"Rechtliche Maßnahmen: Rückbau von Inklusion
Unter den potentiell behindertenfeindlichen Positionen der AfD ist allein die zur schulischen Inklusion hinreichend gesichert. Fraglich ist, ob diese Position beziehungsweise ob zumindest ihre extremste Ausprägung — die Beendigung von Inklusion in Schulen — die Menschenwürde der Betroffenen verletzt.
Beschlusslage und Äußerungen zum Rückbau der Inklusion
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Beschlusslage
Grundsätzlich hält sich die AfD mit behindertenpolitischen Positionen zurück. Ein Beispiel für eine kritikwürdige, ableistische Forderung liegt darin, die häusliche Betreuung durch Angehörige besser zu honorieren und bürokratische Auflagen abzuschaffen. Hier könnte zwar durch finanzielle Anreize ein faktisches Risiko dafür geschaffen werden, dass Menschen mit Behinderung aus der Öffentlichkeit in ihr häusliches Umfeld gedrängt werden, anstatt — zum Beispiel durch die unbürokratische Finanzierung einer persönlichen Assistenz — am gesellschaftlichen Leben gleichberechtigt teilnehmen zu können. Allerdings wirkt die Forderung nicht unmittelbar diskriminierend und verletzt nicht die Menschenwürde.
Anders könnte es sich im Bereich der schulischen Inklusion verhalten. Die AfD stellt sich im Bund sowie in einzelnen Landesverbänden ausdrücklich und durchgängig gegen eine Inklusion von Menschen mit Behinderungen in Schulen: Es dürfe „keine Inklusion um jeden Preis geben”, formulierte sie bereits in ihrem Grundsatzprogramm von 2016.
Stattdessen sollten „Förderschulen als Bildungschance erhalten” bleiben beziehungsweise das Förderschulsystem ausgebaut werden. Eine Förderung sei in vielen spezialisierteren Sonderschulen oder in speziell eingerichteten Förderklassen an Regelschulen oftmals effektiver umzusetzen.
Vergleichbares ist in der am 6. November 2023 beschlossenen Resolution der AfD-Bildungspolitiker*innen auf Bundes- und Landesebene zu finden. Darin enthalten ist unter anderem die Forderung nach einem Erhalt der Förderschulen und einer Neugründung bei Bedarf. Es spreche nichts gegen eine Inklusion in den Regelunterricht, wenn der Grad der Beeinträchtigung eines Schülers oder einer Schülerin eine erfolgreiche reguläre Beschulung erwarten lasse und optimale Lern- und Förderbedingungen vorlägen.
Die AfD flankiert ihre Ablehnung gegenüber Inklusion mit einer Zuschreibung als „Experiment”
oder „ideologisch motiviert”. Bei Inklusion würden „ideologische Vorstellungen” eine übergeordnete Rolle spielen.
Am weitesten geht der Landesverband Sachsen-Anhalt, der Inklusion an Schulen vollständig abschaffen will:
„Das Experiment „Inklusion”, also der gemeinsame Unterricht von behinderten Kindern mit normal begabten Kindern und die Abschaffung der herkömmlichen Förderschulen, ist auf ganzer Linie gescheitert. Die behinderten Kinder erhalten nicht die Aufmerksamkeit, die sie benötigen, finden unter ihren Mitschülern keinen Anschluss, lähmen den Unterrichtsfortgang und bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Gerade behinderte Kinder benötigen eine speziell auf ihre Situation abgestimmte Pädagogik, wie sie nur an Förderschulen möglich ist. Hinzu kommt, dass die in Inklusionsklassen oft praktizierte Doppelbesetzung (= zwei Lehrer pro Klasse) in Zeiten des Lehrermangels wertvolle Kapazitäten bindet. Wir werden die Inklusion unverzüglich beenden und die Förderschulen ausbauen!“
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Äußerungen
Behindertenpolitische Äußerungen der AfD betreffen ebenfalls in großen Teilen die schulische Inklusion (bzw. deren Abschaffung). So äußerte sich zum Beispiel Björn Höcke, Landesvorsitzender in Thüringen, 2023 wie folgt:
“Unter anderem müssen wir das Bildungssystem auch befreien von Ideologieprojekten, beispielsweise der Inklusion, beispielsweise auch dem Gender-Mainstream-Ansatz. Alles das sind Projekte, die unsere Schüler nicht weiterbringen, die unsere Kinder nicht leistungsfähiger machen und die nicht dazu führen, dass wir aus unseren Kindern und Jugendlichen die Fachkräfte der Zukunft machen.“
Höcke hatte diese Äußerung mit den Worten eingeleitet:
„Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass es eine kluge Einordnung gibt, die lautet: Gesunde Gesellschaften haben gesunde Schulen.“
Hierzu schrieb Maximilian Krah, Mitglied des Bundestages:
„Es gibt sehr gute und wohlbegründete Argumente gegen #Inklusion. […] Aber wehe, @BjörnHoecke spricht es aus — dann wird aus deinem fragwürdigen pädagogischen Konzept der Lackmustest der Verfassungstreue."
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