#googologie — Public Fediverse posts
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Soziale Medien mit Alterskontrolle? Es geht viel einfacher!
«Wir haben einige deiner Einstellungen geändert», zeigte mir Youtube neulich an. Die personalisierte Werbung sei deaktiviert worden. Begründung: «Wir sind nicht sicher, ob du schon über 18 Jahre bist.»
Soll ich mich geschmeichelt über mein jugendliches Erscheinungsbild fühlen und die Angelegenheit gut sein lassen?
Nein, natürlich nicht. Es wäre sünd und schad, diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen, mich über Youtube und Google lustig zu machen. Denn wir haben hier einen Tech-Konzern, der 2025 einen Gewinn von 132 Milliarden Dollar einstrich – etwas weniger als das Bruttosozialprodukt der Slowakei. In diesem Jahr will die Google-Mutter Alphabet 185 Milliarden in die KI investieren: Grund genug für den gemeinen Youtube-Nutzer, anzunehmen, dass Google in der Lage sein müsste, mein Alter auf dreissig Jahre genau zu schätzen. (Das hätte die Frage locker geklärt, ob ich schon 18 bin.)
Schon mal was von den Grundrechenarten gehört, Sundar Pichai?
Nun, es ist nicht ausgeschlossen, dass eine noch nicht 18-jährige Person in diesem Haushalt einige Videos schaute und mein Profil leicht verfälschte. Wenn dennoch der Inhaber des Accounts als Massstab dient, brauchen wir keinen ausgeklügelten Algorithmus, um dessen Mindestalter festzustellen. Mein Youtube-Konto existiert ungefähr seit 2007. Das heisst, selbst wenn ich es im zarten Säuglingsalter angelegt haben sollte, wäre ich inzwischen ungefähr 19. Verifikation mittels Subtraktion – einer Methode, für die man keine neuen Rechenzentren bauen müsste.
Was dieser Sache eine gewisse Brisanz verleiht, ist die Diskussion um die Altersgrenzen bei den sozialen Medien. Bei der stellt sich die Frage, wie die Kontrolle durchgeführt werden soll. Im Stil von gewissen Websites für Erwachsenenunterhaltung, bei denen man auf die Frage, ob man schon 18 sei, entweder Ja oder Nein anklicken kann, vermutlich nicht.
Nebst der Selbstdeklaration existieren zwei weitere Methoden: die Überprüfung mittels eines amtlichen Dokuments und die Schätzung anhand von Verhaltensmustern – letzteres würde ich als die Youtube-Methode bezeichnen.
Entweder E-ID. Oder gar kein Altersnachweis
Für mich ergeben sich zwei Erkenntnisse:
Erstens ist das ein deutliches Argument für die E-ID, den elektronischen Identitätsnachweis. Natürlich in einer datensparsamen Variante. Sprich: Youtube – oder sonst eine Plattform mit einem Mindestalter – erhält über meine ID lediglich die verbindliche Auskunft, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Mein effektives Alter und alle anderen Informationen, die zum Profil zählen, werden nicht preisgegeben.
Zweitens: Wäre es nicht viel einfacher, wenn für Internetangebote das Prinzip gelten würde, dass ein Altersnachweis für die normale Nutzung nicht erforderlich ist?
Lasst mich zur Illustration einen verrückten Vergleich machen: Tageszeitungen und die gängigen Magazine lagen früher (als derlei Medien noch zum regulären medialen Inventar zählten) in Reichweite von Kindern bereit und waren ohne Alterskontrolle zugänglich.
Das bedeutete durchaus nicht, dass alles, was dort zu lesen war, kindgerecht gewesen wäre. Aber das war seltenst ein Problem. Kaum ein Zwölfjähriger las den «Spiegel» von hinten bis vorn durch, um so auf die Reportage aus einem Kriegsgebiet oder den Bericht über die Epstein Files zu treffen. Er orientierte sich nach seinen Interessen und landete zwangsläufig bei harmlosen Themen wie Tierberichten, den Rätseln oder der Kinderseite. Meine Erfahrung mit Kindern ist, dass viele davon ein ausgezeichnetes Gespür dafür haben, was sie sich zumuten wollen und was nicht.
Der Vergleich hinkt! Oder hinkt er nicht?
Bevor jetzt einer kommentiert, dass dieser Vergleich brutal hinken würde, mache ich den naheliegenden Einwand gleich selbst: Bei den «Legacy-Medien» gibt es keinen Algorithmus, der die Themenauswahl vornimmt – das muss man selbst tun. Da diese Algorithmen das krasse Zeug bevorzugen, setzt das eine Spirale in Gang. Die hat zur Folge, dass auch Dinge, die im Kern harmlos sind und von Kindern konsumiert werden könnten, auf verantwortungslose Weise übersteigert dargeboten werden.
Das heisst: Standardmässig funktionieren Facebook und Youtube wieder wie zu den Anfangszeiten. Es gibt keine algorithmischen Vorschläge, sondern nur das, was Nutzerinnen und Nutzer selbst aussuchen – entweder direkt, oder über die Leute, denen sie folgen. Wer auf den algorithmischen Kram nicht verzichten mag, der muss über 18 sein und den Altersnachweis erbringen. Zur zusätzlichen Absicherung wird standardmässig jugendfrei gepostet. Leute, die ohne ihre Altherrenwitze nicht auskommen, pflegen selbige, müssen aber ein zwingendes Häkchen beim Beitrag setzen. Falls jemand das vergisst, haben die anderen User die Möglichkeit, solche Beiträge zu melden – worauf die Plattform sofort und ernsthaft reagiert. Und Leute, die öfter den Jugendschutz unterlaufen, werden sanktioniert.
Bei den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland darf man gewisse Inhalte aus Gründen des Jugendschutzes erst ab einer bestimmten Zeit ansehen – wie im linearen Fernsehen, wo der Horrorfilm erst nach 22 Uhr läuft.
Ich fand lange Zeit reichlich albern. Aber vielleicht ist es das gar nicht? Wie wäre es, den gleichen Mechanismus bei Youtube und Facebook anzuwenden? In welcher Zeitzone sich ein Nutzer oder eine Nutzerin befindet, lässt sich ohne jeglichen Altersnachweis feststellen. Und was die Eltern angeht, müssten die für den Jugendschutz nichts weiter tun, als nach neun Uhr abends das WLAN abzudrehen.
Nachtrag: Wir sprachen im Nerdfunk über die Idee. Kevin fand sie albern: Die Leute würden die sozialen Medien langweilig finden, wenn es keine algorithmische Auswahl mehr gäbe und man tatsächlich nur noch den Kram sehen würde, der in der eigenen Bubble kursiert. Aber wären langweiligere soziale Medien wahrlich so schlimm – oder nicht vielleicht die Lösung?
Beitragsbild: Google würde natürlich darauf hereinfallen (Artur Skoniecki, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #Googologie #Wochenkommentar #Youtube -
Soziale Medien mit Alterskontrolle? Es geht viel einfacher!
«Wir haben einige deiner Einstellungen geändert», zeigte mir Youtube neulich an. Die personalisierte Werbung sei deaktiviert worden. Begründung: «Wir sind nicht sicher, ob du schon über 18 Jahre bist.»
Soll ich mich geschmeichelt über mein jugendliches Erscheinungsbild fühlen und die Angelegenheit gut sein lassen?
Nein, natürlich nicht. Es wäre sünd und schad, diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen, mich über Youtube und Google lustig zu machen. Denn wir haben hier einen Tech-Konzern, der 2025 einen Gewinn von 132 Milliarden Dollar einstrich – etwas weniger als das Bruttosozialprodukt der Slowakei. In diesem Jahr will die Google-Mutter Alphabet 185 Milliarden in die KI investieren: Grund genug für den gemeinen Youtube-Nutzer, anzunehmen, dass Google in der Lage sein müsste, mein Alter auf dreissig Jahre genau zu schätzen. (Das hätte die Frage locker geklärt, ob ich schon 18 bin.)
Schon mal was von den Grundrechenarten gehört, Sundar Pichai?
Nun, es ist nicht ausgeschlossen, dass eine noch nicht 18-jährige Person in diesem Haushalt einige Videos schaute und mein Profil leicht verfälschte. Wenn dennoch der Inhaber des Accounts als Massstab dient, brauchen wir keinen ausgeklügelten Algorithmus, um dessen Mindestalter festzustellen. Mein Youtube-Konto existiert ungefähr seit 2007. Das heisst, selbst wenn ich es im zarten Säuglingsalter angelegt haben sollte, wäre ich inzwischen ungefähr 19. Verifikation mittels Subtraktion – einer Methode, für die man keine neuen Rechenzentren bauen müsste.
Was dieser Sache eine gewisse Brisanz verleiht, ist die Diskussion um die Altersgrenzen bei den sozialen Medien. Bei der stellt sich die Frage, wie die Kontrolle durchgeführt werden soll. Im Stil von gewissen Websites für Erwachsenenunterhaltung, bei denen man auf die Frage, ob man schon 18 sei, entweder Ja oder Nein anklicken kann, vermutlich nicht.
Nebst der Selbstdeklaration existieren zwei weitere Methoden: die Überprüfung mittels eines amtlichen Dokuments und die Schätzung anhand von Verhaltensmustern – letzteres würde ich als die Youtube-Methode bezeichnen.
Entweder E-ID. Oder gar kein Altersnachweis
Für mich ergeben sich zwei Erkenntnisse:
Erstens ist das ein deutliches Argument für die E-ID, den elektronischen Identitätsnachweis. Natürlich in einer datensparsamen Variante. Sprich: Youtube – oder sonst eine Plattform mit einem Mindestalter – erhält über meine ID lediglich die verbindliche Auskunft, dass diese Voraussetzung erfüllt ist. Mein effektives Alter und alle anderen Informationen, die zum Profil zählen, werden nicht preisgegeben.
Zweitens: Wäre es nicht viel einfacher, wenn für Internetangebote das Prinzip gelten würde, dass ein Altersnachweis für die normale Nutzung nicht erforderlich ist?
Lasst mich zur Illustration einen verrückten Vergleich machen: Tageszeitungen und die gängigen Magazine lagen früher (als derlei Medien noch zum regulären medialen Inventar zählten) in Reichweite von Kindern bereit und waren ohne Alterskontrolle zugänglich.
Das bedeutete durchaus nicht, dass alles, was dort zu lesen war, kindgerecht gewesen wäre. Aber das war seltenst ein Problem. Kaum ein Zwölfjähriger las den «Spiegel» von hinten bis vorn durch, um so auf die Reportage aus einem Kriegsgebiet oder den Bericht über die Epstein Files zu treffen. Er orientierte sich nach seinen Interessen und landete zwangsläufig bei harmlosen Themen wie Tierberichten, den Rätseln oder der Kinderseite. Meine Erfahrung mit Kindern ist, dass viele davon ein ausgezeichnetes Gespür dafür haben, was sie sich zumuten wollen und was nicht.
Der Vergleich hinkt! Oder hinkt er nicht?
Bevor jetzt einer kommentiert, dass dieser Vergleich brutal hinken würde, mache ich den naheliegenden Einwand gleich selbst: Bei den «Legacy-Medien» gibt es keinen Algorithmus, der die Themenauswahl vornimmt – das muss man selbst tun. Da diese Algorithmen das krasse Zeug bevorzugen, setzt das eine Spirale in Gang. Die hat zur Folge, dass auch Dinge, die im Kern harmlos sind und von Kindern konsumiert werden könnten, auf verantwortungslose Weise übersteigert dargeboten werden.
Das heisst: Standardmässig funktionieren Facebook und Youtube wieder wie zu den Anfangszeiten. Es gibt keine algorithmischen Vorschläge, sondern nur das, was Nutzerinnen und Nutzer selbst aussuchen – entweder direkt, oder über die Leute, denen sie folgen. Wer auf den algorithmischen Kram nicht verzichten mag, der muss über 18 sein und den Altersnachweis erbringen. Zur zusätzlichen Absicherung wird standardmässig jugendfrei gepostet. Leute, die ohne ihre Altherrenwitze nicht auskommen, pflegen selbige, müssen aber ein zwingendes Häkchen beim Beitrag setzen. Falls jemand das vergisst, haben die anderen User die Möglichkeit, solche Beiträge zu melden – worauf die Plattform sofort und ernsthaft reagiert. Und Leute, die öfter den Jugendschutz unterlaufen, werden sanktioniert.
Bei den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland darf man gewisse Inhalte aus Gründen des Jugendschutzes erst ab einer bestimmten Zeit ansehen – wie im linearen Fernsehen, wo der Horrorfilm erst nach 22 Uhr läuft.
Ich fand lange Zeit reichlich albern. Aber vielleicht ist es das gar nicht? Wie wäre es, den gleichen Mechanismus bei Youtube und Facebook anzuwenden? In welcher Zeitzone sich ein Nutzer oder eine Nutzerin befindet, lässt sich ohne jeglichen Altersnachweis feststellen. Und was die Eltern angeht, müssten die für den Jugendschutz nichts weiter tun, als nach neun Uhr abends das WLAN abzudrehen.
Nachtrag: Wir sprachen im Nerdfunk über die Idee. Kevin fand sie albern: Die Leute würden die sozialen Medien langweilig finden, wenn es keine algorithmische Auswahl mehr gäbe und man tatsächlich nur noch den Kram sehen würde, der in der eigenen Bubble kursiert. Aber wären langweiligere soziale Medien wahrlich so schlimm – oder nicht vielleicht die Lösung?
Beitragsbild: Google würde natürlich darauf hereinfallen (Artur Skoniecki, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #Googologie #Wochenkommentar #Youtube -
Google Gemini erkennt leider längst nicht alle KI-Deepfakes
Kollege Thomas Benkö schrieb letzte Woche auf Linkedin über die angebliche Schneeleopard-Attacke in Koktokay. Bei «Blick» dokumentierte er den Fall einer chinesischen Skifahrerin, die mit einem vorbeistreifenden Raubtier ein Selfie machen wollte (gute Idee, übrigens) und daraufhin attackiert wurde. Wie heutzutage kaum mehr anders zu erwarten, war es nur ein KI-Fake. Respektive genauer: Teile der Geschichte scheinen zu stimmen, doch nicht das gesamte Material, das darüber veröffentlicht wurde, ist authentisch.
Auch das ZDF analysierte die Begebenheit. Sie führt uns vor Augen, dass eine Halbwahrheit problematischer sein kann als eine glatte Lüge. Letztere wischen wir vom Tisch. Doch bei ersterer müssen wir mühselig zwischen realen und erlogenen Details unterscheiden und uns mit der Frage auseinandersetzen, welches Framing dahinterstecken könnte. In diesem Fall war’s vermutlich schlichte Klickgeilheit.
An dieser Stelle soll es um ein technisches Detail gehen. Sowohl der «Blick» als auch das ZDF weisen auf SynthID hin. Das ist Googles Methode, KI-generierte Inhalte mit einem digitalen Wasserzeichen erkenntlich zu machen. Das wird nicht nur bei Bildern und Videos eingebettet, sondern selbst bei Text. Ich halte das für eine sinnvolle Massnahme, doch wie hier analysiert, ist es keineswegs ein Patentrezept gegen Deepfakes. Enthält ein Inhalt kein SynthID-Wasserzeichen, ist das kein Beweis für seine Authentizität.
«Dieses Selfie ist gefälscht»
Benkö weist darauf hin, dass Googles Chatbot Gemini die SynthID-Markierung ausliest. Und in der Tat: Ein Test mit dem vermeintlichen Selfie der tollkühnen Skifahrerin ergibt das unzweifelhafte Ergebnis:
Hier ist der Fall klar: Gemini hat das SynthID-Wasserzeichen entdeckt.Eine Analyse mit dem Tool SynthID hat ergeben, dass Teile des Bildes digitale Wasserzeichen enthalten, die auf den Einsatz von Google KI-Modellen hinweisen.
Das bringt uns zur Frage: Wie gut ist Gemini generell beim Enttarnen von KI-Inhalten?
Bei diesem Test interessiert mich vor allem, wie Googles künstliche Intelligenz im umgekehrten Fall abschneidet. Werden Bilder als authentisch erkannt, wenn sie das erwiesenermassen sind, aber trotzdem aussehen wie KI-generiert?
Ich verwende für diesen Zweck zwei Aufnahmen, die beide von freien Fotoplattformen stammen¹ und erwiesenermassen echt sein müssen. Sie wurden nämlich veröffentlicht, bevor die KI-Bildgeneratoren mit fotorealistischen Möglichkeiten existierten. Um es kurz zu machen: Bei denen bekleckert sich Gemini nicht mit Ruhm.
Gemini liegt zweimal voll daneben
Im Gegenteil; er vermutet in beiden Fällen fälschlicherweise eine KI:
Weckt zu Unrecht KI-Vibes.
Mann mit Geldbündeln:
Sieht künstlich aus, stammt aber von 2018.
Dieses Bild weist sehr starke Merkmale einer KI-Generierung auf. Achte auf die Finger der rechten Hand: Sie wirken unnatürlich lang und verformt. Auch die Texturen der Geldscheine und die Schrift darauf («Franklin Barbershop») sind typisch für Bild-KIs, die oft Schwierigkeiten haben, Text und feine Details wie die Sicherheitsmerkmale von Währungen korrekt darzustellen.Paar auf der Bank (Stockfoto-Stil):
Auch dieses Bild zeigt bei genauerer Betrachtung Unstimmigkeiten, die auf KI hindeuten. Besonders auffällig ist die Hand der Frau auf dem Rücken des Mannes: Die Fingerstellung und die Anzahl der sichtbaren Finger wirken anatomisch nicht korrekt. Auch der Übergang der Haare zur Schulter zeigt oft unnatürliche Verschmelzungen.Immerhin erkennt Gemini die zwei Kontrollaufnahmen, die tatsächlich mit KI generiert worden sind.
Trotzdem ist Googles Chatbot damit schlechter als zwei spezialisierte Erkennungs-Algorithmen: aiornot.com lag schon 2024 in allen Fällen richtig. Das gleiche gilt für Sight Engine aus meinem letztjährigen Test. Dieser meiner Erfahrung nach sehr zuverlässige Detektor liegt indes beim Schneeleoparden-Bild daneben und attestiert ihm fälschlicherweise Authentizität.
Bei den Beispielen ohne SynthID vermutet Gemini KI, wo wir es mit echter Fotografie zu tun haben.Fazit: Es ist – und bleibt – kompliziert.
- Gemini hilft uns in eindeutigen Fällen, in denen ein SyntID-Marker vorhanden ist. In allen anderen Fällen ist Googles KI nicht zuverlässig.
- Umgekehrt zeigt dieses Beispiel, dass auch bewährte KI-Detektoren nicht von false negatives gefeit sind.
Die Authentizität garantieren kann nur der Urheber einer Aufnahme – sei es, weil die Aufnahme kryptografisch über die Metadaten abgesichert wurde, wie es die Content Authenticity Initiative anstrebt. Oder sei es, weil die Aufnahme über verlässliche Wege aus einer vertrauenswürdigen Quelle zu uns gelangte. In anderen Fällen helfen uns die hier vorgestellten Werkzeuge, unseren Grad der Unsicherheit zu verringern. Aber völlige Gewissheit garantieren sie nicht – und auf alle Fälle müssen wir diese Werkzeuge bewusst und mit Kenntnis ihrer Grenzen einsetzen.
Der sonst zuverlässige KI-Detektor von Sight Engine liegt hier falsch.Fussnoten
1) Einige Details zu den beiden Aufnahmen:
- Bild «Paar auf der Bank» benutzte ich im Beitrag Eine KI mit Gefühl, aber ohne Geschlechtstrieb. Es stammt von Andre Furtado bzw. Pexels und wurde am 5. September 2018 aufgenommen (hier auch 2021 bei Archive.org).
- «Bild Mann mit Geldbündeln» kam im Beitrag Ein Angebot mit einem Gschmäckli zum Zug. Bereitgestellt von Finance_and_investing auf Pixabay datiert es vom 30. Oktober 2021. ↩
Beitragsbild: Das Ding könnte auch aus Plastik sein (Mart Production, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #Googologie #KI #VideoBildgenerator -
Google Gemini erkennt leider längst nicht alle KI-Deepfakes
Kollege Thomas Benkö schrieb letzte Woche auf Linkedin über die angebliche Schneeleopard-Attacke in Koktokay. Bei «Blick» dokumentierte er den Fall einer chinesischen Skifahrerin, die mit einem vorbeistreifenden Raubtier ein Selfie machen wollte (gute Idee, übrigens) und daraufhin attackiert wurde. Wie heutzutage kaum mehr anders zu erwarten, war es nur ein KI-Fake. Respektive genauer: Teile der Geschichte scheinen zu stimmen, doch nicht das gesamte Material, das darüber veröffentlicht wurde, ist authentisch.
Auch das ZDF analysierte die Begebenheit. Sie führt uns vor Augen, dass eine Halbwahrheit problematischer sein kann als eine glatte Lüge. Letztere wischen wir vom Tisch. Doch bei ersterer müssen wir mühselig zwischen realen und erlogenen Details unterscheiden und uns mit der Frage auseinandersetzen, welches Framing dahinterstecken könnte. In diesem Fall war’s vermutlich schlichte Klickgeilheit.
An dieser Stelle soll es um ein technisches Detail gehen. Sowohl der «Blick» als auch das ZDF weisen auf SynthID hin. Das ist Googles Methode, KI-generierte Inhalte mit einem digitalen Wasserzeichen erkenntlich zu machen. Das wird nicht nur bei Bildern und Videos eingebettet, sondern selbst bei Text. Ich halte das für eine sinnvolle Massnahme, doch wie hier analysiert, ist es keineswegs ein Patentrezept gegen Deepfakes. Enthält ein Inhalt kein SynthID-Wasserzeichen, ist das kein Beweis für seine Authentizität.
«Dieses Selfie ist gefälscht»
Benkö weist darauf hin, dass Googles Chatbot Gemini die SynthID-Markierung ausliest. Und in der Tat: Ein Test mit dem vermeintlichen Selfie der tollkühnen Skifahrerin ergibt das unzweifelhafte Ergebnis:
Hier ist der Fall klar: Gemini hat das SynthID-Wasserzeichen entdeckt.Eine Analyse mit dem Tool SynthID hat ergeben, dass Teile des Bildes digitale Wasserzeichen enthalten, die auf den Einsatz von Google KI-Modellen hinweisen.
Das bringt uns zur Frage: Wie gut ist Gemini generell beim Enttarnen von KI-Inhalten?
Bei diesem Test interessiert mich vor allem, wie Googles künstliche Intelligenz im umgekehrten Fall abschneidet. Werden Bilder als authentisch erkannt, wenn sie das erwiesenermassen sind, aber trotzdem aussehen wie KI-generiert?
Ich verwende für diesen Zweck zwei Aufnahmen, die beide von freien Fotoplattformen stammen¹ und erwiesenermassen echt sein müssen. Sie wurden nämlich veröffentlicht, bevor die KI-Bildgeneratoren mit fotorealistischen Möglichkeiten existierten. Um es kurz zu machen: Bei denen bekleckert sich Gemini nicht mit Ruhm.
Gemini liegt zweimal voll daneben
Im Gegenteil; er vermutet in beiden Fällen fälschlicherweise eine KI:
Weckt zu Unrecht KI-Vibes.
Mann mit Geldbündeln:
Sieht künstlich aus, stammt aber von 2018.
Dieses Bild weist sehr starke Merkmale einer KI-Generierung auf. Achte auf die Finger der rechten Hand: Sie wirken unnatürlich lang und verformt. Auch die Texturen der Geldscheine und die Schrift darauf («Franklin Barbershop») sind typisch für Bild-KIs, die oft Schwierigkeiten haben, Text und feine Details wie die Sicherheitsmerkmale von Währungen korrekt darzustellen.Paar auf der Bank (Stockfoto-Stil):
Auch dieses Bild zeigt bei genauerer Betrachtung Unstimmigkeiten, die auf KI hindeuten. Besonders auffällig ist die Hand der Frau auf dem Rücken des Mannes: Die Fingerstellung und die Anzahl der sichtbaren Finger wirken anatomisch nicht korrekt. Auch der Übergang der Haare zur Schulter zeigt oft unnatürliche Verschmelzungen.Immerhin erkennt Gemini die zwei Kontrollaufnahmen, die tatsächlich mit KI generiert worden sind.
Trotzdem ist Googles Chatbot damit schlechter als zwei spezialisierte Erkennungs-Algorithmen: aiornot.com lag schon 2024 in allen Fällen richtig. Das gleiche gilt für Sight Engine aus meinem letztjährigen Test. Dieser meiner Erfahrung nach sehr zuverlässige Detektor liegt indes beim Schneeleoparden-Bild daneben und attestiert ihm fälschlicherweise Authentizität.
Bei den Beispielen ohne SynthID vermutet Gemini KI, wo wir es mit echter Fotografie zu tun haben.Fazit: Es ist – und bleibt – kompliziert.
- Gemini hilft uns in eindeutigen Fällen, in denen ein SyntID-Marker vorhanden ist. In allen anderen Fällen ist Googles KI nicht zuverlässig.
- Umgekehrt zeigt dieses Beispiel, dass auch bewährte KI-Detektoren nicht von false negatives gefeit sind.
Die Authentizität garantieren kann nur der Urheber einer Aufnahme – sei es, weil die Aufnahme kryptografisch über die Metadaten abgesichert wurde, wie es die Content Authenticity Initiative anstrebt. Oder sei es, weil die Aufnahme über verlässliche Wege aus einer vertrauenswürdigen Quelle zu uns gelangte. In anderen Fällen helfen uns die hier vorgestellten Werkzeuge, unseren Grad der Unsicherheit zu verringern. Aber völlige Gewissheit garantieren sie nicht – und auf alle Fälle müssen wir diese Werkzeuge bewusst und mit Kenntnis ihrer Grenzen einsetzen.
Der sonst zuverlässige KI-Detektor von Sight Engine liegt hier falsch.Fussnoten
1) Einige Details zu den beiden Aufnahmen:
- Bild «Paar auf der Bank» benutzte ich im Beitrag Eine KI mit Gefühl, aber ohne Geschlechtstrieb. Es stammt von Andre Furtado bzw. Pexels und wurde am 5. September 2018 aufgenommen (hier auch 2021 bei Archive.org).
- «Bild Mann mit Geldbündeln» kam im Beitrag Ein Angebot mit einem Gschmäckli zum Zug. Bereitgestellt von Finance_and_investing auf Pixabay datiert es vom 30. Oktober 2021. ↩
Beitragsbild: Das Ding könnte auch aus Plastik sein (Mart Production, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #Googologie #KI #VideoBildgenerator -
Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft
KI-Antworten statt klassischer Suchresultate: Ist das ein Grund, Google zu boykottieren? Selbstverständlich ist das eine persönliche Entscheidung, auch wenn es triftige Gründe für eine Neuorientierung gibt. Als Reaktion auf meine Ausführungen zum Thema gab es eine interessante Reaktion auf Mastodon: Es bringe nichts, auf Bing oder Duck Duck Go umzusteigen, weil man damit – ich paraphrasiere – den Teufel mit dem Beelzebub austreibe.
Denn in der Tat: Viele der kleinen Suchmaschinen sind nur vermeintlich eine Alternative zum Marktführer. Denn sie funktionieren nicht eigenständig, sondern greifen ebenfalls auf den Google-Index zu. Ein Phänomen, das wir von den Browsern kennen. Die meisten Drittprogramme basieren wie Chrome auf dem von Google entwickelten Open-Source-Browser Chromium: Microsoft Edge, Opera, Vivaldi, Brave, Comet und Arc, um nur einige zu nennen.
Die Abhängigkeiten werden komplizierter, aber kaum kleiner
Das heisst: Leute, die sich einem dieser Produkte zuwenden, um ihre Unabhängigkeit von Google zu verringern, verfehlen ihr Ziel. Zwar bestimmt ein zwischengeschaltetes Unternehmen den Funktionsumfang des Programms. Doch die Marschrichtung wählt noch immer Google. Das zeigt sich bei weitreichenden Eingriffen wie beispielsweise den Schnittstellen, die den Browser-Erweiterungen zur Verfügung stehen.
Zwischenbemerkung: Allein deswegen ist es bedauerlich, dass Richter Amit Mehta am Bezirksgericht des Districts of Columbia Google neulich nicht zwang, Chrome und Android zu verkaufen.
Die interessante Frage ist an diesem Punkt: Wie viel Google handeln wir uns bei der Verwendung einer bestimmten alternativen Suchmaschine ein? Das ist nicht einfach zu bestimmen, da die Betreiber kein Interesse haben, das offenzulegen. Diese Information passt schlecht zum Bemühen, sich als Auswahlmöglichkeit zu präsentieren.
Bing dominiert bei den Google-Alternativen
Bei der besagten Diskussion auf Mastodon machte mich Raoul René auf einen interessanten Blogpost aufmerksam: Er schlüsselt auf, welcher Index bei den jeweiligen Suchanbietern zum Zug kommt.
- Wir erfahren, dass Bing in vielen «Generika» steckt, u. a. in Duck Duck Go, Yahoo, Qwant, Privado, Lycos, Swisscows und Fireball sowie teilweise in Metager und Qwant.
- Google befeuert Mullvad Leta, Ecosia und Startpage, wobei man bei den beiden Letzteren optional auf Bing wechseln kann.
Der Blogpost erwähnt, dass die russische Suchmaschine Yandex teilweise Resultate für Duck Duck Go geliefert habe, diese Zusammenarbeit derzeit jedoch auf Eis liege. Und ergänzt sei, dass die gern empfohlene Suchmaschine Kagi.com zwar eigene Crawler verwendet, aber auf Bing nicht verzichten kann.
Wir fragen uns an dieser Stelle bang, ob es kein Entrinnen vor Google und Microsoft gibt. Und in der Tat, scheint das unglücklicherweise so zu sein:
Mojeek betreibt einen eigenen IdexEs gibt zwar Anbieter, die eigene Indizes betreiben. Doch die können kaum mit den ganz Grossen mithalten. Als echte, unabhängige Alternativen dürfen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – diese Suchmaschinen gelten:
- Mojeek.com verspricht in den FAQ: «Die Suchergebnisse von Mojeek sind zu hundert Prozent unabhängig. Sie stammen von unserem Crawler (MojeekBot) und unserem Web-Index und werden anhand unserer eigenen Ranking-Algorithmen sortiert.»
- Brave-Suche verwendet Google, aber nur als Rückfallebene. Ein ausführlicher Test dieser Suchmaschine gibt es im Beitrag
Brave Search schiesst einen Ehrentreffer gegen Google. - Wiby.me indiziert nur Websites, die kein Javascript verwenden.
- Marginalia verwendet einen eigenen Index und einen Open-Source-Crawler.
Gut zu wissen – aber wir müssten sehr hart gesotten sein, um uns zuzutrauen, mit diesen vier Rechercheinstrumenten über die Runden zu kommen. Sollten wir uns entscheiden wollen, nichts mehr mit Big Tech zu tun haben zu wollen, dann hätten wir allerdings gar keine andere Wahl.
Bleibt nur, zum Aussteiger zu werden?
Wir kommen zur Einsicht, dass uns das moderne Leben nicht erlaubt, alle unsere Überzeugungen konsequent durchzusetzen: nie mehr fliegen, nur noch vegan oder gar frutan essen, CO₂-neutral wohnen und Konsum rein nach Kriterien der Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltverträglichkeit – dieser Aussteiger-Lifestyle ist unvereinbar mit einem normalen Erwerbs- und Sozialleben. Wir kommen um eine pragmatische Haltung nicht herum. Das heisst: Keine komplette Abnabelung von Microsoft und Google, aber eine Reduktion, mit der wir den Schutz unserer persönlichen Daten merklich verbessern und unsere Abhängigkeit bewusst verringern. Schon das ist gut für uns selbst und ein Zeichen gegen die digitale Monokultur.
Beitragsbild: Das ist nicht übertrieben (ev, Unsplash-Lizenz).
#Browser #Chrome #Datenschutz #Googologie #Suchmaschine #Wochenkommentar
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Apple und Google als Komplizen von ICE
Fast wie Pokémon Go – bloss ist es eben kein Spiel, sondern blutiger Ernst: Es geht um die Warn-Apps, mit denen sich Immigranten darüber informieren können, ob in ihrer Umgebung ICE-Agenten aktiv sind. Denn wie wir wissen, geht die Einwanderungsbehörde nicht zimperlich vor. Sie greift Menschen auf, die optisch ins Raster passen – der Vorwurf des Racial Profilings steht im Raum – und sie zieht Einsätze radikal durch, selbst wenn Familien und kleine Kinder betroffen sind.
John Oliver legte die Situation vor einem Monat in seiner Sendung dar und liess nichts an Klarheit zu wünschen übrig: ICE stehe unter Druck, Quoten zu erfüllen. Die Behörde konzentriere sich auf Menschen, die in der Öffentlichkeit exponiert seien, und weniger auf Kriminelle, die man erst aufspüren müsse. Sie nehme «Kollateralschäden» in Kauf, und um jemanden festzuhalten, benötige sie keinen hinreichenden, sondern bloss einen Verdacht (reasonable suspicion). Fazit von John Oliver:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=DfTBhrkae74?version=3&rel=1&showsearch=0&showinfo=1&iv_load_policy=1&fs=1&hl=de-DE&autohide=2&wmode=transparent&w=640&h=360]Ich sage nicht, dass alles, was ICE derzeit tut, illegal ist. Ich sage nur, dass vieles davon wirklich illegal sein sollte.
Damit steht ausser Frage, dass die Benutzung einer solchen App ein Akt der Selbstverteidigung ist.
Wer ist das Opfer, wer der Täter?
Doch letzte Woche wurde bekannt, dass Apple die App ICE Block aus dem Store verbannt hat. Gemäss Medienberichten begründete Apple das gegenüber dem Entwickler Joshua Aaron mit den Worten, ICE Block verletze in Bezug auf «anstössige und verleumderische, diskriminierende oder böswillige Inhalte» die App-Store-Richtlinien:
«Informationen, die Apple von Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt wurden, zeigen, dass Ihre App gegen die App-Store-Richtlinien verstösst, da ihr Zweck darin besteht, Standortinformationen über Strafverfolgungsbeamte bereitzustellen, die dazu verwendet werden können, diesen Beamten einzeln oder als Gruppe Schaden zuzufügen.»
Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Apple die Tatsachen verdreht – ausser, wenn man den «Schaden» so interpretieren möchte, dass die Warn-App dazu führt, dass ICE die Quote weniger leicht erfüllt. Joshua Aaron spart auf seiner Website nicht mit Kritik an Apple:
Ich bin unglaublich enttäuscht von Apple. Sich einem autoritären Regime zu beugen, ist niemals der richtige Schritt. (…) ICE Block unterscheidet sich nicht von Crowdsourcing-Blitzerwarnungen, die jede namhafte Kartenanwendung, einschliesslich der Apple-eigenen Karten-App, als Teil ihrer Kerndienste implementiert. Dies ist durch das Recht auf freie Meinungsäusserung gemäss dem ersten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten geschützt.
Google zeigt ebensowenig Rückgrat. Der Android-Konzern entfernte vor einer Woche die App Red Dot aus dem Play Store. Wie «404 Media» darlegt, ist die Täter-Opfer-Umkehr noch krasser als bei Apple. Google praktiziert das orwellsche Kunststück, die ICE-Beamten «als gefährdete Gruppe» («vulnerable Group») zu apostrophieren.
Apple löscht auch eine Dokumentations-App
Das Icon der Eyes-Up-App.Vorgestern wurde publik, dass auch die App Eyes Up aus Apples Store weichen musste (bei Google ist sie noch vorhanden). Sie archiviert Videos der ICE-Einsätze, die auf Tiktok, Instagram und in sozialen Medien kursieren. Die Betreiber prüfen sämtliche Einsendungen auf Relevanz und Richtigkeit. An der Rechtmässigkeit dieser App ist nicht zu zweifeln. Das American Immigration Council setzt sich für faire Einwanderungsgesetze ein, und Aaron Reichlin-Melnick erklärt als Senior Fellow im Namen der Organisation:
Wie jede andere Regierungsbehörde ist auch das DHS verpflichtet, sich an die Gesetze zu halten. Die Sammlung von Videobeweisen ist ein wirksames Kontrollinstrument. Es stellt sicher, dass die Regierung die Rechte von Bürgern und Einwanderern gleichermassen achtet. Die Menschen haben das Recht, Interaktionen mit Strafverfolgungsbehörden im öffentlichen Raum zu filmen und diese Videos mit anderen zu teilen.
Die Entfernung dieser App aus dem Store lässt sich nicht mit dem Schutz der ICE-Agenten begründen. Im Gegenteil: Die Dokumentierung ihrer Arbeit schützt die Agenten – natürlich vorausgesetzt, dass sie sich rechtskonform verhalten. Wenn das Sammeln solcher Videos von vornherein unterbunden werden soll, dann nährt das den Verdacht, dass systematisch Dinge geschehen, die von der Öffentlichkeit geheimgehalten werden sollen. Wenn Apple dazu Hand bietet, dann begibt man sich in Komplizenschaft mit einer staatlichen Organisation, die nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger handelt.
«Die Lösung finden, die Nutzern am besten dient»
Zwei Feststellungen:
Erstens muss es möglich sein, auch ohne Billigung der Betriebssystem-Hersteller Software aufs Smartphone zu bringen. Wir brauchen dringend Ausweich-App-Stores – und zwar nicht nur in der EU, sondern weltweit.
Zweitens ist es unvermeidlich, das Offensichtliche konkret zu benennen. Die Heuchelei der Tech-Konzerne ist zwar nicht sonderlich überraschend, aber dennoch beschämend.
Im Mai 2025 bekennt sich Apple – inklusive Leitwort von Tim Cook – zu den Menschenrechten.Auf Apples Website findet sich das «Bekenntnis zu den Menschenrechten» (PDF). Es stammt aus dem Mai 2025. Tim Cook steuerte ein Zitat bei und der Konzern proklamiert, er wolle die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte hochhalten. Drei Kernsätze aus dieser Zielsetzung:
- Hand in Hand mit dem Datenschutz unserer Nutzer geht unser Engagement für Informations- und Meinungsfreiheit.
- Apples Seele sind die Menschen. Deshalb verpflichten wir uns, die Menschenrechte aller zu achten, deren Leben wir berühren – einschliesslich unserer Mitarbeiter, Lieferanten, Auftragnehmer und Kunden.
- Wir sind verpflichtet, die lokalen Gesetze einzuhalten. Manchmal gibt es komplexe Fragen, bei denen wir mit Regierungen und anderen Interessengruppen unterschiedlicher Meinung darüber sind, wie der richtige Weg vorwärts aussieht. Durch Dialog und den Glauben an die Kraft des Engagements versuchen wir, die Lösung zu finden, die unseren Nutzern am besten dient – ihrer Privatsphäre, ihrer Möglichkeit, sich auszudrücken, und ihrem Zugang zu zuverlässigen Informationen und hilfreicher Technologie.
Doch wo ist im Fall der ICE-Apps der Dialog und die «Kraft des Engagements»? Oder sind das doch nur hohle Worte?
#AppStores #Apple #Googologie #Politik #Wochenkommentar -
Wie ich Berufskollegen regelmässig zum Weinen bringe
Folgendes Szenario: Eine Person arbeitete längere Zeit für ein grosses Unternehmen. Eines Tages ergibt es sich, dass diese Person das Unternehmen verlässt. Aus welchen Gründen sie das tut, soll uns an dieser Stelle nicht beschäftigen.
Was uns vielmehr interessiert, sind die Daten und Dokumente, die die Person beim Austritt zurücklässt. Worum es sich dabei handelt, hängt natürlich entscheidend von den Aufgaben ab, die die Person zu erledigen hatte: In vielen Fällen wird es kaum Dinge von persönlichem Interesse geben, sondern lediglich Datenbestände, die einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin zu übergeben sind.
Was auf keinen Fall zurückgelassen werden darf
Anders sieht es aus, wenn die Person beispielsweise Journalistin oder Journalist ist. Dann ist es wahrscheinlich, dass sich viel Recherchematerial angesammelt hat; Notizen, Dokumente, Scans, PDFs … Und natürlich eine Unzahl von E-Mails: Bei Berufen, in denen die Beziehungspflege wichtig ist, verschwimmen die Grenzen zwischen beruflichen und persönlichen Kontakten zwangsläufig. Allein deswegen dürfte die Person manche digitalen Informationen nicht einfach zurücklassen wollen. Die Dinge, die ins Private spielen, möchte sie sicherlich behalten. Genauso all jene Informationen, die für die Fortführung ihrer Karriere wichtig sein könnten.
Wie ihr vielleicht ahnt, ist das kein hypothetisches Szenario. Im Gegenteil: Ich wurde in den letzten Jahren immer mal wieder nach Empfehlungen zur Datenmitnahme gebeten. Es ging dabei um die praktisch-logistische Seite. Natürlich hat die Sache auch einen juristischen Aspekt, indem sich die Frage stellt, ob ein privates Backup überhaupt rechtens ist.
Auch das ein kniffliges Gebiet, zu dem ich ein paar Worte verlieren möchte, obwohl zu meinem Kompetenzbereich lediglich die technische Beratung gehört: Einerseits ist es im Allgemeinen so, dass Unternehmen die Daten als ihr Eigentum betrachten, die ein Arbeitgeber im Rahmen seiner bezahlten Tätigkeit herstellt. Andererseits ist der Journalismus wie angedeutet ein Spezialfall: An seinen Texten – also auch den Entwürfen, Rohfassungen etc. besitzt die Person das Urheberrecht. Um persönliche Kontakte weiterzupflegen, sind manche Unterlagen unverzichtbar.
Damit nichts Wichtiges verloren geht
Ich kann mir ferner Situationen vorstellen, in denen die Person in der Lage sein muss, zum Schutz ihrer Quellen oder für rechtliche Belange auf altes Recherchematerial zurückgreifen zu können. Abgesehen davon würde ich auch nicht darauf wetten, dass alle Medienhäuser einen sorgfältigen Umgang mit den Daten der ausgetretenen Journalistinnen und Journalisten pflegen. Es kann daher auch ein historisches oder gesellschaftliches Interesse geben, dass die Person, die den Wert der Informationen am besten beurteilen kann, weiterhin Zugriff darauf besitzt.
Also, wie vorgehen?
Meine Erkenntnis bisher ist, dass sich die meisten Journalistinnen und Journalisten überhaupt keine Gedanken zu diesen Fragen machen. Das ändert sich schlagartig in dem Moment, in dem ihnen bewusst wird, dass sie mit ihrem Austritt den Zugang zu ihrem beruflichen Google Drive, zum Gmail-Account, zu Office 365 und zu anderen Ressourcen verlieren werden. Die Folge ist, dass oft nur kurze Zeit bleibt, eine Prozedere zur Datensicherung und -Übernahme zu entwickeln. Erschwerend kommt hinzu, dass die Ablage auch nicht wohlgeordnet, sondern über die Jahre «organisch gewachsen» ist.
Nicht erst daran denken, wenn es fast zu spät ist!
Es ist also meistens fast schon zu spät, wenn ich um meine Tipps gebeten werde. Darum soll dieser Blogpost hier in erster Linie ein Plädoyer sein: Liebe Leute, überlegt euch eine kluge persönliche Strategie für eure beruflichen Daten. Organisiert sie so, dass Ihr leicht unterscheiden könnt, was einmal mitnahmewürdig sein könnte und was den Aufwand nicht lohnt. Berücksichtigt dabei die berechtigten Interessen eures Arbeitgebers.
Ich finde es auch sinnvoll, das als kontinuierliche Aufgabe zu betrachten. Meine Empfehlung lautet, die wichtigen Dokumente kontinuierlich auf ein persönliches Gerät herunterzuladen und dort sicher zu archivieren. Abgeschlossene Recherchen und Projekte sollten routinemässig ins Trockene gebracht werden. Es scheint mir nicht paranoid, sich so vorzubereiten, als ob es jederzeit passieren könnte, dass wir den Zugang zu unseren geschäftlichen Daten mit wenig oder ohne Vorlauf verlieren.
Google ist schuld!
Jetzt kommen wir zum wirklich unangenehmen Teil des Themas. Das sind die technischen Hürden, die es zu überwinden gilt.
Es ist eine traurige Tatsache, dass die Anbieter der Cloud-Lösungen nur wenig Hilfestellung für Export und Datenübernahme bieten. Diesbezügliche Kritik soll in diesem Blogpost nur eine Nebenrolle spielen, aber ein paar Sätze kann ich mir nicht verkneifen: Leider ist es ein offenes Geheimnis, dass sich Unternehmen oft dann unkooperativ zeigen, wenn wir als Kundin oder Kunde unsere Geschäftsbeziehung beenden möchten. Ein gewisser Anteil der eigentlich wechselwilligen Leute werden so ausharren, weil sie den Aufwand und die Hürden scheuen.
Man nennt das Lock-In-Strategie. Im hier diskutierten Fall ist die offensichtlich völlig sinnlos, weil sich die Nutzerinnen und Nutzer nicht selbst für ein Produkt entschieden haben, sondern es vom Arbeitgeber vorgegeben wurde und auch die Schliessung des Accounts kein alleinstehender Entscheid, sondern die Folge des Austritts aus dem Unternehmen ist. Genau deswegen tritt in dieser Situation die hässliche Kehrseite der Cloud besonders deutlich zutage.
Es ist keine Freude, Kolleginnen und Kollegen diese bittere Wahrheit zu eröffnen. Ich erinnere mich an Beispiele, in denen es um Gmail-Accounts mit Zehntausenden Mails und Hunderten von Gigabytes ging. Eine simple Exportmöglichkeit gibt es nicht – geschweige denn, eine einfache Trennung von Wichtigem und Unwichtigem.
Denn es war jeweils so, dass 99 Prozent im Gmail-Account aus längst veralteten Pressemeldungen bestand, die keinesfalls gesichert werden müssten. Aber selbst wenn sich Leute, die Mühe machen, ihre Mails mit Labels zu organisieren, vereinfacht das den Export leider nicht. Allein deswegen bin ich kein Fan von Gmail: Diese Mailanwendung wird systembedingt fast automatisch zu einer digitalen Müllhalde. Die einzige Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, besteht darin, kontinuierlich alles gnadenlos zu löschen, was man in Zukunft nicht brauchen wird.
Also, abschliessend fünf Tipps zu Methoden, die wir in dieser Situation kennen sollten:
1) Der komplette Google-Datenexport
Alle Daten in einem Rutsch speichern – das geht, ergibt aber eine beträchtliche Datenmenge.Er ist auch als «Takeout» bekannt. Er erlaubt es, den ganzen Datenbestand zu exportieren – wobei ich nicht beurteilen kann, ob er bei geschäftlichen Konten immer zugänglich ist. Falls ja, finden wir unter takeout.google.com eine Auswahl der Dienste, bei denen persönliche Informationen hinterlegt sind. Wir wählen aus, was wir brauchen und können dann anschliessend alles in einem Rutsch herunterladen.
Folgende Dinge gibt es zu beachten:
- Die Daten werden «roh» in unterschiedlichen Formaten ausgeliefert. Es kann knifflig sein, sie weiterzuverwenden und z.B. in andere Programme zu importieren. Das gilt insbesondere für die E-Mails.
- Es dauert eine Weile, bis das Archiv erstellt und zum Download bereit ist. Es ist daher nötig, den Export rechtzeitig anzustossen!
- Die Datenmenge ist in den allermeisten Fällen beträchtlich. Je nach Ausstattung ist es möglich oder wahrscheinlich, dass das Archiv die Speicherkapazität des privaten Arbeitsgeräts sprengt. Es ist daher sinnvoll, ein ausreichend grosses externes Speichermedium bereitzuhalten.
2) Downloads aus Google Drive
Google Drive erlaubt es, Informationen ordnerweise herunterzuladen. Dazu begeben wir uns auf drive.google.com und klappen dort den Ast bei Meine Ablage aus. Die hier aufgeführten Unterordner halten im Kontextmenü den Befehl Herunterladen bereit.
Der Root-Ordner (Meine Ablage) lässt sich auf diese Weise nicht herunterladen. Die gewünschten Informationen sollten daher in ein Unterverzeichnis verschoben und dann heruntergeladen werden. Wie oben ausgeführt, ist es sinnvoll, diese Organisation rechtzeitig so zu pflegen.
Alternativ kann auch eine Synchronisation mittels Google Drive for Desktop eingerichtet werden. Dieses Programm gibt es für Windows und Mac.
3) Von Gmail nach Gmail
Leider gibt es keine Möglichkeit, den Inhalt des alten Gmail-Kontos (Konto A) eins zu eins in ein neues (Konto B) zu übernehmen. Ein Umweg besteht darin, Konto B so zu konfigurieren, dass es Nachrichten aus Konto A abrufen kann. Konto B kann übrigens ein neues Gmail-Konto sein – es ist aber auch möglich, eine andere Webmail-Anwendung oder ein lokales Mailprogramm zu nutzen. Voraussetzung ist, dass bei Konto B ein Abruf via Pop möglich ist.
Das funktioniert wie folgt:
- Wir richten in Konto A den Zugriff per Pop3 ein. Das bedeutet, dass mit einer externen Anwendung auf den Mailbestand zugegriffen werden kann. Wir klicken auf das Zahnrad-Symbol, dann auf die Schaltfläche Alle Einstellungen aufrufen. Wir öffnen die Rubrik Weiterleitung & POP/IMAP. Hier aktivieren wir die Option POP für alle Nachrichten (auch bereits heruntergeladene) aktivieren.
- Nun richten wir im zweiten Maildienst oder -programm (Konto B) den Zugriff auf Konto A ein. Dazu tragen wir die Log-in-Daten gemäss der Anleitung von Google ein: Gmail-Nachrichten über andere E-Mail-Clients mit POP abrufen
Das wars schon – theoretisch. In der Praxis kann die Datenübertragung sehr lange dauern und mühsam sein. Darum folgende Tipps:
- Falls es mit vertretbarem Aufwand machbar ist, empfehle ich, vorab das Gmail-Konto zu bereinigen, d.h. alles zu löschen, was nicht übertragen werden muss.
- Gmail stellt die Option Bei Zugriff auf Nachrichten per POP … zur Verfügung. Hier geben wir an, ob die nach B übertragenen Nachrichten in A verbleiben sollen. Falls wir Tabula Rasa machen möchten, wählen wir die Option Gmail-Kopie löschen.
Eine ausführliche Anleitung findet sich im Beitrag Auf dem Computer ein weiteres E-Mail-Konto hinzufügen in der Google-Hilfe.
Der Pop3-Zugriff erlaubt es, die Mails aus Google in ein anderes Mailprogramm oder Webmail zu übernehmen.4) Gmail mit einem lokalen Mailprogramm verwenden
Die Möglichkeit, Nachrichten aus Gmail weiterzunutzen, eröffnet sich in einem lokal installierten Mailprogramm. Meine Empfehlung ist für diesen Zweck Thunderbird. Dieses Programm ermöglicht es, einen Anteil der Mails oder den ganzen Bestand aus der Cloud-Ablage ins lokale Dateisystem zu verschieben. Das geht wie folgt:
- Gmail gemäss dieser Anleitung einrichten
- Die Nachrichten, die im eigenen Archiv zur Verfügung stehen sollten, aus dem Bereich des Gmail-Kontos in den Bereich lokale Ordner verschieben.
Dieser Tipp hat den wünschenswerten Nebeneffekt, dass wir die Cloud datensparsam nutzen, d.h. nur diejenigen Nachrichten online in der Webanwendung vorhalten, die wir dort auch wirklich benötigen. Alle Informationen, die wir nicht im Direktzugriff benötigen, aber aus dokumentarischen Gründen archivieren wollen, befinden sich offline auf unseren eigenen Datenspeichern. Warum das erstrebenswert ist, erkläre ich im Beitrag Drei Tipps, wie Sie Ihre Daten vor fremdem Zugriff schützen.
5) Nicht zu vergessen: das Adressbuch
Der Export des Adressbuchs ist zum Glück vergleichsweise einfach:
- Wir öffnen das Adressbuch via google.com/contacts.
- Nun wählen wir alle Kontakte aus. Dazu fahren wir mit dem Mauszeiger auf einen Kontakt, worauf sich das Bild in eine Checkbox verwandelt. Wenn wir die anklicken, erscheint oberhalb der Liste die Angabe 1 ausgewählt. Daneben gibt es einen Menüknopf, über den wir die Auswahl auf Alle ausweiten.
- Wir klicken aufs Dreipunktmenü oben rechts und dann auf den Menüpunkt Exportieren.
- Es werden drei Dateiformate angeboten: Google CSV, CSV nur für Outlook und vCard für Android oder iOS. Falls Unsicherheit besteht, welches das richtige Format ist, empfehle ich einen Export in allen dreien.
Weitere Informationen zum Thema gibt Google im Beitrag Kontakte exportieren, sichern oder wiederherstellen.
Das Adressbuch sichern: Erst alle Kontakte auswählen, dann exportieren.Beitragsbild: Ich, wie ich erkläre, warum der Export aus Gmail nicht so einfach ist – Symbolbild (Yan Krukau, Pexels-Lizenz).
#Benutzerunfreundlichkeit #Googologie #Juristerei #Kummerbox #TlDr
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Es könnte sein, dass die Google-Suche manche User benachteiligt
Die Google-Suche ist kaputt und keiner merkt es: Das war mein Befund im August 2023. Er basierte auf der Tatsache, dass im Firefox-Browser nur wenige Suchresultate zugänglich sind. Meistens umfasst die Liste der Links nur eine einzige Seite. Das sind rund vierzig bis siebzig Treffer in Fällen, bei denen das Web Tausende passender Sites bereithält.
Das ist ein echtes Problem. Wir können nicht davon ausgehen, dass Google so gewichtet, wie wir es tun würden. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass ein wichtiges Resultat nicht auf der ersten, sondern erst auf der zweiten, dritten oder fünften Seite zu finden ist. Doch da diese Inhalte nicht aufgeführt werden, können wir sie nicht überprüfen: Google gaukelt uns vor, sie seien inexistent.
Auch die nicht-personalisierten Resultate weisen Unterschiede auf
Hat bei Google irgendjemand diesen Missstand bemerkt? Wurde das Problem in den letzten zwei Jahren eventuell sogar behoben? Anfang Oktober machte ich die Probe aufs Exempel und stellte fest: Nein, keineswegs. Die Sache ist im Gegenteil noch schlimmer – oder sagen wir: dubioser – geworden.
Lasst mich das anhand eines Beispiels erklären. Es bezieht sich auf eine Suche nach meinem Namen¹, zeitlich beschränkt auf die letzten sieben Tage. Google offeriert seit Ende 2024 die Option, die Personalisierung abzuschalten, was ich für mein Experiment natürlich tue. Denn ist die Personalisierung aktiv, fallen die Resultate in verschiedenen Browsern zwangsläufig unterschiedlich aus, da die gespeicherten Nutzerinteressen nicht identisch sind. Mit der neutralen Voreinstellung dürfen wir erwarten, dass Google in Firefox und in Chrome identische Listen liefert.
Ist das der Fall?
Auf den ersten Blick ähnliche Resultate: Firefox links, Google Chrome rechts.Erstaunlicherweise nicht. Wir konstatieren im Gegenteil beträchtliche Unterschiede:
- Es gibt Abweichungen beim Layout. Der Hinweis der Personalisierung erscheint bei Firefox prominenter als bei Chrome.
- Die Bilder werden unterschiedlich platziert.
- Und vor allem zeigt Chrome eine Navigation mit insgesamt vier Trefferseiten. Klickt man auf Weiter, wird bereits die zweite Seite als letzte angegeben; die Seiten drei und vier verschwinden auf mysteriöse Weise. Dennoch gibt uns Chrome zehn weitere Links, die bei Firefox fehlen.
Wir halten fest, dass Chrome mehr als doppelt so viele Resultate bereitstellt wie Firefox. Das ist eine klare, massive Benachteiligung des Konkurrenz-Browsers.
Diskrepanzen sind ferner bei den aufgeführten Links selbst zu beobachten:
- Es gibt sieben Treffer, die übereinstimmend in beiden Listen vorkommen:
meine Website Clickomania mit der Start- und der Autorenseite, mein Facebook- und mein Twitter-Account, meine Alltags-Tipps zur KI beim «Tagesanzeiger» sowie der Artikel zur ChatGPT-Kindersicherung aus dem «Tagi». - Zwei Treffer sind nur in der Liste von Firefox enthalten:
die KI-Alltags-Tipps bei der «Berner Zeitung» und eine Veranstaltung der Kirche Marburg, in der ein Namensvetter von mir erwähnt wird. - Zwei andere Treffer tauchen nur bei Chrome auf:
die Kindersicherung von ChatGPT in der «Berner Zeitung» und ein KI-FAQ von Kollega Zeier.
Was Google treibt, ist unfair und undurchsichtig
Sind diese Abweichungen von Bedeutung? Darüber kann man geteilter Meinung sein. Qualitativ halte ich die Resultate für vergleichbar. Müsste ich mich entscheiden, würde ich einen leichten Vorteil bei Firefox orten: Die Artikel in dieser Liste stehen in engerem Bezug zu meinem Namen (bzw. zu dem meines Namensvetters), während Chrome zwei Treffer auf Artikel liefert, in denen ich lediglich bei den Verweisen auf ähnliche Artikel am Ende der jeweiligen Veröffentlichungen vorkomme.
Trotzdem beurteile ich diesen Befund kritisch. Ich führe grundsätzliche Überlegungen ins Feld: Es kann nicht angehen, dass Firefox-Nutzerinnen und -Nutzer bei der Menge der Resultate benachteiligt werden. Es ist inakzeptabel, dass dieses Problem nach zwei Jahren nicht beseitigt wurde. Nebenbei rufe ich in Erinnerung, dass Google bei den mobilen Browsern offensiv versucht, die Firefox-User aus dem Browser in die eigene App abzuwerben.
Die Forderung ist einfach: Gleiche Resultate in allen Browsern
Dass sich die Resultate unterscheiden, werte ich als Anzeichen für eine weitergehende Ungleichbehandlung. Was Google mit ihr bezweckt und wie schlimm sie ist, lässt sich anhand dieses Tests hier nicht erhärten. Aber bekanntlich hat Google eine Vorgeschichte und eine angeschlagene Reputation: Der Konzern halte bei der Websuche eine Monopolstellung und habe diese auf illegale Weise ausgenutzt, urteilte ein US-Gericht im letzten Jahr. Anfang September brummte die EU-Kommission Google eine Milliardenbusse auf.
Hier ein zweiter Vergleich, der nur die Resultate bis 2024 berücksichtigt – sodass keine ganz neuen Ergebnisse das Resultat verzerren sollten. Auch hier zeigen sich bemerkenswerte Unterschiede allein anhand der Bilder. Unterschiede gibt es auch bei der Reihenfolge und inhaltlich: Der Link zum WDR von Firefox fehlt bei Chrome, dafür findet sich dort ein Verweis auf ein Buch des Nord-Süd-Verlags und auf die AG Theater Rämibühl. Chrome hat auch einen exklusiven Verweis auf Spotify; wiederum nur bei Firefox findet sich ein Link zu Disney+. Immerhin: Die Zahl der Resultate ist in beiden Fällen gleich (356).Bei dieser Strafe geht es zwar um das Werbegeschäft und nicht um die Suchmaschine. Dennoch drängt sich mir die Frage auf, ob im Licht dieser Geschäftspraktiken die vorliegenden Beobachtungen nicht als Indiz für weitere Verfehlungen zu werten sind. Wie auch immer: An Sundar Pichais Stelle nähme ich die klare Haltung der Justiz zum Anlass, vorsichtiger zu agieren und den Entscheid von Nutzerinnen und Nutzern für einen alternativen Browser zu respektieren.
Fussnoten
1) Ich verwende dieses Beispiel nicht aus Egomanie, sondern weil ich Treffer über mich besser beurteilen kann als zu einem anderen Thema, bei dem ich weniger gut über die laufenden Aktivitäten im Bilde bin. ↩
Beitragsbild: Bei Google klarzusehen, ist schwierig bis unmöglich (Maik Winnecke, Unsplash-Lizenz).
#browser #chrome #onlineshit #firefox #googologie #suchmaschine #wochenkommentar
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Es könnte sein, dass die Google-Suche manche User benachteiligt
Die Google-Suche ist kaputt und keiner merkt es: Das war mein Befund im August 2023. Er basierte auf der Tatsache, dass im Firefox-Browser nur wenige Suchresultate zugänglich sind. Meistens umfasst die Liste der Links nur eine einzige Seite. Das sind rund vierzig bis siebzig Treffer in Fällen, bei denen das Web Tausende passender Sites bereithält.
Das ist ein echtes Problem. Wir können nicht davon ausgehen, dass Google so gewichtet, wie wir es tun würden. Es ist möglich und sogar wahrscheinlich, dass ein wichtiges Resultat nicht auf der ersten, sondern erst auf der zweiten, dritten oder fünften Seite zu finden ist. Doch da diese Inhalte nicht aufgeführt werden, können wir sie nicht überprüfen: Google gaukelt uns vor, sie seien inexistent.
Auch die nicht-personalisierten Resultate weisen Unterschiede auf
Hat bei Google irgendjemand diesen Missstand bemerkt? Wurde das Problem in den letzten zwei Jahren eventuell sogar behoben? Anfang Oktober machte ich die Probe aufs Exempel und stellte fest: Nein, keineswegs. Die Sache ist im Gegenteil noch schlimmer – oder sagen wir: dubioser – geworden.
Lasst mich das anhand eines Beispiels erklären. Es bezieht sich auf eine Suche nach meinem Namen¹, zeitlich beschränkt auf die letzten sieben Tage. Google offeriert seit Ende 2024 die Option, die Personalisierung abzuschalten, was ich für mein Experiment natürlich tue. Denn ist die Personalisierung aktiv, fallen die Resultate in verschiedenen Browsern zwangsläufig unterschiedlich aus, da die gespeicherten Nutzerinteressen nicht identisch sind. Mit der neutralen Voreinstellung dürfen wir erwarten, dass Google in Firefox und in Chrome identische Listen liefert.
Ist das der Fall?
Auf den ersten Blick ähnliche Resultate: Firefox links, Google Chrome rechts.Erstaunlicherweise nicht. Wir konstatieren im Gegenteil beträchtliche Unterschiede:
- Es gibt Abweichungen beim Layout. Der Hinweis der Personalisierung erscheint bei Firefox prominenter als bei Chrome.
- Die Bilder werden unterschiedlich platziert.
- Und vor allem zeigt Chrome eine Navigation mit insgesamt vier Trefferseiten. Klickt man auf Weiter, wird bereits die zweite Seite als letzte angegeben; die Seiten drei und vier verschwinden auf mysteriöse Weise. Dennoch gibt uns Chrome zehn weitere Links, die bei Firefox fehlen.
Wir halten fest, dass Chrome mehr als doppelt so viele Resultate bereitstellt wie Firefox. Das ist eine klare, massive Benachteiligung des Konkurrenz-Browsers.
Diskrepanzen sind ferner bei den aufgeführten Links selbst zu beobachten:
- Es gibt sieben Treffer, die übereinstimmend in beiden Listen vorkommen:
meine Website Clickomania mit der Start- und der Autorenseite, mein Facebook- und mein Twitter-Account, meine Alltags-Tipps zur KI beim «Tagesanzeiger» sowie der Artikel zur ChatGPT-Kindersicherung aus dem «Tagi». - Zwei Treffer sind nur in der Liste von Firefox enthalten:
die KI-Alltags-Tipps bei der «Berner Zeitung» und eine Veranstaltung der Kirche Marburg, in der ein Namensvetter von mir erwähnt wird. - Zwei andere Treffer tauchen nur bei Chrome auf:
die Kindersicherung von ChatGPT in der «Berner Zeitung» und ein KI-FAQ von Kollega Zeier.
Was Google treibt, ist unfair und undurchsichtig
Sind diese Abweichungen von Bedeutung? Darüber kann man geteilter Meinung sein. Qualitativ halte ich die Resultate für vergleichbar. Müsste ich mich entscheiden, würde ich einen leichten Vorteil bei Firefox orten: Die Artikel in dieser Liste stehen in engerem Bezug zu meinem Namen (bzw. zu dem meines Namensvetters), während Chrome zwei Treffer auf Artikel liefert, in denen ich lediglich bei den Verweisen auf ähnliche Artikel am Ende der jeweiligen Veröffentlichungen vorkomme.
Trotzdem beurteile ich diesen Befund kritisch. Ich führe grundsätzliche Überlegungen ins Feld: Es kann nicht angehen, dass Firefox-Nutzerinnen und -Nutzer bei der Menge der Resultate benachteiligt werden. Es ist inakzeptabel, dass dieses Problem nach zwei Jahren nicht beseitigt wurde. Nebenbei rufe ich in Erinnerung, dass Google bei den mobilen Browsern offensiv versucht, die Firefox-User aus dem Browser in die eigene App abzuwerben.
Die Forderung ist einfach: Gleiche Resultate in allen Browsern
Dass sich die Resultate unterscheiden, werte ich als Anzeichen für eine weitergehende Ungleichbehandlung. Was Google mit ihr bezweckt und wie schlimm sie ist, lässt sich anhand dieses Tests hier nicht erhärten. Aber bekanntlich hat Google eine Vorgeschichte und eine angeschlagene Reputation: Der Konzern halte bei der Websuche eine Monopolstellung und habe diese auf illegale Weise ausgenutzt, urteilte ein US-Gericht im letzten Jahr. Anfang September brummte die EU-Kommission Google eine Milliardenbusse auf.
Hier ein zweiter Vergleich, der nur die Resultate bis 2024 berücksichtigt – sodass keine ganz neuen Ergebnisse das Resultat verzerren sollten. Auch hier zeigen sich bemerkenswerte Unterschiede allein anhand der Bilder. Unterschiede gibt es auch bei der Reihenfolge und inhaltlich: Der Link zum WDR von Firefox fehlt bei Chrome, dafür findet sich dort ein Verweis auf ein Buch des Nord-Süd-Verlags und auf die AG Theater Rämibühl. Chrome hat auch einen exklusiven Verweis auf Spotify; wiederum nur bei Firefox findet sich ein Link zu Disney+. Immerhin: Die Zahl der Resultate ist in beiden Fällen gleich (356).Bei dieser Strafe geht es zwar um das Werbegeschäft und nicht um die Suchmaschine. Dennoch drängt sich mir die Frage auf, ob im Licht dieser Geschäftspraktiken die vorliegenden Beobachtungen nicht als Indiz für weitere Verfehlungen zu werten sind. Wie auch immer: An Sundar Pichais Stelle nähme ich die klare Haltung der Justiz zum Anlass, vorsichtiger zu agieren und den Entscheid von Nutzerinnen und Nutzern für einen alternativen Browser zu respektieren.
Fussnoten
1) Ich verwende dieses Beispiel nicht aus Egomanie, sondern weil ich Treffer über mich besser beurteilen kann als zu einem anderen Thema, bei dem ich weniger gut über die laufenden Aktivitäten im Bilde bin. ↩
Beitragsbild: Bei Google klarzusehen, ist schwierig bis unmöglich (Maik Winnecke, Unsplash-Lizenz).
#browser #chrome #onlineshit #firefox #googologie #suchmaschine #wochenkommentar
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Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft
KI-Antworten statt klassischer Suchresultate: Ist das ein Grund, Google zu boykottieren? Selbstverständlich ist das eine persönliche Entscheidung, auch wenn es triftige Gründe für eine Neuorientierung gibt. Als Reaktion auf meine Ausführungen zum Thema gab es eine interessante Reaktion auf Mastodon: Es bringe nichts, auf Bing oder Duck Duck Go umzusteigen, weil man damit – ich paraphrasiere – den Teufel mit dem Beelzebub austreibe.
Denn in der Tat: Viele der kleinen Suchmaschinen sind nur vermeintlich eine Alternative zum Marktführer. Denn sie funktionieren nicht eigenständig, sondern greifen ebenfalls auf den Google-Index zu. Ein Phänomen, das wir von den Browsern kennen. Die meisten Drittprogramme basieren wie Chrome auf dem von Google entwickelten Open-Source-Browser Chromium: Microsoft Edge, Opera, Vivaldi, Brave, Comet und Arc, um nur einige zu nennen.
Die Abhängigkeiten werden komplizierter, aber kaum kleiner
Das heisst: Leute, die sich einem dieser Produkte zuwenden, um ihre Unabhängigkeit von Google zu verringern, verfehlen ihr Ziel. Zwar bestimmt ein zwischengeschaltetes Unternehmen den Funktionsumfang des Programms. Doch die Marschrichtung wählt noch immer Google. Das zeigt sich bei weitreichenden Eingriffen wie beispielsweise den Schnittstellen, die den Browser-Erweiterungen zur Verfügung stehen.
Zwischenbemerkung: Allein deswegen ist es bedauerlich, dass Richter Amit Mehta am Bezirksgericht des Districts of Columbia Google neulich nicht zwang, Chrome und Android zu verkaufen.
Die interessante Frage ist an diesem Punkt: Wie viel Google handeln wir uns bei der Verwendung einer bestimmten alternativen Suchmaschine ein? Das ist nicht einfach zu bestimmen, da die Betreiber kein Interesse haben, das offenzulegen. Diese Information passt schlecht zum Bemühen, sich als Auswahlmöglichkeit zu präsentieren.
Bing dominiert bei den Google-Alternativen
Bei der besagten Diskussion auf Mastodon machte mich Raoul René auf einen interessanten Blogpost aufmerksam: Er schlüsselt auf, welcher Index bei den jeweiligen Suchanbietern zum Zug kommt.
- Wir erfahren, dass Bing in vielen «Generika» steckt, u. a. in Duck Duck Go, Yahoo, Qwant, Privado, Lycos, Swisscows und Fireball sowie teilweise in Metager und Qwant.
- Google befeuert Mullvad Leta, Ecosia und Startpage, wobei man bei den beiden Letzteren optional auf Bing wechseln kann.
Der Blogpost erwähnt, dass die russische Suchmaschine Yandex teilweise Resultate für Duck Duck Go geliefert habe, diese Zusammenarbeit derzeit jedoch auf Eis liege. Und ergänzt sei, dass die gern empfohlene Suchmaschine Kagi.com zwar eigene Crawler verwendet, aber auf Bing nicht verzichten kann.
Wir fragen uns an dieser Stelle bang, ob es kein Entrinnen vor Google und Microsoft gibt. Und in der Tat, scheint das unglücklicherweise so zu sein:
Mojeek betreibt einen eigenen IdexEs gibt zwar Anbieter, die eigene Indizes betreiben. Doch die können kaum mit den ganz Grossen mithalten. Als echte, unabhängige Alternativen dürfen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – diese Suchmaschinen gelten:
- Mojeek.com verspricht in den FAQ: «Die Suchergebnisse von Mojeek sind zu hundert Prozent unabhängig. Sie stammen von unserem Crawler (MojeekBot) und unserem Web-Index und werden anhand unserer eigenen Ranking-Algorithmen sortiert.»
- Brave-Suche verwendet Google, aber nur als Rückfallebene. Ein ausführlicher Test dieser Suchmaschine gibt es im Beitrag
Brave Search schiesst einen Ehrentreffer gegen Google. - Wiby.me indiziert nur Websites, die kein Javascript verwenden.
- Marginalia verwendet einen eigenen Index und einen Open-Source-Crawler.
Gut zu wissen – aber wir müssten sehr hart gesotten sein, um uns zuzutrauen, mit diesen vier Rechercheinstrumenten über die Runden zu kommen. Sollten wir uns entscheiden wollen, nichts mehr mit Big Tech zu tun haben zu wollen, dann hätten wir allerdings gar keine andere Wahl.
Bleibt nur, zum Aussteiger zu werden?
Wir kommen zur Einsicht, dass uns das moderne Leben nicht erlaubt, alle unsere Überzeugungen konsequent durchzusetzen: nie mehr fliegen, nur noch vegan oder gar frutan essen, CO₂-neutral wohnen und Konsum rein nach Kriterien der Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltverträglichkeit – dieser Aussteiger-Lifestyle ist unvereinbar mit einem normalen Erwerbs- und Sozialleben. Wir kommen um eine pragmatische Haltung nicht herum. Das heisst: Keine komplette Abnabelung von Microsoft und Google, aber eine Reduktion, mit der wir den Schutz unserer persönlichen Daten merklich verbessern und unsere Abhängigkeit bewusst verringern. Schon das ist gut für uns selbst und ein Zeichen gegen die digitale Monokultur.
Beitragsbild: Das ist nicht übertrieben (ev, Unsplash-Lizenz).
#browser #chrome #datenschutz #googologie #suchmaschine #wochenkommentar
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Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft
KI-Antworten statt klassischer Suchresultate: Ist das ein Grund, Google zu boykottieren? Selbstverständlich ist das eine persönliche Entscheidung, auch wenn es triftige Gründe für eine Neuorientierung gibt. Als Reaktion auf meine Ausführungen zum Thema gab es eine interessante Reaktion auf Mastodon: Es bringe nichts, auf Bing oder Duck Duck Go umzusteigen, weil man damit – ich paraphrasiere – den Teufel mit dem Beelzebub austreibe.
Denn in der Tat: Viele der kleinen Suchmaschinen sind nur vermeintlich eine Alternative zum Marktführer. Denn sie funktionieren nicht eigenständig, sondern greifen ebenfalls auf den Google-Index zu. Ein Phänomen, das wir von den Browsern kennen. Die meisten Drittprogramme basieren wie Chrome auf dem von Google entwickelten Open-Source-Browser Chromium: Microsoft Edge, Opera, Vivaldi, Brave, Comet und Arc, um nur einige zu nennen.
Die Abhängigkeiten werden komplizierter, aber kaum kleiner
Das heisst: Leute, die sich einem dieser Produkte zuwenden, um ihre Unabhängigkeit von Google zu verringern, verfehlen ihr Ziel. Zwar bestimmt ein zwischengeschaltetes Unternehmen den Funktionsumfang des Programms. Doch die Marschrichtung wählt noch immer Google. Das zeigt sich bei weitreichenden Eingriffen wie beispielsweise den Schnittstellen, die den Browser-Erweiterungen zur Verfügung stehen.
Zwischenbemerkung: Allein deswegen ist es bedauerlich, dass Richter Amit Mehta am Bezirksgericht des Districts of Columbia Google neulich nicht gezwungen hat, Chrome und Android zu verkaufen.
Die interessante Frage ist nun: Wie viel Google handeln wir uns bei der Verwendung einer bestimmten alternativen Suchmaschine ein? Das ist nicht ganz einfach zu bestimmen, da die Betreiber meist kein Interesse haben, das offenzulegen. Denn diese Information passt schlecht zum Bemühen, sich als Auswahlmöglichkeit zu präsentieren.
Bing dominiert bei den Google-Alternativen
Bei der besagten Diskussion auf Mastodon machte mich Raoul René auf einen interessanten Blogpost aufmerksam: Er schlüsselt auf, welcher Index bei den jeweiligen Suchanbietern zum Zug kommt.
- Wir erfahren, dass Bing in vielen «Generika» steckt, u. a. in Duck Duck Go, Yahoo, Qwant, Privado, Lycos, Swisscows und Fireball sowie teilweise in Metager und Qwant.
- Google steckt in Mullvad Leta, Ecosia und Startpage, wobei man bei den beiden Letzteren auch auf Bing wechseln kann.
Der Blogpost erwähnt auch, dass die russische Suchmaschine Yandex teilweise auch Resultate für Duck Duck Go geliefert habe, diese Zusammenarbeit derzeit aber auf Eis liege. Und ergänzt sei, dass die gern empfohlene Suchmaschine Kagi.com zwar eigene Crawler verwendet, aber auch Bing nicht verzichten kann.
Wir fragen uns an dieser Stelle bang, ob es kein Entrinnen vor Google und Microsoft gibt. Und in der Tat, scheint das leider so zu sein:
Mojeek betreibt einen eigenen IdexEs gibt zwar Anbieter, die eigene Indizes betreiben. Doch die können kaum mit den ganz Grossen mithalten. Als echte, unabhängige Alternativen dürfen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – diese Suchmaschinen gelten:
- Mojeek.com verspricht in den FAQ: «Die Suchergebnisse von Mojeek sind zu hundert Prozent unabhängig. Sie stammen von unserem Crawler (MojeekBot) und unserem Web-Index und werden anhand unserer eigenen Ranking-Algorithmen sortiert.»
- Brave-Suche verwendet Google, aber nur als Rückfallebene. Das wird so erklärt: «Bei Suchanfragen, für die wir nicht genügend Ergebnisse liefern können, haben Sie die Möglichkeit, dem Brave-Browser zu erlauben, anonym bei Google nach derselben Suchanfrage zu suchen.»
- Wiby.me indiziert nur Websites, die kein Javascript verwenden.
- Marginalia verwendet einen eigenen Index und einen Open-Source-Crawler.
Gut zu wissen – aber wir müssten sehr hartgesotten sein, um uns zuzutrauen, mit diesen vier Rechercheinstrumenten über die Runden zu kommen. Sollten wir uns entscheiden wollen, nichts mehr mit Big Tech zu tun haben zu wollen, dann hätten wir allerdings gar keine andere Wahl.
Bleibt nur, zum Aussteiger zu werden?
Wir kommen zur Einsicht, dass uns das moderne Leben nicht erlaubt, alle unsere Überzeugungen konsequent durchzusetzen: nie mehr fliegen, nur noch vegan oder gar frutan essen, CO₂-neutral wohnen und Konsum rein nach Kriterien der Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltverträglichkeit – dieser Aussteiger-Lifestyle ist unvereinbar mit einem normalen Erwerbs- und Sozialleben. Wir kommen um eine pragmatische Haltung gar nicht herum. Das heisst: Keine komplette Abnabelung von Microsoft und Google, aber eine Reduktion, mit der wir den Schutz unserer persönlichen Daten merklich verbessern und unsere Abhängigkeit bewusst verringern. Auch das ist gut für uns selbst und ein Zeichen gegen die digitale Monokultur.
Beitragsbild: Das ist nicht übertrieben (ev, Unsplash-Lizenz).
#Browser #Chrome #Datenschutz #Googologie #Suchmaschine #Wochenkommentar
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Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft
KI-Antworten statt klassischer Suchresultate: Ist das ein Grund, Google zu boykottieren? Selbstverständlich ist das eine persönliche Entscheidung, auch wenn es triftige Gründe für eine Neuorientierung gibt. Als Reaktion auf meine Ausführungen zum Thema gab es eine interessante Reaktion auf Mastodon: Es bringe nichts, auf Bing oder Duck Duck Go umzusteigen, weil man damit – ich paraphrasiere – den Teufel mit dem Beelzebub austreibe.
Denn in der Tat: Viele der kleinen Suchmaschinen sind nur vermeintlich eine Alternative zum Marktführer. Denn sie funktionieren nicht eigenständig, sondern greifen ebenfalls auf den Google-Index zu. Ein Phänomen, das wir von den Browsern kennen. Die meisten Drittprogramme basieren wie Chrome auf dem von Google entwickelten Open-Source-Browser Chromium: Microsoft Edge, Opera, Vivaldi, Brave, Comet und Arc, um nur einige zu nennen.
Die Abhängigkeiten werden komplizierter, aber kaum kleiner
Das heisst: Leute, die sich einem dieser Produkte zuwenden, um ihre Unabhängigkeit von Google zu verringern, verfehlen ihr Ziel. Zwar bestimmt ein zwischengeschaltetes Unternehmen den Funktionsumfang des Programms. Doch die Marschrichtung wählt noch immer Google. Das zeigt sich bei weitreichenden Eingriffen wie beispielsweise den Schnittstellen, die den Browser-Erweiterungen zur Verfügung stehen.
Zwischenbemerkung: Allein deswegen ist es bedauerlich, dass Richter Amit Mehta am Bezirksgericht des Districts of Columbia Google neulich nicht zwang, Chrome und Android zu verkaufen.
Die interessante Frage ist an diesem Punkt: Wie viel Google handeln wir uns bei der Verwendung einer bestimmten alternativen Suchmaschine ein? Das ist nicht einfach zu bestimmen, da die Betreiber kein Interesse haben, das offenzulegen. Diese Information passt schlecht zum Bemühen, sich als Auswahlmöglichkeit zu präsentieren.
Bing dominiert bei den Google-Alternativen
Bei der besagten Diskussion auf Mastodon machte mich Raoul René auf einen interessanten Blogpost aufmerksam: Er schlüsselt auf, welcher Index bei den jeweiligen Suchanbietern zum Zug kommt.
- Wir erfahren, dass Bing in vielen «Generika» steckt, u. a. in Duck Duck Go, Yahoo, Qwant, Privado, Lycos, Swisscows und Fireball sowie teilweise in Metager und Qwant.
- Google befeuert Mullvad Leta, Ecosia und Startpage, wobei man bei den beiden Letzteren optional auf Bing wechseln kann.
Der Blogpost erwähnt, dass die russische Suchmaschine Yandex teilweise Resultate für Duck Duck Go geliefert habe, diese Zusammenarbeit derzeit jedoch auf Eis liege. Und ergänzt sei, dass die gern empfohlene Suchmaschine Kagi.com zwar eigene Crawler verwendet, aber auf Bing nicht verzichten kann.
Wir fragen uns an dieser Stelle bang, ob es kein Entrinnen vor Google und Microsoft gibt. Und in der Tat, scheint das unglücklicherweise so zu sein:
Mojeek betreibt einen eigenen IdexEs gibt zwar Anbieter, die eigene Indizes betreiben. Doch die können kaum mit den ganz Grossen mithalten. Als echte, unabhängige Alternativen dürfen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – diese Suchmaschinen gelten:
- Mojeek.com verspricht in den FAQ: «Die Suchergebnisse von Mojeek sind zu hundert Prozent unabhängig. Sie stammen von unserem Crawler (MojeekBot) und unserem Web-Index und werden anhand unserer eigenen Ranking-Algorithmen sortiert.»
- Brave-Suche verwendet Google, aber nur als Rückfallebene. Ein ausführlicher Test dieser Suchmaschine gibt es im Beitrag
Brave Search schiesst einen Ehrentreffer gegen Google. - Wiby.me indiziert nur Websites, die kein Javascript verwenden.
- Marginalia verwendet einen eigenen Index und einen Open-Source-Crawler.
Gut zu wissen – aber wir müssten sehr hart gesotten sein, um uns zuzutrauen, mit diesen vier Rechercheinstrumenten über die Runden zu kommen. Sollten wir uns entscheiden wollen, nichts mehr mit Big Tech zu tun haben zu wollen, dann hätten wir allerdings gar keine andere Wahl.
Bleibt nur, zum Aussteiger zu werden?
Wir kommen zur Einsicht, dass uns das moderne Leben nicht erlaubt, alle unsere Überzeugungen konsequent durchzusetzen: nie mehr fliegen, nur noch vegan oder gar frutan essen, CO₂-neutral wohnen und Konsum rein nach Kriterien der Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltverträglichkeit – dieser Aussteiger-Lifestyle ist unvereinbar mit einem normalen Erwerbs- und Sozialleben. Wir kommen um eine pragmatische Haltung nicht herum. Das heisst: Keine komplette Abnabelung von Microsoft und Google, aber eine Reduktion, mit der wir den Schutz unserer persönlichen Daten merklich verbessern und unsere Abhängigkeit bewusst verringern. Schon das ist gut für uns selbst und ein Zeichen gegen die digitale Monokultur.
Beitragsbild: Das ist nicht übertrieben (ev, Unsplash-Lizenz).
#browser #chrome #datenschutz #googologie #suchmaschine #wochenkommentar
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Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft
KI-Antworten statt klassischer Suchresultate: Ist das ein Grund, Google zu boykottieren? Selbstverständlich ist das eine persönliche Entscheidung, auch wenn es triftige Gründe für eine Neuorientierung gibt. Als Reaktion auf meine Ausführungen zum Thema gab es eine interessante Reaktion auf Mastodon: Es bringe nichts, auf Bing oder Duck Duck Go umzusteigen, weil man damit – ich paraphrasiere – den Teufel mit dem Beelzebub austreibe.
Denn in der Tat: Viele der kleinen Suchmaschinen sind nur vermeintlich eine Alternative zum Marktführer. Denn sie funktionieren nicht eigenständig, sondern greifen ebenfalls auf den Google-Index zu. Ein Phänomen, das wir von den Browsern kennen. Die meisten Drittprogramme basieren wie Chrome auf dem von Google entwickelten Open-Source-Browser Chromium: Microsoft Edge, Opera, Vivaldi, Brave, Comet und Arc, um nur einige zu nennen.
Die Abhängigkeiten werden komplizierter, aber kaum kleiner
Das heisst: Leute, die sich einem dieser Produkte zuwenden, um ihre Unabhängigkeit von Google zu verringern, verfehlen ihr Ziel. Zwar bestimmt ein zwischengeschaltetes Unternehmen den Funktionsumfang des Programms. Doch die Marschrichtung wählt noch immer Google. Das zeigt sich bei weitreichenden Eingriffen wie beispielsweise den Schnittstellen, die den Browser-Erweiterungen zur Verfügung stehen.
Zwischenbemerkung: Allein deswegen ist es bedauerlich, dass Richter Amit Mehta am Bezirksgericht des Districts of Columbia Google neulich nicht zwang, Chrome und Android zu verkaufen.
Die interessante Frage ist an diesem Punkt: Wie viel Google handeln wir uns bei der Verwendung einer bestimmten alternativen Suchmaschine ein? Das ist nicht einfach zu bestimmen, da die Betreiber kein Interesse haben, das offenzulegen. Diese Information passt schlecht zum Bemühen, sich als Auswahlmöglichkeit zu präsentieren.
Bing dominiert bei den Google-Alternativen
Bei der besagten Diskussion auf Mastodon machte mich Raoul René auf einen interessanten Blogpost aufmerksam: Er schlüsselt auf, welcher Index bei den jeweiligen Suchanbietern zum Zug kommt.
- Wir erfahren, dass Bing in vielen «Generika» steckt, u. a. in Duck Duck Go, Yahoo, Qwant, Privado, Lycos, Swisscows und Fireball sowie teilweise in Metager und Qwant.
- Google befeuert Mullvad Leta, Ecosia und Startpage, wobei man bei den beiden Letzteren optional auf Bing wechseln kann.
Der Blogpost erwähnt, dass die russische Suchmaschine Yandex teilweise Resultate für Duck Duck Go geliefert habe, diese Zusammenarbeit derzeit jedoch auf Eis liege. Und ergänzt sei, dass die gern empfohlene Suchmaschine Kagi.com zwar eigene Crawler verwendet, aber auf Bing nicht verzichten kann.
Wir fragen uns an dieser Stelle bang, ob es kein Entrinnen vor Google und Microsoft gibt. Und in der Tat, scheint das unglücklicherweise so zu sein:
Mojeek betreibt einen eigenen IdexEs gibt zwar Anbieter, die eigene Indizes betreiben. Doch die können kaum mit den ganz Grossen mithalten. Als echte, unabhängige Alternativen dürfen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – diese Suchmaschinen gelten:
- Mojeek.com verspricht in den FAQ: «Die Suchergebnisse von Mojeek sind zu hundert Prozent unabhängig. Sie stammen von unserem Crawler (MojeekBot) und unserem Web-Index und werden anhand unserer eigenen Ranking-Algorithmen sortiert.»
- Brave-Suche verwendet Google, aber nur als Rückfallebene. Ein ausführlicher Test dieser Suchmaschine gibt es im Beitrag
Brave Search schiesst einen Ehrentreffer gegen Google. - Wiby.me indiziert nur Websites, die kein Javascript verwenden.
- Marginalia verwendet einen eigenen Index und einen Open-Source-Crawler.
Gut zu wissen – aber wir müssten sehr hart gesotten sein, um uns zuzutrauen, mit diesen vier Rechercheinstrumenten über die Runden zu kommen. Sollten wir uns entscheiden wollen, nichts mehr mit Big Tech zu tun haben zu wollen, dann hätten wir allerdings gar keine andere Wahl.
Bleibt nur, zum Aussteiger zu werden?
Wir kommen zur Einsicht, dass uns das moderne Leben nicht erlaubt, alle unsere Überzeugungen konsequent durchzusetzen: nie mehr fliegen, nur noch vegan oder gar frutan essen, CO₂-neutral wohnen und Konsum rein nach Kriterien der Nachhaltigkeit, Fairness und Umweltverträglichkeit – dieser Aussteiger-Lifestyle ist unvereinbar mit einem normalen Erwerbs- und Sozialleben. Wir kommen um eine pragmatische Haltung nicht herum. Das heisst: Keine komplette Abnabelung von Microsoft und Google, aber eine Reduktion, mit der wir den Schutz unserer persönlichen Daten merklich verbessern und unsere Abhängigkeit bewusst verringern. Schon das ist gut für uns selbst und ein Zeichen gegen die digitale Monokultur.
Beitragsbild: Das ist nicht übertrieben (ev, Unsplash-Lizenz).
#Browser #Chrome #Datenschutz #Googologie #Suchmaschine #Wochenkommentar
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Apple und Google als Komplizen von ICE
Fast wie Pokémon Go – bloss ist es eben kein Spiel, sondern blutiger Ernst: Es geht um die Warn-Apps, mit denen sich Immigranten darüber informieren können, ob in ihrer Umgebung ICE-Agenten aktiv sind. Denn wie wir wissen, geht die Einwanderungsbehörde nicht zimperlich vor. Sie greift Menschen auf, die optisch ins Raster passen – der Vorwurf des Racial Profilings steht im Raum – und sie zieht Einsätze radikal durch, selbst wenn Familien und kleine Kinder betroffen sind.
John Oliver legte die Situation vor einem Monat in seiner Sendung dar und liess nichts an Klarheit zu wünschen übrig: ICE stehe unter Druck, Quoten zu erfüllen. Die Behörde konzentriere sich auf Menschen, die in der Öffentlichkeit exponiert seien, und weniger auf Kriminelle, die man erst aufspüren müsse. Sie nehme «Kollateralschäden» in Kauf, und um jemanden festzuhalten, benötige sie keinen hinreichenden, sondern bloss einen Verdacht (reasonable suspicion). Fazit von John Oliver:
Ich sage nicht, dass alles, was ICE derzeit tut, illegal ist. Ich sage nur, dass vieles davon wirklich illegal sein sollte.
Damit steht ausser Frage, dass die Benutzung einer solchen App ein Akt der Selbstverteidigung ist.
Wer ist das Opfer, wer der Täter?
Doch letzte Woche wurde bekannt, dass Apple die App ICE Block aus dem Store verbannt hat. Gemäss Medienberichten begründete Apple das gegenüber dem Entwickler Joshua Aaron mit den Worten, ICE Block verletze in Bezug auf «anstössige und verleumderische, diskriminierende oder böswillige Inhalte» die App-Store-Richtlinien:
«Informationen, die Apple von Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt wurden, zeigen, dass Ihre App gegen die App-Store-Richtlinien verstösst, da ihr Zweck darin besteht, Standortinformationen über Strafverfolgungsbeamte bereitzustellen, die dazu verwendet werden können, diesen Beamten einzeln oder als Gruppe Schaden zuzufügen.»
Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Apple die Tatsachen verdreht – ausser, wenn man den «Schaden» so interpretieren möchte, dass die Warn-App dazu führt, dass ICE die Quote weniger leicht erfüllt. Joshua Aaron spart auf seiner Website nicht mit Kritik an Apple:
Ich bin unglaublich enttäuscht von Apple. Sich einem autoritären Regime zu beugen, ist niemals der richtige Schritt. (…) ICE Block unterscheidet sich nicht von Crowdsourcing-Blitzerwarnungen, die jede namhafte Kartenanwendung, einschliesslich der Apple-eigenen Karten-App, als Teil ihrer Kerndienste implementiert. Dies ist durch das Recht auf freie Meinungsäusserung gemäss dem ersten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten geschützt.
Google zeigt ebensowenig Rückgrat. Der Android-Konzern entfernte vor einer Woche die App Red Dot aus dem Play Store. Wie «404 Media» darlegt, ist die Täter-Opfer-Umkehr noch krasser als bei Apple. Google praktiziert das orwellsche Kunststück, die ICE-Beamten «als gefährdete Gruppe» («vulnerable Group») zu apostrophieren.
Apple löscht auch eine Dokumentations-App
Das Icon der Eyes-Up-App.Vorgestern wurde publik, dass auch die App Eyes Up aus Apples Store weichen musste (bei Google ist sie noch vorhanden). Sie archiviert Videos der ICE-Einsätze, die auf Tiktok, Instagram und in sozialen Medien kursieren. Die Betreiber prüfen sämtliche Einsendungen auf Relevanz und Richtigkeit. An der Rechtmässigkeit dieser App ist nicht zu zweifeln. Das American Immigration Council setzt sich für faire Einwanderungsgesetze ein, und Aaron Reichlin-Melnick erklärt als Senior Fellow im Namen der Organisation:
Wie jede andere Regierungsbehörde ist auch das DHS verpflichtet, sich an die Gesetze zu halten. Die Sammlung von Videobeweisen ist ein wirksames Kontrollinstrument. Es stellt sicher, dass die Regierung die Rechte von Bürgern und Einwanderern gleichermassen achtet. Die Menschen haben das Recht, Interaktionen mit Strafverfolgungsbehörden im öffentlichen Raum zu filmen und diese Videos mit anderen zu teilen.
Die Entfernung dieser App aus dem Store lässt sich nicht mit dem Schutz der ICE-Agenten begründen. Im Gegenteil: Die Dokumentierung ihrer Arbeit schützt die Agenten – natürlich vorausgesetzt, dass sie sich rechtskonform verhalten. Wenn das Sammeln solcher Videos von vornherein unterbunden werden soll, dann nährt das den Verdacht, dass systematisch Dinge geschehen, die von der Öffentlichkeit geheimgehalten werden sollen. Wenn Apple dazu Hand bietet, dann begibt man sich in Komplizenschaft mit einer staatlichen Organisation, die nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger handelt.
«Die Lösung finden, die Nutzern am besten dient»
Zwei Feststellungen:
Erstens muss es möglich sein, auch ohne Billigung der Betriebssystem-Hersteller Software aufs Smartphone zu bringen. Wir brauchen dringend Ausweich-App-Stores – und zwar nicht nur in der EU, sondern weltweit.
Zweitens ist es unvermeidlich, das Offensichtliche konkret zu benennen. Die Heuchelei der Tech-Konzerne ist zwar nicht sonderlich überraschend, aber dennoch beschämend.
Im Mai 2025 bekennt sich Apple – inklusive Leitwort von Tim Cook – zu den Menschenrechten.Auf Apples Website findet sich das «Bekenntnis zu den Menschenrechten» (PDF). Es stammt aus dem Mai 2025. Tim Cook steuerte ein Zitat bei und der Konzern proklamiert, er wolle die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte hochhalten. Drei Kernsätze aus dieser Zielsetzung:
- Hand in Hand mit dem Datenschutz unserer Nutzer geht unser Engagement für Informations- und Meinungsfreiheit.
- Apples Seele sind die Menschen. Deshalb verpflichten wir uns, die Menschenrechte aller zu achten, deren Leben wir berühren – einschliesslich unserer Mitarbeiter, Lieferanten, Auftragnehmer und Kunden.
- Wir sind verpflichtet, die lokalen Gesetze einzuhalten. Manchmal gibt es komplexe Fragen, bei denen wir mit Regierungen und anderen Interessengruppen unterschiedlicher Meinung darüber sind, wie der richtige Weg vorwärts aussieht. Durch Dialog und den Glauben an die Kraft des Engagements versuchen wir, die Lösung zu finden, die unseren Nutzern am besten dient – ihrer Privatsphäre, ihrer Möglichkeit, sich auszudrücken, und ihrem Zugang zu zuverlässigen Informationen und hilfreicher Technologie.
Doch wo ist im Fall der ICE-Apps der Dialog und die «Kraft des Engagements»? Oder sind das doch nur hohle Worte?
Beitragsbild: Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde am 26. Januar 2025 in Chicago mit einer «verstärkten Durchsetzungsmassnahme» (U.S. Immigration and Customs Enforcement/Flickr.com, PDM 1.0).
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Apple und Google als Komplizen von ICE
Fast wie Pokémon Go – bloss ist es eben kein Spiel, sondern blutiger Ernst: Es geht um die Warn-Apps, mit denen sich Immigranten darüber informieren können, ob in ihrer Umgebung ICE-Agenten aktiv sind. Denn wie wir wissen, geht die Einwanderungsbehörde nicht zimperlich vor. Sie greift Menschen auf, die optisch ins Beuteschema passen – der Vorwurf des Racial Profilings steht im Raum – und ist nicht zimperlich, selbst wenn Familien und kleine Kinder betroffen sind.
John Oliver legte die Situation vor einem Monat in seiner Sendung dar und liess nichts an Klarheit zu wünschen übrig: ICE steht unter Druck, Quoten zu erfüllen. Die Behörde konzentriert sich auf Menschen, die in der Öffentlichkeit exponiert sind, und weniger auf Kriminelle, die man erst aufspüren müsste. Sie nimmt «Kollateralschäden» in Kauf, und um jemanden festzuhalten, benötigt sie keinen hinreichenden, sondern bloss einen Verdacht (reasonable suspicion). Fazit von John Oliver:
Ich sage nicht, dass alles, was ICE derzeit tut, illegal ist. Ich sage nur, dass vieles davon wirklich illegal sein sollte.
Damit steht ausser Frage, dass die Benutzung einer solchen App ein Akt der Selbstverteidigung ist.
Wer ist das Opfer, wer der Täter?
Doch letzte Woche wurde bekannt, dass Apple die App ICE Block aus dem Store geschmissen hat. Gemäss Medienberichten hat Apple das gegenüber dem Entwickler Joshua Aaron mit den Worten begründet, ICE Block verletze in Bezug auf «anstössige und verleumderische, diskriminierende oder böswillige Inhalte» die App-Store-Richtlinien:
«Informationen, die Apple von Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt wurden, zeigen, dass Ihre App gegen die App-Store-Richtlinien verstösst, da ihr Zweck darin besteht, Standortinformationen über Strafverfolgungsbeamte bereitzustellen, die dazu verwendet werden können, diesen Beamten einzeln oder als Gruppe Schaden zuzufügen.»
Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Apple die Tatsachen eklatant verdreht – ausser, wenn man den «Schaden» so interpretieren möchte, dass die Warn-App dazu führt, dass ICE die Quote weniger leicht erfüllt. Joshua Aaron spart auf seiner Website nicht mit Kritik an Apple:
Ich bin unglaublich enttäuscht von Apple. Sich einem autoritären Regime zu beugen, ist niemals der richtige Schritt. (…) ICE Block unterscheidet sich nicht von Crowdsourcing-Blitzerwarnungen, die jede namhafte Kartenanwendung, einschliesslich der Apple-eigenen Karten-App, als Teil ihrer Kerndienste implementiert. Dies ist durch das Recht auf freie Meinungsäusserung gemäss dem ersten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten geschützt.
Google zeigt genauso wenig Rückgrat. Der Android-Konzern entfernte vor einer Woche die App Red Dot aus dem Play Store. Wie «404 Media» darlegt, ist die Täter-Opfer-Umkehr in diesem Fall noch krasser als bei Apple. Google praktiziert das orwellsche Kunststück, die ICE-Beamten «als gefährdete Gruppe» («vulnerable Group») zu apostrophieren.
Apple löscht auch eine Dokumentations-App
Das Icon der Eyes-Up-App.Vorgestern wurde publik, dass auch die App Eyes Up aus Apples Store weichen musste (bei Google ist sie noch vorhanden). Sie ist dazu da, Videos der ICE-Einsätze zu archivieren, die auf Tiktok, Instagram und in sozialen Medien kursieren. Die Betreiber prüfen sämtliche Einsendungen auf Relevanz und Richtigkeit. An der Rechtmässigkeit dieser App ist nicht zu zweifeln. Das American Immigration Council setzt sich für faire Einwanderungsgesetze ein, und Aaron Reichlin-Melnick erklärt als Senior Fellow im Namen der Organisation:
Wie jede andere Regierungsbehörde ist auch das DHS verpflichtet, sich an die Gesetze zu halten. Die Sammlung von Videobeweisen ist ein wirksames Kontrollinstrument. Es stellt sicher, dass die Regierung die Rechte von Bürgern und Einwanderern gleichermassen achtet. Die Menschen haben das Recht, Interaktionen mit Strafverfolgungsbehörden im öffentlichen Raum zu filmen und diese Videos mit anderen zu teilen.
Die Entfernung dieser App aus dem Store lässt sich nicht mit dem Schutz der ICE-Agenten begründen. Im Gegenteil: Die Dokumentierung ihrer Arbeit schützt die Agenten – natürlich vorausgesetzt, dass sie sich rechtskonform verhalten. Wenn das Sammeln solcher Videos von vornherein unterbunden werden soll, dann nährt das im Gegenteil den Verdacht, dass hier systematisch Dinge geschehen, die von der Öffentlichkeit geheimgehalten werden sollen. Wenn Apple dazu Hand bietet, dann begibt man sich in Komplizenschaft mit einer staatlichen Organisation, die nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger handelt.
«Die Lösung finden, die Nutzern am besten dient»
Zwei Feststellungen:
Erstens muss es möglich sein, auch ohne Billigung der Betriebssystem-Hersteller Software aufs Smartphone zu bringen. Wir brauchen dringend Ausweich-App-Stores – und zwar nicht nur in der EU, sondern weltweit.
Und zweitens ist es unvermeidlich, das Offensichtliche hier konkret zu benennen. Die Heuchelei der Tech-Konzerne ist zwar nicht sonderlich überraschend, aber dennoch beschämend.
Im Mai 2025 bekennt sich Apple – inklusive Leitwort von Tim Cook – zu den Menschenrechten.Auf Apples Website findet sich das «Bekenntnis zu den Menschenrechten» (PDF). Es stammt aus dem Mai 2025. Tim Cook schrieb das Vorwort und der Konzern proklamiert, er wolle die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte hochhalten. Drei Zitate aus dieser Zielsetzung:
- Hand in Hand mit dem Datenschutz unserer Nutzer geht unser Engagement für Informations- und Meinungsfreiheit.
- Apples Seele sind die Menschen. Deshalb verpflichten wir uns, die Menschenrechte aller zu achten, deren Leben wir berühren – einschliesslich unserer Mitarbeiter, Lieferanten, Auftragnehmer und Kunden.
- Wir sind verpflichtet, die lokalen Gesetze einzuhalten. Manchmal gibt es komplexe Fragen, bei denen wir mit Regierungen und anderen Interessengruppen unterschiedlicher Meinung darüber sind, wie der richtige Weg vorwärts aussieht. Durch Dialog und den Glauben an die Kraft des Engagements versuchen wir, die Lösung zu finden, die unseren Nutzern am besten dient – ihrer Privatsphäre, ihrer Möglichkeit, sich auszudrücken, und ihrem Zugang zu zuverlässigen Informationen und hilfreicher Technologie.
Wo ist hier der Dialog und die «Kraft des Engagements»? Oder waren das doch nur hohle Worte?
Beitragsbild: Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde am 26. Januar 2025 in Chicago mit einer «verstärkten Durchsetzungsmassnahme» (U.S. Immigration and Customs Enforcement/Flickr.com, PDM 1.0).
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Apple und Google als Komplizen von ICE
Fast wie Pokémon Go – bloss ist es eben kein Spiel, sondern blutiger Ernst: Es geht um die Warn-Apps, mit denen sich Immigranten darüber informieren können, ob in ihrer Umgebung ICE-Agenten aktiv sind. Denn wie wir wissen, geht die Einwanderungsbehörde nicht zimperlich vor. Sie greift Menschen auf, die optisch ins Raster passen – der Vorwurf des Racial Profilings steht im Raum – und sie zieht Einsätze radikal durch, selbst wenn Familien und kleine Kinder betroffen sind.
John Oliver legte die Situation vor einem Monat in seiner Sendung dar und liess nichts an Klarheit zu wünschen übrig: ICE stehe unter Druck, Quoten zu erfüllen. Die Behörde konzentriere sich auf Menschen, die in der Öffentlichkeit exponiert seien, und weniger auf Kriminelle, die man erst aufspüren müsse. Sie nehme «Kollateralschäden» in Kauf, und um jemanden festzuhalten, benötige sie keinen hinreichenden, sondern bloss einen Verdacht (reasonable suspicion). Fazit von John Oliver:
Ich sage nicht, dass alles, was ICE derzeit tut, illegal ist. Ich sage nur, dass vieles davon wirklich illegal sein sollte.
Damit steht ausser Frage, dass die Benutzung einer solchen App ein Akt der Selbstverteidigung ist.
Wer ist das Opfer, wer der Täter?
Doch letzte Woche wurde bekannt, dass Apple die App ICE Block aus dem Store verbannt hat. Gemäss Medienberichten begründete Apple das gegenüber dem Entwickler Joshua Aaron mit den Worten, ICE Block verletze in Bezug auf «anstössige und verleumderische, diskriminierende oder böswillige Inhalte» die App-Store-Richtlinien:
«Informationen, die Apple von Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt wurden, zeigen, dass Ihre App gegen die App-Store-Richtlinien verstösst, da ihr Zweck darin besteht, Standortinformationen über Strafverfolgungsbeamte bereitzustellen, die dazu verwendet werden können, diesen Beamten einzeln oder als Gruppe Schaden zuzufügen.»
Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Apple die Tatsachen verdreht – ausser, wenn man den «Schaden» so interpretieren möchte, dass die Warn-App dazu führt, dass ICE die Quote weniger leicht erfüllt. Joshua Aaron spart auf seiner Website nicht mit Kritik an Apple:
Ich bin unglaublich enttäuscht von Apple. Sich einem autoritären Regime zu beugen, ist niemals der richtige Schritt. (…) ICE Block unterscheidet sich nicht von Crowdsourcing-Blitzerwarnungen, die jede namhafte Kartenanwendung, einschliesslich der Apple-eigenen Karten-App, als Teil ihrer Kerndienste implementiert. Dies ist durch das Recht auf freie Meinungsäusserung gemäss dem ersten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten geschützt.
Google zeigt ebensowenig Rückgrat. Der Android-Konzern entfernte vor einer Woche die App Red Dot aus dem Play Store. Wie «404 Media» darlegt, ist die Täter-Opfer-Umkehr noch krasser als bei Apple. Google praktiziert das orwellsche Kunststück, die ICE-Beamten «als gefährdete Gruppe» («vulnerable Group») zu apostrophieren.
Apple löscht auch eine Dokumentations-App
Das Icon der Eyes-Up-App.Vorgestern wurde publik, dass auch die App Eyes Up aus Apples Store weichen musste (bei Google ist sie noch vorhanden). Sie archiviert Videos der ICE-Einsätze, die auf Tiktok, Instagram und in sozialen Medien kursieren. Die Betreiber prüfen sämtliche Einsendungen auf Relevanz und Richtigkeit. An der Rechtmässigkeit dieser App ist nicht zu zweifeln. Das American Immigration Council setzt sich für faire Einwanderungsgesetze ein, und Aaron Reichlin-Melnick erklärt als Senior Fellow im Namen der Organisation:
Wie jede andere Regierungsbehörde ist auch das DHS verpflichtet, sich an die Gesetze zu halten. Die Sammlung von Videobeweisen ist ein wirksames Kontrollinstrument. Es stellt sicher, dass die Regierung die Rechte von Bürgern und Einwanderern gleichermassen achtet. Die Menschen haben das Recht, Interaktionen mit Strafverfolgungsbehörden im öffentlichen Raum zu filmen und diese Videos mit anderen zu teilen.
Die Entfernung dieser App aus dem Store lässt sich nicht mit dem Schutz der ICE-Agenten begründen. Im Gegenteil: Die Dokumentierung ihrer Arbeit schützt die Agenten – natürlich vorausgesetzt, dass sie sich rechtskonform verhalten. Wenn das Sammeln solcher Videos von vornherein unterbunden werden soll, dann nährt das den Verdacht, dass systematisch Dinge geschehen, die von der Öffentlichkeit geheimgehalten werden sollen. Wenn Apple dazu Hand bietet, dann begibt man sich in Komplizenschaft mit einer staatlichen Organisation, die nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger handelt.
«Die Lösung finden, die Nutzern am besten dient»
Zwei Feststellungen:
Erstens muss es möglich sein, auch ohne Billigung der Betriebssystem-Hersteller Software aufs Smartphone zu bringen. Wir brauchen dringend Ausweich-App-Stores – und zwar nicht nur in der EU, sondern weltweit.
Zweitens ist es unvermeidlich, das Offensichtliche konkret zu benennen. Die Heuchelei der Tech-Konzerne ist zwar nicht sonderlich überraschend, aber dennoch beschämend.
Im Mai 2025 bekennt sich Apple – inklusive Leitwort von Tim Cook – zu den Menschenrechten.Auf Apples Website findet sich das «Bekenntnis zu den Menschenrechten» (PDF). Es stammt aus dem Mai 2025. Tim Cook steuerte ein Zitat bei und der Konzern proklamiert, er wolle die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte hochhalten. Drei Kernsätze aus dieser Zielsetzung:
- Hand in Hand mit dem Datenschutz unserer Nutzer geht unser Engagement für Informations- und Meinungsfreiheit.
- Apples Seele sind die Menschen. Deshalb verpflichten wir uns, die Menschenrechte aller zu achten, deren Leben wir berühren – einschliesslich unserer Mitarbeiter, Lieferanten, Auftragnehmer und Kunden.
- Wir sind verpflichtet, die lokalen Gesetze einzuhalten. Manchmal gibt es komplexe Fragen, bei denen wir mit Regierungen und anderen Interessengruppen unterschiedlicher Meinung darüber sind, wie der richtige Weg vorwärts aussieht. Durch Dialog und den Glauben an die Kraft des Engagements versuchen wir, die Lösung zu finden, die unseren Nutzern am besten dient – ihrer Privatsphäre, ihrer Möglichkeit, sich auszudrücken, und ihrem Zugang zu zuverlässigen Informationen und hilfreicher Technologie.
Doch wo ist im Fall der ICE-Apps der Dialog und die «Kraft des Engagements»? Oder sind das doch nur hohle Worte?
Beitragsbild: Die US-Einwanderungs- und Zollbehörde am 26. Januar 2025 in Chicago mit einer «verstärkten Durchsetzungsmassnahme» (U.S. Immigration and Customs Enforcement/Flickr.com, PDM 1.0).
-
Apple und Google als Komplizen von ICE
Fast wie Pokémon Go – bloss ist es eben kein Spiel, sondern blutiger Ernst: Es geht um die Warn-Apps, mit denen sich Immigranten darüber informieren können, ob in ihrer Umgebung ICE-Agenten aktiv sind. Denn wie wir wissen, geht die Einwanderungsbehörde nicht zimperlich vor. Sie greift Menschen auf, die optisch ins Raster passen – der Vorwurf des Racial Profilings steht im Raum – und sie zieht Einsätze radikal durch, selbst wenn Familien und kleine Kinder betroffen sind.
John Oliver legte die Situation vor einem Monat in seiner Sendung dar und liess nichts an Klarheit zu wünschen übrig: ICE stehe unter Druck, Quoten zu erfüllen. Die Behörde konzentriere sich auf Menschen, die in der Öffentlichkeit exponiert seien, und weniger auf Kriminelle, die man erst aufspüren müsse. Sie nehme «Kollateralschäden» in Kauf, und um jemanden festzuhalten, benötige sie keinen hinreichenden, sondern bloss einen Verdacht (reasonable suspicion). Fazit von John Oliver:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=DfTBhrkae74?version=3&rel=1&showsearch=0&showinfo=1&iv_load_policy=1&fs=1&hl=de-DE&autohide=2&wmode=transparent&w=640&h=360]Ich sage nicht, dass alles, was ICE derzeit tut, illegal ist. Ich sage nur, dass vieles davon wirklich illegal sein sollte.
Damit steht ausser Frage, dass die Benutzung einer solchen App ein Akt der Selbstverteidigung ist.
Wer ist das Opfer, wer der Täter?
Doch letzte Woche wurde bekannt, dass Apple die App ICE Block aus dem Store verbannt hat. Gemäss Medienberichten begründete Apple das gegenüber dem Entwickler Joshua Aaron mit den Worten, ICE Block verletze in Bezug auf «anstössige und verleumderische, diskriminierende oder böswillige Inhalte» die App-Store-Richtlinien:
«Informationen, die Apple von Strafverfolgungsbehörden zur Verfügung gestellt wurden, zeigen, dass Ihre App gegen die App-Store-Richtlinien verstösst, da ihr Zweck darin besteht, Standortinformationen über Strafverfolgungsbeamte bereitzustellen, die dazu verwendet werden können, diesen Beamten einzeln oder als Gruppe Schaden zuzufügen.»
Wir müssen nicht darüber diskutieren, dass Apple die Tatsachen verdreht – ausser, wenn man den «Schaden» so interpretieren möchte, dass die Warn-App dazu führt, dass ICE die Quote weniger leicht erfüllt. Joshua Aaron spart auf seiner Website nicht mit Kritik an Apple:
Ich bin unglaublich enttäuscht von Apple. Sich einem autoritären Regime zu beugen, ist niemals der richtige Schritt. (…) ICE Block unterscheidet sich nicht von Crowdsourcing-Blitzerwarnungen, die jede namhafte Kartenanwendung, einschliesslich der Apple-eigenen Karten-App, als Teil ihrer Kerndienste implementiert. Dies ist durch das Recht auf freie Meinungsäusserung gemäss dem ersten Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten geschützt.
Google zeigt ebensowenig Rückgrat. Der Android-Konzern entfernte vor einer Woche die App Red Dot aus dem Play Store. Wie «404 Media» darlegt, ist die Täter-Opfer-Umkehr noch krasser als bei Apple. Google praktiziert das orwellsche Kunststück, die ICE-Beamten «als gefährdete Gruppe» («vulnerable Group») zu apostrophieren.
Apple löscht auch eine Dokumentations-App
Das Icon der Eyes-Up-App.Vorgestern wurde publik, dass auch die App Eyes Up aus Apples Store weichen musste (bei Google ist sie noch vorhanden). Sie archiviert Videos der ICE-Einsätze, die auf Tiktok, Instagram und in sozialen Medien kursieren. Die Betreiber prüfen sämtliche Einsendungen auf Relevanz und Richtigkeit. An der Rechtmässigkeit dieser App ist nicht zu zweifeln. Das American Immigration Council setzt sich für faire Einwanderungsgesetze ein, und Aaron Reichlin-Melnick erklärt als Senior Fellow im Namen der Organisation:
Wie jede andere Regierungsbehörde ist auch das DHS verpflichtet, sich an die Gesetze zu halten. Die Sammlung von Videobeweisen ist ein wirksames Kontrollinstrument. Es stellt sicher, dass die Regierung die Rechte von Bürgern und Einwanderern gleichermassen achtet. Die Menschen haben das Recht, Interaktionen mit Strafverfolgungsbehörden im öffentlichen Raum zu filmen und diese Videos mit anderen zu teilen.
Die Entfernung dieser App aus dem Store lässt sich nicht mit dem Schutz der ICE-Agenten begründen. Im Gegenteil: Die Dokumentierung ihrer Arbeit schützt die Agenten – natürlich vorausgesetzt, dass sie sich rechtskonform verhalten. Wenn das Sammeln solcher Videos von vornherein unterbunden werden soll, dann nährt das den Verdacht, dass systematisch Dinge geschehen, die von der Öffentlichkeit geheimgehalten werden sollen. Wenn Apple dazu Hand bietet, dann begibt man sich in Komplizenschaft mit einer staatlichen Organisation, die nicht im Interesse der Bürgerinnen und Bürger handelt.
«Die Lösung finden, die Nutzern am besten dient»
Zwei Feststellungen:
Erstens muss es möglich sein, auch ohne Billigung der Betriebssystem-Hersteller Software aufs Smartphone zu bringen. Wir brauchen dringend Ausweich-App-Stores – und zwar nicht nur in der EU, sondern weltweit.
Zweitens ist es unvermeidlich, das Offensichtliche konkret zu benennen. Die Heuchelei der Tech-Konzerne ist zwar nicht sonderlich überraschend, aber dennoch beschämend.
Im Mai 2025 bekennt sich Apple – inklusive Leitwort von Tim Cook – zu den Menschenrechten.Auf Apples Website findet sich das «Bekenntnis zu den Menschenrechten» (PDF). Es stammt aus dem Mai 2025. Tim Cook steuerte ein Zitat bei und der Konzern proklamiert, er wolle die UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte hochhalten. Drei Kernsätze aus dieser Zielsetzung:
- Hand in Hand mit dem Datenschutz unserer Nutzer geht unser Engagement für Informations- und Meinungsfreiheit.
- Apples Seele sind die Menschen. Deshalb verpflichten wir uns, die Menschenrechte aller zu achten, deren Leben wir berühren – einschliesslich unserer Mitarbeiter, Lieferanten, Auftragnehmer und Kunden.
- Wir sind verpflichtet, die lokalen Gesetze einzuhalten. Manchmal gibt es komplexe Fragen, bei denen wir mit Regierungen und anderen Interessengruppen unterschiedlicher Meinung darüber sind, wie der richtige Weg vorwärts aussieht. Durch Dialog und den Glauben an die Kraft des Engagements versuchen wir, die Lösung zu finden, die unseren Nutzern am besten dient – ihrer Privatsphäre, ihrer Möglichkeit, sich auszudrücken, und ihrem Zugang zu zuverlässigen Informationen und hilfreicher Technologie.
Doch wo ist im Fall der ICE-Apps der Dialog und die «Kraft des Engagements»? Oder sind das doch nur hohle Worte?
#AppStores #Apple #Googologie #Politik #Wochenkommentar -
Googles AI Overviews boykottieren
Seit einem Jahr erscheinen in Googles Suchresultaten KI-Zusammenfassungen. Die heissen AI Overviews, und sie sind mir ein gewaltiger Dorn im Auge. Sie verändern den Zugang zu den globalen Webinhalten auf unabsehbare Weise. Sie führen dazu, dass ein riesiger Teil der Inhaltsanbieter um sein Publikum fürchten muss. Liz Reid ist die Chefin der Google-Suche, und sie behauptete neulich in einem Blogpost, die KI in der Suche sorge «für mehr Suchanfragen und qualitativ hochwertigere Klicks». Das kann man glauben – man muss aber nicht.
Liebe Jungs, bitte lieber nicht ausprobieren!Nebenbei enthalten die AI Overviews teilweise noch immer frappanten Unsinn. Ein Beispiel von Reddit soll das hier illustrieren – und weil es nicht völlig jugendfrei ist, übersetze ich es nicht.
Dummerweise ist das erst der Anfang: Der Suchmaschinenkonzern forciert die künstliche Intelligenz noch viel stärker: Er kündigte im Mai den AI Mode an, der die klassische Webresultate-Liste gänzlich zum Verschwinden bringt. Und er wird die KI auch in den Discover-Modus integrieren: Diese gesammelten News sind im Moment wichtige Traffic-Lieferanten für grosse Medienwebsites. Wenn sie durch KI-Zusammenfassungen ersetzt werden, wird das brutale Traffic-Einbussen für die Medienhäuser bedeuten.
Erste Möglichkeit: Ganz auf Google verzichten
Was tun? Jeder von uns sollte ernsthaft die Möglichkeit in Erwägung ziehen, die Google-Suche weniger oder überhaupt nicht mehr zu benutzen. Ob Bing, Duck Duck Go, Qwant oder Swisscows, spielt keine grosse Rolle. Meine Empfehlung ist Kagi.com, aber es darf auch Tiger.ch oder Ecosia sein. Und nicht mal gegen mojeek.com und marginalia-search.com habe ich etwas. Bei Fireball.com bin ich zwiegespalten: Der Name weckt schöne Erinnerungen, aber die Suche selbst ist zumindest bei meinen Tests fast unbrauchbar, und die Optik eine Zumutung.
👉 Zu diesem Aspekt gibt es einen Nachtrag: Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft.
Falls wir Google nicht abschwören können oder wollen, sollten wir uns zumindest den KI-Funktionen verweigern. Das hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass es eine klare Botschaft an Google sendet: Nicht alle Anwenderinnen und Anwender schätzen die KI. Im Gegenteil: Es gibt eine Opposition und Leute, die aktiv etwas gegen sie tun.
Zweite Möglichkeit: Google-Suche, aber ohne KI
Und so praktizieren wir diesen Protest mit jeder Google-Suche:
Vor Jahresfrist beschrieb ich den Trick mit dem Parameter
&udm=14. An die Suche angehängt, bringt er sämtliche Anreicherungen zu den Suchresultaten zum Verschwinden. Einfach zu nutzen ist er via udm14.com, aber es gibt längst weitere Methoden.Am Desktop installieren wir im Browser eine passende Erweiterung. Für Google Chrome sind die beiden beliebtesten Add-ons Hide Google AI Overviews und Bye Bye, Google AI. Oder wir passen die Sucheinstellungen so an, dass standardmässig der eben erwähnte udm-Parameter übergeben wird. Dazu fügen wir unseren Einstellungen eine eigene Suchmaschine hinzu, bei der wir ihn übergeben.
Bevor ich im Detail erkläre, noch ein Extratipp: Wenn wir schon dabei sind, sollten wir auch gleich einen zweiten Parameter ins Spiel bringen. Er lautet
tbs=li:1und er sorgt dafür, dass Google standardmässig Ergebnisse mit dem Suchfilter wortwörtlich zurückgibt. Diese Option ist mir schon seit Jahren ein Anliegen und dank «The Register» weiss ich jezt endlich, wie es geht!Die Anpassung für Chrome und Edge
Der UDM-Parameter in Chrome.So funktioniert es bei Chrome:
- Über das Dreipunkte-Menü rufen wir Einstellungen auf, klicken auf Suchmaschine und auf Suchmaschinen und die Websuche verwalten.
- Unter Websitesuche betätigen wir die Schaltfläche Hinzufügen.
- Dann ergänzen wir den Namen der Suchmaschine, ein allfälliges Suchkürzel und den entsprechenden Suchparameter
{google:baseURL}/search?udm=14&q=%s&tbs=li:1. - Für die Suche verwenden wir das angegebene Suchkürzel. Oder wir legen über das Dreipunkte-Menü am rechten Rand des Eintrags diese Suche als Standard fest.
Und so bei Edge:
- Im Menü Einstellungen: Datenschutz > Suche und Dienste > Suche und vernetzte Erlebnisse > Suchmaschinen und hier; Suchmaschine hinzufügen.
- Wir ergänzen unter Suchmaschine
Google.chund beim Feld unten mit der Suchanfrage:http://google.ch/search?udm=14&q=%s {google:baseURL}/search?udm=14&q=%s- Wir können ein Suchkürzel vergeben oder über das Dreipunkt-Menü am rechten Rand neben dem Eintrag diese Suche als Standard festlegen.
Die Anpassungen für Firefox
Was Firefox angeht, ist mein Eindruck, dass in diesem Browser überhaupt keine AI Overviews angezeigt werden – und zwar von Haus aus, ohne dass wir etwas unternehmen müssen. Das könnte daran liegen, dass Google die künstliche Intelligenz mit Absicht dazu benutzt, um der Konkurrenz Marktanteile abzujagen. Es würde zu anderen wettbewerbsfeindlichen Verhaltensweisen passen. In diesem Fall würde es nicht einer gewissen Ironie entbehren, weil diese Massnahme von Leuten wie mir als Grund für Firefox verstanden würde.
Mein Eindruck kann auch falsch sein. Jedenfalls gibt es auch für Firefox mehrere Erweiterungen, die die KI zum Verschwinden bringen, namentlich Hide Google AI Overviews und AI Overview Hider for Google – die funktionieren auch in Firefox für Android.
Die UDM-Vorgaben in Firefox.Auch in Firefox lässt sich manuell eine Suchmaschine hinzufügen, die via Google mit dem udm-Parameter verwendet. Das funktioniert folgendermassen:
- Wir klicken aufs Dreistrich-Menü und auf Einstellungen und öffnen die Rubrik Suche.
- Im Abschnitt Suchmaschinen-Schlüsselwörter betätigen wir den Knopf Hinzufügen.
- Wir ergänzen den Namen der Suchmaschine und tragen im Suchfeld folgende Suchsyntax ein:
https://www.google.com/search?q=%s&udm=14&tbs=li:1
Praktisch – mit dem grossen Nachteil, dass es am Smartphone (mit Ausnahme von Android und Firefox) leider nicht ählich einfach realisierbar ist.
Beitragsbild: Er hat bloss vergessen, «No AI overviews» auf seinen Karton zu schreiben (Lara Jameson, Pexels-Lizenz).
#Browser #Chrome #Firefox #Googologie #Suchmaschine #Wochenkommentar
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Googles AI Overviews boykottieren
Seit einem Jahr erscheinen in Googles Suchresultaten KI-Zusammenfassungen. Die heissen AI Overviews, und sie sind mir ein gewaltiger Dorn im Auge. Sie verändern den Zugang zu den globalen Webinhalten auf unabsehbare Weise. Sie führen dazu, dass ein riesiger Teil der Inhaltsanbieter um sein Publikum fürchten muss. Liz Reid ist die Chefin der Google-Suche, und sie behauptete neulich in einem Blogpost, die KI in der Suche sorge «für mehr Suchanfragen und qualitativ hochwertigere Klicks». Das kann man glauben – man muss aber nicht.
Liebe Jungs, bitte lieber nicht ausprobieren!Nebenbei enthalten die AI Overviews teilweise noch immer frappanten Unsinn. Ein Beispiel von Reddit soll das hier illustrieren – und weil es nicht völlig jugendfrei ist, übersetze ich es nicht.
Dummerweise ist das erst der Anfang: Der Suchmaschinenkonzern forciert die künstliche Intelligenz noch viel stärker: Er kündigte im Mai den AI Mode an, der die klassische Webresultate-Liste gänzlich zum Verschwinden bringt. Und er wird die KI auch in den Discover-Modus integrieren: Diese gesammelten News sind im Moment wichtige Traffic-Lieferanten für grosse Medienwebsites. Wenn sie durch KI-Zusammenfassungen ersetzt werden, wird das brutale Traffic-Einbussen für die Medienhäuser bedeuten.
Erste Möglichkeit: Ganz auf Google verzichten
Was tun? Jeder von uns sollte ernsthaft die Möglichkeit in Erwägung ziehen, die Google-Suche weniger oder überhaupt nicht mehr zu benutzen. Ob Bing, Duck Duck Go, Qwant oder Swisscows, spielt keine grosse Rolle. Meine Empfehlung ist Kagi.com, aber es darf auch Tiger.ch oder Ecosia sein. Und nicht mal gegen mojeek.com und marginalia-search.com habe ich etwas. Bei Fireball.com bin ich zwiegespalten: Der Name weckt schöne Erinnerungen, aber die Suche selbst ist zumindest bei meinen Tests fast unbrauchbar, und die Optik eine Zumutung.
👉 Zu diesem Aspekt gibt es einen Nachtrag: Es gibt kein Entrinnen vor Google und Microsoft.
Falls wir Google nicht abschwören können oder wollen, sollten wir uns zumindest den KI-Funktionen verweigern. Das hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass es eine klare Botschaft an Google sendet: Nicht alle Anwenderinnen und Anwender schätzen die KI. Im Gegenteil: Es gibt eine Opposition und Leute, die aktiv etwas gegen sie tun.
Zweite Möglichkeit: Google-Suche, aber ohne KI
Und so praktizieren wir diesen Protest mit jeder Google-Suche:
Vor Jahresfrist beschrieb ich den Trick mit dem Parameter
&udm=14. An die Suche angehängt, bringt er sämtliche Anreicherungen zu den Suchresultaten zum Verschwinden. Einfach zu nutzen ist er via udm14.com, aber es gibt längst weitere Methoden.Am Desktop installieren wir im Browser eine passende Erweiterung. Für Google Chrome sind die beiden beliebtesten Add-ons Hide Google AI Overviews und Bye Bye, Google AI. Oder wir passen die Sucheinstellungen so an, dass standardmässig der eben erwähnte udm-Parameter übergeben wird. Dazu fügen wir unseren Einstellungen eine eigene Suchmaschine hinzu, bei der wir ihn übergeben.
Bevor ich im Detail erkläre, noch ein Extratipp: Wenn wir schon dabei sind, sollten wir auch gleich einen zweiten Parameter ins Spiel bringen. Er lautet
tbs=li:1und er sorgt dafür, dass Google standardmässig Ergebnisse mit dem Suchfilter wortwörtlich zurückgibt. Diese Option ist mir schon seit Jahren ein Anliegen und dank «The Register» weiss ich jezt endlich, wie es geht!Die Anpassung für Chrome und Edge
Der UDM-Parameter in Chrome.So funktioniert es bei Chrome:
- Über das Dreipunkte-Menü rufen wir Einstellungen auf, klicken auf Suchmaschine und auf Suchmaschinen und die Websuche verwalten.
- Unter Websitesuche betätigen wir die Schaltfläche Hinzufügen.
- Dann ergänzen wir den Namen der Suchmaschine, ein allfälliges Suchkürzel und den entsprechenden Suchparameter
{google:baseURL}/search?udm=14&q=%s&tbs=li:1. - Für die Suche verwenden wir das angegebene Suchkürzel. Oder wir legen über das Dreipunkte-Menü am rechten Rand des Eintrags diese Suche als Standard fest.
Und so bei Edge:
- Im Menü Einstellungen: Datenschutz > Suche und Dienste > Suche und vernetzte Erlebnisse > Suchmaschinen und hier; Suchmaschine hinzufügen.
- Wir ergänzen unter Suchmaschine
Google.chund beim Feld unten mit der Suchanfrage:http://google.ch/search?udm=14&q=%s {google:baseURL}/search?udm=14&q=%s- Wir können ein Suchkürzel vergeben oder über das Dreipunkt-Menü am rechten Rand neben dem Eintrag diese Suche als Standard festlegen.
Die Anpassungen für Firefox
Was Firefox angeht, ist mein Eindruck, dass in diesem Browser überhaupt keine AI Overviews angezeigt werden – und zwar von Haus aus, ohne dass wir etwas unternehmen müssen. Das könnte daran liegen, dass Google die künstliche Intelligenz mit Absicht dazu benutzt, um der Konkurrenz Marktanteile abzujagen. Es würde zu anderen wettbewerbsfeindlichen Verhaltensweisen passen. In diesem Fall würde es nicht einer gewissen Ironie entbehren, weil diese Massnahme von Leuten wie mir als Grund für Firefox verstanden würde.
Mein Eindruck kann auch falsch sein. Jedenfalls gibt es auch für Firefox mehrere Erweiterungen, die die KI zum Verschwinden bringen, namentlich Hide Google AI Overviews und AI Overview Hider for Google – die funktionieren auch in Firefox für Android.
Die UDM-Vorgaben in Firefox.Auch in Firefox lässt sich manuell eine Suchmaschine hinzufügen, die via Google mit dem udm-Parameter verwendet. Das funktioniert folgendermassen:
- Wir klicken aufs Dreistrich-Menü und auf Einstellungen und öffnen die Rubrik Suche.
- Im Abschnitt Suchmaschinen-Schlüsselwörter betätigen wir den Knopf Hinzufügen.
- Wir ergänzen den Namen der Suchmaschine und tragen im Suchfeld folgende Suchsyntax ein:
https://www.google.com/search?q=%s&udm=14&tbs=li:1
Praktisch – mit dem grossen Nachteil, dass es am Smartphone (mit Ausnahme von Android und Firefox) leider nicht ählich einfach realisierbar ist.
Beitragsbild: Er hat bloss vergessen, «No AI overviews» auf seinen Karton zu schreiben (Lara Jameson, Pexels-Lizenz).
#Browser #Chrome #Firefox #Googologie #Suchmaschine #Wochenkommentar