home.social

#nathanaelliminski — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #nathanaelliminski, aggregated by home.social.

  1. Reflexe der Aufmerksamkeitsökonomie

    Je grausamer und verbrecherischer, umso stiller …

    mit Update 3. 11.

    Ist es launig? Oder sarkastisch? Wolfgang Storz/bruchstuecke reflektiert über die Reflexe der Öffentlichkeit auf “unseren” superintelligenten Bundeskanzler: “Regieren mit Wortfetzen”. Nicht abwegig. Dennoch behaupte ich, dass seine bornierten sauerländischen Reflexe ihm selbst, und noch mehr seinem Berater*innen*stab, einen Streich gespielt haben. Denn was Storz und ich seit Jahrzehnten über den Kerl wissen, das erkennen jüngere Teile der Öffentlichkeit erst jetzt durch sein Tun und Stammeln. Und es mobilisiert ganz offenbar nicht nur seine eigenen Leute. Manche linke Bescheidwisser kräuseln ihren Bauchnabel darüber, dass sie statt mitzumachen lieber lästern, wie lange sie bescheidwissen, was viele jetzt erst merken. Klassisches Eigentor im politischen Prozess.

    Zum gegenwärtigen Funktionieren der inländischen Aufmerksamkeitsökonomie gibt es einen interessanten Versuch materialistischer Analyse von Raphael Wolter/Junge Welt: Zwischen Kommerz und Widerstand – Fußball und Klassenkampf: Zur gesellschaftlichen Logik eines populären Spiels” Durchaus lesenswert und nur wenige Tage verfügbar, weil dann in einem Paywallarchiv beerdigt. In meinen Augen ist Wolters Materialismus allzu mechanistisch gedacht. Aufmerksamkeit ist zwar nicht physisch greifbar, aber eine reale Währung der Medienökonomie. So wie es unsere Daten in der Digitalökonomie sind, die derzeit die Machtverhältnisse auf dem Planeten nicht umstürzt (im Gegenteil), aber umgräbt und betoniert.

    Null Reflexe zur »größten humanitären Krise der Welt«

    Es ist ja – leider – schon bemerkenswert, wenn überhaupt ein deutsches Medium einen Pups zum Sudan lässt. Das sind aktuell – ein seltenes Gespann – der Deutschlandfunk und die Junge Welt. Der DLF interviewte gestern mitten in der Nacht (6.50 h) meinen alten Jungdemokraten-Freund Volker Perthes, dessen Stimme mir besorgniserregend brüchig klang, was aber auch am geäusserten Inhalt liegen dürfte:

    Sudan-Experte Perthes: Den Kriegsparteien muss man die Ressourcen entziehen – Laut Einschätzung des Politologen Volker Perthes werden beide Kriegsparteien im Sudan aus dem Ausland unterstützt, etwa von Ägypten. Erst wenn man ihnen Ressourcen wie Geld und Waffen entziehe, könne der Krieg gestoppt werden.” Audio 13 min.

    Die gleiche Botschaft mit anderen Worten verkündet sehr kursorisch auch Luca Schäfer/Junge Welt, der regelmässig für die “News-Fabrik” (G. Kolonko) telepolis schreibt: Sudan: Golfkapital am Nil – Sudan: Kriegsverbrechen von RSF-Miliz durch Vereinigte Arabische Emirate ermöglicht”. Auch dieser Text wird in einigen Tagen digital verschwinden.

    Warum so wenig Lärm in der deutschen Aufmerksamkeitsökonomie über diese verbrecherischen Massenmorde? These: weil die hiesigen Herrschenden darüber noch glücklicher sind, als über die Menschenrechtsverbrechen des Despoten Erdogan (mit dem, das nur zur Erinnerung, schon die kürzlich hier in Bonn gefeierte Angela Merkel eifrig gedealt hatte). Denn wirkungsvoller können Flucht und Migration aus Südsudan, Somalia, Eritrea, Äthiopien, Ostkongo u.v.a. wohl kaum unterbunden werden. Warum also laut lamentieren? Die Waffenlieferanten und Diktatoren beider Seiten (Vereinigte Arabische Emirate einerseits, Ägypten andererseits) sind öffentlich proklamierte “beste Freunde” der hiesigen Herrschenden.

    Lasst sie mal machen. Es trifft doch nur Schwarze und Moslems …

    Update 3.11.

    NRW-Liminski – zu schmerzfrei, zu blöd oder zu rechts?

    Nathanael Liminski, NRW-Stastskanzleichef, kenne ich nicht persönlich. Als ich 1990 anfing im NRW-Landtag zu arbeiten, hiess der Amtsinhaber Wolfgang Clement. Roland Appel weiss mehr über den, und die Extradienstautoren Wolfgang Lieb und Christoph Habermann noch mehr als Roland. An Clement als Widerpart – ob in der Opposition, in der Koalition, oder sogar als Parteigenosse – konnte (und musste) mann wachsen. Anders war der nicht auszuhalten.

    Wie mag es bei Liminski sein? Mir wird berichtet, dass er grüne Landtagsabgeordnete – auch rudelweise – am Nasenring durch die politische Arena zu ziehen vermag. Ob das mehr über die oder ihn sagt? Sagen Sies mir. Der Verdacht liegt nahe, dass er – schon allein um in dieses Staatsamt zu gelangen – nicht allzu blöd sein kann.

    Also schmerzfrei und rechts? Als bekennender Christ mit all den SM-Faktoren dieser Religion sollte ihm Schmerz nicht fremd sein. Was also sagt das über ihn? Macht er also sähr gärne mit, als Lokomotive der »größten humanitären Krise der Welt«? Oder hat ihm nur eine*r eine Falle gestellt? Eine beliebte Düsseldorfer Gewohnheit.

    Ich fürchte das Schlimmste.

    Das heute erfolgte WDR5-Interview mit Volker Perthes hat er wahrscheinlich nicht mehr gehört: Sudan: ‘Bürgerkrieg voll entflammt’ – Die RSF-Miliz hat die Stadt Al-Faschir im Sudan eingenommen und verübt Massaker an Zivilisten. ‘Es geht um Mord, Vergewaltigungen und Plünderungen’, sagt Politologe und Diplomat Volker Perthes – und erklärt die Hintergründe des Machtkampfs im Land.” Audio 6 min., 1 Jahr verfügbar.

  2. Reflexe der Aufmerksamkeitsökonomie

    Je grausamer und verbrecherischer, umso stiller …

    mit Update 3. 11.

    Ist es launig? Oder sarkastisch? Wolfgang Storz/bruchstuecke reflektiert über die Reflexe der Öffentlichkeit auf “unseren” superintelligenten Bundeskanzler: “Regieren mit Wortfetzen”. Nicht abwegig. Dennoch behaupte ich, dass seine bornierten sauerländischen Reflexe ihm selbst, und noch mehr seinem Berater*innen*stab, einen Streich gespielt haben. Denn was Storz und ich seit Jahrzehnten über den Kerl wissen, das erkennen jüngere Teile der Öffentlichkeit erst jetzt durch sein Tun und Stammeln. Und es mobilisiert ganz offenbar nicht nur seine eigenen Leute. Manche linke Bescheidwisser kräuseln ihren Bauchnabel darüber, dass sie statt mitzumachen lieber lästern, wie lange sie bescheidwissen, was viele jetzt erst merken. Klassisches Eigentor im politischen Prozess.

    Zum gegenwärtigen Funktionieren der inländischen Aufmerksamkeitsökonomie gibt es einen interessanten Versuch materialistischer Analyse von Raphael Wolter/Junge Welt: Zwischen Kommerz und Widerstand – Fußball und Klassenkampf: Zur gesellschaftlichen Logik eines populären Spiels” Durchaus lesenswert und nur wenige Tage verfügbar, weil dann in einem Paywallarchiv beerdigt. In meinen Augen ist Wolters Materialismus allzu mechanistisch gedacht. Aufmerksamkeit ist zwar nicht physisch greifbar, aber eine reale Währung der Medienökonomie. So wie es unsere Daten in der Digitalökonomie sind, die derzeit die Machtverhältnisse auf dem Planeten nicht umstürzt (im Gegenteil), aber umgräbt und betoniert.

    Null Reflexe zur »größten humanitären Krise der Welt«

    Es ist ja – leider – schon bemerkenswert, wenn überhaupt ein deutsches Medium einen Pups zum Sudan lässt. Das sind aktuell – ein seltenes Gespann – der Deutschlandfunk und die Junge Welt. Der DLF interviewte gestern mitten in der Nacht (6.50 h) meinen alten Jungdemokraten-Freund Volker Perthes, dessen Stimme mir besorgniserregend brüchig klang, was aber auch am geäusserten Inhalt liegen dürfte:

    Sudan-Experte Perthes: Den Kriegsparteien muss man die Ressourcen entziehen – Laut Einschätzung des Politologen Volker Perthes werden beide Kriegsparteien im Sudan aus dem Ausland unterstützt, etwa von Ägypten. Erst wenn man ihnen Ressourcen wie Geld und Waffen entziehe, könne der Krieg gestoppt werden.” Audio 13 min.

    Die gleiche Botschaft mit anderen Worten verkündet sehr kursorisch auch Luca Schäfer/Junge Welt, der regelmässig für die “News-Fabrik” (G. Kolonko) telepolis schreibt: Sudan: Golfkapital am Nil – Sudan: Kriegsverbrechen von RSF-Miliz durch Vereinigte Arabische Emirate ermöglicht”. Auch dieser Text wird in einigen Tagen digital verschwinden.

    Warum so wenig Lärm in der deutschen Aufmerksamkeitsökonomie über diese verbrecherischen Massenmorde? These: weil die hiesigen Herrschenden darüber noch glücklicher sind, als über die Menschenrechtsverbrechen des Despoten Erdogan (mit dem, das nur zur Erinnerung, schon die kürzlich hier in Bonn gefeierte Angela Merkel eifrig gedealt hatte). Denn wirkungsvoller können Flucht und Migration aus Südsudan, Somalia, Eritrea, Äthiopien, Ostkongo u.v.a. wohl kaum unterbunden werden. Warum also laut lamentieren? Die Waffenlieferanten und Diktatoren beider Seiten (Vereinigte Arabische Emirate einerseits, Ägypten andererseits) sind öffentlich proklamierte “beste Freunde” der hiesigen Herrschenden.

    Lasst sie mal machen. Es trifft doch nur Schwarze und Moslems …

    Update 3.11.

    NRW-Liminski – zu schmerzfrei, zu blöd oder zu rechts?

    Nathanael Liminski, NRW-Stastskanzleichef, kenne ich nicht persönlich. Als ich 1990 anfing im NRW-Landtag zu arbeiten, hiess der Amtsinhaber Wolfgang Clement. Roland Appel weiss mehr über den, und die Extradienstautoren Wolfgang Lieb und Christoph Habermann noch mehr als Roland. An Clement als Widerpart – ob in der Opposition, in der Koalition, oder sogar als Parteigenosse – konnte (und musste) mann wachsen. Anders war der nicht auszuhalten.

    Wie mag es bei Liminski sein? Mir wird berichtet, dass er grüne Landtagsabgeordnete – auch rudelweise – am Nasenring durch die politische Arena zu ziehen vermag. Ob das mehr über die oder ihn sagt? Sagen Sies mir. Der Verdacht liegt nahe, dass er – schon allein um in dieses Staatsamt zu gelangen – nicht allzu blöd sein kann.

    Also schmerzfrei und rechts? Als bekennender Christ mit all den SM-Faktoren dieser Religion sollte ihm Schmerz nicht fremd sein. Was also sagt das über ihn? Macht er also sähr gärne mit, als Lokomotive der »größten humanitären Krise der Welt«? Oder hat ihm nur eine*r eine Falle gestellt? Eine beliebte Düsseldorfer Gewohnheit.

    Ich fürchte das Schlimmste.

    Das heute erfolgte WDR5-Interview mit Volker Perthes hat er wahrscheinlich nicht mehr gehört: Sudan: ‘Bürgerkrieg voll entflammt’ – Die RSF-Miliz hat die Stadt Al-Faschir im Sudan eingenommen und verübt Massaker an Zivilisten. ‘Es geht um Mord, Vergewaltigungen und Plünderungen’, sagt Politologe und Diplomat Volker Perthes – und erklärt die Hintergründe des Machtkampfs im Land.” Audio 6 min., 1 Jahr verfügbar.

  3. Grimme

    Eine aufgerauter Wind geht durch das Wasserglas des deutschen Medienjournalismus, bzw. dem, was davon noch übrig ist. Das Adolf-Grimme-Institut in Marl hat mal wieder eine Finanzkrise. Seine Chefin und meine ehemalige Arbeitskollegin Frauke Gerlach gibt bei epd-Medien der mir ebenfalls gut bekannten und geschätzten Diemut Roether ausführlich Auskunft. Christian Bartels/MDR-Altpapier kommentiert süffisant, “dass rund um das unscheinbare Grimme-Institut, dessen Institutsgebäude tatsächlich den Traditionsnamen ‘Insel’ trägt, ein ganz schöner Haifischteich schwappt”. Ja, so ist das im was-mit-Medien-Geschäft.

    Viele Männer in der Branche ertragen es nur schwer, dass ihnen, obwohl sie sich doch alle für hochqualifiziert halten, eine Frau bei der Besetzung der Institutsleitung vorgezogen wurde. Frauke Gerlach hat so gar nichts von einem Pfau, der gezwungenermassen mit seinem prächtigen Schwanz Eindruck schinden will. Mit ihrem Jura-Examen hätte sie sogleich eine Richterinnenkarriere starten können. Das wäre bequemer gewesen und reicher belohnt worden. Aggressive Männer bauen sie eher auf als ab. Mann kann kritisieren, dass sie weit weniger als entsprechend talentierte männliche Vorgänger PR-Wind um ihr Institut und seine Arbeit macht. Windmacherei gehört nicht zu ihren Talenten; das macht sie in der Zusammenarbeit zu einer seriösen angenehmen Partnerin.

    In meiner 15-jährigen Karriere als Mitarbeiter von NRW-Landtagsabgeordneten (1990-2005) habe ich nur einen einzigen Landtagsbeschluss selbst geschrieben – normalerweise war das in der Grünen-Landtagsfraktion Sache der besser bezahlten und arbeitsrechtlich abgesicherteren “wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen”. Für Medienpolitik gab es aber keine*n. Dieser Antrag war ein Änderungsantrag zum Landeshaushalt, und zwar eine Zuschusserhöhung für das Grimme-Institut. Das hatte damals einen rhetorisch im öffentlichen Auftritt weit versierteren Chef als Frauke Gerlach, der seinerzeit weit grössere Löcher im Etat des Instituts gerissen hatte. Das wurde durch “meinen” Antrag gestopft – übrigens vom Landtag einstimmig angenommen.

    Die Grüne NRW-Landtagsfraktion ist heute mehr als doppelt so gross. Die Entwicklung einer konsistenten Medienpolitik scheint das eher erschwert als erleichtert zu haben. Es ist keine erkennbar, weder inhaltlich noch personell. Also, spekuliere ich jetzt, ist Frauke Gerlach umso mehr auf eine konstruktive Beziehung zu NRW-Staatskanzleichef Nathanael Liminski angewiesen. Das stelle ich mir – wiederum spekulativ, ich musste ihn nie kennenlernen – als schweres Los vor.

    Die Grimme-Gesellschafter WDR und ZDF sollten den politischen Umgang mit dem Grimme-Institut aufmerksam studieren. Dann erfahren sie, was ihnen bevorsteht. Wenn erst CDU und AfD NRW regieren, wird vieles ganz schnell gehen. Wer dann keine gesellschaftliche Basis hat, die bereit zum Kämpfen ist, für den*die*das geht das Sterben dann umso schneller.