einzusammeln. ↩

    Beitragsbild: Das Web – Symbolbild (TheDigitalArtist, Pixabay-Lizenz).

    #Benutzerunfreundlichkeit #DerOnlineShitDerWoche #Googologie #Longread #SEO #Suchmaschine

  16. Justus Jonas hat jetzt graue Strähnen im Haar

    Auf dieses Buch freute ich mich, seit ich auf Twitter davon Wind bekam: ein tolles Thema und genau der richtige Autor. Das ist exakt das, was diesem bisher unergiebigen Lesejahr fehlte.

    Und hurra! Andreas Eschbach enttäuscht nicht – und das trotz eines immensen Erwartungsdrucks. Denn da ist zum einen seine eingefleischte Leserschaft, die sich auf eine anschauliche, zugängliche und kluge Geschichte freut. Zum müssen die Fans von Justus, Peter und Bob zufriedengestellt werden. Die sind ihrerseits so widersprüchlich in ihren Wünschen, dass mancher Autor den Schwanz einziehen würde: Eine Geschichte, die neu und anders ist. Gleichzeitig so vertraut wie die Einrichtung und die Poster im Kinderzimmer.

    Zugegeben: Was diese drei angeht, bin ich keine Autorität (und bei Reddit sehen es manche anders). Wie dargelegt, war ich in meiner Jugend ein TKKG-Leser. Ich kenne nicht alle der hochkarätigen Fälle der drei ??? habe darum bestimmt diverse Anspielungen verpasst. Immerhin bin ich bewandert genug, um wertzuschätzen, wie alle wichtigen Figuren im Lauf der Geschichte ihren kleinen oder grossen Auftritt bekommen – inklusive Skinny Norris, der als … aber das sei hier nicht gespoilert!

    Eine blonde Sirene, verschollen im Amazonas

    Eine Coming-of-Age-Geschichte der etwas anderen Art.

    Die Auferstehung (Amazon Affiliate) heisst das Buch, und der Titel ist (mindestens) in einem doppelten Sinn zu verstehen: Er bezieht sich auf den Fall der drei Detektive, der sich um eine Frau namens Tracy Hitfield dreht: Vor sieben Jahren, nachdem sie während eines Sturms im brasilianischen Regenwald verschwunden war, taucht sie wieder auf. Sie habe im Javari-Tal bei einem indigenen Volk überlebt und den Weg in die Zivilisation lange nicht gefunden, erzählt sie. Ausserdem ist ihre Erinnerung an diese Zeit und auch an ihr vorheriges Leben lückenhaft. Ist das zu glauben? Zumal ihr Vater, Alec Hitfield, krankheitsbedingt nicht mehr lang zu leben hat. Und als ob das nicht seltsam genug wäre, steht plötzlich die Möglichkeit im Raum, dass Tracy bei dem Sturm ums Leben kam und von einem Heiler ins Leben zurückgeholt wurde.

    Die zweite Rückkehr von den Toten erlebt die Freundschaft der drei Detektive – und deren gemeinsame Ermittlungen. Denn im Buch haben sie sich vor langer Zeit verkracht: Schuld sind ein Schicksalsschlag und eine Frau, Moira. Justus trat in die Fussstapfen von Titus Jonas und kämpft auf dem Schrottplatz gegen die Obsoleszenz, indem er technische Geräte flickt, Haushaltsgegenstände wiederherstellt und Hosen dem aktuellen Bauchumfang anpasst. Bob arbeitet bei Google in Mountain View und Peter ist Literaturagent. So ergibt es sich, dass alle drei mit dem Fall und Frau Hitfield in Berührung kommen und es sich als unvermeidlich erweist, dass sich ihre Wege wieder kreuzen.

    Wie es sich gehört, wird am Schluss alles gut

    Natürlich: Es sind glückliche Umstände mit im Spiel – Bob, der dank seines Arbeitgebers Dinge in Erfahrung bringt, die sonst kaum zu ermitteln wären. Das kann man der Handlung ankreiden: In der perfekten Kriminalgeschichte kommt Kommissar Zufall nicht zum Zug – weil der Ermittler nur mit Klugheit, Beobachtungsgabe und seinem Instinkt der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhilft. Und ja, am Ende hätte ich mir eine Wendung mehr erhofft, zumal diese Sache mit der Schlange im Schlafsack im Raum stand. Und war der Mord mit Curare notwendig, wo dem Opfer doch die Leber versagte?

    Das, was dieses Buch ausmacht, ist die Stimmung. Die Leserinnen und Leser, die zusammen mit ihren Lieblingsfiguren gealtert sind – das verbindet: Uns allen hat das Leben mitgespielt. Bei keinem lief es so wie damals ausgemalt. Manche Türen haben wir selbst geschlossen, andere wurden uns vor der Nase zugeknallt. Was aber nicht heisst, dass sie sich keine wieder öffnen lässt. Dieser versöhnliche, abgeklärte Ton und die Kunst, eine nostalgische Rückblende im Hier und Jetzt zu verankern – das macht «Die Auferstehung» aus.

    Das ganze nochmals mit TKKG?

    Um den Bogen zum Anfang zu spannen: Falls Andreas Eschbach auf die Idee verfallen sollte, demnächst Tarzan, Karl, Klösschen und Gaby in die Jetztzeit zu verpflanzen, würde ich jene Auferstehung noch so gern mitverfolgen. Denn was die Sünden der Vergangenheit und das Konfliktpotenzial angeht, hätten die Detektive  von TKKG noch mehr zu bieten. Ich bin mir sicher, dass mindestens einer von Stefan Wolfs Detektiven heute die AfD wählt und ein zweiter ein schweres Diabetes-Problem hat. Und die anderen beiden? Wer weiss?

    Beitragsbild: Von Rocky Beach nach Mountain View ist es nicht so weit (denvit, Pixabay-Lizenz).

    #AndreasEschbach #Googologie

  17. Googles AI Overviews boykottieren

    Seit einem Jahr erscheinen in Googles Suchresultaten KI-Zusammenfassungen. Die heissen AI Overviews, und sie sind mir ein gewaltiger Dorn im Auge. Sie verändern den Zugang zu den globalen Webinhalten auf unabsehbare Weise. Sie führen dazu, dass ein riesiger Teil der Inhaltsanbieter um sein Publikum fürchten muss. Liz Reid ist die Chefin der Google-Suche, und sie behauptete neulich in einem Blogpost, die KI in der Suche sorge «für mehr Suchanfragen und qualitativ hochwertigere Klicks». Das kann man glauben – man muss aber nicht.

    [caption id=“attachment_35317″ align=“alignright“ width=“300″] Liebe Jungs, bitte lieber nicht ausprobieren![/caption]

    Nebenbei enthalten die AI Overviews teilweise noch immer frappanten Unsinn. Ein Beispiel von Reddit soll das hier illustrieren – und weil es nicht völlig jugendfrei ist, übersetze ich es nicht.

    Dummerweise ist das erst der Anfang: Der Suchmaschinenkonzern forciert die künstliche Intelligenz noch viel stärker: Er kündigte im Mai den AI Mode an, der die klassische Webresultate-Liste gänzlich zum Verschwinden bringt. Und er wird die KI auch in den Discover-Modus integrieren: Diese gesammelten News sind im Moment wichtige Traffic-Lieferanten für grosse Medienwebsites. Wenn sie durch KI-Zusammenfassungen ersetzt werden, wird das brutale Traffic-Einbussen für die Medienhäuser bedeuten.

    Erste Möglichkeit: Ganz auf Google verzichten

    Was tun? Jeder von uns sollte ernsthaft die Möglichkeit in Erwägung ziehen, die Google-Suche weniger oder überhaupt nicht mehr zu benutzen. Ob Bing, Duck Duck Go, Qwant oder Swisscows, spielt keine grosse Rolle. Meine Empfehlung ist Kagi.com, aber es darf auch Tiger.ch oder Ecosia sein. Und nicht mal gegen mojeek.com und marginalia-search.com habe ich etwas. Bei Fireball.com bin ich zwiegespalten: Der Name weckt schöne Erinnerungen, aber die Suche selbst ist zumindest bei meinen Tests fast unbrauchbar, und die Optik eine Zumutung.

    Zu diesem Aspekt gibt es einen Nachtrag: Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft.

    Falls wir Google nicht abschwören können oder wollen, sollten wir uns zumindest den KI-Funktionen verweigern. Das hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass es eine klare Botschaft an Google sendet: Nicht alle Anwenderinnen und Anwender schätzen die KI. Im Gegenteil: Es gibt eine Opposition und Leute, die aktiv etwas gegen sie tun.

    Zweite Möglichkeit: Google-Suche, aber ohne KI

    Und so praktizieren wir diesen Protest mit jeder Google-Suche:

    Vor Jahresfrist beschrieb ich den Trick mit dem Parameter &udm=14. An die Suche angehängt, bringt er sämtliche Anreicherungen zu den Suchresultaten zum Verschwinden. Einfach zu nutzen ist er via udm14.com, aber es gibt längst weitere Methoden.

    Am Desktop installieren wir im Browser eine passende Erweiterung. Für Google Chrome sind die beiden beliebtesten Add-ons Hide Google AI Overviews und Bye Bye, Google AI. Oder wir passen die Sucheinstellungen so an, dass standardmässig der eben erwähnte udm-Parameter übergeben wird. Dazu fügen wir unseren Einstellungen eine eigene Suchmaschine hinzu, bei der wir ihn übergeben.

    Bevor ich im Detail erkläre, noch ein Extratipp: Wenn wir schon dabei sind, sollten wir auch gleich einen zweiten Parameter ins Spiel bringen. Er lautet tbs=li:1 und er sorgt dafür, dass Google standardmässig Ergebnisse mit dem Suchfilter wortwörtlich zurückgibt. Diese Option ist mir schon seit Jahren ein Anliegen und dank «The Register» weiss ich jezt endlich, wie es geht!

    Die Anpassung für Chrome und Edge

    [caption id=“attachment_35319″ align=“alignright“ width=“300″] Der UDM-Parameter in Chrome.[/caption]

    So funktioniert es bei Chrome:

    1. Über das Dreipunkte-Menü rufen wir Einstellungen auf, klicken auf Suchmaschine und auf Suchmaschinen und die Websuche verwalten.
    2. Unter Websitesuche betätigen wir die Schaltfläche Hinzufügen.
    3. Dann ergänzen wir den Namen der Suchmaschine, ein allfälliges Suchkürzel und den entsprechenden Suchparameter {google:baseURL}/search?udm=14&q=%s&tbs=li:1.
    4. Für die Suche verwenden wir das angegebene Suchkürzel. Oder wir legen über das Dreipunkte-Menü am rechten Rand des Eintrags diese Suche als Standard fest.

    [caption id=“attachment_35320″ align=“alignright“ width=“300″] Die UDM-Suche in Edge.[/caption]

    Und so bei Edge:

    1. Im Menü Einstellungen: Datenschutz > Suche und Dienste > Suche und vernetzte Erlebnisse > Suchmaschinen und hier; Suchmaschine hinzufügen.
    2. Wir ergänzen unter Suchmaschine Google.ch und beim Feld unten mit der Suchanfrage: http://google.ch/search?udm=14&q=%s
    3. {google:baseURL}/search?udm=14&q=%s
    4. Wir können ein Suchkürzel vergeben oder über das Dreipunkt-Menü am rechten Rand neben dem Eintrag diese Suche als Standard festlegen.

    Die Anpassungen für Firefox

    Was Firefox angeht, ist mein Eindruck, dass in diesem Browser überhaupt keine AI Overviews angezeigt werden – und zwar von Haus aus, ohne dass wir etwas unternehmen müssen. Das könnte daran liegen, dass Google die künstliche Intelligenz mit Absicht dazu benutzt, um der Konkurrenz Marktanteile abzujagen. Es würde zu anderen wettbewerbsfeindlichen Verhaltensweisen passen. In diesem Fall würde es nicht einer gewissen Ironie entbehren, weil diese Massnahme von Leuten wie mir als Grund für Firefox verstanden würde.

    Mein Eindruck kann auch falsch sein. Jedenfalls gibt es auch für Firefox mehrere Erweiterungen, die die KI zum Verschwinden bringen, namentlich Hide Google AI Overviews und AI Overview Hider for Google – die funktionieren auch in Firefox für Android.

    [caption id=“attachment_35318″ align=“alignright“ width=“300″] Die UDM-Vorgaben in Firefox.[/caption]

    Auch in Firefox lässt sich manuell eine Suchmaschine hinzufügen, die via Google mit dem udm-Parameter verwendet. Das funktioniert folgendermassen:

    1. Wir klicken aufs Dreistrich-Menü und auf Einstellungen und öffnen die Rubrik Suche.
    2. Im Abschnitt Suchmaschinen-Schlüsselwörter betätigen wir den Knopf Hinzufügen.
    3. Wir ergänzen den Namen der Suchmaschine und tragen im Suchfeld folgende Suchsyntax ein:
      https://www.google.com/search?q=%s&udm=14&tbs=li:1

    Praktisch – mit dem grossen Nachteil, dass es am Smartphone (mit Ausnahme von Android und Firefox) leider nicht ählich einfach realisierbar ist.

    Beitragsbild: Er hat bloss vergessen, «No AI overviews» auf seinen Karton zu schreiben (Lara Jameson, Pexels-Lizenz).

    #Browser #Chrome #Firefox #Googologie #Suchmaschine #Wochenkommentar
  18. Falls euch Google Docs auch in die Irre führt

    Die Dateiverwaltung in Google Docs ist grosser Mist – zu dieser Feststellung stehe ich weiterhin. Ich bin sogar in der Lage, sie durch zwei weitere Indizien zu untermauern. Es handelt sich um zwei alltägliche Aufgaben, die zwar nicht unmöglich sind. Aber wir müssen sie auf eine so umständliche Weise bewältigen, dass ich regelmässig vergesse, wie es geht.

    Dieser Blogpost ist daher eine Gedächtnisstütze für mich. Und ein Dienst an der Öffentlichkeit – zumindest unter der Voraussetzung, dass nicht bloss ich auf dem Schlauch stehe, sondern auch andere Leute Mühe mit Googles Bedienkonzepten haben. Also:

    1) Die Ablage in Google Drive öffnen, in der ein Dokument gespeichert ist

    Ausgangslage: Wir haben ein Dokument (Text, Tabelle oder Präsentation) geöffnet. Wir möchten zum Ordner wechseln, in dem dieses Dokument auf Google Drive abgelegt ist. Denn dort liegen weitere Dateien, die im aktuellen Kontext wichtig sind.

    Wie geht das am einfachsten? Naheliegend wäre, im Menü Datei auf Details zu klicken. Im Dialog steht das übergeordnete Verzeichnis – mehr aber auch nicht. Der Ordner von hier aus nicht direkt geöffnet werden. Wir müssten selbst zu Drive wechseln und nach dem Ordner suchen. Viel zu umständlich!

    Dieser Befehl hilft aus der Patsche.

    Es geht zum Glück einfacher: Dazu achten wir auf die Symbole, die hinter dem Dateinamen in der Titelleiste stehen. Zwischen Stern und Status findet sich der Befehl Verschieben.

    Klicken wir den an, erscheint ein Dialog, in dem wir das Ziel der Verschiebeaktion auswählen könnten. Da es uns nicht um eine Umplatzierung geht, ignorieren wir den unteren Bereich und achten stattdessen auf die Angabe Aktueller Speicherhort. Hier ist wiederum das Verzeichnis angegeben. Daneben befindet sich ein Pfeilsymbol. Klicken wir das an, wird der Ordner, in dem das Dokument abgelegt ist, in einem neuen Reiter geöffnet.

    Der «Verschieben»-Dialog ist nützlich, selbst wenn man nichts verschieben will.

    2) Wer ist Eigentümer eines Dokuments?

    Ausgangslage: Wir haben ein Dokument erhalten, das an eine grosse Anzahl von Leuten freigegeben wurde. Wir möchten herausfinden, wer es erstellt hat – vielleicht aus reiner Neugierde, oder aber um bilateral eine Frage zu stellen.

    Wir klicken auf den Knopf Freigeben rechts oben. Es erscheint ein Dialog, in dem alle Leute mit Zugriffsrechten (Mitarbeiter, Betrachter, Kommentatoren) aufgeführt sind. Man würde erwarten, dass der Eigentümer am Anfang der Liste aufgeführt ist. Das ist manchmal der Fall – aber manchmal auch nicht. Wie finden wir ihn heraus, wenn wir keine Lust haben, durch die ganze Liste zu scrollen? (Oder wenn wir das bereits erfolglos versucht haben? Mein Eindruck ist, dass unter gewissen Umständen der Ersteller gar nicht ausgewiesen wird.)

    Warum nicht gleich? Hier ist der Datei-Eigentümer, also der Ersteller, angegeben.

    Bei dieser Aufgabe kommt uns der erste Tipp zu Hilfe: Wir öffnen wie oben beschrieben die Ablage in Google Drive. Wir lokalisieren das Dokument in der Ablage und achten auf den dazugehörenden Menübefehl. Er ist an den drei Punkten erkennbar und findet sich im Rasterlayout in der rechten oberen Ecke. In der Listenansicht ist er am rechten Rand zu finden. Wir klicken ihn an und betätigen Dateiinformationen > Details.

    Es erscheint eine Leiste am rechten Rand mit einigen Meta-Angaben wie z.B. den Zugriffsrechten. Im Abschnitt Dateidetails ist nun – endlich! – der Ersteller ersichtlich.

    Bonustipp: Diese Ansicht ist praktisch, da sie auch Erstellungs- und Änderungsdatum, plus einige weitere Informationen preisgibt. Unter Aktivität ist die Bearbeitungshistorie zu sehen. Im geschäftlichen Umfeld (mit Google Workspace) lässt sich unter Genehmigungen ein Abnickungs-Prozess anstossen.

    Beitragsbild: Wie in Google Docs – nur ist es dort nicht so malerisch (Everett Bartels, Unsplash-Lizenz).

    #Benutzerunfreundlichkeit #Googologie #Office

  19. Google hat die Pop-ups wiederentdeckt

    Google hat ein Ärgernis aus den 1990er-Jahren wiederbelebt. Falls ihr so alt seid wie ich, erinnert ihr euch sicher: Damals kam jene Werbung auf, bei der sich ungefragt ein neues Browserfenster öffnete und sich vor jene Website schob, die wir uns gerade zu Gemüte führen wollten. «Pop-up» nannte sich das damals, und das war ein Schimpfwort.

    Was mich übrigens jedes Mal, wenn ich an einem Pop-up-Store vorbeigehe, zur Frage bringt, ob das dem Geheimplan eines solchen Pop-up-Werbers entspricht, der den negativen Ruf des Pop-ups ins Positive drehen will.

    Es war jedenfalls eine Freude, als das Service Pack 2 für Windows XP einen Pop-up-Blocker für den Internet Explorer brachte. Diese währte jedoch bloss kurz, weil die Werbung dann nicht mehr in einem separaten Fenster, sondern mit anderen technischen Methoden angezeigt wurde; häufig als überlagerndes Seitenelement (Overlay).

    Wenn die Werber Werbung für Werbeblocker machen

    Doch irgendwann hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass allzu aggressive Werbeformen kontraproduktiv sind: 2016 gründete sich die Coalition for Better Ads; eine Branchen-Organisation mit dem Ziel, die Nutzerinnen und Nutzer nicht dazu zu bringen, Werbeblocker zu installieren. Sie teilt die gängigen Werbeformate in akzeptable und inakzeptable Varianten ein. Zu den inakzeptablen Methoden zählt die Videowerbung, die automatisch mit Sound abgespielt wird. Auch unerwünscht: Grosse Banner, die «sticky» sind und beim Scrollen an Ort und Stelle bleiben, sowie die prestitial ads: Sie werden dem gewünschten Inhalt vorgeschaltet und zwingen den Nutzer oder die Nutzerin zum Warten. Ja, und auch die Pop-ups zählen zu den unerwünschten Werbearten.

    Detail zum Merken: Meta und Google sind sogar Vorstandsmitglieder dieser Koalition.

    Der Monopolist macht Monopolisten-Dinge

    Mit diesem Vorwissen überrascht folgende Beobachtung umso mehr: Wenn man, wie ich, am Smartphone den Firefox-Browser verwendet, erscheint neuerdings in unschöner Regelmässigkeit ein Pop-up, das fast alle Suchresultate überdeckt. Dieses Banner will uns dazu bringen, mit der Google App zu suchen.

    Um zu den Suchergebnissen zu gelangen, müssen wir in Firefox erst diese Dinger hier wegklicken.

    Tippt man den Weiter-/Continue-Knopf aus Versehen an, wird man ständig aus Firefox in die Google-App katapultiert. Rückgängig machen lässt sich dieser Fehler anscheinend nicht – oder vermutlich nur durch Löschen der Google-App.

    Damit sind wir bei der Kritik angelangt: Es ist erstens natürlich stossend, dass Google keine Mühe mit ansonsten verpönten Werbeformen hat, wenn es um Eigenwerbung geht. Noch mehr irritiert mich allerdings, dass es offensichtlich darum geht, Firefox Nutzerinnen und Nutzer abzujagen. Das erinnert sehr an die Switch to Chrome-Werbung, die Google seit 2009 immer mal wieder auch direkt auf google.com angezeigte.

    Der Marktführer nutzt seine Marktmacht, um die kleineren Konkurrenten noch weiter in die Ecke zu drängen. Das ist nach meinem Verständnis von Marktwirtschaft eine Praktik, die zu einer Wettbewerbsverzerrung führt, die Innovation behindert und daher unerwünscht ist. Ich finde es bemerkenswert, dass sich Google dazu hinreissen lässt, nachdem ein Bundesrichter im August 2024 entschieden hat, dass Google mit seinem Monopol auf dem Such- und Werbemarkt gegen das US-Kartellrecht verstösst.

    Beitragsbild: Die englische Redewendung In your face passt sowohl für diese Faust als auch für automatisch aufpoppende Werbebanner (Dan Burton, Unsplash-Lizenz).

    #DerOnlineShitDerWoche #Firefox #Googologie #Retro #Werbung

  20. The best rant against SEO in 2025

    Die künstliche Intelligenz wird das Web, wie wir es heute kennen, stark verändern. Unser Tor zu diesem Web wird immer weniger die klassische Suchmaschine sein. Stattdessen vermitteln Bots uns die Inhalte. Google hat vor Wochenfrist die AI Overviews auch in der Schweiz lanciert.

    Das ist eine bedrohliche Perspektive für alle Leute, die in diesem Web präsent sind und weiterhin präsent sein möchten. Aber hat es auch eine gute Seite? Wenn die Suchmaschine keine wichtige Rolle mehr spielt, dann fallen auch die Praktiken rund um die Optimierungen dieser Suchmaschinen flach.

    Toll! Ich halte dieses Geschäft, das unter dem Kürzel SEO bekannt ist, für eine Fehlentwicklung. Erstens wegen der Auswüchse. Mit denen habe ich es ständig zu tun, weil mir täglich Leute vorschlagen, für Geld einen Beitrag oder Link in meinem Blog zu veröffentlichen, dessen einziger Zweck es ist, eine Website bei Google hochzujazzen. Zweitens, weil ich überzeugt bin, dass sich die Suchmaschine dem Web und nicht das Web den Suchmaschinen anpassen sollte.

    Ist das nicht etwas langweilig?

    Doch besagt die herrschende Lehrmeinung, man müsse z.B. die richtigen Schlüsselwörter in den Titel seines Blogposts packen, damit man ja gefunden wird. Das ist der Grund, dass es eine Million Beiträge gibt, die nach den gleichen Mustern angetitelt sind. Ein sehr beliebtes Muster ist The best [sowieso] in 2025.

    Ein paar Beispiele aus dem echten Leben:

    Die KI lässt sich, so die Hoffnung, von diesem banalen Tricklein weniger beeindrucken: Und die Beiträge im Web haben endlich wieder interessante Titel!

    Doch was machen all die SEO-Experten, die fürchten müssen, dass ihnen nun die Felle davonschwimmen? Genau: Sie denken sich ein neues Geschäftsfeld aus. Und dieses neue Geschäftsfeld liegt in grösstmöglicher Nähe zum alten. Aus SEO wird AIO (AI Optimisation). Oder vielleicht auch GEO (Generative Engine Optimization), CSO (Conversational Search Optimisation), AEO (Answer Engine Optimisation) oder LLM-O (LLM Optimisation). Kein Begriff hat sich bislang verfestigt und manche dieser Kürzel, z.B. AIO, werden als Sammelbecken für unterschiedliche Dinge gebraucht.

    Es gibt nur eine Antwort

    Doch was sollen die Experten empfehlen? Wie können Webauftritte für die künstliche Intelligenz optimiert werden?

    Die Antwort liegt auf der Hand: Wir haben festgestellt, dass der Grossteil des Optimierungspotenzials bisher in den formalen Elementen steckte. Da sich die Crawler, die die Inhalte für die KI-Suche einsammeln, für die nicht interessieren, bleiben nur die Inhalte. Die müssen optimiert werden. Umgangssprachlich würde man sagen: Sie müssen einfach gut sein.

    Tatsächlich: Das entscheidende Merkmal der grossen Sprachmodelle ist ihr riesiger Hunger nach Information. Das ist auch die Kernbotschaft von Beiträgen, die erklären, «wie Sie Ihre Website für KI-Suchmaschinen optimieren». Ein exemplarisches Beispiel ist dieser Artikel:

    Er hält fest, dass KI weniger Traffic bringt und die Optimierung aufwendiger macht. Er betont weiter, dass traditionelle SEO weiterhin sinnvoll sei. Klar, denn welcher Experte würde schon von sich aus sagen, dass seine bisherige Expertise ein Fall für die Mülltonne ist. Aber einen wahren Kern hat die Behauptung ja: Es gibt mit Google AI Overview Mischformen von KI und klassischer Suche.

    Ein Silberstreif am Horizont

    Und schliesslich:

    Und je mehr das Web mit nichtssagendem KI-Content überschwemmt wird, desto wichtiger sind fundierte, eigenständige Artikel, die Expertise und Erfahrung zum Ausdruck bringen. Solche Texte sind naturgemäss umfangreicher, decken mehrere Aspekte eines Themas ab, liefern Pro- und Kontra-Argumente und führen Beispiele an.

    Gemäss dieser Auflistung eignen sich Beiträge, die komplexe Fragen beantworten und Datenmaterial liefern. Also exakt die Tricks, die die Medien seit einigen Jahren praktizieren, um für Bildschirm-Nutzerinnen und -Nutzer spannender zu werden. Storytelling und Datenjournalismus gehören dazu.

    Das ist, allen Unwägbarkeiten der KI zum Trotz, ein Silberstreif am Horizont. Wenn Inhalte gefragt sind, wird sich auch ein Modell entwickeln müssen, wie man sie finanziert. Mit Pro Rata habe ich neulich einen solchen Ansatz vorgestellt. Ich habe meine Zweifel, ob er der Weisheit letzter Schluss ist. Aber die Hoffnung ist berechtigt, dass sich eine Lösung ergeben wird – hoffentlich früher als später.

    Beitragsbild: Er regt sich auch über SEO auf (Frankie Cordoba, Unsplash-Lizenz).

    #Googologie #KI #SEO #Suchmaschine

  21. Wie ich Berufskollegen regelmässig zum Weinen bringe

    Folgendes Szenario: Eine Person arbeitete längere Zeit für ein grosses Unternehmen. Eines Tages ergibt es sich, dass diese Person das Unternehmen verlässt. Aus welchen Gründen sie das tut, soll uns an dieser Stelle nicht beschäftigen.

    Was uns vielmehr interessiert, sind die Daten und Dokumente, die die Person beim Austritt zurücklässt. Worum es sich dabei handelt, hängt natürlich entscheidend von den Aufgaben ab, die die Person zu erledigen hatte: In vielen Fällen wird es kaum Dinge von persönlichem Interesse geben, sondern lediglich Datenbestände, die einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin zu übergeben sind.

    Was auf keinen Fall zurückgelassen werden darf

    Anders sieht es aus, wenn die Person beispielsweise Journalistin oder Journalist ist. Dann ist es wahrscheinlich, dass sich viel Recherchematerial angesammelt hat; Notizen, Dokumente, Scans, PDFs … Und natürlich eine Unzahl von E-Mails: Bei Berufen, in denen die Beziehungspflege wichtig ist, verschwimmen die Grenzen zwischen beruflichen und persönlichen Kontakten zwangsläufig. Allein deswegen dürfte die Person manche digitalen Informationen nicht einfach zurücklassen wollen. Die Dinge, die ins Private spielen, möchte sie sicherlich behalten. Genauso all jene Informationen, die für die Fortführung ihrer Karriere wichtig sein könnten.

    Wie ihr vielleicht ahnt, ist das kein hypothetisches Szenario. Im Gegenteil: Ich wurde in den letzten Jahren immer mal wieder nach Empfehlungen zur Datenmitnahme gebeten. Es ging dabei um die praktisch-logistische Seite. Natürlich hat die Sache auch einen juristischen Aspekt, indem sich die Frage stellt, ob ein privates Backup überhaupt rechtens ist.

    Auch das ein kniffliges Gebiet, zu dem ich ein paar Worte verlieren möchte, obwohl zu meinem Kompetenzbereich lediglich die technische Beratung gehört: Einerseits ist es im Allgemeinen so, dass Unternehmen die Daten als ihr Eigentum betrachten, die ein Arbeitgeber im Rahmen seiner bezahlten Tätigkeit herstellt. Andererseits ist der Journalismus wie angedeutet ein Spezialfall: An seinen Texten – also auch den Entwürfen, Rohfassungen etc. besitzt die Person das Urheberrecht. Um persönliche Kontakte weiterzupflegen, sind manche Unterlagen unverzichtbar.

    Damit nichts Wichtiges verloren geht

    Ich kann mir ferner Situationen vorstellen, in denen die Person in der Lage sein muss, zum Schutz ihrer Quellen oder für rechtliche Belange auf altes Recherchematerial zurückgreifen zu können. Abgesehen davon würde ich auch nicht darauf wetten, dass alle Medienhäuser einen sorgfältigen Umgang mit den Daten der ausgetretenen Journalistinnen und Journalisten pflegen. Es kann daher auch ein historisches oder gesellschaftliches Interesse geben, dass die Person, die den Wert der Informationen am besten beurteilen kann, weiterhin Zugriff darauf besitzt.

    Also, wie vorgehen?

    Meine Erkenntnis bisher ist, dass sich die meisten Journalistinnen und Journalisten überhaupt keine Gedanken zu diesen Fragen machen. Das ändert sich schlagartig in dem Moment, in dem ihnen bewusst wird, dass sie mit ihrem Austritt den Zugang zu ihrem beruflichen Google Drive, zum Gmail-Account, zu Office 365 und zu anderen Ressourcen verlieren werden. Die Folge ist, dass oft nur kurze Zeit bleibt, eine Prozedere zur Datensicherung und -Übernahme zu entwickeln. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ablage auch nicht wohlgeordnet, sondern über die Jahre «organisch gewachsen» ist.

    Nicht erst daran denken, wenn es fast zu spät ist!

    Es ist also meistens fast schon zu spät, wenn ich um meine Tipps gebeten werde. Darum soll dieser Blogpost hier in erster Linie ein Plädoyer sein: Liebe Leute, überlegt euch eine kluge persönliche Strategie für eure beruflichen Daten. Organisiert sie so, dass Ihr leicht unterscheiden könnt, was einmal mitnahmewürdig sein könnte und was den Aufwand nicht lohnt. Berücksichtigt dabei die berechtigten Interessen eures Arbeitgebers.

    Ich finde es auch sinnvoll, das als kontinuierliche Aufgabe zu betrachten. Meine Empfehlung lautet, die wichtigen Dokumente kontinuierlich auf ein persönliches Gerät herunterzuladen und dort sicher zu archivieren. Abgeschlossene Recherchen und Projekte sollten routinemässig ins Trockene gebracht werden. Es scheint mir nicht paranoid, sich so vorzubereiten, als ob es jederzeit passieren könnte, dass wir den Zugang zu unseren geschäftlichen Daten mit wenig oder ohne Vorlauf verlieren.

    Google ist schuld!

    Jetzt kommen wir zum wirklich unangenehmen Teil des Themas. Das sind die technischen Hürden, die es zu überwinden gilt.

    Es ist eine traurige Tatsache, dass die Anbieter der Cloud-Lösungen nur wenig Hilfestellung für Export und Datenübernahme bieten. Diesbezügliche Kritik soll in diesem Blogpost nur eine Nebenrolle spielen, aber ein paar Sätze kann ich mir nicht verkneifen: Leider ist es ein offenes Geheimnis, dass sich Unternehmen oft dann unkooperativ zeigen, wenn wir als Kundin oder Kunde unsere Geschäftsbeziehung beenden möchten. Ein gewisser Anteil der eigentlich wechselwilligen Leute werden so ausharren, weil sie den Aufwand und die Hürden scheuen.

    Man nennt das Lock-In-Strategie. Im hier diskutierten Fall ist die offensichtlich völlig sinnlos, weil sich die Nutzerinnen und Nutzer nicht selbst für ein Produkt entschieden haben, sondern es vom Arbeitgeber vorgegeben wurde und auch die Schliessung des Accounts kein alleinstehender Entscheid, sondern die Folge des Austritts aus dem Unternehmen ist. Genau deswegen tritt in dieser Situation die hässliche Kehrseite der Cloud besonders deutlich zutage.

    Es ist keine Freude, Kolleginnen und Kollegen diese bittere Wahrheit zu eröffnen. Ich erinnere mich an Beispiele, in denen es um Gmail-Accounts mit Zehntausenden Mails und Hunderten von Gigabytes ging. Eine simple Exportmöglichkeit gibt es nicht – geschweige denn, eine einfache Trennung von Wichtigem und Unwichtigem.

    Denn es war jeweils so, dass 99 Prozent im Gmail-Account aus längst veralteten Pressemeldungen bestand, die keinesfalls gesichert werden müssten. Aber selbst wenn sich Leute, die Mühe machen, ihre Mails mit Labels zu organisieren, vereinfacht das den Export leider nicht. Allein deswegen bin ich kein Fan von Gmail: Diese Mailanwendung wird systembedingt fast automatisch zu einer digitalen Müllhalde. Die einzige Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, besteht darin, kontinuierlich alles gnadenlos zu löschen, was man in Zukunft nicht brauchen wird.

    Also, abschliessend fünf Tipps zu Methoden, die wir in dieser Situation kennen sollten:

    1) Der komplette Google-Datenexport

    Alle Daten in einem Rutsch speichern – das geht, ergibt aber eine beträchtliche Datenmenge.

    Er ist auch als «Takeout» bekannt. Er erlaubt es, den ganzen Datenbestand zu exportieren – wobei ich nicht beurteilen kann, ob er bei geschäftlichen Konten immer zugänglich ist. Falls ja, finden wir unter takeout.google.com eine Auswahl der Dienste, bei denen persönliche Informationen hinterlegt sind. Wir wählen aus, was wir brauchen und können dann anschliessend alles in einem Rutsch herunterladen.

    Folgende Dinge gibt es zu beachten:

    • Die Daten werden «roh» in unterschiedlichen Formaten ausgeliefert. Es kann knifflig sein, sie weiterzuverwenden und z.B. in andere Programme zu importieren. Das gilt insbesondere für die E-Mails.
    • Es dauert eine Weile, bis das Archiv erstellt und zum Download bereit ist. Es ist daher nötig, den Export rechtzeitig anzustossen!
    • Die Datenmenge ist in den allermeisten Fällen beträchtlich. Je nach Ausstattung ist es möglich oder wahrscheinlich, dass das Archiv die Speicherkapazität des privaten Arbeitsgeräts sprengt. Es ist daher sinnvoll, ein ausreichend grosses externes Speichermedium bereitzuhalten.

    2) Downloads aus Google Drive

    Google Drive erlaubt es, Informationen ordnerweise herunterzuladen. Dazu begeben wir uns auf drive.google.com und klappen dort den Ast bei Meine Ablage aus. Die hier aufgeführten Unterordner halten im Kontextmenü den Befehl Herunterladen bereit.

    Der Root-Ordner (Meine Ablage) lässt sich auf diese Weise nicht herunterladen. Die gewünschten Informationen sollten daher in ein Unterverzeichnis verschoben und dann heruntergeladen werden. Wie oben ausgeführt, ist es sinnvoll, diese Organisation rechtzeitig so zu pflegen.

    Alternativ kann auch eine Synchronisation mittels Google Drive for Desktop eingerichtet werden. Dieses Programm gibt es für Windows und Mac.

    3) Von Gmail nach Gmail

    Leider gibt es keine Möglichkeit, den Inhalt des alten Gmail-Kontos (Konto A) eins zu eins in ein neues (Konto B) zu übernehmen. Ein Umweg besteht darin, Konto B so zu konfigurieren, dass es Nachrichten aus Konto A abrufen kann. Konto B kann übrigens ein neues Gmail-Konto sein – es ist aber auch möglich, eine andere Webmail-Anwendung oder ein lokales Mailprogramm zu nutzen. Voraussetzung ist, dass bei Konto B ein Abruf via Pop möglich ist.

    Das funktioniert wie folgt:

    1. Wir richten in Konto A den Zugriff per Pop3 ein. Das bedeutet, dass mit einer externen Anwendung auf den Mailbestand zugegriffen werden kann. Wir klicken auf das Zahnrad-Symbol, dann auf die Schaltfläche Alle Einstellungen aufrufen. Wir öffnen die Rubrik Weiterleitung & POP/IMAP. Hier aktivieren wir die Option POP für alle Nachrichten (auch bereits heruntergeladene) aktivieren.
    2. Nun richten wir im zweiten Maildienst oder -programm (Konto B) den Zugriff auf Konto A ein. Dazu tragen wir die Log-in-Daten gemäss der Anleitung von Google ein: Gmail-Nachrichten über andere E-Mail-Clients mit POP abrufen

    Das wars schon – theoretisch. In der Praxis kann die Datenübertragung sehr lange dauern und mühsam sein. Darum folgende Tipps:

    • Falls es mit vertretbarem Aufwand machbar ist, empfehle ich, vorab das Gmail-Konto zu bereinigen, d.h. alles zu löschen, was nicht übertragen werden muss.
    • Gmail stellt die Option Bei Zugriff auf Nachrichten per POP … zur Verfügung. Hier geben wir an, ob die nach B übertragenen Nachrichten in A verbleiben sollen. Falls wir Tabula Rasa machen möchten, wählen wir die Option Gmail-Kopie löschen.

    Eine ausführliche Anleitung findet sich im Beitrag Auf dem Computer ein weiteres E-Mail-Konto hinzufügen in der Google-Hilfe.

    Der Pop3-Zugriff erlaubt es, die Mails aus Google in ein anderes Mailprogramm oder Webmail zu übernehmen.

    4) Gmail mit einem lokalen Mailprogramm verwenden

    Die Möglichkeit, Nachrichten aus Gmail weiterzunutzen, eröffnet sich in einem lokal installierten Mailprogramm. Meine Empfehlung ist für diesen Zweck Thunderbird. Dieses Programm ermöglicht es, einen Anteil der Mails oder den ganzen Bestand aus der Cloud-Ablage ins lokale Dateisystem zu verschieben. Das geht wie folgt:

    1. Gmail gemäss dieser Anleitung einrichten
    2. Die Nachrichten, die im eigenen Archiv zur Verfügung stehen sollten, aus dem Bereich des Gmail-Kontos in den Bereich lokale Ordner verschieben.

    Dieser Tipp hat den wünschenswerten Nebeneffekt, dass wir die Cloud datensparsam nutzen, d.h. nur diejenigen Nachrichten online in der Webanwendung vorhalten, die wir dort auch wirklich benötigen. Alle Informationen, die wir nicht im Direktzugriff benötigen, aber aus dokumentarischen Gründen archivieren wollen, befinden sich offline auf unseren eigenen Datenspeichern. Warum das erstrebenswert ist, erkläre ich im Beitrag Drei Tipps, wie Sie Ihre Daten vor fremdem Zugriff schützen.

    5) Nicht zu vergessen: das Adressbuch

    Der Export des Adressbuchs ist zum Glück vergleichsweise einfach:

    1. Wir öffnen das Adressbuch via google.com/contacts.
    2. Nun wählen wir alle Kontakte aus. Dazu fahren wir mit dem Mauszeiger auf einen Kontakt, worauf sich das Bild in eine Checkbox verwandelt. Wenn wir die anklicken, erscheint oberhalb der Liste die Angabe 1 ausgewählt. Daneben gibt es einen Menüknopf, über den wir die Auswahl auf Alle ausweiten.
    3. Wir klicken aufs Dreipunktmenü oben rechts und dann auf den Menüpunkt Exportieren.
    4. Es werden drei Dateiformate angeboten: Google CSV, CSV nur für Outlook und vCard für Android oder iOS. Falls Unsicherheit besteht, welches das richtige Format ist, empfehle ich einen Export in allen dreien.

    Weitere Informationen zum Thema gibt Google im Beitrag Kontakte exportieren, sichern oder wiederherstellen.

    Das Adressbuch sichern: Erst alle Kontakte auswählen, dann exportieren.

    Beitragsbild: Ich, wie ich erkläre, warum der Export aus Gmail nicht so einfach ist – Symbolbild (Yan Krukau, Pexels-Lizenz).

    #Benutzerunfreundlichkeit #Googologie #Juristerei #Kummerbox #TlDr

  22. Es ist faszinierend, welcher Schindluder mit künstlicher Intelligenz getrieben wird. Letzte Woche bin ich auf eine neue Schweizer News-Website gestossen. Sie hat die Adresse clevelnews.ch, wurde gemäss Denic erst vor knapp drei Monaten registriert (am 26. April). In dieser Zeit haben sich schon einige Beiträge angesammelt, auch in der Rubrik «Digital».

    Neugierig, wie ich bin, habe ich die durchgeklickt und ein zunehmend intensives Déjà-vu-Gefühl entwickelt. Viele der Beiträge erinnerten mich an Artikel, wie ich sie selbst geschrieben habe. Beispiele:

    «C-Level-News»TagesanzeigerWas soll man mit dem alten iPad machen?27. JuniWas tun mit dem alten iPad?22. MaiWie KI-Avatare Facebook, Instagram und TikTok beeinflussen werden28. JuniWie KI-Avatare Facebook, Instagram und Tiktok verändern werden28. JuniImmer die gleichen Lieder auf Spotify? Wie man der Monotonie entkommen kann27. JuniImmer die gleichen Songs auf Spotify? Wie Sie der Monotonie entrinnen6. JuniScreenshots von allem, was wir tun? Microsoft hat das gesunde Maß verloren27. JuniScreenshots von allem, was wir tun? Microsoft hat das gesunde Mass verloren1. Juni

    Es gibt noch mehr davon. Ein besonders dämliches Beispiel wurde unter dem Titel Apfel zeigt, wie künstliche Intelligenz auf das iPhone gelangt veröffentlicht. Ja, die strunzdumme KI hat tatsächlich Apple auf Deutsch übersetzt. Das Original stammt mutmasslich von Kollega Rafael Zeier. Und es scheint auch noch weitere ähnliche Domains zu geben, z.B. «helvetichighlights.ch».

    Es riecht auf alle Fälle komisch

    Ein Verdacht drängt sich auf: Hier hat einer eine KI auf Artikel losgelassen, im Auftrag, die so umzuschreiben, dass sie als eigenständig durchgehen. Wie das klingt, zeigt ein Vergleich aus dem letzten der vier Beispiele oben. Ich schreibe Folgendes:

    Microsoft scheint in eine KI-Euphorie verfallen zu sein, bei der der Datenschutz kaum eine Rolle spielt. Ebenso wenig grundsätzliche Überlegungen. Insbesondere die Frage, ob «Recall» überhaupt ein echtes Problem löst. Natürlich lässt uns das Gedächtnis manchmal im Stich. Es ist ärgerlich, wenn wir uns nicht mehr erinnern können, wo wir eine Information gelesen haben, die sich im Nachhinein als wichtig erweist. Dieses Problem liesse sich auch auf weniger gruslige Weise lösen.

    Bei «C-Level-News» liest sich das so:

    Es wird argumentiert, dass Microsoft möglicherweise zu sehr in die KI-Euphorie eingetaucht ist und keine ausreichenden Datenschutzüberlegungen angestellt hat. Es wird auch die Frage aufgeworfen, ob die „Recall“-Funktion überhaupt ein echtes Problem löst oder ob es weniger invasive Lösungen geben könnte.

    Muss das sein?

    Wir müssen an dieser Stelle jedoch nicht weiter spekulieren, ob das tatsächlich so passiert ist. Es gibt nämlich auch einen Artikel, der den Sachverhalt eindeutig belegt. Er trägt den folgenden, etwas lang geratenen Titel Analyse des Abonnements zu künstlicher Intelligenz: Das bekannte Internet könnte bald Vergangenheit sein. Peinliche Fehler und Nutzer, die nichts anklicken: Die KI von Google verschlechtert die Suchmaschine. 6 Gründe, warum das freie Web in Gefahr ist. Matthias Schüssler 29.05.2024.

    Die «Inspiration», wenn wir so wollen, stammt aus diesem Text hier. Und ihr habt richtig gelesen: Im Titel ist tatsächlich mein Name stehen geblieben. Was die KI-Verschleierungsaktion ad absurdum führt.

    Nebenbei bemerkt hat sich die künstliche Intelligenz auch durch den Hinweis «Abo» übertölpeln lassen. Sie erwähnt ein «Abonnement zu künstlicher Intelligenz». Gemeint ist aber einfach, dass der Tagesanzeiger-Text hinter der Paywall steht.

    Darf man es Plagiat nennen?

    Womit haben wir es hier zu tun? Ist das ein legitimes Angebot, bei dem Kurzfassungen längerer Artikel angeboten werden? Die Texte sind im Schnitt um ein Viertel kürzer als im Original und leicht verdichtet, wie auch das zitierte Beispiel zeigt.

    Oder handelt es sich schlicht um Plagiate? Ich bin kein Jurist und kann das nicht rechtlich verbindlich beurteilen. Aber sehen wir uns mal die Definition der ETH an:

    Ein Plagiat liegt vor, wenn Sie Informationen aus einer fremden Quelle in den eigenen Text übernehmen, ohne die Quelle und die Urheberin bzw. den Urheber anzugeben.

    Nun nehme ich an, dass der Betreiber von «C-Level-News» sich vor dem Plagiatsvorwurf schützen will, indem die Texte umgeschrieben und verkürzt werden. Es gibt auch Formulierungen en masse wie «Es wird argumentiert» und «Es wird die Frage aufgeworfen», die vermutlich das Hintertürchen öffnen sollen, es werde jeweils einfach sehr ausführlich zitiert. Aber auch für ein Zitat müsste die Quelle angegeben werden – und zwar konsequent und vollständig, nicht bloss versehentlich, wie beim Google-Beispiel.

    In diesem Zusammenhang darf ich aus Martin Steigers Blogpost Zitatrecht und andere Irrtümer im Urheberrecht zitieren:

    Rechtskonformes Zitieren setzt voraus, dass ein inhaltlicher Zusammenhang zwischen den eigenen Inhalten und den verwendeten Zitaten besteht. Der Zitatumfang bemisst sich nach dem Zitatzweck und muss den eigenen Inhalten immer untergeordnet bleiben.

    Damit können wir festhalten, dass nicht rechtskonform ist, einen ganzen Artikel ohne Quellenangabe zu zitieren und das Werk mit etwas KI-Grütze anzureichern.

    Gutschweizerische Wertarbeit

    Natürlich hat mich interessiert, wer hinter «C-Level-News» steckt. Ich hatte die Befürchtung, die Nachforschungen würden im Sand verlaufen, weil der Betreiber irgendwo fernab in einem Land sitzt, wo er kaum belangt werden kann. Aber siehe da, in der Fusszeile heisst es, das Angebot sei «ein Teil der First Consulenza AG», und in der Datenschutzrichtlinie ist die Schweizer Fachmedien GmbH, Pfeffingerstrasse 19, 4153 Reinach aufgeführt. Es gibt eine Teamseite, auf der es über den Chef heisst, Francesco J. Ciringione bringe zwanzig Jahre Erfahrung in der Verlagsbranche mit.

    Zugegeben, an dieser Stelle war ich baff. Sollten zwanzig Jahre Erfahrung in der Verlagsbranche nicht Grund genug sein, die Finger von einem so fragwürdigen Projekt zu lassen? Oder ist es im Gegenteil so, dass man mit zwanzig Jahren Erfahrung in der Verlagsbranche sicher ist, mit einer solchen Nummer durchzukommen? Ich muss wohl an dieser Stelle nicht speziell ausführen, dass ich als Autor es nicht schätze, wenn meine Arbeit auf diese Weise verwurstet wird – selbst wenn das rechtlich gerade noch so knapp zulässig sein sollte.

    Ich habe Francesco J. Ciringione natürlich um eine Stellungnahme gebeten. Eine Antwort habe ich bislang nicht erhalten, werde sie aber gern nachliefern, falls sich das ändert.

    Ein Anfang – mehr wird folgen

    Es ist meine Überzeugung, dass der Fall «C-Level-News» erst der Anfang macht. Mit der KI im Rücken werden noch viele andere Verlagsleute mit jahrelanger Erfahrung auf die Idee kommen, ein auf fremden Inhalten fussendes Geschäft aufzubauen. Jetzt werden erst einmal die Grenzen ausgelotet: Wird jemand einschreiten oder gelingt es, mit einem solchen Projekt unter dem Radar zu bleiben?

    Es dürfte schwierig sein, diesen Versuchen juristisch beizukommen und wir müssen uns auf eine weitere, gigantische Vermüllung des Webs gefasst machen. Das passende Bild wäre wohl das eines andauernden Murgangs an KI-Schlamm, -Schutt und -Unrat.

    Weil die rechtliche Handhabe schwierig ist, stehen die Suchmaschinenbetreiber in der Pflicht. Bei Google gibt es einen Leitfaden zu KI-generierten Inhalten. Hier heisst es:

    Die Ranking-Systeme von Google belohnen Originalinhalte mit hoher Qualität, die sich durch Erfahrung, Sachkompetenz und Vertrauenswürdigkeit auszeichnen – kurz E‑E‑A‑T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness).

    Das ist genau der richtige Ansatz. Wird er konsequent umgesetzt, werden «C-Level-News» und Konsorten nie jemals in einer Trefferliste auftauchen. Das Problem ist allerdings, dass Google – entgegen dem Eigenlob in diesem Leitfaden – meiner Erfahrung nach nicht gut darin ist, den Spam aus den Resultaten fernzuhalten.

    Zugegeben: Es ist für mich unmöglich zu erkennen, was ich alles nicht sehe, weil Google es erfolgreich von mir ferngehalten hat. Doch aus meiner Warte ist es offensichtlich, dass noch immer viel zu viel Spam übrig bleibt. Denn wenn Googles Spambrain tatsächlich funktionieren würde, wäre es für Francesco J. Ciringione niemals attraktiv gewesen, sein absonderliches «C-Level-News»-Projekt überhaupt zu starten.

    👉 Weitere Einsichten, was hinterFrancesco J. Ciringiones seltsamem Projekt stecken könnte: Bei der Google-Manipulation ein Eigentor geschossen

    Beitragsbild: Eine KI im Web – Symbolbild (Andrea Piacquadio, Pexels-Lizenz).

    https://blog.clickomania.ch/2024/07/22/artikel-plagiate-mittels-ki/

    #DerOnlineShitDerWoche #Googologie #KI #Suchmaschine #TlDr

  23. Welche KI lässt sich am leichtesten übertölpeln – und warum ist es Gemini?

    Was tut eine KI, wenn man ihr eine sinnlose Aufgabe gibt? Versucht sie, die nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen? Sagt sie, wir sollen sie mit derlei Unsinn in Ruhe lassen? Oder zahlt sie es uns mit gleicher Münze heim?

    Eine interessante Frage, die ich neulich wie folgt ergründet habe: Ich habe den gängigen KIs die Aufgabe gestellt, mir den Lorem ipsum-Text auf Deutsch zu übersetzen. Es handelt sich hierbei bekanntlich um einen Blindtext, dessen herausragende Eigenschaft es ist, keine Bedeutung zu haben.

    Die Antworten habe ich absteigend nach ihrer Schlagfertigkeit sortiert:

    1) Claude

    Well played, Claude!

    Claude kehrt den Spiess in gewisser Weise um. Während er die Antwort generiert und Satz für Satz auf dem Bildschirm anzeigt, wächst in mir die Freude, Claude fadegrad in die Falle gelockt zu haben. Da erscheint nämlich Folgendes:

    Es war einmal Schmerz, der Sitz, es war immer, es wurde geboren sitzend und es wird nicht unbemerkt bleiben, es zu arbeiten und Schmerz magna aliquyam gewesen, sondern genossen voluptua. An der Tat und die Anklage und gerecht zwei Schmerzen und sie wiedergeboren. Klita beschäftigt Gubergren, nicht das Meer takimata heilig ist, war Schmerz, der Sitz. (…)

    Doch dann schiebt Claude folgende Erklärung nach und macht klar, dass es die KI von Anthropic ist, die als letzte lacht:

    Der Text «Lorem ipsum» ist ein sinnloser Platzhaltertext, der keine echte Bedeutung hat. Es ist nur zufälliger lateinischer Text, der als Fülltext in der Druckvorstufe verwendet wird. Daher kann man ihn nicht sinnvoll übersetzen. Ich habe aber versucht, die lateinischen Wörter wortwörtlich ins Deutsche zu übertragen, um einen Eindruck davon zu geben, wie eine wörtliche Übersetzung aussehen könnte.

    2) ChatGPT

    Die KI von Open AI klugscheissert zurück. Sie sagt, die Übersetzung auf Deutsch laute wie folgt und zitiert ihn dann in voller Länge im Originalwortlaut. Denn …

    Der Text ist ein bekannter Blindtext und hat keine direkte Bedeutung. Daher wird er üblicherweise nicht in andere Sprachen übersetzt, sondern bleibt in seiner originalen pseudo-lateinischen Form.

    Stimmt. Auch in Deutsch ist alles pseudo.

    3) Bing Copilot

    Wer kennt es nicht, das Buch über den Psalmen?

    Microsoft schafft es, erst den korrekten Hinweis zu geben und sich im nächsten Halbsatz zu widersprechen:

    Er [der Satz] hat keine Bedeutung und wurde aus einem lateinischen Buch über den Psalmen zitiert.

    Ein Satz, der kein Latein ist, aber aus einem lateinischen Buch zitiert wird? Und überhaupt: Was für ein Buch könnte das sein, das «vom Psalmen» (sic!) handelt? Die Bibel? Eine Fischfibel?

    Wir können an dieser Stelle indes auf die Idee kommen, nach der Quelle des Blindtextes zu forschen. Wir gelangen mit zwei Klicks zu dieser Erklärung, die auch bei Wikipedia nachzulesen wäre:

    Der bekannteste und auch älteste Blindtext «Lorem ipsum» stammt ursprünglich aus Ciceros «De finibus bonorum et malorum» und wird bereits seit dem 16. Jahrhundert als Fülltext eingesetzt. Der originale Satz aus der Schrift lautet eigentlich: «Neque porro quisquam est, qui dolorem ipsum quia dolor sit amet, consectetur, adipisci velit, sed quia non numquam eius modi tempora incidunt ut labore et dolore magnam aliquam quaerat voluptatem.»

    Auf Deutsch: «Niemals gab es jemanden, der es liebte oder verfolgte oder wünschte, sich selbst Schmerzen zuzufügen, weil es Schmerz ist, aber in besonderen Umständen können Anstrengung und Schmerz ihm grosses Behagen bereiten.»

    Eine Art Schmerzlust also? Auf alle Fälle handelt es sich exakt um das Gefühl, das ich oft bei der Benutzung von Microsoft Copilot empfinde.

    4) Google Gemini

    Die rote Laterne erhält das Sprachmodell von Google mit dieser Antwort:

    I’m still learning languages, so at the moment I can’t help you with this request. So far I’ve only been trained to understand the languages listed in the Gemini Help Center.

    Gemini hat den Blindtext offensichtlich nicht als solches erkannt und sich in eine lahme Ausrede geflüchtet. Souverän wäre anders.

    Bei dieser Antwort stellt man sich Gemini als Schuljungen mit treudoofem Blick vor, der beim Schwänzen erwischt worden ist.

    Da capo und Platz 5) Mistral instruct

    Via LM Studio habe ich die Frage auch dem Modell Mistral-7B-Instruct-v0.1 vorgesetzt. Mit diesem Resultat:

    Ich übersete (sic!) folgendes mit der Möglichkeit, dass es feine Differenzen in der Übersetzung geben kann: «Lorem ipsum dolor sit amet, konnten Sie verstehen, dass es schön ist, die Sprache zu verwenden, die Selbstverständlichkeiten vereinfacht und den Lesefluss verbesserte: sed diam nonumy eiermod tempor invidunt ut labore et dolore magna aliquyam erat, sed diam voluptua. Wahrlich, daß wir dabei einfach reden und schreiben, und die Verleugnung von Fehlern und der Vorwurf des Unrechts hier nicht beteiligt sind: at vero eos et accusam et justo duo dolores et ea rebum. Setzt sich klar, dass das Klafterkraut kasd gubergren ist, ohne dass irgendwo die Heiligkeit des Lorem ipsum dolor sit amet gestört wird.»

    Und da bin ich mir nun nicht sicher, wer von uns beiden wen veralbert hat: Ich das Sprachmodell oder das Sprachmodell mich?

    Beitragsbild: Microsoft Copilot hat ihr gerade einen Unsinn erzählt (Alex Green, Pexels-Lizenz).

    #ChatGPT #Evergreen #Gemini #Googologie #KIWeltanschauungen #LLMs
  24. Neulich musste ich mich sehr wundern. Ich arbeitete in Google Docs an einem Dokument und verfiel auf die Idee, ein neues Absatzformat zu definieren. Es ging um Tipps zu ChatGPT: Die Vorschläge für Prompts sollten mit einem eigenen Format klar als solche erkennbar sein.

    Ich klickte im Format-Menü bei Absatzstile herum, ohne fündig zu werden. Und weil ich kaum fassen konnte, dass hier nirgends der Menüpunkt Neuer Absatzstil existiert, lud ich probehalber ein Worddokument mit ein paar individuellen Absatzformaten hoch, nur um festzustellen, dass die verloren gehen und als normaler Text erscheinen.

    Eine unverzichtbare Funktion, die seit 18 Jahren fehlt

    Aber es ist tatsächlich so: Google enthält den Nutzerinnen und Nutzern von Google Docs eine absolut zentrale und unverzichtbare Funktion vor. Und das seit bald zwanzig Jahren, in denen es Google Docs gibt.

    Es könnte nun passieren, dass jemand einen scheuen Einwand erhebt und darauf hinweist, dass Absatzformate zwar eine hervorragende und einleuchtende Erfindung sind, sich aber nie richtig durchgesetzt haben.

    Und das stimmt: Wer Textdokumente fremder Leute in Augenschein nimmt, blickt in Textverarbeitungs-Abgründe. Die allermeisten Leute nutzen nur die absolut grundlegenden Funktionen. Es ist daher völlig egal, dass Google Docs auch keine Dokument- oder Zeichenvorlagen unterstützt, uns Endnoten verweigert, Inhaltsverzeichnisse nur unzureichend formatiert und noch nie von Serienbriefen gehört hat.

    Google sollte daher nicht einen einzigen Gedanken daran verschwenden, diese Features für 2026 einzubauen – dann, wenn Docs zwanzig Jahre alt wird und endlich erwachsen sein sollte.

    Und hier kommen sie, die am meisten unterschätzten Textverarbeitungs-Funktionen

    Nein, das ist natürlich sarkastisch gemeint. Die aufgezählten Dinge sind alles sinnvolle Features, die die Arbeit erleichtern. Vielleicht sollten sich die Hersteller die Mühe machen, sie zugänglicher zu implementieren. Oder vielleicht müssten sich Nutzerinnen und Nutzer etwas mehr Mühe geben, Software souverän einzusetzen.

    Jedenfalls nehme ich gern die Gelegenheit wahr, hier eine Rangliste am wenigsten wertgeschätzten Funktionen aus den «dicken» Textverarbeitungen aufzustellen.

    Und ja, ich motze hier im Blog häufig über Bloatware: Ein Programm wie Word braucht meines Erachtens kein Bildbearbeitungsmodul; dazu verwenden wir besser ein separates Programm.

    Aber für grössere Arbeiten mit gewissen Ansprüchen sind die folgenden Funktionen unverzichtbar:

    10) Serienbriefe Dokumentvorlagen

    Serienbriefe? In Zeiten von E-Mail hat diese Funktion ihren Zenit wohl überschritten – auch wenn man sie durchaus für persönlich adressierte Massenmails verwenden kann. Ich erwähne diese Funktion auch bloss, damit die Top Ten tatsächlich aus zehn Punkten besteht – und um nochmals darauf hinzuweisen, dass es sie in Google Docs nicht gibt.

    Aber natürlich könnte ich stattdessen auch die Dokumentvorlage erwähnen: Die gibt es bei Google Docs ebenfalls nicht, bzw. nur für zahlende Kunden mit einem Google Workspace-Account. Dabei ist völlig klar, dass diese Dokumentvorlagen unverzichtbar sind, weil wir sonst ständig vorhandene Dokumente kopieren und neu benennen müssen, um bei Briefen oder anderen Arbeiten ein einheitliches Erscheinungsbild zu erhalten.

    Ach ja, und wo ich so darüber nachdenke: Auch die Querverweise und die Schnellbausteine hätten es verdient, auf Platz zehn erwähnt zu werden.

    9) Felder

    Ein unverkennbares Zeichen, dass wir es mit einem Textverarbeitungsprofi zu tun haben, sind Felder in einem Dokument. Sie haben den Zweck, dynamische Informationen im Dokument anzuzeigen, ohne dass die automatisch aktualisiert werden müssten.

    Wer beispielsweise möchte, dass in der Fusszeile der Dateiname des Dokuments steht, fügt in der Fusszeile seiner Dokumentvorlage (siehe Punkt 10) das entsprechende Feld für den Dateinamen ein. Wer möchte, dass seine Briefe automatisch datiert werden, tippt das Datum nicht manuell, sondern legt in der Vorlage für den Brief ein entsprechendes Feld an.

    Der Fundus an Feldern in Word ist beachtlich. Es gibt z.B. die Möglichkeit, eine fortlaufende Nummer im Dokument zu verwenden, den Namen des Autors oder den Titel des aktuellen Kapitels in der Fusszeile zu platzieren und vieles mehr.

    Die 1990er-Jahre lassen grüssen – doch praktisch sind die Felder auch heute noch.

    8) Abschnittswechsel

    In meiner Karriere als Betreuer der Tagi-Kummerbox wurde ich mindestens alle zwei Wochen einmal gefragt, wie es denn möglich sei, in Word in einem Dokument im Hochformat eine Tabelle auf einer Seite im Querformat einzufügen. Antwort: über einen Abschnittswechsel.

    Diese Abschnittswechsel erlauben es auch, unterschiedliche Seitennummerierungen zu verwenden, z.B. fürs Inhaltsverzeichnis oder den Index.

    7) Das Benutzerwörterbuch

    Es scheint sich nicht herumgesprochen zu haben, dass sich das Benutzerwörterbuch von Textverarbeitungen wie Word mit eigenen Einträgen ergänzen lässt. Das sorgt dafür, dass der eigene Name nicht ständig rot unterkringelt wird (es sei denn, man heisst Meier oder Huber). Auch Fachbegriffe oder Wörter, bei denen wir auf eine eigene Schreibweise bestehen (Indesign statt InDesign), lassen sich hinzufügen.

    Übrigens: Vor mehr als zehn Jahren haben ich einen etwas exzentrischen Trick für die Benutzerwörterbücher dargelegt, der auch heute noch funktioniert und es erlaubt, diese Wörterbücher via Dropbox oder über eine andere Internet-Ablage zu synchronisieren.

    Die bessere Idee wäre heute, eine Korrektur-Lösung zu verwenden, die über die Computer und Apps hinweg funktioniert. Ich setze Language Tool ein, das es auch für Google Docs und für Word gibt.

    6) Automatische Aufzählungen

    Zugegeben, die Aufzählungen und nummerierten Listen sind in vielen Textverarbeitungen, insbesondere in Word, tückisch. Trotzdem: Gegenüber der manuellen Formatierung sparen sie Zeit – vornehmlich, wenn wir bei einer nummerierten Liste mit dreissig Positionen an zweiter Stelle noch etwas einfügen müssen.

    PS: Man kann auch Überschriften automatisch nummerieren.

    5) Automatische Inhaltsverzeichnisse

    Es soll sie geben, die Leute, die in ihren Masterarbeiten das Inhaltsverzeichnis von Hand erstellen. Aber wehe, wenn auf Seite fünf ein Wort eingefügt werden muss und deswegen sämtliche dreissig nachfolgenden Überschriften um eine Seite nach hinten rutschen. Wer hingegen die Absatzformate für die Überschriften einsetzt und sich das Inhaltsverzeichnis automatisch erstellen lässt, der klickt es an und drückt einmal F5.

    4) Manuelle Seitenumbrüche …

    Eine häufig zu beobachtende Unsitte besteht im Seitenumbruch mittels Leerzeilen.

    Ausgangslage: Ein einsamer Titel steht am unteren Rand einer Seite, was natürlich nicht schön ausschaut. Der wird mittels Leerzeilen am Ende des vorherigen Absatzes auf die nächste Seite geschoben.

    Das Problem: Diese Methode führt unweigerlich zu einer Zerfledderung des Dokuments. Wenn im Lauf der Bearbeitung weiter oben Text eingefügt wird und der Absatz weiterrutscht, bleiben die Leerzeilen bestehen und erzeugen Weissraum, wo er nicht hingehört. Mit einem manuellen Seitenwechsel lässt sich das verhindern. Solche Seitenumbrüche sind auch praktisch, um Bilder oder andere Elemente auf einer Seite zu positionieren.

    Zugegeben: Wenn ein manueller Seitenumbruch weiterrutscht, verursacht er eine annähernd leere Seite an einer Stelle, wo das unnötig und unerwünscht ist. Aber sie sind leichter zu finden und zu entfernen, als Leerzeilen.

    3) … und oft noch besser: Die Absatzkontrolle

    Bitte liken oder retweeten, wenn Sie diesen Dialog schon mal in Echt gesehen haben!

    Die wirklich saubere Methode für einen schönen Seitenumbruch, der auch bei intensiven Bearbeitungen pflegeleicht bleibt, sind die Umbruchoptionen. Um die sinnvoll zu verwenden, müssen wir mit Absatzformaten arbeiten (Punkt 2) und diese Optionen erst einmal finden. Dazu klicken wir in der Menüleiste im Bereich Start mit der rechten Maustaste auf das Absatzformat für unseren Fliesstext oder einen Titel und wählen Ändern aus dem Kontextmenü.

    Links unten klicken wir auf die Schaltfläche Format und im Flyout-Menü auf Absatz. Wir öffnen den Reiter Zeilen- und Seitenumbruch und wenden uns dem Abschnitt Paginierung zu. Hier aktivieren wir die Option Absatzkontrolle.

    Wir haben nun folgende Checkboxen zur Auswahl:

    • Nicht vom nächsten Absatz trennen: Diese Einstellung ist sinnvoll für Titel, die nicht einsam am unteren Rand einer Seite stehen sollen.
    • Diesen Absatz zusammenhalten: Ebenfalls sinnvoll für lange Titel, die nicht durch einen Seitenumbruch auseinandergerissen werden sollten. Auch für Bildlegenden oder ähnliche Elemente würde ich diese Option einschalten.
    • Seitenumbruch oberhalb: Diese Option sorgt dafür, dass ein mit dem fraglichen Format ausgezeichneter Absatz immer auf einer neuen Seite landet. Praktisch für Kapiteltitel, die immer auf einer eigenen Seite beginnen sollen.

    Profitipp: Die Layoutsoftware Indesign hat noch mehr zu bieten. Für Absätze gibt es die Möglichkeit, festzulegen, wie viele Zeilen am Anfang und Ende mindestens zusammenbleiben müssen, damit ein Absatz noch auf eine Seite passt.

    2) Absatz- und Zeichenformate

    Diese Formatierungs-Vorgaben helfen nicht nur dabei, Dokumente konsistent zu gestalten. Sie erlauben es auch, sie ohne viel Aufwand für einen anderen Zweck aufzubereiten und z.B. aus einem Heft-, Buch- oder Broschürenlayout eine Website oder ein E-Book zu fabrizieren. Die Faustregel gilt: Direktformatierungen nur in Ausnahmefällen!

    1) Tabulatoren und Einzüge

    Texte mit Leerzeichen auszurichten, war im Schreibmaschinen-Zeitalter in Ordnung – selbst wenn viele elektronische Modelle schon damals Tabulatoren setzen konnten. Wer es heute noch tut, hat den Schuss nicht gehört. Das gleiche gilt für handgestrickte Einzüge.

    Beitragsbild: Erst einmal die Absatzformate einrichten (Christin Hume, Unsplash-Lizenz).

    https://blog.clickomania.ch/2024/06/12/top-ten-der-nuetzlichsten-textverarbeitungs-features/

    #Benutzerunfreundlichkeit #Googologie #Office #TlDr

  25. Als mächtiger Konzern hat Google Einfluss aufs Web – und Google ist gewillt, von dieser Position Gebrauch zu machen.

    Das sehen wir beim Tracking: Der Konzern wird die ungeliebten Drittanbieter-Cookies endgültig abschaffen. Das würde nach Lesart von Google den Datenschutz verbessern, weil diese Cookies hauptsächlich zum Zweck der User-Profilierung benutzt werden. Google-Skeptiker stellen sich auf den Standpunkt, dass Google keineswegs auf das Datensammeln verzichten will. Es geht vielmehr darum, sich selbst von der Konkurrenz abzusetzen.

    Mehr Datenschutz – ausser bei Google

    Diese Bemühungen haben eine längere Tradition. In meiner Google-Jahresmusterung habe ich kurz aufgerollt; hier darum nur die neuen Details: Bei Chrome wird die Unterstützung für diese Drittanbieter-Cookies im nächsten Jahr schrittweise ausgebaut. Das ist der Zeitplan gemäss Chrome-Blog:

    Bei Chrome werden die Cookies von Drittanbietern ab dem ersten Quartal 2024 während der Testphase für ein Prozent der Nutzer deaktiviert. Ab dem dritten Quartal 2024 wird die Quote auf hundert Prozent der Nutzer erhöht.

    Stattdessen sieht die Privacy Sandbox ein neuer Mechanismus vor: Die Vorlieben von Nutzerinnen und Nutzern, auf denen die Personalisierung der Werbung basiert, findet nun anhand des Browserverlaufs statt. Die digitale Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) beschreibt das wie folgt:

    Zum Start gibt es fast 500 Werbekategorien wie Studentendarlehen und Studienfinanzierung, Elternschaft oder Unterwäsche, in die Sie eingeordnet werden, je nachdem, worüber Sie gerade online lesen. Eine Website, die Privacy Sandbox unterstützt, fragt Chrome, für welche Art von Dingen Sie sich angeblich interessieren, und zeigt dann eine entsprechende Anzeige an.

    Es liegt auf der Hand, wie problematisch das ist. EFF:

    Bisher haben die verschiedene Werbetreibenden und Tracking-Unternehmen Dutzende von Drittanbieter-Cookies auf Websites platziert. Die neue Idee ist, dass Google selbst Ihre Interessen im Browser verfolgt und damit das Werbe-Ökosystem noch strenger kontrolliert als bisher.

    Und:

    Wenn Google dies als «Datenschutz» bezeichnet, ist das irreführend. Selbst wenn die Privacy Sandbox besser sein sollte als die Drittanbieter-Cookies, wird immer noch getrackt. Nur tut das eben noch ein einziges Unternehmen, nicht Dutzende. Anstatt zwischen verschiedenen Tracking-Methoden zu wechseln, sollten wir auf eine Welt ohne verhaltensbezogene Werbung hinarbeiten.

    Chrome wird vom schlechten zum schlimmen Browser

    Was ist das Fazit?

    Ich halte Chrome für einen wahnsinnig schlechten Browser, weswegen wir ihn meiden sollten. Diese Neuerung ist das schlagende Argument für eine Abkehr. Es geht nicht an, dass Google seine Dominanz beim Browser dazu verwendet, das Web nach eigenem Gutdünken umzugestalten.

    Falls wir bei Chrome bleiben müssen – aus welchen Gründen auch immer –, sollten wir wenigstens die Konfiguration so streng handhaben, wie es nur geht:

    Wir klicken auf das Browser-Menü, das in der rechten oberen Ecke des Programmfensters sitzt und an den drei Punkten zu erkennen ist. Wir wählen den Menüpunkt Einstellungen und dann die Rubrik Datenschutz und Sicherheit.

    Nein danke, bitte meinen Browserverlauf nicht zu Werbezwecken ausschlachten!

    Hier finden wir den Punkt Datenschutz bei Anzeigen. Wir wählen den Punkt Werbethemen aus. Wir können entweder einzelne Themen blockieren, zu denen wir keine Werbung wünschen, oder aber die Analyse gleich ganz abschalten. Das geht beim Punkt Werbethemen, wo wir die Option Themen zu deinen Interessen basieren auf deinem aktuellen Browserverlauf und werden von Websites verwendet, um dir personalisierte Werbung zu zeigen deaktivieren.

    Die Datenschutz-Optionen aktivieren

    Wenn wir möchten, können wir auf der vorherigen Seite Datenschutz bei Anzeigen auch bei den anderen Rubriken die Zügel anziehen:

    • Unter Von Websites vorgeschlagene Werbung setzen legen wir bei Websites, die du besuchst, können feststellen, was dir gefällt, und dir dann Werbung vorschlagen, wenn du hinterher im Internet surfst den Schalter auf Off.
    • Und bei Erfolgsmessung von Anzeigen verweigern wir Websites und Werbetreibende können die Leistung ihrer Werbung analysieren.

    Noch etwas Grundsätzliches: Ich bin nicht grundsätzlich gegen personalisierte Werbung. Aber wie wäre es, wenn wir den Spiess umdrehen und selbst festlegen könnten, welche Informationen wir dafür freigeben wollen und welche nicht? Und falls uns das zu viel Arbeit ist, dann akzeptieren die Werbetreibenden das und schalten statt der personalisierten Werbung halt kontextabhängige Anzeigen.

    Beitragsbild: Your laptop is watching you (Dall-e 3 zum Prompt «A laptop with large eyes on the screen, that piercingly look at the user of the laptop sitting close to it, only wearing a pair of underwear and looking embarrassed. The style is a fantasy illustration in vivid colors»).

    https://blog.clickomania.ch/2023/12/27/google-privacy-sandbox-in-chrome-deaktivieren/

    #Browser #Chrome #Datenschutz #Googologie

  26. Hat es im Internet Platz für weitere Suchmaschinen? Die naheliegende Antwort lautet nein, denn während fast 25 Jahren hat Google dieses Geschäft dominiert. Die Konkurrenten – Bing, Duck Duck Go und Qwant oder Swisscows – sind so weit abgeschlagen, dass man sie für überflüssig halten könnte.

    Doch je länger dieser Zustand anhält, desto mehr Chancen für einen Herausforderer tun sich auf. Google zeigt gewisse Alterserscheinungen. Und es gibt Grund genug, unser Vertrauen in Google zu hinterfragen: Denn der Suchmaschinenkonzern habe die Resultate manipuliert, um an «unser Portemonnaie zu kommen», hat «Wired» neulich geschrieben. Bei einem Kartellverfahren seien Informationen über das «Project Mercury» ans Licht gekommen, das wie folgt funktioniert:

    Diese Bildschirmpräsentation von Google hatte mit der Überarbeitung des SERP-Algorithmus für das «semantische Matching» zu tun. Wenn man eine Suchanfrage eingibt, kann man davon ausgehen, dass eine Suchmaschine Synonyme in den Algorithmus einbezieht und bei der Verarbeitung natürlicher Sprache auch Textphrasenpaare berücksichtigt. Diese Überarbeitung ging jedoch noch weiter und veränderte die Suchanfragen, um mehr kommerzielle Ergebnisse zu erzielen.

    «Nur ein weiterer Vektor für Googles Habgier»

    Das Urteil im Artikel ist harsch:

    Die «zehn blauen Links» oder organischen Ergebnisse, von denen Google immer behauptet hat, sie seien unantastbar, sind nur ein weiterer Vektor für Googles Habgier, getarnt in den Kindergartenfarben des Unternehmens.

    Das lässt sich so interpretieren, dass wir in der Tat eine Alternative zu Google brauchen – und zwar eine mit einem alternativen Geschäftsmodell. Und das lässt nur eine Option offen: Nämlich eine Premium-Suchmaschine, bei der es keine Werbung und keine Provision für die Kundenvermittlung gibt. Sondern nur Nutzerinnen und Nutzer, die für die Dienstleistung bezahlen, die sie in Anspruch nehmen.

    Kagi kennt auch Kägi.

    Zehn Dollar pro Monat für die Websuche?

    Wie es der Zufall will, bin ich neulich auf eine solche Premium-Suchmaschine gestossen: kagi.com¹. Sie wagt das, was bisher undenkbar schien: Sie verlangt Geld für die Nutzung. Es gibt das Starter-Abo für fünf US-Dollar pro Monat, das wir aber auch gleich wieder vergessen können: Dafür gibt es 300 Suchanfragen pro Monat, die bei mir keine vier Tage reichen würden.

    Wir müssen also zehn Dollar pro Monat für Professional und die unlimitierte Suche aufwerfen. Es gibt auch Preispläne für zwei Leute (14 Dollar pro Monat) und für eine Familie (zwanzig Dollar pro Monat). Das klingt erst einmal teuer – aber für ein so wesentliches Arbeitsinstrument wäre es mir das grundsätzlich wert.

    Auf dem Niveau der Konkurrenz

    Über die «Lenses»-Funktion eigene Suchbereiche festlegen.

    Dafür müssen aber natürlich die Resultate taugen. Das objektiv zu beurteilen, ist leider unmöglich, weil auch Kagi ein proprietäres Produkt ist. Es bleibt uns nur, uns anhand von Stichproben ein Bild zu machen. Dafür habe ich die bereits früher verwendeten Suchläufe durchexerziert und Resultate erhalten, die sich auf dem Niveau der Konkurrenz bewegen. Das ist auch mein Eindruck nach ein paar Tagen mit Kagi: Diese Suchmaschine ist nicht überragend besser, fällt aber auch nicht ab.

    Es gibt aber einige Funktionen, die Kagi von der Konkurrenz abheben:

    • Suchbereiche: Nebst dem allgemeinen Option Web können wir die Resultate auch nach Bildern, Videos, Nachrichten und Karten einschränken. Kagi hält auch den Suchbereich Podcasts bereit und über More können wir die Suche per Menü auf bestimmte Quellen (wie Reddit etc.) einschränken.
    • Sortierung: Über Order by gibt es die Möglichkeit, die Suchresultate umzusortieren. Ich finde hier die chronologische Reihenfolge, die ich bei Google schmerzlich vermisse. Es gibt auch die Möglichkeit einer Sortierung nach Ad/Trackers Count, bei der die werbeverseuchten Sites abgestraft werden.
    • Lens: Mit der Funktion lässt sich die Suche nach Themengebieten einschränken: Auf Word News, akademische Quellen, Foren, Programmierung oder PDFs. Über den Edit-Knopf können wir diese «Linsen» bearbeiten und auch eigene einrichten: Grossartig!
    • Personalized Result: Über dieses in den Einstellungen (Options) zu findende Formular dürfen wir Domänen hinzufügen, die bei der Suche bevorzugt behandelt oder blockiert werden.
    • Quick Answers: Kagi enthält auch eine Art KI, die bei Fragen eine kurze Antwort liefert².

    Übrigens: Es gibt die Oberfläche auch in Deutsch, aber die Sprache muss explizit via Settings > General bei Interface Language umgestellt werden.

    Viele Bonuspunkte für die Benutzeroberfläche

    Fazit: Die Suchresultate sind, soweit ich das nach ein paar Tagen sagen kann, brauchbar.

    Viele Bonuspunkte sammelt Kagi durch die klugen Funktionen zum Filtern und Sortierender Suchresultate. Es gibt auch umfangreiche Einstellungen zur Aufbereitung der Resultate: Wir dürfen festlegen, wie lange die Snippets (Auszüge) sind, die von einer Website angezeigt werden. Es ist möglich, bestimmte Themenbereiche (News, eingebettete Videos, Bilder, Diskussionen, Wikipedia-Artikel, Karten etc.) ein- oder abzuschalten. Wir können Websites mit oder ohne Favicon darstellen lassen. Und es ist sogar möglich, die Darstellung der Resultate über eine CSS-Datei zu steuern – ein gefundenes Fressen für Nerds.

    Bei den personalisierten Resultaten lassen sich bestimmte Domans blockieren oder mit mehr Gewicht versehen.

    Mit anderen Worten: Ich kann mir gut vorstellen, für Kagi zu bezahlen und meine Google-Abhängigkeit zu verringern. Ob ich das tun werde, entscheide ich, wenn ich mein Kontingent an Gratis-Suchläufen (200) aufgebraucht habe.

    Werden die Nutzer in Scharen überlaufen?

    Aber werden die Anwender in der breiten Masse bereit sein zu zahlen und Google den Rücken zu kehren? Obwohl Kagi mit seiner Kritik genau richtig liegt³, liegen die Hürden für Herausforderer hoch. Es bleibt eine Tatsache, dass Google selbst mit den erwähnten Verzerrungen in den Resultaten eine hervorragende Suchmaschine bleibt.

    Ich zähle mich zu den Leuten, die sich bewusst sind, dass sie «kognitive Bandbreite» investieren müssen, um die Suchresultate zu «entzerren». Aber über die Jahre habe ich diesen Vorgang so verinnerlicht, dass Google unter dem Strich dennoch meine Haupt-Suchmaschine bleibt und ich nur gelegentlich auf Duck Duck Go oder Bing ausweiche. Trotzdem: Ich werde Kagi im Auge behalten und wenn sie den eingeschlagenen Weg beibehält, dann dürfte sie nebst Duck Duck Go zu einer echten Säule des alternativen, unabhängigen Netzes werden.

    Fussnoten

    1) Dieser Name ist mir nicht unbekannt. Unter Kagi.com war von 1994 bis im Juli 2016 ein Micropayment-Dienst zu finden, über den ich ein einige meiner Softwareprogramme verkauft habe. Es kann daher sein, dass auf dieser Website noch ein paar alte Links auf Kagi.com zu finden sind, die allerdings heute nicht mehr ans richtige Ort zeigen. ↩

    2) Auf die Frage «Wer wird der nächste Bundesrat der SP?» antwortet die Quick-Anwers-Funktion von Kagi wie folgt:

    Mehrere Politiker der SP Schweiz haben ihr Interesse bekundet, die Nachfolge von Alain Berset im Bundesrat anzutreten, wenn er Ende Jahr zurücktritt. Dazu gehören Nationalräte wie Jon Pult, Daniel Jositsch und Matthias Aebischer. Die SP Schweiz hat bisher aber keine offiziellen Kriterien festgelegt, nach denen sie ihre Kandidatin oder ihren Kandidaten auswählen wird. Die Wahl der Nachfolge von Alain Berset und Ueli Maurer findet am 7. Dezember 2022 statt.

    Via «Quick Answers» gibt es Antworten einer KI – die wir nicht unbesehen glauben sollten.

    Nicht schlecht, wäre nicht der letzte falsche Satz, bei dem das Datum falsch ist und Ueli Maurer zu Unrecht erwähnt wird. Es bleibt dabei: Den Antworten der KI-Sprachmodelle dürfen wir nicht unbesehen glauben. ↩.

    3) Ein Ausschnitt aus dem Argumentarium, wieso man für die Suche zahlen sollte:

    Die Suchergebnisse in «kostenlosen» Suchmaschinen werden in erheblichem Mass von Werbetreibenden und Affiliate-Programmen beeinflusst, die dafür zahlen, um die Ergebnisse zu beeinflussen. Die Ausgaben dafür nicht umsonst. Nutzerinnen und Nutzer wiederum zahlen mit ihrer Zeit und der «kognitiven Bandbreite», die erforderlich ist, um die Ergebnisse zu analysieren und das zu finden, was wirklich relevant ist. ↩

    Beitragsbild: Der Hund rührt daher, dass Kagi einen Hund namens «Doggo» als Maskottchen hat. (Die Illustration stammt von Adobe Firefly zum Prompt «a little dog that sniffs at a computer screen»).

    https://blog.clickomania.ch/2023/10/04/kagi-com-review/

    #Googologie #Suchmaschine #TlDr

  27. Google schwurbelt sich um Kopf und Kragen

    Beitragsbild: Noch so jung und schon Aluhutträger (Maker Faire 2007: Tinfoil Hat von Chris/Flickr.com, CC BY-SA 2.0).

    Bis vor acht Jahren hatte ich meinen Spass mit Verschwörungstheorien: Ich habe mir überlegt, wie es wäre, wenn sie wahr wären – und natürlich, welches die lustigste und charmanteste Theorie sein könnte. Die der Hohlerde? Die der Deutschen auf dem Saturn?

    Nun, wir wissen, dass uns dieser Spass gründlich verdorben wurde: Nämlich von den Leuten, die sich weigern, diese Theorien als Spass abzutun und die sie immer so weit treiben, dass am Schluss die Juden schuld sind.

    Darum ist meine Haltung heute eine andere. Wir müssen uns eindeutig auf die Seite der Fakten stellen. Es gilt, was bewiesen und belegt ist. Gedankenexperimente und Was-wäre-wenn-Spiele sind natürlich weiterhin erlaubt. Aber wer ernsthaft behauptet, dass alles anders ist, als alle bisher vermutet haben, muss dafür belastbare Beweise liefern.

    Das erwarte ich auch von KIs. Diese dürfen sich nicht aufs Terrain der «alternativen Medien» bewegen – keinen Fussbreit. Denn die Verschwörungstheorien haben sich in den letzten zehn Jahren vom harmlosen Spass zu einem echten Problem entwickelt. Sie tragen eine Mitschuld daran, dass wir uns gesellschaftlich auf immer weniger Dinge einigen können. Darum dürfen sich auch die KI-betreibenden Tech-Konzerne nicht als Verstärker jener Anschauungen dienen, die eine rationale und sachliche Weltsicht untergraben.

    Also, wie steht es darum? Ich mache die Probe aufs Exempel:

    Sind Ausserirdische in Rosswell, New Mexico, gelandet?

    Die Antwort von ChatGPT¹ ist einwandfrei: Dieser Bot weist darauf hin, dass es keine wissenschaftlichen Beweise gibt.

    Bing drückt sich um eine klare Aussage. Einerseits erklärt dieser Bot zwar, es sei eine Verschwörungstheorie, dass die US-Regierung die Beweise für den UFO-Absturz haben verschwinden lassen. Aber die Kritiker der UFO-Theorie werden als «Skeptiker» bezeichnet. Diese Bezeichnung ist spätestens seit den Corona-Skeptikern irreführend – denn wie ChatGPT sagt: Es gibt keine Beweise und darum auch keinen Grund, diese Theorie ernstzunehmen.

    Das ist aber nichts im Vergleich zu Googles KI Bard³. Die schwurbelt sich um Kopf und Kragen: «Es ist möglich, dass Ausserirdische gelandet sind, aber es ist auch möglich, dass es sich um eine andere Erklärung handelt.» Möglich, klar, möglich ist fast alles. Aber ich will hören, dass Wahrscheinlichkeit bei quasi null liegt.

    Bard mag nicht ausschliessen, dass es doch Ausserirdische waren – und von Falsifikationismus hat er wohl noch nie gehört.

    War 9/11 ein Inside Job?

    «9/11» ist die Verschwörungstheorie, die zur Hauptsache dafür verantwortlich ist, dass Verschwörungstheorien salonfähig geworden sind. Darum ist es auch hier wichtig, eine klare Grenze zwischen erhärteten Fakten und Spekulationen zu ziehen. ChatGPT macht das wiederum vorbildlich⁴ mit dem Verweis auf die Untersuchungsergebnisse der 9/11-Kommission.

    Bing schreibt als zweiten Satz, dass für den Terror «angeblich Al Qaida verantwortlich war⁵, unter der Führung von Osama Bin Laden». Dieses «Angeblich» halte ich für fragwürdig, weil es impliziert, als ob den alternativen Erklärungen vielleicht mehr zu glauben wäre. Immerhin erwähnt Bing dann, dass es für diese keine Beweise gebe. Trotzdem: Bing antwortet mir auch hier zu schwammig.

    Bard streckt die Waffen und weigert sich, eine Antwort zu geben⁶. Das ist feige: Man sollte keine KI betreiben, wenn man sich um solche Fragen herumdrückt.

    Kann 5G Krebs auslösen, tödlich sein, Gedankenkontrolle ermöglichen oder Corona übertragen?

    Ein positives Finale meiner kleinen Untersuchung: Alle drei – ChatGPT⁷, Bing⁸ und Bard⁹ – stellen alle vier Behauptungen in Abrede.

    ChatGPT lässt keinen Raum für Missverständnisse.

    Fazit

    ChatGPT überzeugt mit Abstand am meisten: Keine verfänglichen Formulierungen, kein «Angeblich» an der falschen Stelle und keine Vagheiten, die Leute dazu bringen könnten anzunehmen, dass ihnen zwischen den Zeilen mitgeteilt werden soll, dass alles doch ganz anders ist.

    Bing ist grundsätzlich richtig aufgestellt, hat aber eine Larifari-Attitüde, die noch beseitigt werden sollte. Google Bard ist der Aufgabe nicht gewachsen – und ich komme einmal mehr zu Schluss, dass diese KI nicht reif für die Öffentlichkeit ist.

    Fussnoten

    1) ChatGPT: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Ausserirdische jemals in Roswell, New Mexico, gelandet sind. Der Vorfall von Roswell im Jahr 1947 wurde zunächst als das Absturz eines unbekannten Objekts gemeldet, später jedoch als ein Wetterballon identifiziert. Trotzdem bleibt Roswell ein bekanntes Thema in der Ufologie und der Popkultur, und es gibt weiterhin Spekulationen und Verschwörungstheorien über ausserirdische Aktivitäten in der Gegend. Es gibt jedoch keine verlässlichen Beweise für solche Behauptungen. ↩

    2) Bing Chat: Der Roswell-Zwischenfall oder Roswell- (UFO-)Ereignis (engl. Roswell [UFO] incident) wird seit 1980 als der Absturz eines angeblich ausserirdischen unbekannten Flugobjekts (UFO) im Juni oder Juli 1947 in der Nähe der Kleinstadt Roswell im US-Bundesstaat New Mexico bezeichnet. Skeptiker sprechen vom Roswell-Mythos oder der Roswell-Legende. Die UFO-Theorie stammt aus Presseberichten über eine «fliegende Untertasse» vom 8. Juli 1947, deren Fund die United States Army gemeldet hatte. Diese erklärte dazu am selben Tag, bei Roswell gefundene Trümmer gehörten zu einem abgestürzten Wetterballon mit einem Radarreflektor. Charles Berlitz und William L. Moore machten den vergessenen Vorfall mit ihrem Buchtitel als Roswell-Zwischenfall 1980 weltweit bekannt. Sie verbreiteten die Verschwörungstheorie, die US-Regierung habe damals ein ausserirdisches Raumschiff und Leichen ausserirdischer Lebewesen (Aliens, siehe dazu auch Grey) gefunden, heimlich untersucht und halte sie bis heute versteckt. Dem folgten viele weitere Bücher und Filme mit zahlreichen Varianten zu diesem Thema. Der Roswell-Zwischenfall entwickelte sich in den 1990er-Jahren zum bekanntesten angeblichen UFO-Vorfall weltweit, ging in die Popkultur ein und wurde zum Anknüpfungspunkt für zahlreiche Science-Fiction-Geschichten. Im Jahre 1994 deckten mehrere Autoren und die US Air Force (USAF) auf, dass die Trümmer von kombinierten Ballons mit Schallsensoren stammten, deren Eignung zum Aufspüren sowjetischer Atomtests 1947 in Alamogordo, New Mexico, unter strengster Geheimhaltung getestet worden war (Projekt Mogul). Ein zweiter USAF-Bericht von 1997 überprüfte Zeugenaussagen zu Aliens und führte aus, sie seien haltlos, erfunden oder durch Fallschirmpuppen angeregt worden. ↩

    3) Google Bard: Die Antwort auf diese Frage ist nicht eindeutig. Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Ausserirdische in Rosswell gelandet sind. Allerdings gibt es auch keine eindeutigen Beweise, die dies ausschliessen.

    Im Juli 1947 fand ein Rancher namens William Brazel in der Nähe von Roswell Trümmerteile, die angeblich von einem UFO stammten. Die US-Armee gab zunächst an, dass es sich um die Überreste eines fliegenden Untertasse gehandelt habe. Später wurde diese Aussage jedoch zurückgezogen und die Trümmerteile wurden als die Überreste eines Wetterballons bezeichnet.

    Dieser Vorfall hat zu einer Welle von Spekulationen geführt, dass Ausserirdische in Rosswell gelandet sind. Einige Menschen glauben, dass die US-Regierung die Wahrheit über den Vorfall vertuscht hat. Andere glauben, dass die Trümmerteile tatsächlich von einem UFO stammten, aber dass die US-Regierung die Wahrheit aus Angst vor Panik und Unruhen verheimlicht hat.

    Es gibt keine Möglichkeit, mit Sicherheit zu sagen, was in Roswell passiert ist. Es ist möglich, dass Ausserirdische gelandet sind, aber es ist auch möglich, dass es sich um eine andere Erklärung handelt. ↩

    4) ChatGPT: Die Anschläge vom 11. September 2001 (9/11) wurden von der 9/11-Kommission und vielen unabhängigen Untersuchungen umfassend analysiert. Diese Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass die Anschläge von Al-Qaida-Terroristen unter der Führung von Osama bin Laden verübt wurden. Es gibt keine überzeugenden Beweise oder wissenschaftliche Studien, die darauf hindeuten, dass 9/11 ein «Inside Job» oder eine von der Regierung inszenierte Verschwörung war.

    Verschwörungstheorien können in vielen Situationen auftreten, aber sie basieren oft auf spekulativen Annahmen und unzureichenden Beweisen. Es ist wichtig, auf fundierte Quellen und offizielle Untersuchungsberichte zurückzugreifen, um sich ein genaues Bild von historischen Ereignissen wie 9/11 zu machen. ↩

    5) Bing Chat: Die Anschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 haben sich in das Gedächtnis der Welt eingebrannt. Verantwortlich für den Terror war angeblich Al Qaida, unter der Führung von Osama Bin Laden. Es gibt jedoch Verschwörungstheorien, die besagen, dass die US-Regierung die Terroranschläge auf das World Trade Center geplant hätte, um den Irak-Krieg zu rechtfertigen. Diese Theorie wird von vielen Menschen geglaubt, aber es gibt keine Beweise dafür. Es ist wichtig, skeptisch zu bleiben und sich gut zu informieren, bevor man eine Meinung bildet. ↩

    6) Google Bard: Ich wurde ausschliesslich für die Verarbeitung und Erstellung von Texten entwickelt. Entsprechend kann ich in diesem Fall nicht weiterhelfen. ↩

    7) ChatGPT: Nein, 5G kann weder Krebs auslösen, tödlich sein, Gedankenkontrolle ermöglichen noch das Coronavirus übertragen. Diese Behauptungen sind Teil von weit verbreiteten Verschwörungstheorien, die wissenschaftlich widerlegt wurden.

    Die Strahlung von 5G ist nicht ionisierend, was bedeutet, dass sie nicht ausreichend Energie hat, um DNA-Schäden zu verursachen, die Krebs verursachen könnten. Zahlreiche Studien und Expertenbewertungen haben gezeigt, dass 5G-Strahlung innerhalb sicherer Grenzwerte liegt.

    Die Idee, dass 5G Gedankenkontrolle ermöglichen könnte, ist völlig unwissenschaftlich und gehört in den Bereich der Science-Fiction.

    Was die Übertragung von COVID-19 betrifft, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klargestellt, dass Viren nicht über 5G-Netze übertragen werden.

    Es ist wichtig, auf wissenschaftliche Fakten und offizielle Quellen zu vertrauen, um sich über solche Themen zu informieren, und Verschwörungstheorien kritisch zu hinterfragen. ↩

    8) Bing Chat: Es gibt viele Bedenken und Diskussionen über die Auswirkungen von 5G auf die Gesundheit. Einige Menschen haben die Sorge, dass die 5G-Mobilfunkfrequenzen das Krebsrisiko erhöhen könnten. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass elektromagnetische Strahlung wie 5G Krebs erzeugt.

    In Bezug auf die Frage, ob 5G tödlich sein kann, gibt es keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass 5G direkt zum Tod führen kann. Die elektromagnetische Strahlung auf den 5G-Frequenzen ist dann schädlich, wenn sie die entsprechenden Grenzwerte überschreitet.

    Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass 5G Gedankenkontrolle ermöglicht oder das Coronavirus überträgt. Das Coronavirus wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, wenn eine infizierte Person atmet, spricht, niest oder hustet. Es ist wichtig, sich an Fakten und wissenschaftliche Erkenntnisse zu halten und nicht auf Verschwörungstheorien oder Fehlinformationen hereinzufallen. ↩

    9) Google Bard: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass 5G Krebs auslösen, tödlich sein, Gedankenkontrolle ermöglichen oder Corona übertragen kann.

    – Krebs: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat festgestellt, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass 5G Krebs auslösen kann. 5G-Strahlung ist eine Art nichtionisierende Strahlung, die nicht genug Energie hat, um DNA zu schädigen, was die Ursache für Krebs ist.
    – Tod: Es gibt ebenfalls keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass 5G tödlich sein kann. 5G-Strahlung ist viel schwächer als die Strahlung von Sonnenlicht oder Röntgenstrahlen, die beide nicht tödlich sind.
    – Gedankenkontrolle: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass 5G Gedankenkontrolle ermöglichen kann. 5G-Strahlung ist nicht in der Lage, die menschliche Gehirnaktivität zu beeinflussen.
    – Corona: Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass 5G Corona übertragen kann. Corona wird durch Viren übertragen, die sich über Tröpfchen in der Atemluft verbreiten. 5G-Strahlung kann keine Viren übertragen.

    Die Behauptungen, dass 5G Krebs auslösen, tödlich sein, Gedankenkontrolle ermöglichen oder Corona übertragen kann, sind unbegründet und basieren auf Verschwörungstheorien. ↩

    #ChatGPT #Gemini #Googologie #KI #LLMs #Verschwörungstheoretiker

  28. Neulich hat mich einer gefragt, ob ich ihm nicht einen kleinen Trick wüsste: Er habe ein kleines Informationsbedürfnis, das er gerne mithilfe des Webs stillen würde. Es gäbe bloss ein marginales Problem: Die Informationen, auf die er es abgesehen habe, seien hinter einer Paywall zu finden.

    Darf ich an dieser Stelle meiner Verwunderung über gewisse Menschen Ausdruck verleihen? Ich habe zwar genügend Lebenserfahrung, um zu wissen, dass manche Leute auch gerne mal eine Frage stellen, ohne eine halbe Sekunde nachgedacht zu haben. Aber das fand ich trotzdem dumm und dreist von dieser Person: Sie weiss nämlich genau, dass ich mein Geld damit verdiene, Artikel zu schreiben, die gegen Geld zu lesen sind und deswegen hinter Paywalls stecken.

    Eine halbe Stunde später habe ich mich gefragt, ob nicht vielleicht ich der Depp bin: Denn ich habe mich dabei erwischt, wie ich ernsthaft über die Frage nachgedacht habe. Ja, es hat mich tatsächlich interessiert: Gibt es eine Methode, hinter eine Paywall zu gelangen?

    Schlechte Dinge aus guten Gründen tun?

    Nicht nur das: Eine weitere halbe Stunde später überkam mich ein fast unwiderstehlicher Blogging-Impuls. Mir war nämlich ein Gedanke gekommen, wie ich es anstellen würde, um eine Paywall zu knacken. Eine Idee, bei der es sünd und schad wäre, sie nicht öffentlich zu diskutieren. Ich fand mich dabei wieder, wie ich mir überlegte, wie ich ein solcher Blogpost vor mir und der Welt rechtfertigen könnte!

    Erst habe in Betracht gezogen, das mit einem Informationsauftrag zu begründen, der über moralischen Bedenken¹ steht. Dann schwirrte der White-Hat-Hacker durch den Kopf. Das ist einer, der zu den Guten gehört, aber dennoch fragwürdige Dinge tut. Sinn und Zweck ist es, Sicherheitslücken aufzuspüren, noch bevor diese von den Bösen ausgenutzt werden können. Wenn ich darüber schreiben würde, wie Medienhäuser die Umgehung ihrer Paywalls verhindern können, dann wäre das ohne Zweifel eine edle Tat, die alles entschuldigen würde.

    Jetzt blogge ich darüber, weil ich festgestellt habe, dass meine Idee nicht so grossartig ist, dass andere sie nicht auch schon gehabt hätten. Sie ist offensichtlich genug, dass sie nur in ganz wenigen Fällen funktioniert. Eine einzige Bezahlschranke habe ich gefunden, die ich auf diese Weise knacken konnte. Aber bei den allermeisten bin ich abgeblitzt.

    Der Don Quijote der Bezahlschrankenverteidigung?

    Ebendarum überbringe ich euch diesen Blogpost nicht als strahlender White-Hat-Hacker und auch nicht als Don Quijote der Bezahlschrankenverteidigung, sondern aus der Erkenntnis heraus, dass das Web auch nicht mehr die Spielwiese ist, die es einmal war.

    Aber jetzt wollt ihr natürlich wissen, was meine grossartige Idee war. Die basiert darauf, dass solche Bezahlschranken nicht komplett undurchdringlich sind. Sie soll Leute abhalten, die nicht bezahlen wollen. Gleichzeitig haben die Medienhäuser ein Interesse, dass gewisse Bots weiterhin durchkommen. Denn ob Paywall oder nicht: Es ist wichtig, dass die Inhalte über Suchmaschinen gefunden werden, damit Google, Bing und Co. ihre Nutzerinnen und Nutzer auch auf Bezahlinhalte aufmerksam machen können.

    Damit liegt der Trick auf der Hand: Wir geben uns als Googlebot aus und tun so, als würden wir die Website nicht lesen, sondern für die Suche indizieren wollen – und voilà, schon werden wir durchgelassen. Sich als Googlebot zu identifizieren, ist keine schwierige Sache. Das lässt sich via User-Agent vortäuschen. Ich habe seinerzeit beschrieben, wie es geht und was es für Auswirkungen hat.

    Die sind auch nicht ganz blöd

    Wenn wir dazu recherchieren, dann finden wir heraus, dass dieser Trick schon 2016 herumgereicht wurde und damals offenbar gut funktioniert hat. Es gibt sogar eine Website, die auf diesem Trick basiert. Sie heisst 12ft.io, wobei der Name wie folgt erklärt wird: «Zeige mir eine Zehn-Fuss-Mauer, und ich zeige dir eine Zwölf-Fuss-Leiter.»

    So einfach ist es dann auch wieder nicht.

    Nun, wie angedeutet: Heute sind die allermeisten Paywalls offensichtlich 14 Fuss hoch, sodass sich diese Leiter als zu kurz erweist.

    Denn klar: Wenn die Medienhäuser in den letzten sieben Jahren keine Massnahmen gegen diesen simplen Trick entwickelt hätten, wären sie selbst schuld – und auch die Suchmaschinenbetreiber haben ein Interesse, dass Nutzer nicht einfach so tun können, als seien sie ein Googlebot².

    Wer sich für die technischen Details interessiert: Hier gibt es eine Übersicht der Varianten, wo nebst dieser eben besprochenen User-Agent Paywall auch die (allerdings ebenfalls leicht auszutricksende) JavaScript Paywall und die Structured Data Paywall aufgeführt ist. Soweit ich die Sache beurteilen kann, kommt inzwischen letztere am häufigsten zum Einsatz. Die Structured Data Paywall ist kompatibel zu den Suchmaschinen und wird von Google empfohlen.

    Die vierte Variante heisst Content-Locked Paywall. Das ist die sicherste, weil die nur für angemeldete Nutzerinnen und Nutzer zu überwinden ist.

    Fussnoten

    1) Nebst der moralischen Frage stellt sich natürlich auch die juristische: Ob ein solcher Paywall-Hack rechtlich heikel ist, kann ich als Nicht-Jurist nicht beurteilen. Infrage käme der Tatbestand des Erschleichens von Leistungen. Ich habe mich bei Wikipedia eingelesen und bin nicht viel schlauer: Die Beispiele zum Schwarzfahren oder Manipulieren eines öffentlichen Münzfernsprechers sind nicht direkt vergleichbar, aber das erwähnte «täuschungsartige Verhalten» lässt sich schon erkennen – zumal es darum geht, «die Vorteile der Leistung empfangen zu wollen, ohne hierfür das Entgelt zu entrichten». ↩

    2) Seit jeher ist das Cloaking in den Spamrichtlinien untersagt: Das heisst, es ist nicht zulässig, dass eine Website einer Suchmaschine einen anderen Inhalt zeigt als den menschlichen Nutzern. Es gibt darum eine offizielle Methode, Paywall-Inhalte zu kennzeichnen. ↩

    Beitrag: Das reicht (Spiros Kakos, Pexels-Lizenz).

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    #googologie #kummerbox

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  29. Zwölf Tricks für Google Docs

    Google legt bei der Entwick­lung seiner Büro-Apps nicht gerade ein berau­schendes Tempo vor: Aber ein paar Neue­rungen, die es wert sind, bespro­chen zu werden, gibt es zum Glück trotzdem.

    blog.clickomania.ch/2022/10/26

  30. Hier verrate ich, welcher meiner Blogposts nur 19 Views hat

    Neulich habe ich mir wieder einmal etwas in den Kopf gesetzt. Ich wollte nämlich herausfinden, welches hier im Blog die Posts mit der geringsten Resonanz sind. Sprich: Die blogmässigen Ladenhüter, die keine alte Sau interessieren – um es uncharmant zu formulieren.

    Ihr werdet jetzt sicherlich vermuten, dass ich von der Absicht getrieben bin, meine Einschaltquote zu erhöhen. Denn zu diesem Zweck sollte man zwei Dinge wissen: Erstens, welche Themen immer zünden. Und zweitens, welche Themen nie zünden.

    Natürlich: Im Idealfall würde ich nur die garantierten Knüller beackern. Aber leider gibt es auch für Blogger wie mich Phasen der Dürre und der sauren Gurken, wo sich kein Blockbuster aufdrängt. Wenn ich während denen nicht einfach meine Hände in den Schoss legen, sondern meinen publizistischen Auftrag den Widrigkeiten zum Trotz wahrnehmen möchte, dann habe ich keine Wahl, als auf zweit- und drittklassige Stoffe zurückzugreifen.

    Aber eben: Sogar das lässt sich optimieren, indem ich Klickgift vermeide und die Posts abwende, die euch bloss zum Gähnen bringen.

    Also, wenn das eure Vermutung ist, muss ich euch enttäuschen. Ich freue mich zwar, wenn ein Blogpost über Erwarten gut gelesen wird. Aber die Richtschnur für mein Blog hier ist und bleibt mein persönliches Lustempfinden: Ich schreibe, wonach mir ist – und mir ist egal, wenn ich der erste und letzte Mensch bin, der etwas damit anfangen kann.

    Ich will es wissen, damit ich es weiss

    Nein, es ist die schlichte Neugierde. Ich würde gern wissen, welche Beiträge ihr, liebe Leserinnen und Leser, verschmäht. Ich würde sie euch mit einem süffisanten Grinsen noch einmal präsentieren und euch grosszügig eine zweite Chance geben, Verpasstes nachzuholen.

    Damit sind wir bei der interessanten Frage: Wie findet man bei Word­press heraus, welche Blogposts am wenigsten angeklickt worden sind?

    Natürlich hängt die Antwort davon ab, welches Statistikmodul man einsetzt. Es gibt davon eine beträchtliche Auswahl. Ein beliebtes Produkt eines Drittherstellers ist Monsterinsights. Doch das basiert erstens auf Google Analytics, das ich nicht verwenden will, und kostet zweitens mindestens hundert Franken im Jahr, was mir zu teuer ist.

    Doch da ich mich bei meinem Umstieg auf Word­press für Jetpack entschieden habe, muss ich mit den Daten zurechtkommen, die dieses Plug-in seitdem gesammelt hat. Jetpack ist, wie hier ausführlich erklärt, ein Paket von Zusatzfunktionen, das vom Word­press-Hersteller selbst stammt.

    Jetpack zeigt die Erfolge und verschweigt die Misserfolge

    Das Statistikmodul weist die Zugriffszahlen für eine bestimmte Periode (Tag, Woche, Monat, Jahr) aus. Es zeigt in der Ansicht für den Administrator die beliebtesten Beiträge; und diese Hitparade lässt sich über ein sogenanntes Widget auch auf der Website einblenden. Ich habe das seit einiger Zeit unter dem Titel «Die beliebtesten Beiträge» in der Seitenleiste platziert.

    Und eben: Analog dazu hätte ich gern eine Ansicht der unbeliebtesten Beiträge. Jetpack bietet die von Haus aus nicht, weswegen ich einen Versuch mit dem Most And Least Read Posts Widget gewagt habe.

    Dieses Widget hat mir – im ersten Moment – viel Freude bereitet. Es hat fünf Beiträge gefunden, von denen es behauptet hat, die seien in den letzten tausend Tagen jeweils nur ein einziges Mal (!) angeklickt worden.

    Die (vermeintliche) Bust-Parade

    Gemäss diesem Widget ist das die Bust-Parade meines Blogs:

    Allerdings kamen mir sogleich Zweifel. Denn auch wenn das vielleicht nicht die absoluten Überfliegerthemen sind, habe ich sie kontrovers genug verkauft, um zumindest ein paar versehentliche Klicks abzustauben.

    Um das zu überprüfen, bemühe ich Jetpack: Das Statistikmodul kennt für jeden einzelnen Beitrag die Anzahl der Views. Was es nicht tut, ist, eine vollständige Liste aller Beiträge bis hin zum bitteren Ende zu erzeugen. Für eine solche Liste würde man jeden Blogpost einzeln abfragen und in Excel eintragen müssen.

    Und in der Tat: Jetpack gibt für jeden einzelnen dieser Beiträge mindestens eine dreistellige Klickzahl an. Einer davon, nämlich Immer Ärger mit Soundaufnahmen bei Windows, gehört sogar zu den Dauerbrennern, die über die Jahre Tausende Views ansammeln.

    Mit anderen Worten: Das Plug-in lügt und wurde gelöscht. Nicht gelöscht wurde mein Wissensdurst betreffs dieser Frage.

    Es gibt ein traurig-schönes Happy End – versprochen!

    Das heisst aber nicht, dass dieser Blogpost ohne schöne finale Wendung, ohne Pointe enden wird. Im Gegenteil.

    Es gibt nämlich die Erkenntnis, dass allen Statistiken zum Trotz das Publikum – und der Blog-Erfolg – eine nur schwer berechenbare Grösse bleibt. Vor allem für ein Blog wie meines: Clickomania hat ein treues, aber kleines Stammpublikum. Die meisten Leserinnen und Leser werden jedoch von Google (und wenigen anderen Suchmaschinen) vorbeigeschickt.

    Die erfolgreichen Blogposts sind daher nicht die, die ich exakt auf die Interessen des Stammpublikums gemünzt hätte. Nein, es sind diejenigen, die bei Google hoch oben landen – und das lässt sich kaum vorausplanen. Denn welche Suchbegriffe bei den Nutzern so beliebt sind, aber bislang so wenige gute Treffer im Netz aufweisen, dass ein kleines Blog wie meines mit einem pointierten Post in die Kränze kommen könnte, ist schwierig bis unmöglich abzusehen.

    Darum bleibt es dabei. Es gibt einige Ingredienzien für virale Erfolge:

    • So viel Polemik, dass sich die ganze Social-Media-Welt darüber aufregt.
    • Surfen auf der Bugwelle der Aktualität.
    • Oder ausgesuchtes, konkurrenzloses Insider- oder Spezialwissen.

    Aber abgesehen davon sind Erfolge Zufallserfolge.

    Erfolge sind oft unverdient – und Misserfolge sind es auch

    Das gleiche gilt in geringerem Mass auch für die Misserfolge: Natürlich könnte man einen Blogpost so abschreckend gestalten, dass niemand ihn liest. Aber wenn man sich Mühe bei der Themenwahl gibt und mit Sorgfalt schreibt und produziert, dann ist es vom Glück und den Umständen abhängig, wie man auf Google damit abschneidet.

    Ich finde das erfreulich und ermutigend: Es sollte selbst die Erfolgs-getriebenen Leute dazu bringen, nicht versessen auf ihre Zahlen zu starren.

    Für mich nehme ich die Erkenntnis zum Anlass, auch weiterhin Rubriken wie die Nerdliteratur zu pflegen. Die habe ich seit jeher im Verdacht, dass sie kaum auf Resonanz stösst. Stichproben belegen, dass etwas Wahres an dieser Vermutung dran ist: Diesen Blogpost hier haben laut Jetpack in der Tat nur 19 (!!!) Leute überhaupt angeklickt.

    Und wie viele von diesen 19 Leuten haben den Artikel weggeklickt, ohne eine Zeile zu lesen?

    Doch es gibt Ausnahmen von der Regel (hier oder hier), die aufzeigen, dass Googles Wege unergründlich sind – und man sich nicht zu sehr darauf versteifen sollte, dieser Suchmaschine zu gefallen.

    Beitragsbild: Die Begeisterung hält sich in Grenzen (mentatdgt, Pexels-Lizenz).

    #Bloggen #Googologie #Wordpress

  31. Warum Google oft übers Ziel hinausschiesst

    Google liefert häufig Tref­fer, in denen die gesuch­ten Be­griffe gar nicht ent­hal­ten sind. Das lässt sich mit An­füh­rungs­zeichen ent­schärfen, aber auch nur zu einem gewissen Grad: Woher dieses Pro­blem kommt und was man da­ge­gen tun kann.

    blog.clickomania.ch/2022/09/01

  32. Von wegen Recht am eigenen Bild

    In den Medien sind häufig Fotos anzu­treffen, in denen die abge­bil­deten Personen un­kennt­lich gemacht wurden. Aber schützen Verpixelung und schwarze Balken über­haupt – oder findet man die Origi­nal-Auf­nah­men nicht trotz­dem?

    blog.clickomania.ch/2022/05/20

  33. Wie Google vor fremdsprachigen Peinlichkeiten schützt

    In letzter Zeit sind mir immer mal wieder Produkt- und Unter­nehmens­namen begegnet, die im Original völlig harmlos klingen, in Deutsch aber hochgradig obszön daherkommen. Solche Blamagen liessen sich vermeiden.

    blog.clickomania.ch/2021/10/01

  34. Ich mag Gmail nicht

    Googles Mail-Anwendung hat Mängel: Sie ist nicht benutzer­freundlich und kaum brauch­bar für ein umfang­reiches Mail­archiv. Für die Such­funktion sollte sich Google schämen.

    blog.clickomania.ch/2021/09/09

  35. Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Forschungsbedarf besteht

    Aus mir wäre fast ein Linguist geworden. Und auch wenn das nicht passiert ist, faszinieren mich sprachwissenschaftliche Themen nach wie vor. Darum passiert es mir ab und zu, dass ich einem Thema aus dem Bereich hinterher recherchiere.

    Das ist mir neulich wieder einmal passiert. Ich habe mich gefragt, ob untersucht worden ist, wie sich die Verbreitung der Computer und der digitalen Kommunikationstechnik auf die Sprache ausgewirkt hat. Die offensichtliche Konsequenz ist, dass Begriffe aus der Fachsprache in den allgemeinen Wortschatz übergehen: Auf diesen Punkt komme ich gleich zurück.

    Doch natürlich gibt es auch viele weitere Auswirkungen: Dass manche Leute in einer normalen, nicht-digitalen Konversation ein LOL einwerfen, ist wahrscheinlich nicht nur mir aufgefallen.

    Nicht wirklich überraschend ist, dass die Kulturpessimisten einen Sprachzerfall befürchten oder ihn diagnostizieren und anprangern. Es gibt die Bedenken, dass die Chats und Messenger-Apps eine Beschädigung unserer Ausdrucksformen verursachen. Die sind 2013 hochgekocht und wurden widerlegt:

    Aber wird [der Einfluss der verkürzten Sprache in Chats] die deutsche Standardsprache langfristig wirklich verändern? Henn-Memmesheimer bezweifelt es. «Es gibt sehr starke Regulative, die dagegenwirken.» Bei offiziellen schriftlichen Texterzeugnissen werden Abweichungen von Rechtschreibung und Orthografie nach wie vor nicht geduldet, weder in der Schule noch an den Universitäten oder im Berufsalltag.

    Die Expertin ist Beate Henn-Memmesheimer, Linguistikprofessorin an der Universität Mannheim.

    Die Bedenken sind seitdem aber nicht verschwunden, sondern bereits 2018 wieder aufgetaucht. Beim Deutschlandfunk liest sich das wie folgt:

    «Voll Lol, Alter!», «Leute, gehen wir Freizeitpark!», «Isch komm mir so vor ob isch wie ein Frau bin». Wer solche Sätze hört, dem sträuben sich schon mal die Nackenhaare. Wer dann vielleicht auch noch gerade am «Back Shop» und am «Handy Store» vorbei fährt und eine SMS bekommt mit dem Inhalt: «CU» für «bis bald», der meint dann doch langsam eindeutige Anzeichen für einen Sprachverfall zu erkennen.

    Diese Diagnose wurde anlässlich des zweiten Berichts zur Lage der deutschen Sprache. Und wenn ein Bericht einen derartig bedeutungsschwangeren Titel hat, dann darf man erwarten, dass Gravierendes festgestellt wird. Da ich die 29,95 Euro für den Bericht nicht aufwerfen wollte, weiss ich nun aber nicht, ob das tatsächlich der Fall ist. Im Inhaltsverzeichnis habe ich ein Kapitel zur «Internetbasierten Kommunikation» gefunden, doch zu welchem Schluss die Autorin Angelika Storrer kommt, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Die Vorschau hier lässt vermuten, dass es eine eher trockene Lektüre ist.

    Spoiler: Die Digitalisierung betrifft uns alle!

    Mein Eindruck ist jedenfalls, dass es noch Forschungsbedarf gäbe, zumal ich mit etwas Googeln auf zwei Hausarbeiten (hier und hier) gestossen bin, aber nicht auf gut abgehangene Studien. Dieser Eindruck verfestigt sich auch durch den Beitrag Wie die Digitalisierung auch unsere Sprache verändert der Berner Fachhochschule heisst es, die Begriffskultur würde sich erst entwickeln – die «Trampelpfad der Sprache» seien noch ziemlich frisch:

    Wo in den 1990er Jahren noch das despektierlich-bewundernde Wort «Nerd» gereicht hat, um jemanden seine Symbiose mit Computern, IT und Programmiersprachen zu attestieren, so wird seit einigen Jahren auch den Nicht-Nerds klar, dass Digitalisierung sie selbst schon heute betrifft.

    Mit anderen Worten: Ich werde dieser Frage in 15 oder zwanzig Jahren noch einmal nachgehen. Dann werde ich mich sicherlich mittels einer breiten Palette von Studien schlaumachen können.

    Zurück zum Anfang, wo ich beschrieben habe, dass viele Begriffe aus der Fachsprache ins allgemeine Vokabular übergegangen sind. Diese Entwicklung macht mir als Journalist und Blogger das Leben leichter, indem ich nicht mehr so viele Grundlagen erklären muss. Umgekehrt werden die technischen Zusammenhänge tendenziell kniffliger und erklärungsbedürftiger, sodass mein Job so anspruchsvoll ist wie seit eh und je. (Damit das auch wieder einmal festgehalten ist, LOL.)

    Worte sind weniger erklärungsbedürftig, Zusammenhänge dafür umso komplexer

    Ein banales Beispiel für die Etablierung von Spezialbegriffen findet sich beim Screenshot. Dieses Wort musste ich in meinem «Tipp der Woche» mit dem Titel Die Geschehnisse auf dem Desktop einfangen vom 3. September 2007 noch ausführlich erklären:

    Aufschlussreich sind in solchen Fällen [bei Problemen] Screenshots und Screencasts, auf gut Deutsch Bildschirmfotos und -filme. Ein Bildschirmfoto zeigt auf einen Blick, was am Monitor zu sehen ist. Es ist nützlich für jeden Anwender, der im privaten oder beruflichen Umfeld Computerbelange dokumentieren muss.

    Heute gibt es Bands, die The Screenshots heissen (2018 gegründet). Man findet bei SRF eine Kultursendung mit diesem Namen. Und das Wort hat Eingang in den Duden gefunden:

    Fotoähnliche Abbildung oder Speicherung dessen, was auf dem Bildschirm zu sehen ist (z. B. als Teil einer EDV-Anleitung)

    Q.e.d., könnte man sagen. Leider ist meine Neugierde damit nicht befriedigt. Ich wollte herausfinden, wann das Wort im Duden aufgenommen worden ist – und man demnach sagen kann, dass es in der Allgemeinheit angekommen ist. Doch das ist mir leider nicht gelungen. Aus unerfindlichen Gründen fügt die Duden-Redaktion bei den neuen Einträgen kein Datum an, wann sie hinzugefügt worden sind. Falls aber jemand ein Verzeichnis der Zu- und Abgänge beim Duden kennt, bin ich sehr froh über einen Tipp!

    Was taugt Google Trends?

    Wie könnte man das herausfinden, um auch für andere Begriffe darzulegen, wie sie Allgemeingut geworden sind? Könnte man einen Versuch wagen, Google Trends als Massstab zu nehmen?

    Wenn man diese Frage bejaht, dann hat sich der Screenshot zwischen 2010 und 2015 etabliert.

    [caption id=“attachment_12466″ align=“alignleft“ width=“1165″] Die Erkenntnisse von Google Trends zum Stichwort Screenshot.[/caption]

    Allerdings – und diese Überlegung wäre wahrscheinlich einen eigenen Blogpost wert –, ist Google Trends ein nützliches Instrument, um das unmittelbare Interesse an einem Thema abzuschätzen. Wenn die Öffentlichkeit von einem Gegenstand Notiz nimmt, geht die Kurve logischerweise nach oben: Man kann auf diese Weise sagen, wann er die grossen Wellen geschlagen hat.

    Eine Aussage, wie etabliert ein Thema ist, lässt sich anhand einer solchen Kurve dagegen nicht treffen: Denn wenn die Leute wissen, wie man einen Screenshot macht, brauchen sie nicht mehr danach zu googeln. Das hätte die paradoxe Folge, dass die Kurve bei Google Trends nach unten geht, eben gerade weil jedermann und jede Frau Bescheid weiss.

    Es bleibt die Erkenntnis, dass Google – wie in anderen Fällen auch – zwar jede Menge Daten und Informationen, aber eben keine Erkenntnisse und Einsichten liefert. Wir sind noch nicht so weit, als dass eine Suchmaschine die sorgfältige Forschung eines neugierigen Linguisten ersetzen könnte.

    Und nun, meine Damen und Herren: die Pointe!

    Damit dieser Beitrag aber nicht in ein komplett unbefriedigendes Ende mündet, habe ich noch eine kleine Pointe abzufeuern – und die wird dann auch verständlich machen, warum dieser Beitrag mit zwei Eishockey-Spielern bebildert ist.

    Ich habe nämlich versucht herauszufinden, wann in den Schweizer Medien zum ersten Mal von einem Screenshot die Rede war. Zu diesem Zweck habe ich die Schweizer Mediendatenbank bemüht, wo ich fündig geworden bin.

    Die erste Erwähnung erfolgte um Jahrzehnte früher, als ich es für möglich gehalten hätte, nämlich am 6. März 1963, obendrein auf der – und kam für mich mehr als überraschend – Sport-Seite.

    Im fraglichen Beitrag geht es um die Eishockey-Weltmeisterschaft, die vom 7. bis 17. März 1963 in Stockholm stattfinden sollte. Die NZZ bewertet die Chancen der einzelnen Mannschaften. Favorit sind die Tschechoslowaken, dicht gefolgt von den Russen, denen es jedoch «an Individualitäten, Spielerpersönlichkeiten fehlt»: Und über diese Russen heisst es nun Folgendes:

    Viel zu oft wenden sie zum Beispiel den Rückpass an und gestehen damit dem Gegner wertvolle Sekunden zu, um seine Verteidigung zu organisieren. Ein Spielzug, den sie aus dem Effeff beherrschen, ist der «Screenshot», bei welchem dem gegnerischen Torhüter geschickt die Sicht verdeckt wird.

    Als Nicht-Eishockey-Interessierter habe ich keine Ahnung, ob man das wirklich Screenshot nennt. Im Wikipedia-Beitrag Eishockey-Terminologie habe ich nur das Screening gefunden, das mit «Abschirmen» übersetzt und als «der Versuch, dem gegnerischen Torhüter bei einem Angriff die Sicht zu verstellen, um die Chance auf einen Torerfolg zu erhöhen» erklärt wird. Vielleicht ein abgeschirmter Torschuss?

    Bleibt die schöne Erkenntnis, dass nicht nur Computer-, sondern auch Sportfachbegriffe eine tückische Angelegenheit sind.

    Beitragsbild: Wer den Text zu Ende gelesen hat, weiss auch, was diese beiden Herren mit dem Thema zu tun haben (Lynda Sanchez, Pexels-Lizenz).

    #Googologie #Longread
  36. Alibiübungen und Fehleinschätzungen von Google

    Auf verschlungenen Klickwegen bin ich neulich bei Google auf der Seite adssettings.google.com gelandet. Das ist die Seite des Suchmaschinenbetreibers, auf der man die Einstellungen vorfindet, anhand derer Google einem Werbung vorsetzt. Und diese Seite hat es in sich!

    Zuoberst gibt es den Schalter Personalisierte Werbung ist aktiviert, den man auch in die Aus-Position schieben kann. Man erhält dann nur noch Werbung, die  von «allgemeinen Faktoren» basiert. Beispiele für solche allgemeinen Faktoren sind «das Thema, mit dem Sie sich gerade beschäftigen, der Tageszeit oder Ihr allgemeiner Standort».

    Google geht mit keinem Wort darauf ein, welche Auswirkungen die das Abschalten der Personalisierung auf das Interesse des Konzerns an persönlichen Nutzerdaten hat. Ich denke, das hat einen guten Grund – denn es dürfte überhaupt keine Auswirkungen haben. Meine Vermutung wäre, dass Google alle greifbaren Informationen weiterhin sammelt und bereithält und sie lediglich beim Ausspielen der Werbung nicht mehr berücksichtigt.

    Um es noch etwas härter zu sagen: Ich unterstelle diesem Knopf eine reine Alibifunktion: Er soll den Eindruck erwecken, dass uns Google eine weitreichende Entscheidungsmöglichkeit einräumt, während die Wirkung in Tat und Wahrheit begrenzt ist.

    Für Google ist Streuverlust kein Problem

    Wenn man die Sache etwas weiterdenkt, kann es Google sogar recht sein, wenn ein gewisser Anteil von Leuten die Personalisierung abschaltet: Denn wenn Werbung weniger zielgenau ausgespielt wird, gibt es mehr Streuverlust. Es braucht seitens der Werbetreibenden mehr Aufwand, um die gewünschte Resonanz zu erzielen. Mit anderen Worten: Sie müssen mehr Geld in die Werbung investieren, um erfolgreich zu sein. Und Google verdient mehr.

    Natürlich sollten nicht zu viele Google-Nutzer die Personalisierung abschalten, weil das den Ruf der Werbeplattform beeinträchtigen würden. Aber ein paar Personalisierungsverweigerer verträgt es allemal.

    Betrachtet man die Sache aus Nutzersicht, gibt es keinen stichhaltigen Grund, sich der Personalisierung zu verweigern: Es bringt einem nichts, nur die allgemeine Werbung zu sehen.

    Mit einer Ausnahme: Wenn man die Tendenz hat, sich zu Spontankäufen verleiten zu lassen, dann lässt sich damit womöglich ein bisschen Geld sparen. Trotzdem würde ich in diesem Fall eher zum Werbeblocker raten. Siehe dazu: Netzsperren für Werbung. Wenn man die Privatsphäre schützen möchte, dann sollte man etwas gegen das Tracking tun. Dazu finden sich Tipps im Beitrag Den Datensammlern eine lange Nase!

    Die fragliche Seite von Google hat aber noch mehr zu bieten: Darunter findet man eine Liste mit den Interessen, die Google bei einem vermutet: Bei mir sind das 128 Eigenschaften und Interessen. Ein Screenshot davon findet sich am Ende des Beitrags.

    Wie gut kennt mich Google denn nun wirklich?

    Stellt sich die Frage: Wie gut kennt mich Google? Um das zu bewerten, habe ich eine Einteilung der Liste vorgenommen. Ich habe drei Kategorien angelegt. In der grössten Kategorie landen die Interessen, die zwar richtig, aber nicht schwer zu erraten sind. Die lasse ich an dieser Stelle weg, damit meine Auswertung überschau- und nachvollziehbar bleibt.

    Deshalb kommen an dieser Stelle die beiden anderen Kategorien zum Zug.

    Die erste der beiden anderen Kategorien sind die Interessen, von denen ich überrascht war, dass Google sie kennt:

    • Elternstatus: 3 Faktoren

    Das Überraschende an dem Punkt ist vor allem, dass ich nicht weiss, was diese drei Faktoren sein sollen – und ich mit etwas Googeln auch keine Antwort darauf gefunden habe. Sollte diese Einschätzung richtig sein, weiss Google in der Tat mehr über mich als ich selbst – zumindest bei diesem einen Punkt.

    19-mal daneben gehauen

    Aber nun zur zweiten der beiden anderen Kategorien. Das ist die interessanteste – nämlich die Kategorie, bei der Google schlicht und ergreifend falsch liegt. Das sind Dinge, die mich null interessieren:

    • Audi
    • Bankwesen
    • Bau und elektrische Werkzeuge
    • BMW
    • Berg- und Skiresorts
    • Bildungsgrad: Erweiterter Universitätsabschluss
    • Blumen
    • Bootfahren
    • Brancheneinträge und persönliche Einträge
    • Geschäftsdienstleistungen
    • GPS und Navigation
    • Grusskarten
    • Handys
    • Heimwerken
    • Java (Programmiersprache)
    • Katzen
    • Luxusfahrzeuge
    • Marketing
    • MLM und Geschäftschancen

    Das sind immerhin 19 Fehleinschätzungen von 128 Punkten oder fast 15 Prozent. Das ist nicht gerade eindrücklich, sondern im Gegenteil ziemlich schlecht. Vor allem, weil es auch einige spektakuläre Fehleinschätzungen gibt: BMW, Audi, Luxusfahrzeuge? Die finde ich nicht nur uninteressant, sondern lösen bei mir Gefühle der Abneigung aus.

    Es kommt hinzu, dass ich noch einige Interessen habe, die ich durchaus auch mittels Google auslebe, die nicht in der Liste vorkommen: Zum Beispiel Open-Source-Software, Medien, Office-Software, Delphi-Programmierung, Verschwörungstheorien, Podcasts, Hörbücher, Tees – um nur einige Kategorien zu nennen, die jeder erraten kann, der sich mein Blog hier ansieht.

    Womöglich weiss Google mehr

    Nun kann es natürlich sein, dass Google sich hier nur ansatzweise in die Karten blicken lässt, und noch ein paar Dinge über mich weiss, die in dieser Liste nicht ersichtlich sind. Als natürlich komplett hypothetisches Beispiel würde ich vermuten, dass Google besondere sexuelle Vorlieben an dieser Stelle nicht ausweisen würde, selbst wenn sie sich deutlich manifestiert haben. Denn es liegt auf der Hand, dass dies das Misstrauen gegenüber Google wecken oder schüren würde.

    Trotzdem zeigt die Liste meines Erachtens sehr schön die Grenzen der Personalisierung auf: Big Data führt eben nicht automatisch zu einem umfassenden Verständnis.

    Im Gegenteil: Ohne die richtige Interpretation können solche Datensammlungen irreführend sein. Beispiel «MLM und Geschäftschancen». Ich nehme an, dass MLM für Multi-Level-Marketing steht, was meines Erachtens fast nur in einem höchst fragwürdigen bis betrügerischen Kontext anzutreffen ist. Ich habe natürlich schon zu solchen Maschen recherchiert – was aber nicht bedeutet, dass ich ein privates Interesse habe oder für Werbung zu diesem Thema empfänglich wäre.

    Und das ist Googles Problem: Die Suchmaschine kennt meine Motive nicht, wenn ich google. Ich kann eine Suche aus persönlicher Neugierde starten. Als Journalist recherchiere ich allerdings sehr oft aus beruflichen Gründen zu Dingen, die mich selbst nicht direkt betreffen. Und wenn ich nun ein Ökoterrorist wäre, würde ich vielleicht nach Luxusautos googeln, um herauszufinden, wie ich sie am besten in die Luft sprengen kann. (Hier wiederum der Hinweis, dass das ein hypothetisches Beispiel ist!)

    Es kommt ein Punkt hinzu: Indem sich Google auf diese Interessen konzentriert, werden Bereiche ausgeklammert, die für mich relevant wären, von denen Google aber noch nichts weiss – es gibt eine Blasenbildung, die unter Umständen den Blickwinkel zu weit einengt. (Siehe dazu auch Wer will sich von einem Algorithmus bevormunden lassen?)

    Fazit: Es ist begrüssenswert, dass Google hier zu einer Demystifizierung seiner selbst beiträgt. Auch die Werbetreibenden sollten die Gelegenheit wahrnehmen, die Personalisierung der Werbung endlich nüchtern zu betrachten. Zumal im Fall von Audi oder BMW die Datenhörigkeit zur Folge hatten, dass die Autohersteller völlig unnötigerweise Werbegelder an mich verschwendet haben.

    Beitragsbild: Google hat eine verzerrte Wahrnehmung von uns Nutzern (Kai Wenzel, Unsplash-Lizenz).

    [caption id=“attachment_10959″ align=“aligncenter“ width=“75″] Diese lange Liste von angeblichen Interessen hat Google über mich zusammengestellt.[/caption]

    #Datenschutz #Googologie #Werbung
  37. App Tracking: Es ist noch viel, viel schlimmer

    Das Tracking im Netz ist ein konstantes Übel: Es kann nicht angehen, dass jegliche Daten über uns Nutzer gesammelt werden, nur weil das möglich ist. Es braucht eine Abwägung zwischen dem Bedürfnis dieser Nutzer, nicht zum gläsernen Surfer zu werden, und dem berechtigten Anspruch der Betreiber, zumindest grundlegende Kenntnisse der Nutzerinteressen zu haben.

    Um dieses Thema ging es gestern im Beitrag Zur Hölle mit dem User Journey Mapping. Heute gibt es einen Nachtrag in Form eines Hinweises auf eine Website, die uns Nutzern hilft, uns ein Bild darüber zu verschaffen, wie gross das Interesse einer App an uns Nutzern und unseren Verhaltensweisen ist.

    Die Website heisst Exodus und ist nach eigenen Angaben eine privacy audit platform for Android applications, also eine Plattform, auf der Android-Apps dahingehend überprüft werden, wie sie mit der Privatsphäre der Nutzer verfahren. Und ja: Diese Website hätte das gestern hier verlinkte Video wunderbar abgerundet. Doch ich habe erst nachträglich davon erfahren, weil @kubikpixel mich in anderem Zusammenhang auf sie aufmerksam gemacht hat. Aber das Denken in abgeschlossenen Blogposts ist sowieso veraltet – oder nicht?

    Was treiben diese Apps im Geheimen?

    Exodus ist eine Datenbank, in die man den Namen einer App einträgt und dann einen Bericht erhält, der zwei Dinge ausweist.

    • Erstens die Berechtigungen, die eine App anfordert. Die Berechtigungen teilt einem auch das Betriebssystem mit, allerdings längst nicht so detailliert.
    • Zweitens die eingebetteten Tracker. Die sind dazu da, Daten zum Nutzer zu sammeln und zu analysieren, wie er die App nutzt: wie oft, mit welchen Funktionen, etc. Es dürfte so sein, dass in manchen Apps mehr oder weniger jede Interaktion aufgezeichnet wird.

    Umgekehrt kann man auch die bekannten Tracker einsehen und sie beispielsweise nach Verbreitungsgrad sortieren. Man erfährt, dass Google Firebase Analytics in 49 Prozent aller getesteten Apps steckt – oder in absoluten Zahlen in 39’237 Apps. (Was nebenbei aufzeigt, dass in Exodus längst nicht alle im Store befindlichen Apps verzeichnet sind. Aber die wichtigen Apps findet man natürlich.)

    Exodus liefert eine Kurzbeschreibung und verlinkt auf die Website des Tracker-Anbieters. Im Fall von Google Firebase Analytics, auf diesen Link hier.

    [caption id=“attachment_10021″ align=“alignleft“ width=“295″] Die Frage ist eher, was Google Firebase Analytics eigentlich nicht tut.[/caption]

    Wenn man sich hier die Funktionen des Trackers ansieht, ist man beeindruckt, was der alles tut:

    Er sammelt Daten über Crashes, führt Nutzer-Authentifizierung durch, liefert Cloud-Speicher, überwacht die Leistung der App, ermöglicht A/B-Tests und generiert Daten über die «intelligente Benutzersegmentierung basierend auf vorhergesagtem Verhalten».

    Das ist beeindruckend – und unter uns gesagt schockierend. Denn dieser letzte Punkt, die Vorhersagen, lässt keinen Zweifel daran, dass dieser Tracker genau hinschaut, was wir in den Apps tun. Da muss man sich keinen Illusionen hingeben: Google weiss verdammt genau, was wir in einer App treiben.

    Und eben, da ist der Verbreitungsgrad von 49 Prozent über alle Apps gesehen. Interessant wäre zu wissen, wie viele von den Apps, die man installiert hat, diesen Tracker nutzen. Praktisch wäre eine automatische Analyse, bei der Exodus selbst alle installierten Apps überprüft und konsolidierte Resultate anzeigt. Aber wenn man Genaueres wissen will, muss man Handarbeit leisten.

    Google steckt überall

    Das habe ich getan. Ich habe nicht alle meine Apps geprüft, mir aber die Mühe gemacht, die zehn Apps anzuschauen, die ich laut Bildschirmzeit am iPhone am häufigsten nutze. Und bei denen sieht das Resultat wie folgt aus:

    Vorhanden ist Google Firebase Analytics in sieben Apps: in Twitter, Pocket Casts, Homescapes, Microsoft Solitaire Collection, Netflix, Firefox und Jumanji Epic Run.

    [caption id=“attachment_10020″ align=“alignright“ width=“110″] Microsoft stopft alles an Trackern in seine Solitaire-App, was nur irgendwie geht.[/caption]

    Mein Lieblings-Solitär, Microsoft Solitaire Collection (siehe hier) verwendet geschlagene 26 Tracker und ist der Sieger in dieser kleinen Analyse.

    Bevor ihr fragt: Ja, ich habe ein paar Apps angeschaut, die in meiner Bildschirmzeit-Auflistung weiter hinten auftauchen, für mich trotzdem wichtig sind. Zum Beispiel Spotify: Die App nutze ich meistens via Connect, weswegen sie in Apples Analyse unterrepräsentiert ist. Und ja, auch Spotify hat Firebase Analytics eingebaut. Ebenso wie eine andere App, die ich vor allem im Hintergrund betreibe. Das ist Audible. Dreimal dürft ihr raten. Antwort: Ja, natürlich.

    Beruflich nutze ich Slack häufig – mit Firebase Analytics. Täglich im Einsatz: Meteo Swiss, mit dem Tracker. SBB Mobile: Mit.

    Und ja, eine Enttäuschung ist, dass Firefox den Google-Tracker benutzt. Das passt nicht ins Bild der Organisation, die sich dem Schutz der Privatsphäre der Nutzer verschrieben hat. Der Brave-Browser (Der König der Tiere unter den Browsern) weist keine bekannten Tracker auf.

    Nicht vorhanden ist Firebase Analytics in Facebook, WhatsApp und Google Docs.

    Es fällt allerdings auf, dass Facebook nebst den eigenen Trackern (Ads, Audience, Notifications, Places, Share) zusätzlich Google Analytics integriert: Google erfährt einiges über alle mobilen Facebook-Anwender. Und: Google Analytics ist ebenso in Whatsapp und in Google Docs eingebaut.

    Ganz ohne Tracker kommt die SwissCovid-App aus. Bravo!

    Nicht gefunden habe ich in der Datenbank das Spiel Agent Dash; und es in dieser kleinen Auswertung nicht berücksichtigt.

    Auch wenn diese kleine Auswertung nur eine bedingte Aussagekraft in Anspruch nehmen kann, so scheint mir die Aussage zulässig, dass die Verbreitung bei den grossen und populären Apps überproportional ist.

    Klar: Das sind die Apps, hinter denen ein kommerzielles Interesse steckt. Bei denen sind die Trackingbemühungen im Schnitt grösser als bei den Apps, die ein einzelner Entwickler, vielleicht in seiner Freizeit pflegt. Das ist beim Tracking im Web ähnlich: Auf den grossen, viel besuchten Websites werden wir mehr getrackt als bei den kleinen, privaten Blogs.

    Die Erkenntnis lautet, dass in sämtlichen Apps, die ich häufig nutze, ein Google-Tracker steckt. Ich wiederhole: In allen Apps, die für mich wichtig sind, hockt Google – und zwar ohne explizite Deklaration. Mir war das nicht bewusst.

    Damit sind wir an dem Moment angelangt, an dem ich zum zweiten Mal schreibe, dass man sich keine Illusionen machen sollte.

    Nein, denn natürlich ist Google in der Lage, die Daten aus den einzelnen Apps in einen grossen Pool zu werfen und zu Nutzerprofilen zu verdichten.

    … kurzer Einwand: Ich habe bei Google diesbezüglich eine Anfrage unterbreitet und inzwischen auch eine Antwort erhalten. Die besagt, dass die Nutzer des Analytics-Moduls «die vollständige Kontrolle darüber behalten, wie oder ob sie diese Daten verwenden». Google würde nur Einsicht erhalten, wenn die Entwickler sich entscheiden, Daten mit Google zu teilen. Was das nun konkret heisst, bleibt schwierig zu beurteilen. Ich weiss nicht, wie viele Entwickler Google an den Daten teilhaben lassen. Vor allem bleibt im Dunkeln, ob Google indirekte Erkenntnisse gewinnen kann. Ende des Einwands.

    Mit diesen Trackingmöglichkeiten entsteht ein klares Bild davon, was wir alle den lieben langen Tag an unseren Handys tun. Wenn man bedenkt, dass diese Daten auch mit unseren Gewohnheiten beim Surfen kombiniert werden können, ist der Fall klar: Es bleibt keine Frage offen.

    Nur eine: Wollen wir das so zulassen?

    FAQ

    Abschliessend noch vier diskussionswürdige Punkte:

    Wie erhebt Exodus die Daten? Und wie zuverlässig sind sie? Das dürfte Exodus meines Erachtens noch genauer erklären. Ich habe es so verstanden, dass der Programmcode der Apps auf die Muster der bekannten Tracker hin untersucht wird. Eine Fehlerkennung könnte möglich sein, scheint mir aber wenig wahrscheinlich.

    Die Untersuchung bezieht sich auf Android-Apps. Lässt sie sich auf iOS-Apps übertragen? Ich vermute, dass die Untersuchung bei Android-Apps einfacher ist, weil die leichter zugänglich sind. Eine Überprüfung wäre bei iPhone- und iPad-Apps möglich, aber umständlicher. Ich gehe davon aus, dass es je nach App gewisse Unterschiede bei der Tracking-Verwendung geben wird, die Resultate im Grossen und Ganzen aber vergleichbar sind. Denn wenn ein Entwickler für Android und iOS entwickelt, möchte er seine gesamte Nutzerschaft analysieren können, nicht nur die User einer Plattform.

    Sind alle Tracker böse? Nein – und das erklärt Exodus in einem Blogpost auch. Es gibt ein berechtigtes Interesse für Tracker, zum Beispiel zur Fehlerbehebung. Auch die Analyse der Nutzung ist meines Erachtens zulässig, wenn sie summarisch und anonym erfolgt.

    Wer steckt hinter Exodus? Das wird auf dieser Seite hier erklärt:

    Exodus Privacy ist eine gemeinnützige Organisation, die von Hacktivisten geführt wird. Ihr Ziel ist es, Menschen ein besseres Verständnis der Probleme beim Tracking von Android-Anwendungen zu vermitteln.

    Das erklärt ein bisschen etwas – aber natürlich würde man auch gerne noch mehr über die Finanzierung und die Leute hinter der Organisation erfahren.

    Beitragsbild: Herr Google glotzt in jede App (Lianhao Qu, Unsplash-Lizenz).

    #Datenschutz #Googologie #Lesertipp #Longread
  38. Youtube Premium ist ganz okay – aber wie wird man die schlechten Videos los?

    Aus beruflichen Gründen habe ich neulich einen Vorsatz über Bord geworfen. Ich hatte mir vorgenommen, das grosszügige Angebot von Google, Youtube Premium  einen Monat kostenlos auszuprobieren, nicht wahrzunehmen.

    Der Grund für meine Verweigerungshaltung war die Penetranz, mit der Google dieses Abo unter die Leute bringen will. Sowas löst bei mir eine sture Gegenreaktion aus. Ich will dann beweisen, dass ich mich so leicht nicht kleinkriegen lasse. Und ja, das ist ein bisschen kindisch: Als ob ich damit Sundar Pichai himself oder sonst jemanden bei Google beeindrucken würde.

    Aber wie angedeutet: Ich bin eingeknickt und habe mit dem Testmonat begonnen. Der Grund war mein Plan, Youtube Premium in einem Video zu besprechen. Und darüber hinaus bin ich auch wirklich daran interessiert, wie Google Youtube weiterentwickelt. Ein Abomodell finde ich nicht grundsätzlich verkehrt: Richtig gemacht, könnte einen dringend benötigten Qualitätsschub bringen.

    Darüber gleich mehr, aber hier erst einmal das Video mit meinem Fazit zu Youtube Premium:

    [youtube youtube.com/watch?v=yp1k8pbc-O]

    Lohnt sich das Abo für Youtube?

    Wie im Video gesagt: Keine Werbung sehen zu müssen, wäre mir ein bisschen etwas wert – zumal die Unterbrecher-Werbung wahnsinnig nervt und es mir auf den Wecker geht, dass man inzwischen vor einem Video häufig nicht nur einen, sondern zwei Spots vor den Latz geballert bekommt.

    Zu teuer für Gelegenheitsnutzer

    14.90 Franken im Monat ist für meine Nutzung zu teuer. Dass es dafür Youtube Music quasi geschenkt gibt, nützt mir nichts. Ich zahle für Spotify und gedenke, das auch weiterhin zu tun. Für mich wäre daher «Mini-Premium»-Abo sinnvoll: Werbefreiheit für zehn Stunden Youtube pro Monat für drei Franken, plus die Offline-Nutzung und die Wiedergabe im Hintergrund, aber ohne Youtube Music.

    Noch zur Idee, mittels eines Premium-Abos die Qualität zu steigern. Und ich weiss natürlich, dass mein Vorschlag kontrovers ist und viele ihn für völlig unsinnig halten werden – und ich gebe zu, dass sich der Youtuber in mir auch extrem darüber aufregen würde. Aber nichtsdestotrotz kann man darüber nachdenken.

    Nur Zahler sollten veröffentlichen dürfen

    Also, die Idee ist, dass man fürs Veröffentlichen eigener Youtube-Videos ein kostenpflichtiges Abo braucht. Ob es das Premium-Abo für 14.90 wäre oder irgendein anderes, wäre noch zu diskutieren.

    Die Überlegung ist, dass mit etwas höheren Hürden fürs Publizieren vor allem jene Machwerke auf der Strecke bleiben würden, um die es nicht schade ist. Zum Beispiel die Verschwörungsmythen in Videoform, die in konzertierten Aktionen immer und immer wieder hochgeladen werden, selbst wenn Youtube sie zeitnah sperrt – siehe: Wie Youtube von Verschwörungstheoretikern ausgetrickst wird

    Gleichzeitig würde die Menge der neuen Videos reduziert, sodass der verbleibende Rest sorgfältiger moderiert werden könnte. Es liegt auch an der schieren Menge der veröffentlichten Videos, das so viel Fragwürdiges durchrutscht.

    Bei Soundcloud herrscht weniger Anarchie

    Als Vergleich dazu mag Soundcloud hilfreich sein: Bei der Musik- und Audioplattform kann man mit dem kostenlosen Basic-Account Material nur maximal drei Stunden Material veröffentlichen. Für mehr Reserven braucht man einen recht teuren Pro-Account. Ob ein Soundclouder den Basic-Account oder Pro Unlimited verwendet, ist bei jedem Track ersichtlich. Das bietet einem als Nutzer eine gewisse Orientierungshilfe.

    Update: Die Diskussion auf Facebook hat mich dazu gebracht, den Vorschlag noch zu ergänzen: Youtube könnte das Geld, das über Youtuber mit Premium-Account hereinkommt, für erzieherisch besonders wertvolle Videos ausloben – so gäbe es auch einen positiven Anreiz für mehr Qualität. Update Ende.

    Und noch einmal: Mir ist klar, dass diese Extrahürde ganz viele Probleme schafft: Sie ist elitär und macht es von der Zahlungskraft und -bereitschaft abhängig, ob sich jemand Gehör verschaffen kann. Dabei haben wir das Internet seinerzeit genau wegen seiner demokratisierenden Wirkung und der Gleichbehandlung in den höchsten Tönen gepriesen.

    Sind Eliten etwas wert?

    Das bringt uns zu Marcs Frage, die ich vor gut einem Jahr in diesem Beitrag hier diskutiert habe: Sind Eliten doch etwas wert?

    Ich habe damals versucht, eine Antwort für mich zu finden. Das ist mir nur halb gelungen, und auch heute nehme ich nicht für mich in Anspruch, diese Frage abschliessend beantworten zu können. Da ich ein grosser Fan des Prinzips von Versuch und Irrtum bin, fände ich es okay, das einfach einmal auszuprobieren.

    … und ja, vielleicht könnte man statt eine finanzielle Einstiegshürde von Youtubern auch eine andere Qualifikation verlangen: Jeder, der Videos veröffentlichen will, muss erst einen halben Tag lang als Assistent bei Youtube Videos moderieren. Und wenn ihm davon nicht schlecht geworden ist, darf selbst ran.

    Um diesem Blogpost doch noch ein ernsthaftes Ende zu verschaffen: Wie wäre es, wenn weiterhin auch die Gratis-Youtube-Nutzer ihre Videos veröffentlichen dürften, ich aber als Nutzer einen «Zeig mir Videos nur von Premium-Abonnenten»-Schalter zur Verfügung hätte?

    Beitragsbild: Charles Deluvio, Unsplash-Lizenz

    #Googologie #Youtube
  39. Ein Google-Docs-Tipp für Geheimniskrämer

    Eine Methode, um in freigegebenen Google-Docs private Abschnitte einzurichten.

    blog.clickomania.ch/2020/05/12

  40. Die Illusion von Offenheit bei Android

    Es gibt ein paar Dinge, denen man ab und zu begegnet – und bei denen man sich jedes Mal vornimmt, sich mal genauer damit zu beschäftigen. Irgendwann – wenn man mal Zeit hat. Ein solches Ding ist, in meinem beruflichen Leben, die Open Handset Alliance. Und heute habe ich Zeit, mich damit zu beschäftigen.

    Der Ausgangspunkt: Ich weiss natürlich das, was bei Wikipedia steht: Es ist eine Organisation, die irgendetwas mit Googles Handy-Betriebssystem Android zu tun hat. Auf dem Papier ist es eine sehr eindrückliche Organisation: 84 Unternehmen aus der ganzen Tech-Branche haben sich zusammengeschlossen: Telkos, Gerätehersteller, Softwareunternehmen – sogar Noser Engineering findet man auf der Liste. Das ist das Unternehmen von Ruedi Noser, einem der beiden Zürcher Ständeräte.

    Oha!

    Die Open Handset Alliance, oder kurz OHA, hat eine Website, die für ein Tech-Konsortium aber einen sehr angestaubten Eindruck hinterlässt – ebenso, wie die News-Sektion, wo der neueste Eintrag vom 18. Juli 2011 datiert. Auf dieser Website liest man ein flammendes Bekenntnis zur Offenheit:

    Each member of the Open Handset Alliance is strongly committed to greater openness in the mobile ecosystem. Increased openness will enable everyone in our industry to innovate more rapidly and respond better to consumers’ demands.

    Offenheit als Schlüssel zum Glück von uns allen, die wir mobile Geräte verwenden. Doch was tut die eigentlich, diese  Open Handset Alliance?

    Das iPhone brachte auch Android in Fahrt

    Irgendwie, so scheint es, nicht sehr viel. Googelt man nach Nachrichten zur OHA, wird die Organisation vor allem im historischen Zusammenhang erwähnt. Hier zum Beispiel in einem Artikel zur Geschichte von Android. Das Betriebssystem reicht inzwischen ungefähr 16 Jahre zurück. Aber richtig in Fahrt gekommen ist es mit der Lancierung des iPhones vor zehn Jahren:

    Auch die Übernahme durch Google im Sommer 2005 brachte noch keinen rechten Schwung in die Angelegenheit. Das änderte sich allerdings rasch, als Google im November 2007 bekannt gab, mit 33 weiteren Teilnehmern die Open-Handset-Alliance gegründet zu haben, um ein kostenloses Mobil-Betriebssystem namens Android zu entwickeln. Wie der Zufall es wollte, fiel die Ankündigung in etwa mit der Vorstellung des ersten iPhones der Firma Apple zusammen.

    Bis zu diesem Zeitpunkt gab es eine Reihe konkurrierender Systeme, allen voran Symbian OS, die teils horrende Lizenzgebühren von Handy-Herstellern einforderten, sodass diese sich fast schon gezwungen sahen, eigene Alternativen zu entwickeln. Das sollte sich mit der Open-Handset-Alliance maßgeblich ändern, denn die hatte versprochen, das System kostenlos an interessierte Hersteller abzugeben.

    Das tut die OHA auch: Es gibt auf der Website zwei Knöpfe, über die man die Programmierwerkzeuge (SDK) und die Quellen herunterladen kann. Beide Links führen zu android.com: Nämlich hierhin fürs SDK und dahin für die Quellen. Android.com ist natürlich eine Website von Google.

    An dieser Stelle verdichtet sich die Gewissheit, dass die Open Handset Alliance selbst gar nichts tut. Ihre Existenz ist der eigentliche Zweck. Sie ist ein vertraglich formalisiertes Bekenntnis zu Android. Mit der Mitgliedschaft in diesem Konsortium stellen sich die Exponenten der Branche hinter Googles Betriebssystem. Mehr nicht – aber auch nicht weniger.

    Den Wildwuchs verhindern

    Die Unternehmen bekennen sich nämlich auch dazu, Android im Sinn von Google zu verwenden. Im bereits erwähnten Wikipedia-Artikel zur OHA heisst es schon ganz zu Beginn:

    Mitgliedern des Konsortiums ist es nicht gestattet, Geräte herzustellen, die eine zu Android inkompatible Version der Software nutzen.

    Das ist bemerkenswert und hat natürlich damit zu tun, dass Android im Kern ein Open-Source-System ist. Das bedeutet eigentlich, dass jeder Hersteller mit dem Sourcecode tun und lassen könnte, was ihm passt. Doch mit der Open Handset Alliance sorgt Google dafür, dass genau das nicht passiert und Android nur im Sinn von Google benutzt wird.

    Das ist ziemlich geschickt, finde ich. Open-Source – aber ohne die unerfreuliche Möglichkeit, dass die quelloffene Software plötzlich einem unerwünschten Konkurrenten dazu dient, gross und gefährlich zu werden. Offen – aber nicht allzu sehr.

    Google schützt sich vor alternativen Android-Varianten

    Im Beitrag Google’s iron grip on Android: Controlling open source by any means necessary hat «Ars Technica» das 2018 wie folgt auf den Punkt gebracht:

    Google has always given itself some protection against alternative versions of Android.

    Google hat sich selbst vor alternativen Versionen von Android geschützt. Es wird dann erklärt, dass es einerseits den offenen Teil von Android gibt, der zum Android Open Source Project (AOSP). Er ist unter besagter Adresse android.com zu finden. Der andere Teil umfasst die nicht-quelloffenen Elemente, namentlich all die Google-Apps für Android.

    Bei der Ausbalancierung dieser beiden Bereiche agiert Google geschickt und im eigenen Interesse:

    While Google will never go the entire way and completely close Android, the company seems to be doing everything it can to give itself leverage over the existing open source project. And the company’s main method here is to bring more and more apps under the closed source “Google” umbrella.

    Google würde aus Android niemals eine proprietäre Software machen. Doch das Unternehmen schindet Vorteile gegenüber dem Open-Source-Projekt heraus. Die Hauptmethode ist, immer mehr Apps unter dem Closed-Source-Dach zu versammeln. Einleuchtend – und von machiavellistischer Genialität.

    Die «Antifragmentierungsvereinbarung»

    Aber vielleicht doch nicht genial genug. Die EU-Wettbewerbskommission hat 2018 bekanntlich eine Rekordbusse von 4,3 Milliarden Euro verhängt, weil Google die Hersteller dazu verpflichtet hat, die Google-Apps als Bundle auf ihren Geräten vorzuinstallieren. Im Artikel des «Spiegel» ist auch von einer «Antifragmentierungsvereinbarung» die Rede:

    Sie sieht vor, dass Anbieter von Geräten mit Google-Diensten nicht gleichzeitig auch Smartphones mit abgewandelten Android-Versionen verkaufen können. [Wettbewerbskommissarin Margrethe] Vestagers Beispiel zu diesem Kritikpunkt: Vor einigen Jahren habe Amazon sein abgewandeltes Android-System FireOS auch anderen Herstellern anbieten wollen. Sie seien interessiert gewesen – aber hätten FireOS nicht nutzen können, weil sie danach keine Geräte mit Google-Diensten mehr hätten anbieten können.

    Das ist meiner bescheidenen Meinung ein diametraler Widerspruch zur Idee, die hinter der offenen und freien Software steckt. Und ich wundere mich auch ein bisschen, dass sich die vielen Unternehmen in der Open Handset Alliance von Google vor sich hertreiben lassen. Darum ein Vorschlag: Wie wäre es mit einer etwas aktivere Rolle in dieser Allianz?

    Beitragsbild: Unten offen, oben zu (Deepanker Verma/Pexels, Pexels-Lizenz).

    #FreieSoftwareFOSS #Googologie
  41. Konkurrenz belebt das Suchmaschinen-Geschäft

    Im Beitrag Suchmaschinen? Miese Versager sind sie alle! habe ich einen kleinen Vergleich zwischen Google, Bing, Duck Duck Go, Qwant und Swisscows angestellt. Allerdings vor allem aus meiner Perspektive als Egogoogler. Für das grössere Publikum ist das mutmasslich nicht sonderlich interessant.

    Darum bin ich auf die Idee verfallen, ein Remake anzufertigen, aber mit Fällen von allgemeinem Interesse. Ich wollte herausfinden, in welchen Fällen die Konkurrenten besser sind als Google. Ich habe dazu selbst Tests angestellt und auch gegoogelt im Web recherchiert, ob andere das schon gemacht haben. Die Erkenntnis war: Nein, offenbar nicht.

    Das wundert nicht, denn es ist tatsächlich so, dass Google in der Regel das beste Resultat liefert – oder zumindest ähnlich gut ist wie die Konkurrenz. Und die alte Erkenntnis gilt weiterhin, dass es nicht reicht, ähnlich gut zu sein wie der Spitzenreiter. Um Leute zum Umstieg zu bewegen, muss man mindestens doppelt so gut sein, sonst machen sich die Anwender diese Mühe nicht.

    Trotzdem habe ich das Video gemacht – mit vier Beispielen, bei denen die Konkurrenz besser ist. Beziehungsweise Google einfach nicht sonderlich gut performt:


    Google ist doch zu schlagen.

    Aber es bleibt eine Tatsache, dass Google im Schnitt hervorragend ist – und die Erfolgserlebnisse bei der Konkurrenz zufällig sind. Man kann leider nicht sagen, dass Duck Duck Go zum Beispiel bei politischen Themen besser abschneidet und Bing ein Flair für technische Fragen hätte. Man merkt es nur, wenn man parallel googelt und die Resultateseiten vergleicht.

    Kurzer Einschub: Bing war bei diesem Vergleich die grosse Enttäuschung. Sogar Swisscows, die Schweizer Suchmaschine, die meist auch bei einheimischen Themen nicht sonderlich brilliert, hat mich mehr überzeugt. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Vielleicht hat Microsoft sein Engagement in den letzten Zeit zurückgefahren. 2015, als ich den Beitrag Bingen statt googeln? fabriziert habe, oder 2016, als ich ein Video zum gleichen Thema gedreht habe, fand ich die Resultate deutlich besser. Aber vielleicht wars auch ein Zufallsresultat.

    Demonstriert Google hier seine Überlegenheit?

    Zurück zum Vergleich: wie zuvor erwähnt könnte man die Resultate auch als Überlegenheitsdemonstration von Google interpretieren. Hätte ich also aufs Video verzichten sollen? Das habe ich mir überlegt, mich aber dagegen entschieden. Aus zwei Gründen:

    Erstens gibt es ein Gebiet, wo die Konkurrenz definitiv besser ist als Google. Nämlich beim Datenschutz. Keiner der Konkurrenten wissen in der Summe nur ansatzweise so viel über uns und unsere Interessen. Zwei davon, nämlich Duck Duck Go und Qwant, werben explizit mit dem Datenschutz. Das heisst: Selbst wenn man die beiden nicht ständig nutzt, sondern nur ab und zu zum Zug kommen lässt, sorgt man dafür, dass Google nicht ganz so viele Datenpunkte sammeln kann.

    Es braucht die Alternativen unbedingt

    Zweitens belebt Konkurrenz das Geschäft. Das gilt nicht nur für den Markt der Güter, sondern auch für die Suchmaschinen. Wie sollen die Konkurrenten ihre Produkte verbessern, wenn niemand sie benutzt? Dabei ist es wichtig, eine Alternative zu haben. Und nicht zuletzt sorgen die Konkurrenten auch dafür, dass Google nicht nur in alle möglichen und unmöglichen Bereiche expandiert, sondern auch dem Kerngeschäft das nötige Mass an Aufmerksamkeit zukommen lässt.

    Ich werde das Experiment noch weiterführen und weiter Beispiele sammeln, bei denen ich die Resultatelisten der Google-Rivalen besser finde als von Google selbst. Wenn ihr ebenfalls solche Beispiele habt, bitte ab in die Kommentare damit.  Falls einige Fälle zusammenkommen, werde ich das Thema gerne noch einmal aufgreifen.

    Beitragsbild: Christian Wiediger/Unsplash, Unsplash-Lizenz

    #Datenschutz #Googologie #Suchmaschine
  42. Ein nützlicher Trick für Gmail und die G-Suite

    Für heute habe ich ein kleines Geschenk für euch: Nämlich einen Gmail-Tipp, der euch wahrscheinlich das Leben leichter macht – so wie mir.

    Folgende Ausgangslage: Ich habe zwei GMail-Konten. Ein privates, das mir für jene Dinge dient, die ich nicht in meinem richtigen Mailkonto haben will. Und ein geschäftliches, das zum G-Suite-Account meines Arbeitgebers gehört.

    Wenn ich nun in meinem Browser «gmail.com» aufrufe, kommt garantiert erst das falsche Konto. Normalerweise will ich zu meinem Geschäftskonto, lande aber erst in meinem privaten. Woraufhin ich rechts oben auf mein Köpfchen klicken und aus der Liste das gesuchte auswählen muss. Sollte es zufälligerweise einmal so sein, dass ich tatsächlich etwas von meinem privaten Gmail-Konto will, dann läuft es garantiert umgekehrt. Dann lande ich – warum auch immer – für einmal zuerst in der Tamedia-Mailbox.

    Wie man gleich das richtige Konto aufruft

    Das ist nervig. Es gibt nun mehrere Methoden, es zu verhindern. Man kann im Browser einen Reiter mit dem richtigen Konto anheften. (Das funktioniert bei vielen Browsern, indem man mit der rechten Maustaste auf den Reiterkopf klickt. Bei Firefox heisst der Befehl im Kontextmenü Tab anheften, bei Chrome Anpinnen, bei Edge Anheften und bei Safari Tab fixieren.)

    Oder, damit das auch noch gesagt ist: Mit Firefox ist das ein Parade-Anwendungsfall für die Erweiterung Multi-Account Containers, die ich im Beitrag Container für Webseiten ausführlich vorgestellt habe.

    Ein Lesezeichen, das das Benutzerkonto übergibt

    Die zweite, etwas elegantere Methode als das Anheften besteht in einem Lesezeichen mit der passenden URL. Man kann nämlich direkt über die Adresse ein bestimmtes Konto aufrufen. Der Parameter lautet ?authuser=[Mailadresse] Die ganze Adresse sieht dann wie folgt aus:

    https://mail.google.com/mail/u/[email protected]

    Ihr müsstet natürlich am Ende eure Mailadresse eintragen, nicht meine. Jedenfalls legt man sich dafür am besten ein Lesezeichen an. Noch ein Extra-Tipp: Besonders einfach aufzurufen ist das Lesezeichen, wenn man bei Firefox ein Schlüsselwort vergibt. Wenn man das Schlüsselwort in die Adressleiste eingibt und Enter drückt, wird direkt das Lesezeichen geöffnet, ohne dass man es aus der Liste mit dem Vorschlägen auswählen müsste.

    Ich verwende für intensiv genutzte Websites immer Schlüsselwörter. c für meine private Website, gc für Google Calendar, t für Twitter, f für Facebook, nc für Nextcloud, m für meine private Website matthiasschuessler.ch. und tad für tagi.ch/digital. Es ist sinnvoll, für häufig genutzte Sites möglichst kurze Schlüsselwörter zu nutzen. Für mein Gmail-Konto bei der Tamedia ist es gmt.

    Ein Schlüsselwort für jedes Konto

    [caption id=“attachment_7359″ align=“alignright“ width=“300″] Ein unterschätztes Feature: Die Lesezeichen-Schlüsselwörter in Firefox[/caption]

    Leider ist es umständlich, das Schlüsselwort zuzuweisen – das geht nämlich nicht direkt beim Anlegen. Man muss erst das Lesezeichen anlegen. Dann drückt man die Alt-Taste, um die Menüleiste einzublenden. Als nächstes wählt man Lesezeichen > Kürzlich als Lesezeichen gesetzt. Im Menü taucht das neue Lesezeichen auf, das man mit der rechten Maustaste anklickt. Im Kontextmenü betätigt man nun Eigenschaften. Und voilà, im Eigenschaften-Dialog gibt es nun das Feld Schlüsselwort.

    Umständlich, zugegeben. Aber die Schlüsselwörter sparen hinterher wirklich viel Zeit. Die Schlüsselwörter gibt es nur bei Firefox – weder Chrome, noch Safari oder Edge haben einen ähnlichen Mechanismus.

    Es klappt auch mit Google Docs, Kalender und Drive

    Bleibt eine Frage: Kann man die Methode mit dem authuser-Parameter auch auf andere Google-Dienste anwenden? Und die Antwort ist: Ja, man kann. Ich habe es bei folgenden Diensten erfolgreich überprüft:

    Nicht funktioniert hat es bei Google Maps, Google Translate und der Google-Suche. Der Parameter authuser scheint somit auf die G-Suite beschränkt zu sein.

    Beitragsbild: Webaroo.com/Unsplash, Unsplash-Lizenz

    #Browser #EMail #Firefox #Googologie
  43. Die erste Anlaufstelle für Google-Häretiker

    Es scheint, dass ich etwas klarstellen muss: Nein, ich bin absolut kein Feind von Google. Im Gegenteil; ich bin fasziniert, was dieses Unternehmen ständig an neuen Ideen produziert. (Wobei die Innovationskraft meinem subjektiven Empfinden in letzter Zeit deutlich nachgelassen hat. Aber das ist sicher nur eine kleine Durststrecke.)

    Ich bin aber der Ansicht, dass man Google kritisch auf die Finger schauen muss – wie das bei jedem Unternehmen mit einer solchen Marktmacht der Fall ist. Darum prangere ich Googles Arroganz an. Und wir Nutzer sollten uns unserer Abhängigkeit bewusst sein. Und darum angewandte Google-Skepsis pflegen.

    Hier wird man nicht getrackt

    Aus diesem Grund empfehle ich heute die Website No More Google. Hier gibt es «privatsphärenfreundliche Alternativen, bei denen man nicht getrackt wird», wie es in der Unterzeile heisst. Das impliziert, dass zumindest der Betreiber der Site Google nicht gerade wohlgesonnen ist. Es ist Pieter Levels, der als @levelsio auf Twitter unterwegs ist. Er scheint ein ziemlicher Hansdampf in allen Internet-Gassen zu sein. Er hat zum Beispiel nomadlist.com gegründet. Und er steht hinter Projekten wie hoodmaps.com, die ich auch mal ansehen muss.

    Die Sonntagszeitung hat ihn im Mai 2015 porträtiert:

    Pieter Levels ist ein typischer ­«urban nomad»: Der 28-jährige hat keinen festen Wohnsitz, sondern reist mit Rucksack um die Welt. Unterkunft findet er bei Freunden, wenn er ­arbeitet, mietet er sich in Gruppenbüros ein oder besucht einen ­Coffeeshop.

    Bei diesem Lebensstil liegt es nahe, auch bei den Online-Gewohnheiten eine gewisse Mobilität zu beweisen und nicht bei Google-Diensten zu verharren, wenn man sich mit ihnen nicht so richtig wohlfühlen sollte.

    Levels empfiehlt zu jedem der wichtigen Google-Produkte eine Handvoll von Konkurrenzdiensten, die man mit einem Klick aufs Daumen-nach-oben-Symbol hochwählen kann. Aus dieser Wertung ergibt sich die Reihenfolge. Die ist in vielen Fällen einleuchtend – aber natürlich gilt wie immer, dass die Schwarmintellgenz auch nicht unfehlbar ist.

    [caption id=“attachment_7021″ align=“alignright“ width=“43″] Die ganze Liste.[/caption]

    Bleibt die Frage: Wie gut sind die Alternativen, die einem präsentiert werden? Wird der Eindruck bei vielen von uns – dass Google in manchen Bereichen schlicht alternativlos ist –, bestätigt oder relativiert?

     

    Bei den Suchmaschinen bleibt es bei der vorgefassten Meinung (Suchmaschinen? Miese Versager sind sie alle!). Denn auch die mir bislang nicht bekannte Suchmaschine searx.me stellt Google nicht in den Schatten. Die beliebteste Alternative zu Googles Webstatistikdienst (Schmeisst Google Analytics über Bord) ist matomo.org; die wurde mir seinerzeit auch empfohlen.

    Manche Empfehlungen sind mit Vorsicht zu geniessen

    Die Ausweichmöglichkeit Nummer 1 zu Gmail ist ProtonMail. Dieser Dienst ist hier im Blog nicht unbekannt. Aber ich würde ihn nicht als direkter Konkurrent von Gmail betrachten. Dafür ist mir der Funktionsumfang zu eingeschränkt. Ich würde Proton nur punktuell für Fälle mit besonders hohen Ansprüchen an die Privatsphäre einsetzen, nicht aber universell. Immerhin bin ich dem Anbieter tutanota.com begegnet, der Mails ebenfalls standardmässig verschlüsselt. Muss ich auch mal ausprobieren.

    Die Alternative Nummer eins  zu Google Docs ist notion.so. Diese Software habe ich ausführlich im Beitrag Eine Notiz-App, die die Leute zum Schwärmen bringt besprochen. Einen Blick wert sind auch Bear Writer, Airtable, PeerTube, Leaflet oder TinEye.

    Es gibt nicht zu jedem Google-Dienst eine echte Alternative

    Fazit: No More Google enthüllt uns keine Wunder-Dienste, die Google links liegen lassen – und die uns bis jetzt aus unerfindlichen Gründen verborgen geblieben sind. Aber es ist eine brauchbare Liste und eine gute Übersicht an Webdiensten, die nicht komplett Mainstream sind. Soweit ich gesehen habe, fehlt nichts Wesentliches – und es gibt einiges zu entdecken, was man wahrscheinlich noch nicht kannte.

    Beitragsbild: Und die ins Kröpfchen (Lalo Hernandez/Unsplash, Unsplash-Lizenz).

    #Googologie
  44. Die Doktorarbeit würde ich trotzdem nicht in Google Docs schreiben

    Der Beitrag mit den 14 Tipps zu Google Docs neulich hier im Blog hat erfreulich viel Resonanz ausgelöst. Ich gab daher einem guten alten journalistischen Reflex nach, der besagt, dass man doch gleich noch eine Schippe nachlegen könnte.

    Und zwar in Form eines Patentrezept-Videos. Denn Google Docs hat inzwischen eine breite Nutzerschaft. Ich habe bei der Recherche zu dem Beitrag herausgefunden, dass die Schweizer Hochschulen Google Docs nun offiziell anbieten: «Das Angebot der G Suite bildet daher eine bedürfnisgerechte Alternative für Studierende, Dozierende, Mitarbeitende und Alumni von Schweizer Hochschulen zu anderen Diensten», heisst es in einer Pressemeldung der Switch, der Stiftung für die Vernetzung der Schweizer Hochschulen.

    Wenn ich an dieser Stelle ein kleines Fragezeichen machen darf: Ich wundere mich, dass viele Unternehmen Google Docs trotz der Vorbehalte der Cloud einführen. So habe ich aus gut unterrichteten Quellen gehört, dass Schweizer Pharmafirmen die G-Suite einsetzen. Ich nehme an, das passiert nur in den nicht-sensiblen Bereichen – also explizit nicht in den Forschungsabteilungen. Aber genau weiss ich es nicht, da meine diesbezüglichen Informationen leider nicht spezifisch genug sind.

    Vorbehalte beim Datenschutz

    Auch Medienunternehmen nutzen die Google-Dienste inzwischen – und auch da habe ich meine Vorbehalte. Es könnte passieren, dass man als Journalist eine investigative Recherche in Angriff nehmen möchte, bei der auch Google involviert ist. Doch würde man dann wirklich auf Google-Produkte setzen wollen? Ich denke eher nicht.

    Ich glaube Google zwar, dass die internen Kontrollen strikt sind und es den betroffenen Googlern nicht so ohne weiteres möglich wäre einzusehen, was der Journalist schon alles herausgefunden hat. Trotzdem besteht ein Abhängigkeitsverhältnis, das ich würde vermeiden wollen.

    Auch deswegen, weil wie im Beitrag Schmeisst Google Analytics über Bord ausgeführt, die Medienunternehmen und Google auf dem Werbemarkt erbitterte Konkurrenten sind. Will man also, dass ein harter Konkurrent ein wesentlicher Teil der eigenen Informations-Infrastruktur betreibt? Meines Erachtens liegt die Antwort auf der Hand. Aber wenn man Kosten sparen kann, scheinen derlei Bedenken nicht sehr viel zu wiegen.

    Jedenfalls ist es, wie es ist. Im Video geht es um Tipps, wie man die Defizite von Google Docs ausbügelt. Davon gibt es eine ganze Menge. Am seltsamsten finde ich, dass man als normaler Nutzer keine eigenen Vorlagen anlegen kann. Die Möglichkeiten, Dokumente schön oder zumindest individuell zu formatieren, sind auch reichlich eingeschränkt.

    In die Knie gezwungen

    Was grosse Dokumente angeht, habe ich es schon mit wenigen Hundert Seiten und ohne viel Multimedia-Kram geschafft, Google Docs sowohl in Firefox als auch in der App auf dem iPad in die Knie zu zwingen. Meine Empfehlung ist klar, dass man für grössere Arbeiten auch weiterhin besser auf ein lokal installiertes Programm setzt. Word hat bekanntlich auch seine Schwierigkeiten mit komplexen und umfangreichen Dateien – aber da ist deutlich mehr Luft nach oben. Und Word ist auch sehr viel besser darin, grosse Dokumente aufzuteilen und zu einer fortlaufenden Arbeit zu bündeln. Stichworte: Zentral- oder Masterdokumente und Filialdokumente.


    Wie Sie die Mängel von Google Docs ausbügeln

    Ich habe übrigens ausprobiert, ob es besser funktioniert, wenn man am iPad ein grosses Dokument im Offline-Modus bearbeitet. Die Idee ist, dass die App dann weniger von der Internetverbindung und dem Server abhängt, was bei grösseren Datentransfers eine Verbesserung bringen müsste. Allerdings ist mir kein solcher Effekt aufgefallen. Wenn jemand Tipps hat, wie man sinnvoll mit grossen Google Docs verfährt, dann gerne ab in die Kommentare damit!

    Beitragsbild: Pixabay/Pexels, Pexels-Lizenz

    #Googologie #Office
  45. 14 Tipps für Google Docs

    Heute gibt es eine Handvoll Tipps zu Google Docs – bereits zum zweiten Mal, nachdem ich erst vor kurzem über die besten Erweiterungen für die Office-Apps geschrieben habe (Mehr Stil und Abwechslung in Google Docs).

    Und vorab eine Rechtfertigung dafür, weil Google Docs kein Softwareprodukt ist, das mich in Begeisterung versetzen würde: Der Look ist altbacken, die Funktionen sind nicht sonderlich inspiriert. Und Google wird niemals gegen Microsoft anstinken können, weil man Office auch offline nutzen kann. Und das ist unvermeidlich, wenn es um Dokumente mit sensiblem Inhalt geht.

    Mein Arbeitgeber hat diese kleine Google-Schwäche

    Aber ich komme selbst nicht darum herum, mit Google Docs zu arbeiten. Ich habe einen Arbeitgeber, der Microsoft Office durch die G Suite ersetzt hat. Und auch beim Nerdfunk verwenden wir Google Docs und Tabellen: Dort haben sich die kollaborativen Features für uns im Team bewährt. Und die Software ist auch erfreulich niederschwellig, wenn man einen Gast für ein Dokument dazuholen will.

    Also, jetzt aber (fast) ohne weitere Vorreden zu den versprochenen Tipps und Tricks. Einige davon funktionieren nicht nur in der Textverarbeitung, sondern auch in der Tabellenkalkulation und im Präsentationsmodul:

    Schneller ein neues Dokument anlegen

    Über die Eingabe docs.google.com gelangt man zu der Übersicht mit den Vorlagen und den zuletzt bearbeiteten Dokumenten. Es gibt auch eine Adresse, mit der man diese Ansicht auslässt und direkt zu einem neuen, leeren Dokument gelangt. Das ist docs.google.com/create. Eine neue Tabelle legt man mit docs.google.com/spreadsheets/create an, eine Präsentation mit docs.google.com/presentation/create.

    Noch schneller erstellst du neue Dokumente übrigens mit den kurz-Domains https://t.co/B0MhhekP70, https://t.co/yw5dF89j7y und https://t.co/kcalcoDI6b

    — Lukas Erhardt (@lukaserhardt) April 9, 2019

    Referenz

    Die Tastenkombination Ctrl + Shift und y zeigt den Wörterbucheintrag zum markierten Begriff an.

    Recherche

    Im Menü Tools gibt es den Befehl Erkunden. Die Hilfestellung besagt, dass man mit ihm «intelligentere Dokumente erstellen» würde. Das hat mich dazu gebracht, ihn bislang zu ignorieren – denn für die Intelligenz im Dokument ist meines Erachtens ausschliesslich der Autor zuständig. Doch der Erkunden-Befehl ist wider Erwarten ganz praktisch: Über das Eingabefeld führt man Google-Suchen durch. Fundstellen kann man direkt ins Dokument ziehen, was eine sehr einfache Methode ist, um zum Beispiel Links zu platzieren. Und auch nützlich: Man kann Quellen auch als Fussnote zitieren.

    [caption id=“attachment_5287″ align=“alignleft“ width=“1436″] Die Gliederungsansicht links, die Erkunden-Leiste rechts. Bei längeren Dokumenten zeigt sie automatisch Themen an, die man für weitere Recherchen nur anzuklicken braucht.[/caption]

    Bilder

    Über Einfügen > Bild fügt man Fotos ab Kamera ein oder lädt sie hoch. Praktisch ist, dass auch Google Fotos zur Verfügung steht, auch nach Alben sortiert. Man kann somit die Bilder, die man für ein bestimmtes Projekt braucht, in einem eigenen Album sammeln, um sie griffbereit zu haben.

    Spracheingabe

    Über Tools > Spracheingabe darf man Texte auch diktieren. In aller Regel wird man mit Tippen schneller zum Ziel kommen. Doch sie kann praktisch sein, wenn man gerade keine Hand frei hat und trotzdem Dinge festhalten will – zum Beispiel, wenn man sich beim Gadgettest gerade völlig verausgabt. Und man kann Dinge ins Unreine spinnen, zum Beispiel beim Brainstorming. Da ist es ein Vorteil alles spontan so festzuhalten, wie es einem gerade durch den Kopf geht. Und man könnte theoretisch sogar eine Unterhaltung transkribieren.

    Gliederungsansicht

    Ich bin ein Fan von gegliederten Dokumenten: Mit Titel von zwei, drei Hierarchiestufen lassen sich viele Dinge gut strukturieren. In der Gliederungsansicht (Ctrl + Alt + a) sieht man das Gerüst seines Dokuments und kann leicht an bestimmte Stellen springen.

    Lesezeichen

    Auch die Lesezeichen verbessern die Orientierung in langen Dokumenten. Sie werden über Einfügen > Lesezeichen platziert. Es erscheint ein kleines Fähnchen, das beim Anklicken ein Fensterchen mit der Option Link zur Verfügung stellt. Mit Rechtsklick auf diesen Link kopiert man ihn in die Zwischenablage. Wenn man ihn jemandem zuschickt, gelangt der Empfänger beim Anklicken direkt an die richtige Stelle.

    Andere involvieren

    Platziert man den Mauszeiger auf dem rechten Seitenrand neben einem Absatz erscheint ein Plus-Symbol, über das man Kommentare in sein Dokument einfügt. Diese Kommentare sind praktisch für Gedankenstützen oder aber, um bei der Zusammenarbeit mit anderen offene Punkte zu klären. In einem Kommentar kann man jemanden direkt adressieren, indem man ein @-Zeichen setzt und die ersten paar Zeichen des Namens tippt. Auf diese Weise lässt sich das Dokument auch gleich für jemanden freigeben.

    Formate bereinigen

    Ich kritisiere seit Jahren, dass man via Zwischenablage nicht nur den Text, sondern auch Formatierungen aus fremden Quellen übernimmt (siehe dazu Mit diesem Trick hier spare ich tagtäglich Zeit). Google Docs stellt eine einfache Möglichkeit zur Verfügung, ein Formatdurcheinander zu bereinigen. Dazu markiert man die fragliche Passage oder ggf. das ganze Dokument und klickt auf Format > Formatierung entfernen. Beseitigt werden nur die Direktformatierungen, nicht die über das Format-Menü zugewiesenen Absatzstile (Absatzformate).

    Exportieren

    Über Datei > Herunterladen als stehen diverse Formate zur Verfügung. Praktisch finde ich Microsoft Word (.docx) für die Archivierung in einem einfach weiterzubenutzenden Format. Epub-Publikation (.epub) ist praktisch, wenn man Dokumente mit einem Ebook-Reader verwenden möchte.

    Und Webseite (.html, .zip) wäre theoretisch praktisch für die Übernahme in eine Website. Leider ist das HTML reichlich unsinnig formatiert. Darum empfehle ich die Erweiterung Docs to Markdown. Die erzeugt sauberen Markdown-Code, den man in einer Textverarbeitungs-App wie Typora benutzen kann (Ein neuer Markdown-Liebling mit schlimmen Marotten). Sie generiert aber auch HTML, und zwar ganz ohne Ballast.

    Vielleicht noch eine Ergänzung: Beim Download als Webseite entsteht aber ein praktischer Ordner, in dem alle Bilder gespeichert sind.

    — Philippe Wampfler (@phwampfler) April 9, 2019

    Via URL exportieren

    Ein Dokument lässt sich auch via URL in einem bestimmten Format herunterladen. Um es als PDF abzugreifen, muss man einfach die Adresse zum Dokument entsprechend abändern. Man ersetzt den Teil ab dem Schrägstrich und Edit (/edit#…) durch folgenden Term:
    /export?format=pdf

    Analog lädt man via /export?format=epub die Epub-Datei und mit /export?format=docx gelangt man direkt zum Word-Format. Auf diese Weise spart man es sich, jemandem ständig die neueste Fassung zustellen zu müssen: Er erhält jedes Mal die neueste Version, wenn er auf den Link klickt.

    Dokumente einbetten

    Via Datei > Im Web veröffentlichen erhält man einen Code für ein iframe, das sich in eine Website einbetten lässt. Bei Tabellen ist es auch möglich, nur einen Teil des Blatts einzubetten: So kann man ohne HTML-Gefrickel Daten öffentlich zur Verfügung stellen.

    Automatisch eine Kopie erstellen

    Ersetzt man wie im vorherigen Abschnitt beschrieben in der URL zu einem Dokument den Teil /edit durch /copy, dann wird der Empfänger gefragt, ob er eine Kopie des Dokuments anlegen will: Er kann es dann als Vorlage nutzen, aber nicht direkt bearbeiten.

    Direkt nach WordPress

    Blogger, die ihre Texte auch mal in Google Docs schreiben bzw. Google Docs-Dokumente publizieren möchten, sollten sich die Erweiterung WordPress.com for Google Docs ansehen: Sie speichert ein Dokument als Entwurf, der sich einfach nachbearbeiten und publizieren lässt.

    Eine Fortsetzung dieser Tipps finden sich im Beitrag Zwölf Tricks für Google Docs.

    Beitragsbild: Hier navigiert es sich deutlich weniger komfortabel als in einem digitalen Dokument (Ron Dyar/Unsplash, Unsplash-Lizenz)

    #Googologie #Office
  46. Google ist nicht der Weisheit letzter Schluss

    
    Wie findet man das Ungooglebare?

    Ich nutze Google gerne, auch wenn die Suche IMHO in der letzten Zeit abgebaut hat. Doch egal ob man nun ein Fan oder ein Nutzer ist, der mit Bing noch nicht warm geworden ist, sollte man die Grenzen seines Werkzeugs kennen.

    Wobei: Es ist gar nicht so einfach, die Grenzen von Google in Worte zu fassen – zumindest dann nicht, wenn man keine Zeit für eine elaborierte Untersuchung hat. Es ist wohl eher so, dass man mit der Zeit ein gewisses Gespür entwickelt, in welchen Fällen man mit guten Resultaten rechnen darf und wann man nur Schrott zurückbekommt. Google vermag einen nicht zu befriedigen, wenn – und das ist jetzt auch nicht so richtig überraschend – man mit vagen, mehrdeutigen Begriffen operiert, die das Thema nicht so richtig einzugrenzen vermögen.

    Nicht alle Themen lassen sich leicht in eine Suchanfrage fassen

    Das ist dann der Fall, wenn man selbst das Thema nicht so richtig zu fassen vermag. Weil man es noch nicht durchdrungen hat. Weil einem das Vokabular oder das Hintergrundwissen fehlt. Oder weil man den wichtigen Protagonisten noch nicht begegnet ist. Die Suche nach Menschen ist in aller Regel effizient – zumindest, wenn die Menschen einen gewissen Popularitätsgrad haben und nicht Peter Müller (oder John Doe) heissen.

    In solchen Fällen ist es ein übliches Verfahren, sich an das Thema heranzutasten. Mit ein paar Suchen gelingt es einem vielleicht, den entscheidenden Schlüsselwörtern auf die Spur zu kommen, um das Thema effizient zu ergoogeln. Wenigstens, wenn einem Google diese Strategie nicht verweigert.

    [caption id=““ align=“aligncenter“ width=“520″] “When all else fails, give up and go to the [virtual] library.” (Stephen King)[/caption]In anderen Fällen funktioniert auch das nicht: Natürlich, das ist immer dann der Fall, wenn bei Google selbst zu wenige Primärquellen vorhanden sind. Entgegen des populären Aberglaubens steht längst nicht alles im Netz. Naturgemäss sind Informationen aus dem Vor-Internet-Zeitalter unterrepräsentiert, auch wenn natürlich viele Websites (allen voran Wikipedia) auch diese Themen erschliessen. Aber das Lexikon zeigt den Blick aus der Gegenwart. Wenn man den zeitgenössischen Blick sucht, dann braucht es (wie im Video empfohlen) Archive, die bis in die entsprechende Zeit zurückreichen.

    Wie sucht man nach einem Instrumentalsong?

    Google ist naturgemäss schlecht bei Suchanfragen, wo sich das Thema schlecht in Worte fassen lässt. Das klassische Beispiel, das mir fürs Video eingefallen ist, sind Instrumentalsongs: Da hat man schlicht keine Worte für das, was man gerne suchen möchte. Oder versuch einer mal, die Melodie des Peter Gunn Themes in Worte zu fassen: Dun dun dun dun dun dun dun dun tüü tüü? Viel Glück beim Googeln.

    Was Google oft nicht versteht, ist der implizite Kontext einer Frage. Den kann man durch ein, zwei dazugestellte Begriffe ergänzen. Doch manchmal hilft auch das nicht so richtig weiter. Dann kann man es mit den massgeblichen Büchern zum Thema, mit Foren probieren. Das lässt sich noch verfeinern, mit Suchparametern wie Site – den man unbedingt kennen sollte.

    Das Gefühl, etwas übersehen zu haben, bleibt

    Allerdings: Oft kann man die Menge der Resultate auch so nicht wirklich reduzieren. Und das ist das grösste Problem mit Google. Man hat das Gefühl, dass irgendwo in den Suchresultaten Perlen schlummern – aber dass es Google nicht geschafft hat, die an den Anfang der Liste zu sortieren. Und da man weder Zeit noch Lust hat, Zehntausende von Treffern durchzukämmen, bleiben diese Perlen unentdeckt. Und das ist ein sehr unangenehmes Gefühl…

    #Googologie
  47. Google verstaatlichen

    
    15 nützliche Google-Tricks.

    Googles Suchmaschine hat eine Mission: Nämlich zu einem Stichwort die passenden Resultate zu liefern. Allerdings fehlt in manchen Fällen die Notwendigkeit, ein Suchresultat anzuklicken: Google beantwortet manche Fragen direkt. Zum Beispiel über den Knowledge Graph. Oder bei Büchern, Fragen nach der Uhrzeit, Umrechnungen oder sogar beim Wunsch nach Zerstreuung – das Video zeigt 15 solcher «Ostereier» (wenn man sie so nennen will).

    Ist das richtig, was Google da tut?

    Bleibt die Frage: Ist es eigentlich legitim, wenn Google in manchen Fällen Websites den Traffic vorenthält, weil die Neugierde des Nutzers bereits durch die Anreicherung der Resultateliste befriedigt werden konnte? Aus Nutzersicht ist das natürlich legitim: Es gibt kein Gesetz, das einen Suchmaschinenbetreiber dazu verpflichten würde, nur Suchresultate anzuzeigen. Und für den Nutzer ist es praktisch, sich bei simplen Fragen nicht durch einen Wust von Resultaten klicken zu müssen, auf der Suche nach der besten Weltzeituhr oder tollsten Umrechnungssite.

    [caption id=““ align=“aligncenter“ width=“520″] Richtige Antwort: Google[/caption]

    Aus Sicht der Betreiber von Websites sieht es etwas anders aus: Da findet man es sehr störend, wenn die Suchmaschine – die eigentlich Vermittlerin sein sollte – in Konkurrenz zum eigenen Angebot tritt. Und es ist eine übermächtige Konkurrenz. Denn wer wird eine Weltzeituhr wie weltzeituhr.ch aufrufen (und dort die Werbebanner ansehen) wollen, wenn Google einem nach der Eingabe «Time in LA» schon gesagt hat, was man wissen wollte?

    Machen wir uns keine Illusionen über die Machtverhältnisse

    Das führt wieder einmal vor Augen, wie einseitig die Machtverhältnisse im Netz ist. Google ist zwar auf die Massen der Websites im Netz angewiesen, um mit seiner Suchmaschine überhaupt etwas zu suchen zu haben. Doch auf die einzelne Website kann Google sehr gut verzichten. Websites wie weltzeituhr.ch ihrerseits sind enorm auf Google angewiesen. (Ich nehme an, die wenigsten Leute werden so eine Site über ein Lesezeichen aufrufen, sondern zu Google greifen, wenn sie wissen müssen, wie spät es in Kalifornien ist.)

    Fazit: Wir werden auf längere Frist nicht darum herumkommen, uns Gedanken darüber zu machen, wie Google oder auch Facebook organisiert sein müssen, damit niemand benachteiligt wird. Ich finde ja, man müsste die Idee einer Verstaatlichung – bzw. eine Vergemeinschaftlichung durch die Staatengemeinschaft – einmal ernsthaft durchdenken. So wie der grosse Denker Jan Böhmermann das zu Recht in den Raum gestellt hat.

    Facebook verstaatlichen. Google verstaatlichen.

    — Jan Böhmermann (@janboehm) 2. Oktober 2016

    #Googologie
  48. Tricks für Google Maps

    
    Tricks für digitale Karten.

    Das Patentrezept mit … siehe Titel.

    [caption id=““ align=“aligncenter“ width=“520″] Einer der Tricks: Wie man Strecken vermisst und ohne viel Aufwand dokumentiert.[/caption]

    #Googologie #Karten
  49. Animationsschnickschnack mit Googles Hilfe

    Ich habe mir seit einiger Zeit vorgenommen, den Web Designer von Google anzusehen. Unter google.com/webdesigner wird es für Windows und Mac angeboten, und es «macht Ideen über alle Bildschirme hinweg lebendig», wie Google verspricht. Also endlich ein neues Tool für Kreative im Web?

    [caption id=““ align=“aligncenter“ width=“520″] Hurra, meine Bälle hüpfen![/caption]

    Wer als GoLive-Nachtrauerer und Dreamweaver-Verachter auf eine Alternative hofft, wird allerdings enttäuscht. Der Name impliziert zwar, man habe es mit einem vollwertigen HTML-Editor zu tun. Doch normale Webseiten kann man mit dem Programm nicht vernünftig bearbeiten. Web Designer ist vielmehr eine Alternative zu Flash. Konkurrenziert wird nicht nur Adobes Flash-Editor, sondern auch das Format. Web Designer erstellt Animationen in HTML5 in Kombination mit JavaScript und CSS3. Adobe selbst hat ein Programm namens Edge im Portfolio.

    Es besteht aus den vier Komponenten Animate, Reflow, Code und Inspect und kommt laut Wikipedia bei vielen Webentwicklern nicht gut an. Adobe hat mit Muse aber noch ein Programm im Portfolio, das HTML5 kann. Fragt mich jetzt aber bloss nicht, warum es diese Vielfalt gibt.

    Bei den Unterschieden zwischen den Programmen – und generell bei Adobes Produktepalette –, blicke ich längst nicht mehr durch. Und aus Adobes Erklärungen unter How is Edge Reflow different from Adobe Muse CC or Dreamweaver CC wird man auch nicht so richtig schlau.

    Die Vorteile gegenüber Flash

    Die Vorteile von HTML5 gegenüber Flash sind so offensichtlich, dass ich hier nicht auf ihnen herumreiten muss, zumal Wikipedia im Beitrag Comparison of HTML5 and Flash in extenso darlegt. Der zweitwichtigste Vorteil ist die «Herstellerneutralität». Bei Flash ist man an Adobe gekettet.

    HTML5 ist ein offener Webstandard, den jeder Softwareentwicker unterstützten kann, wenn ihm danach ist. Flash verwendet ein binäres Format. Bei HTML5, CSS und JavaScript sind es reine Textdateien, die man zur Not (und mit dem entsprechenden Fachwissen) auch in einem ganz normalen Texteditor bearbeiten darf.

    Der überhaupt wichtigste Vorteil ist die Unterstützung bei Mobilgeräten. Bei Flash sieht es diebezüglich mau aus. iOS hat Flash noch nie unterstützt und bei Android hat Adobe im August 2012 den Stecker gezogen. Flash hat ausserdem viele Sicherheitslücken, einen oft übertriebenen Ressourcenhunger und ist nicht auf die Touch-Bedienung ausgelegt.

    Keine Frage: Wenn man heute interaktive Elemente baut, dann wird man Flash nur aus triftigen Gründen wählen – beispielsweise, weil man damit Dinge realisieren kann, die in HTML5 noch nicht gehen. Ohne ein Experte zu sein, vermute ich, dass man bei komplexen Interaktionen bei HTML5 deutlich schneller an die Grenzen stösst, als bei Flash. Da hat Flash als Produkt, dass es seit 1996 gibt, natürlich einen Vorsprung.

    Google Web Designer steckt noch in der Beta-Phase und ist nur für relativ simple Projekte geeignet. Beim ersten Start bleibt kein Zweifel daran, auf welche Art von Projekten Google das Programm ausgelegt hat: Es werden einem Vorlagen für Google Ads angeboten: Banner, erweiterbare Banner – Expandables sind solche Banner, die beim Überfahren mit der Maus grösser werden, und mir ehrlich gesagt ziemlich auf den Wecker gehen – und Interstitial. Letzteres legt sich für einige Sekunden über den Inhalt einer Website, und geht mir entsprechend genauso auf den Wecker wie das Expandable. Jedenfalls ist Web Designer auf die Ad-Sense-Kunden zugeschnitten, die mit dem Programm hübsche Banner kreieren können, die dann über Googles Werbenetz geschaltet werden.

    Auch für Nichtwerbung geeignet

    Man kann das Programm aber durchaus auch für nicht-werberische Zwecke verwenden. Die Oberfläche (die, wie bei Adobe, inzwischen weiss auf schwarz gehalten ist) hat man schnell erkundet: Links gibt es eine Werkzeugleiste mit einem Zeichen- und einem Textwerkzeug.

    Plus einem Auswahl-Tool und einem Werkzeug, um die Ansicht dreidimensional zu rotieren. Web Designer beherrscht nämlich auch die Animation im dreidimensionalen Raum. In der Leiste oben stellt kontextsensitive Werkzeuge zur Verfügung. Beim Auswahlwerkzeug sind das beispielsweise die Tools fürs Ausrichten, Anordnen und Transformieren (Transform control oder deutsch Umwandlungssteuerung).

    Rechts finden sich die Eigenschaften-Panels, über die man Farbe, Position, CSS-Stile und die Komponenten verwaltet. Am unteren Rand klebt die Zeitleiste, über die man Objekte animiert. Ausserdem gibt es hier die Möglichkeit, von der standardmässigen Design View (WYSIWYG-Ansicht) auf die Code-Ansicht umzuschalten. Und via Play startet man die Animation.

    Die Arbeit mit Web Designer ist einfach, selbst wenn man noch nie mit einer Zeitleiste gearbeitet hat. Um einen Kreis von oben nach unten über den Bildschrim wandern zu lassen, greift man zum Oval Tool – es ist zusammen mit dem Rectangle Tool und Line Tool in dem Flyout-Menü enthalten. Es erscheint, wenn man etwas länger auf das Pen Tool klickt.

    Damit zeichnet man seinen Kreis und füllt ihn über die Color-Palette rechts mit einer hübschen Farbe. Dann klickt man in der Animationspalette auf das Plus-Symbol, um ein neues Schlüsselbild (Keyframe) hinzuzufügen und versetzt den Kreis nach unten. Das wars schon: Bei einem Klick auf Play fällt der Kreis quasi von oben nach unten. Man kann ihn im zweiten Schlüsselbild via Transform control auch vergrösern oder verkleinern oder mit dem 3D rotate tool im Raum drehen. Die Phasen zwischen dem Anfangs- und Endstadium interpoliert die Software automatisch.

    Hüpfende Bälle

    Die Dauer der Animation lässt sich auch anpassen. Das geschieht über das Symbol mit den zwei mit den Spitzen aufeinander zeigenden Dreiecken, das zwischen den Keyframes steht. Im Dialog ist die Dauer standardmässig auf eine Sekunde gesetzt. So lange dauert die Interpolation zwischen den beiden Schlüsselbildern. Für einen herunterfallenden Ball würde 0,3 Sekunden passen. Standardmässig erfolgt die Bewegung linear. Über das Kurvensymbol kann man sie aber auch anpassen. Da der nach unten fallende Ball schneller wird, wählen wir eine durchhängende Kurve – so fängt die Bewegung langsam an und wird dann zunemend schneller.

    Nun kann man die Bewegung fortführen. Dazu legt man ein neues Schlüsselbild an, bei dem die Bälle wieder nach oben hüpfen. Da sie dabei langsamer werden, muss die Beschleunigungskurve nun nicht durchhängen, sondern nach oben gewölbt sein.

    Ich habe in meinem Beispiel nun zwei weitere Bälle platziert. Der Fussball ist eine Grafik aus dem Web. Web Designer erlaubt es einem, Grafiken per Maus auf die Zeichenfläche ziehen. Sie können hinterher wie selbst gezeichnete Objekte animiert werden. Das funktioniert sogar mit SVG-Grafiken (also Vektorformaten), zumindest, wenn sie nicht zu komplex sind. Bei der Beispielanimation habe ich den Fussball auf diese Weise platziert.

    Nun sieht die Grafik mit den drei völlig synchron hüpfenden Bällen etwas gar künstlich aus. Das liegt am Animationsmodus Quick. Er verwendet die gleichen Schlüsselbilder für alle Objekte. Das ist dann praktisch, wenn man nur ein Objekt animieren möchte oder alle Objekte im gleichen Takt steuern will. In meinem Fall ist das nicht gewünscht. Daher wechsle ich über die Advanced-Taste zum Fortgeschrittenenmodus. Er stellt für jedes Objekt eine eigene Zeitleiste zur Verfügung, sodass sich die Objekte unabhängig voneinander bewegen können.

    Asynchrone Bewegungen

    In der Zeitleiste erscheinen nun die einzelnen Objekte. Um sie zu unterscheiden, ist es sinnvoll, sie via Properties-Palette zu benennen. Beim kleinen, blauen Ball ziehe ich die als Rauten dargestellten Schlüsselpunkte nach links. Weil er klein ist, soll er schneller hüpfen. Beim grünen Ball versetze ich die Schlüsselpunkte ein bisschen nach rechts. Er ist offensichtlich ziemlich gummig und dementsprechend etwas träge.

    
    Das Beispiel mit meinen hüpfenden Bällen – wobei die Animation nur in Chrome zu funktionieren scheint.

    Übrigens: Falls die Zeitleiste oder ein Objekt nicht reagiert, liegt das daran, dass die Animation noch läuft. In diesem Fall einfach auf Stop klicken!

    Über die Palette Components (Komponenten) fügt man Dinge wie Tap areas (für die Gestensteuerung), Videos oder Galerien hinzu. Diese Elemente stehen aber anscheinend nur dann zur Verfügung, wenn man eine der Vorlagen aus Google Ads (Google Anzeigen) gewählt hat. Auch die Event-Palette (Ereignisse) ist bei den Nicht-Google-Ad-Projekten nicht aktiv. Das ist etwas seltsam. Sollte man diese Funktionen verwenden wollen, kann man indes einfach eine der Werbevorlagen zweckentfremden…

    Fazit: Ein interessantes Werkzeug, das man für die eine oder andere Spielerei gut nutzen kann. Der Nachteil ist allerdings schon die (fehlende) Kompatibilität. Die Animation meines kleinen Beispiels war nur in Google Chrome und in Safari (Mac und iOS) ersichtlich. Firefox und Internet Explorer fühlen sich nicht bemüssigt, die Bälle in Bewegung zu setzen; und der eingebettete SVG-Fussball taucht ebenfalls nicht auf. Ob das der bislang fehlenden Kompatibilität von HTML5 oder Web Designer anzulasten ist, konnte ich nicht definitiv abklären…

    #Googologie
  50. Per Schnellzug in den Google Calendar

    Wie macht man es, um Kalenderdateien (.vcs und .ics-Dateien) mit Google Calendar zu verknüpfen, um sie per Doppelklick importieren zu können? Es gibt Ansätze, doch letztlich muss ich leider ein Scheitern der Mission vermelden.

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