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#weltenkreuzerbloggt — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #weltenkreuzerbloggt, aggregated by home.social.

  1. Die Rhetorik der Freiheit des Kapitalismus ist für viele Menschen letztlich nicht real erlebbar, auch wenn sie als rechtlich gesichert kommuniziert wird. Hier haben wir mal wieder den Konflikt zwischen der juristischen Realität und der Welt:

    "Aus der rein formalen Freiheit in arbeitsteilig organisierten Marktgesellschaften resultiert so der Widerspruch, de jure frei zu sein, aber de facto nicht über sich selbst bestimmen zu können."

    weltenkreuzer.de/freiheit-kapi

    #WeltenkreuzerBloggt #Kapitalismus #Ungleichheit #Armut

  2. Ein zentrales Versprechen demokratisch-kapitalistischer Systeme ist die (formale) Möglichkeit für einzelne Personen, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen und bei der Gestaltung der Gesellschaft mitzusprechen. Dabei stellt sich von vornherein die Frage, inwieweit dieses Versprechen überhaupt einlösbar ist, faktisch wird es auf jeden Fall nicht realisiert.

    "Individuen sind in spätmodernen Gesellschaften in diesem Sinne einem Dilemma ausgesetzt, das sich nur schwer eigenhändig auflösen lässt: Sie haben enorme Erwartungen an die eigene Selbstwirksamkeit– aber genau diese erfahren sie häufig nicht."

    weltenkreuzer.de/kapitalismus-

    #WeltenkreuzerBloggt #Kapitalismus #Demokratie

  3. In einer telelogischen Welt ist die Menschheit zum Fortschritt verdammt. In der Theologie Peter Thiels sind dazu große Projekte nötig, zu denen wir aktuell aber nicht in der Lage sind, weil wir uns in gesellschaftspolitischem Klein-Klein verheddern:

    "Um nicht zurückzufallen, sind große Ziele unverzichtbar, wie es sie einst in den USA gab: das Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe, die Mondlandung oder Nixons Plan 1974, Krebs bis zum Ende des Jahrtausends zu besiegen. Doch seit mehreren Jahrzehnten stagniert die Politik, und die Gesellschaft verheddert sich wieder in neuen mimetischen Konflikten, wie sie in den identitätspolitischen Verengungen und Konkurrenzen zum Ausdruck kommen."

    weltenkreuzer.de/aktuelle-zeit

    #WeltenkreuzerBloggt

  4. Auch wenn wir jetzt ChatGPT dafür verantwortlich machen, dass Studierende nicht mehr in erster Linie lernen, sondern jede mögliche Abkürzung nehmen, um Prüfungen gut zu bestehen, war das Ideal der Bildung um der persönlichen Entwicklung willen schon vorher zerstört.

    "The ideal of college as a place of intellectual growth, where students engage with deep, profound ideas, was gone long before ChatGPT. The combination of high costs and a winner-takes-all economy had already made it feel transactional, a means to an end."

    weltenkreuzer.de/ideal-bildung

    #WeltenkreuzerBloggt #KI #Bildung

  5. #Architektur bestimmt unter anderem darüber, welche Kommunikation unauffällig möglich ist und wer durch öffentliche Räume gehen muss, um zu seinem Gesprächspartner zu gelangen. Gerade in kritischen Phasen kann Unauffälligkeit sehr relevant sein:

    "Die Hintertreppe zwischen SPD und CDU kommt in keiner Architekturzeitschrift vor. Sie ist ziemlich profan, eine Betontreppe hinter einer Glasfront. Von der Spree aus hat man den Eindruck, da musste noch ein Notausgang hin. Ihre wahre Bestimmung aber war in jenen Tagen, dass Müntefering sich eben nicht durch Vorzimmer, luftige Hallen und offene Treppen zur CDU vorarbeiten musste, sondern eine Abkürzung von 20 Stufen nehmen konnte, die mutmaßlich der Brandschutzverordnung geschuldet war."

    weltenkreuzer.de/abgeordnetenh

    #WeltenkreuzerBloggt

  6. Damit Computer ihre Arbeit tun können, sind sie darauf angewiesen, klar definierte Daten zu bekommen. Die echte Welt ist allerdings komplex und Abstraktion aufwendig. Klassifizierende KI erscheint hier als wirksamer Adapter.

    "Discriminative AI turns the complex and contradictory, the wild and weird world of physics and chemistry and people into simple data. It is the tool to build tools. The mold that you can use to shape the world into computer-processable bits of information of higher abstractions." (@tante)

    Auf diese Weise beschränken wir die Art, in der wir mit der Welt agieren, jedoch massiv und grenzen unseren Handlungsspielraum ein.

    weltenkreuzer.de/ki-reduziert-

    #WeltenkreuzerBloggt

  7. „Give Me Something to Believe, in this hell you call a dream“ ist die Textzeile der Band The Warning, die mir einfach nicht aus dem Kopf geht. Eben genau, weil sie den offensichtlichen Widerspruch zwischen der kapitalistisch-demokratischen Rhetorik der Freiheit und dem täglichen Erleben der Menschen auf den Punkt bringt.

    The Warning: "Hell you call a dream" vom "Album Keep Me Fed"

    weltenkreuzer.de/give-me-somet

    #WeltenkreuzerBloggt

  8. Der Kapitalismus ist weitverbreitet als die Gesellschaftsform anerkannt, die den Menschen Glück und Freiheit liefert. Gleichzeitig merken die Menschen aber auch, dass sie diese Freiheit und das Glück in ihrem Leben nicht erkennen können und konstant an systemische Grenzen in dem stoßen, was sie tun können und was nicht.

    "Das spätmoderne Individuum ist heute in seiner Grundkonstitution ambivalent. Es kann zwar sein Leben wie nie zuvor autonom gestalten, ist aber zugleich gesellschaftlichen Zwängen unterworfen."

    weltenkreuzer.de/kapitalismus-

    #WeltenkreuzerBloggt

  9. Wenn wir jemanden als "Versager" bezeichnen, betonen wir damit in erster Linie, dass diese Person nach den herrschenden Ansprüchen nicht den üblichen Erwartungen entsprechen kann. Warum dies der Fall ist oder ob diese Person das überhaupt möchte, steht dabei nicht zur Debatte.

    Auf diese Weise werden oft solche Personen als Versager tituliert, die sich gegen die verbreiteten gesellschaftlichen Erwartungen stellen.

    "In ihrer Verknüp­fung mit gesell­schaft­li­chen Leis­tungs­er­war­tungen [...] erzählt die Erfin­dung des Versa­gens damit nicht zuletzt auch die Geschichte [...] einer Stig­ma­ti­sie­rung all derje­nigen, [...] die Zweifel am soge­nannten guten Leben anmelden, die sich nicht unauf­hör­lich verbes­sern wollen."

    weltenkreuzer.de/versagen-abwe

    #WeltenkreuzerBloggt

  10. Jeder gesellschaftliche Fortschritt bringt seine eigenen Widersprüche und Konflikte, die gesellschaftlich verarbeitet werden müssen. Er führt auch zu Veränderungen im sozialen Gefüge, die dazu führen ,dass sich einzelne Gruppen gegen ihn wenden.

    "Aus der reflexiven wird eine regressive Modernisierung. Gesellschaften fallen in einzelnen Feldern hinter einmal erreichte Standards zurück. Im Fortschritt wird ein Rückschritt erkennbar."

    weltenkreuzer.de/gesellschaftl

    #WeltenkreuzerBloggt

  11. Der Begriff des Versagens kommt eigentlich aus der Waffentechnologie und beschreibt solche Momente, in denen das mechanische System nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Wenn man diesen Begriff nun auf menschliches Handeln überträgt, setzt man implizit voraus, dass Menschen eigentlich wie ein mechanisches System funktionieren sollten.

    "Versagen beschreibt also das uner­war­tete und uner­klär­liche Nicht­ein­treten einer eigent­lich zu erwar­tenden Leis­tung, einen Ausfall inner­halb einer ange­nom­menen Kausal­kette – und damit ein Nichtfunk­tio­nieren, das nicht auf sicht­bare äußere Ursa­chen zurück­zu­führen ist, sondern viel­mehr [...]

    weltenkreuzer.de/versagen-idea

    #WeltenkreuzerBloggt

  12. Mit Blick auf die nächsten Monate und Jahre ist vollkommen unklar, wie OpenAI seinen Betrieb finanzieren will. Die Nutzer der freien Lizenzen verursachen horrende Kosten und selbst die zahlenden Kunden sind nicht profitabel. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter an und es scheint auch, als stoße das Unternehmen an die Grenzen seiner Kapazität in Sachen Rechenzentren und GPUs. Dies könnte eine Gefahr für die gesamte Tech-Industrie werden.

    "Even in a hysterical bubble where everybody is agreeing that this is the future, OpenAI currently requires more money and more compute than is reasonable to acquire. Nobody has ever raised as much as OpenAI needs to, [...]"

    weltenkreuzer.de/openai-geld-k

    #WeltenkreuzerBloggt #KI

  13. Open AI und mit ihm die generative #KI sind für die Zukunft der Tech-Industrie absolut zentral: auf der einen Seite, weil es Unmengen an Kapital bindet und verbrennt; auf der anderen Seite aber auch, weil es aktuell das einzige große Versprechen der Industrie in Sachen echter Innovation ist. Ein Scheitern von #OpenAI würde in der Industrie und der Wirtschaft allgemein Schockwellen auslösen …

    "OpenAI has become a load-bearing company for the tech industry, both as a narrative — as previously discussed, ChatGPT is the only Large Language Model company with any meaningful userbase — and as a financial entity."

    weltenkreuzer.de/openai-zentra

    #WeltenkreuzerBloggt

  14. Chatbots wie ChatGPT sind bei vielen Menschen mittlerweile fester Bestandteil des Lebens. Da ist es nicht überraschend, dass insbesondere einsame Menschen schnell parasoziale Beziehungen zu ihnen entwickeln:

    "In other words, the neediest people are developing the deepest parasocial relationship with AI — and where that leads could end up being sad, scary, or somewhere entirely unpredictable"

    weltenkreuzer.de/menschen-chat

    #WeltenkreuzerBloggt

  15. In gesellschaftlichen Debatten diskutieren wir immer häufiger über Gruppen und Typen von Technologien. Wenn man genau hinschaut, wird jedoch deutlich, dass diese Abgrenzung nicht auf technologischen Kriterien basiert, sondern sich aus einem spezifischen politisch-kulturellen Blick ergibt:

    "I don’t think it takes a particularly sharp mind to understand that the coalitions against FRT, against predictive policing, against prisons, etc… are working against a constellation of politically closely-related politics that happen to be implemented on a range of disparate technologies."

    weltenkreuzer.de/klassifiziere

    #WeltenkreuzerBloggt #KI

  16. In der Theologie Peter Thiels ist die Geschichte auf einen Fortschritt ausgerichtet, den wir kontinuierlich verfolgen müssen, um uns aus der Barbarei mimetischer Gewalt zu befreien.

    "Die gesamte Weltzeit verläuft nicht zyklisch, wie die alten Völker meinten, sondern auf ein Ziel hingerichtet hinaus, nach vorne. Stehen bleiben bedeutet also Rückfall."

    weltenkreuzer.de/thiel-geschic

    #WeltenkreuzerBloggt

  17. Mit seiner theoretischen Rechtfertigung der aktuellen Ideologie der Tech-Oligarchen knüpft Peter Thiel an die Theologie Rene Girards an, der menschliche Triebe auf die Nachahmung anderer ausgerichtet sieht und damit ständigen Wettbewerb produziert. Thiel zieht daraus den Schluss, dass Gewaltfreiheit und Freiheit allgemein nur dann möglich sind, wenn man sich dem Wettbewerb entzieht.

    "Monopolbildung ist die Alternative zum Wettbewerb. Daraus entsteht die Grundhaltung des Contrarian, für die Thiel schon in seinen Stanforder Studientagen stand. Heute würde man vielleicht formulieren: Immer gegen den Mainstream"

    weltenkreuzer.de/monopol-thiel

    #WeltenkreuzerBloggt

  18. Bei der Lektüre von "Team Topologies" von Matthew Skelton und Manuel Pais ist mir aufgefallen, dass es mittlerweile Teil des Systems ist, dass Software sich kontinuierlich und in immer engeren Zyklen verändert. Gerade das hier vorgeschlagene System setzt darauf, dass viele kleinteilige Teams möglichst wenig miteinander interagieren, um eine schnelle Iteration zu ermöglichen.

    Durch diese schnelle Iteration wird es auf Nutzerseite jedoch immer schwieriger, verlässliche Prozesse aufzubauen und immer wichtiger, kontinuierlich auf dem Stand zu bleiben, was die Bedienung angeht.

    weltenkreuzer.de/schnelle-vera

    #WeltenkreuzerBloggt

  19. Ein Beispiel dafür, wie Computerprogramme immer schlechter werden, sind moderne Programme zur Textverarbeitung. Der reine Akt des Schreibens wird hier ständig unterbrochen und durch kontinuierliche Irritation erschwert:

    "What started as simple digital writing tools have evolved into complex ecosystems of notifications, suggestions, and “helpful” features that often interrupt rather than enhance the writing flow."

    weltenkreuzer.de/moderne-schre

    #WeltenkreuzerBloggt #Enshittification #Schreiben

  20. Dass viele Menschen glauben, LLMs wären intelligent, lässt sich mit demselben Mechanismus erklären, der manche Menschen an Hellseher glauben lässt - u.a. dem sogenannten Forer-Effekt:

    "As a consequence, many people will interpret even the most generic statement as being specifically about them if they can relate to what was said."

    weltenkreuzer.de/glaube-intell

    #KI #WeltenkreuzerBloggt

  21. Sobald das Wissen der Arbeiterschaft in Maschinen manifestiert ist und durch den Kapitalismus nahezu beliebig skaliert und bewegt werden kann, können Arbeiter von diesem Wissen entfremdet werden, das ihnen nun extern gegenübertritt. Veränderungen und Verbesserungen am Produktionsprozess sind nun nicht mehr direkt mit ihrer Praxis verbunden, sondern bleiben ihnen sogar vorenthalten.

    Spätere Generationen [...]

    weltenkreuzer.de/automatisiert

    #WeltenkreuzerBloggt

  22. #KI steht in einer Traditionslinie mit der Automatisierung physischer Produktion und zielt auf die Zentralisierung von Wissen und dessen Vermarktlichung ab:

    "I think we should shed the idea that AI is a technological artifact with political features and recognize it as a political artifact through and through. AI is an ideological project to shift authority and autonomy away from individuals, towards centralized structures of power. [...]

    weltenkreuzer.de/ki-politische

    #WeltenkreuzerBloggt

  23. Bei der ganzen Diskussion darum, ob die KI menschlich wird, sollten wir uns lieber fragen, ob nicht wir Menschen der #KI
    immer ähnlicher werden, bzw. uns nicht schon länger in eine Richtung bewegen, die uns durch KI ersetzbar macht. Dazu formuliert @Daojoan :

    "We‘re worried about AI doing human things. We should be equally worried about humans doing AI things – optimizing hard, understanding nothing."

    Quelle: mastodon.social/@Daojoan/11432

    Mein Post: weltenkreuzer.de/ki-wandel-men

    #WeltenkreuzerBloggt

  24. Die Industrialisierung war nicht nur eine Akkumulation von physischem Kapital, sondern auch von Wissen, über das die Arbeiter verfügen und das nun in der Form von Maschinen kapitalistisch ausgebeutet werden kann.

    Dabei zeigen sich auch Parallelen zum aktuellen Umgang mit „künstlicher Intelligenz“, die eine solche Akkumulation jetzt auch für andere Formen des Wissens ermöglicht:

    weltenkreuzer.de/automatisieru

    #WeltenkreuzerBloggt #KI

  25. Heutzutage trennen wir relativ klar zwischen „Wissensarbeit“ und „physischer“ Arbeit. Spätestens mit den Managementideen Frederick Taylors ist diese Unterscheidung fest etabliert. Bei genauem Hinsehen lässt sie sich jedoch kaum aufrechterhalten: Jede physische Arbeit enthält immer auch einen gewissen Anteil an Wissen – nicht nur ein verklärtes „ursprüngliches“ Kunsthandwerk, sondern auch Landwirtschaft oder die Produktion von Alltagsgütern. [...]

    weltenkreuzer.de/intellektuell

    #WeltenkreuzerBloggt

  26. Ein wichtiger Modus, der insbesondere neuen Subkulturen Identität stiftet, ist ihre Abgrenzung vom Mainstream. Damit verbunden ist eine gewisse Barriere beim Zugang. Wird diese Kultur nun einfach zugänglich, verliert dieser Mechanismus an Kraft:

    "I’m tempted by the arguments that the easiness of all cultural availability does lose a certain intensity, at least potentially, to a certain set of subcultures."

    weltenkreuzer.de/schwierige-zu

    #WeltenkreuzerBloggt

  27. Der Aufbau einer neuen Subkultur ist auf vielen Ebenen anstrengend. Wenn die Subkultur dann erfolgreich wird, immer zugänglicher und sich mehr Menschen in ihr bewegen, kann dies zu Ablehnung durch die alten Hasen führen:

    "And I also feel something, because I’m awful: Now people are reading those authors, and they don’t deserve them. They don’t get it. They didn’t do the work."

    weltenkreuzer.de/alte-hasen-ne

    #WeltenkreuzerBloggt

  28. Das zentrale Ziel von Private-Equity-Firmen besteht darin, die Assets einer übernommenen Firma zu übernehmen und die Kosten mit aller Gewalt zu drücken. Dabei ist es auch egal, wenn das Unternehmen pleitegeht.

    > Contrary to the industry’s claims about being experts in turning companies from losers to winners, private equity typically targets healthy companies rather than underperforming ones, the better to extract cash reserves. Having [...]

    weltenkreuzer.de/private-equit

    #WeltenkreuzerBloggt

  29. 💡 Kapitalisierung von Wissen als Gefahr für den #Kapitalismus schon im 19. Jhdt. erkannt

    📝 Die zentrale Rolle von Wissen für die Wirtschaft – auch die Produktionswirtschaft – war schon Charles Babbage am Anfang des 19. Jahrhunderts bewusst. Insbesondere sah er in der zunehmenden Kapitalisierung des Wissens der Arbeiterschaft in Maschinen ein Risiko für das langfristige Funktionieren eines arbeitszentrierten Kapitalismus [...]

    🔗weltenkreuzer.de/kapitalisieru

    #WeltenkreuzerBloggt

  30. 💡 Moderner Blick auf Entstehung des Computers versteckt kollektive Leistung hinter Genie-Kult

    📝 Wenn wir heute auf die frühe Entwicklung des Computers zurückblicken, stehen da in erster Linie zwei Namen: Charles Babbage und Ada Lovelace. Sie gelten als Erfinder*innen des Computers bzw. der heute so zentralen Unterscheidung von Hardware und Software. Doch gegenteilig zu der dominierenden Erzählweise [...]

    🔗 weltenkreuzer.de/moderner-blic

    #WeltenkreuzerBloggt

  31. Gut 2000 Jahre ist die westliche Philosophie mittlerweile damit beschäftigt, die Widersprüchlichkeiten des Weltbilds der Unterwerfung damit in Einklang zu bringen, dass wir Menschen doch eigentlich gut, göttlich und vernünftig sind. Und dann kommt da diese #Klimakatastrophe und macht unser ganzes schönes Gerede kaputt. [...]

    weltenkreuzer.de/klimakatastro

    #WeltenkreuzerBloggt #Klima #Ideengeschichte

  32. Ein zentrales Element der westlichen Ideengeschichte sind die Spannungen zwischen positiven menschlichen Werten wie göttlich geforderter „Moral“ oder menschlich inhärenter „Vernunft“ und dem Streben danach, nicht nur die Natur, sondern auch andere Menschen zu unterwerfen. So brauchte es für den transatlantischen Sklavenhandel eine besondere Rechtfertigung, woraufhin der #Rassismus entstand:

    weltenkreuzer.de/rassismus-skl

    #WeltenkreuzerBloggt #Rassismus #Sklaverei #Ideengeschichte

  33. #WeltenkreuzerBloggt über #Zukunft, #TESCREAL und das Weltbild der #Unterwerfung:

    Unterwerfung unter die Maschinen ist logische Konsequenz des westlichen Weltbildes.

    Wenn wir auf die Entwicklung des westlichen Weltbildes der letzten 2000 Jahre blicken, ist es letztlich nur folgerichtig, dass wir Menschen uns in den letzten rund 250 Jahren immer mehr den Maschinen untergeordnet haben. Und es überrascht auch nicht, [...]

    weltenkreuzer.de/unterwerfung-

  34. #WeltenkreuzerBloggt über #Ideengeschichte, #Kapitalismus und menschliche Hybris:

    Fokuspunkte der Unterwerfung

    In seinem Buch „Unterwerfung“ arbeitet Phillip Blom heraus, wie sich die Idee der Unterwerfung durch die westliche Ideengeschichte zieht. Dabei beschreibt er unterschiedliche Kristallisationspunkte dieser Ideologie, die sich historisch gegenseitig abgelöst haben. [...]

    weltenkreuzer.de/fokuspunkte-u

  35. Kolonialisierung verdrängt die komplette Lebensweise einer Kultur. Sie schlägt sich in der Moral wieder und in der Geschichtsschreibung, die z.B. die First Nations nur dann für relevant erachtet, wenn sie für die Weißen von Bedeutung sind.

    weltenkreuzer.de/koloniale-ver

    #Kolonialismus #FirstNations #Dekolonialisierung #WeltenkreuzerBloggt

  36. Kausale Emergenz hebt die Fehlerkorrektur der emergenten Ebene gegenüber der Mikroebene hervor. Eine emergente Ebene liefert hier genau so viel Informationen und Abstraktion, wie für eine sinnvolle Erklärung notwendig sind.

    weltenkreuzer.de/emergenz-als-

    #Erklärung #Emergenz #Wissenschaft #WeltenkreuzerBloggt

  37. In dem Spannungsverhältnis zwischen starker und schwacher Emergenz macht Erik Hoel in seinem Buch The World Behind the World: Consciousness, Free Will, and the Limits of Science einen sehr spannenden Vorschlag, den ich für mich extrem anschlussfähig finde: kausale Emergenz.

    Der Kerngedanke ist dabei, dass ein System auf der Makroebene zwar auf einer gewissen Ebene durch seine Bestandteile bestimmt ist, aber in einer kausalen Erklärung nicht sinnvoll durch diese ersetzt werden kann:

    Causal emergence offers a middle road, being neither weak nor strong emergence. It holds that the elements and states of macroscales are reducible to underlying microscales without loss, but that the causation of the macroscale is not.

    Ausgangspunkt dieser Idee ist die Beobachtung, dass ein emergentes Phänomen – also ein Organ, ein Material, eine Gesellschaft o.Ä. – durch (quasi) unendlich viele Konstellationen von Elementen auf der Mikroebene entstehen kann. Es gibt nicht die eine, klar definierte und spezifische Konstellation von Zellen, die ein Herz ausmachen. Es gibt nicht die eine einzige Struktur, die aus unterschiedlichen Molekülen ein Material macht und auch eine Gesellschaft kann aus unendlich vielen unterschiedlichen Personen bestehen. Hoel nennt dieses Phänomen „multiple realizability“.

    The existence of multiple realizability doesn’t refute the exclusion argument by itself, but it does imply that there is a property that macroscales possess that by definition their microscales don’t: their realizability by many possible microscales.

    Aus dieser Perspektive ist das emergente Phänomen sozusagen ein Sammelbegriff für alle Konstellationen auf der Mikroebene, die auf der Makroebene bestimmte Eigenschaften ergeben. So gewinnt die Makroebene auch eine eigene Existenz, grundsätzlich unabhängig von ihrer konkreten Zusammensetzung auf der Mikroebene. Hoel spricht hier auch von einer Art Fehlerkorrektur, die dafür sorgt, dass kleinere oder auch größere Unterschiede auf der Mikroebene nicht zwangsläufig dazu führen, dass die Makroebene auch deutlich anders aussieht. Das führt gerade in weiteren kausalen Erklärungen dazu, dass es kaum sinnvoll ist, von der konkreten „Zellkonstellation A43Gt654b84c“ zu sprechen, es macht viel mehr Sinn, das emergente Phänomen „Herz“ heranzuziehen, wenn es um den menschlichen Blutkreislauf geht.

    Kausale Emergenz beschreibt also die Ebene, auf der genau das richtige Maß an Abstraktion, Kompression und Fehlerkorrektur erfolgen, um die vorhandene Komplexität angemessen zu reduzieren und eine sinnvolle Erklärung bieten zu können. Es sind eben nicht 7.487.439 verschiedene Zellkonstellationen, die Blut durch unseren Körper pumpen, sondern das „Herz“. Hoel vergleicht dies sehr treffend mit dem Fokus einer Kamera:

    Because of this, finding the right scale to model a system at is very much like you are looking at the causal structure of the system at different scales, like focusing a camera— when you hit the natural scale of description, the system “snaps” into focus and what causes what becomes obvious.

    Für mich ist dieses Konzept der Emergenz sehr anschlussfähig, weil es genau diesen Mittelweg findet zwischen einem reduktionistischen Determinismus und einer quasi-magischen starken Emergenz. Es stellt kausale Zusammenhänge in den Mittelpunkt und macht so ebenfalls deutlich, dass jeder Blick auf „die Welt“ immer eine bestimmte Perspektive einnehmen muss.

    🔗 https://weltenkreuzer.de/emergenz-als-fokusebene-einer-erklaerung/

    #WeltenkreuzerBloggt #Emergenz #Erklärung #WeltenkreuzerBloggt #Wissenschaft

  38. Drei Beispiele aus der Arbeit John Searles zeigen deutlich, dass weitreichende Generalisierungen aus den Naturwissenschaften spätestens dann an ihre Grenzen stoßen, wenn sie auf die Welt des menschlichen Denkens und des sozialen Lebens treffen.

    weltenkreuzer.de/ehemals-als-a

    #WeltenkreuzerBloggt #Wissenschaft #Generalisierung

  39. Wissenschaft liefert keineswegs dauerhafte und gesicherte Erkenntnisse. Sie muss stattdessen als dauerhafter sozialer Aushandlungsprozess darüber verstanden werden, welches Wissen wir für gut genug abgesichert halten, um es zur Grundlage weiterer Forschung oder gar unseres Handelns zu machen. Diese Aushandlung unterliegt dabei denselben Verzerrungen und Fehlschlüssen wie andere soziale Prozesse auch – wenn auch im Vergleich meist deutlich transparenter, dafür wiederum mit stärkerem Geltungsanspruch.

    Wie jeder soziale Prozess unterliegt sie Wellen und Moden und Themen oder Argumente, die noch vor kurzem im Bereich der Wissenschaft als absurd galten, sind mittlerweile plausible Erklärungsansätze für komplexe Phänomene – wenn auch jeweils mit einem kleinen Twist. Drei solche Beispiele sind mir bei der
    Lektüre von John Searles Arbeiten zum chinese room-Gedankenexperiment aufgefallen.

    Im Zusammenhang mit diesem Gedankenexperiment gibt es eine Kritik, die argumentiert, dass vielleicht nicht der Mensch in dem Zimmer die chinesische Sprache „versteht“, aber dann immerhin das gesamte System aus Person, Regelsatz und Infrastruktur, welche die Person bei der symbolischen Verarbeitung der Sprache unterstützt. Searle schreibt in der Reaktion auf diese Kritik:

    The idea is that while a person doesn't understand Chinese, somehow the conjunction of that person and bits of paper might understand Chinese. It is not easy for me to imagine how someone who was not in the grip of an ideology would find the idea at all plausible.
    Zieht man aktuellere Gedanken zur Emergenz und sogar ein Emergenz-basiertes Verständnis von Intelligenz heran, scheint diese Idee keineswegs auf den ersten Blick absurd – auch wenn der zweite Blick möglicherweise zeigt, dass sie in diesem konkreten Beispiel trotzdem nicht zutrifft. Aus dieser Sicht ist es gerade eine konstituierende Eigenschaft von Intelligenz, dass sie nicht in einem Individuum verortet ist, sondern sich aus der Interaktion auf einer Mikro-Ebene „intelligentes“ Denken auf einer Makro-Ebene entwickeln kann.

    Unmittelbar im Anschluss spricht sich Searle dagegen aus, ( ...
    weiter lesen ...)

    #WeltenkreuzerBloggt #Wissenschaft #Generalisierung

  40. Die spezifische Erforschung tierischer Kognition –Ethologie – entwickelte sich als Reaktion auf die deterministisch-reduzierte Forschung des Behaviorismus, der zuvor darauf aus war, übermäßiger Anthropomorphisierung zu begegnen.

    weltenkreuzer.de/forschung-tie

    #WeltenkreuzerBloggt #Ethologie #Behaviorismus

  41. Die spezifische Erforschung tierischer Kognition –Ethologie – entwickelte sich als Reaktion auf die deterministisch-reduzierte Forschung des Behaviorismus, der zuvor darauf aus war, übermäßiger Anthropomorphisierung zu begegnen.

    Das Verhalten und die Intelligenz von Tieren werden seit dem 19. Jahrhundert systematisch untersucht – insb. im Anschluss an die Forschungen Charles Darwins. Dessen wissenschaftlicher Blick auf die Tiere und den Menschen erlaubte ihm eine differenzierte und fundierte Auseinandersetzung mit deren Ähnlichkeiten und Unterschieden. Sein Protegé und auch Nachfolger George Romanes nahm es mit der wissenschaftlichen Gründlichkeit und Differenzierung hingegen weniger genau und so war bei den zahlreichen Geschichten über die angebliche Intelligenz von Tieren Wahrheit bald kaum mehr von Erfindung zu unterscheiden.

    Eine wichtige Gegenbewegung gegen diesen vermenschlichenden Blick auf Tiere entstand daraufhin mit dem Behaviorismus, der bis heute in erster Linie mit dem Namen B.F. Skinner verbunden ist. Im Mittelpunkt des Behaviorismus stand ein Bild der Tiere als Maschinen, die auf einen definierten Auslöser hin ein bestimmtes Verhalten zeigen. Dabei stand die Idee der Konditionierung im Mittelpunkt der Forschung, bei der ein positiver oder negativer Reiz mit einem Verhalten verknüpft wird, um dieses zu motivieren oder eben zu verhindern.

    Frans de Waal schreibt in seinem Buch
    Are We Smart Enough to Know How Smart Animals Are dazu:

    Its focus on nothing but behavior is what gave behaviorism its name, but I had trouble with the idea that animal behavior could be reduced to a history of incentives. It presented animals as passive, whereas I view them as seeking, wanting, and striving.
    Dabei betont er insbesondere, dass die behavioristische Forschung den Lebenszusammenhang der Tiere, ihr übliches Umfeld und ihr artentypisches Verhalten vollkommen außer Acht lässt:
    Behaviorists totally overlooked these natural proclivities, forgetting that by flapping their wings, digging holes, manipulating sticks, gnawing wood, climbing trees, and so on, every species sets up its own learning opportunities.
    Er zeigt an zahlreichen Beispielen, dass gescheiterte Konditionierung nicht auf fehlende „Intelligenz“ zurückzuführen ist, sondern darauf, ( ... weiter lesen ... )

    #WeltenkreuzerBloggt #Ethologie #Behaviorismus

  42. Als Gesellschaft haben wir ein kollektives Ich ausgebildet, das nur konzeptionell begründetes Handelns akzeptiert. Belebter Intelligenz bleibt damit nur ein Graubereich.

    weltenkreuzer.de/belebte-intel

    #WeltenkreuzerBloggt #Intelligenz #Formalität

  43. Heute habe ich für meinen Podcast Zwischen zwei Deckeln die Folge zu dem Buch The Web of Meaning von Jeremy Lent aufgenommen, das ja auch hier im Blog schon das eine oder andere Mal eine Rolle gespielt hat. In dem Gespräch mit meiner Mit-Podcasterin Amanda sind wir danach auf die Frage gekommen, warum das, was Lent als klassisches westliches Weltbild beschreibt, so fest in unserer Gesellschaft verankert ist. Und vor allem, was wir als Einzelne tun können, um unser Leben ein bisschen mehr auf unsere belebte Intelligenz auszurichten.

    Von Amanda kam dabei der berechtigte Einwand: "Für mich und meine Umgebung kann ich das sicherlich machen, aber sobald ich für andere Verantwortung übernehme, wird das schwierig". Hier kommt in meinen Augen einer der zentralen Punkte hervor, die für die Stabilität des Weltbildes verantwortlich sind: Wir haben auch als Gesellschaft ein
    Ich im Sinne Lents herausgebildet, das in erster Linie die Aufgabe hat, das Handeln der einzelnen Individuen im Sinne des Bewusstseins des kollektiven Systems zu regulieren. Hier spielt sozialer Druck eine Rolle, aber ganz besonders Gesetze, die Verantwortung regeln, Vorgehensweisen festlegen und Haftungsregeln definieren.

    Sobald wir mit unserer belebten Intelligenz aus dem individuellen Handeln heraustreten in eine gewisse Form von Öffentlichkeit, müssen wir unser Handeln vor den Regeln und Erwartungen der konzeptionellen Intelligenz rechtfertigen. Vielleicht lässt sich hier sogar wieder von einer anderen Form der
    konzeptionellen Intelligenz reden - jetzt eben auf gesellschaftlicher Ebene. Dabei spielt insbesondere die Formalisierung eine wichtige Rolle, die Elemente der belebten Intelligenz explizit ausschließt, da sie nur in schriftliche Form gegossene Handlungsweisen zulässt und zudem einen grundlegenden konservativen Bias ausprägt: ( ... weiter lesen ... )

    #WeltenkreuzerBloggt #Formalität #Intelligenz

  44. Neben dem konfliktbehafteten Verhältnis zwischen Ich und Selbst ist unser westliches Weltbild von einer zweiten Grundannahme geprägt, die bei genauerem Hinsehen unzulässig vereinfacht und uns nur einen beschränkten Ausschnitt der Welt zugänglich macht: dem wissenschaftlichen Reduktionismus.

    #WeltenkreuzerBloggt #Wissenschaft #Reduktionismus

    weltenkreuzer.de/westlicher-re

  45. Neben dem konfliktbehafteten Verhältnis zwischen Ich und Selbst ist unser westliches Weltbild von einer zweiten Grundannahme geprägt, die bei genauerem Hinsehen unzulässig vereinfacht und uns nur einen beschränkten Ausschnitt der Welt zugänglich macht: dem wissenschaftlichen Reduktionismus. Dieser geht im Kern davon aus, dass ich das Verhalten eines Systems dadurch verstehen bzw. erklären kann, dass ich seine einzelnen Bestandteile verstehe bzw. erkläre. Da diese Bestandteile nach festen Regeln interagieren – so die Annahme – ergibt sich daraus zwangsläufig auch eine Erklärung des gesamten Systems.

    Doch bereits das antike Paradox vom
    Schiff des Theseus zeigt, dass es nicht alleine die physischen Bestandteile eines Schiffs sind, die dieses zum Schiff des Theseus machen. Alle Planken, Leinen und Segel sind ausgetauscht, aber trotzdem würden wir immer noch von demselben Schiff reden.

    Einen produktiven Denkansatz bietet hier die neo-konfuzianische Unterscheidung zwischen den Bestandteilen eines Dings –
    qi – und den Prinzipien, nach denen diese angeordnet bzw. strukturiert sind und miteinander interagieren – li- So schreibt Jeremy Lent in seinem Buch The Web of Meaning:

    The crucial Neo-Confucian insight was that, to understand the universe, it wasn’t enough to study qi, but also li. To understand a particular plant, for example, you needed to investigate not just what it’s made of, but also its relationship to everything else around it: the soil, other plants, the weather, its own history and the broader context of space and time beyond the plant’s immediate environment.
    Dieser Blick auf das li ist es, was der westlichen Wissenschaft lange Zeit gefehlt hat und was sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten erst ganz langsam entwickelt hat. So entwickeln sich in der Biologie beispielsweise die Systembiologie oder die Epigenetik, die den breiteren Kontext in ihre Erklärungen einbeziehen. ( ... weiter lesen ... )

    #WeltenkreuzerBloggt #Wissenschaft #Reduktionismus

  46. Die westliche Philosophie und der auf ihr aufgebaute „moderne“ Blick auf die Welt rühmt sich des rationalen Denkens, der Vernunft und der konzeptionellen Fähigkeiten der Menschen: Berechnungen, Entwürfe, Theorien und Maschinen machen uns zu dem, was wir sind, und erheben uns über die „einfache“ Natur. Mit der Hilfe der Sprache, der Mathematik und der experimentellen Wissenschaften haben wir es dieser Ansicht nach geschafft, uns zu emanzipieren und müssen uns nun nicht mehr den Regeln der Natur unterwerfen.

    Mal abgesehen davon, dass diese vorgebliche
    Kontrolle eine Illusion ist, steht diese Perspektive aus globaler Perspektive keineswegs alternativlos dar. So zieht Jeremy Lent in seinem Buch The Web of Meaning das Fazit, dass der Westen es falsch herum denkt. Während der christliche Schöpfungsmythos das „Wort“ an den Anfang aller Existenz stellt, nimmt beispielsweise der Taoismus eine grundlegend anderen Blickpunkt ein:

    Language, in their view, was anathema to the Tao. In fact, the very first words of the Tao Te Ching read, paradoxically, ‘The Tao that can be spoken of is not the true Tao.’
    Unter „Tao“ wird dabei der Fluss der Natur verstanden, ein harmonisches Prinzip, das allem zugrunde liegt und alles durchwirkt. Dabei gibt es keine grundlegenden dualistischen Trennungen zwischen Natur und Mensch oder Körper und Geist. Das Tao ist überall und die Einheit und Differenz von allem. Aus westlicher Perspektive ist dieses Konzept auf den ersten Blick nur schwer verständlich, Lent bringt aber ein intuitives – wenn auch vermutlich grob vereinfachendes – Beispiel:
    Animals, plants and other living beings spontaneously act according to their te, and because of that they flow with the way of nature– with the Tao. The Taoists called this type of activity wu-wei, or effortless action.
    Wenn wir dieses _wu-wei_ auch nur mal als Gedankenspiel als den „Naturzustand“ im wörtlichen Sinne verstehen ( ... weiter lesen ... )

    #WeltenkreuzerBloggt #Philosophie #Entfremdung

  47. In immer weniger Wirtschaftszweigen geht es tatsächlich darum, ein Produkt oder eine Dienstleistung zu verkaufen und damit Geld zu verdienen. Immer häufiger geht es stattdessen um Finanzgeschäfte, wie Kredite oder daraus abgeleitete Anlageformen, die am Kapitalmarkt verkauft werden können. Genau diese Konstruktion wurde 2008 dem US-amerikanischen Finanzmarkt zum Verhängnis.

    Eine etwas anders gelagerte Form von "Finanzialisierung" in der Luftfahrtbranche schildert
    Wendover Prodcutions in ihrem Video How Airlines Quietly Became Banks:

    Ausgangspunkt ist dabei die Beobachtung, dass – zumindest bei den amerikanischen Airlines – die Subunternehmen, die die Bonusmeilen-Programme betreiben, alleine deutlich wertvoller sind, als die Gesamtunternehmen. Damit das aufgeht, müssen die anderen Teile des Unternehmens – darunter der eigentliche Flugbetrieb – einen negativen(!) Gesamtwert aufweisen.

    Anders gesagt: Die Bonusmeilen-Programme sind der eigentliche Umsatzbringer für diese Fluglinien. Der Flugbetrieb an sich und die umgebenden Bereiche sind so defizitär, dass sich faktisch keinen Cent wert sind. Und das trotz vorhandenen Eigentums wie Flugzeugen oder teuren Landelizenzen. Und das wiederum trotz der massiven und meist gut versteckten Subventionen für die Luftfahrt.

    Wie können die Bonusmeilen aber nun so wertvoll sein? Dahinter stecken mehrere, eng miteinander verwobene, Prozesse:

    1. Airlines binden mit ihrem Bonusprogramm die eigenen Kunden, die sogar bereit sind, einen kleinen Aufpreis zu bezahlen, um dem erhofften Freiflug oder dem kostenlosen Upgrade näher zukommen
    2. Airlines "verkaufen" ihre Bonusmeilen an andere Unternehmen, wie beispielsweise Ölkonzernen oder Kreditkartenunternehmen. Diese bieten sie wiederum ihren Kund\*innen als Anreize an und hoffen so, diese zu binden und ihre eigene Marktposition zu stärken. Dabei sind die Meilen gerade in den USA extrem attraktiv als solcher Anreiz und dementsprechend nachgefragt bei den Unternehmen. Die Airlines können die Preise dafür also fleißig erhöhen und entsprechende Margen einfahren.
    3. ( ...
    weiter lesen ...)

    #WeltenkreuzerBloggt #Finanzmarkt #Fluglinien

  48. #WeltenkreuzerBloggt heute darüber, wie ausformulierte Lieblingsfragen unserem #Wissen und unseren Gedanken Struktur geben können:

    Ich lese viel, denke viel und
    schreibe seit einigen Wochen auch wieder ein bisschen mehr. Ich habe aber gleichzeitig nicht das eine Thema, die eine Disziplin, in der ich mich bewege, sondern fühle mich schon immer zwischen den fachlichen Stühlen am wohlsten gefühlt – an den Schnittstellen, den Bruchkanten, den wechselseitigen blinden Flecken.

    Wie bekommt man diese vielen Gedanken, Ideen und Inspirationen nun aber so abgelegt und strukturiert, dass auch langfristig zusammenfindet, was zusammen gehört? Eine Option ist dabei sicherlich der Zettelkasten in der Geschmacksrichtung „Luhmann“ mit seiner internen Offenheit und Anschlussfähigkeit. Er macht jedoch auch eine Menge Arbeit bei der Erstellung von Zetteln und dem Herstellen der genannten Anschlüsse. Das lohnt sich erst dann, wenn ich beginne, in ein spezifisches Thema tiefer einzusteigen.

    Ein anderer, deutlich pragmatischerer Ansatz, basiert auf einem Vorgehen, das der US-amerikanische Physiker Richard Feynman gewohnt prägnant formuliert:

    You have to keep a dozen of your favorite problems constantly present in your mind, although by and large they will lay in a dormant state. Every time you hear or read a new trick or a new result, test it against each of your twelve problems to see whether it helps. Every once in a while there will be a hit, and people will say, „How did he do it? He must be a genius!“
    Bei mir sind es keine konkreten Probleme, sondern eher große, meist interdisziplinäre Leitfragen, an denen entlang ich meine Gedanken strukturiere und Gelesenes vorläufig einsortiere, um es im richtigen Moment wiederzufinden, wenn ich mich mit dem entsprechenden Thema vertiefter beschäftige.

    Diese Fragen werde ich euch hier in der nächsten Zeit sicherlich auch immer mal wieder ausführlicher vorstellen, hier aber erstmal ein kurzer Teaser: Dieser Gedanke trägt zu meiner Frage F7 bei: „Welche Werkzeuge können wir nutzen, um in unserer komplexen Welt besser zu denken?“

    Permalink

    #DenkenAlsPraxis

  49. #WeltenkreuzerBloggt heute darüber, wie ausformulierte Lieblingsfragen unserem #Wissen und unseren Gedanken Struktur geben können:

    Ich lese viel, denke viel und
    schreibe seit einigen Wochen auch wieder ein bisschen mehr. Ich habe aber gleichzeitig nicht das eine Thema, die eine Disziplin, in der ich mich bewege, sondern fühle mich schon immer zwischen den fachlichen Stühlen am wohlsten gefühlt – an den Schnittstellen, den Bruchkanten, den wechselseitigen blinden Flecken.

    Wie bekommt man diese vielen Gedanken, Ideen und Inspirationen nun aber so abgelegt und strukturiert, dass auch langfristig zusammenfindet, was zusammen gehört? Eine Option ist dabei sicherlich der Zettelkasten in der Geschmacksrichtung „Luhmann“ mit seiner internen Offenheit und Anschlussfähigkeit. Er macht jedoch auch eine Menge Arbeit bei der Erstellung von Zetteln und dem Herstellen der genannten Anschlüsse. Das lohnt sich erst dann, wenn ich beginne, in ein spezifisches Thema tiefer einzusteigen.

    Ein anderer, deutlich pragmatischerer Ansatz, basiert auf einem Vorgehen, das der US-amerikanische Physiker Richard Feynman gewohnt prägnant formuliert:

    You have to keep a dozen of your favorite problems constantly present in your mind, although by and large they will lay in a dormant state. Every time you hear or read a new trick or a new result, test it against each of your twelve problems to see whether it helps. Every once in a while there will be a hit, and people will say, „How did he do it? He must be a genius!“
    Bei mir sind es keine konkreten Probleme, sondern eher große, meist interdisziplinäre Leitfragen, an denen entlang ich meine Gedanken strukturiere und Gelesenes vorläufig einsortiere, um es im richtigen Moment wiederzufinden, wenn ich mich mit dem entsprechenden Thema vertiefter beschäftige.

    Diese Fragen werde ich euch hier in der nächsten Zeit sicherlich auch immer mal wieder ausführlicher vorstellen, hier aber erstmal ein kurzer Teaser: Dieser Gedanke trägt zu meiner Frage F7 bei: „Welche Werkzeuge können wir nutzen, um in unserer komplexen Welt besser zu denken?“

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    #DenkenAlsPraxis

  50. #WeltenkreuzerBloggt heute darüber, wie ausformulierte Lieblingsfragen unserem #Wissen und unseren Gedanken Struktur geben können:

    Ich lese viel, denke viel und
    schreibe seit einigen Wochen auch wieder ein bisschen mehr. Ich habe aber gleichzeitig nicht das eine Thema, die eine Disziplin, in der ich mich bewege, sondern fühle mich schon immer zwischen den fachlichen Stühlen am wohlsten gefühlt – an den Schnittstellen, den Bruchkanten, den wechselseitigen blinden Flecken.

    Wie bekommt man diese vielen Gedanken, Ideen und Inspirationen nun aber so abgelegt und strukturiert, dass auch langfristig zusammenfindet, was zusammen gehört? Eine Option ist dabei sicherlich der Zettelkasten in der Geschmacksrichtung „Luhmann“ mit seiner internen Offenheit und Anschlussfähigkeit. Er macht jedoch auch eine Menge Arbeit bei der Erstellung von Zetteln und dem Herstellen der genannten Anschlüsse. Das lohnt sich erst dann, wenn ich beginne, in ein spezifisches Thema tiefer einzusteigen.

    Ein anderer, deutlich pragmatischerer Ansatz, basiert auf einem Vorgehen, das der US-amerikanische Physiker Richard Feynman gewohnt prägnant formuliert:

    You have to keep a dozen of your favorite problems constantly present in your mind, although by and large they will lay in a dormant state. Every time you hear or read a new trick or a new result, test it against each of your twelve problems to see whether it helps. Every once in a while there will be a hit, and people will say, „How did he do it? He must be a genius!“
    Bei mir sind es keine konkreten Probleme, sondern eher große, meist interdisziplinäre Leitfragen, an denen entlang ich meine Gedanken strukturiere und Gelesenes vorläufig einsortiere, um es im richtigen Moment wiederzufinden, wenn ich mich mit dem entsprechenden Thema vertiefter beschäftige.

    Diese Fragen werde ich euch hier in der nächsten Zeit sicherlich auch immer mal wieder ausführlicher vorstellen, hier aber erstmal ein kurzer Teaser: Dieser Gedanke trägt zu meiner Frage F7 bei: „Welche Werkzeuge können wir nutzen, um in unserer komplexen Welt besser zu denken?“

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    #DenkenAlsPraxis