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  1. »Bei der Digitalisierung – so verstehe ich das jetzt – geht es wohl hauptsächlich darum, zu entscheiden: Kann KI denken oder nicht?«

    So äußerte sich heute ein Hörer der Sendung Das philosophische Radio auf WDR5. OK, eine Sendung kann nix dafür, was Anrufer sagen. Aber die Aussage ist symptomatisch dafür, wie die Begriffe Digitalisierung und »KI« z.Z. von Leuten verwendet werden, die nichts begreifen, aber unbedingt beim Bullshit-Bingo mitmachen wollen.

    So sehr ich Jürgen Wiebicke, den Moderator der Sendung, ansonsten schätze – diese Sendung hat uns nicht weitergebracht.

    Und das, obwohl er sogar große Teile der E-Mail vorgelesen hat, die ich gestern Abend eingesandt hatte:

    Liebe Frau Große,
    lieber Herr Wiebicke,

    ich habe eine Frage an Ihren Gast Prof. Dr. Daniel Martin Feige. In der Ankündigung der Sendung heißt es:

    »Wie geht nun eine Kritik dieser Prozesse und ihrer Wirkungen. Zum einen durch Reflexion und Klarheit: Die Mechanismen müssen deutlich werden – zum Beispiel der, dass in Sozialen Medien grundsätzlich kein rationaler Diskurs stattfindet.«

    Meinen Sie, dass in wirklich allen Sozialen Medien kein rationaler Diskurs stattfindet, ober bezieht sich diese Behauptung nur auf die kommerziellen? Es gibt auch nichtkommerzielle Soziale Medien. Haben Sie sich diese schon angeschaut?

    Viele dieser nichtkommerziellen Medienanbieter haben haben sich zum Fediverse zusammengeschlossen. Das wird von mehr als einer Million Menschen jeden Monat benutzt.[1] Ich betreibe zusammen mit Freund:innen zwei von mehr als 8000 Mastodon-Servern im Fediverse und behaupte, dass im Fediverse ein rationaler Diskurs stattfindet. Zumindest ab und zu.

    Das liegt zum einen daran, dass Fehlanreize wegfallen: Zum Beispiel kommt es nicht darauf an, möglichst provokante Beiträge zu schreiben, denn die Zeitleiste (d.h. die Liste der Beiträge der Konten, denen man folgt) ist chronologisch sortiert – wie früher bei Twitter. Außerdem hat jeder Server sein eigenes Moderationsteam, das die eigene Community gut kennt. Wenn ein Server nicht ordentlich moderiert wird, tauschen die anderen Server keine Nachrichten mehr mit ihm aus. So geschehen mit dem rassistischen Server Gab.

    Lassen Sie das Fediverse als Gegenbeispiel gelten, oder haben wir unterschiedliche Definitionen davon, was rationaler Diskurs ist?

    Quelle für die Zahlenangaben: fedidb.org/

    Schöne Grüße aus Bielefeld!
    Christian Pietsch

    Der Experte im Studio antwortete darauf, er sei in allen Sozialen Medien unterwegs, auch in Mastodon. Auf meine eigentliche Frage ging er nicht ein, soweit ich verstehen konnte. Er brachte dann nur noch den reichlich schrägen Vergleich, dass sich Mastodon zu den kommerziellen »Sozialen« Medien etwa so verhalte wie »eine europäische KI« zu einer amerikanischen.

    #WDR #WDR5 #Wiebicke #JürgenWiebicke #Digitalisierung #Digitalität #KI #Bullshit

  2. »Bei der Digitalisierung – so verstehe ich das jetzt – geht es wohl hauptsächlich darum, zu entscheiden: Kann KI denken oder nicht?«

    So äußerte sich heute ein Hörer der Sendung Das philosophische Radio auf WDR5. OK, eine Sendung kann nix dafür, was Anrufer sagen. Aber die Aussage ist symptomatisch dafür, wie die Begriffe Digitalisierung und »KI« z.Z. von Leuten verwendet werden, die nichts begreifen, aber unbedingt beim Bullshit-Bingo mitmachen wollen.

    So sehr ich Jürgen Wiebicke, den Moderator der Sendung, ansonsten schätze – diese Sendung hat uns nicht weitergebracht.

    Und das, obwohl er sogar große Teile der E-Mail vorgelesen hat, die ich gestern Abend eingesandt hatte:

    Liebe Frau Große,
    lieber Herr Wiebicke,

    ich habe eine Frage an Ihren Gast Prof. Dr. Daniel Martin Feige. In der Ankündigung der Sendung heißt es:

    »Wie geht nun eine Kritik dieser Prozesse und ihrer Wirkungen. Zum einen durch Reflexion und Klarheit: Die Mechanismen müssen deutlich werden – zum Beispiel der, dass in Sozialen Medien grundsätzlich kein rationaler Diskurs stattfindet.«

    Meinen Sie, dass in wirklich allen Sozialen Medien kein rationaler Diskurs stattfindet, ober bezieht sich diese Behauptung nur auf die kommerziellen? Es gibt auch nichtkommerzielle Soziale Medien. Haben Sie sich diese schon angeschaut?

    Viele dieser nichtkommerziellen Medienanbieter haben haben sich zum Fediverse zusammengeschlossen. Das wird von mehr als einer Million Menschen jeden Monat benutzt.[1] Ich betreibe zusammen mit Freund:innen zwei von mehr als 8000 Mastodon-Servern im Fediverse und behaupte, dass im Fediverse ein rationaler Diskurs stattfindet. Zumindest ab und zu.

    Das liegt zum einen daran, dass Fehlanreize wegfallen: Zum Beispiel kommt es nicht darauf an, möglichst provokante Beiträge zu schreiben, denn die Zeitleiste (d.h. die Liste der Beiträge der Konten, denen man folgt) ist chronologisch sortiert – wie früher bei Twitter. Außerdem hat jeder Server sein eigenes Moderationsteam, das die eigene Community gut kennt. Wenn ein Server nicht ordentlich moderiert wird, tauschen die anderen Server keine Nachrichten mehr mit ihm aus. So geschehen mit dem rassistischen Server Gab.

    Lassen Sie das Fediverse als Gegenbeispiel gelten, oder haben wir unterschiedliche Definitionen davon, was rationaler Diskurs ist?

    Quelle für die Zahlenangaben: fedidb.org/

    Schöne Grüße aus Bielefeld!
    Christian Pietsch

    Der Experte im Studio antwortete darauf, er sei in allen Sozialen Medien unterwegs, auch in Mastodon. Auf meine eigentliche Frage ging er nicht ein, soweit ich verstehen konnte. Er brachte dann nur noch den reichlich schrägen Vergleich, dass sich Mastodon zu den kommerziellen »Sozialen« Medien etwa so verhalte wie »eine europäische KI« zu einer amerikanischen.

    #WDR #WDR5 #Wiebicke #JürgenWiebicke #Digitalisierung #Digitalität #KI #Bullshit

  3. »Bei der Digitalisierung – so verstehe ich das jetzt – geht es wohl hauptsächlich darum, zu entscheiden: Kann KI denken oder nicht?«

    So äußerte sich heute ein Hörer der Sendung Das philosophische Radio auf WDR5. OK, eine Sendung kann nix dafür, was Anrufer sagen. Aber die Aussage ist symptomatisch dafür, wie die Begriffe Digitalisierung und »KI« z.Z. von Leuten verwendet werden, die nichts begreifen, aber unbedingt beim Bullshit-Bingo mitmachen wollen.

    So sehr ich Jürgen Wiebicke, den Moderator der Sendung, ansonsten schätze – diese Sendung hat uns nicht weitergebracht.

    Und das, obwohl er sogar große Teile der E-Mail vorgelesen hat, die ich gestern Abend eingesandt hatte:

    Liebe Frau Große,
    lieber Herr Wiebicke,

    ich habe eine Frage an Ihren Gast Prof. Dr. Daniel Martin Feige. In der Ankündigung der Sendung heißt es:

    »Wie geht nun eine Kritik dieser Prozesse und ihrer Wirkungen. Zum einen durch Reflexion und Klarheit: Die Mechanismen müssen deutlich werden – zum Beispiel der, dass in Sozialen Medien grundsätzlich kein rationaler Diskurs stattfindet.«

    Meinen Sie, dass in wirklich allen Sozialen Medien kein rationaler Diskurs stattfindet, ober bezieht sich diese Behauptung nur auf die kommerziellen? Es gibt auch nichtkommerzielle Soziale Medien. Haben Sie sich diese schon angeschaut?

    Viele dieser nichtkommerziellen Medienanbieter haben haben sich zum Fediverse zusammengeschlossen. Das wird von mehr als einer Million Menschen jeden Monat benutzt.[1] Ich betreibe zusammen mit Freund:innen zwei von mehr als 8000 Mastodon-Servern im Fediverse und behaupte, dass im Fediverse ein rationaler Diskurs stattfindet. Zumindest ab und zu.

    Das liegt zum einen daran, dass Fehlanreize wegfallen: Zum Beispiel kommt es nicht darauf an, möglichst provokante Beiträge zu schreiben, denn die Zeitleiste (d.h. die Liste der Beiträge der Konten, denen man folgt) ist chronologisch sortiert – wie früher bei Twitter. Außerdem hat jeder Server sein eigenes Moderationsteam, das die eigene Community gut kennt. Wenn ein Server nicht ordentlich moderiert wird, tauschen die anderen Server keine Nachrichten mehr mit ihm aus. So geschehen mit dem rassistischen Server Gab.

    Lassen Sie das Fediverse als Gegenbeispiel gelten, oder haben wir unterschiedliche Definitionen davon, was rationaler Diskurs ist?

    Quelle für die Zahlenangaben: fedidb.org/

    Schöne Grüße aus Bielefeld!
    Christian Pietsch

    Der Experte im Studio antwortete darauf, er sei in allen Sozialen Medien unterwegs, auch in Mastodon. Auf meine eigentliche Frage ging er nicht ein, soweit ich verstehen konnte. Er brachte dann nur noch den reichlich schrägen Vergleich, dass sich Mastodon zu den kommerziellen »Sozialen« Medien etwa so verhalte wie »eine europäische KI« zu einer amerikanischen.

    #WDR #WDR5 #Wiebicke #JürgenWiebicke #Digitalisierung #Digitalität #KI #Bullshit

  4. Claude Mythos, und drei Monate, die Anthropic in die erste Reihe katapultiert haben #9vor9

    Ein KI-Modell findet automatisch Sicherheitslücken in Software, die seit 27 Jahren im Einsatz ist – Lücken, die kein menschlicher Programmierer je entdeckt hatte, vollkommen ohne menschliche Interaktion. Als der Code von Claude Mythos, dem neuen Frontier-Modell* von Anthropic, Anfang April ins Netz gelangte, war das keine Randmeldung. Claude Mythos ist genau das: ein System, das Fähigkeiten demonstriert, die bislang als ausschließlich menschlich galten. Anlass genug für Lars und mich, in Folge 206 von #9vor9 darüber zu sprechen – auch wenn wir keine Programmierer sind.

    https://youtu.be/qIqYCmLQLlc

    https://9vor9.podigee.io/206-anthropic-claude-mythos-ai

    Die Aufregung ist und war groß. Der US-Finanzminister und die führenden US-Banken, EZB, die BaFin und der deutsche Bankenverband berieten in Dringlichkeitssitzungen über systemische Cyberrisiken durch die neue KI-Generation. Anthropic hat mit Project Glasswing reagiert und das Modell einem exklusiven Konsortium aus rund 40 Partnern – darunter Apple, Microsoft, Google, JPMorganChase und die Linux Foundation – zur Verfügung gestellt, damit die „guten Akteure“ einen Vorsprung beim Schließen der Lücken bekommen. Das BSI hat Kontakt zu Anthropic aufgenommen: BSI-Präsidentin Claudia Plattner erklärte, man nehme die Ankündigungen „sehr ernst“ – die Entwicklung werfe Fragen der nationalen und europäischen Sicherheit und Souveränität auf.

    Echter Alarm oder PR-Kalkül kurz vor dem Börsengang?

    Dieser Tage stand dann plötzlich eine andere Frage im Raum, die Lars und ich nicht ignorieren wollten: Ist das alles womöglich ein sorgfältig inszenierter PR-Gag? Anthropic steht kurz vor dem Börsengang, mit einer Bewertung von bis zu 800 Milliarden Dollar. Die Dramatik rund um Claude Mythos – der Leak, die Dringlichkeitssitzungen, die exklusive Partnerliste – kommt zu einem verdächtig günstigen Zeitpunkt. Lars hatte die Frage gestellt, aber auch die Antwort recherchiert: Sicherheitsexperten, die daraufhin befragt wurden, sind überwiegend der Meinung, dass die Bedrohung real ist und so ernst genommen werden muss, wie sie dargestellt wird. Das schließt PR-Kalkül nicht aus. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Und ein gutes Timing für Schlagzeilen kurz vor einem Börsengang ist in dieser Branche kein Zufall.

    Von QuitGPT bis Claude Mythos: Die Ereignisse hinter dem Anthropic-Hype

    Januar 2026 – Das Nutzerwachstum explodiert. Die täglich aktiven Nutzer verdreifachen sich in kürzester Zeit. Gleichzeitig wird bekannt, dass Anthropic Eingaben standardmäßig zum Modelltraining verwendet – wer das nicht will, muss aktiv widersprechen.

    20. Februar – Anthropic veröffentlicht Claude Code Security als Research Preview. Das Tool findet Sicherheitslücken, die herkömmliche Werkzeuge übersehen. Die Ankündigung schickt Cybersecurity-Aktien wie CrowdStrike und Okta auf Talfahrt.

    23. Februar – Ein schwarzer Tag für IBM: Nach der Vorstellung von Claude-Werkzeugen zur Modernisierung von COBOL-Systemen bricht der Kurs um über 13 Prozent ein. Der Markt sieht das Einsparpotenzial gegenüber teuren Beraterheerscharen.

    26. Februar – Der Pentagon-Clash: CEO Dario Amodei lehnt einen Millionenvertrag für militärische Massenüberwachung und autonome Waffen ab. Das Pentagon setzt Anthropic daraufhin als „Risiko für die nationale Lieferkette“ auf eine Blacklist. OpenAI übernimmt den Vertrag.

    Anfang März – Die QuitGPT-Bewegung erreicht ihren Höhepunkt: Über vier Millionen Nutzer kündigen bei OpenAI, nachdem dieses den Militärvertrag übernimmt. Claude stürzt ChatGPT vom Thron und wird die Nummer 1 im US App Store.

    23. März – Computer Use: Claude kann nun aktiv Mauszeiger und Tastatur eines Macs steuern, um komplexe Aufgaben autonom zu erledigen.

    26. März – Anthropic führt neue Usage Limits ein. In den europäischen Stoßzeiten zwischen 14 und 20 Uhr wird das Sitzungslimit deutlich schneller verbraucht.

    31. März 2026 – Anthropic veröffentlichte versehentlich den kompletten Quellcode von Claude Code – dem Agentic-Tool – über das npm-Paketregister. Rund 500.000 Zeilen Code in 1.900 Dateien.

    7. April – Claude Mythos wird vorgestellt. Das Frontier-Modell findet autonom eine 27 Jahre alte Lücke im OpenBSD-Kernel und erreicht bei der Exploit-Generierung für Firefox eine Erfolgsquote von 72,4 Prozent.

    April (zeitgleich) – Start von Project Glasswing: Anthropic beschränkt den Zugang zu Claude Mythos auf rund 40 Partner, um Missbrauch zu begrenzen und den guten Akteuren einen Vorsprung zu verschaffen.

    15. April – Berichte über eine potenzielle 800-Milliarden-Dollar-Bewertung kursieren. Anthropics jährliche Umsatz-Run-Rate überschreitet mit 30 Milliarden Dollar erstmals die von OpenAI.

    16. April – EZB, BaFin und der deutsche Bankenverband beraten in Dringlichkeitssitzungen über die systemischen Cyberrisiken der neuen KI-Generation.

    Oktober 2026 (geplant) – Vorbereitungen für den Börsengang konkretisieren sich.

    Exploits, Zero-Days, C und C++: Warum jahrzehntealter Code zur globalen Schwachstelle wird

    Wer mit den Begriffen nicht täglich umgeht, braucht hier kurz einen Anker. Ein Exploit ist ein Angriffswerkzeug: Code, der eine Sicherheitslücke gezielt ausnutzt, um in ein System einzudringen, Daten zu stehlen oder Kontrolle zu übernehmen. Zero-Days sind Lücken, die dem Hersteller noch nicht bekannt sind – und für die es deshalb noch keinen Patch gibt: null Tage Reaktionszeit, null Gegenwehr. N-Days hingegen sind Lücken, die zwar bereits bekannt und theoretisch gepatcht wurden, aber in der Praxis noch in ungezählten ungepatchten Systemen schlummern.

    Warum stecken diese Lücken überhaupt in Software, die seit Jahrzehnten im Einsatz ist? 80 Prozent der kritischsten Systeme – Betriebssysteme, Virtual Machine Monitore, Browser – basieren historisch auf speicherunsicheren Sprachen wie C und C++. Das ist das Eisbergproblem der digitalen Infrastruktur: Oben sehen wir moderne Oberflächen und sauber designte Apps, darunter schlummern Millionen von Codezeilen aus einer anderen Ära, eingebettet in schiere Komplexität, nie vollständig auf Sicherheitslücken geprüft. Kein Mensch kann diesen Eisberg alleine durchtauchen. Claude Mythos tut es automatisch – und das ist sowohl die gute als auch die beunruhigende Nachricht.

    Die Zeitleiste und dieser technische Hintergrund zeigen zweierlei: Anthropic ist in bemerkenswert kurzer Zeit von einem KI-Unternehmen, das Lars und ich kaum auf dem Radar hatten, zum Taktgeber einer ganzen Branche geworden. Und die Ereignisse sind kein zufälliges Rauschen – sie folgen einer Logik, die man sowohl bewundern als auch skeptisch beäugen kann.

    Lars hat im Gespräch die entscheidende Vergleichsfrage gestellt: Was wäre eigentlich passiert, wenn Grok von Elon Musk oder OpenAI Claude Mythos in den Händen gehalten hätten? Seine Antwort war knapp und trocken – die würden das dann wahrscheinlich einfach online stellen und dann mal sehen, was passiert.

    Der Pentagon-Clash macht den Unterschied sichtbar: CEO Dario Amodei lehnte einen Millionenvertrag für militärische Massenüberwachung und autonome Waffen ab. Das Pentagon setzte Anthropic daraufhin als „Risiko für die nationale Lieferkette“ auf eine Blacklist. OpenAI übernahm den Vertrag. Das sagt mehr als jedes Leitbild.

    Wer hat Anthropic gegründet – und warum haben sie OpenAI verlassen?

    Um zu verstehen, warum Anthropic so anders klingt als die Konkurrenz, lohnt ein Blick auf die Gründungsgeschichte. Dario Amodei verließ OpenAI im Dezember 2020 gemeinsam mit seiner Schwester Daniela und einer Handvoll weiterer Mitarbeiter – nicht wegen schlechter Bezahlung oder fehlender Perspektive, sondern aus echtem Dissens. Dario lehnte das Großinvestment von Microsoft in OpenAI ab und wollte KI-Sicherheit konsequenter in den Mittelpunkt stellen. Gemeinsam zogen sie mindestens neun weitere OpenAI-Mitarbeiter mit, die ihre Vision teilten. Das ist die Gründungserzählung, auf der Anthropics Anspruch basiert. Ob sie trägt, wenn Amazon, Google, Microsoft und Nvidia auf der Investorenliste stehen und ein Börsengang vor der Tür steht – das ist die eigentliche Frage.

    Lars hat bei #9vor9 auch das Gründungsdokument von Anthropic zitiert: „Development of superhuman machine intelligence is probably the greatest threat to the continued existence of humanity.“ Und sofort die Folgefrage, die sitzt: Wenn Menschen, die so etwas sagen, vollkommen unreguliert arbeiten dürfen – ist das nicht genau das Problem? In den USA ist KI-Regulierung unter der aktuellen Administration kein ernstes Thema. Es gibt keine Leitplanken, keine Aufsicht mit echten Zähnen. Lars hat das klar ausgesprochen: „Ich möchte mich nicht auf das ethische Gewissen einzelner Tech Bros verlassen müssen.“ Ich auch nicht.

    Autonome KI und meine Daten: Kreditkarte, Pass, Gesundheitsakte

    Ich nutze Claude seit Wochen intensiv und habe meine ausführlichen Erfahrungen – von Claude Cowork über DSGVO-Realität bis zur Investorenstruktur – in einem separaten Blogbeitrag beschrieben. Mein Fazit dort war: beeindruckendes Werkzeug. Das gilt nach wie vor. Die autonomen Agenten auf dem Mac habe ich bewusst nur mit harmlosen Aufgaben erprobt – weiter werde ich auch wahrscheinlich nicht gehen, weil das dann schon ein bisschen zu spooky ist. Und dieses Unbehagen teilen Lars und ich ausdrücklich.

    Denn reden wir konkret darüber, was heute technisch möglich ist: Ein autonomer KI-Agent kann Reisen buchen – und braucht dafür meine Kreditkartendaten. Er kann meine Steuererklärung vorbereiten – und braucht dafür meine Bankdaten, meine Spesenabrechnungen, meine Lohnzettel. Er kann meinen Pass scannen und verarbeiten, inklusive der biometrischen Daten, die darin stecken. Er kann meine Gesundheitsdaten lesen, um Versicherungen zu vergleichen oder Arzttermine zu buchen.

    Das ist kein Science-Fiction. Das ist heute möglich. Die Frage ist nicht, ob die Technik das kann. Die Frage ist: Was passiert mit diesen Daten? An wen fließen sie weiter? Wer hat am Ende die Kontrolle – ich, oder ein System, das autonom handelt und dessen Entscheidungswege ich nicht vollständig nachvollziehen kann? Systeme, die autonom handeln, können eben auch autonom Schaden anrichten. Lars und ich sind keine Maschinenstürmer. Aber wir sind auch keine unkritischen Enthusiasten. Und das sollte man auch nicht sein.

    Am Ende unseres Gesprächs hat Lars den Punkt gesetzt: „Es ist halt offensichtlich ein sehr kritischer Zeitpunkt gerade, was KI, Wirkung von KI, KI-Entwicklung angeht. Muss man jetzt auch nicht drumrum reden.“ Nein, muss man nicht. Was man aber festhalten muss: Anthropic ist kein Heilsversprechen. Amazon, Google, Microsoft und Nvidia sitzen wie erwähnt auf der Investorenliste, der Börsengang steht an.

    Ist Anthropic wirklich die ethische KI-Alternative – oder Angst-Marketing vor dem Börsengang?

    Die Kernfrage stellt sich weiter: Ist Anthropic die erwachsene, ethische Alternative? Oder nutzt das Unternehmen Angst-Marketing so geschickt, wie OpenAI einst Hype-Marketing betrieben hat? Die Antwort kennen wir noch nicht. Was wir kennen, sind historische Beispiele. Google hatte einmal „Don’t be evil“ als Leitspruch. Es war mehr als ein Slogan – es war ein Versprechen, das lange geglaubt wurde. Bis es leise verschwand. Beobachten wir kritisch, ob Anthropic einen anderen Weg geht.

    * Frontier-Modelle sind die jeweils leistungsfähigsten KI-Systeme an der vordersten Entwicklungsfront – Modelle, die neue Maßstäbe setzen, bevor die Welt weiß, wozu sie fähig sind.

    Anthropic_Disruption_(2)Herunterladen #9vor9 #allgemein #Amazon #Anthropic #books #chatgpt #Claude #CyberSecurity #DSGVO #ElonMusk #EU #Google #KI #KIAgenten #Microsoft #Trump #USA #Wirtschaft
  5. Das Große Nerdlicht-Abecedarium: A

    Ein #Abecedarium ist eine muntere alphabetisch sortierte Auflistung von Begriffen – im Grunde ein kleines Lexikon, das sich nicht allzu ernst nehmen muss. Wie geschaffen für eine #Blog-Rubrik. Lest und bestaunt also das Große Nerdlicht-Abecedarium!

    Diesmal zum Buchstaben A wie

    Aborea

    Das Tischrollenspiel #Aborea vom 13Mann-Verlag hat im Jahre 2011 das Licht der Welt erblickt. Aufgrund meiner damals noch sehr ausgeprägten #Rollenspiel-Begeisterung habe ich die Box sogleich erworben – gespielt habe ich es freilich erst sieben Jahre später.

    Abrafaxe, die

    Die Geschichten der drei zeitreisenden Abenteurer Abrax, Brabax und Califax erscheinen bereits seit den 70er Jahren im Comicmagazin Mosaik, das wiederum schon seit den 50ern am Start ist – zunächst mit den Vorgängern der #Abrafaxe, den Digedags. Die einstige DDR-Heftreihe hat recht nahtlos die Wiedervereinigung überdauert und dürfte damit inzwischen die am längsten laufende noch existierende Comicreihe des Landes sein.

    Trotz Westbiografie lese ich diese Abenteuer seit einigen Jahren sehr gern und zwar mit wachsender Regelmäßigkeit und Begeisterung. Die Geschichten sind stets spannend, einfalls- und lehrreich und zudem hervorragend gezeichnet. Inzwischen zähle ich sogar zum illustren Kreise der Abonnenten.

    Ace Kaisers Blog

    Mein guter alter Kumpel Ace Kaiser startete seine Seite im Jahre 2008, seitdem hat sie ihren festen Platz in meiner Blogroll. Anno 2017 bedachte ich sie im Rahmen meiner BlogCommentChallenge mit zehn Kommentaren. Leider berichtet er in letzter Zeit fast nur noch über die aktuellen Zugriffszahlen auf seine Geschichten. Die sind selbstverständlich allesamt sehr lesenswert – ich vermisse dennoch seine anderen Artikel.

    ActivityPub

    Das WordPress-Plugin ActivityPub sorgt dafür, dass dieses Blog Bestandteil des #Fediverse ist. Es funktioniert tatsächlich sehr einfach: Installieren, Aktivieren – und schon könnt ihr auch euer Blog bei #Mastodon und Co. finden. Na gut, ein paar Einstellungen muss man schon vornehmen, ist aber alles sehr schlicht und selbsterklärend gehalten. Und ich finde, es lohnt sich. die Reichweite und vor allem Interaktion haben sich seither merklich gesteigert. Und schließlich sollten wir alle ins Fediverse gehen.

    AFOL

    Das Kürzel AFOL steht für „Adult Fan of #Lego“. Tja, damit bin wohl ich gemeint. Schuldig im Sinne der Anklage. Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Allgemeine Altpapiersammlung (AAPS)

    Zwischen den Jahren 2012 und 2015 rief der wunderbare Herr Owley die Blogosphäre alljährlich zur Allgemeinen Altpapiersammlung – kurz AAPS – auf. Im Rahmen der Aktion sollten stets zehn eigene Blogartikel aufgelistet werden, die in dem betreffenden Jahr zu wenig oder gar keine Aufmerksamkeit erhalten haben. Ich mochte die Aktion und war wie viele andere immer dabei.

    Ab 2016 fehlten dem Herrn Owley Zeit und Muße, die Aktion fortzuführen. Da ich immer recht eifrig dabei war, bot er mir an, sie zu übernehmen. Das tat ich gern – und fuhr sie sogleich gegen die Wand. Meinem Aufruf folgte kaum jemand und so fand die AAPS nach fünf Jahren ihr Ende. Aufgrund kaputter Links und aus anderen Gründen habe ich die entsprechenden Beiträge inzwischen von meinem Blog entfernt.1 Lediglich mein Rückblick auf das Jahr 2016 im Zuge meines zehnjährigen Blogjubiläums zeugt noch davon.

    Amalgam Comics

    In den Jahrzehnten ihres Bestehens ist es schon häufiger vorgekommen, dass sich die Superhelden der konkurrierenden Verlage #Marvel und #DC in Crossovergeschichten begegnen, bekämpfen und/oder gemeinsame Abenteuer erleben. Am intensivsten – und für mich am prägendsten – ist das vermutlich in den 90er Jahren im Rahmen der Marvel vs. DC Reihe und den daraus resultierenden Amalgam #Comics durchgespielt worden. Wie der Name schon andeutet, ist die Besonderheit, dass die beiden Superheldenuniversen und ihre Protagonisten miteinander verschmelzen. Ein paar der Hefte hatte ich damals und sie sind mir immer in guter Erinnerung geblieben.

    Umso größer war anno 2014 meine Freude, als ich sie auf dem Tisch eines einschlägigen Händlers wiederentdeckte. Ich nahm dies zum Anlass, meine Sammlung zu komplettieren, um die großartigen Geschichten um Super Soldier, Dark Claw und Spider-Boy erneut – und diesmal in voller Gänze – genießen zu können.

    Anders Norén

    Anders Norén ist ein Entwickler aus Schweden, der unter anderem sehr schöne #WordPress-Themes bastelt und kostenfrei zur Verfügung stellt. Darunter das von mir genutzte Lingonberry.

    An der Ulze

    Im Jahre 2011 hatte ich mir ganz kurz in den Kopf gesetzt, es als Regionalblogger zu versuchen. Das Ganze sollte unter dem Titel „An der #Ulze“ laufen. Aus nostalgischen Gründen habe ich einen Artikel aus dieser Zeit behalten.2

    Andres Radio

    Die Sendung Andres Radio genießt unter Kennern längst Legendenstatus. Einst im Freien Radio Kassel beheimatet, wurde sie nach dem Umzug ihres Anchormans einmal im Monat in Hamburgs Bürger:innensender TIDE.radio ausgestrahlt. Ich hatte einige Male die Freude und die Ehre, bei Andres Radio zu Gast zu sein. Inzwischen pausiert das Format leider – gut informierte Kreise wissen aber zu berichten, dass Andres an einem spannenden Nachfolge-Konzept werkelt.3

    Anime

    Die Kunstform #Anime habe ich viel zu lange sträflich vernachlässigt. Was aber den Vorteil hat, dass ich viele Perlen daraus noch entdecken kann. Inzwischen habe ich unter anderem die meisten Ghibli-Sachen, Cowboy Bebop und Vinland Saga nachgeholt. Ich freue mich auf mehr – nicht zuletzt wegen der oft großartigen Titelsongs.

    Asterix

    Von klein auf zählen die Abenteuer des listigen Galliers zu meinen absoluten Lieblingscomics. Auch als derart treuer Fan kommt man nicht umhin, die Abenteuer mindestens in drei Phasen zu unterteilen: die GoscinnyUderzo-Phase, die Uderzo-Phase und die FerriConradCarro-Phase.4 Und natürlich – sorry: latürnich – war unter Goscinny alles am besten. Ich finde aber, dass gerade die aktuellen Alben wieder sehr lesenswert sind – und sooo schlecht fand ich die reinen Uderzo-Geschichten auch nie. Im Übrigen solltet ihr euch alle mal die interaktive Asterix-Zeitleiste des deutschen Asterix-Archivs anschauen.

    Astronomie

    So lange ich denken kann, bin ich von den Sternen fasziniert. Die entsprechenden Was-ist-Was-Bücher waren stets meine Lieblingslektüre und ich habe begeistert durch das Teleskop geschielt, das mir meine Eltern geschenkt haben. Viel mehr als gelegentliche hobbymäßige #Astronomie ist es bei mir zwar nie geworden – dennoch hält die Faszination bis heute an. So lausche ich regelmäßig den einschlägigen Podcasts und orientiere mich mit praktischen Apps am Nachthimmel. Seit meinem 50. Geburtstag ist auch wieder ein Teleskop am Start.

    Ausgespielt

    #Ausgespielt – der (nicht nur) Rollenspielpodcast war einst ein strahlender Stern am #Podcast-Himmel. Von 2008 bis 2022 wurde hier in wechselnder Besetzung über allerlei nerdiges Zeug geplaudert, wie der Untertitel andeutet mit einem deutlichen Schwerpunkt auf Pen&Paper-Rollenspiel. Bis 2015 war auch ich stolzes Mitglied im Ausgespielt-Team, habe mich dann aber aus Termingründen absentiert. Im Übrigen können alle Ausgespielt-Folgen noch immer gelauscht werden.

    A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z

    ––––––––––––
    1. Bloghygiene. So wichtig.[↑]
    2. und sogar vier Jahre später nachgefasst[↑]
    3. April April! Oder doch nicht?[↑]
    4. Sollte man den Wechsel der Autorenschaft von Ferri auf Carro unterteilen? Ich bin mir noch nicht sicher.[↑]
    #Abecedarium #Aborea #Abrafaxe #Anime #Astronomie #Ausgespielt #Blog #Comics #DC #Fediverse #Lego #Marvel #Mastodon #Podcast #Rollenspiel #Ulze #WordPress
  6. Das TIB AV-Portal im Jahr 2025: neue Infrastruktur, KI-gestützte Medienanalyse und Audio-Only

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    Wie in den vergangenen Jahren möchten wir auch diesmal einen Überblick über die wichtigsten technischen und funktionalen Erweiterungen des TIB AV-Portals geben. Das Scrum-Team hat 2025 erneut zahlreiche Verbesserungen umgesetzt, die sowohl die infrastrukturelle Basis als auch die Nutzungsmöglichkeiten des Portals ausgebaut haben.

    Einige dieser Entwicklungen gehen direkt auf Rückmeldungen und konkrete Anforderungen aus der Nutzerschaft zurück. Für manche Leserinnen und Leser dürfte dieser Rückblick daher nicht nur informativ, sondern auch persönlich interessant sein – vielleicht entdecken Sie an der einen oder anderen Stelle eine Funktion, deren Umsetzung Sie selbst angeregt haben.

    Vom externen Hosting zur eigenen Infrastruktur

    Mit der vollständigen Migration der Video- und Audioauslieferung auf Server der TIB im Januar 2025 hat das AV-Portal einen bedeutenden infrastrukturellen Entwicklungsschritt vollzogen. Wo zuvor einzelne Komponenten für Streaming, Download und Bereitstellung über externe Drittsysteme liefen, erfolgen diese Prozesse nun vollständig über die Infrastruktur der TIB. Auch die Begleitmaterialien – etwa Präsentationen, Skripte, Forschungsdaten oder zusätzliches Lehrmaterial – werden mittlerweile direkt an der TIB gehostet.

    Durch den Betrieb auf eigenen Servern kontrolliert die TIB nicht nur die technischen Abläufe, sondern auch die damit verbundenen Datenflüsse, Speicherorte und Sicherheitsstandards. Externe Abhängigkeiten, etwa in Bezug auf Verfügbarkeiten oder Service Levels, konnten damit weiter reduziert werden. Frei nach der Devise: Wissenschaftliche Daten gehören in wissenschaftliche Infrastruktur – und zwar unter Bedingungen, die den Anforderungen von Forschung, Lehre und Open Science gerecht werden.

    Adaptives Streaming mit MPEG-DASH

    Ebenfalls seit Januar 2025 erzeugen wir adaptive Derivate im MPEG-DASH-Format. Dadurch lässt sich die Qualität eines Videos während der Wiedergabe dynamisch an die verfügbare Internetbandbreite der Nutzerin anpassen. Statt ein einziges, statisch kodiertes Video auszuliefern, stellt das AV-Portal mehrere Qualitätsstufen bereit, zwischen denen der Player automatisch wechselt.

    Das Ergebnis ist ein deutlich stabileres Streaming-Erlebnis: Verzögerungen, Ruckler oder Bildabbrüche werden reduziert, während gleichzeitig stets die bestmögliche Auflösung genutzt wird. Zugleich sinkt die Datenlast, da nicht mehr unnötig große Dateien übertragen werden, wenn die individuelle Verbindung dies gar nicht zulässt. MPEG-DASH bildet damit einen wichtigen Schritt in Richtung einer modernen, skalierbaren Streaming-Infrastruktur.

    Diverse Qualitätsstufen für adaptives Streaming

    Höhere Auflösungen für wissenschaftliche Inhalte

    Seit April 2025 erzeugen wir auch Auflösungen jenseits von Full HD. Dazu gehören unter anderem hochwertige Neuabtastungen aus einem Digitalisierungsprojekt, die mit einer Auflösung von 2048×1536 Pixeln vorliegen und damit sichtbar mehr Details bieten als herkömmliche HD-Formate.

    Darüber hinaus stehen inzwischen zahlreiche Videos in 4K-Qualität zur Verfügung, die besonders bei visuellen Darstellungen, Animationen und komplexen wissenschaftlichen Inhalten ihre Stärken ausspielen.

    Unterstützung für reine Audiodateien

    Seit der Live-Schaltung von MPEG-DASH können im AV-Portal nicht nur Audiostreams als Teil von Video-Derivaten erzeugt werden, sondern erstmals auch echte Audioformate. Damit erweitert sich das Nutzungsspektrum des Portals deutlich: Neben klassischen Videoinhalten lassen sich nun auch reine Audioquellen – etwa Interviews, Podcasts, Vorträge oder Tonaufzeichnungen aus Forschungsprojekten – hochladen, analysieren und als separate Medienressourcen bereitstellen.

    Audiobeitrag mit durchsuchbarem Transkript

    Um reine Audiodateien zuverlässig verarbeiten zu können, nutzt das AV-Portal ein einheitliches technisches Verfahren. Dabei wird aus einer hochgeladenen Datei der Audioteil automatisch extrahiert und in das Format M4A umgewandelt – ein weit verbreiteter Standard, der auf vielen Geräten problemlos abgespielt werden kann.

    Mit dieser Erweiterung unterstützt das AV-Portal nun nicht mehr nur Videos, sondern auch Audioformate – und wird damit zu einer Plattform für wissenschaftliche Ton- und Bildinhalte.

    Flexibler und erweiterter Upload-Prozess

    Mit der jüngsten Weiterentwicklung der Upload-Funktion können nun deutlich größere Dateien direkt über das Upload-Formular des AV-Portals hochgeladen werden. Möglich wird dies durch einen neuen Übertragungsprozess, der große Dateien automatisch in kleinere Datenpakete aufteilt und schrittweise überträgt. Dank dieses sogenannten „Chunked-Uploads“ lassen sich Videodateien mit einer Größe von bis zu 10 GB zuverlässig hochladen.

    Zudem wurde der Ablauf flexibler gestaltet: Nutzer können nun zunächst ihre Videodatei auswählen und parallel dazu die Metadaten im Formular eintragen. Auf diese Weise lassen sich mögliche Wartezeiten während des Upload-Prozesses sinnvoll nutzen.

    Abgerundet wird die Erweiterung durch zusätzliche Upload-Optionen: Neben dem Video oder Audio können jetzt auch eigene Transkripte sowie Vorschaubilder mitgeliefert werden.

    OpenCLIP für präzise Bildinhaltsanalyse

    Um visuelle Inhalte in wissenschaftlichen Videos gezielter auffinden zu können, haben wir im TIB AV-Portal eine neue Generation der bildbasierten Suche implementiert. Als technologisches Fundament dienen OpenCLIP-Vektoren, die wir für sämtliche Videoframes berechnet haben.

    Auf dieser Basis entstand ein Prototyp für Zero-Shot-Suchanfragen, der beliebige Texteingaben – auch in verschiedenen Sprachen – direkt mit den Bildinhalten abgleicht. Bereits dieser erste Prototyp zeigte eindrucksvoll, dass selbst komplex formulierte Suchbegriffe geeignete Bildinhalte zurückliefern können.

    Im Anschluss daran haben wir das VCD-Labelling grundlegend erneuert. Hierfür wurde eine kuratierte Liste visueller Konzepte erstellt, die sowohl bestehende als auch neu definierte Kategorien umfasst – etwa „chemisches Experiment“, „Mikrophotographie“ oder „Roboter“. Für jedes der derzeit 86 Konzepte formulierten wir spezifische Prompts und generierten daraus Textvektoren. Anhand von Schwellwerten, die mit Hilfe einer manuellen Ground Truth festgelegt wurden, ließ sich bestimmen, ab wann ein Konzept im Bildmaterial als erkannt gilt. Zusätzlich wurden die visuellen Konzepte mit Sachbegriffen aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) verknüpft.

    Für die Nutzung des Portals bedeutet dies: Der gesamte Videobestand kann mithilfe dieser visuellen Konzepte gefiltert werden. Außerdem lassen sich auf den Detailseiten die erkannten Konzepte über Sprungmarken punktgenau ansteuern.

    Suche im Bildinhalt mit Sprungmarken

    Der vielleicht größte Fortschritt besteht jedoch darin, dass das Scrum-Team nun selbst jederzeit neue VCD-Konzepte bestimmen und unmittelbar ins Portal integrieren kann. Da die zugrunde liegende Open-Source-Software OpenCLIP vollständig auf TIB-Servern betrieben wird, verbleiben sämtliche Daten und Prozesse unter unserer Kontrolle. Damit ist ein erster Meilenstein erreicht; weitere OpenCLIP-basierte Funktionen sind bereits in Vorbereitung.

    Verbesserte Anzeige der GND-Annotationen

    Im AV-Portal werden Sprache, eingeblendete Texte und visuelle Inhalte automatisch mit Sachbegriffen der GND angereichert. Diese Annotationen präsentieren wir auf den Detailseiten nun deutlich übersichtlicher: Statt einer verstreuten Darstellung erscheint dort eine alphabetisch sortierte Liste aller erkannten Entitäten, die sich zudem gezielt durchsuchen und nach Sprache, Text oder Bild filtern lässt.

    Annotationen von Sprache, Text und Bild

    Mit einem Klick auf einen Eintrag lässt sich direkt nachvollziehen, an welchen Stellen im Video der entsprechende Begriff vorkommt – die Treffer werden übersichtlich in der Zeitleiste hervorgehoben. Auf diese Weise können Nutzer unmittelbar zu den relevanten Szenen springen, ohne mühsam durch das gesamte Video navigieren zu müssen.

    Neue Untertitel-Segmentierung für bessere Lesbarkeit

    Um die Qualität der Untertitel im AV-Portal weiter zu verbessern, haben wir eine neue Segmentierung der Whisper-Transkripte eingeführt. Diese basiert auf OpenNLP, einem Open-Source-Toolkit für die automatische Verarbeitung natürlicher Sprache, und berücksichtigt nicht nur Satzzeichen, sondern auch Wortarten und natürliche Sprachpausen.

    Ergänzend dazu kommt ein Look-Ahead-Algorithmus zum Einsatz, der innerhalb eines Vorschaufensters von 150 Zeichen den optimalen Trennpunkt für den nächsten Cue, eine zeitlich abgegrenzte Untertitel-Einheit, ermittelt.

    Im Unterschied zu einfachen heuristischen Verfahren bewertet der Algorithmus nicht nur die aktuelle, sondern alle nachfolgenden möglichen Trennstellen und maximiert so die Gesamtqualität des Untertitelumbruchs. Auf diese Weise lassen sich unnatürlich kurze Segmente – etwa einzelne Wörter am Ende einer Untertitelzeile – zuverlässig vermeiden. Damit verbessern wir die Lesbarkeit der Untertitel für eine barrierefreie Nutzung und schaffen zugleich die Grundlage für eine mögliche Text-to-Speech-Funktionalität.

    Präziseres Teilen und Zitieren von Videoinhalten

    Mit den jüngsten Releases haben wir die Funktionen zum Teilen und Zitieren von Videos erweitert und flexibler gestaltet. Im Teilen-Dialog lässt sich nun ein optionaler Startzeitstempel hinzufügen, sodass sich Videoinhalte gezielt ab einer bestimmten Stelle wiedergeben lassen; dieselbe Möglichkeit steht auch für den Embed-Code zur Verfügung. Zudem wurde der Zitieren-Dialog erweitert: Der Zeitstempel eines Segments kann dort je nach Bedarf ein- oder ausgeblendet werden. Im Zuge dieser Neuerungen haben wir den Teilen-Dialog überarbeitet und seine Struktur so angepasst, dass sich die Funktionen insgesamt intuitiver nutzen lassen.

    Teilendialog mit Startzeitstempel für den Embed Code

    Bereitstellung von Metadaten als Open Data

    Die TIB fördert die Nutzung und Sichtbarkeit ihrer audiovisuellen Bestände, indem sie die Metadaten des AV-Portals als Open Data veröffentlicht. Einmal pro Woche werden die Metadaten und Vorschaubilder all jener Videos automatisch bereitgestellt, für die dies rechtlich möglich ist. Auf unserer Open-Data-Seite stehen die Daten in zwei Formaten zur Verfügung: JSONL für die performante Verarbeitung großer Datenmengen sowie Turtle als RDF-Format für den Einsatz in semantischen Anwendungen und Linked-Data-Umgebungen.

    Integration ausgewählter Metadaten in die MP4-Datei

    Metadaten wie Titel, Autor und der Link zur Detailseite wurden in die herunterladbare MP4-Datei integriert. Die Informationen bleiben damit auch dann erhalten, wenn das Video lokal gespeichert, weitergegeben oder in anderen Anwendungen geöffnet wird. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, woher das Video stammt und welche Quelle zitiert werden sollte – ganz ohne zusätzliche Notizen oder manuelle Recherche.

    Einblendung der in den Download integrierten Metadaten im VLC-Player

    Ausblick für 2026

    Stella als Evaluierungsrahmen für Videoempfehlungen

    Stella ist eine Living-Lab-Infrastruktur zur Evaluation experimenteller Retrieval- und Empfehlungssysteme mit echten Nutzern; das TIB AV-Portal dient in diesem Projekt als Produktpartner. 2025 haben wir die technischen Grundlagen für den Einsatz von Stella im Portal geschaffen, die Liveschaltung ist für das kommende Jahr geplant.

    Mit Hilfe von Stella können verschiedene Empfehlungsalgorithmen per Interleaved-A/B-Tests direkt im Portal verglichen werden: Nutzer sehen abwechselnd Videoempfehlungen aus unserem bisherigen Ansatz (Solr MoreLikeThis) und aus experimentellen Recommendern. Die daraus resultierenden Klicks dienen als anonymisiertes Feedback. So lässt sich empirisch ermitteln, welcher Algorithmus im realen Nutzungskontext bessere Empfehlungen liefert.

    Die Forschungsgruppe Visual Analytics der TIB wird in Zukunft weitere Recommender-Experimente entwickeln und bereitstellen, sodass wir alle notwendigen Komponenten im Haus haben, um das Empfehlungssystem kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

    Promptbasierte Bildsuche im AV-Portal

    Aufbauend auf den OpenCLIP-Entwicklungen des Jahres 2025 arbeiten wir daran, 2026 eine vollwertige Bildsuche im AV-Portal zu realisieren. Künftig sollen Nutzer nicht mehr nur nach vordefinierten visuellen Konzepten filtern, sondern mit frei formulierten Texteingaben (Zero-Shot-Suchen) direkt im Bildinhalt unserer Videos recherchieren können. Unsere aktuellen Überlegungen zielen darauf ab, diese promptbasierte Suche sowohl portalweit als auch auf den Detailseiten der Videos anzubieten. Auf diese Weise würde ein neuartiger Zugang zu wissenschaftlichen Videos entstehen, bei dem visuelle Inhalte ebenso intuitiv und präzise durchsuchbar wären wie Text.

    #LizenzCCBY40INT #TIBAVPortal #wissenschaftlicheFilme #wissenschaftlicheVideos

  7. Das TIB AV-Portal im Jahr 2025: neue Infrastruktur, KI-gestützte Medienanalyse und Audio-Only

    read this article in English

    Wie in den vergangenen Jahren möchten wir auch diesmal einen Überblick über die wichtigsten technischen und funktionalen Erweiterungen des TIB AV-Portals geben. Das Scrum-Team hat 2025 erneut zahlreiche Verbesserungen umgesetzt, die sowohl die infrastrukturelle Basis als auch die Nutzungsmöglichkeiten des Portals ausgebaut haben.

    Einige dieser Entwicklungen gehen direkt auf Rückmeldungen und konkrete Anforderungen aus der Nutzerschaft zurück. Für manche Leserinnen und Leser dürfte dieser Rückblick daher nicht nur informativ, sondern auch persönlich interessant sein – vielleicht entdecken Sie an der einen oder anderen Stelle eine Funktion, deren Umsetzung Sie selbst angeregt haben.

    Vom externen Hosting zur eigenen Infrastruktur

    Mit der vollständigen Migration der Video- und Audioauslieferung auf Server der TIB im Januar 2025 hat das AV-Portal einen bedeutenden infrastrukturellen Entwicklungsschritt vollzogen. Wo zuvor einzelne Komponenten für Streaming, Download und Bereitstellung über externe Drittsysteme liefen, erfolgen diese Prozesse nun vollständig über die Infrastruktur der TIB. Auch die Begleitmaterialien – etwa Präsentationen, Skripte, Forschungsdaten oder zusätzliches Lehrmaterial – werden mittlerweile direkt an der TIB gehostet.

    Durch den Betrieb auf eigenen Servern kontrolliert die TIB nicht nur die technischen Abläufe, sondern auch die damit verbundenen Datenflüsse, Speicherorte und Sicherheitsstandards. Externe Abhängigkeiten, etwa in Bezug auf Verfügbarkeiten oder Service Levels, konnten damit weiter reduziert werden. Frei nach der Devise: Wissenschaftliche Daten gehören in wissenschaftliche Infrastruktur – und zwar unter Bedingungen, die den Anforderungen von Forschung, Lehre und Open Science gerecht werden.

    Adaptives Streaming mit MPEG-DASH

    Ebenfalls seit Januar 2025 erzeugen wir adaptive Derivate im MPEG-DASH-Format. Dadurch lässt sich die Qualität eines Videos während der Wiedergabe dynamisch an die verfügbare Internetbandbreite der Nutzerin anpassen. Statt ein einziges, statisch kodiertes Video auszuliefern, stellt das AV-Portal mehrere Qualitätsstufen bereit, zwischen denen der Player automatisch wechselt.

    Das Ergebnis ist ein deutlich stabileres Streaming-Erlebnis: Verzögerungen, Ruckler oder Bildabbrüche werden reduziert, während gleichzeitig stets die bestmögliche Auflösung genutzt wird. Zugleich sinkt die Datenlast, da nicht mehr unnötig große Dateien übertragen werden, wenn die individuelle Verbindung dies gar nicht zulässt. MPEG-DASH bildet damit einen wichtigen Schritt in Richtung einer modernen, skalierbaren Streaming-Infrastruktur.

    Diverse Qualitätsstufen für adaptives Streaming

    Höhere Auflösungen für wissenschaftliche Inhalte

    Seit April 2025 erzeugen wir auch Auflösungen jenseits von Full HD. Dazu gehören unter anderem hochwertige Neuabtastungen aus einem Digitalisierungsprojekt, die mit einer Auflösung von 2048×1536 Pixeln vorliegen und damit sichtbar mehr Details bieten als herkömmliche HD-Formate.

    Darüber hinaus stehen inzwischen zahlreiche Videos in 4K-Qualität zur Verfügung, die besonders bei visuellen Darstellungen, Animationen und komplexen wissenschaftlichen Inhalten ihre Stärken ausspielen.

    Unterstützung für reine Audiodateien

    Seit der Live-Schaltung von MPEG-DASH können im AV-Portal nicht nur Audiostreams als Teil von Video-Derivaten erzeugt werden, sondern erstmals auch echte Audioformate. Damit erweitert sich das Nutzungsspektrum des Portals deutlich: Neben klassischen Videoinhalten lassen sich nun auch reine Audioquellen – etwa Interviews, Podcasts, Vorträge oder Tonaufzeichnungen aus Forschungsprojekten – hochladen, analysieren und als separate Medienressourcen bereitstellen.

    Audiobeitrag mit durchsuchbarem Transkript

    Um reine Audiodateien zuverlässig verarbeiten zu können, nutzt das AV-Portal ein einheitliches technisches Verfahren. Dabei wird aus einer hochgeladenen Datei der Audioteil automatisch extrahiert und in das Format M4A umgewandelt – ein weit verbreiteter Standard, der auf vielen Geräten problemlos abgespielt werden kann.

    Mit dieser Erweiterung unterstützt das AV-Portal nun nicht mehr nur Videos, sondern auch Audioformate – und wird damit zu einer Plattform für wissenschaftliche Ton- und Bildinhalte.

    Flexibler und erweiterter Upload-Prozess

    Mit der jüngsten Weiterentwicklung der Upload-Funktion können nun deutlich größere Dateien direkt über das Upload-Formular des AV-Portals hochgeladen werden. Möglich wird dies durch einen neuen Übertragungsprozess, der große Dateien automatisch in kleinere Datenpakete aufteilt und schrittweise überträgt. Dank dieses sogenannten „Chunked-Uploads“ lassen sich Videodateien mit einer Größe von bis zu 10 GB zuverlässig hochladen.

    Zudem wurde der Ablauf flexibler gestaltet: Nutzer können nun zunächst ihre Videodatei auswählen und parallel dazu die Metadaten im Formular eintragen. Auf diese Weise lassen sich mögliche Wartezeiten während des Upload-Prozesses sinnvoll nutzen.

    Abgerundet wird die Erweiterung durch zusätzliche Upload-Optionen: Neben dem Video oder Audio können jetzt auch eigene Transkripte sowie Vorschaubilder mitgeliefert werden.

    OpenCLIP für präzise Bildinhaltsanalyse

    Um visuelle Inhalte in wissenschaftlichen Videos gezielter auffinden zu können, haben wir im TIB AV-Portal eine neue Generation der bildbasierten Suche implementiert. Als technologisches Fundament dienen OpenCLIP-Vektoren, die wir für sämtliche Videoframes berechnet haben.

    Auf dieser Basis entstand ein Prototyp für Zero-Shot-Suchanfragen, der beliebige Texteingaben – auch in verschiedenen Sprachen – direkt mit den Bildinhalten abgleicht. Bereits dieser erste Prototyp zeigte eindrucksvoll, dass selbst komplex formulierte Suchbegriffe geeignete Bildinhalte zurückliefern können.

    Im Anschluss daran haben wir das VCD-Labelling grundlegend erneuert. Hierfür wurde eine kuratierte Liste visueller Konzepte erstellt, die sowohl bestehende als auch neu definierte Kategorien umfasst – etwa „chemisches Experiment“, „Mikrophotographie“ oder „Roboter“. Für jedes der derzeit 86 Konzepte formulierten wir spezifische Prompts und generierten daraus Textvektoren. Anhand von Schwellwerten, die mit Hilfe einer manuellen Ground Truth festgelegt wurden, ließ sich bestimmen, ab wann ein Konzept im Bildmaterial als erkannt gilt. Zusätzlich wurden die visuellen Konzepte mit Sachbegriffen aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) verknüpft.

    Für die Nutzung des Portals bedeutet dies: Der gesamte Videobestand kann mithilfe dieser visuellen Konzepte gefiltert werden. Außerdem lassen sich auf den Detailseiten die erkannten Konzepte über Sprungmarken punktgenau ansteuern.

    Suche im Bildinhalt mit Sprungmarken

    Der vielleicht größte Fortschritt besteht jedoch darin, dass das Scrum-Team nun selbst jederzeit neue VCD-Konzepte bestimmen und unmittelbar ins Portal integrieren kann. Da die zugrunde liegende Open-Source-Software OpenCLIP vollständig auf TIB-Servern betrieben wird, verbleiben sämtliche Daten und Prozesse unter unserer Kontrolle. Damit ist ein erster Meilenstein erreicht; weitere OpenCLIP-basierte Funktionen sind bereits in Vorbereitung.

    Verbesserte Anzeige der GND-Annotationen

    Im AV-Portal werden Sprache, eingeblendete Texte und visuelle Inhalte automatisch mit Sachbegriffen der GND angereichert. Diese Annotationen präsentieren wir auf den Detailseiten nun deutlich übersichtlicher: Statt einer verstreuten Darstellung erscheint dort eine alphabetisch sortierte Liste aller erkannten Entitäten, die sich zudem gezielt durchsuchen und nach Sprache, Text oder Bild filtern lässt.

    Annotationen von Sprache, Text und Bild

    Mit einem Klick auf einen Eintrag lässt sich direkt nachvollziehen, an welchen Stellen im Video der entsprechende Begriff vorkommt – die Treffer werden übersichtlich in der Zeitleiste hervorgehoben. Auf diese Weise können Nutzer unmittelbar zu den relevanten Szenen springen, ohne mühsam durch das gesamte Video navigieren zu müssen.

    Neue Untertitel-Segmentierung für bessere Lesbarkeit

    Um die Qualität der Untertitel im AV-Portal weiter zu verbessern, haben wir eine neue Segmentierung der Whisper-Transkripte eingeführt. Diese basiert auf OpenNLP, einem Open-Source-Toolkit für die automatische Verarbeitung natürlicher Sprache, und berücksichtigt nicht nur Satzzeichen, sondern auch Wortarten und natürliche Sprachpausen.

    Ergänzend dazu kommt ein Look-Ahead-Algorithmus zum Einsatz, der innerhalb eines Vorschaufensters von 150 Zeichen den optimalen Trennpunkt für den nächsten Cue, eine zeitlich abgegrenzte Untertitel-Einheit, ermittelt.

    Im Unterschied zu einfachen heuristischen Verfahren bewertet der Algorithmus nicht nur die aktuelle, sondern alle nachfolgenden möglichen Trennstellen und maximiert so die Gesamtqualität des Untertitelumbruchs. Auf diese Weise lassen sich unnatürlich kurze Segmente – etwa einzelne Wörter am Ende einer Untertitelzeile – zuverlässig vermeiden. Damit verbessern wir die Lesbarkeit der Untertitel für eine barrierefreie Nutzung und schaffen zugleich die Grundlage für eine mögliche Text-to-Speech-Funktionalität.

    Präziseres Teilen und Zitieren von Videoinhalten

    Mit den jüngsten Releases haben wir die Funktionen zum Teilen und Zitieren von Videos erweitert und flexibler gestaltet. Im Teilen-Dialog lässt sich nun ein optionaler Startzeitstempel hinzufügen, sodass sich Videoinhalte gezielt ab einer bestimmten Stelle wiedergeben lassen; dieselbe Möglichkeit steht auch für den Embed-Code zur Verfügung. Zudem wurde der Zitieren-Dialog erweitert: Der Zeitstempel eines Segments kann dort je nach Bedarf ein- oder ausgeblendet werden. Im Zuge dieser Neuerungen haben wir den Teilen-Dialog überarbeitet und seine Struktur so angepasst, dass sich die Funktionen insgesamt intuitiver nutzen lassen.

    Teilendialog mit Startzeitstempel für den Embed Code

    Bereitstellung von Metadaten als Open Data

    Die TIB fördert die Nutzung und Sichtbarkeit ihrer audiovisuellen Bestände, indem sie die Metadaten des AV-Portals als Open Data veröffentlicht. Einmal pro Woche werden die Metadaten und Vorschaubilder all jener Videos automatisch bereitgestellt, für die dies rechtlich möglich ist. Auf unserer Open-Data-Seite stehen die Daten in zwei Formaten zur Verfügung: JSONL für die performante Verarbeitung großer Datenmengen sowie Turtle als RDF-Format für den Einsatz in semantischen Anwendungen und Linked-Data-Umgebungen.

    Integration ausgewählter Metadaten in die MP4-Datei

    Metadaten wie Titel, Autor und der Link zur Detailseite wurden in die herunterladbare MP4-Datei integriert. Die Informationen bleiben damit auch dann erhalten, wenn das Video lokal gespeichert, weitergegeben oder in anderen Anwendungen geöffnet wird. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, woher das Video stammt und welche Quelle zitiert werden sollte – ganz ohne zusätzliche Notizen oder manuelle Recherche.

    Einblendung der in den Download integrierten Metadaten im VLC-Player

    Ausblick für 2026

    Stella als Evaluierungsrahmen für Videoempfehlungen

    Stella ist eine Living-Lab-Infrastruktur zur Evaluation experimenteller Retrieval- und Empfehlungssysteme mit echten Nutzern; das TIB AV-Portal dient in diesem Projekt als Produktpartner. 2025 haben wir die technischen Grundlagen für den Einsatz von Stella im Portal geschaffen, die Liveschaltung ist für das kommende Jahr geplant.

    Mit Hilfe von Stella können verschiedene Empfehlungsalgorithmen per Interleaved-A/B-Tests direkt im Portal verglichen werden: Nutzer sehen abwechselnd Videoempfehlungen aus unserem bisherigen Ansatz (Solr MoreLikeThis) und aus experimentellen Recommendern. Die daraus resultierenden Klicks dienen als anonymisiertes Feedback. So lässt sich empirisch ermitteln, welcher Algorithmus im realen Nutzungskontext bessere Empfehlungen liefert.

    Die Forschungsgruppe Visual Analytics der TIB wird in Zukunft weitere Recommender-Experimente entwickeln und bereitstellen, sodass wir alle notwendigen Komponenten im Haus haben, um das Empfehlungssystem kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

    Promptbasierte Bildsuche im AV-Portal

    Aufbauend auf den OpenCLIP-Entwicklungen des Jahres 2025 arbeiten wir daran, 2026 eine vollwertige Bildsuche im AV-Portal zu realisieren. Künftig sollen Nutzer nicht mehr nur nach vordefinierten visuellen Konzepten filtern, sondern mit frei formulierten Texteingaben (Zero-Shot-Suchen) direkt im Bildinhalt unserer Videos recherchieren können. Unsere aktuellen Überlegungen zielen darauf ab, diese promptbasierte Suche sowohl portalweit als auch auf den Detailseiten der Videos anzubieten. Auf diese Weise würde ein neuartiger Zugang zu wissenschaftlichen Videos entstehen, bei dem visuelle Inhalte ebenso intuitiv und präzise durchsuchbar wären wie Text.

    #LizenzCCBY40INT #TIBAVPortal #wissenschaftlicheFilme #wissenschaftlicheVideos

  8. Das TIB AV-Portal im Jahr 2025: neue Infrastruktur, KI-gestützte Medienanalyse und Audio-Only

    read this article in English

    Wie in den vergangenen Jahren möchten wir auch diesmal einen Überblick über die wichtigsten technischen und funktionalen Erweiterungen des TIB AV-Portals geben. Das Scrum-Team hat 2025 erneut zahlreiche Verbesserungen umgesetzt, die sowohl die infrastrukturelle Basis als auch die Nutzungsmöglichkeiten des Portals ausgebaut haben.

    Einige dieser Entwicklungen gehen direkt auf Rückmeldungen und konkrete Anforderungen aus der Nutzerschaft zurück. Für manche Leserinnen und Leser dürfte dieser Rückblick daher nicht nur informativ, sondern auch persönlich interessant sein – vielleicht entdecken Sie an der einen oder anderen Stelle eine Funktion, deren Umsetzung Sie selbst angeregt haben.

    Vom externen Hosting zur eigenen Infrastruktur

    Mit der vollständigen Migration der Video- und Audioauslieferung auf Server der TIB im Januar 2025 hat das AV-Portal einen bedeutenden infrastrukturellen Entwicklungsschritt vollzogen. Wo zuvor einzelne Komponenten für Streaming, Download und Bereitstellung über externe Drittsysteme liefen, erfolgen diese Prozesse nun vollständig über die Infrastruktur der TIB. Auch die Begleitmaterialien – etwa Präsentationen, Skripte, Forschungsdaten oder zusätzliches Lehrmaterial – werden mittlerweile direkt an der TIB gehostet.

    Durch den Betrieb auf eigenen Servern kontrolliert die TIB nicht nur die technischen Abläufe, sondern auch die damit verbundenen Datenflüsse, Speicherorte und Sicherheitsstandards. Externe Abhängigkeiten, etwa in Bezug auf Verfügbarkeiten oder Service Levels, konnten damit weiter reduziert werden. Frei nach der Devise: Wissenschaftliche Daten gehören in wissenschaftliche Infrastruktur – und zwar unter Bedingungen, die den Anforderungen von Forschung, Lehre und Open Science gerecht werden.

    Adaptives Streaming mit MPEG-DASH

    Ebenfalls seit Januar 2025 erzeugen wir adaptive Derivate im MPEG-DASH-Format. Dadurch lässt sich die Qualität eines Videos während der Wiedergabe dynamisch an die verfügbare Internetbandbreite der Nutzerin anpassen. Statt ein einziges, statisch kodiertes Video auszuliefern, stellt das AV-Portal mehrere Qualitätsstufen bereit, zwischen denen der Player automatisch wechselt.

    Das Ergebnis ist ein deutlich stabileres Streaming-Erlebnis: Verzögerungen, Ruckler oder Bildabbrüche werden reduziert, während gleichzeitig stets die bestmögliche Auflösung genutzt wird. Zugleich sinkt die Datenlast, da nicht mehr unnötig große Dateien übertragen werden, wenn die individuelle Verbindung dies gar nicht zulässt. MPEG-DASH bildet damit einen wichtigen Schritt in Richtung einer modernen, skalierbaren Streaming-Infrastruktur.

    Diverse Qualitätsstufen für adaptives Streaming

    Höhere Auflösungen für wissenschaftliche Inhalte

    Seit April 2025 erzeugen wir auch Auflösungen jenseits von Full HD. Dazu gehören unter anderem hochwertige Neuabtastungen aus einem Digitalisierungsprojekt, die mit einer Auflösung von 2048×1536 Pixeln vorliegen und damit sichtbar mehr Details bieten als herkömmliche HD-Formate.

    Darüber hinaus stehen inzwischen zahlreiche Videos in 4K-Qualität zur Verfügung, die besonders bei visuellen Darstellungen, Animationen und komplexen wissenschaftlichen Inhalten ihre Stärken ausspielen.

    Unterstützung für reine Audiodateien

    Seit der Live-Schaltung von MPEG-DASH können im AV-Portal nicht nur Audiostreams als Teil von Video-Derivaten erzeugt werden, sondern erstmals auch echte Audioformate. Damit erweitert sich das Nutzungsspektrum des Portals deutlich: Neben klassischen Videoinhalten lassen sich nun auch reine Audioquellen – etwa Interviews, Podcasts, Vorträge oder Tonaufzeichnungen aus Forschungsprojekten – hochladen, analysieren und als separate Medienressourcen bereitstellen.

    Audiobeitrag mit durchsuchbarem Transkript

    Um reine Audiodateien zuverlässig verarbeiten zu können, nutzt das AV-Portal ein einheitliches technisches Verfahren. Dabei wird aus einer hochgeladenen Datei der Audioteil automatisch extrahiert und in das Format M4A umgewandelt – ein weit verbreiteter Standard, der auf vielen Geräten problemlos abgespielt werden kann.

    Mit dieser Erweiterung unterstützt das AV-Portal nun nicht mehr nur Videos, sondern auch Audioformate – und wird damit zu einer Plattform für wissenschaftliche Ton- und Bildinhalte.

    Flexibler und erweiterter Upload-Prozess

    Mit der jüngsten Weiterentwicklung der Upload-Funktion können nun deutlich größere Dateien direkt über das Upload-Formular des AV-Portals hochgeladen werden. Möglich wird dies durch einen neuen Übertragungsprozess, der große Dateien automatisch in kleinere Datenpakete aufteilt und schrittweise überträgt. Dank dieses sogenannten „Chunked-Uploads“ lassen sich Videodateien mit einer Größe von bis zu 10 GB zuverlässig hochladen.

    Zudem wurde der Ablauf flexibler gestaltet: Nutzer können nun zunächst ihre Videodatei auswählen und parallel dazu die Metadaten im Formular eintragen. Auf diese Weise lassen sich mögliche Wartezeiten während des Upload-Prozesses sinnvoll nutzen.

    Abgerundet wird die Erweiterung durch zusätzliche Upload-Optionen: Neben dem Video oder Audio können jetzt auch eigene Transkripte sowie Vorschaubilder mitgeliefert werden.

    OpenCLIP für präzise Bildinhaltsanalyse

    Um visuelle Inhalte in wissenschaftlichen Videos gezielter auffinden zu können, haben wir im TIB AV-Portal eine neue Generation der bildbasierten Suche implementiert. Als technologisches Fundament dienen OpenCLIP-Vektoren, die wir für sämtliche Videoframes berechnet haben.

    Auf dieser Basis entstand ein Prototyp für Zero-Shot-Suchanfragen, der beliebige Texteingaben – auch in verschiedenen Sprachen – direkt mit den Bildinhalten abgleicht. Bereits dieser erste Prototyp zeigte eindrucksvoll, dass selbst komplex formulierte Suchbegriffe geeignete Bildinhalte zurückliefern können.

    Im Anschluss daran haben wir das VCD-Labelling grundlegend erneuert. Hierfür wurde eine kuratierte Liste visueller Konzepte erstellt, die sowohl bestehende als auch neu definierte Kategorien umfasst – etwa „chemisches Experiment“, „Mikrophotographie“ oder „Roboter“. Für jedes der derzeit 86 Konzepte formulierten wir spezifische Prompts und generierten daraus Textvektoren. Anhand von Schwellwerten, die mit Hilfe einer manuellen Ground Truth festgelegt wurden, ließ sich bestimmen, ab wann ein Konzept im Bildmaterial als erkannt gilt. Zusätzlich wurden die visuellen Konzepte mit Sachbegriffen aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) verknüpft.

    Für die Nutzung des Portals bedeutet dies: Der gesamte Videobestand kann mithilfe dieser visuellen Konzepte gefiltert werden. Außerdem lassen sich auf den Detailseiten die erkannten Konzepte über Sprungmarken punktgenau ansteuern.

    Suche im Bildinhalt mit Sprungmarken

    Der vielleicht größte Fortschritt besteht jedoch darin, dass das Scrum-Team nun selbst jederzeit neue VCD-Konzepte bestimmen und unmittelbar ins Portal integrieren kann. Da die zugrunde liegende Open-Source-Software OpenCLIP vollständig auf TIB-Servern betrieben wird, verbleiben sämtliche Daten und Prozesse unter unserer Kontrolle. Damit ist ein erster Meilenstein erreicht; weitere OpenCLIP-basierte Funktionen sind bereits in Vorbereitung.

    Verbesserte Anzeige der GND-Annotationen

    Im AV-Portal werden Sprache, eingeblendete Texte und visuelle Inhalte automatisch mit Sachbegriffen der GND angereichert. Diese Annotationen präsentieren wir auf den Detailseiten nun deutlich übersichtlicher: Statt einer verstreuten Darstellung erscheint dort eine alphabetisch sortierte Liste aller erkannten Entitäten, die sich zudem gezielt durchsuchen und nach Sprache, Text oder Bild filtern lässt.

    Annotationen von Sprache, Text und Bild

    Mit einem Klick auf einen Eintrag lässt sich direkt nachvollziehen, an welchen Stellen im Video der entsprechende Begriff vorkommt – die Treffer werden übersichtlich in der Zeitleiste hervorgehoben. Auf diese Weise können Nutzer unmittelbar zu den relevanten Szenen springen, ohne mühsam durch das gesamte Video navigieren zu müssen.

    Neue Untertitel-Segmentierung für bessere Lesbarkeit

    Um die Qualität der Untertitel im AV-Portal weiter zu verbessern, haben wir eine neue Segmentierung der Whisper-Transkripte eingeführt. Diese basiert auf OpenNLP, einem Open-Source-Toolkit für die automatische Verarbeitung natürlicher Sprache, und berücksichtigt nicht nur Satzzeichen, sondern auch Wortarten und natürliche Sprachpausen.

    Ergänzend dazu kommt ein Look-Ahead-Algorithmus zum Einsatz, der innerhalb eines Vorschaufensters von 150 Zeichen den optimalen Trennpunkt für den nächsten Cue, eine zeitlich abgegrenzte Untertitel-Einheit, ermittelt.

    Im Unterschied zu einfachen heuristischen Verfahren bewertet der Algorithmus nicht nur die aktuelle, sondern alle nachfolgenden möglichen Trennstellen und maximiert so die Gesamtqualität des Untertitelumbruchs. Auf diese Weise lassen sich unnatürlich kurze Segmente – etwa einzelne Wörter am Ende einer Untertitelzeile – zuverlässig vermeiden. Damit verbessern wir die Lesbarkeit der Untertitel für eine barrierefreie Nutzung und schaffen zugleich die Grundlage für eine mögliche Text-to-Speech-Funktionalität.

    Präziseres Teilen und Zitieren von Videoinhalten

    Mit den jüngsten Releases haben wir die Funktionen zum Teilen und Zitieren von Videos erweitert und flexibler gestaltet. Im Teilen-Dialog lässt sich nun ein optionaler Startzeitstempel hinzufügen, sodass sich Videoinhalte gezielt ab einer bestimmten Stelle wiedergeben lassen; dieselbe Möglichkeit steht auch für den Embed-Code zur Verfügung. Zudem wurde der Zitieren-Dialog erweitert: Der Zeitstempel eines Segments kann dort je nach Bedarf ein- oder ausgeblendet werden. Im Zuge dieser Neuerungen haben wir den Teilen-Dialog überarbeitet und seine Struktur so angepasst, dass sich die Funktionen insgesamt intuitiver nutzen lassen.

    Teilendialog mit Startzeitstempel für den Embed Code

    Bereitstellung von Metadaten als Open Data

    Die TIB fördert die Nutzung und Sichtbarkeit ihrer audiovisuellen Bestände, indem sie die Metadaten des AV-Portals als Open Data veröffentlicht. Einmal pro Woche werden die Metadaten und Vorschaubilder all jener Videos automatisch bereitgestellt, für die dies rechtlich möglich ist. Auf unserer Open-Data-Seite stehen die Daten in zwei Formaten zur Verfügung: JSONL für die performante Verarbeitung großer Datenmengen sowie Turtle als RDF-Format für den Einsatz in semantischen Anwendungen und Linked-Data-Umgebungen.

    Integration ausgewählter Metadaten in die MP4-Datei

    Metadaten wie Titel, Autor und der Link zur Detailseite wurden in die herunterladbare MP4-Datei integriert. Die Informationen bleiben damit auch dann erhalten, wenn das Video lokal gespeichert, weitergegeben oder in anderen Anwendungen geöffnet wird. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, woher das Video stammt und welche Quelle zitiert werden sollte – ganz ohne zusätzliche Notizen oder manuelle Recherche.

    Einblendung der in den Download integrierten Metadaten im VLC-Player

    Ausblick für 2026

    Stella als Evaluierungsrahmen für Videoempfehlungen

    Stella ist eine Living-Lab-Infrastruktur zur Evaluation experimenteller Retrieval- und Empfehlungssysteme mit echten Nutzern; das TIB AV-Portal dient in diesem Projekt als Produktpartner. 2025 haben wir die technischen Grundlagen für den Einsatz von Stella im Portal geschaffen, die Liveschaltung ist für das kommende Jahr geplant.

    Mit Hilfe von Stella können verschiedene Empfehlungsalgorithmen per Interleaved-A/B-Tests direkt im Portal verglichen werden: Nutzer sehen abwechselnd Videoempfehlungen aus unserem bisherigen Ansatz (Solr MoreLikeThis) und aus experimentellen Recommendern. Die daraus resultierenden Klicks dienen als anonymisiertes Feedback. So lässt sich empirisch ermitteln, welcher Algorithmus im realen Nutzungskontext bessere Empfehlungen liefert.

    Die Forschungsgruppe Visual Analytics der TIB wird in Zukunft weitere Recommender-Experimente entwickeln und bereitstellen, sodass wir alle notwendigen Komponenten im Haus haben, um das Empfehlungssystem kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

    Promptbasierte Bildsuche im AV-Portal

    Aufbauend auf den OpenCLIP-Entwicklungen des Jahres 2025 arbeiten wir daran, 2026 eine vollwertige Bildsuche im AV-Portal zu realisieren. Künftig sollen Nutzer nicht mehr nur nach vordefinierten visuellen Konzepten filtern, sondern mit frei formulierten Texteingaben (Zero-Shot-Suchen) direkt im Bildinhalt unserer Videos recherchieren können. Unsere aktuellen Überlegungen zielen darauf ab, diese promptbasierte Suche sowohl portalweit als auch auf den Detailseiten der Videos anzubieten. Auf diese Weise würde ein neuartiger Zugang zu wissenschaftlichen Videos entstehen, bei dem visuelle Inhalte ebenso intuitiv und präzise durchsuchbar wären wie Text.

    #LizenzCCBY40INT #TIBAVPortal #wissenschaftlicheFilme #wissenschaftlicheVideos

  9. Das TIB AV-Portal im Jahr 2025: neue Infrastruktur, KI-gestützte Medienanalyse und Audio-Only

    read this article in English

    Wie in den vergangenen Jahren möchten wir auch diesmal einen Überblick über die wichtigsten technischen und funktionalen Erweiterungen des TIB AV-Portals geben. Das Scrum-Team hat 2025 erneut zahlreiche Verbesserungen umgesetzt, die sowohl die infrastrukturelle Basis als auch die Nutzungsmöglichkeiten des Portals ausgebaut haben.

    Einige dieser Entwicklungen gehen direkt auf Rückmeldungen und konkrete Anforderungen aus der Nutzerschaft zurück. Für manche Leserinnen und Leser dürfte dieser Rückblick daher nicht nur informativ, sondern auch persönlich interessant sein – vielleicht entdecken Sie an der einen oder anderen Stelle eine Funktion, deren Umsetzung Sie selbst angeregt haben.

    Vom externen Hosting zur eigenen Infrastruktur

    Mit der vollständigen Migration der Video- und Audioauslieferung auf Server der TIB im Januar 2025 hat das AV-Portal einen bedeutenden infrastrukturellen Entwicklungsschritt vollzogen. Wo zuvor einzelne Komponenten für Streaming, Download und Bereitstellung über externe Drittsysteme liefen, erfolgen diese Prozesse nun vollständig über die Infrastruktur der TIB. Auch die Begleitmaterialien – etwa Präsentationen, Skripte, Forschungsdaten oder zusätzliches Lehrmaterial – werden mittlerweile direkt an der TIB gehostet.

    Durch den Betrieb auf eigenen Servern kontrolliert die TIB nicht nur die technischen Abläufe, sondern auch die damit verbundenen Datenflüsse, Speicherorte und Sicherheitsstandards. Externe Abhängigkeiten, etwa in Bezug auf Verfügbarkeiten oder Service Levels, konnten damit weiter reduziert werden. Frei nach der Devise: Wissenschaftliche Daten gehören in wissenschaftliche Infrastruktur – und zwar unter Bedingungen, die den Anforderungen von Forschung, Lehre und Open Science gerecht werden.

    Adaptives Streaming mit MPEG-DASH

    Ebenfalls seit Januar 2025 erzeugen wir adaptive Derivate im MPEG-DASH-Format. Dadurch lässt sich die Qualität eines Videos während der Wiedergabe dynamisch an die verfügbare Internetbandbreite der Nutzerin anpassen. Statt ein einziges, statisch kodiertes Video auszuliefern, stellt das AV-Portal mehrere Qualitätsstufen bereit, zwischen denen der Player automatisch wechselt.

    Das Ergebnis ist ein deutlich stabileres Streaming-Erlebnis: Verzögerungen, Ruckler oder Bildabbrüche werden reduziert, während gleichzeitig stets die bestmögliche Auflösung genutzt wird. Zugleich sinkt die Datenlast, da nicht mehr unnötig große Dateien übertragen werden, wenn die individuelle Verbindung dies gar nicht zulässt. MPEG-DASH bildet damit einen wichtigen Schritt in Richtung einer modernen, skalierbaren Streaming-Infrastruktur.

    Diverse Qualitätsstufen für adaptives Streaming

    Höhere Auflösungen für wissenschaftliche Inhalte

    Seit April 2025 erzeugen wir auch Auflösungen jenseits von Full HD. Dazu gehören unter anderem hochwertige Neuabtastungen aus einem Digitalisierungsprojekt, die mit einer Auflösung von 2048×1536 Pixeln vorliegen und damit sichtbar mehr Details bieten als herkömmliche HD-Formate.

    Darüber hinaus stehen inzwischen zahlreiche Videos in 4K-Qualität zur Verfügung, die besonders bei visuellen Darstellungen, Animationen und komplexen wissenschaftlichen Inhalten ihre Stärken ausspielen.

    Unterstützung für reine Audiodateien

    Seit der Live-Schaltung von MPEG-DASH können im AV-Portal nicht nur Audiostreams als Teil von Video-Derivaten erzeugt werden, sondern erstmals auch echte Audioformate. Damit erweitert sich das Nutzungsspektrum des Portals deutlich: Neben klassischen Videoinhalten lassen sich nun auch reine Audioquellen – etwa Interviews, Podcasts, Vorträge oder Tonaufzeichnungen aus Forschungsprojekten – hochladen, analysieren und als separate Medienressourcen bereitstellen.

    Audiobeitrag mit durchsuchbarem Transkript

    Um reine Audiodateien zuverlässig verarbeiten zu können, nutzt das AV-Portal ein einheitliches technisches Verfahren. Dabei wird aus einer hochgeladenen Datei der Audioteil automatisch extrahiert und in das Format M4A umgewandelt – ein weit verbreiteter Standard, der auf vielen Geräten problemlos abgespielt werden kann.

    Mit dieser Erweiterung unterstützt das AV-Portal nun nicht mehr nur Videos, sondern auch Audioformate – und wird damit zu einer Plattform für wissenschaftliche Ton- und Bildinhalte.

    Flexibler und erweiterter Upload-Prozess

    Mit der jüngsten Weiterentwicklung der Upload-Funktion können nun deutlich größere Dateien direkt über das Upload-Formular des AV-Portals hochgeladen werden. Möglich wird dies durch einen neuen Übertragungsprozess, der große Dateien automatisch in kleinere Datenpakete aufteilt und schrittweise überträgt. Dank dieses sogenannten „Chunked-Uploads“ lassen sich Videodateien mit einer Größe von bis zu 10 GB zuverlässig hochladen.

    Zudem wurde der Ablauf flexibler gestaltet: Nutzer können nun zunächst ihre Videodatei auswählen und parallel dazu die Metadaten im Formular eintragen. Auf diese Weise lassen sich mögliche Wartezeiten während des Upload-Prozesses sinnvoll nutzen.

    Abgerundet wird die Erweiterung durch zusätzliche Upload-Optionen: Neben dem Video oder Audio können jetzt auch eigene Transkripte sowie Vorschaubilder mitgeliefert werden.

    OpenCLIP für präzise Bildinhaltsanalyse

    Um visuelle Inhalte in wissenschaftlichen Videos gezielter auffinden zu können, haben wir im TIB AV-Portal eine neue Generation der bildbasierten Suche implementiert. Als technologisches Fundament dienen OpenCLIP-Vektoren, die wir für sämtliche Videoframes berechnet haben.

    Auf dieser Basis entstand ein Prototyp für Zero-Shot-Suchanfragen, der beliebige Texteingaben – auch in verschiedenen Sprachen – direkt mit den Bildinhalten abgleicht. Bereits dieser erste Prototyp zeigte eindrucksvoll, dass selbst komplex formulierte Suchbegriffe geeignete Bildinhalte zurückliefern können.

    Im Anschluss daran haben wir das VCD-Labelling grundlegend erneuert. Hierfür wurde eine kuratierte Liste visueller Konzepte erstellt, die sowohl bestehende als auch neu definierte Kategorien umfasst – etwa „chemisches Experiment“, „Mikrophotographie“ oder „Roboter“. Für jedes der derzeit 86 Konzepte formulierten wir spezifische Prompts und generierten daraus Textvektoren. Anhand von Schwellwerten, die mit Hilfe einer manuellen Ground Truth festgelegt wurden, ließ sich bestimmen, ab wann ein Konzept im Bildmaterial als erkannt gilt. Zusätzlich wurden die visuellen Konzepte mit Sachbegriffen aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) verknüpft.

    Für die Nutzung des Portals bedeutet dies: Der gesamte Videobestand kann mithilfe dieser visuellen Konzepte gefiltert werden. Außerdem lassen sich auf den Detailseiten die erkannten Konzepte über Sprungmarken punktgenau ansteuern.

    Suche im Bildinhalt mit Sprungmarken

    Der vielleicht größte Fortschritt besteht jedoch darin, dass das Scrum-Team nun selbst jederzeit neue VCD-Konzepte bestimmen und unmittelbar ins Portal integrieren kann. Da die zugrunde liegende Open-Source-Software OpenCLIP vollständig auf TIB-Servern betrieben wird, verbleiben sämtliche Daten und Prozesse unter unserer Kontrolle. Damit ist ein erster Meilenstein erreicht; weitere OpenCLIP-basierte Funktionen sind bereits in Vorbereitung.

    Verbesserte Anzeige der GND-Annotationen

    Im AV-Portal werden Sprache, eingeblendete Texte und visuelle Inhalte automatisch mit Sachbegriffen der GND angereichert. Diese Annotationen präsentieren wir auf den Detailseiten nun deutlich übersichtlicher: Statt einer verstreuten Darstellung erscheint dort eine alphabetisch sortierte Liste aller erkannten Entitäten, die sich zudem gezielt durchsuchen und nach Sprache, Text oder Bild filtern lässt.

    Annotationen von Sprache, Text und Bild

    Mit einem Klick auf einen Eintrag lässt sich direkt nachvollziehen, an welchen Stellen im Video der entsprechende Begriff vorkommt – die Treffer werden übersichtlich in der Zeitleiste hervorgehoben. Auf diese Weise können Nutzer unmittelbar zu den relevanten Szenen springen, ohne mühsam durch das gesamte Video navigieren zu müssen.

    Neue Untertitel-Segmentierung für bessere Lesbarkeit

    Um die Qualität der Untertitel im AV-Portal weiter zu verbessern, haben wir eine neue Segmentierung der Whisper-Transkripte eingeführt. Diese basiert auf OpenNLP, einem Open-Source-Toolkit für die automatische Verarbeitung natürlicher Sprache, und berücksichtigt nicht nur Satzzeichen, sondern auch Wortarten und natürliche Sprachpausen.

    Ergänzend dazu kommt ein Look-Ahead-Algorithmus zum Einsatz, der innerhalb eines Vorschaufensters von 150 Zeichen den optimalen Trennpunkt für den nächsten Cue, eine zeitlich abgegrenzte Untertitel-Einheit, ermittelt.

    Im Unterschied zu einfachen heuristischen Verfahren bewertet der Algorithmus nicht nur die aktuelle, sondern alle nachfolgenden möglichen Trennstellen und maximiert so die Gesamtqualität des Untertitelumbruchs. Auf diese Weise lassen sich unnatürlich kurze Segmente – etwa einzelne Wörter am Ende einer Untertitelzeile – zuverlässig vermeiden. Damit verbessern wir die Lesbarkeit der Untertitel für eine barrierefreie Nutzung und schaffen zugleich die Grundlage für eine mögliche Text-to-Speech-Funktionalität.

    Präziseres Teilen und Zitieren von Videoinhalten

    Mit den jüngsten Releases haben wir die Funktionen zum Teilen und Zitieren von Videos erweitert und flexibler gestaltet. Im Teilen-Dialog lässt sich nun ein optionaler Startzeitstempel hinzufügen, sodass sich Videoinhalte gezielt ab einer bestimmten Stelle wiedergeben lassen; dieselbe Möglichkeit steht auch für den Embed-Code zur Verfügung. Zudem wurde der Zitieren-Dialog erweitert: Der Zeitstempel eines Segments kann dort je nach Bedarf ein- oder ausgeblendet werden. Im Zuge dieser Neuerungen haben wir den Teilen-Dialog überarbeitet und seine Struktur so angepasst, dass sich die Funktionen insgesamt intuitiver nutzen lassen.

    Teilendialog mit Startzeitstempel für den Embed Code

    Bereitstellung von Metadaten als Open Data

    Die TIB fördert die Nutzung und Sichtbarkeit ihrer audiovisuellen Bestände, indem sie die Metadaten des AV-Portals als Open Data veröffentlicht. Einmal pro Woche werden die Metadaten und Vorschaubilder all jener Videos automatisch bereitgestellt, für die dies rechtlich möglich ist. Auf unserer Open-Data-Seite stehen die Daten in zwei Formaten zur Verfügung: JSONL für die performante Verarbeitung großer Datenmengen sowie Turtle als RDF-Format für den Einsatz in semantischen Anwendungen und Linked-Data-Umgebungen.

    Integration ausgewählter Metadaten in die MP4-Datei

    Metadaten wie Titel, Autor und der Link zur Detailseite wurden in die herunterladbare MP4-Datei integriert. Die Informationen bleiben damit auch dann erhalten, wenn das Video lokal gespeichert, weitergegeben oder in anderen Anwendungen geöffnet wird. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, woher das Video stammt und welche Quelle zitiert werden sollte – ganz ohne zusätzliche Notizen oder manuelle Recherche.

    Einblendung der in den Download integrierten Metadaten im VLC-Player

    Ausblick für 2026

    Stella als Evaluierungsrahmen für Videoempfehlungen

    Stella ist eine Living-Lab-Infrastruktur zur Evaluation experimenteller Retrieval- und Empfehlungssysteme mit echten Nutzern; das TIB AV-Portal dient in diesem Projekt als Produktpartner. 2025 haben wir die technischen Grundlagen für den Einsatz von Stella im Portal geschaffen, die Liveschaltung ist für das kommende Jahr geplant.

    Mit Hilfe von Stella können verschiedene Empfehlungsalgorithmen per Interleaved-A/B-Tests direkt im Portal verglichen werden: Nutzer sehen abwechselnd Videoempfehlungen aus unserem bisherigen Ansatz (Solr MoreLikeThis) und aus experimentellen Recommendern. Die daraus resultierenden Klicks dienen als anonymisiertes Feedback. So lässt sich empirisch ermitteln, welcher Algorithmus im realen Nutzungskontext bessere Empfehlungen liefert.

    Die Forschungsgruppe Visual Analytics der TIB wird in Zukunft weitere Recommender-Experimente entwickeln und bereitstellen, sodass wir alle notwendigen Komponenten im Haus haben, um das Empfehlungssystem kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

    Promptbasierte Bildsuche im AV-Portal

    Aufbauend auf den OpenCLIP-Entwicklungen des Jahres 2025 arbeiten wir daran, 2026 eine vollwertige Bildsuche im AV-Portal zu realisieren. Künftig sollen Nutzer nicht mehr nur nach vordefinierten visuellen Konzepten filtern, sondern mit frei formulierten Texteingaben (Zero-Shot-Suchen) direkt im Bildinhalt unserer Videos recherchieren können. Unsere aktuellen Überlegungen zielen darauf ab, diese promptbasierte Suche sowohl portalweit als auch auf den Detailseiten der Videos anzubieten. Auf diese Weise würde ein neuartiger Zugang zu wissenschaftlichen Videos entstehen, bei dem visuelle Inhalte ebenso intuitiv und präzise durchsuchbar wären wie Text.

    #LizenzCCBY40INT #TIBAVPortal #wissenschaftlicheFilme #wissenschaftlicheVideos

  10. Das TIB AV-Portal im Jahr 2025: neue Infrastruktur, KI-gestützte Medienanalyse und Audio-Only

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    Wie in den vergangenen Jahren möchten wir auch diesmal einen Überblick über die wichtigsten technischen und funktionalen Erweiterungen des TIB AV-Portals geben. Das Scrum-Team hat 2025 erneut zahlreiche Verbesserungen umgesetzt, die sowohl die infrastrukturelle Basis als auch die Nutzungsmöglichkeiten des Portals ausgebaut haben.

    Einige dieser Entwicklungen gehen direkt auf Rückmeldungen und konkrete Anforderungen aus der Nutzerschaft zurück. Für manche Leserinnen und Leser dürfte dieser Rückblick daher nicht nur informativ, sondern auch persönlich interessant sein – vielleicht entdecken Sie an der einen oder anderen Stelle eine Funktion, deren Umsetzung Sie selbst angeregt haben.

    Vom externen Hosting zur eigenen Infrastruktur

    Mit der vollständigen Migration der Video- und Audioauslieferung auf Server der TIB im Januar 2025 hat das AV-Portal einen bedeutenden infrastrukturellen Entwicklungsschritt vollzogen. Wo zuvor einzelne Komponenten für Streaming, Download und Bereitstellung über externe Drittsysteme liefen, erfolgen diese Prozesse nun vollständig über die Infrastruktur der TIB. Auch die Begleitmaterialien – etwa Präsentationen, Skripte, Forschungsdaten oder zusätzliches Lehrmaterial – werden mittlerweile direkt an der TIB gehostet.

    Durch den Betrieb auf eigenen Servern kontrolliert die TIB nicht nur die technischen Abläufe, sondern auch die damit verbundenen Datenflüsse, Speicherorte und Sicherheitsstandards. Externe Abhängigkeiten, etwa in Bezug auf Verfügbarkeiten oder Service Levels, konnten damit weiter reduziert werden. Frei nach der Devise: Wissenschaftliche Daten gehören in wissenschaftliche Infrastruktur – und zwar unter Bedingungen, die den Anforderungen von Forschung, Lehre und Open Science gerecht werden.

    Adaptives Streaming mit MPEG-DASH

    Ebenfalls seit Januar 2025 erzeugen wir adaptive Derivate im MPEG-DASH-Format. Dadurch lässt sich die Qualität eines Videos während der Wiedergabe dynamisch an die verfügbare Internetbandbreite der Nutzerin anpassen. Statt ein einziges, statisch kodiertes Video auszuliefern, stellt das AV-Portal mehrere Qualitätsstufen bereit, zwischen denen der Player automatisch wechselt.

    Das Ergebnis ist ein deutlich stabileres Streaming-Erlebnis: Verzögerungen, Ruckler oder Bildabbrüche werden reduziert, während gleichzeitig stets die bestmögliche Auflösung genutzt wird. Zugleich sinkt die Datenlast, da nicht mehr unnötig große Dateien übertragen werden, wenn die individuelle Verbindung dies gar nicht zulässt. MPEG-DASH bildet damit einen wichtigen Schritt in Richtung einer modernen, skalierbaren Streaming-Infrastruktur.

    Diverse Qualitätsstufen für adaptives Streaming

    Höhere Auflösungen für wissenschaftliche Inhalte

    Seit April 2025 erzeugen wir auch Auflösungen jenseits von Full HD. Dazu gehören unter anderem hochwertige Neuabtastungen aus einem Digitalisierungsprojekt, die mit einer Auflösung von 2048×1536 Pixeln vorliegen und damit sichtbar mehr Details bieten als herkömmliche HD-Formate.

    Darüber hinaus stehen inzwischen zahlreiche Videos in 4K-Qualität zur Verfügung, die besonders bei visuellen Darstellungen, Animationen und komplexen wissenschaftlichen Inhalten ihre Stärken ausspielen.

    Unterstützung für reine Audiodateien

    Seit der Live-Schaltung von MPEG-DASH können im AV-Portal nicht nur Audiostreams als Teil von Video-Derivaten erzeugt werden, sondern erstmals auch echte Audioformate. Damit erweitert sich das Nutzungsspektrum des Portals deutlich: Neben klassischen Videoinhalten lassen sich nun auch reine Audioquellen – etwa Interviews, Podcasts, Vorträge oder Tonaufzeichnungen aus Forschungsprojekten – hochladen, analysieren und als separate Medienressourcen bereitstellen.

    Audiobeitrag mit durchsuchbarem Transkript

    Um reine Audiodateien zuverlässig verarbeiten zu können, nutzt das AV-Portal ein einheitliches technisches Verfahren. Dabei wird aus einer hochgeladenen Datei der Audioteil automatisch extrahiert und in das Format M4A umgewandelt – ein weit verbreiteter Standard, der auf vielen Geräten problemlos abgespielt werden kann.

    Mit dieser Erweiterung unterstützt das AV-Portal nun nicht mehr nur Videos, sondern auch Audioformate – und wird damit zu einer Plattform für wissenschaftliche Ton- und Bildinhalte.

    Flexibler und erweiterter Upload-Prozess

    Mit der jüngsten Weiterentwicklung der Upload-Funktion können nun deutlich größere Dateien direkt über das Upload-Formular des AV-Portals hochgeladen werden. Möglich wird dies durch einen neuen Übertragungsprozess, der große Dateien automatisch in kleinere Datenpakete aufteilt und schrittweise überträgt. Dank dieses sogenannten „Chunked-Uploads“ lassen sich Videodateien mit einer Größe von bis zu 10 GB zuverlässig hochladen.

    Zudem wurde der Ablauf flexibler gestaltet: Nutzer können nun zunächst ihre Videodatei auswählen und parallel dazu die Metadaten im Formular eintragen. Auf diese Weise lassen sich mögliche Wartezeiten während des Upload-Prozesses sinnvoll nutzen.

    Abgerundet wird die Erweiterung durch zusätzliche Upload-Optionen: Neben dem Video oder Audio können jetzt auch eigene Transkripte sowie Vorschaubilder mitgeliefert werden.

    OpenCLIP für präzise Bildinhaltsanalyse

    Um visuelle Inhalte in wissenschaftlichen Videos gezielter auffinden zu können, haben wir im TIB AV-Portal eine neue Generation der bildbasierten Suche implementiert. Als technologisches Fundament dienen OpenCLIP-Vektoren, die wir für sämtliche Videoframes berechnet haben.

    Auf dieser Basis entstand ein Prototyp für Zero-Shot-Suchanfragen, der beliebige Texteingaben – auch in verschiedenen Sprachen – direkt mit den Bildinhalten abgleicht. Bereits dieser erste Prototyp zeigte eindrucksvoll, dass selbst komplex formulierte Suchbegriffe geeignete Bildinhalte zurückliefern können.

    Im Anschluss daran haben wir das VCD-Labelling grundlegend erneuert. Hierfür wurde eine kuratierte Liste visueller Konzepte erstellt, die sowohl bestehende als auch neu definierte Kategorien umfasst – etwa „chemisches Experiment“, „Mikrophotographie“ oder „Roboter“. Für jedes der derzeit 86 Konzepte formulierten wir spezifische Prompts und generierten daraus Textvektoren. Anhand von Schwellwerten, die mit Hilfe einer manuellen Ground Truth festgelegt wurden, ließ sich bestimmen, ab wann ein Konzept im Bildmaterial als erkannt gilt. Zusätzlich wurden die visuellen Konzepte mit Sachbegriffen aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) verknüpft.

    Für die Nutzung des Portals bedeutet dies: Der gesamte Videobestand kann mithilfe dieser visuellen Konzepte gefiltert werden. Außerdem lassen sich auf den Detailseiten die erkannten Konzepte über Sprungmarken punktgenau ansteuern.

    Suche im Bildinhalt mit Sprungmarken

    Der vielleicht größte Fortschritt besteht jedoch darin, dass das Scrum-Team nun selbst jederzeit neue VCD-Konzepte bestimmen und unmittelbar ins Portal integrieren kann. Da die zugrunde liegende Open-Source-Software OpenCLIP vollständig auf TIB-Servern betrieben wird, verbleiben sämtliche Daten und Prozesse unter unserer Kontrolle. Damit ist ein erster Meilenstein erreicht; weitere OpenCLIP-basierte Funktionen sind bereits in Vorbereitung.

    Verbesserte Anzeige der GND-Annotationen

    Im AV-Portal werden Sprache, eingeblendete Texte und visuelle Inhalte automatisch mit Sachbegriffen der GND angereichert. Diese Annotationen präsentieren wir auf den Detailseiten nun deutlich übersichtlicher: Statt einer verstreuten Darstellung erscheint dort eine alphabetisch sortierte Liste aller erkannten Entitäten, die sich zudem gezielt durchsuchen und nach Sprache, Text oder Bild filtern lässt.

    Annotationen von Sprache, Text und Bild

    Mit einem Klick auf einen Eintrag lässt sich direkt nachvollziehen, an welchen Stellen im Video der entsprechende Begriff vorkommt – die Treffer werden übersichtlich in der Zeitleiste hervorgehoben. Auf diese Weise können Nutzer unmittelbar zu den relevanten Szenen springen, ohne mühsam durch das gesamte Video navigieren zu müssen.

    Neue Untertitel-Segmentierung für bessere Lesbarkeit

    Um die Qualität der Untertitel im AV-Portal weiter zu verbessern, haben wir eine neue Segmentierung der Whisper-Transkripte eingeführt. Diese basiert auf OpenNLP, einem Open-Source-Toolkit für die automatische Verarbeitung natürlicher Sprache, und berücksichtigt nicht nur Satzzeichen, sondern auch Wortarten und natürliche Sprachpausen.

    Ergänzend dazu kommt ein Look-Ahead-Algorithmus zum Einsatz, der innerhalb eines Vorschaufensters von 150 Zeichen den optimalen Trennpunkt für den nächsten Cue, eine zeitlich abgegrenzte Untertitel-Einheit, ermittelt.

    Im Unterschied zu einfachen heuristischen Verfahren bewertet der Algorithmus nicht nur die aktuelle, sondern alle nachfolgenden möglichen Trennstellen und maximiert so die Gesamtqualität des Untertitelumbruchs. Auf diese Weise lassen sich unnatürlich kurze Segmente – etwa einzelne Wörter am Ende einer Untertitelzeile – zuverlässig vermeiden. Damit verbessern wir die Lesbarkeit der Untertitel für eine barrierefreie Nutzung und schaffen zugleich die Grundlage für eine mögliche Text-to-Speech-Funktionalität.

    Präziseres Teilen und Zitieren von Videoinhalten

    Mit den jüngsten Releases haben wir die Funktionen zum Teilen und Zitieren von Videos erweitert und flexibler gestaltet. Im Teilen-Dialog lässt sich nun ein optionaler Startzeitstempel hinzufügen, sodass sich Videoinhalte gezielt ab einer bestimmten Stelle wiedergeben lassen; dieselbe Möglichkeit steht auch für den Embed-Code zur Verfügung. Zudem wurde der Zitieren-Dialog erweitert: Der Zeitstempel eines Segments kann dort je nach Bedarf ein- oder ausgeblendet werden. Im Zuge dieser Neuerungen haben wir den Teilen-Dialog überarbeitet und seine Struktur so angepasst, dass sich die Funktionen insgesamt intuitiver nutzen lassen.

    Teilendialog mit Startzeitstempel für den Embed Code

    Bereitstellung von Metadaten als Open Data

    Die TIB fördert die Nutzung und Sichtbarkeit ihrer audiovisuellen Bestände, indem sie die Metadaten des AV-Portals als Open Data veröffentlicht. Einmal pro Woche werden die Metadaten und Vorschaubilder all jener Videos automatisch bereitgestellt, für die dies rechtlich möglich ist. Auf unserer Open-Data-Seite stehen die Daten in zwei Formaten zur Verfügung: JSONL für die performante Verarbeitung großer Datenmengen sowie Turtle als RDF-Format für den Einsatz in semantischen Anwendungen und Linked-Data-Umgebungen.

    Integration ausgewählter Metadaten in die MP4-Datei

    Metadaten wie Titel, Autor und der Link zur Detailseite wurden in die herunterladbare MP4-Datei integriert. Die Informationen bleiben damit auch dann erhalten, wenn das Video lokal gespeichert, weitergegeben oder in anderen Anwendungen geöffnet wird. So lässt sich jederzeit nachvollziehen, woher das Video stammt und welche Quelle zitiert werden sollte – ganz ohne zusätzliche Notizen oder manuelle Recherche.

    Einblendung der in den Download integrierten Metadaten im VLC-Player

    Ausblick für 2026

    Stella als Evaluierungsrahmen für Videoempfehlungen

    Stella ist eine Living-Lab-Infrastruktur zur Evaluation experimenteller Retrieval- und Empfehlungssysteme mit echten Nutzern; das TIB AV-Portal dient in diesem Projekt als Produktpartner. 2025 haben wir die technischen Grundlagen für den Einsatz von Stella im Portal geschaffen, die Liveschaltung ist für das kommende Jahr geplant.

    Mit Hilfe von Stella können verschiedene Empfehlungsalgorithmen per Interleaved-A/B-Tests direkt im Portal verglichen werden: Nutzer sehen abwechselnd Videoempfehlungen aus unserem bisherigen Ansatz (Solr MoreLikeThis) und aus experimentellen Recommendern. Die daraus resultierenden Klicks dienen als anonymisiertes Feedback. So lässt sich empirisch ermitteln, welcher Algorithmus im realen Nutzungskontext bessere Empfehlungen liefert.

    Die Forschungsgruppe Visual Analytics der TIB wird in Zukunft weitere Recommender-Experimente entwickeln und bereitstellen, sodass wir alle notwendigen Komponenten im Haus haben, um das Empfehlungssystem kontinuierlich zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

    Promptbasierte Bildsuche im AV-Portal

    Aufbauend auf den OpenCLIP-Entwicklungen des Jahres 2025 arbeiten wir daran, 2026 eine vollwertige Bildsuche im AV-Portal zu realisieren. Künftig sollen Nutzer nicht mehr nur nach vordefinierten visuellen Konzepten filtern, sondern mit frei formulierten Texteingaben (Zero-Shot-Suchen) direkt im Bildinhalt unserer Videos recherchieren können. Unsere aktuellen Überlegungen zielen darauf ab, diese promptbasierte Suche sowohl portalweit als auch auf den Detailseiten der Videos anzubieten. Auf diese Weise würde ein neuartiger Zugang zu wissenschaftlichen Videos entstehen, bei dem visuelle Inhalte ebenso intuitiv und präzise durchsuchbar wären wie Text.

    #LizenzCCBY40INT #TIBAVPortal #wissenschaftlicheFilme #wissenschaftlicheVideos

  11. Registrar Trek geht zu Mastodon

    Normalerweise vermeide ich es hier, politisch zu werden aber ich glaube an Demokratie, den Gleichbehandlungsgrundsatz und daran, dass alle Menschen die Freiheit haben sollten, so zu leben, wie es ihnen passt, solang sie nicht etwas tun, was andere daran hindert, das gleiche zu tun. Ich glaube auch an die Bedeutung von Ehrlichkeit, an die Wissenschaft als den richtigen Weg, unsere Welt zu verstehen, und daran, dass es wichtig ist, alle Lebewesen, Menschen eingeschlossen, anständig zu behandeln.

    Nachdem ich das gesagt habe, dürfte es klar sein, warum ich nicht auf Twitter bleiben kann ganz egal wie viele Verbindungen ich verliere, wenn ich den Account dort schließe. Und, ja, ich werde das Ding so lange Twitter nennen bis sein Inhaber den Namenswechsel seiner eigenen Tochter anerkennt.

    Ich weiß, dass viele Bluesky als neue Alternative sehen, aber ich denke nicht, dass das eine nachhaltige Option ist, denn obwohl es theoretisch dezentral aufgestellt ist, bleibt es praktisch doch in der Hand von einem Unternehmen und damit im Endeffekt in der Hand von einer Person und wir sehen ja gerade am Beispiel von Twitter und Meta wo das hin führt. Statt dessen gehe ich zu Mastodon, wo ich schon 2022 einen Account eröffnet habe, als Musk Twitter übernommen hat.

    Sie finden mich unter @[email protected]

    Falls manche von ihnen ähnliches vorhaben aber nicht wissen, wie und wo sie anfangen sollen, hier sind ein paar Dinge, die ich gelernt habe (ich bin dort auch seit 2022 mit einem persönlichen Account aktiv):

    Es beginnt alles damit, sich einen Server auszusuchen und das scheint bei weitem die größte Hürde für die meisten Menschen zu sein. Sie finden eine Liste mit Servern hier: https://joinmastodon.org/de/servers oder Sie können im restlichen Internet nach einem Server Ausschau halten, der Ihnen zusagt und dort einen Account eröffnen. Wenn Sie zum Beispiel zu https://glammr.us/@registrartrek gehen, dann sehen Sie eine Auflistung mit meinen Beiträgen in der Mitte (ich war dort bislang nicht sehr aktiv aber das gilt für meine professionellen Social Media Auftritte ganz allgemein). Auf der linken Seite sehen Sie meinen Server und auf was er sich spezialisiert hat.

    Links sehen Sie die Serverinformationen, inklusive der Administrierenden, Zahl der aktuellen User, und eine Beschreibung der generellen Zielsetzung “glammr.us ist ein Raum für Leute, die sich für Galerien, Bibliotheken, Archive, Museen, Gedenkstätten und Aufzeichnungen interessieren. Aber Sie müssen nicht auschließlich zu GLAMMR-Themen posten, bringen Sie ihre ganze Persönlichkeit ein!” In der Mitte sehen Sie mein Profil und – wenn sie auf der Seite sind und scrollen – meine Beiträge. Auf der rechten Seite können Sie ihren eigenen Account erstellen.

    Mastodon ist eine Stadt

    Das Konzept von „Servern“ klingt vielleicht etwas fremd und viele Menschen befürchten, dass sie ihre Möglichkeiten einschränken wenn sie sich für einen bestimmten Server entscheiden, also lassen Sie uns das Ganze etwas anders angehen. Sagen wir einfach Mastodon ist eine Stadt, in die sie umziehen möchten. Sie sehen sich verschiedene Straßen an, was da für Leute leben, was es an Einkaufsmöglichkeiten gibt und wie ganz generell die Atmosphäre dort ist. Das ist ihre neue Nachbarschaft, also möchten Sie sicher gehen, dass sie sich dort auch wohl und sicher fühlen.

    Wie erfahren Sie etwas über diese neue Nachbarschaft? Eine gute Ausgangsbasis sind die Serverregeln. Diese finden Sie, wenn Sie auf den „about“ Abschnitt in der linken Spalte klicken (ich habe darauf verzichtet, meinen Account auf deutsch umzustellen, Sie mögen mir das nachsehen):

    Sie sehen die Regeln, die für ihre Straße gelten und Sie können sich überlegen, ob das nach einem Ort klingt in dem Sie gerne leben möchten. Und natürlich kennen Sie vielleicht andere Leute, die bereits in diese Straße gezogen sind und können sich mit denen darüber austauschen, wie es ihnen dort gefällt.

    Wenn Sie eine Straße gefunden haben, die ihnen gefällt, dann ziehen dort in ein Haus, indem Sie einen Account anlegen. Und Sie bekommen natürlich eine Adresse, damit andere Sie finden können. Meine Adresse lautet @[email protected] weil ich registrartrek heiße und in der glammr.us Straße lebe.

    Viele Leute befürchten, dass Sie keinen anderen Leuten mehr folgen können, wenn sie sich einmal für einen Server entschieden haben. Das stimmt nicht. Natürlich können Sie Menschen in anderen Straßen besuchen, wenn Sie in diese Stadt gezogen sind! Straßen sind mit anderen Straßen verbunden, und sie können sich in der Stadt frei bewegen. Eine Einschränkung gibt es allerdings: Ihre Straße hat sich vielleicht entschieden, keine Brücke in eine schlechte Nachbarschaft zu bauen, weil sich deren Einwohner unmöglich aufführen und sich so verhalten, dass es den Regeln Ihrer Straße widerspricht. Vielleicht wurde auch eine Brücke zerstört, weil zu viele Leute aus dieser Nachbarschaft herüberkamen und angefangen haben, in ihrer Straße Leute anzupöbeln und zu bedrohen. Um es in der Mastodon-Sprache zu sagen: Die eigentliche Idee ist, dass Server sich mit anderen Servern verbinden (federate). Auf der anderen Seite gibt es aber eine schon lange etablierte Kultur, sich um die Einwohner zu kümmern, also entscheidet jede Straße für sich, ob sie nun mit einer anderen Straße verbunden sein will oder nicht und ob sie sich ggf. von einer solchen Verbindung auch wieder löst (defederate), wenn die andere Straße ein Verhalten an den Tag legt, das sie nicht akzeptabel findet.

    Ihr neues Zuhause einrichten

    Mit diesem Hintergrundwissen klicken Sie jetzt auf “create an account” und folgen den weiteren Schritten, genau so wie sie das auf jeder anderen Social-Media-Plattform tun würden. Es gibt Server, die komplett offen sind und auf denen Sie sofort Zugang haben. Viele andere Server sind so eingerichtet, dass Sie entweder von der administrierenden Person zugelassen werden müssen oder eine Einladung brauchen von einer Person, die bereits auf diesem Server ist. Das ist eine kleine Hürde, aber sie hilft, Spammer und bekannte Rowdys von Servern fern zu halten. Falls Sie eine Einladung zu meiner „Straße“ glammr.us haben möchten, dann schreiben Sie mir einfach unter [email protected] und ich schicke Ihnen eine (allerdings weiß ich nicht, ob ich aufgrund von Arbeit und Alltag wirklich schneller bin als die Admins).

    Übrigens können Sie auch später noch in eine andere Straße umziehen. Wenn Sie herausfinden, dass Ihnen eine andere Straße besser gefällt, dann können Sie ihre Sachen packen und dahin umsiedeln, es gibt eine Import/Export-Funktion. Dies gilt allerdings nur für ihre Follower, nicht für Ihre Beiträge.

    Lernen Sie die Nachbarschaft kennen

    Wenn Sie in Ihr neues Zuhause eingezogen sind und die Vorhänge aufgehangen haben… ich muss Ihnen nun wirklich nicht erklären, wie man ein Social-Media-Profil einrichtet, das machen Sie schon ihr ganzes Leben, oder? Aber wir schauen uns jetzt mal die Umgebung an.

    Rechts sehen Sie die Option “Live Feeds”, wenn Sie da drauf klicken, gibt es das Tab „This server“ das Ihnen die Beiträge von allen Leuten auf Ihrem Server zeigt. Das heißt, je mehr die Leute, Themen und Kultur auf Ihrem Server mit ihren eigenen Interessen übereinstimmt, desto mehr interessante Beiträge und Leute, denen Sie gerne folgen möchten werden Sie hier finden. Wenn Sie mehr entdecken möchten, dann klicken Sie auf “Other Servers”, das zeigt Ihnen dann alle Beiträge von allen Servern, die mit Ihrem verbunden sind, also das Gequassel auf allen Straßen in der Stadt, abzüglich der Straßenzüge, zu denen die Verbindung abgebrochen wurde. Und wenn Ihnen das immer noch nicht genug ist, gibt es auch noch „All“ das Ihnen ALLE Beiträge von allen Leuten auf Mastodon zeigt. Uff, das ist zu viel, lassen Sie uns schnell zu ihrer eigenen Zeitleiste wechseln, die Sie sehen, sobald Sie auf “Home” klicken.

    Wenn Sie gerade erst eingezogen sind, dann wird Ihre Zeitleiste natürlich leer sein. Sie wird sich aber bald füllen, sobald Sie Leuten und Hashtags folgen.

    Nachbarn treffen

    Also, Sie sind jetzt in diese Straße gezogen, aber die Leute kennen Sie nicht und Sie kennen die Leute nicht. Wenn Sie Glück haben, dann kennen Sie zumindest schon mal eine Person in der gleichen Straße oder zumindest der gleichen Stadt. Fangen Sie am besten damit an, dass Sie meine Adresse @[email protected] in das Suchfeld kopieren und auf den „follow“ Knopf klicken. Hi! Jetzt erscheinen meine Beiträge in Ihrer Zeitleiste. Das können Sie jetzt auch nochmal mit @[email protected] machen, dann erscheinen auch alle aktuellen Blogbeiträge von Registrar Trek in Ihrer Zeitleiste.

    Das ist ja ganz nett, aber mich kennen Sie ja schon. Sie können auf mein Profil gehen und sich ansehen, wem ich folge und wer mir folgt. Vielleicht sind da ja auch Leute dabei, denen Sie gerne folgen möchten.

    Aber das war jetzt das gleiche, als hätten Sie mich zu Ihrer Einweihungsparty eingeladen und ich hätte ein paar Freunde mitgebracht. Die kennen Sie nun auch, aber das ist ja nicht die ganze Nachbarschaft. Sie wissen immer noch nicht welche Bäckerei die besten Croissants macht und in welcher Bar man brauchbare Margaritas serviert bekommt, sozusagen.

    Als nächstes folgen Sie Hashtags über Dinge, die Sie interessieren. Ich hoffe immer noch, dass wir #MuseumDocumentation zu seiner alten Stärke zurück bringen, zum Beispiel. Also geben wir das in das Suchfeld ein und Sie sehen sowohl Leute, die den Hashtag in ihrem Profil haben, als auch den Tab „Hashtag“. Wenn Sie da drauf klicken, sehen Sie eine Liste mit Hashtags wenn es mehrere mit dem Begriff gibt und wenn Sie auf einen davon klicken, gibt es einen Knopf „Follow Hashtag“ mit dem Sie ab Klick jeder Beitrag, der #MuseumDocumentation enthält in Ihrer Zeitleiste sehen können. Es gibt z.B. auch #croissants und #SilentSunday oder was auch immer Ihr Herz begehrt. Hashtags sorgen dafür, dass sich die Mastodon-Welt dreht, also nutzen Sie sie in Ihren Beiträgen und scheuen Sie sich nicht, vielen zu folgen. Sie können immer noch später Begriffe entfolgen, wenn Ihre Zeitleiste zu unübersichtlich wird.

    Sagen Sie “hallo”

    Als nächstes möchten Sie allen sagen, dass Sie hierher gezogen sind und wer Sie sind. Dafür möchten Sie vielleicht einen Beitrag schreiben, in dem Sie sich kurz vorstellen und in dem Sie den Hashtag #introduction verwenden. Vergessen Sie nicht Hashtags mit Ihren Interessen zu verwenden, auf diesem Wege entdecken Sie vielleicht Gleichgesinnte, die Sie sonst nie kennen gelernt hätten.

    Und da Leute sicherlich auf Ihr Profil schauen, um Sie besser kennen zu lernen und Sie sich ja nicht andauernd wiederholen möchten, heften Sie diesen Beitrag einfach an Ihr Profil an. Auf den meisten Servern können Sie mehr als einen Beitrag anheften, auf glammr.us bis zu fünf.

    Oh, und scheuen Sie sich auch nicht, einfach mal einen Beitrag von jemandem zu kommentieren, der Ihnen gefallen hat. Mastodon lebt viel mehr davon, dass Leute sich einfach miteinander unterhalten als andere Plattformen (mehr dazu im nächsten Abschnitt). Also keine Angst vorm Quasseln mit Leuten.

    Dezentralisiert und kein
    Algorithmus – was heißt das eigentlich?

    Sie haben vielleicht schon gehört, dass Mastodon ein dezentrales Netzwerk ist und keine Algorithmen verwendet, aber es ist vielleicht etwas nebulös was das denn nun wirklich im täglichen Umgang bedeutet. Hier sind meine Erkenntnisse kurz zusammengefasst:

    • Die Server werden von einzelnen Leuten oder Gruppen betrieben, die das aus dem eigenen Geldbeutel und ohne kommerzielle Hintergedanken tun. Deshalb gibt es auf den meisten Servern auch keine Werbung. Das ist ziemlich einmalig in einem Zeitalter, in dem oft schon das eigene Betriebssystem einem Dinge aufschwätzen will.
    • Punkt eins mag Sie dazu bewegen, dass Sie ab und an mal was an Ihre Serveradmin spenden, um ihnen mit den Serverkosten zu helfen.
    • Twitter und andere von Unternehmen betriebene Plattformen arbeiten mit Algorithmen um manche Beiträge vor anderen zu priorisieren. Fragen Sie sich, warum Sie Musks Gesicht so oft auf Twitter sehen? Ja, genau, daran liegt das. Sie analysieren auch, wie oft ein Beitrag gemocht wird und Beiträge mit mehr Likes werden als wichtiger eingestuft als solche mit weniger Likes. Das ist auf Mastodon nicht der Fall. Hier sehen Sie nur die Beiträge von Leuten und Hashtags denen Sie folgen in chronologischer Reihenfolge, nichts weiter. Niemand ist wichtiger als der andere.
    • Davon ausgehend: Wenn Sie auf Mastodon einem Beitrag ein Like geben, dann sagen Sie den Beitragsschreibenden, dass Ihnen gefallen hat, was sie gesagt haben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Diejenigen, die Ihnen folgen bekommen davon nichts mit.
    • Wenn Sie möchten, dass diejenigen, die Ihnen folgen auch einen Beitrag sehen, der Ihnen gefallen hat, dann müssen Sie ihn boosten. Auf Twitter hieß das retweeten, boosten ist nichts anderes. Es transportiert den Beitrag in die Zeitleiste derjenigen, die ihnen folgen. Wieder der einzige Unterschied: kein Algorithmus zählt wie oft etwas geboostet wurde und schiebt ihn irgendjemandem ins Gesicht, der den gar nicht sehen wollte.
    • Oh, übrigens, Sie können Beiträge auch im Nachhinein bearbeiten, also wenn Sie nach dem posten schlauer sind, zum Beispiel, weil Sie jemand in einem Kommentar auf einen Fehler hingewiesen hat, dann können Sie einfach zu ihrem ursprünglichen Beitrag gehen und das korrigieren. Diejenigen, die davor mit Ihrem Beitrag interagiert haben, werden über der Änderung informiert (wenn sie diese Funktion nicht ausgeschaltet haben, um ihre Mitteilungen zu entlasten).

    Kultur

    Die Atmosphäre auf Mastodon kann variieren, je nachdem welchen Server Sie gewählt haben und welchen Leuten Sie folgen. Generell finde ich es viel angenehmer als Twitter. Allerdings sind bislang nur sehr wenige Museumsleute vertreten, daher vermisse ich die aktiven Gespräche, die sich an anderer Stelle oft ergeben haben. Aber das ist mehr eine Frage wie viele hier wie oft aktiv sind, es hat mit der Plattform an sich nichts zu tun.

    Generell gibt es eine Kultur der Inklusion und das bedeutet auch, dass es ein ungeschriebenes Gesetz ist, dass Bilder und Gifs mit Alternativtext versehen werden, damit seheingeschränkte Personen auch mitbekommen, um was es Ihnen ging, als Sie das Medium gepostet haben.

    Wenn Sie über sensible Inhalte schreiben – oder auch einfach einen Spoiler zu einer aktuellen Fernsehepisode oder Film – können und sollten Sie die sogenannten Content Warnings (CW) nutzen. Das sorgt dafür, dass in der Zeitleiste zunächst nur angezeigt wird, was Sie als Warnung geschrieben haben und erst, wenn man auf den Post klickt sieht man den eigentlichen Inhalt. Es kann sein, dass Ihr Server Inhaltswarnungen für bestimmte Inhalte vorschreibt. Schauen Sie sich auf der „About“ Seite an, was für Sie gilt.

    Falls Sie von einem anderen Menschen auf Mastodon beleidigt werden, dann melden Sie den verletzenden Beitrag, damit die Server-Administration sich das ansehen und geeignete Maßnahmen ergreifen kann. Wie damit umgegangen wird unterscheidet sich wieder von Server zu Server, wenn die Instanz nur von einer Person betrieben wird dauert es in der Regel länger als wenn es ein Moderatorenteam gibt. Aber im Großen und Ganzen fand ich die Reaktionszeiten und Reaktionen viel angemessener als an anderen Orten, besonders da andere Plattformen nun wieder Hassparolen, Sexismus, Rassismus, Homophobie, Transphobie und Lügen als akzeptables Verhalten betrachten.

    Zum Schluß

    Obwohl ich bislang nicht sehr aktiv auf dem Mastodon-Account von Registrar Trek war, plane ich das zukünftig mehr zu sein. Aber das hängt natürlich sehr davon ab, ob auch andere Leute mitmachen. Sind Sie dabei?

    Angela

    Mehr dazu

    Fedi.Tips gibt einen guten Überblick wie das Ganze funktioniert.

    https://fedi.tips/

    A Beginner’s Guide to Mastodon von Tamilore Oladipo ist ziemlich gut und gibt etwas Kontext.

    https://buffer.com/resources/mastodon-social

    Das hier sagt so ziemlich das, was ich auch gesagt habe, nur besser und mit weniger Wörtern, inklusive einiger Bereiche, zu denen ich nix gesagt habe wie z.B. private Nachrichten.

    https://techcrunch.com/2023/07/24/what-is-mastodon

    #MuseumDocumentation #RegistrarLife #Mastodon #SocialMedia #Twitter #X