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#wundersamebahn — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #wundersamebahn, aggregated by home.social.

  1. Das amüsiert mich

    Mitleid! – FAZ verteidigt den armen Merz gegen die böse Merkel (inkl. Wundersame Bahn CCXLV)

    Mann gönnt sich ja sonst nichts. Wenn es für Linke in Deutschland schon lange nichts mehr zu lachen gibt – ausser hoffentlich in New York – dann gönnte ich mir bei meiner jüngsten Bahnreise wenigstens für 11 Mark eine gedruckte FAS, die ich einstmals achtete, als sie noch sonntags erschien, einen ernstzunehmenden Sportteil und ein interessantes Feuilleton hatte. Die Jüngeren können das nicht wissen, war ‘ne schöne Zeit.

    Zunächst die Bahn, ich mache es kurz. Es klappte alles. Samstag von Beuel nach Ehrenfeld und über Bonn Hbf. zurück. Abends ging hinter Troisdorf auf der richtigen Rheinseite nichts mehr, wg. der Jahrtausend-Baustelle S13 (= 5 Haltepunkte!). Pfingstsonntag nach Essen und zurück, nur 15 Minuten Verspätung bei der Rückreise im RE 5. Hier bewährte sich, dass Bonn von so vielen Fernverbindungen abgeschnitten wurde. Keine Überholung durch ICEs oder ICs. Das bedeutet: die Mehrheit der Fahrgäste (Pendler*innen und D-Ticket) kommen pünktlicher an = neue Erfahrung.

    Hat die neue Bahn-Bossin also rätselhafte Zauberkräfte? Auf diese Frage komme ich gleich unten zurück.

    Und nun zum Amüsement

    Wie immer war die gedruckte FAS die 11 Mark nicht wert. Aber ich lerne ja nicht. Und so bleibt mir nur das Amüsement mit Herrn Buchsteiner. Eine sehr gute Freundin beschrieb ihn mir vor Jahren als seriösen Linksliberalen. Ich verdächtige sie, mit ihm eine Affäre gehabt zu haben. Denn sein Text vom Wochenende belegt das Gegenteil.

    Doch vor dieser Sonntagslektüre lag der Samstagabend in einem empfehlenswerten georgischen Lokal in Köln-Ehrenfeld. Dort berichtete mir eine Freundin von Angela Merkels Auftritt bei der “re:publica”. Sie stimmte mit dem später von mir gelesenen Buchsteiner darin überein, dass die Mehrheit des Publikums die Dame nicht nur, wie ich, respektiert, sondern sie geradezu nostalgisch verehrt. Das ist, da stimme ich mit Freundin und Buchsteiner überein, völlig unangebracht.

    Zahlreiche Fragen könnten an Frau Merkel gestellt werden

    Warum hat sie – neben ihrem roten-Anorak-Foto-Auftritt – 16 Jahre lang keine aktivere Klimapolitik gemacht, so dass es so weit kommen konnte? Warum hat sie Schäuble gegen Griechenland so machen lassen, was “uns” in vielen europäischen Ländern verhasst machte? Und war es nicht Schäubles auch von Merkel religiös verehrte “schwarze Null”, die die Infrastruktur unserer Bahn und unserer Republik so aussehen lässt, wie sie aussieht?

    All diese Fragen wurden Frau Merkel nicht gestellt. Das macht die sinkenden Besucher*innen-Zahlen der re:publica berechtigt. Das sind aber nicht die Fragen des Buchsteiner. Für ihn ist sie ganzseitig “Die Schattenkanzlerin – Angela Merkel ist wieder da. Ihr Publikum genießt den unalarmistischen Ton, die Spitzen gegen den heutigen Kanzler – und ein vergangenes Lebensgefühl. Für Friedrich Merz ist das nicht ungefährlich.” Online (Paywall) sind der Redaktion wohl Bedenken gekommen. Dort heisst die Schlagzeile weniger spektakulär “Hat ihr Geist wieder Konjunktur?”.

    Die Kunst des Autors besteht darin, aus dem Begriff “Fingerspitzengefühl” eine Aggression zu machen. Ist das etwa nicht grosses Kino? Richtig beklagt er, dass Frau Merkel Formate wählt, in denen sie von Kritik nicht behelligt wird (ARD-Studioleiter z.B.). Das ist zweifellos richtig wahrgenommen, und wird in Buchsteiners und Merkels Business gewöhnlich als “Professionalität” klassifiziert. Aber das ist jetzt schon wieder eine typische Aggression gegen den bedauernswerten Merz …

    Als seriöser Autor schied der FAS-Herr in der ersten Spalte aus, als er behauptete, Merkel habe “den Klimaschutz über die ökonomische Selbstbehauptung” gestellt. Das Foto muss auf instabile Journalisten eine Zaubertrankwirkung gehabt haben.

    Ist Merkel also eine Druidin?

    Und nun setzt sie ihre Zauberkräfte sogar gegen die “Kriegstüchtigkeit” ein. Ist ihr Gerede von “Europas diplomatisches Potential” etwa irgendwas Anderes als Wehrkraftzersetzung und Merz-Demontage?

    Buchsteiner setzt seinen inhaltlichen Schluss in die Mitte: “Ihr vermeintlicher Pragmatismus verdeckt einen zersetzenden Kern.” (Bildsprache: der Zitierte). Ihren Einsatz für mehr “Regulierung” der asozialen Medien, sieht er J.D.-Vance-artig als “also weniger Redefreiheit”. “In Straßburg erlärte sie den Klimaschutz sogar zum eigentlichen Ziel wirtschaftlicher Prosperität.” Dä! Das kommt dabei raus, wenn mann eine Physikerin zur Bundeskanzlerin wählt. Schön wärs gewesen …

    Achtung: Verschwörungs-Pointe

    Merkels erster Regierungssprecher 2005-10 war Ulrich Wilhelm. Nach Zwischenstationen als Boss des Bayrischen Rundfunks 2011-21 und ARD-Vorsitzender 2018/19 ist er seit vier Jahren Boss der Fazit-Stiftung. Und der gehört die FAZ, also auch die humane Ressource des Herrn Buchsteiner. Ist seine Mitleidsproklamation für Merz also die superlative Gemeinheit? Oder ist der Autor ein Opfer der Hintertriebenheit von Merkel/Wilhelm?

    Denn er versteht offenbar fast nichts. Aber er kann originell. Merkel und Saskia Esken in einer Reihe: “Beide Frauen verkörpern vergleichsweise unbeschwerte Zeiten”. Der hat noch nicht einen Blick auf deren Mundwinkel geworfen. Solidarität mit den Blinden? Kann ich hier beim besten Willen nicht aufbringen. Nur Schadenfreude.

  2. Das amüsiert mich

    Mitleid! – FAZ verteidigt den armen Merz gegen die böse Merkel (inkl. Wundersame Bahn CCXLV)

    Mann gönnt sich ja sonst nichts. Wenn es für Linke in Deutschland schon lange nichts mehr zu lachen gibt – ausser hoffentlich in New York – dann gönnte ich mir bei meiner jüngsten Bahnreise wenigstens für 11 Mark eine gedruckte FAS, die ich einstmals achtete, als sie noch sonntags erschien, einen ernstzunehmenden Sportteil und ein interessantes Feuilleton hatte. Die Jüngeren können das nicht wissen, war ‘ne schöne Zeit.

    Zunächst die Bahn, ich mache es kurz. Es klappte alles. Samstag von Beuel nach Ehrenfeld und über Bonn Hbf. zurück. Abends ging hinter Troisdorf auf der richtigen Rheinseite nichts mehr, wg. der Jahrtausend-Baustelle S13 (= 5 Haltepunkte!). Pfingstsonntag nach Essen und zurück, nur 15 Minuten Verspätung bei der Rückreise im RE 5. Hier bewährte sich, dass Bonn von so vielen Fernverbindungen abgeschnitten wurde. Keine Überholung durch ICEs oder ICs. Das bedeutet: die Mehrheit der Fahrgäste (Pendler*innen und D-Ticket) kommen pünktlicher an = neue Erfahrung.

    Hat die neue Bahn-Bossin also rätselhafte Zauberkräfte? Auf diese Frage komme ich gleich unten zurück.

    Und nun zum Amüsement

    Wie immer war die gedruckte FAS die 11 Mark nicht wert. Aber ich lerne ja nicht. Und so bleibt mir nur das Amüsement mit Herrn Buchsteiner. Eine sehr gute Freundin beschrieb ihn mir vor Jahren als seriösen Linksliberalen. Ich verdächtige sie, mit ihm eine Affäre gehabt zu haben. Denn sein Text vom Wochenende belegt das Gegenteil.

    Doch vor dieser Sonntagslektüre lag der Samstagabend in einem empfehlenswerten georgischen Lokal in Köln-Ehrenfeld. Dort berichtete mir eine Freundin von Angela Merkels Auftritt bei der “re:publica”. Sie stimmte mit dem später von mir gelesenen Buchsteiner darin überein, dass die Mehrheit des Publikums die Dame nicht nur, wie ich, respektiert, sondern sie geradezu nostalgisch verehrt. Das ist, da stimme ich mit Freundin und Buchsteiner überein, völlig unangebracht.

    Zahlreiche Fragen könnten an Frau Merkel gestellt werden

    Warum hat sie – neben ihrem roten-Anorak-Foto-Auftritt – 16 Jahre lang keine aktivere Klimapolitik gemacht, so dass es so weit kommen konnte? Warum hat sie Schäuble gegen Griechenland so machen lassen, was “uns” in vielen europäischen Ländern verhasst machte? Und war es nicht Schäubles auch von Merkel religiös verehrte “schwarze Null”, die die Infrastruktur unserer Bahn und unserer Republik so aussehen lässt, wie sie aussieht?

    All diese Fragen wurden Frau Merkel nicht gestellt. Das macht die sinkenden Besucher*innen-Zahlen der re:publica berechtigt. Das sind aber nicht die Fragen des Buchsteiner. Für ihn ist sie ganzseitig “Die Schattenkanzlerin – Angela Merkel ist wieder da. Ihr Publikum genießt den unalarmistischen Ton, die Spitzen gegen den heutigen Kanzler – und ein vergangenes Lebensgefühl. Für Friedrich Merz ist das nicht ungefährlich.” Online (Paywall) sind der Redaktion wohl Bedenken gekommen. Dort heisst die Schlagzeile weniger spektakulär “Hat ihr Geist wieder Konjunktur?”.

    Die Kunst des Autors besteht darin, aus dem Begriff “Fingerspitzengefühl” eine Aggression zu machen. Ist das etwa nicht grosses Kino? Richtig beklagt er, dass Frau Merkel Formate wählt, in denen sie von Kritik nicht behelligt wird (ARD-Studioleiter z.B.). Das ist zweifellos richtig wahrgenommen, und wird in Buchsteiners und Merkels Business gewöhnlich als “Professionalität” klassifiziert. Aber das ist jetzt schon wieder eine typische Aggression gegen den bedauernswerten Merz …

    Als seriöser Autor schied der FAS-Herr in der ersten Spalte aus, als er behauptete, Merkel habe “den Klimaschutz über die ökonomische Selbstbehauptung” gestellt. Das Foto muss auf instabile Journalisten eine Zaubertrankwirkung gehabt haben.

    Ist Merkel also eine Druidin?

    Und nun setzt sie ihre Zauberkräfte sogar gegen die “Kriegstüchtigkeit” ein. Ist ihr Gerede von “Europas diplomatisches Potential” etwa irgendwas Anderes als Wehrkraftzersetzung und Merz-Demontage?

    Buchsteiner setzt seinen inhaltlichen Schluss in die Mitte: “Ihr vermeintlicher Pragmatismus verdeckt einen zersetzenden Kern.” (Bildsprache: der Zitierte). Ihren Einsatz für mehr “Regulierung” der asozialen Medien, sieht er J.D.-Vance-artig als “also weniger Redefreiheit”. “In Straßburg erlärte sie den Klimaschutz sogar zum eigentlichen Ziel wirtschaftlicher Prosperität.” Dä! Das kommt dabei raus, wenn mann eine Physikerin zur Bundeskanzlerin wählt. Schön wärs gewesen …

    Achtung: Verschwörungs-Pointe

    Merkels erster Regierungssprecher 2005-10 war Ulrich Wilhelm. Nach Zwischenstationen als Boss des Bayrischen Rundfunks 2011-21 und ARD-Vorsitzender 2018/19 ist er seit vier Jahren Boss der Fazit-Stiftung. Und der gehört die FAZ, also auch die humane Ressource des Herrn Buchsteiner. Ist seine Mitleidsproklamation für Merz also die superlative Gemeinheit? Oder ist der Autor ein Opfer der Hintertriebenheit von Merkel/Wilhelm?

    Denn er versteht offenbar fast nichts. Aber er kann originell. Merkel und Saskia Esken in einer Reihe: “Beide Frauen verkörpern vergleichsweise unbeschwerte Zeiten”. Der hat noch nicht einen Blick auf deren Mundwinkel geworfen. Solidarität mit den Blinden? Kann ich hier beim besten Willen nicht aufbringen. Nur Schadenfreude.

  3. “Verfassungsfeinde”

    Weiterer Schreck in der Morgenstunde durch Bruch meiner Mediendiät – Wundersame Bahn CCXLV

    Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Brandstifter nach der Feuerwehr ruft, das sprichwörtliche “Haltet den Dieb!” Wieder habe ich nach dem Aufwachen Radio gehört. Und da kam das raus. Dass sich den Namen von dem Mann noch keine*r merken kann, wurmt ihn und die “Funke-Mediengruppe” offenbar. Dabei ist das noch das Positivste, was ihn von seinen Amtsvorgängern unterscheidet.

    Der Begriff in obiger Schlagzeile ist das, was Jurist*inn*en nach meiner Kenntnis einen “unbestimmten Rechtsbegriff” nennen. Das ist für uns Nichtstudierte, was wir als “politische Propaganda” und als “Kampfbegriff” kennen. Er wurde in den 70er Jahren auf linke Postboten und Lokomotivführer, sowie zahlreiche Lehrer*innen angewandt, die alle als Nachfahren der 68er ins Arbeitsleben wechseln wollten. Da wollten sie die damals herrschenden Parteien aber nicht haben. Und das das Bundesverfassungsgericht entscheiden zu lassen, war ihnen zu kompliziert und ungewiss. Darum erfanden sie diesen Kampfbegriff.

    Für die gegenwärtige Debatte, in der Faschist*inn*en ihre “Normalisierung” längst wieder durchgedrückt haben, wird das hier problematisiert:

    Marek Winter/Jungle World: Prüf-Demos: Kein Freund und Helfer – Im Kampf gegen die extreme Rechte beziehen sich Antifaschistischen immer häufiger auf den Verfassungsschutz. Dass auf den nicht zu rechnen ist, zeigte nicht zuletzt der geheimdienstliche Umgang mit dem NSU. Auch an der Extremismusdoktrin, an der der Verfassungsschutz festhält, scheint sich kaum mehr jemand zu stoßen.”

    Angewandt auf diesen Fall meines Schrecks in der Morgenstunde bedarf es keines Inlandsgeheimdienstes, der sich mit einem politischen Kampfbegriff selbst zu schmücken versucht, sondern dafür genügt Wikipedia:

    Liste der deutschen Verkehrsminister

    Hier sind die politisch Verantwortlichen für den demokratiegefährdenden Zustand der deutschen Bahn vollständig aufgezählt. Gut, sie sind es nicht alleine. Die Aufsichtsratsmitglieder gehören auch dazu. Eine Liste ihrer Vorgänger*innen wäre sicher von weiterem Interesse. Wenn Sie so eine finden, ergänze ich die gerne.

    Das Verkehrsministerium als Vertretung des Anteilseigners ist aber die politische Stelle, die die Findung und Rekrutierung dieser Verantwortlichen steuert. Patrick Schnieder heisst der Boss davon heute. Keine Ahnung, ob mann sich den Namen merken muss …

  4. “Verfassungsfeinde”

    Weiterer Schreck in der Morgenstunde durch Bruch meiner Mediendiät – Wundersame Bahn CCXLV

    Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Brandstifter nach der Feuerwehr ruft, das sprichwörtliche “Haltet den Dieb!” Wieder habe ich nach dem Aufwachen Radio gehört. Und da kam das raus. Dass sich den Namen von dem Mann noch keine*r merken kann, wurmt ihn und die “Funke-Mediengruppe” offenbar. Dabei ist das noch das Positivste, was ihn von seinen Amtsvorgängern unterscheidet.

    Der Begriff in obiger Schlagzeile ist das, was Jurist*inn*en nach meiner Kenntnis einen “unbestimmten Rechtsbegriff” nennen. Das ist für uns Nichtstudierte, was wir als “politische Propaganda” und als “Kampfbegriff” kennen. Er wurde in den 70er Jahren auf linke Postboten und Lokomotivführer, sowie zahlreiche Lehrer*innen angewandt, die alle als Nachfahren der 68er ins Arbeitsleben wechseln wollten. Da wollten sie die damals herrschenden Parteien aber nicht haben. Und das das Bundesverfassungsgericht entscheiden zu lassen, war ihnen zu kompliziert und ungewiss. Darum erfanden sie diesen Kampfbegriff.

    Für die gegenwärtige Debatte, in der Faschist*inn*en ihre “Normalisierung” längst wieder durchgedrückt haben, wird das hier problematisiert:

    Marek Winter/Jungle World: Prüf-Demos: Kein Freund und Helfer – Im Kampf gegen die extreme Rechte beziehen sich Antifaschistischen immer häufiger auf den Verfassungsschutz. Dass auf den nicht zu rechnen ist, zeigte nicht zuletzt der geheimdienstliche Umgang mit dem NSU. Auch an der Extremismusdoktrin, an der der Verfassungsschutz festhält, scheint sich kaum mehr jemand zu stoßen.”

    Angewandt auf diesen Fall meines Schrecks in der Morgenstunde bedarf es keines Inlandsgeheimdienstes, der sich mit einem politischen Kampfbegriff selbst zu schmücken versucht, sondern dafür genügt Wikipedia:

    Liste der deutschen Verkehrsminister

    Hier sind die politisch Verantwortlichen für den demokratiegefährdenden Zustand der deutschen Bahn vollständig aufgezählt. Gut, sie sind es nicht alleine. Die Aufsichtsratsmitglieder gehören auch dazu. Eine Liste ihrer Vorgänger*innen wäre sicher von weiterem Interesse. Wenn Sie so eine finden, ergänze ich die gerne.

    Das Verkehrsministerium als Vertretung des Anteilseigners ist aber die politische Stelle, die die Findung und Rekrutierung dieser Verantwortlichen steuert. Patrick Schnieder heisst der Boss davon heute. Keine Ahnung, ob mann sich den Namen merken muss …

  5. Kameras retten nicht – nur Menschen

    Trauer um Serkan C. – Wundersame Bahn CCXLII

    Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Ich kriege immer zuviel, wenn ich mehr oder weniger prominente Nasen sehe, die sich vor Tagesschau-Kameras stellen, um Trauer zu demonstrieren (oder zu simulieren). Mehr Respekt habe ich vor solchen, die handeln. Dazu ein paar Vorschläge – wobei offenbleiben muss, ob sie diesen Mord/Totschlag/Unfall verhindert hätten. Kameras jedenfalls nicht.

    Kameras befriedigen das Voyeur-Interesse von Medien und Öffentlichkeit, und zwar immer, wenn es zu spät ist. Mit einer Ausnahme: wenn die Kamera in kürzester Frist/Distanz Hilfe auslöst. Dann verliert sie freilich den Spareffekt, für diesen Zweck wurde/wird sie installiert: menschliche Arbeitskraft ersetzen. Das rettet niemanden. Für Rettung muss ein Mensch die Kamerabilder sehen, erkennen und sofortige Hilfe durch echte Menschen auslösen. Das ist Personalaufwand, und nicht -ersparnis.

    Das ginge u.U. auch billiger, und zwar um den Betrag, den die Kamerainstallation kostet. Ich bin jetzt noch ein paar Tage 68. Ich habe noch die vielgescholtene Deutsche Bundesbahn erlebt, überwiegend in der West-BRD. Sie betrieb kleine und grosse Bahnhöfe.

    Wenn ich nur mal den hier in Beuel nehme, von dem einst Fernzüge nach ganz Europa verkehrten. Er hatte nicht nur Fahrkartenschalter, sondern auch Gepäckabfertigung, Bahnsteigaufsicht, Bahnhofsgaststätte, Kiosk, Stellwerk und individuelle Bahnsteigdurchsagen. Mann nennt es “Infrastruktur”. Die gab es in jeder Kleinstadt, so wie es dort Postämter gab, die auch ausserhalb der Landenöffenungszeiten mit echten Menschen besetzt waren.

    Und tja, es gab in den Zügen “Schaffner*innen”, und in der Regel nicht nur eine*n. Heute ziehen es die Betreffenden in überfüllten Nahverkehrszügen vor, sich in ihren Dienstkabinen unsichtbar zu machen, bis das Schlimmste vorbei ist. Dafür habe ich grösstes Verständnis – auch wenn es die Wut der Fahrgäste eher eskaliert als eindämmt.

    Ich selbst hatte in den letzten 25 Jahren zwei schwerwiegende Clashs mit Zugbegleitungen. Die Ältere, mit einem Zugbegleiter aus Rheinland-Pfalz, dem gleichen Zwergstaat in dem Serkan C. jetzt sein Leben verlor, im RE5 (Koblenz-Wesel/Emmerich), den zweiten 2017 in der Mittelrheinbahn (Köln-Deutz bis Koblenz/Bingen/Mainz), also ebenfalls sehr Rheinland-Pfalz.

    Ich bin erfahrener Pendler, und gut ausgebildet in sachlichem Argumentieren. So verliefen beide Konflikte ohne menschliche Schäden. Sie wurden sogar konstruktiv gelöst, wenn auch mit einigem nervlichen Aufwand. Die wenigsten Fahrgäste haben die Bahnkenntnis, die sie 250-teilige Serien publizieren und über 1.000 Folgen “Eisenbahnromantik”, die frevelhafterweise vom SWR (= Rheinland-Pfalz!) eingestellt wurden, betrachten lässt. Was wären nun mögliche Lösungen?

    1. Das Tarifsystem

    Das Tarifsystem der vielgescholtenen Deutschen Bundesbahn war nachvollziehbar und (für fast jede*n) verständlich. Digitalisierung gab es nicht. Herr Mehdorn und seine damalige Sündenziege Brunotte haben das Chaos ausgelöst, das die heutige Deutsche Bahn AG immer weiter auf die Spitze treibt. Die Fahrkarten waren aus Pappe und wurden von klobigen mechanischen Geräten in Sekundenschnelle an einem von Menschen besetzten Fahrkartenschalter ausgespuckt und von*m Schaffner*in mechanisch abgeknipst und entwertet. Der Clou: sogar das Nachlösen im Zug war möglich! Es kostete zunächst 3, später 5 MARK!

    2. Menschen an Bahnhöfen (und Monitoren)

    Rat, Hilfe, Rettung wird immer benötigt, überall, wo Menschen sind und aufeinandertreffen. Die Forderung von NRW-Verkehrsminister Krischer, dass Zugbegleitungen immer (mindestens) zu zweit besetzt werden sollen, allein schon zum Zwecke der “Eigensicherung”, ist richtig. Ob sein Wunsch nach mehr “Bundespolizei” durch einen Landespolitiker zielführend ist, ist dagegen eine offene Frage. Mitunter laufen in so manchem Hauptbahnhof mehr breitschultrige, skinheadartige Privat-Seciurities herum, die sich mit der Vertreibung von Obdachlosen beschäftigen, während nirgends mehr ein DB-Service(!)-Personal zu finden ist. Nur mal so als Beispiel: für Gehbehinderte, die in Beuel auf einen anderen Bahnsteig als den mit der 1 wollen.

    3. Ausbildung

    Nahezu gleichzeitig mit dem Mord/Totschlag/tödlichen Unfall von Serkan C. erschien diese lobens- und sehenswerte NDR-Doku, auf die ich sogleich hingewiesen habe. Wenn wir den Vorlauf eines solchen Filmes berücksichtigen, dann prophezeit dieser Film genau das, was nun passiert ist. Und die berechtigte Frage von immer mehr Menschen lautet absolut richtig: WARUM muss es erst so weit kommen? Die Politiker*innen wissen das genau – darum posieren sie ja so (s.o.). Die Mehrheit der Menschen verliert dagegen die Lust, noch an demokratischen Wahlen teilzunehmen.

    Hier also dieser Film:

    Heike Schieder, Sebastian Vesper, Desiree Marie Fehringer/NDR: Bus und Bahn: Die Angst fährt mit – Busse und Bahnen gelten als wichtige Verkehrsmittel der Zukunft, weil sie umwelt- und klimafreundlicher sind als Autos. Doch in den vergangenen Jahren ist es auch ungemütlicher geworden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Laut Statistiken haben Übergriffe und Gewaltdelikte zugenommen. Das bekommen besonders die Mitarbeitenden im ÖPNV zu spüren. Umfragen zeigen: Die Angst, verbal oder tätlich angegriffen zu werden, fährt mit.”  (Video 44 min: Red. Gabi Bauer, als die ARD-Tagesthemen noch sehenswert waren, 1997-2001, prä-Gniffke) 2 Jahre verfügbar.

    In diesem Film wird ein Selbstverteidigungs- und Deeskalationstraining demonstriert. Von dem befürchte ich, dass es eine intervenierende Sondermassnahme ist. Stattdessen gehört es in die Regelausbildung, nicht nur von Zugbegleitungen.

    Allgemein gilt: menschenleere Bahnhöfe sind Angsträume – Öffentlichkeit schützt.

    Ob Serkan C. unter solchen Umständen noch am Leben wäre, weiss ich selbstverständlich nicht. Gesünder für die Bahn, ihre Beschäftigten und Fahrgäste wäre es auf jeden Fall.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  6. Kameras retten nicht – nur Menschen

    Trauer um Serkan C. – Wundersame Bahn CCXLII

    Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Ich kriege immer zuviel, wenn ich mehr oder weniger prominente Nasen sehe, die sich vor Tagesschau-Kameras stellen, um Trauer zu demonstrieren (oder zu simulieren). Mehr Respekt habe ich vor solchen, die handeln. Dazu ein paar Vorschläge – wobei offenbleiben muss, ob sie diesen Mord/Totschlag/Unfall verhindert hätten. Kameras jedenfalls nicht.

    Kameras befriedigen das Voyeur-Interesse von Medien und Öffentlichkeit, und zwar immer, wenn es zu spät ist. Mit einer Ausnahme: wenn die Kamera in kürzester Frist/Distanz Hilfe auslöst. Dann verliert sie freilich den Spareffekt, für diesen Zweck wurde/wird sie installiert: menschliche Arbeitskraft ersetzen. Das rettet niemanden. Für Rettung muss ein Mensch die Kamerabilder sehen, erkennen und sofortige Hilfe durch echte Menschen auslösen. Das ist Personalaufwand, und nicht -ersparnis.

    Das ginge u.U. auch billiger, und zwar um den Betrag, den die Kamerainstallation kostet. Ich bin jetzt noch ein paar Tage 68. Ich habe noch die vielgescholtene Deutsche Bundesbahn erlebt, überwiegend in der West-BRD. Sie betrieb kleine und grosse Bahnhöfe.

    Wenn ich nur mal den hier in Beuel nehme, von dem einst Fernzüge nach ganz Europa verkehrten. Er hatte nicht nur Fahrkartenschalter, sondern auch Gepäckabfertigung, Bahnsteigaufsicht, Bahnhofsgaststätte, Kiosk, Stellwerk und individuelle Bahnsteigdurchsagen. Mann nennt es “Infrastruktur”. Die gab es in jeder Kleinstadt, so wie es dort Postämter gab, die auch ausserhalb der Landenöffenungszeiten mit echten Menschen besetzt waren.

    Und tja, es gab in den Zügen “Schaffner*innen”, und in der Regel nicht nur eine*n. Heute ziehen es die Betreffenden in überfüllten Nahverkehrszügen vor, sich in ihren Dienstkabinen unsichtbar zu machen, bis das Schlimmste vorbei ist. Dafür habe ich grösstes Verständnis – auch wenn es die Wut der Fahrgäste eher eskaliert als eindämmt.

    Ich selbst hatte in den letzten 25 Jahren zwei schwerwiegende Clashs mit Zugbegleitungen. Die Ältere, mit einem Zugbegleiter aus Rheinland-Pfalz, dem gleichen Zwergstaat in dem Serkan C. jetzt sein Leben verlor, im RE5 (Koblenz-Wesel/Emmerich), den zweiten 2017 in der Mittelrheinbahn (Köln-Deutz bis Koblenz/Bingen/Mainz), also ebenfalls sehr Rheinland-Pfalz.

    Ich bin erfahrener Pendler, und gut ausgebildet in sachlichem Argumentieren. So verliefen beide Konflikte ohne menschliche Schäden. Sie wurden sogar konstruktiv gelöst, wenn auch mit einigem nervlichen Aufwand. Die wenigsten Fahrgäste haben die Bahnkenntnis, die sie 250-teilige Serien publizieren und über 1.000 Folgen “Eisenbahnromantik”, die frevelhafterweise vom SWR (= Rheinland-Pfalz!) eingestellt wurden, betrachten lässt. Was wären nun mögliche Lösungen?

    1. Das Tarifsystem

    Das Tarifsystem der vielgescholtenen Deutschen Bundesbahn war nachvollziehbar und (für fast jede*n) verständlich. Digitalisierung gab es nicht. Herr Mehdorn und seine damalige Sündenziege Brunotte haben das Chaos ausgelöst, das die heutige Deutsche Bahn AG immer weiter auf die Spitze treibt. Die Fahrkarten waren aus Pappe und wurden von klobigen mechanischen Geräten in Sekundenschnelle an einem von Menschen besetzten Fahrkartenschalter ausgespuckt und von*m Schaffner*in mechanisch abgeknipst und entwertet. Der Clou: sogar das Nachlösen im Zug war möglich! Es kostete zunächst 3, später 5 MARK!

    2. Menschen an Bahnhöfen (und Monitoren)

    Rat, Hilfe, Rettung wird immer benötigt, überall, wo Menschen sind und aufeinandertreffen. Die Forderung von NRW-Verkehrsminister Krischer, dass Zugbegleitungen immer (mindestens) zu zweit besetzt werden sollen, allein schon zum Zwecke der “Eigensicherung”, ist richtig. Ob sein Wunsch nach mehr “Bundespolizei” durch einen Landespolitiker zielführend ist, ist dagegen eine offene Frage. Mitunter laufen in so manchem Hauptbahnhof mehr breitschultrige, skinheadartige Privat-Seciurities herum, die sich mit der Vertreibung von Obdachlosen beschäftigen, während nirgends mehr ein DB-Service(!)-Personal zu finden ist. Nur mal so als Beispiel: für Gehbehinderte, die in Beuel auf einen anderen Bahnsteig als den mit der 1 wollen.

    3. Ausbildung

    Nahezu gleichzeitig mit dem Mord/Totschlag/tödlichen Unfall von Serkan C. erschien diese lobens- und sehenswerte NDR-Doku, auf die ich sogleich hingewiesen habe. Wenn wir den Vorlauf eines solchen Filmes berücksichtigen, dann prophezeit dieser Film genau das, was nun passiert ist. Und die berechtigte Frage von immer mehr Menschen lautet absolut richtig: WARUM muss es erst so weit kommen? Die Politiker*innen wissen das genau – darum posieren sie ja so (s.o.). Die Mehrheit der Menschen verliert dagegen die Lust, noch an demokratischen Wahlen teilzunehmen.

    Hier also dieser Film:

    Heike Schieder, Sebastian Vesper, Desiree Marie Fehringer/NDR: Bus und Bahn: Die Angst fährt mit – Busse und Bahnen gelten als wichtige Verkehrsmittel der Zukunft, weil sie umwelt- und klimafreundlicher sind als Autos. Doch in den vergangenen Jahren ist es auch ungemütlicher geworden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Laut Statistiken haben Übergriffe und Gewaltdelikte zugenommen. Das bekommen besonders die Mitarbeitenden im ÖPNV zu spüren. Umfragen zeigen: Die Angst, verbal oder tätlich angegriffen zu werden, fährt mit.”  (Video 44 min: Red. Gabi Bauer, als die ARD-Tagesthemen noch sehenswert waren, 1997-2001, prä-Gniffke) 2 Jahre verfügbar.

    In diesem Film wird ein Selbstverteidigungs- und Deeskalationstraining demonstriert. Von dem befürchte ich, dass es eine intervenierende Sondermassnahme ist. Stattdessen gehört es in die Regelausbildung, nicht nur von Zugbegleitungen.

    Allgemein gilt: menschenleere Bahnhöfe sind Angsträume – Öffentlichkeit schützt.

    Ob Serkan C. unter solchen Umständen noch am Leben wäre, weiss ich selbstverständlich nicht. Gesünder für die Bahn, ihre Beschäftigten und Fahrgäste wäre es auf jeden Fall.

  7. Kameras retten nicht – nur Menschen

    Trauer um Serkan C. – Wundersame Bahn CCXLII

    Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Ich kriege immer zuviel, wenn ich mehr oder weniger prominente Nasen sehe, die sich vor Tagesschau-Kameras stellen, um Trauer zu demonstrieren (oder zu simulieren). Mehr Respekt habe ich vor solchen, die handeln. Dazu ein paar Vorschläge – wobei offenbleiben muss, ob sie diesen Mord/Totschlag/Unfall verhindert hätten. Kameras jedenfalls nicht.

    Kameras befriedigen das Voyeur-Interesse von Medien und Öffentlichkeit, und zwar immer, wenn es zu spät ist. Mit einer Ausnahme: wenn die Kamera in kürzester Frist/Distanz Hilfe auslöst. Dann verliert sie freilich den Spareffekt, für diesen Zweck wurde/wird sie installiert: menschliche Arbeitskraft ersetzen. Das rettet niemanden. Für Rettung muss ein Mensch die Kamerabilder sehen, erkennen und sofortige Hilfe durch echte Menschen auslösen. Das ist Personalaufwand, und nicht -ersparnis.

    Das ginge u.U. auch billiger, und zwar um den Betrag, den die Kamerainstallation kostet. Ich bin jetzt noch ein paar Tage 68. Ich habe noch die vielgescholtene Deutsche Bundesbahn erlebt, überwiegend in der West-BRD. Sie betrieb kleine und grosse Bahnhöfe.

    Wenn ich nur mal den hier in Beuel nehme, von dem einst Fernzüge nach ganz Europa verkehrten. Er hatte nicht nur Fahrkartenschalter, sondern auch Gepäckabfertigung, Bahnsteigaufsicht, Bahnhofsgaststätte, Kiosk, Stellwerk und individuelle Bahnsteigdurchsagen. Mann nennt es “Infrastruktur”. Die gab es in jeder Kleinstadt, so wie es dort Postämter gab, die auch ausserhalb der Landenöffenungszeiten mit echten Menschen besetzt waren.

    Und tja, es gab in den Zügen “Schaffner*innen”, und in der Regel nicht nur eine*n. Heute ziehen es die Betreffenden in überfüllten Nahverkehrszügen vor, sich in ihren Dienstkabinen unsichtbar zu machen, bis das Schlimmste vorbei ist. Dafür habe ich grösstes Verständnis – auch wenn es die Wut der Fahrgäste eher eskaliert als eindämmt.

    Ich selbst hatte in den letzten 25 Jahren zwei schwerwiegende Clashs mit Zugbegleitungen. Die Ältere, mit einem Zugbegleiter aus Rheinland-Pfalz, dem gleichen Zwergstaat in dem Serkan C. jetzt sein Leben verlor, im RE5 (Koblenz-Wesel/Emmerich), den zweiten 2017 in der Mittelrheinbahn (Köln-Deutz bis Koblenz/Bingen/Mainz), also ebenfalls sehr Rheinland-Pfalz.

    Ich bin erfahrener Pendler, und gut ausgebildet in sachlichem Argumentieren. So verliefen beide Konflikte ohne menschliche Schäden. Sie wurden sogar konstruktiv gelöst, wenn auch mit einigem nervlichen Aufwand. Die wenigsten Fahrgäste haben die Bahnkenntnis, die sie 250-teilige Serien publizieren und über 1.000 Folgen “Eisenbahnromantik”, die frevelhafterweise vom SWR (= Rheinland-Pfalz!) eingestellt wurden, betrachten lässt. Was wären nun mögliche Lösungen?

    1. Das Tarifsystem

    Das Tarifsystem der vielgescholtenen Deutschen Bundesbahn war nachvollziehbar und (für fast jede*n) verständlich. Digitalisierung gab es nicht. Herr Mehdorn und seine damalige Sündenziege Brunotte haben das Chaos ausgelöst, das die heutige Deutsche Bahn AG immer weiter auf die Spitze treibt. Die Fahrkarten waren aus Pappe und wurden von klobigen mechanischen Geräten in Sekundenschnelle an einem von Menschen besetzten Fahrkartenschalter ausgespuckt und von*m Schaffner*in mechanisch abgeknipst und entwertet. Der Clou: sogar das Nachlösen im Zug war möglich! Es kostete zunächst 3, später 5 MARK!

    2. Menschen an Bahnhöfen (und Monitoren)

    Rat, Hilfe, Rettung wird immer benötigt, überall, wo Menschen sind und aufeinandertreffen. Die Forderung von NRW-Verkehrsminister Krischer, dass Zugbegleitungen immer (mindestens) zu weit besetzt werden sollen, allein schon zum Zwecke der “Eigensicherung”, ist richtig. Ob sein Wunsch nach mehr “Bundespolizei” durch einen Landespolitiker zielführend ist, ist dagegen eine offene Frage. Mitunter laufen in so manchem Hauptbahnhof mehr breitschultrige, skinheadartige Privat-Seciurities herum, die sich mit der Vertreibung von Obdachlosen beschäftigen, während nirgends mehr ein DB-Service(!)-Personal zu finden ist. Nur mal so als Beispiel für Gehbehinderte, die in Beuel auf einen anderen Bahnsteig als den mit der 1 wollen.

    3. Ausbildung

    Nahezu gleichzeitig mit dem Mord/Totschlag/tödlichen Unfall von Serkan C. erschien diese lobens- und sehenswerte NDR-Doku, auf die ich sogleich hingewiesen habe. Wenn wir den Vorlauf eines solchen Filmes berücksichtigen, dann prophezeit dieser Film genau das, was nun passiert ist. Und die berechtigte Frage von immer mehr Menschen lautet absolut richtig: WARUM muss es erst so weit kommen? Die Politiker*innen wissen das genau – darum posieren sie ja so (s.o.). Die Mehrheit der Menschen verliert dagegen die Lust, noch an demokratischen Wahlen teilzunehmen.

    Hier also dieser Film:

    Heike Schieder, Sebastian Vesper, Desiree Marie Fehringer/NDR: Bus und Bahn: Die Angst fährt mit – Busse und Bahnen gelten als wichtige Verkehrsmittel der Zukunft, weil sie umwelt- und klimafreundlicher sind als Autos. Doch in den vergangenen Jahren ist es auch ungemütlicher geworden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Laut Statistiken haben Übergriffe und Gewaltdelikte zugenommen. Das bekommen besonders die Mitarbeitenden im ÖPNV zu spüren. Umfragen zeigen: Die Angst, verbal oder tätlich angegriffen zu werden, fährt mit.”  (Video 44 min: Red. Gabi Bauer, als die ARD-Tagesthemen noch sehenswert waren, 1997-2001, prä-Gniffke) 2 Jahre verfügbar.

    In diesem Film wird ein Deeskalationstraining demonstriert. Von dem befürchte ich, dass es eine intervenierende Sondermassnahme ist. Stattdessen gehört es in die Regelausbildung, nicht nur von Zugbegleitungen.

    Allgemein gilt: menschenleere Bahnhöfe sind Angsträume – Öffentlichkeit schützt.

    Ob Serkan C. unter solchen Umständen noch am Leben wäre, weiss ich selbstverständlich nicht. Gesünder für die Bahn, ihre Beschäftigten und Fahrgäste wäre es auf jeden Fall.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  8. Kameras retten nicht – nur Menschen

    Trauer um Serkan C. – Wundersame Bahn CCXLII

    Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Ich kriege immer zuviel, wenn ich mehr oder weniger prominente Nasen sehe, die sich vor Tagesschau-Kameras stellen, um Trauer zu demonstrieren (oder zu simulieren). Mehr Respekt habe ich vor solchen, die handeln. Dazu ein paar Vorschläge – wobei offenbleiben muss, ob sie diesen Mord/Totschlag/Unfall verhindert hätten. Kameras jedenfalls nicht.

    Kameras befriedigen das Voyeur-Interesse von Medien und Öffentlichkeit, und zwar immer, wenn es zu spät ist. Mit einer Ausnahme: wenn die Kamera in kürzester Frist/Distanz Hilfe auslöst. Dann verliert sie freilich den Spareffekt, für diesen Zweck wurde/wird sie installiert: menschliche Arbeitskraft ersetzen. Das rettet niemanden. Für Rettung muss ein Mensch die Kamerabilder sehen, erkennen und sofortige Hilfe durch echte Menschen auslösen. Das ist Personalaufwand, und nicht -ersparnis.

    Das ginge u.U. auch billiger, und zwar um den Betrag, den die Kamerainstallation kostet. Ich bin jetzt noch ein paar Tage 68. Ich habe noch die vielgescholtene Deutsche Bundesbahn erlebt, überwiegend in der West-BRD. Sie betrieb kleine und grosse Bahnhöfe.

    Wenn ich nur mal den hier in Beuel nehme, von dem einst Fernzüge nach ganz Europa verkehrten. Er hatte nicht nur Fahrkartenschalter, sondern auch Gepäckabfertigung, Bahnsteigaufsicht, Bahnhofsgaststätte, Kiosk, Stellwerk und individuelle Bahnsteigdurchsagen. Mann nennt es “Infrastruktur”. Die gab es in jeder Kleinstadt, so wie es dort Postämter gab, die auch ausserhalb der Landenöffenungszeiten mit echten Menschen besetzt waren.

    Und tja, es gab in den Zügen “Schaffner*innen”, und in der Regel nicht nur eine*n. Heute ziehen es die Betreffenden in überfüllten Nahverkehrszügen vor, sich in ihren Dienstkabinen unsichtbar zu machen, bis das Schlimmste vorbei ist. Dafür habe ich grösstes Verständnis – auch wenn es die Wut der Fahrgäste eher eskaliert als eindämmt.

    Ich selbst hatte in den letzten 25 Jahren zwei schwerwiegende Clashs mit Zugbegleitungen. Die Ältere, mit einem Zugbegleiter aus Rheinland-Pfalz, dem gleichen Zwergstaat in dem Serkan C. jetzt sein Leben verlor, im RE5 (Koblenz-Wesel/Emmerich), den zweiten 2017 in der Mittelrheinbahn (Köln-Deutz bis Koblenz/Bingen/Mainz), also ebenfalls sehr Rheinland-Pfalz.

    Ich bin erfahrener Pendler, und gut ausgebildet in sachlichem Argumentieren. So verliefen beide Konflikte ohne menschliche Schäden. Sie wurden sogar konstruktiv gelöst, wenn auch mit einigem nervlichen Aufwand. Die wenigsten Fahrgäste haben die Bahnkenntnis, die sie 250-teilige Serien publizieren und über 1.000 Folgen “Eisenbahnromantik”, die frevelhafterweise vom SWR (= Rheinland-Pfalz!) eingestellt wurden, betrachten lässt. Was wären nun mögliche Lösungen?

    1. Das Tarifsystem

    Das Tarifsystem der vielgescholtenen Deutschen Bundesbahn war nachvollziehbar und (für fast jede*n) verständlich. Digitalisierung gab es nicht. Herr Mehdorn und seine damalige Sündenziege Brunotte haben das Chaos ausgelöst, das die heutige Deutsche Bahn AG immer weiter auf die Spitze treibt. Die Fahrkarten waren aus Pappe und wurden von klobigen mechanischen Geräten in Sekundenschnelle an einem von Menschen besetzten Fahrkartenschalter ausgespuckt und von*m Schaffner*in mechanisch abgeknipst und entwertet. Der Clou: sogar das Nachlösen im Zug war möglich! Es kostete zunächst 3, später 5 MARK!

    2. Menschen an Bahnhöfen (und Monitoren)

    Rat, Hilfe, Rettung wird immer benötigt, überall, wo Menschen sind und aufeinandertreffen. Die Forderung von NRW-Verkehrsminister Krischer, dass Zugbegleitungen immer (mindestens) zu zweit besetzt werden sollen, allein schon zum Zwecke der “Eigensicherung”, ist richtig. Ob sein Wunsch nach mehr “Bundespolizei” durch einen Landespolitiker zielführend ist, ist dagegen eine offene Frage. Mitunter laufen in so manchem Hauptbahnhof mehr breitschultrige, skinheadartige Privat-Seciurities herum, die sich mit der Vertreibung von Obdachlosen beschäftigen, während nirgends mehr ein DB-Service(!)-Personal zu finden ist. Nur mal so als Beispiel: für Gehbehinderte, die in Beuel auf einen anderen Bahnsteig als den mit der 1 wollen.

    3. Ausbildung

    Nahezu gleichzeitig mit dem Mord/Totschlag/tödlichen Unfall von Serkan C. erschien diese lobens- und sehenswerte NDR-Doku, auf die ich sogleich hingewiesen habe. Wenn wir den Vorlauf eines solchen Filmes berücksichtigen, dann prophezeit dieser Film genau das, was nun passiert ist. Und die berechtigte Frage von immer mehr Menschen lautet absolut richtig: WARUM muss es erst so weit kommen? Die Politiker*innen wissen das genau – darum posieren sie ja so (s.o.). Die Mehrheit der Menschen verliert dagegen die Lust, noch an demokratischen Wahlen teilzunehmen.

    Hier also dieser Film:

    Heike Schieder, Sebastian Vesper, Desiree Marie Fehringer/NDR: Bus und Bahn: Die Angst fährt mit – Busse und Bahnen gelten als wichtige Verkehrsmittel der Zukunft, weil sie umwelt- und klimafreundlicher sind als Autos. Doch in den vergangenen Jahren ist es auch ungemütlicher geworden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Laut Statistiken haben Übergriffe und Gewaltdelikte zugenommen. Das bekommen besonders die Mitarbeitenden im ÖPNV zu spüren. Umfragen zeigen: Die Angst, verbal oder tätlich angegriffen zu werden, fährt mit.”  (Video 44 min: Red. Gabi Bauer, als die ARD-Tagesthemen noch sehenswert waren, 1997-2001, prä-Gniffke) 2 Jahre verfügbar.

    In diesem Film wird ein Selbstverteidigungs- und Deeskalationstraining demonstriert. Von dem befürchte ich, dass es eine intervenierende Sondermassnahme ist. Stattdessen gehört es in die Regelausbildung, nicht nur von Zugbegleitungen.

    Allgemein gilt: menschenleere Bahnhöfe sind Angsträume – Öffentlichkeit schützt.

    Ob Serkan C. unter solchen Umständen noch am Leben wäre, weiss ich selbstverständlich nicht. Gesünder für die Bahn, ihre Beschäftigten und Fahrgäste wäre es auf jeden Fall.

  9. Kameras retten nicht – nur Menschen

    Trauer um Serkan C. – Wundersame Bahn CCXLII

    Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Ich kriege immer zuviel, wenn ich mehr oder weniger prominente Nasen sehe, die sich vor Tagesschau-Kameras stellen, um Trauer zu demonstrieren (oder zu simulieren). Mehr Respekt habe ich vor solchen, die handeln. Dazu ein paar Vorschläge – wobei offenbleiben muss, ob sie diesen Mord/Totschlag/Unfall verhindert hätten. Kameras jedenfalls nicht.

    Kameras befriedigen das Voyeur-Interesse von Medien und Öffentlichkeit, und zwar immer, wenn es zu spät ist. Mit einer Ausnahme: wenn die Kamera in kürzester Frist/Distanz Hilfe auslöst. Dann verliert sie freilich den Spareffekt, für diesen Zweck wurde/wird sie installiert: menschliche Arbeitskraft ersetzen. Das rettet niemanden. Für Rettung muss ein Mensch die Kamerabilder sehen, erkennen und sofortige Hilfe durch echte Menschen auslösen. Das ist Personalaufwand, und nicht -ersparnis.

    Das ginge u.U. auch billiger, und zwar um den Betrag, den die Kamerainstallation kostet. Ich bin jetzt noch ein paar Tage 68. Ich habe noch die vielgescholtene Deutsche Bundesbahn erlebt, überwiegend in der West-BRD. Sie betrieb kleine und grosse Bahnhöfe.

    Wenn ich nur mal den hier in Beuel nehme, von dem einst Fernzüge nach ganz Europa verkehrten. Er hatte nicht nur Fahrkartenschalter, sondern auch Gepäckabfertigung, Bahnsteigaufsicht, Bahnhofsgaststätte, Kiosk, Stellwerk und individuelle Bahnsteigdurchsagen. Mann nennt es “Infrastruktur”. Die gab es in jeder Kleinstadt, so wie es dort Postämter gab, die auch ausserhalb der Landenöffenungszeiten mit echten Menschen besetzt waren.

    Und tja, es gab in den Zügen “Schaffner*innen”, und in der Regel nicht nur eine*n. Heute ziehen es die Betreffenden in überfüllten Nahverkehrszügen vor, sich in ihren Dienstkabinen unsichtbar zu machen, bis das Schlimmste vorbei ist. Dafür habe ich grösstes Verständnis – auch wenn es die Wut der Fahrgäste eher eskaliert als eindämmt.

    Ich selbst hatte in den letzten 25 Jahren zwei schwerwiegende Clashs mit Zugbegleitungen. Die Ältere, mit einem Zugbegleiter aus Rheinland-Pfalz, dem gleichen Zwergstaat in dem Serkan C. jetzt sein Leben verlor, im RE5 (Koblenz-Wesel/Emmerich), den zweiten 2017 in der Mittelrheinbahn (Köln-Deutz bis Koblenz/Bingen/Mainz), also ebenfalls sehr Rheinland-Pfalz.

    Ich bin erfahrener Pendler, und gut ausgebildet in sachlichem Argumentieren. So verliefen beide Konflikte ohne menschliche Schäden. Sie wurden sogar konstruktiv gelöst, wenn auch mit einigem nervlichen Aufwand. Die wenigsten Fahrgäste haben die Bahnkenntnis, die sie 250-teilige Serien publizieren und über 1.000 Folgen “Eisenbahnromantik”, die frevelhafterweise vom SWR (= Rheinland-Pfalz!) eingestellt wurden, betrachten lässt. Was wären nun mögliche Lösungen?

    1. Das Tarifsystem

    Das Tarifsystem der vielgescholtenen Deutschen Bundesbahn war nachvollziehbar und (für fast jede*n) verständlich. Digitalisierung gab es nicht. Herr Mehdorn und seine damalige Sündenziege Brunotte haben das Chaos ausgelöst, das die heutige Deutsche Bahn AG immer weiter auf die Spitze treibt. Die Fahrkarten waren aus Pappe und wurden von klobigen mechanischen Geräten in Sekundenschnelle an einem von Menschen besetzten Fahrkartenschalter ausgespuckt und von*m Schaffner*in mechanisch abgeknipst und entwertet. Der Clou: sogar das Nachlösen im Zug war möglich! Es kostete zunächst 3, später 5 MARK!

    2. Menschen an Bahnhöfen (und Monitoren)

    Rat, Hilfe, Rettung wird immer benötigt, überall, wo Menschen sind und aufeinandertreffen. Die Forderung von NRW-Verkehrsminister Krischer, dass Zugbegleitungen immer (mindestens) zu weit besetzt werden sollen, allein schon zum Zwecke der “Eigensicherung”, ist richtig. Ob sein Wunsch nach mehr “Bundespolizei” durch einen Landespolitiker zielführend ist, ist dagegen eine offene Frage. Mitunter laufen in so manchem Hauptbahnhof mehr breitschultrige, skinheadartige Privat-Seciurities herum, die sich mit der Vertreibung von Obdachlosen beschäftigen, während nirgends mehr ein DB-Service(!)-Personal zu finden ist. Nur mal so als Beispiel für Gehbehinderte, die in Beuel auf einen anderen Bahnsteig als den mit der 1 wollen.

    3. Ausbildung

    Nahezu gleichzeitig mit dem Mord/Totschlag/tödlichen Unfall von Serkan C. erschien diese lobens- und sehenswerte NDR-Doku, auf die ich sogleich hingewiesen habe. Wenn wir den Vorlauf eines solchen Filmes berücksichtigen, dann prophezeit dieser Film genau das, was nun passiert ist. Und die berechtigte Frage von immer mehr Menschen lautet absolut richtig: WARUM muss es erst so weit kommen? Die Politiker*innen wissen das genau – darum posieren sie ja so (s.o.). Die Mehrheit der Menschen verliert dagegen die Lust, noch an demokratischen Wahlen teilzunehmen.

    Hier also dieser Film:

    Heike Schieder, Sebastian Vesper, Desiree Marie Fehringer/NDR: Bus und Bahn: Die Angst fährt mit – Busse und Bahnen gelten als wichtige Verkehrsmittel der Zukunft, weil sie umwelt- und klimafreundlicher sind als Autos. Doch in den vergangenen Jahren ist es auch ungemütlicher geworden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Laut Statistiken haben Übergriffe und Gewaltdelikte zugenommen. Das bekommen besonders die Mitarbeitenden im ÖPNV zu spüren. Umfragen zeigen: Die Angst, verbal oder tätlich angegriffen zu werden, fährt mit.”  (Video 44 min: Red. Gabi Bauer, als die ARD-Tagesthemen noch sehenswert waren, 1997-2001, prä-Gniffke) 2 Jahre verfügbar.

    In diesem Film wird ein Deeskalationstraining demonstriert. Von dem befürchte ich, dass es eine intervenierende Sondermassnahme ist. Stattdessen gehört es in die Regelausbildung, nicht nur von Zugbegleitungen.

    Allgemein gilt: menschenleere Bahnhöfe sind Angsträume – Öffentlichkeit schützt.

    Ob Serkan C. unter solchen Umständen noch am Leben wäre, weiss ich selbstverständlich nicht. Gesünder für die Bahn, ihre Beschäftigten und Fahrgäste wäre es auf jeden Fall.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  10. Der Straßenbahninstandsetzer

    Lukas Lorenz — 33 Jahre, Schreiner bei den Kölner Verkehrsbetrieben – Wundersame Bahn CCXLI

    “In der dritten Generation bin ich Schreiner in meiner Familie. Wie mein Opa und mein Vater. Und genau wie sie arbeite ich auch bei den Kölner Verkehrsbetrieben. Zu uns in die Hauptwerkstatt im Stadtteil Weidenpesch kommen alle Straßenbahnen mit schweren Schäden und zu größeren Inspektionen. Wenn ich um 6 Uhr 45 in der Werkstatt ankomme, teilen wir im Team die Arbeiten auf. Aktuell baue ich eine neue Theke für den Museumshop. Das macht mir großen Spaß.

    Nicht so romantisch wie bei Meister Eder

    Bei Schreiner denken die Leute oft an Meister Eder. Aber so romantisch darf man sich unsere Arbeit nicht vorstellen. Das ist eine ganz schöne Plackerei. Unsere Hauptaufgabe ist die Reparatur der Fußböden. Dafür reißen wir den Gummibelag und die Holzkonstruktion darunter heraus. Wir erneuern den Boden, verkleben und lackieren ihn. Zum Schluss kommt neuer Gummibelag drauf. Zwei, drei Wochen brauchen wir für eine Bahn. Fußboden zu verlegen, ist definitiv kein Traumjob. Wir knien den ganzen Tag. Das ist harte körperliche Arbeit. Danach habe ich oft Rückenschmerzen. Dabei bin ich noch jung. Ich weiß nicht, wie die Bundesregierung sich das vorstellt: Aber bis 67 schaffe ich die Arbeit nicht. Da muss ich mir einen Plan B überlegen.

    Dass ich Schreiner wurde, hat ganz klar mit meinem Vater und meinem Opa zu tun. Schon als Kind war ich oft mit auf dem Betriebshof und fand alles sehr spannend. Nach dem Abi habe ich eine Ausbildung zum Schreiner beim WDR gemacht. Da bin ich sofort in ver.di eingetreten und war in der Jugend- und Auszubildendenvertretung aktiv. Ich war früher schon Schülersprecher und für mich war immer klar: Wenn ich irgendwo arbeite, bin ich auch Mitglied in der Gewerkschaft. Es ist vollkommen absurd zu denken, dass der Lohn vom Himmel fällt. Nein, dafür braucht es eine starke Gewerkschaft. Mein Vater war Betriebsrat. Mein Opa war Betriebsrat. In meiner Familie gibt es kein einziges Nichtgewerkschaftsmitglied.

    Nach meiner Ausbildung hat der WDR keine Schreiner übernommen. Ich habe dann Lehramt studiert, konnte mich aber nicht so gut organisieren. Ich habe abgebrochen und als Straßenbahnfahrer bei den Kölner Verkehrsbetrieben angefangen, oft bis spät am Abend, auch an den Wochenenden. Das hat Spaß gemacht, aber auch geschlaucht. Deshalb bin ich in die Schreinerei gewechselt. Wirklich mehr Geld verdiene ich dort nicht, aber die Arbeitszeiten sind viel besser, Montag bis Freitag. Und ich habe sehr nette Kollegen. Ich gehe gerne auf die Arbeit, bin auch ver.di-Vertrauensmann. Wir haben einen eigenen Tarifvertrag für den Nahverkehr, angelehnt an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, TvöD. Bei Streiks sind alle Kollegen dabei, weil wir unsere Forderungen anders nicht durchsetzen können. Toll ist, dass wir vier zusätzliche Entlastungstage für Handwerker durchgesetzt haben. So komme ich jetzt auf 34 Urlaubstage im Jahr. An jedem freien Tag bin ich unterwegs. Ich setze mich sofort in mein selbst ausgebautes Wohnmobil – und fahre los, nach Wien oder Paris.”

    Protokoll: Kathrin Hedtke

    Sehen Sie ergänzend auch: Heike Schieder, Sebastian Vesper, Desiree Marie Fehringer/NDR: Bus und Bahn: Die Angst fährt mit – Busse und Bahnen gelten als wichtige Verkehrsmittel der Zukunft, weil sie umwelt- und klimafreundlicher sind als Autos. Doch in den vergangenen Jahren ist es auch ungemütlicher geworden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Laut Statistiken haben Übergriffe und Gewaltdelikte zugenommen. Das bekommen besonders die Mitarbeitenden im ÖPNV zu spüren. Umfragen zeigen: Die Angst, verbal oder tätlich angegriffen zu werden, fährt mit.”  (Video 44 min: Red. Gabi Bauer, als die ARD-Tagesthemen noch sehenswert waren, 1997-2001, prä-Gniffke)) 2 Jahre verfügbar.

  11. Die gute Nachricht

    Das Deutschlandticket gilt auch auf Papier – Wundersame Bahn CCXL

    Das meldet die FAZ hinter ihrer Bezahlmauer. Aber warum geheimhalten? Nur weil es ein ehemaliger RCDSler, Ex-Jura-Student (andere Fachbereiche wählen keine RCDSler) und heutiger Rechtsanwalt aus Greifswald erstritten hat? Das passt ins Weltbild der FAZ und wird von ihr gerne genommen. Aber alles kein Grund, warum es nicht fortschrittlicher gesinnte Bahnkund*inn*en und Blogleser*innen ebenfalls erfahren sollten.

    Ich darf hier selbstverständlich die entsprechende FAZ-Meldung nicht einkopieren. Eine Urheberrechtsklage der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, die sich zu 93,7 Prozent im Besitz der Fazit-Stiftung (gemeinnützige GmbH) befindet, die weiteren Anteile werden von den Herausgebern gehalten, die auch die Linie der Zeitung bestimmen – also kurz gesagt: kann ich mir nicht leisten. Aber ich habe sie gelesen und darf Ihnen von meiner individuellen Lektüre berichten.

    Der Herr aus Greifswald also wollte kein digitales Ticket. Er wollte auch keine, wie ich sie – schon einmal geklaut, und unverzüglich von den Stadtwerken Bonn neu ausgestellt – besitze, Chipkarte. Er bekommt es als pdf-Datei monatlich zugesandt, und druckt sich die aus. Übrigens erworben bei der Rhein-Sieg Verkehrsgesellschaft mbH, bei uns in Bonn nicht sehr beliebt, weil sie uns wie eine Halskrause umgibt. Da kann mann mal sehen … die haben Arme bis Greifswald.

    “Ca. 20% der Schaffner”, so wird der Herr aus Greifswald in der FAZ wiedergegeben, behaupten “dass das Ticket auf Papier nicht gültig sei, und”“belassen es dabei”. Dä. Aber drei meinten, er sei Schwarzfahrer und protokollierten entsprechend. Dagegen hat der Herr Rechtsanwalt geklagt. Und gewonnen. Amtsgericht Frankfurt am Main, Az. 28098 C 338/24 (DB konnte nichts beweisen); Amtsgericht Frankfurt am Main, Az. 30020 C 405/25 (DB zog zurück); Amtsgericht Lichtenberg in Berlin Az. 12 C 7/25 (erkennt Papierticket ausdrücklich an).

    Na dann viel Spass beim Jurastudieren und Klagen. Sie können aber fürs Erste auch hier unterschreiben. Das habe ich getan.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  12. Glück im Informationsvakuum

    Wundersame Bahn CCXXXVII – Weihnachtsausgabe

    Es gibt unendliche Möglichkeiten für die Bahn, an Weihnachtsfeiertagen zu scheitern. Dass die Feiertage alle mitten in der Woche liegen, von Wochenenden umrahmt, könnte sich als günstig erwiesen haben, um die Passagierströme zeitlich zu entzerren. Ich fahre seit Jahren am 24. hin und direkt am 25. zurück, weil die Ränder der Reisehochsaison die hohen Schwierigkeitsgrade markieren. Dieses Jahr ist es – im Rahmen all der sowieso schon konstanten Malaisen – ganz gut gelungen.

    Als ich Heiligabend mittags nach dem Verzehr der obligatorischen Mittwochs-Reibekuchen im Momo-Bistro auf bahn.de die Lage sondierte, wurde für Bonn Hbf. eine “Signalstörung” gemeldet. Wie praktisch, dass ich mich in fussläufiger Entfernung des Bahnhofs Beuel aufhielt. Eine leichte Entscheidung.

    In Deutz dann erneute Prüfung der Lage. Vom RE5 von Bonn Hbf. nach Oberhausen meldete einer 90 und ein weiterer 50 Minuten Verspätung. Wie gut, dass ich ihn gemieden hatte. Merkwürdigerweise zeigten die Echtzeitfahrplandisplays in der Deutzer Bahnsteigunterführung gar keinen RE1, der stündlich von Aachen ins Ruhrgebiet verkehrt, und als meistgenutzter RE der BRD bekannt und berüchtigt ist. Warum auf dem Bahnsteig frieren, wenn sich eine S-Bahn von Köln-Nippes nach Essen Hbf. anbot? Fahrzeit von Deutz bis Essen: 96 Minuten. Ein IC benötigt für die Strecke die Hälfte dieser Zeit. Aber ich fahre ja Deutschlandticket, und die S-Bahn ist beheizt.

    Diese S6 fährt erst seit neuestem wieder. In Hösel, einem Villenghetto zwischen Düsseldorf und Essen, hatte ein Erdrutsch die Bahnstrecke heimgesucht. Erst vor wenigen Wochen wurde sie wiedereröffnet. Mit dieser S-Bahn verbinde ich zwischen Düsseldorf und Essen Jugenderinnerungen. Als ich als Schülerreferent im NRW-LaVo der Jungdemokraten begonnen hatte (1975) nutzte ich sie häufig für Fahrten zu den Landesvorstandssitzungen. Entlang der Ruhr und dem Baldeneysee ist sie landschaftlich reizvoll. Und warum Weihnachten hektisch werden, wenn ich einen warmen Sitzplatz habe?

    Unterwegs wurden wir von einem RE1 überholt, der in Deutz nicht angekündigt worden war. Ärgern? Ja, wenige Minuten. Dann zurück zum inneren Weihnachtsmodus. Es ist längst eine neue Sitte der nichtfunktionierenden Bahn, dass Züge, die angeblich “ausfallen”, dann überraschend und unangekündigt doch fahren. Ein cleverer PR-Trick? Eher nicht.

    In Essen angekommen, hatte die örtliche Ruhrbahn den Fahrplanbetrieb schon eingestellt. Ich erreichte den Übergangsbetrieb zwischen Samstags- und Nachtfahrplan, der schon um 18 h starten sollte (= alle Linien nur noch stündlich). Mit der U-Bahn Glück gehabt: meine kam schon nach 10 Minuten, ein letzter Rest von “Metropole”, Heiligabend um 16 h.

    Rückfahrt

    Eine stündlich verkehrende Regionalbahn von Essen-Altenenssen sollte genau in der Stunde nicht fahren (sondern erst ab 10.1.), als das familiäre Mittagsmenü optimal gesättigt und gemütlich beendet war. Also fuhr meine Schwester mich auf gut Glück zum Essener Hauptbahnhof. Und was soll ich sagen: ich hatte den Bahnsteig 1/2 soeben betreten, da fuhr der RE1 nach Köln leicht verspätet ein, und hielt einen sonnigen Sitzplatz für mich bereit, zielsicher und ohne Ringkampf schnell und effektiv erspäht. Ich wollte schon freudig erregt meiner Schwester diesen sensationellen Erfolg übers Handy melden. Gut, dass ich es seingelassen habe. Denn in Düsseldorf-Flughafen war alles zuende. Es ging nicht mehr weiter. Und wenn, dann mit Schrittgeschwindigkeit.

    Der RE1 wird wie der RE5, beide im RRX-Design, vom britischen Anbieter “National Express” betrieben. Er hatte mutmasslich – die Verträge sind nichtöffentlich – den Verkehrsverbünden VRR und VRS das billigere Angebot gemacht. Ob er Tariflöhne zahlt? Was meinen Sie? Zugbegleiter*innen sind ja auch nur noch sehr, sehr schwer zu finden. Also bleiben sie eingespart. Der Lokpilot drückt penetrant informationsbefreite automatische Ansagen. “wir bitten um Entschuldigung”. Zweimal meldete er sich auf freier Strecke persönlich, nur um zu gestehen, dass er auch nichts wisse. Es ist in der Tat eine Betriebstatsache, dass die malochenden Beschäftigten der Bahn genausowenig informiert werden wie die Fahrgäste.

    Während wir im RE1 also geparkt waren, überholte uns der fahrplanmässig mit 20 Minuten hinter uns verkehrende RE5, der mich ab Köln hätte nach Bonn bringen können. Mit einer entsprechenden Information hätte in Düsseldorf-Flughafen eine letzte Wechselchance bestanden. Nun war er vor uns – und weg.

    In Düsseldorf-Benrath sah ich dann durchs Fenster auf einer Bahnsteiglaufschrift, dass unsere auf über 30 Minuten herangewachsene Verspätung ebenfalls mit einer “Signalstörung” begründet wurde. Unser Lokpilot wusste das offenbar nicht. Oder hats nur nicht gesagt …

    Auf der richtigen Rheinseite

    In Deutz dann mein Glück im Unglück. Der RE5 nach Bonn war zwar weg. Aber die Regionalbahn nach Beuel fuhr geradezu punktgemau, und ohne Umsteigehektik zu verursachen, ein. Unterm Strich war ich so sogar schneller zuhause.

    Geht doch.

    Nettofahrzeit Essen Hbf. – Beuel Haustür: 2 Std. 30 min. Schön war die Zeit, als es doppelt so schnell ging. Das hiess damals “Bundesbahn”.

  13. Glück im Informationsvakuum

    Wundersame Bahn CCXXXVII – Weihnachtsausgabe

    Es gibt unendliche Möglichkeiten für die Bahn, an Weihnachtsfeiertagen zu scheitern. Dass die Feiertage alle mitten in der Woche liegen, von Wochenenden umrahmt, könnte sich als günstig erwiesen haben, um die Passagierströme zeitlich zu entzerren. Ich fahre seit Jahren am 24. hin und direkt am 25. zurück, weil die Ränder der Reisehochsaison die hohen Schwierigkeitsgrade markieren. Dieses Jahr ist es – im Rahmen all der sowieso schon konstanten Malaisen – ganz gut gelungen.

    Als ich Heiligabend mittags nach dem Verzehr der obligatorischen Mittwochs-Reibekuchen im Momo-Bistro auf bahn.de die Lage sondierte, wurde für Bonn Hbf. eine “Signalstörung” gemeldet. Wie praktisch, dass ich mich in fussläufiger Entfernung des Bahnhofs Beuel aufhielt. Eine leichte Entscheidung.

    In Deutz dann erneute Prüfung der Lage. Vom RE5 von Bonn Hbf. nach Oberhausen meldete einer 90 und ein weiterer 50 Minuten Verspätung. Wie gut, dass ich ihn gemieden hatte. Merkwürdigerweise zeigten die Echtzeitfahrplandisplays in der Deutzer Bahnsteigunterführung gar keinen RE1, der stündlich von Aachen ins Ruhrgebiet verkehrt, und als meistgenutzter RE der BRD bekannt und berüchtigt ist. Warum auf dem Bahnsteig frieren, wenn sich eine S-Bahn von Köln-Nippes nach Essen Hbf. anbot? Fahrzeit von Deutz bis Essen: 96 Minuten. Ein IC benötigt für die Strecke die Hälfte dieser Zeit. Aber ich fahre ja Deutschlandticket, und die S-Bahn ist beheizt.

    Diese S6 fährt erst seit neuestem wieder. In Hösel, einem Villenghetto zwischen Düsseldorf und Essen, hatte ein Erdrutsch die Bahnstrecke heimgesucht. Erst vor wenigen Wochen wurde sie wiedereröffnet. Mit dieser S-Bahn verbinde ich zwischen Düsseldorf und Essen Jugenderinnerungen. Als ich als Schülerreferent im NRW-LaVo der Jungdemokraten begonnen hatte (1975) nutzte ich sie häufig für Fahrten zu den Landesvorstandssitzungen. Entlang der Ruhr und dem Baldeneysee ist sie landschaftlich reizvoll. Und warum Weihnachten hektisch werden, wenn ich einen warmen Sitzplatz habe?

    Unterwegs wurden wir von einem RE1 überholt, der in Deutz nicht angekündigt worden war. Ärgern? Ja, wenige Minuten. Dann zurück zum inneren Weihnachtsmodus. Es ist längst eine neue Sitte der nichtfunktionierenden Bahn, dass Züge, die angeblich “ausfallen”, dann überraschend und unangekündigt doch fahren. Ein cleverer PR-Trick? Eher nicht.

    In Essen angekommen, hatte die örtliche Ruhrbahn den Fahrplanbetrieb schon eingestellt. Ich erreichte den Übergangsbetrieb zwischen Samstags- und Nachtfahrplan, der schon um 18 h starten sollte (= alle Linien nur noch stündlich). Mit der U-Bahn Glück gehabt: meine kam schon nach 10 Minuten, ein letzter Rest von “Metropole”, Heiligabend um 16 h.

    Rückfahrt

    Eine stündlich verkehrende Regionalbahn von Essen-Altenenssen sollte genau in der Stunde nicht fahren (sondern erst ab 10.1.), als das familiäre Mittagsmenü optimal gesättigt und gemütlich beendet war. Also fuhr meine Schwester mich auf gut Glück zum Essener Hauptbahnhof. Und was soll ich sagen: ich hatte den Bahnsteig 1/2 soeben betreten, da fuhr der RE1 nach Köln leicht verspätet ein, und hielt einen sonnigen Sitzplatz für mich bereit, zielsicher und ohne Ringkampf schnell und effektiv erspäht. Ich wollte schon freudig erregt meiner Schwester diesen sensationellen Erfolg übers Handy melden. Gut, dass ich es seingelassen habe. Denn in Düsseldorf-Flughafen war alles zuende. Es ging nicht mehr weiter. Und wenn, dann mit Schrittgeschwindigkeit.

    Der RE1 wird wie der RE5, beide im RRX-Design, vom britischen Anbieter “National Express” betrieben. Er hatte mutmasslich – die Verträge sind nichtöffentlich – den Verkehrsverbünden VRR und VRS das billigere Angebot gemacht. Ob er Tariflöhne zahlt? Was meinen Sie? Zugbegleiter*innen sind ja auch nur noch sehr, sehr schwer zu finden. Also bleiben sie eingespart. Der Lokpilot drückt penetrant informationsbefreite automatische Ansagen. “wir bitten um Entschuldigung”. Zweimal meldete er sich auf freier Strecke persönlich, nur um zu gestehen, dass er auch nichts wisse. Es ist in der Tat eine Betriebstatsache, dass die malochenden Beschäftigten der Bahn genausowenig informiert werden wie die Fahrgäste.

    Während wir im RE1 also geparkt waren, überholte uns der fahrplanmässig mit 20 Minuten hinter uns verkehrende RE5, der mich ab Köln hätte nach Bonn bringen können. Mit einer entsprechenden Information hätte in Düsseldorf-Flughafen eine letzte Wechselchance bestanden. Nun war er vor uns – und weg.

    In Düsseldorf-Benrath sah ich dann durchs Fenster auf einer Bahnsteiglaufschrift, dass unsere auf über 30 Minuten herangewachsene Verspätung ebenfalls mit einer “Signalstörung” begründet wurde. Unser Lokpilot wusste das offenbar nicht. Oder hats nur nicht gesagt …

    Auf der richtigen Rheinseite

    In Deutz dann mein Glück im Unglück. Der RE5 nach Bonn war zwar weg. Aber die Regionalbahn nach Beuel fuhr geradezu punktgemau, und ohne Umsteigehektik zu verursachen, ein. Unterm Strich war ich so sogar schneller zuhause.

    Geht doch.

    Nettofahrzeit Essen Hbf. – Beuel Haustür: 2 Std. 30 min. Schön war die Zeit, als es doppelt so schnell ging. Das hiess damals “Bundesbahn”.

  14. Neue Bedrohung

    Wundersame Bahn CCXXXVI – die Bahn wird in diesem Leben nicht mehr funktionieren, nicht in dieser Region

    Wie immer verkleiden es die PR-Fuzzis als gute Nachricht. Und die Lokalmedien werden es hinter der Paywall der Rheinischen Pest sogar zu verkaufen versuchen. Der WDR wurde ja schon von uns bezahlt: Neues Stellwerk: Kölner Hbf wird erst 2027 erneut gesperrt – Das neue elektronische Stellwerk des Kölner Hauptbahnhofs soll erst frühestens 2027 fertig werden. Die Deutsche Bahn hat am Donnerstag mitgeteilt, dass auch dann erst wieder der Bahnhof gesperrt werden soll. Ursprünglich war das im kommenden Jahr geplant.” An dieser Nachricht ist überhaupt nichts gut.

    Gefühlt wird das “Digitale Stellwerk Köln” schon seit 15 Jahren gebaut. Jedenfalls habe ich mich so lange schon an die Ausreden für Störungen und Sperrungen gewöhnt. Offenbar war im Jahr 2027 noch eine Lücke. Denn jetzt wird es so aussehen:

    2026 wird Troisdorf-Wiesbaden, also Beuel inkl., für ein halbes Jahr (geplant!) stillgelegt, “Generalsanierung”. 2027 ist dann der Kölner Hauptbahnhof dran. Und 2028 geht das mit den Brücken in Köln los. Noch ist Zeit, das zu diskutieren. Aber nicht viel. Klappen wir lieber dieses Jahrzehnt schon mal zu. Meine mittlere statistische Lebenserwartung beträgt danach weniger als 10 Jahre. Und sind gespannt, welche Überraschungen noch folgen …

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  15. Neue Bedrohung

    Wundersame Bahn CCXXXVI – die Bahn wird in diesem Leben nicht mehr funktionieren, nicht in dieser Region

    Wie immer verkleiden es die PR-Fuzzis als gute Nachricht. Und die Lokalmedien werden es hinter der Paywall der Rheinischen Pest sogar zu verkaufen versuchen. Der WDR wurde ja schon von uns bezahlt: Neues Stellwerk: Kölner Hbf wird erst 2027 erneut gesperrt – Das neue elektronische Stellwerk des Kölner Hauptbahnhofs soll erst frühestens 2027 fertig werden. Die Deutsche Bahn hat am Donnerstag mitgeteilt, dass auch dann erst wieder der Bahnhof gesperrt werden soll. Ursprünglich war das im kommenden Jahr geplant.” An dieser Nachricht ist überhaupt nichts gut.

    Gefühlt wird das “Digitale Stellwerk Köln” schon seit 15 Jahren gebaut. Jedenfalls habe ich mich so lange schon an die Ausreden für Störungen und Sperrungen gewöhnt. Offenbar war im Jahr 2027 noch eine Lücke. Denn jetzt wird es so aussehen:

    2026 wird Troisdorf-Wiesbaden, also Beuel inkl., für ein halbes Jahr (geplant!) stillgelegt, “Generalsanierung”. 2027 ist dann der Kölner Hauptbahnhof dran. Und 2028 geht das mit den Brücken in Köln los. Noch ist Zeit, das zu diskutieren. Aber nicht viel. Klappen wir lieber dieses Jahrzehnt schon mal zu. Meine mittlere statistische Lebenserwartung beträgt danach weniger als 10 Jahre. Und sind gespannt, welche Überraschungen noch folgen …

  16. Neue Bedrohung

    Wundersame Bahn CCXXXVI – die Bahn wird in diesem Leben nicht mehr funktionieren, nicht in dieser Region

    Wie immer verkleiden es die PR-Fuzzis als gute Nachricht. Und die Lokalmedien werden es hinter der Paywall der Rheinischen Pest sogar zu verkaufen versuchen. Der WDR wurde ja schon von uns bezahlt: Neues Stellwerk: Kölner Hbf wird erst 2027 erneut gesperrt – Das neue elektronische Stellwerk des Kölner Hauptbahnhofs soll erst frühestens 2027 fertig werden. Die Deutsche Bahn hat am Donnerstag mitgeteilt, dass auch dann erst wieder der Bahnhof gesperrt werden soll. Ursprünglich war das im kommenden Jahr geplant.” An dieser Nachricht ist überhaupt nichts gut.

    Gefühlt wird das “Digitale Stellwerk Köln” schon seit 15 Jahren gebaut. Jedenfalls habe ich mich so lange schon an die Ausreden für Störungen und Sperrungen gewöhnt. Offenbar war im Jahr 2027 noch eine Lücke. Denn jetzt wird es so aussehen:

    2026 wird Troisdorf-Wiesbaden, also Beuel inkl., für ein halbes Jahr (geplant!) stillgelegt, “Generalsanierung”. 2027 ist dann der Kölner Hauptbahnhof dran. Und 2028 geht das mit den Brücken in Köln los. Noch ist Zeit, das zu diskutieren. Aber nicht viel. Klappen wir lieber dieses Jahrzehnt schon mal zu. Meine mittlere statistische Lebenserwartung beträgt danach weniger als 10 Jahre. Und sind gespannt, welche Überraschungen noch folgen …

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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  17. Neue Bedrohung

    Wundersame Bahn CCXXXVI – die Bahn wird in diesem Leben nicht mehr funktionieren, nicht in dieser Region

    Wie immer verkleiden es die PR-Fuzzis als gute Nachricht. Und die Lokalmedien werden es hinter der Paywall der Rheinischen Pest sogar zu verkaufen versuchen. Der WDR wurde ja schon von uns bezahlt: Neues Stellwerk: Kölner Hbf wird erst 2027 erneut gesperrt – Das neue elektronische Stellwerk des Kölner Hauptbahnhofs soll erst frühestens 2027 fertig werden. Die Deutsche Bahn hat am Donnerstag mitgeteilt, dass auch dann erst wieder der Bahnhof gesperrt werden soll. Ursprünglich war das im kommenden Jahr geplant.” An dieser Nachricht ist überhaupt nichts gut.

    Gefühlt wird das “Digitale Stellwerk Köln” schon seit 15 Jahren gebaut. Jedenfalls habe ich mich so lange schon an die Ausreden für Störungen und Sperrungen gewöhnt. Offenbar war im Jahr 2027 noch eine Lücke. Denn jetzt wird es so aussehen:

    2026 wird Troisdorf-Wiesbaden, also Beuel inkl., für ein halbes Jahr (geplant!) stillgelegt, “Generalsanierung”. 2027 ist dann der Kölner Hauptbahnhof dran. Und 2028 geht das mit den Brücken in Köln los. Noch ist Zeit, das zu diskutieren. Aber nicht viel. Klappen wir lieber dieses Jahrzehnt schon mal zu. Meine mittlere statistische Lebenserwartung beträgt danach weniger als 10 Jahre. Und sind gespannt, welche Überraschungen noch folgen …

  18. Neue Bedrohung

    Wundersame Bahn CCXXXVI – die Bahn wird in diesem Leben nicht mehr funktionieren, nicht in dieser Region

    Wie immer verkleiden es die PR-Fuzzis als gute Nachricht. Und die Lokalmedien werden es hinter der Paywall der Rheinischen Pest sogar zu verkaufen versuchen. Der WDR wurde ja schon von uns bezahlt: Neues Stellwerk: Kölner Hbf wird erst 2027 erneut gesperrt – Das neue elektronische Stellwerk des Kölner Hauptbahnhofs soll erst frühestens 2027 fertig werden. Die Deutsche Bahn hat am Donnerstag mitgeteilt, dass auch dann erst wieder der Bahnhof gesperrt werden soll. Ursprünglich war das im kommenden Jahr geplant.” An dieser Nachricht ist überhaupt nichts gut.

    Gefühlt wird das “Digitale Stellwerk Köln” schon seit 15 Jahren gebaut. Jedenfalls habe ich mich so lange schon an die Ausreden für Störungen und Sperrungen gewöhnt. Offenbar war im Jahr 2027 noch eine Lücke. Denn jetzt wird es so aussehen:

    2026 wird Troisdorf-Wiesbaden, also Beuel inkl., für ein halbes Jahr (geplant!) stillgelegt, “Generalsanierung”. 2027 ist dann der Kölner Hauptbahnhof dran. Und 2028 geht das mit den Brücken in Köln los. Noch ist Zeit, das zu diskutieren. Aber nicht viel. Klappen wir lieber dieses Jahrzehnt schon mal zu. Meine mittlere statistische Lebenserwartung beträgt danach weniger als 10 Jahre. Und sind gespannt, welche Überraschungen noch folgen …

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  19. Irgendwann ist immer das erste Mal

    Wundersame Bahn CCXXXV – Beuel-Ehrenfeld und nicht zurück

    Der WDR hat gestern gewarnt. Da passt es ja, dass heute die renovierte Beethovenhalle wiedereröffnet werden soll. So kennen wir uns und unsere Region. Ich war gewarnt, aber ich hör’ ja nicht. Merkwürdig auf bahn.de erschien schon, dass es für angeblich umgeleitete ICs hiess: “fällt heute aus”. Merkwürdig auch, dass mein normalerweise zweizügiger RE, der doch zusätzlich Fahrgäste der falschen Rheinseite aufnehmen musste, dieses Mal nur einzügig erschien. Tür kaputt. Toilette kaputt. Eine Zubegleiterin – ungewöhnlich! – war dabei, schien aber entnervt. Die eigentliche Sensation aber:

    Der Zug fuhr auf der rechtsrheinischen Strecke störungsfrei und pünktlich. Meine Verabredung in Ehrenfeld wurde erreicht! Hammer!

    Nach einem wie immer schönen Abend mit besten Freundinnen Rückweg. Keine Verspätungen ab Ehrenfeld angezeigt. 10 Minuten vor Abfahrt auf dem – in Ehrenfeld sehr langen für Fernzüge geeigneten – Bahnsteig. An beiden Enden eine Überdachung. Ich vertrete mir die Beine in der abendlichen Dezemberkälte. Die Bahn trifft absolut pünktlich ein. Jedoch wieder nur einzügig. Sie zieht vor bis ans entgegengesetzte Ende des Bahnsteiges. Die meisten Fahrgäste hingegen warten am hinteren Westende/Venloer Str., wo der Übergang zum Kölner U-Bahnnetz ist. Die Bahn steht dagegen nun nahezu an der Subbelrather Strasse. Ohne Zugbegleiter*in, die früher, als es sie noch gab, bei der Bahnsteigabfertigung behilflich waren.

    Eine junge Frau sprintet der Bahn hinterher und erreicht sie (knapp). Ich folge schnellen Schrittes im Gehen (nach einem Herzinfarkt vor einem halben Jahr). Ich betätige die hinterste Tür. Sie öffnet nicht. Der Türdrücker leuchtet auch nicht. Ich gehe eine Tür weiter. Nochmal dasselbe. Ich schaue nach vorne: noch eine Tür offen? Nein. Ein Rückblick der*des Lokpilot*in? Nicht zu erkennen. Überall “Kameraüberwachung”, aber kein Blick auf die unzähligen Monitore? Was soll das? Die Bahn fährt ab. Pünktlich. Ohne mich.

    Das hatte ich so noch nicht (ich bin jetzt 68).

    Zornentbrannt, irrational, und um in Bewegung zu kommen und nicht untätig zu verzweifeln, wechselte ich das Bahnsystem und stieg in die Tiefen der Kölner U-Bahn hinab. Von Ehrenfeld begab ich mich zum Neumarkt, um dort das Angebot der vom WDR empfohlenen 16 und 18 in Augenschein zu nehmen. Tja, was soll ich sagen: die (schnellere) 16 “entfällt”, mehrfach. Die durch das Vorgebirge kriechende 18 ist immer die allerletzte Rückfallposition (sie fuhr früher immer bei Roland Appel durch den Garten). Zuletzt hatte ich sie bei einer Rückreise aus dem Ruhrgebiet benutzen müssen, als “Brings” gerade mit einem Stadionkonzert fertig war. So ähnlich war sie gestern auch gefüllt. Aber ab Hürth eroberte ich einen Sitzplatz.

    In Ehrenfeld 25 Minuten warten und die nächste Regionalbahn nach Beuel nehmen, wäre sicher klüger gewesen. Stellen Sie sich, wie im Comic bei Donald Duck, über mir eine schwarze Rauchwolke vor. In Bewegung verzog sie sich besser. Der Bus nachhause sollte in 11 Minuten kommen. Ich ging vom Adenauerplatz die letzten Meter lieber zu Fuss. Das war fürs friedliche Einschlafen von Vorteil.

    Bhf. Ehrenfeld – Haustür Beuel: 2 Stunden. Reisen im Rheinland ist keine gute Idee.

    Anm. zum Bhf. Beuel: die denkmalswürdige Treppenkonstruktion zum Bahnsteig 2/3 ist abgerissen, wie schade, eine Landmarke weniger. Die Unterführung ist wieder da, jetzt wieder ohne Aufzug, also barrierereich. Die Bahnsteigüberdachung ist neu und weit hässlicher, auf jeden Fall aber in jeder Hinsicht luftig. Wie auch die Möblierung. Bringen Sie sich zum Sitzen eine Zeitung mit, sonst kriecht Ihnen der Wind tief in die Arschritze. Beim Blick aufs Bahnhofsgebäude sind noch die Fensterfront für die Bahnsteigüberwachung und die Tür der Gepäckabfertigung zu erkennen, selbstverständlich alles menschenleer. Früher, als dort noch Menschen arbeiteten, konnten die sogar Rollstühle beim sicheren Überqueren der Gleise assistieren, wie es auch die “Gepäckabfertigung” (sowas gab es, ich habe es erlebt!) tat. Es war die Zeit der vielbelästerten Bundesbahn. Es war nicht alles schlecht.

  20. Irgendwann ist immer das erste Mal

    Wundersame Bahn CCXXXV – Beuel-Ehrenfeld und nicht zurück

    Der WDR hat gestern gewarnt. Da passt es ja, dass heute die renovierte Beethovenhalle wiedereröffnet werden soll. So kennen wir uns und unsere Region. Ich war gewarnt, aber ich hör’ ja nicht. Merkwürdig auf bahn.de erschien schon, dass es für angeblich umgeleitete ICs hiess: “fällt heute aus”. Merkwürdig auch, dass mein normalerweise zweizügiger RE, der doch zusätzlich Fahrgäste der falschen Rheinseite aufnehmen musste, dieses Mal nur einzügig erschien. Tür kaputt. Toilette kaputt. Eine Zubegleiterin – ungewöhnlich! – war dabei, schien aber entnervt. Die eigentliche Sensation aber:

    Der Zug fuhr auf der rechtsrheinischen Strecke störungsfrei und pünktlich. Meine Verabredung in Ehrenfeld wurde erreicht! Hammer!

    Nach einem wie immer schönen Abend mit besten Freundinnen Rückweg. Keine Verspätungen ab Ehrenfeld angezeigt. 10 Minuten vor Abfahrt auf dem – in Ehrenfeld sehr langen für Fernzüge geeigneten – Bahnsteig. An beiden Enden eine Überdachung. Ich vertrete mir die Beine in der abendlichen Dezemberkälte. Die Bahn trifft absolut pünktlich ein. Jedoch wieder nur einzügig. Sie zieht vor bis ans entgegengesetzte Ende des Bahnsteiges. Die meisten Fahrgäste hingegen warten am hinteren Westende/Venloer Str., wo der Übergang zum Kölner U-Bahnnetz ist. Die Bahn steht dagegen nun nahezu an der Subbelrather Strasse. Ohne Zugbegleiter*in, die früher, als es sie noch gab, bei der Bahnsteigabfertigung behilflich waren.

    Eine junge Frau sprintet der Bahn hinterher und erreicht sie (knapp). Ich folge schnellen Schrittes im Gehen (nach einem Herzinfarkt vor einem halben Jahr). Ich betätige die hinterste Tür. Sie öffnet nicht. Der Türdrücker leuchtet auch nicht. Ich gehe eine Tür weiter. Nochmal dasselbe. Ich schaue nach vorne: noch eine Tür offen? Nein. Ein Rückblick der*des Lokpilot*in? Nicht zu erkennen. Überall “Kameraüberwachung”, aber kein Blick auf die unzähligen Monitore? Was soll das? Die Bahn fährt ab. Pünktlich. Ohne mich.

    Das hatte ich so noch nicht (ich bin jetzt 68).

    Zornentbrannt, irrational, und um in Bewegung zu kommen und nicht untätig zu verzweifeln, wechselte ich das Bahnsystem und stieg in die Tiefen der Kölner U-Bahn hinab. Von Ehrenfeld begab ich mich zum Neumarkt, um dort das Angebot der vom WDR empfohlenen 16 und 18 in Augenschein zu nehmen. Tja, was soll ich sagen: die (schnellere) 16 “entfällt”, mehrfach. Die durch das Vorgebirge kriechende 18 ist immer die allerletzte Rückfallposition (sie fuhr früher immer bei Roland Appel durch den Garten). Zuletzt hatte ich sie bei einer Rückreise aus dem Ruhrgebiet benutzen müssen, als “Brings” gerade mit einem Stadionkonzert fertig war. So ähnlich war sie gestern auch gefüllt. Aber ab Hürth eroberte ich einen Sitzplatz.

    In Ehrenfeld 25 Minuten warten und die nächste Regionalbahn nach Beuel nehmen, wäre sicher klüger gewesen. Stellen Sie sich, wie im Comic bei Donald Duck, über mir eine schwarze Rauchwolke vor. In Bewegung verzog sie sich besser. Der Bus nachhause sollte in 11 Minuten kommen. Ich ging vom Adenauerplatz die letzten Meter lieber zu Fuss. Das war fürs friedliche Einschlafen von Vorteil.

    Bhf. Ehrenfeld – Haustür Beuel: 2 Stunden. Reisen im Rheinland ist keine gute Idee.

    Anm. zum Bhf. Beuel: die denkmalswürdige Treppenkonstruktion zum Bahnsteig 2/3 ist abgerissen, wie schade, eine Landmarke weniger. Die Unterführung ist wieder da, jetzt wieder ohne Aufzug, also barrierereich. Die Bahnsteigüberdachung ist neu und weit hässlicher, auf jeden Fall aber in jeder Hinsicht luftig. Wie auch die Möblierung. Bringen Sie sich zum Sitzen eine Zeitung mit, sonst kriecht Ihnen der Wind tief in die Arschritze. Beim Blick aufs Bahnhofsgebäude sind noch die Fensterfront für die Bahnsteigüberwachung und die Tür der Gepäckabfertigung zu erkennen, selbstverständlich alles menschenleer. Früher, als dort noch Menschen arbeiteten, konnten die sogar Rollstühle beim sicheren Überqueren der Gleise assistieren, wie es auch die “Gepäckabfertigung” (sowas gab es, ich habe es erlebt!) tat. Es war die Zeit der vielbelästerten Bundesbahn. Es war nicht alles schlecht.

  21. NRW wird 2026 umfassend stillgelegt

    Wundersame Bahn CCXXXIV – Knoten Duisburg hat Infarkt

    Die in Essen ansässige Funke-Mediengruppe meldet es nur hinter Paywall. Dagegen gibt es einfache Mittel. Es geht um öffentliche Interessen. Und dieser Verkehrsinfarkt liegt nicht an der Bahn, sondern an der Autobahn. Ihre sog. GmbH, ein Staatsunternehmen, nicht wirklich effizienter als die gute alte Bundesbahn, nach der sich die Älteren heute zurücksehnen, kommt mit dem Spaghettiknoten in Duisburg-Kaiserberg nicht zurecht. Unter ihm und über ihn drüber fahren nämlich fast alle wichtigen Eisenbahnlinien unseres kleinen unbedeutenden Bundeslandes. Aber nicht zwischen dem 9. Januar und dem 6. Februar.

    Ein Bahnsprecher wird in der digital eingemauerten Meldung so zitiert: “Dritte wie beispielsweise die Autobahn GmbH müssen daher mögliche Bedarfe an Sperrungen, die die DB betreffen, rechtzeitig anmelden, bis drei Jahre vor der geplanten Sperrung“ Da fragt sich der Leser und die Leserin spontan, warum “wir” es immer so spät erfahren. Hätte ich doch früher meine Rente beantragt …

    Wir in Beuel freuen uns schon seit Jahren auf die Vollsperrung zwischen Troisdorf und Wiesbaden im zweiten Halbjahr ’26. Endlich mal nachts durchschlafen … wenn der Fluglärm nicht wäre …

    Wie gesagt – Bundesbahn war ‘ne schöne Zeit.

  22. NRW wird 2026 umfassend stillgelegt

    Wundersame Bahn CCXXXIV – Knoten Duisburg hat Infarkt

    Die in Essen ansässige Funke-Mediengruppe meldet es nur hinter Paywall. Dagegen gibt es einfache Mittel. Es geht um öffentliche Interessen. Und dieser Verkehrsinfarkt liegt nicht an der Bahn, sondern an der Autobahn. Ihre sog. GmbH, ein Staatsunternehmen, nicht wirklich effizienter als die gute alte Bundesbahn, nach der sich die Älteren heute zurücksehnen, kommt mit dem Spaghettiknoten in Duisburg-Kaiserberg nicht zurecht. Unter ihm und über ihn drüber fahren nämlich fast alle wichtigen Eisenbahnlinien unseres kleinen unbedeutenden Bundeslandes. Aber nicht zwischen dem 9. Januar und dem 6. Februar.

    Ein Bahnsprecher wird in der digital eingemauerten Meldung so zitiert: “Dritte wie beispielsweise die Autobahn GmbH müssen daher mögliche Bedarfe an Sperrungen, die die DB betreffen, rechtzeitig anmelden, bis drei Jahre vor der geplanten Sperrung“ Da fragt sich der Leser und die Leserin spontan, warum “wir” es immer so spät erfahren. Hätte ich doch früher meine Rente beantragt …

    Wir in Beuel freuen uns schon seit Jahren auf die Vollsperrung zwischen Troisdorf und Wiesbaden im zweiten Halbjahr ’26. Endlich mal nachts durchschlafen … wenn der Fluglärm nicht wäre …

    Wie gesagt – Bundesbahn war ‘ne schöne Zeit.

  23. Stichwahl – Beschleunigung

    Wundersame Bahn CCXXIII

    Stichgewählt habe ich selbstverständlich schon vor über einer Woche. In meiner Lage kann mann ja nie wissen, wieviele Tage ich noch habe. Da ist es besser, der Stimmzettel ist vor mir in der Urne. Heute Mittag am Adenauerplatz gab es mal wieder eine Bahnszene, die meine Entscheidung illustriert und begründet.

    Als wählender Fussgänger hätte ich erwartet, dass die nach der letzten Kommunalwahl gewählte neue politische Mehrheit eine Entscheidung rückgängig gemacht hätte, die noch unter Führung des heutigen CDU-OB-Kandidaten gefällt wurde. Der Fussgängerüberweg am Adenauerplatz auf Höhe der von-Sandt-Strasse und direkter Zugang zum Bistro “El Horizonte” sowie zu Bücher Bartz wurde – angeblich als “Versuch”, die Baustellenbaken stehen dort heute noch – stillgelegt. Das ist nun 6-7 Jahre her. Offenbar war es zuviel verlangt, dass er unter grüner politischer Führung wiederhergestellt wird. Die Baken stehen immer noch.

    Die vorgebliche Begründung, die ebenso für den (noch geplanten) Abriss mehrerer Häuser in der St. Augustiner Strasse herhalten muss, ist “Beschleunigung” für die Bahn, und zwar besonders die Linie 66, die doch all die eiligen Reisenden zum ICE-Bahnhof bringen soll. Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: die meisten Reisenden fahren gar nicht ICE! Die fahren Regional-Express. Entsprechend voll ist der auch immer. Aber woher sollen Politiker*innen das wissen?

    Heute Mittag nun folgende Szene am Adenauerplatz. Ich wartete auf meinen Bus, angezeigt und eingehaltene Wartezeit: 5 Minuten. Eine Linie 62 kam von der Brücke. Wartete am Fussgängerüberweg. Danach 20 Meter weiter die nächste Ampel. Die 62 wartete erneut, denn bevor sie rechts abbiegen konnte, erhielten die Autos (und Busse) Vorrang durch die Ampelschaltung. Hinter der 62 wartete die 66 an ebendieser Fussgängerüberweg-Ampel. Das Warten unmittelbar hinter der 62 hätte den Überweg blockiert (Bahn zu lang).

    Dann durfte die 62 endlich nach rechts. Die 66 musste jedoch erneut Fussgänger abwarten. Derweil überholte sie mein ankommender Bus. Umsteigeanschlüsse? Was ist das? Im Verkehrsverbund? Die Bahnfahrgäste hatten das Nachsehen, im Sinne des Wortes. Am Ausgang der Haltestelle für beide, Bus und Bahn, Rot an der Fussgängerampel.

    Im Klartext: eine ÖPNV-orientierte Ampelschaltung, eine vom Fahrzeug aus zu betätigende Ampel z.B. (gibt es technisch seit den 80ern!, statt von KI von echten Menschen betätigt, durch analogen Tastendruck, kann sich das heute noch jemand vorstellen?), würde mehr beschleunigen, als der Häuser-Abriss und eine mehrjährig quälende verkehrsbehindernde Baustelle, zu weit geringeren Kosten.

    Die Oberbürgermeisterin hatte fünf Jahre Zeit, sich darum zu kümmern, und hat es nicht geschafft. Ich hätte nicht tauschen wollen, sie hatte mehr zu tun, als gesund ist. Ihr Gegenkandidat ist dagegen Garantie für das Gegenteil: die Häuserabriss würde beginnen. Denn “Immobilienexperte” machte der beruflich. Mit den Versuchen zum Klimaschutz wäre es in der Stadt so vorbei, wie mit dieser Bundesregierung. Ist es das, was die Bonner SPD will? Die muss froh sein, wenn es noch Leute gibt, die diese Frage überhaupt stellen.

    Dann lieber noch diese eine Chance für die Amtsinhaberin und ihre Leute in Stadtrat und Bezirksvertretung. Es könnte die Letzte sein.

  24. Stichwahl – Beschleunigung

    Wundersame Bahn CCXXIII

    Stichgewählt habe ich selbstverständlich schon vor über einer Woche. In meiner Lage kann mann ja nie wissen, wieviele Tage ich noch habe. Da ist es besser, der Stimmzettel ist vor mir in der Urne. Heute Mittag am Adenauerplatz gab es mal wieder eine Bahnszene, die meine Entscheidung illustriert und begründet.

    Als wählender Fussgänger hätte ich erwartet, dass die nach der letzten Kommunalwahl gewählte neue politische Mehrheit eine Entscheidung rückgängig gemacht hätte, die noch unter Führung des heutigen CDU-OB-Kandidaten gefällt wurde. Der Fussgängerüberweg am Adenauerplatz auf Höhe der von-Sandt-Strasse und direkter Zugang zum Bistro “El Horizonte” sowie zu Bücher Bartz wurde – angeblich als “Versuch”, die Baustellenbaken stehen dort heute noch – stillgelegt. Das ist nun 6-7 Jahre her. Offenbar war es zuviel verlangt, dass er unter grüner politischer Führung wiederhergestellt wird. Die Baken stehen immer noch.

    Die vorgebliche Begründung, die ebenso für den (noch geplanten) Abriss mehrerer Häuser in der St. Augustiner Strasse herhalten muss, ist “Beschleunigung” für die Bahn, und zwar besonders die Linie 66, die doch all die eiligen Reisenden zum ICE-Bahnhof bringen soll. Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: die meisten Reisenden fahren gar nicht ICE! Die fahren Regional-Express. Entsprechend voll ist der auch immer. Aber woher sollen Politiker*innen das wissen?

    Heute Mittag nun folgende Szene am Adenauerplatz. Ich wartete auf meinen Bus, angezeigt und eingehaltene Wartezeit: 5 Minuten. Eine Linie 62 kam von der Brücke. Wartete am Fussgängerüberweg. Danach 20 Meter weiter die nächste Ampel. Die 62 wartete erneut, denn bevor sie rechts abbiegen konnte, erhielten die Autos (und Busse) Vorrang durch die Ampelschaltung. Hinter der 62 wartete die 66 an ebendieser Fussgängerüberweg-Ampel. Das Warten unmittelbar hinter der 62 hätte den Überweg blockiert (Bahn zu lang).

    Dann durfte die 62 endlich nach rechts. Die 66 musste jedoch erneut Fussgänger abwarten. Derweil überholte sie mein ankommender Bus. Umsteigeanschlüsse? Was ist das? Im Verkehrsverbund? Die Bahnfahrgäste hatten das Nachsehen, im Sinne des Wortes. Am Ausgang der Haltestelle für beide, Bus und Bahn, Rot an der Fussgängerampel.

    Im Klartext: eine ÖPNV-orientierte Ampelschaltung, eine vom Fahrzeug aus zu betätigende Ampel z.B. (gibt es technisch seit den 80ern!, statt von KI von echten Menschen betätigt, durch analogen Tastendruck, kann sich das heute noch jemand vorstellen?), würde mehr beschleunigen, als der Häuser-Abriss und eine mehrjährig quälende verkehrsbehindernde Baustelle, zu weit geringeren Kosten.

    Die Oberbürgermeisterin hatte fünf Jahre Zeit, sich darum zu kümmern, und hat es nicht geschafft. Ich hätte nicht tauschen wollen, sie hatte mehr zu tun, als gesund ist. Ihr Gegenkandidat ist dagegen Garantie für das Gegenteil: die Häuserabriss würde beginnen. Denn “Immobilienexperte” machte der beruflich. Mit den Versuchen zum Klimaschutz wäre es in der Stadt so vorbei, wie mit dieser Bundesregierung. Ist es das, was die Bonner SPD will? Die muss froh sein, wenn es noch Leute gibt, die diese Frage überhaupt stellen.

    Dann lieber noch diese eine Chance für die Amtsinhaberin und ihre Leute in Stadtrat und Bezirksvertretung. Es könnte die Letzte sein.

  25. Bonn an Bahn

    Wundersame Bahn CCXXVIII

    Weil die Lokalpresse nur hinter Paywall berichtet, dokumentieren wir hier ein Schreiben der Stadt Bonn an die Deutsche Bahn und den Verkehrsverbund, der sich “go:Rheinland” nennt (keine Ahnung, wer sich das wieder ausgedacht hat, aber es gibt Wichtigeres).

    Bahnverbindung Bonn-Köln: Wirtschaft und Stadt fordern Alternativen für Bonn

    Angesichts der geplanten linksrheinischen Bahnsperrungen ab 2028 wenden sich die größten Arbeitgeber der Bundessstadt Bonn, die IHK Bonn/Rhein-Sieg sowie die Stadt Bonn mit einem gemeinsamen Schreiben an die Deutsche Bahn sowie den Zweckverband go.Rheinland. Darin setzen sie sich für Alternativen während der anstehenden Bauarbeiten auf der linksrheinischen Bahnstrecke ein.

    Hintergrund

    Nach aktuellen Planungen der Deutschen Bahn wird der Zugverkehr zwischen dem Bonner und Kölner Hauptbahnhof ab dem Jahr 2028 für gut zwei Jahre unterbrochen. Grund dafür ist die aktuell für die erste Jahreshälfte 2028 geplante fünfmonatige Generalsanierung der linksrheinischen Bahnstrecke sowie die darauffolgende 17-monatige Vollsperrung auf derselben Strecke im Westen Kölns für den Neubau von vier Brücken.

    „Anbindung nach Köln ist Bonns wichtigste Bahnverbindung“

    Im Schreiben betonen die Unterzeichner aus der Wirtschaft sowie Oberbürgermeisterin Katja Dörner die große Bedeutung der Verbindung zwischen Bonn und Köln: „Rund 17.000 Personen pendeln täglich aus Köln nach Bonn, rund 15.000 Personen wiederum aus Bonn nach Köln. Über Köln verläuft die Anbindung Bonns in Richtung Düsseldorf und weiter in das Ruhrgebiet. Für die zahlreichen Bundesbehörden in Bonn stellt wegen aktuell gekappter Direktverbindungen Köln den Anschluss nach Berlin dar. Als zentraler Fernverkehrsknoten bindet Köln die Bundesstadt Bonn außerdem an Ziele in ganz Deutschland und Europa an.“

    Daher fordern sie zuallererst eine unmittelbare Einbeziehung der Stadt Bonn als direkt Betroffene in die bereits begonnenen Abstimmungsgespräche zwischen Deutscher Bahn, go.Rheinland, Stadt Köln und Kölner Verkehrsbetriebe, „um regional verträgliche Konzepte für die Sperrzeiten erarbeiten zu können“.

    Grundsätzlich begrüßen die Arbeitgebenden, IHK und Stadt Bonn die Sanierung und den Ausbau des Bahnnetzes in Bonn und der Region. Sie weisen jedoch auf die bereits seit längerem bestehenden Einschränkungen im Bonner Bahnverkehr hin. Angesichts dessen gebe es viel Verunsicherung mit Blick auf die geplanten Baumaßnahmen: „Bonn kämpft bereits seit Jahren mit den Auswirkungen zahlreicher links- und rechtsrheinischer Baumaßnahmen mit teils umfassenden und dauerhaften Einschränkungen des Nah- und Fernverkehrs.“ Bereits jetzt sei das Bahnangebot ohne Baumaßnahmen nicht zufriedenstellend.

    Attraktive Alternativen und Ersatz sind essenziell

    Gemeinsam setzen sich die Unterzeichner des Schreibens für konkrete Anliegen und Lösungsvorschläge ein. Dabei fordern sie zuallererst „regelmäßige und transparente Information“. Sowohl Wirtschaft als auch Verwaltung bieten dafür an, eigene Kanäle und Formate zur Vernetzung zu nutzen. Besonders wichtig ist beiden eine „optimale Verzahnung von Baumaßnahmen und Diskussion von Alternativen“, bestenfalls mit einer Kombination aus Generalsanierung und Brückensperrung; denn: „Für Bonn würde diese Maßnahme die Sperrung in Richtung Köln um ganze fünf Monate verkürzen.“ Auch kommende Großbaustellen der 2030er Jahre sollen mitgedacht, verzahnt und frühzeitig im Dialog öffentlich kommuniziert werden.

    Sie beschreiben darüber hinaus konkrete Möglichkeiten für ein attraktives Ersatzkonzept. Hierfür zentral könnte der Bahnhof Bonn-Beuel sein – „als Lebensader zwischen Bonn und Köln während der zweijährigen Sperrung auf der linken Rheinstrecke“. Daher schlagen sie vor:

    Eine durchgängige S-Bahn-Verbindung zwischen Bonn-Beuel und Köln: „Die jetzigen Baumaßnahmen verdeutlichen noch einmal die hohe Bedeutung einer durchgängig und regelmäßig verkehrenden S 13. Gemeinsam mit dem RE 8 würde sich so am Bahnhof Bonn-Beuel eine Taktung vergleichbar mit der des Bonner Hauptbahnhofes ergeben.“ Die Oberbürgermeisterin hat sich, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, zusätzlich an den neuen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder gewandt. In einem aktuellen Schreiben weist sie auf den bereits 1994 vertraglich zugesicherten Ausbau der Verbindung und deren Bedeutung für Bonn hin. Dabei bittet die Oberbürgermeisterin den Minister, auf eine zeitnahe Fertigstellung der S 13 bis Bonn-Oberkassel einzuwirken.

    Bonner Fernverkehrsanbindung über Beuel aufrechterhalten: Ab 2027 können ICE-Züge in Bonn-Beuel halten. Aus Sicht der Arbeitgebenden, IHK Bonn/Rhein-Sieg und Stadt soll „die Bonner ICE-Anbindung über Bonn-Beuel so weit wie möglich aufrechterhalten werden.“
    Fernverkehrsanbindung in Siegburg/Bonn sichern: Durch die Sperrung wächst die Bedeutung des dortigen Fernbahnhofs. Daher sollte ein verlässlicher ICE-Takt mit einer möglichst hohen Zahl an täglichen Verbindungen gewährleistet werden.

    Halt in Köln Süd und/oder am Bonner Wall: Die Unterzeichnenden bitten darum, einen möglichen Halt in Köln-Süd während der Sperrung im Kölner Westen noch einmal zu untersuchen und führen aus: „In jedem Fall zu unterstützen ist der Bau eines temporären Halts an der Bonner Straße zur Verknüpfung mit der dortigen Stadtbahnhaltestelle Bonner Wall.“

    Durchbindung des RE 5: Der RE 5 sollte als „direkte und schnelle Anbindung“ über die Kölner Südbrücke auf dem zügigsten Weg weiter in die Landeshauptstadt, zum dortigen Flughafen und darüber hinaus durchgebunden werden.

    Sowohl Wirtschaft als auch Stadt Bonn erklären ihre Bereitschaft, durch eine enge Kooperation ein attraktives Ersatzkonzept umzusetzen. Dabei sollten attraktive Busverbindungen, darunter auch Schnell- oder Direktverbindungen – insbesondere zwischen dem Bonner und Kölner Hauptbahnhof – angeboten werden. Die Oberbürgermeisterin bietet an, den Bonner Nahverkehr stärker als bisher auf den Bahnhof Bonn-Beuel auszurichten – falls dort während der Sperrungen mehr Bahnen fahren sollten. Bei der Erstellung eines Ersatzkonzepts sollten „insbesondere die Arbeitgebenden in der Stadt stärker eingebunden werden, damit diese sich mit eigenen Lösungen und Ideen einbringen können.“

    Abschließend plädieren die Arbeitgebenden, IHK Bonn/Rhein-Sieg und die Oberbürgermeisterin Katja Dörner für einen regelmäßigen Austausch, um Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Das Ziel müsse sein, die Folgen der notwendigen Baumaßnahmen für Bonn und die Region zu begrenzen.

    Die Unterzeichnenden des Schreibens

    Für die Stadt Bonn wurde das Schreiben in Namen der Oberbürgermeisterin Katja Dörner sowie des Stadtbaurates Helmut Wiesner unterzeichnet. Aus der Wirtschaft sind die Absenderinnen die BaFin, die Deutsche Telekom AG, die DHL Group, die IHK Bonn/Rhein-Sieg, die Universität Bonn sowie das Universitätsklinikum Bonn.

    Dieser Beitrag wurde der Seite bonn.de der Stadt Bonn entnommen.

    Über Gastautor:innen (*):

    Unter der Kennung "Gastautor:innen" fassen wir die unterschiedlichsten Beiträge externer Quellen zusammen, die wir dankbar im Beueler-Extradienst (wieder-)veröffentlichen dürfen. Die Autor*innen, Quellen und ggf. Lizenzen sind, soweit bekannt, jeweils im Beitrag vermerkt und/oder verlinkt.

  26. Militant werden

    Das Recht auf analoges Leben braucht mehr Kämpfer*innen-Herz / Wundersame Bahn CLXXX
    Mehrmals schon hatte ich bemerkt, dass die schärfsten Befürworter*innen für ein Recht auf analoges Leben die digitalen Nerds vom CCC oder von Digitalcourage sind. Denn die wi extradienst.net/2024/01/05/mil

    #Brgerrechte #Deutschland #Digital #Politik #Verkehrspolitik #CCC #DeutscheBahnAG #Digitalcourage #Fahrgste #Netzpolitikorg #telepolis #TimoSieg #WundersameBahn

  27. Militant werden

    Das Recht auf analoges Leben braucht mehr Kämpfer*innen-Herz / Wundersame Bahn CLXXX
    Mehrmals schon hatte ich bemerkt, dass die schärfsten Befürworter*innen für ein Recht auf analoges Leben die digitalen Nerds vom CCC oder von Digitalcourage sind. Denn die wi extradienst.net/2024/01/05/mil

    #Brgerrechte #Deutschland #Digital #Politik #Verkehrspolitik #CCC #DeutscheBahnAG #Digitalcourage #Fahrgste #Netzpolitikorg #telepolis #TimoSieg #WundersameBahn

  28. Die schlechten Nachrichten

    SZ ruft zu den Waffen – Wundersame Bahn fährt immer weniger – Wohin mit Ihrem Geld?

    Die schlechteste Nachricht zum Jahresende ist gewiss diese, von der Florian Rötzer/overton nur der Überbringer ist. Die SZ lese ich nicht (Paywall), und Stefan Kornelius würde ich aus gesundheitlichen Gründen selbst ohne Paywall nicht lesen. US-Militärkoalition gegen Huthis riskiert Eskalation, Bundesmarine soll auch dabei sein – Bis auf Bahrain hat sich bemerkenswerter Weise kein arabisches Land angeschlossen. In der SZ wird gegen die Huthis, die irgendwie mit ‘Putin, Hamas und ihren schiitischen Ziehvätern’ unter einer Decke stecken sollen, der Einsatz militärischer Gewalt gefordert.” Da der Herr Kornelius über exzellente Nato-Beziehungen verfügt, muss ich davon ausgehen, dass das alles ernstzunehmen ist. Nicht in meinem Denken, aber als mich und Sie umgebende politische Wirklichkeit.

    Kriegsdienst verweigern

    Mehr Sympathie bringe ich allen entgegen, die den Kriegsdienst verweigern. In Russland und der Ukraine gibt es offenbar sehr viele, die das tun. Präsident Wolodymyr Selenskij klagt öffentlich darüber; seine Reserven sind kleiner als die von Wladimir Putin. Auch hier überbringt mir Florian Rötzer entsprechende Nachrichten: Ukraine: Lieber Verlust der Staatsbürgerschaft als Mobilisierung – Die Personalnot der ukrainischen Streitkräfte tritt immer deutlicher zutage. Nach Online-Umfragen der Abgeordneten Bezhula scheint die Bereitschaft von vielen Männern und Frauen gering zu sein, in den Krieg zu ziehen.”

    Ich versichere dem Herrn Kornelius und allen seinen politischen und publizistischen Freund*inn*en: bei uns wäre es nicht anders. Es gibt nur eine Frage, die ich (noch) nicht beantworten kann: wohin fliehen?

    Wundersame Bahn klemmt Bonn und Beuel ab

    Zumal ich nicht weiss, mit welchem Verkehrsmittel. Denn im Januar (8.-21.) wird die Bahn Bonn und Beuel sogar von Köln weitgehend abklemmen. Nur die Stadtbahnlinien 16 und 18 werden uns – sofern sie fahren – noch mit der Aussenwelt verbinden. Es ist zweifellos eine schwere Strafe, in Bonn und mit den Bonner*inne*n eingesperrt zu sein. Schlimmer ist es nur für die, die hier arbeiten müssen. Wie sollen sie rein- und wieder rauskommen? Bitter.

    Rächen Sie sich mit Spenden

    Wenn ich oben die Kriegsdienstverweigerung verherrliche, führt kein Weg am Connection e.V. vorbei.

    Wenn Sie die Flüchtingspolitik der EU und der Bundesregierung so anwidert wie mich, und Sie keine Flüchtlingsinitiative in Ihrer Nähe kennen, dann bitte hier entlang zu ProAsyl.

    Und wenn Ihnen die ganze Richtung in der vermachteten deutschen Medienlandschaft nicht passt, dann sind sie bei Netzpolitik.org richtig.

    Ich musste im Vorjahr als Rentner erstmals Steuern zahlen. Dann lieber an eine dieser Adressen, als an Christian Lindner.

  29. Die schlechten Nachrichten

    SZ ruft zu den Waffen – Wundersame Bahn fährt immer weniger – Wohin mit Ihrem Geld?

    Die schlechteste Nachricht zum Jahresende ist gewiss diese, von der Florian Rötzer/overton nur der Überbringer ist. Die SZ lese ich nicht (Paywall), und Stefan Kornelius würde ich aus gesundheitlichen Gründen selbst ohne Paywall nicht lesen. US-Militärkoalition gegen Huthis riskiert Eskalation, Bundesmarine soll auch dabei sein – Bis auf Bahrain hat sich bemerkenswerter Weise kein arabisches Land angeschlossen. In der SZ wird gegen die Huthis, die irgendwie mit ‘Putin, Hamas und ihren schiitischen Ziehvätern’ unter einer Decke stecken sollen, der Einsatz militärischer Gewalt gefordert.” Da der Herr Kornelius über exzellente Nato-Beziehungen verfügt, muss ich davon ausgehen, dass das alles ernstzunehmen ist. Nicht in meinem Denken, aber als mich und Sie umgebende politische Wirklichkeit.

    Kriegsdienst verweigern

    Mehr Sympathie bringe ich allen entgegen, die den Kriegsdienst verweigern. In Russland und der Ukraine gibt es offenbar sehr viele, die das tun. Präsident Wolodymyr Selenskij klagt öffentlich darüber; seine Reserven sind kleiner als die von Wladimir Putin. Auch hier überbringt mir Florian Rötzer entsprechende Nachrichten: Ukraine: Lieber Verlust der Staatsbürgerschaft als Mobilisierung – Die Personalnot der ukrainischen Streitkräfte tritt immer deutlicher zutage. Nach Online-Umfragen der Abgeordneten Bezhula scheint die Bereitschaft von vielen Männern und Frauen gering zu sein, in den Krieg zu ziehen.”

    Ich versichere dem Herrn Kornelius und allen seinen politischen und publizistischen Freund*inn*en: bei uns wäre es nicht anders. Es gibt nur eine Frage, die ich (noch) nicht beantworten kann: wohin fliehen?

    Wundersame Bahn klemmt Bonn und Beuel ab

    Zumal ich nicht weiss, mit welchem Verkehrsmittel. Denn im Januar (8.-21.) wird die Bahn Bonn und Beuel sogar von Köln weitgehend abklemmen. Nur die Stadtbahnlinien 16 und 18 werden uns – sofern sie fahren – noch mit der Aussenwelt verbinden. Es ist zweifellos eine schwere Strafe, in Bonn und mit den Bonner*inne*n eingesperrt zu sein. Schlimmer ist es nur für die, die hier arbeiten müssen. Wie sollen sie rein- und wieder rauskommen? Bitter.

    Rächen Sie sich mit Spenden

    Wenn ich oben die Kriegsdienstverweigerung verherrliche, führt kein Weg am Connection e.V. vorbei.

    Wenn Sie die Flüchtingspolitik der EU und der Bundesregierung so anwidert wie mich, und Sie keine Flüchtlingsinitiative in Ihrer Nähe kennen, dann bitte hier entlang zu ProAsyl.

    Und wenn Ihnen die ganze Richtung in der vermachteten deutschen Medienlandschaft nicht passt, dann sind sie bei Netzpolitik.org richtig.

    Ich musste im Vorjahr als Rentner erstmals Steuern zahlen. Dann lieber an eine dieser Adressen, als an Christian Lindner.

  30. Beuel – Ehrenfeld

    Null Problemo gestern, das wird nächste Woche anders – Wundersame Bahn CLIX
    Es sind Sommerferien. Die DB Regio fährt nur noch einspännig. Es erwies sich gestern als richtig – am frühen wie am mittleren Abend. Null Verspätung, null Probleme. Bravo! Nächste Woche dagegen: Bauarbeiten in Köln zwischen Hbf. und Deutz. Alle sollen sich bitte vorher […]

    https://extradienst.net/2023/06/29/beuel-ehrenfeld/

  31. Glück gehabt

    Klimaanlagen, Stammstrecken, Stolperfallen, kleine und grosse / Wundersame Bahn CLVI
    1990-2005 habe ich als MdL-Mitarbeiter im NRW-Landtag gearbeitet. Es war eine schöne Zeit, bis 2002. Dass es schön war, verdankte ich meinen Chefs Roland Appel und Thomas Rommelspacher. Und der Deutschen Bahn, die zwischen 1990 und 2002 noch funktionierte. Dann war die […]

    https://extradienst.net/2023/06/13/glueck-gehabt-2/

  32. Glück gehabt

    Klimaanlagen, Stammstrecken, Stolperfallen, kleine und grosse / Wundersame Bahn CLVI
    1990-2005 habe ich als MdL-Mitarbeiter im NRW-Landtag gearbeitet. Es war eine schöne Zeit, bis 2002. Dass es schön war, verdankte ich meinen Chefs Roland Appel und Thomas Rommelspacher. Und der Deutschen Bahn, die zwischen 1990 und 2002 noch funktionierte. Dann war die […]

    https://extradienst.net/2023/06/13/glueck-gehabt-2/

  33. Wundersame 49-€-Ticket Bahn (CLI)

    Nach zunächst nur lokaler Verwendung testete ich gestern erstmals mein 49-€-Ticket bei der Deutschen Bahn (Netz), bzw. mit “National Express” (Zug: brit. Privatbahnbetreiber im NRW-Regionalverkehr; die sind von da, wo besonders gerne – und berechtigt! – gestreikt wird). Ich nehme die Pointe vorweg: wenn es “nix” kostet, steigert es […]

    https://extradienst.net/2023/05/20/wundersame-49-e-ticket-bahn-cli/

  34. Brodelnde Kreativitätskessel

    Die Wachstumsregion der gegenwärtigen menschlichen Welt ist die nach Süden ausgerichtete Küstenregion Westafrikas. Diese Erkenntnis verdanke ich Howard French/Guardian und dem Arte-Projekt Generation Africa. Gestern habe ich was vom West- und Ostrand Afrikas dazugelernt. Liegt nur 8.200 km auseinander, das sind noch rund 2.200 km mehr, als Beuel von New York entfernt […]

    https://extradienst.net/2023/05/14/brodelnde-kreativitaetskessel/

  35. Die Daten des 49-€-Tickets

    Wundersame Bahn CXLIX
    Lobenswerte Recherche des Kollegen Markus Reuter/netzpolitik: “Geodaten und Personalisierung: Datenschutzrisiko Deutschlandticket – Bei der Kontrolle von Deutschlandtickets wird haltestellengenau gespeichert, welches Ticket wann kontrolliert oder eingelesen wurde. Recherchen von netzpolitik.org zeigen die massiven […]

    https://extradienst.net/2023/05/12/die-daten-des-49-e-tickets/

  36. Hindernisse

    Eine Sensation bleibt uns erspart. Z.B. ein fahrgastfreundliches Angebot deutscher Verkehrsminister (Frauen dabei?)- Wundersame Bahn CXLVII
    Ein Wimpernschlag der Menschheitsgeschichte ist für deutsche Verkehrspolitiker*innen einfach zu kurz. Seit 33 Jahren sind die BRD und die DDR nun schon in der BRD zusammen. Bahncard und Trampermonatsticket gabs […]

    https://extradienst.net/2023/04/14/hindernisse/

  37. Rechthaber-Krieg

    Und: missachtete Dokumentarperlen
    Glücklich ein Land, das keine andere Probleme hat, als die Frage, wer in seinen überflüssigen TV-Talkshows rechthat, und wer nicht. Ich bin immer dafür, die Dinge positiv zu sehen. Unbezweifelbar scheint mir, dass es überall auf der Welt einen Mob mit tiefsitzenden eliminatorischen Bedürfnissen gibt. Ich kenne das von mir: wenn […]

    https://extradienst.net/2023/03/02/rechthaber-krieg/

  38. Rechthaber-Krieg

    Und: missachtete Dokumentarperlen
    Glücklich ein Land, das keine andere Probleme hat, als die Frage, wer in seinen überflüssigen TV-Talkshows rechthat, und wer nicht. Ich bin immer dafür, die Dinge positiv zu sehen. Unbezweifelbar scheint mir, dass es überall auf der Welt einen Mob mit tiefsitzenden eliminatorischen Bedürfnissen gibt. Ich kenne das von mir: wenn […]

    https://extradienst.net/2023/03/02/rechthaber-krieg/

  39. Rechthaber-Krieg

    Und: missachtete Dokumentarperlen
    Glücklich ein Land, das keine andere Probleme hat, als die Frage, wer in seinen überflüssigen TV-Talkshows rechthat, und wer nicht. Ich bin immer dafür, die Dinge positiv zu sehen. Unbezweifelbar scheint mir, dass es überall auf der Welt einen Mob mit tiefsitzenden eliminatorischen Bedürfnissen gibt. Ich kenne das von mir: wenn […]

    https://extradienst.net/2023/03/02/rechthaber-krieg/

  40. NRW wird stillgelegt

    Kürzlich schrieb ich in einer Diskussion mit einem Leser: “Von Berlin aus gesehen ist eigentlich alles weit weg.” Das gilt selbstverständlich besonders für das bevölkerungsreichste Bundesland, in dem in der Regel Bundestagswahlen entschieden werden, mehr als irgendwo anders. Es ist also durchaus spannend, wie sich der FDP-Verkehrsminister und seine […]

    https://extradienst.net/2023/02/11/nrw-wird-stillgelegt/

  41. NRW wird stillgelegt

    Kürzlich schrieb ich in einer Diskussion mit einem Leser: “Von Berlin aus gesehen ist eigentlich alles weit weg.” Das gilt selbstverständlich besonders für das bevölkerungsreichste Bundesland, in dem in der Regel Bundestagswahlen entschieden werden, mehr als irgendwo anders. Es ist also durchaus spannend, wie sich der FDP-Verkehrsminister und seine […]

    https://extradienst.net/2023/02/11/nrw-wird-stillgelegt/

  42. Kraftvoll ergreifen

    “Kommunikative Chance” – manche tun es (Polizei, Klimaaktivist*inn*en, Mieter*innen), andere lernens nie (Regierungen, Parteien, Immobilienbesitzer*innen) – Best of 14. Januar 2023 Die – mglw. gut ausgehende Geschichte zuerst. Anfang November erschien im Berliner Lokalteil der taz diese Schmonzette – dachte ich – über einige ehemals “alternative” Immobiliendealer*innen: “Verdrängung in Berlin-Kreuzberg: Linke Vermieter – Ausgerechnet eine linke Eigentümergemeinschaft plant den Verkauf ihres Mietshauses an einen Investor. Die Mie­te­r*in­nen protestieren.” Meine Hypothese damals: die kennen sich alle […]

    https://extradienst.net/2023/01/15/kraftvoll-ergreifen/

  43. Kraftvoll ergreifen

    “Kommunikative Chance” – manche tun es (Polizei, Klimaaktivist*inn*en, Mieter*innen), andere lernens nie (Regierungen, Parteien, Immobilienbesitzer*innen) – Best of 14. Januar 2023 Die – mglw. gut ausgehende Geschichte zuerst. Anfang November erschien im Berliner Lokalteil der taz diese Schmonzette – dachte ich – über einige ehemals “alternative” Immobiliendealer*innen: “Verdrängung in Berlin-Kreuzberg: Linke Vermieter – Ausgerechnet eine linke Eigentümergemeinschaft plant den Verkauf ihres Mietshauses an einen Investor. Die Mie­te­r*in­nen protestieren.” Meine Hypothese damals: die kennen sich alle […]

    https://extradienst.net/2023/01/15/kraftvoll-ergreifen/

  44. Die rechtsrheinische Bahn

    Wundersame Bahn CXXXVII Vor über 10 Jahren las ich morgens an meinem Schreibtisch in der Fraktionsgeschäftsstelle der Grünen im Alten Rathaus in einer Zeitschrift mit dem elektrisierenden Titel “Nachrichtenblatt” (für oder von irgendwas), die seinerzeit digital nicht existierte, Weiterleitung unmöglich, eine sehr, sehr kluge Abhandlung über die rechtsrheinischen Verkehrsverhältnisse, die dringend eine der Linie 16 vergleichbare Stadtbahn zwischen Beuel und Köln verlange. Ich war begeistert. Die Argumentationsführung war zwingend. Da sich in der BRD noch […]

    https://extradienst.net/2023/01/13/die-rechtsrheinische-bahn/

  45. Die rechtsrheinische Bahn

    Wundersame Bahn CXXXVII Vor über 10 Jahren las ich morgens an meinem Schreibtisch in der Fraktionsgeschäftsstelle der Grünen im Alten Rathaus in einer Zeitschrift mit dem elektrisierenden Titel “Nachrichtenblatt” (für oder von irgendwas), die seinerzeit digital nicht existierte, Weiterleitung unmöglich, eine sehr, sehr kluge Abhandlung über die rechtsrheinischen Verkehrsverhältnisse, die dringend eine der Linie 16 vergleichbare Stadtbahn zwischen Beuel und Köln verlange. Ich war begeistert. Die Argumentationsführung war zwingend. Da sich in der BRD noch […]

    https://extradienst.net/2023/01/13/die-rechtsrheinische-bahn/

  46. Feedback Nr. 2

    Wundersame Bahn CXXXV – der perfekteste Reisetag des Jahres Wenn Sie frei wählen können, reisen Sie Heilichahmt. Irgendwas muss passiert sein bei der Deutschen Bahn. Es war das meistdiskutierte Thema an der Fanilien-Festtafel: wie kann es sein, dass plötzlich alles funktioniert. Während ich von meiner Reise berichtete, erzählten andere, dass sie in der Glotze erstaunte Reporter an Hauptbahnhöfen gesehn hatten, die Ähnliches berichteten. Nichts brach zusammen. Keine Warteschlangen, Verspätungen, überfüllte Bahnsteige, empörte Fahrgäste. Im Gegenteil. […]

    https://extradienst.net/2022/12/25/feedback-nr-2/

  47. Wundersame 16

    Wundersame Bahn CXXXIV Wenn in Deutschland eine Bahn auf Schienen nach Fahrplan fährt, dann ist das eine Meldung wert. Gestern, während des Deutschland-Spiels, war ich in der Kölner Südstadt verabredet. Die Fahrt mit der Stadtbahnlinie 16 führt zwar allzu langwierig durch urbanistisch verwüstetes “Durchfahrtsland”, endet aber immerhin nur wenige Meter entfernt vom angepeilten gastronomischen Ziel. Mit der störanfälligen und ampelgebremsten 66 erreichte ich die U-Bahnstation Hbf. mit der gebotenen Planungsvorsicht vor der angepeilten Zeit. Zur […]

    https://extradienst.net/2022/12/02/wundersame-16/

  48. Wundersame 16

    Wundersame Bahn CXXXIV Wenn in Deutschland eine Bahn auf Schienen nach Fahrplan fährt, dann ist das eine Meldung wert. Gestern, während des Deutschland-Spiels, war ich in der Kölner Südstadt verabredet. Die Fahrt mit der Stadtbahnlinie 16 führt zwar allzu langwierig durch urbanistisch verwüstetes “Durchfahrtsland”, endet aber immerhin nur wenige Meter entfernt vom angepeilten gastronomischen Ziel. Mit der störanfälligen und ampelgebremsten 66 erreichte ich die U-Bahnstation Hbf. mit der gebotenen Planungsvorsicht vor der angepeilten Zeit. Zur […]

    https://extradienst.net/2022/12/02/wundersame-16/

  49. Die Freuden des Nahverkehrs in der Wundersamen Bahn CXXXIII

    Das 9-Euro-Ticket ist vorbei. Das 49-Euro-Ticket steht bevor – ob und wann es tatsächlich kommt, wer weiss das? Dazwischen fährt die Bahn im Normalbetrieb. Die Spannung vor und für den Weihnachts-/Neujahrsverkehr, traditionell eine Hochsaison, wie sonst nur die Freitagnachmittage, steigt. Dafür waren meine gestrigen Erfahrungen in ihrer Ambivalenz vielsagend. Es ging mal wieder nur bis Ehrenfeld.

    Hinfahrt über Bonn Hbf. bis Köln-West. Zeitig am Hbf., Zubringerdienst der Bonner Linie 62 perfekt, trotz Rushhour ist nichts überfüllt, auch nicht auf dem Bahnsteig. Ein IC nach Berlin-Ostkreuz “fällt aus” wg. Streckensperrung zwischen Berlin und Hannover. Warum bedient der Fernzug NRW und Niedersachsen nicht bis Hannover? Ein Geheimnis der Bahn. Auf dem gesperrten Streckenabschnitt würde er sowieso nirgends halten. Wolfsburg? Bekanntlich nur manchmal …

    Darüber nachdenkend ein Schock. Ein Güterzug brettert ohne Vorwarnung (Bahnsteiganzeige, Lautsprecherdurchsage) mit Höchstgeschwindigkeit durch den Bahnsteig von Süd nach Nord. Aus Moers nichts gelernt? Der Bruder eines alten Friedensbewegungs- und Journalismusfreundes ist seit den 70er Jahren schwerbehindert, weil ihm damals auf diesem Bahnsteig 1 eine fliegende Eisenstange in seinen Rücken donnerte. Ich war nicht dabei, aber allein diese Geschichte hat mich traumatisiert, dass ich bei jeder Durchfahrt im Bonner Hbf. in Deckung flüchte und genau hinsehe.

    Dann erscheint der “National Express” nach Köln pünktlich. Darin meine charmante Abendbegleitung, die einen Sitzplatz freihält. Vom Bahnsteig bringe ich einen alten WG-Genossen mit, den ich dort zufällig traf. Er ist Pensionär und macht Vaterschaftsvertretung für einen jüngeren Kollegen – Teilzeitberufspendler. Angenehm störungsfreie und entspannte Fahrt nach Köln-West. Danach Spaziergang durch den früh dämmernden Abend zum Aperitif.

    Die Rückfahrt

    Eine Fahrt von Köln-Ehrenfeld nach Bonn-Beuel sollte für die Bahn keine Überforderung sein. Denkt der Laie. In der heimelig-gemütlichen Bahnsteigunterführung Ehrenfelds, nächtlich regelmässig von Notleidenden bewohnt, der Versuch am Automaten ein Ticket zu ziehen. Die KVB zwingt auch bei hohem Verbundsfahrpreis zur Münzzahlung – für die DB zu absurd? Nein, nicht wirklich. Der Schlitz für Geldscheine ist an beiden Automaten verklebt. Sabotage? Absicht? Funktioniert jedenfalls nicht. Ich erklimme den Bahnsteig, um in der Unterführung am anderen Ende mein Glück zu versuchen.

    Oben bemerke ich, dass ein Zug nach Beuel bereits einfährt. Nicht der, den ich angepeilt habe, sondern der davor – mit 45 Minuten Verspätung. Der DB-Navigator hatte nichts davon angezeigt. Ich riskiere es und steige ohne Ticket ein. Meine Ehrenfelder Freundin bot sich mir als Zeugin für die Automatenstörung an. Die eigentliche Störung, vom DB-Navigator auch angekündigt, stand für den Zug erst noch bevor: Umleitung über Köln-Süd und Südbrücke auf die andere Rheinseite. Nebeneffekt: freie Platzwahl im Zug. Zugbegleitung zum Ticketerwerb und zur Automatenstörungs-Meldung Fehlanzeige. Wir dürfen wohl froh sein, dass sich überhaupt jemand zur Steuerung des Zuges gefunden hat.

    Die Verspätung vergrössert sich trotz langsamer Fahrt bis Beuel nicht. Ich komme beinahe an, wie geplant – nur mit dem früheren Zug. Der DB-Navigator zeigte mir mittlerweile den Ausfall späterer Züge an. Und die Fahrt war faktisch und ohne meine Absicht nicht nur die Letzte dieses Abends auf dieser Strecke, sondern faktisch auch kostenfrei. Das war knapp. Ich bin ein Sonntagskind.

    Idyllisches Vogelgezwitscher noch vor der Morgendämmerung weckte mich aus meinen Träumen (Steirer Vermuth, Weissburgunder, Spätburgunder, Dessertwein) und liess mich diese Geschichte aufschreiben. Jetzt lege ich mich wieder hin, und schlafe das Versäumte nach. Wir haben es gut im Rheinland.

    Über den/die Autor*in: Martin Böttger

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @[email protected]

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    https://extradienst.net/2022/11/25/vor-dem-naechsten-ticket/