#pascalbeucker — Public Fediverse posts
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Männer, die nicht Aufhören können
Pascal Beucker und Frank Überall hatten mal ein Buch über “Endstation Rücktritt” (2006) geschrieben, das mich nur so mittel amüsiert hatte. Aus heutiger Sicht würde ich urteilen, weil der Titel falsch gewählt ist. Rücktritte sind keine Endstation, sondern objektiv fängt das (gute) Leben danach erst an. Aber wer sagts den alten und mittelalten Männern? Viele ihrer Gattinnen schweigen eisern. Aus Sicherheitsgründen?
Gut, Udo Lindenberg (80) muss noch seine Miete für das Hotel Atlantic verdienen. Lindenberg blieb bisher in einer Hinsicht verschont, die seinen französischen Kollegen Patrick Bruel (67) gerade einholt. Etliche seiner Filme mochte ich sehr, und ob ich dem Kollegen Schirrmeister/taz mit etwas dick aufgetragenem Pathos noch trauen soll? Nach dem hier?
Um Enrico Berlinguer, wurde nur 62, an den ein Kinofilm erinnert, auf den Barbara Schweizerhof/taz heute dankenswerterweise hinweist, habe ich mitgetrauert. Der Film ist übrigens schon zwei Jahre alt, und kommt erst jetzt nach Deutschland, zu uns Zurückgebliebenen, die wir die Gefahr des Faschismus weit weniger verstanden haben, als Berlinguer. Oder Richard Sennett, auch schon sehr alt (83), und schreibt noch ein Buch.
Donald Trump hat zwei Tage nach Eröffnung seiner WM 80. Geburtstag. Bei ihm ist die Sehnsucht – weltweit betrachtet – sicher am grössten. Aber Tod oder Rücktritt würden keins der von ihm mitgeschaffenen Probleme lösen. Es ist das System (und J.D. Vance). It’s the economy, stupid!
Und die Fussballer kennen auch keine Gnade vor unseren Augen. Stanley Matthews und Hans Schäfer hatten nach dem Krieg Massstäbe gesetzt. Matthews hatte noch mit 50 Vertrag bei seinem Heimat- und Jugendverein Stoke City. Dort spielte auch Torwartlegende und Weltmeister 66 Gordon Banks (aber Netzers Elfmeter 72 war drin!) noch mit 37 und hörte erst mit 41 in Florida auf. Hans Schäfer, den ich als steinalten Fan noch kennenlernen durfte, spielte noch mit 37/38 die ersten zwei Bundesligasaisons 63-65. Sein Weltmeisterkollege Helmut Rahn musste mit 36 ebenfalls noch mitspielen, beim Meidericher SV in zwei Saisons 19 Einsätze und 8 Tore; bei ihm war es der Alkohol. Sein Gebrauchtwagenhandel an der Altenessener Strasse hielt etwas länger durch, bis in die 70er. Damals gab es noch keine Auswechslungen, aber schon TV-Berichte, in denen ich sie bewunderte, Rahn etwas weniger als Schäfer.
Und nun zu Ehren Donald Trumps lassen sich zahllose überlebte Stars nochmal im Rollstuhl aufs Feld bugsieren. Manuel Neuer (vor 40 Jahren im gleichen Krankenhaus geboren wie ich) soll Deutschlands heruntergekommene Fussballehre retten. Lionel Messi wird zwei Tage nach dem letzten Gruppenspiel Argentiniens gegen Österreich 39, und mutmasslich danach immer noch weiterspielen müssen, weil er weitere Millionen für seinen unübersichtlichen Clan verdienen muss. Wie sein zeitweise gemeinsam mit ihm unter emiratischem Sold agierender brasilianischer Kollege Neymar (34), bei dem mann nie weiss, ob er schwer verletzt ist, oder nur den Sterbenden gibt. Das ist das passende Stichwort für den im Völkermörder-Sold spielenden Cristiano Ronaldo (41), ohne den seine Nationalmannschaft (Portugal) schon vor zehn Jahren (EM 2016) stärker war, als mit ihm.
Sportlich spricht nichts mehr für diese alten Herren. Für ihre Teams sind sie eine von der harten Defensivarbeit befreite Last. Aber die Entertainment-Industrie, die Medienoligarchen, die sie besitzen und beherrschen, wollen es so. Wer zahlt, bestellt die Musik. Darum wird diese WM, wie schon so viele vor ihr, sportlich hinter dem, was der Fussball zu bieten hat, zurückbleiben.
Fussball ist ein Teamsport. Davon verstehen die Oligarchen nichts. Und ihre Politiker*innen auch nicht (s.o. Sennett).
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Männer, die nicht Aufhören können
Pascal Beucker und Frank Überall hatten mal ein Buch über “Endstation Rücktritt” (2006) geschrieben, das mich nur so mittel amüsiert hatte. Aus heutiger Sicht würde ich urteilen, weil der Titel falsch gewählt ist. Rücktritte sind keine Endstation, sondern objektiv fängt das (gute) Leben danach erst an. Aber wer sagts den alten und mittelalten Männern? Viele ihrer Gattinnen schweigen eisern. Aus Sicherheitsgründen?
Gut, Udo Lindenberg (80) muss noch seine Miete für das Hotel Atlantic verdienen. Lindenberg blieb bisher in einer Hinsicht verschont, die seinen französischen Kollegen Patrick Bruel (67) gerade einholt. Etliche seiner Filme mochte ich sehr, und ob ich dem Kollegen Schirrmeister/taz mit etwas dick aufgetragenem Pathos noch trauen soll? Nach dem hier?
Um Enrico Berlinguer, wurde nur 62, an den ein Kinofilm erinnert, auf den Barbara Schweizerhof/taz heute dankenswerterweise hinweist, habe ich mitgetrauert. Der Film ist übrigens schon zwei Jahre alt, und kommt erst jetzt nach Deutschland, zu uns Zurückgebliebenen, die wir die Gefahr des Faschismus weit weniger verstanden haben, als Berlinguer. Oder Richard Sennett, auch schon sehr alt (83), und schreibt noch ein Buch.
Donald Trump hat zwei Tage nach Eröffnung seiner WM 80. Geburtstag. Bei ihm ist die Sehnsucht – weltweit betrachtet – sicher am grössten. Aber Tod oder Rücktritt würden keins der von ihm mitgeschaffenen Probleme lösen. Es ist das System (und J.D. Vance). It’s the economy, stupid!
Und die Fussballer kennen auch keine Gnade vor unseren Augen. Stanley Matthews und Hans Schäfer hatten nach dem Krieg Massstäbe gesetzt. Matthews hatte noch mit 50 Vertrag bei seinem Heimat- und Jugendverein Stoke City. Dort spielte auch Torwartlegende und Weltmeister 66 Gordon Banks (aber Netzers Elfmeter 72 war drin!) noch mit 37 und hörte erst mit 41 in Florida auf. Hans Schäfer, den ich als steinalten Fan noch kennenlernen durfte, spielte noch mit 37/38 die ersten zwei Bundesligasaisons 63-65. Sein Weltmeisterkollege Helmut Rahn musste mit 36 ebenfalls noch mitspielen, beim Meidericher SV in zwei Saisons 19 Einsätze und 8 Tore; bei ihm war es der Alkohol. Sein Gebrauchtwagenhandel an der Altenessener Strasse hielt etwas länger durch, bis in die 70er. Damals gab es noch keine Auswechslungen, aber schon TV-Berichte, in denen ich sie bewunderte, Rahn etwas weniger als Schäfer.
Und nun zu Ehren Donald Trumps lassen sich zahllose überlebte Stars nochmal im Rollstuhl aufs Feld bugsieren. Manuel Neuer (vor 40 Jahren im gleichen Krankenhaus geboren wie ich) soll Deutschlands heruntergekommene Fussballehre retten. Lionel Messi wird zwei Tage nach dem letzten Gruppenspiel Argentiniens gegen Österreich 39, und mutmasslich danach immer noch weiterspielen müssen, weil er weitere Millionen für seinen unübersichtlichen Clan verdienen muss. Wie sein zeitweise gemeinsam mit ihm unter emiratischem Sold agierender brasilianischer Kollege Neymar (34), bei dem mann nie weiss, ob er schwer verletzt ist, oder nur den Sterbenden gibt. Das ist das passende Stichwort für den im Völkermörder-Sold spielenden Cristiano Ronaldo (41), ohne den seine Nationalmannschaft (Portugal) schon vor zehn Jahren (EM 2016) stärker war, als mit ihm.
Sportlich spricht nichts mehr für diese alten Herren. Für ihre Teams sind sie eine von der harten Defensivarbeit befreite Last. Aber die Entertainment-Industrie, die Medienoligarchen, die sie besitzen und beherrschen, wollen es so. Wer zahlt, bestellt die Musik. Darum wird diese WM, wie schon so viele vor ihr, sportlich hinter dem, was der Fussball zu bieten hat, zurückbleiben.
Fussball ist ein Teamsport. Davon verstehen die Oligarchen nichts. Und ihre Politiker*innen auch nicht (s.o. Sennett).
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Männer, die nicht Aufhören können
Pascal Beucker und Frank Überall hatten mal ein Buch über “Endstation Rücktritt” (2006) geschrieben, das mich nur so mittel amüsiert hatte. Aus heutiger Sicht würde ich urteilen, weil der Titel falsch gewählt ist. Rücktritte sind keine Endstation, sondern objektiv fängt das (gute) Leben danach erst an. Aber wer sagts den alten und mittelalten Männern? Viele ihrer Gattinnen schweigen eisern. Aus Sicherheitsgründen?
Gut, Udo Lindenberg (80) muss noch seine Miete für das Hotel Atlantic verdienen. Lindenberg blieb bisher in einer Hinsicht verschont, die seinen französischen Kollegen Patrick Bruel (67) gerade einholt. Etliche seiner Filme mochte ich sehr, und ob ich dem Kollegen Schirrmeister/taz mit etwas dick aufgetragenem Pathos noch trauen soll? Nach dem hier?
Um Enrico Berlinguer, wurde nur 62, an den ein Kinofilm erinnert, auf den Barbara Schweizerhof/taz heute dankenswerterweise hinweist, habe ich mitgetrauert. Der Film ist übrigens schon zwei Jahre alt, und kommt erst jetzt nach Deutschland, zu uns Zurückgebliebenen, die wir die Gefahr des Faschismus weit weniger verstanden haben, als Berlinguer. Oder Richard Sennett, auch schon sehr alt (83), und schreibt noch ein Buch.
Donald Trump hat zwei Tage nach Eröffnung seiner WM 80. Geburtstag. Bei ihm ist die Sehnsucht – weltweit betrachtet – sicher am grössten. Aber Tod oder Rücktritt würden keins der von ihm mitgeschaffenen Probleme lösen. Es ist das System (und J.D. Vance). It’s the economy, stupid!
Und die Fussballer kennen auch keine Gnade vor unseren Augen. Stanley Matthews und Hans Schäfer hatten nach dem Krieg Massstäbe gesetzt. Matthews hatte noch mit 50 Vertrag bei seinem Heimat- und Jugendverein Stoke City. Dort spielte auch Torwartlegende und Weltmeister 66 Gordon Banks (aber Netzers Elfmeter 72 war drin!) noch mit 37 und hörte erst mit 41 in Florida auf. Hans Schäfer, den ich als steinalten Fan noch kennenlernen durfte, spielte noch mit 37/38 die ersten zwei Bundesligasaisons 63-65. Sein Weltmeisterkollege Helmut Rahn musste mit 36 ebenfalls noch mitspielen, beim Meidericher SV in zwei Saisons 19 Einsätze und 8 Tore; bei ihm war es der Alkohol. Sein Gebrauchtwagenhandel an der Altenessener Strasse hielt etwas länger durch, bis in die 70er. Damals gab es noch keine Auswechslungen, aber schon TV-Berichte, in denen ich sie bewunderte, Rahn etwas weniger als Schäfer.
Und nun zu Ehren Donald Trumps lassen sich zahllose überlebte Stars nochmal im Rollstuhl aufs Feld bugsieren. Manuel Neuer (vor 40 Jahren im gleichen Krankenhaus geboren wie ich) soll Deutschlands heruntergekommene Fussballehre retten. Lionel Messi wird zwei Tage nach dem letzten Gruppenspiel Argentiniens gegen Österreich 39, und mutmasslich danach immer noch weiterspielen müssen, weil er weitere Millionen für seinen unübersichtlichen Clan verdienen muss. Wie sein zeitweise gemeinsam mit ihm unter emiratischem Sold agierender brasilianischer Kollege Neymar (34), bei dem mann nie weiss, ob er schwer verletzt ist, oder nur den Sterbenden gibt. Das ist das passende Stichwort für den im Völkermörder-Sold spielenden Cristiano Ronaldo (41), ohne den seine Nationalmannschaft (Portugal) schon vor zehn Jahren (EM 2016) stärker war, als mit ihm.
Sportlich spricht nichts mehr für diese alten Herren. Für ihre Teams sind sie eine von der harten Defensivarbeit befreite Last. Aber die Entertainment-Industrie, die Medienoligarchen, die sie besitzen und beherrschen, wollen es so. Wer zahlt, bestellt die Musik. Darum wird diese WM, wie schon so viele vor ihr, sportlich hinter dem, was der Fussball zu bieten hat, zurückbleiben.
Fussball ist ein Teamsport. Davon verstehen die Oligarchen nichts. Und ihre Politiker*innen auch nicht (s.o. Sennett).
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Männer, die nicht Aufhören können
Pascal Beucker und Frank Überall hatten mal ein Buch über “Endstation Rücktritt” (2006) geschrieben, das mich nur so mittel amüsiert hatte. Aus heutiger Sicht würde ich urteilen, weil der Titel falsch gewählt ist. Rücktritte sind keine Endstation, sondern objektiv fängt das (gute) Leben danach erst an. Aber wer sagts den alten und mittelalten Männern? Viele ihrer Gattinnen schweigen eisern. Aus Sicherheitsgründen?
Gut, Udo Lindenberg (80) muss noch seine Miete für das Hotel Atlantic verdienen. Lindenberg blieb bisher in einer Hinsicht verschont, die seinen französischen Kollegen Patrick Bruel (67) gerade einholt. Etliche seiner Filme mochte ich sehr, und ob ich dem Kollegen Schirrmeister/taz mit etwas dick aufgetragenem Pathos noch trauen soll? Nach dem hier?
Um Enrico Berlinguer, wurde nur 62, an den ein Kinofilm erinnert, auf den Barbara Schweizerhof/taz heute dankenswerterweise hinweist, habe ich mitgetrauert. Der Film ist übrigens schon zwei Jahre alt, und kommt erst jetzt nach Deutschland, zu uns Zurückgebliebenen, die wir die Gefahr des Faschismus weit weniger verstanden haben, als Berlinguer. Oder Richard Sennett, auch schon sehr alt (83), und schreibt noch ein Buch.
Donald Trump hat zwei Tage nach Eröffnung seiner WM 80. Geburtstag. Bei ihm ist die Sehnsucht – weltweit betrachtet – sicher am grössten. Aber Tod oder Rücktritt würden keins der von ihm mitgeschaffenen Probleme lösen. Es ist das System (und J.D. Vance). It’s the economy, stupid!
Und die Fussballer kennen auch keine Gnade vor unseren Augen. Stanley Matthews und Hans Schäfer hatten nach dem Krieg Massstäbe gesetzt. Matthews hatte noch mit 50 Vertrag bei seinem Heimat- und Jugendverein Stoke City. Dort spielte auch Torwartlegende und Weltmeister 66 Gordon Banks (aber Netzers Elfmeter 72 war drin!) noch mit 37 und hörte erst mit 41 in Florida auf. Hans Schäfer, den ich als steinalten Fan noch kennenlernen durfte, spielte noch mit 37/38 die ersten zwei Bundesligasaisons 63-65. Sein Weltmeisterkollege Helmut Rahn musste mit 36 ebenfalls noch mitspielen, beim Meidericher SV in zwei Saisons 19 Einsätze und 8 Tore; bei ihm war es der Alkohol. Sein Gebrauchtwagenhandel an der Altenessener Strasse hielt etwas länger durch, bis in die 70er. Damals gab es noch keine Auswechslungen, aber schon TV-Berichte, in denen ich sie bewunderte, Rahn etwas weniger als Schäfer.
Und nun zu Ehren Donald Trumps lassen sich zahllose überlebte Stars nochmal im Rollstuhl aufs Feld bugsieren. Manuel Neuer (vor 40 Jahren im gleichen Krankenhaus geboren wie ich) soll Deutschlands heruntergekommene Fussballehre retten. Lionel Messi wird zwei Tage nach dem letzten Gruppenspiel Argentiniens gegen Österreich 39, und mutmasslich danach immer noch weiterspielen müssen, weil er weitere Millionen für seinen unübersichtlichen Clan verdienen muss. Wie sein zeitweise gemeinsam mit ihm unter emiratischem Sold agierender brasilianischer Kollege Neymar (34), bei dem mann nie weiss, ob er schwer verletzt ist, oder nur den Sterbenden gibt. Das ist das passende Stichwort für den im Völkermörder-Sold spielenden Cristiano Ronaldo (41), ohne den seine Nationalmannschaft (Portugal) schon vor zehn Jahren (EM 2016) stärker war, als mit ihm.
Sportlich spricht nichts mehr für diese alten Herren. Für ihre Teams sind sie eine von der harten Defensivarbeit befreite Last. Aber die Entertainment-Industrie, die Medienoligarchen, die sie besitzen und beherrschen, wollen es so. Wer zahlt, bestellt die Musik. Darum wird diese WM, wie schon so viele vor ihr, sportlich hinter dem, was der Fussball zu bieten hat, zurückbleiben.
Fussball ist ein Teamsport. Davon verstehen die Oligarchen nichts. Und ihre Politiker*innen auch nicht (s.o. Sennett).
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Antimilitaristischer Humor als Gemütsrettung – leider nicht ausreichend
Mein alter Jungdemokraten-Kollege Pascal Beucker/taz gehört in seiner Redaktion mittlerweile zu den alten Säcken. So erklärt es sich, dass er in seinem Innern angesichts der dilettierenden Regierungskoalition noch Überreste an antimilitaristischem Humor mobilisieren kann. Denn tatsächlich nutzt die Unions-Rechte jetzt zielsicher das Fenster der Gelegenheit für eine Zusammenarbeit mit der faschistischen AfD.
Wo lässt sich das besser platzieren als in der FAZ? Hinter ihrer Bezahlwand sollen die Herrschenden ihre Strategien diskutieren. Und der ideologische Rädelsführer der Unions-Rechten Rödder hat dort heute diese steile These gesetzt: “Die liberale Demokratie lässt sich nicht an der Dichte von Queer-Clubs messen”. Wow! Endlich traut sich mal einer! Ich bin mir nicht sicher, ob er seine Zeit “an der Bischöflichen Kirchenmusikschule Essen” mit der bestandenen “C-Kirchenmusikerprüfung” (zit. Wikipedia) unbeschadet überstanden hat. Ich war selbst 5 Jahre Messdiener, war kein Gewaltopfer. Habe aber mit Sicherheit unbewusst welche gekannt.
Mehr darüber wusste damals schon Erich Fromm, den Stefan Reinecke/taz in dieser Buchbesprechung völlig zu unrecht als “einen eher vergessenen Denker der Kritischen Theorie” bezeichnet. Das mag für mindergebildete was-mit-Medien-Fuzzies gelten. Für mich sicher nicht. Dieses populäre Buch haben wir 1970 in der Schule gelesen. Es enthielt ein ausführliches kritisches politisches Vorwort von Erich Fromm. Da war ich 13. Schweife ich ab?
Nicht wirklich. Die AfD wird vor der nächsten Bundestagswahl mit Hilfe von CDU und CSU Regierungsämter erklimmen. Und diesem Werk neue Verkaufserfolge bescheren. Die kommen dann allerdings zu spät.
Ob das dann Faschismus ist oder nicht, wird wirkungsloses Bauchnabelstreicheln unbeschäftigter Intellektueller. Deren eigentlicher Job wäre das Entwickeln, Diskutieren und Organisieren linker Alternativen. Die real existierenden Parteien sind erkennbar zu doof dazu. Sie stolpern aus – vorwiegend intellektueller – Schwäche permanent über ihre eigenen Beine und erweisen sich als mobilisierungsunfähig. Diese viele Arbeit ist für die längst zu anstrengend. Keine*r hat mehr Lust zum Träumen oder gar Kämpfen. Wenn das so bleibt, sind die Rechten am Ziel.
Aber sie werden nicht aufhören. Vergesst das “Entzaubern”! Das ist dann der sichere Weg in Faschismus.
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Antimilitaristischer Humor als Gemütsrettung – leider nicht ausreichend
Mein alter Jungdemokraten-Kollege Pascal Beucker/taz gehört in seiner Redaktion mittlerweile zu den alten Säcken. So erklärt es sich, dass er in seinem Innern angesichts der dilettierenden Regierungskoalition noch Überreste an antimilitaristischem Humor mobilisieren kann. Denn tatsächlich nutzt die Unions-Rechte jetzt zielsicher das Fenster der Gelegenheit für eine Zusammenarbeit mit der faschistischen AfD.
Wo lässt sich das besser platzieren als in der FAZ? Hinter ihrer Bezahlwand sollen die Herrschenden ihre Strategien diskutieren. Und der ideologische Rädelsführer der Unions-Rechten Rödder hat dort heute diese steile These gesetzt: “Die liberale Demokratie lässt sich nicht an der Dichte von Queer-Clubs messen”. Wow! Endlich traut sich mal einer! Ich bin mir nicht sicher, ob er seine Zeit “an der Bischöflichen Kirchenmusikschule Essen” mit der bestandenen “C-Kirchenmusikerprüfung” (zit. Wikipedia) unbeschadet überstanden hat. Ich war selbst 5 Jahre Messdiener, war kein Gewaltopfer. Habe aber mit Sicherheit unbewusst welche gekannt.
Mehr darüber wusste damals schon Erich Fromm, den Stefan Reinecke/taz in dieser Buchbesprechung völlig zu unrecht als “einen eher vergessenen Denker der Kritischen Theorie” bezeichnet. Das mag für mindergebildete was-mit-Medien-Fuzzies gelten. Für mich sicher nicht. Dieses populäre Buch haben wir 1970 in der Schule gelesen. Es enthielt ein ausführliches kritisches politisches Vorwort von Erich Fromm. Da war ich 13. Schweife ich ab?
Nicht wirklich. Die AfD wird vor der nächsten Bundestagswahl mit Hilfe von CDU und CSU Regierungsämter erklimmen. Und diesem Werk neue Verkaufserfolge bescheren. Die kommen dann allerdings zu spät.
Ob das dann Faschismus ist oder nicht, wird wirkungsloses Bauchnabelstreicheln unbeschäftigter Intellektueller. Deren eigentlicher Job wäre das Entwickeln, Diskutieren und Organisieren linker Alternativen. Die real existierenden Parteien sind erkennbar zu doof dazu. Sie stolpern aus – vorwiegend intellektueller – Schwäche permanent über ihre eigenen Beine und erweisen sich als mobilisierungsunfähig. Diese viele Arbeit ist für die längst zu anstrengend. Keine*r hat mehr Lust zum Träumen oder gar Kämpfen. Wenn das so bleibt, sind die Rechten am Ziel.
Aber sie werden nicht aufhören. Vergesst das “Entzaubern”! Das ist dann der sichere Weg in Faschismus.
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Die Bundesaussenministerin lässt sich in der FAZ-Paywall mit der Schlagzeile „Unsere Waffen helfen, Menschenleben zu retten“ profilieren. Da bin ich persönlich doch erleichtert, dass der Bundeskanzler persönlich zur UN-Vollversammlung anzureisen gedenkt. Ich gehöre nicht zu seinen Fans, war auch keiner, als ich ihn noch persönlich kannte. In der Regierungskoalition scheint er geradezu eine Speerspitze des Realismus zu sein. Was selten ist, ist wertvoll. Darum sollten Sie sein DLF-Interview von diesem Wochenende nicht versäumen. Es steht […]
https://extradienst.net/2022/09/17/wir-haben-diesen-blick-auf-die-welt/