"Eine große Zahl der von frühem Trauma betroffenen Menschen leidet unter vielfältigen Beschwerden, die lange Zeit nicht als Traumafolgesymptome erkannt werden.
Das Spektrum dieser Symptome ist vielfältig, es reicht von Selbstwert- und Bindungsproblemen über gesundheitliche Themen bis hin zu Ängsten und Depressionen. Viele Betroffene suchen Unterstützung zunächst nicht in einer Therapie, und wenn sie es doch tun, sind sie mit langen Wartezeiten konfrontiert oder bekommen keinen Therapieplatz. Anlaufstellen, die ihnen kurzfristiger offenstehen, finden sich im Beratungs- und Coachingrahmen sowie in Selbsthilfegruppen oder Angeboten zur Persönlichkeitsentwicklung. An diesen Stellen, ebenso oft aber auch im therapeutischen Setting, fehlt häufig jegliche Kompetenz im Umgang mit Trauma. Diese Tatsache führt viele von frühem und komplexem Trauma Betroffene auf eine jahrelange Odyssee, wenn sie sich auf die Suche nach Heilung oder zumindest Linderung ihrer Beschwerden begeben. Ohne traumaspezifische Unterstützung kann diese Suche jedoch nicht erfolgreich enden.
Ein Ansatz zur Verbesserung der Versorgungslage liegt in der Kompetenzerweiterung helfender Berufsgruppen - insbesondere jener, die jenseits eines Therapierahmens Begleitung anbieten. Traumasensible Unterstützung ist ein Schlüssel zur Linderung von Ohnmachtsgefühlen und Überforderung und hilft, Symptome zu mildern und Traumaintegration zu fördern.
Die Bedeutung einer traumasensiblen Begleitung ist noch immer sowohl eine übersehene Notwendigkeit als auch eine übersehene Ressource. Diese Ressource auszubauen stellt eine Herausforderung dar, birgt aber auch eine große Chance.
Die Herausforderung besteht darin, mit niedrigschwelligen Konzepten Rahmenwerke zu schaffen, in denen Menschen mit Traumafolgen sicher und professionell begleitet werden können, ohne dass die Abgrenzung zum therapeutischen Rahmen verschwimmt. Die große Chance liegt in dem Umstand, dass Betroffene schneller Zugang zu nachhaltig hilfreichen Angeboten bekommen und ihnen ein neuer Blickwinkel auf ihre Symptome sowie ein neues Selbstverständnis ermöglicht wird.
Indem ihre Fähigkeiten zur Selbstregulation gestärkt werden und sie lernen, ihren Traumafolgesymptomen selbstwirksam zu begegnen, verkürzen sich zudem ihre
Leidenswege.
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-- Verena König, in: Ego-State-Therapie. Von den historischen Wurzeln zur innovativen Praxis. (2026)
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