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Rückblick auf den 14. Februar 2026
Alle Jahre wieder, so auch in diesem Jahr, fand in Dresden der geschichtsrevisionistische Gedenkmarsch anlässlich der Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 statt. Folgten zum letztjährigen 80. Jahrestag über 2.500 Nazis dem Aufruf des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“, waren es in diesem Jahr mit knapp 1.500 zwar deutlich weniger, jedoch erreichte damit die Teilnehmendenzahl wieder das übliche Niveau vor dem runden Jahrestag. Antifaschistische Proteste störten die Veranstaltung lautstark. Eine Routenverkürzung, die 2025 mit Blockaden durchgesetzt werden konnte, war in der angemeldeten Route in diesem Jahr von vornherein angelegt.
Lutz Giesen. Quelle: PixelarchivOffiziell versammelten sich die Nazis ab 12 Uhr hinter dem Bahnhof Mitte in der Weißeritzstraße, wo Lutz Giesen die Veranstaltung gegen 13 Uhr mit dem Verlesen der Auflagen eröffnete. Wie bereits in den letzten vier Jahren hatte der Greifswalder, der mittlerweile im mittelsächsischen Leisnig lebt, die Anmeldung des traditionellen Aufmarsches übernommen. Giesen war Kader der „Heimattreuen Deutschen Jugend“, arbeitete zwischen 2006 und 2011 für die NPD im mecklenburgischen Landtag und ist seit über 20 Jahren regelmäßiger Gast in Dresden rund um den 13. Februar. Eingetroffen und aufgebaut waren bis dahin bereits Max Schreibers „Flamme der Erinnerung“ und die Ausstellung, die zum 80. Jahrestag erstmals gezeigt wurde. Allzu viel Interesse weckte diese damals aber weder zur innenstädtischen Mahnwache am 13. noch zum Gedenkmarsch-Auftakt am 15. Februar. Und auch in diesem Jahr hielt sich das Gedränge um die bedruckten Planen an Bauzäunen sehr in Grenzen.
Die „Flamme der Erinnerung“ von Max Schreiber. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBereits zwei Tage zuvor, am 12. Februar, startete Schreiber mit einem Autokorso samt Feuertonne in die Innenstadt, wo dann am Dr.-Külz-Ring vor der Altmarktgalerie über drei Tage erneut eine Mahnwache stattfand – erneut mit überschaubarer Resonanz im mittleren zweistelligen Bereich. Und auch als sich am nächsten Tag, am 13. Februar, zur „Flamme der Erinnerung“ die Ausstellung hinzugesellte, blieb der Ansturm erwartungsgemäß aus. Denn festzustellen ist für den 13. Februar in Dresden insgesamt, dass die Begehung dieses Tages als Gedenktag aus der Mode gekommen scheint. Weder die Kerzeninstallation noch das Glockenläuten auf dem Neumarkt locken jenseits der Nazis noch Menschen an, um still zu erinnern. Stattdessen inszenieren sich extrem rechte Streamer und Influencer mit ihren geschichtsrevisionistischen Botschaften. Die Menschenkette als Zeichen gegen die sogenannte Vereinnahmung eines vermeintlich integren Gedenkens an die Bombardierung Dresdens ging als Aktionsform und Symbol schon zu ihrem Beginn 2010 fehl, nun aber, obendrein geschrumpft, wirkt sie gänzlich fehl platziert. Zumal sich am Abend des 13. Februars nur noch die diversen extrem rechten Splittergruppen in der Innenstadt aufzuhalten scheinen: die Wellenlänge am Altmarkt, Marcus Fuchs am Neumarkt, Burschenschaften am Kulturpalast oder eben Schreiber am Dr.-Külz-Ring. Die AfD hatte, wie bereits im letzten Jahr, auf eine Kundgebung auf dem Altmarkt verzichtet.
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Thüringer Teilnahme am Naziaufmarsch Dresden 14.02.2026 (Rechercheportal Jena-SHK)
Chemnitzer Teilnahme am Dresdner „Trauermarsch“ und dem „Ausbruch“ in Ungarn (Antifa Recherche Chemnitz)Am 14. Februar nun begann der „Trauermarsch“ der Nazis hinter dem Bahnhof Mitte pünktlich 14 Uhr mit ersten Reden von Lutz Giesen und Sven Skoda aus Dortmund, dessen Ausführungen laut zahlreicher Berichte besonders durch Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus auffielen. Eine halbe Stunde später nahm der Aufmarsch Aufstellung und lief in Richtung Maxstraße los. Die Route führte dann über Ostraallee, Hertha Lindner Straße, Freiberger Straße, Ammonstraße, Könneritzstraße, Schwerinerstraße zurück in die Weißeritzstraße hinter den Bahnhof Mitte. Die Choreografie ist allen bekannt. Entsprechend routiniert fanden die Blöcke mit Transparenten und in Fünferreihen geordnet zusammen. Dazwischen wurde reichlich Platz gelassen, sodass der letzte Teil des Aufmarschs gegen 15 Uhr loslief, als die Spitze bereits fast in die Hertha-Lindner-Straße einbog.
Fronttransparent des „Trauermarsches“. Quelle: Tim MönchDie Spitze führte in diesem Jahr ein Transparent mit der Aufschrift „Im Schmerz vereint“ gefolgt von den Kränzen u.a. des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“. Getragen wurde der in diesem Jahr von Sebastian Reiche, zumindest am Anfang. Mit weiteren Transparenten präsentierten sich im Aufmarsch vor allem diverse NPD- oder „Die Heimat“-Abwandlungen unterschiedlicher Altersgruppen und verschiedener Regionen. Die Freien Sachsen zeigten sich ebenso mit Banner. Die Jungen Nationalisten (JN) traten als ein Block auf und zeigten sich mit weinroten Schlauchtüchern mit JN Logo. Die grünen Schlauchtücher mit Logo des III. Wegs ordneten sich im Gegensatz zum letzten Jahr, als sie bei der JN mitliefen, weiter hinten ein. Außerdem traten die „Aktivisten aus dem Harz“ mit Transparenten auf sowie die Brandenburger mit dem jährlich anwesenden „Niederschlesien“-Banner. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Zahl der eigenen Banner abnimmt. Traten im letzten Jahr die Bautzner mit „Urbs Turrium“ Transparent auf, war das diesmal genauso wenig zu entdecken, wie eines der Active Clubs. „Die Rechte“ zeigte sich allerdings einmal mehr mit ihrem geschichtsrevisionistischen „Bombenholocaust“-Transparent. Nur wurde es in diesem Jahr durch die Polizei beschlagnahmt.
Quelle: VersaRed.FotoUnter den Teilnehmenden waren, wie bereits in den letzten Jahren, viele (sehr) junge Neonazis, wieder im typischen Schlauchtuch-North Face-Jacken-Chic – vor allem in den Blöcken der JN und beim III. Weg. Mit dabei waren letztlich aber alle „Generationen“ der hiesigen Naziszene: von alten „Skinheads Sächsische Schweiz“, wie Thomas Sattelberg oder Enzo Kleist, alten „Freien Kräften Sachsen“, wie Bernd Schillbach oder die Kaulfuß-Brüder, jüngere „Freie Kräfte Dresden“, wie Hans Böhm, über Ehemalige der „Freien Kameradschaft Dresden“, wie Maik Krautz bis hin zu den zahlreichen jüngeren Organisierungsversuchen von „Elblandrevolte“, JN, III. Weg oder Hochlandjugend. Über die Region Dresden hinaus reisten Teilnehmende vor allem aus Sachsen an, aber auch aus den angrenzenden ostdeutschen Bundesländern. Die bundesweite und gar europäische Teilnahme blieb eher überschaubar. Wie jedes Jahr waren aber Thorsten Heise, Thomas Wulff oder der mehrfach verurteilte Holocaust-Leugner Nikolai Nerling („Volkslehrer“) in Dresden dabei, ebenso Robin Schmiemann, Aktivist des Neonazinetzwerks „Combat 18“ und einige Zeit Brieffreund der verurteilten NSU-Terroristin Beate Zschäpe.
Robin Schmiemann. Quelle: PixelarchivDer Eindruck, dass der Naziaufmarsch deutlich männlich dominiert ist, bestätigte sich auch im Bericht der Veranstalter. Dort schreibt man von „Freunden und Kameraden aus ganz Deutschland und aus zahlreichen europäischen Ländern“, die marschierten und „Frauen und Kindern, [die beinahe zeitgleich in Mittelsachsen Lichter in die Mulde setzten].“
Beschlagnahmte Waffen aus dem Auto von Max Schreiber. Quelle: Versa.Red.FotoDie Struktur des Aufmarschs brachte nichts Überraschendes: Die Ordnerfunktion übernahm überwiegend das Spektrum völkischer Siedler:innen. Auch Robin Schmiemann durfte als Ordner fungieren, trotzdem dieser vorbestraft ist – wegen eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt 2007, bei dem er einen Menschen niederschoss und beinahe tötete. Der Döbelner NPD- und Freie Sachsen-Aktivist und wegen Vermögensdelikten vorbestrafte Stefan Trautmann war wie in jedem Jahr ebenfalls mit Ordnerbinde unterwegs. Die Kaulfuß-Brüder Udo und Karsten waren wie immer in der Organisation beteiligt. Der Lautsprecherwagen wurde technisch u.a. von Yves Rahmel betreut. Beim Aufbau der Bühne packte Sebastian Reiche mit an. Und ebenfalls wie in den Vorjahren bildete das „Haus Montag“ in Pirna den organisatorischen Knotenpunkt: als Vorabtreffpunkt zur gemeinsamen Anreise nach Dresden, als Lagerraum für die Demonstrationsutensilien und als Location für die „Aftershow“-Party. Max Schreiber fuhr mit seinem Auto seine „Flamme der Erinnerung“ per Anhänger im Aufzug mit. Zuvor durchsuchte die Polizei das Fahrzeug und fand dabei ein Messer und einen Baseballschläger. Immer griffbereit befindet sich üblicherweise auch eine Axt am Dachgepäckträger auf Schreibers Auto.
Antifaschistische Proteste in Sicht- und Hörweite. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBegleitet wurde der Aufmarsch von starken Protesten entlang der Route. Immer wieder mussten die Nazis stoppen, da es an der einen oder anderen Stelle gelang zumindest kurzzeitig die Route zu blockieren. Doch die Polizei sorgte mit einem äußerst robusten Vorgehen incl. Einsatz von Pfefferspray und Fäusten für freies Geleit – leider auch eine Dresdner Tradition zu diesem Anlass. So eskortiert erreichte der Gedenkmarsch bereits gegen 16 Uhr seinen Ausgangspunkt, wo nach Bühnen- und Technikaufbau zum Abschluss die Gedenkstunde folgte. Kränze werden vor der Bühne drapiert, Fackeln entzündet und Phil von Flak singt begleitet von seiner Gitarre. Danach ist wie in jedem Jahr Edda Schmidt an der Reihe „von früher“ zu erzählen, gefolgt von Lutz Giesen mit ein paar Worten zur Ausstellung sowie zu Gert Bürgels 2020 erschienenen „Memento Dresden 1945: Gedenkbuch der Namen“. Im Anschluss verlesen Nico Koal, neben drei Frauen die Namen bombardierter – natürlich deutscher – Städte. Mit einer gehörigen Portion Pathos folgen Gedichte, Texte, das Lied zum Dresden Gedenken, ein Auszug aus Jörg Friedrichs „Der Brand“. 17 Uhr 30 ist das Gedenken nach obligatorischer Schweigeminute und Hymnensingen in drei Strophen endlich wieder geschafft. Bis zum nächsten Jahr.
#AgV #Elblandrevolte #FreieKameradschaftDresden #FreieSachsen #JN #KarstenKaulfuß #LutzGiesen #MaxSchreiber #NPD #RobinSchmiemann #SebastianReiche #StefanTrautmann #SvenSkoda #UdoKaulfuß -
Rückblick auf den 14. Februar 2026
Alle Jahre wieder, so auch in diesem Jahr, fand in Dresden der geschichtsrevisionistische Gedenkmarsch anlässlich der Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 statt. Folgten zum letztjährigen 80. Jahrestag über 2.500 Nazis dem Aufruf des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“, waren es in diesem Jahr mit knapp 1.500 zwar deutlich weniger, jedoch erreichte damit die Teilnehmendenzahl wieder das übliche Niveau vor dem runden Jahrestag. Antifaschistische Proteste störten die Veranstaltung lautstark. Eine Routenverkürzung, die 2025 mit Blockaden durchgesetzt werden konnte, war in der angemeldeten Route in diesem Jahr von vornherein angelegt.
Lutz Giesen. Quelle: PixelarchivOffiziell versammelten sich die Nazis ab 12 Uhr hinter dem Bahnhof Mitte in der Weißeritzstraße, wo Lutz Giesen die Veranstaltung gegen 13 Uhr mit dem Verlesen der Auflagen eröffnete. Wie bereits in den letzten vier Jahren hatte der Greifswalder, der mittlerweile im mittelsächsischen Leisnig lebt, die Anmeldung des traditionellen Aufmarsches übernommen. Giesen war Kader der „Heimattreuen Deutschen Jugend“, arbeitete zwischen 2006 und 2011 für die NPD im mecklenburgischen Landtag und ist seit über 20 Jahren regelmäßiger Gast in Dresden rund um den 13. Februar. Eingetroffen und aufgebaut waren bis dahin bereits Max Schreibers „Flamme der Erinnerung“ und die Ausstellung, die zum 80. Jahrestag erstmals gezeigt wurde. Allzu viel Interesse weckte diese damals aber weder zur innenstädtischen Mahnwache am 13. noch zum Gedenkmarsch-Auftakt am 15. Februar. Und auch in diesem Jahr hielt sich das Gedränge um die bedruckten Planen an Bauzäunen sehr in Grenzen.
Die „Flamme der Erinnerung“ von Max Schreiber. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBereits zwei Tage zuvor, am 12. Februar, startete Schreiber mit einem Autokorso samt Feuertonne in die Innenstadt, wo dann am Dr.-Külz-Ring vor der Altmarktgalerie über drei Tage erneut eine Mahnwache stattfand – erneut mit überschaubarer Resonanz im mittleren zweistelligen Bereich. Und auch als sich am nächsten Tag, am 13. Februar, zur „Flamme der Erinnerung“ die Ausstellung hinzugesellte, blieb der Ansturm erwartungsgemäß aus. Denn festzustellen ist für den 13. Februar in Dresden insgesamt, dass die Begehung dieses Tages als Gedenktag aus der Mode gekommen scheint. Weder die Kerzeninstallation noch das Glockenläuten auf dem Neumarkt locken jenseits der Nazis noch Menschen an, um still zu erinnern. Stattdessen inszenieren sich extrem rechte Streamer und Influencer mit ihren geschichtsrevisionistischen Botschaften. Die Menschenkette als Zeichen gegen die sogenannte Vereinnahmung eines vermeintlich integren Gedenkens an die Bombardierung Dresdens ging als Aktionsform und Symbol schon zu ihrem Beginn 2010 fehl, nun aber, obendrein geschrumpft, wirkt sie gänzlich fehl platziert. Zumal sich am Abend des 13. Februars nur noch die diversen extrem rechten Splittergruppen in der Innenstadt aufzuhalten scheinen: die Wellenlänge am Altmarkt, Marcus Fuchs am Neumarkt, Burschenschaften am Kulturpalast oder eben Schreiber am Dr.-Külz-Ring. Die AfD hatte, wie bereits im letzten Jahr, auf eine Kundgebung auf dem Altmarkt verzichtet.
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Sven Skoda am Mikrofon. Quelle: Kai Schwerdt
Berliner & Brandenburger Neonazis in Dresden und Budapest (ausdemweg.net)
Neonazistisches »Gedenken« in Dresden (dokunetzwerk rhein-main)
Thüringer Teilnahme am Naziaufmarsch Dresden 14.02.2026 (Rechercheportal Jena-SHK)
Chemnitzer Teilnahme am Dresdner „Trauermarsch“ und dem „Ausbruch“ in Ungarn (Antifa Recherche Chemnitz)Am 14. Februar nun begann der „Trauermarsch“ der Nazis hinter dem Bahnhof Mitte pünktlich 14 Uhr mit ersten Reden von Lutz Giesen und Sven Skoda aus Dortmund, dessen Ausführungen laut zahlreicher Berichte besonders durch Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus auffielen. Eine halbe Stunde später nahm der Aufmarsch Aufstellung und lief in Richtung Maxstraße los. Die Route führte dann über Ostraallee, Hertha Lindner Straße, Freiberger Straße, Ammonstraße, Könneritzstraße, Schwerinerstraße zurück in die Weißeritzstraße hinter den Bahnhof Mitte. Die Choreografie ist allen bekannt. Entsprechend routiniert fanden die Blöcke mit Transparenten und in Fünferreihen geordnet zusammen. Dazwischen wurde reichlich Platz gelassen, sodass der letzte Teil des Aufmarschs gegen 15 Uhr loslief, als die Spitze bereits fast in die Hertha-Lindner-Straße einbog.
Fronttransparent des „Trauermarsches“. Quelle: Tim MönchDie Spitze führte in diesem Jahr ein Transparent mit der Aufschrift „Im Schmerz vereint“ gefolgt von den Kränzen u.a. des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“. Getragen wurde der in diesem Jahr von Sebastian Reiche, zumindest am Anfang. Mit weiteren Transparenten präsentierten sich im Aufmarsch vor allem diverse NPD- oder „Die Heimat“-Abwandlungen unterschiedlicher Altersgruppen und verschiedener Regionen. Die Freien Sachsen zeigten sich ebenso mit Banner. Die Jungen Nationalisten (JN) traten als ein Block auf und zeigten sich mit weinroten Schlauchtüchern mit JN Logo. Die grünen Schlauchtücher mit Logo des III. Wegs ordneten sich im Gegensatz zum letzten Jahr, als sie bei der JN mitliefen, weiter hinten ein. Außerdem traten die „Aktivisten aus dem Harz“ mit Transparenten auf sowie die Brandenburger mit dem jährlich anwesenden „Niederschlesien“-Banner. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Zahl der eigenen Banner abnimmt. Traten im letzten Jahr die Bautzner mit „Urbs Turrium“ Transparent auf, war das diesmal genauso wenig zu entdecken, wie eines der Active Clubs. „Die Rechte“ zeigte sich allerdings einmal mehr mit ihrem geschichtsrevisionistischen „Bombenholocaust“-Transparent. Nur wurde es in diesem Jahr durch die Polizei beschlagnahmt.
Quelle: VersaRed.FotoUnter den Teilnehmenden waren, wie bereits in den letzten Jahren, viele (sehr) junge Neonazis, wieder im typischen Schlauchtuch-North Face-Jacken-Chic – vor allem in den Blöcken der JN und beim III. Weg. Mit dabei waren letztlich aber alle „Generationen“ der hiesigen Naziszene: von alten „Skinheads Sächsische Schweiz“, wie Thomas Sattelberg oder Enzo Kleist, alten „Freien Kräften Sachsen“, wie Bernd Schillbach oder die Kaulfuß-Brüder, jüngere „Freie Kräfte Dresden“, wie Hans Böhm, über Ehemalige der „Freien Kameradschaft Dresden“, wie Maik Krautz bis hin zu den zahlreichen jüngeren Organisierungsversuchen von „Elblandrevolte“, JN, III. Weg oder Hochlandjugend. Über die Region Dresden hinaus reisten Teilnehmende vor allem aus Sachsen an, aber auch aus den angrenzenden ostdeutschen Bundesländern. Die bundesweite und gar europäische Teilnahme blieb eher überschaubar. Wie jedes Jahr waren aber Thorsten Heise, Thomas Wulff oder der mehrfach verurteilte Holocaust-Leugner Nikolai Nerling („Volkslehrer“) in Dresden dabei, ebenso Robin Schmiemann, Aktivist des Neonazinetzwerks „Combat 18“ und einige Zeit Brieffreund der verurteilten NSU-Terroristin Beate Zschäpe.
Robin Schmiemann. Quelle: PixelarchivDer Eindruck, dass der Naziaufmarsch deutlich männlich dominiert ist, bestätigte sich auch im Bericht der Veranstalter. Dort schreibt man von „Freunden und Kameraden aus ganz Deutschland und aus zahlreichen europäischen Ländern“, die marschierten und „Frauen und Kindern, [die beinahe zeitgleich in Mittelsachsen Lichter in die Mulde setzten].“
Beschlagnahmte Waffen aus dem Auto von Max Schreiber. Quelle: Versa.Red.FotoDie Struktur des Aufmarschs brachte nichts Überraschendes: Die Ordnerfunktion übernahm überwiegend das Spektrum völkischer Siedler:innen. Auch Robin Schmiemann durfte als Ordner fungieren, trotzdem dieser vorbestraft ist – wegen eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt 2007, bei dem er einen Menschen niederschoss und beinahe tötete. Der Döbelner NPD- und Freie Sachsen-Aktivist und wegen Vermögensdelikten vorbestrafte Stefan Trautmann war wie in jedem Jahr ebenfalls mit Ordnerbinde unterwegs. Die Kaulfuß-Brüder Udo und Karsten waren wie immer in der Organisation beteiligt. Der Lautsprecherwagen wurde technisch u.a. von Yves Rahmel betreut. Beim Aufbau der Bühne packte Sebastian Reiche mit an. Und ebenfalls wie in den Vorjahren bildete das „Haus Montag“ in Pirna den organisatorischen Knotenpunkt: als Vorabtreffpunkt zur gemeinsamen Anreise nach Dresden, als Lagerraum für die Demonstrationsutensilien und als Location für die „Aftershow“-Party. Max Schreiber fuhr mit seinem Auto seine „Flamme der Erinnerung“ per Anhänger im Aufzug mit. Zuvor durchsuchte die Polizei das Fahrzeug und fand dabei ein Messer und einen Baseballschläger. Immer griffbereit befindet sich üblicherweise auch eine Axt am Dachgepäckträger auf Schreibers Auto.
Antifaschistische Proteste in Sicht- und Hörweite. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBegleitet wurde der Aufmarsch von starken Protesten entlang der Route. Immer wieder mussten die Nazis stoppen, da es an der einen oder anderen Stelle gelang zumindest kurzzeitig die Route zu blockieren. Doch die Polizei sorgte mit einem äußerst robusten Vorgehen incl. Einsatz von Pfefferspray und Fäusten für freies Geleit – leider auch eine Dresdner Tradition zu diesem Anlass. So eskortiert erreichte der Gedenkmarsch bereits gegen 16 Uhr seinen Ausgangspunkt, wo nach Bühnen- und Technikaufbau zum Abschluss die Gedenkstunde folgte. Kränze werden vor der Bühne drapiert, Fackeln entzündet und Phil von Flak singt begleitet von seiner Gitarre. Danach ist wie in jedem Jahr Edda Schmidt an der Reihe „von früher“ zu erzählen, gefolgt von Lutz Giesen mit ein paar Worten zur Ausstellung sowie zu Gert Bürgels 2020 erschienenen „Memento Dresden 1945: Gedenkbuch der Namen“. Im Anschluss verlesen Nico Koal, neben drei Frauen die Namen bombardierter – natürlich deutscher – Städte. Mit einer gehörigen Portion Pathos folgen Gedichte, Texte, das Lied zum Dresden Gedenken, ein Auszug aus Jörg Friedrichs „Der Brand“. 17 Uhr 30 ist das Gedenken nach obligatorischer Schweigeminute und Hymnensingen in drei Strophen endlich wieder geschafft. Bis zum nächsten Jahr.
#AgV #Elblandrevolte #FreieKameradschaftDresden #FreieSachsen #JN #KarstenKaulfuß #LutzGiesen #MaxSchreiber #NPD #RobinSchmiemann #SebastianReiche #StefanTrautmann #SvenSkoda #UdoKaulfuß -
Rückblick auf den 14. Februar 2026
Alle Jahre wieder, so auch in diesem Jahr, fand in Dresden der geschichtsrevisionistische Gedenkmarsch anlässlich der Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 statt. Folgten zum letztjährigen 80. Jahrestag über 2.500 Nazis dem Aufruf des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“, waren es in diesem Jahr mit knapp 1.500 zwar deutlich weniger, jedoch erreichte damit die Teilnehmendenzahl wieder das übliche Niveau vor dem runden Jahrestag. Antifaschistische Proteste störten die Veranstaltung lautstark. Eine Routenverkürzung, die 2025 mit Blockaden durchgesetzt werden konnte, war in der angemeldeten Route in diesem Jahr von vornherein angelegt.
Lutz Giesen. Quelle: PixelarchivOffiziell versammelten sich die Nazis ab 12 Uhr hinter dem Bahnhof Mitte in der Weißeritzstraße, wo Lutz Giesen die Veranstaltung gegen 13 Uhr mit dem Verlesen der Auflagen eröffnete. Wie bereits in den letzten vier Jahren hatte der Greifswalder, der mittlerweile im mittelsächsischen Leisnig lebt, die Anmeldung des traditionellen Aufmarsches übernommen. Giesen war Kader der „Heimattreuen Deutschen Jugend“, arbeitete zwischen 2006 und 2011 für die NPD im mecklenburgischen Landtag und ist seit über 20 Jahren regelmäßiger Gast in Dresden rund um den 13. Februar. Eingetroffen und aufgebaut waren bis dahin bereits Max Schreibers „Flamme der Erinnerung“ und die Ausstellung, die zum 80. Jahrestag erstmals gezeigt wurde. Allzu viel Interesse weckte diese damals aber weder zur innenstädtischen Mahnwache am 13. noch zum Gedenkmarsch-Auftakt am 15. Februar. Und auch in diesem Jahr hielt sich das Gedränge um die bedruckten Planen an Bauzäunen sehr in Grenzen.
Die „Flamme der Erinnerung“ von Max Schreiber. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBereits zwei Tage zuvor, am 12. Februar, startete Schreiber mit einem Autokorso samt Feuertonne in die Innenstadt, wo dann am Dr.-Külz-Ring vor der Altmarktgalerie über drei Tage erneut eine Mahnwache stattfand – erneut mit überschaubarer Resonanz im mittleren zweistelligen Bereich. Und auch als sich am nächsten Tag, am 13. Februar, zur „Flamme der Erinnerung“ die Ausstellung hinzugesellte, blieb der Ansturm erwartungsgemäß aus. Denn festzustellen ist für den 13. Februar in Dresden insgesamt, dass die Begehung dieses Tages als Gedenktag aus der Mode gekommen scheint. Weder die Kerzeninstallation noch das Glockenläuten auf dem Neumarkt locken jenseits der Nazis noch Menschen an, um still zu erinnern. Stattdessen inszenieren sich extrem rechte Streamer und Influencer mit ihren geschichtsrevisionistischen Botschaften. Die Menschenkette als Zeichen gegen die sogenannte Vereinnahmung eines vermeintlich integren Gedenkens an die Bombardierung Dresdens ging als Aktionsform und Symbol schon zu ihrem Beginn 2010 fehl, nun aber, obendrein geschrumpft, wirkt sie gänzlich fehl platziert. Zumal sich am Abend des 13. Februars nur noch die diversen extrem rechten Splittergruppen in der Innenstadt aufzuhalten scheinen: die Wellenlänge am Altmarkt, Marcus Fuchs am Neumarkt, Burschenschaften am Kulturpalast oder eben Schreiber am Dr.-Külz-Ring. Die AfD hatte, wie bereits im letzten Jahr, auf eine Kundgebung auf dem Altmarkt verzichtet.
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Thüringer Teilnahme am Naziaufmarsch Dresden 14.02.2026 (Rechercheportal Jena-SHK)
Chemnitzer Teilnahme am Dresdner „Trauermarsch“ und dem „Ausbruch“ in Ungarn (Antifa Recherche Chemnitz)Am 14. Februar nun begann der „Trauermarsch“ der Nazis hinter dem Bahnhof Mitte pünktlich 14 Uhr mit ersten Reden von Lutz Giesen und Sven Skoda aus Dortmund, dessen Ausführungen laut zahlreicher Berichte besonders durch Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus auffielen. Eine halbe Stunde später nahm der Aufmarsch Aufstellung und lief in Richtung Maxstraße los. Die Route führte dann über Ostraallee, Hertha Lindner Straße, Freiberger Straße, Ammonstraße, Könneritzstraße, Schwerinerstraße zurück in die Weißeritzstraße hinter den Bahnhof Mitte. Die Choreografie ist allen bekannt. Entsprechend routiniert fanden die Blöcke mit Transparenten und in Fünferreihen geordnet zusammen. Dazwischen wurde reichlich Platz gelassen, sodass der letzte Teil des Aufmarschs gegen 15 Uhr loslief, als die Spitze bereits fast in die Hertha-Lindner-Straße einbog.
Fronttransparent des „Trauermarsches“. Quelle: Tim MönchDie Spitze führte in diesem Jahr ein Transparent mit der Aufschrift „Im Schmerz vereint“ gefolgt von den Kränzen u.a. des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“. Getragen wurde der in diesem Jahr von Sebastian Reiche, zumindest am Anfang. Mit weiteren Transparenten präsentierten sich im Aufmarsch vor allem diverse NPD- oder „Die Heimat“-Abwandlungen unterschiedlicher Altersgruppen und verschiedener Regionen. Die Freien Sachsen zeigten sich ebenso mit Banner. Die Jungen Nationalisten (JN) traten als ein Block auf und zeigten sich mit weinroten Schlauchtüchern mit JN Logo. Die grünen Schlauchtücher mit Logo des III. Wegs ordneten sich im Gegensatz zum letzten Jahr, als sie bei der JN mitliefen, weiter hinten ein. Außerdem traten die „Aktivisten aus dem Harz“ mit Transparenten auf sowie die Brandenburger mit dem jährlich anwesenden „Niederschlesien“-Banner. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Zahl der eigenen Banner abnimmt. Traten im letzten Jahr die Bautzner mit „Urbs Turrium“ Transparent auf, war das diesmal genauso wenig zu entdecken, wie eines der Active Clubs. „Die Rechte“ zeigte sich allerdings einmal mehr mit ihrem geschichtsrevisionistischen „Bombenholocaust“-Transparent. Nur wurde es in diesem Jahr durch die Polizei beschlagnahmt.
Quelle: VersaRed.FotoUnter den Teilnehmenden waren, wie bereits in den letzten Jahren, viele (sehr) junge Neonazis, wieder im typischen Schlauchtuch-North Face-Jacken-Chic – vor allem in den Blöcken der JN und beim III. Weg. Mit dabei waren letztlich aber alle „Generationen“ der hiesigen Naziszene: von alten „Skinheads Sächsische Schweiz“, wie Thomas Sattelberg oder Enzo Kleist, alten „Freien Kräften Sachsen“, wie Bernd Schillbach oder die Kaulfuß-Brüder, jüngere „Freie Kräfte Dresden“, wie Hans Böhm, über Ehemalige der „Freien Kameradschaft Dresden“, wie Maik Krautz bis hin zu den zahlreichen jüngeren Organisierungsversuchen von „Elblandrevolte“, JN, III. Weg oder Hochlandjugend. Über die Region Dresden hinaus reisten Teilnehmende vor allem aus Sachsen an, aber auch aus den angrenzenden ostdeutschen Bundesländern. Die bundesweite und gar europäische Teilnahme blieb eher überschaubar. Wie jedes Jahr waren aber Thorsten Heise, Thomas Wulff oder der mehrfach verurteilte Holocaust-Leugner Nikolai Nerling („Volkslehrer“) in Dresden dabei, ebenso Robin Schmiemann, Aktivist des Neonazinetzwerks „Combat 18“ und einige Zeit Brieffreund der verurteilten NSU-Terroristin Beate Zschäpe.
Robin Schmiemann. Quelle: PixelarchivDer Eindruck, dass der Naziaufmarsch deutlich männlich dominiert ist, bestätigte sich auch im Bericht der Veranstalter. Dort schreibt man von „Freunden und Kameraden aus ganz Deutschland und aus zahlreichen europäischen Ländern“, die marschierten und „Frauen und Kindern, [die beinahe zeitgleich in Mittelsachsen Lichter in die Mulde setzten].“
Beschlagnahmte Waffen aus dem Auto von Max Schreiber. Quelle: Versa.Red.FotoDie Struktur des Aufmarschs brachte nichts Überraschendes: Die Ordnerfunktion übernahm überwiegend das Spektrum völkischer Siedler:innen. Auch Robin Schmiemann durfte als Ordner fungieren, trotzdem dieser vorbestraft ist – wegen eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt 2007, bei dem er einen Menschen niederschoss und beinahe tötete. Der Döbelner NPD- und Freie Sachsen-Aktivist und wegen Vermögensdelikten vorbestrafte Stefan Trautmann war wie in jedem Jahr ebenfalls mit Ordnerbinde unterwegs. Die Kaulfuß-Brüder Udo und Karsten waren wie immer in der Organisation beteiligt. Der Lautsprecherwagen wurde technisch u.a. von Yves Rahmel betreut. Beim Aufbau der Bühne packte Sebastian Reiche mit an. Und ebenfalls wie in den Vorjahren bildete das „Haus Montag“ in Pirna den organisatorischen Knotenpunkt: als Vorabtreffpunkt zur gemeinsamen Anreise nach Dresden, als Lagerraum für die Demonstrationsutensilien und als Location für die „Aftershow“-Party. Max Schreiber fuhr mit seinem Auto seine „Flamme der Erinnerung“ per Anhänger im Aufzug mit. Zuvor durchsuchte die Polizei das Fahrzeug und fand dabei ein Messer und einen Baseballschläger. Immer griffbereit befindet sich üblicherweise auch eine Axt am Dachgepäckträger auf Schreibers Auto.
Antifaschistische Proteste in Sicht- und Hörweite. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBegleitet wurde der Aufmarsch von starken Protesten entlang der Route. Immer wieder mussten die Nazis stoppen, da es an der einen oder anderen Stelle gelang zumindest kurzzeitig die Route zu blockieren. Doch die Polizei sorgte mit einem äußerst robusten Vorgehen incl. Einsatz von Pfefferspray und Fäusten für freies Geleit – leider auch eine Dresdner Tradition zu diesem Anlass. So eskortiert erreichte der Gedenkmarsch bereits gegen 16 Uhr seinen Ausgangspunkt, wo nach Bühnen- und Technikaufbau zum Abschluss die Gedenkstunde folgte. Kränze werden vor der Bühne drapiert, Fackeln entzündet und Phil von Flak singt begleitet von seiner Gitarre. Danach ist wie in jedem Jahr Edda Schmidt an der Reihe „von früher“ zu erzählen, gefolgt von Lutz Giesen mit ein paar Worten zur Ausstellung sowie zu Gert Bürgels 2020 erschienenen „Memento Dresden 1945: Gedenkbuch der Namen“. Im Anschluss verlesen Nico Koal, neben drei Frauen die Namen bombardierter – natürlich deutscher – Städte. Mit einer gehörigen Portion Pathos folgen Gedichte, Texte, das Lied zum Dresden Gedenken, ein Auszug aus Jörg Friedrichs „Der Brand“. 17 Uhr 30 ist das Gedenken nach obligatorischer Schweigeminute und Hymnensingen in drei Strophen endlich wieder geschafft. Bis zum nächsten Jahr.
#AgV #Elblandrevolte #FreieKameradschaftDresden #FreieSachsen #JN #KarstenKaulfuß #LutzGiesen #MaxSchreiber #NPD #RobinSchmiemann #SebastianReiche #StefanTrautmann #SvenSkoda #UdoKaulfuß -
Rückblick auf den 14. Februar 2026
Alle Jahre wieder, so auch in diesem Jahr, fand in Dresden der geschichtsrevisionistische Gedenkmarsch anlässlich der Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 statt. Folgten zum letztjährigen 80. Jahrestag über 2.500 Nazis dem Aufruf des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“, waren es in diesem Jahr mit knapp 1.500 zwar deutlich weniger, jedoch erreichte damit die Teilnehmendenzahl wieder das übliche Niveau vor dem runden Jahrestag. Antifaschistische Proteste störten die Veranstaltung lautstark. Eine Routenverkürzung, die 2025 mit Blockaden durchgesetzt werden konnte, war in der angemeldeten Route in diesem Jahr von vornherein angelegt.
Lutz Giesen. Quelle: PixelarchivOffiziell versammelten sich die Nazis ab 12 Uhr hinter dem Bahnhof Mitte in der Weißeritzstraße, wo Lutz Giesen die Veranstaltung gegen 13 Uhr mit dem Verlesen der Auflagen eröffnete. Wie bereits in den letzten vier Jahren hatte der Greifswalder, der mittlerweile im mittelsächsischen Leisnig lebt, die Anmeldung des traditionellen Aufmarsches übernommen. Giesen war Kader der „Heimattreuen Deutschen Jugend“, arbeitete zwischen 2006 und 2011 für die NPD im mecklenburgischen Landtag und ist seit über 20 Jahren regelmäßiger Gast in Dresden rund um den 13. Februar. Eingetroffen und aufgebaut waren bis dahin bereits Max Schreibers „Flamme der Erinnerung“ und die Ausstellung, die zum 80. Jahrestag erstmals gezeigt wurde. Allzu viel Interesse weckte diese damals aber weder zur innenstädtischen Mahnwache am 13. noch zum Gedenkmarsch-Auftakt am 15. Februar. Und auch in diesem Jahr hielt sich das Gedränge um die bedruckten Planen an Bauzäunen sehr in Grenzen.
Die „Flamme der Erinnerung“ von Max Schreiber. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBereits zwei Tage zuvor, am 12. Februar, startete Schreiber mit einem Autokorso samt Feuertonne in die Innenstadt, wo dann am Dr.-Külz-Ring vor der Altmarktgalerie über drei Tage erneut eine Mahnwache stattfand – erneut mit überschaubarer Resonanz im mittleren zweistelligen Bereich. Und auch als sich am nächsten Tag, am 13. Februar, zur „Flamme der Erinnerung“ die Ausstellung hinzugesellte, blieb der Ansturm erwartungsgemäß aus. Denn festzustellen ist für den 13. Februar in Dresden insgesamt, dass die Begehung dieses Tages als Gedenktag aus der Mode gekommen scheint. Weder die Kerzeninstallation noch das Glockenläuten auf dem Neumarkt locken jenseits der Nazis noch Menschen an, um still zu erinnern. Stattdessen inszenieren sich extrem rechte Streamer und Influencer mit ihren geschichtsrevisionistischen Botschaften. Die Menschenkette als Zeichen gegen die sogenannte Vereinnahmung eines vermeintlich integren Gedenkens an die Bombardierung Dresdens ging als Aktionsform und Symbol schon zu ihrem Beginn 2010 fehl, nun aber, obendrein geschrumpft, wirkt sie gänzlich fehl platziert. Zumal sich am Abend des 13. Februars nur noch die diversen extrem rechten Splittergruppen in der Innenstadt aufzuhalten scheinen: die Wellenlänge am Altmarkt, Marcus Fuchs am Neumarkt, Burschenschaften am Kulturpalast oder eben Schreiber am Dr.-Külz-Ring. Die AfD hatte, wie bereits im letzten Jahr, auf eine Kundgebung auf dem Altmarkt verzichtet.
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Chemnitzer Teilnahme am Dresdner „Trauermarsch“ und dem „Ausbruch“ in Ungarn (Antifa Recherche Chemnitz)Am 14. Februar nun begann der „Trauermarsch“ der Nazis hinter dem Bahnhof Mitte pünktlich 14 Uhr mit ersten Reden von Lutz Giesen und Sven Skoda aus Dortmund, dessen Ausführungen laut zahlreicher Berichte besonders durch Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus auffielen. Eine halbe Stunde später nahm der Aufmarsch Aufstellung und lief in Richtung Maxstraße los. Die Route führte dann über Ostraallee, Hertha Lindner Straße, Freiberger Straße, Ammonstraße, Könneritzstraße, Schwerinerstraße zurück in die Weißeritzstraße hinter den Bahnhof Mitte. Die Choreografie ist allen bekannt. Entsprechend routiniert fanden die Blöcke mit Transparenten und in Fünferreihen geordnet zusammen. Dazwischen wurde reichlich Platz gelassen, sodass der letzte Teil des Aufmarschs gegen 15 Uhr loslief, als die Spitze bereits fast in die Hertha-Lindner-Straße einbog.
Fronttransparent des „Trauermarsches“. Quelle: Tim MönchDie Spitze führte in diesem Jahr ein Transparent mit der Aufschrift „Im Schmerz vereint“ gefolgt von den Kränzen u.a. des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“. Getragen wurde der in diesem Jahr von Sebastian Reiche, zumindest am Anfang. Mit weiteren Transparenten präsentierten sich im Aufmarsch vor allem diverse NPD- oder „Die Heimat“-Abwandlungen unterschiedlicher Altersgruppen und verschiedener Regionen. Die Freien Sachsen zeigten sich ebenso mit Banner. Die Jungen Nationalisten (JN) traten als ein Block auf und zeigten sich mit weinroten Schlauchtüchern mit JN Logo. Die grünen Schlauchtücher mit Logo des III. Wegs ordneten sich im Gegensatz zum letzten Jahr, als sie bei der JN mitliefen, weiter hinten ein. Außerdem traten die „Aktivisten aus dem Harz“ mit Transparenten auf sowie die Brandenburger mit dem jährlich anwesenden „Niederschlesien“-Banner. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Zahl der eigenen Banner abnimmt. Traten im letzten Jahr die Bautzner mit „Urbs Turrium“ Transparent auf, war das diesmal genauso wenig zu entdecken, wie eines der Active Clubs. „Die Rechte“ zeigte sich allerdings einmal mehr mit ihrem geschichtsrevisionistischen „Bombenholocaust“-Transparent. Nur wurde es in diesem Jahr durch die Polizei beschlagnahmt.
Quelle: VersaRed.FotoUnter den Teilnehmenden waren, wie bereits in den letzten Jahren, viele (sehr) junge Neonazis, wieder im typischen Schlauchtuch-North Face-Jacken-Chic – vor allem in den Blöcken der JN und beim III. Weg. Mit dabei waren letztlich aber alle „Generationen“ der hiesigen Naziszene: von alten „Skinheads Sächsische Schweiz“, wie Thomas Sattelberg oder Enzo Kleist, alten „Freien Kräften Sachsen“, wie Bernd Schillbach oder die Kaulfuß-Brüder, jüngere „Freie Kräfte Dresden“, wie Hans Böhm, über Ehemalige der „Freien Kameradschaft Dresden“, wie Maik Krautz bis hin zu den zahlreichen jüngeren Organisierungsversuchen von „Elblandrevolte“, JN, III. Weg oder Hochlandjugend. Über die Region Dresden hinaus reisten Teilnehmende vor allem aus Sachsen an, aber auch aus den angrenzenden ostdeutschen Bundesländern. Die bundesweite und gar europäische Teilnahme blieb eher überschaubar. Wie jedes Jahr waren aber Thorsten Heise, Thomas Wulff oder der mehrfach verurteilte Holocaust-Leugner Nikolai Nerling („Volkslehrer“) in Dresden dabei, ebenso Robin Schmiemann, Aktivist des Neonazinetzwerks „Combat 18“ und einige Zeit Brieffreund der verurteilten NSU-Terroristin Beate Zschäpe.
Robin Schmiemann. Quelle: PixelarchivDer Eindruck, dass der Naziaufmarsch deutlich männlich dominiert ist, bestätigte sich auch im Bericht der Veranstalter. Dort schreibt man von „Freunden und Kameraden aus ganz Deutschland und aus zahlreichen europäischen Ländern“, die marschierten und „Frauen und Kindern, [die beinahe zeitgleich in Mittelsachsen Lichter in die Mulde setzten].“
Beschlagnahmte Waffen aus dem Auto von Max Schreiber. Quelle: Versa.Red.FotoDie Struktur des Aufmarschs brachte nichts Überraschendes: Die Ordnerfunktion übernahm überwiegend das Spektrum völkischer Siedler:innen. Auch Robin Schmiemann durfte als Ordner fungieren, trotzdem dieser vorbestraft ist – wegen eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt 2007, bei dem er einen Menschen niederschoss und beinahe tötete. Der Döbelner NPD- und Freie Sachsen-Aktivist und wegen Vermögensdelikten vorbestrafte Stefan Trautmann war wie in jedem Jahr ebenfalls mit Ordnerbinde unterwegs. Die Kaulfuß-Brüder Udo und Karsten waren wie immer in der Organisation beteiligt. Der Lautsprecherwagen wurde technisch u.a. von Yves Rahmel betreut. Beim Aufbau der Bühne packte Sebastian Reiche mit an. Und ebenfalls wie in den Vorjahren bildete das „Haus Montag“ in Pirna den organisatorischen Knotenpunkt: als Vorabtreffpunkt zur gemeinsamen Anreise nach Dresden, als Lagerraum für die Demonstrationsutensilien und als Location für die „Aftershow“-Party. Max Schreiber fuhr mit seinem Auto seine „Flamme der Erinnerung“ per Anhänger im Aufzug mit. Zuvor durchsuchte die Polizei das Fahrzeug und fand dabei ein Messer und einen Baseballschläger. Immer griffbereit befindet sich üblicherweise auch eine Axt am Dachgepäckträger auf Schreibers Auto.
Antifaschistische Proteste in Sicht- und Hörweite. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBegleitet wurde der Aufmarsch von starken Protesten entlang der Route. Immer wieder mussten die Nazis stoppen, da es an der einen oder anderen Stelle gelang zumindest kurzzeitig die Route zu blockieren. Doch die Polizei sorgte mit einem äußerst robusten Vorgehen incl. Einsatz von Pfefferspray und Fäusten für freies Geleit – leider auch eine Dresdner Tradition zu diesem Anlass. So eskortiert erreichte der Gedenkmarsch bereits gegen 16 Uhr seinen Ausgangspunkt, wo nach Bühnen- und Technikaufbau zum Abschluss die Gedenkstunde folgte. Kränze werden vor der Bühne drapiert, Fackeln entzündet und Phil von Flak singt begleitet von seiner Gitarre. Danach ist wie in jedem Jahr Edda Schmidt an der Reihe „von früher“ zu erzählen, gefolgt von Lutz Giesen mit ein paar Worten zur Ausstellung sowie zu Gert Bürgels 2020 erschienenen „Memento Dresden 1945: Gedenkbuch der Namen“. Im Anschluss verlesen Nico Koal, neben drei Frauen die Namen bombardierter – natürlich deutscher – Städte. Mit einer gehörigen Portion Pathos folgen Gedichte, Texte, das Lied zum Dresden Gedenken, ein Auszug aus Jörg Friedrichs „Der Brand“. 17 Uhr 30 ist das Gedenken nach obligatorischer Schweigeminute und Hymnensingen in drei Strophen endlich wieder geschafft. Bis zum nächsten Jahr.
#AgV #Elblandrevolte #FreieKameradschaftDresden #FreieSachsen #JN #KarstenKaulfuß #LutzGiesen #MaxSchreiber #NPD #RobinSchmiemann #SebastianReiche #StefanTrautmann #SvenSkoda #UdoKaulfuß -
Rückblick auf den 14. Februar 2026
Alle Jahre wieder, so auch in diesem Jahr, fand in Dresden der geschichtsrevisionistische Gedenkmarsch anlässlich der Bombardierung Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 statt. Folgten zum letztjährigen 80. Jahrestag über 2.500 Nazis dem Aufruf des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“, waren es in diesem Jahr mit knapp 1.500 zwar deutlich weniger, jedoch erreichte damit die Teilnehmendenzahl wieder das übliche Niveau vor dem runden Jahrestag. Antifaschistische Proteste störten die Veranstaltung lautstark. Eine Routenverkürzung, die 2025 mit Blockaden durchgesetzt werden konnte, war in der angemeldeten Route in diesem Jahr von vornherein angelegt.
Lutz Giesen. Quelle: PixelarchivOffiziell versammelten sich die Nazis ab 12 Uhr hinter dem Bahnhof Mitte in der Weißeritzstraße, wo Lutz Giesen die Veranstaltung gegen 13 Uhr mit dem Verlesen der Auflagen eröffnete. Wie bereits in den letzten vier Jahren hatte der Greifswalder, der mittlerweile im mittelsächsischen Leisnig lebt, die Anmeldung des traditionellen Aufmarsches übernommen. Giesen war Kader der „Heimattreuen Deutschen Jugend“, arbeitete zwischen 2006 und 2011 für die NPD im mecklenburgischen Landtag und ist seit über 20 Jahren regelmäßiger Gast in Dresden rund um den 13. Februar. Eingetroffen und aufgebaut waren bis dahin bereits Max Schreibers „Flamme der Erinnerung“ und die Ausstellung, die zum 80. Jahrestag erstmals gezeigt wurde. Allzu viel Interesse weckte diese damals aber weder zur innenstädtischen Mahnwache am 13. noch zum Gedenkmarsch-Auftakt am 15. Februar. Und auch in diesem Jahr hielt sich das Gedränge um die bedruckten Planen an Bauzäunen sehr in Grenzen.
Die „Flamme der Erinnerung“ von Max Schreiber. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBereits zwei Tage zuvor, am 12. Februar, startete Schreiber mit einem Autokorso samt Feuertonne in die Innenstadt, wo dann am Dr.-Külz-Ring vor der Altmarktgalerie über drei Tage erneut eine Mahnwache stattfand – erneut mit überschaubarer Resonanz im mittleren zweistelligen Bereich. Und auch als sich am nächsten Tag, am 13. Februar, zur „Flamme der Erinnerung“ die Ausstellung hinzugesellte, blieb der Ansturm erwartungsgemäß aus. Denn festzustellen ist für den 13. Februar in Dresden insgesamt, dass die Begehung dieses Tages als Gedenktag aus der Mode gekommen scheint. Weder die Kerzeninstallation noch das Glockenläuten auf dem Neumarkt locken jenseits der Nazis noch Menschen an, um still zu erinnern. Stattdessen inszenieren sich extrem rechte Streamer und Influencer mit ihren geschichtsrevisionistischen Botschaften. Die Menschenkette als Zeichen gegen die sogenannte Vereinnahmung eines vermeintlich integren Gedenkens an die Bombardierung Dresdens ging als Aktionsform und Symbol schon zu ihrem Beginn 2010 fehl, nun aber, obendrein geschrumpft, wirkt sie gänzlich fehl platziert. Zumal sich am Abend des 13. Februars nur noch die diversen extrem rechten Splittergruppen in der Innenstadt aufzuhalten scheinen: die Wellenlänge am Altmarkt, Marcus Fuchs am Neumarkt, Burschenschaften am Kulturpalast oder eben Schreiber am Dr.-Külz-Ring. Die AfD hatte, wie bereits im letzten Jahr, auf eine Kundgebung auf dem Altmarkt verzichtet.
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Sven Skoda am Mikrofon. Quelle: Kai Schwerdt
Berliner & Brandenburger Neonazis in Dresden und Budapest (ausdemweg.net)
Neonazistisches »Gedenken« in Dresden (dokunetzwerk rhein-main)
Thüringer Teilnahme am Naziaufmarsch Dresden 14.02.2026 (Rechercheportal Jena-SHK)
Chemnitzer Teilnahme am Dresdner „Trauermarsch“ und dem „Ausbruch“ in Ungarn (Antifa Recherche Chemnitz)Am 14. Februar nun begann der „Trauermarsch“ der Nazis hinter dem Bahnhof Mitte pünktlich 14 Uhr mit ersten Reden von Lutz Giesen und Sven Skoda aus Dortmund, dessen Ausführungen laut zahlreicher Berichte besonders durch Geschichtsrevisionismus und Antisemitismus auffielen. Eine halbe Stunde später nahm der Aufmarsch Aufstellung und lief in Richtung Maxstraße los. Die Route führte dann über Ostraallee, Hertha Lindner Straße, Freiberger Straße, Ammonstraße, Könneritzstraße, Schwerinerstraße zurück in die Weißeritzstraße hinter den Bahnhof Mitte. Die Choreografie ist allen bekannt. Entsprechend routiniert fanden die Blöcke mit Transparenten und in Fünferreihen geordnet zusammen. Dazwischen wurde reichlich Platz gelassen, sodass der letzte Teil des Aufmarschs gegen 15 Uhr loslief, als die Spitze bereits fast in die Hertha-Lindner-Straße einbog.
Fronttransparent des „Trauermarsches“. Quelle: Tim MönchDie Spitze führte in diesem Jahr ein Transparent mit der Aufschrift „Im Schmerz vereint“ gefolgt von den Kränzen u.a. des „Aktionsbündnis gegen das Vergessen“. Getragen wurde der in diesem Jahr von Sebastian Reiche, zumindest am Anfang. Mit weiteren Transparenten präsentierten sich im Aufmarsch vor allem diverse NPD- oder „Die Heimat“-Abwandlungen unterschiedlicher Altersgruppen und verschiedener Regionen. Die Freien Sachsen zeigten sich ebenso mit Banner. Die Jungen Nationalisten (JN) traten als ein Block auf und zeigten sich mit weinroten Schlauchtüchern mit JN Logo. Die grünen Schlauchtücher mit Logo des III. Wegs ordneten sich im Gegensatz zum letzten Jahr, als sie bei der JN mitliefen, weiter hinten ein. Außerdem traten die „Aktivisten aus dem Harz“ mit Transparenten auf sowie die Brandenburger mit dem jährlich anwesenden „Niederschlesien“-Banner. Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Zahl der eigenen Banner abnimmt. Traten im letzten Jahr die Bautzner mit „Urbs Turrium“ Transparent auf, war das diesmal genauso wenig zu entdecken, wie eines der Active Clubs. „Die Rechte“ zeigte sich allerdings einmal mehr mit ihrem geschichtsrevisionistischen „Bombenholocaust“-Transparent. Nur wurde es in diesem Jahr durch die Polizei beschlagnahmt.
Quelle: VersaRed.FotoUnter den Teilnehmenden waren, wie bereits in den letzten Jahren, viele (sehr) junge Neonazis, wieder im typischen Schlauchtuch-North Face-Jacken-Chic – vor allem in den Blöcken der JN und beim III. Weg. Mit dabei waren letztlich aber alle „Generationen“ der hiesigen Naziszene: von alten „Skinheads Sächsische Schweiz“, wie Thomas Sattelberg oder Enzo Kleist, alten „Freien Kräften Sachsen“, wie Bernd Schillbach oder die Kaulfuß-Brüder, jüngere „Freie Kräfte Dresden“, wie Hans Böhm, über Ehemalige der „Freien Kameradschaft Dresden“, wie Maik Krautz bis hin zu den zahlreichen jüngeren Organisierungsversuchen von „Elblandrevolte“, JN, III. Weg oder Hochlandjugend. Über die Region Dresden hinaus reisten Teilnehmende vor allem aus Sachsen an, aber auch aus den angrenzenden ostdeutschen Bundesländern. Die bundesweite und gar europäische Teilnahme blieb eher überschaubar. Wie jedes Jahr waren aber Thorsten Heise, Thomas Wulff oder der mehrfach verurteilte Holocaust-Leugner Nikolai Nerling („Volkslehrer“) in Dresden dabei, ebenso Robin Schmiemann, Aktivist des Neonazinetzwerks „Combat 18“ und einige Zeit Brieffreund der verurteilten NSU-Terroristin Beate Zschäpe.
Robin Schmiemann. Quelle: PixelarchivDer Eindruck, dass der Naziaufmarsch deutlich männlich dominiert ist, bestätigte sich auch im Bericht der Veranstalter. Dort schreibt man von „Freunden und Kameraden aus ganz Deutschland und aus zahlreichen europäischen Ländern“, die marschierten und „Frauen und Kindern, [die beinahe zeitgleich in Mittelsachsen Lichter in die Mulde setzten].“
Beschlagnahmte Waffen aus dem Auto von Max Schreiber. Quelle: Versa.Red.FotoDie Struktur des Aufmarschs brachte nichts Überraschendes: Die Ordnerfunktion übernahm überwiegend das Spektrum völkischer Siedler:innen. Auch Robin Schmiemann durfte als Ordner fungieren, trotzdem dieser vorbestraft ist – wegen eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt 2007, bei dem er einen Menschen niederschoss und beinahe tötete. Der Döbelner NPD- und Freie Sachsen-Aktivist und wegen Vermögensdelikten vorbestrafte Stefan Trautmann war wie in jedem Jahr ebenfalls mit Ordnerbinde unterwegs. Die Kaulfuß-Brüder Udo und Karsten waren wie immer in der Organisation beteiligt. Der Lautsprecherwagen wurde technisch u.a. von Yves Rahmel betreut. Beim Aufbau der Bühne packte Sebastian Reiche mit an. Und ebenfalls wie in den Vorjahren bildete das „Haus Montag“ in Pirna den organisatorischen Knotenpunkt: als Vorabtreffpunkt zur gemeinsamen Anreise nach Dresden, als Lagerraum für die Demonstrationsutensilien und als Location für die „Aftershow“-Party. Max Schreiber fuhr mit seinem Auto seine „Flamme der Erinnerung“ per Anhänger im Aufzug mit. Zuvor durchsuchte die Polizei das Fahrzeug und fand dabei ein Messer und einen Baseballschläger. Immer griffbereit befindet sich üblicherweise auch eine Axt am Dachgepäckträger auf Schreibers Auto.
Antifaschistische Proteste in Sicht- und Hörweite. Quelle: Dokunetzwerk Rhein-MainBegleitet wurde der Aufmarsch von starken Protesten entlang der Route. Immer wieder mussten die Nazis stoppen, da es an der einen oder anderen Stelle gelang zumindest kurzzeitig die Route zu blockieren. Doch die Polizei sorgte mit einem äußerst robusten Vorgehen incl. Einsatz von Pfefferspray und Fäusten für freies Geleit – leider auch eine Dresdner Tradition zu diesem Anlass. So eskortiert erreichte der Gedenkmarsch bereits gegen 16 Uhr seinen Ausgangspunkt, wo nach Bühnen- und Technikaufbau zum Abschluss die Gedenkstunde folgte. Kränze werden vor der Bühne drapiert, Fackeln entzündet und Phil von Flak singt begleitet von seiner Gitarre. Danach ist wie in jedem Jahr Edda Schmidt an der Reihe „von früher“ zu erzählen, gefolgt von Lutz Giesen mit ein paar Worten zur Ausstellung sowie zu Gert Bürgels 2020 erschienenen „Memento Dresden 1945: Gedenkbuch der Namen“. Im Anschluss verlesen Nico Koal, neben drei Frauen die Namen bombardierter – natürlich deutscher – Städte. Mit einer gehörigen Portion Pathos folgen Gedichte, Texte, das Lied zum Dresden Gedenken, ein Auszug aus Jörg Friedrichs „Der Brand“. 17 Uhr 30 ist das Gedenken nach obligatorischer Schweigeminute und Hymnensingen in drei Strophen endlich wieder geschafft. Bis zum nächsten Jahr.
#AgV #Elblandrevolte #FreieKameradschaftDresden #FreieSachsen #JN #KarstenKaulfuß #LutzGiesen #MaxSchreiber #NPD #RobinSchmiemann #SebastianReiche #StefanTrautmann #SvenSkoda #UdoKaulfuß -
“Tem que tomar cuidado antes de colocar dados pessoais na IA” Reportagem no #JN sobre hospitais de BH
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“Tem que tomar cuidado antes de colocar dados pessoais na IA” Reportagem no #JN sobre hospitais de BH
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“Tem que tomar cuidado antes de colocar dados pessoais na IA” Reportagem no #JN sobre hospitais de BH
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Ein Neonazi unter vorgeblichen Antifaschist*innen?
Jeremy ist ein junger Neonazi aus Dresden. Erstmals fiel Jeremy auf, als er am 1. Juni 2024 mit zirka 100 anderen überwiegend jungen Neonazis gegen den Christopher Street Day (CSD) in Dresden demonstrierte. In den eineinhalb Jahren seit seiner ersten Sichtung war er immer wieder auf Nazidemos und sogenannten Montagsprotesten anzutreffen, meist im Umfeld der JN-Dresden/Elblandrevolte. Noch im Juli 2025 war Jeremy Teil des Naziaufmarsches der Freien Sachsen in Altleuben. Nun scheint er sich autoritären Linken angeschlossen zu haben.
Jeremy am 01.06.2024 bei einer Nazidemo gegen den CSD in Dresden. Quelle VersaRed.FotoAuf Instagram folgt er verschiedenen neonazistischen Accounts. Unter anderem dem Möchtegernrapper Kavalier, der „Jugend packt an“-Kampagne der Jungen Nationalisten (JN), der Kameradschaft Werra Elbflorenz, dem Filmkunstkollektiv der Identitären Bewegung und dem offiziellen Thor Steinar Shop. So weit, so unspektakulär.
Zwickau, 2. November 2025: Zirka 350 Menschen gedenken der Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Mit dabei: Eine Gruppe autoritärer Linker aus Chemnitz, Dresden und Zwickau. Und in deren Mitte ein bekanntes Gesicht: Jeremy. Mit rotem, Hammer und Sichel besetztem Schlauchschal.
Das wirft Fragen auf. Eine Distanzierung Jeremys von seinem neonazistischen Weltbild ist bis heute nicht zu erkennen. Den oben erwähnten neonazistischen Accounts folgt er auch noch einen Monat nach der Demonstration in Zwickau. Wissen seine neuen Freund*innen von seinem Weltbild? Oder ist es egal, weil man sich in vielen Dingen dann ja doch einig ist?
So lange eine glaubwürdige und unumkehrbare Distanzierung fehlt, bleibt Jeremy Neonazi – unabhängig davon was er für ein Halstuch gerade trägt. Neonazis wie Jeremy haben nichts auf linken Demonstrationen oder auch nur in der Nähe linker Strukturen zu suchen. Wer solche Leute hofiert, gefährdet antifaschistische und linke Strukturen – und schafft sich selbst ein (nächstes) Glaubwürdigkeitsproblem.
#Elblandrevolte #FreieSachsen #JN -
Ein Neonazi unter vorgeblichen Antifaschist*innen?
Jeremy ist ein junger Neonazi aus Dresden. Erstmals fiel Jeremy auf, als er am 1. Juni 2024 mit zirka 100 anderen überwiegend jungen Neonazis gegen den Christopher Street Day (CSD) in Dresden demonstrierte. In den eineinhalb Jahren seit seiner ersten Sichtung war er immer wieder auf Nazidemos und sogenannten Montagsprotesten anzutreffen, meist im Umfeld der JN-Dresden/Elblandrevolte. Noch im Juli 2025 war Jeremy Teil des Naziaufmarsches der Freien Sachsen in Altleuben. Nun scheint er sich autoritären Linken angeschlossen zu haben.
Jeremy am 01.06.2024 bei einer Nazidemo gegen den CSD in Dresden. Quelle VersaRed.FotoAuf Instagram folgt er verschiedenen neonazistischen Accounts. Unter anderem dem Möchtegernrapper Kavalier, der „Jugend packt an“-Kampagne der Jungen Nationalisten (JN), der Kameradschaft Werra Elbflorenz, dem Filmkunstkollektiv der Identitären Bewegung und dem offiziellen Thor Steinar Shop. So weit, so unspektakulär.
Zwickau, 2. November 2025: Zirka 350 Menschen gedenken der Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Mit dabei: Eine Gruppe autoritärer Linker aus Chemnitz, Dresden und Zwickau. Und in deren Mitte ein bekanntes Gesicht: Jeremy. Mit rotem, Hammer und Sichel besetztem Schlauchschal.
Das wirft Fragen auf. Eine Distanzierung Jeremys von seinem neonazistischen Weltbild ist bis heute nicht zu erkennen. Den oben erwähnten neonazistischen Accounts folgt er auch noch einen Monat nach der Demonstration in Zwickau. Wissen seine neuen Freund*innen von seinem Weltbild? Oder ist es egal, weil man sich in vielen Dingen dann ja doch einig ist?
So lange eine glaubwürdige und unumkehrbare Distanzierung fehlt, bleibt Jeremy Neonazi – unabhängig davon was er für ein Halstuch gerade trägt. Neonazis wie Jeremy haben nichts auf linken Demonstrationen oder auch nur in der Nähe linker Strukturen zu suchen. Wer solche Leute hofiert, gefährdet antifaschistische und linke Strukturen – und schafft sich selbst ein (nächstes) Glaubwürdigkeitsproblem.
#Elblandrevolte #FreieSachsen #JN -
Ein Neonazi unter vorgeblichen Antifaschist*innen?
Jeremy ist ein junger Neonazi aus Dresden. Erstmals fiel Jeremy auf, als er am 1. Juni 2024 mit zirka 100 anderen überwiegend jungen Neonazis gegen den Christopher Street Day (CSD) in Dresden demonstrierte. In den eineinhalb Jahren seit seiner ersten Sichtung war er immer wieder auf Nazidemos und sogenannten Montagsprotesten anzutreffen, meist im Umfeld der JN-Dresden/Elblandrevolte. Noch im Juli 2025 war Jeremy Teil des Naziaufmarsches der Freien Sachsen in Altleuben. Nun scheint er sich autoritären Linken angeschlossen zu haben.
Jeremy am 01.06.2024 bei einer Nazidemo gegen den CSD in Dresden. Quelle VersaRed.FotoAuf Instagram folgt er verschiedenen neonazistischen Accounts. Unter anderem dem Möchtegernrapper Kavalier, der „Jugend packt an“-Kampagne der Jungen Nationalisten (JN), der Kameradschaft Werra Elbflorenz, dem Filmkunstkollektiv der Identitären Bewegung und dem offiziellen Thor Steinar Shop. So weit, so unspektakulär.
Zwickau, 2. November 2025: Zirka 350 Menschen gedenken der Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Mit dabei: Eine Gruppe autoritärer Linker aus Chemnitz, Dresden und Zwickau. Und in deren Mitte ein bekanntes Gesicht: Jeremy. Mit rotem, Hammer und Sichel besetztem Schlauchschal.
Das wirft Fragen auf. Eine Distanzierung Jeremys von seinem neonazistischen Weltbild ist bis heute nicht zu erkennen. Den oben erwähnten neonazistischen Accounts folgt er auch noch einen Monat nach der Demonstration in Zwickau. Wissen seine neuen Freund*innen von seinem Weltbild? Oder ist es egal, weil man sich in vielen Dingen dann ja doch einig ist?
So lange eine glaubwürdige und unumkehrbare Distanzierung fehlt, bleibt Jeremy Neonazi – unabhängig davon was er für ein Halstuch gerade trägt. Neonazis wie Jeremy haben nichts auf linken Demonstrationen oder auch nur in der Nähe linker Strukturen zu suchen. Wer solche Leute hofiert, gefährdet antifaschistische und linke Strukturen – und schafft sich selbst ein (nächstes) Glaubwürdigkeitsproblem.
#Elblandrevolte #FreieSachsen #JN -
Ein Neonazi unter vorgeblichen Antifaschist*innen?
Jeremy ist ein junger Neonazi aus Dresden. Erstmals fiel Jeremy auf, als er am 1. Juni 2024 mit zirka 100 anderen überwiegend jungen Neonazis gegen den Christopher Street Day (CSD) in Dresden demonstrierte. In den eineinhalb Jahren seit seiner ersten Sichtung war er immer wieder auf Nazidemos und sogenannten Montagsprotesten anzutreffen, meist im Umfeld der JN-Dresden/Elblandrevolte. Noch im Juli 2025 war Jeremy Teil des Naziaufmarsches der Freien Sachsen in Altleuben. Nun scheint er sich autoritären Linken angeschlossen zu haben.
Jeremy am 01.06.2024 bei einer Nazidemo gegen den CSD in Dresden. Quelle VersaRed.FotoAuf Instagram folgt er verschiedenen neonazistischen Accounts. Unter anderem dem Möchtegernrapper Kavalier, der „Jugend packt an“-Kampagne der Jungen Nationalisten (JN), der Kameradschaft Werra Elbflorenz, dem Filmkunstkollektiv der Identitären Bewegung und dem offiziellen Thor Steinar Shop. So weit, so unspektakulär.
Zwickau, 2. November 2025: Zirka 350 Menschen gedenken der Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Mit dabei: Eine Gruppe autoritärer Linker aus Chemnitz, Dresden und Zwickau. Und in deren Mitte ein bekanntes Gesicht: Jeremy. Mit rotem, Hammer und Sichel besetztem Schlauchschal.
Das wirft Fragen auf. Eine Distanzierung Jeremys von seinem neonazistischen Weltbild ist bis heute nicht zu erkennen. Den oben erwähnten neonazistischen Accounts folgt er auch noch einen Monat nach der Demonstration in Zwickau. Wissen seine neuen Freund*innen von seinem Weltbild? Oder ist es egal, weil man sich in vielen Dingen dann ja doch einig ist?
So lange eine glaubwürdige und unumkehrbare Distanzierung fehlt, bleibt Jeremy Neonazi – unabhängig davon was er für ein Halstuch gerade trägt. Neonazis wie Jeremy haben nichts auf linken Demonstrationen oder auch nur in der Nähe linker Strukturen zu suchen. Wer solche Leute hofiert, gefährdet antifaschistische und linke Strukturen – und schafft sich selbst ein (nächstes) Glaubwürdigkeitsproblem.
#Elblandrevolte #FreieSachsen #JN -
Ein Neonazi unter vorgeblichen Antifaschist*innen?
Jeremy ist ein junger Neonazi aus Dresden. Erstmals fiel Jeremy auf, als er am 1. Juni 2024 mit zirka 100 anderen überwiegend jungen Neonazis gegen den Christopher Street Day (CSD) in Dresden demonstrierte. In den eineinhalb Jahren seit seiner ersten Sichtung war er immer wieder auf Nazidemos und sogenannten Montagsprotesten anzutreffen, meist im Umfeld der JN-Dresden/Elblandrevolte. Noch im Juli 2025 war Jeremy Teil des Naziaufmarsches der Freien Sachsen in Altleuben. Nun scheint er sich autoritären Linken angeschlossen zu haben.
Jeremy am 01.06.2024 bei einer Nazidemo gegen den CSD in Dresden. Quelle VersaRed.FotoAuf Instagram folgt er verschiedenen neonazistischen Accounts. Unter anderem dem Möchtegernrapper Kavalier, der „Jugend packt an“-Kampagne der Jungen Nationalisten (JN), der Kameradschaft Werra Elbflorenz, dem Filmkunstkollektiv der Identitären Bewegung und dem offiziellen Thor Steinar Shop. So weit, so unspektakulär.
Zwickau, 2. November 2025: Zirka 350 Menschen gedenken der Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Mit dabei: Eine Gruppe autoritärer Linker aus Chemnitz, Dresden und Zwickau. Und in deren Mitte ein bekanntes Gesicht: Jeremy. Mit rotem, Hammer und Sichel besetztem Schlauchschal.
Das wirft Fragen auf. Eine Distanzierung Jeremys von seinem neonazistischen Weltbild ist bis heute nicht zu erkennen. Den oben erwähnten neonazistischen Accounts folgt er auch noch einen Monat nach der Demonstration in Zwickau. Wissen seine neuen Freund*innen von seinem Weltbild? Oder ist es egal, weil man sich in vielen Dingen dann ja doch einig ist?
So lange eine glaubwürdige und unumkehrbare Distanzierung fehlt, bleibt Jeremy Neonazi – unabhängig davon was er für ein Halstuch gerade trägt. Neonazis wie Jeremy haben nichts auf linken Demonstrationen oder auch nur in der Nähe linker Strukturen zu suchen. Wer solche Leute hofiert, gefährdet antifaschistische und linke Strukturen – und schafft sich selbst ein (nächstes) Glaubwürdigkeitsproblem.
#Elblandrevolte #FreieSachsen #JN -
Pull-Effekt: Sachsen bietet Exklusivausbildung für faschistische Jurist*innen
Wer gegen die allgemeinen Menschenrechte ankämpft, sollte im Gerichtssaal nur auf der Anklagebank etwas zu sagen haben – so zumindest die Theorie in Deutschland seit den Nürnberger Prozessen. Anders sieht man das in Sachsen. Hier werden Faschist*innen auch nach höchstrichterlichen Urteilen noch Rosen auf den Weg gestreut.
Doch der Reihe nach: Im Oktober 2022 entschied der Sächsische Verfassungsgerichtshof (SächsVerfGH) in einem umstrittenen Urteil, dass Sachsen dem Dritten Weg-Kader Matthias Bauerfeind, sein Rechtsreferendariat ermöglichen müsse. In Bayern und Thüringen war der langjährige Neonazi mit seinen Klagen – wie in vergleichbaren Fällen aller Bundesländer seit einem Leiturteil von 1975 üblich – gescheitert. Bauerfeind zog im bayerischen Fall sogar vor das zuständige Bundesgericht und verlor – allerdings zu spät, denn da war der Neonazi, dank der eigensinnigen Auslegung des höchsten sächsischen Gerichts, bereits fertig ausgebildeter Volljurist. Tür und Tor stehen neonazistischen Jurist*innen seitdem in Sachsen offen.
Matthias Bauerfeind
Der 1984 geborene Matthias Bauerfeind war von 2005 bis 2012 Funktionär der NPD und ab 2009 Kern einer Kameradschaft im „Freies Netz Süd“. Von 2005 bis 2013 wurde er fünf Mal verurteilt, u.a. wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Nach dem Verbot des „Freien Netz“ im Jahr 2014, baute er als „stellvertretender Gebietsleiter Süd“ den Dritten Weg in Bayern mit auf. Dokumentiert sind beispielsweise seine Auftritte 2016 in Nürnberg, 2017 in Fulda und 2019 in Kempten. Bemerkenswert, aber wenig überraschend: Zuletzt fiel der auf Strafrecht spezialisierte Bauerfeind damit auf, dass er von mehreren baden-württembergischen AfD-Kreistagsfraktionen das anwaltliche Mandat in Verwaltungssachen erhielt.
Wir wollen euch hier den jüngsten Fall des sächsischen Sonderwegs vorstellen:
Im Mai 2025 wurde der Faschist John Hoewer aufgrund seiner Tätigkeit und Publikationen bei der Jungen Alternativen, dem extrem rechten Verein Ein Prozent, und dem offen faschistischen Jungeuropa Verlag als Rechtsreferendar in Rheinland-Pfalz abgelehnt. In seiner Begründung schrieb das Gericht in Koblenz, dass es in einer „wehrhaften“ Demokratie „(…) dem Staat [nicht] zuzumuten [sei], verfassungsuntreue Bewerber in den Vorbereitungsdienst aufnehmen zu müssen.“
Doch dann bewarb sich Hoewer in Sachsen.
Nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Hoewer zwei mal aus Zweifel an seiner Verfassungstreue ablehnte, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen im November 2025, dass Hoewer unverzüglich seine juristische Ausbildung beim Oberlandesgericht (OLG) Dresden aufnehmen dürfe. Das OVG Bautzen sah sich dabei an das kritisierte Sonderurteil des SächsVerfGH gebunden. Es bekräftigte seine Zweifel an der Richtigkeit dieses Urteils sogar nachdrücklich. Trotzdem verzichtete es auf eine Weiterleitung des Falls an das zuständige Bundesgericht (BVerfG), welches 2024 im Fall Bauerfeind doch eindeutig im Widerspruch zum SächsVerfGH entschieden hatte. Eine verpasste Gelegenheit. Und so bleibt das Motto der sächsischen Rechtspraxis vorerst: Nur weil man Faschisten ablehnen kann, heißt das noch lange nicht, dass man sie auch ablehnen muss. Denn in Sachsen reicht es seit 2022 nicht aus, nachweislich einer menschenverachtenden Ideologie anzuhängen. Man muss sich schon strafbar machen im Kampf gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung.
John Hoewer
Der neu-rechte Kader John Hoewer, Jahrgang 1987, ist im April 2025 von seinem stellvertretenden Vorstandsposten bei Ein Prozent zurückgetreten. Zwei Monate nachdem er sich erstmals in Sachsen beworben hatte. Dabei ist ihm ein aktives Eintreten gegen die „freiheitliche demokratische Grundordnung“, welches dem Bundesverfassungsgericht 2024 als Ablehnungsgrund für ein Rechtsreferendariat genügte, wahrlich nicht schwer nachzuweisen:
Schon im Januar 2017 soll Hoewer in handgreiflichen Auseinandersetzungen mit linken Demonstranten in einem Hörsaal der Universität Magdeburg verwickelt gewesen sein. Im April 2017 dann begleitete er den laut eigener Aussage den „Rechtsradikalen“ Philip Stein zu einer Veranstaltung der italienischen Faschisten von Casa Pound in Rom. Ebenfalls 2017, im Juli, besuchte John Hoewer gemeinsam mit weiteren AfDlern, JNlern und anderen Neonazis das „Deutschland-Seminar“ der extrem rechten Braunschweiger Burschenschaft Thuringia. Im Jahr 2021 nahm John Hoewer nachweislich an Kampfsportrainings mit anderen Neonazis der Jungen Alternative, der AfD und der NPD (heute Die Heimat) in Berlin Weißensee teil. Im Jahr 2022 war Hoewer dann Beisitzer im Verbandsrat der extrem rechten Deutschen Burschenschaft (DB). Ja, Hoewer ist Burschenschaftler, und zwar bei Germania Köln, Raczeks Breslau zu Bonn, und dort fechtet er vor NS-“Kunst“ mit Hakenkreuz. Die Burschenschaft ist übrigens die, die 2011 einen Antrag bei der DB einbrachten, der als „Ariernachweis“ bekannt wurde. Geschenkt, dass Hoewer auch jahrelang zum Jungen Alternative Landesvorstand in Sachsen-Anhalt gehörte und mindestens von Januar 2018 bis März 2025 für den AfD-Fraktionsvize im Bundestag, Sebastian Münzenmaier (Mainzer Burschenschaft Germania Halle), als Mitarbeiter angestellt war.
Diese Gesetzeslage und Rechtssprechung, der sächsische Sonderweg, ist in Deutschland einmalig. Im Raum steht der Verdacht, dass die Entscheidung des Sächsischen Verfassungsgerichtshofes von 2022 dem geltenden Bundesrecht widerspricht. Dass es auch anders geht, zeigt das Nachbarland Thüringen. So wies das Thüringer Verfassungsgericht im November 2025 eine AfD-Klage ab und entschied, dass Personen nicht zum juristischen Vorbereitungsdienst zugelassen werden sollen, wenn sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen.
Doch Bauerfeind und Hoewer sind nicht die einzigen, denen der sächsische Sonderweg zugutekam. Der Neonazi Brian Engelmann durfte bereits im November 2018 sein Rechtsreferendariat in Chemnitz antreten, obwohl man um sein Weltbild wusste – im selben Monat stand er für seine Beteiligung am Überfall auf den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz mit anderen Neonazis vor Gericht. Und selbst nachdem sein Urteil von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung im Jahr 2020 für rechtskräftig erklärt wurde, entschied das Oberlandesgericht Dresden (OLG), dass Engelmann seine juristische Ausbildung abschließen dürfe. Jetzt ist der Mann mit den Hakenkreuzen auf der rechten Schulter Volljurist und in der Rechtsanwaltskanzlei des Leipziger Szene-Anwalts Arndt Hohnstädter angestellt.
Marko Zschörner und Brian Engelmann (mit tätowiertem Hakenkreuz-Muster)Brian Engelmann
Der 1992 in Freital geborene Brian Engelmann ist mehrfach vorbestrafter Gewalttäter und Kampfsportler. Schon 2012 griff Engelmann in eine Auseinandersetzung in einer Dresdner Diskothek ein. Dabei brach er dem Angreifer mehrere Gesichtsknochen und zerstörte ihm diverse Zähne, als er ihm gegen den Kopf trat. Im selben Jahr zog Engelmann für sein Jura-Studium nach Leipzig und fiel dort bald als Teil des “Bushido Sportcenter Leipzig” (ehemals “Bushido Free Fight Team”) von Marko Zschörner auf. In den folgenden Jahren trat Engelmann immer wieder als MMA-Kämpfer bei einschlägigen Veranstaltungen in Erscheinung. So gab es z.B. 2013 einen Kampf in Köthen gegen Kevin Kraft – ein weiterer Neonazi, dem zusammen er schließlich am 11.01.2016, im Nachgang des Angriffs auf Leipzig-Connewitz, von der Polizei festgesetzt wurde. Gemeinsam mit Mitgliedern der Neonazi-Struktur „HooNaRa“ („Hooligans, Nazis, Rassisten“), wie beispielsweise Martin Krause, arbeitete Engelmann jahrelang beim Leipziger Sicherheitsunternehmen “Black Rainbow Security”. Auch nach Abschluss seines zweiten Staatsexamens trat Engelmann weiterhin bei Neonazi-Milieu-Veranstaltungen, wie 2023 bei „Ostdeutschland kämpft“, auf.
Eine Gesetzesänderung, wie aktuell gefordert, oder eine juristische Entscheidung auf höchster Ebene lassen zwei Jahre nach dem SächsVerfGH-Urteil immer noch auf sich warten. Immerhin scheint nun endlich auch die Sächsische Landesregierung, in Person der Justizministerin Constanze Geiert (CDU), gemerkt zu haben, dass etwas faul ist im Freistaat Sachsen. So will man am Bundesverfassungsgericht mit einer abstrakten Normenkontrolle gegen die diesbezügliche Rechtsauslegung des eigenen, Sächsischen Verfassungsgerichts vorgehen. Bis dahin bleibt genau zu beobachten, wie sich der „Pull-Effekt“ auf faschistische Jurist*innen nach Sachsen weiterentwickelt.
#AfD #BrianEngelmann #EinProzent #JN #JohnHoewer #MatthiasBauerfeind #NPD
-
Pull-Effekt: Sachsen bietet Exklusivausbildung für faschistische Jurist*innen
Wer gegen die allgemeinen Menschenrechte ankämpft, sollte im Gerichtssaal nur auf der Anklagebank etwas zu sagen haben – so zumindest die Theorie in Deutschland seit den Nürnberger Prozessen. Anders sieht man das in Sachsen. Hier werden Faschist*innen auch nach höchstrichterlichen Urteilen noch Rosen auf den Weg gestreut.
Doch der Reihe nach: Im Oktober 2022 entschied der Sächsische Verfassungsgerichtshof (SächsVerfGH) in einem umstrittenen Urteil, dass Sachsen dem Dritten Weg-Kader Matthias Bauerfeind, sein Rechtsreferendariat ermöglichen müsse. In Bayern und Thüringen war der langjährige Neonazi mit seinen Klagen – wie in vergleichbaren Fällen aller Bundesländer seit einem Leiturteil von 1975 üblich – gescheitert. Bauerfeind zog im bayerischen Fall sogar vor das zuständige Bundesgericht und verlor – allerdings zu spät, denn da war der Neonazi, dank der eigensinnigen Auslegung des höchsten sächsischen Gerichts, bereits fertig ausgebildeter Volljurist. Tür und Tor stehen neonazistischen Jurist*innen seitdem in Sachsen offen.
Matthias Bauerfeind
Der 1984 geborene Matthias Bauerfeind war von 2005 bis 2012 Funktionär der NPD und ab 2009 Kern einer Kameradschaft im „Freies Netz Süd“. Von 2005 bis 2013 wurde er fünf Mal verurteilt, u.a. wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Nach dem Verbot des „Freien Netz“ im Jahr 2014, baute er als „stellvertretender Gebietsleiter Süd“ den Dritten Weg in Bayern mit auf. Dokumentiert sind beispielsweise seine Auftritte 2016 in Nürnberg, 2017 in Fulda und 2019 in Kempten. Bemerkenswert, aber wenig überraschend: Zuletzt fiel der auf Strafrecht spezialisierte Bauerfeind damit auf, dass er von mehreren baden-württembergischen AfD-Kreistagsfraktionen das anwaltliche Mandat in Verwaltungssachen erhielt.
Wir wollen euch hier den jüngsten Fall des sächsischen Sonderwegs vorstellen:
Im Mai 2025 wurde der Faschist John Hoewer aufgrund seiner Tätigkeit und Publikationen bei der Jungen Alternativen, dem extrem rechten Verein Ein Prozent, und dem offen faschistischen Jungeuropa Verlag als Rechtsreferendar in Rheinland-Pfalz abgelehnt. In seiner Begründung schrieb das Gericht in Koblenz, dass es in einer „wehrhaften“ Demokratie „(…) dem Staat [nicht] zuzumuten [sei], verfassungsuntreue Bewerber in den Vorbereitungsdienst aufnehmen zu müssen.“
Doch dann bewarb sich Hoewer in Sachsen.
Nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Hoewer zwei mal aus Zweifel an seiner Verfassungstreue ablehnte, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen im November 2025, dass Hoewer unverzüglich seine juristische Ausbildung beim Oberlandesgericht (OLG) Dresden aufnehmen dürfe. Das OVG Bautzen sah sich dabei an das kritisierte Sonderurteil des SächsVerfGH gebunden. Es bekräftigte seine Zweifel an der Richtigkeit dieses Urteils sogar nachdrücklich. Trotzdem verzichtete es auf eine Weiterleitung des Falls an das zuständige Bundesgericht (BVerfG), welches 2024 im Fall Bauerfeind doch eindeutig im Widerspruch zum SächsVerfGH entschieden hatte. Eine verpasste Gelegenheit. Und so bleibt das Motto der sächsischen Rechtspraxis vorerst: Nur weil man Faschisten ablehnen kann, heißt das noch lange nicht, dass man sie auch ablehnen muss. Denn in Sachsen reicht es seit 2022 nicht aus, nachweislich einer menschenverachtenden Ideologie anzuhängen. Man muss sich schon strafbar machen im Kampf gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung.
John Hoewer
Der neu-rechte Kader John Hoewer, Jahrgang 1987, ist im April 2025 von seinem stellvertretenden Vorstandsposten bei Ein Prozent zurückgetreten. Zwei Monate nachdem er sich erstmals in Sachsen beworben hatte. Dabei ist ihm ein aktives Eintreten gegen die „freiheitliche demokratische Grundordnung“, welches dem Bundesverfassungsgericht 2024 als Ablehnungsgrund für ein Rechtsreferendariat genügte, wahrlich nicht schwer nachzuweisen:
Schon im Januar 2017 soll Hoewer in handgreiflichen Auseinandersetzungen mit linken Demonstranten in einem Hörsaal der Universität Magdeburg verwickelt gewesen sein. Im April 2017 dann begleitete er den laut eigener Aussage den „Rechtsradikalen“ Philip Stein zu einer Veranstaltung der italienischen Faschisten von Casa Pound in Rom. Ebenfalls 2017, im Juli, besuchte John Hoewer gemeinsam mit weiteren AfDlern, JNlern und anderen Neonazis das „Deutschland-Seminar“ der extrem rechten Braunschweiger Burschenschaft Thuringia. Im Jahr 2021 nahm John Hoewer nachweislich an Kampfsportrainings mit anderen Neonazis der Jungen Alternative, der AfD und der NPD (heute Die Heimat) in Berlin Weißensee teil. Im Jahr 2022 war Hoewer dann Beisitzer im Verbandsrat der extrem rechten Deutschen Burschenschaft (DB). Ja, Hoewer ist Burschenschaftler, und zwar bei Germania Köln, Raczeks Breslau zu Bonn, und dort fechtet er vor NS-“Kunst“ mit Hakenkreuz. Die Burschenschaft ist übrigens die, die 2011 einen Antrag bei der DB einbrachten, der als „Ariernachweis“ bekannt wurde. Geschenkt, dass Hoewer auch jahrelang zum Jungen Alternative Landesvorstand in Sachsen-Anhalt gehörte und mindestens von Januar 2018 bis März 2025 für den AfD-Fraktionsvize im Bundestag, Sebastian Münzenmaier (Mainzer Burschenschaft Germania Halle), als Mitarbeiter angestellt war.
Diese Gesetzeslage und Rechtssprechung, der sächsische Sonderweg, ist in Deutschland einmalig. Im Raum steht der Verdacht, dass die Entscheidung des Sächsischen Verfassungsgerichtshofes von 2022 dem geltenden Bundesrecht widerspricht. Dass es auch anders geht, zeigt das Nachbarland Thüringen. So wies das Thüringer Verfassungsgericht im November 2025 eine AfD-Klage ab und entschied, dass Personen nicht zum juristischen Vorbereitungsdienst zugelassen werden sollen, wenn sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen.
Doch Bauerfeind und Hoewer sind nicht die einzigen, denen der sächsische Sonderweg zugutekam. Der Neonazi Brian Engelmann durfte bereits im November 2018 sein Rechtsreferendariat in Chemnitz antreten, obwohl man um sein Weltbild wusste – im selben Monat stand er für seine Beteiligung am Überfall auf den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz mit anderen Neonazis vor Gericht. Und selbst nachdem sein Urteil von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung im Jahr 2020 für rechtskräftig erklärt wurde, entschied das Oberlandesgericht Dresden (OLG), dass Engelmann seine juristische Ausbildung abschließen dürfe. Jetzt ist der Mann mit den Hakenkreuzen auf der rechten Schulter Volljurist und in der Rechtsanwaltskanzlei des Leipziger Szene-Anwalts Arndt Hohnstädter angestellt.
Marko Zschörner und Brian Engelmann (mit tätowiertem Hakenkreuz-Muster)Brian Engelmann
Der 1992 in Freital geborene Brian Engelmann ist mehrfach vorbestrafter Gewalttäter und Kampfsportler. Schon 2012 griff Engelmann in eine Auseinandersetzung in einer Dresdner Diskothek ein. Dabei brach er dem Angreifer mehrere Gesichtsknochen und zerstörte ihm diverse Zähne, als er ihm gegen den Kopf trat. Im selben Jahr zog Engelmann für sein Jura-Studium nach Leipzig und fiel dort bald als Teil des “Bushido Sportcenter Leipzig” (ehemals “Bushido Free Fight Team”) von Marko Zschörner auf. In den folgenden Jahren trat Engelmann immer wieder als MMA-Kämpfer bei einschlägigen Veranstaltungen in Erscheinung. So gab es z.B. 2013 einen Kampf in Köthen gegen Kevin Kraft – ein weiterer Neonazi, dem zusammen er schließlich am 11.01.2016, im Nachgang des Angriffs auf Leipzig-Connewitz, von der Polizei festgesetzt wurde. Gemeinsam mit Mitgliedern der Neonazi-Struktur „HooNaRa“ („Hooligans, Nazis, Rassisten“), wie beispielsweise Martin Krause, arbeitete Engelmann jahrelang beim Leipziger Sicherheitsunternehmen “Black Rainbow Security”. Auch nach Abschluss seines zweiten Staatsexamens trat Engelmann weiterhin bei Neonazi-Milieu-Veranstaltungen, wie 2023 bei „Ostdeutschland kämpft“, auf.
Eine Gesetzesänderung, wie aktuell gefordert, oder eine juristische Entscheidung auf höchster Ebene lassen zwei Jahre nach dem SächsVerfGH-Urteil immer noch auf sich warten. Immerhin scheint nun endlich auch die Sächsische Landesregierung, in Person der Justizministerin Constanze Geiert (CDU), gemerkt zu haben, dass etwas faul ist im Freistaat Sachsen. So will man am Bundesverfassungsgericht mit einer abstrakten Normenkontrolle gegen die diesbezügliche Rechtsauslegung des eigenen, Sächsischen Verfassungsgerichts vorgehen. Bis dahin bleibt genau zu beobachten, wie sich der „Pull-Effekt“ auf faschistische Jurist*innen nach Sachsen weiterentwickelt.
#AfD #BrianEngelmann #EinProzent #JN #JohnHoewer #MatthiasBauerfeind #NPD
-
Pull-Effekt: Sachsen bietet Exklusivausbildung für faschistische Jurist*innen
Wer gegen die allgemeinen Menschenrechte ankämpft, sollte im Gerichtssaal nur auf der Anklagebank etwas zu sagen haben – so zumindest die Theorie in Deutschland seit den Nürnberger Prozessen. Anders sieht man das in Sachsen. Hier werden Faschist*innen auch nach höchstrichterlichen Urteilen noch Rosen auf den Weg gestreut.
Doch der Reihe nach: Im Oktober 2022 entschied der Sächsische Verfassungsgerichtshof (SächsVerfGH) in einem umstrittenen Urteil, dass Sachsen dem Dritten Weg-Kader Matthias Bauerfeind, sein Rechtsreferendariat ermöglichen müsse. In Bayern und Thüringen war der langjährige Neonazi mit seinen Klagen – wie in vergleichbaren Fällen aller Bundesländer seit einem Leiturteil von 1975 üblich – gescheitert. Bauerfeind zog im bayerischen Fall sogar vor das zuständige Bundesgericht und verlor – allerdings zu spät, denn da war der Neonazi, dank der eigensinnigen Auslegung des höchsten sächsischen Gerichts, bereits fertig ausgebildeter Volljurist. Tür und Tor stehen neonazistischen Jurist*innen seitdem in Sachsen offen.
Matthias Bauerfeind
Der 1984 geborene Matthias Bauerfeind war von 2005 bis 2012 Funktionär der NPD und ab 2009 Kern einer Kameradschaft im „Freies Netz Süd“. Von 2005 bis 2013 wurde er fünf Mal verurteilt, u.a. wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Nach dem Verbot des „Freien Netz“ im Jahr 2014, baute er als „stellvertretender Gebietsleiter Süd“ den Dritten Weg in Bayern mit auf. Dokumentiert sind beispielsweise seine Auftritte 2016 in Nürnberg, 2017 in Fulda und 2019 in Kempten. Bemerkenswert, aber wenig überraschend: Zuletzt fiel der auf Strafrecht spezialisierte Bauerfeind damit auf, dass er von mehreren baden-württembergischen AfD-Kreistagsfraktionen das anwaltliche Mandat in Verwaltungssachen erhielt.
Wir wollen euch hier den jüngsten Fall des sächsischen Sonderwegs vorstellen:
Im Mai 2025 wurde der Faschist John Hoewer aufgrund seiner Tätigkeit und Publikationen bei der Jungen Alternativen, dem extrem rechten Verein Ein Prozent, und dem offen faschistischen Jungeuropa Verlag als Rechtsreferendar in Rheinland-Pfalz abgelehnt. In seiner Begründung schrieb das Gericht in Koblenz, dass es in einer „wehrhaften“ Demokratie „(…) dem Staat [nicht] zuzumuten [sei], verfassungsuntreue Bewerber in den Vorbereitungsdienst aufnehmen zu müssen.“
Doch dann bewarb sich Hoewer in Sachsen.
Nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Hoewer zwei mal aus Zweifel an seiner Verfassungstreue ablehnte, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen im November 2025, dass Hoewer unverzüglich seine juristische Ausbildung beim Oberlandesgericht (OLG) Dresden aufnehmen dürfe. Das OVG Bautzen sah sich dabei an das kritisierte Sonderurteil des SächsVerfGH gebunden. Es bekräftigte seine Zweifel an der Richtigkeit dieses Urteils sogar nachdrücklich. Trotzdem verzichtete es auf eine Weiterleitung des Falls an das zuständige Bundesgericht (BVerfG), welches 2024 im Fall Bauerfeind doch eindeutig im Widerspruch zum SächsVerfGH entschieden hatte. Eine verpasste Gelegenheit. Und so bleibt das Motto der sächsischen Rechtspraxis vorerst: Nur weil man Faschisten ablehnen kann, heißt das noch lange nicht, dass man sie auch ablehnen muss. Denn in Sachsen reicht es seit 2022 nicht aus, nachweislich einer menschenverachtenden Ideologie anzuhängen. Man muss sich schon strafbar machen im Kampf gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung.
John Hoewer
Der neu-rechte Kader John Hoewer, Jahrgang 1987, ist im April 2025 von seinem stellvertretenden Vorstandsposten bei Ein Prozent zurückgetreten. Zwei Monate nachdem er sich erstmals in Sachsen beworben hatte. Dabei ist ihm ein aktives Eintreten gegen die „freiheitliche demokratische Grundordnung“, welches dem Bundesverfassungsgericht 2024 als Ablehnungsgrund für ein Rechtsreferendariat genügte, wahrlich nicht schwer nachzuweisen:
Schon im Januar 2017 soll Hoewer in handgreiflichen Auseinandersetzungen mit linken Demonstranten in einem Hörsaal der Universität Magdeburg verwickelt gewesen sein. Im April 2017 dann begleitete er den laut eigener Aussage den „Rechtsradikalen“ Philip Stein zu einer Veranstaltung der italienischen Faschisten von Casa Pound in Rom. Ebenfalls 2017, im Juli, besuchte John Hoewer gemeinsam mit weiteren AfDlern, JNlern und anderen Neonazis das „Deutschland-Seminar“ der extrem rechten Braunschweiger Burschenschaft Thuringia. Im Jahr 2021 nahm John Hoewer nachweislich an Kampfsportrainings mit anderen Neonazis der Jungen Alternative, der AfD und der NPD (heute Die Heimat) in Berlin Weißensee teil. Im Jahr 2022 war Hoewer dann Beisitzer im Verbandsrat der extrem rechten Deutschen Burschenschaft (DB). Ja, Hoewer ist Burschenschaftler, und zwar bei Germania Köln, Raczeks Breslau zu Bonn, und dort fechtet er vor NS-“Kunst“ mit Hakenkreuz. Die Burschenschaft ist übrigens die, die 2011 einen Antrag bei der DB einbrachten, der als „Ariernachweis“ bekannt wurde. Geschenkt, dass Hoewer auch jahrelang zum Jungen Alternative Landesvorstand in Sachsen-Anhalt gehörte und mindestens von Januar 2018 bis März 2025 für den AfD-Fraktionsvize im Bundestag, Sebastian Münzenmaier (Mainzer Burschenschaft Germania Halle), als Mitarbeiter angestellt war.
Diese Gesetzeslage und Rechtssprechung, der sächsische Sonderweg, ist in Deutschland einmalig. Im Raum steht der Verdacht, dass die Entscheidung des Sächsischen Verfassungsgerichtshofes von 2022 dem geltenden Bundesrecht widerspricht. Dass es auch anders geht, zeigt das Nachbarland Thüringen. So wies das Thüringer Verfassungsgericht im November 2025 eine AfD-Klage ab und entschied, dass Personen nicht zum juristischen Vorbereitungsdienst zugelassen werden sollen, wenn sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen.
Doch Bauerfeind und Hoewer sind nicht die einzigen, denen der sächsische Sonderweg zugutekam. Der Neonazi Brian Engelmann durfte bereits im November 2018 sein Rechtsreferendariat in Chemnitz antreten, obwohl man um sein Weltbild wusste – im selben Monat stand er für seine Beteiligung am Überfall auf den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz mit anderen Neonazis vor Gericht. Und selbst nachdem sein Urteil von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung im Jahr 2020 für rechtskräftig erklärt wurde, entschied das Oberlandesgericht Dresden (OLG), dass Engelmann seine juristische Ausbildung abschließen dürfe. Jetzt ist der Mann mit den Hakenkreuzen auf der rechten Schulter Volljurist und in der Rechtsanwaltskanzlei des Leipziger Szene-Anwalts Arndt Hohnstädter angestellt.
Marko Zschörner und Brian Engelmann (mit tätowiertem Hakenkreuz-Muster)Brian Engelmann
Der 1992 in Freital geborene Brian Engelmann ist mehrfach vorbestrafter Gewalttäter und Kampfsportler. Schon 2012 griff Engelmann in eine Auseinandersetzung in einer Dresdner Diskothek ein. Dabei brach er dem Angreifer mehrere Gesichtsknochen und zerstörte ihm diverse Zähne, als er ihm gegen den Kopf trat. Im selben Jahr zog Engelmann für sein Jura-Studium nach Leipzig und fiel dort bald als Teil des “Bushido Sportcenter Leipzig” (ehemals “Bushido Free Fight Team”) von Marko Zschörner auf. In den folgenden Jahren trat Engelmann immer wieder als MMA-Kämpfer bei einschlägigen Veranstaltungen in Erscheinung. So gab es z.B. 2013 einen Kampf in Köthen gegen Kevin Kraft – ein weiterer Neonazi, dem zusammen er schließlich am 11.01.2016, im Nachgang des Angriffs auf Leipzig-Connewitz, von der Polizei festgesetzt wurde. Gemeinsam mit Mitgliedern der Neonazi-Struktur „HooNaRa“ („Hooligans, Nazis, Rassisten“), wie beispielsweise Martin Krause, arbeitete Engelmann jahrelang beim Leipziger Sicherheitsunternehmen “Black Rainbow Security”. Auch nach Abschluss seines zweiten Staatsexamens trat Engelmann weiterhin bei Neonazi-Milieu-Veranstaltungen, wie 2023 bei „Ostdeutschland kämpft“, auf.
Eine Gesetzesänderung, wie aktuell gefordert, oder eine juristische Entscheidung auf höchster Ebene lassen zwei Jahre nach dem SächsVerfGH-Urteil immer noch auf sich warten. Immerhin scheint nun endlich auch die Sächsische Landesregierung, in Person der Justizministerin Constanze Geiert (CDU), gemerkt zu haben, dass etwas faul ist im Freistaat Sachsen. So will man am Bundesverfassungsgericht mit einer abstrakten Normenkontrolle gegen die diesbezügliche Rechtsauslegung des eigenen, Sächsischen Verfassungsgerichts vorgehen. Bis dahin bleibt genau zu beobachten, wie sich der „Pull-Effekt“ auf faschistische Jurist*innen nach Sachsen weiterentwickelt.
#AfD #BrianEngelmann #EinProzent #JN #JohnHoewer #MatthiasBauerfeind #NPD
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Pull-Effekt: Sachsen bietet Exklusivausbildung für faschistische Jurist*innen
Wer gegen die allgemeinen Menschenrechte ankämpft, sollte im Gerichtssaal nur auf der Anklagebank etwas zu sagen haben – so zumindest die Theorie in Deutschland seit den Nürnberger Prozessen. Anders sieht man das in Sachsen. Hier werden Faschist*innen auch nach höchstrichterlichen Urteilen noch Rosen auf den Weg gestreut.
Doch der Reihe nach: Im Oktober 2022 entschied der Sächsische Verfassungsgerichtshof (SächsVerfGH) in einem umstrittenen Urteil, dass Sachsen dem Dritten Weg-Kader Matthias Bauerfeind, sein Rechtsreferendariat ermöglichen müsse. In Bayern und Thüringen war der langjährige Neonazi mit seinen Klagen – wie in vergleichbaren Fällen aller Bundesländer seit einem Leiturteil von 1975 üblich – gescheitert. Bauerfeind zog im bayerischen Fall sogar vor das zuständige Bundesgericht und verlor – allerdings zu spät, denn da war der Neonazi, dank der eigensinnigen Auslegung des höchsten sächsischen Gerichts, bereits fertig ausgebildeter Volljurist. Tür und Tor stehen neonazistischen Jurist*innen seitdem in Sachsen offen.
Matthias Bauerfeind
Der 1984 geborene Matthias Bauerfeind war von 2005 bis 2012 Funktionär der NPD und ab 2009 Kern einer Kameradschaft im „Freies Netz Süd“. Von 2005 bis 2013 wurde er fünf Mal verurteilt, u.a. wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Nach dem Verbot des „Freien Netz“ im Jahr 2014, baute er als „stellvertretender Gebietsleiter Süd“ den Dritten Weg in Bayern mit auf. Dokumentiert sind beispielsweise seine Auftritte 2016 in Nürnberg, 2017 in Fulda und 2019 in Kempten. Bemerkenswert, aber wenig überraschend: Zuletzt fiel der auf Strafrecht spezialisierte Bauerfeind damit auf, dass er von mehreren baden-württembergischen AfD-Kreistagsfraktionen das anwaltliche Mandat in Verwaltungssachen erhielt.
Wir wollen euch hier den jüngsten Fall des sächsischen Sonderwegs vorstellen:
Im Mai 2025 wurde der Faschist John Hoewer aufgrund seiner Tätigkeit und Publikationen bei der Jungen Alternativen, dem extrem rechten Verein Ein Prozent, und dem offen faschistischen Jungeuropa Verlag als Rechtsreferendar in Rheinland-Pfalz abgelehnt. In seiner Begründung schrieb das Gericht in Koblenz, dass es in einer „wehrhaften“ Demokratie „(…) dem Staat [nicht] zuzumuten [sei], verfassungsuntreue Bewerber in den Vorbereitungsdienst aufnehmen zu müssen.“
Doch dann bewarb sich Hoewer in Sachsen.
Nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Hoewer zwei mal aus Zweifel an seiner Verfassungstreue ablehnte, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen im November 2025, dass Hoewer unverzüglich seine juristische Ausbildung beim Oberlandesgericht (OLG) Dresden aufnehmen dürfe. Das OVG Bautzen sah sich dabei an das kritisierte Sonderurteil des SächsVerfGH gebunden. Es bekräftigte seine Zweifel an der Richtigkeit dieses Urteils sogar nachdrücklich. Trotzdem verzichtete es auf eine Weiterleitung des Falls an das zuständige Bundesgericht (BVerfG), welches 2024 im Fall Bauerfeind doch eindeutig im Widerspruch zum SächsVerfGH entschieden hatte. Eine verpasste Gelegenheit. Und so bleibt das Motto der sächsischen Rechtspraxis vorerst: Nur weil man Faschisten ablehnen kann, heißt das noch lange nicht, dass man sie auch ablehnen muss. Denn in Sachsen reicht es seit 2022 nicht aus, nachweislich einer menschenverachtenden Ideologie anzuhängen. Man muss sich schon strafbar machen im Kampf gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung.
John Hoewer
Der neu-rechte Kader John Hoewer, Jahrgang 1987, ist im April 2025 von seinem stellvertretenden Vorstandsposten bei Ein Prozent zurückgetreten. Zwei Monate nachdem er sich erstmals in Sachsen beworben hatte. Dabei ist ihm ein aktives Eintreten gegen die „freiheitliche demokratische Grundordnung“, welches dem Bundesverfassungsgericht 2024 als Ablehnungsgrund für ein Rechtsreferendariat genügte, wahrlich nicht schwer nachzuweisen:
Schon im Januar 2017 soll Hoewer in handgreiflichen Auseinandersetzungen mit linken Demonstranten in einem Hörsaal der Universität Magdeburg verwickelt gewesen sein. Im April 2017 dann begleitete er den laut eigener Aussage den „Rechtsradikalen“ Philip Stein zu einer Veranstaltung der italienischen Faschisten von Casa Pound in Rom. Ebenfalls 2017, im Juli, besuchte John Hoewer gemeinsam mit weiteren AfDlern, JNlern und anderen Neonazis das „Deutschland-Seminar“ der extrem rechten Braunschweiger Burschenschaft Thuringia. Im Jahr 2021 nahm John Hoewer nachweislich an Kampfsportrainings mit anderen Neonazis der Jungen Alternative, der AfD und der NPD (heute Die Heimat) in Berlin Weißensee teil. Im Jahr 2022 war Hoewer dann Beisitzer im Verbandsrat der extrem rechten Deutschen Burschenschaft (DB). Ja, Hoewer ist Burschenschaftler, und zwar bei Germania Köln, Raczeks Breslau zu Bonn, und dort fechtet er vor NS-“Kunst“ mit Hakenkreuz. Die Burschenschaft ist übrigens die, die 2011 einen Antrag bei der DB einbrachten, der als „Ariernachweis“ bekannt wurde. Geschenkt, dass Hoewer auch jahrelang zum Jungen Alternative Landesvorstand in Sachsen-Anhalt gehörte und mindestens von Januar 2018 bis März 2025 für den AfD-Fraktionsvize im Bundestag, Sebastian Münzenmaier (Mainzer Burschenschaft Germania Halle), als Mitarbeiter angestellt war.
Diese Gesetzeslage und Rechtssprechung, der sächsische Sonderweg, ist in Deutschland einmalig. Im Raum steht der Verdacht, dass die Entscheidung des Sächsischen Verfassungsgerichtshofes von 2022 dem geltenden Bundesrecht widerspricht. Dass es auch anders geht, zeigt das Nachbarland Thüringen. So wies das Thüringer Verfassungsgericht im November 2025 eine AfD-Klage ab und entschied, dass Personen nicht zum juristischen Vorbereitungsdienst zugelassen werden sollen, wenn sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen.
Doch Bauerfeind und Hoewer sind nicht die einzigen, denen der sächsische Sonderweg zugutekam. Der Neonazi Brian Engelmann durfte bereits im November 2018 sein Rechtsreferendariat in Chemnitz antreten, obwohl man um sein Weltbild wusste – im selben Monat stand er für seine Beteiligung am Überfall auf den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz mit anderen Neonazis vor Gericht. Und selbst nachdem sein Urteil von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung im Jahr 2020 für rechtskräftig erklärt wurde, entschied das Oberlandesgericht Dresden (OLG), dass Engelmann seine juristische Ausbildung abschließen dürfe. Jetzt ist der Mann mit den Hakenkreuzen auf der rechten Schulter Volljurist und in der Rechtsanwaltskanzlei des Leipziger Szene-Anwalts Arndt Hohnstädter angestellt.
Marko Zschörner und Brian Engelmann (mit tätowiertem Hakenkreuz-Muster)Brian Engelmann
Der 1992 in Freital geborene Brian Engelmann ist mehrfach vorbestrafter Gewalttäter und Kampfsportler. Schon 2012 griff Engelmann in eine Auseinandersetzung in einer Dresdner Diskothek ein. Dabei brach er dem Angreifer mehrere Gesichtsknochen und zerstörte ihm diverse Zähne, als er ihm gegen den Kopf trat. Im selben Jahr zog Engelmann für sein Jura-Studium nach Leipzig und fiel dort bald als Teil des “Bushido Sportcenter Leipzig” (ehemals “Bushido Free Fight Team”) von Marko Zschörner auf. In den folgenden Jahren trat Engelmann immer wieder als MMA-Kämpfer bei einschlägigen Veranstaltungen in Erscheinung. So gab es z.B. 2013 einen Kampf in Köthen gegen Kevin Kraft – ein weiterer Neonazi, dem zusammen er schließlich am 11.01.2016, im Nachgang des Angriffs auf Leipzig-Connewitz, von der Polizei festgesetzt wurde. Gemeinsam mit Mitgliedern der Neonazi-Struktur „HooNaRa“ („Hooligans, Nazis, Rassisten“), wie beispielsweise Martin Krause, arbeitete Engelmann jahrelang beim Leipziger Sicherheitsunternehmen “Black Rainbow Security”. Auch nach Abschluss seines zweiten Staatsexamens trat Engelmann weiterhin bei Neonazi-Milieu-Veranstaltungen, wie 2023 bei „Ostdeutschland kämpft“, auf.
Eine Gesetzesänderung, wie aktuell gefordert, oder eine juristische Entscheidung auf höchster Ebene lassen zwei Jahre nach dem SächsVerfGH-Urteil immer noch auf sich warten. Immerhin scheint nun endlich auch die Sächsische Landesregierung, in Person der Justizministerin Constanze Geiert (CDU), gemerkt zu haben, dass etwas faul ist im Freistaat Sachsen. So will man am Bundesverfassungsgericht mit einer abstrakten Normenkontrolle gegen die diesbezügliche Rechtsauslegung des eigenen, Sächsischen Verfassungsgerichts vorgehen. Bis dahin bleibt genau zu beobachten, wie sich der „Pull-Effekt“ auf faschistische Jurist*innen nach Sachsen weiterentwickelt.
#AfD #BrianEngelmann #EinProzent #JN #JohnHoewer #MatthiasBauerfeind #NPD
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Pull-Effekt: Sachsen bietet exklusive Ausbildung für faschistische Jurist*innen
Wer gegen die allgemeinen Menschenrechte ankämpft, sollte im Gerichtssaal nur auf der Anklagebank etwas zu sagen haben – so zumindest die Theorie in Deutschland seit den Nürnberger Prozessen. Anders sieht man das in Sachsen. Hier werden Faschist*innen auch nach höchstrichterlichen Urteilen noch Rosen auf den Weg gestreut.
Doch der Reihe nach: Im Oktober 2022 entschied der Sächsische Verfassungsgerichtshof (SächsVerfGH) in einem umstrittenen Urteil, dass Sachsen dem Dritten Weg-Kader Matthias Bauerfeind, sein Rechtsreferendariat ermöglichen müsse. In Bayern und Thüringen war der langjährige Neonazi mit seinen Klagen – wie in vergleichbaren Fällen aller Bundesländer seit einem Leiturteil von 1975 üblich – gescheitert. Bauerfeind zog im bayerischen Fall sogar vor das zuständige Bundesgericht und verlor – allerdings zu spät, denn da war der Neonazi, dank der eigensinnigen Auslegung des höchsten sächsischen Gerichts, bereits fertig ausgebildeter Volljurist. Tür und Tor stehen neonazistischen Jurist*innen seitdem in Sachsen offen.
Matthias Bauerfeind
Der 1984 geborene Matthias Bauerfeind war von 2005 bis 2012 Funktionär der NPD und ab 2009 Kern einer Kameradschaft im „Freies Netz Süd“. Von 2005 bis 2013 wurde er fünf Mal verurteilt, u.a. wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Nach dem Verbot des „Freien Netz“ im Jahr 2014, baute er als „stellvertretender Gebietsleiter Süd“ den Dritten Weg in Bayern mit auf. Dokumentiert sind beispielsweise seine Auftritte 2016 in Nürnberg, 2017 in Fulda und 2019 in Kempten. Bemerkenswert, aber wenig überraschend: Zuletzt fiel der auf Strafrecht spezialisierte Bauerfeind damit auf, dass er von mehreren baden-württembergischen AfD-Kreistagsfraktionen das anwaltliche Mandat in Verwaltungssachen erhielt.
Wir wollen euch hier den jüngsten Fall des sächsischen Sonderwegs vorstellen:
Im Mai 2025 wurde der Faschist John Hoewer aufgrund seiner Tätigkeit und Publikationen bei der Jungen Alternativen, dem extrem rechten Verein Ein Prozent, und dem offen faschistischen Jungeuropa Verlag als Rechtsreferendar in Rheinland-Pfalz abgelehnt. In seiner Begründung schrieb das Gericht in Koblenz, dass es in einer „wehrhaften“ Demokratie „(…) dem Staat [nicht] zuzumuten [sei], verfassungsuntreue Bewerber in den Vorbereitungsdienst aufnehmen zu müssen.“
Doch dann bewarb sich Hoewer in Sachsen.
Nachdem das Oberlandesgericht (OLG) Hoewer zwei mal aus Zweifel an seiner Verfassungstreue ablehnte, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen im November 2025, dass Hoewer unverzüglich seine juristische Ausbildung beim Oberlandesgericht (OLG) Dresden aufnehmen dürfe. Das OVG Bautzen sah sich dabei an das kritisierte Sonderurteil des SächsVerfGH gebunden. Es bekräftigte seine Zweifel an der Richtigkeit dieses Urteils sogar nachdrücklich. Trotzdem verzichtete es auf eine Weiterleitung des Falls an das zuständige Bundesgericht (BVerfG), welches 2024 im Fall Bauerfeind doch eindeutig im Widerspruch zum SächsVerfGH entschieden hatte. Eine verpasste Gelegenheit. Und so bleibt das Motto der sächsischen Rechtspraxis vorerst: Nur weil man Faschisten ablehnen kann, heißt das noch lange nicht, dass man sie auch ablehnen muss. Denn in Sachsen reicht es seit 2022 nicht aus, nachweislich einer menschenverachtenden Ideologie anzuhängen. Man muss sich schon strafbar machen im Kampf gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung.
John Hoewer
Der neu-rechte Kader John Hoewer, Jahrgang 1987, ist im April 2025 von seinem stellvertretenden Vorstandsposten bei Ein Prozent zurückgetreten. Zwei Monate nachdem er sich erstmals in Sachsen beworben hatte. Dabei ist ihm ein aktives Eintreten gegen die „freiheitliche demokratische Grundordnung“, welches dem Bundesverfassungsgericht 2024 als Ablehnungsgrund für ein Rechtsreferendariat genügte, wahrlich nicht schwer nachzuweisen:
Schon im Januar 2017 soll Hoewer in handgreiflichen Auseinandersetzungen mit linken Demonstranten in einem Hörsaal der Universität Magdeburg verwickelt gewesen sein. Im April 2017 dann begleitete er den laut eigener Aussage den „Rechtsradikalen“ Philip Stein zu einer Veranstaltung der italienischen Faschisten von Casa Pound in Rom. Ebenfalls 2017, im Juli, besuchte John Hoewer gemeinsam mit weiteren AfDlern, JNlern und anderen Neonazis das „Deutschland-Seminar“ der extrem rechten Braunschweiger Burschenschaft Thuringia. Im Jahr 2021 nahm John Hoewer nachweislich an Kampfsportrainings mit anderen Neonazis der Jungen Alternative, der AfD und der NPD (heute Die Heimat) in Berlin Weißensee teil. Im Jahr 2022 war Hoewer dann Beisitzer im Verbandsrat der extrem rechten Deutschen Burschenschaft (DB). Ja, Hoewer ist Burschenschaftler, und zwar bei Germania Köln, Raczeks Breslau zu Bonn, und dort fechtet er vor NS-“Kunst“ mit Hakenkreuz. Die Burschenschaft ist übrigens die, die 2011 einen Antrag bei der DB einbrachten, der als „Ariernachweis“ bekannt wurde. Geschenkt, dass Hoewer auch jahrelang zum Jungen Alternative Landesvorstand in Sachsen-Anhalt gehörte und mindestens von Januar 2018 bis März 2025 für den AfD-Fraktionsvize im Bundestag, Sebastian Münzenmaier (Mainzer Burschenschaft Germania Halle), als Mitarbeiter angestellt war.
Diese Gesetzeslage und Rechtssprechung, der sächsische Sonderweg, ist in Deutschland einmalig. Im Raum steht der Verdacht, dass die Entscheidung des Sächsischen Verfassungsgerichtshofes von 2022 dem geltenden Bundesrecht widerspricht. Dass es auch anders geht, zeigt das Nachbarland Thüringen. So wies das Thüringer Verfassungsgericht im November 2025 eine AfD-Klage ab und entschied, dass Personen nicht zum juristischen Vorbereitungsdienst zugelassen werden sollen, wenn sie gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung verstoßen.
Doch Bauerfeind und Hoewer sind nicht die einzigen, denen der sächsische Sonderweg zugutekam. Der Neonazi Brian Engelmann durfte bereits im November 2018 sein Rechtsreferendariat in Chemnitz antreten, obwohl man um sein Weltbild wusste – im selben Monat stand er für seine Beteiligung am Überfall auf den alternativen Leipziger Stadtteil Connewitz mit anderen Neonazis vor Gericht. Und selbst nachdem sein Urteil von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung im Jahr 2020 für rechtskräftig erklärt wurde, entschied das Oberlandesgericht Dresden (OLG), dass Engelmann seine juristische Ausbildung abschließen dürfe. Jetzt ist der Mann mit den Hakenkreuzen auf der rechten Schulter Volljurist und in der Rechtsanwaltskanzlei des Leipziger Szene-Anwalts Arndt Hohnstädter angestellt.
Marko Zschörner und Brian Engelmann (mit tätowiertem Hakenkreuz-Muster)Brian Engelmann
Der 1992 in Freital geborene Brian Engelmann ist mehrfach vorbestrafter Gewalttäter und Kampfsportler. Schon 2012 griff Engelmann in eine Auseinandersetzung in einer Dresdner Diskothek ein. Dabei brach er dem Angreifer mehrere Gesichtsknochen und zerstörte ihm diverse Zähne, als er ihm gegen den Kopf trat. Im selben Jahr zog Engelmann für sein Jura-Studium nach Leipzig und fiel dort bald als Teil des “Bushido Sportcenter Leipzig” (ehemals “Bushido Free Fight Team”) von Marko Zschörner auf. In den folgenden Jahren trat Engelmann immer wieder als MMA-Kämpfer bei einschlägigen Veranstaltungen in Erscheinung. So gab es z.B. 2013 einen Kampf in Köthen gegen Kevin Kraft – ein weiterer Neonazi, dem zusammen er schließlich am 11.01.2016, im Nachgang des Angriffs auf Leipzig-Connewitz, von der Polizei festgesetzt wurde. Gemeinsam mit Mitgliedern der Neonazi-Struktur „HooNaRa“ („Hooligans, Nazis, Rassisten“), wie beispielsweise Martin Krause, arbeitete Engelmann jahrelang beim Leipziger Sicherheitsunternehmen “Black Rainbow Security”. Auch nach Abschluss seines zweiten Staatsexamens trat Engelmann weiterhin bei Neonazi-Milieu-Veranstaltungen, wie 2023 bei „Ostdeutschland kämpft“, auf.
Eine Gesetzesänderung, wie aktuell gefordert, oder eine juristische Entscheidung auf höchster Ebene lassen zwei Jahre nach dem SächsVerfGH-Urteil immer noch auf sich warten. Immerhin scheint nun endlich auch die Sächsische Landesregierung, in Person der Justizministerin Constanze Geiert (CDU), gemerkt zu haben, dass etwas faul ist im Freistaat Sachsen. So will man am Bundesverfassungsgericht mit einer abstrakten Normenkontrolle gegen die diesbezügliche Rechtsauslegung des eigenen, Sächsischen Verfassungsgerichts vorgehen. Bis dahin bleibt genau zu beobachten, wie sich der „Pull-Effekt“ auf faschistische Jurist*innen nach Sachsen weiterentwickelt.
#AfD #BrianEngelmann #EinProzent #JN #JohnHoewer #MatthiasBauerfeind #NPD
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Escalada do #JN hoje totalmente trabalhada no conflito entre os Poderes da República 😳
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Escalada do #JN hoje totalmente trabalhada no conflito entre os Poderes da República 😳
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Escalada do #JN hoje totalmente trabalhada no conflito entre os Poderes da República 😳
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Etwa 130 TN bei #Neonazi-Versammlung in #Berlin am 29.11.2025.
Von #DieHeimat, #JN und #DJV als Marsch gegen "kriminelle Ausländer" beworben, scheiterte die Veranstaltung am #antifa|schistischen Gegenprotest und blieb stationär.
#b2911Alles Fotos: https://flic.kr/s/aHBqjCCfot
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Etwa 130 TN bei #Neonazi-Versammlung in #Berlin am 29.11.2025.
Von #DieHeimat, #JN und #DJV als Marsch gegen "kriminelle Ausländer" beworben, scheiterte die Veranstaltung am #antifa|schistischen Gegenprotest und blieb stationär.
#b2911Alles Fotos: https://flic.kr/s/aHBqjCCfot
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Etwa 130 TN bei #Neonazi-Versammlung in #Berlin am 29.11.2025.
Von #DieHeimat, #JN und #DJV als Marsch gegen "kriminelle Ausländer" beworben, scheiterte die Veranstaltung am #antifa|schistischen Gegenprotest und blieb stationär.
#b2911Alles Fotos: https://flic.kr/s/aHBqjCCfot
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Correspondente do #JN na Casa Branca: "Perguntei a porta-voz da Casa Branca se o presidente Donald Trump conversou com o ex- presidente Jair Bolsonaro um dia antes de ser preso."
Porta-voz da Casa Branca: "Que eu saiba, não. Não sei se essa ligação aconteceu ou não. Pode ser que sim."
E a apuração não aparece no JN?
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Correspondente do #JN na Casa Branca: "Perguntei a porta-voz da Casa Branca se o presidente Donald Trump conversou com o ex- presidente Jair Bolsonaro um dia antes de ser preso."
Porta-voz da Casa Branca: "Que eu saiba, não. Não sei se essa ligação aconteceu ou não. Pode ser que sim."
E a apuração não aparece no JN?
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Correspondente do #JN na Casa Branca: "Perguntei a porta-voz da Casa Branca se o presidente Donald Trump conversou com o ex- presidente Jair Bolsonaro um dia antes de ser preso."
Porta-voz da Casa Branca: "Que eu saiba, não. Não sei se essa ligação aconteceu ou não. Pode ser que sim."
E a apuração não aparece no JN?
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Correspondente do #JN na Casa Branca: "Perguntei a porta-voz da Casa Branca se o presidente Donald Trump conversou com o ex- presidente Jair Bolsonaro um dia antes de ser preso."
Porta-voz da Casa Branca: "Que eu saiba, não. Não sei se essa ligação aconteceu ou não. Pode ser que sim."
E a apuração não aparece no JN?
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Correspondente do #JN na Casa Branca: "Perguntei a porta-voz da Casa Branca se o presidente Donald Trump conversou com o ex- presidente Jair Bolsonaro um dia antes de ser preso."
Porta-voz da Casa Branca: "Que eu saiba, não. Não sei se essa ligação aconteceu ou não. Pode ser que sim."
E a apuração não aparece no JN?
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Influencerin im völkischen Look – oder wie aus Mädchen, Marken der Heimatjugend werden
Amelia Lydia Steinicke am 14.11.2025 beim Offenen Abend in Essen Quelle: Recherche Nord
So oder ähnlich ließe sich die Laufbahn der in Bochum-Linden lebenden 17-jährigen Amelia Lydia Steinicke zusammenfassen. Vor wenigen Monaten noch ein unbeschriebenes Blatt, heute bekanntes Gesicht der neonazistischen Heimatjugend/JN im Ruhrgebiet. Ihr Umfeld: einschlägig bekannte rechte Kader. Ihr Terrain: Heimatabende in Essen-Kray und Dortmund-Dorstfeld sowie Social-Media-Profile im Stil rechter Nachwuchs-Influencerinnen. Der Fall Steinicke zeigt: Die extreme Rechte hat verstanden, dass sie im Jahr 2025 nicht nur Trommeln und Transparente braucht, sondern Gesichter: weiblich, jung. Solche, die ins Netz passen.
„Weiblich, jung, rechts“ – die neue Schaufensterfront In den letzten Jahren hat sich im Umfeld der extremen Rechten eine neue Figur etabliert: die rechte Influencerin. In Medienberichten wird etwa die unter dem Alias „Anio“ auftretende Lilly Baginski als Shooting-Star der „Jungen Nationalisten“, der Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“, beschrieben. Präsent bei Anti-CSD-Aufmärschen und in Social-Media-Clips, als scheinbar moderne Verpackung alten Hasses. Das Muster ist immer ähnlich: Statt Glatze und Springerstiefeln treten junge Frauen in sauber kuratierten Feeds auf, inszenieren sich als Kämpferinnen für „deutsche Werte“, während sie queerfeindliche und rassistische Botschaften verbreiten. Die Zielgruppe: Teenager und junge Erwachsene, die nicht auf graue Männer in Bomberjacken anspringen, aber auf stylische Selfies mit politischer Würze.In dieses Raster passt auch Amelia Lydia Steinicke nahezu lehrbuchhaft. Sie ist die regionale Variante dieses Typus im Ruhrgebiet: 17 Jahre alt, Social-Media-affin, anschlussfähig für eine Generation, die ihre politische Welt primär durch Feeds, Stories und Clips wahrnimmt. In den Strukturen der Heimatjugend wird sie entsprechend eingesetzt: als freundliches Gesicht einer Szene, die sich selbst gern als „Jugendbewegung“ verkauft und dafür dringend Abstand zum klassischen Neonazi-Klischee braucht. Frauen sind Schaufensterfiguren und Legitimationsvehikel für die extreme Rechte: Wenn „selbst Mädchen“ sich nicht abschrecken lassen, kann das alles ja nicht so extrem sein. In geschlossenen Runden bleibt das Rollenbild gleichzeitig traditionell: Frauen als Ergänzung, nicht als Führung; als emotionale Verstärkerinnen, nicht als strategische Köpfe. Steinicke bewegt sich genau in diesem Rahmen. Sie darf im Bild vorne stehen, aber inhaltlich nur dosiert auftreten. Sie ist politisches Aushängeschild und Rekrutierungsfaktor und damit wichtiger Bestandteil einer modernisierten Inszenierung, die die Kontinuität der Ideologie hinter neuen Filtern verbirgt.
Einstieg in die SzeneElias Bialas und Amelia Steinicke am 29.08.2025 beim Offenen Abend in Dortmund-Dorstfeld Quelle: Recherche Nord
Ihre ersten Schritte in die Szene ging Steinicke gemeinsam mit Elias Bialas, einem bereits bekannten Aktivisten im rechten Ruhrgebiets-Milieu. Bialas übernimmt, was in extrem rechten Strukturen seit Jahren praktiziert wird: persönliche Ansprache als Anschluss an digitale Radikalisierung. Aus Nachrichten über Social Media werden konkrete Verabredungen. „Komm nicht allein, wir treffen uns vorher“, lautet das unausgesprochene Versprechen von Schutz und Zugehörigkeit.
So holt Bialas sie am Bahnhof ab, bringt sie zum offenen Abend der „Heimat“. Der Weg zum Veranstaltungsort ist mehr als ein Fußweg, er ist die Verschiebung der Grenze zwischen „Zuschauen“ und „Mitmachen“. Drinnen: ein Dutzend bekannte Gesichter, einige Ältere, viele junge Männer, dazwischen wenige junge Frauen.Elias Bialas und Amelia Steinicke am 12.09.2025 beim Offenen Abend in Essen Quelle: Recherche Nord
Innerhalb weniger Monate wird aus Amelia Steinicke eine verlässliche Teilnehmerin. Sie taucht regelmäßig bei den Heimatabenden in Essen-Kray und Dortmund-Dorstfeld auf, zuerst im Hintergrund, später sichtbar platziert. Spätestens als sie bei Aufmärschen der Heimatjugend in der ersten Reihe mit Banner läuft, ist klar: Steinicke ist nicht mehr nur Mitläuferin, sie ist Teil des präsentierten Kerns. Es ist ihr bewusster Entschluss, sich öffentlich für eine Gruppe herzugeben, die den Nationalsozialismus feiert. In einer Szene, die lange Zeit Nachwuchs- und Imageprobleme zugleich hatte, ist eine 17-jährige Aktivistin Gold wert und wird entsprechend umworben, eingebunden, ausgestellt.
Forum Germanum Eine weitere Stufe der Selbstinszenierung ist das Online-Projekt „Forum Germanum“, das Steinicke gemeinsam mit Raik Helm gründete. Schon der Name zielt auf neurechte Referenz: römisch angehauchter Pathos, latinisierter Ernst, die Suggestion von Tiefe. Der visuelle Stil lehnt sich an neurechte Verlage und Medienprojekte an: Minimalistisches Layout, gedeckte Farben, Anleihen an pseudointellektuelle Publikationen, wie sie im Umfeld der extremen Rechten gern als „Meta-Ebene“ genutzt werden. Inhaltlich ist das Projekt bislang überschaubar, aber aufschlussreich. Der erste Artikel stammt von Steinicke selbst und trägt den Titel: „Grusel garantiert, Gelatine inklusive Süßes oder Saures? Haram!“ Der Text wirkt wie ein Experiment zwischen Angetrunkenheit und Überforderung: eine Mischung aus Halloween-Kritik, Süßigkeiten-Exkursen und islambezogenen Seitenhieben, ohne klare Linie, ohne nachvollziehbare Argumentation. Politisch ist das nur in Andeutungen erkennbar, der Rest wirkt maximal widersprüchlich und vor allem unfreiwillig komisch. Was bleibt, ist ein Text, der eher wie eine missglückte Mischung aus Tagebucheintrag und Stammtischwitz daherkommt und nicht wie eine ideologisch fundierte Stellungnahme. Der zweite Artikel auf „Forum Germanum“ stammt von Raik Helm und fällt erwartungsgemäß analytischer aus, zumindest nach innen. Unter dem Stichwort des „linksgeprägten Bildes“ der Uni Bochum arbeitet er sich an seinem Lieblingsthema ab. Konkrete Beispiele bleiben vage, aber für die interne Erzählung reicht es: Die „eigene Jugend“ wird als Gegenentwurf zur angeblich „gleichgeschalteten“ Unikultur inszeniert. Weil die Studierenden keinen Bock auf Neonazis haben und dies auch öffentlich kundtun, verkriecht sich der zum Scheitern verurteilte Lehramtsstudent in die Opferrolle und Flucht gegen den bunten und weltoffenen Campus.Der bisher letzte Beitrag des Projekts ist ein Kurzvideo über den offenen Abend in Essen am 14.11.2025. Zu sehen: Steinicke, sichtbar nervös, vor einer wackeligen Kamera. Sie erklärt, dass die Heimatjugend „trotz Gegenprotest“ wieder „Widerstand gezeigt“ habe. Der Auftritt ist unsicher, die Sätze brechen, der Blick wandert, die Körpersprache schwankt zwischen Stolz und Überforderung. Professionell ist das nicht aber darauf kommt es in erster Linie auch nicht an. Wichtig ist: Es gibt einen Clip mit jungem Gesicht, einem halbwegs klaren Satz und einem Link, der sich teilen lässt.
Amelia, Raik und die Kaderpädagogik Auffällig ist die Nähe zwischen Steinicke und Raik Helm sowohl inhaltlich als auch optisch. Auf Fotos und Videos tritt Helm häufig in direkter räumlicher Nähe zu ihr auf: er als erklärender Organisator, sie als junge Aktivistin an seiner Seite.Beobachtet wurde das Duo auch abseits der offiziellen Settings: in Bochum, händchenhaltend beim Starbucks und vorbeihuschend an Antifa-Graffitis. Ob es sich tatsächlich um eine B
Raik Helm und Amelia Steinicke
eziehung handelt oder doch nur um die übliche, kurzlebige Szene-Affäre, bleibt offen.
Raik Helm und Amelia Steinicke
Die Konstellation erfüllt gleich mehrere Zwecke: Steinicke erhält symbolisch Rückendeckung eines etablierten männlichen Kaders und wirkt dadurch in der Szene aufgewertet, aber gleichzeitig eingebunden. Helm wiederum kann sich als jemand präsentieren, der „die Jugend an die Hand nimmt“, sie „formt“, „begleitet“, ein klassischer Kaderbildungsansatz mit pädagogischer Tarnkappe – und jetzt sogar mit Freundin. Nach außen entsteht das Bild einer modernen, „normalen“ Jugendclique, in der Politik, Beziehung und Alltag verschwimmen.Für andere Jugendliche ist das attraktiv. Die Botschaft lautet: Wer in die Heimatjugend kommt, erhält nicht nur politische Heimat, sondern auch soziale Anbindung, Freundschaften, vielleicht eine Beziehung. Der ideologische Kern tritt im Alltag hinter der Normalität zurück, um dann bei Demos, Aktionen und Texten wieder klar hervorzutreten.
Zwischen Klassenzimmer und Heimatabend: Amelia an der Erich-Kästner-SchuleAmelia Steinicke bei ihrem Abschluss der 10.2 Klasse im Sommer 2024
Auffällig ist Steinicke nicht nur in der Szene, sondern auch im Alltag. Sie besucht die Erich-Kästner-Schule in Bochum und geht dort in die 11. Klasse. Mitschüler:innen berichten von „merkwürdigen“ Aussagen im Unterricht: Relativierungen von rechter Gewalt, Nebensätzen über „mutige Patrioten“, spitzen Bemerkungen zu queeren Themen oder Geflüchteten, die sie mit einem Schulterzucken als „nur eine Meinung“ abtut. Lehrkräfte bekommen davon meist nur Ausschnitte mit, wissen aber mittlerweile um ihre Einbindung in die Neonaziszene. So schiebt sich ihr Schulalltag nahtlos neben Heimatabende und „Forum Germanum“: vormittags Klausuren, nachmittags Demo, dazwischen ein Weltbild, das längst nicht mehr nur online oder in Dorstfeld verhandelt wird, sondern mitten im Klassenzimmer.
Amelia Lydia Steinicke steht exemplarisch für eine neue Generation rechter Nachwuchsfiguren im Ruhrgebiet. Sie ist kein Ausreißer, sondern die logische Fortsetzung einer Entwicklung, in der die extreme Rechte ihr Image modernisiert, ohne ihren Inhalt zu verändern. Während die alten verbrauchten Kader Infrastruktur, Räume und ideologische Linien liefern, übernehmen Figuren wie Steinicke die Aufgabe, diese Strukturen algorithmustauglich zu verpacken: in Selfies, in TikTok-Formaten, in halb misslungenen, halb harmlos wirkenden Postings. Die Gefahr liegt gerade in dieser Mischung: Steinicke wirkt nicht wie die klassische Neonazistin, sondern wie eine 17-Jährige, die zwischen Schule, Starbucks und Heimatabend pendelt. Ihre Inszenierung macht die extreme Rechte anschlussfähig für Jugendliche, die keinen Fuß in einen Kameradschaftskeller setzen würden, aber durchaus einem Instagram-Profil folgen, das aussieht wie jedes andere, nur mit „Heimat“-Überdosis.
Ob Steinicke der Szene langfristig erhalten bleibt oder irgendwann aussteigt, lässt sich nicht absehen. Langjährigen Beobachter*innen der Szene ist jedoch klar, dass es für Steinicke nur zwei Lebensperspektiven geben kann: baldiger Ausstieg oder ein gescheiterter Lebenslauf. Klar ist jedoch: Solange Strukturen wie die Heimatjugend bewusst auf junge Frauen als Aushängeschilder setzen, wird die Szene nicht „harmloser“, sondern schwerer zu erkennen. Unter Softfiltern, Gelatine-Witzen und wackeligen Videostatements bleibt die Ideologie dieselbe – nur ihre Verpackung ist neu.
RechercheBO 21.11.2025#amelia #ameliaSteinicke #bochum #dieHeimat #dorstfeld #dortmund #essen #heimatDortmund #heimatjugend #jn #jungeNationalisten #raikHelm #recherche #steinicke
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Influencerin im völkischen Look – oder wie aus Mädchen, Marken der Heimatjugend werden
Amelia Lydia Steinicke am 14.11.2025 beim Offenen Abend in Essen Quelle: Recherche Nord
So oder ähnlich ließe sich die Laufbahn der in Bochum-Linden lebenden 17-jährigen Amelia Lydia Steinicke zusammenfassen. Vor wenigen Monaten noch ein unbeschriebenes Blatt, heute bekanntes Gesicht der neonazistischen Heimatjugend/JN im Ruhrgebiet. Ihr Umfeld: einschlägig bekannte rechte Kader. Ihr Terrain: Heimatabende in Essen-Kray und Dortmund-Dorstfeld sowie Social-Media-Profile im Stil rechter Nachwuchs-Influencerinnen. Der Fall Steinicke zeigt: Die extreme Rechte hat verstanden, dass sie im Jahr 2025 nicht nur Trommeln und Transparente braucht, sondern Gesichter: weiblich, jung. Solche, die ins Netz passen.
„Weiblich, jung, rechts“ – die neue Schaufensterfront In den letzten Jahren hat sich im Umfeld der extremen Rechten eine neue Figur etabliert: die rechte Influencerin. In Medienberichten wird etwa die unter dem Alias „Anio“ auftretende Lilly Baginski als Shooting-Star der „Jungen Nationalisten“, der Jugendorganisation der Partei „Die Heimat“, beschrieben. Präsent bei Anti-CSD-Aufmärschen und in Social-Media-Clips, als scheinbar moderne Verpackung alten Hasses. Das Muster ist immer ähnlich: Statt Glatze und Springerstiefeln treten junge Frauen in sauber kuratierten Feeds auf, inszenieren sich als Kämpferinnen für „deutsche Werte“, während sie queerfeindliche und rassistische Botschaften verbreiten. Die Zielgruppe: Teenager und junge Erwachsene, die nicht auf graue Männer in Bomberjacken anspringen, aber auf stylische Selfies mit politischer Würze.In dieses Raster passt auch Amelia Lydia Steinicke nahezu lehrbuchhaft. Sie ist die regionale Variante dieses Typus im Ruhrgebiet: 17 Jahre alt, Social-Media-affin, anschlussfähig für eine Generation, die ihre politische Welt primär durch Feeds, Stories und Clips wahrnimmt. In den Strukturen der Heimatjugend wird sie entsprechend eingesetzt: als freundliches Gesicht einer Szene, die sich selbst gern als „Jugendbewegung“ verkauft und dafür dringend Abstand zum klassischen Neonazi-Klischee braucht. Frauen sind Schaufensterfiguren und Legitimationsvehikel für die extreme Rechte: Wenn „selbst Mädchen“ sich nicht abschrecken lassen, kann das alles ja nicht so extrem sein. In geschlossenen Runden bleibt das Rollenbild gleichzeitig traditionell: Frauen als Ergänzung, nicht als Führung; als emotionale Verstärkerinnen, nicht als strategische Köpfe. Steinicke bewegt sich genau in diesem Rahmen. Sie darf im Bild vorne stehen, aber inhaltlich nur dosiert auftreten. Sie ist politisches Aushängeschild und Rekrutierungsfaktor und damit wichtiger Bestandteil einer modernisierten Inszenierung, die die Kontinuität der Ideologie hinter neuen Filtern verbirgt.
Einstieg in die SzeneElias Bialas und Amelia Steinicke am 29.08.2025 beim Offenen Abend in Dortmund-Dorstfeld Quelle: Recherche Nord
Ihre ersten Schritte in die Szene ging Steinicke gemeinsam mit Elias Bialas, einem bereits bekannten Aktivisten im rechten Ruhrgebiets-Milieu. Bialas übernimmt, was in extrem rechten Strukturen seit Jahren praktiziert wird: persönliche Ansprache als Anschluss an digitale Radikalisierung. Aus Nachrichten über Social Media werden konkrete Verabredungen. „Komm nicht allein, wir treffen uns vorher“, lautet das unausgesprochene Versprechen von Schutz und Zugehörigkeit.
So holt Bialas sie am Bahnhof ab, bringt sie zum offenen Abend der „Heimat“. Der Weg zum Veranstaltungsort ist mehr als ein Fußweg, er ist die Verschiebung der Grenze zwischen „Zuschauen“ und „Mitmachen“. Drinnen: ein Dutzend bekannte Gesichter, einige Ältere, viele junge Männer, dazwischen wenige junge Frauen.Elias Bialas und Amelia Steinicke am 12.09.2025 beim Offenen Abend in Essen Quelle: Recherche Nord
Innerhalb weniger Monate wird aus Amelia Steinicke eine verlässliche Teilnehmerin. Sie taucht regelmäßig bei den Heimatabenden in Essen-Kray und Dortmund-Dorstfeld auf, zuerst im Hintergrund, später sichtbar platziert. Spätestens als sie bei Aufmärschen der Heimatjugend in der ersten Reihe mit Banner läuft, ist klar: Steinicke ist nicht mehr nur Mitläuferin, sie ist Teil des präsentierten Kerns. Es ist ihr bewusster Entschluss, sich öffentlich für eine Gruppe herzugeben, die den Nationalsozialismus feiert. In einer Szene, die lange Zeit Nachwuchs- und Imageprobleme zugleich hatte, ist eine 17-jährige Aktivistin Gold wert und wird entsprechend umworben, eingebunden, ausgestellt.
Forum Germanum Eine weitere Stufe der Selbstinszenierung ist das Online-Projekt „Forum Germanum“, das Steinicke gemeinsam mit Raik Helm gründete. Schon der Name zielt auf neurechte Referenz: römisch angehauchter Pathos, latinisierter Ernst, die Suggestion von Tiefe. Der visuelle Stil lehnt sich an neurechte Verlage und Medienprojekte an: Minimalistisches Layout, gedeckte Farben, Anleihen an pseudointellektuelle Publikationen, wie sie im Umfeld der extremen Rechten gern als „Meta-Ebene“ genutzt werden. Inhaltlich ist das Projekt bislang überschaubar, aber aufschlussreich. Der erste Artikel stammt von Steinicke selbst und trägt den Titel: „Grusel garantiert, Gelatine inklusive Süßes oder Saures? Haram!“ Der Text wirkt wie ein Experiment zwischen Angetrunkenheit und Überforderung: eine Mischung aus Halloween-Kritik, Süßigkeiten-Exkursen und islambezogenen Seitenhieben, ohne klare Linie, ohne nachvollziehbare Argumentation. Politisch ist das nur in Andeutungen erkennbar, der Rest wirkt maximal widersprüchlich und vor allem unfreiwillig komisch. Was bleibt, ist ein Text, der eher wie eine missglückte Mischung aus Tagebucheintrag und Stammtischwitz daherkommt und nicht wie eine ideologisch fundierte Stellungnahme. Der zweite Artikel auf „Forum Germanum“ stammt von Raik Helm und fällt erwartungsgemäß analytischer aus, zumindest nach innen. Unter dem Stichwort des „linksgeprägten Bildes“ der Uni Bochum arbeitet er sich an seinem Lieblingsthema ab. Konkrete Beispiele bleiben vage, aber für die interne Erzählung reicht es: Die „eigene Jugend“ wird als Gegenentwurf zur angeblich „gleichgeschalteten“ Unikultur inszeniert. Weil die Studierenden keinen Bock auf Neonazis haben und dies auch öffentlich kundtun, verkriecht sich der zum Scheitern verurteilte Lehramtsstudent in die Opferrolle und Flucht gegen den bunten und weltoffenen Campus.Der bisher letzte Beitrag des Projekts ist ein Kurzvideo über den offenen Abend in Essen am 14.11.2025. Zu sehen: Steinicke, sichtbar nervös, vor einer wackeligen Kamera. Sie erklärt, dass die Heimatjugend „trotz Gegenprotest“ wieder „Widerstand gezeigt“ habe. Der Auftritt ist unsicher, die Sätze brechen, der Blick wandert, die Körpersprache schwankt zwischen Stolz und Überforderung. Professionell ist das nicht aber darauf kommt es in erster Linie auch nicht an. Wichtig ist: Es gibt einen Clip mit jungem Gesicht, einem halbwegs klaren Satz und einem Link, der sich teilen lässt.
Amelia, Raik und die Kaderpädagogik Auffällig ist die Nähe zwischen Steinicke und Raik Helm sowohl inhaltlich als auch optisch. Auf Fotos und Videos tritt Helm häufig in direkter räumlicher Nähe zu ihr auf: er als erklärender Organisator, sie als junge Aktivistin an seiner Seite.Beobachtet wurde das Duo auch abseits der offiziellen Settings: in Bochum, händchenhaltend beim Starbucks und vorbeihuschend an Antifa-Graffitis. Ob es sich tatsächlich um eine B
Raik Helm und Amelia Steinicke
eziehung handelt oder doch nur um die übliche, kurzlebige Szene-Affäre, bleibt offen.
Raik Helm und Amelia Steinicke
Die Konstellation erfüllt gleich mehrere Zwecke: Steinicke erhält symbolisch Rückendeckung eines etablierten männlichen Kaders und wirkt dadurch in der Szene aufgewertet, aber gleichzeitig eingebunden. Helm wiederum kann sich als jemand präsentieren, der „die Jugend an die Hand nimmt“, sie „formt“, „begleitet“, ein klassischer Kaderbildungsansatz mit pädagogischer Tarnkappe – und jetzt sogar mit Freundin. Nach außen entsteht das Bild einer modernen, „normalen“ Jugendclique, in der Politik, Beziehung und Alltag verschwimmen.Für andere Jugendliche ist das attraktiv. Die Botschaft lautet: Wer in die Heimatjugend kommt, erhält nicht nur politische Heimat, sondern auch soziale Anbindung, Freundschaften, vielleicht eine Beziehung. Der ideologische Kern tritt im Alltag hinter der Normalität zurück, um dann bei Demos, Aktionen und Texten wieder klar hervorzutreten.
Zwischen Klassenzimmer und Heimatabend: Amelia an der Erich-Kästner-SchuleAmelia Steinicke bei ihrem Abschluss der 10.2 Klasse im Sommer 2024
Auffällig ist Steinicke nicht nur in der Szene, sondern auch im Alltag. Sie besucht die Erich-Kästner-Schule in Bochum und geht dort in die 11. Klasse. Mitschüler:innen berichten von „merkwürdigen“ Aussagen im Unterricht: Relativierungen von rechter Gewalt, Nebensätzen über „mutige Patrioten“, spitzen Bemerkungen zu queeren Themen oder Geflüchteten, die sie mit einem Schulterzucken als „nur eine Meinung“ abtut. Lehrkräfte bekommen davon meist nur Ausschnitte mit, wissen aber mittlerweile um ihre Einbindung in die Neonaziszene. So schiebt sich ihr Schulalltag nahtlos neben Heimatabende und „Forum Germanum“: vormittags Klausuren, nachmittags Demo, dazwischen ein Weltbild, das längst nicht mehr nur online oder in Dorstfeld verhandelt wird, sondern mitten im Klassenzimmer.
Amelia Lydia Steinicke steht exemplarisch für eine neue Generation rechter Nachwuchsfiguren im Ruhrgebiet. Sie ist kein Ausreißer, sondern die logische Fortsetzung einer Entwicklung, in der die extreme Rechte ihr Image modernisiert, ohne ihren Inhalt zu verändern. Während die alten verbrauchten Kader Infrastruktur, Räume und ideologische Linien liefern, übernehmen Figuren wie Steinicke die Aufgabe, diese Strukturen algorithmustauglich zu verpacken: in Selfies, in TikTok-Formaten, in halb misslungenen, halb harmlos wirkenden Postings. Die Gefahr liegt gerade in dieser Mischung: Steinicke wirkt nicht wie die klassische Neonazistin, sondern wie eine 17-Jährige, die zwischen Schule, Starbucks und Heimatabend pendelt. Ihre Inszenierung macht die extreme Rechte anschlussfähig für Jugendliche, die keinen Fuß in einen Kameradschaftskeller setzen würden, aber durchaus einem Instagram-Profil folgen, das aussieht wie jedes andere, nur mit „Heimat“-Überdosis.
Ob Steinicke der Szene langfristig erhalten bleibt oder irgendwann aussteigt, lässt sich nicht absehen. Langjährigen Beobachter*innen der Szene ist jedoch klar, dass es für Steinicke nur zwei Lebensperspektiven geben kann: baldiger Ausstieg oder ein gescheiterter Lebenslauf. Klar ist jedoch: Solange Strukturen wie die Heimatjugend bewusst auf junge Frauen als Aushängeschilder setzen, wird die Szene nicht „harmloser“, sondern schwerer zu erkennen. Unter Softfiltern, Gelatine-Witzen und wackeligen Videostatements bleibt die Ideologie dieselbe – nur ihre Verpackung ist neu.
RechercheBO 21.11.2025#amelia #ameliaSteinicke #bochum #dieHeimat #dorstfeld #dortmund #essen #heimatDortmund #heimatjugend #jn #jungeNationalisten #raikHelm #recherche #steinicke
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CW: Neonazis
#alerta! Am Buß- und Bettag wird in #Mittelsachsen eine neonazistische Wandergruppe der #JN unterwegs sein.
#nonazis #sachsen #goodnightwhitepride #lovenaturehatefascism -
O QUE ACONTECEU COM O RAUL JUGMANN?! 🤯 🤯 🤯
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Die #JN #Thüringen war am letzten Wochenende in der Gedenkstätte Buchenwald und posierte dort vor den Verbrennungsöfen im Krematorium. Zum Foto haben sie das Lied „Früher war alles besser“ von „Confident of Victory“ gewählt und beziehen sich damit offensichtlich positiv auf die Shoah. Eine schlimmere Verhöhnung der Opfer der Shoah geht kaum.
Mit dabei waren Celine (3.v.l.) und Max-Joseph Matthieß (hat wahrscheinlich das Foto gemacht) und Alexander Dünisch (2.v.r.).
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Die #JN #Thüringen war am letzten Wochenende in der Gedenkstätte Buchenwald und posierte dort vor den Verbrennungsöfen im Krematorium. Zum Foto haben sie das Lied „Früher war alles besser“ von „Confident of Victory“ gewählt und beziehen sich damit offensichtlich positiv auf die Shoah. Eine schlimmere Verhöhnung der Opfer der Shoah geht kaum.
Mit dabei waren Celine (3.v.l.) und Max-Joseph Matthieß (hat wahrscheinlich das Foto gemacht) und Alexander Dünisch (2.v.r.).
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