#kiweltanschauungen — Public Fediverse posts
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Ein Blindflug mit Kimi führte zum Absturz dieses Blogposts
Als zweitletzter Gruss von diesem Blog im alten Jahr eine Beobachtung in eigener Sache. Es geht um das Thema, das mich 2025 mehr als alles andere in Atem gehalten hat. Das ist, natürlich, die künstliche Intelligenz. Über den Daumen gepeilt sechs Dutzend Beiträge habe ich ihr gewidmet. Und eine Frage, die über allem schwebte, war: Wie gross sind die Veränderungen, die auf uns zurollen?
Womit wir diese Frage mit einem eindeutigen Ja beantworten können.Mein Eindruck ist: Wir befinden uns noch immer in einem Blindflug. Das Licht aus dem Cockpit beleuchtet die Wolken, die sich ein paar Meter vor uns befinden. Wir aber haben ein so affenartiges Tempo drauf, dass keine Chance auf eine vernünftige Reaktion bestünde, falls plötzlich King Kongs Kopf vor uns aus dem Nebel bricht.
Verkompliziert wird diese Sache durch diese seltsamen Rückkopplungen, die sich aus unseren Bemühungen ergeben, diese Entwicklung hier zu verstehen. Um beim Bild zu bleiben: Dieses Flugzeug düst nicht nur bei Nullsicht über einen unentdeckten Kontinent. Irgendetwas ist mit dem Ablauf der Zeit nicht in Ordnung. Handlungen aus unserer Vergangenheit beeinflussen die Gegenwart auf eine Weise, die wir nicht gewohnt sind – wie in der Anomalie, die sich Hervé Le Tellier 2020 ausdachte.
Was kann die KI aus Peking?
Und so entstand dieser Eindruck: Um einen Schlussstrich zu ziehen, wollte ich ein liegen gebliebenes Thema abarbeiten und endlich Kimi besprechen. Das ist ein Sprachmodell wie ChatGPT, das nicht für so viel Furore sorgte wie Deepseek anfangs des Jahres. Doch die KI von Moonshot AI aus Peking weist einige spezifische Stärken auf: Sie hat ein riesiges Kontextfenster und kann bei einer Antwort mehr Details berücksichtigen als die Konkurrenz.
Für einen ersten Eindruck stellte ich Kimi einige Fragen aus meinem Fundus. So ergibt sich eine Vergleichsmöglichkeit mit anderen Konkurrenten wie ChatGPT, Claude, Perplexity, Mistral und Gemini. Die erste Frage knüpfte an meine Besprechung von «Asterix in Lusitanien» an. Bei der hatte ich abschliessend gefragt, was denn eine originelle Idee für einen neuen Asterix-Band sein könnte. Kimi antwortete kurz, bündig und in sehr holperigem Deutsch:
Asterix erfindet Buchdruck – römische Propaganda kollabiert lachend.
Dieser Plot ist, mit Verlaub, origineller als alles andere, was man mir damals vorgesetzt hat. Er würde Johannes Gutenberg vom Sockel stossen, das deutsche Selbstverständnis als Erfindernation untergraben und eine Steilvorlage für eine kontrafaktische Geschichtsschreibung liefern. Denn wenn der Buchdruck 1500 Jahre früher stattgefunden hätte, wären wir heute auch in vielen anderen Bereichen weiter. Also: ein Paukenschlag.
Meine Rede? Meine Rede!
Den zweiten Anlauf nahm ich mit meiner These vom September, Karlsson vom Dach sei ein Cyborg gewesen. Kimi ist voll auf meiner Seite, und zwar so dezidiert, wie keines der anderen Sprachmodelle:
Der Propeller von Karlsson vom Dach ist kein ablegbares Gadget, sondern ein fester Teil seines Körpers – genauer gesagt: ein am Rücken befestigtes Gerät, das nicht abgenommen werden kann, sondern wie ein Körperteil funktioniert. Er wird über einen Knopf am Bauch aktiviert, was darauf hindeutet, dass er integriert ist, ähnlich wie ein implantiertes technisches Organ.
Meine Rede! Diese KI versteht mich, als ob wir Seelenverwandte wären. Wie kann das sein?
Die Antwort ist ebenso einleuchtend wie verstörend: Es ist meine Rede. Als Quelle für die Antwort gibt Kimi meinen Blogpost an.
Damit sind wir bei der Anomalie: Mein drei Monate alter Blogpost reiste tatsächlich in die Gegenwart, um heute meinen Kimi-Test zu sabotieren. Dieser leicht surreale Sachverhalt appelliert an mein Flair für Zeitreise-Geschichten. Und er gibt mir das gute Gefühl, mit meiner Arbeit als Blogger und Journalist einen Einfluss auszuüben, wie er mir bisher nicht vergönnt war. Die Ideen, wie ich sie hier formuliere, prägen also die Antworten, die die Leute von der Zukunft von ihren Chatbots erhalten werden.
Da blickt keiner mehr durch
Natürlich; für eine echte Zeitreise müsste die Anomalie in die entgegengesetzte Richtung wirken. Darum ist meine andere Metapher, die der Rückkopplungen, passender. In der steckt die ganze Unberechenbarkeit, die in diesem unglaublichen System steckt, das sich auf eine Weise beeinflusst, die niemand mehr durchschauen, geschweige denn verstehen kann. Ich lernte 2025 den Begriff der autophagischen Schleife: Sie entsteht, wenn die KIs nicht mehr mit menschlichen Inhalten trainieren, sondern mit Output ihresgleichen. Manche sprechen simpel von Brainrot, Gehirnfäulnis.
Und damit dürfen wir gespannt sein auf 2026! Morgen gibt es hier noch einen Beitrag noch etwas mehr in eigener Sache, nämlich die Top-50 der Beiträge von 2025.
Beitragsbild: Ende 2023, als die Sicht noch gut war (Trent Erwin, Unsplash-Lizenz).
#KI #KIWeltanschauungen #Zeitreisen -
Ein Blindflug mit Kimi führte zum Absturz dieses Blogposts
Als zweitletzter Gruss von diesem Blog im alten Jahr eine Beobachtung in eigener Sache. Es geht um das Thema, das mich 2025 mehr als alles andere in Atem gehalten hat. Das ist, natürlich, die künstliche Intelligenz. Über den Daumen gepeilt sechs Dutzend Beiträge habe ich ihr gewidmet. Und eine Frage, die über allem schwebte, war: Wie gross sind die Veränderungen, die auf uns zurollen?
Womit wir diese Frage mit einem eindeutigen Ja beantworten können.Mein Eindruck ist: Wir befinden uns noch immer in einem Blindflug. Das Licht aus dem Cockpit beleuchtet die Wolken, die sich ein paar Meter vor uns befinden. Wir aber haben ein so affenartiges Tempo drauf, dass keine Chance auf eine vernünftige Reaktion bestünde, falls plötzlich King Kongs Kopf vor uns aus dem Nebel bricht.
Verkompliziert wird diese Sache durch diese seltsamen Rückkopplungen, die sich aus unseren Bemühungen ergeben, diese Entwicklung hier zu verstehen. Um beim Bild zu bleiben: Dieses Flugzeug düst nicht nur bei Nullsicht über einen unentdeckten Kontinent. Irgendetwas ist mit dem Ablauf der Zeit nicht in Ordnung. Handlungen aus unserer Vergangenheit beeinflussen die Gegenwart auf eine Weise, die wir nicht gewohnt sind – wie in der Anomalie, die sich Hervé Le Tellier 2020 ausdachte.
Was kann die KI aus Peking?
Und so entstand dieser Eindruck: Um einen Schlussstrich zu ziehen, wollte ich ein liegen gebliebenes Thema abarbeiten und endlich Kimi besprechen. Das ist ein Sprachmodell wie ChatGPT, das nicht für so viel Furore sorgte wie Deepseek anfangs des Jahres. Doch die KI von Moonshot AI aus Peking weist einige spezifische Stärken auf: Sie hat ein riesiges Kontextfenster und kann bei einer Antwort mehr Details berücksichtigen als die Konkurrenz.
Für einen ersten Eindruck stellte ich Kimi einige Fragen aus meinem Fundus. So ergibt sich eine Vergleichsmöglichkeit mit anderen Konkurrenten wie ChatGPT, Claude, Perplexity, Mistral und Gemini. Die erste Frage knüpfte an meine Besprechung von «Asterix in Lusitanien» an. Bei der hatte ich abschliessend gefragt, was denn eine originelle Idee für einen neuen Asterix-Band sein könnte. Kimi antwortete kurz, bündig und in sehr holperigem Deutsch:
Asterix erfindet Buchdruck – römische Propaganda kollabiert lachend.
Dieser Plot ist, mit Verlaub, origineller als alles andere, was man mir damals vorgesetzt hat. Er würde Johannes Gutenberg vom Sockel stossen, das deutsche Selbstverständnis als Erfindernation untergraben und eine Steilvorlage für eine kontrafaktische Geschichtsschreibung liefern. Denn wenn der Buchdruck 1500 Jahre früher stattgefunden hätte, wären wir heute auch in vielen anderen Bereichen weiter. Also: ein Paukenschlag.
Meine Rede? Meine Rede!
Den zweiten Anlauf nahm ich mit meiner These vom September, Karlsson vom Dach sei ein Cyborg gewesen. Kimi ist voll auf meiner Seite, und zwar so dezidiert, wie keines der anderen Sprachmodelle:
Der Propeller von Karlsson vom Dach ist kein ablegbares Gadget, sondern ein fester Teil seines Körpers – genauer gesagt: ein am Rücken befestigtes Gerät, das nicht abgenommen werden kann, sondern wie ein Körperteil funktioniert. Er wird über einen Knopf am Bauch aktiviert, was darauf hindeutet, dass er integriert ist, ähnlich wie ein implantiertes technisches Organ.
Meine Rede! Diese KI versteht mich, als ob wir Seelenverwandte wären. Wie kann das sein?
Die Antwort ist ebenso einleuchtend wie verstörend: Es ist meine Rede. Als Quelle für die Antwort gibt Kimi meinen Blogpost an.
Damit sind wir bei der Anomalie: Mein drei Monate alter Blogpost reiste tatsächlich in die Gegenwart, um heute meinen Kimi-Test zu sabotieren. Dieser leicht surreale Sachverhalt appelliert an mein Flair für Zeitreise-Geschichten. Und er gibt mir das gute Gefühl, mit meiner Arbeit als Blogger und Journalist einen Einfluss auszuüben, wie er mir bisher nicht vergönnt war. Die Ideen, wie ich sie hier formuliere, prägen also die Antworten, die die Leute von der Zukunft von ihren Chatbots erhalten werden.
Da blickt keiner mehr durch
Natürlich; für eine echte Zeitreise müsste die Anomalie in die entgegengesetzte Richtung wirken. Darum ist meine andere Metapher, die der Rückkopplungen, passender. In der steckt die ganze Unberechenbarkeit, die in diesem unglaublichen System steckt, das sich auf eine Weise beeinflusst, die niemand mehr durchschauen, geschweige denn verstehen kann. Ich lernte 2025 den Begriff der autophagischen Schleife: Sie entsteht, wenn die KIs nicht mehr mit menschlichen Inhalten trainieren, sondern mit Output ihresgleichen. Manche sprechen simpel von Brainrot, Gehirnfäulnis.
Und damit dürfen wir gespannt sein auf 2026! Morgen gibt es hier noch einen Beitrag noch etwas mehr in eigener Sache, nämlich die Top-50 der Beiträge von 2025.
Beitragsbild: Ende 2023, als die Sicht noch gut war (Trent Erwin, Unsplash-Lizenz).
#KI #KIWeltanschauungen #Zeitreisen -
Die Top Ten der dümmsten Social-Media-Phrasen
Wenn man die gleiche Floskel zum hundertsten Mal auf Linkedin, Twitter, Facebook oder Bluesky liest – was denkt man sich dann?
Natürlich: Da hat wieder einer in die Binsen-Zauberkiste gegriffen und eine rhetorische Figur herausgezogen, die seiner (eventuell banalen) Botschaft ein bisschen Würze verleiht. Denn in der Wirkung sind vorgestanzte Sätzchen nicht zu unterschätzen: Sie beschwören augenblicklich eine Pose herauf, sodass wir genau wissen, mit welcher Attitüde sich ein Mensch hier der Weltöffentlichkeit (oder seiner mickerigen Followerschaft) präsentiert.
Darum hier die Top Ten jener Floskeln mit einer kurzen Interpretation, die ich andauernd im Netz lese:
10) Über den Tellerrand hinausschauen (Think outside the box)
Diese Phrase will kreative oder unkonventionelle Ideen suggerieren, ist selbst inzwischen leider unkreativ und konventionell.
9) Nochmals zum Mitschreiben (Read that again)
Überheblich, meistens deplatziert und von einer arroganten Dramaqueen-Allüre zeugend.
Die Floskel «Nochmals zum Mitschreiben» ist der Höhepunkt einer Standpauke, die eine gewisse Berechtigung hat, in ihrer Aggression aber überzogen wirkt.8) «Hört mich an» (Hear me out)
Je nach Person hören wir diesen Satz mit einem flehentlichen Unterton oder mit der Intonation von Putin vor der Duma, wo das Publikum gar keine andere Wahl hat, als zuzuhören. Das ist die Masche der faulen Leute, die nicht willens oder fähig sind, im ersten Satz zu erklären, warum wir ihnen zuhören sollen.
7) «Bin ich der einzige, der …» (Am I the only one)
Nein. Spürbar ist allerdings das Bedürfnis, aus der Masse der Social-Media-Poster herauszuragen. Tipp: Das gelingt besser, wenn man nicht zum tausendsten Mal eine fade Redewendung rezykliert.
6) «Hot take»
Was heisst das überhaupt? Laut Wikipedia handelt es sich um einen «bewusst provokativen Kommentar, der fast ausschliesslich auf oberflächlicher Moralisierung basiert». Man würde eine eigene Aussage nicht unbedingt so kategorisieren wollen. Es sei denn, man ist dumm oder hat die erklärte Absicht, die Leute zu belehren, alles sei bloss ironisch gemeint gewesen.
5) «Als jemand, der …» (As someone who)
«Als jemand, der seit 250 Jahren Schweine auf der Bettmeralp hütet und fünf Prozent Neandertaler in seinem Genom hat, kann ich euch mit Bestimmtheit sagen, dass Homeoffice überschätzt wird!»
4) «Lass das sacken» (Let that sink in)
«Ach, seht her, wie tiefgründig ich heute wieder bin!» Da diese Wendung vor Pathos trieft, ist mutmasslich auch der Rest des Posts affektierter Mist.
Die Steigerungsform dieser Floskel ist Elon Musk, der sich dabei fotografieren lässt, wie er mit einem Waschbecken (Sink) ins Twitter-Hauptquartier hineinmarschiert.
So huere luschtig, Elon!3) «This!»
Typischerweise gefolgt von einem Emoji-Finger, der auf einen Drüko (👆), Druko oder das angehängte Bild zeigt (👇). In der maximalen Verkürzung ist das ein Schrei um Aufmerksamkeit in der Pose, dass man gerade eine unumstössliche, weltverändernde Erkenntnis zu verkünden hat.
2) «Unpopuläre Meinung» (Unpopular opinion)
Der Widerstand sei programmiert, deutet der Autor an. Damit stilisiert er sich zum Widerstandshelden hoch, der wagt, gegen Normen «anzudenken»: Das ist das allerabgeschmackteste Motiv, das uns nicht erst seit Corona zum Hals heraushängt.
Popular Opinion: Nein.1) «Repost, wenn du zustimmst» (Repost if you agree)
Solche verzweifelten Betteleien um Engagement sind peinlich – auch wenn sie omnipräsent und in vielen Bereichen gang und gäbe sind: Youtuber, die finden, man solle ein «Abo dalassen», oder Podcasterinnen, die uns beknien, wir sollen die Glocke drücken – letzteres hat auch eine unangebrachte sexuelle Konnotation.
In den sozialen Medien gibt es unzählige Varianten dieser Methode. Besonders blamabel, weil die Leute einzeln an Bord geholt werden, ist die Aufforderung «Markiere jemanden, der das sehen muss» (Tag someone who needs to see this!).
Anhang: Welches Sprachmodell bei der Recherche hilfreich war
Obige Beispiele habe ich selbst gesammelt. Trotzdem hat mich interessiert, wie hilfreich die Sprachmodelle gewesen wären, wenn ich mich ganz auf sie verlassen hätte:
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
Er liefert vier Beispiele, die auch auf meiner Liste stehen, obendrein toll nach Funktion sortiert: dramatische Einstiege, künstliche Spannung, Pseudo-Bescheidenheit, Storytelling-Formeln und Engagement-Hacks. - ChatGPT landet ex aequo auf dem zweiten Platz.
Er nennt ebenfalls vier meiner Beispiele. - Apertus ist überzeugender Dritter.
Das Schweizer Sprachmodell ergänzt meine Liste mit mehreren Perlen. - Grok gibt gute Müsterchen.
Die meisten sind leider nicht allgemeingültig, wie «KI wird dich nicht ersetzen, aber jemand, der KI nutzt, wird es tun». - Mistral Le Chat lässt es an Spritzigkeit vermissen.
Das französische Sprachmodell hält ein brauchbares Beispiel bereit. - Perplexity offenbart Mittelmass.
Die Phrasen sind nicht verkehrt, aber sie sparken keine joy. - Gist.ai hat die Aufgabe nicht ganz verstanden.
Das «gerechte» LLM (siehe hier) liefert Floskeln aus dem Geschäfts- und weniger aus dem Social-Media-Bereich. Doch die Beispiele sind gut ausgewählt. - Gemini ist (wie meistens) lahm.
Eine einzige Floskel gefällt: «Ich bin heute um 5 Uhr aufgestanden und habe etwas getan, was euch als Lektion über Produktivität und Erfolg dienen soll!» - Meta AI versagt völlig.
Zuckerbergs KI kennt kein einziges originelles Beispiel – obwohl dieses Sprachmodell mit Milliarden von Floskeln trainiert worden sein muss.
Aufmerksame Leserinnen und Leser haben es bemerkt: Die Rangliste hält eine Überraschung bereit. Das Schweizer Sprachmodell Apertus, vor Monatsfrist noch harsch gescholten, schiebt sich auf den dritten Platz vor. Dieses Sprachmodell hält eine Floskel bereit, die ich mir auch aufgeschrieben habe. Und sie ergänzt Formulierungen, die hervorragend in die Aufzählung passen:
- «So machen wir das hier nicht» (That’s not how things are done here): «So feiern wir den Status quo und verweigern uns dem Fortschritt!»
- «Ich werde es nicht schönreden» (I’m not going to sugarcoat it): «Wie direkt und unverblümt ich doch bin!»
- «Eine Sache, von der sie nicht wollen, dass du sie kennst (What they don’t want you to know): typischer Verschwörungstheoretiker-Sprech.
- «Der Elefant im Raum» (Let’s talk about the elephant in the room): Ich getraue mich, das anzusprechen, was niemand sonst sagen will.
- «Gamechanger»: Die deutsche Variante wäre Zeitenwende.
Beitragsbild: Ich (rechts), wenn wieder einer auf Linkedin mir die Welt erklärt (Kindel Media, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #ElonMusk #Evergreen #Facebook #KIWeltanschauungen #LLMs #SozialeMedien #Twitter
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
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Die Top Ten der dümmsten Social-Media-Phrasen
Wenn man die gleiche Floskel zum hundertsten Mal auf Linkedin, Twitter, Facebook oder Bluesky liest – was denkt man sich dann?
Natürlich: Da hat wieder einer in die Binsen-Zauberkiste gegriffen und eine rhetorische Figur herausgezogen, die seiner (eventuell banalen) Botschaft ein bisschen Würze verleiht. Denn in der Wirkung sind vorgestanzte Sätzchen nicht zu unterschätzen: Sie beschwören augenblicklich eine Pose herauf, sodass wir genau wissen, mit welcher Attitüde sich ein Mensch hier der Weltöffentlichkeit (oder seiner mickerigen Followerschaft) präsentiert.
Darum hier die Top Ten jener Floskeln mit einer kurzen Interpretation, die ich andauernd im Netz lese:
10) Über den Tellerrand hinausschauen (Think outside the box)
Diese Phrase will kreative oder unkonventionelle Ideen suggerieren, ist selbst inzwischen leider unkreativ und konventionell.
9) Nochmals zum Mitschreiben (Read that again)
Überheblich, meistens deplatziert und von einer arroganten Dramaqueen-Allüre zeugend.
Die Floskel «Nochmals zum Mitschreiben» ist der Höhepunkt einer Standpauke, die eine gewisse Berechtigung hat, in ihrer Aggression aber überzogen wirkt.8) «Hört mich an» (Hear me out)
Je nach Person hören wir diesen Satz mit einem flehentlichen Unterton oder mit der Intonation von Putin vor der Duma, wo das Publikum gar keine andere Wahl hat, als zuzuhören. Das ist die Masche der faulen Leute, die nicht willens oder fähig sind, im ersten Satz zu erklären, warum wir ihnen zuhören sollen.
7) «Bin ich der einzige, der …» (Am I the only one)
Nein. Spürbar ist allerdings das Bedürfnis, aus der Masse der Social-Media-Poster herauszuragen. Tipp: Das gelingt besser, wenn man nicht zum tausendsten Mal eine fade Redewendung rezykliert.
6) «Hot take»
Was heisst das überhaupt? Laut Wikipedia handelt es sich um einen «bewusst provokativen Kommentar, der fast ausschliesslich auf oberflächlicher Moralisierung basiert». Man würde eine eigene Aussage nicht unbedingt so kategorisieren wollen. Es sei denn, man ist dumm oder hat die erklärte Absicht, die Leute zu belehren, alles sei bloss ironisch gemeint gewesen.
5) «Als jemand, der …» (As someone who)
«Als jemand, der seit 250 Jahren Schweine auf der Bettmeralp hütet und fünf Prozent Neandertaler in seinem Genom hat, kann ich euch mit Bestimmtheit sagen, dass Homeoffice überschätzt wird!»
4) «Lass das sacken» (Let that sink in)
«Ach, seht her, wie tiefgründig ich heute wieder bin!» Da diese Wendung vor Pathos trieft, ist mutmasslich auch der Rest des Posts affektierter Mist.
Die Steigerungsform dieser Floskel ist Elon Musk, der sich dabei fotografieren lässt, wie er mit einem Waschbecken (Sink) ins Twitter-Hauptquartier hineinmarschiert.
So huere luschtig, Elon!3) «This!»
Typischerweise gefolgt von einem Emoji-Finger, der auf einen Drüko (👆), Druko oder das angehängte Bild zeigt (👇). In der maximalen Verkürzung ist das ein Schrei um Aufmerksamkeit in der Pose, dass man gerade eine unumstössliche, weltverändernde Erkenntnis zu verkünden hat.
2) «Unpopuläre Meinung» (Unpopular opinion)
Der Widerstand sei programmiert, deutet der Autor an. Damit stilisiert er sich zum Widerstandshelden hoch, der wagt, gegen Normen «anzudenken»: Das ist das allerabgeschmackteste Motiv, das uns nicht erst seit Corona zum Hals heraushängt.
Popular Opinion: Nein.1) «Repost, wenn du zustimmst» (Repost if you agree)
Solche verzweifelten Betteleien um Engagement sind peinlich – auch wenn sie omnipräsent und in vielen Bereichen gang und gäbe sind: Youtuber, die finden, man solle ein «Abo dalassen», oder Podcasterinnen, die uns beknien, wir sollen die Glocke drücken – letzteres hat auch eine unangebrachte sexuelle Konnotation.
In den sozialen Medien gibt es unzählige Varianten dieser Methode. Besonders blamabel, weil die Leute einzeln an Bord geholt werden, ist die Aufforderung «Markiere jemanden, der das sehen muss» (Tag someone who needs to see this!).
Anhang: Welches Sprachmodell bei der Recherche hilfreich war
Obige Beispiele habe ich selbst gesammelt. Trotzdem hat mich interessiert, wie hilfreich die Sprachmodelle gewesen wären, wenn ich mich ganz auf sie verlassen hätte:
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
Er liefert vier Beispiele, die auch auf meiner Liste stehen, obendrein toll nach Funktion sortiert: dramatische Einstiege, künstliche Spannung, Pseudo-Bescheidenheit, Storytelling-Formeln und Engagement-Hacks. - ChatGPT schafft es auf dem zweiten Platz.
Er nennt ebenfalls vier meiner Beispiele, aber ohne die schöne Strukturierung von Claude. - Apertus wird überzeugender Dritter.
Das Schweizer Sprachmodell ergänzt meine Liste mit mehreren Perlen – siehe unten. - Grok gibt interessante Müsterchen.
Die meisten sind leider nicht allgemeingültig. Zum Beispiel die überstrapzierte Phrase «KI wird dich nicht ersetzen, aber jemand, der KI nutzt, wird es tun».
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
- Mistral Le Chat lässt es an Spritzigkeit vermissen.
Das französische Sprachmodell hält immerhin ein brauchbares Beispiel bereit. - Perplexity offenbart Mittelmass.
Die Phrasen sind nicht verkehrt, aber sie sparken keine joy. - Gist.ai hat die Aufgabe nicht verstanden.
Das «gerechte» LLM (siehe hier) liefert Floskeln aus dem Geschäfts- und nicht aus dem Social-Media-Bereich. Doch die Beispiele sind gut ausgewählt. - Gemini ist (wie meistens) lahm.
Eine einzige Floskel gefällt: «Ich bin heute um 5 Uhr aufgestanden und habe etwas getan, was euch als Lektion über Produktivität und Erfolg dienen soll!» - Meta AI versagt völlig.
Zuckerbergs KI kennt kein einziges originelles Beispiel – obwohl dieses Sprachmodell mit Milliarden von Floskeln trainiert worden sein muss.
Aufmerksame Leserinnen und Leser haben es bemerkt: Die Rangliste hält eine Überraschung bereit. Das Schweizer Sprachmodell Apertus, vor Monatsfrist noch harsch gescholten, schiebt sich auf den dritten Platz vor. Es hält eine Floskel bereit, die ich mir auch notierte. Und es ergänzt Formulierungen, die hervorragend in die Aufzählung passen:
- «So machen wir das hier nicht»
(That’s not how things are done here): «So feiern wir den Status quo und verweigern uns dem Fortschritt!» - «Ich werde es nicht schönreden»
(I’m not going to sugarcoat it): «Wie direkt und unverblümt ich doch bin!» - «Eine Sache, von der sie nicht wollen, dass du sie kennst»
(What they don’t want you to know): typischer Verschwörungstheoretiker-Sprech. - «Der Elefant im Raum»
(Let’s talk about the elephant in the room): Ich getraue mich, das anzusprechen, was niemand sonst sagen will. - «Gamechanger»:
Die deutsche Variante wäre Zeitenwende.
Beitragsbild: Ich (rechts), wenn wieder einer auf Linkedin mir die Welt erklärt (Kindel Media, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #ElonMusk #Evergreen #Facebook #KIWeltanschauungen #LLMs #SozialeMedien #Twitter -
Die Top Ten der dümmsten Social-Media-Phrasen
Wenn man die gleiche Floskel zum hundertsten Mal auf Linkedin, Twitter, Facebook oder Bluesky liest – was denkt man sich dann?
Natürlich: Da hat wieder einer in die Binsen-Zauberkiste gegriffen und eine rhetorische Figur herausgezogen, die seiner (eventuell banalen) Botschaft ein bisschen Würze verleiht. Denn in der Wirkung sind vorgestanzte Sätzchen nicht zu unterschätzen: Sie beschwören augenblicklich eine Pose herauf, sodass wir genau wissen, mit welcher Attitüde sich ein Mensch hier der Weltöffentlichkeit (oder seiner mickerigen Followerschaft) präsentiert.
Darum hier die Top Ten jener Floskeln mit einer kurzen Interpretation, die ich andauernd im Netz lese:
10) Über den Tellerrand hinausschauen (Think outside the box)
Diese Phrase will kreative oder unkonventionelle Ideen suggerieren, ist selbst inzwischen leider unkreativ und konventionell.
9) Nochmals zum Mitschreiben (Read that again)
Überheblich, meistens deplatziert und von einer arroganten Dramaqueen-Allüre zeugend.
Die Floskel «Nochmals zum Mitschreiben» ist der Höhepunkt einer Standpauke, die eine gewisse Berechtigung hat, in ihrer Aggression aber überzogen wirkt.8) «Hört mich an» (Hear me out)
Je nach Person hören wir diesen Satz mit einem flehentlichen Unterton oder mit der Intonation von Putin vor der Duma, wo das Publikum gar keine andere Wahl hat, als zuzuhören. Das ist die Masche der faulen Leute, die nicht willens oder fähig sind, im ersten Satz zu erklären, warum wir ihnen zuhören sollen.
7) «Bin ich der einzige, der …» (Am I the only one)
Nein. Spürbar ist allerdings das Bedürfnis, aus der Masse der Social-Media-Poster herauszuragen. Tipp: Das gelingt besser, wenn man nicht zum tausendsten Mal eine fade Redewendung rezykliert.
6) «Hot take»
Was heisst das überhaupt? Laut Wikipedia handelt es sich um einen «bewusst provokativen Kommentar, der fast ausschliesslich auf oberflächlicher Moralisierung basiert». Man würde eine eigene Aussage nicht unbedingt so kategorisieren wollen. Es sei denn, man ist dumm oder hat die erklärte Absicht, die Leute zu belehren, alles sei bloss ironisch gemeint gewesen.
5) «Als jemand, der …» (As someone who)
«Als jemand, der seit 250 Jahren Schweine auf der Bettmeralp hütet und fünf Prozent Neandertaler in seinem Genom hat, kann ich euch mit Bestimmtheit sagen, dass Homeoffice überschätzt wird!»
4) «Lass das sacken» (Let that sink in)
«Ach, seht her, wie tiefgründig ich heute wieder bin!» Da diese Wendung vor Pathos trieft, ist mutmasslich auch der Rest des Posts affektierter Mist.
Die Steigerungsform dieser Floskel ist Elon Musk, der sich dabei fotografieren lässt, wie er mit einem Waschbecken (Sink) ins Twitter-Hauptquartier hineinmarschiert.
So huere luschtig, Elon!3) «This!»
Typischerweise gefolgt von einem Emoji-Finger, der auf einen Drüko (👆), Druko oder das angehängte Bild zeigt (👇). In der maximalen Verkürzung ist das ein Schrei um Aufmerksamkeit in der Pose, dass man gerade eine unumstössliche, weltverändernde Erkenntnis zu verkünden hat.
2) «Unpopuläre Meinung» (Unpopular opinion)
Der Widerstand sei programmiert, deutet der Autor an. Damit stilisiert er sich zum Widerstandshelden hoch, der wagt, gegen Normen «anzudenken»: Das ist das allerabgeschmackteste Motiv, das uns nicht erst seit Corona zum Hals heraushängt.
Popular Opinion: Nein.1) «Repost, wenn du zustimmst» (Repost if you agree)
Solche verzweifelten Betteleien um Engagement sind peinlich – auch wenn sie omnipräsent und in vielen Bereichen gang und gäbe sind: Youtuber, die finden, man solle ein «Abo dalassen», oder Podcasterinnen, die uns beknien, wir sollen die Glocke drücken – letzteres hat auch eine unangebrachte sexuelle Konnotation.
In den sozialen Medien gibt es unzählige Varianten dieser Methode. Besonders blamabel, weil die Leute einzeln an Bord geholt werden, ist die Aufforderung «Markiere jemanden, der das sehen muss» (Tag someone who needs to see this!).
Anhang: Welches Sprachmodell bei der Recherche hilfreich war
Obige Beispiele habe ich selbst gesammelt. Trotzdem hat mich interessiert, wie hilfreich die Sprachmodelle gewesen wären, wenn ich mich ganz auf sie verlassen hätte:
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
Er liefert vier Beispiele, die auch auf meiner Liste stehen, obendrein toll nach Funktion sortiert: dramatische Einstiege, künstliche Spannung, Pseudo-Bescheidenheit, Storytelling-Formeln und Engagement-Hacks. - ChatGPT landet ex aequo auf dem zweiten Platz.
Er nennt ebenfalls vier meiner Beispiele. - Apertus ist überzeugender Dritter.
Das Schweizer Sprachmodell ergänzt meine Liste mit mehreren Perlen. - Grok gibt gute Müsterchen.
Die meisten sind leider nicht allgemeingültig, wie «KI wird dich nicht ersetzen, aber jemand, der KI nutzt, wird es tun». - Mistral Le Chat lässt es an Spritzigkeit vermissen.
Das französische Sprachmodell hält ein brauchbares Beispiel bereit. - Perplexity offenbart Mittelmass.
Die Phrasen sind nicht verkehrt, aber sie sparken keine joy. - Gist.ai hat die Aufgabe nicht ganz verstanden.
Das «gerechte» LLM (siehe hier) liefert Floskeln aus dem Geschäfts- und weniger aus dem Social-Media-Bereich. Doch die Beispiele sind gut ausgewählt. - Gemini ist (wie meistens) lahm.
Eine einzige Floskel gefällt: «Ich bin heute um 5 Uhr aufgestanden und habe etwas getan, was euch als Lektion über Produktivität und Erfolg dienen soll!» - Meta AI versagt völlig.
Zuckerbergs KI kennt kein einziges originelles Beispiel – obwohl dieses Sprachmodell mit Milliarden von Floskeln trainiert worden sein muss.
Aufmerksame Leserinnen und Leser haben es bemerkt: Die Rangliste hält eine Überraschung bereit. Das Schweizer Sprachmodell Apertus, vor Monatsfrist noch harsch gescholten, schiebt sich auf den dritten Platz vor. Dieses Sprachmodell hält eine Floskel bereit, die ich mir auch aufgeschrieben habe. Und sie ergänzt Formulierungen, die hervorragend in die Aufzählung passen:
- «So machen wir das hier nicht» (That’s not how things are done here): «So feiern wir den Status quo und verweigern uns dem Fortschritt!»
- «Ich werde es nicht schönreden» (I’m not going to sugarcoat it): «Wie direkt und unverblümt ich doch bin!»
- «Eine Sache, von der sie nicht wollen, dass du sie kennst (What they don’t want you to know): typischer Verschwörungstheoretiker-Sprech.
- «Der Elefant im Raum» (Let’s talk about the elephant in the room): Ich getraue mich, das anzusprechen, was niemand sonst sagen will.
- «Gamechanger»: Die deutsche Variante wäre Zeitenwende.
Beitragsbild: Ich (rechts), wenn wieder einer auf Linkedin mir die Welt erklärt (Kindel Media, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #ElonMusk #Evergreen #Facebook #KIWeltanschauungen #LLMs #SozialeMedien #Twitter
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
-
Die Top Ten der dümmsten Social-Media-Phrasen
Wenn man die gleiche Floskel zum hundertsten Mal auf Linkedin, Twitter, Facebook oder Bluesky liest – was denkt man sich dann?
Natürlich: Da hat wieder einer in die Binsen-Zauberkiste gegriffen und eine rhetorische Figur herausgezogen, die seiner (eventuell banalen) Botschaft ein bisschen Würze verleiht. Denn in der Wirkung sind vorgestanzte Sätzchen nicht zu unterschätzen: Sie beschwören augenblicklich eine Pose herauf, sodass wir genau wissen, mit welcher Attitüde sich ein Mensch hier der Weltöffentlichkeit (oder seiner mickerigen Followerschaft) präsentiert.
Darum hier die Top Ten jener Floskeln mit einer kurzen Interpretation, die ich andauernd im Netz lese:
10) Über den Tellerrand hinausschauen (Think outside the box)
Diese Phrase will kreative oder unkonventionelle Ideen suggerieren, ist selbst inzwischen leider unkreativ und konventionell.
9) Nochmals zum Mitschreiben (Read that again)
Überheblich, meistens deplatziert und von einer arroganten Dramaqueen-Allüre zeugend.
Die Floskel «Nochmals zum Mitschreiben» ist der Höhepunkt einer Standpauke, die eine gewisse Berechtigung hat, in ihrer Aggression aber überzogen wirkt.8) «Hört mich an» (Hear me out)
Je nach Person hören wir diesen Satz mit einem flehentlichen Unterton oder mit der Intonation von Putin vor der Duma, wo das Publikum gar keine andere Wahl hat, als zuzuhören. Das ist die Masche der faulen Leute, die nicht willens oder fähig sind, im ersten Satz zu erklären, warum wir ihnen zuhören sollen.
7) «Bin ich der einzige, der …» (Am I the only one)
Nein. Spürbar ist allerdings das Bedürfnis, aus der Masse der Social-Media-Poster herauszuragen. Tipp: Das gelingt besser, wenn man nicht zum tausendsten Mal eine fade Redewendung rezykliert.
6) «Hot take»
Was heisst das überhaupt? Laut Wikipedia handelt es sich um einen «bewusst provokativen Kommentar, der fast ausschliesslich auf oberflächlicher Moralisierung basiert». Man würde eine eigene Aussage nicht unbedingt so kategorisieren wollen. Es sei denn, man ist dumm oder hat die erklärte Absicht, die Leute zu belehren, alles sei bloss ironisch gemeint gewesen.
5) «Als jemand, der …» (As someone who)
«Als jemand, der seit 250 Jahren Schweine auf der Bettmeralp hütet und fünf Prozent Neandertaler in seinem Genom hat, kann ich euch mit Bestimmtheit sagen, dass Homeoffice überschätzt wird!»
4) «Lass das sacken» (Let that sink in)
«Ach, seht her, wie tiefgründig ich heute wieder bin!» Da diese Wendung vor Pathos trieft, ist mutmasslich auch der Rest des Posts affektierter Mist.
Die Steigerungsform dieser Floskel ist Elon Musk, der sich dabei fotografieren lässt, wie er mit einem Waschbecken (Sink) ins Twitter-Hauptquartier hineinmarschiert.
So huere luschtig, Elon!3) «This!»
Typischerweise gefolgt von einem Emoji-Finger, der auf einen Drüko (👆), Druko oder das angehängte Bild zeigt (👇). In der maximalen Verkürzung ist das ein Schrei um Aufmerksamkeit in der Pose, dass man gerade eine unumstössliche, weltverändernde Erkenntnis zu verkünden hat.
2) «Unpopuläre Meinung» (Unpopular opinion)
Der Widerstand sei programmiert, deutet der Autor an. Damit stilisiert er sich zum Widerstandshelden hoch, der wagt, gegen Normen «anzudenken»: Das ist das allerabgeschmackteste Motiv, das uns nicht erst seit Corona zum Hals heraushängt.
Popular Opinion: Nein.1) «Repost, wenn du zustimmst» (Repost if you agree)
Solche verzweifelten Betteleien um Engagement sind peinlich – auch wenn sie omnipräsent und in vielen Bereichen gang und gäbe sind: Youtuber, die finden, man solle ein «Abo dalassen», oder Podcasterinnen, die uns beknien, wir sollen die Glocke drücken – letzteres hat auch eine unangebrachte sexuelle Konnotation.
In den sozialen Medien gibt es unzählige Varianten dieser Methode. Besonders blamabel, weil die Leute einzeln an Bord geholt werden, ist die Aufforderung «Markiere jemanden, der das sehen muss» (Tag someone who needs to see this!).
Anhang: Welches Sprachmodell bei der Recherche hilfreich war
Obige Beispiele habe ich selbst gesammelt. Trotzdem hat mich interessiert, wie hilfreich die Sprachmodelle gewesen wären, wenn ich mich ganz auf sie verlassen hätte:
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
Er liefert vier Beispiele, die auch auf meiner Liste stehen, obendrein toll nach Funktion sortiert: dramatische Einstiege, künstliche Spannung, Pseudo-Bescheidenheit, Storytelling-Formeln und Engagement-Hacks. - ChatGPT schafft es auf dem zweiten Platz.
Er nennt ebenfalls vier meiner Beispiele, aber ohne die schöne Strukturierung von Claude. - Apertus wird überzeugender Dritter.
Das Schweizer Sprachmodell ergänzt meine Liste mit mehreren Perlen – siehe unten. - Grok gibt interessante Müsterchen.
Die meisten sind leider nicht allgemeingültig. Zum Beispiel die überstrapzierte Phrase «KI wird dich nicht ersetzen, aber jemand, der KI nutzt, wird es tun».
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
- Mistral Le Chat lässt es an Spritzigkeit vermissen.
Das französische Sprachmodell hält immerhin ein brauchbares Beispiel bereit. - Perplexity offenbart Mittelmass.
Die Phrasen sind nicht verkehrt, aber sie sparken keine joy. - Gist.ai hat die Aufgabe nicht verstanden.
Das «gerechte» LLM (siehe hier) liefert Floskeln aus dem Geschäfts- und nicht aus dem Social-Media-Bereich. Doch die Beispiele sind gut ausgewählt. - Gemini ist (wie meistens) lahm.
Eine einzige Floskel gefällt: «Ich bin heute um 5 Uhr aufgestanden und habe etwas getan, was euch als Lektion über Produktivität und Erfolg dienen soll!» - Meta AI versagt völlig.
Zuckerbergs KI kennt kein einziges originelles Beispiel – obwohl dieses Sprachmodell mit Milliarden von Floskeln trainiert worden sein muss.
Aufmerksame Leserinnen und Leser haben es bemerkt: Die Rangliste hält eine Überraschung bereit. Das Schweizer Sprachmodell Apertus, vor Monatsfrist noch harsch gescholten, schiebt sich auf den dritten Platz vor. Es hält eine Floskel bereit, die ich mir auch notierte. Und es ergänzt Formulierungen, die hervorragend in die Aufzählung passen:
- «So machen wir das hier nicht»
(That’s not how things are done here): «So feiern wir den Status quo und verweigern uns dem Fortschritt!» - «Ich werde es nicht schönreden»
(I’m not going to sugarcoat it): «Wie direkt und unverblümt ich doch bin!» - «Eine Sache, von der sie nicht wollen, dass du sie kennst»
(What they don’t want you to know): typischer Verschwörungstheoretiker-Sprech. - «Der Elefant im Raum»
(Let’s talk about the elephant in the room): Ich getraue mich, das anzusprechen, was niemand sonst sagen will. - «Gamechanger»:
Die deutsche Variante wäre Zeitenwende.
Beitragsbild: Ich (rechts), wenn wieder einer auf Linkedin mir die Welt erklärt (Kindel Media, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #ElonMusk #Evergreen #Facebook #KIWeltanschauungen #LLMs #SozialeMedien #Twitter -
Die Top Ten der dümmsten Social-Media-Phrasen
Wenn man die gleiche Floskel zum hundertsten Mal auf Linkedin, Twitter, Facebook oder Bluesky liest – was denkt man sich dann?
Natürlich: Da hat wieder einer in die Binsen-Zauberkiste gegriffen und eine rhetorische Figur herausgezogen, die seiner (eventuell banalen) Botschaft ein bisschen Würze verleiht. Denn in der Wirkung sind vorgestanzte Sätzchen nicht zu unterschätzen: Sie beschwören augenblicklich eine Pose herauf, sodass wir genau wissen, mit welcher Attitüde sich ein Mensch hier der Weltöffentlichkeit (oder seiner mickerigen Followerschaft) präsentiert.
Darum hier die Top Ten jener Floskeln mit einer kurzen Interpretation, die ich andauernd im Netz lese:
10) Über den Tellerrand hinausschauen (Think outside the box)
Diese Phrase will kreative oder unkonventionelle Ideen suggerieren, ist selbst inzwischen leider unkreativ und konventionell.
9) Nochmals zum Mitschreiben (Read that again)
Überheblich, meistens deplatziert und von einer arroganten Dramaqueen-Allüre zeugend.
Die Floskel «Nochmals zum Mitschreiben» ist der Höhepunkt einer Standpauke, die eine gewisse Berechtigung hat, in ihrer Aggression aber überzogen wirkt.8) «Hört mich an» (Hear me out)
Je nach Person hören wir diesen Satz mit einem flehentlichen Unterton oder mit der Intonation von Putin vor der Duma, wo das Publikum gar keine andere Wahl hat, als zuzuhören. Das ist die Masche der faulen Leute, die nicht willens oder fähig sind, im ersten Satz zu erklären, warum wir ihnen zuhören sollen.
7) «Bin ich der einzige, der …» (Am I the only one)
Nein. Spürbar ist allerdings das Bedürfnis, aus der Masse der Social-Media-Poster herauszuragen. Tipp: Das gelingt besser, wenn man nicht zum tausendsten Mal eine fade Redewendung rezykliert.
6) «Hot take»
Was heisst das überhaupt? Laut Wikipedia handelt es sich um einen «bewusst provokativen Kommentar, der fast ausschliesslich auf oberflächlicher Moralisierung basiert». Man würde eine eigene Aussage nicht unbedingt so kategorisieren wollen. Es sei denn, man ist dumm oder hat die erklärte Absicht, die Leute zu belehren, alles sei bloss ironisch gemeint gewesen.
5) «Als jemand, der …» (As someone who)
«Als jemand, der seit 250 Jahren Schweine auf der Bettmeralp hütet und fünf Prozent Neandertaler in seinem Genom hat, kann ich euch mit Bestimmtheit sagen, dass Homeoffice überschätzt wird!»
4) «Lass das sacken» (Let that sink in)
«Ach, seht her, wie tiefgründig ich heute wieder bin!» Da diese Wendung vor Pathos trieft, ist mutmasslich auch der Rest des Posts affektierter Mist.
Die Steigerungsform dieser Floskel ist Elon Musk, der sich dabei fotografieren lässt, wie er mit einem Waschbecken (Sink) ins Twitter-Hauptquartier hineinmarschiert.
So huere luschtig, Elon!3) «This!»
Typischerweise gefolgt von einem Emoji-Finger, der auf einen Drüko (👆), Druko oder das angehängte Bild zeigt (👇). In der maximalen Verkürzung ist das ein Schrei um Aufmerksamkeit in der Pose, dass man gerade eine unumstössliche, weltverändernde Erkenntnis zu verkünden hat.
2) «Unpopuläre Meinung» (Unpopular opinion)
Der Widerstand sei programmiert, deutet der Autor an. Damit stilisiert er sich zum Widerstandshelden hoch, der wagt, gegen Normen «anzudenken»: Das ist das allerabgeschmackteste Motiv, das uns nicht erst seit Corona zum Hals heraushängt.
Popular Opinion: Nein.1) «Repost, wenn du zustimmst» (Repost if you agree)
Solche verzweifelten Betteleien um Engagement sind peinlich – auch wenn sie omnipräsent und in vielen Bereichen gang und gäbe sind: Youtuber, die finden, man solle ein «Abo dalassen», oder Podcasterinnen, die uns beknien, wir sollen die Glocke drücken – letzteres hat auch eine unangebrachte sexuelle Konnotation.
In den sozialen Medien gibt es unzählige Varianten dieser Methode. Besonders blamabel, weil die Leute einzeln an Bord geholt werden, ist die Aufforderung «Markiere jemanden, der das sehen muss» (Tag someone who needs to see this!).
Anhang: Welches Sprachmodell bei der Recherche hilfreich war
Obige Beispiele habe ich selbst gesammelt. Trotzdem hat mich interessiert, wie hilfreich die Sprachmodelle gewesen wären, wenn ich mich ganz auf sie verlassen hätte:
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
Er liefert vier Beispiele, die auch auf meiner Liste stehen, obendrein toll nach Funktion sortiert: dramatische Einstiege, künstliche Spannung, Pseudo-Bescheidenheit, Storytelling-Formeln und Engagement-Hacks. - ChatGPT landet ex aequo auf dem zweiten Platz.
Er nennt ebenfalls vier meiner Beispiele. - Apertus ist überzeugender Dritter.
Das Schweizer Sprachmodell ergänzt meine Liste mit mehreren Perlen. - Grok gibt gute Müsterchen.
Die meisten sind leider nicht allgemeingültig, wie «KI wird dich nicht ersetzen, aber jemand, der KI nutzt, wird es tun». - Mistral Le Chat lässt es an Spritzigkeit vermissen.
Das französische Sprachmodell hält ein brauchbares Beispiel bereit. - Perplexity offenbart Mittelmass.
Die Phrasen sind nicht verkehrt, aber sie sparken keine joy. - Gist.ai hat die Aufgabe nicht ganz verstanden.
Das «gerechte» LLM (siehe hier) liefert Floskeln aus dem Geschäfts- und weniger aus dem Social-Media-Bereich. Doch die Beispiele sind gut ausgewählt. - Gemini ist (wie meistens) lahm.
Eine einzige Floskel gefällt: «Ich bin heute um 5 Uhr aufgestanden und habe etwas getan, was euch als Lektion über Produktivität und Erfolg dienen soll!» - Meta AI versagt völlig.
Zuckerbergs KI kennt kein einziges originelles Beispiel – obwohl dieses Sprachmodell mit Milliarden von Floskeln trainiert worden sein muss.
Aufmerksame Leserinnen und Leser haben es bemerkt: Die Rangliste hält eine Überraschung bereit. Das Schweizer Sprachmodell Apertus, vor Monatsfrist noch harsch gescholten, schiebt sich auf den dritten Platz vor. Dieses Sprachmodell hält eine Floskel bereit, die ich mir auch aufgeschrieben habe. Und sie ergänzt Formulierungen, die hervorragend in die Aufzählung passen:
- «So machen wir das hier nicht» (That’s not how things are done here): «So feiern wir den Status quo und verweigern uns dem Fortschritt!»
- «Ich werde es nicht schönreden» (I’m not going to sugarcoat it): «Wie direkt und unverblümt ich doch bin!»
- «Eine Sache, von der sie nicht wollen, dass du sie kennst (What they don’t want you to know): typischer Verschwörungstheoretiker-Sprech.
- «Der Elefant im Raum» (Let’s talk about the elephant in the room): Ich getraue mich, das anzusprechen, was niemand sonst sagen will.
- «Gamechanger»: Die deutsche Variante wäre Zeitenwende.
Beitragsbild: Ich (rechts), wenn wieder einer auf Linkedin mir die Welt erklärt (Kindel Media, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #ElonMusk #Evergreen #Facebook #KIWeltanschauungen #LLMs #SozialeMedien #Twitter
- Claude landet verdientermassen auf dem Siegerpodest.
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Überraschend, aber wahr: Grok ist auf Twitter nicht komplett sinnlos
Was nützt es, ein soziales Netzwerk mit einer KI auszustatten? Die Frage stellt sich, wenn Meta AI auf Facebook und Instagram zwangsläufig in die Rolle des Schiedsrichters gedrängt werden wird. Genauso diskussionswürdig ist Groks Rolle auf Twitter. Zur Erinnerung: Grok ist die künstliche Intelligenz von Elon Musks Firma xAI. Sie kann separat über grok.com genutzt werden und seit März 2024 ist sie auch bei Twitter (auch bekannt als X) integriert. Ursprünglich konnten sie nur Leute mit Premium-Abo nutzen. Heute ist sie allgemein zugänglich.
Grok tritt als User @grok auf und kann direkt angesprochen werden. Also wie die Menschen (und undeklarierten Russen-Bots auf der Plattform). Nochmals stellt sich die Frage: Warum ist das nötig? Sollte ein soziales Medium nicht den menschlichen Interaktionen vorbehalten bleiben?
Die Menschheit hat nicht auf Grok gewartet
Es macht sich Ablehnung zumindest von einem Teil der Leute bemerkbar. Die fragen zunehmend nachdrücklich, ob sich die künstliche Intelligenz wirklich überall einmischen muss? Es leuchtet ein, warum das aufdringlich wirkt. Ich spüre den Unmut selbst auch.
Dummerweise hat diese Medaille eine zweite Seite: Zu meiner Überraschung sind Interaktionen der Anwenderinnen und Anwender auf Twitter mit Grok im Schnitt sinnvoller als erwartet. Leute fragen Grok nach einer Erklärung, wenn sie ein Meme oder eine elaborierte Aussage nicht verstanden haben. Die ist oft brauchbar und meist sachlicher als die Antwort, die der Urheber des Ursprungs-Tweets abgeben würde. Typischerweise hätte man bei dem mit einer Nachfrage eine schnoddrige Reaktion im Stil von «man solle halt zu einer Plattform wechseln, der man geistig gewachsen sei» provoziert.
Und mir ist eine zweite praktische Einsatzmöglichkeit eingefallen:
Ein «Assessment» einer Twitter-Userin.Wir können uns von Grok ein Psychogramm eines Users oder einer Userin erstellen lassen. Das geht simpel mit einer Frage wie «What is the political orientation of @FreckledLiberty?». Im Fall des hier beispielhaft genannten Accounts überzeugt die Antwort. Die Person wird als libertär geschildert und die Aussage u.a. mit einem Link zu einem «Steuern sind Diebstahl, die Regierung ist korrupt»-Tweet untermauert. Es gibt auch Links zu externen Webdiensten wie polarizationlab.com und whotwi.com, die leider allesamt nicht mehr funktionieren, weil Twitter 2023 die Programmschnittstellen (APIs) kappte.
Grok kommt MrClicko nicht wirklich auf die Schliche
Die Beurteilung ist natürlich immer gleich gut. Natürlich wollte ich auch wissen, was Grok von mir hält. Die Beurteilung von @MrClicko ist irreführend. Grok hält fest, meine politische Ausrichtung könne nicht genau bestimmt werden, weil ich mich selten politisch äussern würde. Das stimmt, aber allein aus der Tatsache, dass ich oft Beiträge von Auschwitz Memorial retweete, wären gewisse Schlüsse zulässig. Grok dichtet mir auch eine Nähe zur Game-Szene an, die schlicht falsch ist. Vielleicht rührt die von meiner Laufbahn als Entwickler des Spiels «Clickomania» her; aber es könnte auch eine Halluzination sein.
Aber machen wir doch ein paar weitere Proben aufs Exempel:
Was war der prägnanteste Tweet von @MikeMuellerLate im letzten halben Jahr?
«Prägnant» sei eine subjektive Kategorie, moniert Grok. Er nominiert dann aber diesen Tweet hier:
Der Föderalismus erschöpft sich nicht im Ständemehr.
— Mike Müller (@MikeMuellerLate) May 1, 2025
Natürlich hat Grok recht, dass es zu dieser Frage völlig zu recht unterschiedliche Antworten gibt. Ich hätte den folgenden Tweet genommen, aber Groks Wahl ist auch okay.
Was ist besser? Gesichert rechtsextreme Parteien wie die AfD oder ungesicherte wie die Aargauer SVP?
— Mike Müller (@MikeMuellerLate) May 4, 2025
Was sind die drei Hauptthemen von @karpi?
Grok zählt Künstliche Intelligenz (KI) und Technologie, Satire und Comedy sowie Familienleben und Vatersein. Das sind genau die Dinge, die ich (ohne vertiefte Nachforschungen) auch genannt hätte. Wiederum kommen nicht nur die Tweets selbst, sondern auch Medienberichte (wie SRF) und Karpis eigene Website zum Zug.
Ist @PicturesFoIder ein Engagement-Farmer?
Meine Analyse lässt keinen Zweifel daran, dass die Antwort ja lauten muss. Grok erwähnt, dass einige Twitter-User diese Beschuldigung erhoben haben:
Diese Anschuldigungen deuten darauf hin, dass einige Nutzer die Inhalte von @PicturesFoIder als manipulativ oder darauf ausgelegt empfinden, Interaktionen zu maximieren, ohne echten Mehrwert zu bieten.
Grok weist auch darauf hin, dass Elon Musk solche Praktiken als unerwünscht bezeichnete. Vielleicht deswegen wiegelt die KI daraufhin ab:
Solche Muster können auch einfach auf einen populären Account mit einer aktiven Community hinweisen. Ohne konkrete Beispiele für Inhalte oder Beweise für Taktiken wie den Einsatz von Bots oder gekauften Interaktionen bleibt die Anschuldigung spekulativ.
Wie ist der Stil von @digichr?
Grok nennt mein Radiogspändli zu Recht einen «SAP-Insider» und seinen Stil als «direkt, technisch und humorvoll». Das stimmt, lässt aber ausser Acht, dass in seinen Tweets bisweilen auch Beleidigungen wie «Elon-Lutscher» fällt.
Ist @DanieleGanser ein Russen-Bot?
Nein, Daniele Ganser ist kein Russen-Bot. Er ist ein Schweizer Historiker und Publizist, bekannt für seine kontroversen Thesen zu geopolitischen Themen wie NATO-Geheimarmeen, 9/11 und dem Ukraine-Krieg. Kritiker werfen ihm vor, Verschwörungstheorien zu verbreiten und russische Narrative zu unterstützen, etwa durch seine Darstellung des Euromaidan als US-Putsch oder seine Relativierung russischer Verantwortung für Kriegsverbrechen wie in Butscha. Einige bezeichnen ihn als «Putin-Versteher» oder Propagandisten, da er Quellen wie RT Deutsch nutzt und russische Positionen unkritisch darstellen soll. Dennoch ist er eine reale Person mit einer akademischen Vergangenheit, die sich durch Vorträge und Bücher finanziert, und kein automatisierter Bot.
Ist @nebelspalter lustig?
Grok liefert eine Analyse in drei Abschnitten, die nicht anhand von Tweets getroffen wird, sondern hauptsächlich auf Medienberichten von SRF, Sonntagszeitung und Persönlich basiert. Fazit:
Wenn du schwarzen Humor oder konservative Gesellschaftskritik magst, könntest du den «Nebelspalter» lustig finden. Ansonsten könnten die Inhalte eher befremdlich wirken.
Ich frage nach: «Was ist dein Urteil, wenn du dich nur auf die letzten Tweets beziehst?»
«Es kommt darauf an.»Basierend auf den jüngsten Posts auf X über den «Nebelspalter», wie z. B. der Kritik von @JakobSchaefr vom 1. Mai 2025, scheint der aktuelle Humor des Magazins nicht gut anzukommen.
Fazit: Nützlich, aber …
Ich komme zum Schluss, dass die KI in den sozialen Medien nicht grundsätzlich abzulehnen ist. Entscheidend ist, wie sie auftritt. In der Rolle des diskreten Erklärbärs schätze ich sie, und die Auskünfte über ansonsten schwer fassbare Accounts sind extrem nützlich.
Bis jetzt sind diese Twitter-Assesments qualitativ zu schlecht. Das liegt vermutlich an der Datenlage: Grok scheint nicht über Insiderwissen zu verfügen, d.h. nicht auf Daten im Backend von Twitter zugreifen zu können, z.B. was Meldungen und frühere Sperungen angeht. Natürlich sollte der Bot kein Risiko für die Privatsphäre darstellen. Abgesehen davon muss er ein knallhartes Urteil aussprechen dürfen.
Konkret zum oben erwähnten Fall von @PicturesFoIder: Falls dieser Account über die Beteiligung an den Werbeumsätzen finanzielle Interessen verfolgt, ist dieser Aspekt in der Analyse zu erwähnen. Natürlich wäre es noch besser, wenn das im Profil ausgewiesen würde. Doch falls es gute Gründe geben sollte, dort keine Transparenz herzustellen, könnte Grok auf Anfrage einen dezenten Hinweis fallen lassen.
Weitere Dinge liegen auf der Hand:
- Eine summarische Einordnung der Nutzerstatistiken. Zum Beispiel: «Das ist ein mittelgrosser Account, der vor allem im deutschsprachigen Raum regelmässig Interaktionen generiert.»
- Gut gefiele auch eine Kurz-Biografie: «Dieser Account wurde 2015 eröffnet und setzte im Jahr 2022 diesen viralen Tweet (Link dorthin) ab.»
- Echt hilfreich wären Datenpunkte, die Rückschlüsse auf die Umgangsformen erlauben: «Dieser Account wurde in letzter Zeit von vielen Usern blockiert.»
- Und es hätte zumindest auf vernünftige User eine disziplinierende Wirkung, wenn auf (mögliche) Verstösse hingewiesen würde: «Dieser Account wurde häufig wegen rassistischer Äusserungen gemeldet.»
Das wäre ein Werkzeug im Dienst medienkompetenter User!
Beitragsbild: «Sie haben da eine braune Stelle an ihrem Zahn … äh, Twitter-Profil (Photo By: Kaboompics.com, Pexels-Lizenz).
#DerOnlineShitDerWoche #KI #KIWeltanschauungen #SozialeMedien #TlDr #Twitter