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  1. Dubioser Kurs des “Kölner Stadtanzeiger”

    Der linksliberale Kölner Stadtanzeiger präsentiert: Roland Koch (CDU) als Vorsitzender der “Ludwig Erhard-Gesellschaft”…

    Erstaunlich schon, dass der ehemals linksliberale Kölner Stadtanzeiger einen derart ideologischen Beitrag eines Wirtschaftslobbyisten auf der politischen Kommentarseite präsentiert. Herr Koch möchte den Leser:innen einreden, die klimaschutzfeindliche Politik von Wirtschaftsministerin Reiche wolle “nur der Marktwirtschaft zum Durchbruch” verhelfen, indem sie für Windkraft und Ökostrom keine Entgelte mehr bezahlt, und damit Geld spart. Dass damit der Ausbau der Windenergie torpediert wird, geht geflissentlich unter. Höchst antiaufklärerisch.

    Denn das ist kurzsichtig und führt dazu, dass die billigsten und nachhaltigsten Energien unrentabel werden und der Ausbau stockt. Seine Tirade gegen den Ökostrom, dessen Förderung “von Anfang an falsch gewesen” sei, ist völlig absurd. Würde er nämlich genau diese Behauptung gleichermaßen auf die Atomkraft anwenden, müsste er die Vorstöße Frau von der Leyens und Söders als völlig absurd entlarven. Denn entgegen aller Behauptungen handelt es sich bei Atomkraft um die höchstsubventionierte und weitaus teuerste und schmutzigste – Energie, die unter marktwirtschaftlichen Bedingungen, die Koch fordert, nicht den Hauch einer Chance hätte. Wer das Märchen vom billigen Atomstrom immer noch glaubt, sollte sich über das letzte, 2025 ans Netz gegangene AKW, Flammanville III in Frankreich informieren. Denn Flammanville III wurde nicht nur Milliarden teurer, als geplant, es  wurde um ein Jahrzehnt später fertig, als geplant und es gehört zur teuersten und unsichersten Enerieerzeugung Europas. Zahlreiche Kraftwerke stehen derzeit wegen Wassermangels der Flüsse still. Und für ein atomares Endlager gibt es bis heute keine realisierbaren Pläne.

    Wirtschaftsteil in vorauseilender Kritiklosigkeit gegenüber  örtlichen Unternehmen?

    RWE Energy bekommt von Trump Milliarden zurück und investiert anstatt in Windenergie nun in fossile Energieerzeugung in den USA. Klar – Klimawandel und Rheintiefstand bilden wir und alle uns ja nur ein! Der Wirtschaftsteil nimmt es so hin und findet kein einziges Wort der Kritik. Bayer, dessen größenwahnsinniger Ex-CEO unbedingt Monsanto kaufen musste, und sich nun mit dubiosen Urteilen der Trump-Mehrheit im US-Supreme-Court versucht, von Schadensersatzprozessen aufgrund der dubiosen Wirkung von Glyphosat und seiner Cancerogenität zu befreien, wird im Wirtschaftsteil dafür beklatscht.  Die zweifelhaften Pläne der CSU in Bayern, Atomfusionskraftwerke mit Milliardensubventionen zu fördern und zu entwickeln, werden – obwohl dies ein drastischer ökonomischer Kurswechsel in der Energieerzeugungsstruktur zurück zu zentralistischen Großkraftwerksstrategien und erhebliche Abkehr von einer dezentralen, auf CO2-Minderung gerichteten Energiewirtschaft bedeutet, auf einer ganzen Seite unkritisch gewürdigt. Unwissenheit, Inkompetenz oder Lobbyhörigkeit? Ist es nicht Aufgabe einer Tageszeitung, auch Entscheidungem aus der Wirtschaft zu erläutern, einzuordnen, kritisch zu würdigen, anstatt sie im reinen Wirtschaftsinteresse zu rechtfertigen? Kein kritisches Wort zur Waffen- und Rüstungsorientierung der Deutz AG und keinerlei Kritik an der selbstverschuldeten, weil den Luxusmarken wie Mercedes, BMW und Audi nachgeäfften, verfehlten Modellstrategie des Autobauers Ford. Gewerkschafter kommen praktisch nicht zu Wort. Peinlich und inkompetent. Eine glatte Mißachtung der Rolle der Presse als “vierter Gewalt”.

    “Stadtanzeiger” schiebt das Abschiebekarusell an

    Jüngst vom Stadtanzeiger “aufgedeckter Skandal” oder besser skandalisierte Abschiebestory ist die angebliche Weigerung der Kölner Ausländerbehörde, eine Liste von ca. 500 Personen, die ausländerrechtlich einen langen Aufenthalt, aber auch Gründe sowohl zur Integration und zur Abschiebung aufwiesen, einfach durch Abschiebungen zu vollstrecken. Die Ausländerbehörde kann nach billigem Ermessen rechtstaatlich in bestimmten Rahmen im Einzelfall darüber entscheiden, ob sie die rigorose Ausreise betreibt, oder Chancen zur Integration und Verfestigung des Aufenthaltsstatus ermöglicht. Nach einem politischen Beschluß der überwiegenden Ratsmehrheit von 2024 hat die Ausländerbehörde Köln der Ermöglichung von Integrationschancen den Vorzug gegeben, nicht zuletzt aufgrund von mangelden Fachkräften in der Pflege und in Handwerksberufen. Diese Entscheidung des Rates und der Verwaltung wird nun zwei Jahre später in “Enthüllungen” der Redakteure mit rassistischen Untertönen skandalisiert. Denn unter den 500 Personen auf der Liste waren auch Mitglieder einer Familie, der inzwischen – Jahre später – Sozialhilfebetrug und Beteiligung an Straftaten vorgeworfen wird. In der Berichteratattung des Stadtanzeigers fällt der Ratsbeschluß unter den Tisch und der ganze Fall wird als “mangelnde Bereitschaft der Verwaltung zur Abschiebung” im AfD-Stil skandalisiert. Das Wort “Remigration” fällt nicht, ist aber tendenziell intendiert. Widerlich.

    Ein gnadenloser Düsseldorf-Korrespondent

    In ähnlicher Weise hat sich drei Wochen zuvor der Düsseldorfer Landeskorrespondent Voogt mit Artikeln hervorgetan, in denen er skandalisierte, dass Personen, gegen die ein Haftbefehl erlassen wurde – aus welchen Gründen auch immer – “immer noch” Sozialhilfe bzw. Bürgergeld bezogen. Die Tatsache ignorierend, dass ein Haftbefehl Ausdruck eines Verdachts, jedoch nicht ein rechtstaatliches Urteil beinhaltet, dass u.a. Personen, die wegen Bagatelldelikten wie Schwarzfahren oder Drogenbesitz zum Eigenbedarf, nicht bezahlter Knöllchen im Straßenverkehr oder weil sie schlichweg ihre Briefe aufgrund einer Angststörung nicht öffnen – die der SPD-Sozialpolitiker Felix von Grünberg aus Bonn allein dort auf in die Hunderte gehend beziffert – erzeugte Voogt mit einer überaus einseitigen Berichterstattung ein Bild, als würden hier Schwerverbrecher nicht verfolgt. Seine Berichterstattung legte, nicht nur für AfD-Anhänger, den Schluss nahe,  dass solche Menschen eigentlich die Existenzgrundlage und Wohnung sofort entzogen werden solle. Schade nur, dass das im Rechtsstaat noch nicht möglich ist, weil dafür Voraussetzung ein Gerichtsverfahren und ein Urteil ist.  Dass Lehrer und Nichtjurist Jochen Ott, SPD-“Spitzenkandidat” für die Landtagswahl 2027 da mit einstimmte, ebenso die SPD-nahe Gewerkschaft der Polizei, die ein “Störgefühl” empfand, spricht für sich und sagt viel über den Zustand der SPD in NRW aus.

    Welcher Geist reitet diese Tageszeitungsredaktion?

    Man fragt sich: Köln ist eine soziale, linksliberale, ökologisch orientierte, nahezu grüne Hochburg mit einer Bevölkerung, die Radfahren, ökologisches Ernähren, und viele andere Elemente der Energiewende, der Verkehrswende und liberaler Demokratie verinnerlicht hat. Was also treibt die Macher eines Blattes an, das einmal unter dem Herausgeber Alfred Neven DuMont, FDP-Mitglied, linksliberaler Freigeist, zu den führenden liberalen Medien der Republik neben der “Süddeutschen Zeitung”, der “Frankfurter Rundschau” und des “Spiegel” avancierte, die kleinkarierten, kleinbürgerlich-intoleranten Vorurteile auf dem Niveau der AfD und rechten CDU zu bedienen? Die Ewiggestrigen sind zurück. Und es gibt seit einigen Tagen einen neuen stellvertretenden Chefredakteur. Wo war er und wo hat er zwischenzeitlich geschrieben? Bei Springers WELT. Der Rechtsruck des ehemals liberalen “Kölner Stadtanzeiger” ist in vollem Gange. Die Zeiten meiner Kindheit, als in der Samstagsausgabe des “Stadtanzeiger” Oskar, der freundliche Polizist  Omas über die Straße half, Lausbuben milde Einsicht beibrachte oder gütig Nachbarschaftsstreit schlichtete, sind wohl vorbei. Köln hat keine “Kölnische Zeitung” mehr, sondern eine Art Springer-Blatt ohne Springer.

  2. Wolfgang Bosbach, CDU/CSU und AfD

    Der nette Wolfgang Bosbach taucht neuerdings hier und da – wie übrigens auch Roland Koch, ehemaliger hessischer Ministerpräsident, bekannt für rechte Kampagnen (“Wo kann ich hier gegen Ausländer unterschreiben”) – neuerdings als Kommantator auf Seite vier des ehemals liberalen “Kölner Stadtanzeiger” auf. Beide Unionsrechte vertreten krude, am rechten Rand der Union ansässige Thesen – und werden von der Chefredaktion des DuMont-Verlages, dessen Mitglieder inzwischen vorzugsweise aus ehemaligen Springer-Häusern rekrutiert werden, prominent platziert. Ich finanziere das mit meinem Abonnement von inzwischen über 66 € monatlich noch, aber nicht mehr lange, denn die intellektuellen Belästigungen übersteigen inzwischen  meinen konservativen Wunsch, morgens eine papiergedruckte Tageszeitung in Händen zu halten.

    So kommentierte am Samstag dort Wolfgang Bosbach Bärbel Bas, die, von der AfD angegriffen, im Bundestag völlig richtig und politisch wehrhaft der Diffamierung der AfD widersprach, welche wie immer den Eindruck zu erwecken versuchte, alle Flüchtlinge seien “Einwanderer in unser Sozialsystem”. Ihre Reaktion wurde am gleichen Abend bereits in den “Tagesthemen” diffamiert, indem die NDR-Redaktion zwei AfD-nahe Medien, nämlich “Nius” und “Bild” mit keifenden Redakteuren einblendete, die behaupteten, dass Bas ja nun völlig die angebliche “Realität” ignoriere. Nun gut, ein Migrationsforscher durfte erklären, dass da nicht zutrifft.

    Bärbel Bas ist Ministerin und Demokratin

    Aber das gefiel weder dem “Kölner Stadtanzeiger”, noch deren Lieblingsgast Bosbach, der dort sogar eine regelmäßige Kolumne hat – warum eigentlich und was bezahlt man dem CDU-Parteioldie dafür? Der schrieb am 9.5.2026 munter drauflos. Gegen Bärbel Bas, denn die hatte in der Fragestunde des Deutschen Bundestages auf die gezielt rassistische Anfrage der AfD nach der angeblichen “Einwanderung in die Sazialsysteme” von Migranten und Flüchtlingen erklärt, dass es die nicht gäbe. Eine wertfreie Feststellung, im Gegensatz zur Hetzrhetorik der AfD. Aufgrund des inzwischen immer weiter nach rechts verschobenen politischen Diskurses wundert es nicht, dass Wolfgang Bosbach meinte, noch einen draufsetzen zu müssen. Es wundert aber schon,  dass der “Kölner Stadtanzeiger” diese Meinung Bosbachs auch noch in den Mittelpunkt seiner “Diskussionsseite” stellt.

    Ist das fairer, unabhängiger Journalismus?

    Wolfgang Bosbach verdrehte in seinem Beitrag flugs die Realität, um der Vorsitzenden des Koalitionspartners SPD ans Schienbein zu treten. Das ist zum einen politisch unklug, weil es die rot-schwarze Koalition schon wieder als zerstritten und handlungsunfähig darstellt. Aber es ist auch ein bisschen infam, wie Bosbach wie gewohnt charmant, patriarchalich und tendenziell rechtspopulistisch die Vorsitzende des Koalitionspartners gezielt herabsetzt. Ich mag solche Spielchen vor dem Frühstück nicht lesen  und meine Toleranz, für das Abo einer solchen stündlich nach rechts wandernden Tageszeitung so viel zu bezahlen, kommt derzeit zum Ende.

    Aufnahme und Weiterverbreitung rechtsextremer Begrifflichkeit

    Was ist an Bosbachs Äußerung rassistisch? Der Begriff “Zuwanderung in die Sozialsysteme” an sich ist eine rechtsextremistische Standardformulierung, die pauschal unterstellt, dass Zuwanderer, Flüchtlinge oder Einwandernde kämen, um ausschließlich vom “deutschen Sozialstaat” zu profitieren. Das Kern-Narrativ von NPD, Republikanern, AfD und allen Rechtsextremisten seit über fünfzig Jahren. Aber auch der CDU. Die Begriffe “Asylschwindel, Asyltourismus, Asylbetrug, Sozialschmarotzer” hat zu meiner Landtagszeit zwischen 1990 und 1995 der damalige CDU-Fraktionschef Helmut Linssen in jeder 2. Rede verwendet. Solingen, Mölln, Hünxe und Rostock waren 1993 Meilensteine einer Asylkampgne, die damals mit “Musteranfragen” und “Musterpresseerklärungen” vom Konrad-Adenauer-Haus aus bundesweit inszeniert und koordiniert wurde. Claudia Roth und ich haben dies in unserem Buch “Die Asyl-Lüge” (1992) nachgewiesen.

    Zurück zu Bosbach

    Zur Begründung zitiert er in seinem Artikel einen angeblichen Anstieg der Soziallasten, und elaboriert: …betrug der Anteil ausländischer Empfänger von Bürgergeld 2025 47,6 Prozent” und beklagt einen Anstieg “bis zu den aktuellen Daten, die seit drei Jahren relativ kostant sind”.  Na klar, Du Tuppes: Kein Wunder, das sind die ca. 1,2 Mio. Kriegsflüchtlinge, vorwiegend Frauen und Kinder,  aus der Ukraine, die nach dem Beschluss des Bundestages, dem die Union zugestimmt hat, EU-Bürgern gleichgestellt sind. Zurecht und aus Solidarität mit eine überfallenen Land. Diese Realität hat er offensichtlich übersehen.

    Ideologiegesteuerte Politik im Interesse der AfD

    Wolfgang Bosbach ist nicht der einzige Unionspolitiker, der faktenfrei polemisiert. Ein anderer innenpolitischer Hardliner – ob beim “Großen Lauschangriff” oder der “Vorratsdatenspeicherung”, ist Innenminister Dobrindt, der trotz festgestellter Verfassungswidrigkeit durch die Karlsruher Richter:innen jetzt wieder mit der Vorratsdatenspeicherung und “Palantir” das Verfassungsgericht testen will. Dobrindt hat in der vergangenen Woche mit seinem “Abschiebungsprogramm” die Forderungen der AfD aufgenommen und rechtlich ausformuliert. Ob die Abschiebe- und Entscheidungszentren, die er außerhalb der EU errichten will, verfassungskonform sind, ist mehr als zweifelhaft. Schon die Rechtswegsgarantie nach Artikel 19 Absatz 4 Grundgesetz ist dort offensichtlich nicht gegeben, also sind diese Zentren verfassungswidrig.  Solange die CDU/CSU, und in diesem Fall auch die SPD, ideologisch dem rechten Rand nachgeben, wird die AfD auch weiter in den Umfragen zunehmen. Die “erstaunliche” Entwicklung der Umfragen ist hausgemacht und falscher Politik der Koalition geschuldet.

    Auch Miosga greift die Dummheit auf

    In ihrer Sendung am Sonntag mit Gästin Manuela Schwesing griff auch Karen Miosga diese Argumentation auf. Auch sie unterstellte der SPD, sie würde gegenüber Flüchtligen nicht rigide genug handeln, weil – ja Bärbel Bas und andere wohl zu human argumentierten und nannte auch dies “realitätsfern”. Es gibt offensichtlich mehrere Realitäten: Die des Grundgesetzes und Rechtsstaates und die des Populismus und seiner Agitation – erfolgreich nicht nur in asozialen Medien, sondern in ARD und Tageszeitungen.

    Rechte Politik löst keine Probleme, sondern sucht Sündenböcke …

    Ja, unsere Gesellschaft hat Probleme – nicht zuletzt aufgrund der Kriege Russlands und der USA. Aber das angebliche “Migrationsproblem” ist das geringste von allen und ausschließlich rassistisch aufgebauscht. Von CDU/CSU, AfD und Teilen der SPD. Ohne Zuwanderung, das sagen alle seriösen ökonomischen Analysen, hat die wirtschaftliche Erholung weniger Chancen und von ihr hat die Bundesrepublik immer wirtschaftlich profitiert – trotz Asyldiskussion und Gesetzesverschärfungen im Flüchtlingsbereich.

    … statt Probleme zu lösen

    Ein viel größeres Problem ist der drastisch ansteigende Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Das Land braucht dringend Einwanderung, um seine Probleme in Pflege, bei Fachkräften und  im Handwerk zu kompensieren. Und dort passiert nichts, um durch schnellere Integration und bessere Bildung personelle Ressourcen, die hier sind, zu nutzen. Stattdessen werden Sprachkurse gestrichen, Flüchtlinge durch Arbeitsverbote zur Untätigkeit verdammt, die dann in Einzelfällen auf dumme Gedanken kommen und Straftaten begehen – womöglich gezielt angestiftet via Internet.

    Politik ohne Sachkenntnis

    Sollte die “mal so rausgehauene” Meinung des Bundeskanzlers, die er beim Besuch des syrischen Übergangspräsidenten zum Besten gab, “innerhalb von drei Jahren sollten die syrischen Flüchtlinge dorthin zurückkehren” wahr werden, wären darunter 7.000 Ärzte, auf die unser Gesundheitssystem dringend angewiesen ist. Die Folge wäre ein gesundheitspolitisches Desaster. Ganz abgesehen von der Frage, dass heute noch völlig offen ist, wohin sich die gemäßigt auftretende Regierung ehemaliger IS-Anhänger in den kommenden Jahren entwickeln wird. Kurden wurden bereits wieder vertrieben und verfolgt, zehntausende IS-Kämpfer und ihre Familien aus Lagern befreit. Die Migrationspolitik der CDU/CSU ist ein einziges politisches Versagen.

    Wer den Forderungen der AfD nachgibt, gibt ihr recht

    Die Zuwächse der AfD gehen wesentlich darauf zurück, dass ihr Merz, Dobrindt und Typen wie Bosbach politsch letztlich recht geben und die Wähler:innen sich denken: “Wenn die das auch fordern, dann können wir gleich das Original wählen.”  So haben Merz & Co die AfD verdoppelt und arbeiten ihr weiter in die Hand. Die CDU sollte sich ehrlich machen und zugeben, dass sie im Grunde mit der AfD ein ganzes Spektrum kultureller Einseitigkeit gemeinsam hat. Auch in der CDU/CSU haben manche Vorbehalte gegen alles Fremde, lehnen Diversität und Geschlechtergerechtigkeit ab, ebenso wie geschlechtsneutrale Sprache und das Gendern. Sie verbreiten  statt eines europäischen, offenen Optimismus der bunten Vielfalt die Sehnsucht nach Nationalismus, Deutschtümelei und spießbürgerlicher Engstirnigkeit. Die bundesweit umbenannten “Ministerien für Heimat” sind die größte Lachnummer des letzten Jahrzehnts. Der Geist der MAGA-Bewegung beflügelt das noch. Und eine gehörige Portion Unkenntnis oder gar Verachtung von Grundgesetz und Demokratie kommt hinzu.

  3. Richter für die Grundrechte

    Ein Richter des Bonner Landgerichts lehnte die Beschwerde eines Bürgers ab, mit der dieser gegen ein soziales Netzwerk klagte, das ihm keine Auskunft geben wollte, ob US-Geheimdienste auf seine Daten zugegriffen hatten. Und dies mit einer bemerkenswert mutigen Begründung. Das kritisieren nun konservative Journalisten, corona-leugnende Jurist:innen und die US-Botschaft in Berlin.

    Das Gericht bezeichnete im Urteil die US-Regierung Trump als “offen echtsextremistisch-populistisch”. Es gebe in der Trump-Regierung “deutlich anti-demokratische, anti-rechtstaatliche, autokratische bis faschistische Tendenzen” und verwies in der Ablehnung der Klage darauf, dass man US-Unternehmen, die auch in Deutschland tätig seien, zugestehen müsse, dass sie sich an US-Recht halten müssten und die Aussage verweigerten, ob ein US-Geheimdienst auf die Daten des Klägers zugegriffen hat. Klagen könne er in den US.

    Widersprochen, was J.D. Vance behauptet hat

    Weiter heißt es in der Urteilsbegründung in Anspielung an die Ausführungen des US-Vizepräsidenten J.D. Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz über die angeblich in Deutschland gefährdeten Freiheitsrechte.: “Rechtsextremisten gerichtsbekannt immer schon die größten Feinde individueller Freiheit (der anderen bzw. andersdenkenden) während sie sich zugleich – die Lüge beharrlich wiederholend – als ihre angeblich größten Verteidiger gerieren.” Und dies geschehe, “um das eigene (Wahl-)Volk irrezuführen, was leider häufig funktioniert, insbesondere inzwischen über soziale Medien, wie die letzten Jahre gezeigt haben.” Daneben seien “Rechtsextremisten in aller Regel die korrupteste Sorte von Politikern, weil die ideologische Grundbasis des Rechtsextremismus unvernünftig übersteigerter (nationaler und individueller) Egoismus ist.”

    Richterliche Unabhängigkeit zum Schutz der Grundrechte

    Ein Sprecher des NRW-Justizministeriums lehnte mit Hinweis auf die richterliche Unabhängigkeit gemäß Artikel 97 Grundgesetz jede Urteilsschelte ab. So hatten Journalisten des “Kölner Stadtanzeiger” Mühe, kritische Stimmen zum Urteil zu finden. Neben der US-Botschaft, den Kölner konservativen Verwaltungsrechtlern Michael Ogorek und Daniel Deba, Sprecher einer dubiosen, 2021  gegründete Juristen-Splittergruppe von Corona-Kritikern.

    Ein Richter verteidigt Grundrechte und Liberalität…

    Es ist erfreulich, dass der Bonner Richter nicht nur die Grundrechte kennt, sondern sie auch verteidigt, indem er klar benennt, welche Eingriffe in die persönlichen Freiheiten, welche Zensurmaßnahmen und antidemokratischen Rechtsbrüche Donald Trump und seine Komplizen und Tech-Oligarchen derzeit unter unser aller Augen begehen. Mit Auswirkungen auf uns und die EU. Das Urteil ist ein Ausdruck demokratischer Haltung und Rechtsstaatlichkeit. Der Richter verdient jede Menge Preise für Zivilcourage. Die Äußerungen des zitierten Kölner Staatsrechtlers Michael Ogorek, der “einem Zivilrichter politische Äußerungen” absprechen will, sind dagegen hart an der Grenze zum Duckmäusertum und einer Haltung, die an “des Kaisers neue Kleider” erinnert und verhindern möchte, dass laut ausgesprochen wird, was alle sehen, nämlich dass der Kaiser nackt ist.

    …und rechtslastiger Journalismus fällt ihm in den Rücken!

    Dass Journalisten im einstmals linksliberalen “Kölner Stadtanzeiger” das “Netzwerk kritischer Richter und Staatsanwälte” zitieren, die in die gleiche Kerbe hauen, wie Herr Ogorek, ist mehr als verstörend. Dieses “Netzwerk” umfasst bundesweit etwa 40 Mitglieder, die sich 2021 laut “Legal Tribune Online” aus einem Kreis von Corona-Leugnern in der Justiz gegründet haben und die auf ihrer Homepage praktisch kein anderes Thema kennen, als Corona. Sie vertreten die Position , dass nahezu alle Maßnahmen und insbesondere die Maskenpflicht verfassungswidrig gewesen seien. Sie sind nicht “politisch neutral”, sondern benutzen den Begriff “Neutralität” wie die AfD und ihr Umfeld, um diejenigen zu verunglimpfen, die ihrer rechten politischen Meinung entgegentreten.”Sprecher” Daniel Deba, politisch beim BSW aktiv, erklärte im Juni 2025, das Verwaltungsgericht in Schwerin werde “von Asylverfahren überschwemmt”. Hony soit, qui mal y pense!

    Die falschen angerufen?

    Das alles ist so absurd, dass man glauben möchte, es läge eine Verwechslung mit den eher liberalen “Kritischen Juristinnen und Juristen” vor und Detlev Schmalenberg und Joachim Frank (letzterer immerhin “Chefkorrespondent”) hätten bloß die Telefonnummern verwechselt. Die “Kritischen Jurist:innen” würden das Urteil aber natürlich völlig anders einordnen. Viel wahrscheinlicher ist, dass KStA- Chefredakteur Gerhard Selch die Richtung vorgegeben hat. Der war nämlich erst Chefredakteur beim “Focus” und dann bei der “BILD”-Zeitung. Alfred Neven DuMont, der immer noch posthum als Herausgeber im Impressum des KStA steht, würde sich im Grab rumdrehen. Kein Wunder, wenn die Auflage beständig sinkt.

  4. Als im Verkaufspoker zuletzt die Funke Mediengruppe als Käufer gehandelt wurde, protestierten viele "Mopo"-Mitarbeiter. Nun ist klar: Die Zeitung geht an den Digitalmanager Arist von Harpe.
    DuMont-Mediengruppe verkauft "Morgenpost" an Xing-Manager - DER SPIEGEL - Kultur
    #Kultur #Medien #DuMontMediengruppe #AlfredNevenDuMont #KonstantinNevenDuMont
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